Mrizeltzreis 70 Heller. (Einschließlich 5 Heller Porto' 12 Jahrgang. Dienstag. iS. Oktober 1932 Nr 246. Wiener Hakenkreuzler provozieren Blutvergießen. Angriff auf das Arbeiterheim in Simmering. Drei Tote, darunter ein sozialdemokratischer Polizist. Genosse Dr. Czech heute in Lana. Prag, 17. Dttober. Der Präsident der Republik hat heute in Fortsetzung der seit Tagen geführten politischen Konferenzen am Vormittag die Vorsitzenden der beiden Kammern Maly- petr und Dr. SoukmP, am Nachmittag Ölnächst den Abgeordneten I e L e k als Vertreter der Nationaldemokraten und dann für die tschechischen.Agrarier Stanök und Beran «npfongen. Für morgen ist als Vertreter der deutschen Sozialdemokratie Genoss« Dr. Creck nach Lana geladen worden. Auch Minister Dr, Spina soll morgen als Vertreter der Land» bündler empfangen werden. Mit der Demission UdrLals wird in der Presse bereits ziemlich sicher gerechnet. Ueber die samstägige Unterredung der Minister B e- ch y n e und B r a d a ö mit dem kranken Premier in Karlsbad schreibt das„Prävo Lidu", daß die einstündige, freundschaftliche Unterredung «ine Klär« ng der Lage ermöglichte und die Lösung der schwierigen Problem« in der Innenpolitik^ ungewöhnlich erleichtert«. Die folgende Unterredung der, beiden Minister mit dem Präsidenten in Lana über die weitere Regelung der öffentlichen Angelegenheiten habe einen e r f o lg reich« n Verlaus genommen. ' Die Rekonstruktion deS Kabinetts wird kaum vor Freitag erfolgen; für diesen Tgg ist ein Ministerrat einbcrufen. Die Parlamentseröffnung am Donnerstag wird jedenfalls noch unter dem Vorsitz Maly petrs erfolgen. »le komninnlstlsdie Opposition kehrt zur Sozialdemokratie zurüffi. Etnigungskonlcrcnz in PraH. Am Sonntag fand im Prager Gewerkschaftshaus eine gemeinsame Konserenz der kommunistischen Opposition und der tschechischen sozialdemokratischen Partei statt, in welcher der von den einzelne« Organisationen der kommunistischen Opposition bereits vorher genehmigte Eintritt in di« sozialdemokratische Partei nunmehr auch formal vollzogen wurde. Tie Tagung wurde mit einleitenden Worten des Genossen A. M u n a eröffnet, woraus der gewählt« Vorsitzende Genoss« Hais di« Tagung mit einer Ansprache einkcitct« Und die Grüß« des alten Vorkämpfers der Arbeiterschaft Wenzel 8 t u r c überbrachte. Nach chm sprach für vi« tschechische sozialdemokratische Partei Genosse Dmrdr, worauf das Hguptreferqt von Gen. O. B e r g e r'erstattet wurde. Ein-, wütig wurde davon Abstand genommen eine Debatte abzuführen, da di« Beschlüsse der Tagung infolge der vorherigen Annahni« durch die Parteiorganisation bereits festaelegt und ein« Aussprache daher nicht notwendig war. Der Vorsitzende der tschechischen sozialdemokratischen Partei Genosse A. H a m p l erklärt«, qx sehr am liebsten auch die Einigung der beiden großen sozialistischen Parteien bereits vollzogen, ohne, Rücksicht daraus, daß die kommunistischs Presse ihre Angriffe jetzr noch steigere. Die Spzialdemo- krati« ist zur Sowjetunion positiv eingestellt»tnd wirft der kommunistischen Internatipnal« nur vor, daß sie besser täte, einen Weg zux Verständigung mit der internationalen Sozialdemokratie zu suchen. ■ In der Resolution, welche einstimmig angenommen wurde, heißt es u. a.: „Heut«, wo die schädliche Politik der KPH. und der KN. die kommunistische Bewegung politisch machtlos Und zu einem n e g ä t i v e n Fak, tor im'Klasfenkampfe macht, wo di« Hoff- «nagen auf Acnderung der offiziellen Polittr der KP6 schkiterten, wäre die. Aufrechterhaltuiig einer selbständigen oppositionellen Richtung unbegründet. Außergewöhnliche Verhältnisse verlangen außergewöhnliche Borkehrungen,.tyt ReichSkonfärestj der kvunnuirrstischen Opposition nimmt daher inst Be- friÄ>rgung das postttvc Ergebnis der Diskussionen in den Organisationen über die einzig möglich« Lösung unseres weiteren Borgehens zur Kenntnis, d. h,, die. organisatorische Verschmelzung urst der sözialdemokratilchen- Arbeiterpartei, als der.sglts allen historisch und ihrem.Programm nqch nächsten großen Massenpartei' der Arbeiter,,welche jy.her hcurigcu Zitnarion.das einzige und v e r» Iäßl ich st,e W erkze ug des- o rg g nisj e<- ten Abw ehtkam pfer der Arbeite.» ge g e n"d«'n Kä p i t ä l i sM u S, F a s ejSy, Us und die Real t i o n i Jt* Wien, 17. Oktober. Gestern vormittags veranstatteten di« Nattoualsozialisten im elfte« Wiener Bezirk(Simmering)«inen sogenannte« Kreistag, der mit einem schweren Blutvergießen endete. Eine bewaffnet« nationalsozialistische Kolonne überfiel das sozialdemokratis sch« Arbeiterhaus in der Drischützgass«, bombardierte es mit Steinen und gab gegen dessen Fenster Schüsse ab. Der Polizist T las sek, der vor dem Arbeiterhause Dienst versah und sich de» Nationalsozialisten entgegenstellte, wurde von einer Kugel in den Kopf getroffen und sank t o t zu Bode«. Hieraus versuchten die Nationalsozialisten in das Haus einzudringen. Arbeiter und Mitglieder des republikanische« Schutzbundes leisteten ihnen Widerstand nnd es kam zu einer heftigen Schießerei. Der NationalsozialistI. Stalker und ei« Unbeteiligter wurden getötet. 23 Personen wurden verletzt, darunter acht schwer. Eine starke Polizeiabteilung, die erst nach dem Blutvergießen««traf, schlug das Tor des Ar- beiterhauseS ein, in dem st« dann eine strenge Durchsuchung nach Waffen vornahm. Hsschei wurde der 60jährige sozialdemokratisch« BezirkSrat M« d v 8 d durch den Säbelhieb eine- Polizisten schwer am Kopfe schwer sowie einig« Mitglieder des republikanische« Schutzbundes beicht verletzt:' Di« Polizei bschlagnahmte im ArbeiterhauS einige Revolver und zwei oder drei Gewehre, verhaftet wurde« 45 republikanisch« Schutzbündler und 55 andere Personen. In dett Rachmittagsstunden herrschte im Bezirke wieder Ruhe. Dir Polizeidirektion gab später«inen Bericht aus, der di« ganze Schuld auf die Schutzbündler schiebt, die das Arbeiterheim verteidigten. Demnach seien die ersten Schüsse aus dem Parterre und den Kellersenstörn des Parteihchrses aö- gegeben und durch sie ein Wachmann üstd zwei Nationalsozialisten gelötet worden. Erst danü habe die Sicherheitswache auf die Fenster dos Arbeiterheimes geschlossen. Ganz zuletzt wird erst angeführt, daß ,/ruch einige Nationalsozialisten, die hinter einer Gartenmauer Deckung gesucht hatten, einige Schüsse gegen das Parteiheini abgegeben Haden sollen." Planmäßig vorbereitet. In Wirklichkeit war der Ueberfall aus das Arbeiterheim von den Nazis planmäßig Vorbereitet. Schon SamStag hatte der sozialdemokratisch« Bezirksvorsteher di« Polizei verständigt, daß di« Nazis«inen Ueberfall auf das Arbeiterheim planen. Trotzdem hat die Polizei Am Nachmittag hat der Bundeskanzler eine Abordnung der Nationalsozialisten empfange», die von ihm die Auflösung des Republikanischen Schutzbundes, strenge Was- sensuchc in allen sozialdemokratischen Arbeiter- -Heimen und Aufhebung des-Aufmarschverbotes forderten. Der Bundeskanzler soll ihnen versprochen haben, rascheste Maßnahmen zur Sicherung der Ordnung zu ergreifen. Inzwischen hat di« Regierung die bereits am Samstag angekündigte Ernennung des Heimwehrführers Major i. R. Fey zum Staats-, sekrrtär für das Sicherheitswesen vollzogen. Fey ist i« dieser Eigenschaft dem Bundeskanzler zur Unterstützung in allen Fragen des Sicherheitswesens und der parlamentarischen Vertretung dieser Angelegenheit beigegeben und dem Bundeskanzler unterstellt. Dadurch will sich die Regierung offenbar bei d«n kommenden parlamentarischen' Abstimmungen di« Stimmen der Heimwehrabgeordyeten sichern. Fey hat aber nicht einmal bei de« Heim-, wehren irgendeinen größeren Einfluß, da er der niederösterreichischen Grupp, angehört, die die Bildung der selbständigen.Heimwrhrpartei nicht mitgemacht hat, sondern bei den Christlichsozialen geblieben ist. Fey selbst ist«in schwärzgel- ber Monarchist. nichts unternommen, nicht einmal die schmale Gasse, die zu dem abseits gelegenen Arbeiterheim führt, abgefperrt, so daß die Nazis ungehindert hinziehen konnten. Sie waren es, die erst eine» Steinhagel gegen das Heim eröffneten und schließlich auch Schüsse abgäben. Die Einschußöffnungen sind «och deutlich zu sehen. Als sie in das Hans ein- zudringen versuchte«, setzte« sich die dort postierten Schutzbündler zur Wehr und eS kam schließlich zu der Schießerei. Durch Zeugen ist erwiese«, daß der erschossen« Polizist sich den Nazis«ntgegengestellt hat und daß er durch Schüsse, die von den Nazis abgegeben wurden, de« Tod sand. Der Erschossene war überdies ebenso wie feine ganze Familie sozialdemokratisch organisiert. Polizei wütet Heuen Schutzbündler. Di« Polizei drang dann gewaltsam in das Arbeiterheim ein und schlng mit Gumnziknütteln und Säbeln drei«. Dabei wurden mehrere Per- sonen verwundet, darunter der Sekretär des ! Heimes, der eine schwer« Kopfwunde erhielt. Mz Einrichtung des Heimes wurde von den Polizisten in'geradezu vandakischer Weise zerstört. Bei der Durchsuchung fand man lediglich einige Waffen^ die zur.. Abwehr von Ueber- sällen dort, eingelagert waren. Di« Hauptschuld an den Vorfällen trifft ganz unstreitig die P o l i z e i, di« gar nichts vorgekehrt hat— obwohl fie gewarnt war— nm di« Nazis von dem Heim sernzuhalten. und die sich ganz offen auf die Seite der Nazis gestellt hat. Die „Arbeiter-Zeitung" hat noch Sonntag abends eine Extraausgabe veranstaltet, die aber wegen der Bemerkungen über das Verhalten der Polizei beschlagnahmt wurde. Auch an der Un i v e r s i t ä t haben heute die Hakenkreuzler krawallisiert und die Rektoren haben dann einen gemeinsamen Beschluß gefaßt, daß all«. Hochschulen für drei Tage gesperrt bleibeir. Die Rektoren stellen sich allerdings ganz auf die Seite der randalierenden.Hakenkreuzler: Die Schließung erfolgte nicht wegen der Studen- teNexzesse, sonder» zum Zeichen des Pro- tesstes gegen die Ereignisse in Simmering. Die Studenten seien durch die Ereignisse„m i t Recht" aufgebracht. Di« Rektoren seien willens, die Schließung erst dann zu widerrufen, wenn di« Regierung genügend Garantien gebe, daß sich 'olche Ereignisse, wie sic sich in Simmering abspielten, nicht wiederholen werden. Der neue Staatssekretär hat für Wien ein Verbot für Kundgebungen, Aufmärsche und Ver- sammlungelb unter freiem Himmel erlassen, das aber nur für die an den Ereignissen von Simmering beteiligten Parteien(Sozialdemokraten, Kommunisten und Nationalsozialisten) und die ihnen angeschlossenen Organisationen, also nicht für die Herrschaften von der Heimwehr gelten soll. q- . Heute nachmittags ist im Simmeringer Arbeiterheim neuerdings eine polizeiliche Kam. Mission erschienen, die das Arbeiterheim absperrtr und nicht einmal den Rechtsanwalt der verhafteten und verwundeten Schutzbündler zuließ. Es ! heißt, daß die Absperrung länger« Zeit dauern soll. * Sonntag vormittags fand auf dem Heldenplatz in Wien ein Aufmarsch des Starhcmberg- schen Hcinratschutzes statt, bei der. Major Fey und Starhembcrg Ansprachen hielten. Kur; nach der Rede Starhembergs sanden sich der Bundeskanzler Dr. Dollfuß und der Landeshauptmann Dr. Bure s ch ein und ließen sich von j Starhembcrg offiziell begrüßen. Am Schluß nahmen dann Dollfuß und Buresch mit Star- shcmberg und Fey sogar die Parade ab. Nationalismus und Jugend „Wanderer ins Nichts“ — so hat Karl Radek in einer vielbespro chenen Rede vor rund neun Jahren den völkischen Rebellen Schlageter genannt, der vost einem französischen Standgericht füsiliert wurde.