12 Jahrgang. Freitag, 28. Oktober 1932 Nr 255. Dem Parteitag zum Gruß! Krise der Regierungsbildung. WM legi den Auftrag zinW Wegen des sozialdemokratischen Widerstandes gegen Trapls Pläne. Prag, 27. Oktober. Die Vorstände der dentschen und der tschechischen sozial«. demokratischen Arbeiterparteien haben sich heute in gemeinsamen Beratungen, die den ganzen Tag über andauerten, im Zusammenhang mit der Neubildung der Regierung ausführlich mit der gegenwärtigen politischen Situation befaßt. Zur Beratung stand namentlich der Finanzplan des Finanzministers Dr. Trapl, der von dem designierten Ministerpräsidenten Malypetr übernommen worden ist. Allgemein waren die Teilnehmer der Beratung der Auffasiuug, daß dieser Plan wegen seiner unsozialen Struktur für die sozialdemokratischen Parteien unannehmbar ist, da er außer der angekündigten Kürzung der Staatsangestelltenbezüge auch noch eine ganze Reihe anderer, die breiten Bevölkerungsschichten einseitig belastender Stenern, Abgaben und Sparmaßnahmen zum Gegenstand hat.- Ganz besonders scharfe Ablehnung aber fanden diejenigen Maßnahmen, die in dem erwähnten Finanzplan hinsichtlich des Abbaues der Arbeitslosenfürsorg« und der Kürzung der Kriegsbeschädigtenrenten vorgesehen sind. Allen diesen Anträgen stellten die beiden sozialdemokratischen Parteien in vollster Uebereinstimmung ein eigenes Programm entgegen, das di« zum Ausgleich des Budgets notwendigen neuen Lasten vor allem den wirtschaftlich kräftigeren Schichten auferlegen will. Bon dieser Stellungnahme der beiden sozialdemokratischen Parteien wurde der designierte Ministerpräsident Malypetr noch im Laust der Beratungen in Kenntnis gesetzt. Auch die tschechischen Nationalsozialisten wurden über diese Entwicklung der Dinge informiert. Beratungen nahmen den gan»n Tag in Anspruch und ergaben durchgehends die E l n m ü t ig k e i t der Auffassungen beider sozialdemokratischer Parteien zu den aktuellen Problemen und zur Frage der Neubildung der Regierung., nih'fo Wie«ns am späten Abend von privater Sette mitgeteilt wird, hat das Präsidium der Agrarpartei nach Kenntnisnahme der Haltung der beide« sozialdemokratischen Parteien den Beschluß gefaßt, daß der designierte. Ministerpräsident Malypetr unter diesen Umständen das Mandat znr Regierungsbildung dein Präsidenten der Republik zurückstellen soll. Der Parteivorstand der Deutschen sozialdemokratischen Arbeiterpartei wird in seiner morgigen, anläßlich des bevorstehenden Parteitages einberustnen Sitzung, zu dieser neuen Situation Stellung nehmen und sich mit allen diesen Fragen ausführlich beschäftigen. Die tschechischen Genosien haben z« demselben Zwecke für Samstag ihre Exekutive nach Prag einberufen. Wohnonprovisorioni unter Dadi and Fadi. Ein voller Erlolg der sozialistischen Parteien, Morgen versammeln sich in Prag an 500 Delegierte, unserer Partei zu ernsten und in schwerer Stunde entscheidenden Beratungen. Schon unser letzter Parteitag in Teplitz-Schö- nau stand im Zeichen der Wirtschaftskrise und galt vor allem der gründlichen Erörterung unserer Taktik. Inzwischen hat die kapitalistische Krise ungeahnte Ausmaße angenommen; die Zahl der Arbeitslosen bei uns und in. /den übrigen Industrieländern ist weiter gestiegen, zu Arbeitslosigkeit und Absatzkrise ist eine allgemeine Kredltkrise hinzugetreten. Das Jahr 1931 stand im Zeichen der ernsten Erschütterung fast sämtlicher Geldwährungen und brachte im Zusammenhang mit dem Sturz des englischen Pfunds di« Neuwahlen in Großbritannien, deren Resultat das politische Gesicht Europas und der Welt gründlich zum schlechteren verändert hat. Zugleich verschärften sich im Zentrum Europas, in Deutschland vor allem, die Klassen- und die politischen Gegensätze. Die Flut des deutschen Fascismus stieg bei den Frühjahrswahlen des heurigen Jahres gewaltig an und, gestützt auf die nätio- nalsozialistifche Partei konnte die Reaktion der Junker, Industriellen,, Generale und Bankiers in Deutschland die politische Macht an sich reißen, das letzte starke Bollwerk der Republik, die demokratische Preußenregierung sprengen, ein eben gewähltes Parlament ohne Grurch wieder auflösen und zu neuen Anschlägen gegen di« Recht« des deutschen Volkes und gegen die Errungenschaften' der Arbeiterklasse ausholen. Die Hoffnungen auf die Wiederbelebung der, kapitalistischen Wirtschaft, auf die bescheidenen Konjunktursymptome aus Amerika hat sich als trügerisch erwiesen, wir stehen an der Schwelle des vierten K r i s e n w i n t e r s uird alle Reserven und Hilfsmittel der hungernden Arbeitslosen, sind erschöpft, in den Staatskassen herrscht gähnende Leere, die Verzweiflung der Massen ebnet der fascistischen Agitation auch bei uns den Weg. Wann wäre wir je in solcher Situation zusammengetreten! Niemals, seit es die moderne Arbeiterbewegung gibt, niemals seit den Jahren des üppigsten Manchester-Liberalismus und der völligen Rechtlosigkeit der Proletarier, haben die unmittelbaren Probleme der Masiennot, des nackten Elends, des buchstäblichen Hungers von Millionen die Arbeiterklasse bedrängt wie heut» Unsere Hoffnung in diesen Tagen ist mehr denn je die un geschwächte einige, k a m p f e n t s ch l o s s e n e Partei. Und wenn etwas di« sternenlose Nacht erhellt, in der wir uns zusammenfinden, so das Feuer, das wir selbst in Händen tragen: Begeisterung, Opfermut und Solidarität der klassenbewußten, in der Sozialdemokratie vereinten Proletarier. Unser Parteitagsbericht beweist uns, daß der Fels der Partei in den Wogen der wirtschaftlichen und polifischen Krise bisher jeder Sturmflut standgehalten hat. Ende 1931, nach zwei vollen Krisenjahren weisen wir mehr als 80.000 Parteimitglieder auf; nur um 800 weniger als ein Jahr zuvor, um fast 3000 mehr als im Konjunkturjahr 1927-28 Der große Erfolg, den unser Appell zur Schaffung des Parteifonds in allen Parteigebieten hatte, die Disziplin,‘ mit der unsere Genosien den Kampf gegen den Fascismus wie gegen di« kommunistischen Spalter führen, die Begeisterung, mit der sich in wachsendem Maße die- Jugendgenossen in den Dienst unserer Propaganda stellen, das sind die festen Fundament«, auf denen die Partei ruht, auf die wir auch vor dem' furchtbaren kommenden.Winter vertrauen können. Neben.den organisatorischen. Fragen, die jeden Parteitag beschäftigen, werden es heuer zwei Probleme sein, denen er seine besondere Aufmerksamkeit zuwenden wird. Referat und Debatte zur wirtschaftlichen und polifischen Lage werden sich auf die Frage zuspitzen,-ob wir die vom Aussiger Parteitag beschlossene Taktik fortsetzen, ob wir weiter in der Koalition und Regierung verbleiben sollen, oder ob die Voraussetzungen unseres sei- nerzeifigen Entschlusses sich soweit geändert haben, daß im jetzigen Augenblick der Ueber- gang zu einer anderen Taktik zu erwägen ist. Wie immer die Delegierten entscheiden werden, das eine ist heute schon gewiß: sie werden das Für und Wider gewissenhaft prüfen, sich von nichts anderem als dem Interesse derArbeiterklasseundihrerPar- tei leiten lassen und sie werden ihr Urteil fällen im Geiste des Vertrauens zu den Mandataren der Partei» die keinen Schritt unternommen haben, der uns abseits unseres Weges geführt hätte, des geradlinigen Weges einer klassenkämpferischen proletarischen Partei. Im zweiten Teil des Parteitages wird sich das Interesse auf die Behandlung des Jugendproblems konzentrieren. Schon einmal hat sich ein Parteitag mit der Frage des Nachwuchses beschäftigt. Das Resultat war die Einsetzung des Reichs-Erziehungsbeirates, der inzwischen eine gedeihliche und erfolgreiche Tätigkeit enffaltet hat. Mesmal wird es nicht so sthr um ovgamsütorische als um geistige Fragey gehen. Nicht die AnA vor.tztzw Mutz- sterben, die uns Gegner von rechts und links ansinnen, legt uns me neuerliche Behandlung des Jugendproblems auf einem Parteitag nahe. Es ist im Gegenteil die erfreuliche Tatsache, daß die jüngften Jahrgänge in unseren Reihen in ansehnlicher Zahl vertreten sind, es ist dex Betätigungsdrang der jungen Genossen, die uns vor allem bewegen, über di« organische Eingliederung der Jungen in alle Teile der Bewegung, über die geisfigen Bedürfnisse der Jugend zu sprechen und ihr besondere Arbeitsgebiete zuzuweisen. Wir sind überzeugt, daß auch zu diesem Punkte der Tagesordnung Alte und Junge nichts sagen werden, was nicht aus dem Geiste der Brüderlichkeit und des gegenseitigen Verstehens geboren wäre. Tage reicher und verantwortungsvoller Arbeit liegen vor den Delegierten. Die Genossen kommen aus den verschiedenen Teilen unseres, soweit verstreuten, so bunt gewürfelten sudetendeutschen Gebietes alle mit ihren besonderen Sorgen, sie alle sehen die Probleme aus anderem lokalen Gesichtswinkel. Gerade das gibt zwar unseren Tagungen den Charakter vielseitiger und gründlicher Aussprachen, in denen nichts mchedacht bleibt, aber es erschwert auch die Arbeit, denn die Hunderte Männer und Frauen, die aus Schlesien und dem Egerland, aus dem rauhen Erzgebirge und dem südmährischen Weinland, aus dem Jsergau und dem Böhmerwald, den nordböhmischen Kohlenrevieren und den mährischen Kreisen, aus den Elbestädten und aus dem Riesengebirge zu gemeinsamer Beratung zusammenkommen, müssen erst im Laufe der Diskussionen ihr Urteil über di« großen Fragen der Gesamtbewegung, den Maßstab für die Beurteilung der gemeinsamen Sorgen und Ziele erarbeiten. Sie werden es diesmal wie immer bisher um so leichter können, als Wochen- ja monatelange B o r a r b e it in gewissenhafter Weise das'Material gesichtet und das Nötige für den exakten Verlauf der großen Tagung bereitgestellt hat. Wir begrüßen die Delegiertendes Parteitages und nicht minder herzlich. die der Re i ch s frau e nkonfe- r e nz, die heute schon ihre Arbeit: beginnt, wir wünschen beiden Tagungen Erfolg und Gelingen, wir hoffen, daß vom Prager Parteitag eine Welle von Mut, Arbeitswillen und Kampfentschlossenheit ausgehe, daß er in der Nacht der Krisenzeit ein weithin.lautendes Fanal werde, in dessen Licht wir alle-den Weg in eine bessere Zukunft erkennen! ■ Prag, 27. Oktober. Zu Beginn der Heufigen Senatssitzung teilte der Vorsitzende mit, daß d«r Senator der tschechischen Gewerbepartei Tröka seine Funktion als Vizepräsident des Senats niedergelegt hab«. Ueber die Ursachen des nicht ganz freiwilligen Rücktritts berichten wir aus-, jährlich an anderer Stelle. Dann führte der Senat die Debatte über das W oh nungs Provisorium ab, die durch ein Referat des tschechischen Ge- noffen Ina. Winter eingeleitet wurde. Wider Erwarten beteiligten sich an der Aussprache nur fünf Redner, darunter drei Deutsche. Feierfeil(deutscher Christlichsozialer) machte sich seine oppositionell« Rede sehr leicht: Daß cs den Arbeitern und Bauern jetzt so schlecht geht, daran ist einfach zu hundert Prozent die rot-grüne Koali-- tion schuld.— Daß die Welt seit mehr als drei Jahren von der schwersten Wirtschaftskrise seit Menschengedenken heimgesucht ist, während in den Jähren vorher di« Bürgerkoalition ganz ohne eigenes Verdienst Jahre der wirtschaftlichen Hochkonjunktur in der ganzen Welt mitmachen konnte, verschwieg der Redner allerdings. Eine Lösung der Schwierigkeiten wäre nach Feierfeil nur von Neuwahlen zu erwarten, für die er sich einsetzte. Für den Bund der Landwirt« zeigte sich Stöhr .von der von der Mehrheit der Koalitionsparteien dürchgesetzten Lösung des Wohnungsproblems sehr unbefriedigt; er bedauert, daß man auf die For- derungen der Althausbesitzer keine Rücksicht genom-. men habe. Der, Standpunkt der sozialistischen Parteien, daß bei der Verlängerung' keine Aeuderungen vorgenommen werden dürfen,, sei auf keinen Fall sozial gerecht. Die Agrarier würden ni'emehr zugeben, daß der Althausbesitzer der Sklave seiner Mieter bleibe. Eichhorn(deutsche Gewerbepartei) lehnte namens seiner Partei jede Verantwortung für das neuerliche Provisorium ab. Bo« tschechischer Seite spricht lediglich Pichl (Nationalsozialist), der den Hausherrenparteien vorwirft, daß sie es darauf angelegt haben, es in der Wohnungsfrage zu einem offenen Krach kommen zu lassen. DaS könne jedoch eine verantwortungsbewußte Regierung niemals zugeben. Die Hausherreninteressen verteidigte in 8er Debatte lediglich der Agrarier Dr. Havelka, der a: a. ausrechnet, was die Selbstverwaltungskörper mehr an Zuschlägen einheben könnten, wenn die Zinse heraufgesetzt würden. WaS dabei die Hausherren einsacken würden, läßt er unerwähnt. Er hält di« Zeit nicht mehr für ferne, wo der Staat die übernommenen Garantien für Hypothekarkredite, dl« in die Milliarden gehen, werde einlösen müssen. Nach einem kurzen Schlußwort des Referenten wurde di« Vorlage in beiden Lesungen ohst« Aenderung angenommen. Auf deutscher Seit« hatten sich di« Christlichsozialen anscheinend absichtlich absentiert, während die Landbündler fast alle zu spät kamen. Von den beiden deutschen Nationalsozialisten stimmte Köhler dafür und Wenzel dagegen. Damit ist nach schweren Auseinandersetzungen innerhalb der Koalition dem Standpunkt- der sozialistischen Parteien- daß vor der definitiven Losung der Wohnungsprobleme überhaupt an dem bisherigen Mieterschutz nicht mehr gerüttelt werden darf, voll Rechnung getragen' worden. Vielleicht werden die Hausherrenparteien nackt dieser wohlverdienten Lektion ntln doch einmal auch über di« von ihnen bisher so bekämpften Abschnitte der definitiven Vorlage mit sich reden lasten. Daß provisorische Maßnahmen gerade in der Wohnungswirtschaft niemandem von Vorteil sind', wurde ja von allen Seite)' auch in der heutigen Debatte«inmüfig anerkannt' ♦ Die nächste Sitzung ist für Donnerstag, dc 3. November, um 4 Uhr nachmittags anberanm auf der Tagesordnung, steht lediglich sage un' schreibe eine Immunität. Seite 2. Freitag, 28. Oktober 1832. At. 255. trotz der Krise, troi Spiegelbild der Kraft. ch t über die umfangreiche Ar-1 stelle für das Bildungswesen. Hier en Zweigen unserer Bewegung wird zusammenfassend dargestellt, was an Bil- Karlkas- vier Jahre Zuchthaus Budapest, 26. Oktober.(MTJ.) Der Budapester Strafgerichtshof verkündete heute das Urteil in dem Prozeß gegen di« Mitangeklagten der vor einigen Wochen zum Tode verurteilten Kommunistenführer Fürst und Sallay. Der Gerichtshof hat wegen versuchten Umsturzes der staatlichen und gesellschaftlichen Ordnung die Führer der Bewegung K a r i k a s und Kilian zu vier Jahren, bzw. zu drei Jahren sechs Monaten Zuchthaus, zwei weiter« Angeklagte zu je acht Monaten Gefängnis und zwei Angeklagte zu sechs, bzw. drei Monaten Gefängnis verurteilt. Karikas wurde außerdem des Lande- verwiesen.| Die übrigen Angeklagten wurden freigesprochen. .sozialdemokratischen Bewegung dieses Landes kommt in den Schlußkapiteln des Berichtsbuchs zum Ausdruck: es berichten der Kommunal- Voli tische Ausschuß, die Rote Wehr, der Agrarausschuß, die Gewerkschaften, die Genossenschaften, der Reichserziehungsbeirat, der Soziali st ische Jugend verband, die Kinderfreunde, !der Arbeiter-Turn- und Sportverve r b a n d, der Deutsche Arbeitersängerbund, der Arbeiter-Rad- und Kraftfahrerbund, der Frei-Radio- bund, die Reichsvereinigung der sozialdemokratischen Lehrer, der Verein der deutschen sozialdemokratischen Aerzte, der Perband der Kleinbauern und Häusler, der A r- beiter-Abstinentenbund, der Verband„Arbeiterfürsorge". Diese Ströme der Kraft münden alle in die große Gemeinschaft, der die Partei Richtung und Ziel weist. Eine wohlgeordnete Armee des Klassenkampfes"ist die deutsche sozialdemokratische Bewegung dieses Landes. Das ist die Ueberzeugung, die der Betrachter des Berichtes gewinnt. dungs- und Schulungsarbeit geleistet wurde— trotz der Krise, trotz den großen anderen Aufgaben, die unsere Vertrauensmänner allüberall! zu erfüllen haben. Die Berichte der einzelnen Kreisorga- ntsationen schildern die besonderen Voraussetzungen, die in den verschiedenen sudetendeutschen Gebieten für die Arbeit per Sozialdemokratie bestehen: sie lesen sich wie ein A t l a s der Not. Ueberall hat die Wirtschaftskrise verheerend gewirkt, eS gibt fast keine Schattierung des Elends mehr. In guter Gliederung schließt sich an den Organisationsbericht der Tätigkeitsbericht des Klubs der Abgeordneten und Senatoren an; diesem Bericht folgt der der sozialdemokratischen Landcsver- t re t er. Die Buntheit und Vielfältigkeit der deutschen< Der Beri< beit, die in, allen Zweigen unserer Bewegung geleistet wurde, liegt dem Parteitag in einem stattlichen Band von 440 Seiten Umfang vor. Ausführlich ist die Tätigkeit des Parte»- vorstandes dargestellt; die Betrachtung geht aus von der Regierungsteilnahme, die in der Zeit der ärgsten Krise erfolgt. Die Schwierigkeiten und Erfolge unseres Kampfes werden in lebendiger Darstellung besprochen, bestimmte Teilgebiete unseres Kampfes besonders eindringlich dargestellt. Stolz darf die ganze Partei vor allem auf jenen Teil des Berichtes sein, der die O r g a- uisation behandelt. Hier wird Zeugnis abgelegt von der Unbesiegbarkeit unserer Bewegung, von dem herrlichen Opfermut und der Treue, unserer Parteigenossen. Trotz der beispiellosen Not, die im Gefolge der Krise in den sudetendeutschen Gebieten wütet, hat sich der Mitgliederstand und der. Markenumsatz glänzend behauptet. Erst in den letzten Monaten ist eine Senkung im Markenbezug eingetreten; trotzdem umß er als außerordentuch zufriedenstellend bezeichnet werden. Im Bericht ist davon die Rede, daß eS Lokalorganisationen gibt, in denen 60 Prozent der Mitglieder vollkommen arbeitslos oder auf Kurzarbeit angewiesen find. Daran kann man ermessen, was es bedeutet, wenn die Partei ihre» organisatorischen Stand behauptet hat. Der Bericht gibt jedoch auch Aufschluß über di« finanziellen Mittel der Partei und über chre Verwaltung. Der größte Teil der Einnahmen er- fließt aus dem Verkauf der Beitragsmarken; die zweite Einnahmsquelle der Partei sind die namhaften Unterstützungen, die chr die Parlamentarier regelmäßig zuwenden; die dritte Haupteinnahmsquelle ist die Maispende, eine Opfergabe jener Genossinnen und Genossen an die Partei, die am 1. Mai Gehalt oder Lohn beziehen und deshalb auf ihn verzichten, well tausende Genoffen den Weltfeiertag der Arbeit unter Verzicht auf jeglichen Lohn begehen. Die Einnahmen aus dem Titel der Maispende steigen von Jahr zu Jahr. In der letzten Zeit wurde ein Parteinotfonds geschaffen, der durch freiwillige MonatSabgaben jener Parteigenossen gebildet wird, die unter den Folge« der Krise noch nicht in dem Maße lewen wie die Mehrheit unserer Parteimitglieder. Der Ruf deS Parteivorstandes an di« Opferwilligkeit dieser Genoflen hat ein kaum erwartete- starkes Echo gefunden: fast überall wetteifern die Genossen miteinander in den Leistungen für den NotfondS der Partei. Aus ausgesprochenen Notstandsgebiete« laust« namhafte Spenden ein; selbst Kurzarbeiter gaben in erschütternden Zuschriften an den Parteivorstand chre Opstrwilliakeit kund. Schon jetzt werden monatliche Zuwendungen an di« Partei aus dem Titel des Notfonds in der Höhe von mehr als 50.000 Di ausgewiesen! Wo ist eine Partei, die so auf chre Anhänger zähle» kann? Der ganze finanzielle Teil des Berichte- beweist, daß die Partei keine anderen Mittel hat als die, die ihr von den Mitglieder« und Parlamentarier«-«gewendet werden; wir find die Partei der reinen Hand«! Dem Bericht des Parteivorstandes schließt sich der Bericht des Frauen-Reichskomi- t e e s an, der von schönen Fortschritten in der Organisationsarbeit unter den Frauen erzählt. Bon umfangreicher und fruchtbringender Tätigkeit erzählt der Bericht der Zentral- Roman, dessen Hintergrund die Affäre Redl bildet),»Die Schrift» die nicht log"(ein feinsinniger Graphologenroman, für den dem Dichter der Preis- verliehen wurde) und„Die Dame mit dem halben Mut." Möge der Staatspreis dem blinden Dichter nicht nur Freude und Anerkennung, sondern auch Aufmunterung und Bahnbrecher zu weiteren erfolgreichen Schaffen sein! » Den Staatspreis für Literatur erhielt Franz HalaS für den Gedichtband„Tvär", Marie Majerovä für den Roman„Pke- hrada" und Ivan Stodola für das Drama „fträl Svatopluk." Den Staatspreis für dramatische und Schauspielkunst erhielt R ü L c n a älemrovä für chre schauspielerischen Leistungen. Den Staatspreis für Musik erhielt Karl Hoffmann für sein Lebenswerk auf dem Gebiet deS Geigenspiels. Der Jury, die dem Minister den Vorschlag für den StaatSprei» zu erstatten hat, gehörten heuer an: Dr. Friedrich Adler, Dr. Max Brod, Dr. Karl Eßl, Dr. Emil Franzel, Dr. Ernst Rychnovsky und Dr. Erich Stein- Hardt. Die Verteilung der Staatspreise. Oskar Daum- deutscher Staatspreisträger Ittr 1932. Der Minister für Schulwesen und Volks bildung hat den heurigen deutschen Staatspreis (aus Ersparungsaründen wurde die Zahl der Preise, der tschechischen wie der deutschen, herab gesetzt) dem Prager Dichter OskarBaum ver liehen. Wer Oskar BaumS Persönlichkeit und sein Werk kennt, wird es nur begrüßen, daß die Wahl auf ihn gefallen ist. Der Dichter Baum arbeitet unter ungewöhnlichen und schweren Uin- ständen. Seit ferner frühen Jugend ist er er blindet. Wenn er durch den tragischen An fall, der ihn um sein Augenlicht brachte, in die Reihe der vielen Unglücklichen gerückt wurde, die um so schwerer an ihrem Leid tragen müssen, weil sie nicht von Geburt an in ewiger Nacht leben, sondern der Gab« beraubt wurden, um dünn erst die ganze Köstlichkeit des Verlorenen zu empfinden, so muß von Baum gesagt werden, daß er sich in heroischer Resignation in sein Schicksal gefunden hat. Ist er auch blind, so ist eS in ihm licht, er ist kein verbitterter Menschenhasser, seine Erzählungen und seine zarte Lyrik verraten Men schenliebe und kommen auS einer zutiefft fried lichen, in ihrem Verzicht glückserfüllten Seele. Wenn Baum in seinen Romanen die Welt der Blinden schildert, so ist es kein« finstere Welt des Unglücks, sondern immer ein« der vielen heim lichen, dem Sehenden verborgenen, Freuden, eine Welt wunschlosen Verzichts auf di« laute Sen sation. Um zu solcher Lebensphilosophie zu kommen, hat Baum freilich eine andere Gabe notig gehabt, die ihm das Schicksal auch in reichem Maß« ge schenkt hat: die Gab« der Musikalität. Baum ist nicht»mr Musikschriftsteller, er gehört auch zu den Menschen, die jedes Gefühl als eine Art Musik erleben. Es war ein glücklicher Gedanke, den Staatspreis in einem Jahre, da ein Musiker nicht bedacht werden konnte, einem Schriftsteller zu verleihen, der zum Reich der Töne e»n so herz liches Verhält«»- hat. Oskar Baum— der einmal in den letzten Jahren mit einer Erzählung auch in unserem Arbeiter-Jahrbuch vertreten war-— hat eine Reihe von Romanen, kleineren Erzählungen und auch lyrische und dramatische Werke veröffentlicht. Aus dem seinem Schaffen in jüngster Zeit wären hervorzuheben„Das Liebesurteil"(ein Parteitage in Prag. Der morgen zusammentretend« Parteitag in Prag rüst Erinnerungen an Parteitage wach, die»n früheren Zeiten in Prag stattgefunden haben. Sieht man von Kongressen der tschechischen Sozialdemokratie ab, deren eS in Prag, der größten tschechischen Stadt, schon viele gegeben hat, so hat es Parteitage in Prag, an denen deutsche Sozialdemokraten in größerer Zahl teilgenommen haben, in der Vorkriegszeit zwei und in der Nachkriegszeit einen gegeben. Im Jahre 1896 fand in Prag ein Parteitag der gesamten österreichischen Sozialdemokratie statt, im Jahre 1909 ein Landesparteitag der deutschen Sozialdemokratie Böhmens und im Jahre 1928 der gemeinsame Parteitag der sozialdemokratischen Parteien der Tschechoslowakei. Vom 5. bis 11. April 1896 tagte in Prag auf der Schützeninsel der fünft« österreichisch« sozialdemokratische Parteitag. Den Vorsitz führten die Genossen Steiner-Prag, Popp-Wien, Zeller-Teplitz, Reger-Mähr.-Ostrau, als Schriftführer fungierten die deutschen Genossen Eloersch und Skaret sowie di« tschechischen Genossen Nemec und Bansk. Von Teilnehmern «in diesem Parteitag, die noch heute in unserer Partei wirken, seren erwähnt: die Genossen Barth-Saaz, Frank-Falkenau, Schäfer-Reichen- berg, Schweichart-Bodenbach und Trübcnecker- Gablonz aus Böhmen, Morgenstern und Schloßnickel aus Mähren/ Als Vertreter der reichsdeutschen Sozialdemokratie nahm an dem Parteitag Genoss« Molkenbuhr teil. Die Verhandlungen des Parteitages begannen mit einem Bericht über die Tätigkeit der Partei, welcher in deutscher Sprache vom Genossen Ell«nbog«n-Wien. in richechischer Sprache vom Genossen Smetana-Prag erstattet wurde. Den wichtigsten Punkt der Tagesordnung jedoch bildeten die Verhandlungen über di« Wahl- re f o r m. Kurz vorher, am 15. Feber 1896, war das Abgeordnetenhaus zusammengetreten, dem der Ministerpräsident Gras Baden!