Einzelpreis 79 Heller. (Elnschlttßlich S Heller Porto) 12 Ladrgang. fT' 1 1 1■' Dienstag, 25. Oktober 1932 Rr 252. uemission amlitcv verlautbart Malgpclr mH der Neubildung beauftragt. Um das Spar* und Arbeitsprogramm 4er neuen Regierung Prag, 24. Oktober. Am späten Abend wird amtlich bekannt gegeben, daß di« Regie, rung de« Präsidenten der Republik di« Demission gegeben hat. Der Präsident hat die Demission angenommen und hat gleichzeitig de« vor, sitzende« des Abgeordnetenhauses Jan Malhpetr mit der Bildung der neuen Regierung betraut. Bis zur Bildung des neuen Kabinetts wurde wie üblich, die alte Regierung mit der ErsparungsmaOnahnien Frankreichs. Paris, 28. Oktober. Das heutige Amtsblatt veröffentlicht ein Dekret, laut welchem unter der Patronanz des Budgetministeriums der sogenannte Ober-Sparausschuß errichtet wird. Aufgabe dieses Ausschusses wird es sein, Reformen und Maßnahmen■ aller Art jur Herbeiführung einer Ausgabensenkung auf sämtlichen Gebieten der Staatsverwaltung zu suchen und vorzuschla- gen. Der Ausschuß hat eine ausgedehnte Machtbefugnis und kann Untersuchungen nach eigenem Gutdünken vornehmen. Sämttiche Organ« der Staatsverwaltung stehen ihm zur Disposition, Der Ausschuß wird in jedem Ministerium und jedem Staatsunternehmen eine Sparkommifsion cinsctzcn, die mit der Ausarbeitung von Anträgen zur Vereinfachung der Geschäftsführung, zur Verbesserung der Arbeitsmethoden, eventuell zur Herabsetzung des. Personalstandes usw. betraut «in wird. IN diesen Kommissionen werden mit der gleichen Mitgliederzahl vertreten feint 4. die öffentlichen Organisationen, die ein besonderes Interesse an einem guten Funktio- irren des öffentlichen Dienstes haben, z. B. Handelskammern, G e w e r k s ch a f t s 0 r g a n i s a- tioncn der Arbeiter, Arbeitgeberverbände, Ge«offenschäftskoope rativen usw. 2. die hohe Beamtenschaft und 3. die Angestellten niederer Kategorien. Die Delegierten der ersten zwei Kategorien werden von den^zuständigen Ministern und die Delegierten der Angestellten von ihren Organi- satiynen bestimmt werden. Die entsprechenden Anträge dieser Kommissionen müssen bis spätestens Ende Feber 1si33 äusgrarbeitet werden. Bedeutung M 700 Mitlionen Mark im deutsche« Budget für 1933 gesucht. Berlin, 24. Oktober.. Der Abgang im heurigen Budgetjahr Deutschlands wird— nach privaten Schätzungen— ca. 700 Millionen Reichsmark(d. s. annähernd 5.5 Milliarden K) betragen. Der Abgang ist einerseits dadurch entstanden daß die Staatseinnahmen gegenüber der Budgetschatzung um 400 Millionen niedriger veranschlagt wurden, andererseits durch neue Ausgaben. Die letzteren sind in erster Reihe durch du Sanierung der Preußen-Kassa und in zweite' Reihe durch die Finanzaushilfen für die ostpreußischen Gebiete verursacht worden. Zu Kaffa- schwierigkeiten.hat der ungünstige Stand der Reichssinanzen angeblich noch nicht geführt, unl man rechnet damit, daß es möglich sein wird Wenigstens einen Teil des Defizites auf dat nächste Budgetjahr zu überführen. SA in Auflösung Kiel, 22. Oktober. Die Sozialdemokratische Partei Neumünster erhält fortgesetzt Zuschriften aus nationalsozialistischen Kreisen über die unhaltbaren Zustände in der SA. Die, wie man in nationalsozialistischen Kreisen sagt, »aristokratische Führung" hat unter den Angriffen der SA. schwer zu leiden, zumal die Kassenverhältnisse in einer unglaublichen Up, o r d n u n g sind und mit sehr beträchtlichen Unterschlagungen gerechnet werden darf. Aehnliche Zustände herrschen in Husum wo dieser Tage eine ganze SA.»GruPpe aus der Razi-Partei ausgetreten ist. Dort sollte ein an den blutigen Vorfällen in Altona beteiligt gewesener und jetzt verurteilter SA.-Mann seine Strafe an- treten. Ta ihn die Führung volllommen im Stich ließ, ist er und feine ganze Gruppe mit Protest aus ver Partei aussen»:«v. Bezeichnend für die Austritte und für dir Rebellion in der SA. ist, daß es insbesondere d'> Proletengruppen sind, die gegen die ebensogu' be- z-rhlic w-c hochnäsige Führung ankämpsey. Per rums predigt den Wölfen. Gömbös an di« Arbeitgeber. b Budapest, 21. Oktober. Ministerpräsident Gömbös wandte sich gestern abends mit einem Ausruf an die Arbeitgeber und forderte sie auf, die Zahl ihrer Angestellten und Arbeiter.nach Möglichkeit zu erhöhe«, selbst wenn dies eins vorübergehende Perminderung des Gewinns nach sich ziehen würde. Es sei viel vernünftiger, auf einen Teil des-Gewinnes zu verzichten und bescheiden zu leben, als durch die Verschärfung der sozialen Rot die wirtschaftliche Tragfähigkeit der Nation einer Heimsuchung auszusetzen.' Weiterführung der Staatsgeschäste betraut. Mit dieser offizielle« Verlautbarung sind nunmehr— und zwar reichlich spat— endlich die verfassungsmäßigen Voraussetzungen dafür erfüllt, daß Malhpetr mit den Koalitionsparteien offiziell über die Bildung des neuen Kabinetts verhandeln kann. Da der Präsident der Republik natürlich niemanden offiziell mtt der Regierungsbildung beauftragen kann, bevor nicht die alte Regierung offiziell chre Demission gegeben hat und diese angenommen wurde, so hat Malhpetr bisher lediglich als Beauftragter seiner Partei über die Kabinettsbildung verhandelt, und das Präsidium der Agrarpartei ist natürlich kein verfaffungsmäßiger Faktor, der derartige Anordnungen offiziell treffen könnte. Entgegen der in den letzten Pressekommentaren meist verttetenen Ansicht, daß Demission und Neubildung des Kabinetts Schlag auf Schlag gehen.werden, die offizielle Bekanntgabe^ her De- Ullssuur also zugleich auch schon die Ankündigung fein werde, vag Malhpetr sein neues Kabinett samt dem Programm bereits fix und fertig hat, muß festgestellt werden, daß dies nicht- der Fall ist. Die Verhandlungen mit den Parteien über das künftige Arbeitsprogramm sind noch keineswegs beendet. Bisher hat Malhpett zumeist nur mtt dem Finanzminister verhandelt. Der Effekt dieser Verhandlungen besteht darin, daß T r a p l seine ursprüngliche Forderung, daß im Budget noch 950 Millionen eingespart werden müßten, bereits auf 750 Millionen reduziert hat, wobei auch diese Ziffer derzeit noch nicht als endgültig zu betrachten ist. Daß oieser Betrag etwa ausschließlich durch Abstriche im Personalbudget, also durch eine Gehaltskürzung, hereingebracht werden soll, ist keinesfalls richtig. Um so mehr entbehren die detaillierten Blättermeldungen, wonach die Kürzung bei dieser oder jener Minimalgrenze anfangen und dann so und so viel Prozent betragen soll, jeder realen Grundlage. Es sind dies Prag, 24. Okwber. Der Monatsbericht deS Bankraies der Tschechoslowakischen Naiionalbank, konstatiert u. a., daß die Entwicklung der Weltwirtschaftssituation zwar auch in der verflossenen Periode die Grundtendenz des Vertrauens behielt, daß jedoch die Anzeichen einer eintretenden Besserung, welche im vorangegangenen Zeitabschnitt austraten, inzwischen wieder an Intensität eingebützt habcn. Auf dem Rohwaren markte hielt die feste Tendenz nicht an und die Preise gingen zurück. Auf di: wirtschaftliche Entwicklung in Europa wirken die wachsenden Zahlungsschwierigkeiten einiger Gebiete in Mittel- und Osteuropa ein. Tie Wirtschaftslage der Tschechoslowakei erfuhr gegenüber dem Vormonate nur st e l l e n- weise Aenderungen. Die Ansprüche der schwach beschäftigten Industrie an den Geldmarkt sind noch immer gering. Sonst stand der Septemberguartalultimo eher unter dem Einfluß des Bedarfes der öffentlichen Hand und wurde ohne bedeutendere Anspannung befriedigt. Unter dem Eindruck der allgemeinen Unsicherheit, hauptsächlich der polittschen, gestaltete sich die Einlagenentwicklung auf dem Kapitalmärkte bisher uneinheiüich und im ganzen stockend, so daß die Grundlage für langfristige Kredite eingeengt bleibt und die Durchmhrung der Grundsätze des beratenden Ausschusses für Geldangelegenheiten nach Senkung- der lediglich dieselben Kombinationen, wie sie schon vor vielen. Wochen von einzelnen Zeitungen voreilig als bereits feststehende Tatsachen gemeldet worden sind. Auch heute sind diese Meldungen durchaus unangebracht. Tatsache ist lediglich, daß Malhpetr heute nachmittag bet Verhandlungen die sogenannte Exekutive der Staatsangestellten und auch einzelne Gewerkschaftsvertreter aus den Reihen der Parlamentarier erfolglos davon zu überzeugen versuchte, daß eine Gehaltskürzung angesichts der Loge der Staatsfinanzen nicht zu umgehen sein werde. Wie es heißt, wurden dabei mit den Vertretern der Angestellten die einzelnen Budgetposten auf die Möglichkeit weiterer Einsparungen m den Sachausgaben überprüft. Für morgen sind weitere Beratungen mit Vertretern der Koalittonsparteien, darunter auch unserer Partei, über den gesamten Fragenkomplex des B u da et gleichgewichtes und des Weiteren Arbeitsprogramms überhaupt angesetzt. Da solche Verhandlungen erfahrungsgemäß Nicht ohne Schwierigkeiten zu Verläufen pflegen, dürfte die offizielle Bildung des neuen Kabinetts Wohl noch einige Tage, auf sich warten lassen. Daß auch Malhpetr selbst mit der Löstlng der Personalfragen keineswegs schon die Frage der Regierungsbildung überhaupt als abgeschlossen änsieht, sondern größten Wert darauf legt, daß vor der offiziellen Kabinettsbildung ein liebereinkommen zwischen den Koalittonsparteien Über Budget und Arbeitsprogramm wenigstens in den Grundzügen vereinbart werde, bestätigt überdies auch der„Benkov" in seinem Leitarttkel vom Sonntag. Erst die Verhandlungen der nächsten Tage werden also entscheidend für das Zustandekommen der Regierung Malypetrs sein, deren Zusammensetzung dann allerdings kaum von der am Samstag veröffentlichten Ministerliste abweichen dürste. Zinssätze bisher noch nicht in allen Gebieten der Republik zu einem Ende geführt werden konnten. Die definitive Schätzung der heurigen Ernte ist bei sämtlichen Getreidearten, hauptsächlich aber bei Roggen, höher als die Ergebnisse der vorläufigen Ermittlung. Bei Weizen ist Heuer das Verhältnis zwischen marktfähiger Ware und Hintergetreide viel ungünstiger als in den Vorjahren. Das herbstliche Säen war schwierig und stellenweise bedeutend vertätet. Die Zuckerrübe, die bisher noch geerntet wird, ist im ganzen sehr gut, die Kartoffelergebnisse sind aber sehr verschieden. Die Beschäftigung der Jnduftrierrzeugung hat sich in einigen Zweigen weiter gebessert, wozu znm Teile auch die Saison beittug; in den übrigen Branchen werden die weiter verschlechterten Zahlungsmöglichkeiten einiger Staaten ungünstig empfunden. Di« Arbeitslosigkeit nimmt aus