„Wanderer ins Nichts"— dieses Wort wäre auch die beste Charakterisierung der mehr als 200 jungen Menschen, die nun im Gefolge des ersten großen Volkssportprozesses der Reihe nach vor die Richtersenate gestellt werden. Gestern hat wieder solch ein Prozeß begonnen.'Die Angeklagten, Mitglieder der Organisation„I u n g st u rm", sind durchwegs jünger als die Angeklagten des Volks- sportprozesses, es wird umso leichter sein, aus ihren romantischen Plänen herauszulesen, daß sie staatsgefährliche Umtriebe begangen hätten. Alle diese jungen Menschen sind, von einer durchaus begreiflichen, aus den Verhältnissen dieses Landes, aus der dauernden Benachteiligung der nationalen Minderheiten wie aus der Nadelsttchpolitik des tschechischen Nationalismus erklärlichen Verbitterung in das ! Lager des Nationalismus und der'abenteuerlichen Romanttk getrieben worden. Aber fie : alle sind ihren Weg ohne Besinnung, ohne ein Mreß Programm gegängen. Ehe sie Zeit hättest,sich zu besinnen, führt« ihr Weg'sie in die Gefängnisse und vor die Sch raufest des Gerichts. j j 85J. r.'j Soll eine g anze Deneratiou des sudetendeutschen Volkes auf. solche Art dem wirtschaftlichen, politischen und kulturellen Daseinskampf der Nation verlorengehen? Der .größte Teil der jungen Menschen, die sich in iso lächerlichen Vorstellungen ergangen haben wie dem Traum von Barrikadenkämpfen in Prag, Hissen der Hakenkreuzfahne auf dem Hradschin und ähnlichen Phantastereien, tvird seelisch gebrochen aus den Gefängnissen zu- rückkehven und. sich zeitlebens von politischer Betätigung fernhalten. Oder aber die Rebellen von gestern, werden die rückgrottosen Patrioten von morgen werden, ein Exempcl, das man an vielen Httnderten von alten Achtundvierzigern erlebt hat, die nachntals die Offiziösen des Bismarckschen Regimes und die Führer der Nationallibevalen Partei, würden. Freilich, ein Teil der Burschen, die man heute einspcrrt, wird später der Wortführer des Nationalismus sein, geschmückt mit der Märtyvergloriole des nattonalen Heroen, aber gerade dadurch wahrscheinlich zu dauernd un- fruchtbarer nationalistischer Politik verdammt. Während die sudetendeutsche Jugend der kleinbürgerlichen und halbproletarischen Schichten ihre besten Jahre einem nebelhaften Ideal wie dem Dritten Reich opfert, das von den Führern selbst nicht ernst genommen und höchstens als Agitanonsschlager benützt wird, verliert das sudetendeutsche Volk nicht zuletzt wegen dieser Haltung der Jugend an Einfluß, Kraft und Bedeutung. Jeder Wahlsieg der Hakenkreuzler mindert die Aussichten der sudetendeutschen Parteien, auf wirtschaftsöder kulturpolitischem Gebiet etwas zu errei chen, denn er stärkt die nationalistischen tsckw- chischen Parteien, er stärkt die halbfascistischc Bürokratie, er fördert die Entwicklung zu einem nationaltschechischen Regime, das die Klasseninteressen der Hochfinanz und de» Großgrundbesitzes mit denselben nationalen Phrasen rechtfertigest wird, wie es die Junker heute in Deutschland tun. Es ist die T r a g i k d e r I u g e n d v o'. 1932, daß sie ihre Weltanschauung in de gleichen Ideologien verankern will, tn denet. der deutscl)« Nationalismus dor Vorkrieaszei•, wurzelte. Diese Jugend meint weiß Gott»nr radikal und modern zu sein, n>enn sic die u r schlissenen Fahnen der deutschnationalen Bc wegung der Neuttzigerjahre unentwegt boch- hält, sie merkt nicht wie reaktionär sie dabei Ein sthwarzgelber Monardiist nm des Sidterheilsvesens. Seite L Dienstag, 18. Oktober 1932. -de. 246. Wirkt, wie sie ihre geschichtliche Mission, Neues zu schaffen, unr ein paar faule Phrasen und ererbte Kostüme verkauft. Es ist jamnrer- schade um die politischen Energien, die um nichts und wieder nichts vergeudet werden, jammerschade um ein junges Geschlecht, das sich von einem zum Tischgenossen der Kirdorfs und Thyssen arrivierten Anstreicher lackieren läßt. In anderer Stoßrichtung angesetzt, unter Ueberwindung der nationalistischen Ideologie für die sozialen und kulturellen Existenzfragen des Volkes— des arbeitenden Volkes, das allein Anspruch darauf hat, sich als Nation zu fühlen— in die Wagschale geworfen, müßte das Gewicht dieser Jugend den Äeg der-reuen Ideen entscheiden, uns auch hierzulande unüberwindlich machen. Von der tschechischen Jugend gilt allerdings auf weiter Strecke das gleiche. Auch sie läuft in-Hellen Scharen den fascistischen Rattenfängern zu, blind für die Schmutzflek- ken der Korruption, die das fascistische Banner bedecken, taub für das mißtönende Phrasengekrächze, das aus der fascistischen Boule- varÄpresie tönt? Auch die tschechische Jugend hätte eine historische Aufgabe zu erfüllen gehabt: den Staat, den ihre Väter geschaffen haben, auf die wirklich dauernde, feste Grundlage der nationalen Verständigung zu stellen. Statt dessen läßt sie sich von den nationalistischen Dorbetern, die tagtäglich die Prager Zeitungen vom„Benkov" bis zur„Politika" und von den„Närodni Lisch" bis zum Blatt 5r» Europäers BeneS mit den Totfchlagworten Die landbündlerifche Presse hat zu den Ereignissen in Deutschland Stellung genommen. In einem Leitartikel„Deutschlands Erneuerungswillen" würdigt der„D e u t s ch e Lande u f", daS Organ der Landbündler für Mähren-Schlesien und die Slowakei daS„eiserne Pflichtbewußtsein, den unermüdlichen Arbeitseifer und die Willensstärke" der verantwortlichen Männer recht eingehend. Wir haben in unserem Blatte wiederholt auf die fascistischen und monarchistischen Spielereien, die vor allem von den ,?Landständischen Jungmannschaften" getrieben werden, verwiesen. Wohl haben die Herrschaften versucht, die ganz eindeutige Tendenz der handständischen Jungmannschaften", die durch die Reden der. verschiedenen Landes- und anderer „Führer" gerade in den letzten Monaten immer wieder erkenntlich wurde, zu bestreiten. Nun hat der„Landrus" das neuerdings bestätigt, was wir von den Landbündlern immer wieder behauptet haben: daß sie gegen die Demokratie und gegen den Parlamentarismus sind und nichts sehnlicher wünschen, als die Vorberrschaft einiger weniger „Auserwählter" über das ganze Volk. In dem Leitartikel heißt es: „Deshalb ist eS auch die Hauptaufgabe der Negierung Papen-Schleicher, dem Deutschen Reiche eine neue Verfassung zu geben, eine Verfassung, die wieder Autorität schafft und sich durchsetzt, eine Verfassung, auf Grund welcher wohl daS Volk mitspricht, jedoch dem Führer gehorcht und nicht so wie jetzt, wo die Masse dem Führer seinen Weg v o r s ch r e i b t." Die Landbündler haben die Absichten der Papen-Schleicher sehr treffend wieoergegeben. Weg mit der demokratischen Verfassung, weg mit den Teilen der Verfassung, die die Grundlage der Republik bilden! DaS ist daS Ziel der Junker und Barone. Die Proleten, die sollen wieder kuschen, wenn der Herr Graf oder der jetzt noch im Hintergründe stehende Prinz sein Maul Hat Patten einen Mag van Hindenburg? Olfener Briet Löhes an den Reichspräsidenten. Der vorwärts" veröffentlicht einen offenen Bries des Genossen Lobe an den Reichspräsidenten, in welchem Hindenburg daran erinnert wird, daß er den E i d auf die Verfassung abgelegt hat und gefragt wird, ob P a p e n von ihm einen Auftrag zu den vor den bayrischen Industriellen angcründigten Verfassungsänderungen erhalten habe. In dem Schreiben heißt es u. a.: Reichskanzler von Papen verkündet jetzt die Einsetzung einer Ersten Kammer. Erste Kammern in Deutschland waren bisher Herrenhäuser, die die Richtung der Volksvertretung durchkreuzten und aufhoben. Wenn ein Exponent des Herrenklubs die Einsetzung einer Ersten Kammer betreibt, so liegt darin eine Pedrohung des Selbstbestimmungsrechtcs der überwiegenden Mehrheit des deutschen Volkes. Ist ein Auftrag dazu erteilt? Der Weg, den der Herr Reichskanzler ohne und gegen daS Volk zu beschreiten beabsichtigt, muß zu unabsehbaren Katastrophen führen. Wich die deutsche Berfassugn von den Regieren- Wich die deutsche Verfassung von den Regierenbürger unten zu ihrer Einhaltung nicht mehr verpflichtet. Dann stürzt mit dem Grundgesetz des Staates die staatliche Ordnung überhaupt. des nationalen Hasses, mit Entstellungen und? Verleumdungen beklecksen, in den Kampf für'• Ideale hetzen, die keine sind, hinter denen sich; die Geldsackinteressen des Kapitals verbergen.> Treibt die deutsche nationalistische Jugend! hilflose Romantik, so berauscht sich die tschechische an kindischer Taftrlpolitik, will jene mit Kinderpistolen Krieg führen, so diese auf einsprachigen Speisekarten einen Staat begründen.' In beiden nationalen Lagern gibt eS die Gegenströmung des Sozialismus. Wie wir uns mit den deutschen, so schlagen sich die tschechischen Sozialdemokraten mit den tschechischen Nationalisten tagtäglich herum. Wie anders aber könnten wir beide diesen Kampf führen, folgten nicht Zehntausend«, die ihrer Klässenlage nach zu uns gehören, dem Heerbann des Fascismus! Der Sieg des Sozialismus und damit des Gedankens der Völkerverständigung wäre in nächste Nähe gerückt in dem Augenblick, da di« Wanderer ins Nichts, die Romantiker wie die Spießbürger unter der Jugend, die Besinnung und damit den Weg zum Sozialismus fänden. Um sie zu werben, nicht indem wir ihren Illusionen zustimmen, sondern indem wir sie gründlich zerstören, ist unsere geschichtliche Aufgabe, um deren Lösung wir uns um so mehr bemühen werden, je schwieriger sie sich gestaltet. Zeit und Opfer aber blieben uns erspart, wenn die nationalistische Jugend au» den traurigen Folgen ihrer Geisteshaltung lernte and den Radikalismus zur Umkehr aufbrächte! aufreißt. Der„Landruf" nennt die Dinge nur anders: „Die wenigen Nachrichten, die bisher über - di« Pläne der Reichsregierung durchgesickert sind, weisen darauf hin, daß man vor allem dem ständischen Gedanken Rechnung tragen will in der Form, daß außer dem Reichstag eine zweite Kammer geschaffen wird, welche sich nur auS den Vertretern der einzelnen Berufsgruppen zusammensetzen soll." Der^,ständische" Gedanke ist eS, der unseren Landstänolern so gut gefällt. Die Erfahrungen, die in Oesterreich mit diesem„ständischen" Gedanken gemacht wurden, scheinen unsere Landbündler noch immer nicht ganz verdaut zu haben. Denn die grünen Papenheimer schreiben weiter: „Für un- ständisch eingestellte Menschen wäre die Verwirklichung einer Ständekammer im Deutschen Reiche ein weiterer Ansporn, unentwegt für dieses Ziel weiterzuarbeiten und werterzukämpsen, es wär«-aber damit auch der Beweis erbracht, daß der ständische Gedanke lebensfrisch und durchführbar ist." Die schleichende Diktatur in Deutschland, di« Restaurationsbestrebungen der Steigbügelhalter der Hohenzollern sind für unsere Landbündler ein„weiterer Ansporn, unentwegt für dieses Ziel weiter zu arbeiten und weiter zu kämpfen"! Die Begeisterung, die unsere Landbündler da offenbaren, muß für die Arbeiterschaft daS Signal sein, ihnen einen recht dicken Strich unter die Rechnung ihrer Wünsche zu machen. Wir werden den Herrschaften, die sich da ganz eindeutig zu den Reaktionären