Einzelpreis 78 Heller. (Einschließlich 5 Heller Porto) 12 Jahrgang. Freitag, 14 Oktober 1932 Rr 243. M vier Fortschritte In London. London, 13. Oktober. Das amtliche Kom- nmniqs, das nach den englisch-fränkischen Besprechungen des Bormittag ausgegeben wurde, besagt lediglich: „Neber die Schwierigkeiten, di« hinsichtlich der neuen Entwicklung der Abrüstungsfrage aufgrtaucht sind, haben heut« vormittag in Towningstreet zweifellos« Besprechungen zwischen Ministerpräsidenten H e r r i o t, Sir John Simon und dem sranzöfsichen Botschafter stattgefunden. Die Unterredungen zwischen dem Ministerpräsidenten M a c d o n a l d und H er r i o t wurden in sehr freundschaftlichem Geist« bis nm 1&30 Uhr fortgesetzt und werden morgen vormittags um 1v Uhr wieder ausgenommen." Herriot verließ kurz nach 18.30 Uhr die Dowmngstvset. Er antwortete auf eine Frage, welcher Mrtschritt: gemacht worden sei:.^Ri chs viel". Andererseits wurde von britischer stelle erklärt, die Besprechungen seien sehr freundschaftlich und befriedigend verlaufen. Sie werden morgen vormittags wieder ausgenommen Werden.. Herriot' fährt morgen nachmittags nach Paris zurück. Ein Kommunique, das di« Erörterungen der beiden Tage umfaßt, soll morgen veröffentlicht werden. Generalstreik In Beltast? Belfast, 18. Oktober. Der Gewerkschaftsrat beschloß, di« Gewerkschaft«, der Stadt zum Beweis der Sympathien für dir Arbeitslosen zur Organisation eines Generalstreiks aufzurufen. In gutinformicrten Kreisen wird aoer bezweifelt, daß die Gewrrkschaftsorganifatione« diesen Vorschlag annehmen werden. Die Lage in der Stadt hat sich im Laufe des Mittwoch-Abends gebessert, wenn auch mehrere Straßen wegen der Barrikaden noch unpassierbar sind. Ein Aufgebot von dreitausend Polizeibeamten sowie mehrere Panzerwagen patrouillieren in den Straßen., lFm Laufe des Mittwochs wurden, zahlreiche Polizeibeamte verletzt, sechs von ihnen so schwer, daß sie ins Krankenhaus gebracht werden mußten. MieUulz wird unverändert verlängert. Bis Ende März 1933. Prag, 13. Oktober. Der heutige Ministerrat hat den Entwurf einer Regierungsvorlage über die Verlängerung der Gesetz« betreffend die Wohnungsfürsorge gebilligt.: Die bisherigen Wohnungsgesetze, die mit 31. Oktober ablaufen, vor allem der Mieterschutz, sollen unverändert bis 31. März 1833 verlängert werden. - Man muß darauf gefaßt sein, daß dieser Beschluß des Ministerrates bei einzelnen prominens ten Vertretern der Hausherreninteressen wahre Tobsuchtsanfälle Hervorrufen wird. Es sei daher von vornherein festgestellt, daß die Schuld daran daß die definitive Wohnungsvorlage noch immer nicht parlamentarisch verabschiedet werden kann, ausschließlich gerade die Hausherrenvertreter in einzelnen bürgerlichen Koalitionsparteien trifft, die in.der letzten Zeit die Verhandlungen des Wohnungskomitees der Koalition- völlig lahmgelegt hocken. Masaryk konferiert. Der Schwerpunkt der innerpolitischen Situation liegt«unmehr beim Präsidenten der Republik, der heute den Ministerpräsidenten UdrLal empfangen hat und morgen die Besprechungen mit dem stellvertretenden Ministcr- präsideute» B e ch y n e fortsetzen wird. Auch der Finanzminister soll zum Präsidenten geladen werden. Ob auch, noch andere Minister oder Parteiführer nach Lana geladen werden, steht augenblicklich noch nicht sest. Ministerpräsident UdrLal ist»ach dem Vortrag beim Präsidenten sofort wieder- nach Karlsbad zurückgesahreu, um seine Kur fort'zusetzen. Der heutige Ministerrat hat dem Standpunkt, daß nunmehr die Besprechungen bei Masartzk für die weitere Entwicklung maßgebend find, schon dadurch Rechnung getragen, daß eine politische Debatte entgegen den Erwartungen überhaupt nicht abgesührt wurde. Auch der neue Finanzplan Trapls kam nicht zur Verhandlung. Der Ministerrat beschäftigte sich lediglich mit unpolitischen Angelegenheiten. So wurde die Verlängerung der bestehenden Sparvorschriften' über die Disposition'mit bereits, bewilligten Budgetkrediten auf weitere zwei Monate, das ist bis Ende November, beschlossen. Ferner werden Richtlinien für das Vorgehen bei. der Erledigung dringender Fragen des Syndikats für die Regelung der Einfuhr von Getreide und Mahsproduk- ten beschlossen. Ferner wurden angenommen: Das tschechoslowakisch-italienische Abkommen über die Errichtung und den Betrieb einer regelmäßigen Fluglinie Prag—Triest und das Zusatzabkommen vom 6. Oktober b. I. zum tschechoslowakisch-deutscheu Wirtschaftsabkommen zusammen mit der Regie- rüngskundmachyng, wodurch dieses mit 15. Oktober d.' F. vorläufig in Kraft gesetzt wird. Zur Kenntnis' genommen wurden, die Dispositionen, die. mit der finanziellen Regelung der Ausschreibung und Vergebung von Straßen- und Schienenmotorfahrzeugen für die Staatsbahnen prv 1933 im Rahmen des Berkehrs-Reorgani- sationsplans Zusammenhängen. Schließlich wurde di« Tagesordnung der laufenden Verwaltungs-, Wirtschafts- und Personalangelegenheiten erledigt. Beschluß des Ministerrates: Deutschlands Flnanzwlrtschatt Im August. Berlin, 13. Oktober. Nach Mitteilung des Reichssinanzministeriums betrugen di« Reichseinnähmen im ordentlichen Haushalt im August 1932(Angaben in Millionen Reichsmarks 589.6 und die Ausgabep 593.9. Von April bis einschließlich August ergibt sich eine Mehreinnahme von 78.9. Unter Berücksichtigung des Fehlbetrages aus dem Vorjahre stellt sich das Defizit im ordentlichen Haushalt Ende August auf 1.278.4. Das Gesamtdcfizit beider.Haushalt« errechnet sich unter Berücksichtigung eines Kassenbestandes von 46.8 im ordentlichen Haushalt auf 1.231.6. Der Kaffenbestand der Reichs- hauptkafs« betrug Ende August 75.0.( Vom„Wieder-Aulbau“ Deutschlands. Duisburg, 13. Oktober. Im Stadtteil Kaßlerfeld kam es gestern zu einer Schlägerei zwischen vierzig bis fünfzig uniformierten Nationalsozialisten und zahlreichen Kommunisten. Es fielen hiebei etwa zehn Schüsse. Das Ueber- fallkvmmaydo führte etwa 25 Nationalsozialisten zur Wache. Deutsche Schreckensjustiz gegen links. Kassel, 13. Oktober..- In Groß- Almerode wurden ach» Mitglreder der Eisernen Front zu MSgesamt fünfzig Monaten Gefängnis verurteilt. nochverratssdinmterei. Berlin, 13. Oktober. Im ganzen Reich wurden heute auf Veranlassung de» Oberreichsanwalts G:schä''änme kommunal.! 7 Orga- insatiouen ttach hochverräterischen Schriften durchsucht. vlc vcldisreglcrnng m der Verteidigung Leipzig, 13. Oktober. Der Leipziger Prozeß stand heute im Zeichen der Stellung Bayerns gegen das Reich, wobei der Vertreter Bayerns die Ueberzeugung zuin Ausdruck brachte, daß die Reichsregierung sich ein ähnliches Vorgehen gegen Bayern wie gegen Preußen nicht erlauben dürfte. Zu Beginn der heutigen Verhandlung legte der Vorsitzende Dr. B u m k e den Parteien nahe, sich so knapp zu fasten, daß die Verhandlung morgen abends abgeschlossen werden könne. Ein Sachverständiger der Reichsregierung, Pros, Bilfinger, behandelt die Frage, ob d'ie kommissorisli- sche Regierung Vertreter in den Reichsrat ent- seicken könne. Er kommt zu dem Schluß, daß die preußische kommistarische Regierung eine Landesregierung geworden sei und eine Teilung zwischen kommissarischer Regierung, die die Regierungsgeschäfte führt, und Staatsministernastung dem Reichspräsidenten eine überragende Stellung einräumen wollten.' Man wollte gerade die Möglichkeit eines persönlichen Regimes a u s s ch a l t e n. Prof. Hellet(für die sozialdemokratische Landtags- ftaktion) faßt die Sachlage dahin zusaminen, daß oas Reich die anmaßende Auffassung vertrete, als ob die Länderminister nur die politische Meinung haben dürften, die. der, Reichsregierung genehmi st. . Hn der Nachmittagsvcrhaicklnng interpretiert der Vorsitzende die Behauptung der Reichsregierung, es hätten keine Verhandlungen mit den Nationalsozialisten stattgefunden, dahin, daß tauch keine mittelbaren Verhandlungen stattgefunden hätten, auch nicht vor dem Amts- | antritt Pa Pens.- 7; Der Vorsitzende legte dem Vertreter des Reiches weiter nahe, zu sagen, ob damit gerechnet werden könne, daß das preußische Rcichskommissariat in absehbarer Zeit ein Ende finde. Dr. Gottheiner behält sich eine Stellungirahme zu dieser Frage vor. Er behauptet, die kommissarische Regierung hätte ebenso das Recht zu Maßnahmen mit dauernder Wirkung(Beamtenernennun- gen) wie eine geschäftsführende Regierung, wie es das Kabinett Braun war. Es entspinnt sich eine lange Debatte über die Frage der Gewaltenteilung zwischen dem Reickskommissär und der Landesregierung. Bon feiten des Reiches wurde betont, daß die Anwendung des Artikels 48 dem politischen Er-, messen de» Reichspräsidenten anheimgestellt sei, o-r aus politischen Gründen auch einmal nicht cin- zufchreiten brauche, auch wenn der Tatbestand hiezu vielleicht gegeben sei. Nicht die Aufhebung des Uniforinverbots hätte die Störung der öffentlichen Ordnung ausgelöst, sondern die völlig einseitige Behandlung einer großen nationalen Bewegung (der NSDAP) hätte einen Erregungsstoff geschaffen, der sich eines Tage? explosiv hätte geltend machen können. Demgegenüber betonte Dr. Brecht, daß die Behauptung. daß Preußen die NSDAP einseitig unterdrückt hätte und daß die Regierung Papen diese Ungerechtigkeit habe beseitigen müssen, einen Bor Wurf gegen den Reichspräsiden- t e n bedeute, der doch das Verbot der nationalsozialistischen Sturmabteilungen und Uniforme« ausgesprochen hat, und zwar auf den Vorschlag eines ReichswehrministcrS und eines Reichsinnenministers, die alles andere als Sozialdemokraten sind. Die Reichsregierung könne unmöglich im Namdn desselben Reichspräsidenten das Verbot der Uniformen und der SA-Abteilungen, das der Reichspräsident damals als bewußt für erforderlich gehaltene einseitige Maßnahme gegen die NSDAP verfügte, nunmehr der preußischen s Regierung zum Borwurf machen. Poltttahc Selbstmord-Epidemie. „Alle Gemeindewahlgruppen:. Deutsche Wahlgemeinschast, dir Hausbesitzergruppe, die Gewerbetreibenden und die. Christlick^ sozialen sind in einer Fraktion vereinigt und mft ihr gingen bisher stets einsichtsvoll auch die Nationalsozialisten. Es gab für diese Front niemals'etwas anderes, als. die Vertretung der gemeinsamen Interessen der. Stadtgemeinde. Bon den sogenannten Part ei stand punkten, Parteiprogrammen und verschiedenen Weltanschauungen war niemals die Rede, es gab eben kein« Parteien bei der Rechten— es gab nur«ine Arbeits- und Ab- wehrfront.''. „Ascher Zeiturig" vom 6. X. 1932. Wenn ein Fabrikantenblatt in einer ausgesprochenen Arbeiterstadt, wie Asch sie ist, 48 Stunden vor der Wahl einer sozialdemokratischen Gemeindefräkfion bescheinigen würde, sie hätte niemals ihren Parteistandpunkt vertreten, sondern all die Iah« hindurch brave Bürgerblockpolitik gemacht, so wäre dies für uns eine regelrechte Katastrophe. Käme von der anderen Seite die Feststellung hinzu,, daß die Sozialdemokraten gegen die Bertragsrechte dxr Gemeindearbeiter gestimmt haben.und gegen den Urlaub eines siebzigjährigen Straßenkehrers, gegen die Unterstützung seines Streiks, an dem die eigene Gewerkschaft beteiligt war, käme ferner hiirzu, der sozialdemokratische Vizebürgernreister halbe als" Lieferant der Gemeinde! Einträgliche. Geschäftes getnstcht, während dieser Zeit ein Haus gebaut.und da-; zu. Bretter vom städtischen Bauhof entlehnt, würde weiter offenbar, daß unter sozialdemokratischer Mitverantwortung vier Millionen für ein neues Feusrwehrhaus verschleudert, gleichzeitig aber staatlich subventionierte Volkswohnbauten vereitelt wurden—: ko n nte d a das W a h l r e s u l t a t z w e i f e l h a f t sein? Die Arbeiterwählcr. würden solche Gemeindevert«ter— sofern/sie Sozialdemokraten wä«n— mit nassen Fetzen davonjagen. Unsere Gemeindepositionen würden durch den Vergeltungswillen der Wähler einfach zermalmt! Die Nationalsozialisten aber, die solches Sündenregister in Asch zu verantworten hatten, wuchsen von 4 aus 13 Mandate. Stellt man daneben die gleichartigen Resultate von Graupen und unlängst von Fischern, dann ist wohl der Schluß erlaubt, daß in dem Oberstübchen gewisser Wählerschichten einige Unordnung herrschen muß Das sind Ve rzweiflun gswa h- l e n, die nur aus der Panikstimmung der Opfer dieser fürchterlichen Wirtschaftskrise erklärt werden können. Politische Vernunft spielt bei einem Teil upserer Bevölkerung keine Rolle mehr. Praktische Leistung und Bewährung ist für sie nebensächlich geworden. Unkundig der inneren Zusammenhänge in Wirtschaft und Politik laufen diese Schichten dem lautesten Oppositionsgeschrei nach. Wer die ausladendsten Gesten macht, die größten Lettern verwendet, wer die tvllsten Versprechungen hinausschreit, der hat sie für den Augenblick gewonnen. Nicht Einzelmaßnah- nten und Einzelkämpfe können ihre Ungeduld befriedigen, der wildeste Mann, der die Hoffnungen auf einen baldigen totalen Umschwung der Verhältnisse— sei es im sascistischen oder bolschewistischen Sinne— belebt, hat ihre Gunst. Das entscheidende Rierkmal der. letzten deutschböhmischen Gemeindewahlen ist die politische Abdankung des deutschen Städtebürgertumszugun- st e n der N a t i 0 n a l s 0 z i a l i st e n. Die einst so mächtige deutschradikale Bewegung, di« nach dem Umstürze ihre Fortsetzung fand in der Rationalpartei, hört nun auf, auch nur ein kommunalpolitischer Faktor zu sein. So wie die Wiener Liberalen durch die radikal-antisemitisch« und scheinbar antikapitalistische Luegerpartei aufgefressen wurden, so Seit« 2. Freitag, 14. Oktober 1932 5kr. 243. fallen hierzulande die Reste der deutschen Nationalpartei den Hakenkreuzlern zum Opfer. Grundstürzende Veränderungen ergeben sich daraus nicht. Denn es sind dieselben nationalen Spießer, die nun in neuer Maske ihren Klassenfeldzug gegen die Arbeiter führen. Das nationalistische Maulheldentum wird nicht aussterben, solange in sudetendeutschen Gauen bürgerliche Politik gemacht wird. Wir kennen diese traurigen Gestalten zur Genüge: vormittags manifestieren sie für das deutsche Gewerbe, nachmittags