Nr 242. Donnerstag, 13 Oktober 1932 12 Jahrgang. binzelpreis 70 Heller. (Einschließlich 6 Heller Porto) L«l «ZW Grschelnt mit Ausnahme des Montag täglich früh. » vaNloo u. Denvalluag: vrag U, 0kekä»an«o iS» r»I»»d.: 26195. Sl«04.0»a<®trrteiw und der Brüderschaft der Völker, den Kampf gegen den«nmensch- lichen barbarisch«« Geist des Faseismus mit allen zweckdienlichen Mitteln wirksam zu unterstützen. In dem Ringen zwischen den Kräften der Vergangenheit und denen der Zukunft wendet sich die Sozialistische Jugend-Internationale an die Jugend aller Länder mit dem Aufruf, sich nicht länger durch nationalistische Parolen irreführen zu last«»!, sonder» sich hinter die Fahnen des internationalen Sozialismus zu scharen. Verstärkung der politischen und wirtschaftlichen Macht der sozialistischen Arbeiterbewegung ist die sicherste Garantie g^en di« Schrecknisse des Krieges und die Brutantat des Militarismus. Unbeschadet unserer kritischen Stellungnahme zur verfehlten Politik, die die Bolschewik innerhalb und außerhalb Rußlands führen, betrachtet die Sozialistische Jugend-Internationale die Versuch« der imperialistischen Macht«, Towjctrußland militärisch niederzuzwingen, als eine Gefährdung der rustischen Revolution. Deswegen fordert die Sozialistische Jugend-Internationale die Arbeiterjugend auf, sich jetzt, wie immer bisher, gegen jegliche Intervention bürgerlicher Staaten gegen Rußland scharf zur Wehr zu setzen. In völliger Ueberemstimmung mit den Auffastungen der Sozialistischen Arbeiter-Internationale und des Internationalen Gewerkschaftsbundes, appelliert die Sozialistische Jugend- Internationale im Name« der menschlichen Kul, tur an die jung« Generation, sich im Fall eines Krieges oder der Kriegsgefahr mit allen der inter- »atiönalcn Arbeiterbewegung zur Verfügung stehenden Mitteln gegen dir herrschende Klaffe zur Wehr zu setzen» damit die internationale Solidarität der Arbeiter den Nationalismus einer Verblendeten Bourgeoisie«iederringen und die Verwirklichung des■ Sozialismus herbeiführeu wird. * Arbeiterjugend und Wirisdiaiishrise. Hundert Millionen Menschen, darunter Millionen Jugendlicher, zählen in der ganzen Welt zu den Opfern der kapitalistische» Krise. Die Tätigkeit der Gewerkschaften, der sozialistische» Parteien und der sozialistischen Jugendverbände ist daher der Beseitigung der Not und des Elends der Arbeitslosem gewidmet. Die Sozialistische Jugend-Internationale hat in allen ihren Kundgebungen darauf verwiesen, daß es für die menschliche Gesellschaft nur einen Ausweg aus der Krise gibt: Beseitigung des Kapitalismus und Errichtung der sozialistischen Gesellschaft. Diese grundsätzliche Erkenntnis muß mit den Gegenwartszielen unseres Kampfes verbunden werden. Das Exekutivkomitee der Sozialistischen Jugend-Internationale hat dieser Notwendigkeit Rechnung getragen und in seiner Sitzung vom 18. September 1931 alle Verbände aufgefordert, in Gemeinschaft mit den sozialistischen Parteien und den Gewerkschaften ihre ganze Kraft dem Kampf um die Verkürzung der gesetzlich zulässigen Arbeitszeit für Jugendliche zu widmen. In Ueberemstimmung mit dem Programm der Sozialistischen Jugend-International« und den Beschlüssen der vorerwähnten Exekutivkomiteesitzung erklärt sich der Kongreß damit einverstanden, daß das internationale Aktionsprogramm den Forderungen nach Verlängerung der allgemeinen Schulpflicht und Verkürzung der Arbeitszeit angeglichen wird. Die Sozialistische Jugend- Internationale und die ihr angeschloffenen Organisationen haben immer die Organisierung praktischer Hilfsmaßnahmen für die erwerbslose Jugend betrieben. Mehr als bisher noch werden die sozialistischen Jugendverbänd» die Schicksalsverbundenheit der arbeitenden mit der erwerbslos«» Jugend demonstrieren. Sir werden den Kampf um das Recht der Jugend auf Arbeit und für die Erfüllung der nachstehenden Forderungen in innigstem Einvernehmen mit den sozialistischen Parteien und den Gewerkschaften weiterführen: 1. Sicherung, beziehungsweise Einführung der gesetzlichen Unterstützung für arbeits- und erwerbslose Jugendliche;' 2. Förderung der Nachschulungseinrichtungen und Ausdehnung der Fortbildung?- und Berufsschule auf die erwerbslose Jugend; 3. Schaffung von Sammellchrwerkstätten für solche Jugendliche, die keine Lehrstelle finden können; Ketzergericht. Der Ausschluß Sinowjews und Kamenews. In Gemeinschaft von zwanzig Mitgliedern und„Helfershelfern dieser konterrevolutionären Gruppe" sind von der. Zentralkommission der kommunistischen Partei Ruß-, lands auch Sinowjew und Käme n e w aus der Partei ausgeschlossen worden."Das Schicksal, verfemt zu werden, widerfährt Sinowjew und Kamenew nun schon' züm zweitenmal«. Bereits im Jahre 1926 stellte. die kommunistische Partei Sowjetrußlands, auf Veranlassung der kommunistischen Par-' teien anderer Länder den Antrag, Sinowjew, der damals Präsident der Komintern (Kommunistischen Internationale) war, fernes hohen Amtes zu entheben und ihm jede Verbindung mit der„weltrevolutionären Organisation" zu nehmen. Im November des- dar- auffolge'nden Jahres- wurde der Ausschluß Sinowjews tatsächlich vollzogen und mit, ihm wurden auch Trotzky und Kamenew, die größten Redner der Revolution, von"Stalin stumm gemacht. Auch dieser Ausschluß, bei dem auch noch andere alte Bolschewiki tme S m i l g a, Rakowski usw. aus dem Tempel hinausslogen, wurde unter der Beschuldigung vollzogen, die Ausgeschlossenen hätten sich konterrevolutionärer Umtriebe schuldig gemacht. Gegen Kamenew und Sinowjew würde im vorigen Jahre der Ausschluß rückgängig gemacht, da sie sich„reumütig-unterwarfen", worauf sie wi^eb gewisse-Parteistellen ein nehmen durftest" Münz „reumütig"-und- freiwillig dürft«- die Unterwerfung kaum gewesen sein, denn Ausschluß aus der Partei in Rußland bedeutet Verlust der Existenz. Welcher Methoden sich die Beherrscher des Parteiappavates bedienen, geht zur Evidenz aus dem seinerzeitigen Ausbruch Trotzkis gegenüber Stalin hervor:„Ihr habt uns einen eigenen Agenten der-Tscheka auf den Hals geschickt,«inen Wrangel-Offizier» und habt die Partei damit drei: Wochen hin- ters Licht geführt!" Das eiserne Gesicht Stalins blieb regungslos, als er erwiderte: „Selbstverständlich! Dazu haben wir die GPU(Tscheka), damit sie die Konterrevolution ans Licht zieht!" Frühere Offiziere der Wrangel- und Koltschak-Armee hatten als Agenten der politischen Polizei, genau wie einstmals die Provokateure der zaristischen Tscheka, in den Geheimdruckereien der Oppo- sition Eingang gefunden und dann an Stalin ihren Bericht erstattet. Die angewendeten Mittel werden nun, da Sinowjew und Kamenew zum zweitenmal der Bannstrahl trifft, nicht andere gewesen sein. Sinowjew, der„Konterrevolutionär"'. Welche Groteske! Sinowjew, der einstige Papst der kommunistischen Lehre! Sinowjew, der Allmächtige, einst neben Trotzki Halbgott 4. Weiterbeschästigung der auSgelernten Junggehilfen ein Jahr nach beendeter Lehrzeit; 5. Errichtung von Heimstätte« für jugendlich« Arbeitslos«, vrrbund«« mit Speisung«» und mit zweckmäßiger Beschäftigung und Sport. Mitbestimmung bei der Verwaltung und der Programmgestaltung; 6.' Organisierung der Arbeitshilfe für die erwerbslose Jugend unter eindeutiger Ablehnung jeder Horm der Zwangsarbeit; 7. Kollektive Selbsthilfe arbeitsloser Jugendlicher. Die Sozialistische Jugend- International-. eben Kamps gegen dir Arbeitslosigkeit in ser Ablehnung der kapitalistischen Wirtschaftsmethoden. Schaltet die kapitalistisch« Gesellschaft Teile der Menschheit ans der kapitalistische« Prc- duktiou aus, dann kann sie dies« Masten Erwerbsloser auch nicht dazu zwingen» nach kapitalistischen Grundsätzen zu konsumieren. Der Kampf der sozialistischen Jugend um die Sicherung des Lebens der erwerbslosen Jugendlichen mündet ei» in den großen Befreiungskampf der Arbeiterklasse gegen kapitalistische Willkür, Planlosigkeit und Knechtschaft, für. die planvolle sozialistisch« Neuordnung der Welt. Seite 2. Donnerstag, 13. Oktober 1382 Nr. 242 des Bolschewismus, Großinquisitor der kommunistischen Parteien aller Länder! Er, der Meister in der Technik der Arrangierung von Knalleffekten, durch welche die Träger der bürgerlichen Ordnung„und ihre Gefolgschaft" in Angst und Schrecken versetzt werden sollten! Er: Konterrevolutionär! Wer sich die Mühe nimmt, die Jahrgänge der kommunistischen Presse etwas zurückzuschlagen, wird dort die früher von jedem rechtgläubigen Bolschewiken angebeteten Hirtenbriefe und Offenbarungen Sinowjews finden. Was damals seinem Munde oder seiner Feder entquoll, galt als unfehlbarer als irgendeine päpstliche Bulle. Jedes Wort der Kritik an den von ihm jeweils verkündeten Richtlinien galt als Ketzerei und Verbrechen. Bon ihm stammen die berüchtigten„21 Bedingungen", ein Dokument der Deutschen Arbeiterbewegung, das ihre schwärzesten Seiten enthält, waren sie doch das Sprengmittel zu der auf dem Parteitag von Halle vollzogenen Spaltung der Deutschen Sozialdemokratie. Die 21. dieser Thesen lautete: „Die Mitglieder, die die Verpflichtungen und Thesen, die von der. Kommunistischen Internationale festgestellt sind, prinzipiell ablehnen, werden aus der Kommunistischen Internationale! ausgeschlossen." Diese Verpflichtungen und Thesen aber wurden damals von Sinowjew festgesetzt und manchen Sünder ließ er zur Zeit seiner Machtstellung über die Klinge springen. Wer nicht parierte, den traktierte er mit Fußtritten. Jetzt ist er, der ein vollgerüttelt Maß von Schuld daran trägt, daß die europäische Arbeiterbewegung in Stücke geschlagen worden, an dem von ihm errichteten Parteigalgen selber hängen geblieben und diesmal wohl endgültig. Sonderbar die Gründe, die diesmal zu feiner Ausschließung geführt haben. Er und Kamenew sollen von der Existenz der„konterrevolutionären Gruppe", dre nun vom Ausschluß ereilt wurde, längst gewußt, doch der Parteileitung darüber nichts mitgeteilt haben. Dieser Gruppe wird zur Last gelegt, sie habe für die bestehenden Ernährungsschwierigkeiten und die Mißerfolge der Kollektivisierung, sowie der Landwirtschaftspolitik, die Schwerfälligkeit und Ueberbürokratifierung des sozialisierten Apparates verantwortlich gemacht, mit einem Worte: sie habe Opposition betrieben. Darnach stünden Sinowjew und Kamenew, die des Sympathisierens mit dieser Gruppe beschuldigt werden, heute rechts, Stalin, der Gottsöberste, dagegen links— gerade umgekehrt, als es im Jahre 1926, zur Zeft des ersten Ketzergerichtes, war. In jener Zeit verteidigte Stalin den Grundsatz, die Förderung und der Ausbau der staatlichen Großindustrie sei das wichtigste, sei geradezu ein Stück Sozialismus, es bedeute auch eine Stärkung des sozialistischen Elements und diesem Streben nach Industrialisierung unterordnete er alle anderen Aufgaben. Die Großbauern sollten sich bereichern, das wäre nur gut, da sie damit eine umso bessere Kundschaft für die verstaatlichte Industrie bildeten und auch die Staatsbank erlange dabei Vorteil. Er verteidigte den Bestand der Kleinindustrie und das Wachstum des kapftalisti- schen Handels, das zur Hebung des Marktes der Industrie beitrage. Demgegenüber erklärte Sinowjew, Staatskapitalismus sei noch lange kein Sozialismus und er erblickte in der materiellen Bereicherung der Großbauern wie der Händler eine Gefahr für die politische Macht des Bolschewismus, da dadurch das Selbskbewußtsein dieser Elemente eine bedenkliche Steigerung erfahre. Es ist im Grunde genommen dieselbe Auffassung, die jetzt der sich seither gewandelte Stalin vertritt, wegen der Sinowjew im Jahre 1927 der Aechtung verfiel. Zwei Jahre nachher setzte Stalin mit eben jener Agrarpolitik ein, welche Sinowjew vordem befürwortet hatte und die seinen Sturz vom Throne der Komintern zur Folge hatte, einer