des Borkriegsdeutschland, den Trabanten der Hohenzollern, den Soldatenstiefeln, bekennen, diese Begeisterung nicht vergessen. DaS Spiel, da» sie da wagen, wird einen Partner finden, an dem die Herren Landbündler recht wenig Freude erleben werden. Das mögen sie sich heute schon gesagt sein lassen. Wir wenden uns deshalb an den gewählten Präsidenten der Deutschen Republik, um Klarheit zu schaffen, ob er den Auftrag wirklich gegekvn hat, dem Reichstag in der geplanten Werse zu entrechten, die Bolksrechte zu kürzen und damit eine Periode innerer Kämpfe einzuleiten, die mit den sonst in der Rede- des Kanzlers geäußerten Zielen in krassestem Gegensatz stehen. Neue Drohungen des Kanzlers Berlin, 17. Oktober. In einer Rede in Paderborn, die zum größten Teil das wirtschaftliche Programm der Reichsregierung behandelte, hat Reichskanzler von Papen, wieder starke Worte von der Nottvendigkeit der Fortführung des gegenwärtigen Kurses gebraucht: Wer uns rät, wir sollten uns wieder den schwankenden Mehrheiten(im Reichstag) anvertrauen, den frage ich: Welche Partei oder welche Parteiverbindung kann der Regierung, kann vor allem der schwerbedrohten deutschen Wirtschaft die notwendige Sicherheit geben? Dreizehn Jahre lang hatten die Parteien Zeit, das Volk zur Disziplin und zur Verantwortung zu erziehen. Wer v o« uns ei« Zurück sordert, der fordert das schlimmste Experiment, das heute gemacht werden könnte. Auf diese Rede reagierte heute der Vorsitzende Les Zentrums K a a S ziemlich scharf mit der Feststellung, daß Papen kein Bismarck sei: Der Konflikt mit dem Parlament allein genüge n i ch t, um ein Bismarck zu werden. Das Arbcltsioscneiqid lm Karlsbader Dezlrh. Am Freitag hielt die Fürsorgekommission der Karlsbader Bezirksvertretung gemeinsam mit Vertretern der größeren Gemeinden eine Sitzung ab, welche sich mit der Notlage im Karlskwder Bezirk befaßte. Der„V o l k s w i l'l e" berichtet darüber: Zur Zeit werden im Bezirk« Karlsbad über 6000 Arbeitslose, die keine gewerkschaftliche Ilnter- stützung beziehen, gezählt. ES gibt Familienernährer, die schon zwei Jahre ohne jedes Einkommen sind, die ihren Hausrat verkauft haben und vollständig verkommen. Es fehlt ihnen an Nahrung, aber auch an Kleidung. Sie haben keine Wäsche und keine Schuhe mehr. Die Kinder gehen ohne Frühstück und ohne Mittagessen zur Schule, fallen während des Unterrichtes infolge Schwäche uM7 In einigen Gemeinden zeigen sich in den Schulklassen bereit» bedenNiche Lücken, well die Kinder gär nicht mehr' zur Schule gehen können, und es wurde die Befürchtung ausgesprochen, daß sogar mit der Sperrung von Schulen gerechnet werden muß. Ein« große Zahl der Beschäftigungslosen kann seit Monaten keine Miete zahlen. Die Mietzinsbeihilfe«, die in einzelnen Gemeinden gezahlt wurden, gehe» in die Tausende von Kronen. Sie können nicht weiter geleistet werden, und trotz deS großen Entgegenkommens, das viele Hausbesitzer gezeigt haben, häufen sich die Delogierungen. Dabei kommen die Hausbesitzer selbst in schwerste finanzielle Bedrängnis. Arbeiter, die sich in besseren Zeiten ein Häuschen gebaut haben, sind mit ihren Mietern arbeitslos und kommen, weil sie ihre Schulden nicht zahlen können, um Hab und Gut. Die Erkrankungen in den Arbeiterfamilien häufen sich, aber weder die au» der Krankenversicherung ausgesteuerten Arbeitslosen, noch die Gemeinden können die Kosten für Arzt und Medikamente aufbringen, die Kinder besonders tragen alle Anzeichen der Unterernährung und in einer Gemeinde mußte bereit» die Schule gesperrt werden, weil eine Diph- cherie-Epidemie ausgebrochen ist, die nach ärztlicher Ansicht nur in der mangelnden Ernährung der Kinder ihre Ursache hat../ Die Konferenz beschloß, die Einreihung deS Karlsbader Bezirke» unter die Notstandsgebiet« und Zuweisung größerer Mittel auS der Er- nährungSaktion zu fordern. Kompensationsabkommen mit Ungarn. Bis 81. Dezember d. I. Budapest, 17. Oktober. Da», ungarische Te- legraphen-Korrespondenzbüro teilt mit: Zwischen der ungarischen und der tschecho- slowakischen Regierung wurde am 13. Oktober im Wege eines Notenwechsel» ein Uebereinkommen über den Warenaustauschverkehr getroffen. Nach diesem Abkommen wird die Tschechoslowakei nach Ungarn Koks, Ungarn nach der Tschechoslowakei, Pferde, Fische, Schweinefett, Speck und Möbel bei begünstigten Zollsätzen exportieren dürfen. Das Abkommen hat Gültigkeit bis zum 31. Dezember 1932. Slowakisch« Einheitsfront für die Autonom«. In Z v o l c n in der Slowakei sand am Sonntag eine große autonomistische Kundgebung statt, die trotz des ungünstigen Wetters von etlva 10.000 Teilnehmern aus der. ganzen Slowakei besucht war und die in eine Resolution ausklang, in der die Autonomie der Slowakei im Rahmen der Republik nachdrücklichst gefordert wird. Als Einberufer fungierte«ine katholisch-evangelisch« Front von Hlinkas Volkspartei bis zur autonomen Partei des evangelischen Pfarrer- Ra z u S, di« bei den letzten Wahlen mit den Nationaldemokraten gegangen ist. Hlinka hielt eine im Vergleiche zu seinen sonstigen Aeußerun- gen auffallend gemäßigt« Rede, in der er erklärte, das an den Slowaken durch die zentralistische Politik verübt« Unrecht werd« man nur dann beseitigen können, wenn«Ile* Slowaken, ohne Unterschied de» Stand«» und der Religion, Hand in Hand in den Kamps um di« Autonomie der Slowakei im Rahmen der Tschechoflowakischen Republik treten würden. Abgeordneter R a z u» betonte die Notwendigkeit der Verbindung der katholischen und evangelischen Slowaken und trat für die Erfüllung des Pittsburger Vertrages ein. Weiters sprachen die Abgeordneten Dr. T i f o und Dr. B a n ü o. Während der Reden kam«8 öfter zu Unwillenskundgebungen gegen die tschechischen Beamten in der Slowakei und die Prager Regierung.— Die Versammlung nahm eine vom Abgeordneten S i w a k vorgeschlagene Resolution an, in der erklärt■ wird, daß 18 ein„tschechoslowakisches" Volk überhaupt nicht gebe. Die Slowaken sind ein Volk mit eigener Tradition, selbständig und souverän. Sie fordern die Erfüllung der im Pittsburger Vertrag gegebenen Versprechungen und die Autonomie nach den Grundsätzen des Selbstbestimmuygsrechtes der Völker. , In der Slowakei soll überall siolvakisch amtiert f welchen; leitende Beamtenstellen sollen ausschließlich mit Slowaken besetzt und in den Prager Zentralen eigene Abteilungen für slo- wakische Angelegenheiten errichtet werden. DaS ! Manifest' llingt in dem Wunsch nach einem !..gerechten Ausgleich mit dem tschechischen Brudervolk" im Interesse einer gesicherten Tschechoslowakischen Republik auS. Der Landesbudgetausschutz hat sich Montag, den 17. d§.. mit der Geldausnahme für Investitionen beschäftigt. Zur Debatte stand die Erklärung des Finanzministeriums, nach welcher eS dem Lande nicht eine Anleihe in bei Hohe von 100 Missionen K, sondern nur von 50 Millionen bewilligt. Von diesen fünfzig Millionen Kronen Die grünen Papenheimer wittern Morgenluft. Die Regierungsdittatm der Junker und Barone, ei«„Ansporn" für unsere Landbündler. Alols Muna der Führer der kommunistische« Opposition, die gestern in die tschechisch« Sozialdemokratie zurückgekehrt ist. müssen 27 Mill, für den WasserwirtfchaftSfonds aufgewendet werden und nur der verbleibende Restbetrag kann für andere Investitionen verbraucht werden. DaS Recht des Finanzministers, eine solche Forderung zu stellen, wurde in der Debatte stark bestritten, von der andern Seite aber auf das Wasserwirtschaftsgesetz hingewieien, welches dem Finanzministerium diesen Einspruch gewährt. Daun mußte die Entscheidung getroffen werden, ob man den vom Finanzministerium bewilligten Betrag— also die 50,000.000 K— als Anleihe bei Geldinstituten oder im Emissionswcqe beschaffen solle. ES wurde beschlossen, diese fünfzig Millionen als Darlehen auszunehmen, um sich den öffentlichen Geldmarkt für später frei zu halten. Endgültig wird sich das Plenum der Ändcs- vertretung noch mit diesen Fragen zu beschäftige» haben. Kein« Subventionen. DaS Fiiwnzmiu.ste- rium hat in einem Runderlaß allen Ministerien die Auszahlung aller Subventionen ohne Ausnahme untersagt. Das Ministerium hat überdies di« übrigen Ressorts angewiesen, mit Rücksicht auf die finanzielle Lage des Staates künftighin keinerlei Subventionen zu versprechen. 400 unvollendete iStaatSbauten. Infolge der Finanzkrise des Staates und der Notwendigkeit von Streichungen bei den Sachausgaben, mußte, nach einer Meldung des„Nar. Osv.". auch der Wetterbau an 400 Staatsgebäuden eingestellt werden. Di« Bauten wurden zwar mit großem Aufwand in Angriff genommen, aber man hatte nicht überlegt, woher man das Geld zu ihrer Vollendung nehmen wird. Nun müssen also die Bauten vorläufig unvollendet bl-iben und es besteht die Frag«, ob und wann sie überhaupt fertiggestellt werden können. Dem. Staat entsteht dadurch natürlich ein bedeutender Schaden, der nur dec Großmannssucht^ und der Burcau- kratisierung der Verwaltung zuznschreiben ist. Abschluß des Leipziger Prozesses. Verkündung der Entscheidung in einer Woche. Leipzig, 17. Oktober. Heute wurde das Verfahren vor dem Reichsgericht in Sachsen-Preußen contra Reich mit zusammenfassenden Darlegungen der beiden Streitteile beendet. Der Vorsitzende erklärte dann, ein festes Datum für die Verkündung der Entscheidung nicht angeben zu können, doch werde die Verkündung wahrschein- lich Dienstag nächster Woche erfolgen. Sollte sich die Notwendigkeit einer Wiedereröffnung der Verhandlung ergeben, so werde er dies den beteiligten Partei mitteilen. Hie französischen Senatswahlen. Erleide der Radikalen. Paris, 17. Oktober. Unter den 111 Senatoren, di« bei den gestrigen Wahlen eines Drittel- des Senate- gewählt wurden, befinden sich 76 bisherige und 85 neue Senatoren. Letztere ersetzen 30 nichtgewählt«, zwei abtretende und drei verstorbene Senatoren. Bezüglich der künftigen Klubzugehörigkeit ergibt sich nach einer Statistik deS Innenministeriums folgende» Bild: Die Rechte erhielt 4 Mandate(bisher 5); Republikanische Rechte 8(10); Republikanische Union 25(27); Demokratlsche und radikale Union 13(11); Demokratische sozialistische Linke und radikalsozialistische Partei 57(48); Sozialisten 1(2). Außer den Gruppen 3(4). Den größten Gewinn hat die Gruppe der demokratischen Linken, die zum größten Teile aus Radikalen besteht. Bisher hatte sie im Senat 152 von 315 Mitgliedern; sie wird nunmehr für sicb allein die Mehrheit im Senat repräsentieren. Demission des rumänistfien Kabinett Bukarest, 17. Oktober. Ministerpräsident Vaida hat heute nachmittags dem König aus Schloß Sinaja die Gesamtdemisfion des Kabinetts überreicht, die vom König angenommen wurde. Vaida Bojevod wurde vom König bis zur Bildung der neuen Regierung mit der Weiterführung der Geschäfte betraut. Der König hat alsbald die Besprechungen zur Lösung der Krise begonnen und den früheren Innenminister Mihalake zur Audienz geladen. srr. 246. Dienstag, 18 Oktober 1V3Z. Sette 3. Wo anderes nicht mehr UJML. von UM I Ein neuer Prozeß in Brünn V. T. 4/32 DIE PUTZFRAU IN DER DOSE ch jyeiße Zähneyßfefoir^u mir du so früh ausstehst."