12 Jahrgang. Donnerstag, 20 Oktober 1932 Siuzelpreis 70 Heller. (Einschließlich 5 Heller Portal Srschelnt mit Ausnahme des Montag täglich früh.- 3»’ftaHlon U. UerWOltUBfl: örao n, Mefäjanra 18 ♦ r«IW».: 36793. 31469. OtaeM U d r i a I in einer Sitzung der politischen Minister offiziell seine Demissionsabsichten mitgeteilt und sie mit seiner erschütterten Ge sundheit begründet. Tic Minister beschlossen daraufhin, dein nächsten Minifterrat die Gesamt- demi ff i o n d e s Kabin« tts zu empfehlen. Inzwischen verhandelt der— von dem nicht gerade verfassungsmäßigen Forum des Vorstandes der tschechischen Agrarier beauftragte künftige Ministerpräsident Malypetr bereit- mit den Parteien. Einzelne Matter verzeichnen das Gerücht, daß Malypetr däbcr äüch mit den tschechischen Gewerbetreibenden und mit Hlinka zu verhandeln gedenke. Für den Posten des F i n a n z m i n i st« r- in der neuen Regierung wird eine' ganze Reih« von Anwärtern genannt. Dr. Preiß von der 2ivm> und auch Dr. Engli« dürften nicht viel! Aussichten haben, da sie auf scharfen Widerstand nn sozialistischen Lager swßen würden. Weiterwerden Oberdirektor N o v a k und Dozent Basch von der Nationalbank genannt, ohne daß damit die Liste der Aiüvärter erschöpft wäre. Größere Verschiebungen würden sich ergeben, falls man den Plan ausführen sollt«, die Ministerien für Bolksernährung und Unifizierung nicht mehr mit eigenen Ministern zu besetzen, sonderst durch andere Minister verwalten zu lassen. In diesem Fall soll nach einer Version Bechyn« Postminister werden, während Dr. Franke das Eisenbahnreffort übernehmen und der jetzige Minister H-la sich wieder in einen schlichten Ministerialrat verwandeln würde. Als agrarische Ministerkandidaten werden nach wie vor H o d S a, Dr. Lern y, der Schwiegersohn övehsas, aber auch der mährische Landespräsident«L e r n y als Innenminister genannt. Dies alles sind jedoch bloß? Kombinationen. Sozlaldemokratisdies Mißtrauens* Votum gegen Dollfuß Wien, 19, Oktober.(Eigenbericht.)' Heut« nachmittag fand eine mehrstündige Beratung der sozialdemokratischen Abgeordneten statt. Es wurde bqchlossen, in der morgigen Sitzung des Nationalrates wegen des Mßbrauchss des kriegswirtschaftlichen. Ermächtigungsgesetzes, dann wegen der Berufung eines ausgesprochen monarchistischen Putschisten zum Staatssekretär für Sicherheitswesen und wegen Verletzung des verfassungsmäßig gewährlerststen Grundsatzes der Gleichheit vor dem Gesetz bei der Erlassung eines «inseitigen Versammlungs- und Demonstrationsverbotes einen Mißbittiyungsantrag gegen die Gesamtregierung einzubringen. Ferner beschloß der Verband, gemäß dem im Mai beschlossenen Gesetz über die Auflösung des Nationalrates als Wahltag dcn 27. November v o r zu sch l a g e n. Die/ Regierung hat bekanntlich in einer Besprechung mit den Großdeutsen In Bezug auf das Verhör des Kohlengrubenbesitzers Franz S t e j s k a!, der in Berlin verhaftet wurde, nnd die Vorladung von 12 ehemaligen Ministern des Jahres 1920 als Zeugen hat sich das Gericht di« spätere Entscheidung'Vorbehalten. Weiters stimmt« das Gericht der Verlesung aller vorgeschlr- genen Schriftstücke zu. Bezüglich der Akten des Obersten Kontrollamtes betreffend den Waggonkauf behielt sich das Gericht jein« Entscheidung vor. Da die Zeugeq noch nicht anwesend waren, wurde mit der Verlesung von Gerichtsakten begonnen, und zwar der Strafanzeige des Redakteurs THma gegen Abg. Itkibrn> vom Jahre 1931 und der Korrespondenz der Firma Aron u. Walter vom Jahre 1920, adressiert an Sychrovsk-, betreffend seine Provision aus dem Waggongeschäsk, wobei der Angeklagte SychrovskL über den unklaren Text des Schreibens wegen der«inen Million für diskrete Ausgaben keine näher« Erläuterung gab. Hierauf legte der Staatsanwalt dem Aba. StribrnF die Frage vor, ob ihm Sichrovskx nicht selbst oder durch eine andere Person eine B e- l o h n u n g angeboten habe. Abg. Stribrn- antwortet hierauf:„Ich schwör« bei allem, was mir heilig ist und bei meiner Ehr«, die mir das Teuerst« ist, daß ich niemals mit Sickrovsk^ gesprochen habe, daß mir dieser weder selbst noch durch fremde Vermittlung, noch durch Vermittlung Pleys etwas angeboten hat. Mir steigt das Blut zu Kopf, so ost diese Frage an mich gestellt wird!" Der Vorsitzende beruhigt den Angeklagten und ersucht ihn, sich nicht aufzuregen; es sei Pflicht des Staatsanwaltes, dies« Fragen zu stellen. Dann wird Regierungsral Dr. Anton Jaroch. Staatsbahndirektor in Prag vorgerufen, der in der kritischen Zeit persönlicher Sekretär des Ministers Strebrn^ war und dessen Privatkorrespondenz erledigt«. An Besuche beim Minister erinnert sich der Zeug« nicht. Er gibt zu, daß der Bruder des Ministers den Privateingang desselben benützte. Ob der Z«uge in jener Zeit am Gang des Präsidiums SichrovskF getroffen hat, wie er dies beim Verhör vor dem Untersuchungsausschuß angab, kann er jetzt nicht mit Sicherheit sagen. Dann wird das Protokoll des Zeugen vor dem Untersuchungsausschuß verlesen, in welchem er angibt, daß der M'.nister Sichrovsky wahrschein- l i ch empfangen habe und daß er der Meinung gewesen sei, daß Stkibrnx und Sichrovsfff einander kennen. Der Zeuge erklärt:„So habe ich dies nicht gesagt". Vorsitzender:„Wurde Ihnen das Protokoll vorgelesen, bevor Sie es unterschrieben?" Zeuge: „Es wurde mir nicht vorgelesen, ich unterschrieb es, ohne es gelesen zu haben". Vorsitzender:„Weshalb glaubten Sie, daß Stkibrn- und SichrovskL miteinander bekannt sind?" Zeuge:„Das hab« ich nicht gesagt!" Vorsitzender:„Warum glaubten Si«, daß StchLovfky« wahrscheinlich" beitn Minister war?" Zeuge:„Dies habe ich vielleicht in einem anderen Zusammenhänge gesägt." Der StaatSanwalt Dr. Marianko beantragte hierauf di« Beschaffung der stenographischen Aufzeichnungen über die Aussage der Zeugen vor dem Untersuchung sausschuß. Wetteret Sieg unserer Eisenvahner. Gleichzeitig mit den Wahlen in-die Ber- trauensmännerkörperschaften aus den Eisenbahnen fanden Wahlen in di« U n f a l l v e r- sicherungeanstalt der Eisenbahner statt. Es erhielten Unie-Bcrband(Freie Gewerkschaft) 53.154 Stimmen, die Jednota(tschechisch-nationalsozialistisch) 41.518 stimmen, die Klerikalen 12.998, die sogenannten Unabhängigen 16.483 und die Kommunisten(welche nur im Bereich der Eisenbahndirektton Pilsen kandidierten) 1310 Stimmen. Di« Unie-Verband gewinnen 1 Mandat und haben nun 33 Mandat«, die Jednota hatte 31 Mandate und erhält nun 21, verliert also 10 Mandate, die Klerikalen gewinnen 4 Mandate, die Unabhängigen 5 Mandate, die Kommunisten haben nur 1 Mandat errungen, da ■ sie früher 11 hatten, verlieren sie 10. Klrchweih'Katzensammer bei den khriftlichsozialea. Unsere Christlichsozialen werden wieder einmal von recht schweren Sorgen geplagt. Sind es die Opfer der Wirtschaftskrise, die hundert- lausenden Arbeitslosen, die ihnen so viel Kopfzerbrechen machen? Sind es die erforderlichen Mittel, mit denen die Not und das Elend der Arbeitslosen in den kommenden Wintermonaten gelindert werden muß, mir deren Ausbringung sie sich beschäftigen? Nichts von alledem! Viel, viel größere Sorgen haben die frommen Herrschaften. Not und Elend Hunderttausender Men- schen, denen die„gottgewollte" Gesellschaftsordnung nicht Brot und Arbeit zu geben vermag, sind Kleinigkeiten gegen die— Kirchweih! Die Leser der klerikale»„Tagespost" werden nicht wenig geschaut haben, daß ausgerechnet di« Kirchweih den Herrn B., dem si« schon so viel Geschichten für die alte Blaschkin verdanken, zum Schreiben eines Leitartikels veranlaßte. Die Geschichte beginnt so: .„ES ist nichts mehr los zur Kirchweih...", so hört man heute oft klagen und denkt der Zeilen, wo die„kleine" und„große" Kirchweih noch in Dorf und Stadt eine große Rolle spielte. Die allgemeine Gottentfremdung hringi es mit sich, daß man■ mit dem Kirchweihfeste nichts mehr anzufangen weiß daß man diesem Fest« innerlich fremd geworden ist. Jsfs schade, daß di« Kirchweih langsam auS- stirbt im Volksleben?" Mancher mag sich denken: Ach, wir haben ohnedies„Festlichkeiten" genug! Es gibt bald kein Wirtshaus, wo nicht jeden Samstag und Sonntag bei einem Werkel getanzt und geschoben oder für andere„Unterhaltungen" gesorgt wird. Ja, es ist wahr: Je mehr di« kirchlichen Feiertage in Vergessenheit geraten, desto gehaltsloser ist für viele auch der Sonntag geworden und desto mehr sucht man in den freien Samstagen und Sonntagen Drang nach Austoben und Ausleben zu be- ftiedigen. Die Betriebe und Unternehmungen kennen keinen Feiertag mehr und am Lande draußen ist auch die Sonntagsruhe nicht mehr heilig. Damit schwindet auch der Sinn für das richtige Feiern von Festen, wie es unsere Alten und wir selbst noch gewohnt waren. Jetzt werden es die Arbeitslosen hoffentlich begreifen, was ihnen gefehlt hat: die richrige Krrchweih st immun g. Denn für die Osffer der bestehenden Wirtschaftsordnung gibt es ja heute nichts anderes denn Wirtshäuser, den Drang nach Austoben und Ausleben. Und damit sie ganz genau erfahren, was sie zu tun haben, lasten wir auch noch di« Schlußfolgerungen des Herrn B. über den Kirchweihkatzenjammer folgen: Kirchweih— die Mahnung zur Erneuerung der Pfarrgemeinde! Erfüllen wir Katholiken diese Aufgabe nicht, dann wird der vollständigen Verweltlichung und dem Vergesten des Kirchweihfestes bald auch der Verfall der Kirchen und di« Auflösung der Pfarrgemeinden folgen. Wollen wir das? Der Herr B. sollte doch mal die Arbeitslosen befragen. Di« würden ihm wohl die richtige Antwort nicht schuldig bleiben. Di« Budgetdebatte in der böhmischen Landesvertretung gedieh gestern bis zum Kapitel „Gewerbe,-Handel und Industrie", zu welchem Genossin Schaffer sprach. Nnen Auszug aus dieser Rede werden wir nwrgen bringen. iiiiHiiiiiiiiiHiiiiiniiiiiiiiiiiunnnmnniinuiiiHiiiiiiiiiiiiiHiiHiiiiiiiiiHiiiiiiiiiiiiiiimiiiiiiiimiiiiHn London gibt die Hoffnung nldit auf. London, 19. Oktober. Das Kabinett hat sich heute neuerdings mit dem Problem der Abrüstung und der durch die deutsche Weigerung, Genf als Zusammenkunftsort der Biermächtc- konferenz zuzustimmen, geschaffenen Lage befaßt. Die diplomatischen Vorstellungen werden fortgesetzt. Die brftischc Regierung ist, wie verlautet, weiter von der Notwendigkeit überzeug!, eine unformelle Konferenz unter Teilnahme DeuffchlandS zu irgend einem Zeitpunkt abzu- halten. um die wirksame Arbeit der Abrüstungskonferenz wieder in Gang zu bringen. vorn Neuwahlen in Belgien? Paris, 19. Oktober. Zur belgischen Re- gierungskrise teilt der Brüsseler Berichlcrstaitcr des„Petit P a r i f i e n" mit, daß darin erst am Donnerstag nach dem Zusa>nmentr«ten der Vorstände der sozialistischen uild der liberalen Partei Klarheit