«inen Wahlreformentwurf vorgeleegt hatte. Der Inhalt dieses Entwurfes war, daß neben den vier bereits bestandenen Kurien der privilegierten Wähler eine Wählerklosse geschaffen wurde, in der alle erwachsenen männlichen Staatsbürger das Wahlrecht haben sollten. Wie unbefriedigend diese Reform war, lehrt die eine Tatsache, daß nach dem Entwurf 72 Wähler des fideikommissarischen Großgrundbesitzes einen Abgeordneten wählten, während in der allgemeinen Wählerklaffe auf 5000 Wähler ein Abgeordneter entfiel. Der Referent zur Frage der Wahlreform aus dem Prager Parteitag, Viktor Adler, wandte sich daher i» scharfen Worten gegen das„elende Flickwerk" von Wahlr^htserweiterung.„Es wird neues Recht geschaffen," jo rief Viktor Adler aus, „dieses Recht aber sofort zum Unrecht gemacht, indem das alte Unrecht weiter bestehen bleibt." Nach Ansicht.Adlers konnte die Wahlreform nichtsanderes seinals der Ausgangspunkt einer neuen Wahlrechtsbeweguna, als ein Mittel, das allgemeine, gleiche und direkte Wahlrecht zuerkämpfen. Mit diesem Standpunkt Adlers waren aber manche Redner in der Debatte nicht einverstanden. Sie warfen der Parteiführung vor, daß sie die Wahlreform„annehme", was Adler zu der Feststellung veranlaßte, daß die Partei oaS neue Wahlrecht ebenso viel oder wenig annehme, wie das Vereins- und VersammlungS- recht oder das Preßgesetz. Sogar den Generalstreik forderte jemand, uin daS gleiche Wahlrecht zu erzwingen, wogegen sich Seliger wandte und daraus hinwies, daß ein solcher Generalstreik auf dem Papier bliebe. In seinem Schlußwort überzeugte Adler di« Masst der Parteidelegierten von der Richtigkeit seiner Taktck. Mit 101 zu 9 Stimmen wurde Adlers Antrag zugestimmt, i» welchem wohl dst Wahlreform als„Monstrum" bezeichnet, aber gar kein Zweifel darüber gelassen wurde, daß die Arbeiterklasse diesen neuen Boden ihres politischen Kampfes beziehen müsse. Es ist, so wird in der Resolution auSgefuhrt,„die Pflicht der Partei und ihrer Vertreter, das neue Wtchlrccht als Mittel der Agitation und Organisation, insbesondere als Waffe zur Erringung deS allgemeinen, gleichen und direkten Wahlrechte- gründlich auSzunützen". Tatsächlich zeigte sich, daß die Arbeiterklasse 1896. zu schwach gewesen war, das allgemeine Wahlrecht zu erringen. Am 14. Juni 1896 wurde die Badenische Wahlreform vom Abgeord- netcnhause beschlossen. Mit dem Referate Adlers und der Debatte darüber war der Höhepunkt der Verhandlungen deS Parteitages erklonimen, es folgt« dann noch ein Bericht Reumanns über Organisation und Taktik und Popps über die Parteipresse, der für uns insofern interessant ist, als Popp damals für die Bereinigung der in Nordböhmen erscheinenden Parteiblatter eintrat. Am 31. Jänner und 1. Feber 1909 fand in Prag im Hrinesaal der Landesparteitag der deutschen Sozialdemokratie Böhmens statt. Er wurde von Seliger eröffnet, der unter anderem darauf hinwieS, warum der Parteitag gerade in Prag stattfindet:„Wir haben diesen ersten Landesparteitag", so führte Seliger aus, „nach Prag einberufen, vor allem aus technischen Gründen, Prag ist der Mittelpunkt des Landes und allen Genossen am leichtesten erreichbar." Zu Vorsitzende»» deS Parteitages wurden Schäfer- Reichenberg, Dietl-Aussig und Konoid-Prag ge- »vählt, zu Schriftführern Bernstein-Gablonz und Rund um die Frsiner Talsperre. Im Mittelpunkte des Interesse- der mährisch-schlesischen Landesvertretung stand in der abgelaufenen Tagung der Bericht de- zuständigen Restrenten über die Boranschlagsüberschreitungen beim Bau der Frainer Talsperre und damit im Zusammenhang die Frage der Kostentragung auf Grund des Gesetzes über den wasserwirtschaftlichen Fonds. Bekanntlich stehen Vie Juristen des Landes auf dem Standpunkt, daß das Land nicht verpflichtet ist, über die vertraglich ausgemachte Summe von 25.6 Millionen Kronen hinaus, aus dem Titel des wasserwirtschaftlichen Fonds weitere 25 Pri^ent des Bauaufwandes, da- sind 17 Millionen Kronen, zu tragen, da der Vertrag durch daS spätere Gesetz nicht berührt wird. In diese Streitfrage hat»mn das Ministerium für öffentliche Arbeiten selbst eingeHiifstn und, gestutzt auf die Recht«, die ihm d»e Verwaltungsreform eingeräumt hat, kurzerhand die paritätische Kommission des Landes und des Staates, die zur Erforschung der Boranschlagsüberschreitungen beim Bau der Talsperre eingesetzt tvar, aufgelöst. Die neue Kommission, die nun mit diesen Aufgaben betraut wurde, setzt sich a»»S folgenden Mitgliedern znsamimn: JektionSchef des Arbeitenministeriums, Dr. Richard Müller als Vorsitzender, RegierungSral Jng. Josef öekovsky, RegierungSral bei der Landesbehörde in Preßburg, Jng. Mo rav ec, Ober- sektionSrat im Arbeitenministerium, Dr. Karl Bancl, technischer Oberrat bei der LandeS- behörde in Prag, Jng. I. Ctrbor und Mini- sterialoberkommlssär im Finanzministerium Dr. F. C y t r a. Wie aus dieser Liste ersichtlich ist, ist in dieser Kommission das Land Mähren- Schlesien überhaupt nicht vertreten. Der Landesausschuß hat»mn in seiner letzten Sitzung zu diesem Vorgehen des Arbeitenministeriums Stellung genommen urch gefordert, daß dem LandeS- auSschuß di« Ergebnisse der Untersuchung bekanntgegeben werden, wobei er sich daS Recht vorbehielt, für den Fall, daß dieser Bericht nicht zufriedenstellend wäre, eine eigene Untersuchungskommission einzusetzen. Es ist zu hoffen, daß auch di« breite Oeffentlichkeit ehebaldigst genau über alles, was um die Frainer Talsperre vorgeht, informiert wird, denn vor allem ist es die Oeffentlichkeit, die das Recht hat, Rechenschaft und genaue Rechnungslegung darüber zu fordern, was mit ihrem Gelbe geschieht. Viele Gemeinden zahlunosunfassig. In der eben erschienenen 30. Folge der „Zeitschrift für Kommunalverwaltung" hat der Verband der deutschen Selbstverwaltungskörp-r auf Grund der Berichts seiner Mitglirdsgemcin den di« Lage der sutetendeutschen Gemeinde!, über 3000 Einwohner tm Herbst 1932 dargestellt. AuS dem Berichte ist zu ersehen, daß ein großer. Teil der Gemeinden kaum mehr imstande ist, die Gehälter und Löhne für die Gemeindeangestell ten und Arbeiter aufzubringen, daß die Annuitä ten der Darlehen nicht mehr bezahlt werden können und daß die Rückstände der Genieinde» zu Millionenbeträgen anschwellen. Der Berich« wurde dem Finanz- und Innenministerium mit einer Eingabe vorgelegt, die mit der Auffordc rung schließt: „Wir erivarten, daß das Finanz- und In nenministerium mit Rücksicht auf die unabsch baren Erschütterungen, die bei einer weiteren Untätigkeit m der Frag« einer wenigstens vor läufigen Sanierung der Gemeinoefinanzen zu befürchten sind, nunmehr olle Vorkehrungen und Maßnahmen einleiten, die den sonst unvermeidlichen Zusammenbruch der Selbst- oerwaltung aufzuhalten geeignet sind." de Witte-Karlsbad. Die Parteivertretuna hatte Viktor Adler delegiert, der in seiner Eröffnungsrede insbesondere di« Nationalitätenfrage behandelte.„Die Hoffnung Oesterreichs," so sagt««r. „liegt im Proletariat Böhmen-, im deutschen, wie im tschechischen Proletariat. Trotz manchen MeinungÄrerschiedenheiten sind wir solidarisch, solidarisch im Gedanken des proletarisch«,» Kampfes, solidarisch in dem Bewußtsein, daß hier in Böhmen um die Zukunft deS Staates, um die Zukunft seiner Völker gekämpft wird." Im Na»»»en der tschechischen Sozialdemokratie begrüßte den Parteitag Genosse Römec.(Während der Anwesen- heit Adlers in Prag sand eine große Versammlung der tschechischen Sozialdemokratie statt, in der Adler sprach und von den tschechischen Arbeitern begeistert begrüßt wurde.) Nach Eingang in die Tagesordnung referierte zuerst Seliger über die politische Situation. Er erklärte eS als die historische Aufgabe deS ProletariatS,„ten nationalen Frieden im Staate zu begrünten und eine Form für das friedlich« Nebeneinanderleben der Nationen in diesem Staate zu schaffen". In ter Debatte zu diesem Restrat sprach auch der anwesende Genosse Dr. Karl Renner. Den Bericht der Landesvertretung erstattete Seliger, ten Kassenbericht Dietl-Aussig, ten Organisationsbericht gleichfalls Seliger, über di« Jugendorganisation sprach Wissiak, über die Frauenorganisation Fanni Neumann. Dagrößte Interesse des Parteitages nahm jedoch ei« Bericht HAebrandS über die Presse in Anspruch. DaS Problem, vor dem die Landespartei damals stand, war die Schaff»na einesozialdemokratischen Tagvlattcs für Deutschböhmen. I« mehr nach 1907 di« Partei in di« Landespolitik eingriff, desto mehr macht« sich da- Fehlen eine- Blatte- bemerkbar, Nr. 255. Frettag, 28. Oktober 1832. Leite 3. Der Kampf um die Jugend. Es ist nicht das erste Mal, daß ein Parteitag zum Jugendproblem Stellung nimmt. Schon die ersten Parteitage der österreichischen Sozial- dcanokratie mußten sich mit der Stellungnahme zu dem damals im Entstehen begriffenen„Verband der jugendlichen Arbeiter" beschäftigen. Und nach dem Umsturz hatten verschiedene Parteitage di« Aufgabe, das Verhältnis der Partei zur Ju- gendbÄvegung zu umschreiben: diese hatte, nach stürmischem Aufstieg, im Fahre 1920 di« Spaltung mitgemacht und der Tetschener Parteitag legte die Beziehungen der Partei zu dem nach der Spaltung neugeschaffenen„Sozialistischen Jugendverband" fest. Der Parteitag, der 1927 in Teplitz-Schönaü tagte, nahm in einem eigenen Tagesordnungspunkt zum Jugendproblem Stellung; die Lösungen, die er erarbeitete, waren vorwiegend orqanffatorifcher Natur..--'Diesmal muß sich der Parteitag auch gründlich mit der Geistesgestaltung der Arbeiterjugend von heute beschäftigen.' Die politischen und wirtschaftlichen Voraussetzungen für die Eingliederung der Jugend in die sozialfftffchen Kampfreihen haben sich in den letzten Jahren, im Gefolge der Krise und des in verschiedenen.-Ländern vordringenden Fascismus, entscheidend geändert. Frühere Parteitage konnten sich damit begnügen, die Arbeiter der sozialistischen Erzie- hungsorganffationen in die Gesamtbewegung einzugliedern und chre Tätigkeitsgebiete abzugrenzen, oder auch die Frage zu untersuchen, in welcher Weise die Arbeit der einzelnen Erziehungsorganisationen der Partei unmittelbar zugutekommt. Nun aber, da der Kampf um die Jugend in allen Parteilagern eingesetzt hat, nun, da sich der Fascismus auch großer Teile der Arbeiterjugend zu bemächtigen trachtet, nun muß di« Fugendfrage als eine Schicksalsfrage der Gesamt beweg u n g angesehen und behandelt werden. Das Jugendproblem hat fhr. die Sozialdemokratie vor allem dadurch neue Bedeutung gewonnen, daß die politischen Energien der Jugend auf-em Boden der Demokratie ganz anders wirksam zu werden vermögen als vordem im frisch-fröhlichen Kampf-einer Elite der Arbeiterschaft und ihres Nachwuchses gegen den Absolutismus/ Es geht nun um die unmittelbare Anteilnahme der Jugend an der politischen Gestaltung unserer Zeit. Es geht aber auch um das tragische Schicksal, das dies« Jugend im Kapitalismus erleidet, um ihr Irren und Suchen und die Zweifel, die sie dem Bestehenden und den in ihren Augen für das Bestehende Mitverantwortlichen entgegenbringt. Die arbeitende Jugend tritt aus einer ausgesprochenen Klafsenschule, in der sie, nicht Antwort bekommt auf die großen Fragen unserer Zeit, auf die Frage nach der Zweckmäßigkeit der bestehenden Gesellschaftsordnung, entweder in di« Lehre oder in die Fabrik ein, oder sie verstärkt unmittelbar die große Armee der Arbeitslosen. Der Junge und das Mädel, die das Glück haben, arbeiten zu können, haben es leichter, sich zum Klasienbewußtsein durchzuringen: sie stehen gemeinsam mit den erwachsenen Arbeitern dem Unternehmer unmittelbar gegenüber, erleben und erleiden das Klaflenschicksal des mehrwertschaffenden Proletariers, lernen so die Kämpfe um den Lohn, und di« Sozialpolitik verstehen und führen. .Der größte Teil der Jugend steht aber heute außerhalb der Betriebe. Diese arbeitslosen. Jugendlichen haben nicht nur den sittlichen WeH der Arbeit nie kennengelernt, sondern ebensowenig den Klassenkampsgrdanken durch die solidarische Aktion. Fast schutzlos sind sie der geistigen und seelischen Zermürbung durch die Arbeits- in welchem im Namen der gesamten deutschböhmischen Arbeiterschaft Tag für Tag auf das schwere Unrecht, das ihr angetan wurde, aufmerksam gemacht werden konnte.„Wir haben kein Organ, das sozusagen der sichtbare Ausdruck unseres Gesamtwillens ist," sagte Hillebrand. Heber die Notwendigkeit des Landesorgans herrschte unter den Delegierten Einigkeit, es handelte sich nur darum, wo das Blatt erscheinen sollte. Nach der Meinung des Referenten konnte ein Tagblatt in Deutschböhmen niemals über den Rang eines Provinzblattes hinauskommen. Es konnte nur Bedeutung erlangen, wenn es dort erschien, wo die Fäden der Politik zusammenliefen, in P r a g. Auch Adler und Austerlitz sprachen sich für dre Gründung eines Landesorganes aus, wobei insbesondere Adler für das Erscheinen des Blattes in Prag sich einsctzte. Gegen Prag als Erscheinungsort machte sich allerdings eine starke Opposition insbesondere der Delegierten aus dem Reich«nberger Gebiet geltend. In der Resolution erklärte der Parteitag die Schaffung eines gemeinsamen Tagblattes für Deutschbahmen für eine ztvingende Notwendigkeit, der Frage des Erscheinungsortes wich die Resolution aus. Wie bekannt, ist das geplante Landesorgan nie verwirklicht worden. Zum Schluß referierte noch Schäfer über den Kampf- um das gleiche Wahlrecht in den böhmischen Landtag, welches eine vom Parteitag einstimmig angenommene Resolution energisch verlangt«. An dem gemeinsam«« Parteitag der sozialdemo- Iratffchen Parteien der Tschechoslowakei, der am 28.«nd 29. Jänner 1928 im Smichower Rärodnj düm stattfand, Verden sich alle Genossinnen und Genossen noch erinnern können und es ist daher nicht notwendig, darüber viel zu sagen. Es ist auch bekannt, Stadcntcuunrnbcn überall In Wien: Lesen die Juden. Der Rektor entschuldigt fich. Wien, 27. Okwber. Der Rektor der Wiener Universität, Professor Dr. Abel, erschien heute beim amerikanischen Gesandten Stockton und sprach ihm sein tiefftes Bedauern über die gestrigen Ereignisse an der Wiener Universität aus. Der Rektor teilte ferner mit, daß eine ganze Reihe von Sondermaßnahmen getroffen wurde, um eine Wiederholung derartiger Vorfälle zu verhindern. Die Unterredung des Rektors mit dem amerikanischen Gesandten dauerte eine halbe Stunde und trug, wie die Blätter melden, einen herzlichen Charakter. Während an der Universität, di« geschloffen ist, sowie in ihrer Umgebung Ruhe herrscht, kam es heute in der Aula der Technik zu neuen Ausschreitungen, bei welchen nationalsozialistische Studenten mehrere Kollegen, die ein jüdisches Aussehen hatten, verprügelten. Der Rektor ordnete hierauf die Schließung der Technik an. Gleichzeitig war auch, wie bereits gemeldet, die Hochschule für Welthandel der Schauplatz neuer Ausschreitungen, bei welchen fünf Studen- denten verletzt wurden. Auch diese Hochschule wurde g e sperrt. Wie die Blätter melden, befinden sich unter den verletzten Studenten auch rumänische Staatsangehörige, die nachmittags bei dem rumänischen Gesandten Beschwerde führten. Stodentenkrach in Budapest. Budapest, 27. Oktober. Bor dem Anatomischen Jnstttut begann heute gegen Mittag eine Gruppe. von Studenten zu demonstrieren. Sie wollten die Demonstration auch im Gebäude fortsetzen, aber die im Jnstttut arbeitenden Studenten und Aerzte versperrten die Eingänge und verhinderten den Eintritt der Demonstranten. Nur einigen Ruhestörern gelang es, in das Institut einzudringen, sie wurden aber bald wieder aus dem Gebäude entfernt. in Warschau: Segen sie lleSierunS Warschau, 27. Okwber. Di« Hauptstadt war heute nachmittags Schauplatz stürmischer Stu- dentenexzeffe. In den Nachmittagsstunden veranstalteten die Universitätsfttidenten im Urttver- sitätsgebäude eine Protestversammlung gegen die hohen Schulgebühren. Obwohl das Rektorat das Universitätsgebäude ausschließlich zur Verfügung der Universitätsftudenten stellte, drangen in die Aula der Universität größere Gruppen von Hörern aller übrigen Warschauer Hochschulen ein. Nach Annahme von scharfen Resolutionen gegen di« Regierung, insbesondere gegen den Justiz- ministcr, veranstalteten die Studenten einen Straßenumzug und zogen vor das Gebäude des Justtzministeriums. Unterwegs wurden schwächere Polizeiabteilungen, welche den Studenten den'Weg at.versperren suchten, zersprengt. Erst vor dem Gebäude des Justtzministeriums gelang es einem starken Polizeiaufgebot, mit Hilfe von zwei Waffertanks die demonstrierenden Studenten zu zerstreuen. Während der mehrmaligen Zusammenstöße zwischen Student«» und der Polizei gab es auf beiden Seiten Leichtverletzte. Die Ex- zeffe dauerten bis in die späten Abendstunden. Di« Polizei verhaftete zirka fünfzig Hochschüler. losiAeit preisgegeben. Auch die Wademikerberuft sind überfüllt und die Eingliederung der fudeten- deutschen Jugend in den Staatsdienst stößt auf Schwierigkeiten, die die Agitation der Nationalsozialistischen nicht unerheblich erleichtern.' Was sich in Deutschland in der Form eines politischen Erdrutsches vollzog: das Anschwellen des Fascismus, die Aufsaugung der Bürgerpar- tei«n, das stürmische Anwachsen der antikapitalistischen Gesinnung in Formen, die dem Kapitalismus zugute kommen, das vollzieht sich bei uns in größeren Zeiträumen, vollzieht sich langsamer— vor allem infolge der Wahlpflicht, die solche Ueberrafchungssiege wie den Hitlers im Septencher 1930 nicht gestattet—, dafür aber nicht weniger gründlich. Die Jugend ist in Gärung; mit dem Bestehenden ist ihr eigenes Unglück verbunden. Das Bestehende ist der Kapitalismus, ist die Demokratie— die politisch«, die formal« Demokratie, die die Sozialdemokratie verteidigt, weil sie die Plattform fft, auf der der Kampf um die soziale Demokratie mit der größten Aussicht auf Erfolg geführt werden kapn. Hier ist der Psychologische Angelpunkt für die Werbung der radikalen Parteien unter der Jugend; weil die Sozialdemokratie di« Demokratie verteidigt, wird sie als in Uebereinstim- mung mit dem Bestehenden, mit dem Kapitalismus erklärt. Die Demokratie sei das Unglück, sie habe die Arbeitslosigkeit verschuldet, sie sei unfähig, den Menschen Brot und Arbeit zu vermitteln. Ein falscher Messiasglaube wird der Jugend gepredigt, der die Sozialdemokratie trotzdem, ja gerade darum mit der Mahnung gegenübertreten muß, daß sie kein Meffias, daß sie kein„großer Führer" durch eine Diktatur der eigenen Verantwortung für das Gestalten ihres. Schicksals und das der menschlichen Gesellschaft«ntheben kann.„Die Befreiung der welche große historische Bedeutung dieser Parteitag hat. Er hat die Kampfgemeinschaft der deutschen und tschechischen Sozialdemokratie dieses Landes begründet. Während di« beiden Parteien seit dem Umsturz verschiedene Wege gegangen sind, war der Smichower Kongreß der Auftakt zu gemeinsamer politischer Arbeit des deutschen untschechischen sozialdemokratischen Proletariates dieses Landes, von der seither nicht abgewichen wurde.„Genoffen und Genossinnen!" so rief das Manifest des Parteitages den Arbeitern zu,„Ihr seid längst schon eine Internationale des Leides, ein« Internationale des Schicksals! Ihr seid eine Internationale der Hoffnung und der Sehnsucht, denn Euch allen gemeinsam ist die Sehnsucht nach Ueberwindung der Produktionsordnung des Kapitalismus, Euch allen ist gemeinsam die Hoffnung, daß proletarffche Kraft Euer Schicksal wanidle! So macht Eure Hoffnung zur Wirklichkeit, rückt Eure Sehnsucht der Erfüllung näher, indem Ihr die sozialdemokratische Internationale zur Tat macht, indem Ihr, Proletarier aller Nationen, in unverbrüchlicher Treue gemeinsam kämpft um die Umwandlung dieses Staates, aus dessen Kampfboden Ihr auf Gedeihen und Verderben verbunden seid, in eine sozialistische Republik, in ein Instrument zur Verwirklichung der sozialistischen Gesellschaftsordnung." Heut« willen wir, daß dieser Smichover Parteitag eine historische Bedeutung gehabt hat, daß er einen Mark st ein in der Geschichte der sozialdemokratischen Internationale dieses Landes bildet. Auch der heurige Parteitag der deutschen Sozialdemokratie in der Tschechoslowakischen Republik tritt in ernst«r Zeit und in entscheidender Stunde zusammen. Möge er in seiner historischen Bedeutung dereinst ebenso günstig gewertet werden wie der Smichower Einigungskongreß von 1928! E. St Arbeiterklasse muß das Werk der Arbeiterklasse selbst sein!" Um Verstehen für dieses Währwort unter der erbitterten, verzweifelten, hungernden Jugend zu werben, das mag heute schwerer sein denn je. Denn die Jugend hat den Wert der. Demokratie nicht schätzen gelernt in den schweren Kämpfen, die um die politische Freiheit geführt wurden, diese Jugend hat keine Achtung vor einer Sozialpolitik, di« ihr doch nicht zugute kommt, weil sie arbeitslos ist. Weite Kreise der bürgerlichen Jugend sind antikapitalistisch, befinden sich im Gegensatz zur Weltanschauung ihrer Väter; gefühlsmäßig anti- kapitalistisch ist auch die Jugend der Arbeiter- klaffe. Aber auch di« Mittel zur Ueberwindung des Kapitalismus mißt die Jugend an den Maßstäben ihrer Gefühlswelt: Jugend ist kompromißlos, fft sirr das Unbedingte und also auch für den 2öeg, der dieser Gesinnung, wenn auch nur schein- bar, Rechnung trägt, nchnlich, für den. Radikalismus.' Das ist, weitaus nicht erschöpfend dargestellr, die gefftige und seelische Situation der Jugend von heute. Und der Parteitag wird zu prüfen haben, mit welchen Methoden diese Jugend für den demokratischen Sozialismus zu gewinnen ist und die Frage beantworten müssen, ob der jetzige Aufbau der Partei und ihr inneres Leben so gestaltet sind, daß sie die erfolgreiche Führung des Kampfes um die Jugend von heute gewähr- leisten. Unsere Partei ist nicht eine„alte" Partei. Sie bejaht das Neue, verneint den Kapitalismus, ist revolutionär. Der klassenbewußte Teil der Jugend steht darum m Treue zu ihr; auch die Gegensätze, die 1921 zur Spaltung führten, waren nicht generationsmäßig bedingt. Aber Junge und Alte in der Partei haben sich zu fragen, ob die jetzigen Arbeitsmethoden dem Tempo der Zeit entsprechen und ob die überkommenen Formen der Parteiarbeit, die in den Borkriegsverhältnissen wurzeln und sich durch die Uebcrlastmvg unserer Funktionäre durch öffentlich« Aemtcr und das Wachsen der Bewegung nicht befferten, noch zeitgemäß sind und eine Jugend gewinnen können, die unter ganz anderen Bedingungen heranwächst als die Jugend der Borkriegs- und der unmittelbaren Nachkriegszeit. Unsere Arbeit war und ist groß und umfangreich; das tägliche Schaffen nimmt gewaltige Energien in Anspruch; aber bei den Teilhand- lungen geht oft der Blick auf das Ganz« und auf das Ziel verloren. Das Ziel ist d«r Sozialismus. Es hat fein« Anziehungskraft bewahrt. Wir müssen cs wieder so Herausstellen wie früher, jeder einzelne Genosse muß sein Künder sein. Neue Formen dcs Vcrsammlungslebens, der Bildungsarbeit, das Betonen der Symbolik, die entsprechende Verjüngung unseres Funktionärapparates, die Heranziehung der Jugend zur Mitarbeit in allen Gliederungen der Partei, auch in der Führung und den öffentlichen Vertretungskörperschaften, die Schaffung eines Parteiprogramms, das die Propaganda erleichtert, die bessere Regelung des Zusamenwirkens unserer Erziehungsorgam- sationen, die Belebung unserer Bildungsarbeit und ihr Hinwenden auf die unmittelbaren Aufgaben der Partei und die marxistische Schulung der Bertrauensmäner und Mitglieder— das sin- einige der Mittel, die nicht nur die Erfassung der Jugend und damit die Auswertung ihrer antikapitalistischen Gefühle für den Kampf um den Sozialismus erleichtern, sondern auch ihre Durchdringung mit marxistffchen Ideen gewährleisten sollen. Der Kampf gegen den Fascismus ist vor' allem ein Kanipf um die Jugend. Unsere Er- zichungsorganisationen, der Sozialistische Jugendverband, die Arbeiterturner und die Kinderfreunde, haben schon bisher prächtige Arbeit geleistet. Die Beschlüfle des Parteitages sollen die Jugendarbeit auf noch breitete Grundlagen stellen und bei jedem einz«lnen Genossen das Bewußtsein wachrufen, daß die Gewinnung der Jugend nicht nur eine Angelegenheit der proletarischen Erziehungsorganisationen, sondern eine Schicksalsfrage der Gesamtbewegung ist. Nicht im Gegensatz zu den„Alten" in. der Partei will die junge Generation des Sozialismus eine Reform unserer Arbeit, ihrer Anpassung an die Aufgaben und den Rhythmus unserer Zeit herbeiführen, sondern in treuer Gemeinschaft mit ihnen. Jnoem sie die.Jugendfrage in Selbstkritik und offener Aussprache auf dem Parteitag zu lösen versucht, beweist unsere Partei ihre Lebenskraft, ihre Jugendfrische und innere Stärke. Solange fft unsere Bewegung nicht„veraltet", solange sie nicht ihre geschichtliche Aufgabe, die Ueberwindung des Kapitalismus erfüllt hat. Die antikapitalistischen Stimmungen, di« der Kapitalismus selbst weckt, in den organisierten Kampf gegen ihn einzugliedcrn, das fft die große Gegenwartsaufgabe der Sozialdemokratie. Karl K e r n. »er Gegenstand von Angriffen gegen San Mn oder: Das Lied vom braven Mann. Der akademische Senat der deutschen Universität hat in seiner am 21. Oktober abgeh'alten en Sitzung einstimmig folgende Kundgebung beschlossen: Der akademische Senat der deutschen Universität in Prag, die gewählte Vertretung sämtlicher fünf Fakultäten der Hochschule, ! hat mit Bedauern die Beobachtung macheit müssen, daß in den letzten Monaten, besonders in den letzten Wochen, unsere Universität Gegenstand von Angriffen war, für die meist Anlässe gesucht wurden, die jeder Grundlage entbehren. Insbesondere bedauert es der Akademische Senat, daß der durch das Vertrauen sämtlicher Fakultäten einstimmig zum Rektor gewählte Vertreter der Universität, Professor'.