Sinzelpreis 79 Heller. (Einschließlich S Heller Portal 12 Jahrgang. Sonntag, 23. Oktober 1932 Rr. 251. WssDrudi des Staatsgeridites Dienstag mittags* Leipzig, 22. Oktober. Vom Hauptbüro des Reichsgerichtes wirb amtlich mitgeteilt: I« den Klagesachen zwischen Preußen, Bayern sowie Baden und dem Reich ist der Ter» min zur Verkündung der Entscheidung aus Dienstag, den 25. Oktober, um 12 Uhr mittags, anberaumt. Die Sitzung sindet Wieberum im Hauptsaale des Reichsgerichtes statt. Wieder ein kommunistischer Führer erledigt! Heinz Neumann der einstige Dittator der KPD verurteilt. Die Kommunistische Partei Deutschlands hat dieser Tage eine Konferenz abgehalten, in welcher unter anderem einstimmig beschlossen wurde, den einstigen Führer der Partei, Heinz Neumann zu verurteilen, Werl er„die Wendung derPar- teiarbeit zur verstärkten revolutionären Mafsen- politik zu stören versucht hatte." Mit Heinz Neumann verschwindet aus der KPD der Man», der eine zeitlang den entscheidenden Einfluß in dieser Partei ausgcübt hat. Er war der Mann des Bündnisses zwischen Stahlhelm und Kommunisten im Volksbegehren gegen die Preuhenrcgie- rung. Getrieben vom Haß gegen die Sozialdemokratie, hat er sich damals mit den schlimmsten Feinden der Arbeiterklasse, mit den deutschen Fascisten verbündet. Er war der treueste Lakai Stalins in Deutschland. Interessant ist aber, daß Neumann nicht den Fußtritt erhalten hat, weil er diese Politik getrieben hat, sondern weil er sich von dieser Politik abzuwenden begonnen hat. Seit dem Sturze Brünings war er der Ansicht, daß die deutsche Arbeiterklasse in eine entscheidende geschichtliche Situation' eintrete. Er hat im Regime Papen das Akutwerden der Gefahr des deutschen Fascismus gesehen und hat deshalb ein« Wendung des Kurses der kommunistischen Partei durchführen wollen. An die Stelle der Parole „Einheitsfront von unten", unter der sich der Wille zur Spaltung der Sozialdemokratie nur Notdürftig verbirgt, wollte er die Parole„Ein- hettsfront von unten bis oben" setzen, er wollte also versuchen, den Graben zwischen der So- zialdenrokratis und den Kommunisten zuzudek- ken. Deswegen ist er— weil er einmal einen lichten Augenblick gehabt hat—.als Ketzer verbrannt worden. Die Kommunisten wollen also ihren Kampf gegen die Sozialdemokratie, der ihnen wichtiger ist als der Kampf gegen den Fascismus,- Nicht einstellen. Kathollsdbllberale Koalition in Belgien. Brüssel, 22. Oktober. Das neue belgische Kabinett wurde folgendermaßen gebildet: Ministerpräsident und Minister für Landwirtschaft: de Broqueville(Katholik), Aeugeres: Hymans(Liberal), Inneres: Poullet (christlicher Demokrat), Finanzen: Jaspar(Katholik), Kolonien: Tschoffen(christlicher Demokrat), Verkehr: Forthomm«(Liberal), Post: Bovesse (Liberal), Industrie, Arbeit und sozial« Fürsorge: Heyman(christlicher Demokrat), Oeffentliche Arbeiten: Sap(flämische Rechte), Kunst und Wissenschaft: Lippens(Liberal), Justiz: Janson(Liberal), Nationalverwidigung: Theums(Katholik). Vas Beim und Brennen saniere» di« landwirtschaftlichen Genossenschaften. Im Einvernehmen mit der Preußischen Staatsregierung soll nunmehr, der Reorganisation der preußischen Zentralgenosscnschaftskasse, die durch di« Krise starke Verluste erlitten hat, nähergetreten werden. Reich und Preußen lver- den für die. Durchführung des notwendigen Abschreibungsbedarfes erhebliche Mittel, zur Verfügung stellen.. Die Preußische Zentralgenos- senschaflskasse', wird der Aufsicht des Reiches unterstellt weiden und in Zukunft' die Bezeichnung„Deutsche Zentralgenofsenschaftskasse" führen. Das Reich und. Preußen werden an ihrem Kapital mit je 42.5 Millionen Mark beteiligt sein. Außerdem werden Reich und Preußen für Zwecke der Berkustbereinigung und der Rationalisierung des landwirtschaftlichen Genossenschaftswesens Beträge bis zur Höhe von insgesamt 200 Millionen Mark zur Berfiigung stellen. Die Beträge sind für das gesamte Reichsgebiet bestimmt. Um das Arbeitsprogramm. Finanzministerium bereitet einen neuen Sparplan vor. $tag, 22. Oktober. Wie amtlich mitgeteilt wird, empfing der Präsident der Republik heute nachmittags in Lana den Präsidenten des Abgeordnetenhauses M a l y p e t r, der ihm über den Stand der Verhandlungen über di« neu« Regierung Bericht erstattete. Die offiziell« Rekonstruktion des Kabinetts ist auch heute nicht erfolgt, da Malypetr erst eine Verständigung innerhalb der Koalttionspar- teien über di« Hauptgrundzüge des Arbeitsprogrammes der neuen Regierung und über dessen Durchführung zustand« bringe» will. Diesbezüglrch fanden heute weitere Besprechungen Malypetrs mit dem Finanzminister Dr. Trapl statt. Weiter« Besprechungen dürfte» am Montag folge». Wie di«„Prager Presse" meldet, arbeitet das Finanzmimsterlum fieberhaft an den Einzelheiten des neuen Sparplanes, zu dem dann di« einzelnen Fraktionen der Koalition erst noch werden Stellung nehmen müssen, bevor das neue Kabinett sein Amt antreten kann. Unter diesen Umständen können auch«och mehrere Tage der nächsten Woche vergehen, bevor es zur Ernennung der neuen Regierung kommt. Selbstredend spielt dabei die Frage der Aus« balanzierung des Staatshaushaltes für 1933 die Hauptrolle; damit tauchen aber wieder alle die Frage« auf, die schon seit vielen Woche« innerhalb der Koalition heiß umstritten sind nnd die ja bekanntlich den Anstoß zur Kabinettsrekon- struktion gegeben haben. StFibrny-Prozeß. Montag Einvernahme Dr. StrLuskys. Mau, 22. Oktober. Die zweite Woche des Iglauer Prozesses fand heute ihren Abschluß mit dem Verhör zweier von der Verteidigung geführ« ter Zeugen, die nichts Neues aussagten. Hieraus wurde die Sichtung des Be- wcis Materials fortgesetzt und die Verlesung des umfangreichen Berichtes des Untersuchungsausschusses sowie der Zeugenaussage des Chefs des ersten Departements rm Eisenbah-n- ministerium Zar. G e i s l e r, der S i ch r o v s k y nicht,, Aus den Protokollen des Betriebsausschusses der Firma Ringhofser wurden die Eintragungen des A rb c it.erbe tr ieb saus sch u-sses über die Sitzungen vom 23. Juli und-17. Okt.1920 verlesen, welche das Ergebnis der Deputation beim Minister Stribrny in Angelegenheit der Waggonbestellungen in Deutschland behandeln. Die Arbeiterschaft war damals verbittert und aus das Ersuchen der Deputation, in Deutschland keine Waggons zu bestellen, habe Stri« b r n y erklärt, daß er wissen müsse, was er zu tun habe und. daß er sich in die Angelegenheiten nicht von der Gasse hinein reden lass«. In der zweiten Sitzung des Betriebsausschusses, zu der der Betriebsdirektor Jermük erschien, wurde nach einer Anfrage beim Staatssekretär Burger konstatiert, daß die Waggon- bestellung verwirklicht wurde, und es wurde der Eindruck ausgesprochen, daß j e ma nü eu daran liege,A die Waagoirs^"äus Deutschland zu bestellen. Hierauf wurde die Strafanzeige des Redakteurs Dyma gegen S.tkHrny in Angelegenheit des Meineides verlesen.. Die Verhandlung wurde um halb 12 Uhr aus Montag vormittags vertagt, für welchen Tag der Zeuge Dr. Stränskh vorgeladen ist. Ausnahmsrcdit gegen Arbeiter. Del den streikenden Arbeitern in Hostlvar. „Auf Grund des Art...... verbiete ich (Bezirkshauptmann von, Praha-Venkov) zur Wahrung der öffentlichen.Ruhe, Sicherheit und Ordnung jede Ansammlung im Berriche des Ortes Hostivak bis. aus weiteres..Zuwider handelde werden...... bestraft. Ich(Bezirks- Hauptmann......).ermächtige, die Sicherheits heitsorgan«, gegen.Zuwiderhandelnde mit all« r Strenge vorzugehen!". Man kommt in den ziemlich saub«rn Ort mit einem wackelnden Autobus und sofort erblickt das Auge obig« Kundmachung; aber es würde nicht einmal des gedruckten Papiers bedürfen, schon die außerordentliche Anzahl der bis auf die blinkenden Zähne bewaffneten Hüter der Ordnung" genügt, um zu zeigen, daß im Bereich der Hauptstadt unserer Insel des Friedens und des Wohlstands praktisch S t a n d r e ch t herrscht. Was früher, in den Tagen der Monarchie, nur mit Genehmigung des Oberlandesgerichts und des Ländespräsidenten geschehen konnte, das vollbringt heut« schon der Bezirksvorsteher, wenn die öffentliche Ruhe und Ordnung nur in sein«» Augen gestört wurde. Hier in Hostivak gibt es nämlich Streik: die vierhundertachtzig Mann der Belegschaft der Maschinenfabrik I n g. Podhajsky A.- G. (Familieneigentum des„Volksverteidigers" Generals Podhajsky) sind in Streik, weil man ibr« reduzierten Löhne noch abbauen wollte, weil der Bolkswohltäter Jng. P. Arbeiter entlassen hatte, um Zugleich durch Inserate billigere und durch Arbeitslosigkeit ausgehungerte anzuwerben. Und da die Proleten nicht ruhig zuschauen wollten, wie in diplomatischen Autos des italienischen Gesandten(!), in verdeckten Autobussen, unter dem Schutz der Gendarmen, Streikbrecher(mit verdecktem.Gesicht) zu klassenver- räterischer Arbeit in das Werk transportiert wurden, deshalb wurde das Ausnahmerccht gegen die in ihrer Existenz bedrohten Arbeiter ausgesprochen, damit dem Herrn Fabrikanten nur ja per kostbare Schlaf'des Gerechten nicht gestört Werde. Menschenleer ist die Arbeitersiedlung;' nur Schtverbewaffnete schreiten mit verbissenen Mienen herum, um jede„Ansammlung"; sofort mit Kolbenstößen im Keim zu ersticken. Und dieser Brutalität ist es tatsächlich gelungen, die Arbeiter aus der Umgebung der Fabrik zu vertreiben und den Streikbrechern in der Stärke von vierzig Mann den Weg zu ihrer Schmacharbeit zu ebnen. Es gibt keine größere Provokation, kem größeres Unrecht und keinen größeren Verfassungsbruch, als diese„Maßnahme" des Herrn Bezirkshauptmanns, der gegen das LebenSinter- csse von vielen Hunderten um ihr letztes Brot Kämpfenden die bewaffnet« Macht aufruft und sich wundern dürste, wenn die Geduld der Arbeiter endlich doch einmal reißen wird. Sollt« es an dieser Stelle zu Konflikten und Zusammenstößen kommen, so trifft die Schuld daran einzig und allein den Staatsapparat, der eine Gefahr darin sieht, wenn sich Arbeiter gegen die Ausbeutung und Erpressung wehren! Noch wurde nicht eine Scheibe eingeschlagen und schon ist Ausnahmerecht: im Hof der Fabrik sieht cs aus wie in einem-Heerlager; Dutzende Gendarmen bewachen das kostbare Eigentum gegen die Arbeiter, die es mit ihrem Fleiß erschuftet haben, im Zimmer des Herrn Chefs ist ein bewaffneter Posten postiert, als ob die Herrn Sicherheitsbcwahrer nur für das Kapital da wären. Finster schreitet der Herr Fabrikant die Front seiner jämmerlichen Belegschaft ab; nichts will vorwärts gehen, die neuen„Kräfte" kennen sich noch nicht aus, ihr« Produkte