Agrarpolitik, die anfangs recht vielverheißend sich anließ, di« aber gegenwärtig zu sehr bedeutenden Bersorgungsschwierig- keiten geführt hat und zu einer Sabotage großer Teile der Bauernschaft gegen die agrarischen Kollektivwirtschaften. Uvw Sinowjew? War er im Jahre 1926—27 Hüter der Illusionen, die man als„Kriegskommunismus" bezeichnet und von denen er sich a»lch die Möglichkeit einer raschen Kollektivisierung der Landwirtschaft versprach, so steht er offenkundig heut« auf Seite jener Opposition, die eine Aenderung der Agrarpolitik im Sinne früherer Berhältnisie anstrebt. Konsequenz liegt nicht darin, aber darauf kommt es ihm wohl weniger an, als auf die Betätigung seiner alten Rivalität gegen Stalin. Was aus alledem folgt, das ist die Erkenntnis, daß der Ausschluß der Masse von der Teilnahme an der Gestaltung der Geschicke des Staates unfehlbar zu ungestinden Erscheinungen führen muß, wie sie sich seit Errichtung der Diktatur in Rußland zeigen. Meinungen, die von den jeweils, als wahr und unverfälscht dekretierten abweichen, werden, mögen sie richtig sein oder nicht, niedergetrampelt, ihre Verfechter zum Schweigen gebracht. Recht hat und Recht spricht, werden Parteiapparat beherrscht. Die Folge müffen zersetzende Kämpfe innerhalb des kleinen, Kreises der Auguren sein, die darum raufen, an der Macht zu sein; wer diese besitzt, hat auch die Möglichkeit, sich als den wahren Verkünder, Fortsetzer und Ausleger der Lehre Lenins auszugeben. Das Moskauer Ketzergericht hat das aufs neu« bewiesen. . tot« VCH UM Sie zündet sich eine Zigarette an:„Bitte Martin, rauch' doch Mokri-Zigaretten, da sind in den Schachteln so Zettelchen drin zum Sammeln, wenn ich 120 hab', krieg' ich einen Füllfederhalter, den schenk' ich dir dann. Ob ich lese'? Jaaa—- ich les' Zeitungen, am liebsten die dicken Sonntagsausgaben und den„Uhu", und Remarque hab' ich gelesen, der hat mir gefallen. Und dann' les' ich Jack London und Colin Roß und Bengt Berg. Bon dem hott' ich neulich ein Buch— von einem kleinen Lappenkind, das ganz einsam aufgewachsen ist, und alles, was es an Schwerem und Traurigem mitmacht, das kann ich so verstehn, das sind so wirkliche Sorgen^ spritzt der Regen an die Scheiben. Ein kaltes, trauriges, unfteundliches Land, dieses Deutschland! Man müßte noch Geld haben. Müßte den Koffer in die eine Hand, das kleine Mädchen an die andere Hand nehmen— weit fort fahren, irgendwohin, wo's heller, luftiger, sonnensatter sein wird, ihr beibringen, wie dumm und unwichtig das ganze tagefrefsende Getriebe hier ist. ,^Bist du müde, Kleine?— Das geht so nicht mehr, ich komm' mir schon ganz brutal vor! Wir werden uns acht Tage lang nicht sehen." „Acht Tage nicht sehen!! Martin! Was heißt das? Acht Tage nicht sehen??? Wie? Meinetwegen?—- Ach, Martin", Gilgi lächelt beinahe hoffnungslos—„was das schon nützte? Was glaubst du— machte mich müder: ein« schlaflos: Nacht allein? Wählen wir von zwei Uebeln das kleinere man muß immer logisch denken! Prost!" Olga holt Gilgi vom Geschäft ab.„Man sicht und hort ja nichts mehr von dir?" Sie hakt Gilgi unter, schweigend gehen sie nebeneinander her. ,^ab' höchstens«ine halbe Stunde Zeit", sogt Gilgi, als sie die Tür zu ihrem Mansorden- zimmerchen aufschließt. Beinahe vierzehn Tage ist sie nicht mehr hier gewesen. Sie hat ein beschämendes Gefühl von Untreue gegen Olga, Pit, das Zimmer, ihre kleine Privatarbeit, ihr ganzes Leben. Olga zicht sie neben sich auf den Diwan, sieht sie an mit ihrem erfahrenen Blick: untrügliche Symptome— bißchen schlappe Schultern, unruhige Augen, ftemder weicher Zug um Mund und Kinn. „Martin?" ftagt Olga. ,-Jo." ,Zst es ernst?" „Ja" „Und?" „Na, was denn: und! Vorläufig bin ich glücklich." Gilgi zieht das Grammophon auf... es geht alles vorüber... Bestürzt sieht Olga ein' paar Tränen auf die Platte purzeln. „Sentimental neuerdings?' ,Oluatsch. Nur nervös. Die ganze Hetzerei, die ganze— ach, alles." Forlxyung folgt.) Gilgi teilt tidt zu Marlin auf die Sessellehne Phot. Paromo uivt. nicht so Probleme, die furchtbar überflüssig sind. Moderner Weltschmerz ist mir zum Brechen. Weißt du, wer gesund ist und keinen. Hunger hat, der hat einfach kein Recht, unglücklich zu sein.— Uebrigens Martin— am schlimmsten sind so Alte, di« sich auf neue Zeit umaestellt haben.-Da schreiben welche von moderner Sportjugend, Autofahren, kurzen Kleidern, kurzen Haaren und Jazzmusik und haben ein kolosiales Talent, den Nagel gerat»' neben den Kopf zu treffen. Die gehn mit der Jugend mit! Ms wenn die Wert darauf legte! Und blasen sich auf mit einer Urteilskraft, die sie nicht haben. Die neue Generation! Die neue Zeit! Tun so, als hält' „die neue Zeit"«ine Verbeugung vor ihnen gemacht: ach bitte, kommen Sie doch mit, Herr I, ohne Sie bin ich glatt aufgeschmissen. Und dann nickt der Herr i gnädig und geht mit. Ist furchtbar defftändnisvoll und gütig und zerdrückt hin und wieder eine konservative Träne im Auge." Gilgi steht auf, räumt die leeren Teller und Schüffeln zusammen und trägt sie in die Küche. Kommt zurück, setzt sich zu Martin auf die Sessellehne und zündet sich eine Zigarette an.„Die Wien! Entweder sie schimpfen auf die neue Generation oder verherrlichen sie— in jedem Fall: wenn wir unter dreißig uns nur halb fo wichtig nähmen, wie die uns. nehmen— wir wären schon allesamt erstickt an unserem eigenen Grö- tzenwahn. Ach, und die haben sich und uns überfüttert mit ihre» fetten Worten und ihrem ewigen Gequaffche." Mit einem Plumps fällt Gilgi von der Seffellehne runter— Martin aus den Schoß.„Die— die— man sollte sie alle mit Strychnin impfen! Daß die sich nicht schämen, von Herz und Gefühl zu reden, ich— also ich würde mich eher nackt auf den Domplatz stellen—"—„Na, aber mir wirst du doch sagen, daß du mich magst, Gilgichen?"—„Ach du,— als wenn du das erst noch hören müßtest!" Er biegt ihren Kopf zurück— grell liegt das Licht der Stehlampe auf ihrem Gesicht. Junges Gesicht. Junges, junges Gesicht. Und doch— hier und da, unter den Augen, auf der Stirn, um die Mundwinkel— noch keine Runzeln und Fältchen— nein— nur leise, entfernte Andeutungen, die sich in vier, fünf, zehn Jahren so traurig erfüllen werden— trotz Creme, trotz Salbe, trotz Mandeltleie. Kleines Mädchen, man muß nett zu dir sein, sehr viel ärmer bist du als ich. Tausend eigene und fremde Gedanke», Zeit, Luft und Wünsche haben sich frech und unaufgefordert in mein Gesicht hineingeschrieben — schadet ja nichts, solange sich ein Mädel wie du von nur küffen läßt. Was aber, wenn dein blankes, kleines Gesicht zerschrieben ist!. Und wenn man dich lange behielte? Wenn dann die kleinen Falten, die kommen werden, mir gehörten? Kannst du so sein, daß man alt werden möchte— mit dir zusammen? Braves, dummes, kleines Bürgermädchen— arbeitest die Spinnweben ins Gesicht— warum? Wozu? Soviel Willen nm so wenig Wert. Soviel verkrampfter Ehrgeiz um so kleines Ziel. Trrr— trrr— trrr Der Reichskanzler droht r Ein„Feind des deutschen Volker Ist Jeder, der vor Herrn Papen nicht aul dem Bauch lieg!. München, 12. Oktober. Bei einem offiziellen Besuch in München hielt Reichskanzler von Papen im Füdustriellenklnb eine auch vom Mundfunk übertragene Rede, in der er nach ein paar außenpolitischen Hinweisen sein Wirtschaftsprogramm über den grünen Klee lobte und dann erklärt«, Vorbedingung für ein« dauernde Gesundung der Wirtschaft sei auch«in Umbau der Verfassung des Deutschen Reiches. Di« Reichsregierung müsse unabhängiger von d«n Parteien gestellt, ihr Bestand dürfe nicht Zufallsmehrheiten ausgeliefert sein. Als Gegengewicht gegen einseitige, von Parteiinter- essen herbeigeführte Beschlüsse des Reichstages bedürfe Deutschland einer besonderen Er st en Kammer mit festabgegrenzten Rechten und starker Beteiligung an der Gesetzgebung. DaS Schwergewicht der Reform müsse in der Beseitigung des Dualismus zwischen Reich und Preußen liegen. Dieses Ziel werde durch die Zusammenfügung der wichtigsten Organe des Reiches und Preußens erreicht iverden. Seine weiteren Ausführungen waren eine scharfe Polemik gegen Hitler, dem er die Ablehnung des Angebots vom 13. August, in die Regierung einzutveten, sehr verübelte. Di« Rede klang schließlich in ziemlich un- vorhüllte Drohungen gegen jene aus, die sich in dem Kampf um die Herstellung der Souveränität und um die Ehre der Nation, den das Reich jetzt führe, dem Reich in den Rücken fallen. Wer sich in diesem Kampf nicht geschossen hinter die Regierung stelle, sei ein Feind des deutschen Volkes. Die StaatSfiihrnng durch Parteiarithmetik sei im Urteil des Volkes erledigt. Di« Reichsregierung sei entschlossen, den ihr vom Reichspräsidenten erteilten Auftrag der Neuordnung des Staats- und Wirtschaftslebens bis zum Erfolge durchzuführen. Sie habe dazu den Willen und die Macht. Die Londoner Bespreuungen werden heute eröffnet Varis, 12. Oktober. Ministerpräsident Her- riot hat heute um 17 Uhr di« Reis« nach London angetreten. Der Ministerrat billigte am Vormittage einmütig das Programm der bevorstehenden Unterredungen Herriots, wie sie Herriot im Ministerrate vortrug. Die Unterredungen Herriots mit Macdonald und Sir John Simon beginnen morgen vormittags und werden Freitag abends abgeschlossen werden. In maßgebenden englischen Kreisen wird erklärt, die britische Regierung sei bereit, den französischen Abrüstungsplan in versöhnlichstem Geiste zu prüfen. Der französische Plan auf Kompromisse«ad Aenderungen eingerichtet? Der französische konstruktive Plan, von dem eben gesprochen wird, ist das Resultat der Zusammenarbeit einiger Delegationen. Die verschiedenen Vorschläge und Anregungen hat Dr. Bene« verarbeitet und in einer schließlichen Basis formuliert, welche der breiteste Rahmen für alle gegebenen Probleme ist. Der Plan beläßt hauptsächlich die Möglichkeit zu Kompromissen und Aenderungen, damit insbesondere die angelsächsischen Staaten und Deutschland ihre Sonderforderungen voll zur Geltung bringen können. Der französische Kriegsminister Paul-Boncour ist nach Paris abgereist, um über die erste Aufnahme, die dem französischen Plan seitens der Kleinen Entente, Polen, Griechenland und Belgien zuteil wurde, Bericht zu erstatten. Diese Staaten haben bereits einzelne Teile des Planes durchberaten und auch ihren Standpunkt zum Ausdruck gebracht. Ein feiner HeimwchrfUhrer. Innsbruck, 12. Oktober. Heute fand vor dem Innsbrucker Schöffengericht die Verhandlung gegen den ehemaligen Sekretär des Han- delsgrennums der Stadt Innsbruck Kurt Mair, einen bekannten Tiroler Heimwehrführer statt. Nach der Anklage hat Mair seit Mitt« 1927 bis Juli 1932 ruiä) 51.000 Schilling an Gremialgewern unterschlagen. Mair war geständig. Der Gerichtshof verurteilte ihn unter Anwendung außerordentlicher Mlderungsgründe zu zwei Jahren schwerem Kerker. Straßenkämpfe in Belfast. Verzweiflungsausbrüche Arbeitsloser.