Saisongründen, hauptsächlich infolge der endenden Bausaison, zu. Der September-Außenhandel(der mit dem bisher höchsten Akttvum der heurigen Monat: endete) bot in der Rohstoffeinfuhr und in der Fertigwarenausfuhr ein j ü n'st i g eres Bild als im Vormonate, der Gesamtumsatz ist aber anhaltend sehr herabgedrückt. Der Kurs der Kg blieb auch bei der Unruhe auf den internationalen Märkten ohne Schwankungen. Das Erwadicn. nudit aus dem mtier Lager. Die Flucht au sderNazi Partei wird täglich größer und bedroht die Braunen Häuser sowie ihren Führer mit einer Katastrophe.. Am Samstag hat in Bremen der Nazipräsident der Bürgerschaft,. Rechts- anwatt Dr. Backhaus, sein Amt niederge- legt und ist gleichzeitig aus der Hitlerpartei ausgetreten. Backhaus war eine große buchte des Dritten Reiches. Er gehörte zum Ber- tvauenskreis des Oberosaf, dem Backhaus in einem langen Brief die Gründe seines Aus- tviffs auseinandergesetzt hat. Diese Gründe sind rein politischer Art und der Fall Backhaus selbst ist typisch für die Stimmung unter den bisherigen bürgerlichen Naziwählern, soweit sie materiell nicht proletarisiert sind. Kein Wunder und kein Zufall, wenn sich deshalb Gregor Strasser dieser Tage in öffentlichen Erklärungen beeilt hat, das Privateigentum anzuerkennen und die Hitlerpartei als festes Bollwerk des kapitalistischen Systems anzupreisen. Dieser Gregor Sirasser gatt bisher als der„Rcvoluttonär und Sozialist" des Braunen Palastes und als der große Gegenspieler des„Bürgers Hitler". Strasser, das war für die SA und albe Naziproleten der „Lehrmeister und Prakttker der deutschen Revolution und des deutschen Sozialismus". Wenn er sich jetzt beeilt, seine früheren' Manuskripte und sein„sozialistisches" Wirtschaftsprogramm buchstäblich zu verbrennen, einzustampfen und zum alten Eisen zu werfen, so illustriert dieser plötzliche Wandel sehr deutlich den Schwindel des Hitlersozialismus. ES beweist aber auch, woher der Wind weht. Die bürgerlichen Elemente in der Hitlerpartei beginnen abzuschwenken, die Kassenschränke der Schwerindustrie und der Großagrarier wollen sich nur noch sehr schwer für die Propagandafonds der Braunen Häuser öffnen. Es ist Ebbe geworden in den Nazikassen. Der Judas der arbettenden Klassen hat für die Junker und Schlotbarone seine Schuldigkeit getan. Um zu retten was zu reffen ist, läßt er jetzt den„feinen Leuten" zuliebe den„sozialisttschen" Ballast abwerfen. Aus ist es mit der„nationalen Revolutton", die in Wahrheit nie etwas anderes gewesen ist für Hitler, Goebbels, Strasser und Konsorten als billige Agitattonsphrase und Wahlhumbug. Allerdings ein sehr zugkräftiger. Denn zu groß und furchtbar sind die Leiden, die dieses verfaulende kapitalistische System den Millionen der hungernden und darbenden Massen des Volkes auferlegt. So groß und furchtbar, daß wohl die Komödianten und Betrüger in den Braunen Häusern, die Nutznießer des Bolkselendes und des Hungers bedenkenlos zum Kapital, abschwenken und ihre Schwüre abschwören mögen; nicht aber die Darbenden und Leidenden. Die Folge ist, daß ebenso wie die bürgerlichen erst recht die proletarischen Hitlerwähler die Flucht aus dein Nazilager antreten. Seit dem Koalitions-Kuhhandel nut der„schwarzen Pest" schwett der Aufruhr in der SA und läßt sich nicht beschwichtigen. Reihenweise sind ganze Stürme ausgeschlossen worden, aber be deutend größer ist die Zahl jener, die freiwillig das Lager verlassen. Am deutlichsten zeigt sich dieser Hitlerschwnnd bei der gegenwärtigen Bersammlungstour des Häuptlings. Er selbst hat allen Glauben an einen, Sieg verloren, aus seinen Fanfaren sind schwächliche Chamadcn geworden und der groß«. Führer und Erretter Deutschlands erklärt:„Wenn es Gottes Wille ist, daß wir siegen, so siegen wir; wenn es! sei' Wille ist, daß wir noch zehn Jahre wartei müssen, so warten wir". Die Massen sttöme' nicht mehr zuhauf und wo„der Gottgesandte" noch vor dem 31. Juli bis zu fünf und zwa>>- jzig Mark Eintrittsgeld für sein« Vcrsamm- i langen erheben konnte, da begnügt er sich (iiiiiiiiniiiiiiiiiiiiiniiiiimiuiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiuyiiiiiiiiiiiiiniiiiiiiiiiiiiiiniiiiitiiitiiiiniiiiiiiiiiiiiiiyiiuiinniiiiiiiiiiitiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiinniiiliiiiiifiiiniiiiiiiHiiiiininiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiinHiniiHiiu Die Fata moroana sdion wieder versdiwiinden. Aus dem Nonatsöeridit der Nationalbanit. Seite L Dienstag, 28. Oktober 1932 Nr. 252 An unsere Abonnenten und Kolporteure! Wir machen darauf aufmerksam, daß infolge des StaatSfeiertageS am Freitag, de« 28. Oktober di« Nummer vom Samstag, den 29. Oktober entfallt. Die nächste Nummer unseres Blattes erscheint dann wieder Sonntag, den 3V. Oktober. Di« Verwaltung. beule mit 30 Pfennig, Erwerbslose 10 Pfennig. Im Ostpreußen, der bisherigen Hochburg t-er Nazi-Illusion, sind die Versammlungen »nehr als bescheiden. Zwar nehmen die Naziblätter den Mund ebenso voll wie früher, wenn aber das Münchner Hitlerblatt 25.000 Besucher verkündet, so sagt das ostpreußische Nazi-Organ 9000 und die Wahrheit liegt bei 5000. Das große Erwachen Deutschlands von dem Nazitaumel hat begonnen. Auch die Beamten und Bauern bilden keine Ausnahme. Die kurze Zeit einer Nazrherrschast in Thüringen, in Koburg, in Mecklenburg oder Oldenburg, hat die vollkommene Unfähigkeit der Nazibonzen und Naziminister gezeigt. Unter dem Naziregime ist es nicht besser sondern schlimmer geworden. Das Parteibuch ist Krumpf und ersetzt jegliche Voraussetzungen für ein Amt. In l Mecklenburg hat sich einer der Nazi-Mimster> Heute Abstimmung. Prag, 24. Oktober. Heute nachmittags begann das Parlament mit der Beratung des Wohnungsprovisoriums, das morgen abgeftimmt und Mittwoch bereits dem Senat zur beschleunigten Erledigung übermittelt werden soll. Nach seiner Niederlage im sozialpolitischen Ausschuß bei der Abstimmung über die Abände- rungsanträge sucht Herr KalaS nun zu retten, was noch zu retten ist. Heute fanden hinter den .Kulissen Verhandlungen der tschechischen Agrarier mit den Landbündlern, den Nationaldemo- kraten und den Tschechischklerikalen statt, die die Einbringung gewisser— gegenüber den Wünschen des Herrn KalaS allerdings bereits wesentlich gemilderten— Abänderungsanträg«, d. h. Anträge auf Abbau deS bisheri- gcn Mieterschutzes, zum Gegenstand hatten. Eine Verbindung mit den sozialistischen Parteien zwecks Unterhandlungen über diese Anträge wurde heute vergebens gesucht. Ob die Herrschaften damit morgen mehr Glück haben, ist noch zlveifelhaft, zumal die Agrarier bereits entschlossen sein sollen, sich von KalaS nicht zu irgendwelchen ernsteren Konsequenzen hinreißen zu lassen, sondern ihm höchstens die Abseng von der Abstimmung zuzubilligen, falls die Verhandlungen niit den sozialistischen Parteien, wie vorauszusehen, zu keinem positiven Ergebnis führen sollten. Ueberdies hat heute auch der Vertreter der Nationaldemolraten Petrovicky bereits die Erklärung abgegeben, daß die Nationaldemokraten dem Provisorium, tvenn auch nicht gerade gern und bereitwillig, zustimmen. Wenn also KalaS morgen Aenderungen durchsetzen würde, so würde er sie natürlich zu 100 Prozent auf s e i n Konto buchen und einen solchen Erfolg würde Herr Petrovicky, der nationaldemokratische Hausherren-(bezw. Baumeister-) Vertreter, der Konkurrenz Wohl kaum gönnen. Dagegen kann man für die morgige Sitzung Wohl darauf rechnen, daß Herr KalaS, der als Redner bereits angemeldet ist, von der Varla- mentstribüne aus seinem ausgespeicherten Grimm wieder einmal ordentlich Lust machen wird. In der heutigen Debatte hielt der tschechische Genosse Binov« eine ausgezeichnete Rede, in der er sich scharf gegen das Kesseltreiben wandte, das die bürgerlichen Parteien gegen die ersten drei Abschnitte der definitiven Wohnungsvorlage arrangieren. Er stellte auch fest, daß die entscheidenden Bestimmungen der Baugesetzes von 1921, das eine Staatsunterstützung bis zu 80 Prozent des Bauaufwandes vorsah und auch Leuten mit einem Millionenvermögen ein Anrecht auf diese Staatssubvention gab, von den Nationaldemokraten Dr. R a§ i n und B e L k a ausgearbeitet wurden. Gerade die Leute, die damals mit dieser horrenden Staatsunterstützung sich große Zinshäuser gebaut haben, schreien heute am lautesten über die„Verschwendung von Staatsgeldern", die angeblich in den bescheidenen Bestimmungen der definitiven Vorlage liegen soll. Die Wohnungsfrage ist auch vom gesundheitlichen Standpunkt viel zu wichtig, als daß die Staatsverwaltung die Sorge für die weitere Entwicklung der Wohnungsverhältnisie ausschließlich der privaten Initiative überlasten könnte, die sich so schlecht bewährt hat. Die Partei der Redners wird alles daransetzen, um die bestehende Unsicherheit im Wohnungswesen bald durch die Verabschiedung des definitiven WohnungSgesetzeS zu liquidieren. Von den sonstigen Rednern bedauert außer Herrn Petrovicky auch H o r p h n k a, daß den „berechtigten" Wünschen der Bevölkerung nach Novellierung des Mieterschutzes nicht Rechnung getragen werde; der Vertreter der Hlinkapartei vorsorglich zum Oberregierungsrat ernannt, erfahrene, tüchtige und selbst rechtsgesinnte Beamten müssen weichen und werden pensioniert, sobald das Braune Haus einen Anwärter zu versorgen wünscht. Was sich in Ostpreußen am kläglichen Versammlungsbesuch ankündigt, hat bereits in Thüringen beredten Ausdruck gefunden. Dort hat dieser Tage der agrarpolitische Nazileiter, Dr. Ennker, die Flucht ergriffen angesichts des Nazibetrugs an den kleinen Bauern. Kein Versprechen ist von der thüringischen Naziregierung gehalten worden und nach all den traurigen Erfahrungen hat jetzt dieser Doktor Ennker einen offenen Brief an die thüringischen Bauern geschrieben, in dem er sie warnt, noch einmal ihre Stimme Herrn Hitler und der Nazipartei zu geben:„Ich warne Euch vor der Partei, die soviel egroßeWorie macht und so wenig hält. Sie ruft auch jetzt wieder auf, Hitler als Retter des Bauernstandes zu wählen. Glaubt Ihr noch daran, nachdem Ihr von dieser Seite so be- narrt worden seid?" Das ruft der bisherige Führer des Nazilandvolks von Thüringen zu den. Bauern. Be- narrt und genarrt haben die Braunen Häuser alle! Aus den„deutschen Revolutionären" und Hitlersozialisten ist nichts übriggeblieben als Lakaien und Schleppenträger entthronter Fürsten und Prinzessinnen; Knechte, die den Baronen in die Regierung geholfen haben; Verräter an der Arbeiterklasse, Postenjäger, die am Hunger des Volkes satt und fett geworden sind. kündigt Absenz von der Abstimmung an. Die Kommunistin H o d i n o v a dagegen erklärt, daß ihre Partei ungeachtet ihrer Abänderungsanträge doch für die Verlängerung des Wohnungsprovisoriums stimmen werde. Zwei andere kommunistische Redner beschäftigten sich mit den Auswirkungen der Kris«, über die hoffentlich bald in der Debatte über die kommende Regierungserklärung eine eingehende Aussprache möglich sein wird. Getrennt marschieren, vereint bezahlen? Die Nationalsozialisten und der Volkssportprozetz. Zu Beginn der Aussprache hielt Jung (Nat.