< losem Staunen den Kopf. Was soll man nun Seite 4 Dienstag, 18. Oktober 1932. Nr. 246. Gerhart Hauptmann in Prag. Gerhart Hauptmann, eben zum Ehrenmitglied der Prager Urania gewählt, zu deren neuenr Gebäude er- heute den Grundstein legen wird, war Montag abevd Gegenstand mannigfacher Ehrungen, deren Schauplatz das Prager deut, che Theater, deren Akteure die Vertreter der deutschen Universität, der Gesellschaft der Wissenschaften und Künste, der Urania und des deutschen Theaters waren. Gerhart Hauptmann wird im nächsten Monat 70 Jahre alt. Das ist in einer Zeit, in der man di« Jubiläen schon bei den Vierzigern zu feier» beginnt, gewiß Anlaß zu besonderem Feste. Daß Hauptmann auch in Prag gefeiert wird, daß er als Gast nach Prag kommt, daß hiebei nicht nur Vertreter der Prager intellektuellen Welt, sondern des Gesamtdeutsch- t u in s(wie eben, die Universität und die Gesellschaft^ der Wissenschaften und Künste) dem Dichter ihre Reverenz machen, ist erfreulich, denn es beweist den- lebendigen Zusammenhang des Sudetendeutschtums mit der großdeutschen Kultur. Wer die Ueberzeuaung vertritt, daß wir in die'em Staate nicht die Mission haben, ein Stammesbewußtsein in provrziellem Sonderdafein zu pflegen, sondern Mittler der großen deutschen Kultur zu sein, wird es besonders begrüßen, daß Prag nach Frankfurt und Wien mit einer Hauptmann-Feier hervortritt. Das Programm der Feier aber war schon recht problematisch. Begrüßungsansprachen(Hofrat Rzach für die Urania, Minister S p r n a, Professor Großer für hie Gesellschaft, Rektor San Nicolo für die Universität, Dr. Eger für das Theater und endlich Prof. Frankl), Dank des Dichters und eine literarische Red« Professor C h s a r z s zwischen Meistersinger- Ouvertüre und den dritten Akt der Meistersinger gestellt— das löst immerhin die Frage aus, wie Hauptmann zu Wagner und dieser zu jenem komme. Und man mutz leider antworten: durch den leidigen Umstand, daß die„führende" deutsche Bühne der Republik nicht imstande war, ein Hauptmann-Drama würdig zu spielen, das die einzig entsprechend«, stilgerechte Feier ergeben hätte. , Ueber Gerhart Hauptmann wird zum besonderen Anlaß mehr zu sagen sein. Für heute wollen wir bekennen, daß wir den Dichter der „Weber", des„Hannele" und des„Florian Geyer" gern und herzlich in diesem Staate begrüßen, aber wir wollen auch aus- swccchen, daß die Begleitmusik zu Hauptmanns Einzug in Prag, die Hofnachrichten der fresse über den Aufmarsch von Herrn und Frau, Äkre- tärin und Zofe, nebst Angabe der Quartiere, welche höchstdieselben genommen haben(wobei der Sekretärin als der einflußreichsten Persönlichkeit der Truppe, die allein den Schmocken und Ausfratschlern den Zutritt ins Heiligtum verschaffen kann, Sperrdruck und besondere Beachtung gewidmet werden), die Tatsache, daß sich an die Familie Hauptmann ein Kometenschweif von Berliner Wichtigtuern, literarischen Koofmichs der Häuser Masse und S. Fischer anhängt, daß all dieses laut« Wesen uns laut genug daran erinnern, daß Gerhart Hauptmann von den „Webern" bis zu seinem 70. Geburtstag einen weiten und für die Verehrer seiner Kunst nicht erfreulichen Weg zurückgelegt hat. Der ein Künder der Revolution gewesen ist, der aus der Not der Aermsten Anklage und Aufruf dichtete, der Hannele Matterns,, des zu Tode geprügelten Proletarierkindes, Himmelfahrt träumte— einzig schön und unwiederbringlich in der deutschen Dichtung— der im„Biberpelz" die Würdepopanze geißelte und noch in manch späterem Werk.wie in dem Märchen„Und Pippa tanzt" uns reinste Poesie geschenkt hat, trägt heute den Lippowitz-Ring, das Zeichen tiefster Schmach, di« einem Geistigen widerfahren kann, ist eine stehend« Figur im gesellschaftlichen Szenarium des Konfektionärs Max Reinhardt, ein Berlagslieferant wie hundert, ander«, die den literarischen Markt mit Waren beschicken. Das ist ein Abstieg ohnegleichen, ein ichmerzliches Schauspiel, dessen Zeugen wir gewesen sind und dessen niederschmetternden Eindruck ans uns wir nicht verschwelen wcllen, weder aus Pietät vor dem alten Mann, der einen großen Namen, der fein eigener war und den er groß gemacht hat, heute wie einen fremden trägt, noch aus Rücksicht auf die Feste, die leider weit mehr dem Feldhauptmann der Nachkriegsbourgeoisi« als dem jungen Hauptmann, dem Dichter und Revolutionär, gelten. Sie feiern ihn, weil er den Weg vom Dichter zum„Größer" gegangen ist, weil er sich dazu hergibt, ihren Kulturpofel zu sanktionieren, fie feiern ihn trotz einer Jugend, in der er Großes gegen sie geschaffen hat. Wir feiern ihn, weil er der Schöpfer der unvergänglichen Werke ist, denen er, als der Quell versiegt war, leider nicht Schweigen, sondern den dauernden und tätigen Protest gegen seine eigene Vergangenheit folgen ließ. Dem.Hauptmann von gestern gilt unser Gruß! * Der erste Teil der Feier verlies recht ledern und mit Rede-Entglfisungen wie der, Hauptmann werde es am Ende als Erholung empfinden wenn er einmal nicht seine eigenen Werke sehen müsse (was doch nur gilt, wenn mau ihm„Bor Sonnenuntergang" vorspielt! Wie aber, wenn mau ihm di«„Weber" gezeigt höt:e? Ob er da nicht zur Besinnung und zu dem Entschluß gekommen wäre, es„nicht mehr zu leiden"!). Ein anderer Festredner glaubt wiederum die fehlende Beziehung zu Wagner hergestellt zu haben, wenn er diesem ein bekanntes Fichte-Wort zuschreibt— kurzum.. es übertraf bei weitem alles, was vom 60. Geburtstag her ln bösem Gedenken war! Würdiger war der zweite Teil. Professor C y s a r z stellt« in einer formschönen Red« über „Gerhart Hauptmann und das Schicksal der Dichtung" den Jubilar als den.letzten und einzigen naiven Dichter unserer Zeit, als das inkarnierte Wunder dar, das aus der entseelten Einöde des technischen Naturalismus erwachsen ist. Er charakterisierte Hauptmann dann als den deutschen und den christlichen Dichter, der di« Verwirklichung der Humanitas in sich schließt. Di« Schlußfolgerung T agesneuigkeiten Todessturz beim Pardubiher Rennen. Bei dem großen Hindernisrennen in Pardubitz ereignete sich Sonntag ein Unglücksfall, welcher den Tod des bekannten Herrenreiters Kapitän P o p l e r zur Folge hatte. Bei einer verhältnismäßig niedrigen Hürde stürzte der Reiter, wobei er durch einen Hufschlag des Pferdes so unglücklich getroffen wurde, daß er einige Minuten später starb. Acht Tote- wegen einer geschlachteten Kuh. Der Wahnsinn des indische« Religionskampfes. London, 17. Oktober.„Times" meldet auS Budhata(Pundschab): AuS Erregung über das Verschwinden einer Kuh, die angeblich von Mohammedanern gestohlen und geschlachtet worden ist, haben drei Sikhs eine furchtbare Bluttat begangen, die 17 Opfer forderte. Mit Schußwaffen ausgerüstet, liefe» sie am 11. Oktober in den Straßen von Budhata Amok und schossen auf jeden Mohammedaner, der ihnen begegnete. Acht Personen büßten auf diese Weise das Leben ein, neun wurden verwundet. Die Rasenden liefen dann rn ein zwei Kilometer entferntes Dorf urch erschossen dort neun Menschen. Todesopfer bei MenbahnunMen. Eine Katastrophe in Frankreich. Paris, 17. Oktober. Auf dem Bahnhofe in Carennes in der Normandie stieß gestern ein Personenzug mit einem Lastzug zusammen. Acht Personen wurden getötet und etwa 20 verletzt, die meisten von ihnen sehr schwer. Gegen den Bahnhofsvorstand von CarenneS und den Lokomotivführer des Güterzuges ist Anklage wegen fahrlässiger Tötung erhoben worden. * Wien, 17. Oktober.(AN.) Im Innsbrucker Westbahnhof entgleiste aus bisher unaufgeklärter Ursache der letzte Waggon eines Per- sonenzugeS, wobei zwei Personen ge- tötet wurden. Kn„Krlegsgesalleuer" aufgetaucht? Karlsruhe, 17. Oktober. Von Paris aus wird die Nachricht verbreitet, der amerikanische Kriegsflieger Campbell sei nach lüjähriger Verschollenheit wieder in Amerika aufgetaucht. Zu dieser Nachricht erklärt der in Karlsruhe ansässige Dentist R i t s ch e r l e, daß er am 1. Oktober 1917 vormittag 11 Uhr 40 Min. als Fliegerschütze den amerikanischen Flieger Campbell 'abgeschossen habe. Der Flieger Andres aus Düsseldorf sei damals Ritscherles Flugzeugführer gewesen. R itscherle habe photographische Aufnahmen aus der Luft und an der Absturzstelle des amerikanischen Fliegers gemacht. Am 6. Oktober 1917 habe er das Grab Campbells photographiert. Ein deutscher Offizier habe ihm die Papiere deS amerikanischen Fliegers gezeigt und Campbell als tot gemeldet. 8r wollte fein Leben Mr 18000 Zloty verlausen Eine seltsame Geschichte wird aus War- schau gemeldet. Im Büro einer der größten VersicherunEgesÄlschaften in Warschau in der Moirruszko-Straße sprach orn ziemlich ärmlich gekleideter Mann vor und erklärte, sich das Leben auf 30.000 Dollar versichern zu wollen. Der Mann wollte sofort die Hälfte der Raten in Höhe von 500 Dollar bezahlen, und dies erregte den Verdacht des Ab terlungslei ters Dr. Brief, da der Mann nicht danach aussah, daß er über sillche Summen verfügen könnte. Dr. Brief fragte ihn aus, und schließlich aestalw der Mann ein, daß ihn jemand dazu überredet habe, sich auf dessen Kosten auf eine hohe Summ« versichern zu lassen, die Versicherungssumme ihm zu verschreiben und später Selbstmord zu begehen. Er sei seit mehreren Jahren arbeitÄos und habe vor einiger Zeit wegen schwerer Krankheit im Spital gelegen. Dort habe or die Bekanntschaft eines ehemaligen Fabrikanten gemacht, der ebenfalls krank war. Als der Monn ihm seine Not klagte, machte der ihm folgenden Vorschlag: Er weche chm monatlich 1300 Zloty zahlen, dafür solle sich der Mann auf" 30.000 Dollar versichern lassen und nach einem Jahre Selbstmord begehen, da für Selbstmörder di« Versicherungsprämien erst nach einem Jahre gezahlter Versicherung ausgczahlt würden. Die Prämie soll« er ihm wegen angeblicher Schulden verschreiben. Auf diele Weise sicher« er sich ein sorgenfreies Jahr, nach Verlaufe dessen er sich erschießen solle. Die Versicherungsanstalt will nun ihrerseits diese Angelegenheit der Staatsamivaltschaft übergeben. freilich: es werde mehr Berwirklichnng der Ideale geben, wenn es mehr Kunst gebe, bedeutet nur die Umkehrung des richtigen Satzes, daß es mehr Kunst gäbe, wenn die Menschen zunächst die Philosophie verwirklichen, die Welt verändern würden. Unter Szslls Leitung ging dann mit Prohaskas herzlichem Sachs die Festwiese in Szene, deren Huldigung an die deutschen Meister unter begeistertem Beifall des Hauses zur Hauptmann- Huldigung wurde. E. F. Ziehung der Klaffenlotterie 20.000 K: 40.061. 10.000 K: 31.228, 58.515, 102.216. 5000 K: 7176, 8052 9805, 15.204, 19.275, 24.591, 28265, 32.819, 36.319, 38.027, 47.374, 71.544, 74292, 87.771, 88.140, 92.854, 97-297, 102.424, 104.279. 2000 K: 598, 2256, 2922, 3047, 3229, 10.685, 12588, 12.835, 14.100 14.550, 18.759, 18.765, 19.079, 19.156, 21.738, 22.463 25.068, 27.049, 28.188, 28.212, 28.664, 29.289, 30.167 36.499, 37.412, 39.501, 39537, 39.851, 39.860, 42.639, 42.772, 42.778, 51.266, 62.661, 62.732, 68.880, 68.941, 69.717, 69.984. 71.293, 72.825, 73538, 74.915, 75.675, 76.736, 77.188, 85.164, 90.958, 94542, 96.691, 96.851, 97.422, 102.032, 103.739. 