- Barrikaden und Panzerautos. London, 12. Oktober. In Belfast kam es gestern uachmittas zu schweren Zusammenstößen zwischen demonstrierende« Arbeitslose« und der Volrzei, wobei letztere von der Schußwaffe Gebrauch machte. Die Demonstrant«« errichteten daraufhin an einer Stelle der Stabt Barrikaden und warfen Gräben auf. Die Polizei riegelt« die Stadt durch«inen Kordon ab und ging wiederholt zum Angriff vor, wobei sie mit einem Steinhagel überschüttet wurden. Bei diesen Straßenkämpfen wurde«in« Person getötet und zwölf durch Schüsse verletzt. Biele ander« Personen erlitten aus andere Weise Verletzung««. Erst gegen Mitternacht trat verhältnismäßig Ruhe«in. Nur in einem Bezirk wurde weiter aus die Polizei geschossen, wo sie sich zeigte. Daraufhin wurde» dort Panzerwagen eingesetzt. Auch heute ist in de« Straßen von Belfast geschossen worden, als Arbeitslose ein Brotauto überfielen und plünderten. Die Polizei unternahm zuerst einen Angriff mit dem Gumnz,- knuppel, aber der Kampf war dann so erbittert, daß die herbeigerusenen Polizeiverstärkungen die Schußwaffe verwenden mutzten. Erst dann stoben die Arbeitslosen auseinander. Ernstlicher verletzt wurde niemand. I« einigen Gassen errichtete« die Arbeitslosen wiederum Barrikade». Man besürchtet, daß die gestrigen Ausschreitungen sich im ganzen Umfang wiederhole» werden. Mehr als 3000 Polizisten find jetzt in der Stadt eingesetzt worden. Bisher wurden gegen 70 Personen verhaftet. Die Stadt und ihre Umgebung leiden furchtbar«uter der Wirtschaftskrise. Die Zahl der Arbeitslosen beträgt im Bezirk von Belfast etwa 100.000. Trotzdem sucht die Polizei die Schult an de» Zusammenstöße« lediglich kommunistischer Wühlereien zur Last zu legen. Nr. 242 Donnerstag, 18. Oktober 1932 Seite 3. Die Ländler kämpfen um ihr Recht. Leipzig, 12. Oktober. Die heurig« Verhandlung vor dem Staatsgerichtshof war der Frage gewidmet, unter welchen Voraussetzungen das Reich auf Grund des Artikels 48 zur Reichsexekution gegen ein Land greifen dürfe. Der Vertreter des Reiches lehnte es ab, Erklärungen oder Ausführungen, die im Hinblick aus di« Sachlage vom 20. Juli abgegeben werden, als Präjudiz für künftige Fälle ähnlicher Art anzusehen.'Dagegen«endeten sich vor allem der Vertreter Bayerns, der erklärte, daß Bayern gerade im Hinblick auf künftige mögliche Fälle ein« prinzipielle Klarstellung haben wolle, wie weit das Reich gehen dürfe. Dann folgt«« ein« Reihe juristischer Darlegungen darüber, ob das Reich ohne ausdrückliche vorherige Feststellung der Pflichtverletzung gegen Preußen einschreiten durfte. Der Vertreter des Reiches bemühte sich nachzuweisen, daß Gefahr im Verzüge und darum.eine solche Konstatierung nicht notwendig gewesen fei. Dr. Brecht bestritt dies. Die Vorfälle, di« heute die Reichsregierung als Beweis für die Notwendigkeit ihrer Maßnahmen anführe, hätten sich schon mehrer« Wochen vor dem 20. Juli ereignet. Bon Preußen wurde dann die Zeugenladung Hitlers, des Reichskanzlers und des Generals Schleicher beantragt für den Fall, daß der Staatsgerichtshof nicht anerkenn«, daß für die Einsetzung des Reichskommissärs di« Abmachung' der Reichsregierung mit den Nationalsozialisten entscheidend war. lieber den Antrag wird erst später entschieden werden. Dr. Brecht erklärt später, auch bei einer Reichsexekution könne eine Landesregierung nur beiseite geschoben, nicht aber entfernt und durch ein« neue ersetzt werden. Ein Reichsexekutor könne eine Landesregierung wohl erschießen lassen, er könne sie aber nicht rechtlich absetze«. Auch Bayern ist der Ansicht, daß die Landesregierung nicht abgesetzt und ihre Mitwirkung im Reichsrat nicht behindert werden dürf«. Für die Reichsregierung trat als Sachverständiger Prof. Jacobi auf, der es für zulässig ansieht, daß dem Reichskommissär die Regierung eines Landes übertragen werde, so daß das Land dann vorübergehend als Reichsprovinz verwaltet werde. Der Kommissär Handl« dann im Namen des Landes und könne daher auch Beamtenernennungen usw. vornehmen. Zu Beginn der Verhandlung hatte der Vertreter des Reiches seine Behauptung, daß sich Ministerpräsident Braun vor allem nur um die Weiterbezahlung seiner Bezüge gekümmert habe, unt«r allerhand Ausflüchten zurück- z i ehe n müssen. Eine Erklärung Severings. Gegen Schluß des heutigen Verhandlungstages verlas Dr. Brecht eine Erklärung S e v e- rings über die Unterredung mit Gayl, in der er letzterem angeblich di« Einsetzung eines Reichskommissärs für- Preußen selbst anempfohlen haben soll. Severing stellt fett, daß er im Gegenteil unter Hinweis auf die Pflichttreue der Polizei von einem solchen Schritt dringend abgeraten habe. Später habe er nur die Frage der eventuellen Zusammenfassung der Machtmittel des Reiches mit den Polizeikräften des größten Bundesstaates unter einem Beauftragten des Reiches aufgeworfen. Niemals sei es ihm eingefallen, Herrn von Gayl zu Exekutivmaßnahmen gegen Preußen zu drängen. GehaKsktirznng In FrankreKh. Innere Anleihe von 4 Milliarde« Francs. Paris, 12. Oktober. Die Deckung des Budget abganges, der auf 8 bis 10 Milliarden Franks geschätzt wird, ist zur Zeit Gegenstand der Ka- binettsbevatungen und der heutigen Sitzung des Mimfterrates. Di« Herabsetzung dar Staatsangestelltengehälter ist für die Regierung eine fertige Sache. Die Regierung will die Herabsetzung auf folgende Weise durchführen: Bis zu einer Höhe von 9000 Francs wird der Gehalt nicht herabgesetzt. Bon 9000 bis 20.000 Francs beträgt die Reduzierung 5, bei 20.000 bis 30.000 6, bei 30.000 bis 40.000 7, bei 40.000 bis 50.000 8, bei 50.000 bis 60.000 10 und bei einem Gehalt von 60.000 aufwärts 12 Pn^ent. Der Gehalt dos Präsidenten der Republik und die Ministergehälter werden um 10 Prozent, der Grundgehalt der Abgeordneten um 6 Prozent herabgesetzt. Die Regierung schätzt die durch die Reduzierung erzielten Ersparniff« auf 1200 Millionen Francs jährlich. Weiter Wirch eine Steuer auf Rund- funkapparate eingeführt, die bisher nicht bestand, und verschiedene Steuern, darunter die Einkommensteuer, erhöht. Es wird eine innere Anleihe in der Höhe von 4 Milliarden zur Durchführung von öffentlichen Arbeiten, die aus dem Budget eliminiert wurden, ausgeschrieben Worden. NazlKrawalle in Altona. Altona, 12 Oktober. Im Stadtteil Ottensen kam es gestern abends zu Ruhestörun zen. Die einschreitenden Polizeibeamren wurden mit Steinen beworfen. Als aus der Menge ein Schuß fiel, zogen die Beamten gleichfalls die Waffe, woraus di« Angriffe eingestellt wurden. Tie Ruhestörer waren laut Polizeibericht Nationalsozialisten, größtenteils uniformierte SA-Leuie. Tie Durchsuchung nach Waffen blieb ergebnislos. Es erfolgten 37 Verhaftungen. Wäsche,weißer noch als Schnee, Prägt man sich ein das A*B*C: 7/' Löse Radion in kaltem Wasserauf -j-Koche die Wäsche darin 15 bis JL 20 Minuten — Schweife erst warm, dann kalt, C bis klares Wasser bleibt WÄSCHTALLEIN UND WM VmM m!l Her 48 MMM Ein Unternehmer-Urteil. In Ihrem offiziellen Organ„The Lamp" gibt die„Standard Oil Company" von New-Jersey die befriedigenden Ergebnisse bekannt, die die amerikanische Petroleum-Industri« mit der Bierzig-Stundenwoche gemacht hat. Das Blatt schreibt: „Das Programm der Vierzigstundenwoche wurde zuerst in jenen Unternehmungen, in denen die durch die Krrse herbeigeführte Verlangsamung des Geschäftsganges riesige Personalentlafsungen herbeigeführt hatte, und wurde schließlich auch auf die Angestellten und Arbeiter selbst in jenen Unternehmungen ausgedehnt, in denen es keinen Personal-Ueberflnß gab... Das System der Fünftage-Woch« hat di« Lösung des ArbeitSlosen-ProblemS erleichtert, indem es unmittelbar 450 Arbeitnehmern der Hilssuntcrnehmuugen Beschäftigung sicherte, deren Bezüge fast di« Hälfte der Totalsumme darstellen(wobei eine bedeutende amerikanische Gesellschaft, die ihre Daten noch nicht angeben konnte, nicht mitgerechnet ist). Es ist wahrscheinlich, daß, wenn die Reform alle ihre. Früchte getragen haben wird, daraus eine^ Ergänzung der Beschäftrguna sich ergeben wird, die tauglich ist, Angebot und Nachfrage ins Gleichgewicht zu bringen._ Ein anderes bedeutendes Resultat ergab sich in der Möglichkeit, die Arbeiter zu behalten, die ver StTlbrnu-ProzeO. Jglan, 12. Oktober. Vor' dem hiesigen Senat wurde heute das Verhör Stkibrnys fortgesetzt. Stribrny erklärt, der vermeintlich« Vertrag über die Waggonlieserung sei unter den Akten des Untersuchungsausschusses gewesen und verloren gegangen. Er habe an dem Verschwinden kein Interesse gehabt. Es soll ferner das Referat angefordert werden, das Stribrny im Juli 1920 über die Waggonfrag« bei einer Enquete der Prager Handelskammer erstattet hat. Stkibrny behauptet, daß das Referat nicht seine Arbeit war, sondern aus Berichten einiger Abteilungen des Ministeriums zusammengestellt wurde. Der Vorsitzende fragte nach den näheren Charaktereigenschaften des verstorbenen Staatssekretärs Burger, von dem Stribrny erklärt, daß er eine starke Individualität und ein Fachmann in der Eisenbahnwelt war. Dr. R a s i n konstatiert, daß ein unverständlicher Widerspruch zwischen der Nichtigkeitsbeschwerde und den Akten des Obersten Gerichtshofes entsteht, wo Burger ungefähr mit den Worten charakterisiert wurde:„Er war nicht iähig, aus eigenem zu handeln. Der Rest der Bormittagsverhandlung war mit dem Verhör des Ministerialrates Jng. Krejza ausgcfüllt, der bestätigt, daß Sichrovsky ungefähr zwanzigmal das Eiscnbahnministerium in Sachen der Waggonlieserung besucht habe. Jng. Krejza behauptet weiters mit Bestimmtheit, daß der Preis der anzeboteten Waggons entschieden Hoch, wenigstens um M Prozent höher als Waggons heimischer Produktiv, war. Daher machte Jng. Krejza darauf aujxcujam, baß die Sache unannehmbar sei. entlassen worden wären, wenn man die Sechstagewoche beibehalten hätte. Tatsächlich wäre« 180 von ihnen zum 1. Juli entlassen worden, wenn nicht mit diesem Tage di« Reform eingesührt worden wäre. Parallel mit der Herabsetzung der Arbeitszeit in den Raffinerien ergab sich bei den anderen Arbeiten, deren Entwicklung seit September 1930 stehen geblieben war, als deutliches Resultat der angewandten Bemühungen, den Arbeiterstand zu erhalten, indem man die Arbeitszeit herabsetzte, di« Möglichkeit, an 2900 Arbeitern Beschäftigung zu geben, das sind neun Prozent aller rn den Lohnlisten der beteiligten Unternehmungen eingetragenen Arbeiter. Einer der überraschendsten Züge ist es, daß kein einziger unter oen Schachtdirektoren oder Dienstleitern feststellte, die Herabsetzung der Arbeitszeit hätte etwa eine Senkung der Einnahmen hervorgerusen: im Gegenteil: man konstatiert einen tatsächlichen Gewinn, dank der neuen Fortschritte, die während der Periode der Arbeiterentlassungen praktisch ausgesetzt hatten." Mit diesem Urteile amerikanischer Kapitalisten vergleiche man die engherzige Stellung, die bei uns Unternehmer und,bürgerliche Parlamentarier zu der Frage der Vierzigstundenwoche einnehmen. Der überwiegende Teil des nachmittägigen Verhörs des Ministerialsrates Krejza war dem Vertrage mit der Firma Aron und Walter betreffs der 2600 Waggonbestellung gewidmet, den der Zeuge wahrscheinlich am 21. Juli 1920 abends dem Minister zur Unterschrift bringen sollte. Er erinnerte sich nur sehr unbestimmt, daß er mit der Elektrischen irgendwohin zum Minister fuhr, der in einem größeren Saal war und dort bei einem Seitentisch den Vertrag unterschrieb. Er weiß nicht, ob das Dokument in zwei Exemplaren vorlag, ob es eine Uebersehung aus dem Deutschen oder ein Durchschlag war. Mit großer Gründlichkeit nahm der Vorsitzende Stibinger die Unterschiede zwischen den deutschen Texten des Waggonbestellvertrages und des Schlußbriefes der erzielten Nachlässe durch. DaS positive Ergebnis des Verhörs war die feste Bestimmung des Datums der Bertragsunterschrift am 21. Juli 1920 gegenüber dem. angegebenen Datum des 28. Juli. Es wurden die Informationen des Eisenbahnministeriums über den Waggonbedarf für den Winter 1920 verlesen, wonach 36.000 Wagen benötigt wurden. Hin Drummonds Nachfolge Paris, 12. Oktober. Der Genfer Berichterstatter des„Paris Soir" meldet, daß der Streit um den Posten des Generalsekretärs des Völkerbundes beigelegt zu sein scheint. Zum Generalsekretär' wird der bisherige erste Generalunter- sekretär, der Franzos« Josef Avenol, ernannt werden, Untersekretär werden der Italiener A u r i t i, bisherige Gesandter in Wien, und der Präsident des norwegischen Abgeordnetenhauses Ha mb r e. Voß' innerpolitischen Entscheidungen. Prag, 12. Oktober. Heute früh ist Präsident M a f a r y k aus Topolvionky nach Lana zurückgekehrt. Die..Prager Presse" meldet, daß morgen Ministerpräsident