-Soz.)«ine recht mäßige Rede zum Brünner Volkssportprozeß, in der er außer der Parallele zum seinerzeitigen Agramer Hochverratsprozeß und dem diesbezüglichen Masarykzitat der genugsam bekannten Materie wohl kaum irgend eine neu« Seite abgewinnen konnte. In hochtrabenden Worten bezeichnete Herr Jung diesen Prozeß als einen Prozeß gegen die deutschen Nationalsozialisten. Damit kontrastiert allerdings sehr merkwürdig die heut« im Parlament verbreitete Nachricht, daß die Nationalsozialisten an die bürgerlichen Parteien eben jetzt Einladung zur Gründung einer„Fürsorge st eile kür politische Prozesse" ergehen lassen, der wohl als dringendste Aufgabe die gemeinschaftliche Liquidierung der Kosten des Brünner Prozesses zusiele. Die bürgerlichen Parteien sollen aber nicht sehr geneigt sein, für diese Kosten aufzukommen, dieweil die Nationalsozialisten diesen Prozeß, wie heute wieder Jung, ausschließlich für ihre parteipolitischen Zwecke nach Kräften ausschroten. Demonstrattve Anträge der Agrarier. Im Einlauf der heutigen Sitzung befindet sich auch eine ganze Reihe agrarischer Initiativanträge, die u. a. die Hebung des Roggenabsatzes durch Wiedereinführung des Roggenbrotzwanges, die Einführung von Lagerscheinen für Getreide zum Zwecke dre Erleichterung des Warenkredites, die Errichtung einer Organisation zur Sicherung der Viehproduktion, die Sicherstellung gewisser Minimalpreise für Getreide und ähnliche Dinge vorfehen. Unter den heutigen Verhältnissen ist wohl an eine Verwirklichung dieser Forderungen auch in einem wesentlich kleineren Rahmen nicht zu denken. kin Genosse schwer verwundet. Marbach an der Dona«, 24. Oktober. In Genz hei Marbach kam es gestern im Gasthaus« Müller zu einer schweren Schlägerei zwischen Nationalsozialisten und Sozialdemokraten und Kommunisten, bei der«in sozialdemokra. tischer Gemeinderat aus Marbach schwer verletzt ins Spital gebracht werden mußt«. Die Partei der Totschläger. St. Pölten, 24. Oktober. Di« gestrige« nationalsozialistischen Veranstaltungen richteten Demokratie und Autonomie In den,Lidove Nohiny" veröffentlicht an leitender Stelle der Professor der Brünner Universität Wehr, der gleich seinem Kollegen EngliS sich immer mehr als der theoretstchc Wortführer reaktionärer politischer Bestrebungen entlarvt, einen Artikel, der keinen anderen Sum hat, als gegen die Selbswcrwalutngskörper Stimmung zu machen. Er glaubt, daß durch die konsequente Einführung der Autonomie der öffentlichen Vertvaltung der Gedanke der Autonomie nicht gestärkt wurde. Er sagt, die autonomen Selbstverwaltungslörper bilden kein geschlossenes Ganze, weil sie oft in ihren einzelnen Instanzen von verschiedenen Einflüssen, bezw. von verschiedenen Parteien beherrscht werden. Es kann z. B. geschehen, daß in der Gemeinde die Agrarier, im Bezirk etwa die Klerikalen und im Parlameni vielleicht die Sozialisten herrschen. Das würde eine Uneinheitlichkeit in die öffentliche Verwaltung bringen und deswegen sei ein gewisser Zentralismus nottvendig. Dazu kommt noch, daß die Gemeindeverfassung in einer Zeit erlassen wurde, da die Gemeinden klein tvaren und nur geringe Aufgaben hatten. Damals genügte es, wenn jemand im Nebenberuf den Geineindevorsteber machte. Heute sei die Gemeindeverwaltung viel zu sehr verzweigt, als daß sie im Nebenamt betreut werden könnte. Weder das erste noch das zweite Argument des Brünner Professors sind stichhältig. Ist man ein Anhänger der Demokratie, dann kann es kein Argument gegen die Selbstverwaltung sein, wenn in den einzelnen Instanzen verschieden« Parteigruppen den Gong der Verwaltung am meisten beeinflussen. Wäre Herr Prof. Wehr ein Demokrat, würde er sich sagen, daß eben dadurch, daß in den verschiedenen Instanzen verschiedene Parteien maßgebend sind, eine objektive Vertvaltung ermöglicht werden könne. In Wirklichkeit paßt es dem.Herrn Professor nicht, daß ettvo in Gemeinden und Bezirken Parteien zu größerem Einfluß gelangen, die in den zentralen, gesetzgebenden Körperschaften schwächer vertrete» sind. Alle Feindschaft gegen die Selbswerwaltungskörper in bürgerlichen Kreisen stammt daher, daß in einzelnen Gemeinden(und vor der Verwaltungsreform auch in den Bezirken) die sozialistischen Parteien oft die ausschlaggebenden waren und so für die wirtschaftlich schwächeren Schichten der Bevölkerung etwas geschaffen werden konnte. Ebensowenig stichhaltig ist die Meinung Weyrs, daß man im Nebenberuf wichtige kommunalpolitische Aemter nicht mehr ausfüllen könne. Der Herr Professor möge nur ein Buch über die englische Selbstverwaltung zur Hand nehmen und wird daraus erfahren, daß in England, einem Lande, dessen Selbstverwaltung viel älter ist als die unsere, sowohl der Vorsteher einer Gemeinde wie einer Grafschaft gewählt sind, wodurch das Interesse der Bevölkerung voll gewahrt wird. Freilich stehen den gewählten Männern rechtskundige Beamte zur Seite, die sie beraten und die durch ihr Amt Möglichkeft haben Erfahrungen zu sammeln. Weyrs Aufsatz hat allo keinen andern Sinn, als das Ansehen der Selbstverwaltung zu schädigen und es ist tief bedauerlich, daß die„Lidove Noviny", ein Blatt, das eine gewisse fortschrittliche Tradition hat, den theoretischen Wortführern der Reaktion in der Tschecho- flowakei immer mehr Raum geben. Weiße Zähne: Ch lorodont Die ungarischen Kommnnisten-Prozesse. Budapest, 24. Oktober. Bor dem Budapester Strafgericht hatten sich heute wiederum 14 der Verschwörung gegen die bestehende Gesellschafts- ordnung beschuldigte Kommunisten zu verantworten. Der Hauptangeklagte, Friedrich Kari kas, war zusammen mit den beiden Hingerichteten Kommunistenfühvern Sallai und Fürst monatelang hindurch Leiter der kommunistischen Geheimbelvegung in Ungarn. Seine Ausgabe tvar, wie in der Anklageschrift angeführt wird, die ungarische industrielle Produktion genau zu studieren, die auf sie bezüglichen Daten zu sammeln und auszuarbeiten, um so den höchsten Leitern der Komintern ein« Handhabe bei der Organisierung der Bewegung zu bieten. Kari- kas, der während der Rätediktatur politischer Beauftragter war und nach dem Sturz der kommunistischen Herrschaft in Moskau, Wien, Berlin und Paris wirkte, kehrte 1932 nach Ungarn zurück, um auf Weisung der Parteileitung an der Organisierung der Parteimitglieder zu wirken. Im Laufe der Bormittagsverhandlung wurden die Hauptangeklagten vernommen. sich in erster Reih« gegen den Friedensvertrag von St. Germain, und gegen das Brünner Urteil im Dolkssportprozeß. Wahrend der Kundgebung und auch spater kam es z« wiederholten Zusammenstößen zwischen Nationalsozialisten einerseits und Sozialdemokraten und Kommunisten andererseits sowie schließlich zwischen den Nationalsozialisten und der Polizei. Tic letztere beschlagnahmt« bei den angehaltene« Nationalsozialisten zahlreich« Revolver, Schlagringe, Totschläger, Stahlruten und Gummiknüppel. Während der Schlägereien wurden einige Personen verletzt, darunter auch ein Polizeibramter. Zahlreich« Personen wurden verhaftet und vorgeführt. keimwebrsnlmarsch mit Maschinengewehren und Geschütze«. Innsbruck, 24. Oktober. Die Kampfformationen der Tiroler Hciinwehren in der Stärke von einigen hundert Mann veranstalteten gestern bei-Hall eine Schießübung mit Verwcnduiig von Maschinengewehren und Geschützen. An der Uebung beteiligten sich auch Sappeur- und Telegraphenabteilungen. Ferner nahm auch (Gendarmerie teil, um die Zusammenarbeit-er staatlichen Exekutive mit den Heimwebren zu betonen, wie cs in dem Bericht der Tiroler Landesregierung heißt. Nach-er Uebung zogen die Heimwehren mit dem Kriegsmaterial und Musik durch die Straßen von Innsbruck. Nationalrat JaneceK gestorben Wien, 24. Oktober.(Eigenbericht.) In der 'Nacht auf heute ist gänzlich unerwartet der erste Vorsitzende des Bundes der freien Gewerkschaften Nationalrat Johann Ianecekan einem Herzschlag verschiede». Er stand im 51. Lebensjahr und war seit zwanzig Jahren in sichernder Stellung im Metallarbeiterverband tätig. Nach dem Tode Wiedenhofers wurde er Obmann der Wiener Bezirksleitung der Metallarbeiter und im Jahre 1927 Obmannstellverlreter und nach dem Tode von Domes erster Vorsitzender des Metallarheiter- verbandcS. Als im Vorjahr Hueber nach Erreichung des 70. Lebensjahres zurücktrat, wurde Janecek erster Vorsitzender des Bundes der freien Gewerkschaften. Auch in der Partei hatte er wichtige Funktionen. Von 1918 bis 1927 war er BezirkÄwr- sicher und Obmann der sozialdemokratischen Bezirksorganisation nn Wiener XX. Bezirk. 1927 wurde er in den Nationalrat gewählt, dem er biS rum Schluß angehört«. Er war auch Mitglied des sozialdemokratischen Parteivorstandes und Obmann des Hauptverbandes der Krankenkassen. Große Kundgebungen der Wiener„Jungironr. Wien, 24. Oktober. Der gestrige Tag verlief in Wien in vallstäüdiger Ruhe und Ordnung. Auch die 15 von der sozialdemokratrschen „Jungfront" abgehaltenen Versammlungen sind ruhig verlaufen. In den Versammlungen wurde einstimmig eine Resolution angenommen, in der erklärt wird/ daß die Schuld an den letzten Ereignissen in Simmering dem Versagen der Polizei und den angriffsbereiten Nationalsozialisten zuzpuschreiben sei. In der Versammlung der Jungsozialisten im 8. Wiener Bezirke überbracht« der reichsdeutsche Zentrumsabgeordnete PrinzLöwen- stein die Grüße des Reichsbanners Schwarz- Rot- Geld und übte Kritck an den österreichischen Verhältnissen, hauptsächlich aber an den christlichsozialen Führern. Reichstogsabgeordneter Prinz Löwenstein wurde nach der Versammlung in Schönbrunn angehalten und auf die Polizei gebracht, wo ihm ncchegelegt wurde, Wien sobald wie möglich zu verlassen. Als Priitz Löwenstein erklärte, er werde die österreichische Hauptstadt ohnehin Dienstag oder Mittwoch verlassen, konnte er sich ungehindert enfferneu. rin diplomatischer Agent Mussolinis mrd gewatscht. Wien, 23. Oktober. Der sozialdemokratische Nationalratabgeordnete Dr. Ellenbogen hat im Nationalrat eine Interpellation eingebracht, in welcher auf. die Teilnahme des italienischen Gesandten in Wie« A u r i t i an der Heimwehrtagung vom 15. d. M. hingewiesen und im Zusammenhang damit an den Bundeskanzler die Frage gerichtet wird: 1. Ist eS wirklich wahr, daß der genannte Diplomat an der Heimwehrkundgebung teilgenommen hat und wurde er wirklich dort vom Bundesführer der Heimwehren Starhemberg als Vertreter Italiens begrüßt? 