- Dr. Marian San Nicolo, im Zusammenhang mit den eben .genannten Erscheinungen zum Gegenstand würdeloser Angriffe gemacht wurde. Der Akademische Senat nimmt diese Vorkommnisse zum Anlaß, um, in seiner efften Sitzung Sr. Magnifizenz, des Herrn Rektor, nicht nur das uneingeschränkte Vertrauert einstimmig zum Ausdruck zu bringen, sondern ihm auch den Dank des Senates und damit den Dank der gesamten Universität dafür aussprechen, daß er in höchster Erfassung seines Aufgaben- und Pflichtenkreises, unbekümmert um parteiliche Sondcr- wüniche, sein hohes Amt ausübt. Aus d e m„Prager Hochschulführer" 193H8S, hrrausgegeben von der(nationalistisch, fäscistischen Deutschen Studentenschaft der Prager deutschen Hochschulen: S.'5: ,Das Neuerscheinen des „Prager Hochschulführer" ist ein Unternehmen; dessen Zweckmäßigkeit uird Ersprießlichkeit keiner Bekräftigung durch weitere Worte bedarf. Gleichwohl macht er sie und schließt dann: Dadurch erhält das Büchlein neben seinem informativen Charakter auch eine erziehe- rische Bedeutung^ In diesem Sinne begleiten unsere herzlichen Wunsche den wiedcrge- borenen„Führer" auf seinem werteren Lebensweg... Prof. Df. San Nivofo, dzt. Rektor der Deutschen Universität. Auch in diesem: 5 S. 10: Ei n Vermächtnis' Wie war es doch? Ass der Deutsche. von allen Seiden gepreßt und uin- schnürt, endlich ausstand und, festen Fußes auf dem Gebirge stehend, mit ge- walttgem Arme nach Westen griff, sich freien Odem zu schaffen, als seine H a n d d i e Völker v.or sich herfegte und endlich, endlich das fteihin atmend« Meer den Sturmheeren sich öffnet«.. Und weil, was den Sturmheeren mißlang, für die Sturmabteilungen noch eine Chance ist, geht es dann in die- sem Sinne weiter: 2. 19:’ ... Solang« aber Deutsche leben, werden sie bedenken, daß' dies «inst Söhne ihres Volkes waren. A. Hitler. Eure Magnifizenz, ...„dadurch erhält das Büchlein neben seinem infornrativen Charakter auch eine erzieherische Bedeutung.?" ,„Jn diesem Sinne begleiten unsere herzlichen Wünsche den wiedergeborenen„Führer"?" „Der Akademische Senat nimmt diese Vorkommnisse zum Anlaß, um in seiner ersten Sitzung Sr. Magnifizenz, des Herrn Rektor, nicht nur das uneingeschränkt« Vertrauen einstimmig zum Ausdruck zu bringen, sondern auch den Dank des Senates und damit den„Dank der gesamten Universität dafür auszusprechen, daß er in höchster Erfassung feines Aufgab en-und Pflichtenkreises, unbekümmert um parteiliche S<' n d« r w ü n s ch e, sein hohes Amt ausübt." Die Angestellten beim Prllstdenten. Prag, 27. Oktober. Der Präsident der Republik empfing heute die Vertreter der Exekutive der öffentlichen Angestellten und deren Vorsitzenden, Kanzleidirektor Jaroslav M l a d e t den Geschäftsführer, Obersekretär Antonin Hla- vac, Pros. I. Bradav und Lehrer I. Pesek. Seite 4 Freitag, 28. Oktober 1932. Xt. 288. Eine SdiveM bei der MUNMMW. StHbritf-Prozeß. Jglau, 27. Oktober. Der heutig« Verhandlungstag bracht« anfangs nur wenig interessante Zeugenaussagen. Der letzte Zer^e der vormittägigen Verhandlung, der Direktor der Kunstagentur in Prag, Alois Votluöka—Rel- l o s, wurde das erstemal, und zwar unter E i d, vernommen. Seine Aussage ist in vieler Hinsicht sensationell. Sichrovsky habe er einmal im Leben gefehen. Er ging einmal, etwa End« 1920, mit. seinem Bekannten L e v i» t u s, der Ches der Prager Filiale der Berliner Firma Hugo L u st i g& Co. ist, am Uhrengeschäft Sichrovsky vorbei, wo L e v i t u s ihn S i ch- rovsky vorstellte. Von der Waggonangelegen- heit habe Zeuge gewußt. Er kannte auch den verstorbenen Inspektor der.Staatsbahnen i. P., Zamazal, welchen er Levi tu s als Vertreter der Fa. Lustig empfahl. Zamazal habe ihm dann erzählt, er hätte von L«Vitus ein Waggonoffert erhalten, das er ins Eisenbahnministerium tragen solle und„daß sich das dort vielleicht machen lassie", da et mit Krejsa bekannt sei. Später sagt« er, Krejsa sei»u ihm sehr freundlich gewesen und er sei dort mit Levitus gewesen. Zeuge erzählt weiter: In den Herbstmonaten sagte mir Zamazal, ob ich wisse, daß dieser Offert angenommen worden sei. Als ich antwortete, daß ich er nicht wisse, sagte Zamazal:„Das ist interessant, heut« teilt« mir. Krejsa mit, daß er fertig sei. Was wird sich dieser Mensch denken, ich habe ihm doch eine Million versprochen." Der Vorsitzende unterbricht den Zeugen mit der Frage:„Erinnern Sie sich daran bestimmt?" Zeuge:„Ja", worauf er fortfährt: ,Lamazal sagte weiter, er habe keine Belohnung erhalten und was er machen solle. Ich habe darauf geantwortet:„Tas ist einfach, klagen Sie ihn". Vorsitzender: Er hat sich also bestimmt so aus- gedrückt, daß Levitus etwas geliefert hat? Zeuge: Er sagte nur das, was ihm Krejsa mitteilte. Vorsitzender: Er hat vielleicht von dieser Lieferung Arons& Walter gesprochen. Zeuge: Das weiß ich nicht. Der Vorsitzende fragt weiter, ob der tot« Zamazal nicht ein Schwätzer gewesen sei. Zeuge sagt nein. Er fährt hierauf fort, wie«r gemeinsam mit Zamazal Levitus besucht und der Zeug« ihm den Borwurf machte, daß dar Waggonoffrrt angenommen worden sei und daß daher Zamazal Anspruch auf Belohnung hab«. Levitus offerierte ihm Zigarren und legte dar, daß ihr Offert nicht angenommen wurde, und damals fiel der Name Sichrovsky, der dieser Geschäft gemacht habe. Auf dir Anfrage des StaatSanwalterS Dr. M a r i n n k o, ob Zeug« den Eindruck hatte, daß Zllma.zal' mit Levitus tatsächlich bei Krejsa war, erklärt Zeuge: SS war für mich natürlich, daß sie dort gemeinsam waren. Auf«ine weitere Anfrage des Staatsanwaltes, ob sie sich ein« Belohnung vereinbarten, erklärte Zeug«, er wisse nur daS, waS ihm Zamazal von der einen Million 'sagte. LevituS habe diese Million nicht erwähnt. Zeuge bemerkt noch am Schluß, er habe sich zur Zeugenschaft bei Dr. S t r a n s k y für den parlamentarischen Untersuchungsausschuß gemeldet. Bei dem Prager Prozeß habe er stets auf die Vorladung gewartet, eine solch« kam aber nicht. Hierauf wurde die Vormittag-Verhandlung geschlossen. Nach Aufnahme der Nachmittagsverhandlung wird neuerlich Botluöka.Rellos darüber verhört, wie«r seine Informationen in di« Prager Redaktion der„Lidov» Novinh' bracht« und wi« er sich durch Brief Dr. Stransky zur Zeugonschaft anbot. Sr sagt weiter aus, daß er im Jahre 1926 das Hotel de Saxe besucht«, wo er den Minister Stkibrny sich, wie er mit dem Besitzer des Schneidergeschästes Hybl sprach. Sr glaubt«, daß«S Sichrovsky sei, was ihm aber einer seiner Bekannten widerlegt«. In» weiteren Verlauf wird der Redakteur der „Lidovö Noviny", Feigl, einvernonrmen, welchem Botluöka-RelloS di« Informationen für Dr. Ttransky übergeben hatte. Er erklärte, daß er den Zeugen Botludka-Rellos früher nicht gekannt habe. Die Information sowie auch der weitere Brie deS Zeugen wurden wahrscheinlich dem Abg. Dr. Stransky zu seiner Korrespondenz beigelegt. Ob er sie tatsächlich in die Hand bekam, wisse Zeuge nicht. Abg. Dr. Stransky, welcher telephonisch informiert wurde, kam mit dem Automobil zum Gericht nach Jglau und wurde sofort verhört. Er legt dem Gerichte einen anonymen Brief vor den er heute früh erhielt. Er erklärt«, die Informationen Botluöka-RelloS hätten nichts Konkrete- und nicht- über di« Gelder für Kreysa, noch bekannt« Namen, di« in diesem Prozeß Bedeutung haben, enthalten können, da«r«s ansonsten dem Referenten doS Untersuchungsausschusses mitgeteilt hätte. Der Borsitzende Verla- hierauf den vorgelegten anonymen Brief, der die Glaubwürdigkeit d«S Zeugen Botluöka-RrlloS betrifft. Staatsanwalt Marianko beantragt sodann die Konfrontation Dr. Stransky- mit Botluöka-Rello-, bei welcher Letzterer bestätigt, daß in dem für Dr. Stransky bestimmten Brief nichts Meritortsches enthalten wo» „FrecmbsGaft" 8er Kalender 8er Slrbettertinfter gehört in jede proletarische Familie! Die deutschen Hunger gebiete vernachlässigt. Wie die Einfuhr vieler anderer Waren ist auch die Einfuhr Von Schweinen kontingentiert, die Verteilung wird von einer. Sektion der Devisenkommission vorgenommen, in der die Vertreter der Ministerien(Finanz-, Ernährungs-, Handels-, Landwirtschafts- und. Außenministerium) das Wort führen. Es wurde nun für November ein Konting^ßt von 12.000 Schweinen freigegeben. Hievon wurden an Salamifabriken 4000 Schtveine zugewiesen(es beginnt jetzt die Salamierzeugung), so daß für den Konsum 8000 Schweine blieben. Von diesen 8000 Schweinen haben nun dje deutschen konsumgenoffenschaft- lichen Schlächtereien nicht mehr als 117 zugewiesen erhalten, so daß , auf einen Konsumverein mit einer großen Schlächterei nicht ganze 12 Schweine im Monat entfallen! DaS ist ein Verteilungsschlüssel, der vollkommen ungerecht ist und den sich unsere Konsumgenossenschaften nicht gefallen lassen können. Da nun aber die konsumgenossenschaftlichen Schlächtereien natürlich mehr als 117 Schweine im Monat brauchen, müssen sie sich diese Schweine von Händlern besorgen. Sie müssen von den Händlern dieselben Schweine, die zur Einfuhr gelangen, kaufen, nur daß die Genossenschaften dabei einen Mehrpreis von Awei bis drei Kronen per Kilogramm zahlen müssen. Auf dies« Tatsache haben nun di« Genossenschaften die Aemter aufmerksam gemacht und die Folge davon war, daß diese Woche am Prager Schlachtmarkt ZwangS- sreise für eingeführte Schweine festgesetzt wurden, die dem wirklichen Einkaufspreis angepasst waren. Damit wurde Wohl der Wucher mit den eingeführten Schweinen in Prag unmöglich gemacht, nicht aber anderswo, wo noch immer diese eingeführten Schweine zu einem Wucher- rreis verkauft werden. Dabei machen es aber Eine ungeheuerliche Skandalaffäre, in welch« di« tschechisch« Gewerbepartei verwickelt ist, in der aber- auch die Agrarier eine höchst anfechtbare Rolle spielen, ist gestern aufgeslogen. Sen einigen Tagen sickerten in di« OefserNnchkeit Nachrichten, daß von d«r Staatsanwaltschaft die Auslieferung des Führers der tschechischen Gewerbepartei im Senat, Tröka, verlangt wird, weil er sich Betrügereien zuschulden kommen ließ, durch welche«in« slowakische Bank um drei Millionen geschädigt wurde. Was «doch jetzt an» Tageslicht kommt, ist geeignet, nicht nur den einzelnen Menschen, sondern die Methoden der bürgerlichen Parteien überhaupt aus di« Anklagebank zu versetzen. Der Angelegenheit liegt folgender Tatbestand zugrunde: Tröka, der Mitglied de» verwaltungsrates der Bank war, hat dies« Stellung dazu aus- genützt,«in« Schwindelfrrma zu grün, den, welch« nicht di« geringste materiell« Grund, lag« halt«, sondern nur dem Zweck diente, Gelder der betreffenden Bank in die Taschen Tröka» zu leiten. Tröka« Position macht« «S ihm ja leicht, seinem„Unternehmen" von der Bank Kredit« zu verschaffen. Als Mitglied de» BerwaltungSratrS wie» er aber auch sich selbst Peträge, di« in die Hunderttausend« gehen sollen, an. Sine Deckung für dies« Gelder ist natürlich weder bei ihm, noch bei seiner„Firma" vorhanden. Schließlich kam man auf dieses Treiben und die Staatsanwaltschaft erhob gegen ihn die An- klage wegen Betrugs und verlangte vom Senat seine Auslieferung. D«r Akt wurde damals, e» war vor mehreren Jahren, dem tschechischen agrarischen Senator 5 e l m e c übergeben, welcher dem Jmmunitätsausschuß einen Bericht zu erstatten hatte. Dieser Bericht wurde jedoch nicht n»rgelegt und der Senat erfuhr nicht» von de» Affäre, da werden von amtswegen die Händler so, daß sie die Schweine einfach anderswo als in Prag verkaufe», es wird also direkt «in Kettenhandel mit de««ingeführten Schweinen getrieben. Das empörende an der geringen Zuweisung von Schweinen an die kon,umgenossen- schaftlichen Schlächtereien ist nuu, daß die Gebiete, welche die deutschen Konsumvereine zu versorgen haben, gerade die ärgsten Krisengebiete sind. Dort also, wo der Hunger am ärgsten wütet, werden am wenigsten billige Schwein« geliefert. Die Arbeitslosen Nordböhmens und Nordmährens müssen also den Händlern Wucherpreis« bezahlen— wenn sie sich einmal in der Zeit ein Stückchen Schweinefleisch gönnen wollen. Dabei sei noch auf eine zweite Sache hingewiesen. Den Genossenschaften hat man, als sie sich darüber beschwerten, außertourliche Kontingente versprochen, aber cs ist beim Versprechen geblieben. Die Zlgrarier verhindern die Vergrößerung des Kontingents für eingeführte Schweine. Sie nehmen zwar in der Oeffentlich- keit Stellung gegen die Einfuhr von Fettstoffen, ihre eigenen Selchereien aber raufen sich darum, möglichst große Zuweisungen an ausländischem Fett zu erhalten. So treiben sie eine unerhörte Demagogie. Sowohl unsere Genossenschaften al» auch di« gesamte proletarische Oeffentlichkeit müsse« gegen di« Benachteiligung des deutschen Gebietes i« der Fleisch- und Fettversorgung aus das energischeste protestieren und wir machen da» Ernährungsministerium auf diesen unhaltbar«« Zustand aufmerksam. Selm« de« Akt einfach jahrelang in feine« Schreibtisch liegen ließ und aus dies« Weis« der- hindert«, daß Tröka dem Gericht ausgeliefert werde. Der tschechische Agrarier gab sich dazu her,«inen wegen Betrug verfolgten Menschen zu schützen und mißbrauchte so da» Amt, welche» ihm ü«r- tragen worden war. Di« BundeSgenosfenschaft der Agrarier und Gewerbeparteiler scheint also auch jenseits der Grenzen der Strafgesetz« nicht aufzuhören, denn all«» deutet darauf hm, daß da» Treiben T r ö k a s bei den beiden Parteien seit Jahren bekannt war. AlS di« Erledigung des AuslieferungS- begehren» urgiert wurde, flogen diese Machinationen auf. Der Vorsitzende des Senats Genoss« Dr. Soukup, griff sofort mit aller Energie«in und veranlaßte, daß dem Jmmuni- tät-auSschuß binnen fünf Tagen ein Bericht vorgelegt werde. Gestern trat der Ausschuß zusammen und bestimmt« einen Referenten, welcher in der nächsten Sitzung zu Beginn der kommenden Woche Bericht zu erstatten hat. Erst gestern entschlossen sich bi« tsch«. chischcn Gewerbeparteiler, von ihrem Tröka abzurücken. Sie erllärten, jede Gemeinschaft mit ihm„abzulehnen".Tröka selbst legte sein« Funktion al» Vizepräsident desSenatesnieder. Daß di« tschechischen Agrarier den Senator Lelm«« zur Berant. Wortung gezogen hätte«, hat man bisher aller, ding» nicht gehört. Die genauen Einzelheiten dieser Schmutz, geschichte wird man erst aus dem Bericht des Immnnitätsausschusses an den Senat ersehen. Aber auch das, was man heute erfahren hat, gibt wieder einmal eine Vorstellung von dem Sumpf, in dem gewisse bürgerliche Kreise und ihrer Exponenten stecken. MMVWWWWWWVWMMWWMM „Tribüne“ Nummer 5/6 der„Tribüne" ist als Sondernummer zum Parteitag soeben erschienen und enthält folgende Beiträge: Emil Franzel: Eine Aufgabe des Parteitages. Robert Wiener: Die Sozialdemokratie m der Koalition. Josef Hofbauer: Zum Jugendprobsem Jaroslav fuchärek: Die nationale Frage und di« Zusammenarbeit der tschechischen und deutschen Sozialdemokratie Emil Strauß: Krisenweude? Albert Lauterbach(Wien): KoalitinnSproblem und FasciSums. Defider Hort(München): Hitler-Thälmann. Heinrich Hoffman«: Wege zur sozialistischen Planwirtschaft. Alfred Kleinberg: Marxistische Literaturforschung. Bemerkungen.— BScherschau. Bestellungen sind zu richten an die Vertrauensleute, Parteisekretäre, Schriftenabteilungen und Volksbuchhandlungen oder direkt an die Berwaltnng der Tribüne". Prag IT., Nekazanka 18. MMWMWMMWHMIIMMMIIMi Die ärztliche Fürsorge für die Arbeitslosen. Eine Enquete im Fürsorgeministerrum. Am 4. Noveucher findet im Fürsorgemini- sterium ein« Enquete statt, die sich mit der Frage befassen soll, wl« die ärztliche und Heilfürsorge für di« Arbeitslosen und deren Familien organisiert weÄen könnte. Im Frühjahr hatte der Verein der deutschen soziawemorratifchen Aerzte dem Fürsorgemini, sterium ein« von Genossen Dr. H o l i t s ch e r ausgearbeitet« Denkschrift überreicht, in der auf die großen Gefahren aufmerksam gemacht wurde, di« der BolkSgeiundheit au» dem Mangel jeder Heilpflege für die Hunderttausende von Arbeitslosen und ihre Familien, namentlich aber für die Kinder, erwachsen. Da» Ministerium hat dieser Anregung entsprochen und di« envähnte Enquete einberufen, zu der die Vertreter aller interessierten Behörden und Korporationen eingeladen sind. Sie wolle» l« Nordwettböhmen gegen de» Lohnabbau i» Nladno kreise»! Schach den kommunistischen Demagogen! Im Kladnoer Revier wurde, so lesen wir in» „Glückanf", vor kurzem vom Revierrat und den- vertragschließenden Verbänden«in Lohnabbau von dreieinhalb Prozent zugestanden. Di« kommunistischen Sekretäre haben zwar diesem Lohnabbau nicht zuaestimmt, aber- ihn doch als eine unabänderliche Tatsache hingenommen und haben im Kladnoer Revier selbst nicht» dagegen unter nommen. In Nordwestböhmen aber, wo kein Lohnabbau voraenommen worden ist und augenbuck- lich auch keine Gefahr eine» Lohnabbaues oder einer Kündigung des Lohnvertraae» besteht, machen die kommunistischen Herrschaften ein großes Geschrei, da wollen sie„streiken". Auf der Tagesordnung der kommunistischen„Revieretn- heit-konferenz", die am Sonntag, dem 28. Oktober, in Brüx stattgesunden hat, stand al- erster Punkt: Der Lohnabbau in Kladno und Rossitz. Dabei ist von einem Lohnabbau in Rossitz bi» zum heutigen Tage noch kein« Rede. Bon Nordwestböhmen aus wollen also die Herren Kommunisten gegen den Lohnabbau in Kladno„kämpfen" und dazu die Bergarbeiter in einen Streik führen. In Kladno selbst aber rühren sie sich nicht. Dort fällt e» ihnen gar nicht ein, „Kampfmobilisierungen" zu treffen oder die Bergarbeiter zum Streiken aufzufordern. Dort haben sie den Lohnabbau einfach geschluckt und sich damit abgefunoen. In Nordwestbohmen aber sollen die Bergarbeiter gegen den Lohnabbau in Kladno streiken? Mehr al» alles andere beweist diese Tatsache, daß die Kommunisten mit den Interessen der Bergarbeiter nur Schindluder treiben. RlcscndeUzU der französischen Eisenbahnen Paris, 27. Oktober. Di« französischen Eisen- bahnen weifen in den letzten Jahren einen ständig zunehmeirden Abgang auf, der Heuler auf 4600 Millionen Franken geschätzt wird, im Vorjahre 3100 Millionen, im Jahr« 1930 1800 Millionen, und während der letzten zehn Jahre zusamm«ngenommen 15 Milliarden Franken betrug. Der Minister für öffentliche Arbeiten Dala- dder erklärte in Bezug auf die Ursachen dieser Krise der Eisenbahnen, er bereite einer» Plan für die technische Vereinigung aller staatlichen und privat»« Eisenbahnlinien in einen einzigen staatlichen Eisenbahnbetreb vor. Auch die privaten Eisenbahngesellschaften, die sich lange Zeit gegen derartige Absichten stellten, sollen nunmehr zu Verhandlungen mit dem Staate bereit fein. Ernste Zwischenfall« beim Hungermarsch auf London. London, 27. Oktober, Bei der Kundgebung der Hunaerdemonstranten im Hydepark kam es zu ernsten Zwischenfällen. Als ein Polizist einer» Dcmonstrationsteilnehmer verhaftete, drang eine Menge von mehreren tausend Menschen gegen das Parkgelände. Der Gesamtverkehr wurde zum Stillstand gebracht. Berittene Polizisten gingen mit Knüppeln gegen die Menge vor. Etwa ztvanzig berittene Polrzisten ichlossen sich den bedrängten Polizisten an und verfolgten die Menge. Mehrere Personen wurden verletzt, viele Ladenfenster in dem Bezirk wurden eingeschlagen. Di« erschreckten Ladenangestellten flüchteten in die oberen Stockwerke. Bald wurde die Lage bei Marblearch am Hydepark ernst. Di« Menge bewarf die Polizei mit Steinen und Kot. Berittene Polizei drängte die riesige Menschenmenge in der Oxfordstreat zurück. Unbeteiligte Frauen, die in das Gedränge hineingeraten waren, schrien als sie aeaen di« Hauswände gedrückt wurden. Zahl reiche Läden und Restaurants schlossen sofort ihre Tore. Die Demonstranten rissen Aeste von den Bäumen und wehrten sich damit. Mehrer« Frauen gerieten bei dem Vorsturm der berittenen Polizei unter die Pferde. Die Lage wurde allmählich so ernst, daß die Polizei in» Galopp gegen die Menge vorging, die unter ironischen Rufen in allen Richtungen auseinanderstob. Zur Verstärkung wurden weitere Polizeiabteilungen herbeigerufen, die sich in Seitenstraßen zu Hunderten für Notfälle bereit hielten. Es fiel auf, daß die höheren Polizeibeamten und alle berittenen Polizisten Helme trugen statt der üblichen Tuchkappen. Gegen abend herrschte in der Umgebung des Hydepark» bereit- vollständige Ruhe, da di« Teil- nehme: am Hungermarsch sich in die Vorstädte zerstreuten. Später aber erfolgten neue Ausschreitungen. Im ganzen wurden fünfzehn Personen verletzt von denen acht ins Krankenhaus 1 gebracht werden mußten. Zwei Polizisten er- I litten Kopfverletzungen. Ein Führer der tsdiemisdien Geverbepartei Deucht Hillloncnbctrllge. „Kreuser-Oeschältc“ des Senaten Trfha. Freitag, 28. Oktober 1S32. «Zeit« 8. HM■ Nr. 258. ♦ ...«/UWHUM ^Jch will deine Wunderlichkeit ja in Gottes Namen respektierey, Gilgi— auch ohne sie zu verstehen. Aber wenn deine Unabhangigkeits- Psychose nun mal unheilbar ist, dann— geh' doch einfach mal zu deiner Mutter— zu der, die soviel Geld hat— sie hat sich, ihr Lebelang nicht um dich gekümmert— soll dir doch ruhig mal ein Paar tausend Mark— mein, Gott, ist doch s Selbstverständlichste von der Welt: wer Geld übrig hat, gibt's anderen, die ihm nah stehn— die gar nichts haben. Hab' ich auch immer so gehalten. Für sich allein macht Geldhaben doch gar keinen Spaß und..." „Nein, nein, nein, Martin, das will ich nicht — da hingehn", fährt Gilgi auf,„das will ich nicht, kann ich nicht, mag ich nicht"— ärgert sich selbst über den exaltierten Ton in ihrer Stimme, fällt Martin um den Hals—„laß mich doch hier- bleibeu, laß uns-doch jetzt um Gottes willen hierbleiben. Und ich mag das nicht, ich kann niemanden um Geld bitten— niemanden,.." „Aber mein Gilgichen— ist mir ja noch tausendmal lieber, wenn du nicht hingehst. Was hast du denn nur'? Ist doch kein Grund da, um so aufgeregt zu sein. Ich dachte ja nur, wenn tnch so'n bißchen Abhängigkeit von mir stört..." Fast klingt ein wenig Bitterkeit in den Worten. Furchtbar dummer Mann! Einer wie alle. Logisch mit dem Verstand, zuweilen— unlogisch mir dem Gefühl, immer.