werd« geschaffen werden. Er ist der Ansicht, daß tvahrscheinlich die Entscheidung im Sinne der Auflösung des Parlaments und der Ausschreibung von N e u- wählen für Ende November fallen werde. Undine« Nanin mit Titulescu als Außenminister. Sinaja, 19. Oktober. Maniu verließ uni 4 Uhr 15 das königliche Schloß. Zu Journalisten erklärte er, daß er die, Betrauung mit der Regierungsbildung endgültig angenommen habe. Minister des Aeußeren wird Titulescu werden. Auch Bajda Vojevod wird in das neue Kabinett eintreten, aber erst, bis die Verhandlungen mit der Sowjetregierung über den Nichtangriffspakt beendet sind, denn in dieser Angelegenheit kam es zum Konflikt zwischen Bajda, Vojevod und Titulescu. Ihre persönlichen Beziehungen sind aber die besten. Die rumänisch-russischen Beratungen, die bloß infolge der Abreise Litwinows aus Genf unterbrochen wurden, werden fortgesetzt. Die neue Regierung, in der Maniu selbst kein Ressort übernimmt, wird morgen vereidigt werden. Hacdonold Vorsitzender der Weltwirtschastskonferenz. London, 19. Oktober. Im Unterhaus teilte Premierminister Macdonald mit, daß er ersucht worden sei, den Vorsitz der Weltwirtschaftskonferenz zu übernehmen. Er werde das Ersuchen annehmen. Ein Exerzherzog an der Spitze der„revolutionären" Nazis. Wien, 19. Oktober. Der gewesene Erzherzog Karl Rainer Habsburg wurde im Wiener Kreis an die Spitze der revolutionären Nationalsozialisten gestellt. Diese Organisation ist di« österreichische Sektion der Strasser-Bewe- gung in Deutschland, welche sich von der Hitlcr- partei loSgetrennt hat und setz! gegen Hitler kämpft. Nr. 248 Donnerstag, 20. Oktober 1882 Seite 3. tt/teVCTtiw sich auf seinen wurdest!" Sie abend— rote lustig sein.— einfach in den Schnitt war auch ein anderer Vorfall maßgebend. Bei dem Begräbnis eines Gewerkschaftsmitgliedes sollte entweder Krismanek oder der ztpeite Auschowitzer Naziführer Nitsch die Grabrede halten. Mide wußten davon und keiner kam— offenbar war ihnen der dreiviertelstündige Weg von Auschowitz noch Sich- dichfür zu weit. Wie wir erfahren, soll Herr Krismanek nun die Stätte seines ruhmvollen Wirkens verlassen und nach Bodenbach übersiedeln. An seine Stell« kommt ein Herr Schön, der von Pilsen aus amtieren wird. Wir bedauern den Abgang des Herrn Krismanek aufrichtig, denn wir hätten in ihm, wenn er in den Versammlungen wieder auf die Sozialdemokraten losgezogen hätte, sein Verhalten in Auschowitz und Sichdichfür um die Ohren geschlagen, daß ihm Hören und Sehen vergangen wäre. Hoffentlich wird dazu auch im Bodenbacher Gebiet Gelegenheit sein. Anton Wolf, Auschowitz 179, bei Marienbad. Drei Jahre Zuchthaus gegen«inen kommunistischen Reichstagsabgeordneten. Königsberg, 18. Oktober. TgS Sondergericht verurteilte heute abends nach zweistündiger Verhandlung den kommunistischen Re'ck'stageabgeord- Neten T a u l i c n wegen versuchten Totschlages und Aufruhrs zu drei fahren Zuchthaus: 87 Angeklagte, zumeist Mitglieder der KPD., zu Gefängnisstrafen von sechs bis«neun Monaten-. Bei einer Exmission in Lauth am 15. Jul: war es zwischen den Angeklagten und den Beamten von Landjägern zu Zusammenstößen gekommen. Taulien soll dabei die Beamten und Gerichtsvollzieher mit einer Axt bedroht haben. Der in dem Schreiben des Herrn Wolf charakterisierte Ziegelei-Unternehmer Meinl- schmied ist nationalsozialistischer Gemeinderat in Auschowitz und führender Funktionär der dortigen Ortspartei. In dem Betriebe, für dessen Führung er als Teilhaber die volle Verantwortung tragt, scheinen überhaupt nette Zitstände zu herrschen. Die Arbeiter bekommen seit längerer Zeit nur wöchentliche Vorschüsse von hundert Kronen und der Parteigenosse Unternehmer ist ihnen durchschnittlich vierhundert Kronen Lohn schuldig. Krismanek ist einer jener nationalsozialistischen Urteutonen, dessen Vorfahren das tschechische Hakerl auf dem Namen wahrscheinlich hei der Schlacht im Teutoburger Walde verloren haben. Zuletzt wirkte er als nationalsozialistischer Parteisekretär uird Gauleiter im Pilsner Kreis. Er konnte es zwar nicht zum Diktator des Böhmerwi^des b ngen, hat aber wenigstens gelernt, über T'kte: des Unternehmers Meinl- schmied Arbeitszcugnisse zu schreiben. Dabei bestätigte er dem Wolf den freiwilligen Austritt übers Papier fahren hört. Glückliche Stunden, in denen der Platz im Bett neben ihr leer ist— weil Martin^arbeitet". Nichts Verächtlicheres gab's früher für sie als einen Mann, der nichtlut. Und Gilgi würde lieber alle erbärmlichen, elenden Eigenschaften der Welt an sich selber feststellen, als an Martin den geringsten Fehler entdecken. E- ist ihm gelungen, sie Halbwegs zu überzeugen, dast-Nichtstun nicht unbedingt minderwertig zu sein braucht, noch mehr: wenn Martin ein— ein— ein Nichtstuer ist, so ist daS eben ein Beweis dafür, daß es— Nichtstuer gibt, die prachwolle Menschen sind. Trotz dieses Beweises: stolzer und glücklicher ist sie, wenn Martin arbeitet. Und wenn Gilgi in kurzem Beisammensein mit Olga beiläufig erwähnt: ,^r arbeitet immer die Nächte durch", so glaubt fie's, weil ste'S glauben will. winlerzuiagen für die Arbeitslosen in Deutschland. Berlin, 19. Oktober. Die neue Verordnung zur Ergänzung von sozialen Leistungen bringt an erster Stelle ein« Erhöhung der Arbeitslosenunterstützung fu r den bevorstehenden Winter. Die Zulage beträgt, u. zw. ohne Unterscheidung nach Lohn- und Ortsklassen, für je sechs Unterstützungstagc bei Arbeitslosen mit einem oder zwei zuschlagsberechtigten Ängchörigen zwei Mark; sie erhöht sich bei drei oder vier Angehörigen aus drei und bei mehr als vier Angehörigen auf vier Markl In der Krankenversicherung läßt die neue Verordnung in beschränktem Umfange gewisse Mehrleistungen zugunsten der Angehörigen der Versicherten wieder zu. Die Renten für Unfälle, die sich nach dem 31. Dezember 1931 ereignen, sollen nicht mehr gekürzt werden. Ferner sicht die neue Verordnung Milderungen hinsichtlich der Kriegsopfcrrerrten vor. In der Rentenversicherung wird die widerruf- liche Gewährung von Mehrleistungen durch die Selbstverwaltuüg allgemein zugelassen. In der Invalidenversicherung wird an die Einführung von Mehrleistungen zur Zeit nicht gedacht. „Na, was denn, was denn— meine Kleine — unzufrieden mit mir?" Sie krallt di« Hand in sein dichtes Haar:„Ich bedauere die Mädchen, Martin, die sich in euren Glatzkopf verlieben— muß wenig vergnüglich sein, so vergeblich suchend aus'ner kahler» Platte runrzukratzen— ja, Martin, ich mein«— ich— ob du nrcht arbeiten willst— für Geld arbeiten!" „Du mußt mir nicht mit solchen demoralisierenden Vorschlägen kommen, Gilgichen.— Reich gelebt— arm gestorben!— Geh', zieh' dein rotes Kleid an, schmuck' dir die Lippen— junge, hübsche Frauen macht Schminke noch hübscher— alte und häßliche noch häßlicher. Eine der liebenswürdigen Ungerechtigkeiten des Lebens. Geh', Gilgichen, mach' dich schön heute abend.— Ich geh' nochmal fort— bin in einer halben Stund« zurück."— Wo er hingeht? braucht Gilgi gar nicht zu fragen. Martin hat neuerdings den Apoftelkirche-Kompler:„Hab' selten so einen reinen Stil gesehen!" Mindestens dreimal jeden Tag läuft er hin und sieht sich tz°ie Kirche an. Liebe, gute Apostelkirche, weiß ja nicht, was nun so besonders an dir ist, aber wenn du so ein bißchen mithilfst, Martin in Köln festzuhalten, dann gehörst du für mich zu den schönsten Dingen, die es auf der Welt gibt. (Fortsetzung folgt.) — anstatt die Lösung des Arbertsverhältnistes infolge Lohnstreitigkeiten— wodurch der arme Teufel auch den Anspruch auf Arbeitslosenunterstützung verlor. Wenn man weiß, daß Krismanek»ntimer Duzfreund des Ziegelei-Unternehmers Meinlschmied war, rvird umso eher begreiflich, warum er für sein Mitglied Wolf nichts„herausholen" konnte. Für das Verhältnis zwischen nationalsozialistischen Sekretären und Gewerkschaftsmitgliedern ist noch folgender Vorfall bezeichnend. Herr Krismanek referierte in einer völkischen Gewerkschaftsversammlung in Sichdichfür und gebrauchte dort Ausdrücke, über die sich das Mitglied Weimann verletzt fühlte. Dieser Arbeiter sprang auf und erklärt« dem Krismanek, wenn er noch einmal so etwas sage, haue er ihm eine herunter. Krismanek wollte sodann diesen Gewerkschafter ausschließen, doch die Ortsgruppe Sichdichfür kehrte lieber Herrn Krisma»»ek ben Rücken und schloß sich dem Kreis Karlsbad an. Für diesen „Wir sollten hier fortsahren— nach - Bergamo oder nach Schottland, ich hab' Freunv« da. denen wär's Freude, mich bei sich, zu Haden, und wenn ich dich mitbringe, sreu'n sich die doppelt." Ja, und später? Daran deickt er nicht. Das ist doch nicht möglich, daß sie alle? hier im Stich läßt. Unmöglich, angewiesen zu sein aus die Gastfreundschaft von Menschen, di« man gar nicht kennt. Aus Martin angewiesen sein! Auf sein Geld. Wo er selbst nicht genug hat. Ter ahnt ja gar nicht, wie unpraktisch er ist, der wird auch nicht anders... Und wenn man nachts wach. liegt, ist man tagsüber müde, und wenn man müde»st— nem, - sie macht ihr« Arbeit nicht schlecht.„Tritt ein Mann m Erscheinung, taugt die Frau nichts mehr im Beruf", hat Herr Höhn«, der abgebaut« Buchhalter, immer gesagt. D«r soll sich geirrt haben, alle, die ähnliches sagen, sollen sich irren. Gilgi ist doppelt und dreifach so gewisien- haft wie zuvor. Nur— was vorher Freude hm» ist jetzt mühsame Anstrengung, wenn n»an Null, Krampf, aber das geht schließlich nur sie an. Die Briefe, die Herr Reuter vorgelegt bekommt, sind sauber u»»d tadellos getippt, nichts daran au8- zusetzen. Daß sie die Stunden auf der Berlitz School aufgegeben hat, daß sie seit Wochen nicht mehr auf ihrem Zimmer war— nicht daran denken, gar nicht daran deicken. Man braucht das Restchen Nachmittag, um mit Martin zusammen zu jein. Man geht spazieren mit ihm, liest Bücher mit ihm, sucht verbissen alles das schön zu finden, wai er schön findet. Gibt sich ganz unmenschlich« Mühe, schön zu finden, was früher gleichgültig war, will sich zwingen mit M'ammengebistenen Zähnen. Und der Erfolg? » Ist danach. '„Ach Martin, jetzt hast du schon wieder dein ganzes Geld ausgegeben!" „Na, und werm schon!" Da zuckt er mit den Achseln, und man merkt, er will nicht darüber sprechen, will'- einfach nicht wahr haben, daß er jetzt wieder Schulden machen wird— womik will er bezahlen, das wächst ihm-och übern Kopf. Man sorgt sich doch, man gehört doch zu chm. Diese Unordnu»»g. dieses Durcheinander, das muß ihm ja ungemütlich werden eines Tages, uns wenn'S ihm ungemütlich wird... Und der Martin wundert sich selbst, daß ihm noch nicht ungemütlicher zumute ist. In seinem ganzen Leben hat, er. nicht so oft das widerliche Wort Geld gehört wie von diesem kleinen Mädchest. Ist ein braves und hübsches kleine- Ding. Und wenn«r sie nicht io gern hätte, kein« Stunde länger bliebe er hier. Hält ibn Wohl fast für einen Hochstapler, die Kleine. Er wird sei»« Schulden schon bezahlen—- früher oder später. Braucht ja nicht viel— später wenn er wieder mal allein ist. Aber mit einer hübschen Frau zusammenleben und sparen! Pfui Teufel— Ptn« Zusammenstellung, vor der ihm übel wird. Ist er nicht gewohnt, sowas. U»»d viel, viel verliebter rvär' er in di« Kleine, wenn fr ihr schöne Kleider schenken könnte und Brillanten unweiche Pelze... ist nun mal so: je strahlender un- eindrucksvoller man jemandem gegenübertreten kann, um so lieber hat man ihn. Und Gilgi ahnt nichts von feinen Gedanken, wünscht: ' wenn man doch vernünftig mit ihm reden könnte — über Geld, über Sparen, über praktische Dinge. Wie eine glatte blaicke Bahn möchte mar die Zukunft vor sich sehen— ein Stückchen gemeinsame Zukunft un- man sieht nichts als ein dunkles, verworrenes Knaul. „Mein kleines Gilgichen, du siehst bläß aus — ich habe einen herrlichen alten Burgunder, den werden wir trinken heut' Backen sollst du bekommen und Und eines Tages pack ich-ich Koffer und fahr' mit dir ab." ^Martin", sagt Gilgi, setzt Schoß—„wenn du arbeiten wird dunkelrot, hat Angst, daß er böse wird. Der lacht:„Wa- soll ich denn arbeiten?