1200 K: 379, 974, 3235, 4191, 6952, 8757, 11562, 12.908, 13.370, 14.042, 14.610, 14.888, 15.724, 18.791, 20.171, 20.954, 23.783, 25.020, 25.747, 27.438, 29.122, 39.446, 32.706, 33.171, 33.177, 33.914, 36.710, 36522, ZL-72, 42.089, 44.071, 46201, 50.580, 50.924, 52.985, 58.201, 53.237, 56.485, 57.184, 58.806, 59.942, 60.871, 62.402, 65.488, 66.712, 68.149, 68.067, 70.541, 71.970, 73.090, 78548, 75.461, 76.140, 78.957, 79.336, 80.481, 80536, 81.393, 81.478, 82,828, 85.000, 87.322, 88.592, 88.814, 88.859, 90,169, 93.878, 95293, 95.465, 99.136, 99.211, 99238, 99.925, 100.121, 100.375, 101.056, 103.389, 104.812. Eine kleine Revolutio», beendet London, 17. Oktober. Einer Meldung der abessinischen Gesandtschaft zufolge hat sich der S o h» d e s R a s H a i l u, der gegen die Regierung revoltiert und Debra Marcos in Besitz genommen hatte, dem Befehlshaber der Regie- rungSstreitkräste bedingungslos ergeben. Die Truppen halten jetzt di« Stadt besetzt. Eine Weltausstellung der Presse wird i« Tiflis eröffnet. . In Tiflis wird im November eine Schau der Presse der Nationalitäten der ganz«« Welt^eröffnet, die größte, die je veranstaltet wurde, siebenmal größer als die Presseaüsstellung in Köln im Jahre 1928. '- Im laufenden Jahre wird der erste Teil der Ausstellung(84 Schaukästen) eröffnet, der 12 Abteilungen umfassen wird. Auf der Ausstellung wird die periodische Presse von 282 Ländern in 205 Sprachen vertreten sein. . Im. Jahre 1933 wird der Ausstellung ein wissenschafüiches Forschungsinstitut für die Presse und das' Schrifttum der Nationalitäten der ganzen Welt ängeschlossen. . Sämtliche Abteilungen der Ausstellung werden bis 1934 zur Eröffnung gelangen. Strllslinge revoltlere«. Mont Gomery(Alabama), 17. Oktober. (Reuter.) Die Hälfte der 950 zählenden Häftlinge des hiesigen Gefängnisses versuchte, eine Repo l te heraufznbeschwören. Bei dem Zusammenstoß zwischen den Inhaftierten und den Aufsehern wurde ein Sträfling getötet und 23 verletzt. Menschen Auf der Genfer sogenann ten-^Abrüstungskonferenz" hielt ein Sachverständiger einen Vortrag über Angriffswaffen. In brefem Vortrag, kühl, sachlich vorgetragen, findet sich folgender Passus:„In den Kämpfen gegen die Eingeborenen in Mesopotamien bedienen sich ine Engländer neuer besonderer Fliegerbomben mit sehr bedeutender Explosionsverzögerung beim Einfall. Dies ist beim Angriff auf ein Eingeborenendorf von großer Bedeutung, weil sich die Be»>l- kerung, belehrt, durch bittere Erfahrungen, beim Erscheinen eines Flugzeuges rasch in der Umgebung der Siedlungen verbirgt. Deshalb verursachen Bombenabwürfe vorwiegend nur (!) Materialschaden. Die neuen Bomben bohren sich ziemlich tief in die Erde ein und explodieren erst nach 4, 6, 8, 12, 18, 24, 36 Stunden. In dieser Zeit ist die Bevölkerung ruhig wieder in ihre Behausungen zurückgekehrt, nicht ahnend, was ihrer dort wartet. Der Eindruck solch verspäteter Explosionen ist ungemein groß, besonders nachts."— Technik mit Tücke vereint— das ist erst die richtige Aeußerung der europäischen.Kultur! Italienisch« Sozialisten ehren Renaudel Pierre R« n a u d e l/der französische sozialislllche Abgeordnete, der auf der letzten Konferenz der Interparlamentarischen Union in Genf so energisch gegen das fascistische Regime protestierre» daß die italienische Delegation die Konferenz verließ, wurde mit einem Album beschenkt, das die Unterschriften von 1500 politischen Emigranten qus Italien enthielt. Die Ueberreichung dieses Albums, fand in einer begeisterten Versammlung statt, die in da Sehne abgehalien wurde und zu der'französische und italienische Sozialisten von weit her herbeikamen. Die Anregung war von der Italienischen Sozialistischen Föderation des Süd- ostenS Frankreichs ausgegangen. Das Geschenk sollte Renaudel ein Zeichen der Liebe und Dankbarkeit der italienischen Sozialisten und ihrer Freunde übermitteln.„Hinter jeder einzelnen dieser Unterschriften," schreibt der„Avanti"/ das Organ der Italienische» Sozialistischen Parte», Vom Rundhmk Empfehlenswertes aus den Programmen. Mittwoch. Prag: 6.15 Ghmnastik. 11.00 Schallplatten. 15.30 Saxophonvorträge. 16.10 Orchesterkonzert. 17.00 Ma- rionettentheater. 1825 Deutsche Sendung: Arbeiterfunk: Heitzer: Bücher, die man nicht nur einmal liest. 20.00 Trampenchor. 20.35 Liederkonzcrt. 22.20 Quartett.— Brünn: 1825 Deutsche Sendung- Stiaßnh: Entwurf des neuen Wohnungsgesetzes. 19.05 Aufruhr der Musikinstrumente, Gro t«Ä«.--- Berlin: 16.00 Mandolinenkonzert. 21.00 Balladen.--- Breslau: 21.10 Bumer Abend.-- Hamburg: 1755 Das Bild—ein Leben. 21.00 Volks lieber.— Langenberg: 20.00 Des Knaben Wunder hörn, 2230 Zlgeunerurusik.— Men» 15.20 Aricx. 17.00 Konzert. „steht eine Geschichte vou Blut, Tränen und Le,- den für die Sache der Freiheit und des Sozialismus." Selbstamputation im Schueesturm. Die kam- bischen Jäger Berv ille und Austin sind nach langer Wanderschaft und furchtbaren Leiden noch Edmonton, zurückgekehrt, wo sie sich sofort-st ärztliche Behandlung begeben mußten. Im äußerten Norden Kanadas waren sie von einem furchtbaren Schneesturm überrascht worden, der acht Tage anhielt, jede Orientierung unmöglich machte Md den Jägern das Schicksal in Aussicht stellte, im Treibeis ihren Tod zu finden. Unter u»!«g- baren Schwierigkeiten glückte es ihnen, sich;in eiskalten Wasser schwimmend, auf das Land zu retten./Aber Berville erfroren dabei drei Zehen, und da sich Symptom« von Blutvergiftung bemerkbar machten, mußte er wohl ode^ übel zu einem' verzweifelten Mittel seine Zuflucht- nehmen, rüdem» er im E is st ur m an sich sc I bst e i n e O fre r a t i o n v o r n a h m. Er baute eine Schneemauer um sich und schnitt sich unter diesem unzulänglichen Schutz mit dem Rasi«rmei-- i e r d r e t_ Z e h e n ab. Nach der Operation müßten die Jäger im eisigen Sturm ihren Weg fort- etzen. Sie gelangten so zu den Melville-Jnsün, wo sie einige Vorräte fanden, die im Jahre 1915 von- hem schwedischen Polarforscher S t r f- a n s s o n zurückgelassen worden waren. Sie chlügen sich dann zu einer Siedlung durch und erreichten in Begleitung der hilfsbereiten Eskimos das Festland. Bedrohliche Zunahme der Geschlechtskrauk- heiten. Die Deutsche Gesellschaft zur Bekämpfung der, Geschlechtskrankheiten.macht die Bevölkerung auf die Zunahme der Gcschlcchtsleiden und auf die drohende Seuchengefahr-aufmerksam,.welche durch die unzureichende ärztliche Behandlung der arbeitslosen Geschlechtskranken hervorgerusen wird-Die-Gesellschaft hat. unter dem Vorsitz Professor Kreibichs beschlossen, die Zahl ihrer Beratungsstellen für Mittellose zu vermehren. Auskünfte über di« Fürsorgeeinrichtungen der Gesellschaft an jedermann, erteilt die Ae-i schäftsstelle. Prag-Smichov, 1472, Ticha ül.-10, welche auch kostenlos warnende Merkblätter und Plakate versendet. Unfall des Filmschauspielers Kämpers. Montag in den frühen Morgenstunden sind im Westen Berlins vier Automobile zusammengestotzen. Ta- bei wurde der 41jährigc Filmschauspicler Fritz Ka m P« r s schwer verletzt. Auch der Ü Jahr« alte Führer eines anderen Wagens trug schwere Verletzungen davon. Die beiden Verunglückten sind in ein Krankenhaus gebracht worden. Fünfundzwanzig Jahr« leistet di« Deutsche Lan- deSkommisston für Kinderschuh und Jugendfürsorge in, Böhmen wertvollste Arbeit durch fürsorglich« Hilfeleistung für die hilfsbedürftige deutsche Jugend. Jahve voll schwerer Sorgen und Hemmungen mußten überwunden werden, um ihr ganz auf Selbsthilfe angewiesenes Hilfswerk aufrecht erhallen zu können. Nach fünsundzwanzigjähriger Tätigkeit kann heute die Deutsch« Landeskommrfsion auf große Erftzlgc zurückblickens Dfe Organisation ist über das ggnze deutsche und gemischtsprachige Gebiet Böhmens ausgebaut und zähl: die Deutsche Landeskommission 101 Zweigvtreine(Deutsche Hezirksjugendfürsorgen), denen auch' die Aufgabe zufällt, deutsche Männer >'u- Frawen, di« mit den Verhältnissen in ihren Bezirken vertraut sind, zur Mitbetätigung in der Arbeit für di« füvsorgebedürftige deutsche-Jugend zu gewinnen. Wiederum tritt infolge der wirtschaftlichen Not di« Sorge heran, alle Erfolge auch weiterhin aufrecht zu erhalten und den Bestand der Einrichtungen zu sichern. Dazu soll die einzige Jahressammlung im Kinderschutzmonat Oktober einen Beitmg bringen. Niemand schließe sich daher auS,«ine Spende hiefür zu widmen, um den Bestand dieses so notwendigen Hilfswerkes für die deutsche Jugend und damit für das Volk sichern zu Helsen. AuSslugszügc nach Prag am 28. Okwber. Di« Staatsbahndirektion in Prag fertigt am 28. Oktober »ach Prag folgende Sonderausflugszüge ab: Von Pöhür.-Ttübau um den Preis von 57 K, van Ch o tz e n Um 48 K, von Pardubitz um 40' li, von K o l'f n um 30 K, von Budweis um 57 K, von Bösel i-M ezimosti um 48 K, von Tabor UM 4Ü K, von Votie«-B«s e I k y um 30 K und schließlich von Karlsbad um 60 K, von K» Molau Um 46 K, aus Saaz um 40 K und vo der Station LuLna-Liiiany um 30 X. In dev angeführten Preise» sind enthalten: die Fahr'«« »ach Prag und zurück, kaltes Abendessen und Un fallversichsrung. Allen Teilnehmern wird Gelegov heit gegeben werden, gegen eine Nein« Auszahhia- eilte Rundfahrt durch Prag mittels Autocars»a: zunehm«», eventuell der Besuch eines Fußballmarch- oder. eines Thoatsrs. Di« Züge fahren aus B u v weis und Böhm.-Trübau ca. um 6 Uhr*1 und aus Karlsbad um 4 Uhr früh ab P». führt nach 23 Uhr. Anoreldungen nehmen d». g nannten Verkehrsämter entgegen. Nr. 246. Dienstag, 18. Oktober 1S32. Seile 5. ist der Ansicht, daß das ganze Gebiet augenscheinlich in der Urzeit von einer gewaltigen Herde von prähistorischen Walfischen bewohnt war. Für das Zoologische Musenm hat Andrianow Muster von Knochen, Fett und Haut mitgebracht. In der nächsten Zeit wird eine große Expedition organisiert, die den Friedhof der Seeriesen genauer erforschen wird. Volkswirtschaft und Sozialpolitik Tiere madien sldi sdiön. haben an-er Schwanzseite eine Drüse, di Obersten Unter- Bezirks- '. Sie IWMDst... Drüse, die eine ölige Flüssigkeit absondert, die die Federn glatt macht, so daß das Wasser an ihnen abläuft. Der Mo-Mo, ein peruanischer schöner Bogel mit langem, leuchten- blauem Schwanz ist sein eigener Friseur. Sobal- die Schwanzfedern eine Länge von etwa sechs Zentimetern crreichen, knipst er sie mit dem Schnabel auf vielleicht zwei Zentimeter ab, so daß ein zierlicher Schwanzbüschel stehen bleibt, Die Bienen, die bei ihrer Arbeit so wesent- l:ch auf ihre zartes Kopffühler angewiesen sind, Putzen diese mit Eifer und Hingebung, und zwar mit ihren Vordcrfüßen, die zu diesem Zweck mit «'nem regelrechten Kamm versehen sind. Bei den Ameisen sind die Füße sogar außer den Kämmen auch noch mit Bürsten ausaestattet, eS ist also in weitem Maße auf die Eitelkeit Rücksicht genommen. Der fliegende Fuchsaffe aus Südostasien hat Zähne, die genau wie ein Kamm geformt sind und mit denen er icinen dicken Pelz kämmt. Elefanten und Rhinozeros wälzen sich mit Borsicbe im Schlamm, lö daß ihr ganzen Körper mit Schlamm bedeckt ist. Der Schlamm trocknet gruppe erfolgt. Die Firmaleitung wendete sich an Roscher selbst, welcher alle Forderungen ablehme. Der Streik ist lückenlos. Wir werden auf dir Angelegenheit noch zurückkommen. Zuzug von Formern.Maschinensormern und Girßereiärbriter« nach Georgswalde ist strengstens fernzuhalten. stellen zu lassen, wohin sie die Modelle schaffen ließ. Die Former lehnten diese Arbeit als Streikarbeit ab, worauf die Firma die Former wegen Verweigerung der Arbeit entließ. Die