12. Jahrgang. Sonntag, 30 Oktober 1932 Nr. 256. Das Parlament der sndetendentsdien Arbeiter ladt. Eröliniing.— Konstituierung.- Begrüßungen.— KampigelOhnis nampls, des Führers der tschechischen Genossen. Großes Relcrat Dr. Czcdis über die poilttsthc und wirtsdiafflldie Lade. Die Eröltnnnö. Samstag nachmittags um halb vier Uhr wurde im großen Saale der Produktenbörse in Prag unser Parteitag eröffnet. Der Kongreß ist außerordentlich stark besucht— fast 500 Delegierte nehmen an ihm teil. Die Bühne des Saales ist rot ausgeschlagen. Zu Häupten der Karl Marx-Büste im Hintergrund leuchten auf rotem Grund, inmitten der Parolen„Freiheit" und „Freundschaft", die symbolischen drei P f e i l e. Ganz oben prangt auf einem Stirnband die Losung des Kommunistischen Manifest„Proletarier aller Länder, vereinigt Euch!" Der Saal ist bis auf das letzte Plätzchen gefüllt,-als die Prager I u ge n d g e n o s- s e n und- g e n o s s innen in blauen Blusen, mit roten Maschen unter Vorantragung roter Fahnen durch die Saalimitte auf die Bühne marschieren. Feierlich und erhebend ist dieser Einmarsch, der von Fanfarenklängen(eines Bläserchors vom Prager Deutschen Theater) aus Wagners„Rienzi" begleitet will), Die Jugendlichen stimmen dann aus frischen Kehlen ihren.Sangesgruß an:„Byüder, zur Sonne, zur Freiheit!" Der Kongreß, der das Kampflied stehend anhörte und mitsang, dankt den Jugendlichen mit starkem Beifall. Und während noch der mächtige Fahnenwald über dem Saale steht, stimmt der Blä; serchor, unter dem großen Beifalle aller, die „Internationale" an, die von den Delegierten stehend mitgesungen und zum Schluß neuerdings applaudiert wird. Mit dem „Freiheit!"- und„Freundschafts"-Gruß der Jugendlichen und der Kongreßteilnehmer, schließt diese feierliche Ouvertüre des" Kongresses. ErOnnungsonspradic des Genossen Kremser. Der erste Vorsitzende-Stellvertreter der Par- tsi, Genosse Heinruh Kremser, eröffnet nun den Parteitag mit folgender Ansprache: Es wurde mir dre ehrende Aufgabe zuteil, den 9. Parteitag fest der Gründung der Partei auf das herzlichste zu begrüßen. 2Äc Parteitag tritt' in einer Zeit schwerster wirtschaftlicher Krise, größter politischer Erschütterungen zusammen. Wen» unser Genosse Dr. Czech vor zwei Jahren in seinem Refarat auf dem Teplitzer Parteitage noch berichten konnte, daß der Stand der Arbeitslosen 108.860 betrug, so müssen wir jetzt leider feststellen, daß die amtliche Statistik 464.552 Arbeitslose aufweist. Wir fchen an der Gegenüberstellung dieser, beiden Ziffern, welche verheerenden Wirkungen die Wirtschaftskrise auch in der Tschechoslowakei in der abgelaufenen Zeit hervorgerufen hat und es ist begreiflich, daß unser erstes Wort auf diesem Parteitag den Krisenopfcrn gelt, denen vor allem auch unsere Tätigkeit in der abgelaufenen Zeit gewidmet war. Wir haben keine Minute der abgelaufenen Zeit an diese von Not und Elend heimgesuchte Bcvölkerunasichichte vergessen. Es ist auch außer Zweifel, daß es der gegenwärtige Parteitag als seine vornehmste Aufgabe ansehen wird, sich mit den wirtschaftlichen Problemen, mit ihren Auswirkungen und mit den Maßnahmen, die zur Linderung der Verhältnisse beitragen könnten, zu befassen. Der Parteitag wird zu prüfen haben, inwieweit der Parteivorständ, inwieweit die parlamentarischen Vertreter, inwieweit vor allem unser Genosse Dr. Czech als Vertreter der Partei in der Regierung der Ausgabe, den Opfern der Krise zu helfen, gerecht geworden sind. Die große Zahl der Arbeitslosen ist eine neuerliche eindringliche Lehr«, daß die kapitalistisch« Wirtschaftsordnung immer wieder Not und Elend ungeheuerer Massen erzeugt. Die Vorgänge in der Weltwirtschaft, die bis in ihre Grundfesten erschüttert ist, zeigen uns, daß kein Lantz der Welt von der Wirtschaftskrise verschont geblieben ist. Ueberall, in allen Staaten, sehen wir, daß die Zahl der Arbeitslosen wächst, und alle Mutmaßungen, mit denen uns auch hervorragende Wirtschaftspolitiker beruhigen wollten, indem sie eine Besserung der Verhältnisse auf dem Wirtschaftsmarkte festgestellt, haben, haben sich als trügerisch erwiesen. Es sind nicht di« geringsten Anzeichen dafür vorhanden, daß dir nächst« Zeit eine Besserung der Verhältnisse bringen wird. Wir gehen also zweifellos einem der schwersten Winter entgegen. Als ehrliche Sachwalterin der Jnteresien der Arbeiterklasse wird dir Partei in dieser Zeitperiode vor die schwerste Aufgabe gestellt werden. Die politisch« Perspektiv«, die sich uns heute eröffnet, ist nicht viel rosiger als die wirtschaftliche. In Deutschland, in Oesterreich, in Ungarn tobt wilder Kampf des Bürger tums gegen die Arbeiterklasse, und wen« auch zwischen dem.Hakenkreuz und den Papep-Auhän., gern die ursprünglich bestandene Harmonie, die getragen War von dem gemeinsamen Haß gegen die Arbeiterklasse, oiner argen Fehde platzgemächt hat, so ist'das nur Konkurvenzstrert' zwischen zwei reaktionären Richtungen. Die deutsch« Arbeiter« kÄlsse stecht unmittelbar vor eitlem der schwerst«« Wahlkämpfo, den das kampferprobte deutsche Prö- letariat jemals zu führen Hatte. Am 6. November will) in Deutschland darüber entschieden werden, ob die Träume des Herrn Palpen nach Wiederaufrichtung der Monarchie oder die Wünsche des Herrn Hitler nach Aktivierung des sagenhaften dritten Reiches von der Wählerschaft ausgenommen werden. Wir glauben zuversichtlich, daß die breiten Schichten der arbeitenden Bevölkerung erkennen werden, daß die Absichten beider, gegen" das wirkliche Interesse des deutschen Volkes verswßen. Mit stolzer Zuversicht verfolgt die sudetendeutsche Arbeiterklasie den heroischen Kampf unserer Brüder im Deutschen Reiche. Sie hat keinen sehnlicheren Wunsch, als den, es möge der deutschen Arbeiterklasie gelingen, bei den diesmaligen Wahlen den Haken- kreuzlern eine ernste Niederlage beizubringm und auch dem Herr» Papen zu beweisen, daß seine stillen Hoffnungen niemals in Erfüllung gehen, daß sie an dsm Widerstand der Arbeiter- flasfe Deutschlands zerschellen werden. Auch unsere österreichische Bruder- Partei steht gegenwärtig in einem der schwersten Kämpf«. In Oesterreich hat sich fast das gesamte Bürgertum ralliiert. Es glaubt den Ansturm der Arbeiterklasse aufhalten, ja die Sozialdemokratie zurückdrängen zu können. Es bedient sich im Kampfe gegen die Arbeiterklasse der verwerflichsten Wittel. Es scheut vor dem Berfassungsbruch nicht zurück; es ist dieses Bürgertums Werk, wenn im österreichischen Parlament Methoden des Balkans ihren Einzug halten. Wir sind aber Von der Ueberzeugung durchdrungen, daß di« österreichisch« Ärbertercklassc, dieser Stolz der Jn- > ternationale, den Sieg erringen wird! In Ungarn, ist nach Bethlen und Karoliy Gömbös gekommen, der es, wie seine Vorgänger, als die vornehmste Ausgabe der regierenden Parteien ansieht, die Arbeiterklasie zu untfrdrük- ken, die freie Meinungsäußerung zu knebeln. Wir haben es' für unsere Pflicht erachtet, einleitend unserer'kämpfenden Brüder in den angrenzenden Ländern zu gedenken, sic unserer Vollen Sympathie zu versichern. Im Mittelpunkt der Erörterungen unseres Parteitages wird das Koalitionsproblem stehen. Einige bürgerliche Journalisten, di« von dem Wesen der Sozialdemokratie auch nicht die geringste Ahnung haben, haben aus der Tatsache, daß einzelne Organisationen in der Frage des Koalitionsproblems eine negative Stellung einnehmen, dem geduldigen Leserkreise schon jubelnd verkündet, daß auch in der Sozialdemokratie Uneinigkeit herrscht. Diese Toren, sie wissen nicht, daß es selbstverständlicher Wunsch unserer Partei ist, daß alle Meinungen und Auffassungen, die in unseren Organisationen herrschen, auch auf dem Parteitage in unverhüllter Form zum Ausdruck kommen. Die Stärke der Sozialdemokratie hat immor darin bestanden und wird immer darin bestehen, daß jedes einzeln« Parteimitglied, jeder Vertrauensmann das zum Ausdruck bringt, was ihn wirklich bewegt. Der Verlauf des Parteitages wird di« Herren davon überzeugen, wie alle Delegierten des Parteitages, alle sich aus dem Koalitionspvoblem elfen mit ganz besonderer Freude willkomnien heiße.— Die Auslandsvertretung der ukrainischen sozialdemokratischen Arbeiterpartei hat den langjährigen Freund unserer Partei Genoffen Paul Fadenko zu unserer Tagung entsendet. (Beifall.). Und nun obliegt es mir, die Abgesandten der tschechoslowakische« und polnischen Sozialdemokratie dieses Staates aus das herzlichste zu bogrüßen.(Großer Beifall.) Wir haben uns in Smichov gelobt, mit den tschechischen Genoffen zusammen zu arbeiten, alles daran zu setzen, damit das freundschaftliche Verhältnis eine Vertiefung erfahre. Das, was wir uns in Smichov gelobt haben, das haben wir Kabinett Malypetr ernannt. (Nähere Meldungen auf Seite 5.) gebenden Fragen erörtern und wie das, Streben öbwalwn" wird, sich zu einer, Stellungnahme durchzüringeNl die aus dein ausschließlichen Interesse der.Ärbeitelllaffe.geboren ist. '. Der Parteitag wird sich sehr eingehend und sehr ausführlich- mit dem Jugendproblem beschäftigen. Er wird zu prüfen haben, ob die Methoden, die wir bisher für die Gewinnung der'Jugend angewendet haben, noch der gegenwärtigen Zeit angepaßt sind oder nicht. So wird denn dieser Parteitag, auf den die Blicke der Arbeiterklasie der Tschechoslowakei gerichtet sind, außerordentlich wertvolle Arbeit zu leisten haben. Wir glauben aber gleich in der Einleitung zu diesem Parteitage unseren Dank an unsere herrlich« Parteimitgliedschaft, an unsere Vertrauensmänner darbringen zu sollen, die sich in der abgelaufenen Zeit so herrlich geschlagen haben. Lassen Sie mich zum Ausdruck bringen, wie stolz wir auf unsere Organisationen, auf unsere prächtige Kämpferschar sind, welche Freude uns beseelt, wenn wir feststellen können, daß auch in diesen schweren Krffenjahvm der organisatorische Apparat nicht di« geringste Erschütterung erfahren hat. Der Besuch des heutigen Parteitages beweist am besten, wie gewaltig das Interesse der Organisationen für die gegenwärtigen Zöitfragen' ist. Fast 500 Delegierte wohnen diesem Parteitage bei. Gruß an die Delegierten der Druderpartelen. Genosse Kremser begrüßt vor allem und schon jetzt den Genoffen Dr. Karl Renner, der erst nachts auf dem Parteitag eintreffen kann, als den Vertreter der österreichischen Sozialdemokratie und der Internationale, unseren alten Lehrer und Meister, und unsere liebe Genossin Adelheid Popp(Beifall). Begrüßungen. Wir begrüßen den Vertreter der ungarischen Sozialdemokratie, den Genossen Monus Ille s, und übermitteln gleichzeitig unseren herzlichsten Gruß der Arbeiterklasie Ungarns und wir acbon der Zuversicht Ausdruck, daß die ungarische Arbeiterklasse die Anschläge der Reaktion erfolgreich abwehren wird.(Beffall.) Zum erstenmal nehmen an einem Parteitag unserer Partei Vertreter der g e o r g i s ch e n Sozialdemokratie teil.(Beifall.) Es sind dies die Genoffen E m o u kh v a r i und L o m t a t i d j e, die ich im Namen aller Genossinnen und Genos- getreutich gehalten und wir können wohl sagen, daß sich weit darüber hinaus unser Verhältnis zu den tschechischen Genossen außerordenflich innig und freundschaftlich gestaltet hat.(Erneuter Beifall.)'' Di« Schicksalsgemeinschaft mit unseren tschechischen Genosse« hat sich i« de« größten Stürmen herrlich erprobt. Wir sind davon durchdrungen, daß die Entwick- lung des Sozialismus in der Tschechoflowakei zur Voraussetzung hat die Zusammenarbeit der beiden sozialdemokratischen Parteien, deren Werk auch die Verständigung der die Republik bewohnenden Völker sein wird.(Beifall.)'. Ich begrüße die Vertreter der tschechoslowakischen sozialdemo- kratffchen Partei: den Vorsitzenden der Partei Genoffen Abgeordneten H a m p l(Großer Beifall), Genosien Präsidenten Soukup iStarker Beifall), den Vizepräsidenten Genossen Stivin, den Genossen No sek, den Generalsekretär der Partei, Genossen Tuntzr, und den Genossen Karl Kindl, auf das herzlichste.— Nicht minder herzlich begrüße ich^üe Vertreter der polnischen sozialdemokratischen Partei, die Genossen Chobot und Kotarba.(Bei Nennung jedes Namens erneut sich der Beifall.) Die Internationale konnte leider «inen Vertreter zu unseren Beratungen, nicht entsenden. Es geht uns von der Juterr^tn-rrälc folgendes Begrüßungsschreiben zu: Der Gruß der Internationale. Zürich, den 27. Oktober 1882. An den Parteitag der Deutschen sozialdemokratischen Arbeiterpartei in der Tschechoslowakischen RepuÄik. Prag., Werte Genossen!» Wir bedauern außerordentlich, Euerer' wiederholten freundschaftlichen Einladung zum Parteitag nicht Folg« leisten zu können. Di« großen W a h l- kämpfe in Deutschland und Belgien, die politischen Schwierigkeiten und di« Parlamentstagungen in anderen Ländern beschäftigen die Mitglieder unserer Exekutiv« so stark, daß«in« ganze Reihe von Genossen, di« wir» baten, die Vertretung zu übe: nehmen, uns abschlägige Bescheid« erteilen muhten obwohl sie es all« sehr bedauerten, nicht an Eu«re Tagung teilnehmen zu können. Auch der untr zeichnet« Sekretär ist leider in der gleichen Lage. C sehr«r es wünschen würde, seinen Besuch bei Eur! der vor zwei Wochen stattfand, zu wiederholen, kau- er jetzt, da er durch dringende Arbeiten in Züri.. festgehalten, nicht nach Prag kommen. Wir müssen un? also leider darauf beschränk- Euch aus diesem Weg« di« Wünsch« der Sozialist scheu Arbeiter-International« zu übermitteln. Seite L Sonntag, 30. Oktober 1032 Rr. 286 Wir wissen, daß gerade die deutsche Arbeiterschaft in der Tschechoslowakei am härtesten von der Wirtschaftskrise betroffen ist, daß in den alte« Hochburgen Euerer Bewegung durch den Rückgang der Exportindnstrie die Arbeiterschaft vor die schwierigsten Ausgaben gestellt, wird. Ueberall in Mitteleuropa wird das politische Leben beherrscht von der Auseinandersetzung zwischen der sascistischen Reaktion und der Arbeiterklasse. Die Tschechoslowakisch« Rcpubl-ik hat sich bisher als Damm gegen, die Konter- re v o l u t i o n in Mitteleuropa bewahrt. Dafür zu sorgen, daß cs auch künftig so sei, Ist heute eine der wichtigsten Aufgaben der Arbeiterklasse in der Tschechoslowakischen Republik. Besonder« Anforderungen stellt dieser Kampf an di«'Genossen im deutschen Sprachgebiet«, die sich gegen die Versuche der Einschleppung der nationalsozialisti- schenSe uche ständig zu wehren haben. Die solidarische Zusammenarbeit der sozialdemokratischen Arbeiterparteien- in der Tschechoslowakischen Republik hat nicht nur ihnen selbst^n den letzten Jahren bedeutende Erfolge gebracht, sondern auch in der ganzen Internationale größte Genugtuung ausgelöst. Wir kennen di« groß«n Schwierigkeit«», di« sich dem Gedanken dex internationalen Solidarität entgegenstellen,«wenn er in harter täglicher Arbeit in die Praxi? umgesetzt werden muß. Aber wir hoffen, daß auch in der Zukunft dies« international« Zusammenarbeit der si^ialdemokratischen Arbeiterparteien in der Tschechoslowakei als hohes Gut gewertet werde und die gemeinsame Aktion der Arbeiterklasse aller Nationen Cures Landes gesichert bleibe und noch gesteigert werde. In diesem Sinn« wünscht das Sekretariat der S. A. I. den Beratungen-Eures Parteitages den besten Erfolg. Mit sozialistischen Grüßen: Friedrich Adler m. p. Begrüßungsschreiben sind oingelangt u. a. von der Sozialdemokratischen Partei Deutschlands, Frankreichs, Englands, Belgiens, der Niederlande, Lettlands, der Schweiz, Schwedens und der Auslandsvertretung dar russischen Sozialdemokratie, Ehrung unserer Toten. Bevor wir in die Verhandlungen des Parteitages eingehen, obliegt es mir noch, eine traurige Pflicht zu erfüllen— die Delegierten erheben sich— und aller Jener zu gedenken, die uns während der abgelausenen Periode verlassen haben. Wir sind außerstande alle anzuführen, die uns im Lause diesen Zeit entrissen wurdem Es ist nur eine Reihe unserer Besten, die wir im Berichte an den Parteivorstand nennen konnten. Wir wollen hier noch die Namen an uns Revue passieren lassem und uns noch einmal das selbstlose und unermüdliche Wirken dieser Känrpfer vor Augen führen. Cs sind die Genossen Franz Mafar, Franz Iestrabek, Georg Zimmerer, Otto Walch, Dominik Löw, Otto Schwarz, Eduard Werner, Julius Rasch, Heinrich Kalmar, Franz Pallauf, Rudolf Hirsch, Karl Lorenz, Emil Gunkel, Ferdinand Seidel, Max Pachel, Viktor Gottlob, Franz Schütz, Eduard Luft, Bruno Werner, Josef Hoffmann, Rudolf Rückl, Otto Ditmar, Siegfried Saxl, Wenzel Watz« r s i ch, Adolf R e i tz n e r, Franz Diwok, Wilhelm Wenzel. Von bekannten Führern der Internationale wurden uns entrissen: Franz Domes, Jakob Pi st in er, Hermann Müller, Machias Eide r s ch, Wilhelm B o ck, Friedrich A u st e r l i tz, Gustav H a b r m a n, Filipo T u r a t i, Albert Th o m a s, Johann I a n e c e k. Wir wollen allen ein ehrendes Andenken bewahren. Und nun wollen wir an die Arbeit gehen. Bor allem gilt es den Parteitag, den ich hiermit als eröffnet erkläre, zu konstitureren. Hiezu erteile ich Genossen Taub das Wort, Die Konstituierung Oes Parteitages. Ueber Vorschlag des Genossen Taub wählt der Parteitag folgendes Präsidium: als Vorsitzende die Genossen Heinrich Kremser, Eugen de Witte, Franz Kögler, Richard Schönfelder und Irene Kirpal; als Schriftführer: Mizzi Kahay, Emil Kutscha, Heinrich Wondrak, Rudolf Zischka und Wenzel Krippner. M des Parteitags an die SPD Nach der Konstituierung empfiehlt das Präsidium durch den Mund des Vorsitzenden Genossen Kremser unter Beifall die Ueber- mittlung folgenden Telegrammes an die sozialdemokratische Partei Deutschlands: Der am Samstag, den 29. Oktober, in Prag zusammentretende, von mehr als 500 Delegierten beschickte Parteitag der Deutschen sozialdemokratischen Arbeiterpartei tu der Tschechoslowakischen Republik übermittelt der Sozialdemokratie Deutschlands die herzlichsten freundschaftlichsten Grüße. Die sudetendeutsche Arbeiterschaft verfolgt mit einem außerordentlichen Interesse den schweren heldenmütigen Kamps, den die Arbeiterklasse Deutschlands< um Demokratie und Freiheit gegen all« reaktionären Elemente führt. Der Kampf geht um die elementarsten Jnteresien der Arbeiterklasse und wir hoffen und wünschen, daß dem schweren Kamps der deutschen Arbeiterklasse schon am sechsten November rin sichtbarer Erfolg beschieden sei» möge. Der Vorsitzende teilt weiter mit: ; In Prag stehen die Arbeit e,r der A u t o- fabrik Walter tn einem schweren Lohnkamps«. Ich verdolmetsche sicher die Gefühle des Parteitages, wenn ich dies« Arbeiter der wärmsten Sympathie versichere und ihrem Kampfe den besten Erfolg wünsche. In memorram Karl CcrmaK. Uebrrmorgen, so fährt Kremser fort, jährt sich zum achtenmal der Tag, an welchem uns unser unvergeßlicher Führer und Freund Karl C e r m a k entrissen wurde. Der Parteitag stimmt zweifellos zu, daß wir am Montag durch eine Mordnung einen Kranz an der Statte dieses unvergeßlichen Menschen niederlegen lassen. Genosse Taub schlägt Tagesordnung und. Geschäftsordnung vor;— sie werden einstinunig genehmigt.,. Die Begrüßungen. Mit stürmischem Beifall empfangen,' begrüßt den Kongreß als erster namens der tschechischen Sozialdemokratie Abgeordneter Genosse Hampl: Er gibt zunächst in' tschechischer Sprache der Genugtuung darüber Ausdruck, daß. er im Kreise dar deutschen Sozialdemokratie weile. Je schwere, die Verhältnisse sind, unter denen wir arbeiten, desto tiefer muß unsere gemeinsame Solidarität sein. Die Verhältnisse, unter denen wir leben, sowohl im Inland als auch im Ausland, belehren uns darüber, daß nur die vereinten Kräfte der Arbeiterklasse sich mit Erfolg gegen die vorwärts- schreitende Reaktion behaupten können. Diese Reaktion will nichts anderes, als daß alle Lasten der Krise überwAzt werden auf den Rücken der arbeitenden Menschen. Je schwieriger diese Verhältnisse Worden, desto mehr muß in uns die unverbrüchliche, Solidarität erwachsen, zu der wir am Smichover Kongreß den Grund gelegt haben. Genosse Hampl fährt dann deutsch fort: Die Anwesenheit der Vertreter der tschechischen Sozialdemokratie auf diesem Kongreß ist keine bloße Geste, sondern wir sind hier als ein Teil jener sozialistischen Gemeinschaft erschienen, auf die das arbeitende Volk in diesen verzweiflungsvollen Stunden mit Vertrauen und Hoffnung blickt. Gerade in diesem Augenblick wird das demokratische Regime überall durch Fascismus und Kapitalismus scharf angegriffen. Umso stärker tritt uns heute die Bedeutung des Smichover Kon- gresses hervor. In der Zusammenarbeit mit der deutschen Sozialdemokratie wird uns kein nationalistischer Angriff wankend machen(Beifall), von welcher Seite er immer kommen mag, Di« Ereignisse in Deutschland und Oesterreich sind für uns eine Belehrung darüber, daß jede nationalistische Verhetzung nichts anderes ist als die Vorbereitung für die wirtschaftliche und politische Reaktion. Deswegen werden wir für ein friedfertiges Zusammenleben der Nationen in diesem Staate hinarbeiten und wir halten die Ablehnung nationalistischer Leidenschaften für die erste Voraussetzung einer demokratischen Regierung.(Beifall.) Wir feiern jetzt gerade das dreijährige Jubi- läunr der gegenwärtigen Koalitionsregierung. Die Kooperation von Sozialdemokraten und Bürgerlichen in einer Regierung ist nicht leicht. Umso rühmender können wir die Tätigkeit der sozial- Berlin, 29. Oktober. Hindenburg empfing heute den Reichskanzler von Papen und den preußischen Ministerpräsidenten Braun zur Aussprache über die durch das Urteil des Staatsgerichtshofes geschaffene Lage. Der Reichspräsident führte einleitend aus, daß der Streit zwischen Reich und Preußen über die Verordnung vom 20. Juli durch das Urteil des Staatsgerichthofs erledigt sei und daß er und die Reichsregierung sich in jeder Beziehung auf. den Boden des Urteils stellten. Es müsse beiderseits der loyale Versuch gemacht werden, eine praktische Zusammenarbeit;» ermöglichen.^. Ministerpräsident Braun erwiderte, daß das preußische Kabinett sich selbstverständlich ebenfalls aus den Boden des Urteils stelle. Er gab daraufhin eine Darlegung seiner Auffassung von den Folgerungen, die aus dem Urteil zu ziehen seien. Das Staatsministerium müsse in die ihm zuerkanntcn Rechte wieder eingesetzt werden. Di« Befugnisse des Reichskommissärs sollte», wenn sie überhaupt nost nötig wären, auf solche Maßnahmen beschränkt werden, dir znr Aufrechterhaltung der Ruhe und Ordnung notwendig seien. Sodann werden gewählt: in die Walilifommlsslon Ernst Grünzne r-Bodenbach, Schäfer- Brünn, Tinkl-Landskron, Deistler- Karlsbad: K u p l e n t-Pilsen, Lahme r-Prag, Hege l-Pretz- burg. Roscher-Reichenberg; Häusler-Sternberg, Reichl- Komotau, Unger- Trautenan, Dr. Haas-Mähr-Ostrau, Dr. H e l l e r-Teplitz-Schö- nan, Pölz l-Aussig; T a n b-Prag, Irene Kirpal- Aussig, Mizzi Kähah-Brünn; Else Schäfer- Reichenberg, in die Anlragsprttiangskommission Kögle r-Bodenbach, Wella n-Brünn, T r e m l- Landskron, K a tz-Falkenau, P a tz a k-Pilsen, Dr. S t r a u ß-Prag, Dr. Adle r-Preßburg, Löw' t- Reichenberg, Loren z-TePlitz, Palm e-Tranienau. H e e g e r-Jägerndorf, Z i s ch k a-Sternberg, Dr. Heller, Adolf Pohl, Taub, Blatny, Schäfer, I o k l-Troppau. demokratischen Vertreter in dieser Regierung her- vürheben, insbesondere des Genossen Dr. Czech, dem wir für seine außerordentliche Arbeit unfern herzlichsten Dank aussprechen. In den drei Jahren hat es zwischen dem Vertreter der deutschen Sozialdemokratie und den Vertretern der tschechischen Sozialdemokratie in der Regierung nicht die leiseste Verstimmung gegeben. Wir wissen, daß für die deutschen Genossen der Eintritt in die Regierung schwerer war, als für uns. Und wir haben es stets als die stärkere Bruderpartei für unsere Pflicht und Aufgabe gehalten, der deutschen Sozialdemokratie kn« Situation zu erleichtern. Das wollen wir auch künftighin tun. Wir haben durch unsere Mitarbeit der Demokratie gedient und betrachten als unsere Hauptaufgabe die Linderung der Krise der Arbeitsbe- schaffung. Unsere Kräfte werden auch weiterhin der Besserung des fürchterlichen Loses der von der Krise am ärgsten betroffenen Schichten der Arbeiter fein. Die deutsche Sozialdemokratie und inshesoiwere Dr. Czech waren der Gegenstand der heftigsten Angriffe der chauvinistischen Presse und es wurde dem Genossen Dr. Czech insbesondere vorgeworfen, daß er die deutschen Gebiete des Landes bevorzuge. Wir wissen alle, daß Genosse Dr. Czech ein gewissenhafter Verwalter ist, daß das deutsche Gebiet Industriegebiet ist, und als solches von der Krise am meisten in Mitleidenschaft gezogen wurde und wir alle wissen, daß di« Angriff« nur erhoben wurde«, nm die nationalistische« Leidenschaften zu erhitzen. (Beifall.) Wir gehen schweren Zeiten entgegen, aber wir wollen alle Fragen in gemeinmsamer, engster Zusammenarbeit der Lösung zuführen. Diese Zusammenarbeit ist di« Voraussetzung für die Entwicklung des Sozialismus in der Tschechoslowakischen Republik. Das in Smi- chov geschaffene Werk mutz behütet werden. In diesem Sinne wünsche ich den Beratungen des Parteitages den besten Erfolg.(Großer, langanhaltender Beifall.) Nun überbrachte Genosse MonuS-Budapest die Grüße der ungarländischen Sozialdemokratie. Erschüttert von dem eindrucksvollen Bild des Parteitages ruft er aus, daß das ungarische Proletariat sich glücklich schätzen würbe, könnte es in seinem Land eine'olche Bewegung entfalten. Es ist für einen Sozialisten aus dem unter dem Druck der Konterrevolution stehe-rden Ungarn Amtskollegen nicht angezweifelt habe und daß nur staatspolitische Erwägungen zu ihren Maßnahmen geführt hätten. Er legte dann seine Auffassung der Lage dar und betonte, daß der Reichskomis- s 8 r sich nicht darauf beschränken könne, nur für den Schutz von Ruhe und Ordnung zu sorgen, sondern weiter die gesamte Exekutive einheitlich in der Hand behalten müsse. Der preußische Ministerpräsident betonte, daß er demgegenüber auf seinem eingangs dargelegten Standpunkt beharre und insbesondere der Durchführung der Verwaltungsresorm ohne Verständigung mit der preußischen Staatsregierung widerspreche. Eine Einigung hierüber wurde nicht erzielt. Die Königsberger Nazi- Terroristen vor Gericht. Königsberg, 29. Oktober, vor dem Sondrrgericht begann heute vormittags der Prozeß gegen 19 Nationalsoziasisten, die beschuldigt werden, an den Terrorakten vom 1. August beteiligt gewesen zu sein. Zunächst wird gegen elf Angeklagte verhandelt, denen vorgeworfen wird, einen zweistöckigen Schuppen und eine Laube vorsätzlich Brand gesteckt und mehrere Wohngebäude beschädigt zu haben. Der Angeklagte Hans Günther, den man als Rädelsführer ansieht, erklärt«, er v« r w«i- ein stärkendes Erlebnis, diesem Parteitag beiwohnen zu können. Genosse MonuS rief den Delegierten zu, mit aller Hingabe fiir die Erhaltung und Ausgestaltung der bisherigen Errungenschaften«inzustehen. Auch Ihre Lage ist wohl eine schwere. Aber die Lage der ungarischen Arbeiterklasse ist überdies noch auch durch politische Verfolgungen viel schwerer.. Die ungarische Arbeiterklasse hatte bereits 13 Jahre lang einen harten Kampf gegen die Konterrevolution zn führen. Aber er scheint, daß dieser Kampf jetzt bei dem entscheidenden Abschnitt angelangt ist. Dir Agrarkrise und die mitteleuropäische Finanzkatastrophe haben das konterrevolutionäre Regime in Ungarn erschüttert. Das größte ungarische Problem ist.zweifellos die Abschaffung der Fideikommisse und der Kirchengüter. Rur dadurch könnten die besitzlosen Bauern in Ungarn zu Boden und Existenz gelangen. Die Agrarkrise hat die Klassengegensätze zwischen Großgrundbesitzern und dem Landproletariat außerordentlich verschärft. Aber auch die Gegensätze zwischen den Großagrariern und den Banken sowie Kartells spitzen sich scharf z». Desgleichen wird die Lage der ohne jede Unterstützung dem Elend preisgegebenen Industriearbeiter und Angestellten immer katastrophaler. Jetzt beginnt ein neuer Kampf. Die Konterrevolution hat ihre letzte Reserve eingesetzt und glaubt, dies« Gärung im ganzen Lande mit ihren sascistischen Methoden unterdrücken zn können. Die G ö m b ö s- Regierung ist eine s a s e i st i s ch r Regierung. Diese will mit militärischer Schneidlgkrit die Sozialdemokratie ausrotte». Als erste Tat der Gömbös-Regierung war die Einstellung deS Erscheinens des sozialdemokratischen Parteiorgans„Nepszava" auf di« Dauer von acht Tagen. Die Arbeiterllaffe Ungarns könnte jetzt nach 13jährigem Kampf über das in eine katastrophale Lage geraten« und vor ihrem Zusammenbruch stehende konterrevolutionäre Regime einen Sieg erringen, wenn dieses durch den Borstoß des internationalen Fascismus in Mitteleuropa nicht eine Kräftigung gefunden hätte. Alle ihre Hoffnungen setzt die ungarische Konterrevolution jetzt nur mehr- auf diesen. Wir können das Ergebnis d.'s neuen Versuches schon jetzt feststellen. Tie ungarische Klassenherrschaft, die Herrschaft der Großgrundbesitzer kann nicht weiter ausrechterhalten werden. Industriearbeiter und besitzlose Bauernschaft stehen nun in genieinsamer Front im Kampfe gegen diesen sascistischen Versuch und wollen ihre Frcibei:, ihr Recht und den ihnen vorenthaltenen Boden— di« Möglichkeit ihrer Existenz— gemeinsam-r kämpfen. Dieser Kampf wird an Härte die bisherigen übertreffen. Diesen Kampf müssen wir u: ter dem Banner der Sozialdemokratie mit Op'er- willigkeit und Entschlossenheit, führen. In diesem Kämpft hoffen wir, wert« Genossen und Genossinnen, auf Ihre brüderliche Solidarität und Hilft. tStarkr Beifall.) LamtatidzS-Georgien: Ich überbringe die Griiße der georgischen Sozialdemokratie und freue mich, feststellen zu können, daß die Zusammenarbeit zwischen den deutschen und tschechischen Arbeitern dieses Landes gute Fortschritte macht und zu einem Vorbild für alle Parteien der Internationale geworden ist. DaS Schicksal der georgischen Sozialdemokratie ist tragisch. Als es uns« gelungen war, durch die Zusammenfassung aller revolutionären Kräfte den Zarismus zu stürzen, bauten wir Georgien neu auf. Unsere Arbeit wurde vernichtet durch das Eindringen der Bolschewiken, die eine schrankenlose Diktatur errichteten und die Sozialdemokraten in den Kerker warfen. Di« georgische Sozialdemokratie steht fest und treu zur Sozialistischen Arbeiterinternationale.(Beifall) Fedenke^Ukraine: Der Parteitag, den ich im Namen der ukrainischen Sozialdemokratie herzlichst begrüße, tagt in der Zeit der schwersten Kris«. Ich zweifle nicht daran, daß er di« angemessenen politischen Richtlinien finden wird. Wir Ukrainer leiden unter zwei Uebcln: unter der Utopie des Bolschewismus in der Sowjetunion und unter dem polnischen Fascismus, der die ukrainische Bevölkerung grausam verfolgt. In der Sowjet-Ukraine, die als das Musterland des Sozialismus hingestrllt wird, herrscht unter den Arbeitern und Bauern die größte Not. Wir glauben nicht, daß di« bolschewistisch« Diktatur der Weg zum Sozialismus ist und hoffen, daß es dereinst gelingen wird, auch mit den im Osten wirkenden Kräften gemeinsam den Weg zum Sozialismus zu gehen.(Beifall.) Ehobot(polnische Genossen in der 6SR.): Der Borstand der Polnischen sozialistischen Arbeiterpartei in der Tschechoslowakischen Republik beauftragte mich, die herzlichsten und brüderlichsten Grüß« der polnischen Arbeiter zu überbringen. Ich tue dies um so lieber, als ich selbst seit mehr als 25 Jahren in engster Freundschaft mit den deutschen und tschechischen Organisationen zusammenarbeite. Jahrzehntelang währt auch di« Zusammenarbeit der polnischen und deutschen Genossenschaften. Di« polnischen Arbeiter sind dem Genossen Dr. Ezech, der auch für die polnischen Gebiet« sehr viel geleistet hat, ungemein dankbar und wünschen, daß er im Interesse der Arbeiterklasse noch lange an seinem Posten ausharren möge. Die polnischen sozialistischen Arbeiter werden auch weiterhin gemeinsam mit den Arbeitern der übrigen Rationen unter dem Banner der Sozialistischen Arbeiterinternationale um den Sozialismus kämpfen.