12 Jahrgang. Donnerstag, 3 November 1932 Nr. 259. Der erste Ministerrat Beratung der Programmerklärung. Vorbereitungen für das Budget. Prag, 2. November. Heut« nachmittag fand der erste Ministerrat der neuen Regierung M a l y p e t r statt. Es wurden zunächst die formellen, mit d«r Bildung der neuen Regierung zusammenhängenden Angelegenheiten erledigt; insbesondere wurde die Frage der Organisierung der Vorarbeiten der Regierung in den einzelnen Ministerkommissionen, vor allem in der politischen und in der Wirtschaftskommission erl^igt. Die Kommissionen bestehe« aus denselben Mitgliedern wie bisher; lAiglich im Wirtschaftskomitee tritt der neue Landwirtschastsminister H o d i a an di« Stelle des Ministers B r a d a ö, der in das Komitee der politische« Minister übertritt. Zum Stellvertreter der Vorsitzenden der Regierung wurde wiederum Genoss« Bechhn« gewählt. Hierauf wurde über die Regierungserklärung verhandelt, die in beiden Häusern der Nationalversammlung jedenfalls Wohl schon morgen abgeben wird. AuS der Stilisierung der amtlichen Meldung geht hervor, daß dies« Beratungen noch nicht abgeschlossen wntt>en. Wi« man erfährt, werden sich morgen vormittags die politischen Minister noch einmal mit der Re- giernngserklärung befassen. Daran schloffen sich Verhandlungen über die Dispositionen für den Entwurf des Budgets für 1933 sowie di« damit zufammenhängerchsü finan ziellen Maßnahmen. Ein völliges Novum stellt der ausgesprochen« Wunsch der Regierung dar, datz aus den Reihen der Koalitionsabgeordueten, di« dem Budgetausschutz angehören, ein« Kommt s s i o n gebildet werde, dbe bei der Vorbereitung des Budgets mit der Regierung eng zn- sammenarbeiten soll. Weiters erstattete der Außenminister einen allgemeinen Bericht über de» Stand der handelspolitischen Verhandlungen der Tschechoslowakei mit den Nachbarstaaten; er referiert« dann auch über die auswärtig« Lage überhaupt, ferner über die letzten in Genf geführten internationalen Verhandlungen und über das Programm und die Bedeutung dieser Verhandlungen in der bevorstehenden Phase der Tagung der Abrüstungskommission und der Wirtschastsberatungen im Rahmen des Völkerbundes. Der Außenminister wird dieses Reserat in ausführlicherer Darstellung demnächst i« den Außenausschüssen vortragen; dort soll dann auch eine Debatte abgcführt werden. Gebilligt wurde ferner der Eiklwurf der Regierungsverordnung über die Zolljuschläge zu den Zollsätzen für einige Getreidearten, für Mehl und Mühlenprodukte für den Monat November. Gebilligt wurden ferner die Zollmaßnahmen, di« sich auf di« Einfuhr der vereinbarten Menge Kukuruz zur Ernährung der Bevölkerung des Landes Karpachoruß- Äaj^Lrzrchev.——....- Deutschlands Kontingcnticningspolitih eine wirtschaftliche Katastrophe! Berlin, 2. November. Ter Mißerfolg der deutschen Delegation bei den Kontingentierungsverhandlungen in Kopenhagen findet in Politischen und wirtschaftlichen Kreisen einen großen Widerhall. Trptzdem hat aber der Reichskanzler neuerdings erklärt, daß di' Reichsregierung bedingungslos auf der Einführung der Kontingente beharre. Ein charakteristisches Detail für die Stimmung in deutschen Jndustriekreisen in der Frage der Kontingente ist ein Mißgeschick, welches dem Verkünder der Kontingente Dr. Hugenberg zustieß. Er sprach bei einer Sitzung des Verbandes sächsischer Industrieller, der dem Kabinett Papen gut gesinnt ist, und führte aus, daß die Einführung der Kontingente nur ein vorübergehendes, aber notwendiges Mittel darstellen, womit sich die deutsche Wirtschaft gegen andere Staaten wehren müsse, zu einer Zeit, wo eine Politik der' Meistbegünstigungsklausel unmöglich sei. Der Berbandsobmann Wittke lehnte jedoch mit Bedauern die Kundgebung Hugcnbergs ab.-Die Folgen der bisherigen Einfuhrdrosselung seien für Deutschland schon so verheerend, daß sich die Situation immer mehr zu einer Katastrophe auszuwachsen beginne. 21 Milliarden KC Vudgetdesizit i n USA für ein einziges Vierteljahr. Washingtoü, 2.November.(Reuter.) Das Finanzministenum teilt mit, daß das Budgetdefizit in de» ersten drei Monaten des heurige» Finanzjahres 629,889,093 Dollars(Kronen 21.038,298.706) beträgt. Vie Zwidtelverordnnng macht viel Kopfzerbrechen. Berlin, 2. November. Der kommissarische preußische Innenminister Bracht hat jetzt die am 28. September erlassene Ergänzungsverordnung zur Badepolizeiverordnung vom 18. August dem Landtag überwiesen. Es handelt sich bei der Ergänzungsverordnung um di« am 1. November in Kraft getretene sogsnannte ,/Zwickelverord< ttuttfl", die in der Oeffentlichkeit lebhaft erörtert Worden ist. Nach dem Wortlaut des Urteils des Staatsgerichtes müßt« die Regierung B r a st n die „Ztmckelvcrordnung", obzwar sie sie nicht erlassen hat, vor dem Landtag vertreten. Es konnte sehr beicht sein, daß das Kabinett Braun sich dabei g e g e n die„Zwickelverordnung" ausspricht und baß, falls eine Landtagsmehrheit entsprechend beschließt, die Beiordnung wieder aufgehoben werden muß, weil sie sich niwt auf die vom Landtag unangreifbare Sparerinäch- tigung des Reichspräsidenten stützt. Um den Tag der Republik Dollfuß- Regierung will den Aufmarsch der Arbeiter verbieten. Wien, 2. November.(Eigenbericht.) Die Entscheidung darüber, ob zur Feier der Republik am 12..November den Arbeitern von dem fastistischen Sichcrhcitsminister der übliche Aufmarsch gestattet werden wird, ist bisher noch immer nicht gefallen. Die Regierung versucht die Entscheidung hinauszuschieben und will, um ein« Ausrede für das Aufmarschverbot zu haben, selbst eine Staatsfeier der Republik veranstalten. Gegenüber allen diesen Kombinationen erklärt die morgige„Arbeiter-Zeitung" apodiktisch: Die Herren mögen sich nicht den Kopf zerbrechen. Der Feiertag der Republik ist seit zwölf Jahren von der Wiener Arbeiterschaft gefeiert worden und wird auch he.uer ebenso wie bisher gefeiert werden. Diese Erklärung kann man als eine klare Kampfansage an die Regierung ansehcn. Sogar in Ungarn geht mau gegen die Kartelle vor. Budapest, 2. November.(MTI.) Auf Einschreiten des Handelsministers haben sich Has Drahtkartell, und das. Steinbruchkartell aufgelöst. Vor neuen Schritten Preußens. Berlin, 2. November. In der heutigen Sitzung der preußischen Staatsregierung stellten die Staatsminister übereinstimmend fest, daß die Reichsregierung ihre Pflicht, die nach der Entscheidung des Staatsgerichtshofes zu Unrecht ihres Amtes enthobenen preußlschen Staatsminister wieder in ihr Amt als Staatsminister und Landesregierung einzusetzen, bis heute nicht erfüllt hat. . In der preußischen Regierung nahestehenden Kreisen wird erklärt, daß die preußische Staatsregierung auf Grund dieser ihrer Auffassung der bestehenden Tatsachen weitere Schritte eingeleitet habe. Allerdings dürste ein neuer Appell an den Staatsgerichtshof vorläufig nicht in Frage kommen. Man weist darauf hin, daß es ja noch andere Möglichkeiten, insbesondere eine Fühlungnahme mit dem Reichskommissär usw. geb«, die für di« Klärung dieser Dinge erschöpft werden müßten. * Das Reichskabiuett läßt hiezu mitteilen, daß eme Pflicht, dl« Preußischen Minister wieder formell in ihre Acmter einzusetzen, nicht bestehe. Die Reichsregierung müsse lediglich dem preußischen Staatsministerium