„Ihr bckoinmt'gleich wahre Platzangst, wenn man sich euch mit Haut und Haaren ausliefert— Schreckgespenst:. freiheitraubende Verpflichtung— na, schön, ist ja zu verstehn. Aber dann soll man Plötzlich wieder ganz und gar auf euch angewiesen sein, und will man das nicht, paßt's euch erst recht nicht.. „Mein Gilgichen, stehn dir gar nicht, solche Pluralreden: Wir Frauen! Ihr Männer! Komm sei nett und lieb. Freut's dich, wenn ich sage: bleiben wir hier in Gottes Namen'?" „Ja, Martin, ja— und, nicht wahr, jetzt bezahlen wir Schulden?" „Ja", sagt Martin. Klingt ziemlich lan. das Ja und könnt' gerade so gut Nein heißen. Quatsch — Schulden bezahlen!' Kann man immer noch früh genug. Ich doch herrlich, zweitausend Mark in der Tasche zu haben, man hat früher gar nicht gewußt, wie herrlich das ist. Nnd Martin geht gleich nachmittags zu Olga. Will einen schönen Pelzmantel für Gilgi kaufen — da muß Olga mithelfen aussuchen— und Stoff zu einem veilchenblauen Kleid, dazu einen Schntuck aus dunklen Amethysten in altsilberner Fassung. Hat er neulich bei einem Antiquitätenhändler am Dom gesehen: Ring, Armband, Kette. Muß doch hübsch sein— so ein federleichtes, blasses Mädchen mit den: schweren Schmuck. Olga ist Feuer und Flamme. Es ist eine Leiden- I schäft von ihr, einzukaufen, ganz gleich, ob für! sich oder für andere. „Ach Mgrtin!" Gilgi verzieht das Gesicht, rum Weinen, als Martin glückstrahlend am Abend seine Schätze vor ihr ausbreitet. Wenn ich jetzt heule... nein, nein, nein— er hat sich so gefreut. Und ich freu' mich ja auch, ich freu' mich so sehr— heute noch, morgen noch... ja, ja, ich freu' mich. So gut ist er zu mir. lieb und gui. Gleich am nächsten Tag wird das Veilchenkleid genäht. Gelingt herrlich.„Hab' noch nie so ein schönes Kleid gehabt, Martin!" Der staunt:„Wie du sowas kannst, Gilgichen! Ein Traum von Poiret, ein— was weiß ich., Und Gilgi hat rote Backen vor Stolz und Freude. Und ist so niedlich— sie findet keinen anderen Ausdruck— rührend niedlich, die Art, wie so ein Mann Frauenkleider betrachtet— mit einem Auge den Inhalt, mit dem andern das Kleid—. so mit halbem Verständnis. Und furchtbär stolz ist er auf dies halbe Verständnis— und hält fast ehrfurchtsvoll so ein Stückchen Seide in der Hand, ängstlich, als könnt's zwischen seinen Fingern zu brennen anfangen. ,Mo, Gilgichen, und nun werden wir heute abend ausgehn— in größerem Stil— und lauter Sachen essen und trinken, die zu dem Kleid frassen." Und Olga muß mitkommen, die hat mit so heiligem Eifer den Stoff ausgesucht. „So— und wenn wir nur einen Funken Phantasie haben, dann bringen wir's fertig, uns einzubilden, daß dieses olle Rattertaxi ein toller Rolls Royce ist— oder— Erzsnobs sind wir, Marsin...' „Bildhübsch bist du, Gilgichen!" „Hört man immer wieder gern, sowas, Martin— bitte, sag's nochmal. Wie? Sag's noch dreimal— kann man gar nicht genug hövenr— Martin, der Pelz! Also ich komm' mir vor—- ganz große Klasse, Martin! Laß— nicht die Haare durcheinander bringen—• ich bin jetzt zu vornehm für solche Fuhrmannsliebkosungen. Halt!!! Wir sind da— geh rauf, Martin<— hol' L>lga... Wart einen Augenblick, Martin— wie macht sich das: linker Fuß auf der Erde, rechter Fuß Prag, 27. Oktober. Vor dem hiesigen Schöffe n g er i ch t(OGR. Mikula) wurde die Verhandlung Wer die Klage des bekannten Herrn Karl Hanzliöek aus Teplitz-Schönau gegen die Redaktion unserer Teplitzer„F r e i- h e it" fortgesetzt. Dieser Prozeßtag nahm einen überaus interessanten Verlauf. ' Herr Hanzliöek, einst einer der lautesten kommunistischen Rufer im Streite, hatte sich durch zwei Avtikel(vom Juni 1931) beleidigt gefühlt. In einem wurde ausgesprochen, daß di« Entfernung des. Herr« Hanzliöek aus der kommunistischen Partei nicht nur aus politischen Grunde«, sondern vor allem wegen Verfehlung«« finanzieller Natur erfolgt sei. Der andere Artckel beschäftigte sich mit der den Arbeitslosen gewidmeten Für- s ö r g ö p o l i t i k dieses Herrn," wob'ei u. a.'be-' merkt wurde, daß niemand wisse, wieviel von den gesammelten Geldern tatsächlich den Arbeitslosen zugswendet wurde. Di« ArbeitÄosen wurden angewiesen, von Hanzliöek und der KP6. Aufklärung darüber zu fordern, wieviel Geld einging und wieviel den Arbeitslosen ausgefolgt wurde. Herr Hanzliöek war beleidigt und klagte. Der Verteidiger, Genosse Dr. Egon Schwelb bot den Wahrheitsbeweis ! an und so wurde denn die ganze Sache in ihren recht sonderbaren Details aufgerollt. Die inzwischen liquidierte kommunistische > Genossenschaft„A r b e i t e r h e i m", zu deren Initiatoren Klager gehörte, hatte eine eigcn- !artige Finanzgebarung, die nach verschiedenen Zeugenaussagen, in den Händen des Klägers lag. Obwohl ein Kassier bestellt und ein ,'K a s s a b u ch angelegt wurde, wurde doch die Verrechnungsagenda von Herrn Hanzliöek ge- iführt. Die Einnahmen dieser Genossenschaft bestanden außer den Anteilscheinen zu je 1100 K aus Subventionen der Stadt und \ des Bezirkes, Eintrittsgebühren, Einnahmen aus Tombola u. ä„ sog. Baustei- u e n zu je 5 und 1 K, sowie dem Verkauf von Max Hölz-Bildern. Die Verteidigung verweist u. a. auf eine spätere Erklärung der zuständigen kommunistischen Parteiorganisation, in der„Internationale", worin die Beseitigung Hanzliöeks aus der Partei gefordert wird, und zwar einerseits wogen opportunistischer Verfehlungen, jandererseits weil die finanzielle Füh- Irung verschiedener Arbeiterunter- nchmungen nicht einwandfrei sei". \(Tatsächlich schied Hanzliöek aus der Partei aus.) Diese„finanzielle Führung" wird durch mehrere Vorfälle illustriert, zu denen auch bei der heutigen Verhandlung mehrere Zeugen zu Worte kamen. So wurde ein« To m b o l a veranstaltet, für die 3000 K zum Ankauf der Hauptgewinst« aus- geworfen wurden. Die bestanden in einem PaptR am rnüe? Berlin, 27. Oktober. Tie immer wieder auftauchenden Gerüchte über Unstimmigkeiten stoischen den Mitgliedern des PaPenkabinettS,.über die Erkalknng des Verhältnisses des Reichspräsidenten zu einigen Ministern sowie über die erschütterte Stellung des ganzen Kabinetts werden von amtlichen Kreisen zwar neuerdings dementiert, lassen aber trotzdem den allgemeinen Eindruck zurück, b S de- gegenwärtige politische Kurs im Reich keine großen Aussichten in die Zukunft hat und in der nächsten Zeit mit einer e n t- auf dem Trittbrett— Frau Generaldirektor T. mit ihrem schnittigen, rassigen, elegant karossier- ten 17/100» PS- Viersitzer- Cabriolet! Elegante Welt'— letzte Seite... Entschuldige, Martin, aber das reizt mich, ordinär zu werden! Ich werd' jetzt im erstklassigen, schnittigen, elegant karossierten Dreimeterbogen bis zur Waüd drüben spucken. Ach, Martin— du— nein, das geht nicht— am hellichten Tage auf offener Straße — Martin, laß mich los— wenn das aus„Sitten und Gebrauchen der Südseeinsulaner" ist— hier kommst du mit der Sitten- und Gebrauchspolizei der Zentrumsinsulaner" in Konflikt,.. Nicht, Martin— mein Stempelgeld deckt sonst glücklich die Kosten für Lippenschminke los, mach', daß du raufiommst, Martin!" Die kleine Dame Gilgi steht allein neben dem Auto, zieht di« Oberlippe hilflos schief über den hübschen blanken Zähnen. Wird Plötzlich blaß unter der Schminke, fällt mit der Schulter gegen die Scheibe— wird bald alles ernst, ist bald alles zu Ende... Hat gleich wieder ihr tapfres Kleinmädchengesicht. Durchhalten wird man—■ so oder so— Courage hat man, und lleinkriegen läßt man sich nicht, und so Gott will— werden's wenigstens keine Zwilling«. „Ah, Olga, meine liebe Olga! Sieht sie nicht wunderschön aus, Martin! Ich find' es unnatürlich, daß du nicht in st« verliebt bist—" „Gilgichen, deine Männer sind mir scckrosan- tes Gut."„Männer! Wer spricht hier von Polyandrie!"„Ja, wir sind alle hoffnungslos monogam."„Natürlich, wir sind dekadent vor lauter Moral..." (Fortfttzung folgt.) Fahrrad und einer Nähmaschine. Hanz- Ilöek kaufte die Gewinste nicht, soWern lieh sie sich nur, wobei em überaus sonderbarer Zufall es fügte, daß di« beide« Haupttreffer-von— den Eigentümern der geliehenen Gewinst« gewonn«« wurden. Gleichwohl wurde der bewilligt« Betrag nach Aussage mehrerer Zeugen nicht verrechnet und seine Verwendung nie geklärt. Bei der Firma Svoboda in Kladno wurden nach Aussagen"mehrerer Zeugen 12.500 Stück Lose bestellt, die mit einer Krone per Stück verkauft wurden. Einer Revisions- kommifsion gegenüber erklärte Hanzliöek, nur 5000 Stück umgesetzt zu haben, so daß eine zu verrechnende Differenz von 7500 besteht. Nach Aussage des Zeugen Spanbau^r legte er dann.den Beleg der Firma Svoboda vor, der an dem Ort," wo die Summe stand, radiert und die radierte Stelle mit„5000" überschrieben war. Er suchte das so zu erklären, daß er durch diese Veränderung hab«„Gebühren ersparen'' wollen. Im übrigen ließ er nur 10.000 Stück gelten, obwohl die Zahl von 12.500 bezeugt wird. Der Zeuge Spanbauer hat auch beobachtet, wie Hanzliöek im Ofen der Redaktion der„Welt am Sonntag" Papiere verbrannte. Er ging der Sache nach und stellte fest, daß es sich um Quittungen für die „B a u st e i n e" handle^ Zeuge legt dem Gericht einen solchen halbverkohlten Papierrest vor. Auch Hinsichtlich der Anteilschein« ist die Buchung höchst unklar. Der Revisionskommission gegenüber manipulierte Hanzliöek mit einer nach eiaenem Vermerk„unvollständigen" Mitgliederliste. Nicht besser verhält es sich mit der Verrechnung der städtischen Subvention. Aber den Höhepunkt der Verhandlung bildete die Organisierung einer Arbeitslosen- Ausspeiseaktion durch Hanzliöek. Der Zeuge Metallarbeiter Spanbauer und namentlich der Vorsitzende des Teplitzer ArbeitS- losenausschuffes Psniöka wußten sonderbare Dinge darüber zu berichten, wobei letzterer vom Kläger als fein Zeuge geführt wurde. Zur Geldbeschaffung wurden Karten eingefühvt, die den Titel trugen„Arbeitslosenmenü" und für 10 K per Stück verkauft wurden. Mir den Erlös einer solchen Karte sollten angeblich vier Arbeitslose je eine Mahlzeit erhalten. Nach eigenen Angaben Hanzliöeks, der natürlich auch dir Verrechnung führt«, wurden für 900 K solche Karte n abgesetzt, aber beide Zeugen erklären übereinstimmerw, ihnen sei kein Fall bekannt, wo ein Arbeitsloser aus dieser Aktion«mch nur ei« Esse« erhalte« hab«. Auch ist ein« Anzahl größerer Spenden nicht verrechnet. Die Verhandlung wurde neuerlich vertagt. rb. schiedenen Wendung zu rechnen ist. Diese Ansicht wird noch durch die immer deutlicher zutage tretende Erkennitnis gefördert, daß die Regierung ohne die Stütze der öffentlichen Meinung und wenigstens einiger politischen Kreise, weiterhin nicht ihr Auslangen finden wird. Des-! halb werden in Bälde zumindest personelle Aenderungen im Kabinett erwartet, wobei öie neuen Kabinettsmitglieder aus gewissen Parlamentsfraktionen gewählt werden sollen, damit eine politische Basis für die weitere Existenz der Regierung besteht. Gcldgcbarimg und jUDcitsloscntarsorgc“ eines kommnnisflsdien Nadiers. Die Presselflage des Herrn Hanzlicek. Daher lieber häufig mit einer bewährt guten Kernseife waschen, die die Wäsche schont, also mit der über 80 Jahre stets unübertroffenen die Wäsche nicht erst dann zu waschen, wenn sie ganz verschmutzt ist. Denn dann muß man sie rumpeln und reiben und das schädigt das teure Wäschegut. SCHICHT SEIFE. BEACHTEN MARKE SIE DIE HIRSCH HSTI>« Die Vcriassungsplffinc des Zentrums. Berlin, 27. Oktober. Di« Andeutungen, die Prälat Dr. K a a s in seiner Rede am 17. Oktober i« Münster über die Stellung des Zentrums zur Derfassungs- und Wahlrechtsreform gemacht hat, werden jetzt durch Mitteilungen aus parteioffiziöser Quelle dahin erläutert, daß das Zentrum eine genauere Festlegung der Rechte des Reichspräsidenten, insbesondere seiner Befugnise aus Art. 48 der Reichsverfassung, fordere, die zugleich auf fest bestimmte konkrete Anwendungs« fAle begrenzt werden müßten. Die Einrichtung eines Obe Hauses hält die Partei nicht für erforderlich. Sie erstrebt einen Ausbau des Reichsrates insofern, als die norddeutschen Provinzen stärker als bisher indirekt gewählte Vertreter in den Reichsrat entsenden sollen. Die Beratung der wirtschaftspolitischen Aufgaben soll einem besonderen Gremium, einem Reichswirtschaftsvat, Vorbehalten bleiben, der in einer berufständifch geordneten Wirtschaftsgesellschaft die zentrale Spitzenkörperschast. darstellt. Das Zentrum ist einverstanden mft einer Verkleinerung der Wahlkreise und einer Beschränkung des Listenprin- zipes, abgelehnt wird jedoch jeder Versuch, das allgemeine, geheime und direkt« Wahlrecht zugunsten irgend welcher Bevorzugungen einzelner Kreis«, z. B. durch ein Pluralwahlrecht, abzulösen. Die Partei fordert eine Gliederung des Reiches in lebensfähige und lebenswillige Länder, ohne daß die nationale und politische Einheit Deutschlands und eine starke Reichsgewalt dadurch gefährdet wird. Heimwehr-Feu spielt den starken Mann. Wie«, 27. Oktober. Staatssekretär Feh für das Sicherheitswesen nahm heute auf der Polizeidirektion die Vorstellung der gesamten Mannschaften entgegen und hielt bei dieser Gelegenheit eine Ansprache, in der er erklärte, es. sei unmöglich, bei der Fortdauer der Zustände, wie sic jetzt in Oesterreich herrschen, die Ordnung ausrechtzuerhalten, da es doch staatsgefährliche Organisationen gebe, die schwer bewaffnet seien, so daß der Wachebeamte nie wisse, ob er nicht an dar nächsten Ecke oder aus dem nächsten Fenster angefchossen werde. Er fühle sich verpflichtet, mit seiner ganzen Energie dafür einzutreten, daß wieder normale Zustände herrschen. Werde ihm dies nicht gelingen, tverde er daraus die Konsequenzen ziehen. Vie„Abrüstung" macht Fortschritte. Frankreich baut einen neuen Kreuzer. Paris, 28. Oktober. Wie das„Journal des Döbats" meldet, hat die Regierung beschlossen, den 26.500 Tonnen-Kreuzer„Dünkirche n", der «ine Antwort auf den Panzerkreuzer„Demsch- land" sein soll, in Auftrag zu geben. Der neue Kreuzer war bereits in dem Marintzprogramm für das Jahr 1931 vorgesehen, sein Bau war aber im Juni 1931 in der Kammer auf«inen Antrag von Loncheur, der von Paul Bonoour unterstützt wurde, aufgeschoben worden, da sich die Marineingenieure noch nchr über die Tonnage und den genauen Typ des Schiffes einig gewesen waren. Nachdem der Plan ausgearbeitet worden war, stimmte das Parli- ment Anfang dieses Jahres bei der Beratung des Marincbudgets den für den Bau notwendigen Krediten zu; aber mit Rücksicht auf den von der Abrüstungskonferenz beschlossenen Rüstungswa'- fenstillftand war der Bauauftrag nicht erteilt worden. Jetzt, soll nach dem„Journal des DöbatS" Mariuemiuister Leygu«s derart überzeugend. Argumente vorgebracht haben, daß die Notwendigkeit des Baues vom Ministerrät nicht mebr bestritten- worden sei. Seite 6. Freitag, 28. Oktober 1232. Ht. 255. George Lansbury, wurde zum Führer der Labouristen an Stelle Hendersons gewählt. Amerika droht mit riottenaufirtistung wenn es zu keiner Rüstungsbeschränkung kommt. Washington, 26. Oktober. In einer Kundgebung des amerikanischen Flottentages erklärte Präsident Hoover, die Regierung hab« keine Bemühungen gescheut, um alle Nationen zu eiuem Abkommen über eine Rüstungsbeschränkung auf das von der Londoner Konferenz beschlossene Matz zu bringen. Di« Bemühungen zeigten bereits Erfolge. Sollten sie schlietzlich dennoch scheitern, so wären die Vereinigten Staaten durch-die unsicheren Verhältnisse in der ganzen Welt und durch die Notwendigkeit des Schutzes des heimischen Handels gezwungen, ihre Flotte bis zu der im Londoner Abkomme« vorgesehenen Höchstgrenze auszubauen. Neuwahlen m Dänemark. Kopenhagen, 27. Oktober. In der Sitzung des Folketing verlas heute Ministerpräsident Stauning eine Erklärung, die u. a. besagt: Da der Landting die Valutavorlage verworfen hat und da im Folketing bezweifelt worben war, datz in der Bevölkerung eine Mehrheit «für die Gesetzesvorlage vorhanden sei, werde er beim König beantragen, den Folkettng aufzulösen und Neuwahlen für den 16. November aus- zuschreiben. Severlng geißelt seine Verleumder. Braunschweig, 26. Oktober.(Eig. Dr.) In einer riesigen Wahlkundgebung der Eisernen Front in Braunschweig befaßt« sich der preußische Innenminister Severino auch mit dem im Zusammenhang mit. seiner Ernennung zum Ehrendoktor der Technischen Hochschule Braunschweig gegen-ihn erhobenen Vorwurf. Er gab dazu folgende Erklärung ab: „In rechtsgerichteten Zeitungen und in Versammlungen der Rechtsparteien wird seit einiger Zett behauptet, ich hätte für die Verleihung der Doktorwürde der Technischen Hochschule in Braunschweig eine Summ« von 20.000 Reichsmark versprochen, die aber nur zu einem kleinen Teil bezahlt worden sei. Di« Behauptung ist unwahr. Während meiner Amtstätigkeit als Reichsminister des Innern ist die Goethc-Lesting- Feier der Stadt Braunschweig und des Forschungsinstitutes für Erziehungswissenschaften der Technischen Hochschule aus Mitteln des Reiches unrerstutzt worden. Cs ist selbswerftändlich, daß diese Unterstützungen nicht an Bedingungen geknüpft worden sind, die sich auf meine Person beziehen konnten. Als im Feber 1930 einige Braunschweiger Herren im Reichsministerium des Innern vorsprachen, um mit m:r wegen Verleidung der Doktorwürde Fühlung zu nehmen, habe ich ihnen vielmehr sagen lassen, daß ich die. mir zugedachte Ehrung nicht brauche, da mir mein Name auch ohne Doktorschmuck gut genug sei, und habe ferner gebeten, auf. den Empfang verzichten zu wollen. Erst später habe ich mich auf wiederholtes Drängen bereit erklärt, die Ehrung anzunehmen unter der Voraussetzung, daß sie zu einem Zeitpunkt erfolge, an dem ich mit materiellen Zuwendungen an Bil- dungsinstitute nicht mehr in Verbindung gebracht werden könne. Dies« Bedingung ist insofern erfüllt worden, als Rektor und Senat der Technischen Hochschule mich n ach Meinem Ausscheiden aus dem Amt des Reichsinnenministers Mm Ehrendoktor ernannt haben, also zu einer Zeit, in der ich auf die Fondsverwaltung des Reichsinnenministeriums keinen Einfluß mehr nehmen konnte." Auch„Der Tag" batte den Beschuldigungen gegen Severinq Raum gegeben. Wird er auch die Antwort drucken? Dadlsche Sozialdemokraten gegen das Konkordat. Karlsruhe, 27. Oktober. Der Parteiausschuß der badischen Sozialdemokratie und die sozialdemokratische Landtagsfraktion beschlossen den von der badischen Regierung in Aussicht genommenen Konkordaten die Zustimmung^ zu versagen. Die betreffenden Konkordate sind bereits fertiggestellt. Sie bedürfen nur noch der Zustimmung des Landtags. Tagesneuigkeiten Die tschechoslowakische Rundfunkhörerzahl zum 1. Oktober. Am 1.- Oktober wurden in der OSR. 432.360 zahlende und 2953 von der Rund- i SSL19. 49.382. 68.31C. 83.767, 98^76 Wehrplicht in Deutschland? Paris, 27. Oktober. Der„Paris Soir" will erfahren haben, daß der konstruktive französische Plan das Recht für Deutschland vorsehe, seiner- iseits eine neunmonatige allgemeine Wehrpflicht einzuführen, ferner wurde Deutschland die qualitative, nicht aber die quantitative Rüstungsangleichung bewilligt werden. Mu Msenbahuraub. Delitzsch(Provinz Sachsen), 27. Oktober. Der Durchgangsgüterzug Falkenberg-Halle wurde gestern, um 23.30 Uhr m Delitzsch, auf dem Sorauer Gütevbahnhof von bisher unbekannten Dieben beraubt. Mehrere Wagen wurden erbrochen und Stückgut auf den Bahnkörper geworfen. Der Raub wurde erst nach Abfahrt des Zuges bemerkt. Ein Kommando der Bahnpolizei Halle begab sich sofort mit einer Lokomotive nach Däittzsch und suchte das Gelände systematisch ah. Dabei wurden die PÄizisten aus einem Strohdiehmen plötzlich beschossen. Es wurden im ganzen etwa 15 bis 20 Schüsse gewechselt. Einer der Täter erhielt einen Armschuß und konnte festgenommen werden. Die übrigen entkamen auf Fahrrädern. gegen die Schläfe schlug, daß der Knüppel zerbrach. Hiebei konnte ölehofer über die Stiegen bis in den ersten Stock des Gerichtsgebäudes Vordringen. Hier eilt« den bedrängten Gendarmen der Gendarmerieivachtmeister Boh. öedivec von der Fahndungsstelle zu Hilfe, der mit dem Säbel in der Hand versuchte, Äehofer ju überwinden. Aehoser schlug ihn jedoch gleichfalls mit der ihm verbliebenen Knüppelhälfte heftig gegen den rech ten Arm. In diesem kritischen Augenblick versammelt« sich auf den Gängen des Gerichtsgebäudes ein zahlreiches Publikum, das im Gebäude wellte, und auch eine Anzahl, von Gerichtsangestellten an, sie verhielten sich aber im Kampfe der Gendarmen gegen ölehofer Pastw. Deshalb war auch der Gebrauch von Schußwaffen gegen den Angreifer nicht möglich, da. dl« Gefahr bestand, daß unbeteiligte Zuschauer getroffen werden könnten. Kouckh forderte nun ölehofer Mr Uebxrgabe auf und drohte ihm mtt der Schußwaffe, da sich auch in diesem Augenblick die Gänge leerten. Die Gendarmen gingen nun schärfer vor und verhinderten, daß ölehofer die Flucht ergreif« oder aus dem Fenster springe. Nunmehr eilten den Gendarmen weitere Mitglieder der Fahndungsstelle zu Hilfe. Koucky forderte ölehofer zum letztenmal« zur Uebergabe auf, doch kam dieser der Aufforderung nicht nach. Koucky stach deshalb ölehofer in die Hüfte und zweimal in die Beine. Aber auch jetzt ergab sich ölehofer noch nicht. Er zog sich langsam über die Stiegen zurück, wobei er ein« Blutspur hinterließ. Bor der Türe des Untersuchungsrichters brach ölehofer entkräftet zusammen. Er wurde in das Gefäng- nisspital gebracht, wo er verbunden wurde. Auch den verwundeten Gendarmen und dem Gefängnisaufseher Kabat wurde ärztliche Hilfe zuteil. X: K: K: K: Ein Schwerverbrecher gelangen Böhm.-Budweis, 27. Oktober. Gestern gegen Abend wurde von der hiesigen Polizei der gefährliche Dieb Konrad Preißl, 23 Jahre alt, aus Nova Bes bei Neuhaus, der ein Schrecken des Neuhauser Kreises war, festgenommen. Heuer im Juli wurde er aus der Karthauser Strafanstalt nach Verbüßung einer 18monatigen, schweren Kerkerstrafe entlassen. Seit dieser Zeit verübte er eine ganze Reihe von Diebstählen und Einbrüchen im Bezirk Neuhaus, Tkeboö und in Oesterreich. Er sollte seinen Militärdienst antreten und wurde deshalb von der Gendarmerie gesucht. Seine Festnahme erfolgte auf einer frequentierten Straße der Stcwt, wo er, da er verdächtig erschien, verfolgt wurde und bei seiner Flucht ein gestohlenes Fahrrad wegwarf, auf welchem er aus Neuhaus gekommen war. Preißl hat beim Verhör mehrere Straftaten zugegeben, andere geleugnet. Nach Beendigung des Verhörs wird er dem Budweiser Kreisgericht überstellt werden. Mussolini und die 40-Stunden-Wodie. Derselbe Mussolini, der seit zehn Jahren di« italienischen Arbeiter mordet und unterdrückt/ spielt sich jetzt in Genf im Internationalen Arbeitsamt als Vorkämpfer der 40-Stunden-Woche, der Forderung der gewerkschaftlich organisierten Arbeiter aller Länder, aus. Will er eine radikclle Wendung in seiner Politik vornehmen? Nein! Hören wir, tvas Pietro Nennt zu seinem neuesten taktischen Schachzug im Organ der französischen Äewerckschafwn„Se Peuple" vom 20. September schreibt: „Bon allen Landern Europas hat Vas sadistische Italien das Experiment des Lohnabbaues . am weitesten getrieben. Seit zehn Jahren zahlt Vie Arbeiterklasse nun die Kosten der Politik, von der man Wunder erwartete. Bei jeder Lohnkürzung in Italien sagte man, daß di« der Arbeiterklasse aufgebürdeten Lasten für die ganze Nation Früchte tragen würden. Di« Ergebnisse sind katastrophal. Das Elend der arbeitenden Schichten hat eine Entwertung des inneren Marktes hervorgerufen, ohne es der italienischen Industrie zu erlauben, neue ausländische Märkte zu erobern. Der Umfang der Ausfuhrartikel ist in einem ständigen Fallen begrifft«. Di« Krift hat nach der Industrie auch die Landwirt- ' ichafi erfaßt. Die Arbeitslosigkeit ist nicht beseitigt worden. Dft« amtlichen statistischen Angaben klagen über ein« Million Erwerbsloser(von denen Vom Rundhmh Empfehlenswertes aus Den Programmen Samstag. Prag: 8.45: Gymnastik. 11: Schallplatten. 18.30: „Drei Brüder", Marionettenspiel. 17.50: Schallplatten 18.25: D« utsch« Sendung: Dr. Nettl: Die Oper des 18. Jahrunderts. 49.20: Blasmusik. 20.20: Waltern-Abend— Brünn: 16: Frauenfunk. 18.25: Deutsche Sendung: Neu« Klavierkom- Positionen.— Mahr.-Ostrau: 10: Konzert. 19.20: Volkslieder. 22.20: Bunter Abend.— Berlin: 14: Aus Tonfilmen. 16: Blasorchesterkonzert. 20: Sin- foNie-Konzert.— Hamburg: 16: Das Volkslied. 17.55: Buntes Programm. 19.25: Wilhelm Busch- Suite.-V Königsberg: 20: Großer bunter Abend.— Laugenberg: 20.25: Musikalisches Durcheinander.— Wien: 16.45: Mandolinenkammermusik. 20.15: Unrecht in Kalifornien. 22.30: Konzert. Hindenburg halt weiter zu Popen. Berlin, 27. Oktober.(Tfch. P.