(Beifalls Ter Vorsitzende teilt mit, daß«in Begrüßungstelegramm der finnischen Sozialdemokratie eingelangt ist. Er dankt den Rednern für ihre fteund- ■ schaftlichen Worte und erklärt, daß die deutsche Sozialdemokratie dieses Landes bestrebt sein wird, ihre Pflichten gegenüber dem internationalen Zusammenwirken der Arbeiter zu erfüllen. Sodann erteilt der Vorsitzende unter großen: Beifall des Kongresses dem Genossen Dr. Ezech das Wort zu seinem Referate über die politische und wirtschaftliche Frage. Mit den personellen Veränderungen solle aufgchört werden. Ueber die Vereinfachung und Zusammenfassung der Verwaltungen im Reich und in Preußen könnten alsdann Verhandlungen zwischen der Reichsregicrung und der preußischen Regierung stattsinden. Reichskanzler von Papen erklärte zunächst, daß die Reichsregierung die personelle Jntegri- s tät des preußischen Ministerpräsidenten und seiner gere die Aussage. Die übrigen Angeklagten schlossen sich der Aussageverweigerung an. Braun bei Hindenburg. Keine Annäherung in der Hauptfrage. Ar. 266 Sonntag, 30. Oktober 1932 Leite 3. Die irrte MM Rede des Genossen Dr. bet Unser Partelvorsilzendcr Uber die wlrtsdiaftlldie und politische Lade. Selten hat unsere Biwcgung einem Parteitage mit so brennender Ungeduld«ntgegengesehen, als gerade diesem. Mitten im heftigsten Krisenansturm steht unsere Partei an verantwortlichster Nell«— der Wucht der fürchterlichen Krisenwirkungen, aber auch dem kon« zentrischen Feuer einer geschlossenen Phalanx lauernder Gegner ausgesetzt. Ist sie, fragen wir uns, in der zurückliegenden Berichtsperiode ihr« großen und schwierigen Mission gerecht geworden? Hat sie sich den Aufgaben, di« ihr das fürchterliche Leid der Arbeiterklasi« auferlegt«, gewachsen gezeigt? Sind ihre führenden Vertrauensmänner in den ungezählten schicksalsschweren Situationen ihren Grundsätzen treu geblieben? Haben die obersten Instanzen der Partei, hat ihr« parlamentarisch« Vertretung, vor allem der Parteivorstand, in jeder Lage ihre Pflicht erfüllt? Dies wird der Parteitag zu beantworten haben. Er wird aber auch zu den großen Problemen Stellung nehmen müssen, die sich auf dem Gebiet« der internationalen Politik, vor allem aber aus dem schweren Krisennotstand für di« Arbeiterklasse und für unser« ganz« Bewegung ergeben. Die Wirtschaftskrise. Die enge Verflochtenheit unserer Wirtschaft mit der Weltwirtschaft, der Politik unseres Landes mit der internationalen Politik, aber auch di« innige Verbundenheit unseres Proletariates mit dem der ganzen Welt bringt«S naturgemäß mit sich, daß di« großen internationalen Problem« auch an uns drängend herantreten. Angesichts der enormen Füll« des Stoffes werden Sie eS sicher verstrhen, wenn ich in meinem Referat«, welches vor allem den augenblicklich brennend st en Notwendigkeiten unseres Kampfes gewidmet fein muß, so mancher der Probleme nur werde streifen können. Unser Parteitag tritt in einer wahren Tchick- salSstunde der Arbeiterklasi« zusammen. Di« schwere wirtschaftlich« und politische Krise hat die politischen Rachtverhältnisi« an den entscheidenden Punkten Europas grundstürzend geändert. Zu den bestehenden Diktaturen haben sich in der letzten Zeil andere gesellt, die den Frieden Europas auf das schwerste bedrohen. Nimmt man noch die scharf« Rechtsentwicklung in einer ganzen Reihe, von Ländern dazu, so kann ruhig gesagt werden, daß, bis ans wenig« Staaten, Europa im Zeichen eines auSg«sprochtne« Rechts, kurses steht, und daß es zu einem Großteil die Beute der Kontrerevolution geworden ist. DaS gilt vor allem von Deutschland. Dort ist die Gefahr eines Bürgerkrieges, an dem sich ein großer europäischer Brand entzünden könnte, noch immer nicht gebannt. Tie verstehen daher, welch« ungeheuer« Bedeutung di« Vorgänge in Deutschland, die Treibereien der internationalen Kontrerevolution für unsere Bewegung haben, dies nicht nur, weil sie in so tiefgehender West« daS Schicksal des internationalen Sozialismus berühren, in desien KampfeSreihen sich auch das sudetendeutsche Proletariat mit Stolz«in- gegliedert hat, nicht nur weil sie di« deutsche Arbeiter- klaff« betreffen, deren Kampf um die Freiheit und Demokratie unsere Arbeiterschaft mit den heißesten Wünschen begleit«, sondern weil di« Vorgänge in Deutschland in hohem Maß« auch das Schicksal unseres Landes mitbesstmmen und der Niedergang ber Demokratie in Deutschland und Europa, die Entfeffelung der fascistsichen Kräfte, wie wir sie in den umliegenden Staaten wahrnehmen können, auck- in unserem Lande jene Kräfte, die auf den Abbau der Demokratie und ihrer Einrichtungen hinarbeiten, lebendig machen. Hier erwächst unserer Bewegung die Aufgabe, der Arbeiterklasse die Gefahren auf- iuzeigen, welche sie umlauern, jedem Versuch ber Uuterwühluug der Demokratie und ihrer Einrich- iuugeu mit aller Wucht eutgegeuzutrete« und sie, als den einzigen Boden, aus d«m da- Proletariat lein« Kämpfe zu führe«, di« Reaktion abzuwehren »d di« Macht zu erring«» vermag, mit der größt«« Leidenschaft zu verteidige». Cs ist wahr, daß di« letzten Vorgänge in Deutschland, daß die gev'altsam«, von einem Großteil der Bevölkerung scheinbar ruhig hi»genommene Kalt- ffellung der Demokratie und ihrer Einrichtungen di« Hoffnungen auf die Demokratie in hohem Maß« herabgedrückt und daß der Selbstmord der Demokratie durch die Wahl anti- demokra bischer Parteien das Vertra uen in sie auf das stefste erschüttert hat, aber nichts wär« ver- sehlter, als ans allen diesen Tatsachen durch ein« rein oberflächliche Betrachtung der Dinge die Demokratie einfach über Bord werfen zu wollen sind so wird eine tiefgründige Analyse der Brrhält- nisse und Vorgänge in Deutschland erweisen, daß, wenn etwas versagt hat, es sicher nicht dir Demokratie gewesen ist, sondern di« Menschen, di« Nach den vielen Jahren der Rot und Bedrängnis nach den vielen Jahren d«r Demütigung und Vergewaltigung jeden Halt, aber auch den Glauben an die Demokratie verloren und sich dem FasciSmuS in die Arme geworfen haben. Auch wir werden uns, um mit den Worten Riarx' zu sprechen, dem„höchst notwendigen Stück firbeit", di« Ursachen d« scheinbaren Verfallserscheinungen der Demokratie und ihrer letzten Mißgriffe zu«forschen, unterziehen müssen und das Ergebnis wird sein, daß zu allzu pessimistisch«« Betrachtungen kein Anlaß vorhanden ist. Daß überdies kein Anlaß vorliegt, an d«r Demokrat« und ihren Einrichtungen, an dem allgemeinen, gleichen Wahlrecht« und dem Stimmzettel zu zweifeln, sehen wir gerade in der letzten Zeit an einer ganzen Reihe erquicklicher Wahlgänge. Abgesehen von dem etwa« weiter zurückliegenden herrlich«« österreichischen Wahlergebnisi« halt« da« internationale Proletariat gerade in den letzten Monaten ben stolzen Wahlsieg der französischen Arbeiter- klaff«, einen prächtigen Wahlgang der dänischen Gen offen, den glättenden Wahlerfolg bei den belgischen Gent-'indewahlen und— als ganz beson- dern Lichtvnnkt- den stolzen Waffengang unserer schwedischen Genossen zu«rzeichnen. Wir ver zweifeln also nicht an der Demokratie, sondern glauben an sie auch weiter, trotz aller Mängel, di« ihr anhaften und obwohl von ihr noch«in weiter Weg zur sozialen Demokratie führt, di« wir all« so heiß ersehnen. Wir bleibe« als» auch weiter bei der Erkenntnis, daß dir Demokrati« aus» eugft« mit dem Kampf« um de« Sozialismus verknüpft ist und daß«S ohne Freiheit u«d ohne Demokrati« keinen Sozialismus gibt. Die» waren auch di« Erwägungen, die uns auf dem gründenden Teplitzer Parteitag« veranlaßten, in unserer Prinzipienerklärung klar und deutlich auszusprechen, daß di« Demokrati« ein geeigneter Boden ist, auf dem der Klasienkampf des Proletariates gegen die besitzende Klasse ausgetragen werden kann. Di« unmittelbarste programmatische Aufgabe der Partei ist es, das Prol«tariat und damit di« Mehrheit der Bevölkerung für den Sozialismus zu gewinnen und unter Ausnützung der demokratischen Einrichtungen des Staat«» die politische Macht zu erobern, di« Regierung und Verwaltung des Staates zu übernehmen und sich ihrer zur Herbeiführung der sozialistischen Wirtschaftsordnung zu bedienen. Mit diesem Standpunkte stehen wir auf dem Boden der Beschlüsse des letzten Wiener international«» Arbeiterkongresses. Selbstverständlich muß Hand in Hand mit dem Kampfe um di« Demokratie auch der Kampf«m di« Abrüstung und um de« Friede» gehen. Leider haben all« bisherigen Bemühungen um Herbeiführung der Abrüstung Schiffbruch erlitten. Der blutige Waffengang im Fernen Osten, die zunehmende Aufrüstung der kapitalisstschen Staaten macht es dem Proletariat zur Aufgabe,.alle seine Kräfte zur Sicherung des Friedens und zur Erzwingung der Abrüstung anzuspannen und angesichts der, drohenden Gefahren allein sen« Ausgast!» zu übernehmen, zu deren Inangriffnahme der Kopi- talfftenklasie der gute Will« fehlt und deren Erfüllung di« Zusammenarbeit der Bölk«r ermöglichen und zur Uebrrwindung jener schweren sozialen Gärung führen wird, di« durch di« Weltwirtschafts kris« und ihre katastrophalen Auswirkungen ausgelöst wurde. Nicht erfreulicher als auf politischem, liegen di« Verhältnisie im Weltwirtschaftsbereiche. Hier erleben wir setzt jene Erscheinungen, di« Karl Marx als die Phase der Rrvolusto« d«r Produktivkräfte gegen daS Privateigentum bezeichnet«. Wohin wir auch blicken mögen— in di« Siegerländer oder die der Besiegten— überall sieht man di« schwerst« Erschütterung der Fundamente der kapitalistischen Wirtschaft. Seit niehr als drei Jahren lastet der lähmende Druck der Kris« auf der industriellen und agrarischen Produkston. Er steigert sich mit zunehmender Dauer. Das letzt« Jahr bracht« ein« ganz besonder« Verschärfung. Die konrmenden Wintermonate lassen eine weiter« V«r ichlimmerung befürchten. Der gesamte internationale Wirtschaftsverkehr ist vernichtet, der Welthandel lahmgelegt, di« industrielle Produktion dezimiert und in ihren Ausmaßen um Dezennien zurückgeworfen, der Kredit- und Währungsmechanismus ist zum Teile in» Wanken gebracht, zum Teile vollständig zerstört. Di« wirtschaftliche Zusammenarbeit der Völker ist teils auf das äußerste erschwert, teils vollständig unterbunben. Die Zahl der Arbeitslosen ist in ständigem Wachsen. Di« industriell« Reservearmee hat gigantische Ausmaß« erreicht. Bon rund IW Millionen Mensche», die sinter normalen Berhältniffen im Produktionsprozeß der Welt tätig find, find SS Millionen brotlos geworden und mit ihnen die ungeheuere Zahl darbender Familienangehöriger. Wieder ist der Augenblick des schwächsten Widerstandes der Arbeiterklasse gekommen. Di« Kapitalfftenklasse hat ihn weidlich ausgenützt, die Lohnschraube wieder angesetzt und die Löhne der noch in Beschäftigung stehenden Arbeiter in empfindlicher Wen« herabgedrückt. So hat denn di« Arbeiterklasi« zum allergrößten Teil die Kosten der Krffe zu tragen. Verschärft wird di« Lage der Arbeiterklasie dadurch, daß ein Großteil derselben infolge Technisierung und Oekonomisi«rung der Produktion— selbst für den Fall eines wirtschaftlichen Umschwungs— kein« Hoffnung mehr hat, zur Arbeit zurückzukehren und— wenn nicht resolut zugegriffen wird— definitiv in der industriellen Reservearmee eingegliedert bleibt. DaS Tragische dabei ist, daß das international« Proletariat in diesem Augenblick« in Desensivstellung gedrängt ist urd Mü’ hat, dem fürchterlichen Ansturm der Ari e den wuchtigen Anschlägen der Unternehmerklass« standzuhalten. Durch di« kommunistische Wühlarbeit gespalten, durch den nationalsozialistischen Einbruch geschwächt, vermag«S augenblicklich nicht zum ent- stheidende» Schlag« gegen den Kapitalismus auszuholen und muß alle Kräfte anspannen, um sein« bisherigen Errungenschaften wenigstens in ihren entscheidenden Punkten verteidigen zu können. Es tritt— wie das kommunistische Manifest sagt— offen hervor, daß die Bourgeoisie unfähig ist, noch länger die herrschende Klasi« der Gesellschaft zu bleiben und die LebenSbedingungen ihrer Klaff« der Gesellschaft als regelnd« Sähe aufzuzwingen. Sie ist unfähig, ihren Sklaven di« Existenz— selbst innerhalb ihrer Sklaverei— zu sichern. Und nun, Genossen, gestatten Sie mir, daß ich mich der Wirtschaftskrise und ihren Auswirkungen zuwende und einige allgemein« Betrachtungen an die Spitze meiner Ausführungen stell«. Die Frage, di« di« von der Kris« auf das Härteste betroffenen Schichten, das ist vor allem di« Arbeiterklasse, ganz besonders bewegt, ist, ob di« Kris«, di« wir jetzt durchleben,«im dauernde, also die letzte Kris« oder eine jener Krisen sit, di« in der Wellenlinie des Marx- schen industriellen ZykluS liegt und eine allmähliche wirtschaftliche Befferung und einen neuen Aufschwung Hervorrufen wird, der wieder den Keim neuer Krisen in sich birgt und neu« Krisen vorbereiten wird. Di« Antwort ist von selbst gegeben. ES gibt niemanden, der behaupten würde, daß die» di« letzte Kris« ist und daß sie, auch wenn sich der genau« Zeitpunkt nicht errechnen läßt, vom Kapitalismus nicht mehr überwunden werden kann. Denn der Kapitalismus besitzt heut« noch immer so viel Lebenskraft, um auch diese schwerste aller Krisen überstehen zu können. Die Frage ist nur, wie lange sich noch der schwere KrankheitSProzeß der Wirtschaft hinziehen und wann der Genesungsprozeß einsetzen wird. Und indem wir all' dies vorausgeschickt haben, sind wir bei dem sogenannten Silberstreifen angelangt. Di« kapitalistischen Kreis« knüpfen da an «ine-ganze Reihe von Momenten an, denen sicherlich ein« gewiffe Bedeutung in der Richtung der er- hofften Entspannung nicht abgesprochen werden kann. Man verweist auf Lausanne und die Lösung des Reparationsproblems, auf das Steigen der Rohstoffpreise, auf die Verlangsamung im Welthandelsrückgang, auf di«, wenn auch langsm«, so doch deutlich sichtbar« Entleerung der Lagerbestände, auf den Anstieg der Kauflust, auf eine gewiff« Geldflüssigkeit und kommt so zu optiynschtesten Prognosen. Und während so im kapitalistischen Lager das Lied vom „Krisentief" in alle.», Varianten gesungen wird, sehen wir di« Massenarbeitslosigkeit immer mehr anschwellen, den Produktionsprozeß weiter schrumpfen, di« politische Unsicherheit, ein« der Hauptursachen der. Verschlechterung der wirtschaftlichen Verhältnisie, in allen Ländern immer mehr anwachsen und finden am weiten Horizont nichts, was da» Steigen des Konjunkturbarometers bestätigen, für eine beginnend« Wiederbelebung des zerstörten Produktionsapparates, für die Wiedereinstellung neuer Arbeitskräfte, für die Hebung der Kauflraft der Massen sprechen würde. In Wirklichkeit liegt di« Wahrheit in der Mitt«, daß nämlich wohl Anzeichen einer beginnenden wirtschaftlichen Befferung bestehe« möge», daß sie aber im Wese» vorübergehender Natur find, jedenfalls nicht tiefgreifend genug, um den erhofften Konjunkturaufschwuug herbeiführe» und dem schweren Krisenzustand ei» Ende bereite« zu können. In unserem Lande sind aber auch die spärlichen Befferungsanzeichen, von denen an früherer Stell« die Rede war, nicht vorhanden und die Kris« leider weiter noch immer im Stadium ständiger Verschärfung. Der Silberstreifen ist also wieder gänzlich verblaßt. Darum läßt sich die Arbeiterschaft durch den kapitalistischen Schlummerpunsth, der ihr in letzt«! Zeit in ausgiebigen Bechern dargereicht wird, nicht, einschläfern und auch durch noch so Prächtig schimmernde papieren« Silberstrelfen nicht irre machen und von ihren" Kämpfen abbringen. Sie sieht nach wie vor di« verderblichen Auswirkungen der Weltwirtschaftskrise deutlich vor sich. Sie sieht nach wie vor di« Schlagbäume, di« zwischen den einzelnen Staaten aufgerichtet sind, nach wie vor die nach Die Innenpolitik. Und nun Genossen, möchte ich mich der Innenpolitik unseres Landes zuwenden, di« augenblicklich im Zeichen einer ernsten Kris« steht, über deren Auswirkungen und Liquidierung sich in dieser Stunde nicht» Bestimmtes sagen läßt. Nach wochenlangen vergeblichen Bemühungen um eine Verständigung über di« brennenden finanziellen, wirtschaftlichen l und sozialen Probleme, über die Herstellung des budgetären Gleichgewichtes, über di« Frage d«r Lastenaufteilung und die Möglichkeit neuer Ber- > brauchSsteuer», über das StaatSangrstellten- und > Pensionistrnproblem und über die Kriegsbeschädigtenrenten, über die ArbeitSlosenfürsorge und ein« ganze Reihe schwerwiegender Fragen ergab sich, da eine Ueberbrückung der auS dem Klassengegensätze der einzelnen Koalitionsparteien fließenden Schwierig- keite» aus immer größere Hindernisse stieß, di« Notwendigkeit zur Demission des Kabinetts. Der Präsident d«S Abgeordnetenhauses, M a l y p«t r, nahm die Parteienverhandlungen, die durch di« Demission unterbrochen wurden, wieder auf und verlangte, daß vor der Ernennung der neuen Regierung das Schicksal des Budgets entschieden wird. vielen Hunderten zählenden wirtschaftlichen Absperrmaßnahmen. Sie spürt den Hunger und Lohndruck an ihrem eigenen Leibe, sie si«ht die fahlen Gesichter ihrer Frauen, die zunehmenden Degenerationserscheinungen an ihren Kindern, sieht die verzweifelten Gesichter ihrer arbeitslosen Genoffen und Brüder, di« seit Monaten, vielfach seit Jahren vergeblich vor den verschlossenen Fabrikstoren warten. Das verstärkt ihren Widerstand gegen di« bestehend« Gesellschaftsordnung, die mit dem Fluche der Lohnsklaverei belastet ist und durch«ine andere ersitzt werden muß, di« nach den Gruirdsätzen sozialistischer Wirtschaft aufgebaut sein soll. Leider liegt bis dahin noch ein weiter Weg vor uns und viele schwere und erbitterte Kämpfe da- zwifchen. Unsere nächste Aufgabe ist«s, mit dem Einsatz aller Kräfte für di« Sicherung des Friedens und die internationale Abrüstung zu arbeiten und gegen den mrnschenmordenden Wirtschaftskrieg zu kämpsin, um alle Hinderniffe für die wirtschaftlich« und Politische Zusammenarbeit der Völker aus dem Wege zu räumen. Gleichzeitig müffen wir aber auch eine planmäßig«, vom Staate kontrollierte Wirtschaftsorganisationen verlangen, deren wesintlicher Teil eine weit ausgreifende Arbeitsbeschaffungs- und Lohnpolitik zu bilden hätte und in tvelche«ine den heutigen Notwendigkeiten Rechnung tragend« Sozialpolitik eingegliedert werden soll. Es sii mir gestattet, auL dem großen Komplexe der Fragen eine herauszugreifen, der ich eine schicksalsschwer« Bedeutung zumesie und über di« das Proletariat nicht oft genug sprechen kann und die«S für die nächste Zeit zum Angelpunkte ihres Kampfe« machen muß. Sie fällt auf das Gebiet der Verkürzung der Arbeitszeit. Nach unserer Kenntnis der Verhältnisie unterliegt «s keinem Zweifel, daß mehr als«in Viertel der Arbeitslosen Opfer der strukturellen und technologischen Arbeitslosigkeit ist, jener' Arbeitslosigkeit, di« zum Teil« durch die Konzentration und Reduktion der Industrie, zum Teile durch die technische Vervollkommnung des Produktionsapparates und sohin durch die Verdrängung der Menschenkraft durch die Maschinen, verschuldet ist. Wenn es einmal zur sehnsüchtig erhofften Wirffchaftswende im internationalen Maßstabe kommen sollte und die Wirtschaft der einzelnen Staaten dadurch— und schließlich auch aus sich heraus— einen neuen Antri«b erhalten und zur Belebung kommen sollte, so werden di« Opfer der strukturellen und technologischen Arbeitslosigkeit, kurzum die Rationalisierungsopfer dadurch unberührt bleiben. Für sie gibt«s keine Möglichkeit, wieder zur Arbeit zurückkehren. An ihre Stelle ist die Maschine getreten, die wahr« Wunder an Produktionsleistung vollbringt und in ihrer ständigen Ber- vollkommnung der menschenlosen Fabrik zustrebt. WaS soll, fragen wir uns, mit all den auf diese Weise aus dem Produktionsprozesse geschleuderten Arbeitern geschehen, die in den anderen, gleichfalls technisierten Betrieben, in denen Zehntausend« von Arbeitern überflüssig geworden'sind, unmöglich Unterkunft finden können? Dabei habe ich heut« lediglich den augenblicklichen Stand der Betriebstechnik vor Augen und lege mir gar nicht die Frage vor, was geschehen wird, wenn einmal die in unser Land bisher noch nicht vorgedningene allerncueste Methode der elektrischen Kraftübertragung, die neuesten Errungenschaften der Wärmewirffchaft, die Wunder der chemischen Industrie, der Kohlenverflüssigung usw. Vordringen werden. Unsere Wirtschaftsführer zerbrechen sich darüber nicht den Kopf. Ein Großteil von ihnen weiß nur ein« Antwort: Abbürdung der sozialen Lasten, Senkung der Löhne, ja vielfach sogar noch Verlängerung der Arbeitszeit. Für uns aber gibt eS zur Abwehr der schweren Schäden, die durch di« Rationalisierung verursacht sind, nur«inen Weg: di« Verkürzung der Arbeitszeit, di« Aufteilung der verfügbaren geringen Arboitsmenge auf«ine größer« Zahl von Arbeitern. Di« Arbeiterschaft muß, so wie sie es beim Achfftundentag getan hat, den Kampf um di« Verkürzung der Arbeitszeit mit elementarer Wucht aufnehmen und di« Forderung der Vierzigstundenwoche in den Mittelpunkt ihres Kampfes stellen. Der Kampf ist nicht leicht. Aber ich bin überzeugt,-aß sich di« Forderung d«r Vierzigstundenwoche— schon durch di« Wucht der wirtschaftlichen Tatsachen— den Weg zur Verwirklichung bahnen wird. Genoffen! Es sit meine feste Ueberzeugung, daß wir in unserem Kampfe gegen die Krise nicht vorwärts kommen, wenn wir ihn nicht auf den entscheidenden Punkt, auf di« Vierzigstundenwoche einstellen. Tun wir es, dann werden wir den Kampf gewinnen. Cs muß nicht erst gesagt werden, daß durch die Verhandlungen über das Budget auch die pro- grammatischen Aufgaben der Regierung in den Vordergrund geschoben wurden und den Gegenstand der schärfsten AuSeinaitdersitzung zwischen den einzelnen Parteien bildeten, wobei die zwischen de» beide» führende» Gruppen— de» Agrariern und den Sozialdemokrat«»— klaffenden Klassengegensätze immer schärfer In Erscheinung traten. Den Angelpunkt der Beratungen bildet der vom Finanzminister Trapk vorgelegt« neue Finanzplan, an dem sich der Kampf zwischen den bürgerlichen und sozialistisch«» Parteien entzündete; do er nicht nur di« unsozial gegliedert« Herabsetzung der Bezüge der öffentliche» Ange st«Ik- t e n, sondern auch ein ganzes Bukett neuer Steuern enthielt, die in Verkennung der schwierigen Lage der arbeitend«» Schichten wieder den Bereiche der Verbrauchsabgaben entnommen werden sollte. Dazu kam noch di« beabsichtigt« Kürzung der Kriegsbefchädigten- Seite 4 Sonntag, 30. Oktober 1933 AuS- für ein auch der Gegner keinen Zweifel über den Charakter der Koalition aufkommen zu lassen/ haben wir durch den Sprecher unseres Klubs, den Genossen Pohl, im Parlamente erklären lassen: „Wir verlegen unseren Kampf auf einen anderen Boden, der andere Formen des Kampfes erfordert. Aber die Tatsachen des Lebens, der Klassenkampf selbst, wird dafür sorge», daß wir unter den geänderten /Umständen eine proletarische Klassenpiarter, eine ziÄktare" sozialistische''Partei' bleiben werden. Wir. werden/ auch wenn wir wissen, daß wir innerhalb der Koalitionsregierung nur Teilforderungen zu verwirklichen vermögen unserem Programm nie untreu werden." Genossen! Ich bringe diese beiden grundsätzlichen Entscheidungen der Partei unseren Vertranjns- männern auch auf diesem Parteitage neuerlich in Erinnerung, um Ihnen zu zeigen, daß wir sehenden Auges, im Bewußtsein der Schwierigkeit unserer Aufgaben, in voller Erkenntnis der Grenzen unserer Wirksamkeit und Wirkungsmöglichkeiten, aber mit dem festen Entschluß, auch nicht um Haaresbreite von nnseren Grundsätze» abzuweichen, die Regieruugspofition bezogen haben. I Und wenn wir uns die Frage vorlegen,. ob. die Bor tüchtige Zigarettentabakeinkäufer, die an Hand ihres Stammbaums nachweisen können, weder Juden noch asiatische Mischlinge zu sein. Wir" denken aber daran, daß die Nationalsozialisten gegen ehrenwerte Leute einen ebenso blöden wie schäbigen Kampf geführt haben, weil die Großmutter oder der Urgroßvater einmal jüdisch geheiratet hat. Im Fall Reemtsma denkt der„oberste Führer" Hitler anders. Dabei ist.David Schnur kein kleiner Zigaretten- tabakeinkäufer, sondern er ist der Schöpfer des Reemtsmakonzerns, die Seele vom Buttergeschäft bei Reemtsma. Er hat die monopolartwe Stellung des Reemtsmakonzerns erst geschaffen und finanziert und kontrolliert einen großen Teil der Tabakeinfuhren nach Deutschland. Im anderen Fall würden die Nazis sagen, so ein rechter jüdischer Blutsauger. Aber dem obersten Führer- hat man bei Reemtsma ja klar gemacht, daß ein Zigarettentabakeinkäufer /Jude oder asiatischer. Mischling sein muß— und seitdem hat der oberste Führer der Nazipresse den Befehl gegeben, Reemtsma-Jnserate aufzunehmen. und Altersrenten und zuguterletzt noch eine! Drosselung de r A r bei tslosen un ter-1 stütz»ngen, die nüch dem Finansillan zur Her-! stellung des budgetären Gleichgewichtes herangezogen I werden iollren. Die bürgerlichen Parteien, vor allem! die agrarischen und na'-onaldcmokratischen griffen zu,! die sozialdemokratischen Parteien aber zögerten keinen Augenblick, diesem Plan in ganz kategori scher Weise die Zustimmung z« versagen pnd überreich:««' G eg e n v o r sch l äg e, die durch-! aus geeignet waren, die budgetären Abgänge auszu-I gleichen,.dabei aber einen Großteil der heraus«r- I wachfene» finanziellen Lasten auf die tragfähigen Schultern der besitzenden Klassen zu Lberwälzen. I Diesen Anlaß benützten die rechtsstehenden Kreise zu I einem Vorstoß gegen das parlamentari-I sche System, nm dadurch einerseits für die Ber-I wirklichung ihre reaktionären politischen und finan-I ziellen Pläi« freie Hand zu gewinnen und anderer-! seits, da ihrren die Beteiligung der sozialistischen Pärteien und vor allem die Teilnahme, der deutschen Sozialdemokratie an der Regierung ein Dorn im! Auge ist, einer Bürgerkoalition die Wege zu ebnen. Es muß wohl nicht erst gesagt werden, kiß die I beiden sozialdemokratie» Parteien fich mit aller Schärfe gegen jedes uichtparlamentarische System und naturgemäß auch gegen eine Beamten regierung wendeten und deutlich zu erkennen gaben, daß eine Beamten-1 regier»ng mit einer Beihilfe der genannten Parteien I in keinem Falle zu rechnen habe. Werte Genossen! In diesem Augenblicke ist es! noch ungewiß, in welcher Richtung die Entscheidung! fallen wird, denn die Parteienverhandlungen gehen I noch immer weiter. Aber mag deren Ergebnis I welches immer sein, jede Situation wird unsere Partei vollkommen I gerüstet finden. Genwinsam mit den tschechischen Genossen! mit, denen wir, wie in den zurückliegenden drei! Jahren, so auch in dieser neuen Phase des Kampfes! Hand in Hand gehen, werden wir auch der neuen! Schwierigkeiten Herr werden. Die Aufgabe des Parteitages wird es sei«, nicht nur die Tätigkeit unserer Partei und ihrer füh renden Vertrauensmänner in der zurückliegende« Periode z« überprüfen, sondern auch für die weitere Führung unserer Politik vorzusorgen und der Partei zu diesem Behufe die notwendige« Richtlinie» an die Hand zu geben. Und wenn ich Ihnen, werte Freunde, über unsere Arbeit in den zurückliegenden drei Jahren berichten soll, dann erscheint es mir zweckmäßig, das Koalitionsproblem in den Mittelpunkt meiner Betrachtungen zu stellen. . Die prinzipielle Seite des Koalitionsproblems zu»tersuchen, kann ich mir wohl ersparen. Inner halb der Sozialistischen Arbeiter-Internationale gibt es darüber kein« Meinungsverschiedenheiten, daß die Koalitionspolitik keine F r a g e d e s P r i n z i p s sondern bloß der Zweckmäßigkeit und der Tak t ik ist. Schon der Karlsbader Partei tag des.Jahres 1920 stellte sich nach dem Referate Seligers auf den Standpunkt, daß . auch für unsere Partei die Koalitionspolitik im Bereiche der Möglichkeiten stehe, daß es jedoch hiezu der Zustimmung sämtlicher, auf dem Boden des Klassenkampfes stehender Parteien bedürfe. Seliger fügte damals als Referent hinzu, datz es aber diesbezüglich unmöglich sei, sich alle Zeiten zu binden, da ein solcher Beschluß Stück Papier wäre. Auch auf dem Aussiger Parteitage desI aussetzungen, von denen der Parteitag vor drei Jahres 1928 habe ich als Referent des Parteivo:-!<-••— stairdeS unter Zustimmung des Parteitages den I\ Standpunkt vertreten, 11 daß es Situationen geben könne, in denen die 11 Koalitionspolitik unausweichlich sei. Daß es solche!' Situationen im Kampfe des Proletariates wieder-! holt gegeben habe, daß«s aber vor allem daran!! ankomme, dß die Koalition den hinter ihr stshen-1 den wirtschaftlichen und politischen Kräften nicht! Widerstreite, daß sie keine bloße arithmetische! Konstruktion sein dürfe und einen sozialen Inhalt I haben müsse. Trotzdem hat es ein ganzes Jahrzehnt gedauert! ehe sich unsere Partei zum Eintritte in die Regierung I entschloß. Es geschah dies erst nach eingehender! Prüfung der sozialen und wirtschaftlichen, vor allem! der Machtverhältnisse, der Wirkungsmöglichkeiten im I Rahmen- der Koalition und unter dem Druck der! internationalen und innerpolitischen Verhältnisse, die! unser Mitarbeit in der Regierung und vor allem! eine innigere Zusammenarbeit mit unse«n tfchechi-I scheu Genossen erheischten. Nach längeren Beratun-I gen, in denen das Für und Wider in gewissenhafte-! ster Weise erörtert und vor allem die Schattenseiten! und Gefahren der Koalitionspolitik aufgezeigt wur-! den, ist schließlich vom Parteitage beschlossen worden:! „Im Hinblick auf die internationale Lage, auf! die Aufgaben und die Stellung der Arbeiterklasse! in der internationale» Politik, die Notwendigkeit I der Ausgestaltung uird Vertiefung der Zusammen-1 arbeit des gesamten Proletariates dieses Landes! und schließlich angesichts des" Ergebnisses der lehren Wahlen und der Notwendigkeit einer Abwehr eines sonst unvermeidlichen reaktionären Regimes, wird der Eintritt der Partei in die Regierung als "erforderlich erklärt.' Wir alle, die an dem Beschluß des Parteitages Mltgewirkt hatten waren uns seiner Tragweite voll bewußt. Schon während der Verhandlungen des Parteitages war das Wort von der Folterkammer aufgeflogen, welches die schwierigste Arbeit unserer Vertrauensmänner in der Koalition versinnbildlichen sollte. Um in den Reihen unserer Genossen, aber nehmen. Wir hoffen, Ihne« mit unsere« führungen gedient zu haben und wir empfehle» uns Ihnen mit Stempel. Jahren auSging und von denen er unseren Eintritt in tue Regierung abhängig gemacht hat, während der ganzen Dauer des Bestandes der Koalition gegeben waren, dann können wir dies mit voller Beruhigung bejahen, denn seit dem Zeitpunkte des Regierungseintrittes hat sich die internationale politische und wirtschaftliche Situation zusehends verschlechtert und mit jedem Tage kritischer gestaltet. Diese Entwicklung der internationalen Politik brachte es mit sich, daß wir für den Fall etwaiger kritischer Situationen auch mit den schweren Auswirkungen der internationalen Lage auf unser Land rechnen mußten. Selbstverständlich ergab sich daraus und auS der sich mit jedem Tage verschärfenden innerpolitischen und Wirtschaftsentwicklung die Notwendigkeit des innigsten. Aneinanderrückens und der engsten Zusammenarbeit des gesamten Proletariates dieses Landes, die uns vom Parteitag seinerzeit ganz besonders ans Herz gelegt wurde und die wir in den zurückliegenden Zeiten der schweren Nöte der arbeitenden Bevölkerung herzlichster Kameradschaft ausbauten und mit jedem Tage vertieften. Daraus ergibt sich, daß während der ganzen zurückliegenden I Dauer der Koalition di« Voraussetzungen gegeben I waren, die der Parteitag bei der seinerzeitigen I Beschlußfassung im Auge hatte. !.Genossen, drei harte Jahre liegen hinter uns. ! Wir haben dabei gewisse Stimmungen und Besorg- I nisse, die aus den Reihen unserer Parteimitglied- I schatt kamen, nicht übersehen. Wen gibt es unter » uns. den sie während der zurückliegenden drei Jahre I— in gewissen besonders kritischen Augenblicken— I nicht gleichfalls beschlichen hätten? Und wem unter uns fehlte das Verständnis für den Aufschrei jener Huuderttauseuder, die in de» ! zurückliegenden Krisenmonaten einen Heroismus an de« Tag legte«, der in der Geschichte der Menschheit wohl vereinzelt sei« dürft« und der uns alle, die wir im Vordergründe der Verantwortung standen, aufs tiefste erschütterte und I erst recht zur äußerste» Anspannung der Kräfte anspornte. k Und trotzdem war es für uns kein« Ueber- '| raschung, als wir— vielfach gerade wegen unserer Arbeit----.züm Gegenstände der heftigsten Attacke» urrd. zeitweilig eines regelrechten Trommelfeuers gemacht wurden— und daß an unseren Leistungen kein gutes Haar gelassen wurde. „Sehet"— ruft Herr Abgeordneten Krebs in einer Graupener Versammlung aus'— „700,000 Arbeitslose, ununterbrochen neue Steuer belastungen, Verelendung' der Massen in Stadt und- Land,-das ist Euer' Erfolg. Darum zittert vor der Abrechnung." Vergebens such; ihm sein Kollege Jung, dem ich gÄrojt die Erziehungsarbeit an Herrn Krebs überlassen will/amM. Herbstmond dieses Jahres in Troppau auseinänderzusetzen: daß es sich, wie Jung sagt, um eine Kris« des heutigen kapitalistisch-liberalistischen Wirtschafts- systems handle. Daher sei sie so schmerzhaft, darum habe sie so ungeheuere Ausmaße angenommen und lasse sich nicht mit den angewendeten Mitteln beseitigen. .Doch Herr Abgeordneter Krebs donnert in Graupen unerbittlich weiter: „Redet Euch nicht auf die Krise und Wirr- ' schaftsnot aus. Ihr seid doch ausgezogen, sie zu bekämpfe». Ihr habt versprochen, ihre furchtbaren Wirkungen zu mildern. Wo ist Euere Leistung?" Behebens sucht ihm Max Karg im„Tag" vom 6, Eismond klarzumachen, daß es mit der Auf- züchtung von 700.000 Arbeitslosen denn doch eine andere Bewandtnis habe und daß, wie Karg wörtlich sagt, die Krise der kapitalistischen Wirtschaft im Wesen des modernen Kapitalismus selbst beruhe, also von ihm selbst ausgehe, weil er die Arbeitermassen nicht zu ernähren vermag und eine unerträgliche Anspannung der Konkurrenz geschaffen hat. Doch Herr Abgeordneter Krebs läßt nicht locker und schmettert in den Saal: „Ihr tretet vor das Volk hin und versichert, Ihr hättet mit Fleiß Euere Arbeit geleistet. Bei Anerkennung dieser Sysiphusarbeit sage ich: In der Politik kommt es nicht auf den Arbeitsaufwand, sondern auf den Erfolg an und nur aui den Erfolg. Wo ist Euer Erfolg, Ihr Herren von den Regierungsparteien?' Herr Abgeordneter Krebs verlangt also Erfolge, und ftzhcn Sie, werte Genossen, mit den Erfolgen hat es immer«ine merkwürdige Bewandtnis. Ich könnte natürlich einfach den Spieß umdrehen und de» Herrn Abgeordneten Krebs, nach dessen Meinung es in der Politik nicht aus den Arbeitsaufwand, sondern nur auf den Erfolg der Arbeit an kommt, nach seinen Erfolgen, nach den Erfolgen seiner Partei fragen, aber das wäre«ine peinliche Retourkutsche. Herr Abgeordneter Krebs könnte mir überdies antworten, daß er zwar keine Erfolge aufweisen könne, aber auch kein« brauche, während ich sie aber als Minister haben müsse. Gut! Auch damit würde ich mich zufrieden geben, wenn er statt, seiner di« Herren Minister Dr. Frick und Klagges oder wie sie alle die regierenden nationalsozialistischen Potentaten von Thüringen, Mecklenburg, von Braunschweig, Oldenburg und Anhalt heißen mögen, über deren Regierungserfolge berichten ließe. Genossen! Ich habe, so. oft ich wähtend der Dauer der Koalitionsregierung in Parteikreisen das Wort ergriffen habe,— auf Parteitagen, Reichskonferenzen, Kreiskonferenzen oder ähnlichen öffentlichen oder internen Beratungen— niemals von sogenannten Erfolgen gesprochen. Ich war mir immer dessen bewußt, daß das, was wir in den zurück- Hitler und der Zlgarcttcnludc. Wenn das Geld im Kasten Klingt, schließt der Osat auch mit Juden Freundschaft liegenden drei Jahren an Früchten unserer Ar bei s Heimtragen konnten, gemessen an der Größe d t Unglücks, von dem die Arbeiterklasse in den letzte«! Jahren betroffen wurde, gemessen an den sich art dieser fürchterlichen Heinftüchung der arbeitende! Schichten ergebenden wirtschaftlichen und sozial« Notwendigkeiten, geringfügig ist. Von Erfolgen im kapitalistischen Staate könne» eigentlich nur die Bürgerlichen sprechen, dort, wo st« allein an der Macht find, nicht aber sozialistische Parteien, anch wenn sie fich nicht mit de« bürgerliche« Klaffe« in die Macht teile» müssen. Aufgabe der sozialistischen Partner an einer Koab tionsregierung— besonders in Krisenzeiten— i| es, da sie den kapitalistischen und bürgerlichen Eh» rakter der Regierung nicht aufzuheben vermögen,, der Koalition einen soziale« Inhalt zu geben, das Bestmöglichste für die Opfer der kapitalistisch«' Wirtschaft, für die Opfer der Krise herauszuhom» alle Angriffe der bürgerliche» Klassen auf di«& rungenschaften der Arbeiterschaft, mögen sie politt scher oder wirtschaftlicher oder sozialer Natur sei« mA der größten Entschiedenheit abzuwehren. Als wir unser« Arb«t Anfang Dezember lÄ antraten, standen wir am Anfang der Krise,- H seither geradezu ungeahnte Dimensionen angemnß r men hat. Wir wäre« uns über, den Charakter". 