2. Wenn sich dies fo verhält, ist der Bundeskanzler bereit, die italienische Regierung, auf dieses taktlose Verhalten des Gesandten Auritl aufmerksam zu machen. Frankreichs„AbrUstungs“- Pläne. Paris, 22. Oktober. Die Studienkommission des Obersten Landesverteidigungsrats hat am Sonnabend vormittag unter Vorsitz Herriots dir Prüfung deS neuen französischen Abrüstungsplanes fortgesetzt. Mehrere Minister, die sich sonst durch hohe Ministerial, beamte vertreten lassen, wohnten der Sitzung der Tas ist darauf zurückzuführen, daß der Tert des Planes noch nicht vollkommen sertiggestellt'st und die Minister der Landesverteidigung daher um ihre Ansicht befragt iverden müssen. Nach der Sitzung erklärte einer der beteiligten Minister gegenüber Pressevertretern:„Diese vollkommen t^h- nische Beratung verfolgt hauptsächlich den Zweck unsere Truppenbestände und Rüstungen zu verteidigen. Wenn man einen Unterschied zwischen einer Angriffs- und einer Verteidigungs-Arme« machen will, so ist das ein Scherz. Eine" Armee ist offensiv oder defensiv, je nach den Absicht«» desjenigen, der sie verwendet." Nach dieser Aeußerung kann man darauf gefaßt sein, daß sich der neue französische Abrüstungsplan von den« Tardieujchen Plan nicht sehr unterscheiden wird. iiiinuniiiiiniiiniiifiinniiiiiiiiiiiuHifiiiiiiiiniiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiifiiiniiuiifiuiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiniiiiiiifiiiiiiifiiiiiiiiHiiiiiifiiiiiiiiiiiiiiiiiiniiniiniiiinifiiiiiiifiiiiiiniiniiiiiiiiiiiiiiifniiiiiiiiiiiiiiii Nictcrsdmtzdcbattc im Parlament Die Nazi Blutarbeit in Oesterreich. Nr. 252. Dienstag, 25. Oktober 1932 Seite 3. „Du", sagt Olga, und ihre Stimme ist rund und voll von Liebe und Gutseinwollen. Sie kniet «eben der Kleinen, logt ihr den Arm um die Schulter, spricht gute Worte mit den leichtsin- rngen Händen, fragt Berstehen in das fleckige, hilflose, kleine Gesicht, hört sich selbst in das dünne zerbrochene S.ttmmchen hinein—„und Man ist nachts zusammen und laust tagsüber nebeinander hör, hat lein einziges Wort, das bindet— fängt nur Worte, die Seifenblasen sind. Und es gibt da was, das ich nicht begreife — denke gegen eine Wand—? und— verstehst — du— das— du, daß man sich so schämt vor allem, was ernst ist? Und Angst hat vor etwas, das man nicht begreift und das kein Wort ist? Und ganz zerfetzt ist man und hat Schreibmaschinen Worte und will nichts von sich wissen und soll etwas von sich wissen.— Ich liebe ihn jo, Olga— nein, sieh mich nicht an.." Und das unzärtliche kleine Mädchen Gilgi-umarmt die F«undin, fährt ihr mit den Lippen über Gesicht und Hals, hat heiße Lippen... „Dumme Kleine", sagt Olga und muß Gilgi so lieb haben, wie mle sonnensüchtigen, lichtsatten Menschen traurige Zärtlichkeit lieben «rüsten. „Mein Gott, Olga"— GilgiS Hand tastet über den Boden— ,^>oS ist ein Teppich, nicht wahr? Und du bist das süße, blonde, schimmernde Marxipanmädchen, und ich.. st« springt auf, hat wieder ihre feste hÄle Gilgistimme, „ich, Olga, ich bin von einem wilden Hormon gebissen— brn verrückt in einen Hann— c'est tont. Nichts Besonderes, kommt in den besten Familien vor." Sie setzt sich aufs Fensterbrett, baumelt mit den Beinen— ,^ines Tages hat er mich über— na ja. Ach, sag' mal Olga, täusch' ich mich, oder ist der Ocre-Pudcr von Houbigant wirklich schlechter geworden?" ,Lch glaube, der Puder von Hudmut ist bester.—> Und— Gilgi— ich hab' in Berlin viel« Bekannte, könnt' dich da unterbringen als Sekretärin— auf jeden Fall: du weißt, daß es meine ogvisttsche Art ist, mir für eigene Sünden Absolution zu erteilen, indem ich Leuten, die ich mag, helfe, wenn's mol nötig ist... na, nimm schon von meinem Puder, wenn deiner nichts laugt." Gilgi wendet mit hartem kleinen Ruck oas Gesicht— man ist so empfindsam geworden, so offen für jedes gute Wort— muß einfach los heulen, wenn einer was Nettes zu einem faßt, ist eben, weil—„verflucht nervös bin ich, Marzipanmädchen— c'est l'amour— ah, Martin! Wenn man vom Esel spricht... Warum willst du schon gehn, Olga?" „Nee, Kruder, das könnt ihr mir nicht übel- Nehmen. Mit verliebten Leuten beisammensein — wird mir erstens schlecht, zweitens werd' ich grüngelb vor Neid... also! Aus Rücksicht auf »«inen Teint... Wiedersehn!" Gilgi liegt im Bett. Schläft. Wacht^Mf: ein Uhr nachts. Martin ist fortgegangen. Warum soll ein Mann nicht mal allein fortgehn? Ist ja ganz richtig so. Aber warum ist er noch nicht zurück? Es wird ihm doch nichts Pastiert sein?... oder...? Quatsch, betrugen wird er sie nicht. Man ist doch nicht verheiratet. ' Gilgi hält's nicht mehr aus im Bett. Steht auf, läuft im Zimmer hin und her. Daß man so schlaff und müde ist, müde vor lauter Nichtstun! Nie ist man früher so müde gewesen. Und daß man nicht mehr allein sein kann! Richtig krankhafte Angst hat man vor Alleinsein. Jetzt nur nicht so sinnlos hin und her rennen, irgendwas tun, arbeiten. Gilgi zieht sich den Schlafrock über. Macht Licht in sämtlichen Zimmern, kann's gar nicht hell genug haben. Sieht ein bißchen verwahrlost aus, die Wohnung. Gilgi holt Besen und Lappen und Einzer aus der Küche, fängt an zu scheuern und zu putzen— mitten in der Nacht. Sie arbeitet, bis die Arme ihr weh tun, ordentlich leicht und wohl wird ihr dabei. Und Olga hat ganz recht, wenn sic sagt, daß ihr das Nichtstun nicht bekonunt. Gilgi gehl in Martins Zimmer— Schreibzimmer, wenn man will— es Arbeitszimmer zu nennen, würde selbst Gilgi um eine leichte Nuance übertrieben Vorkommen. Auf dem Schreibtisch liegen bekritzelte Blätter, Gilgi liest ein bißchen drin: handelt sich da um Sitten und Gebräuche von Südseeinsulanern—„wird eine ganz eingehende, lange Angelegenheit", hat Marttn mal gesagt—„und wird vor zwei Jahren sicher nicht fettig sein". Borsichtig legt Gilgi die Bogen wieder hin, kreuz und quer— genau so, wie sie gelegen haben. Da hat man mal irgendwo gelesen früher: wie unangenehm es empfunden wird, wenn ordnungswütige Am Samstag hielt Thoma« Mana, ttngr- laden von der Wiener sozialdemokratischen Bll- dungszentrale, im Ottakringer Arbeite r h«i m eine Red«, deren Tatsache und Inhalt an Bedeutung weit über Wen und sein« Arbeiterschaft hinausreicht. Da« Bekenntnis des großen Dichters— dessen demokratisch-republikanische Gesinnung ihn uns seit langem schon sehr nah« brachte—, nunmehr zur Sach« der Arbeiter, das imm«r deutlichere Hinneigen dieses vornehmste« Sprosses kulturbürgerlicher Geistigkeit zu den Gedanken des Sozialis mus, darf als ein« der«rfrrulichstrn Erscheinungen unserer Zeit vermerkt werde».— Thomas Mann sagt« den Wiener venosirn im wesentlich«« folgendes: Me Situation dieses Abends, an dem ich als bürgerlich geborner Schriftsteller zum erstenmal vor sozialistischen Arbeitern spreche, ist kennzeichnend für die Zeit und epochemachend für mein Leben und meine geistige Entwicklung. Was ich sagen will, soll ein Bekenntnis sein, eine überzeugungsvolle Sympathieerklärnng für die Sach« der Arbeiter. Thomas Mann untersuchte nun die Zusammenhänge von Kultur und Sozialismus. Er erblickt in der Kultur nicht einen ideologischen Ueberbau der Gesellschaft. Kultur und Geist gehören keiner Klaffe an, der freie und kühne Gedanke, das Gewissen und die Erkenntnis sind Menschenwerte, die nicht aus dem Klaffenmäßigen kommen. Die bürgerliche Kulturepoche, die ihren Höhepunkt im Klassizismus hatte, schuf einen halbreligiösen Kulturbegriff, der den gesteigerten eigenen Wert dem gesellschaftlichen Ganzen wollte zugute kommen lasten. Diesem idealisierten Individualismus steht nun die gesell fchastliche Klassenidee gegenüber. Sie ist ökonomischer Herkunft, aber sie hält engere Beziehungen zum Geiste. Sie ist geistesfeindlich in der Theorie, aber geistfreundlich in der Praxis, und das ist das Entscheidende. Zwischen dem von den Spitzen der Menschheit erreichten Er- kenntnisstand und der erreichten Wirklichkeit besteht ein Spannungsverhältnis. Diese Spannung zu tilgen, zeigt di« Arbeiterschaft befferen Willen als di« Gegenseite. Die Kunst ckls xine Vertiefung ins Menschliche, ist, wie die Politik und das Soziale, eine Sache des Humanen. Sie ist das Zünden des Geistes in der Materie, sie ist die Steigerung das Menschen über sich selbst hinaus. Materialismus ist ein kindisches Schreckwort, mit dem das Menschlich-Anständige bekämpft werden soll. Der Materialismus kann geistiger, idealistischer und religiöser sein als die geistige Vor. nehmtuerei, die ihn bekämpft. Es gibt einen Materialismus des Geistes. Er ist die Wendung des religiösen Menschen zur Erde, der soziale, pflichtmäßige Entschluß, den Kopf nicht mehr vor dringendsten Forderungen in den Sand zu stecken, sondern sich auf die Seite derer zu schlagen, die der Erde einen Sinn geben wollen, einen Mcnschcnsinn. An diese geistvolle Ehrenrettung des vielmiß- brauchten Begriffes Materialismus schloß Thomas Mann eine Darstellung der Demokratie. Wer Demokratie nach der Tatsache der Heutigen bürgerlichen Republik auffaßt, wird dieser Staatsform keinen langfristigen Kredit gewähren. Wer sie aber nach dem Wortfinn auffaßt, als Volks will en, dem kann sie nicht Überholt erscheinen, denn sic ist noch nicht veFwirk- l i ch t. Die Regierenden, Beauftragte des Volkswillens, lasten den Volkswillen unerfüllt. Der Wille der Völker geht nach Friede, Arbeit und Brot. Sie f-nd mihttauisch gegen den Schlachtruf„Vaterlai H".ungerdemonftranten", die aus verschiedenen Teilen Englands nach Lotrdon unterwegs sind. Es handelt sich um Gruppen von Arbeitslosen, die aus Lancashire, Aorkshire, Südwales, Kent ufw. kommen, um in London auf ihre Notlage hinzuiveisen. Aus Lancashire ist fetzt eine Gruppe von 38 Frauen unterwegs. In jeder Stadt, die die Demonstranten passieren, wird von den Behörden und von Privatpersonen für ihre Verpflegung und Unterkunft gesorgt. Dämon Alkohol. Tragödie einer Arbeiterfrau und ihres Kindes. Graz, 24. Oktober. In Unter-Schwarzach bei