-B.) In einer ganzen Reihe von Zeitungen werden Gerücht« verbreitet, daß der Reichspräsident seinem Unmut über die Entwicklung der politischen Lag« Ausdruck gegeben und daß das Vertrauensverhältnis zwischen dem Reichspräsidenten und dem Reichskanzler eine Trübung erfahren habe. Gegenüber diesen Gerüchten hat der Reichspräsident die zuständigen Stellen ermächtigt, zu erklären, daß er keinerlei derartige Aeuße- rungen getan habe und daß der Reichskanzler nach wie vor sein volles Vertrauen genieße. UM! mit einem Unterludiunoshaltlina. Aulgebot der ganzen Oeiängnlsbesatzung. Ziehung der Klaffenlotterir Eine Million Krone« gewinnt das Los Nr. 98.200. 1 Million K: 98.200. 90.000 30.000 20.000 10.000 5000 K: 447, 2686, 4990, 17.157, 17.567, 28.435, 36.236, 37.584, 48.104, 64.349, 68.001, 77.543, 82.819, 100.324, 102.056, 102.167. 2000 K: 87, 4128, 10.196, 10.292, 13.561, 20.958, 23.233, 27.478, 28.281, 28.617, 35.207, 36.056, 38.277, 43.429, 44.164, 45.063, 48 555, 50.233, 56.414, 60.338, 60.849, 61.771, 62.690, 70.292, 73.241, 73.734, 73.930, 78.415, 80.694, 85.062, 89.091, 94.075, 95.961, 95.129, 97.275, 98.698, 103.498, 103.913, 104.685. Der Haupttreffer von einer Million fallt auf Spieler, die je ein Viertellos gekauft haben. Es sind das: ein Kaufmann in Pistian, ein Beamter in Westböhmen, eine Frau in Prag und ein Spieler ans der Umgebung von K l a d n o. Der Gewinn von 90.000 K fiel auf einen Oberkellner, einen schlesischen Baumeister,.einen Kascha ner Friseur und einen slowakischen Unterbeamten. 30.000 K gewann ein kleiner deut■ scher Kaufmann im Riesengebirge. Anti-Marxismus— in der Rätselecke. Die„Refthenberger Zeitung", die ihren sozusagen literarischen, d. ch. Unterhaltungsteil hauptsächlich aus reichsdeutschen„Feuilleton- Korrespondenzen" gutnationalistischer Herkunft bezieht— deshalb gibt es auch keine Sonntagsbeilage ohne Geschichte aus dem Leben des„Alten Fritz"— hat auch eine Bilderbeilage aus dem Berlage Otto Elsner in Berlin, dem Berlage mancher Magazine u. dgl. Daß in dieser Bilderbeilage militaristischer und nationalistischer Geist gepflegt und mn Bildern bewußte Propaganda in dieser Richtung getrieben wird, ist einesteils kein Wunder und andernteils kann man gerechterweise dafür die Schriftleitung der„Reichenberger Zeitung" nicht verantwortlich machen, die ja nichts hineinzureden hat und die Bilderbeilage fertig bezieht. Nur dadurch, daß sie sie eben so nimmt und ihren Lesern liefert, bringt sie ihre geistige Uebereinstimmung mit dem Inhalt zum Ausdruck. Was alles dazu dienen muß, um den verhaßten Marxisten eins auszuwischen, dafür bietet diese Bilderbeilage in einer der letzten Sonntagsausgabe ein treffliches Beispiel. Darin ist in der Rätselecke folgendes„Rätsel" enthalten:„Der Wirtschafts- sriedliche(zweiteilig). Die Ersten hat die Eisenbahn— Und hot die Lotterie;— Auch in der Schule findet man— In strenger Folge sie.— Zumeist entscheidet Kraft und List,— Wer in dem Zweiten Sieger ist.— Wer heutzutage Ganzes predigt,— I st als Marxist für mich erledigt." Die auch für politische Kinder unschwer zu findende Lösung heißt selbstverständlich„Klassen- k a m p f", und der Zweck des Ganzen ist antimarxistische Propaganda auch auf diesem etwas merkwürdigen Wege. Natürlich„predigen" nur tue Marxisten den Klassenkampf, denn die Unternehmer, die ihn tatsächlich führen, predigen" ihn selbstverständlich nicht. Das ist aber auch heute kein Rätsel mehr; ein Rätsel bleibt nur, warum es immer noch An- ftmhcbühr befreite Hörer gezahlt. Di« Gesamt-! gehörige der arbeitenden Klass« gibt, die ein zähl der Funkhörer betrat daher 435.313. j Blatt beziehen, das ihnen solche Kost vorsetzt. Pilsen, 27. Okwber. Im Büro des Unter suchungsrichters Dr. Hanus beim Pilsner Kre.s- strafgericht in der Veleslavinova ul. wurde heute um 11 Uhr vormittags der 30jährige Karl ölehofer, Arbeiter aus Pilsen, einvernom men, der vor einiger Zett eine mehrjährige Ker- kerstrafe wegen Ermordung seiner Geliebten ab gesessen hatte und der sich jetzt im Pilsner Kreis gericht in Untersuchungshaft befindet, und zwar wegen eines Mordversuches an seiner Geliebten im Sommer des heurigen Jahres in ökvrnany. Nach dem Verhör wurde ölehofer vom Gefängnis wärter Kabat, der mit einem Gummiknüppel bewaffnet war, abgeführt. Als sich beide dem Tore zum Gefängnishofe näherten, entriß ölehofer dem Wärter den Gummiknüppel und schlug ihn mehr mals heftig über den Kopf. Gleichzettig brachte er ihm eine schmerzhafte Verletzung durch Auf-, reißen des Mundwinkels bei. Auf die Hilferufe Kabats lief aus der benachbarten Gendarmerie- Fahndungsstell« der gerade bei einem Verhör als Zeuge weilende Gendarmeriewachtmeister Moskal aus Nepomuk heraus und warf sich gegen ölehofer, der xedoch infolge seiner großen und mächtigen Gestalt im Uebergewicht war. Moskal versucht« ölehofer zu entwaffnen und führte mit blankem Säbel einen Schlag gegen besten Kopf. ölehofer wehrte sich verzweifelt gegen die Angriffe Moskals, dem der Kommandant der Fahn dungsstelle Koucky, bewaffnet mtt Karabiner und Bajonett, zu Hilfe kam und der sich bemühte, den nach allen Seiten mit dem Gummiknüppel Hiebe austeilenden ölehofer in«inen Winkel zu drücken, wo er ohne Blutvergießen entwaffnet werden sollte, ölehofer führte einen wuchtigen Schlag ge gen Moskal, brachte ihm ein« schwere Nasenver letzung bei und stürzte sich sodann sofort auf Kouckh, den er so heftig mtt dem Gummiknüppel uiiiiHuiHiiiiimiuiiiHiuiuiiiiiniuiiuiiiiiiiHiiuiiiiiiniiiiniiNiiimiiiiuiiiiiiiiuumiraiiiiiiHiiiiiiiiiiiiiiniiHiiiifflnnHiiiininHninimniininiiiniiminiiiiiiiininiiiiimiiniiiiiiuiiiiuiiiinHiuiHinniiuiiii kaum 200.000 ein« mager« Unterstützung beziehen). ' Wenn man die Arbeitslosigkeit unter den Landarbeitern und Handwerkern mitrechnet, kann bi«ft Zahl ruhig verdoppelt werden." Es ist offensichtlich geworden an den Ergebnissen der sascistischen Politik, daß die einseitige Belastung der Arbeiter auf die ganze Volkswirtschaft zurückwirkt und diese zertrümmert. Die Ernüchterung setzt nun auch in den Kreisen ein, die sich bisher noch haben bluffen lassen, und die Gegnerschaft gegen den Fascismus wächst. Da glauben die Verantwortlichen, durch ein demagogisches Manöver die Schuld vmr sich abwälzen zu können. Der Senator Agnelli veröffentlicht eine Erklärung, daß es nötig fei, die Arbeitszeit aus 40, ja auf 36 Stunden herabzusetzen, ohne— was wichtig ist— die Löhne und Gehälter anzutasten. Die bezahlte Preste klatscht Beifall, und die Regierung gibt bekannt, daß sie sich dafür im Internationalen Arbeitsamt einsetzen will. Soweit klingt das schön und gut. „Aber schon einen Tag nach den Erklärungen des Senators Agnelli"— schreibt Nenni— „beschloß der fascistische Rat der Industrie eine neu« Lohnsenkung und erhielt die Zustimmung des wichtigen Terttlarbeiterverbandes sowie die Zustimmung der Arbeiter der sizilianischen Schwefäminen." Wie solch«„Zustimmungen" der Gewerkschaften im sascistischen Italien zustande kommen, ist ja bekannt. Die verlogene Demagogie Musso- ftnis wird hier mit einem Schlage aufgedeckt. „Tftr Äorschlag in Genf soll dem Fascismus dazu dienen, seine Politik der Ausplünderung der Arbeiter zu tarnen. Da die fascistische Preste schon vorher damit rechnet, daß der Vorschlag abgelehnt wird, zieht sie den Schluß, datz d i e italienischen Arbeiter durch die Schuld der anderen Nationen neue Lasten auf sich nehmen müssen." Es tut uns arbetterfreundlichen Fascisten zwar lech, liebe Proleten, aber die anderen zwingen uns, euch unmenschlich auszubeuten. Diese ungeheure Gaunerei wird selbstverständlich die Lage Italiens nicht nur nicht verbessern, sondern weiter verschlechtern. Die Arbeiter aber tun gut daran, sich durch das italienische Beffpiel warnen zu lassen. Nicht der Fascismus, nicht der Nationalsozialismus— allein der Sozialismus wird die Rettung und Befteiung aller Ausgebeuteten bringen. Ilm die letzten Peste des Deutschunterrichtes In SUdtlrol Innsbruck, 27. Oktober. Die von der italienischen Regierung geplante und in einem königlichen Dekret vom 27. August angekündigte Entsendung von dreißig italienischen Geistlichen nach Südtirol zur Erteilung von Religionsunterricht in italienischer Sprach« mtt dem Ziele, den deutschen Pfarrunterricht abzubauen, wird an hem Widerstande der Kirche scheitern. Infolge Vermittlung der Fürstbischöfe von Trient und Bri- xen hat sich nunmehr der Heilige Stuhl der Angelegenheit angenommen und den Bischöfen strenge Weisungen zugehen lasten, die eine Tättg- kett von italienischen Priestern, die von auswärts in di« Diözese von Trient und Brixen entsendet werden, vollkommen ausschließen. Rr. 255. Seite 7 Freitag, 28. Oktober 1832. entsprungener RS-ber angelchofsen. M8hr.-Ostra«, 87. Oktober. Heute nachts griff eine Patrouille der Gendarmeriestation in Prostkedni Sucha im Teöiner Gebiet den bekannten Räuber MoryS auf, der am 5. Oktober aus der Haft des KreisgerichteS in Freistadt ent- svrungen war. Da der Räuber auf den Anruf nicht stehen blieb und auch sonst keine Möglichkeit bestand, ihn aufzuhalten, gab ein Gendarm aus dem Karabiner einen Schuß ab. Der Räuber wurde, wie die Blutspuren beweisen, angeschoffen, trotzdem konnte er fliehen. Bis in die Abendstunden konnte er noch nicht festgenommen werden. Eine Goethe-Ausstellung in Paris. Minister für Volkscrziehüng de Mönzie eröffnete am 27. Oktober in der Nationalbibliothek ein« große Goethe-Ausstellung, die neben Bildern auch zahlreiche Handschriften und die erste Ausgabe des Werkes Goethes im Original und in französischer Uebersetzung umfaßt. Preisausschreiben für«in sozialistisches Massenfestspiel. Der ASKö.(Arbeiterbund für Sport und Körperkultur in Oesterreich) schreibt einen Wettbewerb für den besten Entwurf zu einem sozialistischen Massenfestspiel aus, das in der Hauptiampfbahn des Wiener Stadions ausgeführt werden soll, und dessen Aufführungsdauer nicht mehr als eineinhalb Stunden betragen soll. Der Entwurf muß in Kürtz! den Inhalt des Fesr- spiels und die Tarstellungsart, nötige Ausstattung. nötige Musik und Tarstellerzahl enthalten. Honoraransprüche für den Fall der Aufführung, bezw. Erwerbung do§ Stückes sind dem Entwurf beizuschließen. Ti« Entwürf« sind in einem ver- schlossonen Briefumschlag, mit einem Kennwort versehen, bis spätestens zum 1. Dezember 1932 an den ASKo^ Wien XVIII., Währingergürtel 40, einzureichen. In einem zweiten Briefumschlag, mit dem gleichen Kennwort versehen, sind gleichzeitig Name und Anschrift des Autors einzuienden. Für die beste Arbeit wird ein Preis von 600 Schilling ausgesetzt. Die Prämie bedingt ncht die Annahme des Stückes zur Aufführung. Der verliehene Preis steht in keiner Beziehung zum Aufführungshonorar. Der ASKö. behält sich Bewaffnete»eg»« Streikende. Seit die mit Recht erbosten Arbeiter bei den Prager Firmen PodhajkY A.-G. und Walte r w e r k e streiken, ist noch niemandem etwas gu Leide geschehen, außer daß die ausgesperrte Arbeiterschaft gegen die raffinierte Anwerbung und Einstellung der Streikbrecher demonstrierte. Dafür darf die tschechoslowakische Staatsmacht, Abteilung Innenministerium, das Recht für sich in Anspruch nehmen, mit Brachialgewalt gegen die Streikenden einzuschrciten und den Herrn Fabrikanten die Strcikbrecherarbeit mit Waffengewalt zu ermöglichen. Tag für Tag kann man auf der von Koschirsch, der Prager Borstadt nach Jinonice zu den Walterwerken führenden Straße viel« Dutzende bewaffneter Gendarmen sehen, die nicht einmal eine Maus zu dem Heiligtum des Herrn Generaldirektors Kumpera lassen dürfen, um die also hergeftrllte öffentliche Ruhe, Sicherheit und Ordnung von Werktätigen nicht beeinträchtigen zu lassen; morgens, wenn noch kein Hund auf der Straße ist, wird die Straße alten Felddienstübungen entsprechend kunstgerecht flankiert, abgeriegelt, niemand aus den Arbeitervierteln darf sich auf ihr erblicken lassen und wenn man einen dieser Hüter der Ruhe und Ordnung nach den gesetzlichen Bestimmungen für diese Maßnahme ausfragt, dann dürfte eine Aare Antwort überhaupt nicht zu erhalten sein, weil das Recht, sich frei und ohne Waffen zu versammeln in der Verfassung gewährleistet ist, was nur anno 1932 über den Willen eines Pollswohltäters von Fabrikanten verletzt werden darf. Die Morgenparade der Herrn Gendarmen erlaubt im weiteren Verfolg nur Kindern den Schulweg, kein Erwachsener darf es wagen, an den blinkenden Bajonetten vorüberzugehen und daß es bei dieser unerhörten Art der Provokation der Arbeiterschaft nicht zu Zusammenstößen kommt, ist nur den Manipulationen zu danken, mit welchen die Herrn Streikbrecher, von Direk- tor Benük Tag für Tag freundschaftlich begrüßt und entlasten, zur Arbeitsstätte transportiert werden. Die Autobusse, wie zu Zeiten edelsten Rittertums von beiden Seiten flankiert von Bewaffneten, werden immer von verschiedenen Orten aus zur Fabrik dirigiert und damit soll verhindert werden, daß es schon beim„Ausladen" dieser edlen Ware zu Reibereien kommt. Unter der Arbeiterschaft des Bezirk- herrscht be- greisliche Erbitterung. Biel Beifall hatten auch die Herrn Gendarmen, als sie acht Mann hoch drei Streikbrecher bewachten, die am Bahnhof angekommenes Material aufladen mußten und besonders der Umstand, daß die Streikbrecher, am Boden eines grünen Autos liegend, zur Arbeit transportiert wurden. Der Streik geht trotz diesem unerhörten und rücksichtslosen Terror unvermindert weiter; mir sarkastischem Humor beobachten' die Streikenden die verzweifelten Anstrengungen der Direktion der Waltcrwerk«, Arbeiter durch Inserate bis aus der Slowakei herzuholen. Bis jetzt gelang es dem Herrn Generaldirektor Kunrpera, der zweiter Vorsitzender des Noten Kreuze- ist, ganz« vierzig Streikbrecher zusammenzutrommeln, zu deren Schutz mindestens eine vierfache Anzahl von Gendarmen aufgeboten wird. Das nennt man von staatSsicherhütswegen gleiches Recht für all«; um t cser ersprießlichen Tätigkeit wil- ten werden die Polizisten aus Sleuergeldcrn bezahlt, die größtenteils durch die arbeitende Klasse aufgebracht werden müsten. weggründe der Tat sind unbekannt. Rach« an dem strengen Werkmeister. In L u e i a b a n i unweit Rornava befestigten unbekannte Tater unter dem Fenster der Wohnung des Werkmeisters der Rima-Muranher Eisenwerksgesellschaft Ludwig Kulovanyi ein« Dyna- mitpatron« mit Zündschnur, die sie in Brand setzten. Durch di« Explosion wurden 28 Fensterscheiben zertrümmert und di« Einrichtung eines Zimmers beschädigt. Frau Kulovanyi erlitt einen Nervenchock, während ihr Gatte unverletzt davonkam. Di« Tat durfte wahrscheinlich von einem Arbeiter aus Rache verübt worden sein, da Werkmeister Kulovanyi wegen seines ungemein strengen Wesens bei der Arbeiterschaft wenig beliebt ist. Tschechoslowakischer Amtsschimmel. Wenn jemand in di« Tschechifflowakei gegenwärtig etwas einführen will, braucht er eine Devisenbewilligung. Um diese Bewilligung muß nun eingereicht werben und es geschieht, daß nian z. B. zwanzig solcher Ansuchen auf einmal überreicht. Diese Ansuchen werden auch gleichzeitig erledigt, aber der Gesuchsteller bekommt die Erledigung von zwanzig Devisenbewilligungen, di« in einem Amt erföl- ! gen, nicht in einem, sondern in zwan- i* I I in einem Atemzuge bekannte er sich zum Antisemitismus, schimpfte er auf die„Berliner Weiß- und GrzestnSki-Polizei" und auf^die Hugenberg- chen Zeitungsschmierer". Es scheint hier wieder eine der Bluten deS Dritten Reiches in den Staub gesunken zu sein. Rätsel im D-Zug. In einem Abteil 3. Klaffe des D-Zugs Wiesbaden—Berlin wurde am Mittwoch Morgen kurz vor dem Zieldahnhof ein Reisender besinnungslos und anscheinend vergiftet, außerdem seiner Barschast und Papiere beraubt, aufgefunden. DaS Berliner Raubdezernat, der Reichsbahnüberwachungsdienst und die Kriminalpolizei in Frankfurt a. Main und Wiesbaden sind damit beschäftigt, den merkwürdigen Fall aufzuklären. Es steht noch nicht fest, ob der vorläufig in ein Krankenhaus überführte Reisende das Opfer eines Verbrechens wurde oder ein Simulant ist., Bomben i» Uffenheim. Auf das Druckereigebäude des„Uffenheimer Tageblatts" in Uffen« yeim(Mittelfranken) wurde em Bombenanschlag verübt; es entstand beträchtlicher Materialschade. Am Tarort wurden Granatsplitter und Teile einer Zündschnur gefunden. Man vermutet, daß die Täter Nationalsozialisten sind. Der Besitzer des„Uffenheimer. Tageblatts", Wilhelm Holzwarth, war früher nationalsozialistischer Landtagsabgeordneter, trat vor 2 Zähren aus der NSDAP, aus, verhielt sich einige Zeit reserviert und richtete neuerdings scharfe Angriffe gegen die Nationalsozialisten, die ihrerseits wiederholt mit Drohbriefen und Ankündigung einer baldigen„Abrechnung" antworteten. Infolge der durch den Anschlag angerichteten Zerstörung kann das„Uffenheimer Tageblatt" vorläufig nicht erscheinen. Di« Granat« im Müllhaufen. Durch die Explosion einer Granate, di« Kinder in einem Müllhaufen gefunden hatten, wurden in Tschapei 17 Personen getötet und 19 verletzt. zig Kuverts. Für jedes Kuvert muß er 4.60 X an Porto bezahlen. So bekam ein« uns bekannt« Firma an einem Tag« 28 Bewil. ligungen in 23 Kuverts und mußt« dafür an Porto 108.80 K bezahlen. Wären die 23 Bewilligungen in e i n e m Kuvert expediert worden, hätte das sechs bis sieben Kronen gekoster. Dieser von uns geschilderte Vorgang aber hat sich nicht etwa nur an einem Tage ereignet, sondern wiederholt sich täglich. Das Einschreiten der betreffenden Firma bei der Devisenkommission ist mit der Begründung abgelehnt worden, es gehe nicht anders. So steht di« Rationalisierung in der öffentlichen Verwaltung aus! Tiessrrreporlagr. Bor einiger Zeit stt ei« amerikanischer Gelehrter, Pros. Beebe, tn einer eigens für den Zweck konstruierten Kugel unter die Meeresoberfläche abgestiegen, um in einer Funkreportage die Tiesseefauna zu schildern. Prof. Beebe erforscht das Leben der Tiefseefische und sammelt diese für Museen. In der Stahlkugel,„Bathysphere" genannt, befand sich auch der Erfinder derselben, Barton. Die Stahlwände sind 1.5 Zoll stark; der Deckel-wird mit Vorhämmern festgehämmert. Die Kugel kann einen Wasserdruck von% Million kg aushalten. Der Abstieg erfolgte im Atlantischen Ozean in etwa 10 km Entfernung von der Küste einer der Bermudainseln. Von der Bathysphere aus lief eine Telephonleitung zum Mutterschiff, wo die Reportage durch einen Kurzwellensender nach New Uork weitergegeben und von dort aus auf das Rundfunknetz übertragen wurde. Die eigentliche Reportage begann in 300 m Tiefe und dauerte bis zu dem Augenblick in dem eine Tiefe von rund 700 m erreicht war. Prof. Beebe beschrieb die Bewegungen der Tiefseefische, die in der in diesen Tiefen herrschenden undurchdringlichen Finsternis selbst Licht ausftrahlen. Di« Kugel umschwärmten Hunderte dieser Tiere: An 700 Meter Tiefe meldete Prof, Beebe, daß die Kugel heftig schwankte. Der ursprüngliche Plan, eine Reportage vom Tiefseeleben 1000 m unter dem Meeresspiegel zu geben, mußte fallen gelassen werden, weil schon vorher an der Stelle, wo die elektrischen Kaoel angeordnet waren, Master eindrang. Sfe lernen„Bata". Zwanzig Knaben aui Essex sind heute aus der Stadt Grays nach der Tschechoslowakei abgereist, um in den Baka- Untcrnehinen eine dreijährige Praxis durchzu- machcn. Zwanzig weiter« Knaben aus der gleichen Gegend werden etwa nach 14 Togen abreisen. immer neue Kriegswalten werden in aller Stille in den Ländern erfun den, die in der Oeffentlichkeit die Abrüstung fordern: wie man aus unserm Bilde ersteht, hat das neueste Panzerauto der englischen Armee Platz für acht Personen und ist mit einem schöneren Maschinengewehr ausgerüstet. imiiiiiiiiiiimiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiHiiiiHiniiiiiiniiiiiiiiiiiniiuiHiiiiiimiiiiiiiiimiiiiiiiuiuuuiuiuiiiiiiiiiiuiuiuiiHiiiiiiiiiuiuiiiiuuiiiHiiiiuuiiiiiiiiiiiiiiiiuiiiiuiiiiiuiinuiHimui ring aus, daß er einer großen politischen Organi-I sation angehöre. Er lieg das Gericht nicht lange j raten, welche Organisation gemeint sein könnte;! Bäcker-Sprüche. An einem Bäckerhaus in Kufstein Früh', eh' der Tag noch grau! Morgens, wenn hie Erde tau Muffen Bäcker wachen, Brot und Semmeln mache». Dies wär'«ne fein« Kunst, Hätten sie das Mehl umsunü. Auf dem Ladenschild eines witzigen Meisters: Wem's in Berkin an Brot gebricht, d-r koos? sich meine Nabe; Ich Bäcker habe mir mein Brot, wenn ich mein Brot nich hob«! I» einem Bäckerladen in Stettin: Backst Du's groß, wirst Du's los; Backst Du'S llein, ißt Du's allein! Psesserku chensprüch«: In meinem Zimmer rußt der Ofen, Än meinem Herzen ruhst nur Du. «- Du mein einziger Schatz, An mein' Herz ist Platz! * Mutter, du bist di« beste, Du flickst mir Hos' und Weste. * Auf dem Berliner Weihnachtsmarkt pflegte man früher di« Waren mit allerlei Versen anzupreisen. Ein Pfefferkuchenbäcker bot den vorübergehenden jungen Tomen seine Rosinenmänner mit folgendem Gedicht an: „Hierher, mein liebes Mamsellchen Wenden Sie«inen Sechser dran So kriegen Sie, was Sie suchen, Den ällersüßestrn Mann! Der wird sich treu erweisen In seinem Lebenslauf, Und haben Sie ihn satt, so speisen Sie ihn vor Liebe a«H" Volkswirtschaft und Sozialpolitik Zeichen-er teil. Bor unseren, durch die Not der Zeit gerrüb- ten Augen vollzieht sich das grandiose und von den Tragödien hunderttausender arbeitsloser Menschen erfüllte Schauspiel der abstrrbenven kapitalistischen Systems. Niemand vermag vor- auszusagen, wie lange das Sterben diese» Systems, das di« menschliche Gesellschaft auf ihrem Entwicklungswege ein so großer Stuck vorwartS- gebracht hat, dauer«, und unter welchen Umstän- oen der Uebergpng zur nächsthöheren ökonomi- schen Entwicklung Hufe, die wir bereits als eine sozialistffche erhoffen, vor sich gehen wird. Wüßten und fühlten wir eS nicht selbst, daß er mit dem privatkapitalistischen System zu Ende geht, — die Stimmen aus dem Lager deS Unternehmertums müßten es unS beweisen. Es ist be- zeichnend, daß gerade die Praktiker deS Wirtschaftslebens, die Leiter unserer Großbetriebe, das heutige Wirtschaftssystem als ein absterbendes Gebilde ansehen und nach neuen Formen suchen, die Rettung bringen sollen. Noch findet keiner von ihnen den Mut, offen nach dem Sozialismus zu rufen, denn sie sehen wohl den Verfall, erkennen, daß die Wirtschaft selbst nach neuen, großen Gesichtspunkten umgebaut werden muß, aber ihr Denken und Fühlen ist antisozialistisch, in der Gegnerschaft zum Sozialismus erstarrt und davum bleiben ihre Erwägungen, Weiterentwicklung, unfruchtbar. So folgt den Ausführungen des Generaldirektors Federer der Witkowitzer Werke, di« wir vor wenigen Tagen registrierten, ein bewcÄliche- Klagelied, das diesmal Dr. Srp vom Aussigrr Verein für chemische und metallurgische Produktion, in ver Reichenberger Handelskammer angestimmt bat. Dr. Srp meint, daß„nur tiefe Eingriffe in das Wirtschaftsleben unS vor dem Chaos bewahren können". Welcher Art diese Eingriffe zu sein hätten, sagt er nicht, denn auch bei seinen Gedankengangen führt keine Brücke von der richtigen Erkenntnis über den Stand der privatkapitalistischen Wirtschaft zum sozialistischen Neuaufbau. Wenn aber der Leiter eines unterer größten Industriebetriebe selbst schon von tiefen Eingriffen in das WirtschastSleben spricht, die allein unS vor dem Chaos bewahren können, so scheint eS unS, daß er, am Ufer der enffeffelten Fluten stehend, an das sozialistische Ufer um Hilfe ruft. „DaS freie Waltenlaffen der Kräfte allein ist nicht mehr möglich", klagt weiter Dr. Srp und wirft damit ein Dogma ins alte Eisen, dem sich noch vor einem Jahre alle-, was sich zur guten kapitalistischen Gesellschaft zählte, sklavisch gebeugt hat. Dr. Srp verlangt schließlich, daß„alle Wirt- schastskreise in Erkenntnis des Ernsts ihrer Lage und angesichts der Aufmerksamkeit einer internationalen Abhilfe sich über Selbsthilfemaßnahmen Aar werben. Wendet sich Herr Dr. Srp m't seinem Rufe auch an die sozialistische Arbeiter- schäft, so wird er nirgends so viel Erkenntnis der wahren Lage finden wie gerade hier. Nur über die Selbsthilfemaßnahmen wird es zwischen Dr. Srp und einem Sozialdemokraten eine klein« Meinungsverschiedenheit geben. Dr. Srp meint, daß dem verkalkten Kapitalismus noch durch welche Geheimmittel zu helfen sei. Wir aber wiffen, daß bald unsere Zeit gekommen sein wird, daß das Knistern im Gebälk des