nicht von der Entlassung betroffenen Arbeiter haben daraufhin die Arbeit nicdergclegt. Eine Versammlung der Arbeiterschaft stellte drei Forderungen auf: 1. daß die Streikarbeit zurückgezogen wird, 2. daß sämtliche Arbeiter wieder eingestellt werden, 3. daß die Bezahlung der Arbeiterschaft in Georgswalde nach dem Vertrag der Eisenfach- Formerstrett bei der Fa. Roscher in Georgswalde Bei der Fa. C. A. R o s ch e r, Nordböhmische Webstuhlfabrik in Georgswalde find am 14. Oktober sämtliche Former und Gießereiarbeiter in den Streik getreten. Die Ursache des Streikes ist folgende. In Neugersdorf in Sachsen sind am 7. Oktober die Former und Gießcreiarbeiter derselben Firma wegen untertariflicher Bezahlung in den Streik getreten, welcher vom Deutschen Metallarbeiterverbände geführt wird. Die Firma, die einen ziemlich großen Auftrag hat— man spricht von 486 Webstühlen nach Indien— versuchte nun, da sie in Deutschland keine Streikbrecher erhalten konnte, die Arbeit in Georgswalde fertig® l.zcln« Teile eines unbekannten Seeriescu ivarcn !auf einem großen Gebiete längs der Küste der .Halbinsel Jamai verstreut. Tie Ucberreste, Knochen, Haut, Fett und Fleisch, hqttcst sich im ewigen Eis ausgezeichnet gehalten.. Tic Ncnenen sammeln seit 1901 systematisch das Fett dieses unbekannten Secriesen. Andrianow Gründung eines sozialistischen Arbeiter-Esperau- I diese Tiere Lokaleinwohner, die Nencncr. Ein- kistenbnndes. Am 8. Oktober fand im BolkShaits in Aussig die konstituierende Bundesversammlung des „Tschechoslowakischen Arbrit^r-Esperantistenbundes" statt. Die Versammlung war., gut besucht... Gen. Storch sprach über die Bedciitüng des Esperanto in der internationalen Arbeiterbewegung als Ver ständigung und Kampfmittel. Ter„Tschechoslowa kische Arbeiter-Esperantistenbund" ist auf sozialisti scher Grundlage aufgebaut. Ucber den Zweck und, di« Ziele des Bundes wird im Statut unter anderem gesagt:„Praktische Verwendung des Esperanto im Interesse dir freieri' Gewerkschaften, der Kultur. organisakionen sowie der gesamten sozialistischen Arbeiterbewegung/' Der Bund bedeutet somit ein neues Glied in der sozialistischen Arbeiterbewegung in der Tschechoslowakei. Seine Tätigkeit erstreckt er über das ganze Staatsgebiet. Mitglied des Bundes können alle Esperantisten ohne Unterschied des Ge schlechtes werden, die Mitglieder der sozialdemokra- rsichen Partei, einer freien Gewerkschaft, oder einer Kulturorganisation sind, bezw. der sozialistischen Arbeiterbewegung nicht gegnerisch gegenüberstehen. In her Tschechoslowakei gibt es viele hundert« Arbeiter-Esperantisten, die bis jetzt keine Gelegen heit hatten, sich organisatorisch zusammenzuschließen. Durch die Gründung des„Tschechoslowakischen Ar beiter-Esperantistenbundes" sind di« Voraussetzungen für die organisatorische Zusammenfassung der Ar- beiker-Esperantisten gegeben. Die Adresse des Bun des lautet:„Cechoslovaka Laborista Asocio Esperan- tista, Aussig, Langetzasie 36." Kurs für Heizer und Maschinenwärter. Au d«r Gewcrbefördrrungsanstalt der Handels-' und Ge werbekammer findet bei hinreichender Beteiligung in der Zeit vom 3. bis 23. November 1982 ein dreiwöchiger ganztägiger Kurs für Heizer und Maschi nenwärter statt. Der Kursbeitrag ist einschließlich der Unfallversicherung.mit fa 55.— festgesetzt. Di« auswärtigen Teilnehmer haben aus den Staatsbah nen Anspruch auf den halben Fahrpreis. Di« unge stempelten Aufnahmsgesuche find bei der Handels und Gewevbekammer in Reichenberg einzubringen. Den Bewerbern wird empfohlen, der Anmeldung rin ungestempeltes, an das Handelsministerium ge richtetes Ansuchen nm«ine Kurs- und Reifeunter- stützung samt einem Mittellosigleitszeugnis beizu schließen. Nähere Auskunft erteilt di« Gewerbesör- derungsam'talt der Handels- und Gewevbekammer in Rerchenberg, Kantstraße 3. Leichengräber. Das Gericht in Helsing- fors verurteilt« mehrere Mitglieder einer heid nischen Bauernsekte, die unter Beschwörungsfor meln aus den Gräbern finnischer Kirchhöfe Leichen ausgegraben hatten, zu größeren Gefäng nisstrafen. Als vor längerer Zeit bei einer Wald quelle in der Nähe von Helfingfors zahllose Leichenteile gefunden würden, glaubte man, einem grausigen Massenmord auf die Spur gekommen zu sein. Die kriminalpolizeiliche ErmittlungS- arbeit hat nun zu einem anderen.. Ergebnis, ge- führst die jetzt, verurteilten Mitglieder jener heidnischen Bauernsekte haften Leichenteile„ge- raubt" und gesammelt, um sie zu Heilbeschwö- rüngen, Zaubereien und Schatzgraberarbeften zu verweudert. Di« Mücke als' Zolldetekttv. Eine Mücke wurde dieser Tuge einer Schmugglerin in Jägern darf zum Verhängnis. Die Frau Pflegt« mehrmals von Jägerndorf nach Leob- schutz zu fahren, ohne daß den Zollbeamten etwas aufgefallen wäre. Letzthin stellte nun?n solcher Beamter zu seinem Erstaunen fest, daß die Dame keinerlei Anstatten machte, eine Mücke, die sich in ihr Äuge verirrt hatte, zu entfernen. Dir Frau wurde darauf von einer Beamtin unter sucht, wobei sich zwar in den Kleidern keinerlei Schmuggelgut fand, dafür aber barg das— Glasauge, denn um ein solches handelte es sich, eine Menge von Brillanten! Dir Schmugglerin hatte also einen Trick benützt, der i» der Schmugglerwelt nicht unbekannt ist. Eine seltsam« Leidenschaft. Ein fünfzigjähri ger Großgrundbesitzer und Millionär aus Mo dena wurde verhaftet, weil er sein Vergnügen daran fand, Frauen und Mädchen zum Abschnei den der Haare zu veranlassen. Er zahlte für das Zusehen beim Entfernen des Zopfes fünfzig Lire, und fünfhundert Lire, wenn sich die Frauen voll kommen kahl rasieren ließen. Die Polizei ermit telte mehr als hundert Frauen, die für Geld die ser Opfer brachten. Familientragödie. Lodz. Der Arbeiter Tim, «itt berüchtigter Alkoholiker, versucht« im Streit seine Frau zu erwürgen. Er wurde hiebei von einer Tochter, die zur Verteidigung ihrer Mutter herbeigeeilt war, ernstlich verletzt.! .Sie wurde verhaftet.' Wo fitzen Brust und Leib? Im Brachtschen Badeanzug-Erlaß steht wörtlich: „Frauen dürfen öffentlich nur baden,.falls sie «inen Badeanzug tragen, ter Brust und Leib ander Vorderseite des Oberkörpers vollständig bedeckt.? Brust und Leib an der Hintcrseit« des Oberkör pers dürfen also unbedeckt bleiben. Aber vielleicht läßt sich Hert Bracht von einem Predigtamts kandidaten darüber informieren, daß auch die weiblichen Menschen. Brust und Leib nur an der Vorderseite des Oberkörpers haben. Ein Polarfriedhof von Seeriesrn. In Lenin grad ist der wissenschaftliche Mitarbeiter des Zoologischen Mufeums der Akademie der Wissen schaften, A n d r i a n o w, angekommen, der acht Monat« lang.* die fteberrcste von R i c sen tieren, die. an der Küste der Ob-Bucht gefun den wurden, untersucht hatte. Gefunden hatten worden ist. Geschiedene Personen, die sich auf Grund eine? betrügerischen Verfahrens wieder verheiratet haben, gelten nach argentinischem Gesetz als nicht verheiratet, ihre Kiiwer sind nach dem Gesetze unehelich und es wird langwieriger Schritte bedürfen, um hier wieder legale Zustände zu schaffen.- Di« beiden Hauptscheider. Die von den Mitgliedern des nrugirayischen Gerichtshofes geleitete suchung hat ergeben, daß sich vor dem gericht, das der Leitung eines gewissen Doktor Moreno unterstand, die beiden„Hauptscheider", Denot und Texeira, eines außerordentlichen Wohlwollens erfteuten. Ihre Dreistigkeit ging so weit, daß sie im Morenoschen Bezirksgericht ihr eigenes Büro unterhielten. Einer verträgt den klagenden Teil bei der Scheidung, der andere den beklagten Teil. Die Gerichtsangestellten gehorchten den Weisungen dieser beiden Betrüger, als ob sie in ihrer Hörigkeit ständen. Eine stattlich« Zcchl von Berufszeugen war angestellt, die wahrscheinlich ein festes monatliches Gehalt bezogen. An einem Tage wurde jede„bestellte" Ehe geschieden, wurden die Kosten eingestrichen, wurden die auf Scheidung wartenden Personen amtlich benachrichtigt— es ging alles wie am Schnürchen! Im Zivilregister der 5. Sektion wurde drc Komödie mit etwas vertauschten Rollen wiederholt. Dort vertraten die beiden Haupträdelsführer die nun schon geschiedenen Personen und erledigten die neue Heirat. „Treulos verlassene Frauen". Denot und Texeira haben die doppelte falsche Rolle gespielt, Personen aus Argentinien erst scheiden-zu lassen und dann wieder zu verheiraten. Sie verfügen über einen Stab von Männern und Frauen, die ihnen für jede gewünschte Zeugenaussage gegen klingenden Lohn zur Verfügung standen. Es traten Frauen vor Gericht ,auf, die die Roll« der Betrogenen oder der treulos Verlassenen herzzerreißend spielten, während sie in Wirklichkeit nur im Auftrag ihrer Arbeitgeber die jeweils dienliche Rolle markierten. Man ließ auch Ästen aus Buenos Aires kommen und sandte sie--wieder zurück, alles um einen formalen und legalen Weg vorzutäuschrn. Natürlich konnte dieser Betrug nur glatt gelingen, weil sich zahlreiche Personen der Justizverwaltung blind stellten. Eine Scheidung, Deren gesetzliche Erledigung sonst etwa 18 Monate dauerte, wurde in 23 Tagen durchgeführt. Verschiedentlich sind sogar Gerichtangestellte— natürlich unter falschem Namen— als Zeugen in Ehescheidungssachen aufgetreten.. K. Tiere können in vielem unsere Lehrmeister sein, jedenfalls haben sie manche Errungenschaften unserer Zeit, auf die wir stolz sind, längst vor- weggenommen. Ein Vogel legt zum Beispiel allergrößten Wert auf die Pflege seines Gefieders. Er glättet und sträblt es unermüdlich mit dem Schnabel und nimmt die Gelegenheft zu baden wahr, wo er sie nur findet; wenn man ihm ein Gefäß mit Wasser ins Freie»stellt, plätschert er nach.Herzenslust darin herum. Selbst im Winter verschmähen die Vögel ein Bad nicht. Wenn man ihnen ein Schälchen mit warmem Wasser hinstellt, werden sie die willkommene Gelegenheit gern benutzen. ^Sperlinge und Hühner sind dafür bekannt, daß sie Sanobäder lieben. Sic heben die Federn und wühlen richtig in dem trockenen Staub, so daß dieser an ihre Haut kömmt. Wahrscheinlich wird die Haut oadurch regelrecht frottiert, massiert und gereinigt. Wenn wir unserm Haar mit Brillant' n« Glanz verleihen, so haben‘ auch Enten und Schwäne ein ähnliches Mittel, nur brauchen sie GGeidungsfGiever. 2lufecttung eine« ungeheuren Betruges ,n SNontevlveo Buenos Aires, Ans. Oktober.