8! Krise absolut sofort im Klaren und wußten, es eine unserer ersten Aufgaben sei, für die schlb» s mcreu Zeiten vorzusorgen. Da die Arbeitslosigk« t zusehends zunahm und wir uns auf eine Masse»! arbeitslosigkeit gefaßt machen mußten, war es weh. selbstverständlich, daß wir unser« Arbeit vor alles in diese Richtung lenkten. Als wir in Amt träte» hat der Staat-zu der nach dem Genter System aüf gebauten deutschem Gruß Nationalsozialistische Anzeigenzentrale. E- Finkenzeller." Das ist allerliebst. Wir sehen erst den großen Führer Adolf Hitler, Kämpfer mit Beserrerwut gegen Trusts und Konzerne, in traulicher Besprechung mit dem im„Völkischen Beobachter" so oft beschuldigten Konzerngewaltigen Philipp Fürchtegott Reemtsma. In dieser traulichen Besprechung, deren Verlauf man sich ungefähr denken kann, hat man dem großen Adolf, der sonst vom„wirtschaftlichen Denken" nichts hält, klar gemacht, daß der Zigarettentabakeinkäufer ein Jude oder asiatischer Mischling sein muß. Diese Darstellung ist ein ganz fürchterlicher indischer Dreh; denn es gibt recht viele und recht Die reichsdeutschen Nazis standen mit der Zigarettenfabrik„Stur m" in guter Verbindung, die einen Teil ihres Umsatzes der NSDAP zugut«kom.men ließ. Gleichzeitig bekämpfte die NSDAP den R e e m t s m a-Zigarettenkonzern, der als unter jüdischer Führung stehend bezeichnet wurde. Plötzlich erschienen Inserate des Reemtsma- Konzerns im„Völkischen Beobachter". Das wollte einigen Nazis, die früher gegen den Reemtsma- Konzern gehetzt hatten, nicht in den Kopf. Sie bezeichneten die Behauptung, der Osaf selbst habe die Aufnahme der Inserate angeordnet, als die „Erfindung jüdischer Redakteure". Darum bemühte sich die Zentrale der NSDAP und veröffentlichte durch die National sozialistische Anzeigenzentrale folgenden Brief: ,Hhr an den Verlag gerichtetes Schreiben vom 2. September wurde uns zur Erledigung überwiesen. Wir machen Sie höflichst darauf aufmerksäm, daß die Nationalsozialistische Deutsche Arbeiterpartei im Punkt 18 ihres Programms nicht den Kampf gegen die Konzerne,-sondern die Verstaatlichimg der Großbetriebe(Strasser hat das in seiner Berliner Rede auch schon widerrufen. Red.) fordert. Die Reemtsma-Zigarettenfabriken sind zum weitaus überwiegenden Teil im deutschen Familienbesitz. Der Jude David Schnur ist der Tabakeinkäufer der Firma. Es gibt keine Zigarettenfabrik, deren Einkäufer kein Jude oder sonstiger orientalischer Mischling ist. Vor Aufnahme der Reemtsma-Anzeigen in die nationalsozialistische Presse wurde die Angelegenheit. Reemtsma«in halbes Jahr lang von mehreren Instanzen geprüft; insbesondere von der Rechtsabteilung der Reichsleitung. Die letzte Entscheidung fällte unser Führer Adolf Hitler nach einer persönlichen Aussprache mit Herrn Philipp Reemtsma. Die Reemtsma-Anzeigen sind auf Befehl Adolf Hit- l e r s in die nationalsozialistische Presse avfzu- Arveitslosensürsorge nur für die Dauer von 13 Wochen und nur-» gleicher Höhe wie die GewerkschaftsorganisationS beigetragen. Die Novelle, die wir dem ParilapW I vvrlegten und die zum Beschluß erhoben wuck» brachte die Verlängerung des Staatszuschusses u» weitere 13 Wochen, die Verdreifachung resp. Vervie» fachung des Staatsbeitrages, die Einführung erhöht und dabei auch an-das Elend der Kriegs!'./ Witwen nicht vergessen. Die Lage der von der Krise aus das schwer^ heimgesuchten Jugend macht« sofortige legisla^ rische und administrative Maßnahmen erfoArerli- r In einer Regierungsverordnung zu dem im Iah'! 1921 erschienenen und seither noch nicht durchs!! führten Pflegeschutzgesetz wurden, die weitausgÄ; fendsten Vorsorgen für verlassene und unehel^ pflegebedürftige Kinder getrosten, wöbet bck Gedanken der nationalen und: sozialen Selbstv^^ waltung auf dem Gebine des Kinderschutzes iM! nung getragen wurde, indem jedes Kind der für V! Bereich seiner Nationalität bestehenden Schutzs^! — unterstellt wurde, welcher Grundsatz auch auf! Pflegestelle und den Vormund ausgedehnt dann auch für das Gebiet der Fürsorgeerziehv^ gesichert wurde. Dem Schutze' der arbeitens Jugend dient auch die vom Fürsorgeministerium'^ Rahmen des Zentralgewerbeinspektorats erricht Zentralstelle für die arbeitende Jugend mit de« angeschlossenen 26 Sprengelbeiräten. Sie versi^ zum Teil die Funktionen der Jugendinspcktion.&■ ist aber auch zum Teil als initiatives und auf Prinzip der Selbstverwaltung anfgebautes Org'' i zur Wahruchwung der Rechte und der Jnteress^ Nr. 256 Sonntag, 30. Oktober 1832 Sette 5. Kabinett Malypetr ernannt: Beamtenhabinett. vermieden Gehaltskürzung erst ab 9.000 Kc Grundgehalt.- Soziale Abstulung. Invalidenrenten ausgenommen. Prag, 29. Oktober. Am späten Abenv wurven entgegen den Erwartungen der Abcndpresse, die allgemein einen nenerlichcn Aufschub der Regieruings- bildung aus Montag oder Dienstag voraussagte— zwei Handschreiben des Präsidenten der Republik veröffentlicht, in denen die Demission der Regierung ildrLal angenommen und die n e u e R e g i c r u n g Malypetr in der von«ns bereits in der Vorwoche gemeldeten Zusammensetzung ernannt wird. kt arbeitenden Jugend gedacht. Sie hat sich während der Dauer ihres Bestandes ausgezeichnet bewährt und die Jugendinspektionen den faktischen Notwendigkeiten der Zeit anzupassen vermocht. Wenn man bedenkt, das; dem Bereiche der Pflegeschutzes 460.000 uneheliche und unter fremder Pflege flehende Kinder unterstellt sind, daß die Zahl der der Fürsorgeerziehung anheimfallenden Kinder rund 20.000 ausmacht und schlägt man die gewaltige Zahl der bereits in Arbeit stehenden jugendlichen Personen dazu,, dann kann man erst den Wert und die Bedeutung der vorgeschilderten Jugendfürsorge- inaßnahmeu ermessen.. Dazu kommt aber auch noch als eine wesentliche Bereicherung der staatlichen Jugendfürsorge das vom Genossen Meißner ausgearbeitete und glücklich ans Ziel gebrachte Jugendstrafrecht, sowie das Alimentengesetz, das eine klaffend« Lücke in der Jugendjchutzgejetzgebung aus gefüllt hqt Nur so. im Fluge will ich noch erwähnen, daß es erst während des Bestandes dieser Regierung gelungen ist,, eine ganze Reihe von Bestimmungen des Prnsionsversicherungsgesetzes der Verwirklichung zuzuführen und vor allem das aus Angestelltenkreisen seit Jahren reklamierte Gesetz über die nichtversicherte Dienstzeit in die Tat umzusetzen, das aa den AltcrSreutnern begangene Unrecht durch administrative Maßnahmen wieder gutzumachen, die Verabschiedung des Gesetze- über die Berufskrankheiten nach langjährigem Kampfe durchzusetzen, den Ban- arbeiterschutz durch neue Nvrmen aus moderne Grundlagen zu stellen, dank der resoluten initiativen Arbeit des Genossen Meißner die Verabschiedung des Gesetzes über die Arbeitsgerichte zu erwirken, die durch mehr als. ein Jahrzehnt ins Stocken geratenen Verhandlungen zwischen unserem Staate und Deutschland, sowie Oesterreich über ytt Gegenseitigkeit auf dem Gebiete der Sozialversicherung und zwischen unserem Lande und Deutschland auf dem Gebiete der Arbeitslosensürsorge zu einem glücklichen Abschluß zu bringen. Mein Bericht über die legislawrische Arbeit wäre nicht erschöpfend, wenn ich nicht auch noch der über Drängen der sozialistischen Parteien durchgeführten, sicherlich noch immer unzureichenden Novellierung des GcmeindefinanzgesetzeS Erwähnung tun würde,, die den Genteinden ermöglichen' sollte, ihre durch den Bürgerblock stillgesetztr wirtschaftliche, kulturelle und soziale Tätigkeit wieder zu beleben, und schließlich nicht auch noch der ausschließlich über Drängen der sozialistischen Minister erwirkten Herabsetzung der Militärdienstzeit von 18 aus 14 Monate zu gedenken. Selbswerständlich konnte das Fürsorgeministerium, das bei seinen Arbeiten von sämtlichen sozialistischen Ministern, besonders von unseren tschechischen Genossen auf das Unsere Gegner. Aber trotz alledem brauchen wir solgendc von den Herrn deutschen Nationalsozialisten im„Tag" vom 2ö. Wonnemond, vom Stapel gelassen« Großmäuligkeit nicht ruhig hinzunehmeN: „Dieses System muß gestürzt werden. Es kann nur gestürzt werden, w«nn Spina und Czech von der Bildfläche verschwinden. Wir brauchen keine ludetendeutschen Juterventionsminister. Fort mit der Klinkenpuhertaktik." Genossen! Drei Jahre sind es her, seitdem wir im Amt sind. Niemals haben wir bisher über „Jnterventionsarbeit" der deutschen Abgeordneten gesprochen. Die Herren Nationalsozialisten verdammen ste in Grund und Boden Ich rufe ihnen zu, daß jene deutschen Nationalsozialisten, die sich frei' von„Jnterventionsgängcn". frei von der ..Klinkenputzerei" wissen, Steine nach mir werfen sollen. Wenn man den deutschen Nationalsozialisten nicht» anderes nächsagen könnte, als daß sie inter- venirren, daß sie in der Aussprache mit den Zentra- stellen die Angelegenheiten schutzbedürftiger Per. i'onen oder Korporation«» wahrnehmen, dann könnten sie sich gratulieren. Und darum weise ich die gegen die bessere betriebene Demagogie mit den „JnterventionSniinistern" und der„Klinkenputzerei" als einen geradezu unwürdigen Agitationstr'ck, als einen beschämenden Agitationsschlager zurück. Und was die Forderung anlangi, daß dieses System gestürzt w«rden müsse, daß di« Intervention-Minister Spina und Ezech von der Bildfläche zu vrrschwin- den haben, sd deckt es sich vollständig mit dem Verlangen des agrarischen„Mlady Vcnkov", dessen Stoßseufzer so ausklingt: hinaus aus der Regierung mit dem Tr Ezech. Verurteilt ständig seine Tätigkeit. Die,er Deutsche, der Millionen in das deutsche Gcoiet stopft und an die armen Tschechen ständig vergißt, verdient nichts anderes. Dir bitten, daß der Augenblick kommt, wo dieser Herr und seine Partei, die antistaatlich ist, aus der Regierung verschwindet.. Weg mit Dr Czech Doch, Genossen, beinahe hätte ich an die„Erfolge" vergessen, die Herr Abgeordneter Krebs mit der Laterne sucht, aber-nicht finden kann. Vielleicht wäre es an der Zeit, auch irgend etwas über di« Erfolge, über die Arbeit und Wirksamkeit d«r reichs- deutsche» nationalsozialistischen Minister zu.erfahren. Aas haben sie zur Linderung des Elends der Ar- beitermassen, was zur Abbürdung der Sirurrlaiten der arbeitenden Schichten getan? Ist es ihnen gc- lungeu, die Arbeitslosigkeit zu beseitigen das Elend der Arbeiterschaft auSzntflgen der'sozialen Not Einhalt zu tun Herr Abgeordneter Krebs wettcrr über die„ununterbrochenen neuen Stcurrbelastungen". aber noch nie hat«S in den von den deutschen Nationalsozialisten regierten Ländern so viele neue Steuern geregnet. als gerade unter ihrer Herrlichkeit: Die deutschen Nationalsozialisten flagen uns wegen Reduzierung der Bezüge der Staatsangesteklien an. aber jedes der von den Näti'önälwziälststen regierten Ländern hat-dies«-Maßnahme durchgeführt. tatkräftigste unterstützt wurde, mit den legislatorischen Maßnahmen auf dem Gebiete der Arbeitslosenfürsorge nicht das Auslangen finden uuo hat durch eine ganz« Reih« von Hilfsmaßnahmen durch die staatliche Ernährungsaktion sowie durch die staatliche Milchaktion, die beide zusammen bisher einen gesamten Aufwand von 860 Millionen Kronen erforderte, durch eine nach vielen Millionen zählende Dotierung der Jugendfürsorge, durch«jn-n Millionenaufwand zur Linderung des Loses unserer im Auslände in Not geratenen Mitbürger, durch, eine Heimarbeiteraktion, durch Winterbekleidungs und Weihnachtsaktionen,- durch di« Errichtung von Jugendlichenheimstätten ihre. gesamte Hilfsorganisation in umfassendster Weise ergänzt, wozu noch die vom Genossen Bechyn«. in großzügiger Weise mit einem Millionenaufwand organisierten Bespeisungs-, Kohlen- und Kartoffel- uud sonstigen Naturalaktionen kamen. Dabei wolle man sich noch vor Augen halten, daß ich im Vorstehenden nur das Markanteste aus der soziale» Arbeit der soziaiisfi« schen Parteien und Minister.herausgegriffen Und buchstäblich Hundertfältiges an kleiner, an Einzelarbeit übergangen habe. Darüber hinaus ist es gelungen, all« bisherigen Attentate ans den Mieterschutz abzuwehren, dessen Durchbruch unter den heutige» ohnedies schwierigen wirtschaftlichen Verhältnissen sün Hun- derttausende von Familien das schwerste Unglück bedeutet hätte. Noch mehr, es ist bis zum heutigen Tage und während des ganzen Bestandes der Koalition trotz aller Widrigkeiten, mit denen die- sozia- listischen Partei«», zu kämpfen hatten, trotz aller finanzielle« Schwierigkeit«« des Staates keine einzig« der bisherigen Errungenschaften der Arbeiterklasse, dar allem kein einziges sozialpolitisches Gesetze abgebant wurde und dies zu einer Zeit, da vielfach in den Nachbarstaaten in die sozialistische Gesetzgebung Bresche gelegt wurde. Wir aber haben gerade in dieser Zeit, in mehrfacher'Richtung unsere sozialpolitische Gesetzgebung sogar bereichern können, wie dies beispielsweise noch in den Sommermonat«» hinsichtlich des Gesetzes über di« Berufskrankheiten der Fall war. Genossen! Wir sind uns dessen bewußt, daß die Leistung«» der sozialistischen Parteien, von welchen ich Ihnen im Vorstehenden«inen kleinen Ausschnitt gegeben habe, das fürchterliche Leid der arbeitenden Klassen absolut nicht abzubürden vermögen, daß die Hilfsaktion«» unzulänglich sind, di« Ernährungsquoten unzureichend sind, daß bi« Vorsorgen für bi« Arbeitslose« absolut nicht genüge«. Und nun gestatten Sie mir, auch noch ein Wort zum nationalen Problem«nseres Landes zu sagen.«Als wir in di« Regierung eiitttalrn, Haven wir«S klar und deutlich ausgesprochen, daß wir damit keine unserer Programmforderungen preiSgeb'en, zumal ste in der grundsätzlichen Einstellung der sozialistischen Arbeiterinternationalr, der auch die tschechi- scheu Genossen angehören, ihre restlos« Stütze haben. Wir haben während der Dauer der Regierungsteilnahme jede Gelegenheit wahrgenommen, unseren Standpunkt immer und immer wieder zur Geltung zu bringen, und«vir waren glücklich, dabei bei unseren tschechischen Freunden nicht nur volles Ber- ständnis, sondern jede denkbare Unterstützung zu finden. Die tschechischen Genossen haben aus dieser Einstellung zu den nationalpolitischen Problemen des Landes kein Hehl gemacht und sie— gerade während der Dauer der Koalition— in ihren programmatischen Leitsätzen fest veraükert. Daß wir, wo sich hiezu Gelegenheit ergab, im Verlaufe unserer KoalitionSwirksamkeit immer und immer wieder be< müht waren, di« besondere» Interessen der deutsche« arbeiten- de» Menschen mit Nachdruck zur Geltung zu bringe», hat eine ganze Reihe öffentlicher Tagungen, nicht zuletzt die Prager Septembertage des Jahres 1930, bewiesen. Dabei will ich gar nicht besonders betonen, daß mehrfache legislatorische und administrative Maßnahmen— ich nenne hier nur beispielsweise daS Pflegekindergesetz, das das Schicksal von 460.000, dar- unter 120.000 deutschen Kindern, im Auge hat— den besten Beweis dafür erbracht hat, wie sehr uns die Sorge um die umfassendste Betreuung der kulturellen und sozialen Interessen der deutschen Bevölkerung zumindest so am Herzen liegt, wie de» deutschen Nationalsozialisten, welche sich so gehoben, als würden st« dieSorge um die deutsche Bevölkerung für sich gepachtet haben. Es ist in diesem Zusammenhänge nicht uninteressant, auf eine Rede de? Herrn Abgeordneten Jung zu verweisen, in der er an- flihrt: „Die Tätigkeit der deutschen Sozialdemokraten ist allzu kehr auf di« sozialen Tagesfragen gerichtet ohne daß bedacht wird, daß di« nationale Frage im Wesen eine soziale, und zwar die primäre Frage ist." Jawohl! Wir geben dies ohne westeres zu Wir haben, als der fürchterlich« Notstand über die Ge- samtbcvölkerung dieses Staates hereinbrach, als cs kich darum handelte, kür den Nährstand der durch die Krise heimgesuchten und in der Existenz bedrohten arbeitenden- Sck'chten vorznsorgen kür Hunderttau- >end« von Menschen Arbeit und Brot zu suchen und zu schaffen die Kinder-des Proletariats vor der Unterernährung und Degeneriernng zu bewahren, das Schicksal der durch die Krise mitheimgesuchten Krüppel und Witwen nnd Waisen und Gr«isc zu lindern.'elbstverltändlich vor allem darauf alle untere I Krakke Untere Arbei'-.-ingeftefl- und was in unserer' Macht nnd in unseren tchmach--» Kräften lag. auch tatsächlich unternommen. Und indem wir für hun-| Das neue Kabinen. Jan Malypetr Tsch. Agrarier) Vorsitzender der Regierung und Letter d«S Ministeriums für Bolksverpslegüng. Dr. Eduard Bene»(Tsch. Rat. So,) Auswärtiges;' Tr. Ivan Derer(Tsch. Soz. Dem.) Schulwesen; Dr. Alfred Meißner(Tsch. Soz. Dem.) Justiz; Dr. Josef Matou8«k(Rat. Dem.) Handel; Rudolf B e ch y u ö(Tsch. Soz. Dem.) Eisenbahnen; Dr. Emil Franko(Tsch. Rat. Soz.) Post; Jng. Johann Dostülek(Tsch. Klrrik.) öffentliche Arbeiten; Dr. Milan HodLa(Tsch. Agrarier) Landwirtschaft; Bohumir Prada«(Tsch. Agrarier) Ratio- nalverterdigung; Dr. Ludwig Ezech(D. Soz. Dem.) soziale Fürsorge; Dr. Franz Spina(D. Agrarier) Gesund- heiswesen; Dr. Johann tzrümek(Tsch. Klerik.) Unifizierung; Landespräsident Johann^« r« y(Beamter) Inneres; Gouverneur Dr. Karl T r a p l(Beamter) Finanzen. * Der Ernennung der neuen Regierung ging in einer neuerlichen Besprechung der Koalttions- führer mit Malypetr eine grundsätzlich« Einigung über die Frage der Erhaltung des Budgetgleichgewichtes voraus. Der rechte Flügel der Agrarier hatte noch in den letzten 48 Stunden alles daraugesetzt, um di« Ausschaltung jeder parlamentarischen Regierung und di« Einsetzung eines Beamtenkabin et ts durchzusrtzen, dessen List« beretts fix und fertig Vorgelegen sein soll. In diesem Sinne hatte, wie wir bereits berichteten, der agrarisch« Vollzugsausschuß am Donnerstag den Beschluß durchgesetzt, daß Malypetr sein« Mis- .sion zur Kabinettsbildung zurückzulegen hab«.;■ Der Prästdent der Republik ersuchte jedoch Malypetr in einer neuen Unterredung, di« am Staatsfeiertag stattfand, die Verhandlungen neuerdings aufzunehmen, um dennoch die Bildung einer parlamentarischen Regierung zu ermöglichen. In den heutigen Besprechungen bei Malypetr, denen eine Sitzung des Vollzugsausschusses der tschechischen Sozialdemokraten vorausging, kam es dann zu einer prinzipielle« Verständigung vor allem in der Frage der Restringrerung der Staatsangestelltenbezüg«, die sich mit Rücksicht auf die Lage der Staatskasse al- unausweich. deritausendr Arbeitsmenschen und darunter viele Zehntausendc deutscher Arbeiter, für viele hundert» tausende Kinder, und darunter auch für Zehntausende deutscher' Kinder und Säugling«, für viel« Zehntausend« jugendlicher Personen, darunter auch für viel«. Tausende deutscher jugendlicher Arbeiter, soziale Vorsorgen' getroffen haben, um" dem Hunger und der Unterernährung, dem psychischen und körperlichen Verfalle, der Degenerierung des wichtigsten Teiles der Bevölkerung zu steuern, aber vor allem der Jugend, auf di« unsere ganze Hoffnung gestellt ist. haben wir nicht nur soziale, sondern auch nationale Arbeit im edelsten Sinne d«S Wortes geleistet. Gan; besonders charakteristisch für den' Kampf der derstfchen Nationaisozialisten sind ihre krampfhaften Anstrengungen,-sich nicht nur zu selbst ernannten Führern des deutschen‘ Volkes ausznrusen, sondern sich auch noch das Monopol"astf die Verfechtung des Gedankens der nationalen Selbstveuoaltung und selbstverständlich den Primat in derselben und dazu yoch die Erstgeburt zu sichern. Doch über all dies und insbesondere auch über die Einstessung der deutschen Nationalsozialisten zu den großen national' politischen Problemen,"zur Frage der Selbstbestimmung und Selbstverwaltung und vor all/ist zur programmatischen Anleihe, die sie nn er gröblicher Brrlctznng des Autorrechtes gerade j im nationalpolitischen Punkte nachweislich bei der Sozialdemokratie gemacht haben, will ich mich aus wohlweis- lichen Gründen l'eber ein andermal mit ihnen aus- rinanderseben und dasselbe auch hinsichtlich des Bolkssportprozesses beobach cn, aus dessen Geschich e ich Ihnen folgende pikante Gegenüberstellung Unmöglich vorenthalten kann Sie beschränkt sich auk die Wiedergabe zweier Zitate: Bor allem des.Tag" vom.W Erutemonp: „Mag der Prozeß ausgehen, rote er will. Es -g'bt schon vor-dem Urteil des Ker-cktsbofis Der tir^ei-l^e. die n'cht aber der deutschen nationalsozialistischen Partei-augehöreN, sondern künftighin mjt lich erwiesen hat. Hier haben di« Sozialdemokraten, an deren Widerstand di« do« Trapl ursprünglich beabsichtigt« lineare Herabsetzung gescheitert ist, nunmehr auch ein« wesentlich« Modi- siziernng der späteren Traplschcn Anträge im Sinne einer sozial erträglichen Abstufung der von den Staatsangestellten geforderten Opfer durchsetzt. Die Bezüge bis zu einem Grundgehalt von 9000 Kronen(die Aktivitätszulage und di« sonstigen Zulagen nicht eingerechnet) werden von jeder Kürzung verschont werden, während di« volle Kürzung um 10 Prozent des Grundgehaltes erst di« Gehälter über 18.000 Kronen betrifft. Für die Gehälter zwischen 9000 und 15.000 Kronen soll der.Abzug zwischen drei und acht Prozent bemessen werden, wobei die Herabsetzung etwa von 9000 bis 10.800 llk d r r i, über 10.800 bis 12.600 fünf«nd über 12.600 bis 15.000 acht Prozent betragen soll. Letzter« Grenzen sind jedoch noch nicht endgültig festgestzt. Eine analog« Herabsetzung erfolgt bei den Pensionen, wobei jedoch die besonder- hohen Pensionen von 36.000 bis 40.000 Kc um 12 und Pen- l sioneu über 40.000 Ke um 15 Prozent herabgesetzt werden sollen. Die Sozialdemokraten haben- also, da schon eine vorübergehend« Gehaltskürzung nach drei Jahren schwerster Kris« nicht ganz zu vermeiden war, nach langen Kämpfen den sozial gewiß einzig gerechten Standpunkt durchsetzen können, daß di« niedersten, sozial schwächsten Kategorien der Staatsangestellten von einer Kürzung überhaupt verschont bleiben, während erst di« mittleren und höheren Bezüge g e st a s f c l t einer Kürzung unterworfen werdend Rach vorsichtiger Schätzung werden durch die Mindestgrenze von 9000 Kronen«tlva 45 bis 50 Prozent aller Staatsangestellten überhaupt von der Kürzung ausgenommen; hiezu gehört vor allem das Gros der Eisenbahnangestellten. Ein weiterer erheblicher Bruchteil wird(bei Grundbezügen bis zn 15.000 Kronen) von der Kürzung nur in geringerem Umfange betroffen werden. Auf dieser Basis haben di« Sozialdemokraten schließlich ihrit Zustimmung gegeben, zumal nunmehr' auch von der beabsichtigten Herabset- znng der J» v alidesi bezöge und Pen sonstigen Plane» des Finanzministers hinsichtlich der Einschränkung der sozialen Ausgabeposten(A r- beitslosensürsorg«) nicht mehr die Red« war. Zwischen den Koalitionsparteien wurde die grundsätzlich« Vereinbarung getroffen, daß nunmehr das Budget wenigstens noch im Parlament bis zum Jahresschluß fertiggestellt werden soll. Di« neue Regierung wird sich dem Parlament bereits in der nächsten Sitzung am Donnerstag, den 3. November mit einer Regierungserklärung vorstellen. dem Schandzeichen der Verleumdung und Denunziation auf der Stinte herumlauseu. Dir niederträchtige tschechische Hetzvresje und die noch niederträchtigere deutsche Sozialdemokratie,' die niederer Art sind und In den schmutzigsten Winkel der Politik gehöre», wv der Unrat eines Jahrhunderts sich aufhäufl. Es ist zugleich die einzige Internationale, die bisher klappte und funktioniert«: die Internationale der Gemeinheit und der Verleumdung. In ihr finden sich einträchtig unsere deutschen Sozialdemokraten- mit der- tschechischen Hetzprefse zusammen, weil cs gegen.-die Nationalsozialisten geht.".. Wozu noch Herr Abgeordneter Krebs hinzu fügt:- „Wir kennen.di« Hintergründe unserer Verfolgungen. Die Regierungsparteien- möchten sich lästige Kritiker vom Leibe halten." Und nun lassen wir da»-ischechisch-aglarischc Blatt, den„Vcnkov", sprechen: „Die deutschen Sozialdemokraten in der Um- armüug Hitlers. Der Brünner Prozeß gab dem „Sozialdemokrat" Gelegenheit,'sein chauvinistisches Innere z»'zeigen. Bon allen, deutschen Zeitungen in der Tschechoslowakei-schrieb-über den Prozeß und daS Urteil kein Blatt so gehässig und aufreizend, wie dieses Blatt, welches Adolf Hitler ' direkt in die Arme fiel," Ich hab« dieser Gegenüberstellung,' die für sich ganze Bände lpr'chi, nichts weiter hinzu znfüfjen.' Nur der Größen- nnd Verfolgungswahn, von dem die deutschen Nattönal-soztaktstcn getrieben zu sein scheinen, konnte ihnen einen löschen Unflat von einfach aus den Fingern gezogenen Anklagen in di« Feder dtk- tieren Als sie von uns gestellt wurden nnd,>vas ste schrieben," zu beweisen, versagte ihnen'der sonst lo redselig« Mund. ' Dami: können wir unS s snr.diesmal von--den den licken Nationalsozialisten verabschieden und den Kommunisten zuwenden, denen di« Arbeiterklasse die Existenz des FaseismnS und HitleriSmu» zu verdanken hat. Die überaus schwierige Lag« des internationalen Proletariats, die sich noch immer weiter der- Seite 8. At. 256 Sonntag, 86. Oktober 19»2 kann, so kann auch in den kleineren Verhältnissen unseres Landes keine der proletarischen Parteien für sich allein den Sieg an die Fahnen des Sozialismus heften, sondern nur das gesamte, auf diesem Boden wirkend« sozialistisch« Proletariat, nur di« ganze, international zusammengeschlossene, von dem Geist brüderlicher Solidarität erfüllt« Arbeiterklasse dieses Landes. Nach dem herrlichen Wendepunkt in Smichov, nach bett zurückliegenden Jahren ungetrübtester Zu- ammenarbeit haben wir den festen Glauben, daß >as in der gemeinsamen Not und in den gemein- amen Dämpfen gestählte Freundschastsbund der deutschen und tschechischen Sozialdemokratie für di« Ewigkeit geschmiedet ist und daß kein« Macht der Erd« das tschechisch« und deutsch« Proletariat, die Arbeiterklasse aller Ratioue« dieses Landes wieder ausrinanderreißen wird. Und, so entbieten wir denn von dieser Stelle nicht nur der sozialistischen Arbeiterinternationale, ändern> auch allen Bruderparteien dieser Landes und damit auch der Arbeiterklasse aller Nationen unseren' Freundschastsgruß. Gemeinsam mit ihnen wollen wir auf diesem Boden einer gerechten sozialen Ordnung den Weg bahnen und damit auch die Vorbedingungen für ein glückliches Zusammenleben, sür die Zusammenarbeit der Völker dieses Staates chaffen.J Nur dieser Weg kann zum endgültigen Sieg der Arbeiterklasse führen. Die kommenden schweren Tage machen uns zur Pflicht, wachsamen Auges die weitere Entwicklung zu verfolgen und uns für jede Situation bereit zu halten, damit wir-nicht durch die sich vielfach überstürzende Entwicklung überrannt werden. Wir«üsieu aber auch unser« letzten Kräfte aufbieten, um unsere Partei kampfbereit zu mache» und kampsfähig zu erhalten und alle ihre Zweige und Telle zu einem feste» Gefüge zusammenzuschließen, vor allem aber unsere Jugend, diese» lebendigen Krastquell unserer Bewegung, in unser« Reihen eingliedern nnd uns von der Glut ihrer Herzen, von ihrer strahlenden Begeisterung mitreitzen, durch ihre Tatkraft und Entschlossenheit stärke» laste«. Bor allem aber, Genosten, müssen wir jetzt in der Stunde der Not einig sein, denn nur Einigkeit und Geschlossenheit und der Glaube an di« Arbeiter- klaste, der Glaube an ihren endlichen Sieg vermag uns an das Ziel heranzubringen, das sich das intrr- national« sozialistisch« Proletariat gesteckt hat. Genosten! Die zurückliegenden Jahre haben uns nicht nur schwere und heiße Kämpfe, sondern auch viel Haß und nicht wenig Bitternis gebracht. Sie haben unser« Nerven und unsere Geduld auf die »le Wirtsdiaftsvertiantilungen mit Ocsterreldi werden in Prag fortgesetzt. In den Wirtschaftsverhandlungen zwischen I Oesterreich und der Tschechoslowakei ist heute eine Pause eingetreten, weil im Verlaufe der Diskus- I sion von beiden Seiten Anregungen aufgeworfen wurden, die ein näheres Studium erfordern. Die Verhandlungen, die im Geiste einer weitgehenden Bereitwilligkeit stattfinden, haben den Zweck, di« beiderseitigen wirtschaftlichen Beziehungen w«» testgehend zu ermöglichen und zu beleben. Di« weiteren Verhandlungen werden in Prag stattfinden. härteste Probe gestellt, ungezählte Giftpseile sind auf uns niedergeprasselt und wir haben standgehalten, wir haben übermenschliche Geduld an de» Tag gelegt und trotzig zurückgeschlagen, aber wir haben den Kampfplatz, auf den uns die Arbeiterklasse gestellt hatte, nicht verlosten, die Pfeile find von uns abgeprallt und haben vielfach di« andere» getroffen, wir aber sind unverletzt geblieben, weil unser Recht unverletzlich und unsere Sache heilig ist. Auch di« kommende Zeit wird uns sicher nichts Besseres bringen, aber wir werden— unseren Feinden zum Trotz— auch weiter ausharren, auch weiter und bis zum letzten Atemzuge als Soldaten der Arbeiterklaste unsere Pflicht erfüllen, der herrlichen Worte Hermann Greulichs eingedenk: Geh Deinen Weg und laß die Leute schwätzen. Die Bahn ist lang— dir Leut« schwätzen viel. Mag Unverstand von Ort zu Ort Dich hetzen, Geh Deine Bahn! Denk an Dein hohes Ziel! Mag mancher Hieb Dich hart und schwer verletzen, Der schonungslos in Deine Seele fiel. Wirf ab von Dir, was Dein« Seel' umwittert, Geh Dein« Bahn, aufrecht und unerschüttert! Das Referat, welches Gen. Czech gehalten hat und das fast drei Stunden in Anspruch nahm, feffelte durch seinen systematischen Aufbau und I ferne zwingende Logik die Zuhörer bis ans ' Ende, die sich, als Gen. Czech schwungvoll geendet hat, von ihretr Sitzen erhoben und lang- i anhaltenden Beifall spendeten. Zum Schluß hielt der Vorsitzende dem ver- storbenen Bergarbeiterführcr Dnjardin einen ' Nachruf und vertagte sodann die Verhandlungen auf Sonntag vormittags halb 10 Uhr. Die tzalentteuzlek sind Arbeiterverräter! Karlsbader Nazijührer im Kamps gegen ArbetterlShne und KollettivvertrSge. schärfende Weltwirtschaftskrise, die zunehmend« Verelendung der Arbeitermassen, di« Notwendigkeit der Zusammenfassung aller im Proletariat wirkenden Kräfte zum gemeinsamen Kampfe gegen die kapitalistische Bourgeoisie, vor allem aber gegen den FasciS- mus in allen sein«» Spielarten, haben den Gedanke» der proletar.schen Einheitsfront ganz instinktiv neuerlich an die Oberfläche gebracht. I» unserer Bewegung hat dieser Gedanke immer die Herzen entzüd«t und auch die Hirne der Arbeitermasten auf seiner Seite gehabt. Nach wie vor lebt in uns di« Idee des Proletarierkongrestes, die uns unser unvergeßlicher Freund Josef Seliger als kostbares Kleinod hinterlasten hatte und für die er, wenn er sie hätte Realisieren und ihre Verwirklichung erleben können ,gerne sein Herzblut hergegeben hätte. Als di« Kommunisten, die inzwischen ganze Arbeit geleistet, di« geschlossene Kampffront des tschechoslowakischen Proletariats zerbrochen, die Gewerkschaften zertrümmert, die Genossenschaften unterminiert, das Vertrauen der Arbeiter in die Vertrauensmänner