kapitalistischen.Zwingturmes heute bereit» zum drohenden Krachen geworden ist. vor dem unsere Wirt- schaftSführer ängstlich nach„Selbsthilfemaßnahmen aller WirtschaftÄreise" rufen. Lasten Sie es nur stürzen, Herr Dr. Srp,'— aus dem stützenden Gemäuer dräimt neues Leben, drängt-er Sozialismus zum Licht! Bette 8. Freitag, 28. Oktober 1932. Nr. 258. ♦ ohne die zwei keine Wö[che! PRAGER ZEITUNG Freitag, Das nv-i Kunst und Wissen •SÄ Volksfunk-Verlag G.m.b.H. Berlin SW68, Lindenstraße 3 wirten feine Rolle mehr. Der eine Klub hat zwei Punkte, der andere geht mit Null noch Hanse. DaS nenne ich kapitalistische Ueberspitzung, Verfestenheit auf primitiven Formeln, Ueberbetomrng des Schluß» efftktes. Unsere Aufgabe als Sozialisten besteht darin, eine andere Wertung der während der 30, 60 oder 90 Minuten geleisteten Arbeit beider Klubs zu schaffen. Damit ist vorläufig em neues Ziel auf« gestellt. Den Weg dazu werden wir finden, wenn wir recht wollen. Und als Sozialisten müssen wir wallen. El» Arbettersvortler, der edr SA.'Maun werden sollte. Lieber arbeitslos als«in Braunhemd. In Oesterreich versuchen die Nazi in letzter Zeit im Wiener Professionalfußballverband Fuß zu fassen. Soweit sie willige Helfer finden, gelingt ihnen das auch. DaS beweist ein Borfall, der sich dieser Tage zutrug. Der Arbeiterfußballer und bekannte Auswahlspieler Brzesofsky(Erlaa) war bei einem Realitätenhändler als Chauffeur an« gestellt. Auf seinen Fahrten zu Naziversammlun- gen verlangte der Händler von Brzesofsky, sich eine braune Nazi-Uniform anzuziehen. Der Spieler lehnte das aber glatt ab, er lehnte auch den Vorschlag seines Nazi-Chefs ab, einem Prosessionalverein beizutreten. Dabei nannte der Chef zur engeren Auswahl gleich mehrere Profivereine! Nun wurde Brzesofsky wegen„MangelS an Beschäftigung' entlassen. Der Spieler ist nun arbeitslos, doch erllärt er, lieber ein Arbeitsloser sein zu wollen, als das braune Hemd anzuziehen. llrovkvint pünktlich Jeden Freitag mit grellem Europaprogramm Bezugspreis vlerteljährL Kc 18.10 Zu bestellen beim Postamt FunkhSrer erhalten«Ine Probenummerkostanlos gcdanke packt uns, der Wille zum Sieg veißt uns I ort, und in der Hitze des Gefechts läßt sich einer mal zu weit gehen Aber daran ist nicht das Wett- kampssystem, sondern der einzelne Mensch schuld. So sagst du. Wirklich? Ist das die einzige Erklärung?! Ich sage nein. In unserm Arbeitersport, vor allem in unserem Wettspielsystem herrscht«och viel kapitalistischer Geist In erster Linie ist es notwendig, das zu erkennen. Was ist kennzeichnend für den kapitalistischen Geist? Kennzeichnend ist, daß der Erfolg über alles geht Wie der Erfolg zustande kommt» ist Nebensache. Der Erfolg ist da, wenn das Kapital wächst. Ob dabei die Welt zugrunde geht, läßt den Kapitalisten kühl, solange sein Geschäft blüht. Dieser kapitalistische Geist ist dem Sport von England aus eingehaucht worden. Sport war ursprünglich Zeitvertreib.! Durch den kapitalistischen Geist ist« der Sport zum Kampf geworden. Kampf um zählbaren, buchmäßig feststellbaren Erfolg. Erfolg ausgedrückt in einer möglichst einfachen Formel, in einer Zahl, im Rekord. Entscheidend den Gegner erledigen, bis man allein an der Spitze steht. Kartell, Trust, Ivar Kreuger! Serienwettspiele, Meisterschaft, Pokalsieger! Du kennst ja das ganze System, du weißt von nichts anderem und meinst, es sei schon immer so gewesen und müsse auch immer so bleiben. Das ist ein Irrtum Es war schon einmal anders, ist durch den kapitalistischen Geist so geworden und wird durch den sozialistischen Geist wieder, anders werden. Heute noch arbeitest du nach diesem kapitalistischen System. Die Arbeiterbewegung, der Sozialismus, wild den Kapitalismus überwinden und sozialistischer Geist wird auch das kapitalistische Wettspielsystem ändern. Ich verweise heute nur auf den wundesten Punkt im Wsttspielsystcm Entscheidend für den i Erfolg ist dos Torergebnis. Wie das Ergebnis zu- ■ stände gekommen ist, spielt nach den 90, 60, 30 Mi- Kapitalistisdier Geist im Arbeitersport? Der Vorsitzende des Erzieherausschuffes der Sozialistischen Arbetter-Spott-Juter- nationale, Genosse Steinemann(Bem), schreibt: Hast du, aktiver Arbeitersportler, dir diese Frage schon einmal vorgelegt? Und hast du gefunden, daß bei unserem Arbeitersport alles in Ordnung sei? Wenn noch Fehler Vorkommen, so liege das bei den Menschen und nicht beim System. Zu einem Teil hast du recht, zym anderen nicht. Wir Arbetter- sporüer find Menschen wie sichere auch. Der Kampf- „Bajazzo"(B 2).,— Sonntag, halb „Boheme"(A. A.); halb 8 Uhr: Bern d t", Ensemblegastspiel Deutsches ter Berlin(A. A.). Wochenspielplan der Kleinen Bühne. 8 Uhr: Kalkutta, 4. Mai', Kulturverbauds- freulide.— Samstag, 8 Uhr:„Weekend".— Sonntag, 3 Uhr:„Nina"; 8 Uhr„Dreimal Offenbach", Festvorstellung anläßlich des Parteitages.— Montag, 8 Uhr:„Cour-Bube", Bankbeamten I.— Dienstag, 3 Uhr:„Dreimal Offenbach'; 8 Uhr:„Weekend".— Mittwoch 8 Uhr:„II. Stock, Tür 19", Bankbeamten II. — Donnerstag, 8 Uhr:„W eekend".— Freitag 8 Uhr:„W e e k e n d", Kulturverbandsfreunde.— Samstag, halb 8 Uhr:„Bitte, erhören Sie meinen Mann", Erstaufführung.— Sonntag, 3 Uhr:„Weekend'; 8 Uhr:„Dreimal Offenbach". An unsere Postbezieher! Der heutigen Nummer liegt ei« Erlagschein zur Bezahlung der Bezugsgebühr bei. Wir machen besonders darauf aufmerksam, daß die Einzahlung unter demselben Namen geleistet werden muß, unter welche» der versand der Zeitungen erfolgt. Die Bezugs gebühr ist am Kops des Blatte» ersichtlich und ist stet» im vorhinein zu entrichten. Der Abonnementbeitrag muß spätesten» bi» zu« 15. eine» jeden Monate» in unserem Besitze sein. Wir ersuchen Sie, die» zu berücksichtigen, damit keine Unterbrechung in der Zustellung de» Blatte» eintritt. Di» Verwaltung. Geschäft mit dem Tod. Die tottranke Freundin als Objekt eine» Ber- sicherungsbetrugeS. Prag, 27. Oktober. Di« totkranke Marie Kout- n i k wurde von ihrer besten Freundin in ihrem Siechtum gepflegt und betreut. Diese aufopfernde Freundschaft hatte indesien einen sehr materiellen Hintergrund. Denn die liebevolle Pflegerin kam zu der Ansicht, daß der voraussichtlich bald zu er- wartende Tod ihres Pfleglings für sie zu einem guten Geschäft werden könnte. Sie beschloß eine Lebensversicherung auf das Leben der Kranken abzuschließen. Da sie aber wußte, daß keine Bersicherungsgesell- schaft die Schwerkranke aufnehmen würde, entschloß sie sich zu einem dreisten Betrug. Sie bestellte einen Agenten der Versicherungsgesellschaft„S la via" und ließ einen Versicherungsantrag auf 4 0.0 00 K abschließen. Zu der vorgeschriebenen ärztlichen Untersuchung erschien anstelle der Kranken sie selbst und der Vertrag wurde perfekt. Der Agtn überließ ihr von seiner Provision noch 300 K. Das gelungene Experiment machte ihr Mut und kurz darauf wiederholte sich das Manöver mit der Versicherungsanstalt„Praha'. Diesmal ging sie nicht selb st zum Anstaltsarzt, sondern schickte eine Freundin, die sich für die Versicherungsnehmerin ausgab. Die Versicherungssumme betrug in diesem Fall 150.000 K. Dann kam der ganz große Schlager. Auf Betreiben der selbstlosen Pflegerin ließ sich eine andere ihrer Freundinnen einen Paß auf den Namen der Kranken ausstellen und fuhr nach Genf, wo sie mit der Versicherungsgesellschaft„W i n t e r t h u r" unter dem Namen Koutnik in Verhandlungen trat Hier stand eine Versicherung von 85.000 Schweizer Franken(nahezu eine halbe Million Kronen!) in Frage, doch hatte die Schwindlerin nicht genug Geld mtt, um die Prämie zu bezahlen, so daß der Antrag nicht zustande kam. Der Senat des OGR. K a i s l e r verurteilte die Todesfpekulantin zu sieben Monaten und die eine ihrer Helferinnen zu vier Monaten schweren Kerkers, während er hinsichtlich der zweiten(im Fall„Praha") nicht zur vollen Ueberzeugung der bösen Absicht kam und sie f r e i s p r a ch. rft. Sine neue deutsche Oper. Der sudetende ut s ch e Tondichter Fr. Nicasius Schusser hat soeben eine große dramatisch« Oper, nach dem Roman von Sienkiewicz„Q u o V a d i s" betitelt vollendet. Der Klavierauszug und das Textbuch der Oper sind kürzlich im Kasa-Verlag in Falkenau an der Eger, 6SR., in Druck erschienen und sind von dort aus zu beziehen. Wocheuspielplau des Neuen Deutschen Theaters. Freitag, 6 Uhr:„Die Meistersinger von Nürnberg".— Samstag, halb 8 Uhr:„Der Kuß vor dem Spiegel", Gastspiel Lil Da- gover— Ernst Deutsch(A. A.j.— Sonntag, halb 3 Uhr:„Im weißen Rößl'(B. B.); halb 8 Uhr:„Der Kuß vor dem Spiegel", Gastspiel Lll Dagover— Ernst Deutsch(A. A.). — Montag, 8 Uhr: l. Philharmonisches Konzert(A. A.).— Dienstag, halb 3 Uhr: „Frau Warrens Gewerbe", Gastspiel Kramer-Glöckner(A. A.); halb 8 llchr: „Cavalleria rusticana"—„Bajazzd" (A 1).— Mittwoch, halb 8 Uhr:„Rigoletto" (B 2).— Donnerstag, halb 8 Uhr:„Schwarz- rote Kirschen'(C 2).— Freitag, halb 8 Uhr: „Z i g e u n e t b a r o n"(D 2).— Samstag, halb 8 Uhr:„Cavalleria rusticana"— Caiß und Rßltauranl„Börfe“ Im Hause der Parteitagung hat alles vorbereitet.— Menu 3 Gänge 8.S0, Mittag und Abend.— Schöne Kaffeehausräume. Für schnelle Abfertigung gesorgt. Fußball in Polen. Aufrichtige Freude herrscht im polnischen Arbeitersportlager über die Möglichkeit, an der Europa-Fußballmeisterschaft der Sozialistischen Arbciter-Spott-Jmternational« teilnchmen zu können. Die Landesmeisterschaft steht vor dem Abschluß. Bezirksmeister wurden„Jnicz" Warschau,„Witzen,* Lodz,„Lcgja" Krakau,„Jednoso" Königshütte und „Skra" Czenstochowa. Internationale Boxkämpfe. Ku Oslo führte der norwegische Arbeiterspottbund an zwei Tagen vor 4000 Zuschauern große internationale Box- kämpf« durch, mit Beteiligung aus Finnland, Deutschland und Oesterreich. Insgesamt kanten an die 40 Kämpft zum Austrag, in denen sich die norwegischen Boxer am besten durchfttzten. Bon den Gästen war der Halbschwergewichtsmeister des deutschen Arbeiber-Athleten-Bundes Lampert am erfolgreichsten. Er schlug den Oesterreichischer Barniak in der dritten Runde. Arbeitersport in Schweden. Außer dem kom- munisttschen Sportverband gibt es di«„Arbetarnas Jdrotts Union"(AJU.) und den Arbetarnas Motor- förbund(AMF.), fteistehend von allen Parteiorganisationen. Die AJU. umfaßt 15 Vereine in Stockholm. und.Umgebung und betreibt hauptsächlich das Fußballspiel Jährlich wird mit dem norwegischer Arbeitersportbund ein Länderfußballspiel ausgetragen. Außer Fußball wird in der AJU. auch eiftig Radsport betrieben und auch auf diesem Gebiete mtt Norwegen gut zusammengearbeitet. Im Juli fand in Stockholm eine internationale radsportliche Veranstaltung statt, die sehr erfolgreich verlief und an der sich über 40 norwegische Arbeiterradsportler beteiligten. AJU. und der Mowrförbund(AMF.) arbeiten gut zusammen. AMF, hat im ganzen Reich Vereine und. umfaßt an die 1800 Mttglieüer. Da in der Regel jedes Mitglied ein Kraftfahrzeug besitzen I muß, ist die Mitgliederzahl eine recht bedeutsame. I Zwischen dem AMF. und der AJU. einerseits und dem kommunisttschen Spottverband, der der Inter- I nationale in Moskau angeschlosien ist, gibt es kein« gemeinschaftlichen Beziehungen. Auch Arier. Der Tiroler Sktverband und sein größter Verein, der Skiklub ÄnnS-- Ibruck, sind Judenhasser. Sie haben den Arierparographen in ihren Statuten und werden ge- I leitet von eingefleischten Judenfeinden. Trotzdem haben beide Organisationen mit Freuden den Auft I trag des Internationalen Skiverbandes, Sitz Pari», I angenommen, die Organisierung des FIS.-Re n- n e n s, der größten Jahresveranstaltung des inter- I nationalen Verbandes, durchzuführen. Natürlich Inehmen an ihm'auch zahlreiche Juden teil, aber I daran stößt stch der Skiklub Innsbruck und sein Tiroler Landesverband diesmal nicht, denn Geschäft I i st Geschäft. Vom Lügen. Nachdenkliche Betrachtungen von Heinrich Holck. Den Begriff, den wir mit dem Worte Lüge ausdrücken, braucht man Wohl nicht erst genau zu definieren. Denn man braucht sie im Leben so dringend wie das liebe Geld. Ist sie doch sozusagen das Schmieröl, das den Mechanismus der menschlichen Gesellschaft vor dem Heißlaufen bewahrt. Es stünde schlecht um sie, wenn es diese Oekung nicht gäbe. Wir alle lügen!< Aber dennoch empfinden wir es als Beleidr- dung, wenn uns jemand einen Lügner nennt. Meist hat die» dann eine Ehrenbeleidigung zu Folge. So sind wir Menschen nun schon einmal. Wir sind undankbare Geschöpfe, die gerne ihre‘ Wohltäter verleugnen. Und so verleugnen wir auch die Lüge, also jene Wohltäterin, die uns das Leben erst einigermaßen erträglich macht. 'Versuche es doch einmal, nur einen einzigen Tag lang ohne Lüge auszukommen! Einen einzb- gen Tag nur die Wahrheit und nichts als die Wahrheit zu sprechen! Er wird sich's totsicher mit allen Menschen verderben, und selbst ftine besten Freunde wird er sich zu unversöhnlichen Feinden machen. Sein Geschäft, seine Stellung, seine Karriere würde er mit einem Schlage untergraben. Denn wie sehr wir Menschen die Wahrheit Preisen mögen, so wenig können wir sie ertragen, wenn sie uns unverblümt ins Gesicht gesagt wird. Ergo: lügen wir. Wir lieben die Wahrheit, aber wir befieben noch mehr zu lügen. Wir alle lügen. Der eine mehr, der andere minder; aber jeder nach seiner Art. Auch hierin gibt es verschiedene Grade des Könnens und der Leistungsfähigkeit. Es gibt Dilettanten, Meister, Virtuosen und Künstler der Lüge; es gibt Menschen, die nur sozusagen für ihren Hausgebrauch lugen. Und auch solche/' die eS berufsmäßig- tun wie etwa Jäger, Dichter, Hochstapler und Diplomaten. Für sie ist die Lüge das Hauptrequisit, das sie zur Ausübung ihres Berufes benötigen. Besonders dft Diplomaten haben das Lügen zur höchsten Entfaltung gebracht: sie bringen es fertig, auch dann zU lügen, wenn sie einmal ausnahmsweise die Wahrheit sagen; dann lügen sie erst recht! Ebensowenig können die Regierungen und die Behörden der Lüge entbehren und senden sie bei gewisien Anlässen als Dementis in die Welt. Dann gibt es aber auch Zeiten, in welchen die Lüge besonders üppig gedeiht. Hat doch schon der alte Bismarck festgestellt, daß nie so viel gelogen wird, wft nach einer Jagd, vor einer Wahl und während eines Krieges. So spielt also die Lüge in unserem Privaten und öffentlichen Leben eine überaus gewichtige Rolle. Die Lüge ist uns unentbehrlich wie die Lust, die wir atmen; die Lüge macht uns die Zwangsjacke althergebrachter Anschauungen und Begriffe erst erträglich. Im allgemeinen ist eS so, daß die Menschen nicht aus Purer Freude am Lügen lügen, sondern weil sie durch die Umstände dazu genötigt werden. Dieser Zwang zum Lügen ist so stark und so unwiderstehlich, daß selbst eine so strenge Sittenrichterin wie die Kirche darauf Bedacht nimmt. Sie verbfttet ihren Gläubigen das Lügen und erklärt es als Sünde; aber zugleich gestattet sie ihnen das Lügen und hat zu diesem Zwecke eigens den Begriff der Notlüge geprägt. Diese wird als eine leichtverzeihliche Sünde gewertet, für die den beichtenden Sündern bei der Bemessung der aufzuerlegenden Buße ein hochprozentiger Nachlaß gewährt wird. Dadurch, daß die Kirche den Begriff der Notlüge in ihren Katechismus ausgenommen hat, bekundet sie zweierlei: Erstens, daß die Priester sehr gute Menschenkenner sind, die erkannt haben, daß es zwecklos wäre, den Menschen das Lügen schlankweg zu verbieten; und zweitens, daß die Menschen im allgemeinen nicht gerne, sondern nur unter dem Zwange der Verhältnisse lügen. Daher die Bezeichnung N o t lüge. Die Verlogen, heit unserer Gesellschaftsordnung und ihrer Moral nötigen die Menschen zu lügen. Aber keiner will es eingestehen. Wenigstens nicht den andern gegenüber. Und so preisen wir um so lauter die T^hrheit und die Wahrhasttgkeit als höchstes Ideal, obwohl wir alle wiffen. daß wir sehr weit von ihm entfernt sind und eS kaum erreichen werden, solange diese gegenwärtige, verlogene Gesellschaftsordnung des Kapitalismus bestehen wird. Und trotzdem: nennt uns jemand einen Lügner, so empfinden wir dies als einen Schimpf, den wir um keinen Preis auf uns sitzen lasten wollen, obwohl kein Mensch von sich sagen kann, er habe nie gelogen. Freitag, 28. Oktober 1932. LiLner^ Jindfrtskä 20 Literatur Vereinsnadiriditen Kokoro Bushido. Rr. 255. m,»ix 9nt KManwttnft. Ott» y»!U. »«rttliltili» T4«.-» jMe ffd/M« OlmMefte UJocftenscftrif truftetorf fedcn tfonntaf ttfterall«rMNIM Dieser tngüu i Mantel aus gutem Stoff WflfAUia gearbe- ist sehr billig und ! vor, Allem verleiht *♦ in tadelloser Schnitt seiner Tröge« gn die fesche Figur! SiesoMten ihn einmal bei uns probieren! EEWWMWW^L^LuMLMM Verschwinden. Sie sind-um großen Teil bereits durch halbrunde, mit einem breiten Schlitz versehene, enge Kästchen ersetzt, deren Türchen unten mit einem Drehschlüsselloch versehen sind. Beim Versuche, eine dicke Sonntagsnummer herauszuangeln. von der nur die rechte obere Ecke mit der Silbe„—isty" emporguckte, wollte den Autor,— behauptet er, das Luderchen von Kästchen den Unterarm abbeißen: kaum bekam er ihn wieder, noch dazu ohne Zeitung, heraus. Schöner Fortschritt! Der Autor geht nicht fehl- wenn er aus guten, nahrhaften Gründen annimmt, daß jetzt so manche- ungegessene Bürobutterbrot mit und ohne Beilage verkommt: der Suchende findet es ebensowenig wie Arbeit. Wie kommt man schlimmstenfalls jetzt zu abgelegten Eßwaren, Zeitungen und sonstigen Gebranchsgogon- ftänden? Einstiveilen denkt der Verfasser über die Konstruktion einer parabolisch gebogenen, aber billigsten„Geburtszange" nach, um mittels ihr den städtischen Mistkisterln die Geburt von Zeitungen, Einpack- und Feuer-Anzünde-Papicr etc. zu erleichtern. Absei-ttrle hunmuität. Die Abfallkästchen in den Prager Straße» sind nicht nur für Reinlichkeits-Förderung dage- >vcsen, sondern in ihnen fand so Mancher» der weder Arbeit noch Essen finden konnte,— Ueberbleibsel. Ter Verfasser bezog aus ihnen die deutschen und tschechischen Bürgerblätter, iveil ihm ein Kausen nicht paßte. Ein Kamerad, den er im Vorjahre öfter begleitete, um Prag hinter den Kulissen weiter zu beobachten, bpzog aus dieser für Prag neuen Einrichtung: Obst— Buchteln— Semmeln— Brot— abgelegte Schuhe — eine Schachtel mit zwei vergessenen Aegyp- tischen usw. Kurz: di« Mäuler der einladend offenen breiten Blechrohrkästen etablierten sich als soziale Institution von nicht geringem Werre. UebrigenS fand Autor selbst mal einen Kilopapiersack sehr brauchbarer Birnen, etwas angefault Pvar, aber, das waren ja die von ihm in den quasi„Mistkisterln" abonnierten Burgerblätter ebenfalls... Das ivurde und wird imnrer schlimmer— anders. Di« freundlichen, das runde Maul weit öffnenden Abfallrohre gang" eines MurnaU) gepackt unp ihre Erfolge der also richtig fundierten Kraft d«r Darstellung verdankt, wie die ganze Welt speziell vo» den Russen filmen gelernt hat. Diesen Weg ist aber di« herrschende Produkkio» bis jetzt nicht gegangen: in ihren Standardwerken ist ihr nichts ferner, als dir Welt mit ihren wahrer Problemen und Kämpfen, mit ihren Ktassencheidun gen und komplizierten Gesellschafkskouflikte», für den Durchschnittsfilm existiert nur ein Milieus das der überwiegenden Mehrheit der Völker vollkommen fremd und unzugänglich ist. Die Tendenz isl»hier klar: di« herrschende Gesellschaft leugnet offizml in ihren Künsten wie auch ihrer Presse den Zusammenbruch: man beschönigt, vertuscht, man retouchirrt di« Riss« und Löcher d«r Kultur, di« immer als Aus- druck glücklicher Menschen dargestellt wird, di« auch in ihren tragischen Konflikten den Jchkrers nicht überschreiten und vor allem den Individualismus hochhalten, dessen Folgen eben verborgen werden sollen. Dieses System, das kein« reale oder fei es auch historische Wahrheit kennt, sowie dadurch etwas wic ein kritisches Moment in das bestehende Gebäude der Ordnung gebracht werden soll, darf niemals gutge- heißen werden. Nicht di« äußere Aufmachung, nicht di« tadellos« Technik des Spiels, der Regie, di« wun- dervollen Anzüge der Herren Fritsch, Forst und Genossen entsprechen dem wahren Sinn des Films, sondern die Ideologie, di« gedanklichen Ziele, di« zum Ausdruck kommen sollen. Und deren finden wir in den meisten der erfolgreichsten Filme fast überhaupt keine. Ein„Sieger" oder„Blonder Traum" ist absolut ohne geistigen Hintergrund, eine„Privatsekretärin" kann nur den Sinn hab«i, di« wahren uw> nicht so wundervoll gepflegten Sekretärinnen davon zu überzeugen, daß ihre einzig« Sehnsucht jen« Karriere sein muß, di« beim Herrn Direktor beginnt oder sogar manchmal gnädigst endet. Niemals wird diese Art von Filmen, die in deutscher Operet- lenliebenswürdigkeit, französischem Frohmut oder amerikanischer Gesellschaftsverlogenheit den Markt beherrschen, den erzieherischen Zwecken des Films gerecht werden, niemals werden ihr« Schöpfer auch nur di« Absicht haben, diesem Ziel zu entsprechen. Denn das Gesetz des kapitalistischen Films, seine oberste Richtschnur ist der Verdienst. Seien wir uns nur darüber klar, daß es kein« der großen Produktionsgesellschaften mit jener Kultur ernst nimmt, di« man so gerne im Film sehen möchte: ihre raffiniert« Reklame, ihr« Täuschungsmethoden, die selbst der übelsten Boulevardpresse größte Verbreitung zu erschwindeln mag, hat auch Len wahren Film zu diskreditieren vermocht, hat dem Schundfilm Boden geschaffen und Erfolg« errungen. Dieser bestehenden Macht gegenüberzutreten, diesem Ring, von Plakaten, Flugblättern und Änserotrn gestützt, dieser Macht, di« mit ungeheuren Kapitalien di« besten Könner tn ihren Dienst gebracht hat, Widerstand zu leisten, darf niemals vergessen werden.' Wenn darum die sozialistische Filmauffassung manchmal die technischen Vorteil«, di« oft überraschenden Erfolge der Routine und des mechanischen Könnens um der Ädeülogi«, willen Mückstellt, so ist das wohl gerechtfertigt; nichts sei gesagt gegen«ine formvollendete Unterhaltung, gegen eine dem Leben abgelauscht« und meisterhaft dargestellte Operette vom Rang der Ren« Claire-Werke gegen begeisternde Parodie oder amerikanisch« Grotesk«: aber die Filmproduktion als solche darf nicht unbeachtet ausschli«ßlich darauf ausgehen, di« billigsten Effekte mit geringstem Risiko zu Limonaden zu verwerten, di« mit Kulturbelangen nichts mehr g« mein haben. Der Unterhaltungsfilm muß auch vorhanden sein, aber er darf nicht ausschließlich di« materiellen Möglichkeiten an sich ziehen und durch verlogenen Inhalt dem Publikum«ine Welt als bestehend schildern, di« dem Leben nicht entspricht. D. Lg. Bezirksorgamoü Prag Anläßlich des in de» Tagen vom 28. Oktober bis 1. November 1932 in Prag stattfindeuden Parteitages veranstaltet die Bezirksorganisation am Sonntag, den 39. Oktober 1932 in der„Kleinen Buhne"(Hadlii-ekplatz) eine geschlossene Theatervorstellung »Dreimal Offenbach“ Beginn 8 Uhr abends. Nur für Parteimitglieder und deren Angehörige zugänglich Kartenvorverlauf bei Gen. M. Deutsch Graben, gegen Vorweisung der Parteilegitimatio«.— Press«: K« 18.—, 14— und 19.