die Ausübung der Befugnsse ermöglichen, die ihm der Staats- aerichtshof zuerkannt hat. Die Reichsregierung habe die nötigen Vorschläge der preußischen Staatsregieruna gemacht, diese sei aber bisher noch nicht auf st« eingegangcn. Strasser droht mit illegalen Aktionen, falls Papen die Verfassung weiter mißachtet. Berlin, 2. illovember. Aus den Kundgebungen, mit denen politische Persönlichkeiten in den Wahlkampf eingreifen, rufen die Ausführungen des Hauptratgebers Hitlers Strasser Aufmerksamkeit hervor, welcher in- einer Versammlung in Radebeul erklärte, daß der nationalsozialistischen Bewegung nichts anderes übrig bleiben werde, als sehr wohl zu überlegen, ob sie bei ihrer bisherigen Legalität verbleiben könne, wenn die Regierung Papen auch weiterhin einen Absatz der Verfassung nach dem anderen mißachten werde. Dieser Kundgebung wird deshalb Wichtigkeit beigemessen, weil es bereits zum wiederholten Malen geschieht, daß die Nationalsozialisten der Regierung Papen drohen, sie werden zu illc- oalen Aktionen greifen. LaDour-Wahleriolge bei englischen Gemeindewahlen. London, 2. Novembikr: Rach den rnn Mitternacht vorliegenden 82 Ergebnissen der Gemeindewahlen in England und in Wales haben die Arbeiterpartriler einige Sitze auf Kosten dec Konservativen, Liberalen und Unabhängigen gewonnen. Rfitkinarsdi der Arbeitslosen. Nachspiel vor den Londoner Polizeigerichten. London, 2. November.(Reuter.) Die zu Fuß aus allen Gegenden Großbritanniens nach London gekommenen Arbeitslosen treten allmählich wieder die Rückkehr nach chrrn Heimatorten an. Die Londoner Pakizeigerichtc verhandeln nunmehr die im Zusammenhang mit den gestrigen Unruhen begangenen Straffälle. Var dem Polizvigericht in der Bowstreet findet die Verhandlung gegen 27 Urheber der gestrigen Unruhen statt. Zu der Verhandlung wurden bloß einige Personen aus den Reihen des Publikums zugclassen und di« Polizei hat alle Sicherheitsvorkehrungen getroffen. Die Urteile lauten auf ein bis sechs Monate Zuchthaus wegen Gewaltanwendung gegen AmtSorgane und wegen anderer Delikte. Bei den gestrigen Arbeitslosendemonstrationen in der Rahe des ParlamentSgebäudeS sind insgesamt 50 Demonstranten festgenommen worden. Einige an der Demonstration Beteiligte wurden leicht verletzt. In W h i t« h a l l, der Gaffe, in d«r sich die Ministerien befinden, und beim Gefallenendenkmal wurde eine kleine Polizeiabtrilung von Arbeitslosen überfallen und mit Steinen und Flaschen beworfen. Am Themse-Ufer stürzten die Exzedenten zwei Automobile um. Auch einig« Fensterscheiben wurden eingeschlagen. Die Polizei hatte die Aufgabe, die aus Arbeitslosen und Neugierigen bestehende Menge in entsprechender Entfernung vom Parlamente zu halten, was ihr !erst gegen 11 Uhr nachts gelang. Rttdtgang der englischen Arbeltslosenzlliern. London, 2. November.(Reuter.) Aus der letzten Statistik der Arbcitslosenzissern geht hervor, daß eine allgemeine, wenn auch langsame Besserung der Arbeitslosigkeit eintritt. Tie veröffentlichte Ärbeitslosenzehl weist eine Vec- ringcrung um mehr als 100.000 auf. An die Verantworilidien! Grundsätzliches zum nationalen Problem. Zeitlich und sachlich stehen diese Zeilen in einer gewissen Beziehung zum vierzehnten Jahrestag der Republik, der nicht allein dadurch charakterisiert war, daß noch. keine Klarheit darüber herrschte, welche Regierung die schweren wirtschaftlichen und sozialen Staatsauf- gaben im bevorstehenden Notwinter lösen soll, sondern auch von dem in der letzten Zeit wieder schärfere Formen annehmenden Nationa- litätenkampf überschattet wurde. Wie in den Anfangslagen der Republik, so tritt uns die nationale Frage heute wieder auf der Straße entgegen: Es mehren sich die Fälle, wo Menschen— in den Straßen der Hauptstadt zumindest— deswegen beschimpft werden, tveil sie sich mft Bekannten deutsch unterhalten. Dabei sei von den hinlänglich bekannten deutschfeindlichen Entgleisungen der Prager Behörden in der letzten Zeit vollständig abgesehen. Jedenfalls ist es Tatsache, daß das tägliche Vergiftungswerk des chauvinistischen Blätterwaldes bereits eine Art Pogromstim- mung geschaffen hat, die plötzlich losbvechen und der nationalistischen Hochflut die Bahn frei machen kann. Dieser Ball chauvinisttscher Verhetzung wird von der Gegenseite aufgefän- gen und wieder zurückgeworfen. Er hat die Eigenschaft, an Schwere und Trefstvirkung ständig zuzunehmen, die Klickt zwischen Deutschen und Tschechen zu vergrößern und beider für das Standhalten im Krisenstnrm notwendigen Kräfte zu lähnten. Es wäre ein fruchtloses Beginnen, wollte map nun die Schuldfrage aufwerfen und zu ermitteln versuchen, wer jeweils.Ärigrgifcr und wer Angegriffener ist. Wie jede Nation nicht eine vom Anbeginn feststehende Mentalität, sondern das Ergebnis eines langen ge-, schichtlichen Entwicklungsprozesses ist, so bleibt auch das Verhältnis der Nationen zueinander nicht unverändert. Für die politische Erörterung des Nationalitätenproblems in diesem Staate fft jedoch von grundlegender Bedeutung die Tatsache, daß, solange dieses nicht im Geiste der Völkerverständigung gelöst ist, die Deutschen bei jeder nationalen Auseinandersetzung im Nachteil bleiben werden. Das erhellt die Tatsache, daß jede Partei,' welche auf deutscher Seite ohne Verantwortungsgefühl zur Zuspitzung der nationalen Gegensätze beiträgt, sich mit schwerster Schuld bc lädt. Darin liegt auch das Verb re chen der Hakenkreuzler hierzu lande, daß sie durch ihr Tun den tschechi-' scheu Nationalisten den Anlaß für die Absendung ihrer chauvinistischen Giftgeschosse abgeben. In welchem Maße die Nazis zur Erhöhung der nationalen Spannung beigetragen haben, kann man aus dem Umstand ermessen/ daß die aufgehetzten ffchechischen Bolksmassen die Deutschen immer mehr mit dem Begriff Hakenkreuzler gleichzusetzxn beginnen'. Daß diese Elemente zum überwiegenden Teil im Lager der jungen tschechischen Fafeisten(>cwe- gung stehen, erhellt weiter die R o l l e d e r Nazis als Vorreiter des tschechischen Fascismus. Die Niederringung der Hakenkreuzbewegung ist also auch auf nationalem Gebiet die gegenwärtig wichtigste politische' Ausgabe der.deutschen Arbeiter dieses' Stan- tes. In Ergänzung hiezu wird es in erster Linie an unseren tschechischen Genossen liegest, in ihrem Bolle der irrigen Gleichsetzung, von Deutschen und Hakenkreuzler« entgegenzuwirken und vor allem den tschechischen Arbeitermassen zum Bewußffein zu bringen, daß die Nazis nicht die politische Vertretung des. vernünftigen Teiles der deutschen Bevölkerung sind. In. diese»» Zusammenhairg ffi noch festgestellt, daß auch jene Leute im deutsche" Lager, welche, angeregt durch die politisck 'Entwicklung in Deutschland'—es sind dies in' Beite 2. Nr. 259 Tonnecstag, 3. November 1932 übereifrigen Nationalisten im tschechischen Volke z u s a m m e n.. Als stärkstem erhaltenden Faktor muß beiden Parteien— diese Zuversicht gewinnt man daraus — noch die Stunde erstehen, wo sie aus dem Staat der tschechischen Restgutsbesitzer und der Bourgeoisie den Staat der arbeitenden Menschen formen. W. W a n k a. Moskau verbietet die Einheitsfront Das„Ekki“ gegen jegliche Zusammenarbeit mit den Sozialdemokraten. von Gemeinden, z. B. in der Stadt Wurzen, die sozialistisch-kommunistische