- Ja. wenn einer schon so fragt, wa- soll man da antworten! „Uebrigens arbeite ich doch, Gilgichen." Ja, das stimmt. Gott sei Dank stimmt'-. Ein-, Meimas die Woche kommt'- vor,-aß Martin von einem akuten Anfall von Arbeitswut heimgesucht wird und vom Abend bi- in-en frühen Morgen hinein schreibt. Glückliche Stunden, in denen Gilgi nachts wach liegt un- Martins knirschende Feder Hakenkreuz ist Hungerkreuz! Ein Arbeiter klagt an. Der nachfolgende Brief eines Arbeiters am den Genossen Jak sch enthüllt den Cha rakter des Hakenkreuzes trefflicher als alles andere: Wohlgeboren Herrn Abgeordneten Wenzel Jaksch der dtsch. soz.-dem. Arbeiterpartei. Prag Ich gestatte mir hiemit, Ihnen zur Illustration der nationalsozialistischen Den* kungs* und Handlungsweise folgende Tatsachen zu berichten, für deren Wahrheit ich mit meiner eigenhändigen Unterschrift bürge. Ich war seit Mai 1929 bis zum 29. August 1932 auf der einsam gelegenen Ziegelei der Firma Fischer, Turba-Meinlschmidt beschäftigt, wo ich alle Arbeiten, auch Setzen, Brennen, Lohnrechnung, Inkasso usw. verrichtete. Durch meine Kenntnis der Stt...,- graphie, Maschinenschreiben und Tschechisch habe ich die drei Jahre her so manche Stünde nach der manuellen Arbeit dem Betriebe geopfert, ohne dafür Dank zu fordern, oder zu erhalten. Seit Mitte Oktober 1930 bis November 1931 schlief ich in einer Bretterbude am Betrieb,„Kanzlei“ genannt, auf einem Strohhaufen. Herr Meinlschmidt sorgte zwar nicht, woher ich etwas zum Essen bekäme, aber er brachte mir einen Trommelrevolver und einen Hund, damit mir nichts passiere. Für die erste Nacht solchen„Schlafens“ zahlte mir Meinlschmidt 40 Kronen, für die zweite Woche gab er mir 5 Kc für Hundefutter; seitdem überhaupt nichts mehr. In Wirklichkeit war es natürlich kein Schlafen, sondern ein unfreiwilliges Wachen, das durch Hunger und Kälte fast zum Märtyrium wurde. Trotzdem hielt ich es aus, zumal ich von Herrn Meinlschmidt über mein Klagen zwei alte Mäntel zum Zudecken bekam. Und ich mußte aushalten, denn es ist besser, ein schlechtes Dach über dem Kopfe?u haben, als gar keines und ich war ja organisierter Gewerkschafter und Nationalsozialist, dem wohl Kampf gegen andersdenkende Arbeitskollegen, nicht aber gegen den treudeutschen Unternehmer erlaubt war. Auch dann nicht, wenn dieser Unternehmer zuvor 25 Kronen pro Nacht zahlte, wenn gerade die Treibriemen im Betrieb waren und die Brenner wegen Stillstandes des Ofens für ein Bewachen nicht in Frage kamen! Am 29. August, als ich wegen Nichteinhaltung einer Zahlungsvereinbarung über Regiearbeit mit Meinlschmidt in einen Wortwechsel geriet und auch die Frage der Ueberstunden und des Wachens berührte, erklärte dieser, er hätte keinen Wächter gebraucht und ich mußte sofort die„Kanzlei“ räumen. Aber das treudeutsche Gebet war damit noch nicht ganz aus. Herr Meinlschmidt ging sodann zu dem nationalsozialistischen Kreisleiter Krismanek, der mir über Diktat des Herrn Meinlschmidtein„Arbeitszeugnis“ schrieb, wie es der ärgste polnische Jude nach so langer treuer Dienstzeit nicht schreiben würde. Ich weiß nicht, welcher Zukunft ich entgegensehe und ob mir vielleicht schon morgen nur mehr der Strick bleibt da ich Keine Heimat habe und Arbeit kaum zu finden hoffe. Aber Ich betrachtete es als meipe Aufgabe, diese meine Geschichte vom Hakenkreuz, das für mich zum Hnngerkreuz wurde, Ihnen zu erzählen, weil Sie wahrscheinlich anläßlich der demnächst stattfindenden Gemeindewahl in Auschowitz sprechen werden. Sagen Sie den Arbeitern, wie es mir durch einen nationalsozialistischen Unternehmer ergangen Ist, mir als„völkischen“ Gewerkschaftsfunktionär, der immer und überall seine Pflicht erfüllte, der sich 1)4 Jahr lang kein Mittagessen gönnen konnte, obwohl er Tag und Nacht seines Herrn Besitz betreute. Ich verzichte auch auf die Austragung der Sache durch den GzV. d. A., da sich der Gauleiter Krismanek bereits geäußert hat, es sei unmöglich, etwas„herauszuholen“ f Mit Arbeitergruß: Und wie sditttztdertiewerk- sdiaitsverband deutscher Arbeiter seine Mitglieder? Wolf wandte sich nach seinen Erfahrungen mit Meinlschmied urü> Krismanek an die Ber- bandszentrale in Aussig um Schutz. Darauf antwortete der Verband, daß er durch seine Geschäftsstelle in- Auschowitz Erhebu»»gen pflegen laste und sodann Bescheid geben werde. Während dieser Zeft ging der Obmann der völkischen Gewerkschaftsgruppe in Auschowitz, Hans Kai- s e r, Herrn Meinlschmied an, er möge für Wolf wenigstens den Anmeldebogen zur Arbeitslosenunterstützung so ausfüllen, daß er(Wolf) die Unterstützung bekän»e. Meinlschmied wies den Kaiser mit der Bemerkung ab, daß er als Abgangsgrund nur„Austritt" angeben könne. Wolf/schrieb nun eine zweite und letzte Karte nach Aussig, wo er das Verhalten Meinlschmieds meldete und zugleich darauf aufmerksam»nachte, daß dieser Unternehmer unter Mitwissen Kris- maneks unrichtige Meldungen an die Krankenkasse erstattet habe. Wenn das möglich gewesen sei, fo verlange auch er sein Recht. Wolf schloß mit der Bitte, Aussig möge jemand nach Auscho- witz schicken, solle aber, wenn es helfen wolle, bald helfen. Was sich weiter abspieite, berichtet Wolf in einer neuerlichen Zuschrift an Genossen Jaksch folgenderrnaßen: „Rach einer längeren Pause, während der ich mich schriftlich an Sie um Rat und Hilfe wandte, traf ein Brief der Hauptleitung, vom Abgeordneten Kasper eigrnhändig unterschrieben, rin, wo es hieß, der Verband laste sich durch unbegründet« Drohungen und Hinweise nicht einschüch- tern. Di« Verdächtigungen gegen Krismanek seien haltlos und ich»Äffe dafür noch ein stehen.(Was ich natürlich im Lauf« des Wahlkampfes noch mit Freude« tu« werde.) Einen Anspruch aus Wächterentlohuung hätte ich überhaupt nicht, da ich nur auf wiederholtrs Bitten einen Kanzleiraum zum„Wohnen«nd Schlafen" zu- gewiesrn erhielt. Auch der Anspr»rch auf Unterstützung müsse erst festgestellt werde»».(!!) Damit hatte sich der Verband ganz auf die Seite des Unternehmers geschlagen, ohne die Tatsache« zu berücksichtigen, chne di« hiesige Ortsgruppe zu verständigen. Darauf habe ich di« letzte Konsequenz gezogen und meinen Austritt aus der national- sozialistischeu Partei«nd Gewerkschaft schriftlich gemeldet." Soweit Wolf. Bleibt noch hinzuzufügcu daß ein solcher Vorgang in keiner freier» Gewerkschaft möglich wäre. Ein Funktionär beschwert sich über einen Sekretär, di« Erhebung des Falles führt der beschuldigte Sekretär selbst durch und seine Aeußerung ist maßgebend. So scheu di« Rechte des Arbeiters in dieser völkischen Gewerkschaft ans! Seite 4 Donnerstag. 20. Oktober 1932 Nr. 248 Der Abenteurer Trebitstb-Lincoln aus Belgien ausgrwirsrn. Brüssel, 19. Oktober. Der naturalisierte Engländer Trebitsch-Lincoln, ein bekannter Abenteurer ungarischer Abstammung, der seit Sonntag unter dem Namen Chaoking mit einem von den Shanghaier Behörden ausgestellten Paß in Brüssel weilte, wurde heute von den belgischen Polizeibehörden verhaftet. Er erklärte, daß er am 6. September mit einem Dampfer in Marseille eingetroffen und von dort nach Berlin gefahren sei, wo er Dorträg« über die buddhistisch« Lehre gehaltenhckbe. Er behauptet, daß er sich nur vorübergehend in Brüssel aufhalten wollte und das französische Visum abgewartet habe. Di« belgischen Behörden forderten ihn auf, Belgien ehestens zu ver- lassen. Finanzielle Repressalien der Schweiz gegen Oesterreich. Wien, 19. Oktober. Nach Meldungen ans Bern hat die schweizerische Regierung alle Einlagen österreichischer Staatsangehöriger bei der sckstveizerischen Postsparkasse gesperrt. Di« schweizerische Regierung will auf diesem Wege die Forderungen der Schweiz aus dem Clearingverfahren sicherstellen. nauptausschiiß erst im November. Genf, 19. Oktober. Der Präsident der Abrüstungskonferenz Henderson Hot den Regierungen, die an'der Abrüstungskonferenz teilnehmen, heute offiziell milgeteilt, daß der Hauptausschuß der Abrüstungskonferenz in der Woche nach dem 21. November zusammentreten wird. Der Ausschuß, der die Vorschläge über di« Reglementierung der Waffenfabrikation und des Waffenhandels auszuarherten hat, hat sich heute nach Einsetzung zweier Untevcmsschuffe auf unbestimmte Zeit vertagt. Die hochverräterische Rotationsmaschine. Berlin, 19. Oktober. Auf Veranlassung des Untersuchungsrichters beim Reichsgericht findet seit heute vormittags eine Durchsuchung der City- Druckerei des Karl Liebknecht-Hauses statt. Der Grund zu dieser Aktion ist, weiteres Beweismaterial zu einem bei dem Reichsgericht schweben- ten Verfahren zusammenzutragen. Die Rotationsdruckmaschine der City-Druckerei wurde beschlagnahmt. da durch Sachverständige festgestellt wurde, daß auf ihr Schriften hochverräterischen Inhalts gedruckt worden sind. industrielle Wahlpropaganda iQr Hoover. New Hark, 19. Oktober. Gestern veröffentlichte Reuter eine Meldung, derzusolge di« Ford- Unternehmungen ihren Angestellten in der ganzen Welt nahclegen, bei den kommenden Präsidentenwahlen für den jetzigen Präsidenten Hoover zu stimmen.— Nun bat auch der Präsident der großen Eisenbahngesellschaft„Pennsylvania Railroad" ein Rundschreiben an 115.000 Angestellte dieser Gesellschaft veriandt, in welchem ihnen empfohlen wird, für Hoover zu stimmen. Vom Rundfunk Empfehlenswertes aus ven Programmen. Freitag. Prag: 6.15 Gymnastik, 11.0V Schallplatten, 15.30 Russische Arien und Lieder, 17.08 Kammermusik, 18.25 Deutsche Sendung: Trappschuh: Dom sudetendeutschen Herbergswerke. 