(Eig. Bcr.) Die Carreradampfer, die den Verkehr zwischen Buenos Aires und der benachbarten uruguayischen.Haupt-» stadt Montevideo vermitteln, tragen'im Volks mund den Beinamen„Scheidurkgsdampfer" oder „Heiratsdampser". Daß im liberalen Monte video(im Gegensatz zu Buenos Aires) leicht geschieden wird, veranlaßt nämlich alljährlich zahlreiche Personen, denen die Ehe zur Hölle geworden ist, sich am jenseitigen Ufer des Rio de La Plata der gesetzlichen Ketten zu entledigen, die ihnen das Leben zur Qual machen. Eine Industrie blüht auf.... Geriebene Personen haben es nun. verstan den, aus reichlich vorhandenem Ehescheidungs- bedürsnis Kapital zu schlagen. Es war nämlich in der letzten Zeit gar nicht mehr nötig, sich per sönlich nach Montevideo zu begeben, um rasch und schmerzlos geschieden zu werden— voraus gesetzt, daß- man über genügend Geldmittel ver fügte. Hatte einer Geld, so brauchte er nur einen bestimmten Betrag an eine bestimmte Adresse in Montevideo zu übermitteln, um nach kurzer Zeit die Ehescheidungs-Bescheinigung und, wenn gewünscht, auch die Bescheinigung des Eingangs einer neuen Ehe, von der er sich mehr Glück als von der ersten versprach, postwendend zu erhalten. Es wurde geschieden und wieder geheiratet, ohne daß diejenigen, die es in erster Linie anging, sich die Unkosten der Ueberfahrt auf dem Carreradampfer zu machen brauchten. Diese Spesen steckte dafür der„legale" Vertreter in Montevideo rin. Die Dame aus Rosario. Es war nicht di« fleißig am La Plata scheinende Sonne, sondern ein argentinischer Rechtsanwalt, der den Schwindel an den Tag brachte: Die Scheidungsschieber konnten dingfest gemacht werden, sie sehen ihrer Bestrafung entgegen.' J 4 Eine Dame auS Rosario, Gattin eines wohl habenden Kaufmanns, war in Montevideo geschieden worden, ohne daß sie eine blasie Ahnung davon hatte und ohne daß sie überhaupt in Montevideo war. Indes geht aber aus den Akten der Ehescheidung hervor, daß diese„geschie den« Frau",, bei allen BerharSkungen vor dem urnguaischen Gerichte in Montevideo vertreten war. Der argentinische Rechtsvertreter dieser „Geschiedenen" begab sich nun selbst nach Monte video, und es tvar ihm sehr leicht, nachzuweisen, was für ein ungeheurer Betrug mit seiner Mandantin und mit vielen tausend anderen Personen vor der uruguayischen Justiz.— mit Hilf« betrügerischer Aussagen, die von gekauften falschen Zeugen gemacht wurden— verübt Eine interessante Aufgabe stellt der PALABA- Photowett bewerb. I. Preis KS 1000'- II.„„ 500- III.„„ 300- und viele Trostpreise in Warer sind zu erringen. Näheres erfahren Sie in unseren Niederlagen: Prag I., U Obecnfho domu 1, II, Vladislavova 17 und Bredov- skä 4, Brünn, Jodokstraße 5 und Na Baltäch 4, B rat is I ava, Störgasse 7, oder direkt von der Firma P Ä L A, A.-G., Elemente- und Batterienfabrik, Schien. Das Handelsministerium gegen die Kovfnmgenoffenfchasten. In der Kampffront, die von der Privat wirtschaft auf der ganzen Linie gegen die Selbst- Hilfeorganisationen der Verbraucher entrollt wird, hat sich nun, wie wir der ,^ionsumgeuosienschast" entnehmen, auch das Handelsministerium cingc- reiht. Nicht genug damit, daß die Gewerbetreibenden, die private Kaufmannschafl sich aller Mittel, selbst auch der anrüchigsten, bedienen, um gegen die Konsumgenossenichasten in aller Oeffentlichkeit zu Hetzen, nicht genug damit, daß die Steuerbehörden allenthalben bemüht find, die Besteuerungsgrundlagc der Konsumgenossenschaften zu verschlechtern, nicht genug damit, daß von feiten einzelner Behörden versucht wird, Konsumgenosienschäften durch eine engherzige Auslegung des§ 88 des Genossenschaftsgesetzes den Garaus zu machen, hat sich jetzt auch das Handelsministerium offenbar zum Ziele gesetzt, den Wünschen der privaten Kaufmannschaft, die auf eine Beseitigung der ihnen unbequemen Konkurrenz der Konsumgenossenschaften hinaus- laufen, in seinem Wirkungskreis zu entsprechen. Trotzdem die Konsumgenossenschaften hinsichtlich der behordlickteii"Ailfsicht dem Ministerium für soziale Fürsorge unterstehen, hat es das Handelsministerium für notwendig erachtet, in einem Erlaß an alle Landesbehörden zu verfügen, daß gegen die Konsumgenossenschaften mit besonderer Schärfe eingeschritten werden soll, weiin sic an Nichtmitglicder verkaufen. Mit diesem Erlaß will, das Handelsni:ni- sterium den Kaufleuten entgegenkommen. Ten Kaufleuten ist eS natürlich nicht so sehr darum zu tnn, durch diesen Erlaß des Handelsministeriums zu verhindern, daß die Konfttmgenvsfen- schaften an andere als an Mitglieder verkaufen. Das tatsächliche Ziel und die unausgesprochene, aber vorhandene Absicht der Herren ist es, Straf- erkenntnisse gegen die verantwortlichen Leiter der Konsumgenossenschaften dazu zu benützen, damit Vie Bestenernngsgründlage der Kotrsumqcnossen- schaften verschlechtert werde. Die Genossenschaften haben nun von feiten des privaten Handels ein« erhöhte Tätigkeit in der angedeuteten Richtung zu erwarten. Es gilt, alle Maßnahmen zur Vereitelung der Absichten unserer Gegner zu treffen. „FreundfGaft" der Malender der%0ettertiaftei: gehört in jede proletarische Familie! dann zu einer harten Kruft« und nimmt beim Abfälle» das Ungeziefer mit. weg, das die Dickhäuter quält. Die Klugheit der Elefanten macht sich nämlich auch bei dieser Körperpflege geltend. Er pflegt nämlich mit dem Rüffel Rohr abzubrechen; jedes Stück betrachtet er prüfend. Wenn es seinem Zweck nicht entspricht, wirft er es weg und bricht ein neues Stück ab. Haj-er endlich ein Pas- selides Rohr gefunden, so halt er es mit dem Rüffel fest und kratzt sich damit in der Hautfalt«, in der sich eine Elefantenlaus festgesetzt hat, di« er auf archere Weise nicht beseftigen kann. Die scharfe Zunge der Katze ist Bürst« un' Kamm zugleich. Das weiche Katzenfellchen wir- durch das eifrige Putzen glänzend und seideniv«' Die'« Art der Haarpflege erscheint sehr wirksam. Fliegen sehen wir minutenlang dasitzen unr mit größtem Eifer mit den Hinterbeinen die Flügel glätten, in einer gleichmäßig rhythmischen Bewegung, die aussieht, als müßte sie die Tiere sehr anstrengen. Wahrscheinlich befreien sie di« Flügel aus diese Weise von beschwerenden Anhang leln wie Staub oder Feuchtigkeit,, die ihnen beiw Flug hinderlich sein würden, außerdem befinden sich auf den Flügeln kleine Lebewesen die ihnen als Nahrung dienen. -Erikst Germer. Seite 6. Dienstag, 18. Oktober 1932. gt. 246. PWAOER IBHIIMQ. Ausslugszug nach Berlin und Hamburg. Di« Siaalsbahndirektion in Prag fertigt in den Tagen rom 4. bitz 7. November einen AuSflugszug »ach B e r l l n u nd Ha m b u rg zum Preise von $50 K ab. In demselben sind enthalten: die Fahrt hin und zurück, Derpfleguirg, Fahrten mit den Auto-, earS, sämtliche Eintrittsgelder, die Gebühren für den gemeinsamen Paß. Abfahrt von Prag am 4. 9b- »cmbcr abends, Rückkehr am 7. November früh. Anmeldungen mit einer Angabe von 100 K nimmt die Kassa Nr. IS am Masarykbahichof bis längstens >. November d. 8. entgegen,.!Die näheren Informationen erteilt diHelbe Kassa ob Freitag, den 21. Hs. Gerichtssaal Sin Sirabeubahnunglück. Wer ist schuld? Prag, 17. September. Der Pilsner Handels- kammerdirektor Karl Bayer hat am 23. November v. I. bei Benützung der Prager Straßenbahn einen schweren Unfall erlitten. Beim Aufsteigen in oer Station Gcorgsplatz in den Weinbergen glitt er von den Stufen des ersten ÄnhängrwagenS ab und gerier mit dem rechten Fuß unter den zweiten Anhänger. Das Bein müßte amputiert werden. Seine Tochter, die ihn begleitete und die sich bereits im Wagen, befand, sprang in ihrem Entsetzen über den Unfall des Vaters aus dem fahrenden Wagen, fiel zu Boden und zog sich Verletzungen zu. Nun war die Frage zu entscheiden, wer an diesem Unfall schuld trage. Gegen Lenker und Schaffner des Wagens wurde das Stral- versahren wegen fahrlässiger Körperverletzung eingeleitet und heute vor dem Senat OGR. M r ü z e k ausgetragen. Der Beschädigte und seine Angehörigen als Zeugen behaupteten, daß der Schaffner vorzeitig das Abfahrtssignal gegeben habe und der Lenker losgefahren sei, ohne sich durch einen Blick in den beim Führerstand befindlichen Spiegel zu überzeugen, ob keine Gefahr bestehe. Demgegenüber lautet die Aussage eines anderen Zeugen dahin, daß der Verunglückte mit seinen Begleitern in den schon fahrenden Wagen aufgesprungen sei. In diesem Fall würde es sich um Eigenverschulden handeln. Der Gerichtshof fällte einen F r e i s p r u ch, da der Nachweis für ein strafrechtliches Ver- schulden der beiden Angeklagten nicht erbracht sei. Im Hintergrund steht der Schadenersatzanspruch des Verunglückten, der. sich dem Strafverfahren mit einem Betrag von 80.000 K für Schmerzensgeld und weiteren 100.000 K für verminderte Erwerbsfähigkeit ange- schlossen hatte. Ueber diese Ansprüche wird das Zivilgericht zu entscheiden haben. rb. Hassan und Fatima. Exotisch« Verhandlung. Prag, 17. September. Herr Hamza Hassan aus Kairo, arabischer Nationalität und mohammedanischer Religion, wird aus der Haft vorgeführt. Neben ihm nimmt seine Frau Fatima Hasim Mohammed Platz, ein halbjähriges Kind auf dem Arm, während sich sechs weitere Kinder(das älteste zehn Jahre), alle bildhübsch und ein bißchen ver- liedert, sich um den Vater drängen, sich ihm an Ha.'s und Arm hängen, ihn unmrmen und küssen. Hamza Hassan soll häßliche Eskamoteurkünste getrieben und seine Frau Fatima ihm dabei geholfen haben. Er eskamotierte am liebsten vor Geschäftökassen und als Objekt bevorzugte er größere Banknoten. So erschien er in der Großselcherei Bcranck, zeigte einen Tausender und verlangte durch Gesten Kleingeld. Während die gefällige Kassierin das Wechselgeld aufzähltc, fahr er blitzschnell mit der Hand in das Geldpult und zog ein Bündel Banknoten heraus. So schnell, geschickt und geschmeidig ging das, daß die Beamtin nichts merkte und nur ein zufällig aufsteigender Argwohn veranlaßte sie, die Hand des exotischen Fremdlings zu packen und nach oben zu drehen, so daß der Diebstahl offenbar wurde. Er wurde festgestellt und verhaftet. Nun kamen im Laufe der Untersuchung noch eine Reche ganz ähnlich ausgeführter Streiche zutage, die stets nach dem gleichen Schema ausgesübrt wären. Er w c ch seit e entweder oder kaufte eine Kleinigkeit und griff dann gedankenschnell in die geöffncten Geldpmte und Kassenfächer, was freilich nicht in allen Fällen einwandfrei nachzuweisen ist. Seine Frau soll chm zuweilen geholfen haben. Beide Angeklagten verschworen sich hoch und teuer, nichts auf dem Gewissen zu haben, und riesen Allah als Zeugen an. Die Verhandlung war mühsam genug. Hamza Hassan spricht französisch mit italienischen Brocken vermischt und der Gerichtsdolmetscher hatte schwere Arbeit. Diese Leute sind aus ungeklärten Gründen auf der Wanderschaft und über Südslawien und Ungarn zu uns gekommen. Einige serbische Worre sind ihm im Gedächtnis geblieben, die er bei der Verhandlung mit mehr oder weniger Glück, anzn- bringeu suchte. Im übrigen hat er ein tabelhasieS GestikulationStalent . Infolge der nicht ganz bestimmten Aussagen wurde nur e i n Fall als erwiesen betrachtet und -Hassan zu sechs Wochen Arrests verurteilt; Sie Strafe ist durch die Untersuchungshaft verbüßt. Er kniete nieder uob beugte die Stirn bis zum Boden, dann flehte er pantomomisch den Segen Allahs auf die Richter herab und küßte d> e Kante des Richtertisch es- Der erste Strafsenat verzeichnete mit diesem Fall als Abschluß heute einen Großkampftag, denn mit unbeträchtlichen Pausen verhandelte er von 9 Uhr bis viertel 6 Uhr nachmittags.' rv. Kunst und Wissen Der neue„Rigoletto". Zwei Kapellmeister bemühten sich Sonntag darum, Giuseppe Verdis hochdramatische Oper „R i g o l e t t o" musikalisch aufzuführen. Sie konnte» es aber, beide nicht verhindern, daß im ersten Akt Unstimmigkeit zwischen Hauptorchesker und der bewußter und reicher als sonst verwendeten Bühnenmusik herrschte. Auch die Anordnung der Ballettszene dieses Aktes war Kapellmeister Max Rudolf, der sich zum ersten Male als Regisseur betätigte, ebenso mißlungen wie seinen früheren Regiekollegen. Dagegen zeigte er in manchen aufmerksamen Details den richtigen Sinn