sind unverwendbar, stlbst die Bürobcamten müssen rvbotten und band- langern... und die Bewaffneten sehen diesem Schandtun ruhig zu, schützen es auf Kosten der Allgemeinheit, die aus mühsam ersparten Groschen die Millionen aufbringt, um sich dann die eigenen Sklavenhalter zu bezahlen. Wenn mehr als zwei Leute auf der Straß« von Hostipar zusammenstehell-brüllt sie schon automatisch einer der schmucken Junker an, und man kann von Glück reden, wenn der Kolben oder Pendreck noch nicht in Tätigkeit, gesetzt wird. Daß die Insassen der ankommenden Züge, der Autobusse, sofort „zerstreut" tverdcn, ist eine weitere Folge dieser volkswohltuenden Maßnahmen. Wer du Fortschritte unserer Demokratie in vierzehn langen Jahren erkennen will, der mache noch rasch einen Ausflug in die belebte Borstadt des Altmütterchens Prag. Man lernt niemals aus... W. L. GcwcrbclnspcMorcn. Aus der Konkursmasse der Monarchie haben die Tschechoflowokei und Oesterreich die Einrichtung der Gewerbeinfpektova-te und leider auch dre Gewerbe: nspektoreu übernommen. Mr sagen leider, denn die Gewerbeinspektomte und die Gewerbeinspektoren, die dazu da sein sollen, die Einhaltung der gesetzlichen Vorschriften in den Betrieben zu überwachen und die dort Beschäftigten vor Schäden an Gesundheit und Leben zu schützen, erfüllen ihre Ausgaben— man kann das ohne Uebertreibung sagen— nur zu einem sehr geringen Teile. Das hat der eben in Wiener-Neustadt zu Ende geführte Prozeß gegen den Gummi- wavenerzeuger H ö r n e s in erschreckender Weise bewiesen. Hörnes hatte seinerzeit in Preßburg eine gleiche Fabrik. Jn diesen Betrieben wird mit Benzol gearbeitet und infolge mangelhafter Lüftung ereignete sich in dem Preßburger Betriebe eine verhängnisvolle Explosion, bei der 11 Arbeiterinnen ums Leben kamen. Damals wurde Hörnes zu einem halben Jahr Gefängnis verurteilt und ihm verboten, seinen Betrieb in der Tschechoslowakei wieder aufzunehmen. Hörnes ging nach Wiener-Neustadt, errichtet« dort einen gleichartigen Betrieb und ohne sich um die Vorschriften ztt kümmern, wurde lustig darauf los gearbeitet. Infolge mangelhafter Lüfftmg erkrankten in kurzer Zeit nahezu alle Arbeiterinnen an den .Mtigen Benzoldäntpfen und f« nf Arbeiterinnen sind an Vergiftung g e st o r- b e n. Nun wurde dem Hörnes der Prozeß ge- ntacht und unter den Zeugen marschierten zwei Gewerbeinspektoren auf. Der eine ist„Hofrat" und heißt Lehn, der andere ist Doktor(Jurist!) namens Doktor K i t t l. Diese beiden würdigen Vertreter ihrer Zunft haben den Betrieb wiederholt inspiziert und wurden vom Gerichte über ihre Eindrücke und Wahrnehmungen befragt. Und siehe da: die beiden Herren haben nichts, aber auch rein gar nichts bemerkt, was etwa ungesetzlich oder gesetzwidrig gewesen wäre. Der eine hat zwar einmal, als er in dem Betrieb war, Kopftveh bekommen, aber er hat sich nichts dabei gedacht, er meinte, man müsse sich haft erst daran gewöhnen. Der Herr Hofvat Le h n hat dem Vorsitzenden des Gerichtes, als er ihn fragte, warum er, der Gewcrbeinspeftor, obwohl ihm die giftige Wirkung der Benzoldämpfe bekannt tvar, nichts zum Schutze der Arbeiter veranlaßt habe, geantwortet:„Freilich ist Benzol ein Nervengift, aber es wirkt nur lang- s a m." Und als Hörnes einmal demselben Gewerbeinspektor Mitteilung macht«, daß den, Arbeiterinnen von den Benzoldämpfen übel wird, meinte dieses würdige Ueberwachungs- organ, die Arbeiterinnen würden sich schon daran gewöhnen und die sich nicht daran gewöhnen, solle er entlass«n! Im übrigen aber hat dieser Gewerbeinspektor diesen Betrieb geradezu als einen Musterbetrieb hingestellt, in welchem alle Vorkehrungen in bester Ordnung waren Der andere Gewerbeinspektor steht seinem Kollegen in nichts nach. Als ihm der Vorsitzende des Gerichtes vorhielt, daß er doch dem Hörnes die Konsensbedingungen vorgelesen habe und ihn fragt«, warum er nicht auf deren Einhaltung gesehen habe, antwortete er, es sei ihm nicht zum Bewußtsein gekommen, daß sovielBenzolver- dampfe und Schutzkästen, di« in den Kon- sensbedingungen vorgeschrieben sind, habe er nicht für notwendig gehalten. Zwei Gewerbeinspektoren kontrolliert«!. diesen Betrieb, mit dem Erfolg,- daß fünf Fryuen an Benzolvergiftung zugrunde gingen. Das war in Oesterreich. Und bei uns?'Man komnie nicht und sage, daß es bei uns besser wäre. Fast täglich liest man von niehr oder weniger schweren Betriebsunfällen und mai kann wohl behaupten, daß mehr als die Hälft davon ihre Ursache in der mangelhaften Kontrolle durch die Gewerbeinspektoren haben. Seite 2. Sonntag, 23. Oktober 1932 Nr. 251 An unsere Abonnenten und Kolporteure! Wir machen darauf aufmerksam, daß in« folg« des StaatSseiertages am Freitag, den 28. Oktober die Nummer vom Samstag, den 29. Oktober entfallt. Di« nächste Nummer unseres Blatte- er» scheint dann wieder Sonntag, den 3V. Oktober. Die Verwaltung. In der Regel schreiten di« Gewerbeinspektoren nur ein, wenn eine Beschwerde einläust, und auch da ist der Erfolg recht fraglich. Dabei wissen di« Herren recht gut, daß, namentlich in den kleinen Betrieben die Arbeiter sich gar nicht getrauen dürfen, sich zu beschweren, weil sie die Rache des Unternehmers zu fürchten haben. Datz die Gewetbeinspettoren aus eigener Initiative und unangemeldet di« Betriebe kontrollieren, fällt den meisten nicht ein, obzwar nur eine solche Kontrolle, von Personen ausgeführt, denen es mit der Abstellung von Ungesetzlichkeiten ernst ist, wirksam sein kann. Und doch stützt auch der Laie bei jedem Schritt auf grobe Unzulässigkeiten. Da haben wir z. B. ein Nachtbackverbot. Man gehe einmal nachts nach 12 Uhr durch die Gassen einer beliebigen Stadt. Hinter den meist verhängten Fenstern einer jeden Backstube schimmert Licht und wir sind überzeugt, datz nicht der Bäckermeister alleine„bei der Arbeit wacht", sondern datz die Meister in den meisten Fällen der Nachtruhe pflegen und datz Lehrlinge und Gesellen trotz Nachtbackverbot arbeiten. Alle Wett Weitz das und jeder kann sich täglich davon überzeugen, aber der Gewerbeinspektor sieht und hört das nicht. Sein Dienst beginnt um acht Uhr früh und endet um fünf Uhr nachmittags mW was in der Nacht gesteht, geht ihn nichts an. Da haben wir den Ueberstunden- unfug. So und soviel« Ueberstunden werden bewilligt. Aber keine Behörde, kein Gewerbeinspektor findet sich, der auf Grund eigener Wahrnehmungen die nichtbewilligten Ueberstunden ermittelt und abstellt. Oder nehmen wir das Baugewerbe. Da gibt es alle möglichen Vorschriften zum Schutze der Arbetter, aber kein Teufel kümmert sich um deren Einhaltung und immer und immer wieder bützen Bauarbeiter infolge mangelhafter oder fehlender Schutzmatznahmen ihre gesunden Glieder oder gar das Leben ein. Und ost genug spielen sich die unglaublichsten Dinge unmittelbar vor den Augen der Gewerbeinspektoren ab. Da trug sich vor kurzem in einer Stadt Nordböhmens folgendes Hirschauerstückchen zu: Auf der anderen Seite der Straße, unmittelbar vor den Fenstern des Gewerbeinspektorats wurde ein Bau ausgeführt..Ein paar Herren führten bei dem Ge- werbeinspettor eine Intervention durch und dabei kam die Sprache auch auf die Nichteinhaltung verschiedener Verbote, darunter auch das Verbot des Ueber-die-Hand-Mauerns, d. h. des MauernS in den höheren Stockwerken ohne Gerüst. Einer der Männer stellt« sich unwissend und stagte den Gewerbeinspektor, was denn unter dem„Ueber-die-Hand- Mauern" zu verstehen sei. Dabei sah er zum Fenster hinaus auf den Bau gegenüber, wo eben„über di« Hand gemauert" wurde und fragte den Gewerbeinspektor, ob das etwa das verbotene„Ueber-die-Hand-Mauern" sei.„Ja, ja," sagte der Herr Gewerbeinspektor;„das ist über die Hand gemauert. Das ist verboten." Aber noch wochenlang wurde vor den Augen dieses A u f si ch t s o r g a n s über die Hand gemauett. Von dem gleichen Herrn wird behauptet, datz er mit Vorliebe die Schokoladefabriken inspiziert, so datz wenigstens in einem Produktionszweig die Kontrolle ausgeübt wird. Aus alldem ist es nur zu begreiflich, datz die Arbeiter den Gewerbeinspektoraten und den Gewerbeinspektoren mit grötztem und leider nur zu berechtigten Mißtrauen gegenüber stehen. Gewerbeinspektorate rind Gewerbeinspektoren, die ihre ureigenste Zweckbestimmung, den Arbeiter vor Gefahren an Leben und Gesundheit und vor Uebergriffen und Ungesetzlichkeiten der Arbeitgeber zu schützen', nicht od. schlecht erfüllen, haben für die Arbeiter wenig Zweck. Sollen sie ihren Zweck erfüllen, dann müssen sie einer demokratischen Kontrolle unterstellt werden. Die Gewerbeinspektoren müssen Vertrauenspersonen der Arbeiter sein und nicht ernannte Bürokraten. Eine gründliche Reform der gesamten Gewerbeinspektion ist eine dringende Notwendigkeit und eine der ersten Forderungen der Arbeiterschaft! r" ein ziemlich großes Gebiet mit Kampfstoffen beregnen(!) lasten. Auch im Gaskrieg gilt nun Die f ortsdirltlc in der 0a$kampKedmik.|X7 Im Jahre 1928 erhielt die sozialdemokratische Wahlgruppe insgesamt 47.560 Stimmen, diesmal erhielt sie 49.626 Stimmen, somit resultiert ein Gewinn von 2066 Stimmen. Die nationalsozialistische„Jednota" erhielt 1928 48.824 Stimmen und verliert diesmal 1369 Stimmen. Die Kommunisten erhielten 1928 13.760 Stimmen diesmal nur 8667 Stimmen, somit ein Verlust von 5093 Stimmen. Im Jahre 1924 erhielten die Kommunisten 19.663 Stimmen. Im Vergleich zu dieser letzten Wahl beträgt der Verlust 10.996 Stimmen. Die Aufteilung der Mandate im Zenttal- verttauensmännerausschuß wird ungefähr folgende sein: Freie Gewerkschaften 11(bisher 9), die„Jednota" 6(8), die Unabhängigen 3 und die Mittelschüler 2 Mandate; die Kommunisten erhalten kein Mandat. Diese Wahlziffern zeigen, datz die Eisenbahner ungeachtet der mit Hochdruck bettiebenen Hetze von rechts und links, ttotz eines systematisch betriebenen Abbaues auch der organisatorisch geschulten Kräfte und ttotz der zwar plumpen aber doch vertvirreirden Wahldemagogie der Kommunisten, imstande waren, die sozialdemokratische Wählcrmasse nicht nur zu halten, sondern noch um über 2Q00 zu erhöhen. Für die Kommunisten bedeutet diese Wahl den vollständigen Bankrott. Auch die Wahlen in die Unfallverso r g u n g, die gleichzeitig durchgeführt wurden, sind ebenfalls als ein Sieg der sozialdemokra-- tischen Eisenbahner zu werten. Es erhielten nämlich Nnie—Verband 33(bei den letzten Wahlen 28) Mandate, die„Jednota" 21(27), die Unabhängigen 11(6), die Dohoda 4 Mandate, und Di«„Deutsche Bergwerkszeitung", da- Organ der westdeutschen Schwerindustrie, berichtet