Straß kam gestern der 24jährige Maurer Peter Liebmann gegen vier Uhr morgens angeheitert nach Hause. Hier kam es zu einem Streit zwischen ihm und feiner Frau, in dessen Verlaufe der Betrunkene seine Gattin verprügelte und ihr mehrfach Verletzungen zufugte. Frau Liebmann, die bereits aus mehre- ren Kopfwunden blutete, ergriff ihr vierjähriges Söhnchen und flüchtete zu ihrer Schwiegermutter. Liebmann begab sich neuerdings ins Gasthaus. Als Frau Liebmann früh nach Haus« kam und ihren Gatten nicht vorfand, schnitt sie mit einem Rasiermesser ihrem vierjährigen Söhnchen und so- i dann sich selbst den Hals durch. Nachbaren fanden beide bereits als Leichen vor. Tödlicher Unfall durch einen Motorradfahrer. Montag nachmittags ereignete sich in Bünauburg, hinter dem Gasthaus Eulautal, beim .Kilometerstein 45, ein schwerer Motorradunfall Der in Tetschen wohnhafte Franz Titatshke, Finanzrespizient i. R., unternahm einen Spaziergang nach Merzdorf zur Schottersperre. Auf dem Heimwege kam der in der Richtung nach Eulau fahrende Motorradfahrer Kindermann aus Eulau in schnellem Tempo, auf der rechten Seite fahrend, und überfuhr den 72 Jahre alten Titatschke. Derselbe erlitt einen Schädelbruch und war sofort tot. Der Motorradfahrer fuhr in raschem Tempo davon, konnte aber noch rechtzeitig von einem anderen Fahrer eingeholt werden. Bei der Einvernahme gab er an, daß er einen Arft holen wollte. Die Gerichtskommission war sofort an Ort und Stelle. Der Tote wurde in die Leichenhalle nach Bünauburg geschafft. Der Motorradfahrer erlitt Verletzungen leichter Natur und wurde in häuslicher Pflege belassen. Richard Tauber im Mittelpunkt einer Nazi-Krawalls. f Graz, 24. Oktober. Auf dem Hauptplatz hielt gestern vormittags der bekannte Opernsänger Richard Tauber durch ein« Lautsprecheranlage eine kurze Ansprache an seine versammelten Anhänger und Anhängerinnen. Die Veranstaltung wurde auch vom Grazer Rundfunksender übertragen. Größere Abteilungen van Nationalsozialisten versuchten durch Sprechchöre unter den Rufen^Deutschland erwache! Juda verrecke!" die Rede Taubers zu stören. Es kam zu heftigen Zusammenstößen zwischen Nationalsozialisten und politischen Gegnern, so daß di« P o l i z e i mit einem großen Aufgebot- einschreiten mußte. Bei den entstandenen Handgreiflichkeiten wurden einige Personen verletzt. Acht Personen, zum größten Teil Nationalsozialisten, wurden verhaftet. Für das Konzert Taubers, welches am Nachmittag stattfand, wurden daher umfassende Vorkehrungen getroffen; das Konzert verlies jedoch ohne Störung. Tragik einer groben Künstlerin. Gertrud Binderuagel von ihrem Gatten lebensgefährlich verwundet. Berlin, 24. Oktober. Als Samstag abends die 38 Jahre alte Kammersängerin Gertrud Bindernagel die Städtische Oper verließ, begegnete sie ihrem Ehegatten, dem Bankier und Hauptmann a. D. Wilhelm Hintze, mit dem sie in eine heftige Auscin- anderfetzung geriet. Plötzlich zog Hintze eine Pistol« und feuert« gegen seine Frau einen Schuß ab, der sie in den Rücken traf. Hintze wurde verhaftet. Das ,,12-Uhr-Blatt" meldet, daß dos Befinden der Sängerin so gut wie hoffnungslos sei. Eine Operation, die die Aerzte noch um halb 4 Uhr früh vornahmen, dürste kaum noch Rettung bringen. Das Blatt berichtet, daß nicht Eifersucht Motiv zur Tat gewesen sei, sondern Fami- l i e n st r e i t i g ee i t e n, die daraus entstanden, daß die Sängerin ihre Mutter und ihre beiden Schwestern gegen den Widerspruch ihres_ Mannes bei sich beherbergte. Dies habe zu ständigen Zerwürfnissen zwischen Frau Biudernagel und ihrem Mann geführt, io daß schließlich am Freitag voriger Woche das Ehepaar auseinanderging und Frau Bindernagel di« Scheidungsklage einleitete.(Anm. d. Red.: Gertrud Bindernagel gilt als eine der hervorragendsten hochdramatischen Sängerinnen der deutschen Buhne ton heute.) Weißgardisten als Falschmünzer. Berlin, 24. Oktober. Dor der 11. Straflam- mer beim Landgericht 3 begann heut« ein großer Falschmünzerprozeß. Den Falschmünzern wird vyrgeworfen, in den letzten Jahren englische 100-Pfund-Noten und amerikanische 500- Dollarnoten hergestellt und in Verkehr gebracht zu haben. Hauptangeklagter ist der 59jährlge russische Kunstmaler Ivan Miassojedoff. Er war vor dem Kriege mehrfacher Millionär und hatte große Besitzungen auf der Krim'. Angeklagt sind ferner der Kaufmann Basil Mamonoff, der Kaufmann Arkardy Ursälfly-Udinzeff und der Journalist Alexander Nelidoff. Die Russen waren in der Mehrzahl Offiziere weißgardisti- scher Armeen, die sich später in Deutschland als Kaufleute durchzu schlagen versuchten.' Miasso- jedoff ist bereits 1922 wegen Falschmünzerei zu drei Jahren Zuchthaus verurteilt worden. Ziehung der Klsflealotterle 30.000 K: 44.269. 10.000 K: 16.375, 55.914. 5000 K: 33.289, 37.244, 37.267. 70.778, 75.262, 77.207, 85.634.. 2000 K; 451, 1638, 2155, 5340, 9470. 11.185, 11.467, 14.325, 15.614, 15.964, 17.818, 20.747, 21.724, 29.800, 30.074, 30.786, 33.602, 38.954, 42.880, 44.505, 47.827. 54.019, 58.638, 63.678, 63.950, 65.350, 68.724, 69.492, 70.263, 74.856, 75.910, 76.776, 80.088, 81.695, 83(120, 88.394, 89.259, 89.686, 91.644, 98.696, 97.682, 98.549, 104.089, 1200 K: 2303, 2887, 5218, 5648, 5949, 10.281, 12.723, 14.363, 14.908, 17.193, 19.168, 20.353, 24.578, 26.061, 26.934, 29.323, 30.143, 32.692, 33.220, 35.387, 35.403, 35.917, 36.192, 37.040, 37.341, 40.089, 43.473, 43.616, 45.850, 47.663, 50.975, 51.380, 52.703, 52.759, 53.152, 55:140, 55806, 56.947, 57.219, 58599, 58.865, 59.612, 61205, 61.932, 63.494, 63.876, 64.168, 66.600, 67.735, 68.285, 69.006, 70.473, 73.361, 73.619,.74.986, 75.182, 75.496, 75.751, 77.083, 77.128, 77276, 78.056, 78.385, 79.054, 80.410, 83.568, 84.655, 85.411, 86.599, 87.109, 87.907, 88.696, 89.981, 90.177, 91.026, 92.098, 93.744, 94.913, 94.967," 99.123, 99.967,■' 102.049, 102:261; 103.971, 104.025, 104.251. London im Rebel. London. 24. Oktober.(Reuter.) Die Stadt ist heute Mittag in undurchdringliche Finsternis gehuklt. Es ist dunkler als um Mitternacht. Diese Erscheinung wird mit der Windstill« und der Bildung eines dichten Rauchwebels über der Stadt erklärt. Blerzeh« Tote bei einer Hochzeit. Darunter auch die Neuvermählten. Kairo, 24. Oktober.(Reuter.) In einem Hause unwert von Girga, wo ein Hochzeitsfest stattfand, brach di« Decke des zweiten mit Frauen überfüllten Stockwerkes durch. In den Trümmern kamen 14 Personen, darunter di« Neuvermählten, ums Leben. Die verfluchte Intelligenz ist schuld. Der Wahlkreis Leipzig weist unter ollen sächsischen Wahlkreisen den geringsten nationalsozialistischen und den höchsten sozialdemokratischen Stimmenanteil aus. Diese Tatsache, eine„befremdliche Erscheinung", prüft ein betrübter Pg. im„Völkischen Beobachter" vom 12. Oktober; er legt sie der Neigung der Leipziger zum „Rationalismus, der reinen Verstandesherrschaft" zur Last. „Es genügt, daran zu erinnern, daß der Buchhandel und die graphischen Gewerbe einem großen Teil der Bevölkerung Brot gebe» — Beruft, die eine überdurchschnittliche Intelligenz voraussehen. Aber das Bekenntnis zum Nationalsozialismus ist ja eben nicht nur eine Frage des Intellekts, sondern in tveit höherem Grade Sache des Instinkts, des Willens, des Glaubens." So ist es.„Ueberdurchschmttliche Intelligenz" schädigt den Nationalsozialismus. Aber der Glaube, der sich vom Käsedoktor Weißenberg kurieren läßt, der an Kartenschlägerinnen und astrologische Zeitschriften glaubt, ist die festeste Basis der Hitlerei. Di« täglich« proletarisch« Verlustliste. In der Stärke- und Strup- Fabrik der Firma Herrmann in Neuhaus explodierte ein großer Kartoffel- Brühkessel,(ein sogenannter Konvertor). Bei der Explosion wurden zwei Arbeiter schwer verletzt uud zwar der 60jährige Ignaz B a l d a und der 27- jährige Ä. R u i i c l a, ein Teil der Fabrikseinrichtung vernichtet urw auch das Dach iveggeris- sen. Die Fabrik muß auf einige Zeit den Betrieb einstellen. Ein Wilderer erschossen. Aus Mährisch- Ost rau wird berichtet: Sonntag früh fanden zwei Heger im Larisch-Revier hinter Ludgerovice im Hultschiner Gebiet die Leiche eines etwa 35- jährigen Mannes, in welchem der bekannte Wilderer Franz Popelek, beschäftigungsloser Zimmermann aus.Hata, ftstgestellt wurde. Er war durch zwei Schüsse aus einem Schrotgewehr von rückwärts in den Kopf getroffen. Neben der Leiche lag Popeleks Flobertgewehr. Dft Untersuchung, ist im Gange. Tödlich verunglückt. Gestern zwischen 8 und 9 Uhr vormittags ist der Arbeiter Franz Heller aus Rübendörfel bei den Kanalarbeiten in der Jungmannstraße in L e i t m e r i tz, welche durch die Firma Karl Sitte ausgeführi werden, tödlich verunglückt. Als Ursache ist wahrscheinlich d.e vorzeitige Entfernung der Pölzung anzusehen. Siebentägige Gültigkeit der Rückfahrkarten für Allerheiligen. Dft Rückfahrkarte» können am 27. Oktober gelöst uttb bis einschließlich Mittwoch, den 2. November, benützt werden, ihre Gültigkeitsdauer ist somit aus em Höchstmaß von sieben Tagen erweitert worden. Selbstverständlich können Feiertogsrückfahrkarten auch an allen dazwi- schemregenden Tagen gelöst werden. Rach« der Wespen. Im bolognesijchen Flachland hat man einen seit einigen Tagen vermißten Tagl^ner unter einem Haufen von Blättern uick Aesten tot aufgesimden. Der furchtbar geschwollene Zustand der Leiche und eine riesige Schar sie umsummender Wespen ließen bald die ungewöhnliche Todesursache erkennen. Der Mann hatte sich früh an die Arbeit gemacht, ein abgeerntetes Kartoffelfeld umzuhacken, als er dabe' in ein zwischen den Schollen verstecktes Wespennest Meß. Der Schwarm fiel über den Unglücklichen Her, der sich zunächst zu wehren versuchte, dann aber die Flucht ergriff. Di« Insekten ließen jedoch nicht von ihm ab, bis er, von zahllosen Stichen getroffen, das Bewußtsein verlor. Er fiel dabei in einen Laubgrund, wo ihn di« Wespen wieder aufstöberten und so lange bearbeiteten, bis er starb. Die. Polizei barg ihn, mit den nötiger SchutzMosken versehen.: Das Prager Wucheramt hat auf Ansuchen des Bezirksamtes in Mchweis eine Revision der Mehl- und Gebäckpreise vorgenommen. Da sich die. Bäcker nicht einigen konnten, Wurde der Preis von 1 Ks für fünf Stück Gebäck berbehalten, während die Brotpreise um 10 bis 20 HÄler per ein Kilogramm verbilligt wurden. In T a b o r betrug die Ermäßigung des Brotpreises 20 Heller. In Pardubitz werden vier Semmeln im Gewicht von mindestens 42 Gvamm um 1 Kc verkauft. Die Brotpreise wurden um 20 Heller