UdrLal aus Karlsbad in Lana ointreffen wird, um dem Präsidenten einen Bericht über die innerpolitische Lage zu erstatten. UdrSal wird von Lana direkt wieder nach Karlsbad zurückfahren, um seine Kur fort- zusetzen. Dem morgigen Mimsterrat, der für 16 Uhr angesetzt ist, wird Bechynö als Stellvertreter des Mmsterpräsidenten präsidieren. Dabei soll der neue Finanzplan Trapls, aber wohl auch die mnerpolitksche Situation überhaupt, di« zu einer Klarstellung drängt, zur Verhandlung gelangen. Der Umstand, daß ein fester Arbeitsplan der Regierung auch nur für dir allernächste Zeit noch nrcht vorliegt, gibt der Presse zu allerhand Meldungen über ein« bevorstehende Rekonstruktion der Regierung Anlaß. Nach der„Prager Presse" soll UdrLcrl sich nicht mit Demissionsabsichten tragen, doch seien Demissionen aus persönlichen Motiven nicht ausgeschlossen. Damit ist offenbar vor allem der nationaldemokratische.Handelsminister M a t o u- s e k gemeint. Mr Freitag ist das Parlamentspräsidium einberufen. Jedenfalls handelt es sich diesmal ernstlich um die Einberufung des Par- l a m« n t s, zu dessen dringendsten Aufgäben ohne Rücksicht auf die andern schwebenden Fragen die Verlängerung des Wohnungsgesetzes gehört, das mit Ende dieses Monats ablauft. Herr Kostka propagiert die Arbeitsdienstpflicht. Im Brünner„Tagesboten" erschien am Dienstag ein Leitartikel, der die Auffassung des Reichenberger Bürgermeisters K o st k a über die Einführung der Arbeitsdienstpflicht darlegt. Herr Kostka versucht die Arbeitsdienstpflicht als einen großen Fortschritt der Arbeitslosenfürsorge darzustellen, um ihr das Odium der Armenunterstützung zu nehmen, aber man braucht sich in das Problem der Arbeitsdienstpflicht nicht allzusehr vertieft zu haben, um beim Äsen des Artikels herauszufinden, daß di« wirklichen Beweggründe, die den Reichenberger Bürgermeister zur Aende- rung deS Unterstützungssystems führten, nur der Wille zum Abbau der Fürsorge und Ueberleitung derselben zur Zwangsarbeit sind. In dem Artikel heißt es nach einer kurzen Darstellung über die voll der Stadt Reichenberg,— bzw. den Sammelgeldern— durchgeführten Unterstützungsaktion Ar die Arbeitslosen: „Es schien indes aus sozialpolitischen Gesichtspunkten ratsam, der nichtstaatlichen Arbeitslosenunterstützung den WohftMgkeitscharakter zu nehmen und sie auf di« Grundlage des Arbeitserwerbes zu stellen. Darum beschloß der Reichenberger Stadtrat Ende August 1932 die städtische Arbeitslosenunterstützung nur unter der Voraussetzung einer entsprechenden Arbeitsleistung für di« Stadt ausguzahlen. Er setzte folgendes fest: Die Arbeitslosen, die städtische Arbeitslosenunterstützung und staatliche Lebensmittelkarten beziehen, sind verpflichtet, in der dritten oder vj«rten Monatswoche von Montag bis«inschlieUich Freitag bis acht Stunden täglich die ihnen vom städtischen Arbeitsver- mittkungsamde zugewiesen« Arbeit zu leisten. Sie erhalten außer den Lebensmittelkarten und der Arbeitslosenunterstützung noch«inen städtischen Lebensmittelbezugschein im Werte von 2 K täg- l i ch. ES wäre zu erwägen, an Stelle aller dieser Unterstützungsbeitväge in der Woche einen vollen Lohnbetrag auszuzahlen. Hierfür können sie, falls sie in städtischen Anstalten beschäftigt werden, ihre Tagesverpflegung erhalten. In der Zeit des Arbeitsdienstes stich sie kranken» und sozialversicherungspflichtig. Lebensmittelzubußen und Versicherungsbeiträge gehen zu Lasten der Anstalt, für welche di» Arbeit geleistet wird. Di« für di« Pflichtarbelt herangezogenen Arbeitslosen werden beim städtischen Vermittlungsamt angesprochen, das die Zuweisung auf deren Stompelbogen vermerkt. Auch di« Arbeitsbeendigung wird hier eingetragen. Erst wenn sich auf Grund dieser Bestätigungen kein Anstand ergibt, werden Unterstützung und Lebensmittelkarten an die Arbeitslosen, die der Arbeitspflicht Genüg« getan haben, am Samstag der betreffenden Woche auSgefolgr. Ueberdtes nrüsien sich die Arbeitslosen mit ihren Papieren jeden Mittwoch beim stArtischen Arbeitsvermittlungsamt zur Kontrolle einfinden." DaS ist doch nichts anderes, als der Artz e i t S z w a n g für alle Arbeitslosen, von dem man nicht weiß, wo er aufhört und wohin er führt. Uebrigens: woher nimmt Herr Kostka daS Recht, di« Lebensmittelkarten, die doch auf Grund der Richtlinien vom Ministerium für soziale Fürsorge ausgegeben werden, zu einem Zwangsmittel für Arbeitsleistung zu gebrauchen und obendrein dieses System zu propagieren? Di« Sozialdemokraten— und die Reichenberger Genossen haben das wiederholtemale erklärt— lehnen den Arbeitszwang unter allen Umständen ab und sie werden sich, um allen diesen Erpressungen zur Arbeitsleistung ohne entsprechende Bezahlung zu begegnen, mit allen zu Gebote stehenden Mitteln zur Wehr setzen. Sie müßte zur völligen Versklavung der Arbeiterschaft, zu einer Lohndrückerei, wie wir si« noch nie gekannt haben, führen. Deshalb werden wir auch— wo immer sie angewandt werden— die Methoden zur Einführung des Arbeitszwanges, mit aller Entschiedenheit bekämpfen. Seite 4 Donnerstag, 13. Oktober 1832 Rr. 242 Daubmann ein Schwindler. „Schneider Hummel“. Vom Rtxndhmk Empfehlenswertes aus ve« Programme«.- Wie sie lügen! Im„Freier Gedanke" und in der sozialdemokratischen Presse wurde vor einigen Tagen die Leitung des kommunistischen Konfcssions- losenverbandes angcprangert, weil sie sich zwar in geheuchelter Freundschaft mit den führenden Genossen des Bundes proletarischer Freidenker zum Beratungstisch setzte, hinterrücks aber ein Zirkular an ihre Gebietslcitungen hinausgab, das einzig und allein den Zweck hatte, diese Genoffen einer unehrlichen Handlungsweise zu bezichtigen. Wie berechtigt es war, vor aller Oeffentlichkeit zu erklären, daß man mit diesen Gesellen nichts mehr zu tun haben wolle, beweist aufs neue der Artikel des aus den Spaltungskämpfen im Freidenkerbunde sattsam bekannten Grünwald, den er unter dem Titel„Die Feinde der antiklerikalen Einheitsfront entlarven sich" in der kommunistischen Presse veröffentlicht. Dieser Mann geht zunächst von der fixen Idee aus, daß die Führer des sozialdemokratischen Freidenkerbundes durch „Druck von unten sich genötigt sahen", die gemeinsame Beratung in Bodenbach anzuregen. Es darf bezweifelt werden, daß er von seinem Wahne durch die Tatsache geheilt wird, daß die schriftliche Umfrage unserer Bundesleitung, ob die Kreise zu einer gemeinsamen Aktion mit dem kommunistischen Verbände bereit wären, eine einmütige Ablehnung ergab. Auch jene Ortsgruppen des Bundes, an welche die kommunistischen Vertrauensmänner in Befolgung der von ihrer Zentrale erhaltenen Weisungen herangetreten waren, schrieben der Bundesleitung, daß sie mit Rücksicht auf die bisherigen Erfahrungen der ganzen Angelegenheit sehr skeptisch gegenüberstünden. Das von Grünwald zur Begründung seiner Ansicht besonders zitierte Beispiel von Höflitz zieht auch nicht mehr, da unsere Höflitzer Genossen sich sofort, als sie erfuhren, daß man sie unter Vorspiegelung falscher Tatsachen zur Bildung eines antiklerikalen Einheitsausschusses verlockt hatte, von jeder weiteren Mitarbeit zurückzogen. Der „Druck von unten" dürfte also eher ein Druck von oben sein, unter dem allem Anscheine nach jene Gehirnparlicn gewisser Leute, die man als Assoziationszentren bezeichnet, in Mitleidenschaft gezogen worden find. Di« weiteren Ausführungen Grünwalds sind ein kläglicher und vergeblicher Reinwaschungsund Ablenkungsversuch eines Menschen, dem vielleicht langsam di« Erkenntnis aufdämmert, daß er sich nicht nur an einer guten Sache versündigt, sondern daß er auch eine strafbare Dummheit begangen hat. Der Schlußteil des zitierten Artikels muß aber besonders hervorgehoben werde», weil er zeigt, zu welchen niedrigen Mitteln man skrupellos zu greifen bereit ist, wenn es an wahren Weiß&Zäh ne: Ch lorodont und richtigen Argumenten mangelt. Grünwald schreibt: „Die Jägerndorfer Arbeiter haben dieser Tage einen Anschauungsunterricht davon bekom- men, w'e di«„Einheitsfront" aussie-ht, die sich Lebenhart wünscht. Dort wurde di« Ortsgruppe d?s revolutionären KoufessionAosenverbandes ausgelöst. Bon einem klerikalen Regierungsorgan? Weit gefehlt! Bon einem Mitglied des Bundes proletarischer Freidenker, von dem sozialdemokratischen Po- lizeiko mmii sär Dr. Mainer! Die so- ziachemokratischen Arbeiter und Freidenker waren empört über diesen fascistischen Streich und ver langten gleich den revolutionären Konfessionslosen ein« Protestaktion. Und wer war es, der diese Protestaktion und überhaupt" eine gemeinsame Aktion der proletarischen Freidenker in Jägerndorf zu hintertreiben suchte, indem er erklärte, daß dies nur möglich sti, wenn die Spitz«» sich geeinigt hätten? Lebenhart, der Unterzeichner des Aufrufes, gegen die Verfolgung der prole« ■ rari scheu Freidenker überall zu kämpfen." Jedes Wort eine Lüge! Auf Grund der so- fort eingeholten Information bin ich in der Lage zu erklären, daß der Jägerndorfer Po- lizeikommissär Dr. Mainer weder Mitglied des Bundes proletarischer Freidenker noch auch organisierter Sozialdemokrat ist. Ich erkläre wekter, daß mir von einer gemeinsamen Protestaktion gegen eine Auflösung bis zum heutigen Tage nichts bekanntoewor- den ist, und daß ich sie aus diesem Grunde auch nicht zu hintertreiben suchen konnte. Ich habe schon einmal Grünwald öffentlich der Unwahrheit überführ!; wenn ich es heute wiederum tue, so geschieht es keineswegs in der Hoffnung, daß cs mir damit gelingen wird, die KamPfeSweise solcher Gcgne» auf ein Niveau zu heben, das den primitivsten Anforderungen der Anständigkeit entspricht. Rudolf Lebenhart. Lorgen unserer Polizei. Prag, 12. Oktober.(Amtlich.) Am Mittwoch, den 12. Oktober vormittags wurde aus Grund eines B«schluff«s der Prager Polizeidirektton die Tätigkeit des Vereines„Dvaz pratel SDSR. v Praze"(Verband der Freunde Sowjetrußlands) behördlich eingestellt. Das Vereinsvermögen und das Archiv wurden sichergestellt. Df« böhmische Landesvertretung setzte gestern die Beratungen über den Voranschlag fort. Di« Generaldebatte wird heute beendet werden. Freiburg, 11. Oktober. Wie aus zuverlässiger Quelle verlautet, hat der angebliche Oskar Daubmann, der ganz Deutschland und Frankreich mit seiner Behauptung in Aufregung gebracht hat, er sei erst jetzt aus der französischen Kriegsgefangenschaft entlassen worden, bei seinem Verhör durch Beamte des Landespolizeiamtes Karlsruhe gestanden, nicht der wirkliche Oskar Daubmann zu sei«. Er gab zu, daß seine Angaben nicht in allen Fällen auf wirklichen Erlebnissen beruhen.„Oskar Daubmann" ist heute abends verhaftet worden. -» Karlsruhe, 12. Oktober. In einer Pressebesprechung machte Regierungsrat Ramspxrger vom Landespolizeiamt Mitteilung über die Entlarvung des Schwindlers„Daubmann". Verschiedene Anzeichen, erklärte er, sprachen dafür, daß nicht alle Angaben Daubmanns stimmten. Im Laufe der Zeit meldeten sich immer mehr Leute, die den angeblichen Daubmann in der Fremdenlegion, bzw. in Afrika gesehen haben wollten. Es wurde daraufhin beschlossen, am Montag Daubmann erneut zu vernehmen. Er wollte zunächst keine Angaben machen und verschanzte sich wiederum hinter dem italienischen Dampfer, den er nichts nennen wollte, um sein Wort nicht zu brechen. Es erfolgte dann eine Gegenüberstellung tnit einem Manne namens Krüger aus. Essen, der Tagesneuigkeiten Arbellertod. Grenoble, 12. Oktober. Ei» Arbciterunsall hat hier drei Todesopfer gefordert. Drei Arbeiter, und zwar der Deutsch« Mancher und zwei Oester, reicher, di« bei dem Wafferregulierungsarbriten am Dr« beschäftigt Ware», wurden von einer mit Zement beladene» Laufkatze, deren Kabelführung riß und die daraufhin abstürzt«, getötet. Ziehung der MMenlotterie 39.000 K: 47.983. 