—. Da ein Teil der Karten für die Parteidelegierteu reserviert bleibt, werden dir im Borverkaus erhältliche« Karten rasch vergriffen sein und «s empfiehlt sich daher sofortig« Bestellung. Eventuell noch restliche Karte« werden im Büro deS Parteitages(Produkteubörsej am Sonntag nachmittags verkauft. Die BezirlSvrrtrrtuug. »rmerkmtge» zur ior Milchen Filmavf assung. Tie Kunst ist für di« sozialistische Bewegung nicht nur«in Instrument der Unterhaltung, Ablenkung, sondern auch ein Mittel, den Gedanken des Sozialismus verschiedenartigsten Ausdruck zu»er- leihen. Soll die Kunst aber nicht nur unterhalten und ablenten oom L«b«n, dos man heut« ein hartes nennen muß, soll sie erziehen und belehren, dann kann st« nichts Besseres als von der Wirklichkeit au-gehend Probleme des Lebens zur Diskussion zu stellen und in verständlicher Art zu lösen. Kaum«ine ander« Disziplin der Kunst ist mehr geeignet al- der Film, die breitesten Massen des arbeitenden Volkes zu erfassen,«in« allen verständliche Sprache des Bildes zu finden und erfordert daher größt« Aufmerksamkeit vom Standpunkt sozialistischer Volksbildung, Wenn wir nun. di« Möglichkeiten des Films in seiner tönenden Fassung abwägen, so muß vor allem daran sestgehalten werden, daß der Film als lebendes Bild das Leben darzustellen hak. Schon in den ersten Schaubudenkinos etwa eines P o n r e p o war ,das Spiegelbild der Lebens auf dem Papier"(man kannte damals noch kenn' Leinwand als Proiektions- släche) angcpriesen und di« ersten wirklich guten Filme haben vor allem durch die Lebenswahrheit ihres Sujets inian denke etwa an„Bor Sonnenauf- ▲ Akademie. Samstag, den 29. Oktober, im Radiosaal, Weinberge, Fochovä tk. 86. Beginn: Halb 8 Uhr abends. Auf dem Programm gymnastische und > Tanzvorführungen der Turnerin- n«n und Turner. Als Gäst« wirken mit der rhythmische Frauen-Beioegungschor der DTJ. 1. Kreis und di« Akrobatrngruppe der DTJ. Pankratz. Nach dem Programm Tanz. Kapelle Papevt. Eintrittskarten zu 6 88 sind im Vorverkauf bei allen Mitgliedern des Vereines zu haben. »®* 1 vEkgittert« Spiegel." Der tschechisch« Dich- Ävan Olbrachr har.sich sehr.rasch einen guten literarischen Namen gemacht Mit seinem neuen Buch„Der vergittert« SPiegel", das letzt in vorbildlich«! Ausstattung bei der Büch erg i ldc Gutenberg, Berlin, erschienen ist(in Leinen 8 Mark), tritt er in die erst« Reih« der schriftsteller von internationaler Bedeutung. Sein neues Büch ist in j«d«r Beziehung ein Metster- D«rk. Obwohl nichts Aufregendes geschieht— Ol- bracht erzählt von einer kurzen Gefängnishaft, di« er abgesesien hat—, ist das Buch unerhört fesselnd und von packender Gewalt. Ein anderer hätte nach dem üblichen Schema an den Gittrrstäben gerüttelt urch mit den Ketten geklirrt, Olbracht vermeidet solche billigen Effekt«. Er arbeitet nicht mit Schwarzweiß-Kontrasten, er berichtet mir prachtvollem Galgenhumor auch von den gemütlichen Seiten des Erlebnisses, und er läßt allen, denen er begegnet, Gerechtigkeit widerfahren. Manchmal möchte es scheinen, als ob das«in r«chl gemütliches Gefängnis gewesen sei, in dem er das«rlebl Hai, wa» er in diesem Buche so lebendig erzählt. Aber diese ruhig« Heiterkeit in seiner'Darstellung ist weniger einer menschen- freundlichen Gefängnisverwaltung zu danken als dem Charakter des Dichters und seiner großen inneren Urberlegenheik. Er fühlt sich nicht erniedrig: und beleidigt, er nimmt diese Straf« und alle mit ihr verbundenen Unannehmlichkeiten auf sich wie ern Mensch, der weiß, daß di« Sache, der er mit ganzer Seel« dient, nicht aufgehallen werden kann mit noch soviel Gewaltmitteln und Schikanen. Er verst«hk cs. s«ine Aufseher und Mitgefangenen sich zu Freunden zu machen und sie merken zu lassen, welch« Kraf! eine Weltanschauung geben kann, dir in dem Satz gipfelt:„Das Leben wäre gar nicht lebenstveri, wenn wir nur das wollten, war in unseren Kräften steht/ Olbracht ist Künstler genug, um zu wissen, daß man das Wort Klasienkampf und da« Wort Politik nicht in den Mund zu nehmen braucht und daß man doch al« KlassenkSmpser vor der ganzen Welt bestehen kann. Tn seinem Buch ist auch nicht «ine von den in solchen Büchern üblichen propagan. distischen Wendungen, und doch: welch« Propaganda entfaltet dies«« neu« Werk! ES gehört zu den weni. gen Büchern, di« dem Begriff Arbeiterdichtung Sn halt geben. Nit Wasserstoff superoxyd Ins Dritte Deich. Das folgende Gedicht ist nicht etwa in der Fachreituna der Friseurgenossenschaft, sondern im völkischen Kampflatt„Der Tag" erschienen: Gelöbnis. Wir wollen deutsch und blond sein'in der Seele! Ein Wort,«in Blick, ein fester Händedruck, dem es an Wahrhaftigkeit niemals f«hl«, sei unS statt aller Schwüre stets genug. Blond wollln wir bleiben, blond>m Drn- ken, Handeln, blond auch im Herzen, das di« Treu« kennt, mag sich um unS auch olles änd«rn. wandeln, wenn nur da? alte Feuer in uns brennt. Denn unsre Liebe nicht im Schutz erstickt, der altes Hohe, Hehre niederdrückt. Gr«rr Adam. Schutz ist ein Druckfehler: weil man in braunen Häusern nicht vom Schmutz reden soll. WaS tut aber, fragen wir, nach diesem Gelöbnis der Führer Rudolf Jung, der unmöglich in Seele, Herz, Denken und Handeln blond sein kann, da ihn Woran leider rabenschwarz geschaffen hat? Da wird die blondwütige Poerin schon mit Wasserstoff nachhelfen müssen! tetfc«Cgtbet. SUzsrUt Xetb- Cbeftebetteie. wich«!» Hieben.— SetartMttli*« Stebattm: Cat* etiaak, Uta«.— StB«:•>»’<«'<.♦ ft« vuchbnft, V«»I— PN Etat.— Di« geilu»ge»art:«tre!N»n» wurde von der Poft.». leleaübbetibittMM eit«rück«i W.MWVII'ISBO dewilli,:— vtjirgtbeo. ixi-nge«. Lei Zufteil-inz in» Han« oder bei Bezua b«ch b>« v 0? Hftiäbm u Ml-, U— Jniereu mtbtt IM Znif bitt«* berechne, Bet Mtam«mtchMe»»» Preilnechietz.--tüsjicLnn, WOG nMct Ml dkl der Menschheit, erlangte seine heutige Bedeutung als Massenartikel des täglichen Verbrauches ver- hältnismäßig spät. Bis tief' intz Mittelalter war er als Nahrungsmittel überhaupt unbekannt. Zur Zeit der Kreuzzüge gelangt« das Zuckerrohr, das in Asien schon lange bekannt war, nach Europa und nach der Entdeckung Amerikas in drr Länder der neuen Welt, aber erst um die Mitte des acht» zehnten Jahrhunderts wurde durch die Entdeckung deS Zuckergehaltes der Runkelrübe der Boden für die später« Entstehung und Entwicklung der europäischen Zuckerindustrie geschaffen. In dies« Zeit fallen auch die ersten Versuch« der Züchtung und Verarbeitung von Zuckerrüben auf unserem Staatsgebiete. Die ersten industriellen Betriebe befassen sich noch mit der Verarbeitung von Kolonialzucker und erst etwa dreißig Jahre später ging' man daran'— wohl unter dem Einfluß der durch Napoleon verhängten Kontinentalsperre— den heimischen Rohstoff zur Erzeugung heranzuziehen. 9iach einer Reihe kleinerer und nicht sehr erfolgreicher Gründungen wurde 1830 der erste maschinelle Großbetrieb in Dobrowitz errichtet, der auch heut« noch besteht. Als eigentlicher Konsumartikel hat also Zucker eine verhältnismäßig kurze Lebensdauer— knappe hundert Jahr«— um so wechselvoller aber ist der Weg, den dies« Industrie seither zurückgelegt hat. Das intensive Studium deS Rohmaterials hielt Schritt mit der! technischen Vervollkommnung der Betriebsstätten. Di« Aufzucht der Zuckerrübe ist ebenso ein« Wissenschaft geworden, wie die rationell« Zucker- fewinnung selbst und wie befruchtend der Ein- luß der Zuckerindustrie auf eine ganze Reihe anderer Produktionszweige war, betveist wohl am besten die Tatsache, daß unseren heimischen Maschinenfabriken, unseren Technikern und Chemikern die Einrichtung und Leitung von vielen Zuckerfabriken des Auslandes anvertraut wurde. Di« Expausionsbestrebungen der europäischen Rübenzuckerindustrie führten bekanntlich zu einem scharfen Konkurrenzkampf zwischen Rübe und Rohr, welcher Lu Beginn dieses Jahrhunderts zwar ein«» vorübergehenden Erfolg der Rüben- zuckerindustrie brachte, schließlich aber wieder die Vorherrschaft des Rohzuckers befestigt«. Auch unsere heimische Industrie, welche durch den Umsturz einen großen JnlandSmarkt verlor, war gezwungen, neue Absatzgebiete zu suchen und erzielte dabei besonders in den ersten Nachkriegsjahren große Erfolge. Mit der Zurückdrängung des Rübenzucker- vom Weltmarkt, mit den Autarkiebestrebungen ehemaliger Abnehmerstaaten wurde allerdings auch die tschechoslowakische Zuckerindustrie von der Krise erfaßt. Di« bisherigen SanierungSbestrebnngen haben nicht den erhofften Erfolg gezeitigt. Die internationalen Verhandlungen^ welche auf eine allgemeine Einschränkung der Weltproduktion hinzielen» scheiterten bisher an dem Widerstand der Hauptbeteiligten Kuba und Java. Auch die für Dezember d. I. nach Paris cinberufene Konferenz wird pcffimi- stisch beurtellt. Bezeichnend ist, daß nach den soeben veröffentlichten Schätzungen für die Kampagne 1982 bis 1933 ein scharfer Rückgang sowohl" der gesamteuropäischen(16.81 Proz.) als auch der tschechoslowakischen(21.50 Proz.) Zuk- kerproduktion zu erwarten ist. Eine ganz eigenartige Machwvsition har sich unsere Zuckerindustrie gegenüber ihrem Inlandsmarkt geschaffen. Gegenüber der ausländischen Konkurrenz durch hohe Zölle geschützt, hat die straffe Kartellorganisation, welche unmittelbar die staatliche Bewirtschaftung ablöste, die Möglichkeit, ihren Willen gegenüber dem inländischen Verbraucher rücksichtslos durchzusctzcn. Es ergibt sich also die Situation, daß unsere Volkswirtschaft auf der einen Seite zwar unter dem Schrumpfungsprozeß der Industrie leidet, auf der anderen'Seite aber der regulierenden Wirkung des Weltmarktes vollständig entzogen wird. Di« sich daraus ergebenden Folgen sind wohl am besten aus nachstehender Skizze ersichtlich: Aus der Gegenüberstellung der seit Jahren unveränderten Inlandspreises und des je nach der Weltmarktlag« veränderlichen Exportpreises ergibt sich aber noch eine wichtig« Folgerung. Am Inlandspreis partizipiert der SteuerfiskuS mir einem Betrage von K 2.09 per Kilogramm, also mit mehr als einem Drittel, Der verbleibend« Rest stellt noch immer ein Vielfaches deS heut« erzielten Exportpreises dar, welcher nach der Behauptung der Industrie weit unter dem Äe- strhungspreise li«gt. Eine dreifache Last liegt also auf den Schultern des inländischen Alckerkon- sumenten: er allein, stellt das Objekt für ein« Steuerbelastung, welche für ein lebensnotwendiges Nahrungsmittel wie Zucker viel zu hoch ist. Er allein stellt«inen treuen und verläßlichen Abnehmer, welcher— unbeirrt durch andere Bczugsmöglichkeiten und unbeeinflußt durch das Gesetz von Angebot und Nachfrage— seit Jahren den Bestand der Industrie^überhaupt ermöglicht. Er ist eS schließlich, der derselben Industrie durch den hohen Inlandspreis die Exportprämie bezahlt und sie damit erst befähigt, ihr Exportgeschäft in einem Umsange aufrechtzuerhalten, der in den letzten Jahren zwei Drittel der ganzen Erzeugung, also dem zweifachen JnlandSabsatz entsprach. Man sollte annehmen, daß ein derart wichtiger Faktor, mit dein heute die ganze Zuckerindustrie steht und fällt, entsprechend seiner Be- deütung eirtgcschätzt wird— und geht fehl in dieser Annahme. Unser« Zuckerindustrie besteht heute aus fünf großen Konzernen, welche ihrerseits unter der Kontrolle einiger Großbanken stehen und wohl dem Einfluß einiger Bank-' träger^ un'terwark-^"\ er eigentlichen Wirtschafts, lange noch? U'har ljch«n Zukw»> k” auf den unerträg- auf"TW” haben, jedes Risiko öbne ibmI?^»" Verbrauchers abzuwälzen, zuzuaestebeu^"ur di« bescheidenste Einflußnahme Wnei QHiVr WS ist schmerzlich klar, der äuck-r. sinkender Kauflraft ist es gerade nicht im Greift 5 d" wrchtigsten Lebensmittel, der nicht im Prelle ermäßigt werden kann. daraus.^l^rblngS auch die Antwort länaer öer Inlandskvnsument nicht »um Zw«ck sein, so gilt es, dem geschlossenen Kartell des Kapi- ")««'«« ebenso geschlossene und r,, kV olle Organisation drr Verbraucher«ntgegrnzu st eilen. M. CH. Zuckerfragen. Zucker, eines der wick)tigsten Nahrungsmittel Menschheit, erlaugtc seine heutige Bedeutung Massenartikel des täglichen Verbrauches ver- Seit« 10. Freitag, 28. Oktober 1SSL Sir. 255. Wenn Du an THYMOL1N Mitteilungen aus dem Publikum. JO-VH REGNAL Verbandstoff-Werke Beim Einkauf von »■■■■■WB Aluminiumgeschirr welche durch ihre Form— versehen mit unbrennbarem Griffe, solider und dauerhafter Qualität, sämtliches bis jetzt erzeugtes Aluminiumgeschirr übertrifft. verlangt heute die praktische Hausfrau im Geschäft und Konsum nur einzig die gesetzlich geschützte Marke Bodenbach a. d. Elbe. Thhmolin— die Qualitäts-Zahnpasta. Die Zahnpasta Thhmolin ist auf Grund langjähriger Versuch« unter Mitwirkung hervorragender Zahnärzte und Fachleute aus erstklassigen Materialien hergestelli, ärztlich geprüft, begutachtet und empfohlen.— Der Geschmack ist sehr erfrischend, es werden die besten englischen Pfefferminz- und französischen Blütenöle verwendet.— Die Zahnpasta Thhmolin ist die feinste Komposition unter Zahnpasten und ist daher ohne jede Konkurrenz. Deshalb wird diese gute Marke aufs wärmste empfohlen. 1767 _ TABLE Ttt H bei Unbehagen aus den besten Hüff RHEUMATISCHE Schaarus aller Art Dr Richter'» ANKER PAIN EXPELLER Bewehrt« Khatrudnido Emreibenf la Apotheke« erhlltilcb Reich« KE 215«, M-,«- Teplitz-Schönau vertragliche Lieferanten des Reichsverbandes deutscher Bezirkskranken-V ersieherungsanstalt en Prag L, Bartolomejskä 14. 1743 Zur Blutstillung wird heute noch vielfach Eisenchloridwatte verwendet, trotzdem von allen neueren Autoren dringend davor gewarnt wird. Eisenchloridwatte erzeugt Verätzungen« bildet schmierige Belege und stinkende Blutgerinsel, die leicht zu Entzündungen fuhren. In der modernen Medizin verwendet man Stryhpnon-Watte die in eleganten Blechschachteln bequem in der Westentasche oder im Handtflschchen getragen werden kann und in jeder Apotheke geführt wird. 1/7* ruospcziniist Prause. TcpiMz-smannn Kein Metall— Kein Leder wir es di« B.K.VA. T«pUtz, Rtnbarg, Kamoian etc. tun?— Diese Einlage üf federleicht wunderbar elastisch und kann niemals niedergetreten werden. Gesundheit und Heilwesen. DaS menschliche Leben hängt innig mit der Gesundheitslehre und der Lehre von den Heil» Mitteln zusammen. Das gesunde Andividium fragt weder nach Arzt noch nach Medllament, es sei denn, daß Lessen Kulturfortschritt schon derart hochstehend ist, daß er ein bis zweimal im Jahre bei voller Gesundheit den Arzt aufsucht und sich überprüfen läßt, ob alles in Ordnung sei. Wen» aber beim Menschen eine Störung seiner Lebensfunktionen eintritt, eine Abweichung von der Norm einfetzt, er ein Unbehagen im Gesamtkörper oder an einer Stelle fühlt, oder ihn Schmerzen leichteren oder schwereren Grades quälen, dann erst sucht er den Arzt auf. Dieser verordnet neben allgemeinen Vorschriften der Lebensweise, der Verköstigung auch die nötigen Medikamente. Diese sind in der allgemeinen Praxis(dazu gehört auch die Behandlung im Rahmen der Krankenversicherungsanstalten)— oft der wichtigste Heilbehelf, denn der Kranke kann sich eine Heilung seines Zustandes ohne FRANZ LANGER& SOHNE. OLMOTZ SPEZIALERZEUäUNG von M A l Z P R X P A R AT E N Malz- Nährpräparate den Heilmittelerzeugern aufgegriffen, um neue Medikamente auf den Markt zu werfen. In allen Kulturstätten sind chemische Fabriken damit beschäftigt, Medikamente in großer Zahl zu bereiten, welche den Weg in die Apotheke nehmen und von dort an die Kranken weitergegebe« werden. Es gibt Heilmittel, deren Entdeckung, deren Erzeugung und Benützung sicherlich zu den groMn Ruhmestaten der Medizm gehören, aber es gibt ebenso viele Taufende Medikamente, mit ost schönem und weniger schönem, langen und kurzem Namen, die alte Grundelemente der Pharmakopoe miteinander verbinden und keinen tieferen günstigen Eindruck auf Behandlung und Gesundung kranker Menschen hinterlassen. Solange die Apotheken und die Heilmittelfabriken nur dem privaten Menschen dienten, bestand das Verhältnis rein kaufmännischer Art — hier Kranker— hier Geschäftshaus. Heute, wo ein gpoßer Teil der arbeitenden Menschen in Sozialversicherungsinstituten ihren Arzt und ihre Hellmittel beziehen, da muß schon aus verschiedenen Gründen das öffentliche Interesse im Verhältnisse von Kvankheits- und Gesundheitswesen regelnd eingreifen. Wir wisien ja, daß alle chemischen Fabriken und alle Apocheken nur deshalb Heilmittel erzeugen und verkaufen, damit sie daran verdienen; so nebstbei wirken ja viele Medikamente neben den sonstigen ärzüichen Verordnungen ausgezeichnet unterstützend auf die Gesundung der kranken Menschen. Aber im Vordergründe steht als oberster Grundsatz der Profit. Wie anders und wie heilbringend würde sich dieser bestimmte Geschäftszweig auf die Gesundung von Kranken auswirken, wenn er z. B. sozialisiert wäre. Viele Millionen Menschen stehen heute außerhalb der Produktion, außerhalb der sie versorgende» Arbeitsmöglichkeit. Der Staat, d. h. Has Kollektivum, versorgt diese Menschen mit dem Wichtigsten, vor allem an Nahrung. Wenn er sie noch mit Hellmitteln v«r- | sorgen wurde, dann wäre der Weg zur Vergesellschaftung der Hellmittel vorgezeichnet. Mir scheint es, daß wir in dieser Richtung gehen. Dr. N. Weigel. Vollskrankheiten. Zu den am meisten verbreiteten Krankheilen gehören Rheuma, Gicht und Ischias. Besonders unter Rheuma haben sehr viele zu leiden, wie aus den amtlichen Ilatistiken hervor» geht. Bei der Bekämpfung der genannten Krankheiten haben sich Togal-Tablerten in hervorrägender Weise bewährt. Weit über 6000 Arrzte haben sich in höchst anerkennender und lobender Weise über di« Wirkung der Togal ausgesprochen. In allen Apotheken erhältlich, wo nicht vorrätig, kann direkt vom Generaldepot: Brauners Apotheke„Zum weißen Löwen", Prag II., Pkikopy 12, bezogen werden. 1777 Auch wochentags i flül)nersupP e i Mit X Vit. siedendem Wasser p übergießt man einen H GRAF*Hühnersuppewürfel,■ der■ Anwendung von Heilmitteln gar nicht vorstellen. I» der ältesten Zeit wurden die Hellmlltel von der Mutter Erde geliefert. In dieser Zeit haben spekulative Auffassungen über die Behandlung von Krankheiten oft nützliche, oft vergebliche Anwendungen von verschiedenen Manzensäften und Kräuterabkochungen ergeben. Mit der Zell wurden aber Erfahrungen gesammelt, und die MÄi- zrumänner wußten schon mehr Bescheid über oie richtige Auswahl und gute Anwendung von solchen der Pflanzenwelt entnommenen Tees und Tropfen. Mit der Entwicklung der wifsen- schafüichen Medizin in Men ihren Tellen erfolgte auch ein mächtiger Ausbau der Chemie. Dies« wieder zeitigte eine fabriksmäßige Herstellung von guten und weniger guten Medikamenten. Täglich entdeckt die wissenschaftliche Medizin Neuland und sofort werden die Ergebnisse von In Trauerfälle« finden Di«, Gnädigste, jegliche Trauerklridung(Kleider, Mäntel, Pelze, Kostüme, Schöße) für jede— auch die stärkste Figur, in der separa«n Trauer-Abteilung der Firma B u sch, Damen- und Mädchen-Kleidung«n gros und«n detail, Prag, Pkikopy 27(Mitte des Grabens), nur I. Stock, Eingang innen im Haus Telephon 21b—17.. Auch mittags geöffnet. Warum spart Ihre Anstalt nicht? das Geld, welches sie Ur schlechte Plattlußeinlagen verschleudert? Warum heilen Sie Ihre Patienten nicht! die Ihnen mit Ihrem FuEleiden wochenlang im Krankenstand Zeit and Geld kosten in Kürze mit der metallosen «rHokoiade A Kakao y Dessert£ Verwenden Sie bewährte Inländische Präparate. LECIFERCHINÄT bei'Appetitlosigkeit, Blutarmut uock in der Rekonvaleszenz. LUMIPIRIN gegen aller Art Schmerzen. REUMEX gegen rheumatische Schmerzen. SIKÄLGIN gegen Husten. 1760 Arbeite- und LebensttberdruB 1 eidest, so befreit Dich von diesen liebeln der regelmäSlge Gebrauch von Fluidosan sprudelndes Fichtennadelbad. in allen Apotheken. Drogerien, Parfümerien etc. erhältlich. Hans Hickel a Ing. Felix Qross, Mähr.-Ostrau, Pffvoz. Stein odgasseZT, le OG >> KOMMANDIT-GESELLSCHAFT 176; Mähr-Ostrau. Liefert: Motorenbenzol, Reinbenzol, Toluol, Xylol etc., Dachpappe und alle übrigen Steinkohlenteerprodukte, Spezial-Straßenteer Marke„Rego“. Übernimmt die Ausführung von neuzeitlichen TeerstraBen. 1772 FABRIKEN: Witkowitz, Mährisch-Ostrau, Zilina. elektrischen Lichtes" gesehen haben. In diesem Falle kann man nur durch das Beispiel jegliches Vorurteil beseitigen. Es sei hier an das elektrische Bügeleisen erinnert, dem man anfangs auch argwöhnisch gegenüber stand. Es wurde mit dem„Bügelstähl", der im glut- gesüllten Küchenofen rotglühend erhitzt wurde, geplättet oder mit einem direkt heizbaren Bügeleisen und schließlich mit dem Gasbügeleisen. Es ist weder die Kohle noch das Gas umsonst, so daß auch für das elektrische Bügeleisen der Stromverbrauch am Zähler verrechnet werden muß. Die Leistungsprobe hat das elektrische Bügeleisen Strassenbau Lehneri Krlfenzeit ist geeignetste Änvestitionszeit. Großzügiger Ausbau des Straßennetzes ist das beste Sparprogramm. Bon Jng. Karl Fuhrman«. und stürzten sich in schwere, heute kaum mehr tragbare Schulden. Darin liegt bei uns die besondere Härte der gegenwärtigen Wirtschaftskrise, die unser Wirtschaftsleben und die Existenz von Millionen Menschen auf das gefährlichste bedroht. Es muß aber ein Ausweg gefunden werden, und wenn die Privatwirtschaft nicht in der Lage ist, die Wirtschaftsnot durch Investitionen überwinden zu helfen, ist es dringendste Pflicht des Staates, seine notwendigen Investitionen großzügig und planmäßig einzusetzen, um schwerste Wirtschaftskatastrophen zu verhindern, die ja auch die Existenz des Staates bedrohen. Bei Staatsinvestitionen kommen in der Hauptsache Bauwerke in Frage. Eisenbahnen können gegenwärtig, da die Richtung der zukünftigen Verkehrsentwicklung noch allzu unbestimmt ist, nicht gebaut werden. Neben der, zwar weniger produktiven, aber ebenfalls dringen- notwendigen Errichtung von Spitälern, Schulen, Autobushallen und Anttsgebäu- den, müßte die gegenwärtige Kris« zur Durchführung von Wildbachverbauungen, Flußregulierungen, Errichtung von Kraftanlagen und hauptsächlich zu einer großzügigen Rekonstruktion des Straßennetzes benützt werden. Es ist wohl kaum zu erwarten, daß in absehbarer Zeit eine große Konjuwkturperiode Einzug hält, fast sieht es so aus, als ob all die angekündeten Silberstreifen am Wirtschaftshorizont sich als Fata Morgana, als Trugbilder erweisen, aber ein Lichtblick zeigt sich doch, es ist die Belebung der Wirtschaft durch den sich erfreulich entwickelnden Straßenverkehr, Weite Gebiet«, di« in Ermangelung von Eisenbahnverbindungen vom Verehr biHer fast vollkommen ausgeschlossen waren, wurden um» werden durch den Straßenverkehr, durch Autobus und Lastkraftwagen dem Verkehr und damit der Wirtschaft erschlossen. Tic schnelle Versorgung der Städte mit den Naturprodukten des Larwes, mit frischer Milch, Gemüse, usw. und im Wechselverkehr die schnelle Versorgung des Landes mit Bcdarfgütern aus den Städten, bedeutet heute schon, eine nicht zu unterschätzende Belebung der Wirtschaft und wird mit dem weitere« Ausbau des Straßen»> Netzes, Mit,der Möglichkeit der Vergrößerung des i Straßenverkehrs die Wirtschaft ganz bedeutend beeinflussen und fördern. Die wenigsten Menschen haben eine richtige Vorstellung von der Bedeutung eines guten Straßennetzes für die Volkswirtschaft. Aus schlechten Straßen ist die Lebensdauer der Fahrmittel sehr kurz, ihre Erhaltung erfordert ungeheure Summen, und doch sind auch diese großen Ausgaben noch klein zu nennen, im Vergleich zu den Ausgaben für die aufgewendete Fahrkrast und dies gilt sowohl für motorische, wie für tierische Zugkraft. Ebenso bedeutungsvoll sind auch die Ausgaben, die auf schlechten Straßen die größere Fahrzeit erfordert. Zusammengenommen sind die Ausgaben für Transportkraft, für Transportzeit und für Anschaffung und Erhaltung der Straßen-Fahrzeuge aller Art, sicherlich zu den höchsten Jahresausgaben, die im Staate aufgc- wendet werden, zu zahlen. Diese Ausgaben können auf die Hälfte vermindert werden, wenn für den Straßenverkehr gute Straßen zur Verfügung stehen, und es kann somit kein Zweifel darüber bestehen, daß dem Ausbau des Straßennetzes di« größte volkswirtschaftliche Bedeutung zukommt. Bedauerlicherweise ist im heurigen Jahre ein S t i l l st a n d im Ausbau des Staats- straßennetzes eingetreten, kein einziger Bau wurde Heuer vergeben, obgleich eine große Anzahl von Rekonstruktionen schon aus Gründen der Fahrsicherheit dringend nötig wäre. Dieser Stillstand ist ein Sparen am ungeeignetsten Ort, durch ihn wurden wicht nur Tausende ständige Arbeiter und Angestellte der Straßenbaufirmen zum Feiern gezwungen, sondern auch viel Tausende arbeitslose Jlwustriearbeiter, die zeitweilig direkt oder indirekt beim Straßenbau Beschäftigung fanden, wurden dadurch jeder Aribeitsmög- lichkeit beraubt. Der Stillstand einer staatlichen Investitionstätigkeit, welche so viele wirtschaft- liche Vorteile im Gefolge hätte, ist geradezu als In der gegenwärtigen'Zeit schwerster wirtschaftlicher Erschütterungen erscheint es unerläßlich, alle Möglichkeiten, die zur Heilung des erkrankten Dirtschäfkskörpers beitragen können, in Erwägung zu ziehen und alle geeigneten Mittel mit größter Beschleunigung einzusetzen. Kein wirtschaftlich denkender Mensch kann darüber im Unklaren sein, daß iur Linderung und Ueberwiu- dung krisenhafter Wirtschaftsvcrhältnisse reichliche und richtig angewendete Investitionen als geeignetstes Mittel'gelten können. Die Nachkriegszeit brächte uns seit Gründung der neuen Republik auf wirtschaftlichem Gebiete manche erfreuliche Fortschritte, wenn diese infolge der Krise der Weltwirtschaft auch nicht zur- Entfaltung gelangen