kaufen sie Bata- Schuh«; den Kampf ums Sprachenrecht führen sie vorzugsweise mit tschechischen Eingaben an die Behörden; sie wettern über den Seelenfang der anderen, aber wenn wir den deutschen Nachwuchs vor der Tuberkulose retten, aus stinkenden Wohnhöhlen herausführen wollen, dann sparen sie mit Rekursen gegen diese „Verschwendungspolitik" nicht; jetzt werden sie sich sogar für die nationale Selbstverwaltung begeistern, aber mit Kramarsch und Gajda gegen die Wiederherstellung der Gemeindeautonomie kämpfen, weil sie einige Prozent Umlagenerhöhung bringen könnte. Bei der bekannten geistigen Genügsamkeit dieser Schichten ist wohl zu verstehen, daß ihnen die kräftiger gewürzten Schlagworte der National-- sozialisten behagen. Der sudetendeutsche Spießer sieht dadurch wahrlich nicht furchterwek- kender aus, wenn er sich neuerdings— im Geiste wenigstens— mit Braunhemd und Hitlerstiefeln kostümiert. Der politische Selbstmord unseres Bürgertums, die Sammlung der arbeiterfeindlichen Gruppen und Grüppchen in eine reaktionäre Hakenkreuzfront ist ein Stück Bereinigung des politischen Kampffeldes und kann vom Standpunkte sozialistischer Klassenpolitik nur begrüßt werden. Bedenklicher ist— und das sei offen ausgesprochen— daß unter dem Eindruck der Krisennot ein Teil der Arbeiter und Ange st eilten politischen Selbstmordstim- mungen unterliegt und in das Lager des FaseiSmus«inschwenkt. Zu der ansehnlichen Zahl derer, die nichts mehr vom Dasein erhoffen und Hand an sich legen, gesellt sich nun eine Gruppe arbeitender- Menschen, di« sich sagt: Wir haben politisch und sozial nichts mehr zu verlieren. Schlimmeres kann nicht Nachkommen, jede Aenderung ist willkommen. Ebenso bedauerlich, wie diese Tatsache selbst, bleibt der Umstand, daß diesen Verzweifelnden der unmittelbare Anschauungsunterricht der fascistischen Länder nicht vorgeführt werden kann. An dem Beispiel der italienischen und ungarischen Verhältnisse würden sie lernen, können, daß die Arbeiterklasse als Ganzes noch Gewaltiges zu verlieren hat: nicht nur die sozialpolitischen Errungenschaften von Jahrzehnten, sondern die politische und gewerkschaftliche Bewegungsfreiheit überhaupt. Die Freiheit— so rief der Märtyrer des italienischen Sozialismus, M a t t e o t 1 i, in seiner letzten Kammerrede aus,— ist wie Licht und Lust, man mntz sie verloren haben, um zu wissen, daß man ohne sie nicht leben kann. Daß die sudetendeutsche Arbeiterbewegung nach der kommunistischen Zersplitterung künftig auch der hakenkreuzlerischen Verseuchung ausgesetzt sein soll, ist in der Tat eine Gefachr, die nicht ernst genug eingeschätzt werden kann. Alte Kampferfahrung hat uns aber gelehrt, in Stunden folgenschwerer Entscheidungen eiserne Nerven zu bewahren. Sollen wir das harte Tagwerk für die Arbeiterklaffe aufgeben, sollen wir— wenn ehrliche Arbeit nichts mehr zu gelten scheint— ebenfalls versprechen, lügen, Komödie spielen? Diese Zweifel, die da und dort unter sozialdemokratischen Arbeitern laut werden, dürfen nicht die Oberhand gewinnen. Politische Ehrlich-, keit und Wahrhaftigkeit bleiben nach wie vor unsere gefährlichsten Waffen^ Wir wollen nicht unter die politischen Hasardeure gehen, die leichtsinnig versprechend Wechsel ausstellen, die sie dann am Verfallstag nicht einlösen können. Der Katzenjammer im reichsdeutschen Hitlerlager ist eine Warnung für alle, die durch Massenbetrug an die Macht zu kommen glauben. Beladen mit schwerster Verantwortung für das Schicksal der ganzen Arbeiterklasse können wir Sozialdemokraten den Wettlauf mit der rasenden Ungeduld der Krisenopfer nicht aufnehmen. Es kommt nicht darauf an, der unbeschwert dahineilenden Demagogie den Rang abzulaufen, sondern das Tempo bis zum Ende durchzuhallen. In dem Kampf« mit der Nazipest um die Arbeiterseele wird unS Sozialdemokraten die frohe Gewißheit erfüllen: dies ist das letzte Aufgebot der versinkenden bürgerlichen Welt! Haben wir es bezwungen, dann ist der Siegeszug des Sozialismus nicht mehr aufzuhalten! Klerikale Verdummungsmanöver Demagogisches spiel mit der Arbcttersdiatt. Das demagogisch« Spiel der Christlichsozialen hat wieder einmal ihr in Jägerndorf abgehaltener Kreisparteitag für Nordmähren und Schlesien gezeigt. Vor einigen Tagen schrieb die klerikale„Brunner Tagespost" über Forderungen der sozialdemokratischen Parteien, die diese zur Linderung der Arbeitslosigkeit aufstellten: „Ganz dieselben Mittel wenden die beiden sozialdemokratischen Parteien an, um sich den ausschließlichen Einfluß auf die Arvritrrmassen zu sichern, durch das Arbeitsvermittlungsgesetz, durch die Arbeitslos«nfürsorge und durch die Ernährungshilfe. Der agrarischen nach Unterstützung der landwirtschaftlichen Genossenschaft steht das Verlangen der Sozialdemokraten nach Hilf« für die Gewerkschaften gegenüber.'„Divide et impera!"— Herrschen und teilen, das ist die Zauberformel der jetzigen grün-roten Koalition." Die klerikale Presse zeterte, daß dies„parteiische Selbstsucht, Machtgier, Klassenegoismus und Klassentyranner" sei. Auf dem Parteitag hat nun ver Herr Z a j i 8 e k «ine Rede gehalten, in der er auch zu den Fragen, die in den Forderungen der sozialdemokratischen Parteien enthalten sind, Stellung genommen har. Und siehe da! Der Herr Zajiäek ist gleichfalls unter die ,Maflentyrannen" gegangen. Er ist „gegen die Verschlechterung der sozialen Gesetz-" ,^gen di« niedrigen Löhne" und der Herr Mora- wetz sogar für— die„Sanierung der Gewerkschaften"! Was wollen die Christlichsozialen nun wirklich? Tas werden sich di« von ihnen verführten Arbeiter ftagen, wenn sie die„Tagespost", in der gegen die„Klaffentyrannei und den Klaffenegoismus" gewettert wird und jene, in der über den christlichsoziolen Parteitag berichtet wird, gelesen haben werden. Wenn die Sozialdemokraten fordern, daß ein Arbcitsvermittlungsgcsetz geschaffen lverdß, daß die Ernährungshilfe und die Arbeitslosenfursorge ausgebaut werde, daß den Gewerkschaften, die seit Jahre« Millionen und Millionen Kronen an Arbeitslosenunterstützung auszahlen, geholfen werde, dann schimpft die klerikal« Presse und schreibt von ,Klafsenthrannei und Klaffenegois mus". Wenn die Herrschaften aber bei Konferenzen und auf Parteitagen auch vor Arbeitern stehen, dann nehmen sie Anleihen aus den sozialdemokratischen Forderungen und wollen den Arbeitern einreden, daß sie auch dafür sind. Und wenn wir die Herrschaften, die solch gewagtes Gaukelspiel aufführen, bei diesem Tun ertappen und ihre Demagogie aufzeigen, dann zetern sie über„rotes Geschimpfe". Der Herr Zajiäek hat in seiner Rede auch noch zu der Frage der Gehaltskürzungen, die jetzt im Mittelpunkt ver innerpolitischen Erörterungen steht, Stellung genommen. Was er da über die hohe Bürokratie jagt«, dürfte ihm und seinen anderen Kollegen aus der sozialdemokratischen Preffe und dem Kampf der Sozialdemokratie gegen diese hohe Bürokratie nicht mehr unbekannt sein. Und er hat auch gemeint, daß man beim ! Militär sparen sollt«. Ganz richtig! Nur eines hat er vergeffen anzuführen: Die Sozialdemokraten haben seit dem Eintritt in di« Regierung um die Herabsetzung des Militärbudgets gekämpft und auch eine Herabsetzung durchgesetzt. Die Herren Christlichsozialen aber haben während ihrer Mitregiererei den Generalen auf Jahre hinaus Millionen und Millionen für einen Rüstungsfonds bewilligt, von dem sie heute nicht mehr reden. Hätten die Christlichsozialen nur das, wovon sie jetzt so viel zu erzählen wiffen, in einer Zeit durchgeführt, in der die Krise erst vor den Toren stand und di« Möglichkeit gegeben war, Vorsorgen zu treffen für die Zeit der Krise, dann könnte man ihnen vielleicht noch glauben, daß sie es wirklich ernst ineinen. So aber haben sie mit dazu beigetragen, daß während der Zeit des Bürgerblocks Millionen an Steuern ab geschrieben wurden, Millionen für unkontrollierbare Rüstungszwecke her« ausgcworfen wurden. Sie tragen ein gerüttelt Maß Schuld an diesen Verhältnissen und die Arbeiter werden ihnen deshalb auch heute ihre Beteuerungen nicht glauben. Sie haben der Arbeiterschaft antisoziale Gesetze beschert, haben sich immer als besonders gute Stützen des Kapitalismus gezeigt und darum wird die Arbeiterschaft auch ihxe jetzt an den Tag gelegte„soziale" Einsicht nicht mehr glauben. wirtschastliche« Frage« beraten. I« der kommende« Woche werd«« dies« Beratungen fortgesetzt werden. Herr Slaoik «acht la„Demokratie"! Die Verfügungen des Herrn Mavlk, der noch immer Innenminister der Tschechoslowakischen Republik ist, sind zwar nicht sehr rätselhaft, dafür aber für das Land wenig ruhmvoll: kleinlicher Haß, Engstirnigkeit und meistens auch der Wille, die Sozialdemokratie zu schädigen, bestimmen sein« Entschlüsse. Erst vor einigen Tagen hat die ihm unterstellte Reichenbevger Polizeidirektion die tschechoslowakische Demokratie in der Welt dadurch bekanntgemocht, daß sie einen Vortrag des bekannten Pazifisten Lehmann-Rußbüldt verbot. Direkt verantwortlich ist der Innenminister für dieses Verbot zwar nickt, aber das Verhalten der dem Innenministerium untergeordneten Organe spiegelt den Ungeist wider, der in ihm herrscht. Dafür ist ein neuer Beweis das Vorgehen der Prager Polizeidirektion gegen den Bund der Freunde der Sowjetunion; sie hat verfügt, daß dieser Bund seine Tätigkeit einzustellen habe, bis über seine endgültige Auflösung entschieden sei. Und daß die Prager Polizei auf höhere Weisung handelte, wird dadurch bewiesen, daß zur gleichen Zeit in verschiedenen Provinzstädten Haussuchungen in den Räumlichkeiten des Bundes stattfanden.— Man hat auch im vorliegenden Falle eine„Begründung" zur Hand: der Bund habe eine Tätigkeit entfaltet, die den Bereinssatzungen nicht entspricht und außerdem di« öffentliche Ruhe und Ordnung bedrohen. Das ist di« Begründung, die man beim Vorgehen gegen kommunistische Organisationen und Randorganisationen i m m e r zur Hand hat und nicht dadurch glaubhafter wird, daß sie jede Mitteilung über ein etwa vorliegendes Faktum streng vermeidet. Wer die Tätigkeit des Bundes der Freunde der Sowjetunion kennt, muß über die Behauptung herzlich lachen, der Bund habe die öffentliche Ruhe und Ordnung bedroht. Seine Mitglieder haben sich auf Aussprachen beschränkt; er bot einigen Intellektuellen prächtige Gelegenheit, ihre revolutionären Komplexe abzurcagieren. — Dos ist, so scheint eö, nach den Auffassungen des Herrn Slavik über di« tsch echoslowokiiche Demokratie, Grund genug, mit ichwcrstem Geschütz aufzufahren. Er scheut sich auch nicht, loszuschießen, denn er weiß, daß er mit solch skandalösen Entscheidungen die S o z i a l d em o- k r a t i e sicher trifft, während sich die Kommunisten im billigen Märtyrerruhm sonnen.— Es wird dein Herrn Slavik klar gemacht werden, daß er das Innenministerium nicht nach den politischen Bedürfnissen der tschechischen Agrarier zu vertvalten hat. Die Grüne Internationale tagt. Ein« gemeinsame Sitzung des Präsidiums der Republikanische« Agrarpartei und des Bundes der Landwirt« sand am Donnerstag, den 18. Oktober unter Vorsitz der Abgeordneten Dr. Hodra, Maiiata und Zierh«t statt.' Nach Referaten der Abgeordnete« Beran, Dr. L e r n y und Dr. Z a d i n a wurden in der Sitzung all« aktuelle» politisch«« und wichtigen Ser tschechoslowakische Außenhandel vom Jänner bis September 1982. Nach den soeben erschienenen Mitteilungen des Statistischen Staatsamtes betrug dir gesamte Einfuhr in die Tschechostowakei im September 1932 649,684.000 Kronen(Septemher 1931 936.327.000), die Ausfuhr 576,647.000 Kronen (1151,711.000). In der Periode Jänner bis September 1932 betrug die Einfuhr 6120,390.000 (in der gleichen Zeit des Vorjahres 8414,685.000), die Ausfuhr 5376,901.000(9707,741.000). Die Handelsbilanz war somit im September 1932 mit dem Betrage von 73,037.000 K passiv, im September 1931 mit 215,384.000 K aktw, in der Periode Jänner bis September 1932 mit dem Betrage von 743,489.000 K passiv, in der gleichen Zeit des Vorjahres mit dem Betrage von 1293,056.000K aktiv. Besonders empfindlich ist der Rückgang in der Ausfuhr der Fertigwaren von 7426,498.000 K in den ersten neun Monaten 1931 gegen 3800,167.000 X in der gleichen Zeit 1932. Wir führen also nur di« Hälfte der Fertigwaren aus, di« wir im Vorjahre auSgeführt haben. Die Hausbesitzer schreiben lauge Briefe, aber es ist immer das alt« Lied, das sie' da singen. Der Bürgermeister hat sich an die Hausbesitzer gewandt, um sie zu ersuchen, bei Delogierungen von Arbeitslosen, die ihren Mietzins nicht pünktlich bezahlen können, menschlich vorzugehen. Di« Hausbesitzer antworten nun dem Bürgermeister — und die ganze Bürgerprefse findet sich bereit, das lange Epistel abzudrucken— und verlangen, man möge das Mieterschutzgesetz abbauen, dann werde schon alles in Ordnung kommen. Wir kennen di« Weise, wir kennen den Text, denn die Herren singen ihn schon zehn Jahre und noch länger. Die Hausherren werden mehr investieren können, wenn es keinen Mieterschutz mehr gibt und so wird die Arbeitslosigkeit ver- schwinden. Wie sich der kleine Moritz die Weltwirtschaft vorstellt! Aber es geht ja den Hausbesitzern gar nicht um di« Arbeitslosen, es geht ihnen darum, daß sie wieder zu ihrem übermäßigen Profit aus dem Hausbesitze kommen. Wie aber, so fragen wir, würden di« Arbeitslosen, die Kurzarbeiter und auch die vollbeschäftigten Arbeiter bei den niedrigen Löhnen, die sie heute haben, den MietzinS bezahlen können, wenn der Mieterschutz fallen würde? Wir sehen das schon heute an jenen Häusern, die mieter- schutzfrei sind. Dort stehen massenhaft Wohnungen leer, obwohl sich das Wohnungselend kaum verringert hat, und daS nur deshalb, weil die -Hausherrn so unverschämte Mieten fordern, daß kein Mensch imstande ist, sie zu bezahlen. Die Hausherrn werden mit ihrer Forderung noch'ei» wenig warten müssen. Solange unser Genosse Dr. C z e ch Fürsorgeminister ist, solange die Sozialdemokraten im Parlament etwas zu sagen haben werden, wird der