10.000 K: 2027, 27.657, 40.351, 50.279, 89.745. 5000 K: 3766, 11.762, 12.495, 17.484, 19.721, 23.191, 26.047, 38.978, 39.862, 42.380, 55.855, 56.082, 60.066, 65:362, 77.139, 80.689, 85.446, 85.951, 90.881, 92.885, 93.628, 102.310.- 2000 K: 4763, 6152, 7059, 9596, 12.577, 15.050, 15,983, 16.686, 18.508, 19.055, 19-921, 21.967, 22.067, 24.876, 25.577, 25.640, 29.269, 31.883, 37.969, 41.732, 42.744, 45.152, 45.565, 46.378, 52.752, 58.299, 64.427, 65.330, 65.854, 66.631, 68.803, 79.464, 82.235, 84.012, 84.594, 85.853, 87.093, 87.450, 89.224, 89.532, 89.875, 92.282, 99.336, 99.375, 99.815,..100.872, 104.254, 104.384. Das tapfere Schneiderlein. Jede Zeit findet besondere Beleuchtung durch ihr« Kriminellen und Halbkriminellen. Unsere Epoche der Gesellschastsfäulnis, des Uebergangs und des allgemeinen Chaos wird auf diesem Gebiete ebenso gekennzeichnet durch einen Kürten, wie etwa durch einen Domela. Romantik und Abenteurertum treiben unter wankenden Säulen prächtige; Blüten. Jetzt. eben erst ist wieder eine aufgegangen: der falsche Daubmann, das Schneiderlein Karl Ignaz. Hum m e l, der sich aus einem biederen Schweizer in. einen unbedenklichen Schwindler verwandelte und ein paar Wochen lang die. Welt durch erdichtete Erzählungen seines Krieg-Heldentums auf sich auf- merksam zu machen suchte. Nun stellt sich heraus, daß der Bajonettstich, mit dem er sein Alibi auf dem Felde der Ehre nachweisen wollte, eine simple Magenoperationswunde war und daß er den Namen eines gefallenen Freundes angenommen hatte, um aus seiner dunklen Vergangenheit Ruhmes- und vielleicht auch noch anderes Kapital zu schlagen. Was alles sonst noch bei der Untersuchung der Affäre des falschen Daubmann herauskommen wird, dürfte für den Kulturhistoriker unserer Zeil genügsam Interesse haben. Vor allem aber hätten di« Satiriker von Beruf und Berufung jetzt herrlich« Gelegenheit, die Feder mit Erfolg zu wetzen: wenn man sich vorstellt, wie die Teutonen der. Krieger- und Gesangvereine ihren Daubmann, den endlich heimgekehrten, prachtvollen Heldensohn, auf den Schultern trugen und ihn der Welt förmlich als das Symbol des erwachenden Deutschland hinstellten.— und wenn man sich nun das Erwachen dieser Herren vorstellt, so gibt das einen vergnüglichen Augenblick, der uns zwar nicht über das Elend dieser Zeit hinweghilft, aber wenigstens eine winzige Atempause im allgemeinen und allgemein persönlichem Ringen dieses so hoffnungsvollen Iah- s res schafft. Uns hat man als Kindern ein schlichtes Märchen vom tapferen Schneiderlein erzählt; die höheren Ansprüche der Kinder Yon heut« und morgen dürften durch die Geschichte vom tapferen Schneider Hummel und seiner Daubmanniade ergötzlich und lehrsam befriedigt werden. August Raegle, Professor der Kirchengeschichtr an der theologischen Fakultät der Deutschen Universität in Prag, ist gestern einem Schlag- Taubmann in der Fremdenlegion gesehen haben wollte. Als Krüger das Zimmer betrat fiel auf, daß Daubmann den Mann fast anschrie:„Den Mann kenne ich nicht!" Daubmann war ersichtlich unangenehm, daß man jeder seiner Bemerkungen nachging. Der angebliche Bajonettstich hat sich als eine ganz gewöhnliche Magenoperation herausgestellt. Auf Grund der Fingerabdrücke, fuhr der Regierungsrat fort, ist es dann am nächsten Tage gelungen, festzustellen, daß es sich nicht um Daubmann, sondern um den Schneider Karl Ignaz Hummel handelt. Das steht mit unumstößlicher Sicherheit fest. Hummel ist am 9. März 1899 in Oberwil im Kanton Basel geboren und war in Hostveiler bei Offen- bprg ansässig. . Regierungsrat RamSperger hat schließlich „Daubmann" auf den Kopf zugesagt:„Guten Tag, Herr Hummel!" Dieser leugnete zunächst hartnäckig, bis er sich doch zu einem Geständnis bequemte. Es ergab sich weiterhin, daß Hummel in Offenburg verheiratet ist, schon seit längerer Zeit von seiner Frau getrennt lebt. Hummel gab zu, daß er. in den Jahren 1909 und 1910 in Endingen die Bplksschüle besucht« und dort mit Oskar Daubmann. zusammenkam, mit dem er befreundet war. Hummel wußte auch, daß Daubmann im Weltkriege gefallen ist. Hummel ist nie in Afrika gewesen. anfall erlegen. Naegle war zweimal— 1920/21 und 1929/30— Rektor und 1920 bis 1925 Senator. Die Kriegsbeschädigten und Kriegsteilnehmer und die Abrüstungskonferenz. Di« Internationale Arbeitsgemeinschaft der Kriegsbeschädigten und Kriegsteilnehmer-Verbände(Ciamac) sandte am 9. Oktober l. I.' an den Vorsitzenden der Abrüstungskonferenz Mr. Henderson nachfolgendes Telegramm:„Vier Millionen Kriegs- beschädigte und ehemalige Kriegsteilnehmer, vereinigt rn dreißig Organisationen aus zwölf Staaten, die der Internationalen Arbeitsgemein- schaft angehören, bitten, mit allen Mittün den Wiederzusammentritt der Abrüstungskonferenz zu ermöglichen, und beschwören Sie alles daran- zusetzen, damit^diese Konferenz ei« die Welt be- ftiüügendes E^ebnis zeitigt." Mißwirtschaft im Sailer Krankenhaus. Wie uns aus.Saaz berichtet wird, führten dort Be- amt« der Larwesverwaltung eine Ueberprüfung her Goschästsgehavung des allgemeinen Krankenhauses durch, wobei Abgänge in der- Höhe von 130.000 K festgestellt wurden. Di« Untersuchung ist.- noch nicht abgeschlossen. Die Saazer Stadt- gemeinde, der. als Verwaltungsbehörde jeweils vom Krankenhaus nur die Abschlüsse der Jahresrechnungen vorgelegt werde«,, hat zur Ueber- Prüfung der Angelegenheit eine Disziplinärkommission eingesetzt., Ein« Handgranat« explodiert... Bei militärischen UeÄlngen in. Algier explodierte durch einen unglücklichen Zufall eine Granat« in einem Schützengraben. Zwei Soldaten wurden getötet und 10 schwer verletzt. ..Wettbewerb der Lehrer i« Kampf gegen den Krieg. Während in allen Ländern trotz Anti- kriegs-Pakten und Abrüstungskonferenzen in kriegstechnifchen Untersuchungsanstalten und Werkstätten emsig gearbeitet wird, um noch wirksamere. Mittel der Zerstörung ausfindig zu machen, hat das Internationale Berufssekreta- riat der Lehrer(IM) beschlossen, einen Wettbewerb im Kampf gegen den Krieg durchzuführen. All«, die im weitesten Sinne des Wortes den Lehrerberuf ausüben und Mitglieder der dein JBL angehövcndeir Organisationen sind, werden etngetaben, sich an einem Preisausschreiben(Einsendungsschluß 1. Februar 1933) über das Thema„Wie können wir Lehrer praktisch im Kampf gegen den Krieg m i t w i r k e n?" zu beteiligen. Dieses Preisausschreiben ist auch als Vorbereitung ge- acht für die im Jahre 1933 in Amsterdam anberaumte Sommerschule des IM, die sich speziell mit der Frage der Praxis des Kampfes gegen den Krieg befassen wird. Die besten Einsendungen.(250 Worte; deutsch, französisch oder holländisch) sollen vor der Sommerschmie als Broschüre erscheinen. Dieser Gedanke wird vom Internationalen Gewerkschaftsbund, der dem IM bereits Preise zur Verfügung gestellt hat, aufs tvärmst« begrüßt. Heute mehr Äs je liegt das Schwergewicht des Kampfes ge^n där Krieg auf geistigem Gebiet, in der Bekämpfung der geistigen Aufrüstung, d. h. des„kriegerischen Geistes" und jener„Romanttk des Krieges", mit der neuerdings systematisch insbesondere die Jugend verseucht wird. Es güt, der Jugend zu zeigen, daß die Romantik, mit der man sie für den nächsten Krieg gewinnen will, und mit der man sie allein gewinnen kann, di« Romantik einer sinnlosen Schlächterei ist! Aufklärung ist heute die wichtigste und nottvendigste Arbeit im Kampf gegen den Krieg. Sie ist in erster Linie eine Aufgabe der Lehrer, und sie kann durch den Wettbewerb des JBL in erfreulichster und nützlichster Weise gefördert werden!(Das Jnterna- ttonale Berufs!^kretariat der Lehrer befindet sich in Straßburg-RobertSau 18, Ronde de la Wan- tzerrau.) Der Alabama-Prozeß. Bor dem höchsten amerikanischen Gerichtshof in Washington wurde im Berufungsverfahren gegen die wogen angeblicher Vergewaltigung von zwei weißen Prostituierten zum Tode verurteilten acht Alabaöra- Neger im Wer von 13 bis 21 Jahren verhandelt; Freitag: Prag: 6.15 Gymnastik. 11.00 Schallplatte«. 13.40j Schallplatte«. 18.25 Deutsche Sendung: Steiner: Eine Hellasfahrt. 21.00 Orchesterkonzert.» — Brünn: 16.10 Orchesterkonzert. 18L5 Deutsche! Sendung: Prof. Richter: Lichtschrift auf Pfla»-z zen. 19.15 Klaviervorträge. 19.45 Chronik über« Pizzarro.— Berlin: 18.25 Chorgesänge. 20.00 Ne-I der. 2030„Der Bogen des Odhsses", dramatisches Dichtung von Hauptmann.— Langenberg: 21.10, Aus Operetten Kalmans.— Königsberg: 19.004 Kammermusik für Saxophon. 21.05 SinfoniekonzertÄ -» Breslan: 20.30 Musikalische HumoreÄen.'— 1 Men: 19.15 Wolff: Aus den Goeche-Liodern. 20.15. i Aus Renaissance von Gobineau. 21.45 Konzert. das Urteil des Gerichts ist erst Ende dieser Waches zu erwarten. Mit den einzelnen Zeugenaussage«,! die stark voneinander abwichen, befaßten sich die Verteidiger nur wenig. Sie machten vielmehr a«-s tend, daß bei dem früheren Prozeß vor dem Ge« richt in Alabama die Rechte ihrer Mandant«« nicht, gewahrt worden seien; insbesondere wieset» ra darauf hin, daß sich unter den Geschworenen'« mtgegen der geltenden Vorschrift kein Neger bea rinden habe. Der Todeszug. In Brons(Frankreich) wurden drei Frauen von einem Schnellzug überfahrt» und getötet. Ein polnischer Afienflieger wird vermißt.« Vom polnischen Piloten Karpinski, der Sonntag von Teheran nach Kabul gestartet ist, sind bisher kein« Nachrichten eingetroffen. Man hegt ernste Besorgnisse■ um sein Schicksal. Ans Sardinien wüteten abermals heftige; mit--WoMeÜbrüchen verbunden« Stürme. BesoN-- ders stark waren sie in der Gegend von Oristanö, j wo fünf Segelschfffe untergingen. Hiebei käme« echS Fischer ums Leben. Eine groß» Zahl von Küstenbswohnern wurde schwer yet-j letzt. Tauftnde Kilogramm toter Fische wurden 1 an die Küste geschwemmt. Mit dem Hause verbrannt. In der Gemeinde Karo« bei Kcsice brannte das Haus des Bauer« Andreas Fika nieder, wobei sich ein tragische»j Unglück, ereignete. Auf dem Boden des brennendes Hauses schliefen der Bauer Fila mit seinem Sohn,» welche den Tod fanden. Heute früh wurden derer s verkohlte Leichen gefunden. Der falsche Bata-Direktor. Bor dem Budapesters Strafgericht hatte sich der Sohn eines sehr wohl'- habenden und bekannten Budapester Schuhmachers,^ Karl' Csäkany, wegen Betruges, Uttundenfäl-f schuntz, Bestechung und anderer Delikte zu veravtW chörten.-Csakany junior hatte sich als Direktor der!. tschechoslowakischen Baka-Werke ausgegeben, der von einer Firma beauftragt sei, die Errichtung einer i NiedettassUtzg der Bata-Werk« in Ungarn vorzn-s bereiten. Der Anklage zufolge hat Csakany.mehreres Briqfe und ander« Urkunden gefälscht, mit denen,®, eine- angebliche Betrauung nachweisen wollte. Atjs diese Weis« gelang es ihm dann, piehr«ren Persoprn beträchtliche Summen zu entldcken. Der Angeklagte verteidigte sich damit, daß er es mit der Por-i bereitung. der Niederlassung der Bata-Wette in Ungarn, ernst gemeint und fest darauf vertraut! habe, daß die Firma sein Borgehen verzeihen uitdl nachträglich gutheißen werd«. Der Gerichtshof hot^ Csakany wegen mehrfachen Betruges und Urkunden»! älschühg zu zehn Monaten Ketter verurteilt. Nou« Autobuslinien bet tschechoslowakischen StaatSbahnen: Prag—Leitnreritz, Prag—Te plitz- Schönau und Teplitz-Schönaü—Leitmeritz. Auf den, neu«« Autobuslinien Prag—Leitmeritz und Teplitz-- Schönau—Leitmeritz wird der Betrieb am SaMs- j :ag, den 15, Oktober, eröffnet werden. Der Stand- s Platz für me Wagen der Linie nach Leitmeritz b«-i findet sich beim Wilsonbahnhof in Prag, Abfahrt; Von Prag 11 Uhr 20 Mm. und 16 Uhr 50 Min.,! Abfahrt von Leitmeritz um 6 Uhr 30 Min. und 13 Uhr 13 Min Der Betrieb der Linie Prag---! Teplitz-Schönau wird erst am 1. November beginneN-L Lahusen ans der Untersuchungshaft entlassen. Da» Oberlandesgericht in Hamburg entschied alsj Beschwcrdeinstanz dahin, daß G. Carl Lahusen«, das früher« Vorstandsmitglied der Nordwolle, gegen! Bürgschaftsleistung von einer Million Mark aus der Haft zu entlassen sei. Diese Bürgschaft ist in! Bremen aufgebracht worden, so daß G- Carl Lahns««’ noch am Mittwoch das Untersuchungsgefängnis, in dem er Nahezu 15 Monate(fest 17. Juli 1981) zugebracht hat, verlassen kann. Der König der Autodiebe. Der in mchr als dreihundert Fällen schuldige Chef der Berlin-Steglitzer Autodiebsband«, der Kaufmann Paul Höhne, hat sich der Berliner Kriminalpolizei j gestellt. Nachdem zwei seiner Komplicen, der Kaufmann Rindfleisch und der Kaufmann Klewitz, bereits Ende vergangener Woche verhaftet werden kynnten, wär der gesamte grenzdeutsche FahndungS- i dienst auf Höhne aufmerksam gemacht worden. Der- Gesuchte sah kein« Möglichkeit mehr, ini Auslands zu flüchten. Höhne ist sofort festgenommen worden;‘ 'gleichzeitig mit den Strafverfahren gegen ihn und; seine Komplicen werden ein« Reihe von Strasver-‘ fahren gegen Käufer gestohlener Autos eröffnet werden. Die Staatsanwaltschaft ist der Meinung, daß alle diejenigen, die zu nächtlicher Stunde auf ent-, legen«« Landstraßen Autos kauften, gewußt habe», daß sie sich der Hehlerei schuldig machten. Drama eines Arztes.