Mehrheit nicht zustande gekommen ist, die Ablehnung der Listenverbindung deutlich auszusprechen. Jegliche Zusammenarbeit mit den Sozialdemokraten— so erklärt Selbmann im sächsischen Kozi-Funftionärorgan„Der Bolschewik", Nr. 15— sei durch die Beschlüsse des Ekki verboten. Die Listenverbindung würde vor den Arbeitern den Eindruck machen, daß man die SPD. für eine antifascistische Kraft halte, mit der man sich verbünden könne; eine solche Auffassung müßte den kommunistischen Kampf um die Eroberung der Mehrheit der Arbeiterklasse schädigen. Also selbst eine rein technische Stimmen- zusammenrechnung mit der Sozialdemokratie wird von der KPD. als untragbare Belastung empfunden. Deutlicher kann sie nun nicht mehr erläutern, wie ihre Einheitsfrontparole aufzu- faflen ist. Li» neuer Zeuge, der Sichrovsky den Weg zu StMbrny gezeigt hat. ein Akt über die Kundgebung des damaligen Eisen» bahnministers StklbrnF„über die Waggonnot". Die Handels- und Gewerbekammer in Prag sandte dagegen Eintragungen über eine erweiterte Beratung der Transporteure in der Handelskammer am 18. Juli ISA), wobei überhaupt kein offizieller Vertreter des Eisenbahnministeriums anwesend war. In der zweiten Sitzung, die einen Tag später stattfand, war Staatssekretär Burger zugegen. Am Schluß der vormittägigen Verhandlung wurde Zeuge E 8 n e r vernommen, der Sichrovsky bereltS einige Jahre kennt. Im Jahre 1920 war er bei der Malozemsdelskä jednota(Kleinbäuerliche Bereinigung) angestellt, wo damals Stkrbrnjf amtiert«. Dorthin sei Sichrovsky einmal gekommen und hab« gefragt, ob er mit StkibrnF sprechen könne. Zeug«, der sein Büro im Erdgeschoß hatte, fragte telephonisch, ob StkibrnF anwesend sei, und als er seine positive Antwort erhielt, habe er Sichrovsky ins Stiegenhaus geführt um» ihm die Tür z« Stribrn^S Büro gezeigt. Als er etwa nach einer halben Stunde wegging, sei Zeuge bei der Haustür abermals mit Sichrovfly zusammengetroffen. Auf die Frage, was er ausgerichtet habe, dankte ihmSichrovsky für seine Bereitwilligkeit. Einige Tage spater sah Zeuge abermals Sichrovsky im Haus der Malo- zemädölskti jednota. Was Sichrovsky bei Stkibrny gesucht habe, wiffe Zeuge nicht und habe ihn auch danach nicht gefragt. Auf die Frage de» Vorsitzenden schließt Zeug« jeden Irrtum auS. Der Vorsitzende macht Sichrovsky nachdrücklich aufmerksam, daß er durch Leugnen seine Situation nur verschlechtere, Sichrovsky bleibt aber dabei, daß er in den Büros der Malo- zemödsslkä jednota niemals war. kammer, die am 2., 15. und 18. Juli 1920 abgehalten worden sein soll, nichts bekannt sei und daß man nicht feststellen könne, ob an diesen Enqueten Stklbrn^ teilgenommen habe. Ebenso sei im Eisenbahnministerium keine Eintragung oder Nachmittags wurden die Protokolle über die früheren Zeugenaussagen des Bohustav E8ner verlesen, wobei dem Zeugen seitens der Verteidigung eine große Zahl von Fragen vorgelegt und genau« Aufklärungen über sein« Aussagen verlangt wurden. Entgegen der diesbezüglichen Behauptung des Zeugen erklärt der Angeklagte Stkibrnv, er sei als Minister niemals in der Genossenschaftsbank(DruLmstevni Banka) gewesen, die gegenteilige Behauptung sei eine Unwahrheit. der Hauptsache agrarische Kreise,— jetzt den Ruf nach einer„starken Hand" erheben, äußerst kurzsichtige Nationalpoli.tiker sind. Im Rahmen dieses Staates kann nur eine tschechische„st a r k e Hand" zur Herrschaft kommen. Diese Leute vollziehen also rm Grunde keine andere Leistung, als die Nazis: beide würden bei Fortführung ihrer Politischen Pläne die deutsche Bevölkerung in diesem Staate einer hemmungslosen tschechischen Diktatur preisgeben, die besonders auf nationalpolitischem Gebiete die ärgsten Wunden schlüge. Diese Feststellungen waren notwendig, unr der hier vorliegenden Erörterung von vornherein den Charakter nationaler Einseitigkeit zu nehmen. Die folgenden grundsätzlichen Worte richten sich nun an die Adresse der tschechischen bürgerlichen Kreise, welche sich als die berufenen Bewahrer der Republik betrachten. Es steht außer Zweifel, daß nicht allein unsere tschechischen Genossen die Mitarbeit der Deutschen in diesem Staate zu schätzen wissen. Wer sich im tschechischen bürgerlichen Lager einen klaren Blick bewahrt hat, muß ebenfalls an einer loyalen Zusammenarbeit mit den Deutschen interessiert sein. Aber es fehlt diesen Menschen an dem notwendigen Mut zur Unpopularität, sich der hochgehenden Welle nationalen Haders entgegenzustellen und sie durch ein Bollwerk üärlegener Einstellung abzuwehren. Das aber drängt zur tieferen Untersuchung des Problems. Das bringt uns bis zur Frage nach den Grundrechten der Staatsbürger. Di« tschechosiowakische Verfassung sichert jedem Einwohner der Republik den unbedingten Schutz des Lebens und der Freiheit, ohne Rücksicht auf seine rassische, sprachliche oder religiöse Zugehörigkeit und in einem besonder» Punkt wurde jedem Staatsbürger das Grundrecht der Gleichheit vor dem Gesetze und der Freiheit des^»rachgebvauches in allen Dingen des öffentlichen und Privatlebens zuerkannt. Wohl wurde durch Sprachengesetz und Verordnung eine Konkretisierung des Sprachgebrauches herbeigeführt, doch beziehen sich deren Bestimmungen nur auf den Verkehr mit Aemtern, Behörden und andern staatlichen Einrichtungen oder Anstalten. An dem Grundrecht deS freien Sprachengebrauches haben diese Spvachenbestimmungen nicht gerührt und damit ist klar herausgestellt, wie die nicht zu leugnenden Benachteilungen der Deutschen dieses Staates bei Vergabe von staatlichen Aufträgen usw., wie die Hetze der tschechischen Boulevardpresse, die zu übertreffen die Blätter der stärksten tschechischen Partei manchmal ihren Stolz dareinzusetzen scheinen, und nicht zuletzt die Beschimpfungen der Deutschen durch aufgehetzte Elemente zu beurteilen sind. Um es mit der mildesten Bezeichnung zu nennen, sind all diese Teikstücke der antweutschen Aktion VerstößegegendieGrundsätzeder Verfassung. In diesem Zusammenhang kann man sich aber nicht mit der Feststellung der Feigheit Hur Unpopularität begnügen, sondern eS erwachst hieraus die Frage der Verantwortung. Das Nationalitätenproblem aus dieser Perspektive betrachtet, muß man diese Verantwortung den Organen der Staatsführung und Verwaltung zuschreiben. Wenn die ausschlaggebenden Regierungs- und Verwaltungsfaktoren ruhig zusehen, bzw. noch dazu beitragen, daß durch die Ignorierung der notwendigen Verständigungspolitik, die Wahrung der Grundrechte der deutschen Staatsbürger in Zweifel gezogen wird, so sind sie dafür verantwortlich, wenn in der deutschen Bevölkerung eine Stimmung gegen den Staat aufkommt. Lassen sie den zersetzenden Elementen chauvinistischen Geistes weiter unbeengten Lauf, so laden sie auf sich die Schuld an dem nationalen Hader und der sich daraus ergebenden Herabminderung der Aktionsfähigkeit der Gesamtheit. Nicht zuletzt stellen diese Neberlegungen auch die Zusammenarbeit der beiden sozialdemokratischen Parteien dieses Staates in ein neues Licht. Ihr Zusammenwirken in allen wirtschaftlich-sozialen Angelegenheiten schafft täglich stärker auch den Felsblock, an dem sich die Gischt der nationalistischen Hochflut brechen muß. Sie schafft den Bläwn, auf dem tatsächlich jedem Staatsbürger die