Wuirfchtraum unserer Zinsgeier nicht in Erfüllung gehen. Agrarier untereinander. Es ist eine bekannte Tatsache, daß lediglich die deutschen und tschechischen Sozialdemokraten gemeinsam und in gegenseitiger Ueber- einstimmung vorgehen. Bei den bürgerlichen Parteien(Agrariern und Klerikalen) ist das nicht per Fall. Hier kann man nicht selten beobachten, daß sich die Gegensätze öfters bis zu persönlichen Angriffen zuspitzen. Neuerdings geschah folgendes: ,^n der Sprachgrenzgemeinde Leim- gruben(Bez. Weißwaffer) veranstaltete Sonntag, den 9. Oktober, die„Narodni Jednota Se- veroöeska" eine Protestversammlung, die sich gegen den Bau der Kulturverbandsschule richtete. In Leimgruben bestand eine deutsch« Schul«, welche dem Kulturverbande gehörte und die nach dem Umstürze entschädigungslos beschlagnahmt wurde. Der Kulturverband konnte den Unterricht nur dadurch aufrecht erhalten, daß er in Privathäusern die Kinder unterrichten ließ. Da dieser Unterrichtsbetrieb natürlich nicht vollauf entsprechen kann, entschloß sich der Kulturverband, eine neue Schule in Leimgruben zu bauen, und eS wurde ihm der Grund dazu unentgeltlich von einem Ortsinsaffen zur Verfügung gestellt, der Bau und di« Erhaltung der Schule hätten die Staatsfinanzen überhaupt nicht belastet. Trotzdem soll mit aller Gewalt dieser Bau verhindert werden. In der Versammlung, die von etwa dreihundert Personen besucht war, sprach als erster Redner der tschechisch-agrarische Abgeordnete D u b i c k y aus Jungbunzlau, der sich bekanntlich schon wiederholt als extremer Chauvinist aufgespielt hat. In der gefaßten Entschließung" wird nicht nur gegen die Errichtung der deutschen Schule in Leimgruben, sondern auch gegen die Erteilung des Privatunterrichtes durch den Deutschen Kulturverband Stellung genommen. Die„Deutsche Landpost" vom 13. Oktober nimmt nun gegen Dubickh, der sich vom nationalsozialistischen Schloffergehilfen zum extremsten Agrarier entwickelt«, mit Recht Stellung. Noch schärfer geht der landbündlerische Abg. Dr. H o d i n a als Schulrefcrent gegen Dubirky ins Zeug. Er schreibt der„Deutschen Landpost": „Es ist auffallend, daß in der jetzigen, schweren Krilenzcit der tschechische Agrarier Abg. Dubicky immer noch Zeit findet, seine Hetzarbeit, die keineswegs im Interesse der tschechoslowakischen Staates liegen kann, fortzusetzen. Herrn Abg Dubicky scheint eben kein anderer Weg offen zu stehen, sich der heutigen Zeit entsprechend politisch betätig«» zu können. Denn Herrn Dubickhs Vergangenheit ist in seiner Heimat Jungbunzlau sehr gut bekannt, nicht minder seine keineswegs immer einwand freien Affären, die, vor Gericht gebracht, die Person de» Herrn Abg. Dubicky in einer ganz anderen Beleuchtung erscheinen ließen. Herr Abg. Dubirky hat wahrscheinlich sehr vi«l zu vertuschen und das kann«r nur so, wenn er di« chauvinistische Hetz- trommel'«t'ägt. Aber«i»mal wird auch das ehrliche tschechische Volk, der ehrliche tschechische Bauer erkennen— es gibt genügend tschechisch« Bauern, di« Herrn Dubickh bereits erkannt haben—, wo hinaus eigentlich Herr Abg. Dubicky mit seinen ständigen Hetzreden will. Und dir Zeit, Herr Abg. Dubicky, werden wir noch erleben" Ob dieser Angriff gegen den Abg. Dubickh bei den tschechischen Agrariern die Wirkung haben wird, daß man den nationalistischen Hetzer zurückpfeift, ist mehr als fraglich. Bisher waren alle Affären Dubickhs nicht imstande, die tschechische Agrarpartei dahin zu bringen, ihn als ihren Wortführer abzuschütteln. Im landwirtschaftlichen Ausschuß führt er noch immer das große Wort. Dort haben übrigens auch unsere Genoffen klar herausgesagt, daß der Chauvinist Dubickh der ungeeigneffte politische Vermittler ist. Für die Stellung der Landbündler zu ihren Kollegen auf der anderen Seite ist es sehr bezeichnend, daß sie nicht imstande sind, bei ihren Freunden zu erreichen, daß dem Dubirky das chauvinistische Handwerk gelegt wird. KommunWche Opposition schließt sich den tschechischen Sozialdemokraten an. Kladno, 13. Oktober. Die heutige„Obrana svobody", das osfiziell« Organ der kommunistischen Opposition in der Tschechoslowakei bringt auf der ersten Seite einen Aufruf an alle Organisationen und Mitglieder der kommunistffchcn Opposition, worin sie die Vereinigung mit der tschechoslowakischen sozialdemokratischen Arbeiterpartei bekannt gibt. Die offizielle Vereinigung werde bei der Reichskonserenz der kommunistischen Opposition in Prag durchgeführt werden. Sowjrtdeutschland nicht aktuell. In einer Berliner Wahlbetrachtung der„Bohemia" von Rcnä Kraus lesen wir: „Ein Anwachsen der kommunistischen Stimmen, das allgemein erwartet wird, schreckt niemand. Niemand außer vielleicht«in paar Funktionär« von der sozialdemokratischen Konkurrenz." So arg wird der Schrecken der Sozialdemokraten auch nicht sein, wie ihn der journalistische Papenheimer erwartet. Daß aber von der bombastischen Weltrevoluzzerei der KPD. in so geringschätziger Weise gesprochen wird, rollte auch unseren kommunistischen Arbeitern zu denken geben. Nr. 243. Seite 8. Freitag, 14. Oktober 1832 ... eme von umt Büro, Zuhause, Arbeit, Liebe— wie har sie das früher nur vereint? War anders, ganz anders. Den langen Klaus, der vor zwei Jahren für sechs Monate ihr Freund war, den hat sie, die Woche zwei-, dreimal gesehen. Tanzen, Kino, Somnrerausflug an den Rhein, Paddetbootfahr- ten, kleiner Weekendzauber— alles sehr nett, lustig und nicht weiter aufregend. Wenn man sich sah, war's gut— wenn nicht— hatte man eben anderes zu tun. Beide. Partner und Partnerin. Hauptsache blieb Arbeit und Weiterkom- men. Man hatte sich gern auf eine etwas nüchterne, unbeschwerte Art, und daß ein freundlich verliebtes Gefühl für einen Mann sich He zur Betriebsstörung auswachsen konnte, das wäre Vas letzte gewesen, das Gilgi für möglich gehalten hüte. Und nun! Der Martin ist eine Betriebsstörung. Und das schlimmste: dies« Störung ist ihr lieber als der ganze Betrieb zusammen., „Und von neun bis fünf sitzt inan auf dem Büro, rennt dann schnell mal nach Haus, tippt ab sieben beim alten Mahrenholz, und erst um neun ist man glücklich mit Martin zusammen. Kannst dir Wohl denken, wie schnell die Zeit dann vergeht— fängt um neun ja erst an, der Tag. Ach, und von den Krons mutz ich weg, es ist dre höchste Zeit. Wenn man in der Karnevalszeit erst morgens nach Hause kommt, findet ja keiner was dabei. Aber nach Karneval! Wenn man da nachts nicht zu Haus ist, wirkt das verdächtig mutz ja auffallen. Wär' ich man erst fort—! Ich kann nur den richtigen Dreh nicht finden." Olga hat nachdenklich besorgte Augen. Gilgi und Martin! Eigentümliche Konstellation. Wenn das nur gut geht. Gilgi sitzt zu Haus« am Kaffeetisch. Herr Kron liest die. Zeitung, Frau Kron schlürft den Kaffee, Gilgi streicht sich ihre Brötchen. Keiner spricht. Wie gewöhnlich. Aber Gilgi kommt das Schweigen beute morgen unheimlich vor. Natürlich haben di« gehört, dah sie wieder erjst gegen Morgen nach Hause gekommen ist.„Ich hab' bei Olga geschlafen", erzählt sie unaufgefordert. Herr Kron brummelt was Undeutliches, Frau Kron stippt Brvtchenkrümel vom Tisch auf und sagt kein Wort. Das Schweigen wird peinlich. Gilgi ist rot Mworden vor Scham und Aerger über ihre dumme Ausrede. Hat sie das nötig? Ist sie nicht selbständig und«rwachsen? Kann tun und lasten, was sie will? Herr Kron faltet die Zeitung zusammen, geht aus dem Zimmer und vermeidet allzu auffällig, «einer Frau«inen Blick zuzuwerfen. Sein breiter Rücken sieht bös« und entschlosten aus, als er sich zur Tur hinausschiebt, so nach: duld« das nicht— sowas— in meinem Hause! Und Gilgi findet betrübt, daß er von seinem Standpunkt aus recht hat, der Rücken. Und natürlich haben die beiden Krons gesprochen über sie, über... es ist unerträglich, zu wisten, daß sie über sowas gesprochen haben, so unsagbar peinlich. „Gilgi", sagt Frau Kron plötzlich mit leicht jammerndem Untertan in der Stimm« und vergißt ganz ihren kölschen Dialekt.„Gilgi, du tust doch nichts Schlechtes, du bist doch nicht schlecht du bist-och nicht so em«?" Gilgi verkrampft die Hände, bis di« Knöchel sich wachsweiß von der .Handfläche abheben. Das ist furchtbar, so ein Gespräch! Sie hätte schon längst von hier fortziehen sollen. Die Mutter bohrt ihr fragende Blicke ins Gesicht. Das ist nicht zum Aushalten. ,S)u*warst doch nicht etwa.bei einem Man» in der Nacht, Gilgi?" GW schämt sich unbegreiflicherweis«— für die Mutter. Daß die das so aussprechen kann!. Vorwurf, Teilnahme, Interesse, Neugier— alles berechtigt— ja doch, ja— aber so ekelhaft. Alles zwischen Martin und mir, das geht-och nur mich an. Daß sie nicht begreift, -aß sie sich da nichts vorstellen darf— ich tu' das doch auch nicht— ich denk' doch auch nicht an Dinge zwischen ihr und ihrem Mann... „Gilgi, du hast doch nichts Häßliches getan?" „Was du häßlich nennst, Mutter— wird immer und nur häßlich, wenn ein Dritter darüber denkt und spricht." Gilgi hofft brennend, die Mutter würde verstehen, daß diese Unterhaltung unmöglich ist. Die aber hört nur die Bestätigung für Gefürchtetes.„Gilgi, ich hätte nie gedacht, dich du...", sie weint leise—„du warst so ein braves Mädchen, da hat dich einer hypnotisiert, da hat-ich einer verführt, warum ist er nicht ins Haus gekommen, wie sich das gehört?" Ach, du allmächtiger Gott, wie rührend si« bemüht ist, eine Schuld von mir abzuwälzen —«ine Schuld, die überhaupt nicht existiert. Und Gilgi möchte so gern« erklären: daß sie den Martin lieb hat,-aß sie sehr froh zusammen sind, und das Ganze ist das Einfachste, Normalste, Natürlichst« von der Welt. Aber hier im Zimmer ist gar nichts einfach, hier ist alles furchtbar dunkel und kompliziert und wid«rlich dramatisch. Die Mutter schluchzt. Das sollte«inen weich machen, macht einen aber wütend. Himmelherrgott, was ist denn da tragisch zu nehmen? Hör' doch auf, du. Ein böses Gefühl steigt in Gilgi auf: Fremdheit— Abneigung— Feindseligkeit. Frau Kron hebt-en Kopf:„Wer ist es. denn eigentlich? Und Gilgi?"— ihre Stimme wird hoffnungshell—„wird er dich heiraten?" Na, das. hat mir noch gcfeblt! Gilgi steht auf:„Zi>— er mich heiraten wird? Weitz, ich nicht. Ich werde ihn nicht heirat«»— das weiß ich." Gilgi verschwin-et in ihr Zimmer uqd riegelt die Tür hinter sich zu. Sie angelt ihren großen Koffer vom Schrank herunter, packt ein: Kleider, Wäsche, Schuhe. Hantiert schnell, leise, behutsam. Nebenan im Elternschlafzimmer ünter- schei-et sie Herrn Krons brummelnden Dortmunder Union-Baß und Frau Krons aufgeregtes Flüstern. Sie muß fort— das einzig Anständige, was sie tun kann. Ach, sie versteht sehr gut,-aß die Eltern empört sein mästen über sie, di« haben so festgewurzelte moralische Anschauungen, die lasten sich nicht von heut' aus morgen über den Haufen werfen. Sie hält rnne mit Packen: hört nebenan den Pater was von „Machtwort sprech««" sagen. Herrgott, ist das ein« Lächerliche, armselige Geschichte. Hastiger als zuvor wirft sie Wäschestücke in den Koffer. Schnell fort. Ist die einzige Lösung. Man kann doch nicht hierbleiben, sich als Fehltritt behandeln, Als zweiter Redner in der General-' debatte über da? Landesbudget sprach in der böhmischen Landesvertretung gestern Genosse K r e j k i. Er lenkt« die Aufmerksamkeit der Hauses auf die Not-er Arbeits- losen und kritisiert« unter Beifall der deutschen und tschechischen Sozialdemokraten die bürokratische Verwaltung, die kein Verständnis für di« heutige große sozial« Rot habe. Genosse Krejvi führte u. a. aus: Ueberall dort, wo Funktionäre im wirtschaftlichen und politischen Leben zusammentreten, nehmen sie zu der großen Frage unserer Zeit Stellung: zur Wirtschaftskrise und Arbeitslosigkeit. Dieses Problem, so wichtig es auch sein mag, scheint von den verantwortlichen Faktoren des Landes Böhmen wenig beachtet zu werden. Denn di« Kapitel des Voranschlages, die die Wirtschaft des Landes und di« Fürsorge für das nächste Jahr bestimmen, si« haben sich gegenüber den Vorjahren nicht geändert. Das Land Böhmen weiß offenbar nichts davon, daß im feinem Verbände ungefähr 300.000 Arbeitslose leben, von denen 150.000 ohne jede regulär« Unterstützung dastehen. 150.000, die nicht wisten, wovon sie leben sollen. Nicht wir, sondern bürgerliche Wirtschaftsführer erklären, daß die Zahl der Arbeitslosen im kommenden Winter nrindestens auf di« Zahl von 700.000 in der Republik ansteigen wird. Davon werden wir im Lande Böhmen allein 400.000 haben. Und wiederum mindestens die Hälfte von diesen werden ohne jede Unterstützurrg dastehen, werden. aufschreicn vor Hunger und vor Verzweiflung. In den Tagen, da man von der Eisenbahnverwaltung eine bester« Bewachung der Bahnhöfe verlangt, weil di« Kohlendiebstähle zunehmen, da man also weiß, daß di« Menschen nicht aus. Neigung, sondern aus Not zum Diebstahl getrieben werden, da hat das Land Böhmen nur wenig für die Arbeitslosen übrig. Da findet es di« Landesverwaltung nicht einmal für notwendig, di« ihr unterstellten Organe darüber zu belehren, wie sie ihre Tätigkeit, die ihnen vom Fürsorgeministerium übertragen worden ist, auszuüben haben. Di« Pczirkshauptleute wollen päpstlicher sein als der Papst, sie verweigern vielfach mit ganz lächerlichen Begründungen den Arbeitslose» die einzige Unterstützung, di« sie bekommen können, die Ernährungskart«, und zur Charakterisierung dieser Behauptung stellen wir unter Beweis, daß di« Bezirksbehörde'n Königinyof jenen Arbeitslosen, die sich in besseren Tagen ein eigenes Heim schufen, nunmehr aber nicht mehr imstande sind, durch die lang andauernde Arbeitslosigkeit die Zinsen zu bezahlen, und Gefahr laufen, ihre in dem Häuschen investierten Spargroschen zu verlieren, daß diesen Arbeitslosen mit dem Hinweis, daß sie Hausbesitzer seien, die Ernährungskarten verweigert werden. Die Landesbehörde muß dies« Organe anweisen, daß die Organisation der sozialen Fürsorge weniger als Amtsangelegenheit, denn als Lebensfrage für Tausende von Menschen, darunter zehntausend« Kinder, behandelt werden muß. Den Banken ist es erlaubt, sich an der Not der Selbstverwaltungskörper zu mästen, währenddem gegen den Arbeitslosen die Staatsgewalt mobilisiert wird, wenn er neben dem Bahngeleis« einige Kohlenstücke aufhebt oder sich ein paar Kartoffeln vom Felde holt. Woher sollen die Gemeinden die Mittel nehmen, um die Manschen vor dem Verhungern zu schützen. Alle Geldquellen sind längst versiegt. Neue Abgaben können nicht eingeführt werden, und wenn bi: Lan^-Verwaltung, wie sie es^gegenüber der l Turn tut, mit der Auf lösung der Gemeindevertretung droht, weil si« sich weigert,. Abgaben zu steigern, dann machen wir großmütig verzeihen lasten, wo's gar nichts zu verzeihen gibt.