erschüttert, kurz und gut, di« ftcüze Arbeiterbewegung dieses Landes zerstört hatten und alle ihr« Zweige krumm und klein geschlagen habe», befehlsgemäß mit der Einheitsfronttaktik wie- der et», mit der es ihnen ein« Zeitiqng gelang, di« breite» Masten zu betören und zu düpieren, mit der sie aber sehr bald, nachdem ihnen inzwischen das Handwerk gründlich gelegt wurde, niemanden mehr auf den Leim zu locken vermochten. Aber nun wittern sie wieder Morgenluft. Die Kontrerevolu- tion erhebt drohend ihr Haupt, der FaseismuS und Nationalismus gewinnt immer mehr an Boden, die Lage der Arbeiter verschlechtert sich zusehends, «s gibt beinahe keinen Arb«u«r mehr, der«r nicht mit Beschämung empfindet, daß die Ar- beiterklaste zerschlage«, dir Arbeiterbewegung geschwächt und in di« Hinterhand gedrängt ist. Nu» habe» sie wieder in allen Ländern mit ihren EinheitSfiont-Manödern eingesetzt, mit denen sie Ihr« Kampfreihen wieder aufzufüttern hoffen. Aber tvir haben ihnen das Konzept gründlich verdorben. Unsere Ascher Genossen haben ihnen für die Dauer des Gemeindewahlkampfes selbst die Einheitsfront angeboten und nur verlangt, daß für di« Dauer d«S gemeinsamen Kampfes die gegenseitigen Gehäffig- keiten eingestellt werden. Die Antwort war— wir zitieren sie nach dem„Vorwärts"—, daß di« Einheitsfront der Arbeiterklaste gegen den FaseismuS nicht nur«in« Einheitsfront gegen den HakenkreuzlerfasciSmuS fei, sonder« auch gegen den FasciSnmS in allen Erscheinungsformen, also auch M der Form des Sozialfafcismus, gegen de« sich die Einheitsfront genau so richten müsse, wie gegen den Mordterror der Hitlerbanden und der Jung-Anhänger, welche Antwort auch noch durch die moralische Entrüstung ergänzt wurde, daß die Ascher Genossen einen Generalpardon verlangen und de» Kommunisten die gegenseitig« Kritik verbieten wollen, was schon deshalb abgelehnt werden müsse, weil ja die Arbeiterklasse nur darin fortschreiten"könne, wenn sie jeden Ihrer Schritt« kritisch prüft und bewertet, aus ihren Erfahrungen lernt, worin das eigentliche Wesen der Arbeiterdemokratie erblickt wird. Wer unsere kommunistischen Pappenheimer nicht kennt, dem könnte die moralische Entrüstung über das ihnen zugemutete„Mundstopfen" vielleicht noch imponieren. Wer aber weiß, wie es in dieser Partei um das Recht der freie« Meinungsäußerung ihrer Mitglieder, um die individuell« geistige Freiheit überhaupt bestellt ist, der kann über die moralische Entrüstung der Herren Gottwald und Reimann nur lachen. Die kommenden Ereignisse«erden auch dem letzten Arbeiter den Nebel vor den Augen wegziehen und ihm klar vor Augen führen, daß «ine Sammlung der Arbeiterbewegung, rin« Zu- fammenfassung der proletarischen Kräfte nur unter den Fahne« der Sozialdemokratie möglich ist, die seit vielen Dezennien an der Spitze deS sozialistischen Proletariats marschiert und die unter Zusammenfassung aller Zweige der Arbeiterbewegung jene Einheitsfront darstellt, die allein der kapitalistischen Bourgeoisie die Stirne zu bieten und da- Proletarat einer besseren Zukunft zuzuführen vermag. Di« Kommunisten find gegen di« vom Fürsorge- mmisterium überreichte Gesetzesvorlage über di« Vierzigstundenwoche in perfidester Weise Stur« gelauft«, obwohl ihnen schwarz auf weiß bewiesen wurde, daß die Vierzigstundenwoche nur in Verbindung mit dem Lohnausgleich beantragt wird. Was würden die Kom. munisten sagen, wenn wir Ihnen an der Hand der Berichte der kommunistischen Blätter, wie„Trud" und„Pravda", und ,^Jndustrialisacia" aufzeigen wollten, wie es um di« Arbeiterschaft in Sowjetrußland bestellt ist, daß in den großen Werken nicht nur nicht vom Siebenstundentag«ine Spur ist, sondern daß zumeist 10, vielfach sogar 12—16 Stunden und manchmal, wie etwa Im Magnetogorvsk oder der Stalgin, laut der Meldung des„Trud" vom 7.. November 1931, von einzelnen Arbeitern»n- untcrbrochen Tag nnd Nacht gearbeitet ivird. Di« Kommunisten machen sich über die staatliche Ernährungsaktion, di« sie aber ganz weidlich auszunützen verstehen, lustig und wiflen gar manches über di« sogenannten„Czech. karten" zu erzählen, toaS würden sie sagen, wenn man der Oefftntlichkeit einmal etwas über die „Stalin-Karten" ausemandersetzen »nd aufzeigen wollte, wie die Einwohner von Stalingrad sich, der offiziellen„Jndustrialisacia" vom 7. September 1981 zufolge, auf Grund von Lebensmittelkarten stundenlang wegen Kohle und Brot anstelle«, wie die Arbeiter von Stalingrad Tag und Nacht auf die Milch warten und sich— wie der „Trud" vom 17. August 1931 meldet, in Lugous schon um 3 Uhr früh anstellen müssen, um den Kindern einen Tropfen Milch geben zu können. Was würden die Kommunisten sagen, wenn wir an der Hand amtlicher Meldungen ausein- andcrs:tzen> wollten, wie der russische Reallohn ständig sinkt und sich schon deshalb immer mehr entwertet, weil sich die rusiischen Arbeiter mehr als ein Drit el des zum Lebensunterhalt Notwend'gen in den sogenannten Kommerzläden zu den horren- besten und bei den herrschenden Lohnverhältnisscn unerschwinglichen Preisen kaufen müssen. Was würden die Kommunisten übrigens sögen, wenn w'r an der Hand konkreter Daten aufzeigen, daß dabei der Großteil der rusiischen Arbeiter ruhig zirsehen muß, wie der besonderen Schicht der„Privilegierten" auch Hinsicht! ch der Lebensmittelversorgung ganz besondere Begünstigungen eingeräumt tverde». ES gibt eben auch in Rußland zwei Dorten von Ratten: die hungerigen und dir satten. Wenn wir all dies anfze gen, so geschieht es absolut nicht, weil wir für di« Schwierigkeiten, unter denen Rußland seinen Aufbau durchführt, kein Verständnis haben. Wie die ganze sozialistische Welt, so begleiten auch wir dies« Aufbauarbeit mit unseren innigsten München, aber das schließt nicht aus, daß wir über diese Dinge offen reden und uns, wie eS einmal Rosa Luxemburg sagte, kritisch mit der rusiischen Revolution auseinandersetzen, was die beste Schule sowohl für die deutsche, wie. auch die internationale Arbeiterschaft ist. Ich möchte noch einiges über unser« deutsche« Christlichsogkakn ägen, denen es in den letzten Tagen, anläßlich ihre- Parteitages, beliebt hat, uns wieder einmal gründlich die Leviten zu lesen, uns vorzuhalten, daß di« jetzige Koalition das„reiche Erbe", das sie vom Bürgerblock erhielt, vertan hätte, daß, während die erste national gemischte Koalition„ein Versuch der Annäherung und des Vertrauens" geweftn sei, man heute wieder in die Jahre 1918, 1919, in das alte gegenseitige Mißtrauen, verfallen sei, daß man in der früheren Koalition infolge freundschaftlicher Zn- ämmenarbeit die ersten Früchte in der Handhabung des Sprachenrechtes, in der Ordnung des Schulwesens, in. der Staatsangestelltenfrage und auch in der Durchführung der Bodenreform zu ziehen in der Lage gewesen sei und daß schließlich der große Fehler der bestehenden Koalition sei, daß sie programmlos gebildet wurde und daß sich alle Parteien. bedingungslos zum Eintritt bereit fanden. Es ist schwer, kein« Satite zu schreiben. Herr Abgeordneter Mayr-Harting rechnet vermutlich mit unserem schlechten Gedächtnis. Wer anderer ist es gewesen, der auf die Frage, warum die deutsche christlichsozial«- Partei bedingungslos und programmlos in' di« Regierung eingetreten sei, am 11. März 1927 zur Antwort gab: Mir genügt die Tatsache, daß dieser Staat von. einer Mehrheit regiert wird;: an der Tschechen, Deutsch^/' Slinöäken' und Ungarn beteiligi sind, von einer Regierung, in der Deutsche', Tschechen und Slowaken sind. Rom ist nicht an einem Tag erbaut worden; auch di« Tschechoslowakei wurde nicht erst am 28. Oktober 1918, sondern in jahrelanger Vorarbeit geschaffen und die deutschtschechische Koalitionsherrschaft dauert«in Jahr. War es nicht der Jglauer Reichsparteitag, auf dem die deutsche christlichsoziale Partei aber beschlußgemäß feststellte: Leider muß der Reichsparteitag die Klagen der früheren Parteitage wiederholen, daß die Gleichberechtigung im zehnten Jähre der Regie- rung in wichtigen Belangen»och immer nicht verwirllicht wurde. Und wenn es den Christlichsozialen beliebt, uns für die heutige wirtschaftliche Entwicklung verantwortlich zu machen, und uns das Vergeuden des reichen Erbes vorzuhalten, dann antworten wir, daß, wenn irgend etwas geeignet gewesen ist, di« Lage der arbeitenden Schichten dieses Landes nnd darunter natürlich anch der deutschen Bevölkerung zu verschlimmern, es vor allem die Wirksamkeit des Bürgerblocks gewesen ist. Mit der deutsche» Rationalpartei brauchen wir uns wohl nicht allzu sehr zu bemühen, seitdem sie von den deutschen Nationalsozialisten in den nationalen Kniewinkel gestellt wurde und nur noch von der täglichen Auspeitschung der niedrigsten Instinkte gegen di« Sozialdemokratie und ihre Vertrauensmänner lebt, um einen Beweis ihrer Existenzberechtigung zu erbringen. Da sie sich anders nicht zu helfen weiß, schändet sie das Andenken Seligers und Hillebrands, indem sie sich als Bundesgenossen für sich reklamiert und gegen die jetzig« Führung der Partei und vor allem gegen die Zusammenarbeit des tschechischen und deutschen Proletariats auszuspielen versucht. Und nun Genossen, gestatten Sie mir noch ein kurzes zusammenfassendes Wort: Wir stehen in dieser Stunde vor den schwierigsten Aufgaben, die an unser« Partei, an unsere ganze Bewegung die allergrößten Anforderungen stellen. Sie zu bewältigen, bedarf es schier übermenschlicher Kraft, vor allem aber einer Opferbereitschaft und Hingabe, deren nur eine Partei von solch stolzen Traditionen fähig ist, wie es die unsrige ist. Was die nächste Zeit erheischt, können wir allein nicht schaffe» und kann auch keine andere sozialistische Partei allein bewältigen. Der Erfolg, den die Hakenkreuzler bei dien Gemeindewahlen m Karlsbad im April d. I. erzielt, haben, beginnt sich bereits auszuwirken; und alle Bestrebungen dieser„Arbeiterpartei" werden von den Deutschnationalen eifrig unterstützt. Die neue Gemeindevertretung war noch nicht 14 Tage konstituiert und schon begann der neue Vizebürgermeister Josef Geher, ein national- oztalistischer Abgeordneter, sein« Maßnahmen gegen die Arbeiterschaft. Er verlangte als erstes eine Krrsenabgabe der städtischen Arbeiter und scherte auch zu, daß der Kollektivvertrag nicht gekündigt werde, wenn die Gewerkschaften einer solchen Abgabe zustimmten. Die Gewerkschaften teilten mit, daß sie grundsätzlich einverstanden sind, eine freiwillige Krisenabgabe einzuführen, wenn der Kollektivvertrag nicht gekündigt wird. Damit war nun der Theoretiker des nationalen Sozialismus in eine arge Verlegenheit gekommen und er ordnete daher andere Maßnahmen an. Es würbe für 500 Arbeiter dl« 50vrozentige Beschästigungsmöglichkeit eingeführt uüd die fremdzustandigen Arbeitnehmer bis zu 10 Dienstjahren wurden gekündigt und entlassen. Verhandlungen mit den Gewerkschaften wurden abgelehnt und die Maßnahmen der vei- den Bizebürgermeister wurden von den bürgerlichen Vertretern des Stadtrates bestätigt. Di« Freien Gewerkschaften mußten di« Arbeiterschaft zu einer öffentlichen Kundgebung unter freiem Himmel im Kurrayon einberufen, um den Herrn Abgeordneten und Vizebürgermeister Geyer zu zwingen, Verhandlungen mii den Gewerkschaften anzuberaumen. Da begann sichGeyer umzustellen. Bei den Beamten hatte er bereits 50 Prozent Gehaltsabbau dürchgesetzt und bei der Arbelterschaft hatte er durch die Einführung des dreitägigen Aussetzens in der Woche ebenfalls den 50prozentigen Lohnabbau erreicht.. Die Freien Gewerftchaften haben nun mit allen zu Gebote stehenden Mitteln den Kampf gegen die Bestrebungen der Haken- kreüzler ausgenommen und es war ihnen bei einer Verhandlung bei der Schiedskommission für Betriebsausschüsie gelungen, die bereits erfolgte Entlastung der fremdzuständigen Arbeitnehmer aufzuhalten, beziehungsweise die bereits erfolgte Entlastung als ungültig zu erklären. ter in einem anderen städtischen Betriebe ebenfalls während der Sommermonate beschäftiat war. Die Mutter wurde nach der Saison als Saisonarbeiterin abgebaut und die Tochter wurde als„Doppelverdienerrn" entlasten. Keine bürgerliche Partei in Karlsbad hätte sich getraut so empörende Maßnahmen gegen die Arbeiterschaft einzuleiten, wie die Haken- kreuzler, unterstützt von der„Tschechoflowakischen Baderzeitung"(W o l f v e r l a g). Die Maßnahmen der Hakenkreuzler und ihres Führers wurden ständig in dieser sauberen Presse als „unumgänglich notwendig" hingestellt und so haben nun beide erreichen können, daß tatsächlich in offener und schneidiger Form gegen die Arbeiterschaft vorgegangen wurde. D e r K o I le ktiv- vertrag wurde am 1. Oktober gekün- d i g t und es wurden auch den Freien Gewerkschaften Vorschläge für die Aenderung des Kollektivvertrages übermittelt: Es wird vorgeschlagen, daß die Löhne der städtischen Arbeiter mit den Löhnen in der Privatindustrie gleichzustellen find, die im Jahr« 1928 erfolgten Erhöhungen seien zu streichen. Nebengebühren, wie Anschaffungsbeiträge u. a., seien ebenfalls wegzunehmen, so daß also im neuen Kollektivvertrag lediglich noch der Stnndenlohn der Bauhilfsarbeiter übrig bleiben soll. Die Freien Gewerkschaften haben ös abgelehnt, auf solchen Grundlagen zu verhandeln. Es war gerade der Herr Abgeordnete Geyer, der früher sagte, daß die Staotgemeinde nicht daran denke, den Kollektivvertrag zu kündigen. In der darauf folgenden Stadtvertretersitzung hat er selbst das Referat über die Kün- digung erstattet. Die Hakenkreuzler sprechen m ihren Flugblättern viel vom Bankkapital, beschimpfen di« Sozialdemokraten und die Freien Gewerkschaften ynd führen an, daß der Staat die Beamtengehälter abbauen wolle. In Karlsbad jedoch wird auf Betreibe« der Hakenkreuzler den städtischen Arbeitnehmern das Einkommen um 50 Prozent gekürzt! Die Kommunisten überlasten es nach dem Fehlschlagen chrer lächerlichen„Streik"- Aklionen den Freien Gewerkschaften, die Jutereffen der gesamten städtischen Arbeiterschaft zu vertreten. Der Sieg der Hakenkreuzler in Karlsbad ist zu einem Finch für die dortigen städtischen Arbeitnehmer geworden; die llnternehmersekretäre der Jndustriellen-Organisatioueu können nach Karlsbad gehen, um vo« den Hakenkreuzlern zu lernen, wie man di« Arbeiterschaft um chre Rechte und um chre Kollektivverträge bringen Wie im internationalen Maßstab« nnr die Znsammeufaffung der Kräfte aller sozia listischen Parteien der Welt den Kapitalismus entscheidend schlagen, den Fasrismns nieder._ werfen, dem Völkermord ein Ende bereiten jeingestellt sind, weil die verwitwete Mut-1 also auch in unserer Republik erreicht worden. Auch das Kapitel„Doppelverdiener" wurde besprochen und wie sich der Herr Abgeordnete, der vorgibt, vom arbeitenden Volk gewählt zu sein und auch arbeitendes Volk vertreten will, m dieser Frage benahm, sei nicht verschwiegen. Es wurden Arbeiterinnen entlas sen, die während der Sommermo nate in einem städtischen Betriebe_ g e g e n einen Woche»lohn von lü 100 i kann. Ein Versuchsgarten fürs Dritte Reichist .':‘ r’‘ salso auch in unserer Republik erreicht worden. Nr. 256 Sonntag, 80. Oktober 1832 Seit« 7 Unsere Frauen-Reichskonferenz. die sascsstischc Erziehung der Jugend zu kritillosem Gehorsam unter einer gesteigerten Disziplin, die die Persönlichkeit erstickt und aus den junge« Menschen Kriecher, Demagogen und Landsknechte macht. Var Hannes! der sozialdemokratischen Frauen: Arbeitende Frauen und Haddien in Stadt und Land! j an der Tatsache weiter, daß-er italienische FasciK- mus die Verelendung der Nation beschleunigte, zeigt sie die voraussagbare Tendenz auch des deutschen Hitlerismus auf, der auf dem Sumpfboden der Nachkriegszeit gewachsen ist, nur im Sumpfe blühen kann und daher an einer Ueber- windung der Krise gar nicht interessiert ist. Der Hitlerismus bereichert den Fascismus nur mit seiner antisemitischen Tendenz, deren Wirkungskraft ihr« Ursache darin hat, daß eben jetzt mehr denn je der Appell an alles Triebhafte im Menschen Erfolg hat. Auch der Antisemitismus stellt ein« Ablenkung von den vorhandenen starken in der Umwandlung der sozialen und wirtschaft-' Spannungen statt deren Entladung dar. Unter lichen Lage der Zwischenschichten wurzeln, jener! fühlbarer Bewegung der Konferenz gibt die proletarischen Schichten, die die Verschlechterung i Sprecherin einiges aus dem vertraulichen Refe- ihres Schicksals in der Republik erlitten haben! renten-Material der Nationalsozialisten in und deswegen kurzsichtig und verhetzt die Staats-! Deutschland bekannt; diese Anweisungen predigen form und den Marxismus für eine Entwicklung im Wesentlichen Kampf gegen die Gewerkschaften, verantwortlich machen, die vom Marxismus als! gegen das Streikrecht, gegen di« Sozialver- zwangsläufig vorausgesagt wurde. Genossin Sicherung, Abschaffung der Frauenerwerbsarbeit, Sender wendet sich sodann der Besprechung des Einführung der Arbeitsdienstpflicht und impe- Wesens des Fascismus zu, der in Deutschland rialistische Ziele, welch letztere ebenso wie die Erster Verhandlungstag: Eröffnungsreferat der Genossin Toni Sender-Berlin. Freitag nachmittag trat im Kleinen Saal der Produktenbörse in Prag die Frauenreichskon serenz zusammen. Von der Stirnseite des Saales, oberhalb des Büros, leuchtet unter dem Bilde Seligers auf rotem Grund groß das Dreipfeil- Zeichen? Zum vollen Saal spricht Genossin Jetth Binderberger-Brünn formvollendet ein Wuchtiges Kampfgedicht Erna H a b e r z e t t l s. Dann eröffnet die Vorsitze>ü>e unserer Frauen- Organisarion Genossin Anna P e r t h e'n die Tagung in bewegten Worten über die schwere Notzeit, über die Auswirkungen der Krise auf die proletarischen Frauen und auf unsere Frauen bewegung; mit einem Gedenken für die in den letzten Jahren verstorbenen Genossinnen schließt st«. Das Präsidium, das sÄninn gewählt wird, setzt sich zusammen aus den Genpssinnen Irene Kirpal- Aussig, Gisl Paul- Prag, Maye r-Troppau und Martere r-Münchhof. Nach der Wahl auch einer. Mandatsprüfungs und Wahlkommissipp begrüßt die Vorsitzende Genossin Kirpal die Konferenz und unter Beifall besonders die Gäste: Adelheid Popp(Oester reich und Internationales Frauenkomitee), Toni Sende r-Berlin und die tschechischen Genossin nen Karpiäkova, Jurneökova und Jllova, ferner di« Vertreter unserer Partei, der Gewerkschaften und der Genossenschaften. Unter vielen Begrüßungsschreiben wird auch eines der Genossin Alt mann, der Seniorin unserer Frauenbewegung erwähnt, der die Kon- ferem zu danken freudigst beschließt. Die Konferenz beschließt nunmehr folgende Tagesordnung: 1. Referat der Genossin Toni Sender über„Die Frau und der Fa'cis- mus"; 2. Referat der Genossin Blatny: ,^Der Kampf um den Sozialismus"; 3. Mutterschafts fragen; 4. Wahlen; 5. Allgemeines. Begrünungen. ebenso wie in Italien auch in der verschwommenen romantischen Sehnsucht»ach einer Umgestaltung der Verhältnisse und im Messiasglau- ' haben die Demokratie immer vorweg als den'^ e* ne Wurzeln hat. Sie bespricht geeignetesten Kampsboden für den Klasseniampf betrachtet und wir haben auf diesem Boden überall uns groß« politische Positionen erobert; aber man kann diese Positionen nur halten und i ausbauen, wenn sie machtpolitisch und ökonomisch! untermauert sind, und wenn sie von bewußtem l Willen der Massen erkämpft und erhalten wer- j An dem Beispiel des italienischen Fascismus mit den. Jetzt ist die Phase für das deutsche Volk seiner Prätorianer-Elite, mit seiner Scheingekommen, die Freiheit, die ihm im Jahre 1918 Hierarchie und seinen verlogenen Korporationen, sich eröffnete, im Kampfe zu erobern und 1‘“ u** werden uns die wahre Demokratie nur erobern, wenn wir Kampf und Sieg verbinden Hüt dem Kampfe um die Sozialisierung der Wirtschaft. Die Referentin bespricht nun die politischen, sozialen und psychologischen Ursachen der Welt wirtschaftskrise und der besonderen Krise in Deutschland, wobei sie die Krise zwar als eine der zyklischen Krisen, aber doch als eine nicht normale Krise des Hochkapitalismus in ieiner schwersten Erschütterung bezeichnet. Mit beson derer Ueberzeugungskraft entwickelt Genossin Tome Sender jene Ursachen des Fascismus, tzi« .- E’• lichen Lage der Zwischenschichten proletarischen Schichten, die die' Adelheid Pop p, herzlich begrüßt, gibt der tiefen Verbundenheit der österreichischen sozialdemokratischen Betvcgung mit der unser» Ausdruck und erinnert an die vielen und langen gemeinsamen Kämpfe, an gemeinsame Siege. Wir Frauen, sagt sie, sind eigentlich in sehr ungünstiger Zeit zu unserer Gleichberechtigung gekommen; wir wollten der Wett den Frieden bringen und nun sehen wir uns nicht nur immer neuen Kriegsrüstungeu gegenüber, sondern auch den Rüstungen im Innern der Länder unsere Errungenschaften niederzureißen. Eine große Bedeutung kommt für uns alle den bevorstehenden ReichstagAvahlen zu, auf. deren Entscheidung! nicht nNr^alle Revotutioüäke. sondern, auch alle! Reaktionäre warten.- Wüschen die Fakeisten siegen, dann stünde uns ein furchtbar schwerer Kamps bevor. Und fp kmtn beider, setzt unser erstes Wort nicht mehr der Rus nach dem Frieden sein, sondern die Parole„Seid gerüstet zum"Kampf!" Den Grüßen der österreichischen Genossinnen fügt Adelheid Popp den Gruß des Internationalen sozialistischen Frauenkomitees bei und stellt fest, daß dieses Komitee die deutschen und tschechischen Genossinnen in der. Tschechoslowakischen Republik inzmer als die besten uich treuesten Stützen der sozialistischen Internationale geschätzt hat. Genossin KarpiSkovä'vriwt erst tlche, chisch ein Paar Worte, in denen sie auf die ernsten, Politischen Auseinandersetzungen in der Koalition gerade in diesen Tagen himvcist und übermittelt dann deutsch di« herzlichen Grüße der tschechischen sozialdemokratischen Frauen, deren tiefe Zusammengehörigkeit uud Freundschaft sie ausspricht. Wir sind uns alle bewußt, was. für die Arbeiter- schäft jetzt auf dem Spiele steht; es geht nicht nur um die sozialen Errungenschaften der Nachkriegszeit, sondern um di« Freiheit der Arbeiterklasse überhaupt. Daraus ergibt sich strengste Gewissenhaftigkeit unserer Taktik, die aber nie zur Schädigung unserer Kampflust füll re» darf. Tie beste Waffe im Klassenkampf ist für uns di« treu« Zusammenarbeit und Solidarität der beiden sozialdemokratischen Parteien, die herrlichst« Genugtuung in dieser schweren Zeit ist für uns das Bewußtsein beiderseitiger Entschlossenheit, auch die konrmenden Kämpfe untrennbar zu führen. (Herzlicher Beifall.) Toni Sender spricht Die Vorsitzende erteilt sodaizn der Genossin Sender-Berlin das Wort, die ihr Referat„Die Frau und der Fascismus" zu einer großartigen Darlegung der Entwicklung und Charakrerifie- rung der politischen, wirtschaftlichen, sozsalen und Pshchologiichen Entwicklung in Deutschland macht. In ihrer geistsg fesselnden und mit zwingender Logik ausgebauten Rede, der die Konferenz in ununterbrochener Spannung folgt, geht sie von einem geschichtlichen Rückblick auf die Revolution von 1918 und ihren Voraussetzungen auS. Einer ihrer hauptsächlichen Leitgedanken ist die Feststellung, daß die alt« Sozialdemokratie das sozialpolitische Moment dem machtpolitischen Moment zu sehr vorangestellt habe. Sie gibt dann eine treffliche Definition der Demokratie, die sich nicht im parlamentarischen System erschöpft, sondern deren Wesen in der Freiheit und Gleichheit des Staatsbürger- besteht, die wiedrum erst die Atmosphäre schaffen, in der' ein Men'ch der'N Gefühl für Menschenwürde hat, überhaupt erst existieren kann. Wir Krisennot bedrängt di« Arbeitsmenschen, bedrängt besonders die Frauen und Mädchen der Arbeiterklasse. Zur körperliche« Schwächung durch di« vielerlei Entbehrungen, die Dauerarbeitslosigkeit, Dauerkurzarbelt und Lohnkürzung den Arbeitern auferlegen, kommt bei den Franen noch die seelische Zermürbung durch die Pein, di« Not der Familie, vor allem der Kinder, sehe« zu müsse«, mittrage« zu müssen, ohne helfe« zu könne«! Schon werden, wie i« den Schreckenszei- te« der letzten Kriegsjahre, unser« Kinder die Opfer von Entbehrungskrankheiten, taumeln blass«, schmalgesichtige, sieche Kinder hungernd durch freudlose Tage,— üaa sreudlps wie ihr Leben ist das der Mütter, die in ohnmächtiger Qual vor dem Leid ihrer Lieben stehen. Und die Mädchen der Arbeiterklasse, sind sie glücklicher, beneidenswerter?, Zehntausende sind arbeitslos. Die anderen, noch in Fabrikssälen und Kanzleien, in Modesalons und. in fremdem Haushalt arbeitend, zittern von Samstag zu Samstag oder von Monat-erstem zu Monatserstem vor der Entlassung. Wo sind in dieser grauenvollen Zeit, in der alle wirtschaftlichen Lebensgrundlagen erschüttert find, noch Möglichkeiten eigener Familiengründung, der Erfüllung so vieler Sehnsüchte nach Gründung eigene» Heimes? Zn grauenvoller Sinnlosigkeit wird das frauenlehen in der Zelt der schlimmsten aller Wirtschaftskrisen! Biel« Frauen versinken in dumpf« Hoffnungslosigkeit. Viele flüchten, Bergessen suchend, Trost suchend in Jenseitshoffnungen. Ander« lasse«, sich verlocken durch die Verheißung eines irdischen Messias. Klertkalismus, Fascismus und sogar Sektiererei aller Art find di« Nutznießer des Wirtschastsdurcheinanders und der getstigen Verwirrung unserer Zeit. Aber, ihr arbeitende« Frauen und Mädchen, je mehr di« Gedanken und das gläubig« Vertrauen sich solche» jenseits der Wirklichkeit liegenden Verheißungen zuwendet, umso leichter, umso häufiger wird di« wirklich« Ursache der Rot der Frauen, der Rot ihrer Liebe«, der Rot d«r arbeitenden Bevölkerung übersehen! krauen und Nüddien des werUlSUgen Volkes. Wir rufen euch zu: beachtet die Welt, in der ihr lebt, beobachtet di« wirtschaftlichen und politischen Vorgänge,— beobachtet und denket nach! Tas Ergebnis eueres Nachdenkens wird di« Erkenntnis sein, daß die Ursache aller eurer Nöte das kapitalistische Wirtschaftssystem ist, dieses anarchische, immer wieder Ueberfluß an Ware« und Mangel an Arbeit erzeugende« Wirtschaftssystem!— Ist nicht der Kapitalismus rin« furchtbar«, das gesamt« Frauenleben beeinflußende Macht geworden? Bald zwingt tt die Frauen in die Fabriken, bald schleudert er st« wiwer aus dem Produktionsprozeß hinaus,—* Familienglück zerstört er, unzählige Frauen beraubt er des Mutterglückes, hunderttausend« Kinder macht er zur Beut« d«S auälendsten Hungers. Muß das so bleiben? Ist der Kapitalismus ein« unerschütterliche Macht? Nein! So wie frühere Wirtschaftssystem« ist auch der Kapitalismus zum Vergehen bestimmt, dem Untergange geweiht, sobald er die Aufgabe eines Wirtschaftssystems, die Menschen mit den notwendigen Gütern zu versorgen, nicht mehr zu erfülle« vermag. Millionenheere von Arbeitslosen«nd Hunger von Millionen hei gleichzeitigem Ueberfluß an Lebensmittel««nd Gebrauchsartikeln,— Mangel und Not in den Arbeiterwohnungen infolge dieses Ueberflusses, das Fortschreiten h«S Absperrungswahnsinns in alle« Staaten, rasend rascher Awau der Produktion zeigen den Niedergang des Kapitalismus. Oas versagende kapitalistische Wirtschaftssystem muß durch den Sozialismus ersetzt werden Sozialismus: das ist gemeinsame Arbeit aller für alle, das ist Planwirtschaft, das ist gemeinsamer Besitz aller Arbeitsmenschen an den Arbeitsmitteln! Sozialismus: das ist Vertreibung der Not, ist Brot für alle, ist Freiheit aller! Wollt ihr, Frauen und Mädchen der werktätigen Bevölkerung, de« Sozialismus? Dan» helfet mit, ihn zu erobern! Dann reiht euch ei« in di«sozialdemokratisch« Partei, di« Trägerin der sozialistischen Bewegung! Die Sozialdemokratte hat seit jeher ihr« Gegenwartsarbeft, ihren Kampf um Verbesserung der Lebensverhaltnisse der Arbeiter, verbunden mit dem Ringen«m die sozialistisch« Gestaltung der Zukunft. Auch jetzt führt di« Sozialdemokratie gleich, zeitig den Kampf Wen das mörderisch«, zerstörend« kapitalistisch« Wirtschaftssystem und für bi« sofortige Milderung der Krisenwirknngen» für bi« Linderung der drückendsten Not. krauen und riödchen! Wir rufe» euch auf zur Teilnahme Eingliederung der Arbeitslosen in den ArbeitSpro zetz zu fördern. Den Weg hat uns di« Manifestatioi' der beiden sozialdemokratsschen Parteien gezeigt. Wi dürfen uns jedoch die Schwere dieses Kamp feS durch fassche Hoffnungen nicht wegtäu scheu lassen. Was wir vor uns sehen, sind dälttichc Seite 8. Nr. 256 Sonntag, 30. Oktober 1832 Der Dank der Frauen an Genossen Dr. Czech. Zeichen der Gefahr einer Verschlechterung der wirtschaftlichen Verhältnisse, welch« in diesem Winter hunderttausend« neuer Arbeitsloser bedeuten würde. Infolge der rasenden Entwicklung der Maschinentechnik und den geänderten Arbeitsmethoden sehen wir den Prozeß der Vergesellschaftung in kapitalistischer Form, der die Klassenunterschied« nicht aufhebt, sondern sie weiter verschärft, vor sich gehen. Diese Wandlungen be. treffen wesentlich auch di« Frauenarbeit. Wir sehen einen ständigen Zuzug von weiblichen Arbeitskräften aus der Landwirtschaft, aus häuslichen Diensten in di« Stadt und in neue Beruf«. Die Erweiterung ihrer Berufsbasis müssen di« Frauen aber damit bezahlen, daß sie in Hllssarbeiten angedrängt werden, wo sich ihnen nahezu gar kein« Aufstiegsmöglichkeit bietet. Verhängnisvoll entwertet wird ihre Arbeit diirch die Rationalisierung, di« weniger Muskelkraft und inehr Geschicklichkeit und Anpasiung erfor- derr. Darum wird von den rationalisierten Betrieben di« Frauenarbeit gesucht. Die Folgen dieser mechanisierten und entseelten Tätigkeit, sind bei den Frauen noch schwerer als bei den Männern. Wer will sich dann wundern, daß, wi« di« Statistiken der Krankenkassen lehren, seit Beginn der Rationalisierung die nervösen Erkrankungen bei Frauen besonders aber di« spezifischen Frauenkrankheiten verhängnisvoll zugenommen haben. Besonder« schützend« Bestimmungen, die Rücksicht nehmen auf di« Eigentümlichkeiten der Frau«n, müssen also unsere Forderung sein. Ein Schlagwort erschallt in der letzten Zeit von verschiedenen Seiten: Doppelverdiener! Man verlangt ein Arbeitsverbot für verheiratet« Frauen ohne Rücksicht darauf, daß di« Berufstätigkeit zumeist ein« Voraussetzung der Eheschließung war. Die «rste Folge eines solchen Verbotes wär«, daß das beruflich« Bildungsniveau d«r Frau außerordentlich sinken würde. Wenn di« Frauen aus den Fabriken und Kontoren, ans den Schulen und Aemtern abwandern müßten, müßten sie zwangsweise in die unkontrolliert« Arbeik, in di« Heimarbeit drängen und würden so das sozial« Elend nur noch weiter verstärken. Di« gewünscht« Wirkung würde au-bleiben. Nicht Männer gegen Frauen, nicht Arbeiter gegen Arbeiterinnen, sondern Mann und Frau zusammen müssen die sozialistisch« Lösung dieses Problems bringen. Wir kämpfen für di« Einführung der Vierzigstundenwoche, für di« Herabsetzung der Altersgrenze zum Rentenoezug, wir kämpfen auch für die Erhöhung des schulpflichtigen Alters und für den paritätischen Arbeitsnachweis. Diese Mit tel, welche uns das Programm der Partei weist, find zur Lösung geeignet. Genossin Blatny schildert hierauf di« Tätigkeit und die Methoden unserer Gegner und hebt vor all«m zwei Probleme hervor. Das eine ist di« Dezimierung des Mittelstandes, welcher durch di« wirtschaftliche Entwicklung proletarisiert ist, sich vor d«r Erkenntnis der Tatsachen scheut. Das zweite ist der Einfluß des Klerikalismus auf die Frauen, welcher durch zehntausend« Erziehungsanstalten für Kinder und Jugendlich« und durch di« zentrale Organs- sation der Kirchen gefördert wird. Wir dürfen es nicht dulden, daß die klerikalen Organisationen di« verzweifelten Menschen vom Kampfe in das Diesseits ab lenken und sie auf ein tröstliches Jenseits verweisen. Was wir aber von den Klerikalen lernen müssen/ das ist die emsige Kleinarbeit von Haus zu Haus und wir müssen gleich ihnen auch di« Sehnsucht der Menschen nach Freude und Schönheit in den Dienst unserer Aufklärungs- und Werbearbeit stellen. Im Bericht über di« Entwicklung der Frauenorganisationen in der International« und bei uns konnte Genossin Blatny feststellen, daß di« Zahl der in der International« organisiert«» Frauen von Jahr zu Jahr gestiegen ist. Was das Verhältnis der organisierten Männer zur Zahl der organisierten Frauen anbelangt, steht unser« Organisation in der International« an erster Stell«. T«r Frauentag hat von Jahr zu Jahr steigend« Bedeutung. Unsere Zeitschriften, di«„Unzufriedene" und di«„Gleichheit" haben sich durchgesetzt und werden gern« gele- I«n. Trotzdem wollen wir an einer weiteren Ausgestaltung der Blätter arbeiten und vor allem die Genossinnen draußen in stärkerem Maß« zu Beiträgen heranziehen. Unser« alljährlich durchgeführt« Werbeaktion hat uns trotz der schwersten wirtschaftlichen Situation schön« Erfolge gebracht, jo daß wir trotz hen Abgängen, welche durch di« Arbeitslosigkeit und di« Stundung der Beiträge hervorgerufen wurden, fast nicht zuruckgegangen sind. Ueberall, wo di« Werbearbeit planmäßig durchgeführt wurde, ist der Erfolg nicht auSgeblieven. Wir honen, daß dort,-wo etwas unterlassen wurde, das Versäumt« bald nachgetragen wird. In eingehender Weis« beschäftigt sich di« Referentin mit den Problemen der verschiedenen Schichten der arbeitenden FraiKn und mit den Ausgaben, welche der Bewegung in bezug auf den Ausbau der Organisation und des Schnlungswesens erwachsen. Sie faßt dann ihr Referat mit den Schlußworten zusammen: Politisches Jneinandergreisen bedarf planvoller Zusammenarbeit. W'r müssen unser« Organisation ausgestalten von innen, wenn wir sie nach außenhin aktivieren wollen. Unser« Organisationen haben sich in der furchtbarsten Zeit bewährt. Hundert« und crberhunderte uns«rer Funktionärinnen haben in de'- ipielloser Treu« ihr« Kraft, Zeit und Interesse an sie Organisation yingegeben. Mit Dank und Bewunderung erkennen wir dies an. Wir müssen unsere Funktionärinnen weiter schul«»: st« müssen sich die Kenntnisse der fozialistislhen Theorie erwerben, denn nur«in« soziaiistlsche Theorie erniög- licht ein«, sozialistische Praxis und aus der Deibst- ichulüng der Funktionärinnen soll in einem vertieften und verbreiterten Maß« di« Massenichulung unserer Bewegung hervorwachs«» Dir kritische Zeit erfordert unsere Bereitschaft; eine schwer« Zeit fordert starte Menschen und einen opservolleu Willen. Und wenn wir uns alle opfern sollten, daun seien andere, dann sei dir Jugend da, um in die Bresche zu springen. Ja einer Zeit des Kampfes wie es dir jetzige ist, gibt eS nur«ine Losung: Bereit sein ist alles!