konnten, aber in Bezug auf richtige und namentlich auf rechtzeitige Jnvcsti- tionen hüben wir uns um mich landläufig auszudrücken, noch viel zu wenig entösterreichert. Die altösterreichische Industrie, und' dies gilt hauptsächlich von der Schwerirümstrie, schritt immer erst zu Neuanschaffungen von Maschinen, zu Fabriksneubauten, Schleppgleisanlagen und anderen Betriebserweiterungen, wenn sie mit' Aufträgen überhäuft war. Da konnte, nicht schnell genüg gebaut werden, und wenn dann die Neuen oder erweiteren Betriebe fertig waren, war gewöhnlich auch die Konjunktur vorüber und ausländische Industrien hatten die Märkte erobert. Die rechtzeitige Investition ist im Zeitalter hochentwickelter iiwustrieller Warenerzeugung ein wichtiger, wenn nicht ein entscheidender Wirtschaftsfaktor und unter„rechtzeitig" sollte der Lehrsatz verstanden werden: Investier« immer in der Zeit der Krise, nie in der Zeit der Konjunk- tur!" Die Anwendung dieses Lehrsatzes ist die Voraussetzung einer gesunden Wirtschaftsentwicklung, solange wir in einem Wirtschaftssystem leben, welches infolge seiner spekulativen Waren- erzeugung und Warenverteilung abwechftlnd Krisen, und Konjunktur-Perioden aufwxist. Krisenzeiten sind im Wirtschaftsleben Ruhepausen, die zur Sammlung neuer Kräfte dienen sollen, sie sind pi Investitionen vu.benützen, wei^Investl- tionen in Zeiten der Krise diel billiger find, weil ste planmäßiger und überlegter durchgeführt werden als während der Hast der Konjunkturzeit: tijeil sie solider ausgeführt werde« können, weil sie dem Unternehmen di« Möglichkeit gebe«: seine Leistungsfähigkeit genau vorher zu bestimmen und bei Konjunkturbeginn Bestellungen im geeigneten Ausmaße entgegengenommen werden können. Tie Investitionen können in der auf die Krise folgenden Konjunkturzeit schon in Aktion treten» sie werden in ihr zum erheblichen Teile, auch bezahlt, so daß sie nicht durch lange Verzinfungsfrist verteuert werden. In der Zeit der Krise verliert man auch nicht so leicht dos Augenmaß über die Größe der Investitionen, es werden Fehl- und Ueber-Jnvestitionen vermieden. Bon größter Be- deutung für die Wirtschaft ist die Investition in Krisenzeiten dadurch, daß die Arbeiter und Angestellten währerch dieser Zeit Beschäftigung finden, nicht in Not geraten, ihre fachlichen Dualitäten und ihre Arbeitsfreude nicht einbüßen und als Konsumenten nicht ausgeschaltet werden. Wird rechtzeitig'investiert, so bleibt das WirtschaflS- lehen auch in Krisenzeiten im ruhigen Gänge und die Wirtschaft erholt sich viel schneller als wenn sich eine Krise mit voller Wucht auswirkt, weil keine Investitionen vorgenommen werden. Folgerichtig müßte nun von der Industrie verlangt werden, daß sic die gegenwärtige schwere Krise durch Investitionen zu überwinden, oder wenigstens erträglicher zu gestalten hilft. Leider sst dieser Weg nicht gangbar. Unsere Industrien haben, eben aus. dem Grunde, weil sie während der letzten Konjunkturperiode ihre Investitionen durchfuhrten, zumeist„ü b e r i n v e st i e r t." Sie hatten zu große Augen, sie hatten keine Zeit und keinen Maßstab für klare, logische, sachlich begründete Investitionen, sie überstürzten sich in der Errichtung neuer Betriebe, in der Verlegung bestehender Betriebe in industriearme Gebiete, sie überstürzten sich in Rationalisierungsmaßnahmen überall dort glänzend bestanden, wo sich die Hausfrau einmal der Mühe unterzog, mit einem elektrischen Bügeleisen chr allwöchentliches Bügelpensum abzuwickeln. Die ehedem mißtrauische Beherrscherin der Wohnung wird meist in wenigen Wochen zur eifrigen Verfechterin des elektrischen Bügelns, wen es unglaublich einfach, zeitsparend und vor allem mühelos und sauber, dabei aber auch billig ist. Man kann heute behaupten, daß das elektrische Bügeleisen eine Art Prüfstein ist für die Verwendung von elektrischen Haushaltgeräten, der die weitere Verwendung anderer elektrischen Haushaltgeräte einleitet. So gibt es eine ganze Reihe elektrischer Hilfskräfte für den Haushalt, die im Betriebe ebenso einfach sind wie das elektrische Bügeleisen, die in ihren Leistungen ebenfalls wunderbar anmuten und deren Betrieb billig ist.' Da ist vor allem das elektrische Heizkissen zu nennen, das neben dem geringen Anschaffungspreise nur einen Strom- verbrauch einer mittleren Glühlampe aufweift und sich überall rasch eingeführt hat, wo man es nur ein einzigesmal verwendete. Auch der Heißwasserspeicher, der bei Verwendung von billigem Nachtstrom zirka 85 Grad heißes Wasser abgibt, da ist die elektrische Tee- oder Kaffeemaschine, der Tauchsieder, der Staubsauger, die elektrisch betriebene Nähmaschine mit dem Nählicht und nicht zuletzt auch der elektrische Kochherd. Im letztgenannten.Gerät hat die moderne Elektrotechnik eine Spitzenleistung vollbracht, die besonders der berufstätigen Frau das Kochen erleichtert, da der elektrische Kochherd nur einen Bruchteil jener Zeit zur Beaufsichtigung braucht, den andere Kochprozesse unbedingt benötigen. Man wird nun fragen, was der elektrische Kochbetrieb im Haushalt kostet. Die Antwort darauf ist einfach: er kostet nicht mehr als das Kochen yli-t Gas und bei einiger Fertigkeit im elektrischen Kochen kann ohne Uebertreibung behauptet werden, daß man den Kosten des Kochens auf dem Kohlenherde nahekommt. Wird Noch berücksichtigt, daß beim elektrischen Kochen das Zubringen der Kohle und das Fortschaffen der Asche wegfallen, daß keine Staub- und Schmuy- plage existiert und sich sonstige hygienische Vorteile ergeben, so werden sich die Hausfrauen gerne zur elektrischen Küche bekennen, zumal die Elektrizitätswerke fast durchwegs zu Tarifen übergegangen sind, welche die Wirtschaftlichkeit des Betriebes elektrischer.Haushaltgeräte gewährleisten. Die Nordböhmischen Elektrizitätswerke (NEW) J.' B:, deren Großkraftwerk sich in Tür- mitz befindet, liefern in chrem gesamten, weitverzweigten Ueberlandsstromversörgungsgebiete bereits heute elektrische Energie für Haushaltzwecke zu 70 Hellern pro Kilowattstunde. Es ist nicht daran zu zweifeln, daß durch einen entsprechenden Dienst am Kunden in nicht allzu ferner Zeit die elektrische Energie tatsächlich die erste Helferin im Haushalte sein wird. ein Unglück für die Volkswirtschaft zu bezeichnen und es ist hoch an der Zeit, daß alle öffentlichen Körperschaften ihre volle Kraft daran setzen, die beschleunigte Wiederaufnahme des so außerordentlich produktiven Ausbaues des Straßennetzes zu verwirllichen. Elektrts-he Energie für nut! Es ist noch gar nicht so lange her, daß man nur in den Großstädten und den größeren Provinzstädten elektrisches Licht einführte, während das flache Land und die kleineren Gemeinden darauf verzichten mußten, Haus, Hof und Straßen mit elektrischem Licht zu beleuchten. Damals besaßen jene Städte, die sich zur Einführung einer eigenen elektrischen Vorsorgungsan- lage entschließen konnten, ihr eigenes Elektrizitätswerk. Sie wurden darob von den kleineren Städten und Gemeinden, die sich die Schaffung einer eigenen Stromversorgungsanlage nicht gestatten konnten, beneidet. Aus dieser Zeit stammt noch der heute vollständig überlebte und durch die Tatsachen auch widerlegte Begriff vom „Luxus des elektrischen Lichtes", das heute alle fünf Erdteile im Eilschritt erobert hat. Man bescheidetc sich mit der Petroleumlampe. Niemand hatte, allerdings die weitere Entwicklung der Elektrotechnik damals voraussehen können. Aus den ersten Gleichstrom-Dynamos wurden Wechselstrom-Generatoren, deren Energie auf weite Entfernungen übertragen werden konnte, indessen Transformatoren die hochgespannten Ströme auf die sogenannte Gebrauchsspannung brachten. Neben dem unerhörten Fortschritte auf dem Gebiete der Energieerzeugung und Encrgieverteilung hielt die Herstellung von elektrischen Antriebsmaschinen und elektrischen Apparaten gleichen Schritt, so daß wir heute vor einem unermeßlich weiten Anwendungsgebiete der Elektrizität stehen, das nur der Fachmann noch einigermaßen übersehen kann. Was ehedem als Luxus galt, ist heute Allgemeinbesitz. Die elektrische Glühlampe erhellt das Heim des Arbeiters, wie des Landwirtes und des Gewerbetreibenden. Der Elektromotor betreibt nicht nur die Arbcitsmaschinen in der Werkstatt und in der Fabrik, sondern auch die landwirtschaftlichen Maschinen und die zahllosen Haushalteapparate. Es bedarf keiner ausführlichen Beweisführung mehr, daß die Verwendung elektrischer Energie in allen Zweigen der Volkswirtschaft ebenso wie im Haushalt? durch die Wirtschaftlichkeit der Verwertung der elektrischen Kraft bedingt ist. Wie der Großbetrieb sich nur dann für den Bezug von elektrischer Energie eniscyeidet, wenn die Leistungen des elektrischen Antriebes und elektrischen Energiebezuges wirtschaftlicher sind, als die Erhaltung und Führung einer eigenen Kraftanlage, so entscheiden auch beim Gewerbe nur die günstigeren Betriebsergebnisse, die in beiden Fällen dem elektrischen Betriebe die überragende Ausbreitung sicherten. Selbst für den Haushalt gelten diese Richtlinien, wenn auch im kleineren Maßstabe. Die Hausfrau, sei sie nun im Besitze eines kleinen oder größeren Haushaltes, wird sich immer erst erkundigen, auf welchem Wege sie besser und billiger in den Besitz der notwendigen Bedarfsartikel gelangt. Die Frage der Beleuchtung ist für sie bereits gelöst: elektrisches Licht muß in ausreichendem Maße ihr Reich erhellen, in dem sie den größten Teil ihres Lebens verbringt. Wenn sie aber von der Verwendung elektrischer Hausgeräte hört, so ist sic zunächst schwer von Zweifeln geplagt, denn es geht chr ähnlich wie unseren Eltern, die zum ersten Male in der Großstadt den„Luxus des TET8CHEN:s PRAG:: BRÜNN s: BRATISLAVA Seit« 2 „Sozialdemokrat* Freitag, 28. Oktober 1932 Jill n n ALLE ARTEN VON assade wäre empseh- TUNGEN u.LUFTUNGEN für FMIL STOHR M KOMM.-GES. ■ttel& Brausewetter Prag IL, utzowova 33 sedi- alle oder eine sind. Beton* und Eisen betonbau, Hoch und Tiefbau, Schachtbau fnßbödcn aller Art Asbest, Leder, Kork, Kunstholx, Steinholz, Linoleum, Parkette«, Terrazzo, Stahlbeton ete. Brünn, Karlsbad, Mähr.-Ostrau, Mähr.-Schönberg, Reichenberg, Teplitz- Schönau, Trautenau, Kaschau, Preßburg, Sillein, Tyrnau, Ungvar. jeden Umfanges werden fachmännisch und solid ausgelührt von der auf diesem Gebiet besteingefübrten Firma ZENTRALHEIZUNGEN, SANITÄREN ANLAGEN, WARMWASSERBEREI- Fassaden-Edelputz Marke„Novalit“ Kratzputz, Spritzputz Steinputz, Kunststein, kompl. Fassaden. wie bei den meisten Sandsteinen, wo sie ans Qnarzkörnern bestehen, die, je nach dem Gehalte an Eisen und dergleichen, verschieden gefärbt sein können. Sie können aber auch verschiedener Natur sein, wie z. B. beim Granit, der Körner von Feldspat, Glimmer und Quarz enthält. Die Bindemaffe war entweder feurig flüssig und hat eine Sinterung hervorgerufen, oder sie hat durch chemische Umsetzung(meist mit Hilfe von Kieselsäure oder Kohlensäure) eine Erhärtung erfahren. Dieser natürliche Vorgang der Gesteinsbildung wird bei der Anwendung von Edelputz wiederholt, so daß die Zusammensetzung des Edelputzes der der Natursteine genau entspricht. Tas Resultat beim Edelputz ist meist nur noch gleichmäßiger und schöner wie beim natürlichen Gestein, was ja erklärlich ist, da die Gesteinsbildung der Natur durch alle möglichen Störungen beeinflußt sein kann, während beim Edelputz der Prozeß meist in gleicher Weise und ohne Störung vor sich geht. Was beispielsweise die Schönheitspflege für ein edles Frauengesicht, was der gute Rock für einen modernen Mann bedeutet, ist der Edelputz für unsere besseren Bauten, allerdings mit dem Unterschied, daß hier gleich Dauerwirkung erzielt wird. Der Geschmack ist nun einmal so; mag sein, daß ein glatter Berbtendziegel auf ewig artig aussieht und wenn er einmal ein trübes Gesicht macht, wird er abgewaschen. Aber er ist langweilig, sei es an der Straße, im Grün, im Licht und Schatten und da die Welt heutzutage nicht gelangweilt sein will, haben ihn die meisten Architekten schon lange Jahre gemieden. Höchstens eine Wechselwiickung zwischen Edelputz und farbigen Klinkern an der lenswert. Was gibt's da Prickelnderes als«in lichtes, schillerndes Gewand aus Edelputz, schnell angezogen und wenn«8 sein muß, auch in dunkler, rassiger Farbe gehalten. Farbiges Bauen ist heute einmal Trumps. Gewiß läßt sich mit Handstrichziegeln oder sonst nicht aalglatten Vermauerungsziegeln, Klinker verschiedener Färbung, hervorragend Schönes, Malerisches bauen, aber es hält zu schwer, ist für den Wohnhausbau auch meistens zu schwerfällig in der Beschaffung, so daß sich die große Masse der Baukünstler mehr zu der leicht geschürzten Muse des Edelputzes hingezogen fühlt; es ist ihnen die liebste Musik im Spiel ihrer künstlerischen Gedanken. Das ist nicht nur bei Neubauten, sondern auch bei Um- und Anbauten der Fall, wo es heißt, dem Hause ein geschmackvolles Aeußere zn geben, alte, verschmutzte und nicht mehr zeitgemäße Architekturen verschwinden zu lassen. Hauserweiterungen oder Aufbauten kommen heute häufig vor, und ist nun das alte Gebäude ein Ziegelroh- oder Verblendziegelbau, wird meistens dem neu entstandenen Ganzen ein einheitliches Gesicht aus gewöhnlichem oder besser noch aus Edelputz gegeben, je nachdem, welche Ansprüche der Bauherr an Schönheit stellt. Es steht wohl außer Zweifel, daß Edelputz dem Hause außerordentlich gut steht, denn er bringt zugleich mit seinen lichten Farben Leben in die schattigen Straßen hinein. Eine schöne Schaufläche hebt unzweifelhaft den Wert eines Gebäudes. Wenn zwar der Schein trügen kann, so bleibt doch der erste Eindruck vielfach ausschlaggebend für die Werteinschätzung. Der gute Rock eines Mannes täuscht beispielsweise vielfach über schlechte Eigenschaften hinweg. Ein gut im Putz gehaltenes Gebäude läßt über manche inneren Schäden hinwegsehen. Ein Edelputz, der nick^ erneuert zu werden braucht, steht im Ansehen viel höher als ein solcher, der alle paar Jahre eine Ausbesserung oder Erneuerung oder Anstrich braucht. Die rldiflgc Drille EDELPUTZ- u. STEINHOLZTABRIK J. Schlecht, TepIltZ-SdlÖIW Banwarcn Leichtbausteine, Heraklithplatten, Isolierungen, alle Arten Kunststeine, Farben ete. 17» Der Asfsave« Esekputz. Bon Jng. Schlecht, Teplitz-Schönau. Wenn uns Aesthetiter der Gegenwart belehren, daß selbst königlich bezahlte Bauwerke, beispielsweise wie sie der idealgesinnte König Ludwig II. von Bayern als Gönner der Kunst erstehen ließ, deren märchenhafte Pracht alles bisher Dagewesene übertreffen sollte, leider keine Kulturdenkmäler verkörpern, trotz hervorragender Einzelleistungen, so muß die Kunst jener Zeiten ihre Schattenseiten und Keime des Verfalls besessen haben. Die ewigen unselbständigen Nachahmungen früherer Stilarten, wie sie in der zweiten Hälfte des vorigen Jahrhunderts geübt wurden, mußten zu einer seelenlosen Kunst führen, denn als moderne Menschen besitzen wir nicht das Gemüt vergangener Zeiten. Nachahmung war seinerzeit Trumpf, nicht nur im Stil, sondern auch im Material. Man wußte es eben nicht besser und diejenigen Bauherren, die von ihren Reisen Ideen aus Italien oder sonstwo her mitbrachten und darauf los kopieren ließen, glaubten gerade besonderen Anspruch auf Kunstverständnis zu haben. Inzwischen'hat ja die moderne Kunstbewc- aung ungeheure Fortschritte gemacht.— Ein sehr bedeutsamer Wandel ist eingetreten. Die gebildete Laienwelt ist heute wieder ourchaus in der Lage, gediegene, solide Einfachheit zu schätzen und richtig zu bewerten. Man verlangt innerlich erlebte Kunst von bürgerlicher Schlichtheit und Wahrheit; durch aufdringliche Nachahmungen läßt man sich nicht mehr täuschen. Man verlangt echtes Material, denn nur dieses kann mit dem zunehmenden Alter an Würde und Schönheit gewinnen und nimmt nicht mit der Zeit den schäbigen Charakter aller Imitationen an. So muß der Architekt heute bei der Wahl der Rohstoffe mehr denn je mit sich zu Rate gehen, wenn er Schöpferfteuden an seinen Werken erleben und Anerkennung finden will. Eine mit Kalk- oder Zementmörtel hergc- stcllte Fassade fft zwar im Preise etwas billiger als eine Edelputzfassade, doch ist diese Ersparnis nur eine scheinbare. Der Kalkmörtel ist wenig dauerhaft und muß immer von Zeit zu Zeit aus* gebessert und vielfach erneuert werden. Zementmörtel ist zwar anscheinend fester, dafür bildet er aber leicht bekanntlich Haarrisse. Diese bieten d-r Verwitterung einen willkommenen AngrtZspunkt. Die atmosphärischen Niederschläge können ungehindert eindringen und mit Hilfe von Ftvst und Hitze ihr Zerstörunaswerk vollenden. Autzer- dem gewährt eine solche rissige Fassade keinen schönen Anblick. Eine Edelputzfassaoe dagege- bildet eine fest zusammenhängende,-steinharte Fläche ohne Risse. Ihre Härte nimmt mit den Jahren noch immer mehr zu, so daß sie von Witterungseinflüssen geradezu unzerstörbar ist. Ein weiterer Punkt, der bei Kalk- oder Zementputz immer neue Ausgaben verursacht, ist der Anstrich. Dieser fällt bei Edelputz vollständig weg, da er ja durch seine ganze Dicke hindurch seine eigene» natürlichen Farben hat. Ferner ist die Körnung und Struktur des Edelputzes dieselbe wie bei Natursteinen, weil die Zusammensetzung und Bildung die Gleiche ist. Die Natursteine nämlich, welcher geologischen Formation sie auch«»gehören, mögen sie mentären oder eruptiven Ursprungs sein, bestehen aus großen oder kleinen mehr weniger kristallinischen Körnern, die durch Bindemasse zu Gesteinen zusammengefügt Diese Körner können entweder gleichartig PRAG II., KLIMENTSKÄ 7 a Telephon 601-71, 662-04. Erstklassige Referenzen. Verlanget Ingenieurbesuch. KRANKENHÄUSER, SANATORIEN, KURANSTALTEN, BÄDER, SCHULEN, VILLEN, WOHNHÄUSER ETC. 1III1I«II1IU1IIIIII1IIIW|W1INII!III»MI11M»WM1»»M»»»!»»1"11UWM^ Telegr.-Adr. Eullth Te-rlitz-Schönau Freitag, 28. Oktober 1932 „Sozialdemokrat" Seite 3 Der Asphalt Im Straßenbau. Von Jng. Sheik. Mit der Entwicklung des- Automobilverkehrs tvird die Herstellung geeigneter Straßen und ihre [ Erhaltung zu einer Tagcssrage oon größter Wich i tigkeit.—- In manchen Ländern, namentlich in England entwickelte sich die Herstellung geeigneter Straßendecken ziemlich gleichmäßig mit der Erhöhung des Straßenverkehres, beide wuchsen sozu- k sagen organisch miteinander.— Bei uns wie in den meisten übrigen Ländern nahm die Steige- » rung des Transportverkehres auf den Straßen förmlich sprunghafte Formen an und führte, da - der Straßenbau und besonders die Straßenerhal- < tung mit ihr nicht Schritt hielt, zu einer k schweren Kalamität.— Die gewöhnlichen gcwalz- c len Schotterstraßen konnten dem Verkehr nicht I standhaften, sie wurden in kürzester Zeit zerstört ' und wurden geradezu zum größten Verkehrs- : Hindernis.— Die Behörden waren gezwungen, schnellstens Abhilfe zu schaffen und griffen zu dem einzigen Hikfsmitel, um die Straßen wieder fahrbar zu machen und um sie staubfrei zu erhalten, zur leichten Oberfläche n-Vehandlung. zu Anstrichen mit Asphalt, Asphaltemulsionen oder Teer. — Zur Herstellung schwerer dauernder Straßen- k decken im notwendigen Ausmaße fehlten aber Erfahrungen in Aemtern und Unternehmungen, cs fehlten Geräte und Maschinen urw besonders i mangelte es an Zeit.—- Es wäre unökonomisch gewesen, schwere Straßendecken, welche erhebliche ' Geldmittel beanspruchen, auszuführen, ohne zugleich di« Linienführung der Straßen durch Be- - seitigung scharfer Kurven und vernieidbarer Steigungen, dem neuzeitlichen Verkehre anzupafsen. Diese Rekonstruktionsarbeiten erfordern viel Zeit, Werden aber jetzt immer dringender, weil die leichten Straßendecken unter dem steigenden Verkehr zugrunde gehen.— Wie in allen andern Landern, erzwingt sich auch bei uns der Straßenverkehr die Herstellung schwerer Straßendecken und stellt uns vor die Aufgabe, zu entscheiden, welche Art schwerer Decken anzuwenden sein wird.— Als Voraussetzung für die jeweils geeignetste Straßendecke auf Landstraßen können folgende Anforderungen gelten: Geringster Geld aufwand, größte Dauerhaftigkeit, geringste Erhaltungskosten, geringste Abnützung, schnellste Herstellung unter Aufrechterhaltung des Verkehres, größter Widerstand gegen Witterungseinflüsse, leichteste Reinigungsmöglichkeit, vollkommene Staubfreiheit, Stoßfreiheit zur Vermeidung der Erschütterungen der Fahrzeuge, auf Stadtstraßen auch der Erschütterung der Gebäude und des Straßen-Lärmes.— In der gegenwärtigen Zeit, in welcher unzählige Industrie-Arbeiter arbeitslos sind, gilt noch die weitere Anforderung, daß möglichst viel ungelernte Arbeiter bei der Ausführung Beschäftigung finden. Allen diesen Anforderungen wird am besten die schwere Asphaltstraßendecke gerecht, sie kann als die idealste Straßendecke bezeichnet werden.— In den Ländern und Weltstädten mit schwerstem Verkehr wird deshalb diese Art Straßendecke in einem alle anderen Decken weit überwiegendem Maße ausgeführt.— In den Vereinigten Staaten von Nordamerika stieg der Asphaktverbrauch für Straßenbauzwecke von 1 Million Tonnen im Jahre 1915 auf 3.2 Millionen Tonnen im Jahre 1925 und ist seither in weiterem rapiden Ansteigen.— Bei der geringen Menge von höchstens 9 Gewichtsprozenten reineii Asphaltes, welcher dem Stein und Sandmaterial beigemischt wird, kann aus diesen Ziffern ermessen werden, welche dominierende Stellung dort oie Asphaltstraßendecke einnimmt.— lieber die Lebensdauer guter schwerer Asphaltstraßen sei hier als Beispiel angeführt die Pensyldania-Ävenue, eine Durchzugsstraße in Washington D. C., welche im Jahre 1872 hergestcllt wurde und trotz schwerstem Verkehres heute noch in tadellosem Zustande ist. liONSUHVEREINE! Schützet das von den Mitgliedern Ihnen anvertraute Geld durch die strengst« Kontrolle— einer NATIONAL Kontroll Kasse! Verlangen Sie kostenlose Beratung! Bequeme Teilzahlungen! NATIONAL CASH REGISTER COMPANY LIMITED Zentrale: KomrlktskA S. PRAG I. Laden: Nkrodnl tf. 91. 1761 auausführunsen, Entwürfe, Schätzunsen Arm. Hermann Schott Baumeister Tcplltz-Sdlönail. Fernruf 583 X Anthrazit 5? Kohlen-Handel, Ein- und Ausfuhr Gesellschaft mit beschränkter Haftung PRAHA II., Bredovska Nr. 4, liefert zu den allergünstigsten Bedingungen; la Braunkohle aus den staatlichen Schächten: „Präsident Masaryk“, Bfeifany,„Julius“, Most,„Hedwig*, Tfebuüce. la obers dilesisdie Steinkohle aus den polnischen Staatsschächten., „König“, Bäliovice und Knuröw. Ia Dombrowaer Steinkohle aus den Schächten: „Renard* und„Reden“. Erstklassigen Koks aus den Staats- koksereien in Mähr.-Ostrau. 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Das Verfahren verblüfft durch seine Einfachheit und besteht im Brinzipe darin, daß eine zweiteilige eiserne Form, in welche die Eisenarmierung vorher eingebracht wird, zwischen zwei Planscheiben horizontal eingespannt rotiert, in welche dann mittels eines drehbaren Löffels der Beton eingebracht und durch die Fliehkraft an die Wandungen der Rohrform geschleudert wird. Das Rohr entsteht also ohne innerer Schalung und besitzt infolge der hohen Kompression außergewöhnliche Physikalische aber auch chemische Eigenschaften. Wir hatten Gelegenheit, Dvuckproben für äußere Be-' lastung bis 62 Tonnen je Rohr, sowie Jnnen- druckproben bis 20 Atmosphären zu sehen.— Durch die chemischen Vorteile, d. i. äußerste Widerstandsfähigkeit des Rohrinneren gegen den Angriff von Säuren, di« Widerstandsfähigkeit argen das Wschleifett durch mitgeführten Sand, sowie die hohe Festigkeit gegen äußere Belastung wird das Schleuderbetonrohr System Vianini wegen seiner Billigkeit in Deutschland und in der Schweiz bereits seit mehreren Jahren im Kana- lksationshau und anderen Rohrmaterialien vorgezogen. In Italien sind wieder mehrere hundert Kilometer der großen Apulischen Wasserleitung aus Vianinirohren hergestellt.— Es ist daher begreiflich, daß auch in der Tschechoslowakei und insbesondere in der jetzigen geldknappen Zeit/diesem im Auslande bereits bewährtem Röhrmateriale gesteigerte Aüflnerksamkeit gewidmet wird.— In der kurzen Zeit des Bestehens hat die Firma Lanna aus ihrem Werke in Lysä a. E. bereits zehn Kilometer Rohre für Kanalisationen und Wasserleitungen geliefert W Eingang nur innen im Hause Im I. Stock Stets mehr als 2500 Kleider, Mäntel, Pelze, Kostüme und Schöße lagernd, u. zw. vom billigsten bis zum feinsten Genre.