in ihrer Beilage ,,Technische Blätter" vom 16. Oktober über einen Vortrag eines Herrn Dr. Stoltzenberg, den dieser am 23. September vor einent„Kreis interessierter Fachleute aus Jndustrie und Verwaltung" in Dortmund über Gasschutz und Luft- fthutz gehalten hat. Artikel über das gleiche Thema erschienen schon öfters in diesem Blatt; der letzte ist aber von einer solch zynischen Offenheit, di« es wert macht, die Ausführungen aus dem Kre.s interessierter Fachleute in die noch interessiertere proletarische Oeffentlichkeit zu bringen. Herr Dr. Stoltzenberg beginnt mit einer kleinen Moralpredigt:„Es ist heute Mode, den Gaskrieg herabzusitzen, ihn als grausam und heimtückisch hinzustellen. Und doch stehe ich auf dem Standpunkt, daß beide^ Waffen moralisch gleichwertig sind". Wie könnte auch dieser Herr auf einem anderen Standpunkt stehen, ist er doch Besitzer jener Giftgasfabrik in.Hamburg, in der sich vor Jahren das fürchterliche Phosgengasunglück ereignet«! Zuerst spricht Dr. Stoltzenberg, der Moral Geschäft sehr gut zu vereinigen versteht, „Verband der Eisenbahner",„U n i e der tschechischen Eisenbahner" und „Föderativ nderLokomotivführer". Gruppe II:„P r o f e s s i o n i st e n v e r e i n". Gruppe III: jednota der tschechischen nationalsozialistischen Eisenbah- n e r". Gruppe IV:„ch r i stl i ch e Eisenbahner",„Zugsbegleiterverein",„Hei- z e r v e r e i n" und„F a s c i st e n". Gruppe V: „Unabhängige Organisationen", ve- steherch aus den„tschechischen und deutschen Beamtenvereinen" und de>t „mährischen und slowakischen Christlichsozialen". Gruppe VI„M it- t e ls ch ü l e rv e r e i n der tschechischen Eisenbahnbeamten". Gruppe VII: Kom- munisten unter dem Losungsworte„Einheit der Eisenbahner" und Gruppe Vlli: „Unabhängige Zugsbegleiter". Es braucht nicht besonders hervorgehoben werden, daß der größere Teil dieser Gruppen ihre Angriffe gegen die sozialdemokratische Wahlgruppe konzentrierte. Allen voran, wie immer, die Kommunisten, die diesmal nicht einmal den Mut hatten, mit ihrer wahren Firma vor dje Eisenbahner zu treten. Mit einer Flut von Flugblättern suchten sic unter dem Decknamen„die Einheit der Eisenbahner" die Wähler an sich zu reißen. Die Eisenbahner haben jedoch den Roßtäuschern die richtige Antwort erteilt. Die Liste der freien Gewerkschaften verzeichnet eine Zunahme um 2066 Stimmen, während die Kommunisten einen Verlust von 5093 Stimmen erlitten. die Kommunisten 1(11) Mandat Auch da ist also di« Niederlage der Kommunisten eine katastrophal«. Sehr bemerkenswert war das Verhalten der Hakenkreuzler bei diesen Wahlen. Der„Verein deutscher Eisenbahner" brachte vorerst in seinem Fachblatte die Mitteilung, daß er gemeinsam mit der„Gewerkschaft deutscher Eisenbahner"(Hakenkreuzler) kandidieren werde. Es kam aber nicht dazu, sondern der„Deutsche Beamtenverein" schloß sich der unabhängigen Wahlgruppe an, d. s. die tschechischen Beamtenvereine einschließlich der„mährischen und slowakischen Christlichsozialen". Die Halrnkreuzler gaben an chre Kameraden die Empfehlung hinaus, ihre Stimmen dieser Wahlgruppe zu geben. Infolge der Sektionseinteilung konnten aber die Stimmen der Hakenkreuzler nicht den deutschen Beamten zugute kommen, sondern den mährischen und slowakischen Ehristlichsozialen. Ob drese deutschen Männer auf diese Weise sie Interessen der deutschen Eisenbahner zu schütze« glauben, ist schwer zu ergründen. Vielleicht werden die wenigen Mitglieder der„G e w e r k- schäft deutscher Eisenbahner", aber auch was sonst noch an irregeleiteten Arbeitern den Hakenkrcuzlern nachläuft, über diese sonderbare Wahlbindung nachdenken. Den Eisenbahnern gratulieren wir zu ihrem Erfolge und rufen ihnen zu: R>rr so weiter„a u f freier Bahn der neuen Zeit entgegen". Nur wenige 100.000 Stimmen? Kcrrl ist sehr optimistisch. Itzehoe, 22. Oktober. Landstagspräsident K e r r l sagte in einer hier abgehaltenen Wahlkundgebung, der Reichskanzler werde sich täuschen, wenn er glaube, die NSDAP würde am 6. November 90 bis 100 Mandate verlieren. Die »venigen 100.000 Stimmen, die davongingen, würden ausgewogen werden durch den Zuzug derjenigen, die bei den letzten Wahlen geglaubt hätten, daß die NSDAP die Reichsregierung toleriere. gegen die Wirkungen des Gaskriegs bei entsprechender Kenntnis und rechtzeitigen Vor kehrungen schützen können. Nachdem>vir uns die Luft erobert haben, ist die natürliche Folge, daß wir uns vor den Gefahren, die der Luft krieg mit sich bringt, in di« Erde hinein verkrieche»: niüffen; jedenfalls wenn wir einen absoluten Schutz haben' wollen. Wenn wir 17 Meter oder mehr unter der Erde sind, dann sind wir vor allen Gefahren, die uns aus der Luft drohen können, sicher. So ist eigentlich die Konsequenz der Flugzeugentwicklung, daß wir unsere Sticht« tief unter der Erde bauen müßten. Nur unter der Erde haben wir durch die Abkapselung und durch L u st f i l t e r u n g einen totalen S ch u tz. Es würden dann im Luftkrieg der Zukunft Frauen und Kinder unter der Erde geborgen werden, während der Kampf auf der Erdoberfläche geführt wird." Ware»» solche Gedanken bisher Phantasien von Romanschriftstellern und Zeichnern, so hören wir eS aus dem Munde eines kompetenten Fach manns, wie wir uns zu schützen haben. Naive werden fragen, wie man es anstellen wird, all« Frauei» und Kinder in diesen Kellern unterzu- iiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiHiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiuiiiiiiiiiiiiihiii]iiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiifiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiniiiiiiiiilfiitnnuiiiniiiiiiiiiiiiiiiiiiiHiiiiiiiii{iiiiiiiiiiiii)EiiiiiiiiiiiiijuiiiiiuiiiiiiiijiBiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiniiii Die Wahlen am den Eisenbahnen. Bedeutende Zunahme der sozialdemokratischen Stimmen. Vernichtende Niederlade der Kommunisten. mit._ über die Gaskampf st offe beim Landheer. Sein Problem ist,„ob es möglich sein wird, bei künftigen Kriegen die Mengen zu fabrizieren, die verlangt werden". Er bemüht 'ich, diese Frage befriedigend zu lösen— er ist „einet der wenigen, die»n der Nachkriegszeit in Deutschland noch an der Weiterentwicklung der Gaskampftechnik arbeiten", bemerkt lobend die Schriftleitung der BergwerkSzettung am Eingang des Artikels, und schreibt folgendes:„Die Verbesserung des Giftgastransports bewert sich in zwei Richtungen... Man konnte die BchAter dünnwandiger machen, indem man die Füllung möglichst kurz vor der Verwendung vornahm. Gerade das Hamburger Phos- aenunglück hat übrigens gezeigt, daß man dem Menschen die Beförderung kleiner Gefäße ersparen kann(wie menschenfreundlich; d. R.), da man auch von einem Punkte aus ein« breit ausladende Giftgaswolke erzeugen kann... Weim man dies« Erfahrungen überträgt auf die Kriegstechnik, so kann man einen Tank mit 1 bis 2 t mit dem Wind vorfahren lasten und daim abblasen, und zwar so, daß man nach Bedarf(!) das Tötlichkeitsfeld entweder ständig aufrechterhält oder eS verschiebt. Bemerkenswerterweise stich diese Konsequenzen nicht zuerst von deutscher Seite gezogen worden, sondern vom Ausland. JirSbesondere waren es drei Japaner, die un- mittelbar nach der Katasttophe erschienen und all« Daten aufs genaueste ausfragten. Japan hat auch auf Formosa Giftgase mft gutem Erfolg bereits zum Angriff verwendet." Daß es Japaner waren, die zuerst die Konsequenzen aus dem Unglück gezogen haben, ist kett» Zufall. Sie stehen auf einem veranttvortungsvollen Posten des Kapitalismus, an der Grenp: gegen die Sowjetunion; da muß man sich alles zunutze machen, um dann'im Ernstfall Giftgas mit gutem Erfolg zum Angriff verwenden zu können. Im folgenden spricht Dr. Stoltzenberg über die Brand« und Gasbomben als Waffe des Luftheeres. Diese Sätze sind ein Dokument dafür, mit welch irrsinniger Bcstialiität man wieder einmal heiligste Güter verteidigen, oder, klarer gesagt, mit welchen Mitteln die Bourgeoisie ihre Jitterestengegensätze auf Kosten des Proletariat« ausspielen lassen will. Sie sollen aber auch jenen Jugendlichen zu denken gebe»», die glauben, mit Mannesmut und Tapferkeit ihr« Persönlichkeit beweisen zu können.„Für die Verwendung von Brandbombe»« vom Flugzeug aus hatte Deutsch- land schon im Kriege alle Vorbereitungen getroffen. Es bestanden aber starke Hemmungen, insbesondere beim Kaiser. Aus diesem Grunde uitterblieb dann doch der Abwurf von Elektron bomben auf Paris und London, zu dem alles bereit stand. Heute beurteilt n«an auch diese Dinge anders. Es sind bereits sehr umfangreiche Versuche über de»» wirkungsvollsten Einsatz von Brandbomben ausgeführt worden. Die Ergebnisse waren so günsttg, bezw. so ver- heerend, daß man in Zukunft ganz zweifellos von derartigen Brandbomben Gebrauch machen wird. Das Löschen mit Wasser ist bekanntlich unmöglich, aber auch das Herangehen mit Sand, um die Flamme zu ersticken, wird gefährlich sein, da das Elektron leicht versprüht. Außerdem wird man vielleicht auch den Brandbomben vergasbare Reiz st offe zusetzen, um der Brandwache das Herangehen an den Brandherd und damit die Ablöschung zu erschweren... In ihrem Kampfe gegen die R i f k a b i l e n verwendeten die Spanier Blaukreuzkampfstoffe von» Flugzeug aus, die furchtbares Huste»« und Niese»» hervor- ricfen. Man braucht von den Blaukreuzstoffen nur verhältnismäßig geringe Me»»gen und si« wirken ziemlich lange nach Die Wasterstellen und die wichtigen Punkte in den Dörfern belegte man damit und steigerte die Qual der Menschen bis zur Unerträglichkeit, weil sie aus der Wolke nicht herauskommen konnten. Verwendet man derartige Gaskampf st offe in Verbindung mit Sprengbomben, so wird man^sich in den davon betroffenen Hausern überhaupt nicht mehr aufhalten können. Vom Flugzeug aus wird sich auch verhältnismäßig leicht bringen,»vo«s jetzt sicher in keiner Großstadt der Weit einen solchen gibt. Nein, dorthin kommen die Unwiederbringlichen, die Unersetzlichen: Generalität und Finanzkapital, die müssen doch wenigstens übrigbleiben, wenn schon Millionen gewöhnlicher Sterblicher mit_ raffiniertester Grausamkeit zugrunde gehen müssen. Müflen? Nein; all« diejenigen, di« sich nicht«ine« Platz 17 Meter«nter der Erde erobern können, muffen sich klar darüber werden, mit welchen Mitteln sie den interessierten Fachleuten des Massenmords das Handwerk endgültig lege« können, müssen wissen, wo d«r Feind liegt, nicht jenseits der Staats- und Landesgrenzeu, sondern in den „Baterländern" selbst, verkörpert in all jenen