(Langanhaltendrr stürmischer Beifall.) Die Debatte. Genossin Schäsrr-Reichrnberg: Ein großer Teil der Frauen begreift schon, welch wichtig« Rolle die Politik in ihrem Leben spielt. Die denkende Frau will ihren Anteil am Leben und organisiert sich daher. Die Frauenreichskonferenz beschließt: Trotz der schwersten Widerstände durch die bürgerlichen Parteien war es dem Genossen Dr. Czech im Verein mit den Ministern unserer tschechischen Bruderpartei möglich, die Lebensrechte der Arbeiterfamilien wirkungsvoll zu verteidigen. Hunderttausende von Müttern wissen diese Leistungen insbesondere auf dem Gebiete der Arbeitslosenfürsorge mehr wie alle anderen Menschen zu schätzen. Viele Tausende von Arbeiterfamilien tragen die Arbeitslosigkeit, Kurzarbeit, außerordentlich schwer. Der Lebensunterhalt ist auf ein Mindestmaß herabgesetzt. Wäre es nicht möglich gewesen, auf dem Wege über die Gewerkschaften und durch die direkten Aktionen des Ministeriums für soziale-Fürsorge so namhofte Ausivendungen zur Linderung des Hungers zu machen, die Verzweiflung hätte längst viele ersaßt, die rat internationale Aktion! Die Fraurnreichskonferenz der deutschen sozialdemokratischen Arbeiterpartei in der Tschechoslowakischen Republik, versammelt in Prag am 29. Oktober 1932, ruft alle arbeitenden Frauen und Mädchen, alle auf Wahrung ihrer Menschenwürde bedachten Frauen, sie ruft alle Feinde des Krieges zu zähem, unermüdlichem, leidenschaftlichem Kampfe gegen den Fascismus, vor allem gegen die deutsche Form des Fascismus, den sogenannten Nationalsziolismus, auf! Der sogenannte Nationalsozialismus unterscheidet sich von anderen, offen reaktionären Bestrebungen durch seine Verlogenheit, durch die Schändung des Millionen heiligen Wortes Sozialismus, durch seine Drapierung mit scheinrevolutionären Losungen und Phrasen. Es ist in der Epoche des Niederbruches des Kapitalismus der Bourgeoisie nicht mehr möglich, offen den Kapitalismus zu verteidigen. Zu stark sind die antikapitalistischen Strömungen, erweckt durch den Bankerott der kapitalistischen Wirtschaft, auch in breiten Schichten des in seiner Existenz gefährdeten Kleinbürgertums, der Angestelltenschaft, der Intellektuellen und der Kleinbauern geworden. Durch einen gigantischen Volksbetrug versucht di« Bourgeoisie noch einmal ihre Herrschast zu retten: dadurch, daß sie die antikapitalistischen Regungen dieser Schichten gegen dir Arbeiterklasse zu mobilisieren versucht, sie durch die Sammlung in der nationalsozialistischen Partei ihren, den Interessen der Bourgeoisie, dienstbar macht. Aber gerade in der Stellung der Nationalsozialisten zur Frauenfrag« offenbart sich der brutal-reaktionär« Charakter dieser Partei. Freiheitlichkeit, Fortschrittlichkeit jeder Gesellschaft sind meßbar an der Stellung der Frau, der fortschrittliche oder reaktionäre Charakter jeder Partei ist meßbar an ihrer programmatischen Stellung zur Frauensrage. Die nationalsozialistische Partei ist dir frauenfeindlichste aller politischen Parteien. Die Nationalsozialisten wollen den Frauen die politische Gleichberechtigung nehmen. Es ist charakteristisch, daß es unter den nationalsozialistischen Abgeordneten im deutschen Reichstag und in den deutschen Länderparlamenten keine Frau gibt, daß es auch in der deutschen nationalsozialistischen Partei in der Tschechoflowakei keine Frau in führender Stellung gibt!— Jahrzehntelang haben die Frauen hart und zäh gerungen, um sich gesellschaftliche und politische Gleichberechtigung zu erzwingen. Der Nationalsozialismus verheißt den Frauen nach seinem Machtantritte die völlige Ver-! nichtung aller Ergebnisse dieses Kampfes, nicht nur! den Entzug der politischen Gleichberechtigung, sondern auch di«-Demolierung ihres Rechtes aus Arbeit. Die Frau hat, nach den Aussprüchen nationalsozialistischer Führer, wieder nur die Dienerin des Mannes zu sein, keine andere Ausgabe zu. erfüllen als die, für den Mann schön zu sein und Kinder zu gebären Das ist Besudelung der Menschenwürde der Frauen, ist ihre Herabwürdigung zu Menschen minderer Art und minderen Rechtes, ist Versklavung der Frauen! Der Kampf gegen die Frauenarbeit ist illusorisch-. Deutlich genug hat das der Kampf des. D. H. V. gegen die weiblichen Angestellten gezeigt. Die. Massenarbeit der Frauen ist ein Ergebnis der kapitalistischen Entwicklung. Auch der Nationalsozialismus könnte und wollte, wäre er im Besitze der ganzen Macht, die Frauenarbeit nicht beseitige». Aber durch Aechtung der Frauenarbeit, durch Verdrängung der Frauen aus selbständigen Stellungen und durch die Unterdrückung der Organisationen würde er die Erkämpfung entsprechender Entlohnung unter den furchtbarsten Wirkungen des kapitalistischen Systems so schwer zu leiden haben. Unmittelbar ist aber auch für die Arbeiterkinder Bedeutendes getan worden. Sowohl auf dem Wege über die Jugendfürsorge, als auch durch direkte Aktionen, die teils auf Ernährung durch Milch und dergleichen abzielen, als auch durch Bekleidung vieler Tausender Kinder von Arbeitslosen, wie schließlich auch durch deren Befürsorgung bei Erholungsaktionen. Damit soll dem Schaden der Degenerierung der Arbeiterjugend vorgebeugt werden. Di« Arbeiterfrauen dankeu dies« Leistungen in erster Reihe der wirkungsvollen Initiative des Genossen, Dr. Czech in seiner Eigenschaft als Minister für soziale Fürsorge nnd den beiden anderen sozialdemokratischen Ministern und sie sprechen ihm dafür den Dank der organisierten Frauen aus. der Frauenarbeit verhindern, die arbeitenden Frauen zu Lohndrückerinnen machen und damit den Kapitalisten unschätzbare Dienste leisten. FaseiSmuS ist aber auch gleichbedeutend mit Steigerung der Kriegsgefahr! Der italienische FaseiSmuS hat Italien in eine ungeheuere Kaserne verwandelt,— der Nationalsozialismus verwirft die Abrüstung, verhöhnt die Friedensbestrebungen, sucht seine Anhänger immer wieder für den Krieg zu begeistern. Deshalb auch bekämpft er alle Bestrebungen zur Milderung der Gebärzwangparagraphen! Die Frauen sollen viele Kinder gebären für den Krieg! Zur Sinnlosigkeit würde damit daS Frauenleben— die Frauen zu Gebärmaschinen, die immer wieder nur Kindern das Leben schenken, damit dieses Leben auf den Schlachtfeldern vernichtet werde! „Wir grüßen den Krieg!" Diesem Ausspruch eines nationalsozialistischen Führers stellen dir sozialdemokratischen Frauen und Mädchen den leidenschaftlichen Ruf entgegen: Mir großen den rrieden! Wir grüßen den Frieden zwischen, den Staate«, aber auch den Frieden zwischen den Rationen! Jeder Fortschritt der Arbeiterklasse in der Tschechoflowakei, jeder Schritt auf dem Wege zum Sozialismus und damit zur Befteiung der Frauen erheischt in diesem Staate die Gemeinsamkeit der Aktion der deutschen und tschechischen Arbeiter. Erstarken des Nationalsozialismus innerhalb des deutschen Volkes in. der Tschechoslowakei muß zur Folge haben auch eine Stärkung des tschechischen Nationalsozialismus, Verschärfung der nationalen Gegensätze, Anwachsen faseistischer Strömungen auch im tschechischen Volk«., Tschechischer Fascismus aber müßte in diesem Staate nicht nur zur Versklavung der Arbeiter und damit auch der Frauen, sondern auch Gefährdung der deutschen Kulturgüter führen. Die Fraurnreichskonferenz der deutschen sozialdemokratischen Arbeiterpartei macht alle arbeitenden Frauen und Mädchen nachdrücklichst aus die durch den Fascismus drohenden Gefahren aufmerksam. Sie warnt eindringlich die arbeitenden Frauen und Mäd- chen aller Schichten’ vor jener unpolitischen Einstellung, vor jenem gleichgültigen Gewährenlassen, das dem Fascismus den Weg bereiten hülse. Die in der sozialdemokratischen Partei organisierten Frauen und Mädchen sind sich ihrer Pflichten al- Frauen und al- Angehörige der Arbeiterklasse voll bewußt. Sie erklären, gemeinsam mit den sozialdemokratischen Männern, in den Reihen der sozialdemokratischen Partei, unermüdlich den Kampf gegen den Fascismus, den Kampf um ihr« Fraueuwürde und um di« Wahrung ihrer Frauenrechte zu fuhren. Sie rufen zu diesem Kampfe alle noch abseits stehende« arbeitenden Frauen und Mädchen auf, sie all«, deren Freiheit, deren Menschenwürde, deren Arbeitsrecht gleichermaßen durch den Fascismus bedroht sind! Die sozialdemokratischen Frauen und Mädchen werden ihren Kampf gegen den Fascismus führen in der stolzen Zuversicht, daß auch der Fascismus den Sieg jener geschichtlichen Notwendigkeiten, als deren Trägerinnen sie sich fühlen, nicht zu hindern vermag, den endlichen Sieg der sozialistischen Ordnung über das kapitalistische Chaos, den Sieg der Arbeiterklasse über die Nutznießer ihrer Arbeit, und sie werden sich leiten lassen von den prophetischen Worten August Bebels: Ole Zukunft gehört dem Sozialismus, das heißt In erster Linie dem Arbeiter und der Frau! sondever Bedeutung fittb, di« bei der Agitation be- jonders berücksichtigt werden sollen.(Beisall.) Die Genossinnen Kühnel- Staab und Morkes- Zwittau setzen sich für eine Förderung der Genossen- schaftsbeweauna«in.(Beifall.) Genossin Riedl-Prag, begründet hierauf eine Resolution zur Genosfenfchaftsbrwc- gung. In ihrem Schlußwort stellte Genossin Blatny fest, daß sämtliche Debattenredncrm- nen ihre Ausführungen unterstrichen oder ergänzten. Trotz der schweren Zeit hat niemand in der Debatte gesprochen, der nicht vom G e i st der siegreichen Weiterarbeit erfüll: gewesen wäre. Bei der Abstimmung über die an anderer Stelle veröffentlichten Resolutionen und den oben erwähnten Antrag der Genossin K a h a y war r n allen Fällen Einstimmigkeit. Oerldit der Mandats- und Wahl- Kommission. Genossin Schäfer erstattete'den Bericht der MandatSprüfungikommission. Auf der Fvauenverchs- konferenz sind vertreten: 13 Delegiert« des Frauen- reichSkomiteeS, 6 ausländische Gäste, je«in« Vertreten» der Genossenschaften und Gewerkschaften, 98 Delegierte der Kreis« und öl Gäste. Genossin Schäfer erstattete dann wefters di« Anträge zu den Wahlen, welch« in allen Fälle« einstimmig angenommen wurden. DaS neu« Frauenreichskomitee besteht aus folgenden Mitgliedern: Genossin Blatny(Vorsitzende), Genossin K i r p a l(Stellvertreterin), Genofsin Schaffer(Schriftführerin), Genossin Deutsch(Srelwertreterin). Diese Genossinnen bilden di« Exekutive. Mitglieder des FrauenreichStomitees sind ferner Genossin Paul Elsa, Schäfer. Zoll, K a h a y, G ü n;«I, Schack. Haberzettl, Reyzl und Jilg. Genossin Perthen, Ehrenvorsitze. Die bisherig« langjährige Vorsitzende des Frauenreichskomitees, Genossin Perthen, welche sich um die sozialistische Frauenbewegung und um die Schaffung und den Ausbau der politischen und kulturellen Organisationen unvergeßliche Verdienste erworben hat, erklärte diesmal, die große Arbeitslast, welche mit der Funktion der Vorsitzenden verbunden ist, nicht mehr übernehmen zu können. Die Genossinnen Blatny, K l r p a l und Schäfer dankten der Genosst» Perthen, mit bewegten Worten für alles, was» ste für die proletarischen Frauen in ihrem Leben geleistet hat und die gesamte Konferenz schloß sich mit stürmischem Beifall dem Antrag... die Genossin Perthen zur Ehrenvorsitzende n zu wählen. Genossin Perthen, welcher ein Strauß roter Nelken überreicht wurde, dankte für diese Kundgebung und versprach, auch weiterhin in der Bewegung mit allen Kräften mitzuarbeiten. Zum weiteren Punkt der Tagesordnung, „ver Sthiiiz der Plotter“ erstattete das Referat Genossin Deutsch. Die Frage der Geburtenregelung rückt auf den sozialpolitischen und Sexualkonaressen in den Vordergrund, denn längst ist dort die Unhaltbarkrit des heutigen Zustandes erkannt worden. Im Mittelpunkt des weiblichen Wesens stand und steht zu allen Zeiten die Mutterschaft. Die Art, wir eine Gesellschaft die Mutter betrachtet, entscheidet über die Stellung der Frau in dieser Gesellschaft. Heute, wo die Frau das Haus verlassen mußte, wo sie die Möglichkeit verloren hat, ihrer Äindererziehung im Hause zu leben, ist immer noch dos Mutter« ideal das Ideal des Bürger«. Unzählige Frauen sind nach dem Weltkriege in die Fabriken und Schreibsäle gekommen und haben die Möglichkeit verloren, Ehefrau und Mutter zu werden. Immer noch wird aber dir Mutterschaft auch in der öffentlichen Meinung als der Hauptberuf der Frau betrachtet. Wehe der. Schwangeren, die nicht gebären will! Die Unterbrechung der Schwangerschaft wird als Verbrechen bestraft und verurtrut, und eine Frau, die aus sozialem Notstand nicht gebären kann, teht unter steter Gefahr. Der Paragraph 144 will sie Frau zum Austragen der einmal empfangenen Frucht zwingen und verbietet dem Arzt, der Fran zu helfen. So kommt es, daß diese Frauen dann ein schreckliches Schicksal erleben. Rach Schätzungen find in Deutschland in der Zeit von 1918 bis 193V durch Abtreibung 8 bis 19 Millionen Menschenleben verloren gegangen, von allen Schwangerschaftsunterbrechungen komme» bei uns 809 vor Gericht. Es wird nur derjenige gestraft, der sich erwischen läßt, und wenn alle Fäll« bestraft werdrn würde«, dann wären unser« Grsängnisse zu klein. Die Unterbrechung der Schwangerschaft ist keine Erscheinung von heute. Der M r t t r l st a n d ist längst zum Zwerkinder systrm überaegangen, und überhaupt wurde dir Unterbrechung dort viel ftüher geübt, als bei der arbeitenden Frau. Die Arbeiterinnen werden von den Gerichten aber in viel größerer Zahl verurteilt, als die Damen der besitzenden Klassen. So ist der Paragraph 144 ein Klassengesetz, und deswegen haben die sozialdemokratischen Frauen den Kampf gegen diesen Paragraphen geführt und werden ihn energisch weiterführen. Nun liegt der Antrag des Justizministers, Genossen Dr. Meißner, vor, und man muß sogen, daß wir von keinem bürgerlichen Minister einen solchen Gesetzentwurf bekommen hätten. Vollkommen befriedigt auch dieser Antrag nicht, aber wenn man sich vorstellt, welche Schwierigkeiten zu überwinden waren und wenn wir dann noch bedenken, welches Kesseltreiben der Dunkelmänner einietzte, dann müssen wir diesen Entwurs schon mit anderen Augen ansehen. Genossin Deutsch bespricht hierauf ptt Einzelheiten des Entwurfes, welcher seinerzeit einmal ausführlich in der Oeffentlichkeit erörtert wurde. Die Christlichsozialen bezeichnen den Gesetzantrag als Schandentwurf, weil auch die Tötung des keimenden Lebens ein gemeiner Mord sei. Wo sehen wir, daß die Kirch« Einhalt gebietet dem Kindesmord, de« der Kapitalismus überall au Diese Bewegung zu verstärken ist unsere Haupt- auigabe.(Beisall.) Genossin Dr. Schweib begründet hierauf die Resolution zum„Familien- und E h r r c ch t". Genossin Schaffrr-Trübau: Di« Frauen, weiche in der Landwirtschaft und Heimarbeit tätig sind, müssen mit neuen Werbemethoden ersaht werden Gewinnen wir di« Frauen auf dem Land, werden wir auch den Weg zur Landjugend leichter finden.(Beisall.) Genossin Winkler-Schreckenstein: Di« Caritas- schwestern sind Agitatorinnen der Klerikalen Wir Müssen daher darauf bedacht sein, ihrem Einfluß entgegenzutreten. Für dl« Arbeit unter den Frauen ist di« Bildung eigener Fr a u« nje k ti o a e n bei allen Organisationen unerläßlich.(Beisall.) Genossin Kahah-Brünn: bespracht di« Lage der weiblichen Angestellten und stellt den Antrag, mir aller Entschiedenheit die Herabsetzung der Altersgrenze zur Erlangung der Rente aus der P e n- lionSversicherung auf 50 Jahr« zu betreiben. Sie verlangt die Ernennung weiblicher G e- werbeinfpektoren.«Beifall.) Genossin Macoun-Reichenberg: Für di« Erzie- hurzg der Kinder zur Solidarität und zum Sozialismus genügen die Erziehungsfaktoren Schul« und Familie nicht mehr. Die Kinderfreundebe- wegung verdient daher größt« Unterstützung. (Beifall.) Genossin Roth-Trtschen: In einigen Saisonberufen fällt di« Werbearbeit in den Wintermoyaten sehr schwer. Es wäre daher für einige Gebier« eine .Aenderung zu erwägen,' IBestall.) Genossin Haberzettel-Trauten an, spricht darüber, welche politischen Probleme jür di« Frauen von br- i]iiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiniiiiiiEiitiiiiinniiiiiiiiiiiiiiiifiiniuiiiiiiiiiiiiiiiiiiii)iiiiiiiniiiiii(iiuii)iiii)!iniiiiiiiii!UiitHiiii!iiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiihi!iiiii[iiiiiiitiiiiiiitiiiiiiiiiiiiiiiniiin hegen Fascismus und Kriegsgefahr! Nr. 286 Seite 9 Sonntag, 36. Oktober 1932 vle»«oliMoaca zur fraucnfragc. Fori mit dem§ 144. 1. S>er§ 144 ftcbt in stärkstem Wider- iPruch zu dem Rechtsempfinden des Bolt e s. Er verhindert nicht die Frucktabtrei* bung, liefert aber verzweifelte Frauen an Pfuscher und Nutznießer deS Verbotes aus, die hohe Entlohnung fordern und allzu häufig durch unsachgemäßes Vorgehen Siechtum, dauernde Unfruchtbarkeit, ja den frühen Tod verschulden. Diese Schäden treffen, ebenso wie die gelegentlichen Strafverfolgungen nur Proletarierinnen, da die b e-• sitzenden Frauen keine Schwierigkeiten Haven, dir Schwangerschaft von willfährigen, verschwiege- neu und die Kunst beherrschenden Aerzten unter brechen zu lassen. Ter einzelne Straffall unter tausenden gleichen, aber der Verfolgung entgehenden Delikten erscheint als eine Betätigung reiner W i l l k ü r. So wird das Vertrauen der Bevölkerung in die Rechtspflege schwer erschüttert Ein Besetz, das so vielfältigen und so großen Schaden verursacht, muh verschwinden! 2. Eine neue Regelung, die keinem Vorurteil Rechnung trägf und freier Sexualmoral entspricht, hat folgende Grundsätze zu erfüllen: Die Frau, welche die Schwangerschaft unterbricht oder unterbrechen läßt, soll straffrei sein. Dagegen ist zu bestrafens derjenige, der eine Frau zur Abtreibung »wingt, derjenige, der die Abteibung ohne Befugnis ausübt und derjenige, der die notwendige Vorsicht außer acht läßt oder überhaupt die geltenden wissenschaftlichen Regeln nicht beachtet. ES ist Vorsorge zu schaffen für die Durchführung der Schwangerschaft-unter- brechung in den Krankenhäusern und Kosten- dockung durch die Träger der Krankenversicherung und der öffentlichen Fürsorge. 8. Der Gesetzentwurf des Justizministeriums entspricht also nicht vollständig diesen unseren Forderungen, da er an der Bestrafung der Frau grundsätzlich festhält, wenn auch das Strafausmaß herabsetzt, und die Straffreiheit nur für bestimmte Fälle einschränkt. Wir find uns aber dessen bewußt, daß unsere entschiedenen Forderungen im Parlament mit der bürgerlichen Mehrheit nicht verwirklicht werden können. Wir würden die Interessen der Prolatrierinnen schlecht vertreten, wenn wir auf jeden Abbau des schädlichen Strafparagraphen verzichten würden, solange wir nicht die Macht haben, unserer Auffassung volle Geltung zu verschaffen. Der Gesetzentwurf des Justiz- Ministeriums berücksichtigt die realen Möglichketten für die Beseitigung des 8 144 und bringt doch einen weitgehenden Abbau. Er bringt gerade für die am schwersten leidenden Frauen Hüte, indem er Straffreiheit bei medizinischer, sozialer und eugenischer Indikation sestsetzt und für kostenlose Durchführung sorgt. 4. Die FrauenrerchSkonferenz beauftragt die parlamentarische Fraktion der Deutschen sozial- demokratischen Arbeiterpartei, sich zusammen mit der tschechischen Bruderpartei um die schnellste Erledigung des Gesetzentwurfes zu bemühen. Dabei ist dir Bestimmung über die eugenische Indikation allgemeiner zu fassen und Straffreiheit für alle jene Fälle festzusetzrn, in denen di« begründete Befürchtung(nicht die„unzweifelhafte" Gewißheit) besteht, daß das zu erwartende. Kmd erblich belastet wär«. 5. Gegen di« Frnchtabtrribnng ist ein energischer Kamps zu führe« durch allgemein« umsasiend« Maßnahme« für Aufklärung u«d Hilf« bei der Empfängnisverhütung. Selbstverwaltungskörper und die Träger der Sozialversicherung sollen mit staatlicher Hilfe zweckmäßige Beratung bieten und die zur Empfängnisverhütung notwendigen Mittel verabfolgen und so Abtreibungen verhindern. Sterilisierungen, die mit Zustimmung des zu Sterilisierenden«rsol- aen sollen, sind zu ermöglichen, aber es sind auch die gesetzlichen Ermächtigungen für zwangsweise Sterilisierung zu schaffen, damit die Gesellschaft vor der Zeugung psychopathischer Schädlinge und Parasiten geschützt werden kann. * Neues Rcdrt In Ehe und Familie. Die am 27. Oktober 1932 in Prag tagende rraucn-RdchsKonlcrcnz der deutschen sozialdemokratischen Arbeiterpartei in der C. S. R. gibt erneut ihrer Ueberzeugung Ausdruck, daß er st die sozialistische Gesellschaftsordnung die Voraussetzungen für die volle Befreiung der Frau, und damit für die grundlegende Umgestaltung der Ehe und Familie schaffen wird. Obwohl sie sich besten bewußt ist, daß heute alle Versuche, das Ehe- und Familienrecht zu reformieren Stückwerk bleiben müssen, begrüßt sie den noch alle Bestrebungen, die geeignet sind, eine An-, Passung der rechtlichen Normen an die heutigen Bedürfnisse und Lebensnotwendigkeiten der Frauen herbeizufuhren. Sie hofft daher, daß die Vorarbeiten für die Schaffung eines neuen bürgerlichen Gesetzbuches mit aller Beschleunigung fcrtgeführt werden. Die Frauenreichskonferenz stellt aber mit Bedauern fest, daß die Reformgedanken des„Super- revisionsentwurses für em neues bürgerliches Gesetzbuch" den Wünschen und Bedürfnistrn der Frauen nicht entsprechen und auch hinter dem niiimiil u. Gegenwartsprogromm der sozialdemokratischen Frauen zurückbleiben. Die Konferenz billigt grundsätzlich die Auffassung, daß auch der Frau ein« Unterhaltspflicht gegenüber dem bedürftigen Mann auserlegt werde. Sie verwahrt sich aber mit aller Entschiedrtcheit »en, daß die Tendenz nach Berücksichtigung der erten sozialen und wirtschaftlichen Verhältnisse nur in Gestalt neuer B r l a st u n aber Frauen, nicht auch in der Einräumung neuer Rechte Ausdruck findet. Sie bedauert, daß der Entwurf in den Fragen der Wohnsitzbe st immun g, des Namenswahlrechtes, der Verwaltung des Frauenvermögens keine neuen Wege geht. Sie fordert auch in diesem Zusammenhang« erneut und entschieden die Neuregelung des Staatsbürgerschafts- und Heimatrechtes verheirateter Frauen. Di« Konferenz bedauert ferner, daß, auch der Entwurf die Leistung der ehelichen Pflicht" indirekt durch Sanktionen erzwingen will, sie erklärt im Namen der Frauen, daß nne sittliche Auftastung von der Ehe, die Achtung vor dem Ehegatten, und das Interesse am Schutz der Frau«ine solche Einmischung des Gesetzgebers in das Eheleben verbieten. Sie hält ebenso die Verpflichtung geschiedener Ehegatten zur Wahrung der„eh e l i ch e n Treue" für eine den heutigen Anschauungen und Bedürfnisten nicht entsprechende Beeinträchtigung des persönlichen Selbstbestimmungsrechter, für eine Norm, die praktisch nur die Bedeutung eines Mittels der Schikanierung haben kann. Die Frauenkonferenz fordert im Interesse des Schutzes der Gesundheit der Ehegatten und der Sicherung einer gesunden Nachkommenschaft die Einführung einer obligatorischen Maßregel, die die Aufklärung der Eheschließenden über den Gesundheitszustand ihres Partners ermöglicht. Die Konferenz erblickt eine Gesahr für die Volksgesundheit in dem Umstand, daß der Entwurf— im Gegensatz selbst zum geltenden Recht — die anhaltende, mit Gesahr der Ansteckung verbunden« Krankheiten nicht mehr als ScheidungS- grund anerkennt. Die Konserenz vermißt im Entwurf aber insbesondere eine befriedigende Erweiterung der Rechte, die der Frau in ihrer Eigenschaft als Anker zu. stehen. Sie erblickt«in Unrecht für die Mutter und eine Gefahr für die Kinder in der Tatsache, daß die Entscheidung aller wichtigen Fragen weiterhin in den Wirkungskreis dervL-terlich err Gewalt fallen soll, neben der dir gemeinsame elterlich« Gewalt vollkommen bedeutungslos wird. Sie mißbilligt insbesondere die gänzlich unbefriedigende Gestaltung der„mütterlichen Gewalt", wie st« der Entwurf vorsieht. Si« fordert die Ueberweisung aller heut« in der väterlichen Gewalt enthaltenen Rechte und Verbindlichkeiten an die gemeinsame elterliche Gewalt, während eine gesondert« väterliche, bzw. mütterliche Gewalt nur subsidiär— und dies unter gleichen Bedingungen für Mann und Fra«— einzutreten hätte. , Die Konferenz spricht ihr Bedauern oarüber aus, daß auch in der Frage der rechtlichen Stellung der unehelichen Kinder der Entwurf nicht so weit geht, wie es andere moderne Rechte»un und betrachtet auch die Leistungen, di« der Entwurf dem Vater gegenüber der unehelichen Mutter auferlegt, für unzureichend. Dir FranenrtichSkonserenz ist überzeugt, daß die sozialdemokratische« vertret« i« der gesetzgebend«« Körperschaft mit aller Energie für eine Verbesserung d«S Entwurfes im Sinne ihrer Forderungen emtrrten werden. ch Herabsetzung der Altersgrenze in der Penslonsversidiernng! Die Frauenkonferenz beauftragt die Vertreterinnen in den gesetzgebenden Körperschaften, da- hin zu wirken, daß bei der Novellierung des Pen- nonsversicherungsaesetzes die Altersgrenze für den Anfall der Altersrente für weibliche Versicherte auf 50 Jahre herabgesetzt wird. den Kindern der Aermste« begeht? Wo klagt die Kirche den Kapitalismus a«, daß er die Kinder schon im Mutterleibe durch die Verheerung des mütterlichen Körpers tötet? Sogar di« sogenannte Judikation der Notzucht, die der neu« Entumrf vorschlägt, wird von den Christlichsozial«« abgelehnt. Und die Nationalsozialisten wollen der Frau die Rolle der Zucht.flute in ihrem dritten Reich« zugestehen. Sagt doch Gottlieb Feder:„Wir müssen wieder zum Heiligsten kommen, zur Frau, die Magd und Dienerin ist."(Gelächter.) So sehen wir, wie die bürgerliche Welt der Frau den Weg zur Persönlichkeit verlegt/ indem sie sie zum Eigentum de» Mannes erniedrigen will. Dir Sozialdemokraten haben schon Richtlinien für«ine Bevölkerung-Politik, aber die bürgerliche Welt erkennt noch nicht einmal die Notwen- vigkeit der Geburtenregelung an. Wir musten verlangen, daß die Frauen von den Sorgen und Kümmernissen und gesundheitlichen Schädigungen möglichst fteigehaltrn werden, und vor allem, daß die Kinder nicht für de» Friedhof oder für di« Heilanstalten geboren werdrn, daß dir Mütter durch ihre Mutterschaft nicht di« größte Brrstla- vung in der Gesellschaft erleiden, sondern durch st« wirklich znr freien großen Vrrsönlichkeit aussteigen. Ich schließe mit den Worten Rudolf Gold- schetdt'S:„Unsere Kultur wird bestehen oder Vergern, je nachdem wir di« Frauenfrage zu lösen wissen. Di« Fra« wird fiege«, weil st, fitze« muß. und st« wird nur siegen im Zeichen d«S Sozialismus."(Lebhafter Beifall und Händeklatschen.) Debatte: Genossin Klrment-Bodenbach: Wenn unsere Gegner, vor allem die Ehristlichsozialen, die Schwanger- schastrunterbrechung als htmmelschrriendr Sünde bezeichnen, so müsten wir sagen, daß es eine größer« Sunde ist, Kindern das Leben zu geben, für. di« man nicht sorgen kann.(Beifall.) Genosst« Hackenberg-Prag: Wenn die Strafe für Fruchtabtreibung bestehen bleibt und nur der Strafsatz«in geringerer wird, so werden wieder nur die besitzlosen Frauen bestraft: Es müsten dir Frauen über die Verwendung von. Schutzmitt e l n belehrt werden und solche Mittel erhalten.(Beifall.) Genosst« Klirr-Komota«: Wenn die Christlichsozialen und Nationalsozialisten gegen unS austreten, so müsten wir unseren Frauen klarlegen, daß erst für die Kinder gesorgt werden muß, die da sind, che neue Kinder in die Welt gesetzt werden(Beifall.) Genosst« Jünger-Brün«: Bei uns ist im Jahre 1928 von der Arbeiterfürsorge eine Eh'e- und Fraurnberatuna eingeführt worden, welche heute schon großen Zuspruch hat und viel zur Aufklärung und Besterung beigetragen hat. lBeifall.) Roch einem kurzen Schlußwort der Genossin Deutsch wurde die Resolution zu diesem Tagesordnungspunkt einstimmig angenommen. Abschluß der FrauenreKhs- honferenz. Genossin Kirpal dankte hierauf allen Referentinnen und Rednerinnen auf der Konferenz und faßte die Ergebnisse der Tagung nochmals kurz zusammen. Sie schloß mit den Worten: „Mit voller Begeisterung und mit heißer Leidenschaft wollen wir unser« Organisationen ausbauen, weil für de« Zukunstskampf die Organisation das wichtigste Funda- meut ist. Möge di« Welt von rechts und link» gegen«ns austurmen, wir find vorbereitet und gerüstet. Wir find kampsbereit. Wir wollen kämpse« ,n treuer Fre««dschast mit voller Hingrbuug für die Freiheit". Unter Freiheitsrufen erheben sich die Delegierten und schließen die Tagung mit dem Liede der Arbeit. mHiniiiiitiwiiiiiuninuiHiintiiitmmiiiiuHiniiimwiHniinHMiniiiiHHuiiiHiHuaMmifflniiiiimi FOr Förderung der Konsumgenossenschaften. Die herrschende Weltwirtschaftskrise offenbart die Unfähigkeit des Kapitalismus, die materiellen und geistigen Bedürfniste des arbeitenden Volkes zu befriedigen. Neben der Bekämpfung der kapitalistischen Wirtschaft erwächst dem klassenbewußten Proletariat die Aufgabe, eine sozial gerecht« Wirtschaftsordnung herbeizuführen. Schon jetzt und innerhalb der bestehend«» WirtschaftSverhältnist« dielet sich die Mög. lichkeit, dem künftigen sozialen Gemeinwesen durch eine zielklare Förderung aller gemrinwirtschafilichen Bestrebungen die Wege zu ebnen. Dir Srlbsthilsrorganisationrn der Verbraucher, die Konsumgrnostenschaftrn, find rin Stück sozialer Gemeinwirtschaft. Ihr Aufbau und ihre Tätigkeit find bewußt antikapitaliftisch. Die sozialistisch«» Frauen betrachten«S als ihre Pflicht, Mitglieder der Konsnmgrnosten- schafteu zu sein und deren Bestrebungen tatkräftig z» fördern. Die besondere Stellung der Fra« im Haushalt der Familie legt es zumeist in ihren Entschluß, entweder durch Förderung des privaten Handels Einrichtungen des Kapitalismus zu unterstützen oder aber durch Beteiligung an der Kon- snmgrnostenfchast dir soziale Gemrinwirtschaft zu fördern. Es unterliegt keinem Zweifel, daß dir Sozialistinnen und die proletarischen Frauen überhaupt ihre Kauflraft auf die Förderung der Kon- sumgenossenschasteu konzentrieren müsten. Aus diesen Gründen ruft die Frauen-Reichs» konferenz der deutschen sozialdemokratischen Arbeiterpartei in der Tschechoslowakischen Republik alle Sozialistinnen und die Gesamtheit der proletarischen Frauen zur praktischen Förderung der Konsumgenossenschastsbewegung aus, damit auch dieses Mittel des KlastenkampfeS für die wirtschaftliche Befreiung deS Proletariats aus den Fcsteln der kapitalistischen Prositwirtschast in»ollem llmsange wirksam werden kann. rrankreldis Bedingungen Paris, 29. Oktober. Der französische Vorschlag für die Genfer Konferenz hat folgenden Wortlaut: Frankreich würde zu einem noch festzusetzenden Zeitpunkt die Verallgemeinerung und die Herabsetzung der M il i t ä r die nsitz s l i ch t für alle Landstreitkräste in Europa unter folgenden Bedingungen annrhmen: 1. Jede Formation, die dieser Organisation der Armeen nicht entspricht, wie dir Reichswehr, wird ausgelöst; di« innere Polizei„reglementiert. 2. Die international« Kontrolle wird organisiert; sie schließt obligatorisch das Jnvestigationsrecht ein. 3. Um den Vertrag von Locarno zu ergän zen, soll ein Pakt aus gegenseitig« Unterstützung abgeschlossen werden, woran sich jede europäische Nation beteiligen kann. Di« Gesamtstärke der Mächte dieses Paktes würde genügen, jeden Angriff abzuschlagen. Dies« internationalen Streitkräfte müssen eine Schutzgestaltung nationaler Kontingente umfassen, di« sofort verfügbar sind und di« über ein ausreichendes Kriegsmaterial verfügen. I 4. Di« Vereinigten Staaten müssen di« Sicherheitsgarantien zugestehen, di« sie für sich selbst in Anspruch nehmen. 5. Die Staaten, di« Mitglieder des Völkerbunds sind, müften sich verpflichten, all« Verbindlichkeiten einzuhalten, die sich aus Art. 16 des Paktes ergeben. 