gesenkt. Aehnliche Ermäßigungen wurden auch in Brüx, Dux, Bit in, Lei t m er itz, Raudnitz, Lei 1 om i sch l und im Bezirk Friedland erhielt. Mord.' Der Landwirt und Totengräber August Rudinger in Stetten(am Neckar) wurde unter- dem dringenden Verdacht, die seit etwa einer Woche vernrißte 53 Jahre alte Witwe Sofie Bopp aus Stetten ermordet zu haben, verhaftet. Rüdingcr leugnet bisher die Tat; seine eigen« Frau aber hat chn in Ihrer Aussage stark belastet. Die Leiche der Frau Bopp konnte bisher nicht gefunden werden. Mörderisch« Fahrt. Aus Frankfurt a. M. wird gemeldet: Ein mit etwa 20 Fußballspielern besetzter Lasttraftwagen aus Okriftel rannte in Mammolshain mit voller Geschwin- di^eit in den Vorgarten eines Hauses. Der Chauffeur Jakob L a u n aus Kelsterbach war auf der Stelle tot. Weitere 6 Schwer- verletzte und mehrere Leichtverletzte wurden in das Kraicketrhaus Königstein(Taunus) eingeliefert. Wie das Krankenhaus mitteilt, schweben drei der Schwerverletzten in Lebensgefahr. Es handelt sich durchwegs um Spieler der der Kveis- liga des West-Ma in-Kreifts angehörenden„Germania" Okriftel. Besoffen« Nazis schießen. In Büsbach schoß eine Rotte angetrunkener Nazis ohm jede Veranlassung auf Straßenpaffanten. Besonders übel wurde einem Taxiwagenführer mitgespielt. Er wurde unter Drohungen mit der Pistolc angehalten, auf Waffen durchsucht und mußte dann exerzieren. Schließlich bekam er noch einige Ohrfeigen. Als Hauptanführer der Nazibandc zeichnete sich ein früherer Frcmdcnlegionär aus, der sich in der Trunkenheit selbst ins Knie schoß Raubmord. In einem Hause in Berlin W wurde die 74 Jahr« alte Ehefrau August« Konick« am Samstag abends ermordet und beraubt aufgefunden. Der flüchtige Täter, der seir Opfer geknebelt und mit einer Schnur ans Bett gefesselt hatte, erbeutete 4000 Mark Bargeld Effekten im Werft von 12.000 Mark und Schmuck- sachen. Löwen als Pfänder für Alimentt. In der niederschlesischen Kreisstadt S p r o 11 a u gab im Vorigen Jahr ein Wanderzirkus ein dreitägiger , Gastspiel. Das wäre an sich nicht sehr bemer- Vom Rtmdhmk Empfehlenswertes ans de« Programme«. Mittwoch. Prag: 6.15 Ghmnafük, 11.00 Schallplatte», 15.30 Biola-Borträge, 16.10 Orchesterkonzert, 17.10 Marionettentheater, 18.25 Deutsche Sendung: Ar- beiterfunk Prof. Hartwig, Prag: Oekonomie und Jdeologft, 19.00 Blasmusik, 20.00 Philharmonisches Konzert, 22.20 Jazzmusik.— Brünn: 18.25 Deutsche Sendung: Direktor Meixner: Schlechtes und gutes Deutsch, 20.30 Aus dem Weltkriege, 21.00 Russische Musik, 22.20 Schallplatte«.— Berlin: 14.00 Kammermusik, 21.00 Der Zauberbaum.— Königsberg: 20.00 Tanzabend.— Langenberg: 19.00 Landschaft in Not, 21.00 Das Konzett. Wien: 1920 Orlando die Lasso, zu seinem 400. Geburtstage, 20.00 Wiener Abend. Unbekannte Runbfnnkstatistikeu. Kürzlich ver- ösfentlichte die Union Internationale de Radio» d'iffusion eine Druckschrift über dft Bedeutung des Rundfunks für die Allgemeinheit. Folgende interessante Zahlen find dieser Schrift entnommen: In einem Zeitraum von elf Jahren(1920—1931) hat der Rundfunk sich ft stark verbreitet, daß dft Zahl der vadiohörenden Familien in der ganzen-Welt von einigen Tausend im Jahre 1920 bis auf ihre heutige beträchtliche Höhe von 35 Millionen gestiegen ist. Dft Zahl der eigentlichen Radiohörer dürft« demnach schätzungsweise rund 140 Millionen betragen. Der größte Dell aller Funkprogramme dient der Zerstreuung; immerhin sind auch dft amtlichen Funkmeldungen recht zahlreich. So beanspruchte« dft Sendungen von Wetterberichten, landwirtschaftlichen Vorträgen, Schulfunkprogrammen und Aus» bildungsknrftn für Erwachsene im Jahre 1930 bei allen Sendern der Welt rund 500.000 Stunden oder! durchschnittlich 50.000 Sendetage. Dft van den Ruwd- funkgesellschaften für di« Sender aufgewandten Summen belauft» sich aus etwa 2800 Millionen LS. D>« gesamten Programmausgaben erreichen jährlich gut 4600 Millionen LS. Dft Programmdftnst« verschaffen dauernd 25.000 bis 30.000 Personen Arbeit. Obgleich dft endgültigen Zahftp für 1932 noch wicht he-' kanwi sind, veranschlagt man den Betrag, den die Rundfunkgesellschaften in allen Ländern Ende dieses Jahres den ausübenden Künstlern an Gagen und Gebühren zur Aufführung ihrer Werke bezahlt haben werden, auf ungefähr 960 Millionen Xe. Der Ge» . samtwert aller augenblicklich im Betrftb befindlichen Empfangsgeräte erreicht nach vorsichtiger Schatzung 28 Milliarden LL.(PR) »"» 1| kenswert, wenn dieses Gastspiel nicht ein ganz eigenartiges Nachspiel hätte. Der Direktor del Menagerie erhielt nämlich im Laufe des Soms mchcs dreimal die Aufforderung, für den Unterhalt;e eines in Sprottau geborenen Kindes ein- zutreten. Da der Direktor nicht zahlen wolltt oder nicht konnte, wurde er dreimal vcrurte'Ü Unglücklicherweise Verfügte er jedoch nicht über dar• nötige Kleingeld, worauf der Sproltauer Amtsrichter kurz entschlossen die drei wertvollsten Exemplare aus der Menagerie, drei ausgewach- I sene Berberlöwen, pfänden ließ. Es ist»ich bekannt, ob eS dem Gerichtsvollzieher gelungen I ist, seinen Kuckuck auf den Löwen anzubring?« I Tatsache ist aber, daß nun jeder Löwe kraft@c- setzeS verpflichtet ist, für den Unterhalt je einet der drei neugeborenen Sprottauer Kinder aufzw kommen. Es ist nur gut, daß die Löwen di< juristischen Zusammenhänge nicht kennen. Rett! instinktmäßig dürfte es ihnen sicher näher biegen I die Kinder aufzufreffen, als für ihr Leben alt i Pfand zu dienen. Auf Chalkidike wurden neu« Erder« schüttcrungen verspürt, die diesmal stärker und von starkem unterirdischem Dröhnen gefolgt I waren. Entführt? Seit Samstag halb 6 Uhr nachmit' tags ist der drei Jahr« alft Sohn Jaroslav des Anton Balis in Schüttenhofen Nr. 141/l abgängig. Er war ohne Mütze, hat blondes kurzge- scknitlenes Haar und blaue Augen und war«ü j einem kurzen grauten Rock, mit einem Gürtel aus' dem gleichen Stofs bekleidet. An den Füßen trug er gelbe Strümpfe und gelbe Schnürschuhe von Bak« mit Gummiabsätzen. Di«'Staatsbahndirektion in Prag fertigt ttt den Tagen vom 11. bis 14. November 1932«inen Sonder- I auSflugSzug»och Berlin ab, verbunden mü einen'' eventuellen Besuch Hamburgs. Preis pro Teilnehm- I 365 K für jene, die in der Reichshauptstadt bleib«*» I 465 8 für jen« Passagiere, dft weiter nach HM» bürg reisen. Teilnehmer, dft auf den angoschlossene* I Strecken in der 6SR. zum Orte des Reise antritfts I cciftn, genießen«ine Äpwzentige Ermäßigung Woynstation bis zur Station des Reiseantrittes und zurück. Im Fahrpreise inbegriffen find: Becks! Schwellzugsfahrten Prag—Berlin, Berlin—Prag, I volle Verpflegung und Logis, Rundfahrten mit des>’ Autocar durch Berlin, für dft Hamburger Teilnehmer durch Hamburg, Haftnrundfahtt und Besichtiguus eines Ozeanrftsendampsers. Anmeldungen für GesellschastSpaß und für dft Reift selbst nimmt> Schalter Nr. 13 des Prager MasarykbahnhvftS bä Erlegung einer Anzahlung von 100 K entgegen- Frist für Hamburg spÄestenS bis 1. November, f#*! Berlin bis 5. November ftckl. Abfahrt ab PmS am 11. November etwa um 14 llhr, Rückkehr o** 14. November früh nach 7 Uhr. 1108 neue Motorfahrzeuge im September. Rack den monattichen Erhebungen d«S Statistische" Staatsamtes wurden bei den politischen und Polizei' I behörden in der Tschechoslowakei im Monate Sepftr»' I der im ganzen 1108 fteite Motorfahrzeuge eingett»' I gen. Darunter sind Motorräder und Sideearj nickt i enthalten. Von der angegebenen Gesamtzahl wafts 900 Personenwagen, 175 Lastwagen und 33 Auw-> buffe. Davon waren tschechoflowakischer Erzeugtes I 1032(93.1 Prozent), fremder Erzeugung 76 M I Prozent). Seite S. Nr. 252. Dienstag, 25. Oktober 1932 MMn Heber 9ltann Hat für mi<9 die„Hnjultieöene', da» Wochenblatt der Fra« bestellt k Gnzeln 60 Hell« in jede« Trafik erhältlich.— Ditrieljahrspreis mit Postzusenduna Kö 750. Verwaltung Prag IL Rekazanka 18. Die Frei in Savietrufilanil. Es ist zweifellos richtig und auch die Märchen» erzählungen in der kommunistischen Press« können daran nichts ändern, daß das Leben in Svwjetruß- land ein wenig zufriedenstellendes ist und daß gerade jetzt sich der sozialistischen Aufbauarbeit große Schwierigkeiten entgegenstellen. Unter den mancher» lei Unzulänglichkeiten und MißhelligkÄten, unter denen die russische Bevölkerung zu leiden hat, stehen insbesondere die Ernährungs- und Wohnnngsver» hältnisse voran. Das was Zivilisation und Hygiene genannt wird, liegt sehr im argen, auch wenn man zugibt, daß es damit auch früher nicht weit her war. Was insbesondere das Leben der in der Hauswirtschaft tätigen Frau betrifft, so ist es schon durch den Zwang, dem die Frau unterworfen ist, sich täglich um die notwendigste» Lebensmittel stundenlang an» zustellen/«in ungleich schwereres als das der Arbeiterfrauen anderer Länder. Dennoch muß zugegeben werden, daß mit ernstem Willen daran gearbeitet wird, die Lebenshaltung breiter Massen zu verbessern. Anders und vielfach auch besser ist jedenfalls durch di« in der Oktoberrevolution erfolgt« Gleichstellung der Geschlechter das allgemein« Los der Frauen geworden, das man allerdings nicht nach der Kleidung und sonstigen Aeußerlichveiten beurteilen darf. Die Lebenöwelt der Frau ist ein« ander« güvorden, sie besitzt dieselben Recht« wi« der Mann, freilich auch dieselben Pflichten. Ueber die Lage der ruffischen Frau, über Liebe und Ehe in Sowjetrußland wird von der bürger» lichen Press« oft viel zusammengedicht«t. Darum ist das Erscheiiren eines Buches(„Die Frau in Sowjetrußland". Don FanninaW.Hall«. lieber 580 Seiten. Mit 109 Abbildungen. Paul- Zsplnay-Berlag, Wien.), das sich zur Aufgabe gestellt hak, di« in dem riesigen Uusbauprozeß in Änvjet» rnßland sich vollziehend« Wandlung des Lebens der Krau darzustellen, ein Verdienst. Es wär« falsch, di« von der Verfasserin dargestellten Dinge unkritisch' hinzunehmen, denn Frau Dr. Fannina W. Hall«, eine in Rußland geboren« und ausgewachsene, jetzt in Wien lebend« Oestcrrcichcrin, ist Bolschewikin, ist nicht unparteiisch und will es gar nicht fern, wie si« iclber versichert. Ihren Darlegungen kommt aber doch ein hoher Wert bei, denn ihre Darstellung der Tatsachen erweckt nirgends den Eindruck der Tln- wahrhafiigkeit oder Uebevtreibung; dagegen ist geboren, gegenüber den Schlüssen, di« sie aus den Tat- iachen zieht, Reserve zu bewahren. Man wird der Verfasserin zustimmen, wenn si« iagi, im Rät«staar« wert« em« grundlegend« Neuge» slaliuiig und N«uordnung aller menschlichen Bezi«- bungen