— Pon außen wird die Klinke niedergedruckt:..Jilgi!"— Herrn Krons St urme klingt gereizt. Daß die Tür verschlossen ist, läßt ihn wütend werden:„Entweder du bist heut oben- um acht im Haus oder du brauchst überhaupt nicht mehr wiederzukommen!" Stampfende Schritt«, und mit> heftigem Penggg fäll die Flurtür ins Schloß. Gilgi trampelt m>it beiden Beinen auf-em Koffer herum, bis das Schloß zugeht. Leif« öffnet sie sie Tür, hört Frau Kron in-er Küche hin- gebungsvoil mit der Putzfrau zanken:„Un wenn Ihnen die Butter nicht gut genug is.. ,H-n andere Häuser..." „Ich krieg zehnfachen Ersatz für Sie." „Die schweren Mülleimer runtertragen un Kohlen auhem Keller eraufschleppen un dann ranzige Butter zum Frühstü..." „Die Butter iS»ich ranzich." „Die is doch ranzich.. Mit unsäglicher Mühe schleppt Gilgi den schweren Koffer die Treppen hinunter, die rechte Schulter wird ihr ganz schief gezogen, di« Hand tut ihr weh... draußen fährt ein leeres Taxi vorbei— Haaalt! „Was ist denn, Gilgichen? Mitton in. der Nacht kommst du sie darauf aufmerksam, daß es bester wäre, jenen Mensche.» zu danken, di« unter schwierigen Verhältnissen di« schwer« Arbeit der Gemeindeverwaltung aus sich nehmen. Das Beispiel von Rothau spricht Bände, und wenn die Situation in den deutschen Gemeinden finanziell nicht besser wird, dann wird Rothau zum Beispiel für andere Gemeinden werden, denn schließlich opfert sich der einzelne nicht für die Gesamtheit, um nur überall Widerstand, Hohn und Spott für seine Arbeit im Dienste der Gemeinschaft zu ernten. Wir Sozialdemokraten sind überzeugt davon, daß dies« Wirtschaftskrise, di« wir durchleben mit ihren erschütternden Begleiterscheinungen für Hunderttausend« von Menschen eine jener Wirtschaftskrisen ist, die zum Untergänge der. kapitalistischen Wirtschaftsordnung führen werden, die zur Ablösung der bürgerlichen Gesellschaft durch die sozialistische führen wird. Das hindert uns aber nicht zu fordern, daß man den unschuldigen Opfern dieser Wirtschaftskrise in ihrer größten Not beisteht und Hilfe bringt, denn dos ist die Tragödie der Wirtschaftskrise anhaftet, daß Nicht die Schuldigen zum Hunger, sondern die Unschuldigen dazu verurteilt werden..(Zwischenrufe: „Sie sind ja in der Regierung, warum Md Sie denn dort?")„Wir sind dort," erwiderte Genoffe KvejSi,„und werden dort bleiben, weil uns die Situation der Arbeiterklasse dazu verpflichtet. Wir sind dort, um ein« Wiederholung der Koalition, lvie sie vom Jahr« 1926 bis 1928 bestand, zu verhindern, verhindern wollen ein« Koalition, die nichts gemacht hat als ein Gesetz nach dem andern gegen die Arbeiterklasse. Wir machen Sie auf alle Konsequenzen, die durch Ihre Gleichgültigkeit gegenüber den Arbeitslosen entstehen, aufmerksam, aufmerksam in ihrem Interesse, Nicht in unserem. Wir appellieren aus Gründen der Menschlichkeit an Sie, Helsen Sie, helfen Sie rasch! Stellen Sie in einem beschleunigten Tempo die Gemeindefinanzwrrtschaft auf neu« Grundlagen, damit auch die unteren Selbstverwaltungskörper ihre Pflichten gegenüber den Arbeitslosen erfüllen könne."(Erneute Zwischenrufe:„Si« sind doch in der Regierung, machen Sie es doch!") Worauf Genoffe Krejvi antwortet und damit schließt, laut unterstützt von seinen Fraktionsgenosten und den tschechischen Sozialdemokraten: Preten Sie ab von der politischen Bühne, wir sind bereit» di« Macht zu übernehmen, wir sind bereit, die Dinge zu ändern, wenn Sie abtreten. Wir werden eine Welt schaffen, in der es weder eine Wirtschaftskrise noch Arbeitslos«, noch maßloses Granen und Hunger gibt." Nachdem gestern di« letzten Redner in der Generaldebatte gesprochen hatten, wird heute die Aussprache über die einzelnen Budgetkapitel beginnen. Berlin, 13. Oktober. Der Reichsarbeitenminister hat die Gewerkschaften und die Spitzenverbände der beteiligten Organisationen für den kommenden Sonnabend zu einer Besprechung eingeladen, um über di« Milderung der durch die Notverordnung vom 16. Juni 1932 erfolgten Rentenkürzungen sowie über die Erhöhung der Sätze in der Arbeitslos e n v e r s i ch e r un g für di« Wintermonate, zu verhandeln. Wie di«„Kreuzzeitung" berichtet, wir- di« Er- Höhung der Sätze in-er Arbeitslosenversicherung in der Waise gedacht, daß man einen besonderen Winterzuschlag einführt, der auf die Monate November 1982 bis März 1983 beschränkt bleibt und dessen Höhe je' nach-em ver StfMg-Praicll Jglau, 13. Oktober. Der St-ibrnyprozeß drehte sich heute vor allem um die Frage, ob das Schriftstück, das der Zeuge Kreyza dem Minister Sttibrny zur Unterschrift vorgelegt hat, der definitive Vertrag über die Waggonkieserung oder nur ein Entwurf gewesen sei. Der Verteidiger Dr. Rasin macht den Zeugen wiederholt darauf aufmerksam, daß von diesem Punkt die Verurteilung Stkibrnys abhänge. Der Zeuge«rllärt auf eindringliches Befragen des Vorsitzenden: Meiner dollen üeberzeugung noch bin ich heute der Ansicht, daß ich damals dorthin jenen Teil des Vertrages mit den technischen Einzelheiten getragen habe,-er in dem definitiven Vertrag hätte ausgenommen werden sollen, der abgeschlossen werden sollte. Bei der Besichtigung-es Durchschlages dieses Vertrages, der dem Gerichtshof vvÄi^t, erklärt Sttibrny erregt: Das soll ein Vertrag über 200 Millionen sein? Als sich auch noch der zweite Vvrteidiger enrmischt und dem Zeugen nahe legt, zu erklären, er könne sich nicht erinnern, wogegen wieder der Staatsanwalt Protest emlegt, gwist der Vorsitzende mft den Worten ein: Genug davon, mein« Geduld hat auch ihre Grenzen! Die Zeugeneinvernahme des früheren Ministers Engliö und des Abg. Dr. Stransky, die sich bereits heutv eingcfuudem hatten, mußte auf Dienstag verschoben werden. Die Berliner Zeuge» dürften sich überhaupt nicht oinstellen. Währen- einer Prot okollverles ung entstanden neue Verschiedenheiten in den Aussagen des Zeugen Kreysa, so daß der Vorsitzende Gtibinger erklärte:„Jetzt sieht di« Angelegenheit ganz anders aus. Sie hätten vor dem Untersuchungsausschuß ihre Aussagen n.cht so stark ausschmücken müssen. Sie hätten einfach sagen sollen:„Meine Herren, ich kann mich nicht erinnern." Di« Gericht« hätten sich dann mit der Sache nicht so lange beschäftigen müssen." Nach einer Pause begann das Verhör des Ministerialrats Kroukilko. Die Landüündler für den Karlellprofit In der gestrigen,„Landpost" befindet sich ein Leitartikel über den vom Justizministerium ausgearbeiteten Kartellgesetzentwurf, der deutlich zeigt, wie der kapitalistische Standpunkt beim Bund der Landwirte sich immer wieder stärker erweist als die bäuerlichen Interessen. Zunächst stellt die„Deutsche Landpost" fest,„daß der günstige Zeitpunkt sür eine scharfe Ucberwachung der Kartelle, Konzerne und dergleichen Vereinigungen versäumt wurde.'/ Wer nun glauben würde, das Blatt sei zufrieden, wenn wenigstens jetzt das Versäumt« nachgeholt wird— das nämlich, was der Bürgerblock, an dem di« Landbünd- ler beteiligt waren, versäumt hat, der irrt gewaltig. Die„Landpost" behauptet, daß es sich bei diesem Gesetzentwurf mehr um ein Werk handelt, da- auf die Volksstimmung Bedacht nimmt„als um ein ernstes, von der Ueberzeu- gung des erzielbaren Erfolges getragenes Gesetzwerk", legt dar, daß die Aussicht über die Kartelle durch RegierungSkomwistäre geführt iverdcn muß, welche in alle Bucker und Preiskalkulationen Einsicht nehmen und daß es den geschäftsgewandten Betriebsleitungen gelingen wird, diese Regierungsorgane hiuters Licht zu führen. Aber der eigentliche Grund, warum die Agrarier das Kartellgesetz bekämpfen ist folgender: Schädliche Auswüchse des Kartellwesens und verwandter Erscheinungen im Wirtschaftsleben sollen bekämpft werden, aber es ist nicht zu billigen, daß dirser Kampf in einer Weise organisiert wird, die unter Umständen mehr /Schaden als Nutzen stiften kann. Man würde mit den Maßnahmen, die in die Privatwirtschaft tief eingreifen, für sie lästig und freien Entschlüsse» hemmend sind sowie außerdem Kosten bringen, ohne Wahl alle Kartelle und /'genannte Privatmonopole treffen, von denen doch nicht in Bausch und Bogen behauptet, werden kann, daß si« ohne Ausnahme darauf abzielen, die Taschen der Kundschaft ausbeuterisch zu leer-n. Wie man sieht, handelt eS sich den Agrariern um den Schutz allgemeiner kapitalistischer Interessen, genauer gesagt, des Kartellprofits, mögen auch die Bauern die Produkte der Kartelle teuer bezahlen und so von den Kartellmagnatrn ausgebeutet werden. Und das ganz« nennt sich Schutz bäuerlicher Interessen! Familienstand gestaffelt wird. Weiter soll»in« Reihe von Härten ausgeglichen werden. Auch für-ie Krankenversicherung denkt man an eine beschränkte Wiedereinführung-er Mehrleistungen, die durch di« Notverordnung vom 8. Dezember 1931 unterbunden wurden. An der Unfallversicherung erwartet man sine Beseitigung derjenigen Hätten, die sich durch die Bestimmungen-er Notverordnung vom 14. Juni ergeben, nach denen all« Renten aus der Zeit vom 1. Juli 1927 bis zum 31. Dezember 1981 um 15 Prozent, di« Renten für all« übrigen Fälle um 7.5 Prozent vermindert wurden. Auch bei der allgemeinen Rentenversicherung denkt man an eine Abänderung der Bestimmungen-er Rowerordnung vom 14. Juni. Helfet den Arbeitslosen! Wes mit der unsozialen Verwaltung. Nur ein Wahlmanöver? Reichsarbeitsminister stellt Milderung der Rentenkürzungen in Aussicht. Seite 4 Freitag, 14. Oktober, 1832 Nr. 243. Das En’ß fer Potsdamer Kindertragödie. Zwei Todesopfer des Httlerismus. T agesneuigkeiten Letzter AMied vom Gen. Diwok. Komotau, 13. Oktober. Heute nachmittags wurde der Leichnam unseres unvergeßlichen Genossen Franz Diwok auf dem Komolauer Friedhof unter ungeheurer Teilnahme der Bevölkerung beigesetzt. Um halb drei Uhr nachmittags fand zunächst eine Trauersitzung statt, in der die Vertreter der verschiedenen proletarischen Organisationen die großen Verdienst des Verstorbenen um die Arbeiterbewegung in bewegten Worten würdigten und ihren Dank für di« geleistete Arbeit zum Ausdruck brachten. Di« Kreisorganisation Teplitz—Saaz unserer Partei und die Bezirksorganisation Komotau der tschechischen Sozialdemokratie hatten Beileidsschreiben geschickt, die verlesen wurden. Zur Trauerseier bei der Friedhofshalle hatten' sich unübersehbare Menschenmengen eingefunden, darunter Delegationen aller proletarischen Organisationen, Vertreter der Behörden und zahlreicher öffentlicher Körperschaften, in denen Genosse Diwok gewirkt hatte. Für den Abgeordnetenklub unserer Partei waren die Genossen Hackenberg und Müller erschienen, der Parteivorstand hatte Genossen Abgeordneten Kremser entsandt. Arbeiterturner und-Turnerinnen sowie Rote Wehr-Männer und Jung- stcrffelleute hielten bei dem kranz- und blumengeschmückten Sarge die Ehrenlvache. Die Arbeitersänger sangen einleitend den schottischen Bardenchor und dann nahm Genoss« Map im Namen der Bezirkskrankenversicherungsanstalt Abschied von dem teuren Genossen. Im Auftrage aller proletarische^ Organisationen, denen Genosse Diwok angehört hatte, sprach Genosse Abgeordneter Müller. Zuletzt verabschiedete sich mit herzlichen Dankesworten von dem Verblichenen der Primarius des Komotauer Bezirkskrankenhauses Professor Dr. H o k e, der die segensreiche Tätigkeit des Genossen Diwok auf dem Gebiete ,deS Krankenhauswesens hervorhob. Am Grabe brachten die Arbeitersänger noch den ergreifenden Chor„Ruh aus" zum Vortrag und dann zogen in langen! Zuge di« Genossen und Trauergäste an der letzten Ruhestätte unseres Kampfgefährten vorüber, rote Nelken und Blumen als letzte Grüß« zurücklassend. Nun ist Genosse Franz Diwok für immer von uns gegangen. Seine Arbeit verpflichtet uns, ihm nachzueifern und niemals zu erlahmen in der Erfüllung jener Aufgabe, die Genosse Diwok über alles gestellt hat: dem unterdrückten und entrechteten Proletariat eine bessere Welt zu erkämpfen. SerrMe Solidarität. Französische Gewerkschaften spende« 14.000 Schilling für österreichische Arbeitslos«. Wie«, 13. Oktober. Wie vlt„Arbeiterzeitung" meldet, haben di« französische« Gewerkschaften in proletarischer Solidarität mit den notleidende« arbeitslosen Gewerkschaftsmitgliedern in Oesterreich durch ihre Spitzenorganisation dem Bund« der Freien Gewerkschaft«« eine Spende von 50.000 Franke«, d. s. 18.860.02 Schilling. überwies««. Den Gewerkschaftsexekutiv«« i« den Bundesländer« wurde« von dieser Spende je 5400 Schilling überwiese«. Die Schlacht del Harran. 300 Banditen überfalle« ein türkisches Dorf. Paris, 13. Oktober. Blättermeldungen aus Ankara zufolge, überfielen etwa 300 bewassnetr Banditen«in Dorf unweit der Stadt Harran in der Türkei. Die überfallenen Dorfbewohner riefen Gendarmerie und Mllitär zu Hilfe. Bei dem sich nun entwickelnden Kampfe wurden 11 Räuber getötet und 20 verwundet. Auch einige Gendarmen und Soldaten wurden verletzt. Gin Vollzug beraubt Mähr.-Ostrau, 13. Oktober. Heut« um halb 8 Uhr früh wurde der von SkreLon«ach Orlova fahrende Postzug ausgeraubt. Di« Täter sprangen auf den fahrenden Zug, warfen Postsendungen und andere Wertsachen aus dem Zuge auf die Strecke und ließen sich von dem Zug bis nach Orlova führen. In Orlova bemerkt« man den Raub und die Nachforschungen wurden sofort ausgenommen. Einer der Täter wurde von der Gendarmerie in Poruba festgekommen. Es ist dies der bekannte Dieb Johan» Flößner aus Skkeoon. Gleichzeitig gelang es der Gendarmerie, di« Spur der Diebe aufzufinden, welche die Züge nach Oderberg beraubten. Flößner weigert sich, den Namen seiner Kumpans zu nennen. Di« gestohlenen Sachen, deren Wert ziemlich hoch ist, wurden zustande- ge bracht. Lalikek wird von UTA der Tschecho« Nowakel ausgeliefert M ä h r.