6. Das Kriegsrecht muß obligatorisch für alle Staaten sein, die im Pakt beitreten. Handelsspionage zugunsten Sowjetrußlands. Leipzig, 29. Oktober. Wegen Verrates militärischer Geheimnisse verurteilte das Reichsgericht nach zweitägiger Verhandlung den der kommunistischen Partei angehörenden Elektriker Thiele aus Niemegk zu drei Jahren Zuchthaus und fünf Jahren Ehrverlust. Thiele hatte, seine Vertrauensstellung als Betriebsratsvorsitzender des Bitterfleder Werkes der I. G. Farbenindustrie mißbraucht, um Fabrikations- geheimn'sie einem Sowjetemissär zu übermitteln. Demokratie und Parteipresse. Von Karl Kautsky. Das erste Stadium unserer Bewegung wird ausgefüllt von dem Kampf um Duldung. Das zweite Stadium bedeutet den Kampf um Gleichberechtigung des Proletariats mit den andern Klassen, der So- «aldemokratie mit den andern Parteien im Staat«. Dieses Stadium fand fein Ende mit dem Zusammenbruch der Monarchie, 1918. Seitdem sind wir in das dritte, entscheidende Stadium unseres Ringens eingetreten, in den Kampf um die Mach t. Macht, Einfluß auf Gesetzgebung und Staatsverwaltung hatten wir schon vor dem Weltkrieg gewonnen. Manche Verbesserung des Loses der Arbeiterschaft gelang eS unserer Partei bereits damals zu erringen. Doch die Schäden der kapitalistischen Produktionsweise sind zu gewaltig, als daß irgend welche Reformen, auch die nützlichsten, imstande wären, das Proletariat mit den Fesseln und dem Elend zu versöhnen, die ihm von der kapitalistischen Ausbeutung auferlegt werden. Nur deren völlige Beseitigung vermag die arbeitenden Klassen zu befriedigen und zu befrieden, zu einem Aufhören der Klaffenkämpfe zu führen. An die Beseitigung der kapitalistischen Ausbeutung wird aber erst dann ernsthaft herangegangen werden, wenn das Proletariat stark genug geworden ist, die Staatsmacht zu erringen und dauernd zu behaupten. Das wisien wir Sozialdemokraten schon seit langem. Es wurde schon 1847 verkündigt tn' dem„Kommunistischen Manifest", dös Marx und Engels schufen. Doch mehr als zwei Menschenalter mußte das Proletariat in Mitteleuropa seine Klassenkämpfe führen, ehe es stark und aufgeklärt genug war, in den Kampf nicht nur um etwas Macht, sondern um die Macht einzutreten. Und es dauerte sieben Jahrzehnte seit dem Erscheinen des kommunistischen Manifestes, ehe der Zusammenbruch der großen Militärmonarchien, der drei Kaiserreiche, den Proletariern dieser Staaten, und der meisten hochkapitalistischen Staaten überhaupt den Anstoß gab, in den Kampf um die Macht einzutreten. Doch dieser Kampf hat uns bisher wohl vielfach schon die Verantwortung der Macht gebracht-, doch noch nirgends den vollen Besitz der Staatsmacht. Rasch wechselnde Situationen drängen uns einmal zur Teilnahme an einer Koalitionsregierung oder zur Aufrichtung einer Minderheitsregierung und dann wieder zum Uebergang in die schärfste Opposition. Dieses unbefriedigende Auf und Ab wird erst sein Ende nehmen, wenn wir die Kraft gewonnen haben, di« ganze Staatsmacht in die Hand zu nehmen. Das wird aber erst dann der Fall sein, wenn dir Sozialdemokratie die Mehrheit der Bevölkerung hinter sich hat. Jede Klaffe hat die ihr eigentümlichen Kampfmittel und Kraftquellen, durch die sie am besten vorwärts kommt. Das wichtigste Machtmittel der arbeitenden Klassen ist ihre Masse, ihre große Zahl. Darauf hat Marx schon 1864 in seiner Jnauguraladresse hingewiesen. Die ausbeutendeKlassen verfügen entweder über überlegene Waffen oder Waffenübung, oder über höheres Wissen, auch über mehr Geld, um Söldner zu mieten, die bereit sind, Waffen des Geistes oder des Krieges für sie zu führen. Dadurch können sich die ausbeutenden Klaffen als Minderheit gegen die Mehrheit der arbeitenden Klassen durchsetzen. Die Arbeitet sind dagegen ihren Ausbeutern nur an Zahl überlegen. Sie vermögen sich im Staate nur durchzusetzen als„Bewegung der ungeheuren Mehrzahl im Interesse der ungeheuren Mehrzahl", wie das Kommunistische Manifest sagte. Um diese ungeheure Mehrzahl zu schulen, zu organisieren, zum Siege zu führen, dazu brauchen wir die Demokratie. Diese bedeutet die Herrschaft der Mehrheit, das heißt die Herrschaft jener Partei, der es gelingt, die Mehrheit zu gewinnen. Die Staatsform der Demokratie konnte wohl nur erobert wecken durch gewaltsame Revolutionen, aber solche Umwälzungen konnten erst recht nur gelingen als Erhebungen, einer Mehrzahl, die so ungeheuer groß war, daß die Machtmittel der herrschenden Klassen ihnen gegenüber versagten. Die Demokratie wurde nirgends gewonnen durch eine Erhebung des Proletariats allein. Stets kämpften in einer demokratischen Revolution mit dem Proletariat Bauern und Kleinbürger sowie Jn- tellektuelle zusammen. Eine ungeheure Mehrzahl arbeitender Menschen kann zu gewaltsamen Mitteln mit Erfolg greifen, wenn sie von einer herrschenden Minderheit bedroht ist. Dagegen ist Seit« 10. Sonntag, SO. Oktober 1932 Rr. 256 Acht gelassen, sondern auch in ein unveräußer- f In« ArlBFltfT-Tliril* IHld liches Hoheitsrecht der preußischen Staatsregie-!«« 41,U111 U,IU rung erngegriffen. Der Reichskommiffar hatdiej SpOriDCWC£UllQ. Verordnung auf Grund der Ermächtigungsver ordnung des Reichspräsidenten erlassen. Diese Verordnung gibt aber nicht dem Reichskommissar, sondern der Landesregierung das Recht, Notverordnungen zu erlassen. Nach der Entschei dung deS Staatsgerichtshofes ist die Landesregie rung nur die Preußische Staatsregierung. «s ein Wahnsinn, wenn eine proletarische Minderheit einem Volk ihren Willen durch gewaltsame Mittel, seien es Maschinengewehre oder ein Massenstreik, aufzwingen will. In der Regel mißlingt jeder derartige Versuch, endet mit einer schweren Niederlage der Minderheit. Nur umrr ganz außergewöhnlichen Umständen, bei völliger Zertrümmerung der bisherigen Armee in einen, Krieg, konnte ein solcher Versuch gelingen. Er zwingt die siegreiche Minderheit, unr sich zu behaupten, dieselben Mittel einzurichten, durch welche jede andere Minderheit sich bisher im Staate behaupt««: ein großes stehendes Heer, eine ungeheure Bürokratie und ein« allmächtige politische Polizei. Gesellt sich dazu noch die Beherrschung des ganzen wirtschaftlichen Lebens durch die Führer dieser Minderheit, dann ergibt sich daraus das gerade Gegenteil des Sozialismus, der Wohlstand und Freiheit für alle anstrebt. Dann erwächst aus dem politischen und ökonomischen Despotismus einer kleinen Minderheit Knechtschaft und Elend für die ungeheure Mehrzahl. . Die Sozialdemokratie kann die Staatsmacht nur dann gewinnen und zweckmäßig im Sinne eines rationellen Sozialismus anwenden, wenn sie di« Mehrheit der Bevölkerung hinter sich hat. Wenn mancher behauptet, die Demokratie habe bisher versagt, so spricht das nicht gegen die Demokratie, sondern bezeugt nur die sehr peinliche Tatsache, daß es der Sozialdemokratie, noch in keinem Staate gelang, die Mehrheit der Bevölkerung zu gewinnen. In mancher Genwinde war dies möglich. Dort hat di« Demokratie nicht versagt, sondern sehr Anerkennenswertes geleistet, so viel, als bei den beschränkten Mitteln und Möglichkeiten einer Gemeinde möglich war. Ganz verkehrt ist es, aus der Tatsache, daß wir noch in keinem Staate die Mehrheit haben, die Notwendigkeit zu folgern, wir müßten auf di« Demokratie vernichten und irgend eine Methode ausfindig machen, uns ohne Mehrheit durch undemokmtische Methoden die Staatsmacht mit List oder Gewalt anzueignen. Jedes derartig« Experiment, um das„Glück zu korrigieren", widerspricht dem Wesen deS Proletariats, muß scheitern oder es korrumpieren und degradieren. Nur eine Staatsnracht, die durch die So- ziaDemokrati« auf dem Boden der Demokratie gewonnen wurde, vermag das Proletariat zu befreien und die kapitalistische Gesellfchäft in triste höherstehende Gesellschaftsstrm- umzü- wandesn. War das bisher auf dem Boden der Demokratie nicht möglich, weil wir die Mehrheit der Bevölkerung noch nichi gewonnen hatten/ so bezeugt das nur die Notwendigkeit, mit aller Kraft dahin zu wirken, di« Mehrheit zu. gewinnen. Unermüdliche Propaganda für. unsere Ideen bleibt nach wie vor einer der wichtigsten unserer Aufgaben. Sie erheischt eine energische Praxis unserer Partei bei der Berteidi- gu-ng der materiellen und kulturellen Interessen der arbeitenden Klaffen und der Interessen des. Gemeinwesens. Aber diese Praxis muß auch den Massen mitgeteilt werden. Das vermag am besten eine tüchtige, sachkundig«, wkitverbreitete P/esse, deren wirksamste Form die T a g e s p r«s s« ist. Für die Preffe der Partei und der Gewerkschaften kann nie genug getan werden. Sie ist- ein unerläßliches Mittel, die Köpfe zu revolutionieren und unserer Partei zuzuführen; ein»yerläßliü)es Mittel, uns die Mehrheit der Bevölkerung zu gewinnen und damit unfern Sieg, den Sieg des Sozialismus auf demokratischem Wege herbeizuführen. Die Arbeitslosen wollen ihre Wunsche direkt dem Unterhaus vortragen. London, 28. Oktober.(AR.) Sechs Vertreter der Arbeitslosen, di« gestern auf ihrem Marsche in London eingetr offen sind, untcrbrei- tettn heute im Unterhaus« das Ersuchen, daß die Delegierten der Arbeitslosen nach altem Brauch ihr« Angelegenheit und Forderungen direkt ini Unterhaus« vortragen können. Der Vertreter der Arbeiterpartei MacGooern, der die Abgabe dieser Ersuchens im Umerbausc vermittelte, wird sich Montag über das Schicksal dieser Petition informieren. Sprengstoffdiebstahl von Nazis ansae'ührt. .Breslau 29. Oktober. Aur der Ziegelei Kynau bei Waldenburg wurden in der Nacht zum 30. Juli l. I. etwa 2 Zcnwer Sprengstoff entwendet. Nunmehr sind drei SA.-Leute verhakte: worden, die im dringenden Verdacht stehen, gemeinschaftlich den Einbruch verübt zu haben. Ferner ist gegen den im Zusammenhang mit dem Sprengstofsanschlag in Reichenbach bereits verhafteten Standartenführer Rauscher ein weiterer Haftbefehl ergangen, weil er der Anstiftung zu dem Sprengstoffdiebstahl dringend verdächtigt ist. kmscvnemenae Waiilrcchisändcnnigcn? Berlin, 29. Oktober. Bei dem Jahresbankett des Vereins„Berliner Presse" sprach unter anderem der Reichsinuenminisfer von G a y l über die Reichs- und Berfassungsreform. Die vorlag« der Reichsregierung über di« Berfassungsreform werd« nach sorgfälligen Erwägungen entsprechende Vorschriften enthalten, die nach Möglichkeit das Recht des Reichstages „nicht unnötig e i n e n g e n" sollen. Em« Reform in dieser Hinsicht werde das beste Mittel sein, um künftig allzu häufige Reichstagsauflösungen zu vermeiden. Die Regierung plan« keineswegs die Aufhebung des allgemeinen Wahlrechts oder des Frauenwahlrechts, dagegen halt« sie es für richtig, das aktiv« und passiv« Wahlrecht um etwa fünf Jahre hinans- zusetzen und den selbständigen Familienernährern, gleichviel ob Mann oder Frau, sowie de« Kriegsteilnehmern eine Znsatzftimmung zu gewähren. Neuer Konflikt. Sie regieren unbekümmert weiter... Berlin, 29. Oktober. Heut« ist die Verordnung zur'Vereinfachung und Verbilligung der Verwaltung veröffentlicht worden. Di« Verordnung hebtdas preußische Ministerium für Bolks- wohlfahrl auf. Aufgaben und Zuständigkeiten des Ministerpräsidenten bleiben unberührt. AuS Kreisen des pr«ußischen Staatsministeriums wird erklärt: . Äiach Auffassung der preußischen Staatsregierung hat die Reichsregierung nicht nur die vom Staatsgerichtshof ausdrücklich gewünschte loyale Zusammenarbeit mit der Staatsregierung außer Jedem da; Seine! Thomas Mann hat vor einigen Tagen in einem Dortrage vor Wiener Arbeitern ein schönes und tapferes Bekenntnis zur'Sache der.Arbeiter abgelegt. Wie wertet das Duxer Hakenkreuzler- Älatt,. neuerlich den Beweis erbringend, daß niedriger Gesinnung alles niedrig erscheint, den Weg eines einst konservativen Dichters nach links, an die Seite der zukunftgestaltenden Arbeiter, des Sozialismus? So: . ,>Nun, da das deutsche Bürgertum durch die Krise verarmt ist, sucht Thomas Mann sich den Sozialdemokraten anzubiedern. Er hofft, und dies nich:. mit Unrecht, daß di« vielen deutschen blaß- raten Büchereien jetzt sofort. alle, seine Werke an- käufen'Hrom." Geld stinkt nicht. Armes süiifches Volk!": Es dürfte wenige deutsche Büchereien, in denen di«. Werke Thomas Manns fehlen, geben. Sie fehlen sicher, in keiner guten Arbeiterbücherei. Denn die Arbeiter haben nicht nach der Gesinnung oder gar Parteizugehörigkeit des Künstlers gefragt. Und einem Künstler vom Range Thomas Manns so niedrige Motiv« unterzuschieben, wie der„Tag" es tut, ja, dazu gehört ein« Gesinnung, eine Erbärmlichkeit des DenkenS, wi« ste nur jenem Rationalismus eigen ist, gegen den Thomas. Mann als. Wahrer des kostbarsten Erbes großer deutscher Vergangenheit, deutschen GeistesguteS, sich wenden' mußte.— Wahrscheinlich vermögen die Hakenkreuzler den Weg geistiger Menschen nur zu beurteilen: nach dem Werdegang eines, der jetzt freilich ganz der Ihr« ist, nach dem d«S Herrn Bronner. der als linksradikaler Expressionist begonnen und als Hakenkreuzler geendet bat, ohne daß dabei ihn oder seine heutigen Freund« die jüdische Abstammung Bronners gestört hätte. Der„Tag", der, nebenbei, auch Gerhart Hauptmann vorwirst, daß er sich bei seinem Prager Besuch nicht auch für di« Elendviertel der Hauptstadt interessierte, anstatt mit seinem Erziehungswerke doch bei dem ihm viel näher stehenden Adolf zu beginnen, der, wie jede eitl« Primadonna, in Berlin im„Kaiserhof" residiert, anstatt sich in den proletarischen Wohnungen um- zusehen, nimmt an, das nächste Buch Thomas Manns werde„Bestimmt ein sozialrevolutionäres Rückgrat haben", denn nicht wahr, wer selber nur berechnen- zu denken vermag, kann andere Motive als gleiche beim anderen unmöglich ver- muten. Nun, gäbe es in der Duxer Redaktion jemanden, der vom deutschen Kunstleben.und be- j sonders von d«r deutschen Literatur mehr wüßte, als daß Bronnen ein völkischer Dichter und di« anderen eben„Mischlinge" sind, dann wüßte man auch dort schon etwas vom nächsten Roman Thomas Manns, der in ferner Vergangenheit spielt. Freilich, verstehen können die von Natur und aus Grundsatz Ungeistigen den Weg Thomas Manns nicht! Thomas Mann stellte sich an die Sekte der Arbeiter, weil er in der Arbeiterklasse jene Kraft erkannte, die allein noch innerhalb des deutschen Volkes sich gegen die sittlich« und geistige Verwilderung wendet, die das Werk jener ist, die längst schon di« letzt« und unterste Stufe aus dem Weg« des Nationalismus erreicht haben, jene Stufe, die Grillparzer, bekanntlich auch ein Sau- iud, als Bestialität bezeichnet hatte. Weil der Fascismus«ine Atmosphäre der Ungeistigksit schafft,«ine Atmosphäre der Roheit und Brutalität, eine Atmosphäre der sozialen und der geistigen Sklaverei, in der ein wirklicher Künstler, in der ein wirklich geistiger Mensch nicht mehr zu atmen vermag, mutz Thomas Mann SMcr Protest Bauerns. München, 29. Oktober. Dem Reichspräsidenten von Hindenburg wurde folgender Beschluß deS lwhrischen Gesamtministeriums zur Kenntnis gebracht: „Der Ministerrat hat sich soeben auf Grund der ihm zugegangenen Mitteilungen mit den Plänen der Reichsregierung wegen der Neugestaltung Preußens befaßt. Nach seiner Ueberzcu- gung enthalten die Plane schwere Einsgriffe kn die verfassungsmäßige St.ellnng aller deutschen Länder gegenüber dem Reich und untereinander. Das Vorgehen der Reichsregierung bildet ein« schwere Enttäuschung für all«, die im Vertrauen auf die Erklärung der Reichsrcgierung damit gerechnet haben, daß eine Reichsreform nur auf gesetzlichem Weg und nur nach Verhandlungen mit den Ländern«ingeleitet wird. Ungnädige Antwort Der Reichspräsident hat den Reichskanzler beauftragt, den bayrischen Ministerpräsidenten aufzuklären, daß der Beschluß des bayrischen Gesamtministeriums von falschen Voraussetzungen ausgegangen sei. Die Maßnahmen des Reichs hielten sich v ö l l i g innerhalb der Befugnisse, die dem Reichskommiffar durch das Urteil des Staatsgerichtshofs zuerkannt seien. 'sich zu jenen gesellen, die mit ihren Leibern Dämme^egen den Fascismus aufrichten. In seinem Wiener Vortrag hat Thomas Mann erwähnt, daß der italienische fascsstische Literat Marinetti erklärt«, daß das Wort Italien wichtiger sein müffe als di« Wort« Freiheit, Genie, Kultur und als das Wort Wahrheit, und er, Mann, hat hinzugefügt, daS seien groteske Albernheiten, die aber heut« überall möglich sind. Und weil der Sieg solcher Albernheiten das Ende deutschen Geisteslebens bedeuten würde, auch deS- halb mutzt« Thomas Mann sich gegen die Haken- kreuzlerei. und für di« Arbeiterjache erklären. Aber wie jagen doch di« Nationalsozialisten: Jedem das Seine! Also ihnen der Arnolt Bronnen.— uns . Thomas, Mann!..■'$£$£1 MW kMHMUW 6törunos s MM iw AMMl ftonfumoercin. Der kommunistische„Vorwärts" in Reichenberg hat am 29. Oktober in einem langen Artikel ’tin Zusammenhänge mit einem Versammlungsbericht aus Rumburg eine Reihe von unwahren Und wi« gewöhnlich unbeweisbaren Behauptungen gegenüber den Funktionären des Teichstätter Konsumvereines aufgestellt. Di« Absichten des kommunistischen Parteiorganes sind auf den ersten Augenblick zu erkennen. Im gegenwärtigen Zestpunkte finden die Mitgliederversammlungen des Teichstätter Konsumvereines statt, in denen die Delegierten zur Generalversammlung gewählt werden. Di« Kommunisten versuchen seit Jahren, die Mehrheit im Konsumverein zu erreichen, aber sie sind dank der Wachsamkeit und Einsicht d«r Konsumvereinsfunktionäre, wie dank dem gesunden Sinn der Konsumvercinsmitglieder nicht zum Ziele gekommen. Ein« kommunistische Mehrheit bedeutet die Zerstörung des Konsumvereines. Das wissen die klassenbewußten Arbeiter des ganzen Niederländer, weshalb sie den Störungsversnchen der Kommunisten Widerstand entgegensetzen! Bei den Mitgliedern finden die Kommunisten kein Gehör. Sie versuchten die Angestellten unter Zuhilfenahme unentscheidender Meinungsverschiedenheiten gegen die Bcrcinslei- tung zu beeinflussen. Der Äufsichtsrat des Teich- -stätter Konsumvereines hat sich Dienstag, den 25. Oktober, mit den Angriffen des„Vorwärts" beschäftigt’ und bei dieser Gelegenheit mit dem > Verbände, der Arbeiter und Arbeiterinnen im I.Handel, Transport und Verkehr Verhandlungen geführt, an denen sowohl Verbands-, wie auch Ortsgruppen- und Personalvertreter der Konsum- vereinsbedienstcten teilnahmen. Nach einer freundschaftlich geführten, ausführlichen Be- Iprechung wierden alle Meinungsverschiedenheiten ! restlos geklärt und bereinigt. Hierbei wurde fest- f gestellt, daß sich nicht berufen« Kreise in die Ver- ? Handlungen der für Angestelltenfragen allein zuständigen Bertragstcile(Organisation der Bedien- rsteten und Konsumvereinsverwaltung) in unzulässiger Weise eingeschaltet haben. Den Meinung-' Verschiedenheiten liegen keinerlei sachliche Differenzen zu Grunde. Für die Zukunft wurden entsprechende Sicherungen zur Vermeidung aller Unstimmigkeiten zwischen den Vertragschließenden vereinbart. Verbands-Äugendschul«. Vom 22. bis 29. Oktober ragte in Aussig die erst« Jugendschule des Verbandes. 70 junge Menschen aus dem ganzen Organisationsgebiet, aus allen Kreisen und Bezirken wurden mit den gegenwärtigen und zukünftigen Aufgaben der Jugend im Ar- beiter-Durn« und Sportverband vertraut gemacht. Neben der Entwicklung auf dem Gebiet« der Körperkultur beschäftigt« sich die Schule mit den Jugendproblemen der Gegenwart überhaupt und mit politischen Fragen. Internationales Winterfporttreffen in Groß-Hammer Als Auftakt zu dem gemeinsamen Sportfest 1933 in Aussig, das di« Arbeit«rsportverbände der Tsche- choslowabei durchführen, werden Anfang Feber 1933 in Groß-Hammer im Jsergebirge internationale Winter sportliche Wettkämpfe stattfinden, an denen auch österreichische, deutsche und polnische Arbeitersportler teilnehme» werden. Die Veranstaltung ist auf zwei Tag« beschränkt und wird umfassen: Langlauf, HinderniS- und einen kombinierten Lauf der Sportler, Langläufe für Jugendsportler und Sportlerinnen und MamlschaftSläuse sowie Rccheln für Jugendsportler, Sportler und Sportlerinnen. Der-Sprunglauf soll auf einer neuen,' großangelegteu Sprungschanze Lurchgeführt werden. Erstmalig wurde auch daS Eisläufen mit in daS Programm ausgenommen. rechtfertigen vollauf daS in die Konsumvercinsmitglieder und die Funktionäre gesetzte Vertrauen, welche sich bemühen, die Genossenschaft gegen alle Angriff« energisch zu schützen. PeinliAe fräsen an Nazibenzen. „Kölner SA-Männer, herhören!", ruft das Berliner Nazi-Oppositionsblatt und sagt dann: „Immer und immer wieder versuchen eure Parte bonzcn, euch vorznlügcu, sie würden geuai so kämpfen und opfern wie ihr. Wir stellen an«ure Bonze« einige Fragen: verlangt Narr, eindeutige Beantwortung! Herr Haak«, stimmt es, daß Sie infolge Ihrer Verdienst« in d«r NSDAP, in der Lag« waren, sich«in z.«mlich hohes Sparguthaben w zosammeln? Stimmt es, daß Li« als Abgeordneter von den ärmsten Ortsgruppe« trotz Ihres Frekfahrtscheiues für«in« Perfammlung an Ipe- sen 35 Mark verlangen? Herr Groh«, stimmt es, daß Sic als Gauleiter teilweise am 15.«,n«s Monats schon:W0 Mark an Austoandentschäd-igungSvorschuß liquidiert" haben? Stimmt' es, daß auch Sie in dieser Rotzeit sich gchz.yette Summen erspar«» kennt.n? Herr Schallet,' stimmt«S, daß Li« trotz Ihrer Diäten«S zuließrn, daß Ihr« alt«« Elter« vom Wohlfahrtsamt nnterstützt wurden, daß Sie sich wiederum«inen neuen Wagen zulegte», trotzdem Ti« im Besitz«na Freifahrt karte sind? Herr Dr. Ley, stimmt es, daß Ihr Duzfreund Finanzier Hugo Timon nicht ganz reiner Abstammung sei« soll? Herr Palm, stmmt es, daß Tie öfters in bekannten Kölner Halbweltlokalen in Begleitung Ihres TtabeS im voll«« Kriogsschmuck erscheinen? Stimmt es, daß Sie sich daher öfters in einem Rauschzustand befinden, der das Ehrentle-d der Hitlerpartei bestimmt nicht ehrt? Stimmt es, daß gegen Ihren Oberstaffelführer Bauer der Borwurf erhoben wurde, Inhaber eines Kölner Bordells zu sein, ohne daß Sie gegen Bauer vorging««? Herr Dr. Winkel«k«mper, stimmt es, daß Sie einmal erklärt hoben, bei einer gewaltsamen Auseinandersetzung würden Si« dem^Bonzen Schaller" die erste Kugel gebe«? Ihr Kölner Bönzlei«, steht Red« und Antwort! Wir werden in Bald« mit Tatsache» austischen, daß euch Hören und Sehen vergeht!" Seht ihr's, wie die Bonzen fliegen! Das Rektorat der Wiener Universität wird erzogen! Vorstellungen der einzelnen Gesandtschaften. Die Forderung d«r demokratisch gesinnten Oeffentlichkeit Oesterreichs und der sozialistischen Studenten an das Rektorat der Wiener Universität, Ordnung zu schaffen und di« prügelnden Nazistudenten an der Ausübung ihrer Barbareien zu verhindern, wurde jahrelang vergeblich erhoben. Da bei-en neuesten Krawallen einige ausländische Studenten verletzt wurden, bemüht sich nun das schuldige Rektorat, das Versäumnis gutzumachen. Die unerbittlichen Herren sind nicht wiederzuerkennen bei ihren Bittgängen zu den Vertretern auswärtiger Mächte. Der amerikanischen Gesandtschaft, die gegen die Vorgänge an der Universität schärfste Verwahrung einlegte, gesellten sich nun auch die Vertretungen Rumäniens, Polens und Jugoslawiens. Die amerikanischen Studenten haben in einer großen Protestversammlung gedroht, die Wiener Universität zu verlassen, wenn sich die jetzigen Zustände nicht ändern sollten. Genoffen• ausgesetzt f ö» 3te Verbreitung unserer Wertung agitieren Letzt euch überall kür unsere Parteipresie an. Fu das Heim des Arbeiters gehört»ü •• Insoweit die Interessen der Partei berührt? werden, wurde Vorsorge getroffen, daß eine par- i teimäßige Bereinigung in gehöriger Form in kürzester Zeit durchgeführt wird. Di« Kommu- nisten und sonstige Gegner de§ Konsumvereines >v«rdcn.auch dabei nicht auf ihre Rechnung k>m-!... ,,., men. Tic bishci stattgefundet-eu Mitgliedcrver-, trbetlerpreffe Darum I samiziluitgen des Teichstätter Konsumvereines j üeuoffenn.n 453,027.900' Schilling und Gesamtausgaben von 191,092.000 Schilling, milhin einen i'-cbarungsabgang von 36,065.000 Schilling auf.« UM WH U4U zusammen und zwei Hände.— Man muß sie über.„Na, du hast dich ja gut herausgemacht— Im Savoy Phot. Pavamsuyt. T agesneuigkeiten bin ich — und — könntest die Geliebte von Al Capone sein, di« gleich in di« Metropolitan-Oper fahren wird." Gilgi ist wach vor Müdigkeit.„Gib mir mal di« Hand, Pit— halt' meine Hand fest---fester — so daß es weh tut—, ich muß bis ins Herz hinein wissen, daß du mein« Hand hältst." Pit preßt Gilgis Finger— wenn die«in Wort wie Herz sagt, dann stimmt doch was nicht mit chr der Pulsschlag ihrer Finger, die nackte weiche früher. Wenn sie di« Augen zumachte, sah sie nichts— nichts— jetzt sieht sie viel hinter geschlossenen Lidern. „Schlaf nicht ein, Gilgi!" Pit sitzt ihr gegen- Di«'letzten Worte des Liedes sind verhallt, da stimmen die Fanfaren die„Internationale" an. Jubel, stürmischer Beifall begrüßt die herrliche, erhabene Melodie, Jubel, aus dessen Berklingen die feierlichen Worte aufsteigen, die Worte, die nun von uns allen mitgesungen werden: „Völker, hört die Signale!" Ein Jugendgenofse ruft in den Saal:„Die Arbeiterjugend grüßt den Parteitag!"— Grüßend Heven die Jugendlichen Hände. Laut entbieten sie— und der ganze Parteitag wird freudiges Echo: „Freundschaft! Freundschaft! Freiheit!" Dujardin gestorben. Brüssel, 28. Oktober. Der sozialistische Abgeordnete Dujardin, Präsident des Internationalen Bergarbeiterverbandes, ist heute m Brüssel gestorben. • Mit Dujardin geht ein alter• Borkämpfer der Bergarbeiterbewegung dahin. Seit mehr als 40 Jahren ist er in der belgischen Bergarbeiterbelveguna tätig gewesen, seit annähernd zwei Jahrzehnten war er Präsident des belgischen Bergarbeiterverbandes. Nach dem Tode Richards, des englischen Präsidenten der Internationale, ist. Dujardin zum Präsid.n- icit der Bergarbeiter-Internationale gewählt worden und als solcher wurde er auf dem letz- Hat was für sich, mit Gequatsche lKefühl zu- decken. Liebe Olga.- Gilgi hält Olgas Hand, ihre Knie sind eingeschlossen von Martins Knien. Sprechen drei Menschen zusammen.^sprechen Kme lieb haben, Olga, dieses leichtsinnige MWchen— Gilgi lacht, rafft mit einer hübschen, leichten Bewegung den Pelz über der"Schulter zusammen— am schmalen blassen Ring- finger glimmt der dunkle Amethyst— hält mit der Linken Olgas Hand um klammert, gräbt ihr die Nägel in die weiche Handfläche. Keine Angst. meine Kleine—: sagen Olgas Finger— keine Angst-s* wird nichts ge fragt, nichts gesprochen— werd' warten, uud tvenns drauf ankommt, da. Weißt du.noch genügt, daß du's weißt? Donk dir schön, Olga. „Wohin fahren wir eigentlich? So in's So- vovh.. ,La, erst Chablis— alten Pommery später Ach, Martin, ich glaub', die meisten feinen Leuten haben die Kellnerpsychose. Die bestellen nur so vornehme Sachen und tun, als wenn's ihnen selbstverständlich wäre— nur um dem Kellner zu imponieren. Auch ein Ehrgeiz!" Man ißt, man trinkt, man lacht. Man ist einverstanden miteinander und fühlt sich wohl. —„Ich kann heut' nichts vertragen", klagt Gilgi nach deist zweiten Glas Sekt.; Ist wie knockout geboxt von schtverer bleierner Müdigkeit. Lacht gleich darauf wieder, ist ausgelassen und um eine ganz, ganz kleine Nuance zu laut.„Prost Kinder!" ruft sie, ein böses Spottflackern im Ton. Galgenhumor.„Prost Kinder— sind wir nun drei oder vier hier am Tisch?"„Siehst du schon doppelt, Gilgichen?"„Qui sait?" Sie lacht.. „Bor ein paar Tagen war Pit he.i-.mir", erzählt Olga,„er hat nach dir gefragt, Gilgi und Pit!„Gilgi fährt sich über die Stirn. ^Pit! WaZ macht er; wie geHsis ihm?" Ihre (fragen überstürzen sich. Wenn er mich gesucht hat, dann brqucht er mich— Gilgi spürt plötzlich sinnlose Sehnsucht nach Pst, seiner harten. Einsamkeit, der Unverschwommenheit seines Wesens. Sie springt auf—„ich muß mal eben hin zu ihm— fei mir nicht böse, Martin— spielt er noch in der Lintgasse, Olga? Ich nehm' ein Taxi, Martin— in fünf Minuten bin ich da, in szm- testens einer halben Stünde wieder zurück.' Martin macht Einwände, Olga macht Einwände: jetzt — so plötzlich— doch lange genug ohne ihn gegangen— Zeit bis morgen— warum denn nur— warum...„Herrgott im Himmel, macht mich doch nicht verrückt. Muß denn auch immer aller erklärt"werden!!! Ich will jetzt gehn— jetzt will ich— nein, allein will ich..." Schon sitzt sie draußen im Auto. Märchssn von Tahiti«.„Tag, mein Junge", sagt Gstgi und tippt Pit auf die Schulter— genau wie damals... Pit sieht aus. Sein Gesicht ist noch schmaler, noch blutloser geworden, die Augen noch mehr eingesunken— anders— nicht weicher — nein weiter im Blick. „Setz dich nur, Gilgi, ich komme gleich zu dir." Nach kurzem, harten Druck läßt er ihre Hand fahren... Märchen von Tahiti.'.. Gilgi läßt den Pelz halb über die Schulter gleiten. Sehr fein sicht sie aus, sehr schön und elegant. Sie hatte ganz vergessen, daß sitz so aussieht— weil die Kellnerin sic so respektvoll nach ihren Wünschen fragt, fällt's ihr wieder ein. Sie schämt sich fast ein bißchen vor Pu--- ihte Eleganz kommt ihr so verlogen vor. Sie schämt sich, weil sie so verliebt ist in diese verlogene Eleganz. Muß sogar noch den Ring besonders blank reiben, die Falten deS Kleides gefälliger ordnen.„Bitte schön." Di« Kellnerin mit dem hoffnungslas verwüsteten Gesicht stellt das Glas Portwein vor Gi^i hin— du, dummes Luder, du— grinse' doch nicht so devot! Wenn ich mit meinem verknautschten Trenchcoat, nach Arbeit riechend, hier säße, ich würde dir nicht imponieren! Du, schämst du dich nicht, so dumm zu sein, so furchtbar dumm... Ich muß morgen mal zum Arzt gehn— morgen oder übermorgen oder— ob das stimmt— das... Märchen von Tahiti.,. Gilgi schließt die Angen, das hat sie nie getan— Fanfaren rufen. Und nun drängen Delegierte, di« bisher noch plaudernd"im Stiegenhaüs verweilt, hastig in den schon überfüllten Saal. So groß er ist, er bietet kaum-genug Raum für die Vertreter unserer politischen Organisationen/ für dieAb. gesandten; der Gkwenschaften»' Genossenschaften und Kulturorganisationen, für die fast fünfhundert Genossen und Genossinnen, die das Parlament der sudetendeutschen Arbelterklafse bilden. Nur ein kleiner Teil des Saales konnte den Gästen überlassen werden, den vielen Genossinnen und Genossen, die als Zuhörer, als leidenschaftlich interessierte Zxhörer gekommen sind. Die Fanfaren rufen... Die Blicke aller wenden sich der Tribüne zu, über der auf rotem Grunde die alte revolutionäre Parole, die aufrüttelndste, revolutionärste Parole, die je Masicn erfaßte, mahnt und verheißend mahnt: Proletarier aller Lärrder, vereinigt euch! „Freundschaft!"—„Freiheit!"-: Unsere KämMrütze, die Grütze, die unser Wollen künden: Fremchschaft in Freiheit, im Hintergründe der Bühne, zu beiden Seiten der roten Fahne mit den drei leuchtenden FreiheitKPfeilen.- Und vor der Fahne der Denkerkopf von Karl Marx. Die Fanfaren rufen... Jugend marschiert aus, marschiert, viele rote Sturmsahnen tragend, durch den Saal, auf die Bühne, füllt sie. Burschen und'Mädchen in blauen Blusen, Jungarbeiter und Rote Falken. Die Jugend grüßt den Parteitag mit dem Kampflied prüder, zur Sonne> zur Freiheit!" I-Die Delegierten erheben sich, singen freudig mit. Schulter, der zurückgelehnte Kopf— ein roter kleiner Fleck auf der weißen Kehle...„im schenkst mir was, Gilgi, wenn du dir von Mir helfen läßt." Er hat sie gesucht, mit ihr sprechen wollen, hat sie gesucht— den guten kleinen Freund, und jetzt... „Pit"— von weit her fällt Gilgis Stimme in den Raum—„ich bin verhungert nach harter Ehrlichkeit— Pit, ich wollte mein« Hand anders von dir gehalten haben... du kannst mir nicht helfen, indem du etwas für mich tust, du kannst mir nur helfen, weil du da bist. Sei hart und bös« und klar, Pitt, ich brauche das." Gilgi sieht Pit nicht an, ihr Blick verfängt sich irgendwo im rotweißen Papierfransengekringel an der Decke — aber sie weiß, daß es gerade Pit ist, zu dem sie spricht.