skrupellosen Profitbestien, di« am Erstickungstod der Millionen ihr barbarisches Geschäft machen. Aus Eisenbahnerkreisen wird uns geschrieben: Die Wahlen in die Bertrauensmänneraus- schüffe und die Unfallversorgung bei den tschechoslowakischen Eisenbahnen haben mit einem großen Erfolg der sozialdemokratischen Eisenbahner geendet. Um diesen Wahlerfolg voll zu würdigen, muß beachtet werden, daß diese Vertrauensmännerausschüsse und die Wahlordnung auf einer höchst»»»demokratischen Grundlage beruhen. Gewählt wird in vier Sektionen, und zwar wählen in der ersten die Beamten, in der zweiten die Gagisten, in der dritten die Unrer- beamten und Angestellten und in der vierten die provisorischen Arbeiter und BertragSarb-iter. Anderseits sind die Eisenbahner in nicht weniger als in 26 verschiedenen Organisationen und Vereinen zersplittert, wovon der größte Teil nur in bestimmten Fachgruppen zusammengefaßt ist und aus diesem Grunde nur für bestimmte Sektionen in Frage kommt, wie dies bei den Beamtenvereinen deutscher- und tschechischerseits, Handwerkervereine, Heizervereine u. dgl. zum Ausdrucke kommt. Dies ist besonders zur Beurteilung des Verhaltens der Hakenkreuzler bei diesen Wahlen bemerkenswert. Uebrigens sind auch die Hakenkreuzler, ebenso wie die klerikalen und fascistischen Organisattonen nur Splitter, von denen keiner allein für sich imstande ist, selbständig zu kandidieren. Aus dieser organisatorischen Zersplitterung bilden sich gelegentlich solcher Wahlen die verschiedensten Wahlgruppen, deren es diesmal nicht weniger als acht gab. In diesen Wahlgruppen vereinigten sich hauptsäch« lich nachstehende Organisationen: Gruppe I. Nachstehend dqs Wahlergebnis' lliüe Prosesstv- lluab- Ntttiel Kommu- Verband nisten Jednota Dohoda Häihgige schüler Nisten Eisenbahmninisttrium. 72 — »1 48 253 76 2 Bauleitungen.... 8 — 13 — 7 1 5 Prag 12.026 518 12.903 4.200 1.192 1.114 2.381 Pillen. 7.318 387 '5.617 1.947 985 675 1.863 Käniggrätz 9.201 209 8.302 1.797 1252 676 880 Brünn...... 5.225 135 4.364 523 1.906 616 592 Olmütz 7.371 10 4.719 1.819 1.355 590 1.930 Preß bürg 4.787 31 3.252 438 5.173 435 166 Ko schau 3:627 — 2.704 751 8.991 321 808 Zusammen.... 49.629 1.289 41.968 11.531 17.114 4.504 8.672 Nr. 251 Sonnt«;, 23. Oktober 1932 Die Hohen Zollern brtidte so heißt, kann ich Seite 3. in der Karmtzer stainguohütte wird gestreikt ex/te vom uits Der Präsidentschaftskandidat für Aufhebung der Prohibition. St. LouiS, 22. Oktober, In einer Wahlrede trat Rooftvelt für die Abschaffung der amerikanischen Prohibitionsbcstimmungen ein. Er kritisierte weiter die Polirik der Regieruilg, säumigen und wirtschaftlich lahmgelegten Nationen Anleihen zu gewähren. ein leises kleines Bohren von schlechtem Gewissen. Einmal kommt Olga für kurze Zeit. Ist bestürzt und verwundert und gar nicht«iriver- Die Jugendfürsorge In der Zelt der Krise In der Debatte zum Kapitel„Soziale Fürsorge" des böhmischen Landesvoranschlages führte Genossin Deutsch u. a. aus: Die Notlage der Gemeinden und Bezirke hat auf der ganzen Linie ein Zurtückweichen der Jugendfürsorge gebracht. Der Vermögensstand der Landeskommissionen für Ki«derschütz und der Bezirksjugendfürsorgen erlaubt keinen ausreichenden Ausbau einer zeitgemäßen Fürsorge, ja im Gegenteil, er bedroht die bestehenden Einrichtungen. Die privaten Sammlungen gehen zurück. Es gibt Bezirksjugendfürsorgen, die infolge der Wirtschaftskrise ihre Anstalten nicht voll ausnützen können, trotzdem der Andrang von Bedürftigen größer als bisher ist. Ein Ausgleich kann mir erzielt werden, wenn die Subventionen nicht gekürzt, sondern erhöht werden. Dem Bericht des Landesansschnsses zum vorjährigen Antrag Pölzl, die Subventionen für beide Landeskommissionen um 50 Prozent zu erhöhen, können wir entnehmen, daß di« Zuwerrduugen seit 1929 für di« Landeskommissionen für Jugendfürsorge eine stetig ansteigende Tendenz, zeigen. Bei der deutschen Jugendfürsorge, di« bis zum Jahre 1929 schwer benachteiligt war, stieg di« Subventionssumm« von 45.009 auf 200.000 K im Vorjahre. Der Landesausschuß stellt uns in Aussicht, daß er diese steigende Tendenz der Subventionierung sirr di« Jugendfürsorge bei behalten und weiter pflegen will und daß er versuchen wird, dem Antrag Pölzl gerecht zu werden und im vierten Viertel di« Summ« dem Antrag gemäß zu ergänzen, allerdings mit der Einschränkung, soweit es die finanziell« Lage des Landes erlaubt und die Institute, di« daraus subventioniert werden, nicht Einbußen erleiden. Wir erkennen das Bestreben des Landesausschusses an. Wir werden darüber wachen, daß di« Wort« tatsächlich eingeh alten und daß aus ihnen Taten werden. die Nichtstun heißen. Denkt wenig an morgen, gar nicht an übermorgen. Und nur wenn früh um sieben— aus alter Gewohnheit der Schlaf sich lvie ein zweiteiliger Vorhang auseinander schiebt, fühlt Gilgi im kurzen Wachsein Lin neues Kapitel.' kommunistischer Schmach. Ein bolschewistischer Genossenschaftsführer landet bei den Nazis Im Herbst des Jahres 1929 begann der Kampf um den bis dahin unter rein kommunistischer^Leitung gewesenen Reichenberger Konsumverein„Vorwärts". Es handelte sich da um eine Genossenschaft mit mehr als 60 Verkaufsstellen und 6000 Mitgliedern. Die Leitung des Konsumvereins weigerte sich in jenen Tagen, die tollen, genossenfchaftsfeindlichen Befehle der Kommunistischen Partei zu befolgen und zog sich dadurch den Haß der kommunistischen Parteileitung zu. Ein Großkampf im wahrsten Sinne des Wortes setzte ein. Zunächst ein Kampf zwischen der Konsumvereins-Leitung und der Kommunistischen Partei, dann aber auch eine Auseinandersetzung zwischen Kommunisten und Sozialdemokraten. Jene vertraten den Grundsatz, di« Genossenschaften müßten im politischen Kampfe voranschreiten und„unter die hundertprozentige Kontrolle der(kommunistischen) Partei gestellt" werden, diese verwiesen darauf, daß die Verwirklichung der kommunistischen Grundsätze die Genossenschaft zu einem bloßen Parteiladen und das weitere Verbleiben der Nichtkommunisten im Konsumverein unmöglich machte. Eine Genossenschaft sei entweder für alle da oder sie höre auf, eine Genossenschaft zu sein. Als der Kampflärm auf das Höchste gestiegen war, schossen die Kommunisten ihre schwerste Kanone ab: sie ließen sich zu einer genossenschaftlichen Parteikonferenz einen gewissen Karl E r t i n g e r kommen, der, wie sie sagten, schon gezeigt hatte, wie man eine Genossenschaft revolutioniert und sie trotzdem leistungsfähig erhält. Der Mann war nämlich damals Direktor des kommunistisch geleiteten Konsumvereins Halle. Stürmisch wurde er bei seinem Reichenberger Aufenthalt umjubelt. Er führte im Konsumverein„Vorwärts" eine„Kontrolle" durch, die einen halben Tag dauerte, rümpfte die Nase und runzelte drohend die Stirn und gab dann in der kommunistischen Gcnossenschaftskonferenz die Grundsätze zum besten, di« allein richtig und darum in Halle von ihm angewandt worden feien. Di« kommunistisch«» Blätter schworen auf den Crtinger; sein. Aeußervngen standen während d«s ganz«« Jahres 1930 im Mitte), punkt des Streites. Noch bis vor wenigen Monaten bekannten sich die Bolschewiken noch immer zu Ertinger, ja,' es kann gesagt werden, daß die erfolgte Spaltung des Reichrnberger Konsumvereins„Vorwärts" vor allem auf Ertinger zurückzuführcn ist und auf die Treue und Gewissenhaftigkeit, mit der di« kommunistischen Macher die Weisungen dieses gewaltigen Kon- sumvereinführers erfüllten. Im vorigen Jahre kam es zur Liquidierung des„roten Proviantamts" Halle: der von Ertinger geleitete Konsumverein ging in Konkurs., Er folgte al'o dem schon früher von Ertinger zugrunde gerichtete' Konsumverein Schwarzenberg. Trotz d.'s;^,fammcnbruch des Halleschen Konsumvereins verteidigten die hiesigen kommuUm dieses Mannes willen spalteten die Kommunisten eine der größten sudetendeutschen Genossenschaften, ja, die Grundsätze, die Ertinger in Reichenberg verkündete, sind den kommunistischen Genossenschastssührern noch heute maßgebend; die von ihnen geleiteten Konsum- Vereine haben nicht die Selbständigkeit der genossenschaftlichen Aktion bewahrt, sondern stehen unter dem Kommando der Könrmunisti- schen Partei, und den Erfolg wird man wohl bald zu sehen bekommen. Ertinger ist schon längst bei den Nazis, aber seine Ansichten sind noch di« Leitgedanken der hiesigen kommumstiischen Genossen; chaftsführer. Für Ertinger und sein Wirken sind unsere Kommunisten mitverantwortlich. Das wird die Arbeiterschaft erst richtig erkennen, wenn sich der rapide Abstieg der hiesigen kommunistischen „Genossenschasts"-Bewegung vollendet haben wird. Kein anfrediter Metallarbeiter «Wr nimmt Hort Arbeit an. standen mit der Veränderung in Gilgis Leben. Und hat doch früher immer ganz anders gesprochen.— „Alles schön und gut, Gilgichen, kleiner Tannhäüser in der Westentasche— aber was machst du für Dummheiten! Do ein kompaktes, konzentriertes Zusammenleben kann doch nicht gut gehn auf die Dauer. Gilgi— du-v hör' doch!" Hat gaivz glasige Augen, das Mädel. „Mußt doch wissen, was du willst! Wenn du so weiter machst, hat er dich satt eines Tages— oder du ihn. Dummes Ding du'— erst führst du dich auf wie'ne kleinbürgerliche Ehefrau, dienende Martha— das vertagt doch kein Dkann, plötzlich zu entdecken, daß er einer Fran zu Dank verpflichtet ist. Na, und jetzt— gibst alles auf, fühlst dich natürlich nicht wohl in deiner Haut. Gott, warum nicht Mal hemmungslos sein! Aber gleich so restlos auf seine ganzen früheren Interessen verzichten!— Und eines Tages wirst du sehn, daß der arme Mann dir unmöglich gleiches nnt Weichem vergelten kann, und dann bist du's, die ihm ihre eigenen Dummheiter« nicht verzeiht. Sind immer nur die eigenen Fehler, die man anderen übelnimmt.." „Was—soll— ich— denn tun?— Ich weiß, Olga, alles ist falsch, was ich mache. Ich find' nicht mehr durch. Alles durcheinander in mir— weiß nicht mehr, was ich will— was soll ich denn tun?" „Nicht dein Leben auf ihn aufbauen, nicht alles auf eine Karte setzen. Wie müde du aussiehst! Du brauchst deine Arbeit und auch deine Selbständigkeit, du..." „Hör' auf, Olga, hör' auf— meine Gedanken gehn da nicht mehr mit." Steht mitten im Zimmer, die Kleine, hält sich die Hände vor die Ohren— was soll ich denn tun? Sinkt, fällt, schreit—„Ich will einen Menschen, einen, einen— gehöre nirgends hin — warum gerade den einen? Weiß ich ja nicht — aber ich will ihn— haben— behalten will, will, will... (Fortsetzung folgt.) >9 Nazi als liandgranateii- Ierroristen verhaltet Breslau, 22. Oktober.