&n Berlin schied der aus Wien stammende 52 Jahre alte Facharzt Dr. med. St. Fiado gemeinsam mit seiner HanShälterin durch Gifffreitod aus dem Lebe». Wirtschaftliche Not,, verstärkt durch den Andrang der Gläubiger, schuf di«■ Verzweiflungsstimmung, die die Tat erklärt. Tragischer Freitod. In Essen nahm sich ei« Kriminalassistent das Leben. Er glaubt« es nicht, verwinden zu könne», daß ihm ein Verbrecher ent- laufen war, Nr. 242 Donnerstag, 13. Oktober 1932 Seit« 8. Venus und Gendarm. In Brandenburg(Havel) hat ein sittlich entflammter Gendarm, wohl ein Opfer der Zwickel-Psychose, einen Buchumschlag mrt der—- Venus von Milo Keschlag- nahmt!! Tin Ortsgendarm des Doktors Bracht Mit einem Seelenzwickel, Der griff, schon sehr nervös gemacht, Di«. Benns rauh am. Wickel! Dir Dame schien ihm sehr obszön. Ihn plagte« wohl Komplex«; Dielleicht schwur er auf Onkel Röhm? Kurz. er ergriff di« Hex«! DaS ist d«r neuen Ordnung Arm! Was soll man dazu sagen? Der Zwickel hat bei dem Gendarm Zuüppig angeschlagen! Kurt Kaiser Blüth Den betrunkenen Mann bestialisch ermordet. Als der 72jährige Wagnermeister Richard Tree in Kleinweßdorf.(Niederöstereich) am Mittwoch früh um 4 Uhr in betrunkenem Zustande nach Hause kam, wurde er von seiner Frau im Bett überfallen, die ihm mit einem Rasiermesser Schnitte beibracht«, daß er in Bewußtlosigkeit verfiel. Als die Frau sah, daß er noch nicht tot sei, ergriff sie ein Zagdgewehr und schlug mit. dem Kolben solange auf den Kopf des Mannes, bis st« ihm den Schädel zertrümmerte. Dann ging sie zur Gendarmeriestation, wo sie angab, daß sie ihren Mann aetötet habe, der sie in Trunkenheit ost bedrohte. Sie wurde in Haft genommen. Kampf mit Kindcsräubern. In Charbin wurde die., britische Staatsangehörige Frau W o o d r u f von vier Banditen, welche ihre drei Kinder entführen wollten, überfallen und ermordet. Zwei Rüssen,- welche die Mörder verfolgten, wurden von ihnen schwer verletzt. Auch die chinesische Polizei, nahm di« Verfolgung auf, befreite die entführten Kinder und erschoß zwei der Banditen. Die zwei übrigen entflohen. Gefährlicher Futzballkamps. Bei einem in der Nähe von Messina stattgefuudenen Fußbalüvett- kampf beobachteten etwa 25Ü Menschen das Spiel vom Dach eines Schuppens aus. Als infolge der Uebetlastung plötzlich das Dach einbrach, erlitten etwa 5 0 Personen Verletzungen. 100 Millionen Jahre! In der Nähe von Billings(Diontana, USA.) fand der Kurator der Ur- wdltabteilung des New Parker Naturhistorischen Museums in einer tiefliegenden Kreideschicht das Skelett eines. Nodosaurus, eines bisher nur durch Knochenabdrücke bekannten etwa 100 Millionen Jahre alten Urwaldtkeres. Obstessrn im Herbst.— Rohes Obst vor dem Genuß abwaschen! Der Herbst bringt eine erfreuliche Vermehrung des Angebotes der schönsten Früchte mit sich, die mit vorrückender Jahreszeit immer billiger werden, so daß sie auch für den Arbeiter und Angestellten erschwinglich werden. Gerade die neueren wissenschaftlichen Ernährungsgrundsätze haben mehr und mehr gezeigt, einen wie großen Nährwert das frisch« Obst hat. Es gelingt auch nicht, alle lebenswichtigen Rohstoffe beinr Kochen und Konservieren der Früchte zu erhalten, wenn man auch nicht leugnen kann, daß bisweilen übertriebene Aengst- lichkeit über minderen Nährwert gekochten Obstes besteht. Es läßt sich ja leider nicht bestreiten, daß sehr viele Personen mit empfindlichem Magen und Darm trotz aller Anstrengungen und Vorsicht immer nach dem Genuß von rohem Obst Beschwerden bekommen, während sie gekochtes Obst sehr gut vertragen. Solche Leut« sollen unbedingt wenigstens Kompotte und Obstsalate zu sich nehmen, um nicht vollkommen die Segnung dieser wichtigen Nahrungsmittelsträgers zu verlieren. Genaue Versuche an einigen Universitätskliniken, die mit ausgesprochener Aepfeldiät angestellt worden sind, haben immer wieder gezeigt, welch ungeheure Vorteile solche Obstkuren bieten. Es wird angenommen, daß die Gerbsäure, welche die meisten Früchte enthalten, die oberflächlichen Zellschichten im Darmkanal verdichten und so gegen all« Reize widerstandsfähiger machen. Ferner wird eine..Umstimmung der gesamten, den Darm ja in gewaltiger Menge bevölkernden Krankheitserreger erzielt und daher der Gefahr einer Darminfektivn in vielen Fällen aus dem Wege gegangen-. Außerdem beweist^a ein« ein- fache Ueberlegung,. daß durch di« Füllung deS Darmes mit den weichen schwammigen Fruchtmassen ein« mechanische Reinigung auf das beste und einfachste herbeigesührt wird. Es steht also außer Zweifel, daß eine Obsternährung entgiftend, nährend umstimmen- und schonend abführend wirkt. Trotz aller dieser Vorzüge kann nur immer wieder dasir geraten werden, sich vor Genuß des rohen Obstes besonders in der Stadt einer kleinen Mühe zu unterziehen, di« oft tausendfach belohnt wird':'Wenn mau sich überlegt, durch wieviel Hände daS Obst geht, ehe es an den Verbraucher gelangt, wird man sich über die Zahlen, die ich jetzt anaeben will, keineswegs mehr wundern: Genaue bakteriologische Untersuchungen haben ergeben, daß auf der Oberfläche einer kleinen Johannisbeere..nicht weniger als 15.000 Bakterien ihr Dasein fristen, während eine Pflaume sogar di« doppelte Anzahl beherbergt. Auf Kirschen wurden im Durchschnitt 10.000 dieser kleinen Lebewesen gefunden. Alle diese Zahlen beziehen sich doch nur auf ganz frisches Obst und ergeoen bei angefaultem Obst ein vielfaches. Diese wissenschaftlichen Untersuchungen brauchen uns jedoch noch keinen allzugroßen Schreck einzujagen, da ja die meisten dieser Bakterien harmlos sind. Trotzdem können auch einmal gefährliche darunter sein. Wir sollen uns daher ruhig des einfachen Mittels einer kurzen Abwaschung bedienen, zumal mikroskopisch festgestellt wurde, daß solche Waschung die meisten Keime mit herunterspült. Revolte der Feststimmung herrscht im Bataillon. Ueber- all erblickt man freudige Gesichter. Marokkos Hauptstadt Fes begeht an diesem 14. Juli 1923 den Nationalfeiertag des französischen Volkes. Die französisch« Fremdenlegion respektiert diesen Feiertag in würdiger Wsise. Jubel und Trubel herrscht an diesem Tage. Die sonst so strengen Vorgesetzten fühlen sich mit den einfachen Legionären an diesem Tage verbrüdert. Di« strengen Dienstvorschriften werden an diesem Tage außer Acht gelaßen und kleine Verfehlungen übersehen, ja, selbst Arrestanten werden zur Feier des Tages begnadigt. Wein und Champagner fließen in Strömen, und die Verpflegung kommt dem Menu eines erstklassigen Hotels gleich. Schon Tage vorher wurde im Camp von Fes an den Dekorationen gearbeitet. Buschige Girlanden und Lampions wurden an den Baracken angebracht und Festplätze angelegt. Zur Belustigung der Legionäre wurden lange Pfahle aufgepflanzt und mit Seife beschmiert. An die Spitzen der Pfähle wurden Pakete und Weinflaschen, Würste und sonstige schön« Sachen gehängt. An so einem glatten Pfahl mußte man hinaufklettern. Zum Gaudium der Zuschauer rutschten die meisten aber in den unglaublichsten Stellungen in halber Höhe wieder ab. Auch ein Scheibenstand wurde errichtet. Endlich brach der 14. Juli an. Sowohl im Camp als auch in der Stadt tvar alles dekoriert und beflaggt. Sonnig und heiter erstrahlte der Himmel. Nach der Roveille erhielten wir einen Becher Schokolade, einen Likör und Kuchen. Eine Stunde spater standen etwa zwei Bataillon« auf dem Paradeplatze zur Truppenschau. Kommandos erschallten, Bajonette wurden aufgepflanzt, und im Parademarsch ging es am Plamomman- danten und an den Honoratioren der Stadt vorbei. Eine kurze, launige Anstrrache des Kommandanten, und der erste Teil des Festprogramms war erledigt. Nun, folgte das Festessen. Auf einem großen, festlich geschmückten Platze waren lange Tafeln aufgeschlagen. DaS Menü bestand aus einer kräftigen BouiLop.^Bratkartoffeln mft"Hehrate- nem Fleisch; diversen Salaftn, Pudding und in Wein gekochten frischen Feigen. Brot und Käs« wurden als Dessert serviert. Dazu wurde reichlich Wein gereicht.* Außerdem erhielten ft zwei Mann«ine Flasche Champagner, Nach dem Mahl sowie» Borträge, russische Notionaltänze und Darbietungen eines deutschen ClownpaarS. Später folgten Ring- und Boxkämpfe, Wettlaufen usw. Jeder konnte ftin Teil zur Unterhaltung beitragen. Nach und nach aber zerstreuten »sich die Legionäre in die Stadt. Aus den Weinlokalen und Cafes erscholl lustige Tanzmusik. Aber diese Vergnügungen waren nur den Offizieren und Zivilisten Vorbehalten. Sobald ein Legionär ein solches Lokal betrat und mit einem Kameraden tanzte, brach die Musik ab. Die Abneigung des Zivils gegen di« L^ionäre ist gren» izenlos. Wohl fürchtet man den Legionär und bestaunt ihn, wenn er aus blutigen Kämpfen und unmenschlichen Strapazen zurückkehrt, aber keiner will mit ihm in Berührung kommen. Er ist ein Gezeichneter, ein Verbrecher, ein Paria. Daß sich die angeheiterten Legionäre ein solches Verhalten nicht gefallen ließen, war natürlich, und bald kam es überall zu blutigen Schlägereien. Bei Anwendung dieser Vorsichtsmaßnahme uird Vermeidung des gleichzeitigen Zusichnehmens größerer Mengen besonders kalter Flüssigkeiten rann jedoch einem jeden die vermehrt« Obstnah- rung»gerade jetzt dringend angeraten werden, falls nicht etwa ein ärztlich festgestelltes Magenleiden dagegen spricht. Bedeutende Forscher haben gerade in allerletzter Zeit behauptet, daß ein« so verheerende Kinderkrankheit wie die Rachitis(—englische Krankheit) durch das vermehrte Obstesien bedeutend nachgelassen habe! Dr. med. H. B. Geächteten. Bor den Toren der Stadt spielte sich unterdessen ein imposantes Schauspiel ob. Wohl tausend berittene Araber saßen Witz Statuen auf ihren prachwollen arabischen Hengsten. Tie hohen Rückenlehnen der Sättel waren reich mit Gold und Silber verziert. Die großen, breiten Steigbügel und die langen, spitzen Sporen erglühten im Sonnenschein. Nachdem der Caid, ihr Führer, ein Zeichen gegeben, sprengte die ganze Schar in schnurgerader Linie in wildem. Galopp zum Angriff auf einen markierten Feind. Plötzlich schossen alle ihr« Flinten ab, mit einer Exaktheit, daß nur eine einzige Detonation zu hören war. Tann wirbelten sie w"ild ihre Gewehr um ihren Kopf, und mitten im rasenden Galopp hielten sie so plötzlich an, daß di« Tiere in die Kni« brachen. So reihte sich Reiterstückchen an Reiterstück-, chen. Später folgten Wettrennen. Als die Dunkelheit Hereinbroch, sollt« ein Fackelzug durch die Stadt veranstaltet werden. Mit Mühe und Not wurde die Kapelle, die fast ausnahmslos aus Deutschen bestand, zufammen- geholt, und kurze Zeit darauf ging es mit klingendem Spiel, mit Fackeln und Jauchzen und Schreien durch die Stadt. Doch plötzlich— was war das? Ich traute meinen Ohren nicht. Die Musikkapelle schmetterte„Deutschland, Deutschland über alles".