Ausübung feiner Grundrechte möglich ist, und wird diesen Boden zum Felde weiten, auf dem aus diesen formalen Rechten das Haus des umfassenden übernationalen Zusammenwirkens erwächst. In unseren Tagen der wachsenden nationalen Spannung, der Völkerzersetzung und Entzweiung ist sie das einzige Positive, das Deutsche und Tschechen— wenigstens die Arbeitermassen— zusammenhält. Und während beide sozialdemokratischen Parteien die Parole der Völkerverständigung nicht nur verkünden, sondern auch in die Tat umzusetzen am Werke sind, tun sie mehr zur Erhaltung dieses Staates, als alle Für di« sächsisch«» Gemeindewahlen am 13. November hatte di« Sozialdemokratie bereits vor längerer Zeit den Kommunisten eine technische Listenverbindung vorgeschlagen, die nichts weiter bedeutet und bewirkt, als daß die R e st st i m-. men der beiden Parteien nicht verloren gehen, sondern zur Gewinnung eines weiteren Gc- meindemandats zusammengerechnet werden, wobei das Reststimmcnmandat sclbstrerständlich dem Partner zusällt, der die höhere Reststimmenzahl hat. Der politische Kommunistenführer in Sachsen, Selbmann, hat als Antwort auf dieses Angebot an die Sozialdemokratie eine ganz lange Liste politischer Fragen gerichtet, durch die er der Partei bestimmte Bindungen für ihr« künftige Gemeindepolitik aufzuerlegen suchte. Jetzt aber hat er sich veranlaßt gesehen, weil in den Reihen der Kommunisten selbst die Listenverbindung befürwortet wurde, da bei den letzten Gememde- wahlen durch ihr Fehlen in einer ganzen Anzahl Jglau, 2. November. Nach mehrtägiger Pause wurde der 16. Tag deS StiftbrnF-Prozesse» mit einer Erklärung de» Verteidiger» Dr. Ra- sin eröffnet, der in Anbetracht dessen, daß angeblich die Prager Polizeidirektion neue Zeugen suche und verhöre und der Staatsanwalt binnen kurzem einen neuen Polizeizeugen beantragen werde, wodurch er in das Recht des Vorsitzenden des Strafverfahrens eingreife, die Vertagung der Hauptverhandlung beantragt, und Kvar bi» zu jener Zeit, da di« Untersuchung der Prager Polizeidirektion abgeschlossen fern wird. Der Vorsitzende erklärte nach einer Beratung des Gerichtshofes, daß keine Gründe gefunden werden konnten, die Verhandlung zu vertagen, denn es sei ihm nicht bekannt, daß ein ähnliches Aufsuchen von Zeugen bei der Prager ! Polizeidirektion stattfinde. Auf di« Aktionen der Polizei, soweit sie ihrer Kompetenz Vorbehalten sind, habe er keinen Einfluß. Im Laufe der letzten Tage sind an den Gerichtshof«ine Reihe von Schreiben eingelangt, die der Vorsitzende verliest, was den größeren Teil des Vormittags ausfüllt. Das Präsidium des Ministerrats hat einen Auszug aus dem Protokoll der am 4. Juli 1920 abgehaltenen Ministerratssitzung eingesanbt, worin konstatiert wlrd, daß die Verhandlung wegen der Beschaffung der Waggons vertagt wurde, bis ein Abkommen zwischen Finanzministerium und den Eisenbahnen vereinbart wird. Ein Auszug aus der Sitzung vom 1. Juli 1920 besagt, daß dem Vorschlag deS Eisenbahnministerium» zugrstimmt wurde. Die Zeugen Lustig und Jng. Schiff aus Berlin, die für den 7. November vorgeladen sind, ersuchen mit Rücksicht auf dringende Geschäftsangelegenheiten das Verhör auf den 8. November festzusetzen, welchem Ersuchen entsprochen wird. Ein wichtiger Dokument ist die Mitteilung des Eisenbahnministrriums, daß ihm über eine Enquete der Transporteure in der Handels- und Gewerbe- Beraluna üier die Organisation der öjjenttichen Biidungspsiege sür Arbe tslose. Einberufen von den Referenten des staatlichen Volksbildungsdienstes, sand am 2. November in den Räumen des Ministeriums für sozial« Fürsorge eine Enquete aller an der Bildungspflege für die arbeitslose Jugend interessierten Faktoren statt. Unter den 3,7 Teilnehmern waren die Vertreter des Ministeriums für Schulwesen und Bolkskustur und die des Fürsorgeministeriums, di« Vertreter der Landeskommisstonen für Kinderschuh und Jugendfürsorge, der Handelskammer, der Gewerkschaften, des Verbandes der deutschen Selbstverwaltungskörper, ferner die Inspektoren der Fach- und Fortbildungsschulen und di« Berufsberater, sowie eine größere Zahl von Bolksbildnern zu sehen. Bon den erstatteten Referaten seien folgende hervorgehoben: Professor Dreyhausen, staatl. Büchereiinspektor, Teplitz-Schönau, über„Oeffentliche Bil- dungspfleg« für Arbeitslose". Obersekretär Schleger vom Ministe- rium für soziale Fürsorge über die Fürsorge für die arbeitslos« Jugend in Heimstätten. Archivrat Dr. Moucha vom Ministerium für Schulwesen und Volkskultur über di«»Geistige Nothilfe in Deutschland". Dr. Forstner von der Handels- und Ge- iverbekammer Eger berichtete über die Erfahrungen auf dem Gebiete der Umschulung der Rothauer Frauen. Dr. Simorf, Aussig, über Erziehungsproblem« ser Heimstätten. Gewerkschaftssekretär Weigel, Reichenberg, sprach über die Hilf« für die arbeitslos« Gewerkschaftsjugend. Dr. Navrät vom Schulministrrium gab wichtige Winke über die praktische Durchführung der Fachbildung. yberschulrat Bahrynovsky, Aussig besprach die Lehriverkstättenfrage an den Fortbil« dungsichulen. Frau Inspektor Stängel, Teplitz- Schönau, besprach die Frage der praktischen Mädchenerziehung an Bolksbildungsschulen. Nach einer lebhaften Debatte, die viel zur Klärung der Ansichten beitrug und die von Dr. Franzel-Prag, Prof. Schön-Oderberg, Dir. Munk und Gewerkschaftssekretär Köhler bestritten wurde, faßte Fachlehrer Herget- Teplitz-Schönau die Resultate der Beratung zusammen und präzisiert« einen Gefamtbeschluß. Nach diesem werden nach Konstituierung eines engeren Arbeitsausschusses, der bereits am Freitag, den 4. November tagen wird, ein eingehender Bericht und Weisungen an die interessierten Körperschaften herausgegeben werden. Sch. ZalcsM zurfidfgetreten. Oberst Beck sein Nachfolger. Warschau, 2. November. Außenminister Z a l e s k i ist zurückgetreten. Als Nachfolger ist sein bisheriger Mitarbeiter Oberst Beck ausersehen. Beck gilt als Vertrauter des Marschalls Pilsudski, dessen langjähriger Adjutant er früher war.. In einem Gespräch mit Journalisten erklärte Graf Zaleska seine heutige Demission damit, daß er nach sechsjähriger anstrengender Tätigkeit eine Ruhepause notig habe, daß er aber mit der Regierung als Mitglied de» Senates zusammen- aroeiten werde. Wie die Abendblätter melden, wurde Zaleski der Botschafterposten in Pari», bzw. die Stelle des stellvertretenden Delegierten Polens beim Völkerbunde angeboten, was jedoch von Zaleski gleichfalls aus Gesundheitsrücksichten abgelehnt wurde. * Zaleski bekleidet« das Amt eines Auhen- minifters seit der Machtübernahme durch Marschall Pilsudski im Sommer 1926 und vertrat Polen bei allen internationalen Konferenzen. strelkgelahr im Berliner Verkehrswesen. Berlin, 2. November.(Eigenbericht.) Heute fand die Urabstimmung der Belegschaften der Berliner Berkehrsgesellschaft statt, die Straßenbahn, Autobusse und Untergrundbahn umfaßt; e» handelte sich um die Frage, ob die auf Grund der Notverordnung angekündigte Lohnreduktion von zwei Pfennig pro Stunde mit einem Streik beantwortet werden soll. Di« Streikleitung liegt in den Händen der Kommunisten und Haken- kreuzler. An der Abstimmung beteiligten sich 21.900 Stimmberechtigte, von denen 14.470 für den Streik und nur 3990 für die Annahme der Lohnreüuktion stimmten. Die zum Streik erforderliche Dreiviertelmehrheit wurde nicht erreicht. Trotzdem ist an- zunehmen, daß morgen ein bedeutender Teil des Berliner Verkehrs stillgelegt sein wird. Nach den angeführten Ziffern zu schließen, muß auch ein erheblicher Teil der freigewerkschaftlich organisierten Arbeiter s ü r den Streik gestimmt haben «ein politischer Nebenzweck der Reise HerriotS nach Madrid. Madrid, 2. November.