„Vielleicht weißt du schon, daß ich jetzt keine Arbeit habe, daß ich mit einem Mann lebe .. Pit sitzt vornübergebeugt, sieht auf Gilgis Arm: eine schräg«, straffe, weiße Linie, die in seiner Hand mündet. Die tote Gleichgültigkeit dieser Linie ist plötzlich ein« böse, harte Beleidigung für ihn. Sein« Hand bekommt Lust, sich fünfnaglig in die weiche blasse Schulter zu graben, di« schräge Linie herabzufahren— fünf blutig« Streifen in das unbewegte starre Weitz zu zeichnen. Sein Hirn umschließt Gilgis Wort«. „Ich arbeite nicht mehr, ich lebe mit einem Mann.. „Magst du ihn?" „Seit wann hast du überflüssige Fragen, Pit! Ich werd' ausgerechnet mit einem leben, den ich nicht mag! Ich sag' dir das nur als Ein- ! leitung, diese Tatsachen. Tatsachen ängstigen mich nicht, mit Tatsachen werd' ich fertig. Ich bekomme vielleicht ein Kind— sowaS passiert alle Tage— ich weiß nicht wie vielen Mädchen. Wenn's so ist, werd' ich auch damit fertig, kein Grund, sentimental zu werden oder den Kopf zu verlieren. Nein, was mir Angst macht, ist etwas anderes. Man spricht sonst nicht darüber, oder wenn man drüber spricht, dann unwahr und verschleiernd... so kommt'S, daß man nicht weiß, ob man nun plötzlich unheimlich verschieden ist von andern, man weiß nicht, ist'S normal und macht's jeder durch, oder ist man allein mit einer Krankheit..." „Was--- meinst du?" (Fortsetzung folgt.) Leu Kongreß in London dieses Jahres einstimmig wiedergewählt. Als Charakterzug seiner>vahrhaft internationalen Gesinnung kann folgende Sache gewertet wexden. Dujardin war schon seit der Vorkriegszeit Bürgermeister seiner Heimatstadt, einer größeren Bergarbeiterstadt bei Lüttich. Während der deutschen Besetzung im Weltkrieg , bekam-er als Bürgermeister einen Erlaß des deutscheu.MilitärkomMandamen..zwecks Übersetzung und Verlautbarung an die Bevölkerung. Der Beamt«, der in« U^bersetzung vornahm, konnte die Unterschrift des militärischen Befehlshabers nicht lesen und fragte Dujardin^ was da zu machen sei. Dujardin sagte, schreiben Sie hin:„Unterschrift unleserlich". Deshalb wurde er von dem deutschen Militärgericht angeklagt, zu schwerer Kerker st ras« verurteilt und erlangte seine Befreiung erst m.t dem Rückzug der deutschen Arm«. Dujardin war aber trotzdem unseres Wissens der erste ausländische Delegierte, her im Jahre 1920 in Gnesen wieder an einer deutschen Bergarbeitertaguüg teilgenommen hat. Sein Ansehen bei den Bergarbeitern Belgiens und der Bergarbeiter-Internationale war grüß. Dujardin war auch in der Partei tätig und langjähriger Deputierter der belgischen Arbeiterpartei. Heldentod im Dschungel. Hundert« verdurstet? Asuncion, 28. Oktober. Einem amtlichen Bericht des Kriegsministeriums zufolge wurdet! | im Chaco-Gebiet etwa 100 Soldaten der bolivianischen Armee durch eine Hilfskolonne tot , aufgefunden, die in den dortigen unwegsamen Gebieten verdurstet sind. Nach einer Erklärung dreier bolivianisiher Soldaten, die von einer paraguayischen Vorhut gefangen genommsü wurden, sind 4 Offiziere und 170 Soldaten eines Jnfanrcrieregimenies-r- darunter auch Gefangene— in bcn3)id>ungdn f|> u r. los verschwunden. Geschändet und verbrannt. Grencltaten einer polnischen Räuberband«. Warschau, 29. Oktober. Im Dorfe Zdzielö- wice in der Nähe von Lublin ist ein alleinstehendes.Haus von einer 10 Mann starken Räuberbande überfallen worden, die schwer bewaffnet war. Die Banditen vergingen sich an der Frau des Bes itzers, dann begossen sie sie mit Petroleum und zündeten sie« n. Nachdem sie das ganze Haus geplündert hatten, flohen sie in den Wald..Ein Dorfbewohner, der den Ueberfallenen zu Hilfe eilen wollte, wurde von den Räubern«rschosien. Ku Tchulstreik. Beuthen an der Oder, 28. Oktober, In Beuthen an der Oder ist ein Schulstreik auS- gebrochen. Infolge der Angliederung her'Stadt an den Kreis Glogau mußten die UnterftützungS- vichtsätze für die Erwerbslosen dem Glogguer Kreis angepaßt werden. Das bedeutete citte Herabsetzung der Unterstützungssätze. Daraufhin Vom Rundfunk Empfehlenswerte- aus Oen Programmen. Sonntag. Prag: 16.00 Konzert. 18.00, Deut sch« Sendung:„Die drei Musketiere", Querschnitt. 19.00 Blasmusik. 20.00 Oper aus Preßburg. 22.20 Tschechi- sche Jazzmusik.— Brünn: 10.00 Smetana- und Iieriwa-Stllnde. 18.00 Deutsche Sendung: Schranunelquariert.—. Berlin: 15.30 Orchesterkonzert. 18.00 Brahms. 19.20 Caruso singt italienische Lieder(Schallplatten).— Breslau: 11.30 Bach- Kantate. 19.25 Kleine Violmmusik.— Frankfurt: 10.30 Morgenkonzert.— Mühlacker: 11.00 Sinfoniekonzert. 13.18„Die vier Jahreszeiten". 14.30 Schumann-Lieder.— Hamburg: 17.15 Chorkonzert. 18.15 Seltene Welke von Mozart. 20.00 Richard-Wagner- Abend,— Königsberg: 12.00,Orchesterkonzert. 20.00 Volkslieder. wurde der Schulstreik erklärt und 50 Kinder sind nicht mehr in der Schul« Erschienen. Es wurden sogar Streikposten ausgestellt. Ferner ist geplant, einen Mieterstreik zu erklären. Di« Polizei warnt in einer Bekanntmachung vor der weiteren Durchführung des Schulstreiks und kündigt gegebeiten- falls Bestrafung der Eltern an. Kommt der„Heilsarmeeprozeß"? Der Herr Haider war es, per während des Bolkssportpro» zcffes das„Heer vom Hakenkreuz" mit der H e i l s a r m e e verglich, nicht nur, um die Lächerlichkeit der Bewegung, der er angehört, sondern auch um seine eigene Unschuld zu beweisen. Die polizeilichen Erhebungen, die jedenfalls gepflogen werden, uw auftauchenden Gerüchten von der Üeberflüssigkeit unserer agrardemokratischen Polizei entgegenzutreten, werden die Stichhältigkeit der von Herrn Jng. Haider angedeuteten Beschuldigung gegen die sogenannte Hellsarmee ergeben.— Ihr militärischer Charakter, den sie schon im Namen betont, ist evident. Ihre Mitglieder tragen Uniformen, die denen der Polizei nicht unähnlich sind. Sie sind eingeteilt in Mannschaften und Offiziere. Ihre Zeitung trägt den bezeichnenden Namen„Der Kriegsruf".. Sie steht in Verbindung mit ausländischen Faktoren und sammelt Kräfte und Geld für ihren Kamps, den sie gegen die Unmoral zu führen vorgibt. Das kann aber jeder sagen, sogar die Polizei. Dazu braucht man nicht gleich eine Armee. Da genügt allenfalls die christlichsoziale Partei. Es besteht der dringende Verdacht, daß die Heilsarmee die Losreitzung größerer Gebrete unseres Staates und ihre odergar des ganzen Staatsgebietes Einverleibung an das sogenannte„Reich Gottes" anstrebt. Für ihre Bestrebungen macht sie Propaganda in Versammlungen, die zum Teil unter freiem Himmel stattfinden- und^ durch. Propagandazüge m ge schlossen«« Formationen unter. Mitsührung von Föhnen und Vorantritt von Spielinannszüge.r. Ihre Propagandartdner sprechen häufig, um van der'Polizei nicht verstanden zu werden,'n einer fremden Sprache, angeblich der Staatssprache Großbritanniens. Ihre tschechischen Uebersetzer bemühen sich dann, eine unpolitische und harmlose Rede vorzutäuschen. Das dürfte aber stets nur zur Täuschung der Polizei und des Publikums dienen sollen. Denn weshalb harmlose Reden in einer fremden Sprache geführt werden sollten, ist nicht einzusehen, da solchen behördlicherseits nichts im Wege stehl. Die ganze Angelegenheit ist jedenfalls sehr verdächtig und wir hoffen, daß sie die zuständigen Stellen pflichtgemäß und eingehend behandeln werden. lt. Beschleunigung der Schnellzüge Wien—Telsche n—Berlin. Aus der in Brüssel.abgehaltenen Internationalen Fahrplankon- ferenz wurde auch ein« wesentlich« Be- schleunigung eines Schnellzugspaares auf der Strecke Wien—Tetschen—Berlin beschlossen, die mit dem nächsten Sömmerfahrplan in Kraft treten soll. Es handelt sich um die Schnellzüge, die Prag um 14.30, bezw. 15.20 passieren. Die Verkürzung der Fahrdauer beträgt auf der Streck« Wien—Berlin eine Stunde und zwölf Minuten, in der Gegenrichtung 45 Minuten. Der Zug ans Wien wird in Prag etwas früher eintreffen als bisher(13.37), der Berliner Schnellzug etwas später(16.29). Aus der Autobuslinie Prag—Teplitz-Schönau beginnt der Betrieb am 1. Npvember l. I. Abfahrt von Prag 17 Uhr 40 Man., Abfahrt von Teplitz-Schönau 7 Uhr 5 Minuten. Standort der Autobuffe in Prag beim Wilsonbahnhof. Der Bock als Gärtner. Bei einer Revision der Kirchenkasse in Pulsnitz bei Bautzen wurde festgestellt, daß der Kirchenkassier PeiAer Unterschlagungen in der Höhe von 62.000 '-irk begangen hatte. Peisker hat die Unterschlagungen zugegeben.- Er wurde in-Haft genommen. Meteor über Böhmen. Am 22. Oktober l. I., um 21 Ühr 19 Minuten, wurde auf der Sternwarte in Prag, Petkin, ein großes Meteor beobachtet, dessen Helligkeit der des Planeten Venus glich. Weitere Nachrichten von demselben Meteor sind inKöniggrätz eingegangen. Die Stesaniksternwarte bittet um Einsendung von Beobachtungsberichten. Am wertvollsten wären Angaben über di« scheinbare Bahn zwischen den Sternen, was ein« Berechnung der tatsächlichen''Höhe der Entzündung und der Bahn des Meteors ermöglichen würde. 300 Todesopfer eines Taifun-. Wie die Agentur Jndopacifique auS Saigon meldet, hat der Taifun, der am 15. Oktober l. I. über den ana- mitischen Küstengegeitden niedergegangen ist, 300 Todesopfer gefomert. Der Sachschaden ist ungeheuer. Sette 12. Sonntag, 30. Oktober 1932 Nr. 25« Zwei Nobelpreise. Tas Stockholmer Karo» linische Institut, das alljährlich den Nobelpreis für die größte wissenschaftliche Leistung auf dem Gebiete der Medizin zu vergeben hat, beschloß in diesem Jahre die Verleihung des Nobelpreises an die beiden englischen Professoren Sherrington (Oxford) und Adrran(Cambridge). Beide Gelehrte veröffentlichten grundlegende Arbeiten über di« Funktion der Nervenzellen. Sherrington ist «in Kenner der Reflexphysiologie und Erforscher d«r Wilsonschen Krankheit, die sich in bestimmten Degenerationserscheinungen, im Zentralnervensystem zeigt; außerdem gut er als sehr bedeutender Schulhygi«niker. Professor Adrian hat sich innerhalb her Nervenphysiologie speziell mit der Theo» ri« der Aktionsströme beschäftigt(elektrische Ströme, die bei Nervenreizungen entstehen) und auf diesem Gebiete bedeutsam« Arbeiten veröffentlicht. Der Geheimnisvolle. Noch immer hat die Berliner Polizei nicht die Identität des Mannes ermitteln können, den man, anscheinend betäubt und beraubt, am Mittwoch morgen im D-Zug Wiesbaden—Berlin kurz vor der Zielstation auffand. Der geheimnisvolle Passagier liegt im Krankenhaus Friedrichshain. Im allgemeinen spricht er«in undefinierbares Kauderwelsch, nur wenn er etwas zu rauchen oder zu essen haben möchte, kann er deutsch. Auf all« Fragen verweigert er die Antwort. Den Photographen zieht er Grimassen—die Bilder, di« man von ihm aufnimmt, werden in keiner Weise ähnlich. Di« Abnahme von Fingerabdrücken führten zu keinem Ergebnis. Laufen lasten möchte die Polizei ihren Findling auch nicht. Er ist, alles in allem, ein schwi«riger Fall. Losbetrüger al» Losgewinner. Der Unter- suchungShäftlina Cz«rneeki, der wegen Fälschung von Lotterielosen der polnischen Klassenlotterie in'einem Warschauer Gefängnis sitzt, gewann jetzt mit einem echten L o S, das «r befaß, 15.000 Zloty. Czerneeki wurde, von Gefängniswärtern bewacht, in die Lotteriestelle gebracht, wo er seinen Gewinn abhob, den er dann bei der Gefängnisleitung deponierte. Doppeltes Todesurteil. Das Schwurgericht Deggendorf verurteilte am 28. Oktober den Dienstknecht Fraundorfer auS SalSdorf zweimal zum Tode. Fraundorfer hatte am 6. Dezember v. I. in.Oberbubach(Niederbayern) die Kauf- mannsgattin Babette Fey und deren dreieinhalb Jahr« alte Nicht« auf bestialische Weise ermordet und di« Kasse d«S Kaufladens mit einem Betrag von 35 Mark geraubt. Einbruch in ein Postamt. In der Nacht auf den 28. Oktober drangen unbekannte Täter in das Postamt in Doubrava bei Teschen ein. Sie erbrachen die feuerfeste Kass« und entwendeten daraus 5600 K sowi« für 13.000 K Postwertzeichen. Selbstmord aus den Schienen. Am 28. Oktober vor Mitternacht wurde ans dem Geleise Les Brünner HauptbahnhoseS di« Leich« eines Mannes gefunden. Der Kopf war vom Rumpfe losgetrennt. Nach einer Streckenkarte handelt es sich nm den 30jährigen Josef Hoppetr. Man ist der Ansicht, daß HoPPert Selbstmord verübt«, indem er vor einen fahrenden Zug sprang. Sich selbst gerichtet. Der Fleischer Szozotek, der Sonntag, den 28. Oktober, in der Waggon- kolonie in Tschechisch.Teschen zwei Frauen erschossen, eine Person angeschoffen hatte und dann geflüchtet war, wurde am 28. Oktober vormittags im Selchkamin eines Fleischers in Svi« nov tot aufg«fu»i-«n. Der Mörder hatte sich im Kamin versteckt und dort erschossen. Ein furchtbares Zugsunglück bei Schanghai. Der Schnellzug Nanking—Schanghai ist am Frei, tag bei Souchon entgleist. Der Lokomotivführer hatte di« Haltesignale, die Rottenbauarbeiten anzeigten, übersehen. Die Zahl der Toten und Ber- mundeten wird auf etwa 90 geschätzt. Leipziger Großsender in Betrieb. Der Großrundfunksender Leipzig in Wi«deroü, mit 150 Kilotvatt der stärkste deutsche Sender, wurde am 28. Oktober vormittags seiner Bestimmung übergeben. Sonderzug nach Berlin(Hamburg). Die Staatsbahndirektion in Prag expediert in den Tagen vom 11. bis 14. November einen Sonderzug nach Berlin. Der Fahrpreis, in welchem die Kosten für den Autobus und die Verpflegung enthalten sind, beträgt 365 X. Die Teilnehmer an dieser Exkursion können auch gegen eine Aufzahlung Hamburg besichtigen. IUIIIIiMHUIUIMIItlllUIIUUIUIIIIUIilUUliUllillUlUUHinillUIIHI!IUUUniUIUIUUUIUilUilllltniUllUIHII Das Rätsel ckcs Krebses. Von Dr. med. Th. Plaut. Man hat die Statistik«ine feile Dirne ge- nannt, die- zu allem zu haben sei. Soviel ist jedenfalls richtig, daß man mit Schlüffen, die man aus statistisch«rrechneten Zahlen zieht, sehr vorsichtig sein muß. Da zeigt sich B., daß neuerdings die Tuberkulosensterblichkeit dauernd abnimmt, während die KrebSstevblichkeit dauernd zunimmt. Darf man nun daraus schließen, daß der Krebs wirklich immer häufiger wird? Nein! Die Abnahme der Tubevkulosesterblichkeit dürfen wir als Tatsache hinnehmen und als«inen Erfolg unserer Bestrebungen(Heilstättenkuren, Fürsorgemaßnahmen) buchen. Da die Tuberkulose eine Krankheit des jugendlichen Alters ist, wird schon ihre Abnahme— früher starb ein Siebentel der Menschheit an Tuberkulose— bewirken, daß mehr Menschen ein höheres Alter erreichen. Nimmt man dazu die dauernd sinkende Geburtenziffer und die damit z. T. zusammenhängende Verminderung der Säuglings- und Kindersterblichkeit, so verleben wir, daß wir heute eine in ihrem Altersaufbau ganz anders zusammengesetzte Bevölkerung vor uns haben, d. h. innerhalb der gleichen Volksmenge ist das Verhältnis zwischen Jungen und Alten zugunsten der ersteren verschoben. Der Krebs ist aber eine ausgesprochene Alterskrankheit. Es ist also klar, daß. bei der gegenwärtigen Zusammensitzung.der Bevölkerung viel mehr Menschen in das„krebsfähige" Alter kommen. Nimmt man dazu di« z. T. dem Röntgenverfahren zu dankende'Verbesserung der Erkennungsmöglichkeiten, ferner die Tatsache, daß man" heute mehr operiert; als früher, wodurch mancher Fall aufgedeckt wird, der früher unentdeckt blieb, so kommen wir zu dem Ergebnis: dieZunahmederKrebssterbllch- k e i t ist nur scheinbar. Es ist durch nichts bewiesen, daß di« Krebserkrankungen tatsächlich zunehmen. Ist dem aber so, so brauchen wir uns auch nicht den Kopf darüber zu zerbrechen, woher dsi Zunahme kommt. Woher der Krebs über- Anmeldungen mit einer Anzahlung von 100 K i werden beim Kassenschalter Nr. 13 am Prager c Masarykbahnhos entgegengenommen. l Sonntagsruhe und Ladensperre in Mähren und j Schlesien. Die Fraktion der deutschen sozialdemokra-! tischen Mitglieder der mäh ri sch- s chles i sch en LandoSver-£ tretung Hal auf Anregung des Allgemeinen Angestell- 1 tenverbandes Rcichenberg eine« Antrag eingereicht,’ worin der Landespräsident ersucht wird, im ganzen' Lande Mähren und Schlesien"' im HandelSgewerbc j und den verwandten Gewerben di« Sonntagsruhe anzuordnen, sowie darauf hinzuwirken, daß der\ Wochentags-Sechs-Uhr-Ladenschluß eingeführt wird. Ein ähnlicher Antrag wurde von der gleichen Frak-\ non bereits vor zwei Jahren, in der mährisch-schlesischen Landesvertretung eingebracht, hatte aber nur geringen Erfolg. In vielen Orten und Bezirken in Mähren und Schlesien werden die Angestellten nahezu alltäglich über Gebühr in den Läden und Ver- kaufSstätten zurückgehalten und genießen auch keine vollständige Sonntagsruhe. Von einer Einhaltung des gesetzlichen Achtstundentages kann bei diesien Angestellten nicht gesprochen werden. Es ist zu hofsin daß di«««»erliche Aktion in der mähriich-schlesischen Landesvertretung von Erfolg begleitet ist. iiiiiiitiiiiiiinwmutnHiniiiiiiiiiniiiHHniiiiiiiiinniiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiHiiiiiiiiiiiHmiiHiiiHmHii Haupt kommt, wissen wir freilich immer noch nicht, und es ist daher völlig richtig, wenn der Frankfurter Pathologe Prof. Fisch«r-WasilS sagt: „Der wissenschaftlichen Aufdeckung der Krebs- Ursachen stehen noch dsi größten und wichtigsten Aufgaben bevor." Somit fallen alle Versuche, die Zunahme der Krebskrankheiten zu begründen, in sich zusammen. Dazu gehört auch der Versuch, den Dr. Friedrich Wolf machte, die Ursache des Krebses in der„überfeinerten falschen Ernährungsweise des Kulturmenschen, in der Ueber- fütterung mit Fleisch, Konserven, ausgekochten Speisen, auSgemahlenem Mehl" zu suchen. Die nächste Folge dieser falschen Ernährung soll die hartnäckige Verstopfung sein und das sichre dann zu„Selbstvergiftung des, Körpers durch Darm-' säulniSstoffe". Dsi zivilisiert« Menschheit habe sich daran gewöhnt, eine einzige Stuhlrutir-rang am Tag« als normal anzusehen,„so daß der Kulturmensch gewohnheitsmäßig mindestens 24 Stunden am Tage verstopft ist". An dieser Zeit sammeln sich die Verdauunosrückständ« im Darm an.„So kommt es zunächst zu einer Erweiterung deS Darms und später zu Geschwürprozesicn." So viel Behauptungen, so wenig Beweise. Die ganze Lehre von der Vergiftung vom Darm aus steht aus sehr schwachen Füßen. ES braucht also niemand, der nur einmal, täglich Stuhl hat, sich Sorgen zu machen oder"gar der'Krebsangst anheimzufallen. Die Statistik, die dartut, daß Vegetarianer seltener am Krebs erkranken, ist noch nicht erschienen. Wir wisien aus zahlreichen Tierversuchen, daß es durch lange, fortgesetzte Einwirkungen mancher Gifte gelingt, eine „KvebSberertschaft" zu erzielen, so daß z. B. eine auf der gefunden- Haut einer mit Teer vergifteten MauS gesetzte Brandnarbe krebsartig entartet. Man kann vernmten, daß hier Stoffwechselcigen- tümlichkeiten eine Rolle spsilen, und wahrscheinlich sind es beim Menschen Veränderungen im Gesamtkörperhaushalt, die auf einmal in einem gcwissin Alsir dsi Bereitschaft zur Geschwulstbildung Hervorrufen. Aber über„vermutet und ein„wahrscheinlich" kqnrmen wir einstweilen nicht hinaus. Und nichts ist gefährlicher, als sich s auf einem Gebiet, das noch so viel Unerforschtes bietet, dem Glauben hinzugeben, daß man ein] Krebssiiden mit Fleischenthaltung, mit Vckllkorn- brot, Obstkuren, Wasser- und Lehmbädern heilen könnte. Es wäre eine Illusion, anzunehmen, daß man durch diese Methoden die Krebssterblichkeit herunterdrsicken könnte. Einstweilen kann man s nur raten, nicht auf dsi angeblich dauernde Zunähme des Krebssiidens hin der Krebsanast zu verfallen. Bei Beschwerden suche man rechtzeitig sachkundige ärztliche Hilfe auf. Die Erfolge der Krebsbehandlung durch Operation, Röntgen und Radium sind durchaus beachtlich, wenn auch noch viel zu tun übrig bleibt. Mitteldeutschlands schönste Schanze. Seit drei Monaten arbeiten 75 Mann im freiwilligen Arbeitsdienst an der Errichtung einer neuzeitlichen Amprüchen genügenden Sprungschanze am Geisingberg. Was diese Schanz« vor den anderen Mitteldeutschlands heraus- hebt, ist ihr« einzig schöne Lag«. Während dir anderen Schanzen— auch dsi größten— mehr oder weniger in einem Kessel lsigen, hat man von der Geisingbergschanze«inen herrlichen Rundblick bis ins Böhmische Mittelgebirge, der Sächsischen Schweiz und den Dresdener Elbhöhen. Nur genügsi di« alt« Schanz nicht mehr den modernen Ansprüchen. Daher haben sich der Kreis Sachsen des Arbeiter-Turn- und Sportbundes, der Kreis Osterzgebirge im Skiverband Sachsen und die Stadt Altenberg in einer Ichanzengesellschafr zum Ausbau der Schanz« zufam- mengeschlossen. Die neu« Schanz« soll am zweiten Weihnachtsfesirtag bereit- eingeweiht werden und ermöglicht Sprünge von 60 und sogar 65 Meter. Einige Zahlen mögen dsi Größe der Schanze zeigen. Sie ist insgesamt 200 Meter lang. Der Höhenunterschied beträgt 85 Meter, der zwischen Iprungturm und Schanzentisch 38 Meter. Ter Anlauf ist drei Mesir breit und 80 Grad geneigt. Der. Schanzentisch ist zwölf Mesir lang und sieben Grad geneigt(mit Hilf« des Schmes kann diese Neigung natürlich erhöht oder verringert werden). Die Kant« des Schanzentisches ist 3.5 Meter hoch Der Knick (der Uebergang von Sprungbahn nn) AuSlauf) beträgt 80 Meter, gegen 30 Meter der früheren Schanze. Der Aufsprungradius ist 36 bis 37 Grad Am Ablauf rechnet man mit einer Fahrkge'chwind'g- keit von 21 bis 23 Sekundenmeter, das sind 70 K;!o= mesir in der Stunde. Ter Anlauf kann drcitriln benutzt'werden, bei günstigen Schneeverhälrnissen genügt bereits das untere Drittel. Für Jugendlich: wird man den Anlauf sogar noch mehr kürzen. Obgleich die Arbeitssiistung im freiwilligen Arbeitsdienst sonst nicht sehr hoch geschätzt wird PN man hier doch sehr gut« Arbet geleistet, die um io höher'zu bewersin ist, als sie ja nicht von Facharbeitern geleissit worden ist, sondern von jungen Menschen aus allen möglichen Berufen. 8000 Hr- . beitstagc waren notwendig, um dsi 4500 Kubikuinel«: ! zu bewältigen, wovon über dsi Hälfte Fels war. Neuartig ist auch die schräg« Anlage der Tri- , bünen, dsi nicht mehr oben beim Absprung, jondern > unten und so geschickt angelegt sind, daß jeder be> i quem über seine Vordermänner hinwegsehen kann. DarKohlwdrike» vonDsmodar Dsi Frühzeit unseres Sternes Erde. Wo heute der Nordpool liegt, da wuchsen Palmwälder. Und wo heute die Tropen, sind, da wuchsen Laubwälder. Die Achse unseres Erdballs hat sich verschoben, nichts steht fest; nicht einmal die Form der Gestirne. Tie Frühzcit des Erdballs. Kontinente steigen und versinken— gewaltige Dampfschichten stehen über kochenden Urmeeren — an anderen Stellen wieder sticht ewige Sonne auf quirlende Suinpsgebiete, riesige Saurier kämpfen wilde' Schlachten. Schachtelhalmwälder. Fliegettde Drachentiere, Urvögel. Vegetation von ungeheurer Ueppigkeit. Aber der junge Erdball bekommt Fieher, er schüttelt sich, er bricht Blut: vulkanische Eruptionen! Ganz« Landschaften versinken, mit Wäldern iqtb Getier: Erdschichten und Gesteinsmassen verschieben sich und erdrücken einander. Was Wald war, wird Stein und Kohle, tief im Gebirge versenkt. Viele Millionen Jahre brausen durch die Wells ewige Veränderung bringend. Das kluge Tier Bormensch entwickelt sich zu einem denkenden Wesen. Der Mensch schaut m die Höhe, in Liebe zu den Bruderwelten, zu den goldenen Sternen. Der Mensch schaut auch in die Tiefen, er bohrt sich in di« Tiefe hinein: er holt die Sonnenkraft einstiger Urwälder heraus, er nützt diese Kraft, die herrliche Kohle, die uns schnell und leicht macht — Eisenbahnen und Luftballon. Die Kohle, auf dem ganzen Erdball ist sie daheim, von Spitzbergen bis Indien und Australien. Die Kohle erwartet die Wiedergeburt ihrer Sonnenkraft durch den großen Zauberer Mensch. Dem Umwandler aller Dinge— dem Umwerter aller Wirtschaft und oller Geistigkeit. Nichts ruht oder sieht fest, alles schwingt und verschiebt sich, sogar die Achse deS gesamten Sternes. Das ist groß— das ist erhaben— ein solches Denken und Fühlen ist eine Religion. Es ist ein Kultus vor der Gesetzlichkeit der Natur. Und jetzt find wir in Britisch-Jndien. Im Kohlenbecken von Damodar. In der Provinz Bengalen. Dessen Rückgrat der Ganges ist, der Barer der Ströme, aus seinen trüben Fluten blüht der rote Lotos, mit dem die indischen Bräute ihre hohen Stirnen schmückend ! Britisch-Jndien. 350 Millionen Menschen. Mit guten Schulen. Mit einer viel älteren und viel edleren Kultur als die Kultur Europas. Die reichste und dichteftbevolkerte Provinz Indiens ist Bengalen. Kleiner als Preußen, aber mit 50 Millionen Einwohnern. Die.Hauptstadt Bengalens ist Kalkutta, mit eineinhalb Millionen braunen Menschen, nach London die größsi Stadt des britischen Weltreiches. Kalkutta in Bengalen. Der geistige Mittelpunkt Indiens. Seine Universität gibt 35.000 Studenten und Studentinnen die Machtmittel des sreren Wissens, Kalkutta, Seehafen, an einem Mündungsarm deS Vaters Ganges, am tiefen Hooghly. In den Hooghly mündet der Fluß Domadar, der ist die Ruhr Indiens, der Domodar durchfließt Ostindiens reichstes Kohlenbecken. Das Becken von Domadar: die Grundlage der Industrie von Kalkutta! Kalkutta, die größten Jusispinnereien der Erde, mtt 40.000 Jutespinern, und die größten Baumwollwebe- reirn, mit 50.000 flinken Mädchen. Und moderne Eisenwerke, und Maschinenfabriken, und Schiffswerften— die Industrie von Kalkutta ist Indiens wirtschaftliches Zentrum. lind hier in Kalkutta liegt auch das Zentrum der indischen Arbeiterbewegung. Die Zentrale der freien Gewerkschaften.' Textilarbeiter, Metallarbeiter, Transportarbeiter. Angegliedert die freien Gewerkschaften vom Kohlenbecken Damodar. Die indischen Gewerkschaften sind international orientiert. Ihre Verbindungsfäden laufen nach Bombay und London und Amsterdam, nach Singapore, Batavia und Sydney, weiter östlich nach Kanton, Schanghai, Nagasaki und Tokio. Die große asiatische Freiheitsbewegung der organisierten Arbeiter hat zwei Zentren: Kanton und Kalkutta! Aus diesen Zentren wird dereinst die soziasi Kraft herauswachsen, die den Weltteil Asien den übrigen vier Kontinenten angliedern wird: Da« Entstehen der Neuen Welt, sozialistische Gesellschaftsformen, bedingt aus sozialistischer Austauschwirtschaft. Alles verschiebt sich am Stern Erde, sogar die Achs«; auch die heutigen Wirtschaftspol«: Profit und Waste—I auch sie werden sich verschieben— und sie werden heißen: Bedarf und Friede! Ewiger Wechsel. Das Unterst« kehrt sich nach oben. Das Abgestandene versinkt. Das Kohlenbecken von Damodar. Im westlichen Bengalen. 205 Gruben. Mit rund 50.000 braunen Kumpels. Zum größeren Teil organisiert im freien Verband der„Bergarbeiter Indiens". In Korrespondenz und Interessengemeinschaft der„Bergarbeiter-Internationale". Das Revier von Damodar. Produktion 5 Millionen Tonnen im Iaht. Das dichteste Kohlenrevier des Riesenreiches Indien. Damodar produziert«in Viertel des indischen Kohlengutes. Die Bergleute von Damodar sind Hindus. DaS Klima ist feuchcheiß und ungesund. Di« Hälfte aller jährlichen Todesfälle hat seinen Grund im Fieber, die Malaria!, deren Krank- hcitskeime der sommerliche Südostmonsun aus den sumpfigen Stromniederungen des weiten Gangesdeltas heraufweht. Auch Cholera und Lepra wüten zeitweise unter der Bevölkerung des Kohlenbeckens Damodar. Im Winter ist das Land gesünder, dann weht der trockene Nordostmonsun, herab aus China. Fluß Damodar, der schwarze Strom, die Ruhr Bengalens. Stützpunkt der Kohlenindustri« ist die Kumpelstadt Asansol. Hauptstadt des Jndu- striebezirkes ist Budwan, mit 50.000 Einwohnern. Und die Kohlenstadt Ranigandsch. Das Zentrum des dichten Bahnnetzes. Sonstige Industrie: Papier, Leder, Töpfereien. Und die großen Eisenwerke von Barakar. Das Kohlenbecken von Damodar. Heiß, fleißig, ungesund. Aber aufgeklärt, wie alle Industriegebiete. Ein Tiefbecken, das sich ans Hügel- land von Nagpur anlehnt. Der Fluß Damodar kommt vom Hochland Chota Nagpur herab. In besten Urwäldern sich noch das Jägervolk der Draviden auslebt, das eigentliche Urvolk Indiens. Die Hindus saßen einst oben am Himalaya. Hind — heißt Hinterländler. Ein altpersisches Wort. Das landwirtschaftliche Damodar. Ein Gartenland. Reis, gegen das Gebirge zu: Tee. Weinpalmen und Dattelpalmen. Orangen und Kakteenfeigen. Melonen. Angurien. Biolettblühende' Akazien. Breitblättrige Gnmmibäume. Bohnen, Oelsaat, süße Kartoffeln. Der Hindu ist Vegetarier. Er trinkt die Milch vom Zeburind. Aber er raucht Tabak.— Kleine, flinke Affen sind schlimme Gartenräuber. Vom Hochland herab kommt manchmal der Tiger geschlichen, durchs Bambusdschungel am Ufer des Damodar. Achtung: die glitzernden Brillenschlangen, ihr Biß ist tödlich! Grüne Scharen von lustigen Zwergpapageien fliegen schreiend gegen die rostige Abendsonne, die Sittiche. Die hohen Palmen rauschen wie fallendes Wasser, der herbstliche, gesunde Nordostmonsun. Es ist erquicket, Abendkühle. An die dreißig Bergleute sitzen auf einer niedrigen Gartenmauer. Hindus. Schlank und schön. Glühende schwarze Augen. Bitternis um den roten Mund. Der Lohn ist klein. Und daS Leben wird immer teurer. Jawohl! Biharas! Gespräche der Kumpels von der Kohlenstadt Asansol, im Revier Damodar. Der Wind singt Baß und Melodie, in den gefierten Palmkronen: Baß und Melodie zu den Worten und Gedanken der Menschen. Höret!— Nun haben sie uns die Woche zwei Feierschichten eingelegt. — Kalkutta braucht weniger Kohle.— Das Bahnnetz hat Löcher, die Arbeit fällt hindurch.— Warum das alles?—.Die ganze Welt ist krank. — Will Gandhi die Welt gesund hungern?— Gandhi ist Nationalist, er nimmt Geld von den Reichen.— Nicht durch Hunger gesundet die kranke Industrie— Nicht durch Nationalismus. — Sozialismus ist der richtige Arzt fürs Kohlenbecken von Damodar.— Unsere Gewerkschaftsblätter sprechen klar; die Weltkrise ist schütt» an unseren Feierschichten. Gespräche der Hindus unterm Palmbaum. Die Bergleute von Asansol. Revier Damodar. Indische Sozialisten. Mitglieder der großasiatischen Gewerkschaftszentralen: Kalkutta— Kanton!. Fünfzig Jahre haben die Gruben vollge- schafft.— Seit vierzig Jahren haben wir unsere Organisation.— Britisches Kapital hat uns aus- geheutet, aber auch die Aufklärung gebracht.—• Mit dem Kapital kamen unsere Vorarbeiter, die Sozialisten von Cardiff und Glasgow.— Sie haben uns ein Licht angezündet.— Nicht die Briten sind unsere Feiftde.— Unser Feind rst das britische Gold.— Und wir selber müssen es aus der Tiefe heraufholen.— Gold wird schlecht in den Händen der Mächtigen.— Gold wird böse.—- Es kommt aber von der Arbeit, Arbeit ist doch gut?— Gut ist Gott, Arbeit ist göttlich. — Gold ist der falsche Gott. Es ward Nacht. Geld steigt der Mond hoch. Ueberm Kohlenbecken von Damodar. Horche, der Schrei des Geiers. Er wittert Fraß. Die Cholera? Max Dort». Nr. 266 Sonntag, 30. Oktober 1932 Leit« Der linierte Marxismus. Äm Neuen Deutschen Verlag in Berlin ist soeben der erste Band eines Buches erschienen, welches den„unverfälschten" Marxismus verkündet. Es ist ein Werk von Kurt Sauerland über den dialektischen Materialismus. Der vorliegende erste Band behandelt das Thema„Dogmatischer und schöpferischer Marxismus" nach den Methoden eines geistigen Exerzierreglements. Jede Abweichung von der .Linie" wird mit einem Bannfluch bedroht. Das Wort vom dogmatischen und schöpferischen Marxismus stammt von Stalin, welcher dasselbe auf dem 6. Parteitag der Bolschewiki(August 1917) gebraucht Hal. Es erinnert an das Wort vom raf- fenden und schaffenden Kapital und hat wie dieses auch nur demagogische Bedeutung. Ein dogmatischer Marxismus ist ein Widerspruch in sich und wir Sozialisten sollten dem von unseren Gegnern geprägten Begriff von einem marxistischen„Dogma" nicht noch Vorschub leisten. Daß Stalin sich ausdrücklich zu einem„schöpferischen Marxismus' bekennt, ist psychologisch sehr begreiflich. Auch ein Großinquisitor hat all« Ursache, sein„Christentum" zu unterstreichen. Stalin hat aus der Partei Lenins ein« unduldsame Kirche gemacht, deren innere Disziplin nur mehr mit Hilfe von Ketzergerichten aufrecht erhalten werden kann Den„schöpferischen Marxismus" Stalins hat Trotzki am eigenen Leib erfahren und neuerdings müssen Sinowjew und Kamenew daran glauben, daß man sich nicht ungestraft über„die sprichwörtliche Unwissenheit Stalins in theoretischen, historischen und internationalen Fragen" lustig machen darf. Es ist sehr bedauerlich, daß ein Mann von den Qualitäten Sauerlands sich dazu hergibt,«in Hof- schranzenbuch zu produzirren, welches Stalin als d e n Theoretiker des Leninismus"(S. 205) feiert, der„in genialer(!) Weis« di« berühmtes!) Formulierung prägte", daß der Leninismus nichts anderes ist als ,her Marxismus der Epoche des Imperialismus und der proletarischen Revolution'(S. 207). Ja, später werden di« Weihrauchwolken noch dichter und Stalin wird als em Mann gepriesen, der„als einziger(!) das Wesen des LeninisncuS richtig erklärt hat"(S 252). Und wir erfahren staunend, daß di« Theorie des Marxismus-Leninismus„längst vor dem Kriege von Lenin und(!) Stalin konkretisiert worden war"(S. 298). Was hat dies alles aber mit„einer systematischen Darstellung der Grundlehren des dialektischen Materialismus", ja auch nur mit«inem„historischen Abriß der Entwicklung des dialektischen Materialismus" zu tun? Nun, Sauerland hat sein« marxistische Tabulatur errichtet und verzeichnet mit der sadistischen Wollust eines Beckmesser alle Abweichun' gen von der alleinseligmachenden„Linie" des dialek tischen Materialismus.