19.05 Die Nacht aus dem Karlstein, Schauspiel von Brchlicky, 21.35 Russisches Chorkonzert.— Brünn: 16.10 Orchesterkonzert, 18.25 Deutsche Sendung: Schallplatten, 22.20 Orchesterkonzert, 23 00 Mährisches Bläserquintett.— MLhr.-Oftrau: 9.30 Blasmusik, 12.20 Orchesterkonzert, 18.30 Deutsch« Sendung: Broser: Ans dem Leben' Nietzsches.— Berlin: 16.30 Bratschenmujit, 21.00 Bauernschwäuke. Hamburg: 19.30 Altdeutsche Tänze, und Reigen. — Königsberg: 20.00 Deutsche Meister der Musik.— Wien: 16.50 Musik der Gegenwart, 19.35 Schlager- hteder. T agesneuigkeifen War sich Die Lieferanten heute erlauben Nachstehend geben wir den Inhalt eines Schreibens bekannt, welches einer Konsumgenossenschaft von den„Chlorodontwerken" in Bodenbach durch ihren Advokaten zug«sandt wurde: I.. 11. Dr. Fritz Knöpfmacher, Advokat und Verteidiger in Strafsachen in Teplitz-Schönau. P. T. Konsumverein der Eisenbahner r. G. m. b. H. in Reichenberg. Nach den Informationen meiner Partei, der Firma„Chlorodontwerke" G. m. b. H., Boden bach, verkaufen Sie die großen„Chlorodonttuben" statt mit XL 6.— um Kö 4.60, d. h., Sie begehen das Delikt des Schleuderns. Obzwar Sie schon aus dem Umstand, daß der Preis von Kc 6.— auf der Ware selbst angebracht ist, erkennen müßten, daß Sie nicht unter den Preis herab- gehey dürfen, fordere ich S« hiemit auf, di« einheitlich festgesetzte« Detailpreise einzuhakten. Sollten Sie trotz-meiner Aufforderung den einheitlich festgesetzten Detailverkaufspreis von Kg 6.— pro große Tube nicht einhalten, müßte ich auftragsgemäß di« Klage wagen Uebertretnug des Gesetzes über den unlauteren Wettbewerb gegen Sie einbringen. Ich ersuche Sie, Ihre Filialen zu verhalten, ebenfalls den Detailverkaufspreis genau «inzuhalten. Ich zeichn« hochachtungsvoll Knöpfmacher nt p. Es genügt diesem Unternehmen allem Anscheine nach nicht, wen» die Ware bezahlt wird, sie wollen auch Einfluß nehmen auf die Verkaufspreise und erdreisten sich, mit Anzeige dem zu drohen, der sich ihrem Diktate nicht fügt. Wenn sich eine Genossenschaft bemüht, unter Berücksichtigung der schweren Wirtschaftslage, in der sich die Mitglieder befinden, sich mit einem Keinen Nutzen zufrieden zu geben, so versucht man es zu Hintertreiben, die Preise müssen hoch gehalten werden. Die Genossenschaft hat auf diese Zumutung hin die einzig richtige Antwort gegeben, sie schaltete dieses Zahnputzmittel von dem Verkaufe aus und ersetzte es durch ein vollwertiges Erzeugnis einer Firma, welche derartige Geschäftsprinzipien nicht kennt. Bergmauustod. Saarbrücken, 19. Oktober. Auf der Grube Göttekborn im Fischbachtal wurden drei Bergleute verschüttet. Sie konnten sofort befreit werden, doch haben all« drei schwere Verletzungen erlitten. Einer der Schwerverletzten ist später gestorben. Auf der Schachtmrlage Bertrand wurde ein Bergmann t ö dl ich und ein weiterer Bergmann schwer verletzt. Aachen, 19. Oktober. Im Laufe des gestrigen Tages sind drei auf der Grube„Sophia Jakoba" in Hückelhoven schwer verletzte B rrg* leut« gestorben. Drei weitere Opfer des Unglücks schweben noch in Lebensgefahr. Bracht und die Textilindustrie einigen sich über die Moral. Berlin, 19. Oktober. Im preußischen Ministerium des Innern hat am 18. Oktober eine Besprechung mit den Vertretern der Badeanzug- Industrie und des Textil Han- d e l s stattgesunden. Die Besprechung hat zu einer Einigung aller Beteiligten über dre polizeilichen Anforderungen an eine zweckmäßige und geschmackvolle Badekleidung geführt, die dem sittlichen Empfinden der Bevöllerung entspricht. Damit sind die gegen den Erlaß vom 28. September entstandenen Bedenken der beteiligten Wirtschaftskreise beseitigt. Ziehung der SMenlotterie 80.000 K: 64.320. 70.000 K: 92.842 20.000 K: 4.453, 48.406, 73.732 10.000 K: 15.249, 62.246, 63.040, 94.340 5.000 K: 1.615, 6.648, 22.730, 37.652, 38.312, 42.976, 45.770, 50.831, 41.176, 53.084, 55.737, 59.057, 61.399, 62.878, 71.530, 86.358, 98.099. 2.000 K: 551, 2.349, 6.793, 10.903, 12.731, 13.306, 14.589, 17.399, 20.391, 21.280, 21.354, 21.729, 23.776, 24.697, 25.952, 25.958, 26.235, 26.453, 27.960, 28.426, 29.400, 29.590, 33.128, 36.063, 38.897, 41.206, 41.752, 42.823, 44.995, 45.908, 48.296, 48.890, 52.324, 54.393, 54.871, 57.657, 61.117, 61.986, 63.987, 66.167, 69.048, 70.975, 73.843, 77.535, 77.625, 81.891, 82.473, 83.188, 85.565. 87.688, 88.966. 90.506, 90.746, 96.154, 98.574, 101.258, 101.723. 1.200 K: 1.106, 7.749, 13.921, 22.550, 25.469, 28.690, 31.642, 34.378, 50.212, 51.527, 51.770, 59.624, 64.832, 73.917, 74.288, 81.406, 88.748, 90.279, 94.512, 96.956, 98.909, 100.568, 102.485, 104.316, Der gestrige Treffer von 200.000 K fällt auf Spieler aus Kralup, und zwar besaßen Losteile ein Friseur, ein Eisenbahner, drei Private. Ein Viertel des Betrages hat ein Arbeitsloser gewonnen. Der heutig« 80.000 K-Treffer fällt Prager Spielern zu; den 70.000 K-Treffer gewann ein Apotheker in Wcstböhmen. Ein kleiner Rest von Losen ist in den Klassenlotterieverkaufsstellen noch erhältlich. Sine Stadt ohne Licht. Leipzig, 18. Oktober. Infolge des heftigen Sturmes stürzt« gestern Abend in Rötha der Turm der Marienkirche ein. Da irrfolgHcfsen die Lichtleitung zerrissen wurde, war die Stadt lange Zett ohne Licht. Sir sollen eben nicht bettel«, also meinte kürzlich ein Prager Senatsvorsitzender zu einigen Delinquenten, die wegen Widerstands gegen die Staatsgewalt betreten und angeklagt waren. Der Tatbestand ist nr- einfach, fast so naiv wie das ehrwürdige Strafgesetz. Ein Hüter der öffentlichen Ruhe und Ordnung„betritt" einig«„Individuen", die verdächtiger Weise in„belebter Geschäftsgegend(wörtlich aus der Anklageschrift) durch Betteln manchen Ordnungsliebenden störten! Er hält im Namen des Gesetzes an und damit beginnt eine der ungezählten Episoden, die damit enden, daß sich der Herr Sicherheitsbewahrer bedroht fühlt, etwa dadurch, daß Hand an ihn gelegt wird, wenn man seinen Pendrek zurückstößt. Nach den üblichen Formalitäten fragt nun der Richter(der erst nach wochenlanger Untersuchungshaft in Aktion tritt) die Angeklagten, wieso es zu dieser„peinlichen" Szene gekommen ist. Und da meint eben einer von ihnen, diesmal in Ueberein- stimmung mit dem Wachmann, daß sie betteln gegangen find.„Sie sollen eben nicht betteln, dann kann so etwas nicht passiere n!" Das ist des Pudels Kern; der humane Richter geht großzügig darüber hinweg, daß nach dem Landstreichergesetz das Betteln sogar verboten ist, und gibt Zusagen nur eine Lebensregel: geht nicht betteln, dann werdet ihr auch nicht mit der Staatsgewalt in Konflikt geraten. Hungern ist erlaubt: aber bitte schön brav für sich allein, daß es niemand stört; frieren ist erlaubt: aber bitte am heimischen„Herd". Nur nicht das Bild des öffentlichen Friedens und der heiligen Ruhe verunstalten, auf die alle doch mit Recht so stolz sind und das zu erhalte« gewiß nicht gar so einfach ist. Verzweiflungstat eines Arbeitslosen. Wie uns aus Klostergrad berichtet wird, ereignete sich dort eine erschütternde Tragödie. Der frühere Wächter Robart Ritschel, der eine mehrköpfige Familie zu ernähren hatte, war schon fett lan- gom ohne Arbett und Einkommen, und alle seine Bemühungen, irgendwo einen Verdienst zu finden, blieben erfolglos. In seiner Verzweiflung goß er in der Sonntagnacht unter den Kopf- Polster seiner Ottomane Benzin, das er anzünden wollte, um so den Tod zu finden. Im letzten Augenblick entdeckte man sein Vorhaben und dechindette die Ausführung der Tat. Ritschel entfernte sich und wurde nicht mehr lobend gesehen: er hafte sich mtt einem Rasiermesser eine tief« Schnittwunde zugefügt und war verblutet. Di« Konnersreutherin. Auf der Freisinger bayrischen Bischostkonferenz wurde beschlossen, auf die stigmatisierte Therese von Konnersreuth in dem Sinne einzuwirken, daß sich das junge Mädchen, mit dessen wunderlichem Dasein bisher ziemlich, viel Unfug getrieben wurde, in einer Universitätsklinik einer wissenschaftlich-medizinischen Untersuchung zu unterwerfen habe. Es wich behauptet, daß der Wunsch der bayrischen Bischofskonferenz auf den Einfluß des Kardinals Faulhaber zurückzuführen sei. Schon im November 1927 hat Kardinal Faulhaber erklärt, daß von kirchlicher Seite eine wissenschaftliche Untersuchung der bei Therese auftretenden Phänomene — ungewöhnlich große Fastenfähigkeit, jesushafte Wundmale und Beherrschung eines aramäischen Dialektes, wie er angeblich von Christus gesprochen worden sein soll— nur zu begrüßen sei. Die über Therese Neumann verhängte Besuchsspercc besteht vorläufig weiter. Pest auf Java. In den javanischen Orten Panawoan und Patrol herrscht die Pest in letzter Zeit außerordentlich stark. Täglich erlregcn sechs bis acht Menschen der Epidemie. Panawoan zählt bereits mehr als hundert Gräber von Pestkranken. Es fehlt an kundiger ärztlicher Hilfe, und Wer erst einmal angesteckt ist, legt sich mit hohem Fieber und stirbt schnell. Den Bewohnern von Patrol hat inan wegen der zahlreichen Todesfälle bereits empfohlen, das Dorf zu räumen. Auf den Reisfeldern wurden Wohnbaracken errichtet. Ma» führt die Seuche auf Ratten zurück, die von Dorf zu Dorf ziehen und die Krankheit immer weiter verbreiten. Tragisches Nachspiel des Innsbrucker Eisenbahnunglücks. Dienstag mittag faird man den 52jährigen Streckenwächter Josef Amlacher und seine 44jährige Eheftau in der Küche ihrer Wohnung bewußtlos auf. Das.Ehepaar hatte sich mit Leuchtgas zu vergiften versucht. Beide wurden ins Spital gebracht. Amlacher hat das Eisenbahnunglück im Innsbrucker Westbahnhof verschuldet, das durch das vorzeitige Umstellen einer Weiche entstanden ist. Er war nach der Tat geflüchtet. Liebschaft zwischen Dogge und Schaf. Bon einem Tieridhll besonderer Art wird uns aus Buchau berichtet: dort verschwanden aus dem Anwesen eines Fleischhauers ein Schaf und eine Dogge und waren tagelang trotz eifriger Suche nicht auffindbar. Erst nach Verlauf einer Woche entdeckten Leute in einem Walde die beiden Tiere, di« einander offenbar sehr zugetan sind, fingen den Hund ein und brachten ihn zu seinem Besitzer zurück. Das Schaf trottete hinter- dvsin und wach, während die Dogge an die Kette gelegt wurde, in den Stall gesperrt, womtt das Idyll sein Ende genommen zu haben scheint. Ein« Biertelmillion Zloty unterschlage«. Kattowitz, 19. Oktober. Oberschichtmeister Kietz und Rechnungsführer Budell, die auf dem hiesigen Bergwerk beschäftigt sind, wurden verhaftet, weil sie 254.000 Zloty im Laufe Von zwei Jahren unterschlagen haben sollen. Im Einzel verkauf: 10 