(Eig. Drahtb.) Die Ermittlungen der Polizeibehörden und der Staatsanwaltschaft über dl« zahlreichen Handgranatenanschläge, di« im August d. I. von Nazi-Terrorgruppen in Schlesien verübt wurden» können als nahe)» abgeschlossen gelten. Wie die Breslauer Justizpressestelle mitteilt, wurden im Zusammenhang mit diesen Ermittlungen bis jetzt insgesamt 19 Mitglieder der Nazipartei, darunter ein Sturmbannführer, 3 Sturmführer, 3 Sturmgeldverwalter, 2 Truppensührer und 4 Scharführer verhaftet. Mit diesen Festnahmen haben 17 Terrorakte, die vorwiegend gegen linksgerichtet« Personen oder Einrichtungen der Arbeiterbewegung gerichtet waren, ihr« Aufklärung grfunden. Nach den Mitteilungen der Justizpressestell« hat er den Anschein, daß einig«, ebenfalls in jener Zeit vorgekommene Anschlag« auf SA.»Hrim« und Angehörige der NSDAP, als Ablenkung von den eigentlichen Tätern verübt wurden. Ablall von Hitler. Bremen, 22. Oktober. Der nationalsozialistische Präsident der Bremer Bürgerschaft Dr. Backhaus hat sein Amt als Präsident niedergelegt, auf sein Bürgerschaftsmandat verzichtet und ist aus der Partei ausgetreten. nistischen Blätter die dortigen Verhältnisse; sie seien, so behaupteten sie, nur von der Hambur ger Großeinkaufsgesellschaft herbeigeführt wor den. Und Ertinger blieb ihr untadeliger Mann, der sich noch immer über den richtigen Weg zur Revolutionierung der Genossenschaften verbreiten konnte. Nach der endgültigen Pleite des Halle schen Konsumvereins versuchte es Ertinger mit Privatgeschäften. Sie waren so wenig erfolgreich, daß er sich wieder in die politisch« Arena begab, um sein„revolutio näres" Wirken fortzusetzen. Er sand bei den Nazis Unterschlupf, und nicht nur das— er wurde sofort zum Mitglied der Reichs leitung der NSDAP, ernannt; so gut hatte er sich bei den Kommunisten ,chorb»rertet". Und nun kämpft er als Nationalsozialist gegen die deutschen Genossenschaften, weil diese an geblich den Mittelstand ruinieren. iniiiiin)iiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiuiiiiiiiiiiniiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiriiiiHHiiiiiiiiiiiiiiiiiiiHniiiiiiiiiiiiiiiiiuiniiiiiiiiiiiiiininii»iiiiiiiiiiiiiiiiHiiiiiiiiiiiiiiiHniiniiuiiiiiiuiiniuiiiiiiii!iHiiiiiiiniiiiiii» Die Rot der Bezirksjugendfürsorgen zwingt zur —Erhöhung der Subventionen, wen» sie ihr Tätigkeitsfeld nicht«inschränken solle». Genossin Deutsch schildert— als Beispiel für die schwere Situation der Bezirksjugendfürsorgeärnter — die Verhältnisse in Teplitz-Schönau und Karlsbad. Wenn wir von einem Versagen der öffentlichen Behörden in bezug auf die Jugendfürsorge sprechen, so können wir doch nicht sagen, daß sich die Ortsbehörden nicht doch uim die Kinder kümmern. Nur liegt ihnen weniger an dem Wohlbefinden der Kinder als an ihrem Wrchlverbalten. D«n öffentliche« Organen mangelt«s immer noch an Verständnis für die furchtbar« Lage der Arbeiter» für die geistige und seelische Ver fassung, in der die Arbeitslosen sich befinde«. Sie sind nicht imstande, der verzweifelten Situation, in der sich dies« Menschen befinden, Rechnung zu tragen und so werden diese Menschen durch Verbot«, Schikanen und Strafen aufgeregt. Als Karl M a r x das„Kapital" schrieb, hat er das Martyrium der kindlichen Lohnsklaverei gebrandmarkt. Die kindliche Lohnsklaverei ist abgeschafft, di« Kinderarbeit ist ver- boten, aber de Tatsache besteht noch immer, daß der Kapitalismus die^Kinder opfert. Eine solche Gesellschaftsordnung ist ivert, daß sie zugrunde geht. Wenn wir in der Gegenwart unsere beste Kraft in der Fürsorgearbeit vinsetzen, so geschieht«S, um das Leben und die Gesundheit der arbeitenden Menschen zu schützen, ihren Zukunstswilltzn zur großen befreienden Tat des Sozialismus zu erhalten. QiiiiiiiiiiiiiuoininiiiiiiinitiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiniitiuiiiiHmniiiiiiinnmiHimimiittiuiHn Budapest wird saniert. Budapest, 21. Oktober. Der Minister des Innern erläßt eine Verordnung, durch welche den Stadtgemeindcn bie Einhebung einer Notabgabe vorgeschrieben wird. Diese besteht aus einem 20prozentigen Zusatz zur Einkomrnensteuer, einem 20prozentigen Zusatz zur Gesellschaftssteuer und einezn höchstens zweiprozcntigen Zusatz zur allge meinen Erwerbssteuer. 31) Wunderliche kleine Lokale...„Nee, Marti«, komm— essen kann man hier nicht— die kalten Koteletts, die stehen sicher schon'n halbes Jahr in der Auslage— wenn du dann rein- • gehst und was bestellst, werden sie aus Fenster genommen und mit dem Wischlappen ab gestaubt und..." Du kannst eine nega tive Phantasie entwickeln, Gilgichen!" Krumm gezogene, alters schwache Häuser, Minia-- turgeschäfte, Ladenscheiben nicht größer als ein Kopf kissen. Dahinter zusam mengepfercht alt« Kleider und Anzüge, Schokolade tafeln, so alt wie ein Doghurt-Reklame-Bulgare, Ähren, die ein heiliges Gelübde abgelegt haben, nicht zu gehen, Gitarren, Kindertrompeten.. Himio- ben steht als Name über einer Tür. ,Limioben", sagt Marti« verzückt— „Himioben— so ein wun derbarer Name. Gilgichen, einer Stadt, in der jemand,... einfach nicht ganz böse sein." Und hat eine Vision von einem wunderschönen, geheimnisvollen Judenmädchen mir schwarzen Lackhoaren und sanften Mondaugen und zauberhaften Wimpern— erfindet Aeich eine abenteuerliche Geschichte, bringt schon komische Sachen fertig, der Martin— steht man vor einem verwackelten, einsturzbevoiten Häuschen im schäbigsten Viertel von Köln und fühlt sich wie eingeklemmt zwischen zwei Seiten des alten Testaments— vage Vorstellung: sieben Jahr warten— was mit KornfÄd und Aehrenlesen und — wo du hingehst, da will ich auch hingehn... „Na, gehn wir rein und sehn uns das schöne Judenmädchen an", schlagt Gilgi vor und ist ganz neugierig.geworben. Und nachher war's ein verurickertes, fuchsiges Kerlchen, das wie'n Stehaufmännchen Hinterm krambepackten Ladentisch aufschoß— vom schönen Judenmädchen keine Spur. Und Marfin hat em Paar Hosenträger«tauft— lila mit grasgrünen Tup- ■ fen, und Gilgi findet, daß eine verloren« Illusion mit 75 Pfennig immer noch zu teuer bezahlt ist.—„Darum bleibt der Name doch schön und die Bestellung auch— ober die Hosenträger werd' ich nicht tragen—" Das hätte auch gerade noch gefehlt!— Gilgi wirst das Päckchen von der Hohenzollern- brücke aus hinunter in den Rhein— ,cha kann'S in die Nordsee schwimmen und von 'ner Flunder gefressen werden.— Also, Martin, ich könnt's ja vielleicht meinem Mann verzeihen, wenn er mir mal eine langte— aber wenn er mir mit Hosenträgern unter die Augen käme, Wär'S aus." „Frauen, dir derart hohe ästhefische Anforderungen an den Mann stellen, haben eine laxe Moral.— Bitte fall' nicht in den Rhein, Gilgi — vor Ende April ist's mir zu kalt zum Nachspringen." Und man sieht Bilder an, hört Konzerte. ,Jm langen schwarzen Spitzenkleid sitzt Gilgi im großen Gürzenichsaal. Versucht ein stilvoll interessantes Gesicht''zu machen und hängt doch immer wieder mit den Augen an Martins hartem, gerecktem Profil. Hört Klänge, die lang- iveilig sind, und hat große Lust, Martin einen Kuß zu geben. Hört Klänge, die ihr gefallen, und bekommt noch größere Lust, Marfin zu küssen. Und kann's gar nicht leiden, daß er mm mit was anderem beschäftigt ist als mir ihr, muß Wenigstens einmal in sein Haar faffen. Will, daß er über irgendwas mit ihr lachen soll, ihr schnell mal sagen, warum manche Leute so blöde Gesichter und geschloffene Augen haben, wenn sie Musik hören— und nebenan sitzt ein dicker Man«, dre atmet so laut im Takt der Musik, daß es beinah wie Schnarchen klipgt... Pststst machts in der Reihe hinter ihnen. Wie gereizte Kobvaschlangen!„Bitte'Marfin, sag' nur noch schnell, ob das Kobraschlangen sind, die so zischen— schschsch... wie'n Gartenschlauch, aus dem man die Luft läßt.. Literatur, Musik, Malerei— ist so eine Sache mit der Kunst. Was dem. einen sein Hu- bermann— bleibt dem andern sein Tajos Bela, was dein einen sein Rembrandt ist— ist dem andern sein^lbeking. Was will man da machen? It'» a long way to Tipperary it’s a long way to... there... ©ö schlendert man durch die Tage— verspielt, verliebt, tut die tausend dummen Dinge, Seife 4 Sonntckg, 23. Oktober 193L, Nr. 851 Bom Hochfitz aus.... Das erweiterte Schöffengericht Kottbus verurteilte den Berliner Bankdirektor Dr. Herbert Kann wegen fahrlässiger Tötung zu 8000 Mark Geldstrafe. Dr. Kann hat bei einer Jagd in der Nähe von Kottbus seinen Jagdaufseher vom Hochsitz ans versehentlich erschossen. Der Antrag des Staatsanwalts lautete auf 2 Monate Gefängnis. Eine hundortköpfige Schmugglerbaude. Zollbeamte stellten am Mittwoch im Aachener Wald eine Schmugglerbande von hundert Personen und beschlagnahmten eine große Menge Waren. Interessante Gruppierung der Planeten und des Mondes am 25. Oktober 1932. Die Ktefamk-Dolks« sternwarte in Prag macht M'O^ffetrtlichkeft auf eine interessante Gruppierung der Planeten und des Mondes aufmerksam,' die am Dienstag, den 25, d. um 5 Uhr früh am ösÄichen Himmel eintreten wird. Im Sternbild dos Großen Löwen werden die Planeten Benns, Mars, Jupiter und Neptun mit dem Monde und dem hellen Stern Regulus am Himmel cm« Kette bilden, in deren Mitte beiläufig sich die Mondsichel im letzten Viertel befinden wird. Am niedrigsten zum Horizont wird der Planet Venus stehen, weiter oberhalb von diesem in der Richtung zum Monde der Planet Jupiter,^ knapp über dem Monde der Fixstern Regulus und darüber der rötliche Mars. Alle genannten Planeten sind m i t freiem Auge sichtbar. Der Planet Neptun wird ungefähr in der Mitte zwischen deur Jupiter und dem Monde stehen, jedoch nicht mit freiem Auge, sondern nur mit Hilfe des Fernrohres sichtbar sein. Interessant ist, einige Tage vor und nach dein angegebenen Datum die Aenderung der gegenseitigen Lage der erwähnten Himmelskörper zu verfolgest. Eine„spanische" Angelegenheit. In Köln ist die Kriminalpolizei einem merkwürdigen Gesell- schaftsskaildal auf die Spur gekommen: Schon feit Längerer Zeit beobachtete die Polizei ein Unternehmen, das sich„Deutsch-spanische Arbeitsgemeinschaft* nannte. Diese Arbeitsgemeinschaft wurde von einem gewissen Storch de Gracia geleitet, der von einem Dr. Soraglia aus Barcelona unterstützt wurde. Bo« Haus zu Haus wurden weibliche Mitglieder geworben, merkwürdigerweise vor allem Blondinen, die die spanische Konversation lernen sollten.' Der — mit viel Wein und Sekt verabfolgte— Unterricht war nicht billig, so daß nur wohlhabende Kreis« Eintritt in den Klub finden konnten. Die männlichen Besucher waren größtenteils Ausländer romanischer Abstammung. Der Unterricht war im übrigen so eigentümlicher Art, daß besonders die teilnehmenden Damen darauf bedacht waren, nichts darüber verlauten zu lassen. Auch Reisen nach Spanien wurden organisiert, wobei manche der Damen merkwürdig bittere Erfahrungen gemacht zu haben scheinen. Die Polizei konnte längere Zeit nicht hinter die Geheimnisse des Klubs kommen, biS fttzt eine Anzeige wegen betrügerischer Schuldenmacherei gegen den Leiter) des Unternehmens einlief. Die beiden verantwortlichen Spanier waren jedoch bereits geflohen, der eine nach Barcelona, der andere mit unbekanntem Ziel. Mehrere Leute fühlen sich durch den Leiter des Unternehmens um viele raufend'Mark betrogen. „Rache." In dem Berliner Stadtteil Moabit wurde ein bbjähriger Biftsier auf dem Weg zu seiner Arbeitsstelle von seinem Schwager, einem 37jährigen Kaufmann, überfallen und durch zahlreiche Messer- stiche in Kopf, Brust und Leib lebensgefährlich verletzt. Der Täter konnte in seiner Wohnung verhaftet werden. Er gab als Motiv an, daß er einem Streit zwischen seiner Schwester und seinem Schwager beigewohnt habe und beschlossen hätte, sein« Schwester, zu räche«. T agesneuigkeiten Dir, KanMknosser Manchmal wird mau müde und klappt zusammen. Erlischt, statt zu flammen. Schweigt, wo man Antwort wüßte. Wankt, wo man feststeh'« müßt«. Weicht, wo man stürmen sollte. Bangt, wo man stark sein wollte. Kann weder lieben noch Haffen, Rur müde. geschehen lassen.