angestrebt. Richtig ist auch, daß das Neue darin ohne Kenntnis des Alten nicht zu verstchen ist, da man«s hier mit einem historischen Entwicklungsprozeß zu tun hat,, in dem Menschen und Ver- hWnisse- ein eigen-russisches Gepräge tragen. Es ist daher durchaus nicht überflüssig, daß t«r erste Teil der Buches sich mit der Stellung der Frau in Alt- rußland, in der vorchristlichen P«riode zur Zeit des Matriarchats und in der christlichen Periot«, da di« russische Frau in der furchtbar schwersten Weis« unterjocht wurde, beschäftigt. Das Buch bespricht des weiteren di« in der neueren Zeit sich geltend machenden Bestrebungen, welche di« Emanzipation der Frauen zum Ziele hatten, und schildert di« hervorragende Rolle, di« zahlreiche Frauen in der Revolutionsbewegüng gespielt haben, di« d«m Roten Oktober voranging. Ein besonderes Kapitel bildet die Darstellung der Teilnahm« d«r Frauen an den Ereignissen des Oktober 1917 und am Bürgerkrieg. Ter zweite und größere Teil des Werkes beschäftigt sich mit der durch di« Revolution bewirkten Aende- rung der Stellung der Frau, mit der Abschaffung der kirchlichen Ehe, der neuen sexuellen Ethik und Gcschlechtsideologie, mit der Frage Mutter und Kind, mit dem sowjetrusfischen Eherecht, mit Li«be, Fa- mili« und Prostitution und schließlich mit der Durch» tringung des neuen Lebens durch di« Frau, mit ihtcr Tätigkeit in Staat und Politik, im geistigen Leben, in der Produktion und mit den Einwirkungen des Fünfjahrplan«s auf di« Frau. Zur Ehre der Verfasserin sei gesagt, daß sie an den mancherlei wunden Punkten, di« das heutig« Leben der Frau im besonderen und d«r Bevölkerung im allgemeinen nicht achtlos vorübergeht, sondern manche Unvollkommenheit und Unzulänglichkeit aufzeigt. So schreibt sie:„Es ist in keiner Hinsicht«in Vergnügen, in Sowjetrußland Hausfrau zu sein! Mangelt es doch so gut wie an allem, und«ine Erleichterung ist selbst durch die Anstellung«iner Hausgehilfin, dort Hausarb«it«rin genannt, kaum zu erhoffen, ganz abgesehen davon, daß es zu den Glück»» söllen gehört, wenn man eine solche überhaupt bekommt." Sie schließt mit den aufrichtig zu wertenden Worten:„Was das Buch an Positivem enchält, möge der Leser beurteilen. Ich selbst fass« es als Bericht über den augenblicklichen Stand eines Brrfuches von welthistorischer Tragweite auf: der zum erstenmal in der Menschheitsgeschichte unternommenen Versuchet, beiden Geschlechter» da- gleiche Richt zur Gestaltung des Lebens einzuräumen". Al» ein solcher Bericht über den augenblicklichen Stand diese» Versuches ist das Buch zur Informierung über di« iowjetrussischen Verhältnisse geradezu unentbehrlich. —r. Krise und AngcsteUtenbcwcgung Tagung der Internationale der Privatangcstellten. Die Privatangestellten sind von der Krise vielleicht noch härter angefaßt worden als die Arbeiter. Der Abbau in den Büros hat Tausende von Technikern und Handelsangestellten aufs Pflaster geworfen. Die Arbeitslosigkeit war aber für diese Leute vielfach gleichbedeutend mit einem völligen Zerbrechen der Existenz; denn ungeheuer schwer findet, vor allem bei längerer Arbeitslosigkeit, ein qualifizierter d. h. ein älterer Angestellter, zur alten Arbeit wieder zurück. Nun bedroht neuerdings in allen Ländern eine unmög- liche Wirtschafts- und Handelspolitik von neuem die Existenz der Angestellten. Der Autarkie-Irrsinn läßt den Handel einschrumpfen. Repressalien erfolgen auf die Einfuhrdrosselung und-Absperrung. N«ue Entlassungen drchen vor allem den Handelsangestellten. Abermals werden die Grenzen dichter und dichter zugemacht, und damit werden auch die Ausbil- dungs- und Berdienftmöglichkeiten für den Angestellten im Ausland von neuem unterbunden. Auch in dem einzigen Land, in dem in den letzten Jahren wenigstens noch der eine oder andere deutsche Techniker ein Stück Brot verdienen konnte, in Sowjetrußland, verschlechtert sich hie Lage der deutschen Angestellten von Tag zu Tag. Dieser ernste Tatbestand gab der Vorst andssitzung des Internationalen Bundes der Privatangestellten, die dieser Tage in Berkin stattfand, mehr als reichen Beratungsstosf. Vertreten waren auf der Sitzung Deutschland, die Tschechoslowakei, Oesterreich, Frankreich, England, Dänemark und Holland. Im Mittelpunkte der Beratungen des Bundes, der heute rund 900.000 Mitglieder umfaßt, und einen Zweig der großen internationalen Arbeitnehmerbewegung unter der Führung des JGB. darstellt— die Beziehungen des Bundes zum JGB. haben sich erfreulicherweise in der jüngsten Zeit wesentlich gebessert— standen der Kamps der Angestelltenbewegung gegen di« Wirt- fchaftszerstörung durch den Autarkie-Wahn und der Kampf um die Arbeitszeitverkürzung. Die Politik der wirtschaftlichen Beschränkungen aller Art, di« Einfuhrverbote, Handelskontingente, Hochschutzzölle, Devisenverbote u. dgl. haben— so wurde auf der Vorstandssitzung mit schärfstem Nachdruck und in voller Einmütigkeit betont— keineswegs dem damit angestrebten Zweck der wirtschaftlichen Gesundung grient. Im Gegenteil! Die Einschnümngcn Ms,, internationalen Austauschverkehres haben zur Stagnation ist allen WirtschaftÄebieten und auf allen Märkten geführt. Die Privatangestellten sind ebenso wi« die Arbeiter die Opfer dieser verfehlten Handelspolitik der Regierungen. Der Internationale Bund der Privatangestellten fordert daher energische Abwehr von dieser Absolut zweckwidrigen und wirtschaftsfeindlichen Handels- uitb Devisenpolitik. Nach seiner Auffassung kann stur die Wiederherstellung des freien Wirtschaftsverkehres der krisenhaften Entwicklung und der zunehmenden Arbeitslosigkeit Halt gebieten. Der Vorstand des Bundes ruft daher die Gewerkschaften der Angestellten in allen angeschloffenen Ländern auf, ihren ganzen Einfluß auf die Regierung und Gesetzgebung in der Richtung des Auskmues der bestehenden Handclsschwierigkeiten geltend zu machen. Trotz der ungeheuren Zunahme der Arbeitslosigkeit in allen Ländern ist die Forderung der Gewerkschaften auf internationale gesetzliche Verkürzung der Arbeitszeit auf höchstens 40 W o ch e n st u n d e n noch immcx unerfüllt. Der Vorstand des IBP. stellt das mit Bedauern fest. Er macht darauf aufmerksam, daß die furchtbare Not dringend erfordert, mit größter Beschleunigung auch durch internationale Ärbeits- zeiwerkürzung Vorsorge für die Wiedereingliederung der Arbeitslosen in den Wirtschaftsprozeß zu treffen. Er erwartet, daß die Frage der internationalen Verkürzung der gesetzlich zulässigen Höchstarbeitszeit auf höchstens 40 Wochenstundcn noch auf die Tagesordnung der Internationalen Arbeitskonferenz von 1933 gesetzt wird und fordert die angeschlossenen Verbände auf, auch m ihren Ländern den Kampf für die gesetzliche Verkürzung der Arbeitszeit auf höchstens 40 Wochenstunden beiungekürztem Gehalt mit allem Nachdruck fortzujetzen. Der Angestelltenausschuß in Genf ist in diesem Jahre noch nicht zusammengrtreten. Die Borstandssitzung forderte daher, daß seine Einberufung i^och in diesem Jahre erfolgt, und daß auf dieser Tagung dann im wesentlichen folgende Fragen zur Erörterung kommen: Sonntagsruhe, Laderrschlußj bezahlter Urlaub und Rechtsstellung der Geschäftsreisenden. Der EinflußderöffentlichenVer- waltung auf die Wirtschaft nimmt in allen Ländern immer mehr zu. Der Sekretär des Bundes wurde daher beauftragt, den Umfang und den Grad dieser Beeinflussung vor allem in den dem Bunde angeschlossenen Ländern durch eine besondere Erhebung festzustellen. Die Jugendbewegung, die in der Angestclltenbewegung mit besonderer Liebe und Anteilnahme gefördert wird, beschäftigt auch die Vorstandssitzung des IBP. Man beschloß, im nächsten Jahre eine Konferenz der Jugendführer einzuberufen, mit dem Zw^ck, ein Programm für die jugendlichen Angestellten auszuarbeiten. Die Privatangestellten- Internationale verfolgt mit besonderer Aufmerksamkeit auch die Erfassung der studierenden Jugend durch die Angestelltenbewegung. Keip Zufall ist es also, wenn die Industrie st uoenten an den Bund herangetreten find, um mit ihm enger in Fühlung zu kommen. Die Jndustriestu dritten Wollen eine systematische internationale Verbindung im Rahmen der.Privatangestellten-Internationale. 4»''Jscip' Mit großem Interesse nahm die Vorstandssitzung Kenntnis von dem soeben fertiggestcllten Bericht des Butab über die Lage der deutschen Techniker in Rnßland. Dieser Bericht bericht auf auchentischem Material; denn zahlreiche deutsche Techniker, die zur Zeit in Rußland arbeiten, sind dem Butab angeschlossen. Der Kern des Berichtes, der di« breiteste Oeffentlichkeit interessieren dürft«, liegt in der einwandfreien Feststellung, daß di« Lage der deutschen Techniker heute in Rußland viel schlechter ist,- als man nach den.Verlautbarungen von russischer Seite annehmen mdcht«. Der deutsche Techniker in Rußland ist heute nicht mehr imstande, der in der Heimat verbliebenen Familie irgendwelche Hilf« zukommen zu lassen, da die Bezahlung infolge des Devisenmangels nur noch in Rubeln erfolgt. nniiiiiHmiiiiimiHuiiiHuiiiittimimNmtimniiinnHnHmiimininiiimmiiitiiiiiHi(imtiHiinHm(iiiiini!iiinitHnHnniniinnunnnnnHNntHnmnffluininnniiiiuiiiiiHiHHiiniiiNiininHiiiiiuui geborgt, unter der Vorspiegelung, er besitze in Italien ein Weingeschäst und zweitens hab« er bei dieser Gelegenheit gcmetkt, daß si« ihr Geld im Divan des Zimmers versteckt, habe und in ihrer Abwesenheit 2600 K mitgehen heißen. Der Angeklagte sagte etwas ganz anderes. Sie habe ihn« nur so viel Geld gegeben, daß er ihre Auslagen habe bestreiten können und am letzten Tag« überhaupt nicht mehr als 10g K b« se s s« n. Das habe sie ihm selbst beim Frühstück im Cafe„Imperial" gesagt und Geld zum Baden verlangt. Er hatte freilich auch so gut wie nichts Gleichwohl hat der Existenzsucher mit der Dam« eine klein« Spritzfahrt zmn,Autorennen am Masaryk ring in Brünn unternommen und eine der letzten Nächte vor seiner Verhaftung.churchgedraht' Bon einem Diebstahl oder einer betrügerischen Her- auslockung könne keine Rede sein. Was zwischen den beiden vorg«gangen ist, wird schwer zu eruieren sein. Denn die Tschernischrff, die seither im Jnfektionsspital„Bulovka" in Behandlung war, ist noch ihrer Entlassung spurlos verschwunden. Ter Angeklagte bemerkt« bitter, daß sie, wie er später erfuhr, gleich am ersten Tage ihrer Bekanntschaft mit einem seiner Bekannten in einem Stundenhotel gewesen sei. Nun wird sie polizeilich gesucht werden und der Ang« klagte wanderte in di« Untersuchungshaft zurück, wo er schon 