Kronen. , Falsche Zehnkronenstücke. Im Bereich von Groß-Brünn sind falsche Zehnkronenstücke aufgetaucht, di« sehr gut nachgemacht sind, so daß sie auf den ersten Blick von den echten Zehnkronen- münxn schwer zu unterscheiden sind. Beim Aufschlag auf einen harten Gegenstand haben sie jedoch einen unreinen Klang. Die Polizeidirektio« in Brünn hat nach den Geldfälschern ausgedehnte Nachforschungen eingeleitet. Todessturz vom Strfansturm. Mittwoch mittags hat der 15jährige Friseurlehrling Hugo R u m p 0 l d auf eine feit Jahrzehnten nicht dagewesene Art Selbstmord verübt, indem er sich aus einer Höhe von ungefähr 30 Metern vom Wiener Stefansturm in die Tiefe stürzte, wo er tot liegen blieb. Räuber wollen Polizisten werden. Die japanischen Parlamentäre, die mit den mandschurischen Räubern über die Herausgabe* der amerikanischen Frau Fawley und Ch. Cor- krans verhandeln, haben nunmehr die Bedingungen vereinbart, unter denen die Entführer bereit sind, die beiden freizulossen. Sie fordern die Auszahlung von 130.000 Den, 250 Pfund Opium und schließlich die Ue bett nähme in den Polizeidienst von Mandschukuo. , Fleiß. In Tresilico(Calabrien) starb nn Aller von 80 Jahren die in ganz Italien bekannte Heiratsvermittlerin Piston, die in ihrem Leben insgesamt nicht weniger als 10.000 Ehen zustant-e gebracht hat. Selbstmord eines Defraudanten. München. Der Borstand des Amtsgerichtes Rotthalmünster, Oberamtsrichter P l a i m, verübte Selbstmord. In den letzten Tagen zuvor waren Unregelmäßigkeiten in der Kassenführung des Amtsgerichtes bekannt geworden. Sellsame Not-Demonstration. Auf dem städtt- schen Wohlfahrtsamt Berlin-Mitt«(Blumenstraße) erschienen am Montag mehrere verheiratet« Frauen mit ihren kleine» Kindern. Die Frauen ersuchten den Vorsteher des Wohlfahrtsamts um eine Erhöhung der Unterstützungsbeiträge. Als man lediglich die Prüfung der geäußerten Wünsche zusagte, kam es zu Tumultszenen; sieben Frauen protestierten, indem sic ihre Kinder auf dem Wohlfahrtsamt zurückließen. Die Kinder. Knaben und Mädchen im Alter von 2 bis 5 Jahren, wurden vorläufig, begleitet von zwei Fürsorgerinnen, in ein Waisenhaus gebracht. Ihre Eltern, die die Kinder zur Denionstration zweifellos vorhandenen Elends gebrauchten, sind stark notleidende Mieter eines total verwahrlosten Hauses in der Cöpenickersttaße; da sie ihre Miete nicht zahlen konnten, schwebt gegött sie seit längerer Zeit ein noch nicht beigelegtcs Exmissionsverfahren. Leichter Unfall Hindenburgs. Einige amerikanische Blätter brachten die Meldung, daß d«r deutsche Reichspräsident von Hindenburg verletzt worden fei. Aus zuständigen deutschen Kreisen wird hierzu konstatiert, daß der Reichspräsident zwar ttn Reichskanzlerpalais ausglitt und hinfiel, sich aber dabei nicht verletzte und daß sein Gesundheitszustand ein ständig guter ist, wovon der Umstand zeugt, daß er auch weiterhin Besuche empfängt. Der Vlutschei« eines SPengler-Lötoseus bringt rin« ganze Stadt in Aufregung. Aus Weiperr wird uns berichtet: In der siebenten Abendstunde des Freitag alarmierten die Fabriksirenen die Bevölkerung der Stadt und die Feuerwehr; bei der Polizei war tckphonisch die Meldung von einem Feuer oingegangen, das im sogenannten Konsum- Gebäude auf dem Graben ausgebrochen sein sollte. Eine nach vielen Hunderten zählend« Menschenmenge begab sich zum Brandplatz, während di« Sirenen N»eit«rhin schauerlich und langgezogen in den Herbstabend heulten, alsbald auch.vom benachbarten sächsischen Bärenstein Erwiderung findend. Bevor aber noch die Feuerwehr auf dem„Brandplatze" einge- ttoffen war, stellt« es sich zur Verblüffung der herbei geeilten Menge heraus,'daß auf dem Dachboden des Konsumgebäudes Spengler mit einem Lötofer beschäftigt ware^ dessen Glutschern einen Hausnachbar halt« annehmen lassen, es wäre ein Brand entstanden, nm so mehr, als der Ofen auch einige Funken versprüht hatte. Die beängstigend ange- wachsene Menschenmenge nahm mtt einiger Heiterkeit von der Geschichte mtt dem Lödofen Kenntnis und zerstreute sich wieder, nachdem auch di« Sirenen beschämt jtillgeworden waren... «r. 248 Donnerstag. SO. Oktober 1S32 Seite 8. Arbeiter tatt.t Cnern Kindern den peoretarSfetzen KMderralender „AreundfOaft" IMMMMWWWMIWWWMMWWW Militarismns gegen Ml. Schon ist der Soldatenftand, besonders dec Heldentod. Und mit chm wird da immer gerechnet. Eines der wichtigsten Ziele der Militärver- wLltnna im Frieden ist es darum, gegen die eventuellen Unfälle, Selbstmorde aus unglücklicher Liebe, in materieller Hinsicht gedeckt zu sein. Es scheint, daß man sich weniger den Kopf darüber zerbricht, wie Unglücksfalle verhütet werden könnten, als darüber wie der Staatsapparat, besser gesagt, die Militärverwaltung, vor eventuellen Ersatzansprüchen bewahrt sein könnte. Ein untrügliches Mittel dazu ist die zweck- entsprchende Anwendung jener Bestimmung des Wchrgesetzes, die jeden Zivilisten, der noch nicht seiner Dienstpflicht Genüge getan hat, unter Militärkuratel stellt, wenn er heiraten will. Dazu bedarf es nämlich im Sinne des novellierten 8 276 der Zustimmung der Militärbehörde, des Ergänzungsbezirkskommandos, das über dieses Problem„nach Anhörung der Heimatsgemeinde uird Erforschung der Bermögensverhältmsse." zu entscheiden hat. Wor arm ist, hat also von Dor- hinein verspielt: denn bei„unsichern Bermögens- berhäliniss-M" könnte es demnach geschehen, daß im Falle eines der offiziell immer wieder widerlegten Unfälle die Witwe jenes Gesetz in Anspruch nimmt, das seinem Wesen nach von Ocsterr.ich kaiserlichen Angedenkens eingeführt wurde Um also den Hinterbliebenen(und nur die ehelichen kommen hier in Betracht) die Wohl- tat des Gesetzes zu nehmen, verweigern die Militärbehörden Proleten prinzipiell den Ehekonsens und befreien sich darum von einer eventuell un- b:quemen-Haftung. Warum, wird offiziell wohl schwer begründet werden können, ipeil doch ebenso offiziell jedes Unglück vollkommen ausgeschlossen ist und das besonders infolge der tadellosen Behandlung durch die Offiziere. ,- Grund zur Bewilligung der Ehe vor Absolvierung der Militärdienstpflicht ist einzig und allein das Geld: als„wichtiger" Grund im Sinne des Gesetzes ist darum vor allem ,chie Verbesserung der materiellen Lage" des Gesuchwerbers anzusehen, andere Gründe, etwa menschliche, komnrett nicht in Betracht. Derjenige, dessen Zukunft im Militärdienst ruht, ist eben eine Aummer des Katasters und die hat keine Gefühle zu haben. Aber selbst ber sozusagen.Bep mögende wird nur dann zur Ehe zugelassen, wenn er im eigenen Nam.n, im Namen der Braut und sämtlicher Nachkommen auf alle materiellen Ersatzansprüche gegenüber dem Staat verzichtet, die aus dem Militärverhältnis abHe- lcitet werden können. Ebenso muh die Braut im eigenen Nanren, im Namen der Nachkommen- Ichaft erklären und eine„vermögende" und unbescholtene Person muh sich bedingungslos ver- vflichteu, die eventuell Hinterbliebene Witwe mit allein Anhang zu alimcntieren und vollständig zu erhalten und die Heimatsgemeinde muh zu alledem ihre schriftliche Zustimmung geben. Tann liegt es im freien Ermessen der Militäc- bchörde, dein„befreiten" Tschechoslotvaken gnä- digst zu gestatten, mit der Frau seiner Wahl neues Kanonenfutter zu erzeugen. Geht diese Praxis, die mit Gewalt dem Untertan das nimmt, lvas ihm das Gesetz zubilligt, auf die Initiative des Verteidigungsministers zurück? Beiden die Militärbehörden auch zu dieser Sache im eigenen Interesse diskret schweigen? W. 8. Von 10 Menschen haben 7 Zahnstein ...aber bedroht ist jeder! Die Ursache der meisten Zahnerkrankungen ist der gefährliche Zahnstein. Unbemerkt sitzt er hinter den Zähnen, lockert sie... bringt sie oft zum Ausfall. Beseitigen Sie ihn durch regelmäßiges Zähneputzen mit Kalodont! In diesem Land enthält nur Kalodont Sulforizin-oleat nach Dr. Bräunlich. Es entfernt allmählich und sicher den Zahnstein, verhindert die Neubildung ... erhält die Zähne fest und gesund! Nitschewo. Vollgepfropft mit Maschinen aller Art liegt! der Dampfer„Kurt Rickmers" im Hafen von Wladiwostock und obwohl wir schon den 16. Mai schrieben, war es noch empfindlich kalt. Die schon seit Wochen am Boden der Klei- üeripinte lagernden Sweater wurden wieder her- vcrgeholt und sehnsüchtig gedachte«in jeder der noch vor drei Wochen im Hafen von Moji (Japan) verbrachten Zeit, in der einem sogar das Heind am Körper als ein Zuviel erschien. „Das also war der größte russische ostasiatisch«.Hafen?" Zur Linken, einige hundert Schritte vom Dampfer entfernt, steht ein kleiner, unansehnlicher Bahnhof, aber mit einer breitangelegten Geleisanlage! die Endstation der transsibirischen Eisenbahn, der einzige Fahrweg durch die öden, weglosen Steppen des fernen Ostens. Grau und schwer liegt der Staub in ollen Straßen und Gassen. Er scheint als schmales Band die vielen Forts miteinander zu verbinden, die auf den Kuppeln der kohlest und baumlosen Berge liegen und die mit zweieinhalbtausend Geschützen oller Kaliber bestückt sind, deren Mündungen sich drohend gegen den Pacific richten. -# Das Rasseln der Tampstvinden ist verstummt; der letzte hochräderige Karren knirscht, von einer Staubwolke«ingehullt, die Straße herab, und hinter ihm gehen Hafenarbeiter, unter denen sich auch Tschungusen befinden, die einen langen, dis auf die Fersen fallenden blauschwarzen Zopf trogen, über dem ein« klein«, schwarze, schildlose Kapp« sitzt. Ueber den Bergen liegt noch ein schwaches Rot, das die immer mehr um sich greifende Dämmerung löscht. Der Spiegel des-Hafens ist tief gesunken und an den kreuz- und querlaufenden Balken der Pier sitzen die von ihrem Element im Stich gelassenen Seeigel und Muscheln, und zwar so dicht, daß vom Holz fast nichts zu sehen ist. Ich bin reisefertig, stecke di« vom ersten Steuermann ausgepumpten fünf Rubel in die Tasche und schlendere hinter einer Gruppe von Arbeitern, di« von dem hinter uns liegenden japanischen Dampfer kommen, nach der Stadt. Passiere die erst«« Häuser; sie sind einstöckig, schmucklos und grau. In den sck> malen Vorgärten blüht grünes Gestrüpp und in kleinen, noch blütenlosen Beeten stehen blau« oder rotbemalt« dünne Stanoen, die auf der Spitze ein« große farbige Glaskugel tragen. Kleine Kinder,-denen das flachsfarbig« Haar weit ins Gesicht fällt, spielen im Sand und backen Kuchen, werfen mit Kreischen die kleinen, mit Straßenstaub gefüllten Blechformen in die Höhe und sehen mich mit erschrockenen Augen aus schmutzigen Gesichtern an. wie ich den«inen Knirps unversehens an der Hand packe, ihn festhakte und nach einigen Sekunden freigche, . Zu. Uleiner- Rechten dehnt sich der glatt« Spiegel des Häsens, in dein schon aller«eben erstorben ist. Hinter d«r dunklen Fläche blitzen ein paar Lichter; dort am äußersten Ende eines schmalen, aber langen Bassins liegt die Werst mit einigen Torpedobooten und tagsüber konnte man di« schlanken Masten eines Kreuzers wahrneh- mcn und«inen Teil seiner Bordwand, di« recht viele rot« Farbflecken auswies. Das ganze Bild wirkt so trostlos und steht im krassen Gegensatz zu dem Lebe« anderer Hafenstädte. Sollte es hier auch nicht so etwas wie Himmel und Hölle geben, ein« Mischung, die den Magen für das wochenlang erhalten« Salzfleisch entschädigt«? Ganz in Gedanken versunken, renn« ich an einen Polizisten an, der mich auf mein« erschrok- kene Entschuldigung hin prüfend beäugelt und mir bis zur nächsten Straße folgt. „Donnerwetter; hier ist Leben."