— Die Erde wird einem zum fremden Sterne. Alles steht man nur wie von feine Wunder: einmal gehörte man dazu. Jetzt: erstorben i« kraftloser Ruh'. Doch das Leben peitscht einen mit Haß und mit Liebe Zurück, und weh' dem, der abseitig bliebe!. Er wöre verloren, er lebte zum Schein! „Prolet" heißt, zum Kampf Geborener sein! Tutt, ein Wirker. Leber die Unterschlagungen bei der Stavtgemeinde Brüx, über die wir seinerzeft bereits kurz berichtet haben, wird nun eine amtliche Darstellung. des Bürgermeisteramtes veröffentlicht.. Der eine Fall betrifft den Kaufschilling für teil vom Kreuzherrenorden in Prag im Jahre 1982 angekauften Kommenda-Garten. Durch Vermittlung einer Frau Hinke, die von dem mündlichen Kaufvertrag zugunsten der Stadtgemeinde zurückgetreten war, wurden im Jahre 1922 in mehreren Raten insgesamt 132.000 Kronen an den Orden bezahlt; es erliegen auch über diese Summe von der Frau Hinke ausgestellte Quittungen. Bon diesem Gelde hat jedoch der Kreuzherrenorden, wie sich erst zehn Jahre später herausstellte, nur zwei Raten von 50.000, bzw. 30.000 Kronen erhalten. Frau Hinke hat ihrerseits Quittungen des verstorbenen Amtsdirektors der Stadt Brüx Dr. Pokorny in der Hand, in denen Pokorny die Ueber- nahme von 132.000 Kronen bestätigt. Frau Hinke erklärt, Pokorny habe sie im Kreuzherrenkloster in Prag ersucht, ihm das Geld auszufolgen, habe sie im Vorzimmer warten lassen und sei selbst zum Sekretär des Ordens, bzw. zum Großmeister gegangen. Einmal erhielt sie von Pokorny 4160 Kronen als Provision ausbezahlt, die sie ihm jedoch später gegen Quittung wieder zurückgeben mußte. Nach dezi Aufzeichnungen des Ordens wurden Dr. Pokorny am 7. Oktober 1922 4000 Kronen als Provision für Frau Hinke ausbezahlt, die sie jedoch nie erhalten hat. Die Akten über den Kauf, der mittlerweile fast einschlief, hatte der Amtsdirektor bis zu seinem Tode im April d. I. bei sich. Als man dann die Quittungen über 132.000 K in der städtischen Rentkassa fand, urgierte die Stadt zuerst am 2. Mai d. I. die Empfangsbestätigung über diese Summe beim Orden. Bei einer mündlichen Intervention am 10. Mai in Prag versicherte der Sekretär des Ordens, daß daß Geld vorhanden und für die Gemeinde zinsbringend angelegt sei. Erst bei einer zweiten Intervention beim Orden am 4. Oktober d. I. wurde festgestellt, daß die Kreuzherren nicht 132.000, sondern nur 80.000 K erhalten hatten und daß beim Orden eine ziemlich umfangreiche Korrespondenz in dieser Angelegenheit vorhanden war, die sich in den Akten des Bürgermeisteramtes nicht vorsand. Diese Korrespondenz wurde erst im Nachlaß des vorswrbenen Amtsdirektors gefunden. Weitere Unregelmäßigkeiten betreffen die Gebarung mit den staatlichen Ernährungskarten in der Zeft vom 8. Feber bis 4. Mai d. I. Die Unregelmäßigkeiten bestehen darin, daß in jeder Abrechnungsperiode von den Lieferanten der Lebensmittel mehr Karten fakturiert worden sind, als nach den vorhandenen Verteilern ausgegeben wurden. Der mit der Verrechnung betraute städtische Beamte Bechynö ließ die Rechnungen, die er nicht in der Abrechnung mit der Bezirksbehörde unterbringen konnte, da diese natürlich nur die tatsächlich zugeteilten Karten vergütete, vom Bürgermeister anweisen und an die Kaufleute auszahlen, mit denen Bechynö im Einverüehmcn gestanden sein soll. Bechynö ließ sich auch von Kaufleuten Rechnungen über in Wirklichkeit nicht gelieferte Lebensmittel ausstellen und durch die Be zirksbehörde bezahlen. Dadurch erwarb die Gemeinde ein schwarzes Guthaben bei den betreffenden Kaufleuten, das für Sonderaktionen zugunsten der Arbeitslosen bestimmt war, tatsächlich aber für private Sonderaktionen BechynöZ verwendet wurde, der eigenmächtig Anweisungen ausstellte, die er mit einem einsprachigen Stadtratsstempel' versah. Ein Kaufmann behauptet, daß die Ueberbringer solcher Anweisungen meist bessere Leute waren, die durchaüs nicht den Eindruck der Bedürftigkeit gemacht hätten. Die Höhe des Schadens wird erst in einigen Tagen ermittelt werden können. Gegen Bechynö schwebt ein Disziplinarverfahren, ebenso gegen den städtischen Wirtschaftsverwalter Fritz Schwarzenfeld, gegen den kürzlich in einer Stadtverordnetensitzung verschiedene Beschuldigungen erhoben wurden. Auch die Staatsanwaltschaft wurde von diesen Vorfällen verständigt. Tom Mix verunglM beim Retten. Hollywood, 22. Oktober.(Reuter.) Der bekannte amerikanische Reiter und Cowboy Tom Mix, der aus unHhligen Filmen bekannt ist, wurde bei einer Filmproduktion schiver verletzt. Sein Lieblingspferd Tony streifte ein Hindernis, überschlug sich einigemal und Furchtbares kisenbahnunglück in Rumänien.- 28 Tote! Bei der rumänischen Stadt T e m e s v a r ereignete sich ein folgewschweres Eisenbahnunglück: die beiden letzten Wagen eines Arbeiterzuges entgleisten, stürzten um, und wurden noch etwa 100 Meter von dem in-voller Fahrt befindlichen Zuge mitgeschlefft. Aus den Trümmern wurden 26 Tote und acht Schwerverletzte geborgen. drückte mit seiner ganzen Körperlast seinen Reiter znr Erde. T o m M i x, der schwere innere Verletzungen davon trug, war sieben Stunden bewußtlos. Artillerie gegen revoltierende Zuchthäusler. London, 22. Oktober.„Times" meldet aus Kanada, daß im Zuchthaus von Portsmouth eine Revolte ausgebrochen ist. 110 Zuchthäusler überwältigten 40 Aufseher und befreiten die• Insassen zweier Zellenreihen des Hau.pt- gebändes. 150 Mann kanadischer Artillerie mit Maschinengewehren wurden von Kingston aus entsandt. Sie halten das Zuchthaus umzingelt. Innerhalb der Mauern herrscht ein völliges Durcheinander. Die Aufständischen haben die Einrichtung zerstört. Die noch eingeschloffenen 700 Gefangenen feuern die Meuterer an. Da die Aufständischen seit 24 Stunden ohne Nahrung sind, nimmt man an, daß sie sich bald ergeben werden. Bier Arbeiter im Cteinbruch verschüttet Budapest, 21. Oktober. Bei der Stadt Gyöngyös ereignete sich heute in einem Steinbruch ein schweres Unglück. Vier Arbeite r. wurden durch sich Plötzlich lösende Gesteinsmassen verschüttet. Einer von ihnen konnte mit schweren Verletzungen geborgen werden, dürfte ledoch kaum mit dem Leben davon kommen. Die drei anderen liegen noch unter dem Geröll. Die Rettungsarbeiten konnten noch nicht in Angriff genommen werden, da man weitere Einstürze befürchtet. Man hat keine Hoffnung, die drei Verschütteten noch lebend zu bergen. Die Ursachen des Unglücks können bisher noch nicht ermittelt werden. Phantastische Entführung. Aus China wird gemeldet, daß zwei von Banditen entführte Mitglieder der britischen Kolonie in New Chang(Mandschurei) erst jetzt, nach 43tägiger Gefangenschaft, gegen Zahlung eines ungeheuren Lösegelds wieder freigegeben worden sind. Die beiden Entführten, Frau Paw- lcy und der Generalssohn Corkan, sollen,.n einer Höhle versteckt und schwer mißhandelt worden sein. Das Lösegeld soll sich auf 200.000 Mark, 250 Pfund Opium und eine größere Lieferung von Winterkleidern belaufen. Ursprünglich sollen die Banditen noch u. a. auch beträchtliche Mengen Waffen verlangt haben. Nobelpreis für Upton Sinclair? Das Nobelpreis-Komitee in Stockholm hat eine von 800 namhaften Autoren und Wissenschaftlern aller Erdteile unterzeichnete Petition erhalten, in der die Forderung ausgesprochen wird, den diesjährigen Nobelpreis für Literatur dem amerikanischen sozialistischen Schriftsteller Upton Sinclair zu verleihen. Unschuldig hingerichtet! Vom Gericht in Amman, der Hauptstadt Transjordaniens, kourden vier Araber des Mordes an einem fünften für schuldig erkannt und zum Tode verurteilt. Wahrend der Exekution kam es zu.