- O st r a u, 13. Oktober. Das Kreis, aericht i« Mahr.-Ostrau erhielt vom Justizministerium in Prag Bericht über das entsprechend« diplomatische Ansuchen zur Auslieferung Dr. Zaji^eks durch die amerikanische« Behörde«. Rach diesem Bericht wird Dr. Zajiöek aus Amerika mit einem deutschen Schiff nach Hamburg gebracht und vou dort«ach Bodenbach überführt, wo er den tschechoslowakisch«« Sicherheitsbehördea über. Eitler, wie ihn keiner kennt" ist der Titel eines Bilderbuches und Photographie- Album, das vom Reichsjugendführer des Braunen Palais in München yerausgegeben wurde. „In keinem deutschen Heim darf es fehlen", schrien die Naziblätter'vou dieser aus Kokot- tenparfum und Verlogenheit, aus Oel und Nudelschleim fabrizierten Hit- lerpropaganda. Die Zuckergestelle von Wilhelms II. Berliner Sregesallee sind erhabene Kunstwerke gegenüber diesem ekelerregenden und widernatürlichen Hitlerkitsch. Vom frommen Beter Adolf, über dessen Haupt ei» Kreuz schwebt und der mit gefalteten Händen die Kirchentreppe herobschreitet bis zum Tierfreund Hitler, alles ist da. Selbst sei« Kinderherz ist nicht vergessen, und»ach dem Motto:„Saftet die Kindlein zu mir kommen", wird er Äs Kinderliebhaber und Kinderliebling gezeigt, wie er mit ihnen spielt, spricht, tändelt und scherzt, wie er sie lehrt und erzieht und wie sie ihm Blumen bringen. Eitler und die Jugend",„Hitler und die Kinder", das war das Paradgstück der Nazipropaganda, und keine Versammlung der vergangenen Wahlen, bei der nicht weißgelleidete Kinder mit Blumen zum Empfang bestellt und gestellt gewesen wären. Daß aber die Väter zahlloser deutscher Kinder von den SA-Banden dieses Hitler ermordet und erschlagen worden sind, daß dieser von der Schwerindustrie und den Junkern ausgehaltene braune Oberosaf für seine Terrorarmee von Hindenburg drei Tage Mordfreiheit gegen die Arbeiter und Republikaner verlangt hatte, zur„Umlegung" von einigen Zehntausend Familienvätern, das ist der Hitler, wie er noch tn keinem Propagandabuch gezeigt worden ist, wie er aber niemals von der deutschen Arbeiterklasse vergesse» wird. Jetzt hat sich zu dem blutbefleckten Hitler der intellektuelle Urheber des Potsdamer Kindermordes gesellt. Zehntausend« von Kindern waren am 1. Oktober zum Eitler-! Jugendtag"«ach Potsdam dirigiert worden. Aus allen Teilen Deutschlands sind diese zum größten Teil sechs- bis zwölfjährigen Mädchen und Kna- geben werde« wird. Di« Regierung der Brr. einigte« Staate« vo« Amerika hat di« Aus. liefermH Dr. Zajiöeks zur Verfolgung durch di« tschechoslowakischen Gerichte, das ist durch das Kreisgericht Mähr.-Ostrau, bewilligt, und jetzt handelt es sich nur noch um die letzte« Formalitäten, damit der verhaftete Dr. Zajiöek vom deutsche« Konsulat i« Panama zum Weitertransport nach Harnburg übernommen wird. - Daraus ist also ersichtlich, daß das A«S» liefcrungsbegehren richtig ausgefertigt war und daß Li« Formalität«« wegen der Auslieferung Zajiöeks rechtsgültig abgeschlossen sind. Gleich nach der Ankunft DL Zajiöeks wird beim Kreisgericht in Mähr.-Ostrau das Strafverfahren gegen ihn w«g«n Veruntreuung auf- genommen werden. Nazi, ade! Weimar, 13. Oktober.(Eig. Drahtb.) In Weimar sind in den letzten Wochen nicht weniger abs 134 Mitglieder aus der Nazipartei ausgetreten. Dies« Austrittsbewegung halt noch an. Die Ursache Hierfür dürfte nicht nur in der Reichspolitik zu suchen sein, sondern vor allem in der t h ü r i ngi s ch e n Politik. Den großen Versprechungen, die die Nazis der Bevölkerung vor der Wahl gemacht haben, folgen keine Taten. Die notleidende Bevölkerung erwartet aber Taten in sozialer Beziehung, nicht nur Beförderungen von Nationalsozialisten in gut bezahlte Beamtenstellen. Er wird ausgeliefert. Nach dreimaligem Versuch ist es endlich doch geglückt, der Tschechoslowaken dicksten Mann, Dr. Zajiöek, ausgeliefert zu bekommen; die amerikanisch« Regierung hat sich als Treuhänderin Panamas entschlossen, dem Ansuchen„stvttzugeben" und den Millionenbetrüger der irdischen Gerechtigkeit auszuliefern. Man war davon nicht gerade felsenfest überzeugt, einem Staat, in dem C a p o n e Nationalheld ist und mit Ehrenjungfern nach Europa auf eine Repräsentationsreise geschickt wurde, mit einem Strafverfahren wegen Betrugs und Unterschlagung zu ilnponieren, wo es um einen Mann geht, der, an der Chicagoer Größen gemessen, bloßer Stümper ist. Der verhaftete Zajiöek wird also zwecks Verfolgung durch das Olmützer Kreisgericht an den deutschen Konsul in Panama ausgeliefert werden, um über Hamburg nach seiner Berufsstadt geschafft zu werden, wo sich sein Arbeitgeber, Herr Larisch, wird über die Freundschaft mir seinen! Herrn Direktor aussprechen können. Nicht ganz so kompliziert ist die Tätigkeit der Gesetzesbewahrer, wenn es um einen kleinen Barckdefraudanten geht, bei dem die erzielte Ausbeute jenen Hunderttausender nicht er» reicht, wo, frei nach Pallenberg die geschäftliche Transaktion beginnt. Unter dieser Grenze funktionieren noch Steckbriefe... Aushebung einer kommunistischen Geheimdruckerei. In einem Stall auf einem Grundstück der Dr.ontheimer Straße in Berlin wurde eine kommunistische Gehoimdruckerei ausgehoben, in ben herangeschleppt wollen. Selbst aus München mußten sie kommen, meist in offenen Lastwagen, bepackt mit Tornistern, um Parade zu stehe« und an dem großen Adolf vorüberzuziehen. Am Päradetag ist diese skrupellos mißbrauchte Jugend vom Morgen bis in den Albend über die PotÄramer Pflastersteine ge- - sch leist worden, 15 Kilometer hin und her! Zahllose sechs- und siebenjährige Kinder konnten sich auf dem Rückweg nickt mehr aufrecht halten und mußten getragen werden. Hunderte von Kindern blieben auf dem Bürger st eg liegen. Teilweise ohne Decken lagen diese Kinder nachts in der Lustschiffhalle uns in kalten Baracken unter dürftigen Zelten und auf dem Exerzierplatz, teilweise u bernachteten sie im Fr eien auf Bänken und im Chauffecgraben. Am Morgen des Paradetages war nicht einmal ein Frühstück für sie gerichtet, keinen warmen Bissen haben die Kinder tagsüber bekommen, abends sind sie fechtend durch die Arbeiterguartiere von Potsdam gezogen, um ein gespendetes Stück trockenes Brot haben sich Dutzende von Kindern gerauft, weinend und frierend wurden sie bereits aus den Lastwagen heruntergoveicht, das ist dieser Hiller- wie ihn wahrhaft noch keiner gekannt hat. Um die Kinder zu beruhigen, ließ er die Mär verbreiten, er schlafe mit Kindern in einem der Zelte, während er in Wirklichkeit mit seinem Stab im Hotel saß, gut aß und auf Daunenfedern eine schöne Nacht verlebte. Mehr als hundertzwanzig Kinder mußten krank und hochfiebernd in die Potsdamer Kran- kenhäuser gebracht werden. Zwei von diesen Kindern sind jetzt.gestorben, über sie^'g liegen immer noch im Hospital. Bei den meisten lautet die Diagnose: Lungenentzündung! Aus vielen Orten und Städten im Reich wird ferner berichtet, daß dort zahlreiche Kinder völlig eisschöpft und mit Lungen- und Halsentzündung zurückkamen. Derartige Meldungen kommen vor allem aus Thüringen, wo das Naziminist e r k u m den Kindern schulfrei gab, damit sie am Hitlertag teilnehmen konnten. Das ist das Ende der K i n d e r t r a g ö d i e und des Kindermißbrauchs von Potsdam. der verbotene Druckschriften, zum Teil hochverräterischen Inhaltes, hergestellt wurden. Die Druckmaschinen und umfangreiches Schriftenmaterial wurden beschlagnahmt. Der Inhaber der Druckerei konnte noch nicht festgestellt werden. Ein schreckliches Schauspiel bot sich am Dienstag d«i Passagieren des Pilsen— Saazer Perfouenzuges in der Näh« der Ortschaft Liebotschan. Mehrere aus'den Fenstern der Waggons sehende Passagiere bemerkten, daß ein Radfahrer in schnellem Tempo auf der nahe der Bahnlinie befindlichen Straße sich dem Bahnkörper näherte, schließlich vom Rüde sprang und an einer Biegung sich über ein« ettva vier Meter hohe Böschung auf die Geleise herunterstürzte. Der Lokomotivführer, der sah, wie sich der. Mann auf die Geleise warf, versuchte, den bergab fahrenden Zug anzuhalten, doch war dies bei der kurzen Distanz nicht mehr möglich, und so wurde der Selbstmörder von den Rädern geköpft. Ms der Zug schließlich zum Stehen ge- kouunan war und das Personal zum Tatort kam, lag der Körper des Unglücklichen auf der Böschung, während der schrecklich verstümmelte Kopf zwischen den Geleisen lag. Erst nach Stunden gelang es, die Identität des Toten festzustellen: ei handelte sich um den dreißigjährigen G a st w i r t I u st i n W a l z aus Satkau, der ejnxm ihm begegnenden Bekannten kurz vor der Tat, nach dem Ziele seiner Fahrt befragt, geantwortet hatte:„Es geht weit, sehr weit,!" Verwegener Kasscneinbruch i« Brüx. In di« Advokatenkanzlei der Herren Dr. Kornfeld und Dr. Stransch in Brüx, Kirchengaffe, wurde in der Nacht von Mittwoch auf Donnerstag eingebrochen. Ws Donnerstag früh die Bedienerin in di« Kanzlei kam, fand sie die Känzleitür nicht versperrt. Im dritten Zimmer war der eiserne Kassenschrank erbrochen und ausgeräumt. Di« Frau verständigte die Kriminalpolizei in Brüx, die am Tatorte ihre Erhebungen vornahm. An dem eisernen Schrank sind von den Tätern all« Schlösser mittelst Reißern bloßgelegt und dann entfernt worden. Die Arbeit der Einbrecher deutet einwandfrei darauf hin, daß es sich hier um „gelernte Arbeiter" handelt. Die Einbrecher arbeiteten mit Handschuhen. Nach Feststellung der Inhaber der Kanzlei sind aus dem Schrank 123 Kronen Bargeld, ausländische Münze« im Werte von 100 Kronen, ferner Wertpapiere von 90.000 Kronen entwendet worden. Die Sparkassenbücher wurden von den Tätern liegen gelassen. Von den Einbrechern fehlt jede Spur. Elternmörder aus unerklärliche« Gründen. Der Geschwovenensenat des Kreisgerichtos in U 2 horod fällte Mittwoch im Prozeß gegen den 25jährigen Ivan M i c i k aus der Gemeinde Turi Bystrh das Urteil. Micik, der am 2. Juli d. I. seinen Vater durch Schüsse aus seinem JagEwshre erschossen, sein« Mutfe r durch Swüsse schwer verwundet, weiter di« Nachbarin Katharina Bum- balek erschossen hatte, wurde zu vierzehn Jahren Gefängnis verurteilt. Außer diesen Delikten, so führte die Klage aus, habe Micik den Versuch unternommen, noch eine weitere Person, zu erschießen, nämlich den Ivan PetruAä. Er selbst schoß sich nach dieser Vom Rundhmii Empfehlenswertes aus veu Programme«. Samstag. Prag; 6.15 Gymnastik, 11.00 Schallplatte«, 13.30 Schallplatten, 18.25 Deutsche Sendung: Jugendstunde mit Musik, 19.15 Lustige Stunde,— Bruun: 12.20 Orchesterkonzert, 18.25 Deutsche Sendung: Jugendstunde, 19.15 Schrammel-Trio, 19.50 Kabarett.— Berlin: 16.05 Blasorchesterkonzert, 20.00 Musikalisches Durcheinander.— Langenberg: 24.00 Meister des Jazz.— Königsberg: 20.00 Lustiger Abend.— Breslau: 19.15 Mendumsik, 20.00 Heimat in Schlesien.— Wim: 16.45 Mandolinenkonzert, 18.00 Blasmusik, 21.10 Wiener Stimmungen. Das Rundfunkschutzgesetz i« Sicht? Am Dienstag fand im Postministerium ein« Enquete statt, welche di« in Vorbereitung stehende Novelle des' Radiogesetzes behandelte. Das Gesetz soll auch Maßregeln gegen Rundfunkstörer enthalten. Anwesend waren Vertreter aller interessierten Körperschaften(Radiojournal, ESO,- Radioverbände, Radiohandel usw.(Alle Teilnehmer erklärten sich einstimmig für weitgreifenden Nundfunkschutz. Der Vertreter des Aerzteverbandes gab seine Zustimmung unter dem Borbehall, daß sich diese Maßnahmen nicht auf medizinische Apparate beziehen, die von Aerzten in der Ordination in Gebrauch genommen werden.) Darin sind jedoch verschieden« Massage- und kosmetische Apparate nicht in- begrifstn. Der Vertreter des ESO.(Elektrotechnischer tschechoslowakischer Verband) nahm den Standpunkt ein, den Rundfunkschutz nicht auf: gesetzlichem Wege durchzuführen, sondern ihn den Vorschriften des ESO. anzugliedern, die der gesetzlichen Rechtskraft fast entsprechen. Die übri- aen Teilnehmer bestanden jedoch entschieden auf dem Rundfunkschutz im Wege des Gesetzes. Hiemir scheint das Rundfunkschutz-Problem in ein e«t- scheidendes Stadium gelangt zu sein.— Unsere Rundfunköffentlichkeit Krd nun leicht erkennen, wer es mit dem Rundfunkschutz ernst meint.‘ Tat an und verletzte sich hiebei s ch w e r. Später unternahm er zwei w e i- t er e Selb st Mordversuche, indem er sich ein Messer in den Bauch stach und in eisten Brunnen sprang. Der Senat verurteilte Micik zu einer verhältnismäßig niedrigen Strafe in Anbetracht seiner furchtbaren Verstümmelungen; Micik verlor infolge der Schußverletzung den linken Teil der unteren Gesichtshälfte. Nachbarn und auch Gendarmen stellten Micik ein gutes Sitt l i chkei ts ze ugn i s aus. Es ist unerklärlich/warum Micik die Tat vollbracht hat. Feuersbrunft. In der alten Schlößkaserne in Rastatt(Bchen) brach nachts ein Feuer aus, das in wenigen Stunden Dreiviertel des großen GöbäudekomplexeS Zerstörte. 3 0 F ä m i- lien haben ihre Habe verloren und sind obdachlos. Die Brandursache ist unbekannt. Seemannstod. Während des schweren Sturmes am Dienstag ist das Motorschiff „Kassel" im Finnischen Meerbusen unmrgegangen. Fünf Menschen fanden dabei den Tod?'. Di« spinale Kinderlähmung. Im Landkreis Göttingen erkrankten neuerdings drei Kinder, die Älutter eines der Kinder ünd «in 27jähviger Landwirt an spinaler Kinderlähmung. Der Landwirt ist gestorben. In Göttingen selbst sind drei Krankheitsfälle zu verzeichnen. Linzer Mörder in Leipzig verhaftet. Nach einer Funkmeldung der Leipziger Kriminalpolizei an die Wiener Polizeidirektion wurde dort der Reichsdeutsche Georg Ernst Schirmer alias Man Mr alias Wolf als Mörder des in der Umgebung von Linz tot aufgefundenen Bulgaren Dimitrow verhaftet.