(HavaS.) Der spanische Ministerpräsident Aza na gab vor Pressevertretern eine Erklärung über den Sinn des Besuches des französischen Ministerpräsidenten ab. Ministerpräsident Hrrriot, sagte Lzana, der sich der Zuneigung unser aller erfreut, ist gekommen, um unser Volk zu besuchen und herzlich zu. begrüßen. Sein Besuch hat keinen offr^ ziel!en Charakter. Ministerpräsident Her- riot ist al» bloßer Tourist nach Madrid gekommen, um die Ehr« und Achtung zu bekunden, die er zu der jungen Republik hegt. Dir haben alles getan, fuhr Azana fort, ihm diese Herzlichkeit zu vergelte«. Der Besuch Herriots in Spanien birgt nur für diejenigen irgend ein Geheimnis, die defaiti- stische Absichten gegen di« Republik verfolgen, und für diejenigen, di« unsere Freundschaft und Brüderschaft verdächtigen und die Hernot» Reise ein« Bedeutung beimessen wollten, welche sie entschieden nicht hat. Mit der Zeit wird sich di« Groß« ihres Irrtum» klar erweisen. Unser Gast hat wiederholt selbst erklärt, warum er nach Spanien gekommen sei, und wer den französischen Ministerpräsidenten kennt, kann seinem Besuche kein« andere Bedeutung und Auslegung beilegen al» die, die öffentlich bekanntgegeben wuÄte. Es ist unstrittig, schloß Ministerpräsident Azana, daß Herriot» Besuch eine herzliche Festigung der freundschaftlichen Beziehungen zwischen den beiden Staaten bedeutet, doch kann eine Vertiefung dieser Beziehungen an den friedlichen Grundsätzen, auf denen unsere Verfassung beruht, nicht» andern. < Die Tempel von Kaschmir stehen den Parias offen. Srinigar, 2. November.(Reuter.) Der Maharadscha von Kaschmir hat eine Verordnung herausgegeben, derzufolge alle Tempel auch den Parias zugänglich zu machen sind. Weiße Zähne: Chlorodont <£ Vom Rundfunk Empfehlenswerte» ans Den Programmen. Freitag. Prag: S.lü: Gymnastik, 11: Schallplatten, 1530: Lieder, 18.25: Deutsche Sendung: Prof. Pir- chan: Die Kunst des Kostüm», 19.20: Orchesterkoa- zert, 2220: Zeitgenössisch« Musik.—»rünu: 1L10: Orchesterkonzert, 18.25: Deutsche Sendung: Prof. Jadeczka: Gerhart Hauptmann, 21: Konzert. — Berlin: 18 40: Balladen und Lieder.— Frankfurt: 19.30: Balalaika-Konzert, 21.45: Herbstgesang.' Mühlacker: 19.30: Klassische deutsche Tanze, 22.20: Unterhaltungsmusik.— Königsberg: 20.10: Sympho- ! niekonzert.— Leipzig: 19: Volksmusik, 20: Schubert- Stunde,— Wie«: 20: Bunter Abend. Nr. 259 TonnerStag, 9. November 1932 Sette 8. Agrarischer Größenwahnsinn: er- Jnfluenza Menschen- Mutz jetzt gibt doch Sie friert. Hat Wohl wirklich ein bißchen Fieber Na, was — ist aber jetzt auch das richtige Wetter, um unter« dafür"— betten sich in den Begriff ausschließlich fremder Schuld am eigenen Elend wie in einen Sarg. Lasten sich da- gute, gute Wissen um eigene Trägheit und Fehlerhaftigkeit morden, lasten Lebenswillen und Kraftwunsch langsam in sich sterben— können ja nicht dafür. Und daß tatsächlich fremde Schuld das winzige Quentchen eigene Schuld mit zudeckt— das ist vielleicht das Schlimmste, das rst das Ende, das ist Gestorbensein... Gilgi hustet— das tut so weh in der Brust. Enquete am 4. November von den Vertretern beider Vereine vorgelegt werden. Aus-en Ausführungen der GeNosten, die aus allen Teilen der Republik Erfahrungen gesammelt haben, zeigen sich jetzt schon in vielen Gebieten, besonders aber in den früher industriereichen Gegenden schwer« bedenkliche Störungen im Gesundheitszustand der Bevölkerung, besonders wieder bei den Kindern; überall aber konstatierte man«ine unverhältnis- mäßige Zunahme der Tub« rkulos«fäll«, in allen Orten ei» sehr starkes Ansteigen der Geschlechtskrankheiten, di« in den letzten Jahren schon«inen erheblichen Rückgang gezeigt hotten. Dieses Herabsinken des Gesundheitszustandes der Bevölkerung stellt alle Befürchtungen, di« di« deutschen sozialdemokratischen Aerzte im Frühjahr dieses Jahr«s in«inem Memorandum an den Minister für soziale Fürsorge geäußert hotten, weit in den Schatten. Dringende Abhilfe wird gefordert. Zwangsarbeit für Arbeitslose? Das Dlatt der Rcstgutbaronc rnlt nadi der„ArbeltspfUdil“. Ein« gemeinsame Sitzung des tschechischen und deutschen sozialdemokratischen Aerztevereines befaßt« sich Sonntag abends im Volkshaus in Prag mit zwei derzeit wichtigen Problemen. D>« anfänglichen Besprechungen wurden d«m Meißner'schen Gesetzentwurf zur Abänderung d«S 8 144 gewidmet. In einer gemeinsamen Entschließung wurde dem Genosten Dr. Meißner der Tank ausgesprochen und ein« Erklärung abgegeben, die-er vom deutschen sozial, demokratischen Aerzteausschusse der Frauenreichssitzung Vvrgelegten und einstimmig angenommenen Entschließung sinngemäß entspricht. Zur Frage der Arbeitsloscukran» kenversicherung wurde eine Entschließung im Sinn« der Ausführungen des Genossen Dr. Gruichka in der Zeitschrift„Freie Gemeinde" gefaßt und wird di«s« dem Genosten Dr. Czcch als Minister für sozial« Fürsorge anläßlich der Dieser letztere Satz au- dem„Veöer" klärt alles: Die Herren Restgutbesitzer aus den Rechen der agrarischen Abgeordneten und Senatoren und ihrer Verwandtschaft bis ins x-te Glied sind nunmehr schon derart frech und anmaßend geworden, daß sie alles Ernstes glauben, die Hunderttausend« Arbeitslose, die seit Jahren vergeblich auf irgercheine Beschäftigung warten, seien durch den Hunger und die gräßliche Not schon so mürbe geworden, daß man sie nun schon ruhig zur unbezahlten Zwangsarbeit aufdenagrarischenRestgütern werde verwenden können. Die neuen Landedelinge würde so ein Ar- beitssllave nicht einen Heller kosten, denn die Ernährungskarten bezahlt ja ohnedies der Staat. So wäre das Dienstbotenproblem auf dem Lande für die Herrschaften direkt ideal gelöst! Sich mit' solchen Leuten sachlich anSein» anderzufetzen, ihnen in Erinnerung zu bringen, daß seit Jahren dem Angebot von Hunderttau- senden von Arbeitskräften bei den Arbeitsvermittlungsstellen nur ein paar hundert als frei gemeldete Arbeitsplätze gegenüberstehen, ja daß ein großer Teil der ehemaligen der Industriearbiter kaum je Aussicht hat, wieder in den Arbeitsprozeß eingeschaltet zu werden, wenn nicht die Arbeitszeit radikal verkürzt wird, hätte ja gar keinen Zweck. Letzten Endes will der„Veöer" ja doch nichts anderes bezwecken, als auch unter der neuen Regierung unablässig zu hetzen und zu schüren, und den sozialistischen Parteien das Leben nach Kräften zu verekeln. So wollen wir uns denn dem„Veöer" und seinen Hintermännern gegenüber ohne viel Aufregung mit der kühlen Feststellung begnügen: Eine Zwangsarbeit für Arbeitslose in irgendeiner Form wird in der Tschechoslowakei niemals eingeführt werden, weder unter der jetzigen Regierung, noch unter einem Beamtenkabinett und auch nicht unter der rechtesten Bürgerblockregierung, die sich die„Beeers- Redakteure überhaupt auch nur in ihren kühnsten Träumen vorzustellen vermögen! Die Arbeiterschaft ohne Unterschied der Nation und der politischen Zugehörigkeit wird auch unter den schlimmsten Verhaltnisten jederzeit schlagfertig genug sein, um jedem Versuch ihrer Versklavung durch eine frech gewordene Herrenkaste entsprechend zu begegnen!. MW vkl MkllM nun Der MlMMMUen. Eine gemeinsame Sitzung der AneschSffe der deutschen und tschechische« sozialdemokratische« Aerztevereine i« der öGN. IUI Will di« Wolke noch nicht durchbrechen— doch nicht, noch nicht— muß ja was gescheh«, lvas getan werden, wenn man si« durchbricht. -^Entschluß— Tat— ach, waS für hämmernde Dort«. Ev Werte, weite grüne Rasenflächen, schüchterne kleine Gänseblümchen, Bäume, Himmel, Sonne, -streichelnde Lust— sehr selten ein Mensch— tvei-geht denn auch wochentags um dies« Zett im Stadtwald spazieren?