-einer erschütternden Szene. Als einer der Verurteilten bereits hingerichtct war und man den zweiten zum Galgen führte, bekannte dieser weinend seine Alleinschuld. Zwischen der Hinrichtung des ersten Arabers und dem Bekenntnis des Schuldigen waren drei Minuten vergangen. Raubmord. Die-Händlerin Auguste Könicke wurde Samstag mittag in ihrer Wohnung in der Lutherstraße in Berlin im Bett gefesselt und erwürgt aufgefunden. Nach den bisherigen Ermittlungen der Mordkommission der Kriminalpolizei scheint es sich um einen Raubmord zu handeln. Man vermutet, daß der Ermordeten gehörige Goldpfandbriefe geraubt worden sind. Die jüngste Stadt der Tschechoslowakei. Die Regierung der tschechoslowakischen Republik hat auf Grund eines Beschlusses vom 22. September 1932 die Ortschaft Katharein im politischen Bezirk Troppau zur Stadt erhoben. Der N Eingriff vorliege. Die Gebärorgane wiesen schwere Verletzungen und Durchbohrungen auf, di« auf eine unkundige Hand hinzudeuten schienen. Es wurde festgestellt, daß das Mädchen(sie stammte aus einem Dorf in der H i r s ch b e r g e r Gegend) nach Prag gekommen war und hier eine Hebamme aufgesucht hatte. Di« Hebamme behauptet« damals, daß sie eine schon vollendete Fehlgeburt konstatiert habe und die Notwendigkeit einer schnellen ärztlichen Hilfeleistung. Si« schickt« daher inn den Dr. Gorgulov, der sich zuerst 400 K auszahlen ließ und dann ein« Auskratzung vor- nahm, wie sie ht solchen Fällen unerläßlich zu sein pflegt.. Das Gericht schenkte seincrzeit dieser Verteidigung keinen Glauben, sondern nahm an, daß in der Wohnung der Hebamme eine regelrechte F r u ch:- abtreibung vorgenommen worden sei. Gorgulov war inzwischen verschwunden; die Hebamme erhielt sechs Monate Kerker und der Liebhaber der Verstorbenen, der das Geld dazu her- gtgeben hatte, drei Mona.te wegen Bei- Hilfe. Inzwischen kamen aber neue wichtige Um-j stände zutage, welche das Oberste Gericht veranlaßten, der Nichngkei.'sbeschwerde des Verteidigers in vollem Umfang stattzngeben, das Urteil zu kassieren und ein neuerlichas Verfahren an-! ordnen. Di« Mutter der Toten hatte nämlich später zufällig hinter einem Schrank in der Stube, die ihre „Für Juden verboten? Mechi ich bloß wis- scu, wir'n den Saal hereinkommen die drei\‘ Redner, was fe sich haben engagiert!" Tochter bewohnt hatte,«in Bündel blutiger Wäsche vorgesundcn und darin eingewickelt die Reste eines menschlichen Embryos nebst einer Gummiröhve. Nun erinnerte sie sich auch, daß ihre Tochter, bevor si« nach Prag zum Arzt fuhr, Fieber und Schüttelfrost hatte(die Ursache der Reis« hatte die Tote nicht verraten). Es ist also klar, daß der Eingriff mit Hilfe der Gummiröhr« in der Heimat der Verstorbenen durchgeführt worden war und noch vor der Todesreise nach Prag. Vermutlich haben die dann auftretenden Schmerzen das Mädchen veranlaßt, in Prag bei der Hebamme Hilfe zu suchen, weiche eine ganz richtige Diagnose-stellte und den Arzt Gorgulov zu der chirurgischen Behandlung herbeirief. Dieser Heilkünfiter hat dann allerdings seine Instrument« in einer Art geführt, die einem geschulten Mediziner kaum zuzutrauen war und seiner Patientin schwer« innere Verletzungen zugeführt.— Bei der heutigen Verhandlung fällt« das Gericht auf Grund der neu«, Tatsachen einen Frei sprach.. rb. Vom Prager Rundfunk Diesmal hat der Berichterstatter zum größeren Teil das Recht verwirkt, die Darbietungen unserer deutschen Sendung zu besprechen, teils, indem er sich in der Welt herumtrieb und dieselben nicht hörte, teils, weil er selbst beteiligt war, wie z. B. an der von Fritz Seemann geleiteten Reichenberger Reportage vom Sonntag. Aber auch di« übliche Bescheidenheit der Autoren und Mitwirker kann ihm doch nicht hindern an der Feststellung, daß diese Reportage(Reichenberger Unbedingte kränkten sich sehr über dieses Fremdwort) eigentlich gar kein« war, sondern eine Aneinanderreihung von Vorträgen, in denen minutenweise alles über Stadt und Leben gesagt werden sollte. Hier wär« ein Weniger niehr gewesen; freilich sollt« eben jede Richtung und jede „Prominenz' zu Wort kommetr und so bekam der Hörer Wissenswertes an den Kopf geworfen, daß dieser ihm schwindeln mußte und sicher, als Selbstschutz, das Aieiste bei einem Ohr herein, beim andern wieder hinaus ließ. Eigentlich wirkt hier die sonst so segensreiche deutsche Gründlichkeit und Gewissenhas- tigkeit, die mit der leichten Form westlichen Geistes nichts aryufangen iveiß. Gang ähnlich gings mit dem Reisebericht„Fahrt nach Hellas" des Gpnrnasialdirektors Dr. Sldalbert Sterner(Prag). Mittels auf antik« Weis« kunstvoll verschachtelter Sätze erzählte Herr Direktor Wesentliches: Abfahrtszeit und Fahrtrichtung ab München usw., verzeichnet« alle antiken Trümmer, erinnert« an alle antiken Sagen, streute gelehrte Anmerkungen ein, kurz, der G lernte feierte gerührtes Wiedersehen mit Wagners „Realien", der Gymnasiast haft« Gelegenheit zu einem trefflichen Repetitorium und das Weltkind erkannte mit Schrecken di« wirklichkeitsfern« Well unserer klassischen Philologen. Die Natur erscheint nur, insofern etloa Homer und Horaz ihrer gedacht haben sollten, von der Gegenwart wirkt überhaupt nichts hinein in dieses Traumdaseiii, das sich doch immer noch anmaßt, Richtunaslveiser und Wertmaß unserer Kultur zu sein Mit zolcher klassischen Bildung wird eine Jugend ausgestattet, di« hernach im modernen Leben die Führung übernehmen soll,— es ist absurd und wäre komisch, wenn es nicht tragisch wär«.— Anders zeigt sich deutsche praktische Tüchtigkeit in dem Bericht Herrn Manfred Försters über das in der berühmten Klavierfabrik gebaute neu« Jnstru- meni, das Eleksrochord.. Es sei fern von mir, mich hier aufs Glatteis technischer Erörterungen zu, begeben, aber ich bekenn«, daß mir dies« Erfindung bedeutungsvoller erscheint für die Entwicklung der Musik, als es seinerzeit die Einführung des Hammerklaviers gewesen ist. Sehr wohl kann von der Anwendung elektrisch erzeugter Töne eine neu« Epoche der Musik beginnen. Die große Masse, d. h. wir Nichtshaber werden zunächst kaum davon berührt werden, denn die Bemerkung Herrn Försters: „In jedem gepflegten Hanse werd« bald das Elektro- chord neben dem Flügel stehen", läßt darauf schließen, daß das neue Instrument teuer ist und eben nur in di«„gepflegten" Häuser einziehen wird. Schade. Wahres Verdienst um die Kultur wird sich d i« Firma erwerben, di« rin gutes, billiges Dolks- l instvument zu stand« bringt.— Da wir bei der Musik sind: sehr herzig war wieder das Rätselraten in der Musikalischen Jugendstunde(Frau Stuchlik-Deutel- mos«r u-ud Fran Emnta Saxl),— hier wird spielend in jedem Sinn des Wortes das Gefühl für Musikstil gebildet.— Daun war viel von Büchern di« Rede und mit Recht, denn Bücher sind, wie Genosi« K. Heitzer in der Arbeiter send ung sagte, gesellschaftliche Machtmittel und das Proletariat wird einen Sieg im Klassenkainpf errungen haben, wenn ti gelernt haben wird, di« richtigen Bücher zu lesen. Heitzer selbst nannte di« Bücher Ma; Hodann„Geschlecht und Liebe"— Fritz Wildung„Arbeitersport' -- Helmut.Wagner„Sport und Arbeitersport"— Jos. Maria Frank„Das Leben der Maria Samei» tak"— Traven„Das Totenschiff"— Oskar Wöhrle „Der Baldainus und sein« Stveiche". Und in der Reih«„Neue Bücher' nannte Archivrar Dr. A. Moucha einige Bücher, di« leider vielen tatpschlich noch neu sind, trotzdem sie schon jahrelang leben, w die Werk« Martin Andersen-Nexös:„Pelle, der Eroberer",„Stine Menschenkind",„Proletariernovellen".„Bornholmer Novellen",„Lobgesang aus der Tiefe" und Knut Hamsuns grandios« Roman«„Hunger' und„Segen der Erde" Immer breiter wird der Raum, den soziale Probleme in der Dichtung einnehmen, langsam, aber unaufhaltsam andern die materiellen Verhältnisse, die Produktionsweise und die srqiale Schichtung, auch den ideologischen Uober- bau der alten, absterbendeu Gesellschaft. F ü r st e n a u. Seite 6. Sonntag, 23. Oktober 1832 Nr. 251 NlKclliinLen mr.Ma“. Wochenprogramm: 23.-29. Oktober. Sonntag, 10— 12 Uhr:„Ha ndels ku rs." F. Sch« nk. 10 Std.— 40 L. Sonntag, halb 11 Uhr:„Der Kongreß tanzt-" Historischer Film. Montag, 8 Uhr:„Mit dem S,portflug- zeug um die Welt." Originallichtbllder Elly Bei nhorn. Montag, viertel 9 Uhr:„Der Kongreß tanzt." Im Rahmen-er Kulturfilm-Vorführungen. Dienstag, 3—7 Uhr: Urani a-R adiobund- Bastel fürs. Dienstag, 8 Uhr:„Das photographische KI«i n b i l d" Demoirstradions-Abend mit Acht« bildern. Anton Baumann. Mttwoch, 3 Uhr: Ins Märchen- und Wunderland! Doppelprogramm:„Schneewittchen" und „Das W u nd e r b lü m ch e n". Mittwoch, halb 7 Uhr: Berühmt« Kunststätten:„Venedig" mit Lichtbildern. Prof. Dr. R. M e-sse r. Mttwoch, halb 7 Uhr:„Servieren, Sitzordnung." Caroline Schönau. Mittwoch, 8 Uhr:„Nahb'ld und Mikrophotographie" mit Lichtbildern. A. Baumann. Donnerstag, halb 7 Uhr:„Graphologie." 3. Meloun, London. Donnerstag, 8 Uhr:„Die Sichtbarmachung innerer Organe durch Röntgenstrahlen und ihre Grenzen." Univ- Prof. Dr. Hans Holfelder, Frankfurt a. M. Freitag, halb 11 Uhr:„Frohe Menschen" und„Es wächst ein Geschlecht Turnerinnen", Sportfilm. Gemeinsam verunstaltet mit dew „Deutschen Hauptausschuß" f. Leibesübungen, Aussig- Wiederholung viertel 11 Uhr abends. Samstag, 3 Uhr:„Das Lied vom Leben." Der berühmte Granovfly-Kultnrfilm. Dazu all« Sprachkurse der„Urania-Bolkshoch- schule". Wisse« Sie, daß Sie als Urania-Mirglied (Jahreskarte 18, Familien-Zufatzkarte 3 K) Ermäßigungen bei allen Urania-Veranstaltungen, bei den Konzertdivektionen und bei verschiedenen deutschen Firmen haben?' * Wran-Nrania-Kino. Leo Slezak hören Sie im Film„Der Frauendiplomat". Weiter: Maria Eggerth und Mak Hansen. Wran-Urania-Kino. PRAGER „Vergnügen" aui der Prager Nettrischen. Ein Genosse schreibt uns: Unlängst bestieg ich mittags an einer weniger frequentierten Haltestelle als einziger die vordere Plattform der Elektrischen. In der nächstfolgenden Station beehrte uns der Kontrollor.^ Der Schaffner, der ganz einfach wegen Ueberfüllung des Wagens nicht rechtzeitig bis zu mir Vordringen konnte, brachte mich in eine peinliche Verlegenheit, die ich anfangs nicht wahrgenommen hatte, da ich mich auf die Anerkennung der tatsächlichen Situation allzu sehr verließ. Nach einem heftigen Wortgefecht mit dem Wahnführer, der meine Aussage bestritt, meldete sich ein Fahrgast als ZeiAe, welcher bestätigte,-atz ich an jener Haltestelle eingestiegen war. Ein neuerlicher, viel heftigerer Wortwechsel brachte keine wahrheitsgetreue Klärung über die entscheidende Frage, ob der Schaffner in der kritischen Zeit auf der vorderen Plattform sich eingefunden hätte. Währerrd alle übrigen Fahrgäste unbestimmt oder ausweichend aussagten, meldete sich plötzlich ein Fahrgast, der den Schaffner gesehen haben wollte.(Dieser Zeuge soll ein Ingenieur der elektrischen Unternehmungen sein.) Ich war also„überfuhrt". Jede Bemühung, der Wahrheit einen Durchbruch zu verhelfen, war vergeblich.