50 Tage verbracht hat. Ter Gerichtshof forderte als Bedingung seiner Entlassung die Erlegung einer Kaution von 5000 K, dir per Angeklagte nicht besitzt. rh. Kunst und Wissen „Das Recht auf Sund«"(Gastspiel Werbe- s i r f). Gisela Werbczrrk gehört zu den Künstlerin- iren, welchen«in schlechtes Stück ost mehr liegt als rin gutes, weil sie erst in dem schlechten den Spielraum für ihren Stvgreifhumor und ihren Gestal- tungsdrang haben dessen sie nun einmal bedürfen. Der Schwank„Das Recht auf Sünde" ist wahrhaftig ein schlechtes Stück und man fragt sich, wie derlei bühnen möglich war, ehe«s die Werüezirk belebt«(es handelt sich nm ein tschechisches Stück, das aus den abgestandenen Problemen, der bürgerlichen Ehernoval ein paar langweilige Dialoge zusammenschustert). Gisela W«rbezirk kommt leider erst zum Schluß des ersten Aktes auf di« Bühne, beherrscht si« dann aber souverän und zeigt uns, wie man Theater spielt, auch wenn nicht niehr als der dürftige Rahmen eines jämmerlichen Schwankes als.Handlung dient. Ihre mntderliche Weisheit, ihr überlegener Lebenshumor, ihre Schlagfertigkeit— alles ihr ureigener Besitz und nicht der Rolle entlehnt— machen die Aufführung sehenswert.:— Das Ensemble ist mäßig, aber immerhin besser als das Pallenberg'sche. Germ sähe mau die Werbeziel wieder einmal in einem der bei all« Neigung zur Uebertreibung doch des tiefen Sinnes nicht entbehrenden Schwänke aus echtem jüdischen Kleinbürgernrilieu. fr. Benjamino G»gli, der berühmteste Tenor der Welt, dessen herrliche Stimme und einzigartig« Kunst wir vor drei Jahren bewundert haben, kommt zum einzigen Konzerte am 3. November(Lucerna) nach Prag. Neues Programm von Ari«n und Liedern. Spielplan des Reue« Deutschen Theaters. Heute Dienstag, halb 8 Uhr abends:„Die drei Musketiere'(A 2).— Mittwoch, halb 8 Uhr: „Schwarzrote Ki r schen"(B 1).— Donnerstag, halb 8 Uhr:„Cavalleria rusticana", „Bajazzo"(C 1).— Freitag, 6 Uhr:„Die Meistersinger von Nürnberg".—Samstag, halb 8 Uhr:„Der Kuß vor dem Spiegel", Ensemblegastspiel Lil Dagover— Ernst Deutsch(A. A.).— Sonntag, halb 3 Uhr:„Im weißen Röbl"(P. B.); halb 8 Uhr:„Der Kuß vor dem Spiegel", Ensemblegastspiel Lil Dagover— Ernst Deutsch(A. A.). Spielplan der Kleine« Bühne. Heul« Dienstag 8 Uhr:„Das Recht auf Sünde", Gastspiel Werbezirk.— Mittwoch, 8 Uhr:„Weskend" — Donnerstag, 8 Uhr:„Coeur-Bube', Bankbeamten H.— Freitag, 8 Uhr:„Kalkutta, t Mai", Kulturver bondsfreunde.— Samstag, 8 Uhr:„Werkend".— Sonnte, 3 Uhr:„N i na"; 8 Uhr: Dreimal Offenbach, Festvorstellung anläßlich des sozialdemokratischen Parteitags. Sport• Spiel• KOrpernfleae Di« Tisch-Tennis-Sparte des LtnS Prag trägt am Mittwoch-, den 26. im Heim auf der Hetzinsel ein Freundschaftsmatch gegen di« derzeit beste Tisch-Tennis-Mannschaft D T I. P o d o I auS. Zur Durchführung gelangen sechs Einzel- und drei Doppelspiele. Beginn 7 Uhr abends. Bürgerlicher Sport. Ausscheiden der deutsche« Klubs aus der Amateur-Staatsmeisterschaft. Sonntag wurden di« beiden Rückspiele in der Vorschlußrunde ausgctragen. In Prag wurde auf dem Slaviaplatz« der DFC mit 1:8(0:2) von Sparta®osir aus dem Rennen geworfen. Was die Mannschaft des DFC- bot, waren technische Einzelleistungen(mit Ausnahmen!), sonst nichts; keine Zusammenarbeit, kein Kampfgeist— so verteidigte der Staatsmeister seinen Titel. Da waren di« Borstädter ganz anders beschlagen, ließen sich durch nichts beirren, kämpften um jeden Ball und chre Angriffe waren infolge der ab- rhließenden Schntzfreudigkert— was man nicht vom TFC. zu sehen bekam— immer eine Gefahr für das gegnerische Tor. Die tschechische Mannschaft hat sich diesen Erfolg ehrlich verdient, daran ändert auch nichts, daß der DFC. mit zwei Ersatzleuten antrat. Beim DFC. gefielen lediglich die link« Angriffsseite und das Half; alle übrigen waren glatte Versager. — Der Karlsbader FK. konnte auf eigenem Platze gegen AFK. Kolin auch nicht bestehen und verlor 1.: 2(1:1).— Das Endspiel bestreiten nun Sparta Hosib und AFK. Kolin. Di« Vorschlußrunde nm den Prager Charity-Cup brachte am Sonntag mit dem 513(1:0)-Siege Spartas über vechie Karlin den ersten Finalisten. Im zweiten Spiele hatte Slavia alle Mühe, nm nicht von dem Amateurverein Sparta Kladno geschlagen zu werden, dessen Mannschaft ein viel besseres Spiel vorführte als die Profis. Das Match endete 2:2, nachdem Slavia bis zur Pause mit 2:1 in Führung lag. Es müssen beide mich ein weiteres Spiel austragen. Die Meisterschaftsspiel« der 2. Profi-Liga hatten folgende Ergebnisse: SK 2idenioe gegen SK. Ra- konitz 4:2(3:1), Nuselsky SK. gegen Meteor VIII 2:0(1:0), Olympia Pilsen gegen Sladoj LiLkov 6:2(8:1), SK. Protznitz gegen 6AFC. Prag 3:4 (0:2). Lidenic« führt derzeit in der Meisterschaft. Ausländisch« Spieler dürfen nicht mehr angr- strllt werden. Das Landesamt hat den tschechischbürgerlichen Fußballverband verständigt, daß lünftig- hn ausländische Sportler(hauptsächlich Fußballer) keine Bewilligung mm Aufenthalt mehr erhalten. Oesterreich schlägt di« Schweiz 3:1(1:0). In Wien fand Sonntag dieser zum Europacup zählende Länderkampf statt, den die Oesterreicher nur dank ihrer besseren Technik und Taktik gewannen. Die Schweizer gaben im Feldspiel einen ziemlich ebenbürtigen Gegner ab. doch waren sie vor dem Tore zu laUgiam. Ausschneiden! Aufheben! WichllgeVeraustattungen des Prager Kreises der SozialMchen Sagend- In drei Plenarversammlungen aller drei Prager SJ.-Gruppen soll über de» Vierten Kongreß der Sozialistischen Jugend-International« berichtet wer den. Mittwoch, de« 2L Oktober» ün Heim am! Fügnerplatz:„Arbeiterjugend und Demokratie"(In- gendgenofl« Karl Deutsch). Freitag, den lL November:„Arbeiterjugend und Abrüstung"(Genosse Karl K e r ns. Freitag, den L Dezember:„Arbeiterjugend und Sozialpolitik"(Jugendgenosse Hübner). * Montag, den 7. November, Jagendfeier: I „15 Jahre russische Revolution'. Mittwoch, den 16. November, spricht I der bekannte Filmkritiker Genosse Fritz Rosenfeld I über den Film im Dienste des Klassenkampfes. Freitag, de» 25. November, liest der Arbeiterdichter OSkar Wöhrl« aus seine« Werke« i vor. Mittwoch, den 23. November, stnme«| die„Roten Ratten", di« politische Kabarett-Grupp« I der Dresdner Sozialistischen Arbeiterjugend, in Prag. I * Die SchnlungSarbeit im Rahme« der Prager I Arbeitsgemeinschaft beginnt Dienstag, den 8. No- I vember. Weitere Anmeldungen müssen sofort an 8«- I »offen Schönfelder, Prag ll., Fügnrrovo nüm. 4, er- I stattet werden. Kreisleitung Prag der Sozialistische» Jugend. MIM!■MJl | Rapid Wien gewann am Sonntag in Pilsen I gegen hie dortige Viktoria mit 5:1(1:0), nachdem I am Samstag di« Wiener in Saaz gegen DSV. I eine 1:0-NieVerlage erlitten. Sonstige Ergebnisse. Prag: Bohemians gegen I SK. Kladno 4:3(1:2), Viktoria LiLkov gegen SK. I Libeö 8:2(1:2), Pokalturnier.— Budweis: Rapid Prag-Weinberge gegen DFC. 4:2(0:1).— I Brüx: DFK. Komotau gegen Schwalb« 3:0(2:0). — Saaz: DSV. gegen DFK. Graden 7:1(1:0).[ — Aussig: DFK. gegen SpBg. Botenbach 1:1 I (0:0)!— Gablonz: DSK. gegen Warnsdorfer i FK. 3:0(1:0)!!— B.-Leipa: DSV. gegen k BSK. Gablonz 3:1(1:0)!— B r ü n. n: DSV. g^g.ß BSK. 2:0(0:0).— Preß bürg: 6SK. gegen I Ligcti 5:1(8:0).— Budapest: Ferencvaros g,.g. 1 S;eged 7:1(3:0), Hungaria gegen Kispcst 3:3 I (2:2), 3. Bezirk gegen Ujp.-ft 3:2-(l: 1)!— Mün- ß ch« n:^SP. gegen WqLer 3:0.— Fürth: SpDg. I gegen 1. FC. Bayreuth 8:1.— Schweinfurt:] 1. JE. Nürnberg gegen FB. 1:0.— Ulm: FV. 94 j- gegen Bayern München 8: 8.— Lausanne: Ha- Z k koah Wien gegen. Spott 2:4(1:2). Vereinsnadiriditen jl Akademie. Samstag,»e n l 29. Oktober, im Radio iah I Weinberge, Fmhovü tf. 56. Be- I jQMHra ginn: Halb 8 Uhr abends. Auf! dem Programm gymnastische und| Taiyvorführungen der Turnerin- I PRÄS treu und Turner. Als Gäste wir- I ken mit der rhythmisch« Frauen-Bewegungschor der DTJ. 1. Kreis und die Akrobatengruppe der DTT-' Pankratz. Nach dem Programm Tanz. Kapelle Papett. Eintrittskarten zu 6 Kü sind im Vorverkauf bei allen Mitgliedern des Vereines zu haben. Literatur Ende des demokratischen Sozialismus? Ein offenes Wort über die deutschen Leh» reu. Von Otto Leichter.(Geheftet ö. S.—,80, I RM—.50, Kc 4.—.) Deutschland steht im Mittel« I Punkt des internationalen Interesses. Mit fieber« f Hafter Spannung verfolgen die Arbeiter aller Län- I der hie Entwicklung der deutschen Republik und das Schicksal der deutschen Arbeiterklasse. Es ist selbstver- stündlich, daß die Erfahrungen, die die deutsche So« zialdemokratie in den letzten Monaten gemacht hat, i auch auf die Arbeiter anderer Länder,-vor allem aus i die Sozialdemokratie in den mitteleuropäischen Län- I dern den nachhalttgsten Einfluß haben. Welche Lehre« ergeben sich aus der deutschen Entwicklung für die I Kampfmethoden in anderen Ländern? Mit dieser Frage beschäftigt sich die Broschüre Leichters, Sit stellt fest, daß eS keinen Sinn hätte, bei der Betrach« I tung der deutschen Entwicklung etwa an einzelne I politische Fehler der deutschen Sozialdemokratie an« I zuknüpfen, sondern das System der sozialde- I mokratischen Politik in Deutschland i — und um ein System handelt eS sich— untersucht t und überprüft werden müsse. Aus der Verhängnis«> vollen Spaltung der deutschen Arbeiterklasse leitet er l die ganze sozialdemokrattsche Politik ab, er zeigt ihre I Wirkungen am 20. Juli, dem Tage der Absetzung I der preußischen Regierung, und sucht schließlich auch k die Lehren aus der deutschen Entwicklung zu ziehen. I Di« Broschüre sollten alle politisch interessietteN I Arbeiter und Angestellten lesen. Si« wird es ihnen I erleichtern, aus der Entwicklung in Deutschland die I richtigen Lehren zu ziehen, die sich aus ihnen für den I Kampf des internattonalen Proletariats ergeben- I Zu beziehen durch alle Buchhandlungen sowie direkt I vom Verlag der Wiener Volksbuchhandlung, I Vien Vi., Gumpendorferstraße Rr 18. «tKilgtler. etetfrUk t«»»- r»«fred«Iti,r Wildel» Slltkiii- B-raniworNichr, Rebafttut •• Du geitung»mark-nlra>-ratiu wurde von der Post. a. ItlegtaMienbiienion mil Erlaß Rr I3.80U/VHU930 däldlädn» U dG>—, eaujiaßrr, K4 IÄ,—,— Ins-rau acttea taul büligjt dueißu«, P« Dr E«N 0 t taut, Pro,— Druck Noto- A.-l» Jät Zeitung, und Buchdruck Pra»—{Mtt dea Druck(eM>ttwttti4: Ott» Aalff, berctUigt- P«,ug«brd ngungru«e, Zuftrllun, lus hau» ober bei«c»ug dutch bi« Poft monatlich U 16.-.»rertoljädrltch U 13.—, »tUM« itutichaUuu,«» PuUnachlatz.--lückstclluu, mb»auujl^ua nsolgt nt btt«tafuku« btt RtMunrntah