— Zu beiden Seiten stehen dickstämmige Kastanienbäume, die teilweise schon blühen und unter dem Laubkronen ein Auf und Ab und eine Eleganz, zu der ! meine blaue Heizermontur schlecht paßt. „Abhauen."— Fast jede vierte Person^in Offizier. Der ip einer Lcderscheide steckende, unten leicht gebogene Säbel schlagt bei jedem Schritt an die eleganten Reitstiefel, kokett, etwas schief fitzt die höhe Tellermütze, mit dem funkelnden, doppelköpfigen Adler über d«m Lackschirm. Vor mir geht einer mit wiegendem Schritt, knickt immer in die Knie, als ob di« Gelenke keine Spannkraft hätten; er hat auf den breiten Achselklappen zwei goldene Rosetten. Mit einemmal« springt er nach rechts und packt«inen nichtsahnenden Tschungusen, der neben dem Trottoir auf der Straße geht, beim Zopf und reißt ihn nach rückwärts. Der, heftig erschrocken, «chreit auf und will sich wehren, greift mit der Hand noch seinem Zopf, sprudelt in einer mir unverständlichen Sprache etwas hervor. Menschen bleiben stehen, lachen, wie der Tschunguse mühsam nach vorwärts drängt und den am Zopf hängenden Offizier mitschleift. Der hat die straffen, blau,schwarzen Haare um sein Handgelerck gewunden,— zerrt— läßt nach— zerrt wieder. Verbissen und mit Aufbietung aller Kräfte strebt der Tschunguse in die Mitte der Strage. Er will, und das merkt man nun deutlich, den alkoholisierten Offizier durch den Wagenverkehr zwingen, seinen Zopf los zu lassen. Doch der hält fest, stemmt seine Stiefelabsätze in die Weiche, lockere Erde bei einem Baum und ruft in befehlendem To» einigen in seiner Rahe- stehenden Offizieren erwvS-zu^s: Ein Messer blitzt und während der arme Teufel, zu dessen Gurfiten kein einziges Wort fällt, noch imrner aus Leibeskräften zerrt,—-urch- schneidet die scharf« Klinge fast knapp am Half« den straff angespannten Zopf und mit einem Wutschrei, der nichts Menschliches mehr in sich hat, stürzt-er Mißhandelte nach vorne und bleibt regungslos liegen. Durch den dichten Halbkreis der Zuschauer zwängt sich ein Polizist und steht, als er sich dem Offizier gegenüber steht, stramm;— fängt nach einigen Augenblicken mit einer geschickten Handbewegung den abgeschnittenen Zopf auf, den der Oberstleutnant nun achtlos fortwirft. Di« Reihen lichten sich, jeder nimmt sein« unterbrochene Promenade auf und auch der mit goldenen Rosetten Geschmückte geht, seinen wie- gerchen Gang Leibehaltend, in Begleitung einiger Offiziere weiter. Noch immer liegt der Tschunguse, das Gesicht in-beide Hände vergraben, regungslos am Boden. Der Polizist geht auf ihn zu, stößt ihn mit-er Spitze seines Stiefels an,-— bückt sich und resßt, als sich-er Liegende immer noch nicht rührt, diesen an einem Arm in hie Höhe, Mit «inem leblos starren Blick richtet sich der Geschändete hoch, greift wie sich besinnend mit der Hand nach-em Kopf und reiht mit,einem neuerlichen Wntschrei dem Polizisten den Zopf aus der Hand und rennt die Straße hinunter,— verliert sich im Dunkel. * Ich habe die Lust an jedweder Unterhaltung verloren und gehe über das Erlebt« grübeln- zurück an Bord. Es ist-och überall gleich. Die.eine Klaffe ist recht» und wehrlos einer anderen ausgeliefert, di« jedoch die Macht besitzt und diese rücksichtslos und brutal mißbraucht. Hier plötzlicher Ueher- mut, der Einfall einer trunkenen Laune und der Polizist steht obendrein vor dem Verbrecher stramm, fangt wie ein dressierter Pn-el den ihm hingeworfenen Zopf auf. „Nifichewo.— Ei ist nichts!" * Aller Schmutz und aller Unrat im Hafenwasser zieht an unfern Kasten vorüber, zieht mit der Strömung nach der Mitte des Hafens und die Sonnenstrahlen zaubern aus den kreisrunden Oelflecken klein«, farbig« Bildet, die langsam entschwinden. Am Vorderdeck sind plötzlich die Winden stehen geblieben. Me L^hester dräugen^an di« Reeling, schauen nach vorne,— schauen nach einem langgestreckten, schwarzen Körper, der immer näher kommt und der an unlerer Ankerkette hängen bleibt, sich langsam um sich selber dreht. Di« Sonnenstrahlen fallen auf ein bleiches Gesicht, in-cm die dunklen Augen offen stehen, — auf verkrampfte Hände, die einen langen, schwarzen Streifen festhalten und den die Strömung leise hin- und herbewegt. Nur einen Blick lverfe ich nach-er Ankerkett« und erkenne d«n Tschungusen,-er die ihm angetane Schmach nicht überleben konnte und ich verspüre, wie Angst und Grauen, Haß und Mitleid in mir groß werden und schlage beide-Hände vor mein Gesicht, um nur dieses Bild nicht zu sehen. Das war damals.— Heute gibt es neu« Staaten mit neuen Formen.' Aber Rechtlosigkeit und Unterdrückung sind geblieben, sie haben nur eine ander« Form und andere Ausdrücke gefunden. August W o st u p a t s ch. Erkenntnis. Um mich ist abendliche Stille und Friede«. Friede! atmet das still« Waldtal, die blumige Wies« zu meinen Füßen, die Überflossen ist vom letzten Abendschein. Frieden! rauscht die gewaltige Wipfclwucht der Laubbäume, das Dach eines ungeheuren Doms, dessen grüngoldig schim» mernde Decke von schlanken, silbernen Säulen getragen wird: den hochaufstrebenden Stämmen der Rotbuchen. Erdrückend und erhebend pr- gleich wirkt die feierlich« Stille, überstrahlt von den roten Goild der scheidenden Sonn« auf den einsamen Menschen ein, der sich hier heraus geflüchtet hat; zerquält und zermürbt von dem Ringen ums Leben/ Hoch über dem Walde, unbeschwert von «Kem Erdenleid, kreist einsam ein Vogel, ruhig ficht er feine Bahn, Stärke und Majestät sst in seinem Flug. ♦ , Trotz der ehernen R>che der Natur bewegen| wich wilde Gedanken und sonderbare Bilder be-\ ginnen vor meinen Augen die friedvolle Landschaft zu beleben.— Düstere Fabriken stehen vor mir, deren Schlote Rauch und Feuer speien, Maschinen rattern ihre monotone Melodie, Transmissionen saufen und Motoren singen ihr gewaltiges Lied der Kraft, ihr Lied der Arbeit. Feurig« Gluten brechen auf mich ein, Gießereiöfen speien Gas, Hitze und Staub:— das Herz verbrennt imd das Hirn vertrocknet im glutheißen Qualm.— Niethämmer rasen im Maschinengewehrtempo und zerschlagen das letzte Gefühl, das letzte Stückchen Gottähniichkeit, zertreten den letzten Rest Menschlichkeit.— Und M e n sch wird Tier.— Ein Wesen, das nur schuftet um leben zu können, ein Herdentier, das ißt, schläft, sich vermehrt und stirbt. Der Mensch hat kein Schicksal mehr, keinen Willen, nur eine Bcstimniung: zu arbeiten oder zu verhungern, nur eine Wahl: für andere Profit zu schassen oder schnell und sicher zu Grunde zu gehen. Und ich sehe einen ungeheuren Zug Menschen in die Fabriken, in die Hütten und Bergwerke strömen; Freude im Herzen und Zu- kunftopläne im Gehirn.— ich sehe sie durch die Hölle der Arbeit gehen und wieder herauskommen, müde und verbraucht, um dir Jugend und das Leben betrogen, zertrümmert ihre Hoffnungen. Ueber allen aber sehe ich eine Peitsche, die sausend auf ihrest Rücken niederfällt: den Fluch, sich verkaufen zu müssen um geringsten Lohn. ' Not und Jammer von Millionen Menschen steigt vckr meinen Augen auf: vernichtete Hoffnungen, zerstörtes Glück,— und ich erkenne, daß mein eigener Schmerz, so gewaltig er mir auch erscheint, nur ein Teil des Schmerzes ist, der die ganze Menschheit bewegt.... Und großes Mitleid steigt in mir auf.— Doch auch andere Bilder sehe ich: Prunksäle, glänzende Feste, elegante Herren, gepflegte Weibchen wie Püppchen so fein, schwelgend in Lust, in Freude, im Reichtum. Nie dazu verurteilt, auch nur einen Blick auf die Schattenseite des Lebens zu werfen. Menschen, Drohnen, immer lächelnd und schön und voller Verachtung für das Niedrige und Gemeine der Massen un- ter ihnen, denen sie alles versinken.. Und mein Mitleid zerbirst, wird Haß, wilder Haß, der flackernd aufloht, alles überstrahlend, wegweisend... Licht und Schatten verfließen, werden Kampf. Schmerz und-Haß aber gebären die Wahrheit: . Kämpfen müssen wir, kämpfen! Zerschlagen müssen wir dies« Well des Jammers, der sausenden Peitschenschläep!, zurückdrängen die kleinlichen Dünsche der eigenen Seel«, ans den Trümmern der zerfallenden Well aber nrüffen wir aufbauen den hehren Tempel reiner Menschlichkeit. Doch auch leise Zweifel werden in mir laut. Wird es uns gelingen, dieses gewaltige Gebäude zu errichten, das Glück und Freude der gesamten Menschheit jassen und beherbergen loll?— dessen Mauern so stark sein müssen, daß sie dem blindgchässigen Wüten der heute noch alles beh.rrschenden Götter Naiv. Haß und Unverstand widerstehen?! Werden nicht tausende von Freunden Schwert und Kelle verzagend sinkeiz lassen, wenn sie die ungeheure Größe des begonnenen Werkes erkennen?... Di« ganze Welt wollen wir auf neue Grundlagen stellen, fast übermenschlich, unfaßbar ist Vielen diese Aufgabe. Meine zweifelnden, suchenden Gedanken fliegen durch Jahrtausende der Menschheit^ geschichte. Auf dein dunklen.Hintergrund der längst hereingebrochenen Mcht sehe ich die Brandfackel der Revolution durch die, Zeiten fliegen. Von den Fäusten ägyptischer Sklaven geschleudert, beleuchtet sie die düstere Tyrannei des Altertunis; hell leuchtet sie auf in dm Händen des Spartakus: Hus und Münzer entfachen ihre Flamme zu lodernder Glut. Hell strahlt die Flamme der Revolution zu End« des 18. Jahrhunderts in Europa auf, noch einmal sechzig Jahre nachher und abermals siebzig Jahre später. Tausende und Zehntausend« von Freiheitskämpfern fallen unter den Streichen bezahlter Henkersknechte, Millionen von Revolutionärem sehe ich an ihre Stelle treten und immer näher kämpft sich die Menschheit ihrer endlichen Erlösung. Und all mein Suchen rundet sich zur letzten Erkenntnis,■— Wir sind nicht allein.-- Millionen stehen in dem letzten Ringen um die Befreiung der Menschheit. Wir sind die Kerntruppe einer un- gcheuren Armee, die in Jahrtausenden kämpfte und verblutend uns den Weg bereitete zu neuen Höhenaufstiegen. Wir empfingen die Brandfackel und tragen sie weiter zum endlichen Sieg. Wir, di« Kämpfer von heute, werden die Sieger von morgen sein. Arbeitern rassen sehe ich schreiten, über trotzigen Gesichtern flattern rote Fahnen,— flammendrote Fahnen.