„Fällt's dir nicht auch auf, Martin, wie so'n einzelner Mann imstande 1% einem das ganze Panorama zu verhunzen?" Martin antwortet nicht. Beide schweigen eine toeitere halbe Stunde in die Sonne hinein, i*„Sag' mil Gilgichen"— reißt Martin plötzlich die Still« entzwei—„wie war das eigentlich vor mir— wen hast du da— gern gehabt? Ich weiß da so wenig von dir." Gilgi überhört den leisen bohrenden Jnquisitovertton, ohne den »in Mann solche Fragen ja nun mal nicht stylen kann.„Hab ein paar gern gehabt, ja— war ivohl auch verliebt— mein Gott, kann mich Vicht mehr recht besinnen. Weißt du, der Berstmd«innert sich wohl, aber das Gefühl hat kein« Erinnerung m«hr— ist so schwer, was zu rekonstruieren, wenn die Gefühlserinnerung sthlt." Martin ist nicht zufrieden, will mehr wisst»— wie— was— wer— wozu— warum Einen Augenblick lang sieht sie ihn schief von «r Seite an—^,ach, frag' nicht so viel. Nicht- Acht wohl endgültiger aus, als vergärten« Liebesgeschichten, wenn was Neues und Stärkerer kommt." Si« läßt den Kops an feine Schulter sinken—.„frag' nicht so viel, find' sowas Wirklich nicht wichtig"— hat einen wohlwollend überlegenen Zug um den Mund wie Menschen, bie plötzlich entdecken, daß jemand ernst nimmt, >vas für sie selbst unwesentlich ist. L„Du solltest nicht fortgehn bei dem scheuß- lichen Wetter, Gilgichen— hast heiße Backen— >vohl Fieber..— _„Gott«och, so'n bißchen Marttn!" „Du sollst dich zu Bett legen!" „Nachher, Martin— nachher. t>»r eben zum Arbeitsnachweis— Äeld heute!" Ein grauer Raum— voll von -eruch, feuchtem Kleiderdunst, Staub und Geräusch. Man steht Schlange vorm Schalter— diele, viel« Minuten. Dicht vor einem eine klein« verwahrloste Frau mit einem schmutzige« Kind ’M dem Arm. Hinter einem drängt's— Frauen W> Mädchen, Frauen und Mädchen, Körper an «körper— daß man so widerwärtig nah anein- ünder gedrängt ist. Gilgi» Blick fallt auf dos sttiig« Haar der Frau vor ihr— durch klebrige Erahnen grinst graugelbe Kopfhaut. Ein Ekel Vrürat einem im Leib, im Hals— Gilgi schließt Augen. Und jetzt dringt alles. rn einen bmem— Menschen in einen hinein— Raum einen hinein. Man schmilzt auf in ungesich- liger Menge— was ist man jetzt noch? Das, üäs im Raum ist: summende Hoffnungslosigkeit, stimmhaft wie das Weinen eines halbvechunger- je» Kindes— gebrochenes Wollen ohne Wunschhaft— gestorbenes Warten ohne Worauf— Tappen in Tage— Ruhen im Gestern— keine lstast zum Morgen— ausgeschlossen aus Ge- vteinfamkett— herauSgedranS aus dem Kreis in andere unerwünschte Gemeinsamkeit ge- brängt. Abfallszufriedenheit— Unfähigkeit auf- tubogehren— gegen sich selbst— eigener Ser» vptworttn« enthoben— keine Stütze mehr in eigenem Wollen und Können— an Fremdes -Äehnt... ach, der Atem um mich herum, und lveim man nicht so dicht vor mir stände und hinter mir— ich würde umfallen, aber so kann jch nicht umfallen. WaS bin ich dann noch? Ahnt benn ein Mensch das Unendliche seiner Beein- mlßbarkett!!! So ungleich stärker ist di« Immunität des Körpers als die des Geistes. Tas geringste Schwachwerden, das allergeringste Sich-' tzchmlaffrn macht offen für alles— fremde Ge- banken bringen einem in die Poren, fremde Wünsch«, fremde Lust, fremde Schwermut— ««indes, das sich in einem festsetzt— man N>erkt es nicht, man weiß«S nicht, leidet wohl später nach Togen— Wochen— Jahren an seinem entzündeten, kranken Empfinden— wundert sich vielleicht müde über die Unverständ- stchkeit eines Wunsches, Gedankens, der nicht in wdem selbst gewachsen ist, wundert sich, grübelt über Woher und Wozu einer ungewollten Tat, ka der eigne Beziehung fehlt— und war doch •h nur ein Atmen die Ursache, Atmen eines astemden, besten Gesicht man vielleicht gar nicht sah, Atmen, das in einen hineinfiel— blieb— *»erte— herausschwärte... Gilgi öffnet di« Augen: noch drei— sieben acht Menschen vor ihr. Aus dem eintönigen, Mamtgeräusch Wartender bricht hier und da ein «ingellaut, em spitzes Lachen, ungeduldiges Hopfen eines Fußes» Worte— Gilgi unterscheidet verschiedenartige Rücken— Schultern vor och. Freche Schultern, gleichgültige Schultern... •J), warum gehör« ich zu ihnen? Elend und Armut, das ist vielleicht nicht das Schlimmste. Das Schlimmste ist, daß man den Menschen hier M*« Verantwortungsgefühl genommen hat. Das Schlimmste ist, daß manche sind, die sich drimchc behaglich fühlen in dem„ich kann nicht Prag, 2. November. Im Anschluß an die Wiedergabe einer Meldung der kommunistischen Presse, daß das Landesamt in U n g v a r kurzerhand angeordnet hab«, Anspruch auf E r näh- runaskarten habe künftig nur derjenige, der als Gegenleistung ohne weiteres Entgelt beim Straßenbau mitarbeite, beeilt sich der„B« 5 e r", das Sprachrohr deS fascistischen Flügels der tschechischen Agrarier, in einem Dreispalter auf der ersten Seit« darzutun, daß der Gouverneur von Karpathorußland Roszypaldamit dem Staat« und seinen Finanzen„ernen großen und g u t« n D i e n st" erwiesen hab«. z®in« solche Arbeitspflicht, erklärt der„Veöer" weiter, werd« man auch in den übrigen Ländern der Tschechoslowakei einführen müsten; im gleichen Sinne mäste auch nach der praktischen, zweckmäßigen und wirtschaftlichen Seit« hin die Frage der Erteilung der Arbeitslosenunterstützung gelöst werden, dr« man nicht mir an eine st re n g« Kontrolle, sondern auch an die Arbeitspflicht binden müsse. Es sei direkt überflüssig zu beweisen, daß die bisherige Art der Gewährung der Arbeitslosenunterstützung ohne ordentliche Kontrolle die Tragfähigkeit der Staatsfinanzen übersteige: „Mr haben«S schon längst gesagt,«ad zwar grundsätzlich, daß di« Durchführung der Arbeit-- losenunterstützung oha« gleichzeitige Einführung der Arbeitspflicht ei» katastrophaler Fehler ist. Es ist endlich schon einmal nötig, an eine energisch« Lösung dieser brennenden Frag« in der Richtung zu schreite», daß dir Arbeitslose», di« eine Unterstützung beziehen, gleichzeitig die Verpflichtung zur Arbeit auf sich«ehmen müsten. Ms ahnungsvoller Engel sieht der„V e L e r" voraus, daß diese Forderung in der sozialistischen Presse«inen Entrüstungssturm entfachen wird, aber er will sich dadurch nicht abschrecken lasten. Wir wissen sehr gut, daß für den Fall, daß die Arbeitspflicht richtig eingeführt würde, durch sie der Staat in kurzer Zeit Hunderte von Millionen ersparen würde. Denn wir müsten überlegen, daß wir gerade vor der Festsetzung der grasten JnvestitionSarbeiten stehen, die Tausende Hände erfordern; wir dürfe« auch nicht auf die Bedürfnisse der Landwirtschaft vergessen, die selbst heuer in einer so schweren Feit, da«S Hunderttausend« Arbeitslos« gab, wegrn Mangels an Arbeitskräften mit ihn» Arbeiten im Rückstand blieb." pig« dreizehn Mark durch den Regen! Mein Gott, was hist du doch für ei» eigensinniges, unverständliches Mädchen." „So'n bißchen Influenza, Martin! Ich bin schon mal mit 39.4 Fieber ins Büro gegangen." Gilgi sagt das so, als wär's was ganz besonders Schones gewesen, wie sie mit 39.4 Fieber ins Büro gegangen ist. Und Martin ruht nicht «her, bis sie im Bett liegt.