— Es folgte dann die übliche Fortsetzung, da ich mich nun bereit erklärte, das Fahrgeld, nicht aber di« Geldstrafe zu bezahlen. Sicherstellung, Vorführung auf der Wachstube des nächstliegenden Kommissariates. Die Amtshandlung— gestützt auf«ine Anzeige— führte dann zu einem Besuche eines Oberkontrollors zuerst in meiner Wohnung und dann im Büro. Er ervoichte— wenn auch nach neuerlicher anfänglicher hartnäckiger Weigerung— sein Ziel. Zur Unrecht und widerwillig erlegte ich das Strafgeld von 5 Kronen. Merkwürdigerweise bekam ich erst über ausdrückliches Verlangen auf einem von mir beigestellten Papierfetzen«ine Empfangsbestätigung. Wenn dieser— sicherlich nicht vereinzelte— Vorfall,-er schloglichtartig eine sonderbare Auffassung vom»^Dienst« am Kunden" aufzeigt, di« Leitung der elektrischen Unternehmungen endlich bewegen sollte, geeignetere Jnstricktionen herauszugeben, die den redlichen Fahrgast vor Fehlgriffen der Kontrollorgane schützen, so bereue ich nicht, ein Opfer gebracht zu haben. Wird keine Abhilfe geschaffen, so müßte jeder Fahrgast stets vorweg Entlastungszeugen sicherstellen. Auf jeden Fall wird das Tramwayfahren in Prag immer mehr zum Mißvergnügen. Letzten Endes wird den Schaden davon aber doch das Unternehmen tragen. Arankenhansangestellte zum Gehaltsabbau. Eine Versammlung der Krankenschwestern im Prager Allgem. Krankenhaus faßte zur Frage der Gehaltskürzung«ine Resolution, der wrr entnehmen: -Di« Bezüge der Staats- und öffentlichen Angestellten waren niemals im Verhältnis zum Lebensstandard valorisiert und wurden trotzdem schon im Jahr« 1923 um 20 Prozent abgabaut. Durch den Entzug des Weihnachtsbeitrages im Jahve 1922 hat sich im Durchschnitt der Gehalt um 8 Prozent vermindert. Nicht genug damit, daß das Mnifterium des Innern einen Rundevlaß herausgibt, der in vielen Punkten auf ganz ungesetzliche Weis« die .Durchführung des 8 212 für die autonomen Ange- stellten vorschveibt und damit in Hunderten von Fällen Schädigungen hevaufbeschwört, daß den Gemeinden und autonomen Körperschaften infolge ihrer ruinierten Finanzen durch die Finanzgesetze überhaupt jede Möglichkeit genommen wurde, di« im Gesetze Slg. 103/26 verbürgten und zulässigen Rechte und Ansprüche insbesondere auf Beförderung, den öffentlichen Angestellten zuzuerkennen, d-tß die öffentlichen Angestellten durch einen gesetzlichen Ein- kommensteu«rzuschlag erst in letzter Zeit in der sichersten Art zur Bekämpfung der Krise mit herangezogen wurden, sollen sie gerade im jetzigen Zeitpunkte einen neuen Gchaltsabbau über sich ergehen lassen! Wir warnen vor einem Experiment« an den Bezügen der Staats- und öffentlichen Angestellten, das den Ruin der Betroffenen, di« Demoralisierung der öffentlichen Verwaltung und di« Schwächung der Kaufkraft breiter Schichten der Bevölkerung herbeiführen müßte. Sine« Sonderausflugszug«ach Berlin veranstaltet die Direktion der Staatsbahnen in Prag in den Tagen vom 11. bis 14. November, nicht— wie geplant— in den Tagen vom 4. bis 7. November. Gegen einen Zuschlag können die Teilnehmer auch Hamburg besichtigen. Der Preis für die Fahrt nach Berlin beträgt 365 K, nach Berlin und Hamburg 465 K. Im Preis« sind inbegriffen di« Fahrten, Verpflegung, Aurocarfahrten, Eintrittsgebühren wsw. Anmeldungen gegen eine Angabe von 100 K nimmt die Kasse Nr. 13 am Masarykbahnhof bis längstens 1. November entgegen. Abfahrt am 11. November um 14 Uhr, Rückkehr nach Prag am 14. November gegen 6 Uhr früh. ZEBTBMft Kunst und Wissen „Sdiwarzrote Kirschen" Schausp.el in 4 Akten von Alexander Hunyadi, deutsch von H. H. Ortner. Das Stück, dessen ungarischer Autor wenig, dessen deutscher Bearbeiter aus seiner eigenen Produktion gut bekannt ist, zeigt alle Qualitäten und alle Mängel der magyarischen BühnenProdukiion. Die Vorzüge liegen im Technischen, in der Meisterschaft der ungarischen Literaten, aus allerhand grobem Material und Gewürz einen Reißer, man sagt wohl am besten: zu mixen. Das hat mit Dichtung kaum etwas zu tun, aber es bringt dem Theater kassenfüllende Stücke. Di« Aufgabe, die sich der Autor dabei stellt, scheint einfach die zu sein, ein Libretto zu schreiben, das man auch ohne ein« vollständige Operettenmusik spielen kann. Ganz ohne Musik geht es freilich nicht. Um Stimmung zu schaffen, bedarf es der Geigen, weshalb man eine Militär-, Zigeuner-, Jazz- oder Bauernkapell« auf die Bühne stellt. Diesmal war es«ine Zigeunerkapelle, die mit dem sentimentalen Sieb von den roten Kirschen am schwarzen Stengel(die Lyrik ist so dürftig, daß der Farbeneffekt auch verkchrt werden könnte) gleich den Titel und einen Grund- akkord für das ganze Spiel bringt. Die Mängel der ungarischen Dramatik dieser Sorte braucht man wohl nicht jedesmal von neuem wieder aufzuzählen. Der wesentlichste ist: daß die mit Motorbetrieb arbeitenden Handwerker des lit«- rarischen Betriebs der Versuchung nicht widerstehen können, ein verhatschtes Problemstück zu schreiben, daß sie ihre Libretti mit allerhand weltanschaulichen Jngredenzien versetzen, die eine« erst auf den Gedanken bringen, das Ganze mit einem Drama zu vergleichen und als solches zu kritisieren. Zum Beispiel: In Hunyadis Stück nimmt ein Edel-Mann, den der Autor nicht nur als Aristokraten von Rass«, sondern von Charakter und Haltung zeichnet, einem reichen Großbauern die Frau weg. Em Drei-Eck, dessen Charaktere nicht neu, aber immer noch interessant sind, so daß ein gutes Stück ohne besonder« Ansprüche an literarische Geltung daraus werden kann. Aber dem ehrgeizigen Autor genügt das nicht. Er muß ein Problem anderer Art hineinbringen. Der Bauer Duschan ist Serbe, der Stuhlrichter Gäsa Magyar«. Der große Endeffekt aber ist: der Serbe hat den Krieg gewonnen, der Ungar die Frau. Duschan geht ab mit der resignierten Feststellung:„ein schöner Sieg, ein großer Sieg!"(Der Darsteller des Duschan, Herr Valk, entschied sich, in die Zwangslage versetzt, sein Res um« pathetisch hinauszuschreien oder «z ironisch zu füdeln, für die dritte Möglichkeit, es beiläufig vor sich hinzumurmeln:) Nun hat aber die Liebesgeschichte der schönen Irina, die viele Jahre lang dem Bauer Duschan die Treue hält, aber sich nach dem aristokratischen Gäza sehnt, mit Politik und Nationalität, Umsturz und Revirement der Herrenllassen in der Bäcska herzlich wenig zu tun. Auch nimmt der Autor nicht aufdringlich Partei. Natürlich sind seine Magyaren ! edel wie immer in der Operette und nie in der W'-rllichkeit, aber die Serben sind, bis auf Ausnahmen, auch edel. Das neu« Regiment tritt nicht härter auf als das alt«, und hat dieses den Denunzianten im ersten Akte von sich abgeschiittelt, io wird im letzten auch jenes mit ihm fertig. Wozu also der welthistorisch« Hintergrund dieser Balgerei zwischen Männern, die um eine Frau raufen? Aus keinem anderen Grund als aus der perversen Neigung, Literatur produzieren zu wollen, wo man ein« Kalman-Operett« ohne Orchester schreibt. Die Aufführung hatte Erfolg, obschon die Hauptdarsteller sämtlich Wärme und Temperament vermissen ließen. Ball(Duschan), Musil(G4za) und Carola Behrens(Irina) spielten ihre Rollen mit jener an Berliner Bühnen gezüchteten Virtuosität im Gedämpftsein und Leisesprechen, die dem wahren Begriff des Theaters im Grunde widerstrebt. Wieder hatte man das Gefühl, daß sehr talentiert, sehr sorgfältig gespielt werde, aber ein Letztes, Irrationales fehl«, ohn« welches keine Bühne die Welt vorzutäuschen vermag(und dar mindestens bei Carola Behrens bestimmt zu wecken wäre!). Die Regie Renato Mordos bot, abgesehen von der ebenfalls berlinischen Finsternis, mit der man ganze Szenen verdirbt, nichts besonderes. Di« Effekte des ersten Aktes wurden mit recht groben Mitteln erzielt, die Offizier« waren zu roh, um als illusionär« Gentlemen, zu gekünstelt, um als di« waschechten Bestien der weiland magyarischen Armada genommen zu werden. In den kleineren Rollen gab es eine Reihe guter Besetzungen: Maria Motz, Renner, Rösner, Hölzlin, Jantsch. Begrüßenswert bleibt, daß wir im Schauspiel nun«Mich ein bescheidenes Repertoire erhalten, nachdem man sich bisher mit einem halben Dutzend Aufführungen gefrettct hat. Biel Ist es nicht, was bis jetzt steht, und das Best« ist eS auch nicht, aber ein« leichte Tendenz zur Besserung ist vorhanden. E. F. NEUE, WIEDER BEDEUTEND ERMÄSSIGTE Preise I Anzüge, moderne Master Anzüge, blau, Kammgarn Hubertusmäntel, auch rar Damen Raglans Winterröcke, lang, schwarz Winterröcke, kurz, farbig Wirtschaftspelze Stadtpelze... Reise- und Chauffeur-Pelze Lederröcke, braun,„Nappa“•. Stoffhosen, grau gestreift... Sämtliche Herren Meldung bis zu den allerfeinsten Qualitäten für jede Figur fertig auf Lager. Lünlg der Winterröcke heuer bereits von Kt ■assam von Kt 110- 250.. 125— 140- 240- 110- 360- 1150- I 750- 260- 40- I Hüte ab Itt 25.—, Kappen ab Kt 8.—. Binder ab KC 2 90, warme Stoffhandschuhe ab Kt 5—, Lederhandschuhe, warm ge üttert, ab Kt 25—. Trikotwäsche, Pullover, Lumperjacks, Strümpfe, Schals. Postversand gegen Nachnahme. i7äa Sirdnskg Prut, Hybernskä. Spielplan d«s Neuen Deutschen Theaters- Sonntag, halb 3 Uhr Uhr:„Di« dr«>i Musketiere"; 8 Uhr ahendS:„Das Recht aus 2ünd«", Gastspiel Gisela Werbezirk.— Montag, halb 8 Uhr:„Viktoria und ihr Husar" (B. B).— Dienstag, halb 8 Uhr:„D i«' drei Musketiere"(A 8). t; Mittwoch, halb 8 Uhp: „S ch w a r z r a t e Kirschen"(B 1).— Donnerslag, halb 8 Uhr:„Cavalleria rusticana", „Bajazzo"(C 1).— Freitag, 6 Uhr:„Die Mei stersinger von Nürnberg".— Samstag, halb 8 Uhr:„Der Kuß vor dem Spiegel", EnstmblegastspiÄl Lil Dagover— Ernst Deutsch(A. A.).— Sonntag, halb 3 Uhr:„Im weißen Rößl"(V. B.); halb 8 Uhr:„Der Kuß vor dem Spiegel", Eniemblegastfpiel Lil Dagover— Ernst Deutsch(A. A.). Spirlplan der Kleine« Bühn«. Sonntag, 3 Uhr: „Coeur-Bube"; 8 Uhr: Dreimal Offenbach. t- Montag, 8 Uhr:„Das Recht auf Sünde", Gastspiel Werbazirk.— Dienstag. 8 Uhr:„Das Recht auf Sünde", Gastspiel Werbezirk.— Mittwoch, 8 Uhr:„Weekend" — Donnerstag, 8 Uhr:„Coeur-Bube", Bankbeamten H.— Freitag, 8 Uhr:„Kalkutta, 4 Mai", Kulturverba ndsfrounde.— Samstag, 8 Uhr:„Weekend".— Sonntag, 3 Uhr:„Ni na": 8 Uhr: Dreimal Offenbach, Festvorstellung anläßlich des sozialdemokratischen Partei tags. Vereinsnachrichten jk Akademie. Samstag, de n - 29. Oktober, im Radiosaal, Weinberge, Fochovä fr. 56. Be- jnvwwM. ginn: Halb 8 Uhr abends. Auf dem Programm gymnastische und Taiqvorführungen der Durnerin- ■■■**«* neu und Turner. Als Gäste wirken mit der rhythmische Frauen-BewegungSchor der DTJ. 1. Kreis und di« Akrobatengruppe der DTA. Pankratz. Nach dem Programm Tanz. Kapelle Papevt. Eintrittskarten zu 6 KS sind im Vorverkauf bei allen Mitgliedern des Vereines zu haben. Verlangen Sie In Inder Verkaufsstelle des Konsumvereines SELCHWAREN der Firma HEGNER* Cie.. PILSEN Selchwaren der Pa. HEGNER* Oe. PILSEN. SIND DIE ALLERBESTEN I I S1. Bciniann Söhnt. Praß Her,u»aebee. Siketried Zeab.— Ld-tr-d-tle-r. Wilhelm 91(ebnet.— B-ranrmorilicher SebaJteut: Di. Emil e 11«« 6. Prag— Druck:.Aeta* A.-S. für Aettsna. und Buchdruck Prag— ssür de» Druck»erauiwartlich: Ott» Hel». Siras.-- Die Zeiluuaemarkrnliaickalur wurde von»er Poft.». rele,ra»heudirel>ia» mit Urlatz Nr 13 890/VIIH930 bewillig!— WMgiMbtnaungea: Bei Zustellung IM Haus«bet bet Seena durch bie BÖS monatlich Kt 16 uierleljährtich U Kj—p tzotbjatz«, Ui 96,—,«a-iiahri, lüi UL,—.— JujenUi werde» laur Lauf MigS derichuet, ve»»itere» UtirjchaUuullea Preissachlatz,— Auckstelluu,»», Marruflripies er^igi MI, sei Eiujeadung der Sieloulmarte».