* Der Täter hat ein Geständnis abgelegt. Gleich- reitig wurde unter dem Verdachte der B«i- Hilfe beim Morde, der reich«deutsche Kraftwagenführer Emil Erhardt Colbitz verhaftet. Bei der Leiche des Dimitrow wurde eine Brieftasche vorgefunden, in der sich Briefe be- farcken, aus denen hervorgeht, daß Dimitrow mit den beiden Verhafteten in freundschaftlichen Beziehungen stand, und zwar aus der Zeit.da Dimitrow di« Handelshochschule zu Leipzig besuchte. ÄuH diesem Grunde begab sich ein Wiener Polizeibeamter nach Leipzig, um dort an den Recherche« tellzunehmen. Ziehung ver Masserüotterie 20.000 K: 8.242, 27.895, 44.247. 10.006 K: 10.553, 14.015, 14.072, 44.542, 90.693. 5.000 K: 5.146, 9.580, 14.674, 16.383, 19.587, 23.140, 37.185, 43.775, 50.329, 58.540, 59.817, 63378, 67.893, 92.006, 100.651. 2.000 K: 473, 3.773, 5.249, 7.292, 7.714, 9.785, 9.957, 11.613, 16.494, 18.235, 21.381, 23.549, 24.096, 27.742, 28.598, 28.726, 29.367, 33.436, 34.893, 36.952, 39.697, 41557, 42.726, 47.304, 49.079, 51.125, 51.814, 52.349, 57.304, 61.512, 65.36», 66.653, 73583, 75.046, 76.008, 76539, 77.114, 77.944, 78.998, 79.434, 80.027, 81.189, 81537, 81.824, 82.981, 85.090, 86.021, 86X47, 87.055, 91.456, 94.061, 94517, 94.341, 96.663, 96.774, 99.313, 101.557, 103.316, 104.197, 104.543. 1500 K: 612, 1.388, 1.883, 2.334, 2.691, 3.341, 4.172, 8575, 9580, 10.194, 10.235, 15.815, 17589, 17.872, 17.925, 20.540, 21.172, 21.511, 22.410, 23545, 23.574, 23.687, 26.150, 26589, 29.056, 29.098, 29586. 29.366, 32.539, 32588, 35.181, 36.115, 36.823, 37.427, 38.070, 40.329, 42.171, 42.781, 48504, 45.419, 45.888, 45.946, 49.755, 50.377, 51.465, 52543, 52.910, 53530, 54.160, 55.171, 55.654, 56565, 57529, 58.457, 59.474. 61.694, 61.708, 65.915, 66.088, 67.359, 68.151, 69.029, 71.498, 72.009, 72.680, 74.199, 74.362, 74.389, 77562, 79.987, 80.450, 81.779, 81.873, 82564, 86.486, 88.659, 90.031, 93.788, 93.837, 90.918, 93527, 95.015, 97.057, 101513, 103.156, 104548. aiiiiniiiiiiiniiiHiiiiiinmiiniiiiiHiiiiuiiiiiiiiiuiiuiiuiiuiHuiuiiiiuiiiuHuuuiiuiumiiiiiiHiiiuiiniiiimffliuniiiituiHitiiunuiniiuiuiinuiiiiiiiiiiiiuiiuiuiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiuiiiiiiiniiuiunmuininuui Nr. 243. Freitag, 14. Oktoier 1932 Seite B. Verurteilter LustmSrder. Der öSjährige Maschinenschlosser Gustav Loose aus Alexanderdorf (KreiS Teltow), der sich an einem vierjährigen Mädchen vergangen und es getötet hatte, wurde in Berlin zu 1b-Jahren Zuchthaus verurteilt. Eine polnische Polarstation. Der Direktor der Sraatsanstait für. Meteorologie in Warschau, Lugeon, ist soeben- von den B s o r n o y a- I n s e l n nördlich von Spitzbergen zurückgekehrt, wo er ein« polnische Polarstation errichtete. Die Insel, auf welcher die polnische Beobachtungsstation eingerichtet ist, ist unbewohnt, so daß di« Post nur gelegentlich dorthin gelangt. In dieser Station werden den ganzen Winter hindurch bis zum Frühjahre drei Fachleute arbeiten,' die sich hauptsächlich mit der Beobachtung der magnetischen Wellen befassen werden. Die Gefräßigkeit-der Insekten. Jeder Einwohner der Bereinigten-Staaten von Nordamerika, einschließlich der Säuglinge und Invaliden, zahlt jährlich mehr als steben Dollar für die Ern^rung der Insekten..Diese überraschend hohe Summ« kann man sehr leicht errechnen, wenn man sich die kürzlich erschienenen Veröffentlichungen der amerikanischen Landwirtschaftskammer ansieht. Der Schaden, der durch die Gefräßigkeit der Insekten angerichtet wird, beträgt in den Bereinigten Staaten jährlich 900 Millionen Dollar. Den beträchlichsten Anteil dieser gewaltigen Summe beansprucht ein gefürchteter Rüsselkästr, der durch sein« Freßgier für 164 Millionen Dollar Baumwolle zerstört. Die Hessenfliege vernichtet jährlich, für 48 Millionen Dollar Weizen und der Koloradokäfer für 29 Millionen Dollar Kartoffeln. Goethe und Amerika. Äm Goethejähr. Ein« Herd« von Amerikanern braust nach Weimar, hoHI in bereitstehende Automobil«. Wird zum Park gefahren, Goethes Gartenhaus zu besichtigen. Vor dem Eingang bleiben di« Amerikaner stehen und sehen sich die Wiese vor dem Hause an. Dann sagen sie olle, wie aus einem Munde:„Das für«in wun- dervoller Golfplatz!" GoldtransnoH versAwunden. Mysteriöses Schicksal eiltet japanischen Goldsendung nach USA. Eine unglaubliche Affäre beschäftigt die japanische Geheimpolizei. Bekanntlich fanden in de» letzten Monaten zahlreiche Goldverschiffungen von Japan nach den Bereinigten Staaten statt. Bei den Transporten wurden natürlich die größten Borsichtr- Fertig zum Transport. Bis an tue Deck«' liegt das' Gold, in Nein«» Säckchen verpackt, im Tresor und wartet aus seine Verschiffung. maßregeln angewandt. Bon der japanischen Na« troualbank zum Schiff und vom Schiff zur amerikanischen Bant werden die Transport« unter mili- tärischer Bedeckung ausgeführt. Auf dem Schiff selbst bewachen mehrere Detektive das Gold dauernd, um zu verhüten/ daß' sich ungebeten« Liebhaber für di« wertvoll« Fracht interessieren. Kürzlich fand wieder ein solcher Goldtransport im Wert« von rund eineinhalb Millionen Dollars statt. Obwohl dieser Betrag für einen Goldtransport verhältnismäßig gering ist, wurden trotzdem di« erwähnten Vorsichtsmaßregeln nicht außer Acht gelassen. Mit einem Panzerwagen wurde das Geld zum Säst ff gebracht Und in San Franzisko ebenfalls mit einem Panzerwagen vom Schiff abgeholt Zwei Detektive sorgten für ausreichenden Schutz auf dem Dampfer, das Goltz lagerte in einem Panzergewölb« Schon, wenige Stunden, nachdem das Gold in der Bank i» San Franzisko eingeliefert war, wurden der Kapitän des Schiffes und di« Detektive zum Polizeipräsidenten gebeten, wo ihnen di« Mitteilung gemacht wurde, daß das eingelieferte Gold gefälscht fei. Es handle sich ausnahmslos um wertloses Metall, ein«-im Gewicht und im Aussehen dem Gold ähnliche Legierung.''Sofort setzten mir größtem Eifer di« Nachforschungen nach den Täter»«in, im Einvernehmen mit den Banken wurde zunächst die Presie nicht.von dem Diebstahl in Kenntnis gesetzt. Doch blieben all« Bemühungen der amerikanischen Polizei nach Aufklärung des Verbrechens ergebnislos. Es wurde einwandfrei festgeftcllt, daß auf dem Wege vom SchiffM Bank in San Franzisko der Umtausch der'Goldbarren in wertlos« Metallbqrren nicht vorgenvmmen fern konnte. Auch die japauische Polizei, die zunächst die Schuld auf die Unachtsamkeit der amerikanischen Beamten geschoben hatttz, stellte nunmehr eingehende Recherchen an: Kapitän und Detektive wurden scharfen Verhören unterzogen, auch auf dr« Besatzung wurde hie Untersuchung ausgedehnt. Er konnte infolgedessen nicht ausbleiben, daß-die Presse doch von dem Fall erfuhr und di« japanischen Zeitungen beschäftigten sich in ausführlicher Weise mit dem mysteriösen Diebstahl. Obgleich mittlerweile«in« ganze Zeit seit dem Diebstahl vergangen ist und ununterbrochen gefahndet wird, ist es bisher nicht möglich gewesen, auch nur di« geringste Spur zu finden. Es bleibt jetzt kein« ander« Annahme übrig, als daß di« Verwechslung bereits im Bankgebäude in Tokio vorgenommen wurde, Allerdings haben di« Untersuchungen in dieser Richtung auch noch, zu keinem Resultat geführt, aber es bleibt keine andere Erklärung, da es einfach unmöglich erscheint, daß unterwegs der Diebstahl, zu dessen Ausführung zahlreiche Personen und Zeit gehören, ausgeführt werden konnte. Es wurde festgestellt, daß di« fraglichen Goldbarren bereits über zwei Wochen lang in einem besonderen Tresor in Tokio lagerten."Wahrscheinlich ist es den Dieben gelungen, im Lauf« dieser zwei Wochen unbemerkt in den Tresor mit nachgemachten Schlüsseln«inzudringen und in aller Ruhe den Aus! tausch vorzunehmen. Allerdings müssen sie hierbei! die Unterstützung bestimmter Angestellten der Bank! gehabt haben. Dementsprechend sind einige Bankbeamte vorübergehend in Haft genommen worden, doch mußten sie, da es nicht gelang, auch nur die ge- ringsten Anhaltspunkte ihrer Mittäterschaft festzustellen, wieder entlassen werden. Man steht deshalb nach wie vor vor einem Rätsel, an dessen Lösung jetzt weder die Polizei noch di« Presse glaubt. Der Verlust der japanischen Bank, ist allerdings durch Versicherung gedeckt. Die Versicherungsgesellschaft hat«ine Belohnung von 100.000 Nen für di« Auffindung der' Täter auSgesetzt. Vom Prager Rundfunk Erfreulicherweise gibt«S immer weniger solcher Borträge, die gewissermaßen im luftleeren Raum schweben oder doch'hoch auf den Wolken, fern von der notigen Erste dahin^gcln..Diesmal möchte in dies« Gruppe stie Plauderei des Herrn Prof. Dr. Emil Utitz aus Halle über Charakterkunde au f R eise n gezählt werdm. Denn hier handelte es sich um die Reifenden zum Vergnügen, um die Bewohner besserer Hotels und anständiger D-Züge, kurz, um eine so verschwindende Minderheit, daß es nicht lohnt, ihretwegen die Wissenschaft zu bemühen. Oer„Festbesoldete" mit Gehaltsabzügen macht schon läitgst keine Lustreisen mehr und ster Prolet kann? nur als Tip- prlbruder ans der Landstraße, unst da treibt er schon seine Charakterologie und versteht sich mit den Schicksalsgenossen ohne Anleitung,— Gut meint es ja auch Frau Hanna Reimer-Sven, da sie die Körpe»erzieh»na als Weg zur Gesundung preist. Wie recht hat sie, wie not täte der geplagten Hausfrau, dem arbeitenden Vater Ghmnastik als Gegengewicht gegen die einseitige Beanspruchung durch den Beruf: Doch fehlt es den«inen an Zeit und auch Raum, so haben die anderen wieder zuviel Zeit und zu wenig Mittel, um ihren Körper zu erziehen. Wenn man ihn lehren könnte, von der Luft zu leben,— das wäre noch was! Sv aber drückt in« Sorge ums Stückel Brot, der Magen knurrt und die Glieder find schlaff—, da treibe einer Gymnastik!— Kalenderzeitgemäß war die Sonntagssendung: Lied vom Herbst. An sich war si« sehr hübsch gemacht; Oskar Baum leitete, Walter Taub sprach Gedichte, Edith Holland sang Lieder— die verschiedenen. Seiten Poetischer Herbststimmung wurden sichtbar,, zuletzt erhob sich eine geistreiche Antiphonie zwischen dem Herbst als Todbringer und dem Herbst als lirgrund neuen Lebens. Nur ein Ton erklang, nicht:, die Sorge des Armen um wärmere Kleidung, nur Heizung und Nahrung in bitter kalten, finsteren Tagen. Und vor dieser grellen Disharmonie müssen all die zarten Töne wohlgepflegter Wehmut verstummen.— Glänzend war der Vortrag des H. Oberregisseurs Renato Mordo über di« großen Schauspiele r i n n e n Sarah Bernhard, Eleonora Dus«, Charlotte Wolter, Agnes Sorma. Formvollendet und geistreich warf er mit treffsicheren Strichen klein« Charakterskizzen hin und Frl. Trude Wessely las Aussprüche und Analysen zeitgenössischer Dichter und Kritiker über jene Künstlerinnen. Aktuell ward dies endlich durch den Hinweis darauf, daß große Schauspielerinnen selten, geworden sind, zeit der Film die besten Krqfte.in den Bann des Modegeschmacks schlägt und erbarmungslos verbraucht. Aber das ist eben doch nur der miserable Geschäfts» film des profitgierigen Filmkapitals— auch diese Frage der Kunst mündet schließlich in der welt- geschichtlrcheu Aufgabe, des Proletariats: der Be-. seitigunq des Kapitalismus.— Zum Weli- tierschutztag am 4. ds. sucht« Dr. Oskar Schwarz, von Frl. Tilde Merz mit hübschen Liederchen unterstützt, unsre Hirzen für das leidende, unter dem Menschen leidende Tier zu gewinnen. Wir fragen: Was verhindert die Masse der Menschen, sich zu belehren und.zu veredeln, daß sie im Tier den stummen Lebensbruder erkenne? Es ist wieder die Untzestalt dieser Gesellschaftsordnung, die den größeren Teil der Menschheit in Dumpfheit und Dunkel verkommen läßt! Zuerst müßte der Welt-Menschenschutztag kommen und wirken; aber den werden die Humanisten nicht veranstalten, das müssen die Bedrückten schon selber besorgen.— So recht Paßte dazu di« nachgeholt« Arbeitersendung der vorigen Woche. Genosse Dir. Rudolf Fischer leitete seine Darstellung der Konsumgenossenschaften in der Krisenzeit ein mit der tragischironischen Feststellung, daß heute alle Menschen im Ueberfluß leben könnten, wenn nicht... Und ein Stück jener Selbsthilfe der Hilflosen sind eben die Konsumgenossenschaften, jetzt, in der Notzeit, wichtiger denn je. Heer ist heute schon den Verteidigern und Lobrednern der„Privatinitiative des schöpferischen Unternehmers" gezeigt, was an wirtschaftlichen Werten solidarische Arbeit der Werktätigen aufzubauen vermag. Daß hier die Wirtschaftsform der Zukunst aufs Glücklichste vorgebildet ist, macht, neben dem unmittelbar materiellen den unschätzbaren geistigen Nutze» der Genossenschaften aus.— In der Arbeiterfendun« dieser Woche zeigte ungemein klar und verstand» lich Genosse Dr. Emil S t r a.» ß, wie wenig Ursache wir haben, dem Trostgeflunker der bürgerlichen Wirtschaftler von der baldigen U e b e r- Windung der Weltwirtschaftskrise zu trauen. Anstieg der Rohstoffpreise ist Folge amerikanischer Stützungsaufläufe, Arbeitslosenziffer steigt immer noch an, während die Außenhandelsbilanzen aller Staaten jämmerlich abgesunken sind, das internationale Kapital bleibt verstockt in den kapitalistischen Ländern und die Welt- wirtschaft, unter das Niveau von 1913 gefallen, hätte«inen ungeheuren Aufschwung nötig, um nur annähernd wieder den Bedarf zu befriedigen. Dagegen bleiben auch die Vorschläge der Konferenz in Stresa klägliche Palliativmittelchen. Nur die Umgestaltung der Wirtschaft derart, daß Erzeugung und Verbrauch immer im richtigen Verhältnis zueinander bleiben, kann diese Kris« über- winden, künftige, immer schlimmer«, vermeiden. Das aber zu erreichen ist unser Kampfziel, unsere Aufgabe in der Entwicklungsgeschichte der Menschheit. Fürstenau, einoffttti «raget Bet tefter•efegettftett«ntr &ortctaitorufrcn r mir br- gerade aus den Eisenturm zu..Ich duckie mich hinter, Bye my Canada! drei Ein Ich ein und lugte um eine Ecke. Ein« Meng« Menschen standen dort umher. Man starrte in das Geschäftshaus hinein. Frauen stöhnten, Männer fluchten mutig, di« Nähe ter Damen ganz außer acht lassend. Ich mußte meiner gefährlichen Lage zum Trotz verächtlich lachen.