—•' Flattern stolz über deutschen, über russischen, über den französischen Proletariern,— über depi Proletariat der ganzen Welt. Gesang steigt auf:„Völker, hört die Signale, auf zum letzten Gefecht..." Und Kampfruf wird Siegesruf. Freunde, hört ihr den Ruf?!— seht ihr daS nahe Ziel?!... bleibt nicht abseits stehen, kommt mit! Wir haben Platz für alle! Heran, Freunde, Genossen,.tretet au! * Am Himmel strahlen die ewigen Sterne; all meine Zive'rfel sind verweht; ich weiß, daß wir siegen werden... Martin Grill. Sette k. Donnerstag, 2V. Oktober 1932 Nr. 248 PRAGER Vortrag Baade abgesagt. Genosse Baade sollte heutv Donnerstag im Sozial-Jnstitut in Prag einen Vortrag über Agrarpolitik und innere Kaufkraft halten. Wegen Erkrankung des Vortragenden mußte der Vortrag abgesagt werden. Die Bildersammlung des 2trahow«r Klosters hat di« erste Bilderedition erlebt. Di« Edition wurde vom Mintsterium für Schulwesen und Volksaufklärung umüer Benützung der in den Jahren 1928 bis 1930 von der photographischen Abteilung der staatlichen graphischen Schul« in Prag hergestellten Photographien heran«gegeben. Di« kritische Beurteilung der ansgewAUen Gemälde schrieb Prof. Dr. MatejSek. Die Sammlung der Photographien, unter welchen besonder« Aufmerksamkeit Dürers„Rosen- kranzfest" und den Arbeiten Karl Akrstas und Peter Brandls gewidmet wird, ist in der Bibliothek des Kunst-Industrie Museums der Handels- und Gewerbe- kammer in Prag(Sanytrova ul.) ausgestellt. Eintritt frei. Die Airsstellung ist täglich, außer Montag, von S—12 und von 16—19 Uhr, Sonn- und Feiertags von 10—12 Uhr geöffnet. Gerichtssaal Rudolf Stylet der Enthüllet. Ein endloser VerleumduugSprozetz. Prag, 19. September, lieber diesen Fall haben wir schon mehrfach berichtet. Der gewesene Disponent und heutige ZeitnngSverkäufer Rudolf Ryl«k hatte in mehreren schriftlichen Anzeigen an die Finanzland«sd-i-rektion schwere Beschuldigungen gegen di« Finanzräte Franz und Ludwig Kohn erhoben und ihnen verschieden« korruptionell« Machenschaften zur Last gelegt. Es gab hochnotpeinliche Untersuchungen, die die völlige Haltlosigkeit der verschiedenen Beschuldigungen ergaben. In weiterer Folge erhob die Staatsanwaltschaft gegen Rudolf Rhlek die Verleumdungsan- kl a g«. Dor Angeklagte, dessen Aussagen von deklamierendem nationalistisch-antisemitischem Pathos ge- schwellt sind, ist eine sonderbar« Figur. Seinem ganzen Auftreten nach liegt die Vermutung nahe, daß es sich nm den Typus eines psychopathischen Öuierulanten handelt, weshalb auch Staatsanwalt Dr. Dlabakek in der heut« fortgesetzten Verhandlung erklärte, daß er di« psychiatrische Untersuchung des Angeklagten verlangen werde. Dieser reagierte auf dies« Bemerkung des Anklägers mit der Drohung einer Eh renb eleidigung s klage. Bezeichnend ist, daß er beim Präsidium des Kreisgovichtes die Delegierung eines anderen Senates verlangte, weil det Senat des OGR Trost, der die Tiraden des Angeklagten doch uyt bewunders- werter Geduld angehört hatte, angeblich—„voreingenommen" fei. Zu jedem Punkte der Anklage erklärte Rylek pathetisch,„den Wahrheitsbeweis zu erbringen". Diese Wahrheitsbeweis« sind fteilich durchaus negativ ausgefallen, was den Angeklagten nicht hinderte, immer neue Zeugen zu beantragen, neu« Dinge aufs Tapet zu bringen und neue Anwürf« zu erheben, so daß nur aufgrund dieser neuen Be- fchuldigmrgo» sich bereits ein neuerliches Verfahren wegen werterer Verleumdungen vorbereitet. Unwillkürlich drängt sich die Frage auf, ob nicht da irgendwelche unbekannte Faktoren im Hintergründe dieser Sache stehen. Die heutige Verhandlung drehte sich um die Behauptung RylekS, daß die von ihm Beschuldigten sich durch Aneignung wertvoller Gemälde bereichert hätten, die aus Sowjetrußland kamen und hier dem finanzamtlichen Verfahren unterworfen wurden. Diese Gemälde wurden z. T. den Eigentümern zurückgestellt, einige mit deren Einverständnis der staatlichen.Bildergalerie überwiesen, womit di« Sache nach ihrer finanzärarischen Seite bereinigt wurde. Bon einer Aneignung solcher Gemälde durch die vom Angeklagten Beschuldigten kann nach den Ausweisen keine Rede sein. Hier benahm sich der Angeklagte so, daß sich der Staatsanwalt zu der erwähnten Bemerkung über di« Notwendigkeit einer gründlichen Psychiatrierung veranlaßt sah. Der Gerichtshof lehnte alle weiteren Anträge, mit denen Rylek in gewohnter Weis« das Gericht überschüttete, ab und vertagte di« Verhandlung neuerlich zum 31. Oktober d. I. rb. Mitteilungen ans dem Publikum. Zum Zahnarzt gehe«—«in Vergnügen!„Sie haben keinen Zahnsteln mehr", erklärt der Arzt nach einem Blick in Ihren Mund. Freudig steigen Sie aus dem Stuhl, in den man sich so bangen Herzens setzt. Mit Kalodont zweimal täglich die Zähne geputzt, vom Arzt zweimal jährlich einer gründlichen Kontrolle unterzogen— das ist das Geheimnis eines immer gesunden. schönen Gebisses. Gerade den gefährlichsten Feind des Zahnes, den Zahn- stein, bekämpft Kalodont erfolgreich; denn es enthält als einzige Zahncrem« in diesem Lande das wirksame«ti- zinoleat nach Dr. Bräunlich. Dieser Zusatz löst nach und nach jene Substanzen, die den Zahnstein verkleben, und ein« harte Zahnbürste räumt ihn beim Putzen leicht von den Innenseiten der Zähne fort. So kann sich jetzt jeder auf die bequemst« Weise seine Zähne fest und gesund erhalten. 1730 EEITEMG. Kunst und Wissen „Die Walküre" von Richard Wagner. Sollt« es in nächster Zeit zu einer zyklischen Gesamtaufführung der Wagner scheu„Nibelungenrmg"-Tri- logie kommen, dann hätte man diese vorausgemrm- incne Aufführung der„Walküre' lieber unterlassen 'ollen. Denn sie könnt« geeignet sein, das Interesse des Publikums abzuschwächen. Auch dann, wenn man sich von ihr etwa eine besondere Werbewirkung versprach. Weil sie nicht allzu sehr vom Glück be- güirstigt war. Trotzdem sic eigentlich als Neurer n- studirrivng anzusehen war, da etliche Haupipartien neu besetzt waren. Heinrich Fischer, der den Siegmund sang, war indisponiert, mußt« sich also gesanglich meist mit Altdeutungen begnügen und fein« Zuflucht zu ausgleichender Sprachbchandlung(besonders betonter Deklamation und Artikulation) nehmen. Immerhin sang er feinen Part sehr geschmackvoll und mit starker musikalischer Einfühlung; auch darstellerisch vermocht« er zu fesseln. Freilich wird er auch bei besserer stimmlicher Per- fasfung nicht der Siegmund sein, wie man ihn sich wünscht, der im sieghaften Stimmglang strahlend« Recke. Sieglinde war Fr. Emmy Helm. Ihre gesangstechnischen Mängel traten diesmal noch schärfer,hervor als ftüher, die ständige Unruhe im Ton, die Farblosigkeit der Tiefe und Mittel läge und die Unreinheit der Intonation. Die Darstellung der Künstlerin zeichnet sich mehr durch Intelligenz als jugendliche Leidenschaftlichkeit aus. Sehr vorteilhaft — stimmlich und darstellerisch— wirkte als Fricka Fr. L. Kindermann. Und, um von den Neubesetzungen das Beste zuletzt zu nennen, als Sänger und Schauspieler ganz großen Formates erwies sich wieder Jaro Prohaska als Wotan. Er gibt den nordischen Gott ebenso göttlich unnahbar wie menschlich schicksalsvoll. Der heldische Charakter seines mächtigen Baßbaritons kommt in dieser Aufgabe eindringlichst zur Geltung. Ebenso seine vorbildliche Wortdeutlichkeit. Ganz vorzüglich sang und spielt« Fr. Merker die Briinhilde; ihre schöne und ausgeruhte Sopranstimme bleibt auch im Affekte und stärksten Forte edel und warm, die Reinheit und Gleichmäßigkeit ihres Tonansatzes, ist wie früher mustergültig. Vortrefflich hielt sich auch Andersen als Hunding. Das Ensemble der Walküren wies neben bewährten früheren Kräften— Frl. Rohne, Schönauer, Sommer und Merz— die neuen klangkräftigen Stimmen der Damen Kone tz n i, Kindermann, Holland und Silben auf. Divigent des Opsrnabends war Prof. Georg SzSll, der mit manchem Mißgeschick zu kämpfen hatte. Grundsätzlich hatte er es sich diesmal besonders angelegen sein lassen, dynamisch bis zur Grentz« des Hörbaren abzudämpfen. Bleibt nur noch zu berichten, daß das Theater wieder aus- gezeichnet besuch: war. E. J. Ada Sari, di« berühmte Koloratursängerin, veranstaltet am 3. November im Smetanasaal einen Arien- und Lieder-Abcnd. Am Klavier: Eugen Schmidt. Karben bei Wetzler. Vertrauenskrise. Der Dilettantenverein La Scene hot sich als Premiere eine ziemlich lenden- ! lahme Schülerlragödie von Paul Altenberg ausgesucht, man muß allerdings berücksichttgen, daß bei dem heute doch noch vorhandenen Jntereffe der lebenden Bühne für bessere Stücke die Wahl nicht sehr leicht sein mag Immerhin ist das Schülerproblem ohne klare Aspekte und entschiedene Lösungen, in dramattscher Gestaltung nicht sehr wichtig. Regisseur Bolgar bemühte sich nach Kräften, auS seinen Mitarbeitern etwas herauszuholen. Erwähnenswert ist ein Herr Biehal.— toi.— Spielplan des Reuen Deutsche» Theaters. Donnerstag, halb 8 Uhr:„Rigoletto"(C 2). — Fveibag, halb 8 Uhr:„Schwarzrot« Kirsch e n"(D 2).— Samstag, halb 8 Uhr:„Der Mann ja, di« Frau nein"(Gastspiel Gisela Werhezirk).— Sonntag, halb 8 Uhr«„Drei Musketiere"; 8 Uhr:„Der Mann ja, di« Frau nein'(Gastspiel Gisela Werbezirk). Spielplan der Kleine« Bühne. Donnerstag, halb 8 Uhr:„Weekend."— Freitag, 8 Uhr: „W«elend"— SamStag, 8 Uhr: Dreimal Offenbach.— Sonntag,. 3 Uhr:„Coeur- Bube"; 8 Uhr: Dreimal Offenbach. Äon- spiel• rmeiMM Die Europa-Futzballmeisterschaft der Arbeilersportler. Ter internationale Fachausschuß für Fußball der Sozialistischen Arbeiter-Sport-Jnterrtationale hat unter der Voraussetzung, daß von einigen Landesverbänden die Beteiligungszusage noch eingeht, folgende drei Europazoncn eingeteilr: 1. Schweiz, Frankreich, Belgien, Holland. 2 Dänemark, Norwegen. Finnland, Lettland, Estland. Schweden. 3. Polen, Ungarn, Oesterreich, Tschechoslowakei(Nussiger Verband), Deutschland. Die Ländermannschaften tragen innerhalb ihrer Zone bis Ende 1931 die Bor- und Rückspiele nach Punktewerlung aus. Dann spielen di« Sieger unter sich um die Entscheidung. Als weitere Spiele in diesem Jahre sind vorgesehen: 12. November: Oesterreich gegen Ungarn und 26. Dezember: Belgien gegen Holland. Die schnellsten 80v-M«t«r-Läufer im Arbeitersport. Die Reihenfolge der besten zehn 800-Meter- Läufer des Jahres 1932 lautet: Erdinger(Oesterreich 1:59.8. Min., Järvinen(Finnland) 1:59.9, Schirdewahn'(Deutschland) 2:00, Wagner(Deutschland) 2:00.8, Pevik(Norwegen) 2:00.9, Karlsen(Norwegen) 2:00.9, Ramstad(Norwegen) 2:01, Salmi (Finnland) 2:01, Porkka(Finnland) 2:01.4 und Oksala(Finnland) 2:02.3 Minuten. Wiener Arbeitersußball. In den am Sonntag stattgefundenen Punktespielcn der Liga setzte sich der Neuling Zenkralverein an di« Spitze der Tabelle, während der Meister Gaswerk ein« neuerliche Niederlage erkitt und mit drei erzielten Punkten den ueunrcn Platz besetzt. Die Ergebnisse der Liga: Ostbahn Simmering gegen Gaswerk 3:2(1:0), Zentralverein gegen Phönix Schwechat 2:1(1:0), Ru« dolfshügel gegen Floridsdorf 1:1(1:0), Meidling gegen Red Star 0:0, Helfort gegen Postumon 3:1 (3:1), Nord-Wien gegen Feuerwehr 3:1(1:0).