„Und ist dir auch wirklich warm?" So— und nun wird er zur Apotheke gehn und Aspirin holen und sowas wie Fliedertee— und den wird er dann kochen, wenn er wiederkommt. Und Gilgi will, daß er sich dann auch gleich die Schuhe kaufen soll— ,chu weißt, Marti», wie das geht! Wenn du damit»»artest, ist auf einmal wieder's Geld zu Ende und du brauchst Schuhe sooo nötig. Und geh' in die Schildergaste— du weißt, wo wir di« zu 19 Mark gesehn haben, die sahen seeehr anständig aus. Uno achte darauf, daß die Sohlen auch richtig stark sind..." Fünf Minuten ist Martin kort, da klingelt's. J denn nun schon wieder! Gilgi kriecht _ den sorglich aufgetürmten Kissen und sich zu erkältend Die^Frau mi7't«m Kind findet Decken hervor, zieht den schwarzseidenen Kimono da» auch— und mir fällt ein, daß sie kalte mit den großen gelben Sonnenblumen über, Füße hat.„Un wenn's man nur endlich richtich jstreicht sich daS Haar glatt... warm werden töt', daß ma»ich m«hr zu Heizen! Ach du lieber Gott. Dafür rst sie aufgestan- braucht", sie tappelt von einem Fuß auf den den! Em Hausierer, Vertreter oder Re's«Er— andern, daS Kind fängt an zu greinen— hat hat em verstaubte» Köfferchen—„WaS? Boh- so einen häßlichen Schorf um den kleinen Mund»erwachs? Brauche nichts." Gilgi zögert: scheuß- und furchtbar alte Augen und noch sich ,st das, mitten m eine so flehende Stimme acht Tage— dann muß ich zum Arzt gehen... i hinein die Tur zuzuschlagen. „Ach, Gilgichen, da läufst du nun für tum- 1(Fortietzung folgt.) Jahresbilanz der engllsdien Reaktion. Am 27. Oktober 1931 fanden in England ! die sensationellsten Wahlen statt, die in der englischen Geschichte je verzeichnet wurden. Die Arbeiterpartei, die im Juni 1929 eine Minderheitsregierung gebildet hatte, verlor siebzehn Prozent ihrer Stimmen; das englische Wahl- shstem ließ die Niederlage der Labour Patty optisch bedeutend vergrößert erscheine«, ihr Besitzstand au Mandaten sank von 265 auf 52. Die Parteien der nationalen Koalition stiegen von 340 auf 551 Mandate. Die Reaktion aller Länder triumphierte über den„Erdrutsch" in England. Heute, nach einem Jahr, kann man die Resultate des Sieges der Reaktion nüchterner und objek tider beurteilen. Die zweite Arbeiterregierung brach zusammen, als Partei und Gewerkschaften sich weigerten, Macdonald und Snowden zu folgen, die unter der Diktat der Cithbanken die Arbeitslosenunterstützung kürzen wollten. Es war nicht leicht, sich von den beiden bedeutendsten Führern der Partei zu trennen, von Mac- d o n a l d, dem Organisator und eigentlichen Schöpfer der Partei, von Snowden, dem „roten Schatzkanzler". Beide haben im Wahlkampf die Arbeiterpartei heftig bekämpft, besonders Snowden war hemmungslos in seinen Angriffen. Sie ettlärten, daß die Labour Party zur Inflation tteibe, um kleiner Klastenvorteile willen sich den Notwendigkeiten der Nation versage. Sie packten den Durchschnittsenglander an seiner empfindlichsten Stelle, an der Furcht um seine Ersparnisse. Die Konservativen, der größte Teil der Liberalen und die engere Anhängerschaft Macdonalds und Snowdens, sie all« schloffen sich in einer„nationalen" Front gegen die Arbeiterpartei zusammen. Sie haben gesiegt. Wa» hat ihr Sieg England gebracht? Den Pfund stürz haben sie nicht verhindern können. Die Londoner City hat dadurch ihre Weltgeltung eingebüßt. Die Arbeitslosigkeit haben sie nicht zu lindern vermocht; nach einer vorübergehenden Besterung der Beschäftigung, hervorgerufen durch die Pfundentwertung, trat der Rückschlag ein. Ende Juni zählte England um zweihundertfunfzigtaü'end Arbeitslose mehr als vor einem Jahre. Aber am deutlichsten zeigt sich der Bankrott der„nationalen" Regierung in der Frage der Handelspolitik. Die Arbeiterregierung widersetzte sich energisch allen konservativen Schutzzollwünschen, unter der Führung Snowdens hielt sie am Freihandel fest. Das war für eine sozialistische Partei nicht ganz richtig, denn wir pflegen dem imperialistischen Protektonismus nicht den liberal-kapitalistfichen Freihandel gegenüberzustellen, sondern loziali- stisch orientiett« Planwirtschaftsorgane, staatliche Außenhandelsmonopole. Die Labour Party har sich indischen von dem geistigen Erbgut Snowdens freigemacht. Was tat aber Philipp Snowden, der energische Freihändler Großbritanniens? Er trat in eine Regierung ein, deren erste Tat die Einführung„provisorischer" Schutzzölle war. Wir haben damals dargelegt, daß das Provisorium nur eine Tarnung ist, daß in Wirklichkeit England definitiv zum Protektionismus übergegangen ist. Di« Ereigniste haben unS recht gegeben. Bei der Reichskonferenz in Ottawa verpflichtete sich Großbritannien zur Einführung von Lebensmittelzöllen für die Dauer von fünf Jahren, d. h. zu einer beträchtlichen Verteuerung der Lebenshaltung der breiten Masten. Nun trat Snowden aus der Regierung aus, aber die Oeffentlichkeit nahm kaum Notiz davon. Von größerer Bedeutung war schon der Austritt Herbert Samuels, des Führers der liberalen Mitte, aus der Regierung. Aber auch er kam zu spät, denn niemand glaubt ihm seine freihändlerische Geste, nachdem er ein Jahr lang im Kabinett der Reaktion gesesten ist. So hat der Feldzug gegen di« Labour Party ein bemer- kenswetteS Resultat gezeitigt: di« Vernichtung der Liberalen. Bon nun an wird der Kampf um den Primat in der englischen Politik nur noch zwischen Konservativen und Arbeiterpartei ausgctragen werden. Die Aussichten der Arbeiterpartei in diesem Kampf« sind durchaus gut. Sie hat im letzten Jahre eine wertvolle Lektion Klastenpolitik genossen; die Folge ist ein bedeutsamer Linksruck der Partei, der auf dem letzten Patteitag in Leicester klar zum Ausdruck kam. Ideologisch gereift, stellt sich di« Arbeiterpartei heute die Frage nach den Wegen der sozialpolitischen Politik einer künftigen Arbeiterregierung. Die Konservativen werden den englischen Wähler nicht noch einmal mit der „nationalen" Parole bluffen könne» die Fronten des KlafsenkamPfeS beginnen sich klar herauszubilden. Indessen zerstört die gegenwärtige Regierung nicht nur ihr nationales, sondern auch ihr internationales Ansehen. Als Vertreter der englischen Arbeiterklasse wurden Macdonald und Henderson zu Schlichtern und Richtern der europäischen Konflikt«, arbeiteten sie an der Befriedung Europas und der Welt nicht ohne Erfolg. Heute versucht Macdonald an den formalen Mitteln dieser Politik festzuhalten, aber da hinter ihm heut« eine andere Klasse steht, versagen diese Mittel ihren Dienst und seine Arbeit steht unter einem ungünstigen Stern. Unter Macdonald- Vorsitz wird bald die Welttvirt- schastskonferenz zusammentreten; aber sie ist schon heute zum Scheitern