— dumme Köter! Ich nahm eine kleinere Kiste in die Arme. Jetzt erst bemerkt« ich, daß ich einen Sweater in der einen Hand feWielt, Den hatte ich also,« ohne es zu wollen, gestohlen! Ich streifte ihn rasch über und betrat klopfenden Herzens mit der Kiste vor Brust und Gesicht di« Straße. Mir war, als würge mich jemand an ter Kehle. Aber ich schritt mit Todesverachtung voran, direkt auf di« Menschenmenge zu. Mit mir zugewandtem Rücken standen zwei Polizisten am Geschäftsausgang und kontrollierten alle Leute, di« herauSkamen, aufs schärfste. Laut unterhielten sich die Menschen um mich her: Mörder— hat zwei im Laden niedergeschlagen— erschossen ich habe den Schuß gehört-- derselbe, der neulich den Polizisten auf der Straße erschossen hat!" Ich stellt« meine Kiste auf ein in der Nähe stehendes Lastauto, dessen Fahrer jedenfalls, wie der Mob auch; mithals—.mit dem Mundwerk— den Massenmörder zu fassen. Unauffälligen Schrittes entfernte ich mich nm di« nächste Ecke, bog links nach dem Hafen ab und war gleich am Wasserrand angekommen. Auf dem Schienenstrang der Hafenbahn marschierte ich los. Die Angst drückt« mir jetzt noch mehr di« Kehl« zu wie vorhin im Warenhaus. Wie, wenn das Schiff nicht mehr da war, wenn es bereit- in See stach? Wenn die beiden Schweden alle- erlogen hätten, um mir einige Dollar abzuknöpfen? Eine halbe Stunde war ich unterwegs. Da dorne tauchte Pier 9 auf. Ich sah zwei Frachtdampfer'längsseits vor Anker liegen. Wenn das der meinige wäre! Ich rannte, als oh ich ihn«in- -hoilen wollte.>-<*.■■p--'?’:'-..--si. Ich atmete auf. Am Heck des Dampfers wehte eine französische Flagge im Wind, aber mein Schiff war ja«in Kanadier. Ich lief auf dem Pier in den Hafen hinaus. Jetzt war ich beim anderen Schiff angelangt. Unendliche Freude jubelte in mir auf. Groß stand am Heck angeschrieben:„Frederike"! Emsig war man mit Kistenwälzen und Säckefahren beschäftigt. Ungeschoren betrat ich über die Gangplanke das Deck. Ich stieß mit einem ungeschlachten Menschen zusammen. Er fuhr mich an: „Scher dich zum Teufel— leergofresfen heute— fertig mit der Bettelei!" ,^domme nicht Cumming"(betteln), Boß!" erwiderte ich. Wo rst der Bootsmann?" „Bin ich— zum Teufel, sieht man mir das nicht an?" schrie er unwillig. „Fred Thomson ist mein Name. Bin der neu« „Cookie"(Kochgchilfe), der Koch muß es wissen, der hat mich angeheuert!" „Angeheuert— so? Und ein Eookie?" Er nickte bedächtig mit dem Kopf und fuhr in schroffem Ton fort:„Dann rasch dahin, wo ihr längst sein solltet, aber halt— zuerst noch zum„Purser"(Zahlmeister) und einschreiben lassen, bevor unsere Papiere fertiggemacht werden— marsch!" Alles ging glatt vonstatten. Niemand macht« mir irgendwelche Schwierigkeiten, da meine Papier« in Ordnung zu sein schienen. In der Küche mußte ich gleich auswaschen und Kartoffeln schälen. Der Schiffskoch war«ine freundliche Seel«, mit dem ich schon auszukommen hoffte. Die Arbeit konnte meine Erregung aber gar nicht vertreiben. Vernahm ich«ine fremd« Stimm«, so dachte ich immer, man such« nach mir. Wenn mich jemand anschaute, so glaubt« ich einen Verdacht in dessen Augen zu lesen. Endlich, nach Mitternacht, Höne ich scharfe Be- fehle am Bug des Dampfers erschallen. Eine Sirene heulte einmal— zweimal— dreimal! Ein« Dampfwinde zischte, Ankerketten rasselten. Jetzt begann es im Schiffsleib zu stampfen und zu dröhnen— die Maschinen waren in Tätigkeit getreten, und die Schiffsschrauben peitschten tröge das Hasenwasser. Ich eilte an Deck. Ein schwerer Stein fiel mir vom Herzen. Laut lachte ich auf vor Freude, als ich di« Hafenanlagen schon weit hinter uns sah und die bewaldeten Ufer des Burrard Jnlet rasch an uns vorüberzogen, endlich hinter uns im Halbnebel verschwanden. Und doch schlich sich bald ein« leise Trauer in mein Gemüt ein— da hinten entschwand mein geliebtes Kanada, das Land meiner Glücksträume, meine Wildnis! Würde ich es Wiedersehen? Ja— ich mußte es Wiedersehen! Ein Leichtmatrose klopft« mir auf di« Schulter. „Arbeit drunten— die zweite Wache will auch was zu essen— der alte Koch wird euch schon was zu sagen haben— god dämm into hell!" Ich warf nocb eineu kurzen Blick zurück: Good Flucht aus Kanada. Bon Armin Huber. Roch gibt eS im Westen weite Gebiete, die j einige Kisten, kroch in ihrer Deckung nach der Straße wagemutige Männer verlocken. Mancher glaubt, „Wildwest wär« längst nur. mehr ein Traum. Nun ist ein-Buch erschienen(„Bei röten und wei ßen Abenteurern in Kanada", Verlag Strecker& Schröder in Stuttgart, Preis 3.60, geb. 4.80 Mark), dessen.Verfasser, Armin Huber, seine Erlebnisse in Kanada. erzählt und aus dem man mit Erstaunen erfährt, daß dieses Land noch immer genug des Romantischen bietet: Tollkühne Fahrten im schwanken- Rindenkanu durch tosende Stromschnellen, Schneestürme, wilde Jagdabenteuer, Verbrecherjagden und Erlebnisse Mit- Indianer stämmen. In-buntem Wechsel läßt der Verfasser Gestalten an uns votüberziehen, die an das Urbild des„Leterstrumpf" gemahnen, Tatmenschen, rauhe Gesellen und wahr« Helden. Dem spannenden und lebendig geschriebenen Buche entnehmen wir mit Erlaubnis des Berlages nachstehenden keinen Aus schnitt: Den ganzen Tag wagte ich mich nicht aus- der Bude. Einmal jagte mir das plötzliche Erscheine» eines Polizisten nicht geringen Schrecken«in. Natür lich glaubte ich, daß er nur meinetwegen- hier sei, aber er entfernte sich nach Einkauf einiger Zigarren gleich wieder, ohne mich überhaupt angesehen zu haben. Nach dem frühen Abendessen wollt« ich«s wagen, die nötigen Einkäufe zu besorgen. Bald nach fünf Uhr betrat ich die bereits dunkel daliegende, nur von wenigen Laternen beleuchtet« Earrolstratz« und sah mich nach einem Konfektionsgeschäft um. Ich ging in ein Geschäft und fand, daß ich eines der größten Warenhäuser Vancouvers von der Rückseite her betreten hatte— Spencers Departement Store — denn di« Parallolstraße zur düsteren Hafengasse, die Hastings Street, war eine der Hauptstraßen der City. Rasch wollt«, ich mich wieder dem Ausgang zuwenden, da fielen meine Bliche auf eine schöne Sweaterauslageganz.^ in der Nähe! Etwas Ungeduldig verhandelte ich mit einem schönen, aber gar hochmütigen Ladenmädchen. Ich blickte dabei zufällig auf die Seite und schaute einem dicken Menschen mit einem aufgedunsenen Gesicht in die Augen. Hm, kannte ich den Burschen nicht? Ein unbehagliches Gefühl durchdrang mich— doch! Lähmender Schreck führ mir in die Glieder. Der Bursche da— wie ein Licht des Erkennens über seine dicken Züge huschte!— der Bursche war ein Detektiv vom Polizeidepartement! Derselbe, ter mich vor Jahren einmal em Verdacht der Eisen bahnräuberei gehabt hatte, dieser gefürchtete Robert son— im Jahre 1928 versuchte man ihm wegen Meineid, Bestechung und anderem zu Leibe zu rücken. Dieser Mensch stand vor mir, dem armen Schlucker, der kein Geld hatte. Ein« leibhaftige Er scheinung des Teufel- in höchst' eigener Person hätte mich nicht so heftig erschreckt. Robertson selbst schien die Ueberraschung in die Glieder gefahren zn sein. Er fuhr nach seiner Rocktasche. Diese Bewegung löste meine Tatkraft aus. Mit einem Satz ver schwand ich in der Menge der Käufer. Dank Gott herrschte gerade jetzt ein reger Geschäftsverkehr! Laut brüllte es hinter mir her:„— hold Hirn—!! Rub ber, Mürberer—hold that fellow!" Leute starrten mir angstvoll ins Gesicht, wichen entsetzt vor mir zurück. Ein großer Mann trat entgegen. Ein kräftiger, verzweifelter Schlag, und er flog wie ein Spielball zur Seite. Bor mir rollte ein« laufend« Treppe. Mtt Sprüngen war ich droben im ersten Stocktverk. schneller Blick zurück nach unten— nur gaffende Menschen, aber kein Verfolger! Da sah ich die offene Tür eines List. Der Boy wollte gerade schließen. Ihm schien mein unge stümes Wesen gar nicht auszufallen.„Up!" sagte er und ließ mich noch ein. Atemlos knirschte ich sixth!"— sechstes Stockwerk! Noch eine Frau be fand sich in dem Aufzug. Ich zerplatzte fast vor Un geduld, als im dritten Stockwerk für einige Sekunden gehalten wurde Endlich waren wir oben lange- kommen!" „Thank Hou!" und ich war draußen. Rur wenig« Menschen waren hier, Verkäuferinnen, die mich auf merksam musterten. So gelassen wie möglich auf tretend, marschiert« ich an ihnyn vorbei. NotanS- gang! war der Gedanke, der meine Sinne jetzt herrschte. Da hinten— ein rotes Schild: ffijit! Unbekümmert riß ich die eiserne Tür auf. trat auf einen kleinen Balkon hinaus,«von dem schmaler Steg nach einem dicken Eisenturm führte. Eine enge Stahltür ließ sich hier öffnen,* und— ich rutschte aus eine Spiralrurschbahn, wie sie schöner auf keinem Jahrmarkt zu finden ist, in die Tiefe. Ich sah mich auf einem mit Kisten und Kasten überdeckten Hinterhof. Er war nach einer Seiten straße hin offen. Kein Mensch weit und breit— doch, dort kam oben ein Polizist hereingesprungen. Seite 8. Freitag, 14. Oktober 1932 Nr. 243. ZEIHIMO. —IHIII II» IIBIIIM| Protestkundgebungen von Gemeindevertretungen. In der Sitzung des Ortsrates Inner- Prag am 29. September 1932 brachte der Vertreter der Liga einen Entschließungsantrag vor, in welchem der Ortsrat Inner-Prag gegen die Germanisierung Prags, insbesondere von Prag VII., und»egen den Neu-- Hau der Deutschen Universität in Prag VII. Protest erheben soll. Bei der Abstimmung erhob der Ortsrat di« beantragte Entschließung zum Beschluß. Obwohl der Ortsrat Inner-Prag mit diesem Beschlüsse zweifellos seinen Wirkungskreis überschritten und eine politisch« Demonstration in Szene gesetzt hat, verlautet bisher nichts von einer behördlichen Sistierung des Beschlusses. Gerhart Hauptmann als Gast der Urania in Prag. Das offizielle Programm des Besuches von Gerhart Hauptmann in Prag lautet folgendermaßen: Montag, den 17. Oktober, halb 8 Uhr Gerhart Hauptmann-Feier anläßlich des 70. Geburtstages des Dichters(gemeinsam mit dem Theaters im Neuen deutschen Theater(allgemein zugänglich). Dienstag, den 18. Oktober, halb 12 Uhr Grund- steinlegung zum neuen Urania-Gebäude in der Kkemensgass« und abends 8 Uhr Festabend der Urania im Spiegelsaale des Deutschen Hauses. Bereinitzung der Tierfreund« in Prag. Vortragsabend 15. Oktober, 19 Uhr, Saal der Handelsund Gewerbekammer.— Air. Dr. Martin: Referat über den Aufsiger Musterschlachthos; Dog. Dr. Sigmund: Hygiene in Diensten des Tierschutzes"; Pkemyfl Pitter:„Das neu« Verhältnis zur Natur hnd der Schöpfung". Gäste herzlich willkommen. Geriditssaal Hölle auf Erden. Ei« Familienleben. . Prag, 18. September. In einem Dörfchen des Brdywaldes lebt der Landwirt Adolf F o 11 mit seiner Lebensgefährtin Anna Brot. Ferner gehören zu'der Häuslichkeit noch der 21jährige Sohn der beiden, Franz B r o 2, und der Bruder des Familienoberhauptes, Josef Fokt. Di« Nachbarn pflegen um die Wirtschaft des Fort«inen Bogen zu machen. Denn fast tagtäglich dringt wilder Lärm, Streit und Jammergeschrei aus dem verrufene» Gehöft. Dies« vier Menschen hassen einander aus tiefstem Herzen und besonders zwischen Adolf Fort und seinem unehelichen Sohn Franz Bro2 herrscht geradezu tödliche Feindschaft, di« beim geringsten Anlaß in gefährlichster Weise zum Ausbruch kommt. Auch auf seine Lebensgefährtin ist er übel zu sprechen. Obwohl er 68 Jahre alt ist, will er sich verheiraten und hofft auf eine„gute Partie". Nun ist ihm nicht nur die Person seiner Lebensgefährtin im Wege, sondern noch mehr ihre Eigentums« ns prüch« auf den Besitz. Denn als sie vor einigen zwanzig Jahren zusammenzogen, haben si« ihr Bargeld und ihren Besitz an Vieh zusammengetan und mit diesem gemeinsamen Gut gewirtschaftet Nun ist di« Lösung des Verhältnisses nicht so einfach, denn di« Frau und der ,^8 ank« rt"(anders nennt er seinen Sohn nie) bestehen unnachgiebig auf ihrem Teil, während Adolf Fort am liebsten nichts herausgeben möchte. Und w«he, wenn die Besitzbestie sich einmal solcher Gehirne bemächtigt! Zahllose scheußliche Szenen kamen bei der Heuti. gen Verhandlung zutage. Adolf Fort(vielmals vorbestraft und alS Gewalttäter bekannt) Hot Frau und Sohn unzähligem«! braun und blau geschlagen. Als der Junge dann groß und stark geworden war, ging das wicht mehr so einfach, denn nun schlug er zurück uiw verprügelte seinerseits den leib- lichen Dat«r. Dieser Pflegte sich nun, wenn er mit seinem Sohn anbind en wollte, mit seinem Bruder zu verbinde«. Beide zusammen fühlten sich stark genug, ihren Sohn bzw. Neffen zu verdreschen. Eines TageS aber erschienen beide Brüder auf der Gendarmerie und erstatteten blutig.und zerkratzt di« Anzeige wegen schwerer Körperverletzung. Ter„Bankert" habe sich auf sie gestürzt, seinen Baier gcohrfeigt und dann mit einer Mist- Ha r k e an der Hüfte und am Arm verletzt. Seinem Onkel hab« er dann blutige Kopfverletzungen zugefügt und hätte ihn vielleicht erschlagen, wenn dieser nicht mit einer Heugabel pariert härte. Franz BroL wurde angeklagt und heute von OGR. Nedvöd abgeurteilt. Das Beweisverfahren gestaltet« sich zu einer grotesken Szene. Es war unglaublich, was diese Leute, die erklärten, mit gu-tem Gewissen all« ihre Aussagen ,„a l 8 fromme Christen beeid«n zu können', vorbrachten. Di« Zeugen widersprachen sich in den w e s e n t l i ch st e n Dingen(trotz dringlichsten Mahnungen und Lrohungen mit der schweren Strafe der falschen Zeugenschaft) derart, daß man sofort sah, daß hi«r blindwütigster Haß zu Worte kam. Festzustehen scheint aber, daß der junge Mensch den Vater angegriffen Hal, als dieser die vom Felde heimkehrende Frau mir den Worten begrüßte:.„Alt« Hure, Sau und Hündin." Daß. die Brüder kein« Unschuldslämmer sind, ergibt di« Tatsache, daß dem Jungen mit der Heugabel des Onkels die Hand durchstochen wurde, Die Frau verdächtigte wieder die Brüder. sie hätten die Verletzungen gar nicht in diesem Streit davongetragen. Es handle sich ihnen nur darum, den Jungen ins Kriminal zu bringen. Einer überschrie den andern und nannte ihn einen Lügner.