— Erste Klasse: Gruppe Nord: Juventus gegen Donaufeld 4:1(1:1), Landstvaßer Sportfteirnde gegen Columbia 2:2(1:1), Auto gegen Nutzdorf 1:1(1: 0), Hochstädt gegen Donau 4:1(2:1), Neu-Kettenhof geg. Simmeving 3:1(3:0); Gruppe Süd: E-Derk gegen Union 14 2:0(2: 0), Fav. AC. gegen Phönizia 4:4(1:0), WAF. gegen FC. 33 2:1(0:1), Neutral gegen Ostbahn Favoriten 2:1(1:1). Einzelmeisterschafte» im Stemmen der Wiener Arbeiterkrastsportler. Der Kreis Wien des Arbeiter- lraftsportverbandes trug am Sonntag die Einzelmeisterschaften im Stemmen aus, an denen mehr als 70 Sportler tailnahmen. Di« Ergebnisse: Fliegengewicht: Hausklotz(Siüreving) 212.80 Kg.; Bantamgewicht: Moser(Graf!) 235 Kg.; Federgewicht: Auer(Höllriegel) 272.50 Kg.; Leichtgewicht: Hangl (Straßenbahn) 305 Kg., der aber zugunsten Holzin- ger(Wiener Zeitungen), 282.50 Kg., zurücktrat; Mittel-A-Gewicht: Pelger(Straßenbahn) 292.50 Kg.; Mittel-B-Gewicht: Erker(Eibl) 292.50 Kg.; Schwergchvicht: Leschett(Gaswerk 8) 330 Kg. Sportarten, die dem Geist der Olympischen Spiel« entgcgenstehen. Die Olympischen Spiele des bürgerlichen Sport, die 1936 in Berlin stattfinden, sollen eine Kürzung erfahren. Der Schatzmeister der Amateur-Athletik-Union, der Amerikaner Fer- riS, hat offiziell erklärt, daß Boxen, Ringen, Fechten und Wasserball in Fortfall kommen müßten, weil diese Sportarten ntchtvölligfrei sind von Vorkommnissen und Handlungen, di« dem Geist der Olympischen Spiele entgegenstehen. Der Amerikaner sagt weiter, daß gerade dies« Bewerb« zu Unsportlichkeiten nicht nur der aktiven Sportler, sondern auch der Offiziellen und der Schiedsrichter geführt hätten. Filnw in Prnger umtspienifiHsern bi« einschließlich Donnerstag, den 20. Oktober. Wra»-Ura»ia:„Siebe mit Bewährung« fr-.st". Grünbaum, Dolly Haas. Adria:„Das Geheim- »iS desgelb en Zimmers". Alfa:„Das Lied einer- Nacht". I. Kiepura. Beränek: ,^ch will nicht wissen, wer du bist". F^nix:„Geld. oderPeben" Flora:„Der Hauptmau» von Köpenick" Gaumont:„Peprna Rejholec". Hollywood:„Pepina Rejholec". HvSzda:„Das Geheimnis des gelben Zimmers". Kapitol:„Berge in Fl am»ren". Kinema B. Th.: Aktualitäten, ununterbrochen ab halb 1 bis halb 8 Uhr. Koruna: „Kr i mrn al re porter Holm". Kotva:„Unter falscher Flagge". Lueerna:„Unter falscher Flagge". Metro:.Hasen der Liebe". Olympie:„Kriminalreporter Hol m". Praha:„Peptna Rejholec". Heimisches Lustspiel. Radio:„Ich will nicht wissen, wer du bist". Skaut:„Pariser Nachte". Albert Prsjean. Svötozor:„Kantor Ideal".(Der ideale Mann.) Avion:.Der st i l! e D o n". Russischer Film. Bajkal:„Ich will Nicht wissen, wer du bist". Favorit:„Ich will nicht wissen, wer du bist". Louvre:„Frau Lehmanns Töchter". Maeeska:„Der Prinz von Arkadien". Perztyn (früher American): Eröffnung in den nächsten Tagen. Roxy:„Der Tugenvkünig". Valdek: „Der Hauptmann von Köpenick". Belvedere:„Heute küßt Paris". Beseda:„Liebesparade" Illusion:„3d) will nicht wissen, wer du bist'*. Konvikt:„Der Prinz von Arkadien". Letuz: ,pO h n c Geld geht es auch". Lido:„8e116eI". Das Wrack. Bon Lloyd Egbert Bell. Direkt neben meinem Platz saß eine einzelne alte Dame. Das ist an sich nichts Außergewöhnliches, und die alte Dame war auch selbst weder über und über mit Schmuck behänden, noch eine auffallende Schönheit, noch sonst irgendwie ein besonders interessanter Typ. Sie verzehrte nichts, sie las keine Zeitung, sie sah auch nicht den Tanzenden zu. Sie saß da, wie ein Kind vor der Bescherung, das vor Aufregung schon bei keiner Beschäftigung mehr aushält. Die Halle füllte sich, denn es war Samstag, und wie üblich kamen viele Leute aus der Stadt zum Tanztee. Trodtzem wagte niemand an ihrem Tisch Platz zu nehmen. Es war, als sei sie von einer unsichtbaren Mauer umgeben. Die restlichen Plätze an ihrem Tisch waren schließlich die einzigen freien in der Halle, als ein Hotelgast mit Familie erschien. In diesem Moment trat ein Page an ihren Tisch, riß die Mütze vom Kopf und sagt— laut genug, daß ich es verstand—:„Der Herr Direktor läßt die gnädige Frau auf sein Privatkontor bitten!" Kaum war die alte Dame aufgestanden, kührte der Kellner die Familie an den Tisch Dem Herrn war die Sache offensichtlich unangenehm und er schien dem Kellner Vorhaltungen zu machen, daß die alte Dame von dem Tisch vertrieben worden war. Ich hörte Bruchstücke der Unterhaltung:„Wohnt seit zwei Jahren im Hotel; ohne zu bezahlen.. keine Verwandten.. Freie Vereinigung sozlalistisdier Akademiker S. IIL Heute, Donnerstag, de» 20. Oktober, um\ 20 Uhr in unserem Heim(BartolomSjftä 14) i Generalversammlung. Tagesordnung: 1. Bericht der Gruppen» leittmg: aj Tätigkeitsbericht; b) Bericht des Kassiers. 2. Reuwahl des gesamten Aus» schusses., 3. Gen. Dr. E. Franzel:„Tie Aufgaben der sozialistischen Studentenschaft." Alle Mitgliedskart«» fim» hei Gen. Helen« Kohn bezw. R. Willimek zwecks Kontrolle und Evidenzführung abzugeben. MMMMMWMMMVWWWWMMIM Literatur Afrikas geheimnisvoll« Zauberkraft hat uuzäh- I lig« Forscher in Bann geschlagen. Unter ihnen den| Arzt"Emil Holub, der in' den 70er und 80er j Jahren des vorigen Jahrhunderts Südafrika auf I zahlreichen Fahrten bereist hat. Ohne alle Mittel, S nur auf seine ärztliche Kunst vertrauend, hatte er I den schwarzen Evdt«I betrete». Sobald er etwat festen Boden hatte, begann er mit staunenerregen- der Energie unter schwersten Entbehrungen fei« I weitreichenden Pläne auszuführen. Ueüer ein volles Jahrzehnt durchzog er Südafrika, in den letzten Iah- ren in Gesellschaft seiner opfermutigen Frau, die k ihm eine tapfere Begleiterin und umsichtige Samm- ltrin war. Die bekannte Brockhaussammlung„Rei- I sen und Abenteuer" bringt nun als 30. Band unter dem Titel: Emil Holub,.„Elf Jahre unter den i Schwarzen Südafrikas"(geb. M. 2.52, in Ganzlei-] nett M. 3.20), einen gedrängten Auszug aus den I Werken des berühmten Forschers. Sein Landsmann j helizlo hat dem Freund dieses Denkmal gesetzt, das I prächtig geeignet ist, die denkwürdigen Taten und i Erfolge des bescheidenen Forschers ans Tageslicht zu I bringen. Das Buch enthält eine Fülle von Aben- r teuer», eines spannender als dos andere, Abenteuer I mit Tieren aller Art uud noch mehr Abenteuer mit l den Schwarzen, di«, damals noch in ihrem Urzustand, gefährliche Gegner der Weißen waren. Wir lernen I die Diamantenfelder kennen, als sie noch in den An-1 sängen der Ausbeutung waren, und werden mit einer I Reihe schwarzer Majestäten bekannt, di« damals I über mächtige Reiche geboten. Der schlichtt Bericht I ist das stolze Denkmal eines hochstrebendeu, nur bei Wahrheit dienenden Forschers. Der Band ist mit I zahlreichen trefflichen Abbildungen von Land und I Leuten in Südafrika auSgestatttt. „Schlüssel zum Glück." Versuche zu besserer 1 Lehensgestaltung. Bon Bertrand Rüssel,! Drei-MäAen-Verlag, Berlin. Geidanken, di« auS „gesundem Menschenverstand" und aus Erfahrungen 1 und Beobachtungen geschöpft, in ihrer Zuiammeit-| f-ssüng nfchr 8o«nkger sein wollen als ein Lchrbuch I des Glücks, das wohl, soviel heißen' soll: ein Lehrbuch der Lebenskunst. Da der Autor schon in der ersten I Zeile des ersten Kapitels als oberste Boraussetzung einer glücklichen Lebens Gesundheit und das Fehlen I von NahrungSsorgen(wozu auch Exlstenzsorgtn ge- I hören) erklärt, wendet sich das Buch wohl vor allem an jene, di« nicht von diesen Nebeln heimgesucht sind I und di« dennoch nicht glücklich sind. Rüssel meint, I dar Glück hänge zum Teil von äußeren Verhält- »issen, zum Teil von uns sebbst ab. Oft seien eS I seelisch« Funktionsstörungen, die Menschen Unglück- I lich machen, oft ungebändigte Leidenschaften und I egozentrische Neigungen, Angst, Neid, Schuldgefühle, I Sekbskbedauern u»r 2elbskbewundernng. Der glück- I lich« Mensch lebe sachlich, habe tunlichst umfassende Interessen, der unglückliche sei sehr in sich selbst ver- l ankert und komme aus einem gewissen schlimme» I Kreislauf nicht heraus. D«r Autor spricht in d«« Buche in feinsinniger Weise über die verschiedenste» Gebiet« des Lebens, über Familie und Ehe, Lange- l wile und Anregung, Arbeit, Streben und Ent- I sagung, Jugend und vieles andere.—r. 1 ■...■■■■. I jetzt gar noch fremde Gäste.. über hundert I, Mark..." Dann sah ich einen Polizisten durch die Drehtür kommen und wentge Minuten darauf das Haus wieder verlassen. Einen Augenblick später erschien die alte Dame, von dem Direktor aw Arm geführt. Die beiden Pagen an der Drehtür glühten, der Direktor verbeugt sich. Man hört ei» Taxi abfahren. Beim Weggehen erfuhr ich von dem Direktor, I den ich seit langem kannte: Die Dam« und ihr Mann waren viele Jahr« hindurch Stammgäste I des Hotels, jetzt völl'g verarmt. Der Mann hatte sich vor zwei Jahren im Hotel erschossen, als der letzte Pfennnig verbraucht war. Dre Frau hatte sich nie an die veränderten Verhältnisse gewöhne» können. Es war, als ob sie in einem Dämmerzustand lebte und außerstande sei, die Veränderungen überhaupt wahizunehmeu. Sie zahlte nach wie vor jede>l Monat ihr« Hotelrechnung, aber I mit Schecks, dir nicht durch einen Pfennig Gut« I haben mehr gedeckt waren. Praktisch wurde f* e also seit zwei Jahren von dem Hotel kostenlos durchgefüttert. Seit kurzem hatte sie sogar begonnen, solche Schecks auch an fremde Leute auszugeben, bis ein Hotelgast Strafanzeige erstattete. Letzte Woche laS ich. daß sie freigesproche» wurde und iah sie eben heute wieder in der Hotelhalle sitzen. Am gleichen Tisch wie damals, nt» dem gleichen entrückten Gesichtsausdruck, als ob ' sie aus etwas Großes wartete.... (Autorisierte Ueberseyuna aus de« Amerikanischen.) Heraulgeber Eieglrie» T« a b— kdefredakteor Wilhelm Rie&ntt— Verantwortlicher Redakteur Dr Em» 2 l r a u h, Prag.— Druck:..Rota* S.-S füi Zeitung- und Buchdruck. Vraa— Für den Druck»erontwonlich: Ott» Hat», Prag.«-» Di« Zeitungimartanlrankawr wurde von der Post- u. Telegraphendirektion mit Sdah Nr 13.800/VII/I930 bewilligt— 8««ug«bedInnungen Bei Zustellung tu« Haug oder bet Bezug durch die Aast monatlich Ki 16.—, vierteljährlich KI datbjadrch K4 96,—,»anziahrig U liö,—,— Zajeuu« werde» laut Daris diüigst berechn«, v« vl'trreu tkutjchaUungeu Preitnachlajz.— Nullstellung da» Mnuusirchteu ersolgt uur bei Lichetchun, der ftetoatinazlta.