■ Die Menschenmenge stockte und staute sich. Aufgeregtes Schreien und Rusen erfüllte die Luft. Wütende Kommandos erschollen, und jetzt— spielte di« Regimentskapelle schmetternd die Internationale. Jetzt brachen Patrouillen durch di« Menge, und die ganze Regiments- kapelle wurde zwischen einem WaLe von Bajonetten ins' Camp zurück m Arrest befördert. Alarmsignale ertönten nun ins Camp. Patrouillen durchstreiften die Stadt und brachten di« Betrunkenen und Aufsässigen heim. ■ Jäh war die Feier unterbrochen. Im Camp erreichte der Tumelt seinen Höhepunkt. Di« durch das Verhalten der Einwohner gereizten und vom Wein aufgeregten Legionäre sangen di« Internationale, und überall kam es.zu Verbrüderungen-' Die Vöryesetzteö, die Ruhr und Frieden zu nisfen'suchwg.7 wurden? überschrien ünd mißhandelt. Ein trüber Morgen folgte'diesem ereignisvollen Tage. Sämtliche Angehörigen der Regimentskapelle erhielten 60 Tage strengen Arrest; einige kämen mit den Rädelsführern vor das Kriegsgericht und erhielten Strafen bis zu 20 Jähren Verbannung und Zwangsarbeit. I» der Nachbarschaft Mecknes, die ebenfalls Garnison der Fremdenlegion war, hatte sich an diesem Tage noch Schlimmeres ereignet. Dort hatte man zur Bildung von Svldatenräten und zur offenen Meuterei aufgefordert. Am Abend folgte ein Sturm auf das Waffenmagazin, der aber von ergebenen Truppen unter blutigen Verlusten für die Angreifer abgeschlagen wurde. Deutsche und Russen hatten geglaubt, das 4. Regiment der Fremdenlegion vollständig in ihr« Hand zu bekommen, und von Mecknes aus den Bolschewismus über ganz Marokko ausbreiten Zu können. Einige Tage später wurden dort 17 Deutsch« und 12 Rusten standrechtlich in einem Steinbruch erschvsten. Biel« andere wurden zu jahrelanger Zwangsarbeit verurteilt, einige nach der Berbrecherkolonft Cayenne lebenslänglich verbannt. Richard Blei. Mweiwuge» au» de» cuthtung: In der gegenwärtigen Zeit ist es sicherlich von j größ:er Wichtigkeit, dafür zu sorgen, daß man für sein gutes Geld auch güte Ware erhall. Wenn man etwas kauft, das schließlich nicht di« gehegten Erwartungen erfüllt, so hat man sein Geld nutzlos ausgegeben. In solchen Fällen härte man besser ! getan, bei der Anschaffung etwas mehr zu bezahlen, dann aber auch etwas Gutes, etwas von Wert, zu erhalten, wobei man sein Geld besser angelegt hätte. Dies gilt in sehr hohem Maße von Glühlampen.— Beim Ankauf« einer Glühlampe genügt es nicht, einfach nach ,,Lampen" zu fragen, denn nian kauft ja eigentlich nicht die Lampe, sondern deren Nutzen, das Licht, Nan verlange darum eine Lampe,/die gutes.' Licht gibt bei geringem Stromverbrauch. Ties sind di« jogeüannten Quali. tätslampen, Lampen aus Fabriken von Ruf, die durch ihre groß« Erfahrung und ihre ausgezeichnet eingerichteten Laboratorien und modernsten Maschinen in der Lage sind, auch ein Qualitätserzeugnis herzustellen..Diese Lampen find wirklich wirtschaftlich, d. h. bei ihnen besteht das richtige Verhältnis zwischen drei Faktoren, dir' dft Wirtschaftlichkeit bestimmen, und zwar Stromverbrauch. Lichtstärke und Lebensdauer,'' oder mit änderen Worten, eine QnalitälÄampe ist sparsam im Verbrauch und darum auf die Dauer am billigsten. Beim Kaufe einer Glühlampe'verlang« man also nicht einfach ein«„Lampe", sondern ein« Qualitätslampe, und wenn man bezweifelt, ob die angebvten« Lampe tatsächlich Anspruch auf diese Bezeichnung hat, so verlange man«inen'Vergleich mit einer anerkannten Qualitätslampe, z. B, einer Philips- Lampe. Der Anschaffungspreis, einer Qualitätslampe mag wohl etwas Hähers sein, man hat jedoch viel mehr Nutzen von ihr. Mit einer Qualitätslampe erhalten Sie bester« Ware, für,Ihr Geld, so daß dies b«sser angelegt ist,' Eine Philips-Lampe wiegt durch ihren sparsamen'-.Stromverbrauch die höheren Anschaffungskostcn. reichlich auf. Für denjenigen, der wirklich sparen will gilt darum beim Ankäufe von Glühlampen die Warnung: Achtung! -1729 Volkswirtschaft lind Sozialpolitik Mitgliederzahl des Britischen Grwerkschaits- bundes: Offiziellen Angaben'zufolge beläuft sich die Mitgliederzahl des Britischen Gewerkschaftsbundes zur Zeit auf 3,613.273(in 209 ange- schlossenen Organisationen), gegen 3,719.401(in 210 Organisationen) im vergangene» Jahre. Auf Grund einer intensiven Kampagne ist es gelungen, bis zum 30. Juni dieses Jahres 114.000 neue Mitglieder zu" gewinne'!». Sozialpolitisch« Forderungen der sranzön- schrn Gewerkschaften. Nach Behandlung der sozialpolitischen Fragen nahm die am 4. nnd 5. Oktober in Paris abgehaltene Bnnd.'saus- schußsitzung des Französischen Gxwerkschastsbun- des einen Beschluß an, in dem es u. a. heißt: „Der Bundesausschuß nimmt dir durch die Aktion der Landeszentrale in neuester Zeit zugunsten der Arbeitslose» erzielten Erfolge zur Kenntnis: Heraufsetzung der Unterstützungen, Berlängernng des ÜnterstüßungSampruchS Ja«f die ganze Dauer der Arbeitslosigkeit, Gewährung von Unterstützungen für die Kurzarbeiter, Einleitung kollektiver Arbeiten(Notstandsorbei- ten). Der Bundesausschuß fordert darüber hinaus dft Einführung der obligatorischen staatlichen Arbeitslosenversicherung und bis dahin die Bermehrung der Zahl der Arbeitslosenkassen der in Frage kommenden Gemeinden sowie ihren Ausbau. Der Ausschuß Protestiert gegen den Toppelverdienst und fordert die sofortige Abschaffung dieses skandalösen Mißbrauchs in einer Zeit steigerwer Arbeitslosigkeit. In einer speziellen Entschließung spricht sich der Ausschuß für die allgemeine Einführung bezahlter Ferien aus. MM»« deutscher Dors. Von Erna Büsing. Nicht weit von der Großstadt liegt es dieses kleine, verträumte Dorf. Noch hat es aus der Landschaft heraus seine Eigenart. Wenn im Winter in der Großstadt der Schnee in schmutzigen Haufen Fußsteige und Fahrdämme einiäumt: dann guckt er im Dorf noch mit tausend diamantenen Sternenaugen von den grünen Tannenzweigen. Und wenn im Sommer die Großstadtstraßen im schmierig dunstigen Aiphaltncbel ver- chwinden; dann atmen die Bäume des Dorfes Sauerstoff aus. Das sind die unvergänglichen Reize des Dorfes, die nun seine Bewohner, mit zager Hoffnung auf die Großstadt, modernisieren. Da ist der Friseur. Er hat sich, als schicksal- gebundcnes Komp.liment an die Großstadtdamen. einen Dauerwellenapparot angeschafft. Ter hat seine Kundschaft! weil dft Damen, die nur äußerlich den zur Zeit modernen Dorffricden loben, in Wirklichkeit nichts mit ihm anzufangen wissen nnd daher Ruhe haben, beim Friseur zu warten. In der Stadt macht dieses Warten nervös, aber auf dem Dorf ist es angenehin. geht doch erstens die Zeit hin und zweitens kann man staunenden Ohren von sich und seinen gesellschaftlichen Verpflichtungen in der Großstadt erzählen.' Darum ist er viel in Betrieb, dieser Dauerwellenapparat. Er ist— im Dorfe handhabt man ja derartige .Dinge primitiv— an der Pumpe anqeschloffen und alle Hausbeivohner und die gesamte Nachbarschaft können, falls er gerade, arbeitet, kein Wasser holen. Die Pumpe teilt dann nämlich elektrische Schläge aus, die unbedingt kräftigen Ohrfeigen gleichkommen. Mehrere Wasserträgerinnen schließen einen geduldigen Halbkreis um die Pumpe. Sie wollen weder dem Friseur das Geschäft verderben, noch sind sie dem Apparat wegen der verwarteten Zeit gram, freuen sie sich doch viel zu sehr darüber, daß ihr Dorf modern wird. Auch der Kaufmann muß sich auf die großstädtische Kundschaft einstellen. Er hat einmal in einer Zeitung gelesen, daß ein berühmter Innenarchitekt behauptete, gelb sei die Farbe der Freude. Darum Hot er sein Haus gelb streichen lasten, obwohl es nun frierend kalt und nahezu abweisend in-er Landschaft steht. Früher war eS rot gewesen und ein warmer Farbenklex; denn rot ist die Farbe des Blutes und somit des Lebens. Doch der schlaue Kaufmann beachtet« nicht nur die Acußerungen eines Innenarchitekten, er beachtet auch peinlich genau alle Strömungen der Politik. Dieierhalb bezieht er von einer großstädtischen Firma Hakenkreuzbonbons und von einer zlveiten. Bonbons in schwarz-rot-goldener Verpackung. Doch da durch diese beiden Sorftn die Politik noch nicht gewinnbringend genug erfaßt ist hat er einen kleinen stellungslosen dörflichen Bonbonkocher an der Hand, der ihm 'chwarz-weiß-rote Bonbon?, solche mit dem Sowjetstern und allen möglichen anderen Parteiabzeichen fabriziert. Dftse mischt der Kaufmann alle durcheinander, sie kommen in ein Bonbonglas und bei einem Viertelpfund Bonbon kann man sich unter Garantie durch sämtliche »clitische Richtungen Deutschlands fressen, alle Splitterparteien mit eingeschloffen. Noch liegt dieses vom Wald durchschnittene Dorf im tiefen Frieden. Abe.r sein hartes Schicksal ist entschieden, di« Großstädter haben es entdeckt und die Dorfbewohner modernisieren es und ichon heißt die Kuh ini Stalle nicht mehr Liese, sondern Ly und die Kaninchenzippe nicht mehr Mucki. sondern, Mia und der das Gehöft nachts wachsam umstreichende Karo macht am Tage schon pflichtschuldigst sein Photographiergesicht, falls von irgendeinem Amateur zum so uiid so vielten Male der„Dorffrieden* geknipst wird. Das Dorf steht im Somnier und Winter im Grünen, es hat Tannen und diverse Erhöhungen, die müheloS zu Rodelschlittenstraßen gestalte» werden können. Folglich hat es Dauerbetrieb und es wird so modern werden, daß seine Bauernhäuser nur noch wie kranke.Steinhaufen in der Landschaft stehen. Dft Vögel und Eichhörnchen werden frech werden und sich an Bananen, Zucker nnd Kuchenkrumen überfressen. Die werden keck in. dft mit Rcstaurationsbetrieben gesegneten Dorfgärten kommen. Ihre. Wohnstätten aber muffen sie, aus Selbsterhaltungstrieb, mehr wald- einwärts verlegen. Kennen' sie doch aus Emp- kindungen heraus daS Dorf, daher wissen sie: das Dorf kann alles ertragen, Schneeverwehungen und Glatteis, die jeden Verkehr unmöglich machen, Regen, der dft Wurzeln großer Bäume bloßlegt und Sonne, dft das Gras auffrißt. Nichts ertötet seine Eigenart. Es trotzt gleich stark der auten wie der bösen Zeit. Nur den Großstädter als willkommenen. gewinnbringend ausgenutzten Gast, den erträgt der Charakter des Torfes nicht. Sette 6. „Sozialdemokrat" Sontttlltg, 18. Oktober 1982 Jh. 242 9 12 Grosse 23-24 a •/ PRAGER ZEITUNG HIERAUF Airfang und also an Provisionen sparen' Handlung auf den 28. November vertagt. KOMM! ES AN! Kunst und Wissen Lbc Aus der Pariei Streit um di« Provisionen sich zu der Ummodelung Star- eine Zeitschrift nach zehn Jahren Bestandes Akquisiteur nicht mehr so notwendig habe wie auch Herr Pallenberg die reisender Gastspielenfcmbkes mit Blut diszi- Am 27. Dezember 1928 wurde auch das Dienstverhältnis des Klägers durch einen Brief neu geregelt. So wurden z. B. die Bankinserat« von der Provisionierung ausgcnom- men, trotzdem aber„vielleicht ausnahmsweise" doch hi« und da eine Provision zugestanden. Herr Dr. Weil bemerkte hinsichtlich der Em- chränkung der Provisionszuwendungen, daß den am Grösse 19-26 Modell 211 Warme Hausschuhe. Gr. 27-34 K2 15.- för Damen 25-, für Herren Kc 29.- • Vielleicht bezahlen Sie im Laden für eine stromver- schlingende Lampe eine Kleinigkeit weniger, Ihr Stromzähler verlangt jedoch das Vielfache zurück. „Generalstiefel“ aus Ganzgummi. Grösse 27-34 KL 29.