für die Uebereinstimmung zwischen Musik und Szene. Und an den darstellerischen Leistungen aller auf der Szene Beschäftigten merkte man die auf einheitliche Wirkung abzielende kundige Hand eines mit allen Einzelheiten der Oper vertrauten Regisseurs- Emil Pirchan als Ausstattungschcf war ihm mit einigen neuen, wirkungsvoll eingestimmten Bühnenbildern zu Hilfe gekommen. Das eigentliche künstlerische Ereignis dieser„Rigoletto"-Neuaufsührung war, wie nicht anders zu erwarten, Antonio B o t- tos musikalische Leitung. Wieder beglückte die wundervolle, dynamische Abtönungkunst dieses innerlich durchglühten und restlos in seiner Aufgabe aufgehenden Dirigenten, der immer nur Diener am Werke ist und dieses in priesterlicher Hingabe zelebriert. Und daS Geheimnis seiner Kunst der Stabführung ist eigentlich gar keines; denn es besteht in der unbedingten Ehrlichkeit, Genauigkeit und Sorgfältigkeit der gestellten Aufgabe gegenüber. So hörten wir von Dotto eben Verdis Opernmuftk nur so, wie sie wirklich sein soll: mit eindringlicher Betonung des melodischen Reichtums, wirkungsvoll gegliedert im dramatischen Sinn der Dynamik uns des RhychmuS, immer darauf bedacht, die Sänger zur entsprechenden Geltung kommen zu lasten. Einzigartig dabei die technische Vollkommenheit dsr musikalischen Interpretation: glänzend disziplinierte Chöre und Ensembles und ein solistisch sorgfältig Musizierendes Orchester. Unter den mitwirkenden Solisten ragten Herr Hagen(Rigoletto) und Herr Riavec(Herzog) besonders hervor. Dieser zeigte sich als Berdisänger ganz großen Formats, dessen blühende Stimme und echt italienische Gesangskultur der Operuwusil Verdis alleS zu geben vermag, was sie zu ihrer richtigen Wirkung, braucht Hagen als Rigoletto erwies sich ihm durchaus ebenbürtig; als ganz in seiner Rolle aufgehender, dramatisch packender Darsteller war er ihm sogar bedeutend überlegen. Schauspielerisch ausgezeichnet war auch Frl. Käthe Walter als Gilda. Leider hält die gesangliche Leistung mit der darstellerischen nicht Schritt. Den Koloraturen der Gildapartie wurde die Künstlerin noch mit Anstand gerecht, aber rein stimmlich sind ihr in der Höhe bedenkliche Grenzen gezogen. Nicht durchaus befriedigend waren auch die kleineren Partien der Oper besetzt: HotterS Monterone tut tonlich allzu viel Guten, HölzlinS Sparafueile wirkt stimmlich und darstellerisch nicht finster genug und Frau S i l t e n s Magdalena ist stimmlich doch gar zu zart. Das Theater war abermals ausgezeichnet besucht, der Beifall begeistert. Aber die neueste Unart des Publikums, mit dem Beifall bei allen unpassendsten Gelegenheiten zur Hand zu sein, gibt zu denken. ll. J Erste Arbeiter-Vorstellung:„Medea". Der Besuch ließ zu wünschen übrig. Das ist nicht weiter erstaunlich, vor den Klassikern hat man doch zumeist nur kühle Achtung. In allen Gesellschaftsschichten Gab es doch sogar bei der„Epmont"-Aufiührung, dez gesamtdeutschen Goethe-Feier: große Lücken im Theater. Und Grillparzer,— nun, so richtig nahe kam Grillparzer nie dep Herzen. Frau Erika B«i l k e s Medea freilich/ obwohl sie manchmal, zu sehr berechnend zu sehr übersteigerte, vermochte am Sonntag doch die Anteilnahme der Zuschauer zu ^Minnen. ES war nur, nur das Menschlich-Tragische der sich beraubt und verlasten sehenden Frau, da? rrlchüttevte. ES blieb alles andere daneben blaß. Es blieben eS auch, außer Carola Behrens natürlich- lufacher Kreusa und RösnerS schlichtem, väterlichem, tvenn auch wenig königlichem Kreon, die andere». Schauspieler.— Die Besucher waren sehr beifallsfreudig.—fb— Tanzabend Sacharov. Nicht viele Tänzerinnen werden gleich ausdrucksvolle Bewegungen haben wie diese kleine, schwarze Frau mit dem wilden Wuschcl- köpf. Ihre Kunst fußt im Technischen auf guter alter Ballettkunst, ihre Hände aber bewegen sich unfaßbar unabhängig und erzäblen so zwischendurch etwas ganz anderes alS der übrige Körper. Mit wahrhaft einzigartiger Leichtigkeit weiß sie Chopin? Walzer zu interpretieren, chre angeborene Verträumtheit spricht aber wohl am klarsten auS den weichen,- impressionistischen Klängen eines Debussy oder dem Negerlied von Guion. Weniger begeistert können ihr etwaS gezwungener Uebermut in Schumanns„Glücks genug" und den wuchtigen Barockcharakter von Bach ephebisch umzuwerten. Ihr Partner scheint mir in§ Weibliche zu verguckt; trotz außerordentlicher Technik kann er an seine Frau nicht heran. Beachtlich war auch das Können der Pianistin Balmalette, die aus einem Stutzflügel krafwolle Töne hervorholen konnte und in der Chopininterpretation direkt Sauersche Leichtigkeit zeigte. Es war ein Abend, der uns weniger die komplizierte Innerlichkeit einer Wigmann als gefällige Temperamentsausbrüche a la Argentina bescherte.—vl—. Heute:„Die Walküre" am Deutschen Theater (AI) Dirigent: Szöll, Sieglinde-Helm, Brunhild«- Merker, Siegmund-Fischer, Waotan, Prohaska, Hunding-Andersen. Die Fricka singt hier zum erstenmal Lydia Kiudermann, eine Partie, die sie auch an der Berliner ItaatSoper gesungen hat. Deutsche Akademie für Musil und darstellende Kunst in Prag. Am Donnerstag, den 20. Oktober, um 8 Uhr, hält Dr. Radwan im Saale der Lyzeums, Prag II., Charvätova 5, einen Vortrag über neue Wege zur Beseitigung psychischer Hemmungen(Trema) bei VortragSkünstlern.— Frei, williger Regiebeitrag. Wochenspielplan des Reuen Deutschen Theaters. Dienstag, halb 7 Uhr:„Die Walküre"(A 1).— Mittwoch, halb 8 Uhr:„Elisabeth von England"(B 2).— Donnerstag, halb 8 Uhr:„Rigoletto"(C 2).— Freitag, halb 8 Uhr:-„Schwarzrote Kirschen"(D 8). — Samstag, halb 8 Uhr:.„Der Mann ja, die Frau nein"(Gastspiel Gisela Werbezirk) — Sonntag, halb 8 Uhr:„Drei Musketiere'; 8 Uhr:„Der Mann ja, die Frau nein" -Gastspiel Gisela Werbezirk). Wochenspielplan der Kleine» Bühne. Dienstag, 8 Uhr:„S P iel i m Schloß'(Gastspiel Leopold K r am e r).— Mittwoch, 8 Uhr: Dreimal Offe nb a ch.— Donnerstag.halb8Uhr:„Week- e n 8."— Freitag, 8 Uhr:„Werken d."— Sami- tag/8 Uhr: Dreimal Offenbach.— Sonntag, 3 Uhr:),Coeur-Bube"; 8 Uhr: Dreimal O f f e n b a ch. Sport- spiel• Körpemnefle Bürgerlicher Sport. Um die StautSmeifterschaft der Amateure. Am Sonntag wurden die ersten Spiele der Vorschlußrunde ausgetragen. DFC. Prag konnte auf eigenem Platze gegen Sparta Koiiik nur ein Unentschieden von 4:4(2:3) hrrausholen. Beim DHC. versagte jo ziemlich alles Das Hals mit Steffi war wohl der schwächste Teil, nachdem die Verteidigung, die sich oft bei deu schnellen Angriffen des Gegners keinen Rat wußte. Im Angriff war die linke Seite die agilste. Die Spartaner zeigten zwar-nicht so. ein abgeklärtes Spiel, waren aber ungemein rasch am Ball und schußfreudig.— In Kolin verlor der Karlsbader FK gegen A F K. 2:,g(2:2)»ick» wird wohl im Rückspiel nicht den Vorsprung von drei Tyrtzn ausholen können. Di- Mcistrrschafts-„Spiele" der Profi. Ter Sonntag stand in Prag im Zeichen der Begegnung Sparta—Slavia. Sportlich Wertvolles war in diesem Kampf nicht zu, sehen, wohl aber zügelloses An-den-Mann-gehen. Der Tormairn der Sparta erlitt eine G.e h i r n e r s ch ü t t e r ü n g, außerdem sollen ihm auch ein paar Zähne eingeschlage u worden sein; Pui(Slavia) war der Uebel- iäter, der sofort ausgcschlosten wurde. Pud hätte dem auf idem Boden liegenden Tormann den Ball aus den Händen stoßen wollen, statt dessen traf er : gegen Ha- koah 8:2(2:1), Sportklub gegen Libertas 1:3 (2:2).— Linz: Rumänien gegen Oesterreich 1:0 (1:0), Europacup der Amateure.— Für t h: 1. FE. Nürnberg gegen VfR. 5:0 Mönche n: SV. Ulm gegen Wacker 5:1.— A u g s bürg: Bayern München gegen Schwaben 2*:-l— Enschede: Westdeutschianrd gegen Ostholland 4:1 11:1).— Brüssel: Holland gegen Belgien 8:2(2:1). Den Leichtaihletik-Länderknmps Ungarn-Italien, der in Florenz ausgelragen wurde, gewann Italien mit 72: 60 Punkten. Literatur Hofes Leuhard:„Mensch unter« Hammer." Roman. 211 Seilen. Gairzlcinen. Verlag:„Ter Büchcrkreis G. m. Bkrlin SW'. 61-' Preis 4.30 RM. ueber allen Menschen, die ums tägliche Brot kämpfen müssen, wallet«in Verhängnis, däs sie zwingt, unbewußt einander zu zerffeischen. Sie müssen einander die Arbeit ncideu, oft auch da» schönere Weib, fast immer das' tasscre Aussehen, mit einem Wort alles, was den anderen rorZugslpeise von ihnen unterscheidet. Das Gesetz, üiuer dem sie ihren Kampf führen dürfen, sieht keinen Paragraphen vor zu ihrem Schutz. So beißt jeder nach rechts und links, schlägt voni und hinten aus und verteidigt rücksichtslos seine.Futterkrippe. Unter ihiren ist einer, der den sonderbaren Pamen Kilian Narr" nicht ohne Grund führt, einer der Aermsten, ein Taglöhner, der nach einer erschütternden Äugend gegen das Verhängnis aus seine-Art angehe» will. Er läßt seinem brennenden Freiheitsdrang dir Zügel schießen, überreitet Hindernisse, vor denen seine Kollegen zurückschrecken.„Mensch ünierm Hammer" heißt das Buch. Tas besagt, daß Schläge autgcteilt und empfangen werden. Es ist ungeschminktes und wahrhaftiges Erleben und zeigt die Hauptfigur im gigantischen Kampfe um die Nutznießung der Schönheiten und Wissensschgtze der. Erde. Aber es hilft :hm alles nichts; seine Offensive Kege»'das Schick- 'äl stößt in leeren Raum.-Muß ins Leere-stoßett, solange er die Werktätigen nicht drängt, ihr».eigene« Gesetze zu schaffen, einen eigenen Willen-zum Ausdruck zu bringen und ihr«, eigene Erziehung selbst in die Hand zu nehmen. Das Buch wird manchem»»ehe tun, vielen wird es Kraft"geben zum beschwerlichen Aufstieg, allen aber zugleich ein spamrender Unterhaltungsstofft sei«. Peter Mendelssohn:„Schmerzliches Arkatieu." Universitas, Deutsche Verlags-A.-G.. Berlin. Pappe RM. 3.80. Leinen RM. 4.80. Ei» iM besten Tiüite romantisches Buch. Die Handlung ist kurz folgende: Ein deutscher Junge, der in Argenkiniwi ausgewachsen ist. kommt nach Deutschland, zurück uns wird io einem Landerziehungsheim erzogen. Hier Muß er sich«n die fremde Umgebung einleben. Er. Vdjlieftt Freundschaft mit einer rührend komischen fielen „Räuberbände",' später mit de»„großen Freunden', die die Schule beherrschen. Geheimnisvoll lockt«» Landhaus jenseits des Sees, an dem die Schultz ficgi für einen kurzen Augenblick öffnet sich ihm auch die'« Welt. Eine plötzlich erwachende Liebe zu dem Mädchen, das in diesem Landhaus haust und.das schließlich erzwungene Entsagen lassen den Knaben zum Jüngling reffen.— Diese kurze Inhaltsangabe jedoch gibt kauni einen Begriff von der Schönheit d:e- seS Romanes. Die Handlung ist eingesponnen in den Reiz der lieblichen Landschaft um den Bodenice. in die Atmosphäre des deutschen Frühlings Ueber dem ganzen Buch webt der Zauber deS Geheimnisses So entsteht eine verhaltene traumhafte Stimm» n« die in ihre Zartheit und Keuschheit trotz der Moder, ne» Seelendarstellung an Eichendorfs erinnert Sleettt« I--»- Cd«t r kd«11 e, r. vnhkl»-«kramworilichrr Hrtafteiir: Dl«mH Bttaik. vra,- Dn> ItlMupiKnbiTentoa m» Lrlaft Rt t3.800/VII>1930 bewillig- vr,»««brdn,gongens»ei Zuftelluu, M Hau« oder bei Be,ua durch bi» Post mouottich Ke M.—.»ieruliädrlich U 48m tzaldjod», Ke 86.—.(aneiaettg Ke UL—.— Jajerau werden laue Laris blltigst berechnet, P« öftere»«UtlchaUunge» Preisnochtatz.-iückstelltur, öo» Maauslripie» erfolgl mk lei Sisfenbunt der sielourwarte».