— Der Richter fällte«inen Freispruch, da ein objektiver Schuldbewois nicht vorliege und so l ch e Zeugen überhaupt nicht ernstlich für die Feststellung der Sachlage in Betracht kämen. Mit gehässigen Blicken auf«inander verließen all« vier den Sa'al, um in ihr gemeinsames„H e i m" zurückzukehren. rd. Zur Wirtschaft in der„Wirtschaft". Infolge eines Hörfehlers unseres Referenten bei Aufnahme der schnell geführten Debatte in der letzten Verhandlung ist ein Irrtum unterlaufen, den wir nachstehend richtigstellen: Auf Ansuchen des Klägers vom 24. Dezember 1928 erfolgte die Antwort vom 28. Dezember, die nicht(wie berichtet) von Dr. Bacher und Dr. Weil, sondern von Dr. Pohl als Prokurist der ,Liota" gefertigt war und mit den Worten begann:„Auf Grund Ihres Briefes an die Herausgeber(Herrn Dr. Bacher.und Dr. Weil)..." Kunst und Wissen Experimente mit dem„Zigeunerbarou", wie sie das Prager Deutsche Theater jetzt mit ungeeigneter Regie, unfertiger Dirigierkunst, mangelhafter Besetzung, Doppelbesetzung, Umbesetzung pflegt, müsien abgelehnt werden. Die zweite Reprise am Mittwoch ergab einen noch ungünstigeren Eindruck durch einen Barinkay(Herr Köth), besten darstellerische Bedeutungslosigkeit vom Miniaturformat seiner Stimm- mittel noch unterboten wird, und durch die als ungerechtfertigt erwiesene Umbesetzung des Zsupan, für den Herr Hey weder Gesangskunst noch Humor mitbringt. Sollte aber jener Barinkay stellenweise nicht einmal selber sich gehört haben, so ist daran Herr K o m l o s schuld, der an einer weitverbreiteten und schweren, zum Glück heilbaren Kapellmeisterkrankheit zu leiden scheint; wir wollen ihm das Geheimnis anvertrauen, daß die musikalische Entscheidung oben, auf der Bühn e, erfolgt; wenn er nun schon Stimmchen statt Stimmen zu dirigiere» hat, dann ist dynamische Zurückhaltung Primitivste Pflicht. Das einzig restlos Erfreuliche an diesem „Zigeunerbaron" sind die stimmschönen und klangstarken D h ö r e. Alles andere ist unzulänglich und langweilig oder stilwidrig. I. g. Theater-Planwirtschaft. Zwischen den städtischen^ Bühnen Leipzig, Braunschweig, M.a g d« bürg, und Halle Wurde.«ine Arbeitsgemeinschaft vereinbart. D.i« Bühnen beabsichtigen, aus ökonomischen Gründen Grsamtinfzenierungen, Einzelschauspieler und Dekorationen in weit größerem Maße als bisher untereinander auszutauschen. Polnische Schauspieler gründen ein Theater. Mitte Oktober wird in Warschau das größte polnische Theater eröffnet werden, das den Namen ü n st l e r t h e a t e r" führen wird. Das Theater weift 1700 Plätze auf. Es wurde von der Gesellschaft polnischer Schauspieler gegründet,' dir das Theater auch künstlerisch und wirtschaftlich leiten wird. Der Gerhart-Hauptmann-Festabend. In Anwesenheit des Dichters findet am Montag, den 17. Oktober im Neuen Deutschen Theater«ine von der Urania.gemeinsam mit dem Deutschen Theater veranstaltete Feier statt. Der Abend wird durch das Meistersingervorspiel eingeleitet, ausgeführt vom Orchester des Deutschen Theaters unter Leitung von Georg Szell. Daran schließen'sich Begrüßungsreden. Es folgt dann die Ansprache Gerhart Hauptmanns. Nach einer F e st r«d e von Univ.-Prof. Dr. Herbert C y f a r z gelaugt als Abschluß der Feier der dritte Akt der„Meistersinger'(Festwiese) zur Aufführung. Dienstag:„Die Walküre(A 1). Besetzung: Sieglipde— Helm, Brünhilde— Merker, Sigmund — Fischer, Wotan— Prohaska, Hunding— Andersen, Fricka— Kindermann. Wochenspielplan des Nene» Deutschen Theaters. Freitag, 7.30 Uhr: Zweites Gastspiel iWaj Pallenbergs.— Samstag, 7.30 Uhr:„S am- !son und Dalila'(A 2).— Sonntag, 11 Uhr: Kammermusik; 2.30 Uhr: Arbeitervorstel- lung:„Medea"; 7.30 Uhr:„Rigoletto" (D 1).- Wochenspielplan der Kleine« Bühn«. Heute Freitag, 8 Uhr abends: Dreimal Offenbach Kulturverbandsfreundel.— Samstag, 8 Uhr: „Kalkutta, 4. Mai".— Sonntag. 3 Ubr: „2. Stock, Tür 19'(zu volkstüml. Preisen, 6 bis 18 K); 8 Uhr:„Coeur-Bube". Aus der Partei Für die gegenwärtige Politik der Partei! Die Bczirkskonferenz der Deutschen sozialdemokratischen Arbeiterpartei, die am Sonntag, den 9. Oktober in Eger tagte,, nahm nach einery Referate des Genoffen Taub einstimmig folgende Entschließung an: Die heut« tagende Bezirkskonferenz spricht dem Parteivorstande— insbesondere dem Genoffen Dr. Czech— für die aufopferungsvolle Arbeit im Jnterefle der Arbeiterschaft das Vertrauen aus. Di« Konferenz gibt der Erwartung Ausdruck, daß die Partei auch weiterhin unter Einsetzung der größten Kraftanstrengungen und unter Ausnützung aller sozialistischer Kampf- mcthodrn für di« Interessen der Arbeiterschaft eintritt. In der engsten Zusammenarbeit mit den tschechischen Sozialdemokraten, den natürlichen Bundesgenoffeu der deutschen Sozialdemokratie in der Tschechoslowakischen Republik, ist auch weiterhin jeder Anschlag der politischen Gegner aus die Grundrechte der Arbeiterklaffe abzuwehren und der Boden vorzubereiten, von dem aus der Kamps um die Errmgung des Sozialismus geführt werden kann. Die Konferenz spricht auch aus, daß sie die Bestrebungen des Parteivorstandes und des Ab- geordnetentlubs unserer Partei mit der ganzen Leidenschaft als Sozialisten vertritt und unter Einsatz der ganzen Kraft den Kampf gegen die geschloffene Phalanx des Bürgertums aller Rationen führt. Bezirksorganisatiön Prag. Mittwoch, den 19. Oktober, um 8 Uhr abends im Odborovy dum, Studentenzimmer, Sitzung der Bezirksvertre- tung. Der Fitm Aktualitäten, Reportagen und Grotesken. Das lausende Programm des Buriantheaters bringt di« erst« Prager tönende Wochenschau: den 70. Geburtstag des Abts Z a v o r a l im Strahover Kloster, ein Defilhe der Prager Garnison vor dem amerikanischen Armeeoberkommandanten und di« blühende Victoria Regia; man könnt« mit einiger Phantasie Interessanteres zeigen, aber Wochenschauen dürfen bekanntlich niemals die Welt der Oberen Zehntausend überschreiten. Im Foxjournal spricht Mt- nister Benes über di« Aufgaben, Ziel« und guten Absichten des Völkerbundes; wir wollen hoffen, daß sei» hier problematischer Optimismus bald gerechtfertigt sein wird. Eine Walfischjagd zeigt wieder einmal die Roheit menschlicher Kultur- träger iw hohen Norden/ Der beste Teil ist eine tönende Groteske:„Flip im G«spenster- h a u s",.' in der der Zeichner I Werks wirklich einzigartige Lacherfolge erzielt. Sehr interessant ist auch ein rustischer Experinrentalfilm„H o p a k",• wo der Versuch gemacht wird, photographisch den! Rhythmus der Tanzbewegung und ihrer Musik zu analysieren. Allerdings ist der Film wohl nur für Fachleute interessant. W. Lg. AIN' Spiel- Körperpneqe zwischen Dem 2. nn« 3. Arbeitcrolymvia Unter dem Eindruck des glanzvollen 2. Arbelter- älympiaß in Wien stehend, war es den Delegierten des 6. Kongrestes der Sozialistischen Arbeiter-Sport- JnDrnationale in Lüttich schwer, zu entscheiden, w o 1937 das 3. Olympia stattfinden soll. Beworben hatten sich Helsingfors und Antw er- p c it. Vom sportlichen Gesichtspunkt gewertet spricht viel für Helsingfors, doch spielt die Entfernung«ine große Rolle. Es wird schwer sein für die Verbände der International«, nach Helsingfors die Masten ihrer Mitglieder aufzubringen, di« einen Vergleich mit dem Olympia in Frankfurt a. M. und Wien zulasten. Es ist pvar der sehnliche Wunsch vieler taufend Arbeitersportler, einmal das Land der tausend Seen, die Heimat der prächtigen finnischen Arbeitersportler aufzusuchen, aber die Krisenzeit läßt gegenwärtig wenig Hoffnungen auf Erfüllung dieses Wunsches aufkommen. Antwerpen liegt zwar zentraler, aber ob di« zur Durchführung einer Rie- senperaNstaltung, wie es ein Arbeiterolympia ist, notwendigen organisatorischen Voraussetzungen durch die örtliche Arbeitersportbewegung vorhanden siird, das muß erst sehr eingehend geprüft werden. Der Kongreß hat deshalb von der Festlegung des nächsten Olympiaortes abgesehen und ein« Kommission bestellt, die die Voraussetzungen für die Durchführung des 3. Olympias in Helsingfors und Antwerpen zu prüfen hat und dem Kongreß 1934 in Kopenhagen in einer Vorlage«inen Vorschlag für Helsingfors, Antwerpen oder eine andere Stadt unterbreiten wird. Di« Kommission setzt sich zusammen aus einem der Präsidenten der Internationale, auL dem internattonalen Sekretär und dem Vertreter »er technischen SASJ.-Leitung. Ein russischer Sportorden. Sowjetrußland ahmt jetzt die Methoden des Deutschen Reichsausschusses für Leibesübungen nach, indem es ein allgemeines Sportabzeichen einführt. Bekanntlich gibt der Reichsausschuß für Leibesübungen seit Jahren in Deutschland ein Sportabzeichen heraus, das alle di« bekommen, die gewiss« Uebungen in den verschiedensten Sportarten beherrschen. Der Eitelkeit junger Leut« wird damit Rechnung getragen, indem man ihnen gestattet, das Sportabzeichen auf der Kleidung zu tragen. Die Arbeitersportler haben solchen Firlefanz bisher mit Recht abgelehnt. Jetzt kommt Sowjetrußland und fein«„Rote Sportinternationale" mit derselben Sache heraus. Es versteht sich dabei von selbst, daß die Leibesübungen dem bolschewistischen Staatsgedanken dienstbar gemacht werden. Aufs engste verbunden mit den sportlichen Hebungen ist aber auch der m i l i t ä r i s ch e D r i l l. So werden nicht nur Schwimmen und Rudern, Laufen, Springen und Radfahren verlangt, sondern ' auch ein Marsch über einen Kilometer unter der Gasmaske, ferner für Männer und Frauen vel Handgranatenweilwurf. Di« Männcr müssen weiter einen 32 Kilo schweren Pattonen- kasten auf die Schulter setzen und 50 Meter weit '.ragen können. Wer das richtig kann, erhält dl: Medaille! Bürgerlicher Sport. Neuer Wettbewerber im bürgerliche» Spo'-t- lager. Di« jüdische Sportinternational«(Makkabia) feiert einen großen Erfolg. Ihr palästinischer Organisationsteil hat aus der letzten Sitzung der internationalen Athlerjk- föderation erreicht, als Landesverband anerkannt und in die internationale Föderation ausgenommen zu werden. In einem großanlegten Artikel in der Leipziger jüdischen„Wochenschau", anläßlich der jüdischen Makkabiameffterschasten am 11. September ip Leipzig, heißt es dazu:„Die nächste Etappe ter jüdisch-nationalen Sport- und Turnerschaft wird das Hiffen der blauweitzen jüdischen Fahne am Mast der Wrltolympiade sein. Die nächste Olympiade w-H, mit jüdischen Kämpfern zu rechnen haben." Tie nächste Olympiade findet 1936 in Berlin, statt und wird vüm Deutschen Reichsausschuß, für Lcibcs- übungen organisiert. Vereinsnadiriditen Arbciter-Tnrn- und Sportverein Lr'q. Voranzeige. Wir machen unsere Mitglieder sowie die Parteigenossinnen und-Genosten auf di« im Rahmendes Parteitages am Sä m S- t a g, den 2 9. Oktober, im Radio-Saale, Fochova ik., stwttfindende Turner-Akademie freundlichst aufmerksam und ersuchen, diesen Tag freizuhalten.’... Leichtathletik-Sparte. Sonntag, den 16s d., nehmen wir an den Mannschaftskämpfen der TTJ. um den„Feldek-Pokal' teil. Folgende Genossen haben bestimmt um halb 9 Uhr am Stadion, Aetna, in Dreß gestellt zu sein: Hoffmann, Schuster, Swoboda,. Halbich, Nossek, Mally, Möbius,. Pilz. Weiß, Wollenheit, Mader, Walenta. Das Kinderturnen hat begönne» und findet an icdem Samstag von 3 bis 5 Uhr in der Turnhalle. Stspanska, statt. An die Eltern ergeht di« ernste Mahnung, es als ihre Pflicht zu betrachten daß ihre Kinder nur bei uns turnen! Ortsgruppe Prag. 16. Oktober: Zu- sammentreffcn halb 8. Uhr Endstation der Einser-Elektrischen beim Stern, VaSHglK» Rührei Schaffer. 23. Oktobep: Zu- sammentreffen 8 Uhr Endstation der Siebener-Elektrffchen in Podbaba, Führer Plotz. Literatur „Der Gefürchtete." Roman von Irmgard Spangen berg Verlag Union Deutsche Verlagsgesellschaft in Stuttgart. Preis geb. 3.75 Mk. Di« Geschichte eines Landjunkers im Norden Deutschlands, eines, der zu befehlen, gewohnt fft und der tyrannisch über den Hof und die Seinen herrscht, und dabei doch Züge von echter Menschlichkeit und Gerechtigkeitsgefühl nicht vermissen läßt. Ein« Gestalt wi« aus härtestem Holze geschnitzt, unbeugsam, lebt dieser von allen grenzenlos Gefürchtete allein nach seinen Gesetzen und behält bis zum Tode sein Schicksal in der Hand, in den er g«ht, als Alter, Krankheit, Schwäche ihn Heimsuchen, als Unglück an seinen Kindern seinen Lebensmut zermürben und ihm di« liebesleere Einsamkeit, die ihn umgibt, zum Bewußtsein kommt. Hart, kraftvoll, von wildem Stolz und Trotz erfüllt, eine Persönlichkeit aus Erz, so hat die Dichterin den Helden des Rontäns gestaltet und in Gegensatz zu ihm seine still duDende Frau, deren Leben, wie sie in ihr Tagebuch schreibt,„ein langer, endlos langer, grader Weg durch ein« Schneeöde ist.. nur Eimämkeit und starre Kält« und Schnee". Irmgard Spangenberg, fief im Boden ihrer mecklenburgischen Heimat wurzelnd, hat sich in diesem Roma» als hochwertig« Dichterin bewährt. Ihre reif« Kunst-es Erzählens, der Menschengestaltung und der wunderbarsten Naturschilderung läßt das Buch aus der Flur der Literatur unserer Tage weit hervorragen. r. I KINO-PROGRAMM| vom 14. Oktober bla 20. Oktober 1922. J Wran-Urania-Kino WMM«’n 1»'n 1' i-• Liebe mit Bewährungsfrist Das lustigste Kleeblatt des Films:. Dolly Haas, Heinz Rühmann Fritz Grünbaum. W verkehren wir? | Cale„ContlnenlaT, Prag, firahen| Oaatwlri. diall UDOVt Düra (Gen. WlJhelm^pairnW 1* B Konzert. PRAG H., k V e t a m 4 g e b e r. Siegfried Taub— EhefredokteN?. Wilhelm Nießner.— Verantwortlicher Redakteur: Dr. Emil Strauß, Pro-,— Druck:„Rota* U.-G. für Zeitung» und Buchdruck, Prag.— Für den Druck verantwortlich: Otto Soll?, Prag.-• Zettringomar^nfrankatur wurde von der Poft- n, Telegraphendirektion mit Erlaß Nr 13JBÖ0/VIJ/198O bewilligt- Vejügdbedlnaungen. Lei Zustellung ind HauL oder dn Bezug durch die Post monatlich Kfc 16.—, vierteljährlich Kd tzaU-zahllg£6 üu—, guujiahrig Lc Ute,—* tzujerarr werden lam Larij billr-st berechnet. Bei älteren EinjchaUnngen Preisnachlaß,•* Rückstellung von Manuskripten erfolgt nur bei Eicheuduug der Siedouruutrkeu.