-, Or. 35-38 KL 39 Frettischaktion für deutsche Hochschüler. Zur Linderung der fortschreitenden Notlage unter den Prager deutschen Hochschülern hat der akademische Wirkschaftskörper Berein Deutsche Studentenfürsorge«in« Freitischaktion«ingeleitet, durch welche in weit höherem Ausmaße wie bisher unbemittelte Hochschüler mit freien Mittagessen beteilt werden. Die mit Mittellosigkeit- und Stu- dicnnachweisen belegten Gesuche sind bis 2V. Oktober in der Kanzlei-er Deutschen Studentenfür» scrge, Prag H., Krakow ska 16, zu überreichen. Esperantokurs des Allg. Angestellten-Berbandes. ErsterAbend amDonnerstag, den 18. Ok- tober, um 6 Uhr abends, Gec-Kastno, Fügnerovo näur. Interessenten als Gäste geladen. ARGENTA” 4. Mai". Stock, Tür 19'(zu volkStüml. Preisen, 6 K); 8 Uhr:„C o« u r-B u be". kein Widerspruch erhoben, vielmehr Ihres Briefes" di« Zulage Pallenberg als Zaberger(recte: ZavadiD Gut zwanzig Jahre haben in mir fast nichts von den Erinnerungen ausgelöscht, die Pallenberg als Zavadil in dem Kadelburg-Schwank„Familie Schimek" hinterließ; so köstlich, so einzigartig war diese Leistung, daß man diese Figur nicht nur bester im Gedächtnis behielt als hundert andere, denen man inzwischen diesseits und jenseits der Rampe begegnet«, sondern eine Unzahl Redewendungen, unübersteigbar humorvoller Einfälle Pallenbergs samt dem dazu gehörigen Tonfall hatten sich einem unauslöschlich eingeprägt. Dieser Zavadil war(und bleibt) eines der großartigsten Phänomene der deutschen Bühne. Nun ist Zavadil, unter den Augen der hauptstädtischen Polizei, zu einem Za- und Zahmberger geworden. Das Feingefühl der behelmten und betreßten Patrioten, von dem man sonst nichts merkt, duldete nicht, daß Pallenberg seine originale, karikaturistisch« Type des dumm- 'chlauen kleinbürgerlichen Parasiten in der Gestalt eines böhmelnden Wieners auf die Prager Bühn« stelle, Pallenberg mußte seinen Zavadil als «inen dialektfreien Zaberger spielen, mußt« sich so di« Hauptquelle seiner Wirkung in dieser Roll« ver- stopfen lasten. Aber so humorlos kann keine Zensur sein, daß sie Pallenberg um seinen Humor brächte! Auch in der entböhmelten Faston löst dies« Figur, durch Haltung, Mimik, Maske, durch di« Suada ohnegleichen, durch Wortverdrehungen von tiefstem Unsinn, durch hundert Einzelheiten und durch die komische Gewalt der ganzen Erscheinung Salven befreienden Lachens aus. Wenn dieser Zaberger die provozierte und hekbeigesehnr« Einladung zum Mit- ragStisch seiner Wirtin mit scheinbar sinnlosen Satzsetzen und Ehrenmannsgcsten, hinter deren Ausdruck der gegenteilige Will« fühlbar ist,„Erklärungen" abgibt, so erbringt er damit einen von vielen Beweisen dafür, daß er nach wie vor der größte lebende Komiker der deutschen Bühne von heute ist. Uebri- genS bewundernswert, wie der Künstler, dem di« Hunderte Male in der ursprünglichen Konzeption gespielt« Roll« doch dergestalt in Fleisch und übergogangen ist, plinierte! Leider macht Methode eigener und führt wie so viel« seiner anderen berühmten Kollegen Herren und Damen mit sich, di«(mit wenigen Ausnahmen) kaum die berechtigten Ansprüche an ein gutes Dilettantentheater befriedigen. Die großen Darsteller sollten doch schon dahinter gekommen sein, daß dies eine künstlerische und geschäftliche Schädigung bedeutet! L. G. Grösse 27-34 Modell 3162-00 Schnürschuhe aus festem Leder mit starker Gummisohle. Gr. 35-38 Kc 29- und Kc 9.-. S128 könne.(Der Mohr hat seine Pflicht getan.) Uebrigens habe der Kläger die Abrechnungen stets vorbehaltlos genehmigt und allfällige Einwendungen seien sofort geschlichtet worden. Von der Vollmacht des Heraugebers. Jnkerestant ist, daß beim ursprünglichen Dienstvertrag des Klägers der Berwaltungsrat der „Rota" als Vertragspartner austritt und „per Prokura" gezeichnet ist. Das erwähnte Schreiben vom 28. Dezember 1928, durch welches das Dienswerhältnis umg«stallet wird, trägt die Unterschrift des Dr. Weil als Heraus- g« der. In der Verhandlung deduziert« Dr. Weil, daß er in keiner Eigenschaft als Herausgeber ohne weiterer auch di« Genehmigung der Firma zu Aenderungen habe. Anschließend folgten di« kurzen Einvernahmen der Redakteur« Fässer und Frankenstein, die hinsichtlich der Tätigkeit des Klägers analog aussagten wie Dr. Weil. Schließlich wurde die Ber- rh. o Es kommt darauf an, ob dieser dünne Draht Strom verschlingt oder Strom erspart— und ob er wohl vom allerreinsten Edelgas umgeben ist I der Kleinen Bühne. Heute Kalkutta, 4. Mai" Dreimal Offenbach Samstag, 8 Uhr: Sonntag, 8 Uhr: bi» „D«r grün« Holzschuh", ein holländisches Kabarett, das im Uraniasaal zwei Abende gab, zeigte ein beachtliches Niveau und bot seinen Gästen in einem reichen Programm angenehme Unterhaltung. Der Stil der Tänze, Lieder und Clownerien ist nicht neu, weder im Original-Holländischen noch im Internationalen des Programms, aber er ist gefällig und zeugt von ernstem Willen zur Kleinkunst. Stimmungsvolle Tänze, teils von einem größeren Ensemble, teils von dem Duett der unstreitig begabtey und sehr hübschen Damen Anna Schumann und Ilse Ward getanzt, Lieder, in deren Vortrag sich di« Herren der Truppe teilten, wobei vor allem der Bariton v a n't Hoff und der Baß, weniger der mit gequetschter Stimm« und nicht ohne Affektiertheit singende Tenor gefielen, musikalische Scherze, derber Humor und kurze SketchS bildeten m bunter Folg« das hübsche Programm. Der Leiter des Kabaretts und fein Conferencier D i s r a« n spricht deutsch mit einem französischen Akzent, her ihm eher nützt all schadet, und bringt nicht einfach eingelernt« Witze, sondern gute Stegreifkomik. Er zeigt« auch im übrigen Programm vieksestige Talente. In den kleinen Szenen bewies von den Damen Alma Schumann auch ansehnliches Können als Grotesk-Darstellerin.— Die Künstler, hatten mit der Stimmungslosigkeit des Saales,. mit der Unzulänglichkeit der wackeligjämmerlichen Bühn« und, was den Besuch betrifft, mit der Konkurrenz Pallenbergs zu kämpfen. W«nu sie trotzdem ein Publikum, das an übelst« Lozclach und an, die Unappetitlichkeiten und von einer ge- wisten Kritik noch gefeierten Kuhstallmanieren ein«r Pseudobohöm« im Vortragssaal gewöhnt und für ursprünglichen Humyr, für naive Grazie zu blasiert und abgebrüht ist, zum Lachen und zu aufrichtigem Beifall brachten, so stellt ihnen das ein sehr gutes Zeugnis aus.— Der Urania ist für die Vermittlung dieser netten Kleinkunstbühne zu danken; hoffentlich kann sie uns derlei recht bald in ihrem neuen Saal unter günstigeren Auspizien zeigen! kr- Wochenspielplon des Neuen Deutschen Theaters. Heute Donnerstag, 7 Uhr abends:„Aida'(CI).— Freitag, 7.80 Uhr: Zweites Gastspiel Max PallenbergS.— SamStag, 7.80 Uhr:„Sam- f o n und D a l i l a'(A 2).— Sonntag, 11 Uhr: Kammermusik; 2.80 l u n g:„M«de a"; (D 1). Wochenspielplan Donnerstag, 8 Uhr: — Freitag, 8 Uhr: s.Kulturverbandsfreunde). ,^kalkütt a, 18 Gr. 19-26.27-34 KL 19.- Modell 3651-37 Meltonschuhe mit Gummisohle. Für Damen Kc 29-, für Herren Kc 39- u s Wolle KL 4.-, 6.- Uhr: Arbeitervorstel- 7.30 Uhr:„Rigol- tto" Die Wirtsdiatt del der„Wlrtsdiair. immer nodi unklar.- Dr. well als Zeuge.- was sind „redaktionelle Arbeiten“? Prag, 12. September. Bor dem hiesigen Arbeitsgericht(Bors. OGR. Dittrich) wurde heute di« Provisionsklage des Herrn Kor- zendörf«r gegen die Verlagsfirma„Rota" als Eigentümerin der Zeitschrift„Die Wirtschaft" nach mehrfacher Vertagung weiterverhandelt. Dr« einleitenden■ Vergleichsverhandlungen, in deren Verlauf sich die Herren Vertreter der beklagten Partei einige giftig« Bemerkungen über den„Sozialdemokrat" nicht versagen konn ten, der das diskrete Schweigen der Bürgerpresse über diesen inter«stanten Fall nicht mitmacht, scheiterten. Dann folgten zwei kürzer« Einvernahmen. Dir. FuItn«r von den Witkowitzer Eisen werken erinnert sich, mit Korzendörfer in Jnseratenangelegenheiten verhandelt zu haben. Damals sei die beabsichtigte Einschränkung des laufenden Jnseratenaustrages unterblieben, weil ein redak tioneller Artikel des Klägers in dem Blatt erschien, der„d«r Firma sympathisch war". Dagegen erinnert sich der folgende Zeuge, ein Direktor der Versicherungsgesellschaft„Assecura- t i o n i Generali" an nichts mehr, als an einige Tekphongcspräche mit Dr. Weil und Dr. Bacher. Darauf erfolgte die Einvernahme des Haupt zeugen Dr. Friedrich Weil, Herausgeber der„W i r 1- schafl', die über«ine Stunde dauerte und einen lebhaften Verlauf nahm. Zunächst konzentriert« sich das Interesse des Gerichtes auf die heikle Frage, ob Korzendörfer Redakteur oder Akquisiteur gewesen sei, bzw. in welcher Art dies« nach all gemeiner Ansicht unvereinbaren Verwest dungen sich in der Person des Klägers so ver flechten konnten. Dr. Weil erklärte, Korzendörfer sei a d m i n i- strativer Beamter gewesen, der auch die Ahquifition zu besorgen hatte, wofür er Fixum und Provision bezog. Doch hab« sich Dr. Weil dem Verlangen des Klägers, in den Redaktionslreis«inbezogen zu werden, energisch und konsequent widersetzt. Aitderfeits gibt der Zeuge zu, daß Korzendörfer hi« Rubriken„Technik" und„Das Auto" bearbeitet habe, Dazu habe er sich freiwillig unentgeltlich angeboten. Auch habe«r Artikel geschrieben und s« vielleicht auch ab und zu honoriert erhalten. Auch habe er ander« Artikel „eingerichtet", d. h. druckreif gemacht und aus Fachzeitschriften geeignet« Aufsätze bearbeitet. Dr. Weil habe eben zu seinen„technischen Fähig ketten" großes Vertrauen gehabt. Auf di« spätere Frage des Klägers an den Zeugen, ob es wahr sei, daß er(Dr. Weil) ihn für Mängel und Feh ler des Satzes verantwortlich gemacht habe, antwortet Dr...Weil:„Soweit sie sich auf technische Dinge bezogen." Das alles s«i aber keine redaktionelle Tätigkeit gewesen und Dr. Weil habe dies sogar wiederholt ausdrücklich betont. Das Einrichten der Manuskripte habe Kläger freiwillig besorgt und Dr. Weil habe es ga- nicht gern gesehen. Bemerkenswert ist, daß Korzendörfer in einem Brief vom 24. August 1928 um Gehaltserhöhung ansuchte und dabei auch auf fein« Arbeiten beim Aufnehmen von Tel-- Phongespräch en, Umbruch ufw.(also rein redaktionelle Tätigkeiten) hinwies. Im Antwort- 'chreiben(unterzeichnet von. Dr Bacher und Dr Weil) wird „aufgrund gewährt. * Der basiert auf einer A u f st e l l u n g, di« der Kläger sich durch Abschrift aus den Büchern des Ver lages beizeiten besorgt hat. Hier ging die Debatte sehr im Zickzack und das Gericht hatte kein« leichte Arbeit, da di« Antworten des Zeugen auf di« präzisen Fragen nicht immer ebenso präzise Auskunft gaben, Im Dezember 1928 sei es zu einer völligen Umorganisierung des Betriebes gekommen und die Unterscheidungen zwilchen „alte m" und„neue m" System gaben Ursache zu Unklarheiten und Widersprüchen, auf di« wir nicht im Detail eingehen können. Grösse 27-34 Modell 3812-61 Galoschen für Kot- und Regenwetter. Gr. 35-38 Kc 15.-, für Herren Kc 19- Kinderstrümpfe Kc 2.-, 3.-, 4.- und KL L-, • Kaufen Sie Ihre Lampen verständig. Kaufen Sie stromsparende Lam- pent PHI LI PS- Lampen I Jugendbewegung. Freie Bereinigung soz. Akademiker— S. I. II. Heute, Donnerstag, utn halb 7 Uhr abends in unserem Heim wichtige Aus- schußsitzung. Alle Funktionäre, die auch Berichte vorzubereiten haben, müssen unbedingt erscheinen. Tagesordnung: Nächstes Programm Generalversammluirg und OrganisationSsragen. Pünktlich sein! n bar Selm des klaffevbenmtztev Arbeiters gehört d. Zevtralorgav. I Deutschen sozlatdemoke. Arveiterpartet I e f t( b a t te a t. Wilhelm Niet»«»- Verantwortlicher Redakteur Dr. Enill Strand. Prag.— Druck:.Raia- für Zeitung» und Buchdruck. Prag— Nür den Druck aeranlwarUich: Ona Sait«. Viag.». Dia gaUuugsurarlruiraukaNir wurde»an der Pose.» lelegraphendireNil» mit Erlaß Rr l.1 soo/vtiuoso dewllligt- vezugSbrd.ngnngen Bei Zustellung iu» hau»-der Bezug durch M< Post monarltch KJ 18.—. alert«! lädrllch Ü S» tzaldjatzrig Kc 96.—, ganiiogltg Ke 192,—,— Juferal« werde» tour iarst dtlllüü berechnet. Bei älteren«Uli Ballungen Preltnachtag.— Rückstellung da» jkaaujlrtpleu erfalgt nur del Erujettdung der Relsurnrarte»,