— Dogmatismus? Ach t^jn, das ist«den„schöpferischer Marxismus'! ES wird nun gezeigt, wie arg der Marxismus bisher entstellt wurde. Bon Lassalle ganz zu schweigen, waren auch August Bebel und Wilhelm Liebknecht vom wirklichen Verständnis det Marxismus weit entfernt, wie Tauerland durch einige Zitate„beweist". Dann wird Karl K a u t s k y — und natürlich erst recht Eduard Bernstein— in die Pfanne gehauen. Schließlich folgen die deut schen Linken' Rosa Luxemburg, Franz Mehring, Karl Liebknecht. Ja sogar Plecha- nv' wird mit jener„kommunistischen Uelerheblich feit", die Lenin oft. genug gerügt hat, durch de» schöpferischen Cacao gezogen. Sauerlaitd bemängelt es, daß„selbst in der sonst so vorzüglich redigierten großen Ausgabe der Sämr lichen Werke Lewins(hrrausgegeben vom Lenin- Jnst'tut) eine höchst unklar« und im Grunde falsche Anmerkung über Plechanow gegeben wird.. ohne hin einziges Wort darüber, daß seine grundlegenden Fehler, daß seine Verflachung d«S Marxismus(!) .. in allen feinen Werken ihren theoretischen Ni«, verschlag gefunden haben". Natürlich ergibt sich aus alledem aber eine Folgerung, der Sauerland übrigens auch nicht ausweicht. Wenn nämlich der Marxismus bisher nicht verstanden wurde, dann gibt es auch keinen„Verrat" am Marxismus Und Sauerland verkündet denn auch bezüglich Koutsky: Di« Legende vom„Verrat" des einstigen„wahren' Marxisten hält einer sorgfältigen Analvie nicht stand. Von 10 Menschen haben 7 Zahnstein ...ober bedroht ist jeder! Wie oft war an einem verlorenen Zahn derZahnstein schuld, weil ernicht rechtzeitig bemerkt und entfernt wurde I Wer regelmäßig zum Zähneputzen Kalodont benutzt, begegnet dieser Gefahr. In diesem Lana enthält nur Kalodont als einzige Zahncreme Sulforizin-oleat nach Dr. Bräunlich, das den Zahnstein allmählich und sicher entfernt— die Zähne fest und gesund erhält. Also wurde auch„der Sozialpatriotismus nicht erst am 4. August 1914" geboren und ,chie Theorie der II. International« der Vorkriegszeit und die des heutigen Sozialfascismus sind nicht weseirsver- schioden". Wozu also die ganz« Aufregung? Der zweit« Band des vorliegenden Werkes wird hoffentlich bald erscheinen und Sauerland wird zeigen können, was er uns Positives zu sagen weiß. Dann werden wir endlich vom einzigen und wahren Pfad erfahren, der zum schöpferischen Marxismus führt und der un- bisher verschlossen war, dieweil wir im Nebel wan delten. Aber noch gibt es liniert« Offenbarungen und ein netter Koran ist im Werden. Er beginnt mit der Verheißung: Stalin ist groß und Sauerland ist sein Prophet! Th. Hartwig. Nazl-Komiptloii. AuS Berlin wird uns geschrieben: Die Brüder Lahusen, Geldgeber und intime Freunde deS Herrn Hitler, hatten eS sehr eilig mit dem„Dritten Reich". Konkurs, Betrug und Unterschlagungen von nahezu einer Milliarde sollten verdeckt und verschwiegen bleiben. Der Gutsbesitzer von Boxheim, in dessen Haus die bekannten Dokumente verfaßt worden sind^ war aus gleichen Motiven glühender Hitler- anhänger. Sein Gut ist inzwischen zwangsversteigert worden. Zu den zahllosen Fällen ähnlicher Art gesellt sich jetzt in Berlin der des LandgerichtSdirektorS Willibald von Pedel- Wa r n o w. Pedel-Warnow war nicht nur Nazimann,' sondern auch eifrigex Mitarbeiter der Naziprcfsc. Erst vor wenigen Tagen hat er im Berliner Naziblatt einen Artikel veröffentlicht mit der Ucberschrift:„Das Gebot der Stunde! Notverordnung zur Regelung von Privakschul» den", in dem er die Streichung der Privatschulden verlangt«. Warum— erzählt« uns am Freitag eine Verhandlung vor dem Schöffengericht in Charlottenburg, in der sich der stramm« Nazirichter wegen Betrugs und Untreue, begangen an einem Architekten, zu verantworten hatte. Dieses Gerichtsverfahren ist jedoch nur ein kleines Vorspiel für die kommenden. Der Fechter für das Dritte Reich und für di« Streichung ftiner Verpflichtungen schuldet seinen betrogenen Gläubigern die nette Summe von etwa vierhunderttausestd Mark, es kann auch eine halbe Million werden, wenn sich alle gemeldet haben. Natürlich will jetzt der adlige Herr nicht imstande-sein, langen Verhandlungen folgen zu können, und außerdem will er noch beweisen, daß er„unzurechnungsfähig" ist und Anspruch besitzt auf den 8 21. Vordem aber war er lang« genug zurechnungsfähig, Arbeiter und kleine Diebe ins Gefängnis zu schicken, Schulden zu machen, zu begaunern, zu betrüget», Artikel für die Naziprefle zu schreiben und für das Dritte Reich zu kämpfen. Es ist nicht rechtzeitig genug gekommen und so wird wohl auch dieser Hitlersozialist ins Gefängnis wandern, sofern es ihm nicht, wie den Lahusen, gelingt, Hitler-Anwälte und eine Hitler-Kaution zu stellen. Volkswirtschaft und Sozialpolitik Der Verband christlicher Gewerkschaften hält soeben seinen Verbandstag in Prag ab. In der„Deutschen Presse" werden bei dieser Gelegenheit die Mitgliederziffern des Verbandes mitgeteilt. Danach hatte am 31. Dezember 1931 der Verband christlicher Berg- und Hüttenarbeiter 329 Mitglieder, der Verband der Chorregenten und Organisten 181 Mitglieder, der Verband Christlicher Eisenbahner 163. Mitglieder, der Verband christlicher Fabriks- und Bauarbeiter 7970 Mitglieder, der Gutenberg-Bund, Bereinigung christlicher Buchdrucker 82 Mitglieder, di« Gewerkschaft öffentlicher Dienstnehmer 55 Mitglieder,- der Verband christlicher Land- und Forstarbeiter 161 Mitglieder, der Verband christlicher Tabakarbeiter 3362 Mitglieder und der Verband christlicher Textilarbeiter 17.134 Mitglieder. Insgesamt hat der Verband christlicher Gewerkschaften eine Mitglirderanzahl von 29.437, wovon 15.066 Männer und 14.371 Frauen, die in 365 OrtS- stellen organisiert sind. Betriebsausschußmitglieder hat der Verband 288 in 146 Betrieben, davon in 37 den Vorsitzenden. 06N0886N, habt Ihr schon die Bestellung für das ARßEHER- JAIIRBIO ISN aufgegeben? Schreibt dringend an die Zentralstelle t. d. Bildungswesen Prag II., Nekäzanka 18. Srsaet Saa»tt|>«L Daß auch ganz große Künstler Hemmungen unterworfen fein können, die auf ihre Kunstübung störenden Einfluß ausüben, lehrt« ein Beethoven- Konzert, dessen eigentlicher Mittler der große Geiger Broniflav Hubermann war. Dieser technisch, geistig und gefühlsmäßig so wundervoll ausgeglichene und namentlich in der Interpretation Bachs und Beethovens heut« maßgebend« Meistergeiger, fand sich erst im zweiten Teile des Konzert- ProgrammeS zur Höhe seiner Kunst. Erst in Beethovens Violinkonzert zeigt« er sein'ganzes musikalisches Fühlen und Denken, während di« vorher gespielten beiden Romanzen unter einer fühlbaren Nervosität des Künstlers litten. An der Spitze der Vortragsordnung.dieses Beelhovenabends stand das selten gehörte Tripelkonzert für Violine. Cello, Klavier und Orchester,«in Werk, das mehr durch spielerische Schönheit fesselt als durch geistig vertieften Inhalt. In Broniflav Huber- Mann, dem ausgezeichneten und tonschönen Cellisten Emanuel Feuermanü und dem als vortrefflicher Begleiter Hubermanns geschätzten Pianisten Sirg- friä> Schultze halt« es vorbildlich vollkommene Interpreten. Die Orchesterbegleitung des Abends besorgte das klanglich und spieltechnisch prächtig disziplinierte Orchester der Tschechischen Philhar- Manie unter der rhythmisch und dynamisch sorgfältig abgestimnuen Stabführung Prof. Georg S z 6 l I s.—: Die Don-Kosaken, die bereits zu den regelmäßigen Konzertgästen Prags gehören, hatten auch in diesem Herbst ein Chorkonzert veranstaltet, bei dem dieser reisende V!rtuos«nchor ein« Auslese seiner besten Vortragsnnmmern zum Besten gab, geistliche Chöre, weltliche Chorlieder und vor allem russische Volks- und National-Lieder in chormäßiger Zubereitung. Die außerordentlichen chorgesangstechnischen Fertigkeiten und Fähigkeiten diese« in allen Stimmgruppen gleich vorzüglich besetzten und abgestimmten VokalkörperS— große Genauigkeit in der dynamischen und rhythmischen Differenzierung, Sicherheit und Reinheit in der Intonation und Plastik der Wortbehandlung— verfehlten auch diesmal ihre Wirkung nicht und gaben Zeugnis von der glättenden Disziplin, die Serge I a r o f f, der Dirigent des Kosaken-Chores, seinen Sängern beigebracht hat. Aber immer wieder hat man— wenn man diesen Virtuosenchor hört, den Wunsch, sein eminentes Können einmal auch an einer schwierigen modernen Choraufgabe erprobt zu• sehen und zu hören.— Erhebend über den Alltag und erbauend im vollkommensten Sinn« wirkte ein Orchesterkonzert der Tschechischen Philharmonie, bei dem als Hauptwerk Gustav Mahlers Neunte Sinfonie durch Alexander Zemlinsky, den in Prag unvergessenen berufensten Mahler-Apostel,. zur Aufführung gelangte. Auf dieses letzt«-sinfonische Werk Mahlers passen die Goethe-Wort« seiner vorangegangenen Achten Sinfonie„Alle? Vergängliche fft nur ein Gleichnis.. Es ist der beglückende und verklärende Ausklang seines ganzen tondichterischen Schaffens, rin innerlichst erfühlter Schaffensepilog des Meisters von bezwingender Ausdruckskraft und Gedankengröße. Zemlinsky wär der Sinfonie der richtige, in efftatischer Hingabe dienende und in Liebe zur Aufgabe erglühende Interpret. Es war sicher kein bloßer Zufall, daß dieses Mahler- Konzert den Mahler-Schüler Zemlinsky nach Prag führt«, just als er seinen sechzigsten Geburtstag feiern konnte. So wurde dieses Mahler-fest auch zu einem Zemlinsky-Fest— und der Lorbeer, der Zemlinsky gereicht wurde, war sein sichtbares Zeichen.— Ueber einige Vokal-Künstler ist diesmal noch zu berichten. Maria K u r e n k o,«ine russische Koloratursängerin, gab zum erstenmale ein Konzert in Prag. Ihr« Bekanntschaft zu machen, war lohnend. Denn sie ist eine Künstlerin von vortrefflicher, in italienischer Schul« erworbener Gesangskultur, di« auch durch bedeutende Musikalität und gefftig« Intelligenz ausgezeichnet ist. Vorteilhaften künstlerischen Eindruck hinterließ auch ein Liederabend der Sängerin Elisabeth Wiese-Langer, di« ebenfalls zum erstenmal auf dem Prager Konzertpodium erschien«« war. Soweit wir ihr Programm hören konnten, offenbart« es nicht nur rmpfehlenSwert« stimmliche und gesangskünstterische, Eigenschaften der Künstlerin, sondern auch Kunstverstand und AuS- druckskunst im Vortrag«. Ein« dritte Sängerin, Emmi Heim aus Wien, halte in einem Wohltätig- keitskonzert namentlich mit schön gesungenen Volksliedern großen Erfolg. E. I. M diBsen Witter nimm Zmrltaig M ErttttiagitaolMii SanaraMapat für d. ftWL; Braaaara Apathtka „Zan vaMaa LSwm“, Prag N, Pfftopy 1f Vom Prager Rundfunk Zwei hochbedeutsame Sendungen hoi»ns diese Woche beschert: Genoss« Prof. Dr. Alfred KleiNbeVg «Karlsbad) sprach über Soziologische Litera turbetrachtung und Genosse Prof. Theodor Hartwig über Oekonomi« und Ideologie. Letzterer hatte das weiter« Themas er zeigt«, wie die Ideen der Menschen gebildet werden von ihren öko nomischen und gesellschaftlichen Zuständen. Er zitiert« den prächtigen Ausspruch des Romantikers E. T. A. Hofmann:„Ein hungriger Kater philosophiert anders als ein satter—", womit tatsächlich das Problem auf sein« einfachste Form gebracht fft. Er zeigte, w.« zu alten Zeiten die Menschen sich bemühen, ihre Umwelt geistig zu erarbeiten, Unbekanntes auf B«kaml- tes, Ungewohntes auf Gewohntes zurückzuführen, und wie sich derart Ideen erhalten, lange über di« Zustande hinaus, denen sie ihre Entstehung verdanken. So kommt eS, haß unsere technisch-naturwissenschaftliche Zeit noch so viel„magisches" Denken, so viel Aberglauben bewahrt aus der Zeit, da Weltanschauung gteich war mit Religion. Er zeigt«, wie durch die bestimmt« Art einer Zeit di« Geister bereitet werden, bestimmte Ideen aufzunehmen: wie z. B. die Zerrüttung aller gewohnten wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Zustände gerade heut« die Re- lativitätSlehre siegen läßt,— wissenschaftliche Formung der allgemeinen geistigen Panikstimmung—, während absolute Werte nur In materiell gesicherten Zeitaltern zur Geltung kommen. Indem so dem menschlichen Denken im allgemeinen die natürlich« Grundlage bereitet war, zeigt« Genoss« Kleinberg di« Bewahrung solcher Betrachtungsweise auf einem besonderen Gebiet, dem der Dichtung. Schon di« Sprache, deren er sich bedient ist«in« gesellschaftliche Bedingtheit für den Dichter; aber auch die Borstellung«», di« verarbeitet werden, der geistig seelische Gehalt, die Harrdlungsinhalte der Dichtung,«schlich die Formwahl und Formgebung gehen hervor aus den gesellschaftlichen Zuständen, in denen das Leben des Dichters abläufr.- Das Geistige ist letzter, feinster Exponent des Außrrgeisligen. das schöpferische Individuum in seiner Einmaligkeit doch nur«in« bestimmt« Funktion des Allgemeinen. Kul- nirgemeinschaften bilden kollektive Seelenhultungen auS, di«, in Slrönlungrn und Gattungen der Dichtung..ihren Ausdruck finden. An dem Beispiel der altgermanischen Kultur und Dichtung ward dies« realsoziologische Literaturbetrachtung aufs Heber- zeugendst« bewährt,— es ist hinreißend und groß, wi« di« materialistische Geschichtsauffassung, richtig und mit wissenschaftlicher Vorsicht angewendet, auf einmal Licht gießt in dir trüben Rebel bisheriger Geschichtsyrklärung.— Praktische Anwendung auf"einen akrnelten Ein» zslfall gab di« Betrachtung des Genossen Edwin Ja- netschek über Mißstände unseres Konzert- lebens Denn diese Desorganisation, dietes oft würdelos« Sichanbieten der Künstler auf dem Markte der öffentlichen Gunst, diese skrupellose Konkurrenz geschäftstüchtiger Agenturunteritehmer,— ist das Senn etwas anderes als zwangsläufige Uebertrogung kapitalistischer„WirtschaftSm«thod«n" auf di« zur Ware geworden« Kunst?! Und die Zentralisierung, dir mit Recht der Vortragende als einzig«S.Heilmittel nannte, ist eben sozialistisch« Planwirtschaft; abrr erst wenn daS privatkapitalistische Profitinlrrrsie ausgeschaltet sein wird, kann sie rein verwirklicht werden. Mit allen Mitteln bemühen sich einsichtige Männer auch deS Bürgertums, der Verderbnis des Hochkapitalismus zu steuern. Gesmidheit der bedrohten Jugend durch Wandern zu retten, sollen di« Jugendherbergen helfen. Fachlehrer A. Trappschuh(Aussig) berichtet« über diese schöne, jeder Unterstützung würdige Unternehmung. Wenn aber, in weiterem Fortschreiten der allgemeinen Verelendung. die Mittel ausgehen— wir soll das Werk bestehen bleiben? Dir bürgerliche Gesellschaft muß nach den ihr innewohnenden Gesetzen doch zuerst den Profit retten— fte hat nur ganz zuletzt, wenns Ueberschüsse gibt, etwas übrig für Zwecke, die gerechterweise allem anderen vorangehen mußten: Jugenderziehung und Jugendpflege. Aus dem Ernst solcher Betrachtung«« leuchteten zwei heitere Beran st altungen. Auch an ihnen beweist sich di« wirtschaftlich-gesellschaftliche Bedingtheit der Kunst: di« vorauSfetzungSlos«„Nurheiterkeit" der Lieder von Löwe und Wolf, dir Rudol' Bandler, von seiner Gattin begleitet, sang, wirkt blaß neben dem kräftig zeitsatirischen Humor des Hörspiels„Magie im Hinterhaus" von Hans Reimann und Bruno Manuel; di« vortreffliche Aufführung durch Mitglieder des Prager Deutschen Theaters unter Hölzlins Leitung bereitete uns ein« wahrhaft vergnügte Stunde.— Das ist nicht Manie, das ist klar« Wissenschaft- liche Erkenntnis, di« uns alles Leid und all« Freuden der Menschen zuallerletzt aus ihrem narurhaften Untergrund, ihrem materiellen Dasein und Soiein erklären läßt. Und aus diesem Punkt werden wir, werden unsere Nachfahren allen Schmerz dieser ge plagten Menschheit kurieren. F ü r st« n a u. Genosse«! atroo« M Jrtar•eteoew9rtt«art Vnetetov-eteve« t Seite? Sonntag, 30. Oktober 1932 -tt. 256 Filme In Prager LidilsplelhSusern (Die gesperrt gedruckten Filme können empfohlen werden.) Wran-Urania:„Wer nimmt die Liebe ernst?" Hansen, Jugo. Adria:„Hölzerne Kreuze". Alfa:„Schwester Angelika". Beranek: Kantor Ideal", Anny Ondra, K. Lamaö. Feuix:„Geld oder Leben". Flora:„Cimarron". Gaumont:„Vergessene Patrioten". Hollywood:„Vergessene Patrioten". Hvezda:„P h a n t o m a s". Kapitol:„D i e Blutsauger". Kinema, B.-TH.: Journale, Reportage, Lustspiel. Koruna:„Phanto- mas". Kotva:„Unter falscher Flagge". Lucerna:„Unter falscher Flagge". Metro: „S e a m p o l o". Olympie:^Phantomas". Praha:„Für 10 Dollar Vater".„Bor der Mündung der Pistole". Radio:„Kantor Ideal". Anny Ondra, K. Lamaö. Skaut:„Lichter der G r o ß st a d t". „Was jede Frau wissen soll". SvStozor: „D a 8 blaue Licht". L. Riefen stahl. In- gend frei. Alma:„Ich will nicht wissen, wer du bist". Avion:„Gräfin Maritza". Baikal:„Der Pompfüneberer". Favorit:„Der Tugendkönig". Louvre:„Kantor Ideal". Maceska:„Ter Pompfüneberer". Perztyn:„Unter Zusage der Ehe". Drama. Dor. Mackaill.„Der Verzweiflungskamps in der Finsternis". Rin-Tin-Tin. Roxh:„Kantor Ideal". Lustspiel. Vlasta Burian. Lrtna:„Mephisw" Detektivgroßfilm. Lido:„C i m a r r o Varlangan 51» In leder Verkaufsstelle des Konsumvereines SELCHWAREN der Ann» HEGNEP» Cie. PILSEN Selchwaren der re. HEQNER* Oe. Pilsen SIND DIE ALLERBESTEN I p«Aftcat zeiinMtt. Prager Kriegerdenkmal enthüllt. Gestern wurde in der Parkanlage unter dem Emaus-Kloster in feierlicher Weise das Denkmal»Praha— svFrn v 1 tSzn m synüm"(Prag seinen siegreichen Söhnen) enthüllt, das di« Hauptstadt der Republik zur Ehrung des Andenkens seiner im Weltkrieg gefallenen Mitbürger errichtet hat. Das Denkmal, zu dessen Errichtung ei« vom Präsidenten de« Republik gestifteter Monolith verwendet wurde, ist nach dem Entwurf des Arch. Hübsch mann und des akademischen Bildhauers Profesior M a r a t k a errichtet, der für die figurale Ausschmückung am Denkmal die Figuren tschechoslowakischer Legionäre geschaffen hat. Vortrag über Planwirtschaft. Donnerstag, den 3. Novenwer, spricht um halb 8 Uhr abeichS Prof. Dr. Wenzel Berunaö im Bor- tragssval des Zürsorgeministeriums (Prag II., Pa la ny platz Nr. 4) über das Thema: om W i r ts ch a s t s p l a n". Besichtigungen der Stefanik-BolkSfternwarte in Prag. Im November ist die Sternwarte außer Montag täglich von 6 Uhr abends ab zugänglich. Im vorhinein angemeldete Exkursionen von Vereinen und Mittelschulen sind täglich außer Montag ab 7 Uhr abends willkommen. Massenbesuche von Volks- und Bürgerschulen, die im vorhinein angemeldet werden mögen, können täglich außer Montag bereits um 5 Uhr nachmittags stattfinden. In der ersten Hälfte des Monats wird mit dem Fernrohr der Mond, in der zweiten Hälfte Nebelflecken und Sternhaufen zu beobachten sein. Bon den Planeten können in den Abendstunden noch während des ganzen November der Saturn beobachtet werben, während die übrigen helleren Planeten früh aufgehen. Die Besichtigung der Einrichtung der Sternwarte kann jeden Sonntag um 10 Uhr vormittags und um 3 Uhr nachmittags stattfinden. Geridifssaal „Unerlaubte Geschenke." Eine 10 Kronen-Afsäre. Prag, 29. Oktober. Wegen unerlaubter A n- nähme von Geschenken hatte sich ein Gerichtsbeamter vor einem hiesigen Strafsenat zu verantworten. Er hat sich bei einem Z i v i l b e- zirksgericht mit Legalisierungen von Dokumenten und anderer außerstreitiger Agenda befaßt. Eines Tages vollzog er für eme Partei eine außergewöhnliche große Zahl amtlicher Beglaubigungen und diese Partei wollte sich für die Gefälligkeit und Prompthei: des Beamten erkenntlich zeigen und steckt ihm zehn Kronen zu. Nun ist es ja eine bekannte Sache, daß solche kleine Zuwendungen etwas ganz Alltägliches sind, das man zwar nicht schön zu finden braucht, das aber sicher nicht das Aergste ist, was sich im Bereich staatlichen amtlichen Tuns ereignet. Aber, wie immer, wo es sich um die kleinen Misse- täter handelt, so schritt die Amtsgewalt auch in diesem Fall, der durch irgendeine Denunziation zu ihrer Kenntnis gelangte, höchst energisch ein. Es wurde eine ziemlich lange Verhandlung und schließlich bekam der Angeklagte drei Tage Arrest, bedingt auf ein Jahr. So hat man also den winzigen Korruptio- när gestraft, der schwach genug war, ein 10 K» Backschisch einzustecken. Was sich in den höheren Sphären der Staatslteferungen und Millionenprovisionen begibt— ja, Bauer, das ist ganz was anderes! Und wenn die öffentliche Moral auf der einen Seite durch den immer höher hängerwen Brotkorb geschwächt wird, ist es nur recht und billig, daß der Herr Staatsanwalt auf dem Schauplatz erscheint, um sie im Namen des Gesetzes zu stützen. rb. Kunst und Wissen „Cavalleria rusticana“— „Der Bajazzo“ Die beiden veristischen Zwillinge(rasch hintereinander geboren, Kinder desselben Stils, seit vierzig Jahren fast unzertrennlich auftretend) werden leit geraumer Zeit, sicherlich oft aus bester Ueber- zeugung, ost aber auch, weil das als Zeugnis besseren Geschmacks gilr, mitleidig-yerächtlich ange- schaut. Mein« Wen'gkei: rut da, vor allem nn Hinblick auf die Er-iaktoper Mascagnis, nicht mit Um so weniger, als fach Puceini und neben S:rc.nß die Opcrnproduktion v'el zu wenig großartig ift. nl? daß man Grund hätte, sich dort auf Schwäch-n zu stürzen, wo wirklich Kraft, echteste Musikalität geniale Erfindung und immer wieder erleön'sstarkei Bühnenhauch fühlbar wird.(In Parenthese fuge:ch hier bei, daß man sich auch mehr lächerlich als verdient hat, wenn man, wie das jetzt vor kurzem wieder geschah, an dem Genius Verdi sich vergreist, m- denr man etwa den herrlichen„Troubadour" um sii- nes schlechten Textbuches und seiner zu populär gewordenen Musik willen in den Staub zu ziehen ter- iuchr.) Tie„Cavalleria", in ihrer stillst scheu Einheitlichkeit und Geschlosienheit, mit hrem Feuer ihrer Sanglichkeil, ihrer explosiven Entwicklung von Liebe. Eistrsucht und Tod, bleibt ein prachtvoller Wurf. Und daß dem io ist, das hat uns vor mehreren Jahren eine tun Mascagn-i selber o:r'g:«r:e Vorstellung das ha: uns jetzt die Aufführung ur-er Antoninl Verto auf ausgezeichnet« Art..euer- dings bewiesen. Eben weil Botro diese Musik zur Herzenssache macht, weil er ihr feinnervig dient, well er mit Liebe all« Stimmen herausarbeitet und insgesamt etn restlos überzeugendes Klangbild schafft. (Nicht ganz so im„Bajazzo", besten stärkere trivialen Züge reinem Musikempfinden auch stärker w«i>?r- sprechen.) Durch Votio, kraft der Persönlichkeit des Regisseurs Renato Mords und durch das Aufgebot vorzüglicher Sängerschaft hatten bei gänzlich aus- verkauftem Hause beide Opern nahezu einen Pre- mieren-Erfolg. Auf der Bühne wurde er im Falle der„Cavalleria", in reizvoll-belebter Szene, und neben ausgezeichnet singenden Chören vom Turiddu des-Herrn R i a v e c entschieden, dessen her. vorragende Qualitäten in schmelzendem Schöngesang, leuchtender Höhe und nobler Gesangsmanier beispielhaft zutage traten, und der überdies auch schauspielerisch diesmal befriedigt«. Fräulein K o n e tz n i sand sich mit der Santuzza sehr anständig ab, etliche Stellen gaben wieder Gelegenheit, sich vom Wert und der Größe ihres Materials zu überzeugen; dennoch muß festgestellt werden, daß di« völlige Unergiebigkeit ihrer Mittellage, immer stärkeres Tre- nrolieren, immer größer«.Mängel in der„Stütze" die hier schon seinerzeit geäußerten Bedenken über die Entwicklung der jungen Künstlerin vermehren. Tonschön die Lola des Fräulein Holland, ohne aber im geringsten jenen koryphäenhasten Eindruck zu liefern, für den sie schon Vorschußlorbeeren einheimsen durfte. Herr Hotter als Alfio außerordentlich krafwoll und sicher im Gesanglichen, allerdings in der bizarren Erscheinung weniger einen sizilianischen Dorf als etwa bayrisch-alpinen Besonderheiten zugehörig. Ein« sehr glaubhaft« Mutter Lucia Frau Kindermann. Der„Bajazzo" war in Szene, Tracht und Maske ganz„auf modern" hergerichtet— nachdem schon in der„Cavalleria' Schani-Garben, Zeitungs- beser und Zigarettenraucher in ein« städtische Sphäre abschwepkten, die dem Pathos und dem Sentiment der Mascagnischen Musik nicht gerade adäquat ist. Auch der„Bajazzo" scheint mir solche Modernisierung durch Peripheriecharakter einer Großstadt mit Liliomgestalten nicht notwendig zu haben. Ich vermag nicht riitzusehen, was solche Metamorphost mehr als den Reiz der Neuheit oder Abwechsiung auf sich haben soll, zumal Widersprüche zum musikalischen Stil doch nicht ganz zu beseitigen sinh. Aber anerkannt muß werden, daß diese Bernewerung mit Konsequenz und Können durchgeführt war. Und am imponierendsten Persönlichkeit lyurche im Tonio Prohaskas, in einer überragenden schauspielerischen Leistung, die durch noble Gesangslunsi ausgezeichnet unterstützt war. Herr M a s a k als Canio holte sich mit ein paar heldischen Tönen rauschenden Sonderapplaus eines Publikumsteiles, der anscheinend diesen Beifall unter allen Umständen zu zollen entschlossen war; das kann uns nicht hindern, auszusprechen, daß Herr Masak sehr ungleich singt und als Gesangskünstler sowie als Darsteller sehr viel jr wünschen übrig ließ. Sehr sauber sang Herr Hatte mer di« Harlekin-Serenade, geschmackvoll wie immer Herr Hagen den Silvio(der hier in sehr anfechtbarer Weise aus einem jungen Bauernburschen zu einem gemütlichen älteren Stadtherren geworden ist). Nicht zu begreifen vermögen wir, was in einer allgemein wertvollen Umgebung(und. bei Vorhandensein eines Dutzend Solosopranistinnen im Ensemble) ein« Nedda von so bescheidnem Können wie Frau Forrai zu suchen hat; entscheiden da etwa wieder gesellschaftliche Kräfte wie im Falle der Frau Neffy-Bächer? L. v. Arbeitervorstellung„Der Zigeuuerbarou" von I. Strauß,' neueinstudiert und neu inszeniert, am Sonntag, den 18. November, um halb 3 Uhr nachmittags im Neuen Deutschen Theater. Karlen täglich von 8—2 und 4—6 Uhr bei Optiker Deutsch, Graben, Palais Koruna. Deutsche Akademie für Musik und darstellende Kunst in Prag. Samstag, den 12. November, 8 Uhr, wird im großen Saale der Produktenbörse die „Nelson-Messe" für Soli, Chor und Orchester, das Glpnzstück unter den Messen Haydns, aufgeführt. Eintrittspreise 3—12 K. Vorverkauf bei Wetzler, WenzelSPlatz, Styblo-Pastage. Sport• Spiel»Körperpflege Atm Prag schlügt den LTZ-Kreismeister Podo im M-Tennis. Die Tisch-Tennis-Sparte unseres Prager Ar- beit«r-Turn- und Sportvereines hat den bisher größten Erfolg seit ihrem kurzen Bestände errungen. ES gelang ihr am vergangenen Mittwoch, den 26. d., den M e i st e r für 1931/32 des 1. Kreises der D T I., P o d o l, mit 5:4 zu schlagen. Die einzelnen Kämpfe brachten ausgezeichneten Spor: und waren bis zum letzten Schlag überaus spannend. Die Ergebnisse: E' n z«l: Halbich(Atus) gegen Kaderabek 2:0, Möbius(Atus) gegen Kriötof 2:1, Fink(Atus) gegen Sklenak 2:0, Taub(AtuS) gegen Simunek 1:2, Charvat(Atus) gegen Hajek 2:0, Weiß(Atus) gegen Brbovec 0:2. Doppel: Charvat—Weiß gegen Hajek—Simu- nek 0:2, Fink—Halbich gegen Sklenak—Kadekabrk 2:0, Möbius—Taub gegen Kristas—Brbovec 1:2. * Dieses Match war eine Vorschau für unsere Atus-Mannschast, die sich auch an der in der kommenden Woche beginnenden Ligameisterschast der 1. Kreises der D T I. außer Konkurrenz beteiligt. Der erst« Gegner in dieser Konkurrenz ist DTH. Weinberg«. Dies« Begegnung findet am Mittwoch, den 2. November, um halb 8 Uhr abends im Heim auf der Hetzinsel statt. Jede Woche bis Mitt« November werden weiter« Kämpfe um die Ligameisterschaft ausgetragen werden. Gemeldet haben zu dieser Meisterschaft insgesamt 13 Verein«. Unserer Atns-Mannschaft wünschen wir, wenn sie auch nur außer Konkurrenz daran teilnehmen kann, vollen Erfolg und jenen Platz, den si« ihrem technischen Können nach verdient. Bürgerlicher Sport. Zum Bund zurück. Der vom Arbeiter-Athlcten- bund Deutschlands zum kommunistischen Sportverband hinübergelockte mehrmalige Bundes- boxmeister„Adler" Staßfurt ist geschlossen zum Arbeiter-Athletenbund zurück- gekehrt. In einem Schreiben an di« Bundesboxleitung teilt„Adler" mit, daß sich ihm im kommunistischen Sportverband wegen Mangel an Kampfmannschaften die Unmöglichkeit halbwegs ausreichender sportlicher Betätigung ergab. Nach den Kämpfen überließ man di« Sportler sich selbst usw. Das ist das alte Lsed; denn Sport ist ja nur das falsche Firmenschild für di« politischen Zwecke der Kommunisten. Tschechoslowakei gegen Italien 2:1(1:0). Am Staatsfeiertag wurde dieses zum Europacup zählende Länderspiel in Prag ausgetragen. Die Fasci- sten wurden mit Pfiffen und schwachem Beifall „begrüßt' und nach Schluß ebenso ,cherabschiedet". Sie benahmen sich diesmal gesitteter und verloren wahrscheinlich deshalb auch. Wer aber glauben möchte, daß die heimischen Spieler Besonderes zeigten, täuscht sich. Zeitweilig hatt« es den Anschein, als ob hier nicht die 11 Bestem sondern ein kleiner Landvereine seine„Künst«" zuckt Besten gibt Der Spartaplatz schaut nach seiner„Renovierung" — Vergrößerung des 2. Platzes, Drahtgitter um das Spielfeld und Tunnel für Spieler und Schiedsrichter und graslöseS Spielfeld— wirklich wi« eine Stierkampfarena aus! Großzügig war der bürgerliche Verband, der für den 2. Platz— der Platz des kleinen Mannes— sage und schreibe acht Kronen Und außerdem noch 20 Heller für die Arbeitslosen verlangte. Der Verband, der mit diesem Länderspiel ein Bombengeschäft gemacht hat, schämt sich nicht, di« Zuschauer auf diese Weis« auszuplündern, statt daß er aus eigenem«inen Betrag gegeben hätte. Denn das Geld ist ja vorhanden und braucht nicht allein für Bankett« und Diätenveisen diverser Funktionäre verwendet zu werden. Die Zuschauer haben für di« 8 A di« Gewißheit empfangen, daß der neue Spartaplatz die modernst» und zweckmäßigste Anlage in der Tschechoslowakei sei— nämlich Menschen wie die Hering« zu verstauen, zu dem taugt er. Also lieber nicht so viel Aufhebens davon machen! Mitteilungen der„Urania“. Wochenprogramm vom 30. Oktober bi» 5. November. Sonntag, halb 11 Uhr:„Das Lied vom Leben". Ein Kulturdokument des Meisterregisseurs Granovsky. Montag, 8K Uhr;„Das Lied vom Leben", Tonsilmwerk. In Ton und Bild unübertroffen. Mittwoch, 3 Uhr:„Tischlein, deck' dich", Filmmärchen. Kindernachmittag. Dazu:„Blondy als Konditor", Lustspiel. Mittwoch, halb? Uhr:„Venedig", mit Lichtbildern. Prof. Dr. Messer. Mittwoch, halb 7 Uhr:.Tischdecken"(Blumenschmuck ufw.), Caroline Schönau. M.ttwoch, 8 Uhr:„Herzkrankheiten". Doz. Dr. Egon Weiser. Erster Vortrag in der Reihe .Kreislaufstörungen"; zweiter Vortrag:(9. November) Doz. Klein; dritter Vortrag:(16. November Prof. Pfibram. Donnerstag, halb? Uhr:„Graphologie", mit Lichtbildern. I. Melo u n, London. Atus Prag, Tisch-Tennis-Sparte. Mittwoch, den 2. November, nm halb 8 Uhr abends im Heim auf der Hetzinsel erster Kampf um die Ligameisterschast im Tisch-Tennis: Atus gegen DTJ. Vinohrady Sechs Einzel- und drei Doppelspiel«. Pädagogische und medizinisch« Fragen. Sechs Bor- tröge K 20.—. Karte« zu allen Veranstaltungen und Kursen: Urania-Kino-Kasse. Halb 10 bis halb 1 urü> 3—7 Uhr. Telephon 26321. Erneuern Sir Ihre Mitgliedskarte! Werden Sie Mitglie der„Urania". Jahreskarte K 18.—, Familienzusatzkarte K 3—. Mitteilungen ans dem Publikum. Leiden Sie an G-cht? Bei gichtischen Erkiao- kungen liegt bekanntlich eine Stoffwechstlstörung> infolge fehlerhafter Blutbeschaffenheit vor. Zur Entfernung der schädlichen Bestandteile im Blut ist 1 Togal in hervorragender Weise geeignet. Togal hemmt die Ansammlung der Harnsäure und»er- mebrt ihre Ausscheidung. Weit über 6000 Äerztt haben sich in sehr lobender Weist über die gute Wirkung des Togal ausgesprochen. 1781 Gesund bleiben— nicht gesund werden, daraus kommt es an. Es ist besser, wenn der Zahnarzr nut kontrollleren, nicht reparieren muß. Dann ist jenes Verhältnis zwischen Arzt und Patient hergestellt, das wir alle erstreben sollten. Jedermann kann gesuild« und schön« Zähne haben, wenn er si« mit Kalodont putzt. Denn Kalodontist indiesemLande vie einzige Zahncreme, die Sulforizinoleal nach Dr. Bräunlich enthält, das wirksame Mittel gegen den gefährlichen Zahnstein. Zweimal täglich die Zähne mit Kalodont geputzt, mit einer hartes Bürste, besonders an den Innenseiten der Zähne— das bewahrt sie vor Schaden und erhält sie stets gesund und schön. Und wenn Sie aus kluger Bor- sich: wi« üblich zweimal im Jahre zum Arzt gehen, wird er erfreut di« Tatsache feststellen, wie ausg«' zeichnet die Kalodont-Pflcge Ihren Zähnen bekommt.' 1730 Die Tschechoslowakei hat di« höchsten Rohhäute- preise und di« bitt gsten Schuhe. Starke Entwicklung der Schuhindustrie und Freiheit im Lederhandel haben am Rohledermarkte in der Republik eine dauernde rege Nachfrage hervorgerufen, die bei uns:rotz ständigem Rückgang der Weltpreise die Preise verhältnismäßig noch am höchsten hält. Die Nachfrage nach Rohleder übersteigt das Angebot. In der Republik werden jährlich ungefähr 25 Millionen Paqis Lederschuhe erzeugt, wozu ungefähr 8 Millionen Kg. Unterleder, 6 Millionen Kg. Zubereitung und 40 .Millionen Quadrat-Zoll Oberleder erforderlich sind. Dieser Verbrauch entspricht ungefähr 2 Millionen Kälbern, 700.000 Färsen und zirka 800.000 älteren Stücken Rindvieh. Der Rindviehbestand in der Republik beträgt aber 4,500.000 Stück. Jährlich werden zirka 761.000 Stück Rindvieh geschlachtet und 882.0tiÜ Kälber. Nur allein die Firma Bata braucht täglich Häute einer 12—13.000 Stück zählenden Viehherde. Neben der Schuhproduktion konsumieren auch vir Automobil- und Ledergalanterie-Jndustr'e eine bedeutende Menge Häute. Di« billigst«» Schubpreise in der Welt, bei verhältnismäßig teuersten Preisen des Rohlcders wurden der hiestgen Schuhindnsttie nur durch eine vollkommen« Produktion und Ver- kansSorganisation nach BakaS Muster ermöglicht 100 Donnerstag, 8 Uhr: Wanderbund Kosmos. D. Haus, Zimmer 16. Donnerstag, 8 Uhr:„Weltwirtschaftskrise und Erfolg in Industrie und Handel." Dr. Kurt Schechner, Generaldirektor der Julius Meinl A.-G., Wien. Im Rahmen der „Volkswirtschaftlichen Abteilung". Freitag, 7 Uhr:„Die Leistungen des Pensionsversicherungs-Gesetzes." Dr. W. Schmiedl. Ermäßigt« Karten: Emil Ludwig,. Hermann Le o p oldi. Dazu alle Sprach- und praktischen Urania-Bolks- hochschule-Kurse. Urania-Volkshochschule. Beginn neuer Kurse: Mittwoch, 2. November, 7 Uhr:„Die volkswirtschaftlichen Rubriken der Tages, zeitungen." Dir. Dr. Friedrich Gellner. Fünf Vorträge K 20.—. Mittwoch, 2. November, 8 Uhr:„Die Dek- tung H«S öffentlichen Bedarfs." Univ.« Pros. Dr. R. S ch r a n i l. Fünf Vorträge K 20.—. Freitag, 11. November, 8 Uhr: ,,U n se r K i n d." Oberlehrer Alkred Scholz und Dr. Josef Langer. Hera« t ne btr. Siegtrird Zaak.— Cbeftebatteac Wilhelm Nießner- veraaiwarilicher Redakteur Dr EmU 8 t««atz, Pra,— Druck..Rota- L-A tür Zeltima- and Buchdruck. Prag— yür den Druck«rantwortlich One hotit, Uran-— Dl« Liitunekaiarknsrankatur wurde non der P°ft. ,. I«leera»hend>ntit«> am Erlaß«r I3.S0U/VUMB0 dewiMl«- Bezugibed nznngrn Bei Zustellung in« Hauk»der bei Be,n« durch die Post monatlich Et 16.»ierlrllährlich Li iL.—, Haldjahri, Li SS,—,«aaiiahreß Li UV,—,— Jujeralr»erbe« laut tauf hilüstl derrchuat, Vv»iterra Eialchaltuniru Pretkuachiah.— ktuckstelluu,»au Mauutlrquea«yalgl uur dri Eiujelldune der Rclouciaait(a.