verurteilt, denn jeder Appell zur Abtragung der Zollmauern wirkt Wyerlich angesichts der Zollmauern, di« die englische Regierung eben aufgerichtet hat. So zeigt sich, daß es nur eine moralische Kraft gibt, die. der Ordnung, Vernunft und Freiheit im Völkerleben einen Weg bahnen kann, die Kraft der Arbeiterklasse. H. H. Seite 4 Nr- 259 DouuerStag, 3. November 1931 Taßesneuigketten vb. 1 t Die soziale Indikation Warum darf eine Frau kein Kind haben? Sin Ge'augener erschlagt zwei Leiveusgenoffen. Freiburg i. B., 2. November. Am Montag erschlug in einer Äemeinschaftszelle des hiesigen Landesgcfängnifsts in einem Anfall von Tob'ucht ein Gefangener zwei seiner Mitgefangenen unverletzte einen dritten schwer. Frankfurt a. M., 2. November. Auf dem Fluge von Nürnberg-Fürth nach Frankfurt a. M. verunglückte heul« mittags gegen 12 Uhr KV Min. das Flugzeug„D 724", Typ I unke r s F 13 bei E ch t e r P f u h l in der Nähe von Rohrbrunn in Spass art. Fünf Insassen kamen babei«ms Leben. Die Namen der Verunglückten sind: OberregierungSral W«i d n« r und Regic- ruugsrat E s ch e n b a ch vom Landesfinanzautt München, der kaufmännische Angestellte Richter von der Münchener Flugleitung und die Besatzung Flugzeugführer Anton Schulz und Funkermaschinift Karl Frank. Sachverständige zur Klärung der Gründe des Unfalls smd unterwegs. Role Nellengriitze au! Karl Cermats Grad. An die Zeil des Parteitages fiel der achtjährige Todestag unseres unvergeßlichen Führers und Genoffen Karl C e rmak. Auf Prager Bode« ruhen die sterblichen Ueberrestc dieses Mannes, der ein kundiger Baumeister der selbständigen Organisationen der sudetendeutschen Sozialdemokratie war. Zum Zeichen der unauslöschlichen Erinnerung an sein Wirken beschloß der Parteitag, an dem Grabmal Lcrmaks einen Akt ehrenden Gedenkens zu vollziehen. Eine Deputation, bestehend aus den Gcnoffen Kremser, Reyzl, Jak sch und Mader legte im Auftrage des Parteitags einen Kranz mit leuchtend roten Nelken auf vermaks Grab, als dankbaren Gruß aller seiner Freunde und Kampfgenossen. Rote Nelken kündeten den Besuchern des stillen Wolschaner Friedhofes, daß dort ein unvergessener Führer des deutschen Arbeitcrvolkes ruht. Der Geist öermaks aber, sein kampffroher Geist, sein tiefes Verantwortungsgefühl, seine heilige Liebe zur Partei waren indessen auf dem Parteitage lebendig. Das Banner steht, wenn der Mann auch fällt! Nu deutscher Lumpser rettet 16 Schwede«. . Stockholm, 2. November. Die 16 jungen Schweden, die vor einigen Tagen von Gotland aus in die Ostsee aufgebrochen waren, um die russischen Manöver zu beobachten, und die seit dieser Zeit vermißt wurden, wurden Mittwoch nachts von einem deutschen Dampfer gerettet. Der Motor des Schiffes war schon bei der Ab fahrt nicht in Ordnung gewesen. Da die jungen Leute bis Dienstag von dieser Fahrt nicht zu rückgekehrt waren, hatte der schtvedische Rund stinkt alle Dampfer auf das vermißte Boot auf merksam gemacht. Der deutsche Dampfer ändert« daraufhin sofort seinen Kurs und konnte in der Nacht die Besatzung des Bootes retten. Die Stock-——, M Holmer Presse spricht der Mannschaft des deut-! Partei nahestehend« Presst. wenn auch nur rn- ^hen Schiffes große Anerkennung aus. j folge mangelnder Sprach- und Stikbeherrschung Prag. 2. November. Die Widersprüche der! kapitalistischen Weltordnung offenbaren sich heute in dieser Uebergangszeit jedem, der Augen hat und sehen will, auf Schritt und Tritt. Der Fruchtabtreibungsparagraph verdankt seine Entstehung und seine Existenz der hysterischen Furcht der kapitalistisch-militaristischen Spitzen vor einer Verringerung des disponiblen Kanonenfutters einerseits und der industriellen Reservearmee anderseits. Darum rüst di« vereinigte Reaktion die„christlich-religiösen" und die nationalistisch-„patriotischen" Trommler auf den Plan und verschwendet Tinte und Druckerschwärze zur Bekämpfung des wahrhaft sozialen Reformentwurfes unseres Justizminr- steriumS, der sich bemüht, einer sozialen Pest zu Leibe zu gehen. Was vermag aber das reaktionäre Geheul gegenüber einer niederschmetternden Wirklichkeit» die freilich von der gesamten Bürgerpresse totgeschwiegen wird? Kaum vergeht ein Tag, wo vor den Strafgerichten Fälle nach§ 144 zur Verhandlung stehen, von denen jeder.einzelne verdiente, dem Motivenberichte zu dem Növcllierungscntwurf eingefügt zu werden. Geraste die, von der Reaktion verleugnet« „soziale Indikation" macht sich immer mehr und mehr geltend. Keine pharisäisch« Augestverdrcherei kann die Tatsache aus der Welt schaffen, daß nicht Leichtsinn und unverantwort- flichc Bequemlichkeit die Frauen in di« Hand der Expreßzug und Straßenbahn. Dienstag abends fuhr an der Stvaßenuberfahrt in D i j o« ein Exprcßzug auf einen Wagen der elektrisch» k Straßenbahn auf, wobei der Hintere Teil dck Straßenbahnwagens durch den Anprall weggn rissen wurde. Bei dem Unglück wurden vier Personen gelötet und drei verletzt. Auto fährt in Paffanten. Auf dem O Perm Platz in Paris fuhr Dienstag abends« einer für den Uebergang der Fußgänger fr* stimmten Stelle ein Auto in rascher Fahrt in dir Paflanten. Hiebei wurden eine Person getötet' eine tödlich und vier leicht verletzt. Wege« des Sprengstosfattentats auf dir Druckerei des»Offenheimer Tageblattes" sind zwei Nationalsozialisten verhafte! worden. RazitheaterS Tod. Das B«rlin«r Wall'! ner-Theater, eines jener vielen Theaterunter- nehmen, die die Nationalsozialisten ans eigen«' Kraft, mit der sie sonst so Protzen, nicht austecht tt‘ halten konnten, hat seine Pforte» schließe» müM Das Programm reicht« von den reichlich dilettanW gegebenen„Mitschuldigen" Goethes bis zum„Leibkutscher des Fridericus'. Zuletzt trat der Berichs' Vollzieher auf und— allerdings vergehlich— d>- Enscmble mit Gagenforderungen Gronau aas Zypern. Wolfgang von Gronau d>' auf seinem Flug um die Welt Zypern erreicht. Del Pilot braucht« für die rund 1100 Kilometer laut* Strecke von Bagdad bis Zypern mit einer Reil«' geschwindigkeit von 166 Stundenkilometern 6$ Stunden. Die Rout« führte über die Syrische WM Der Dornier-Wal der deutschen Berk«hrsflieg«rschu!> List hat sich vorzüglich bewährt. Starkstrom der Liede. In einem slowenische Dorf umspannte ein Bauernknecht das Fenster seine* Verlobten, die er vor nächtlichen Konkurrenw schützen wollt«, mit Draht, den er j«de Nacht au di* lleberlandleitung anschloß. Das erste Opfer wurd* freilich nicht der Rivale, sondern«in Schwein, Ä sich in der Leitung verfangen hatte, und ein Schlatter, der es loslösen wollte... Mord im Fieber. In Freital bei Dresdst schnitt der 26jährige Dreher HanS Noeske sein" gleichaltrigen Braut Margarete Müller mit eines Rasiermesser den Hals durch und tötet» sich da»* auf di« gleiche Weise. Wie di« kriininalpolizcilick*" Ermittlungen ergeben haben, hat Noeske die Tat io Fieberwahn begangen. Ueberschwemmuug. Die belgischen Flüsi« der, Demer und Reihe sind über di« Ufer getrelck ! und haben hunderte Hektar Acker und Wies« uni* 1 Wasser gesetzt. Verschiedentlich wurden Häuser»nick' spült; außerdem werden Dammbrüchc gemeldet.■*. Auch verschiedene niederländische Wasserläufe rick' teten Ueberschwemmungsschaden an. In den Amp«*' damer Grachten ist das Waffer überall bis an dck Straßenrand gestiegen. In der weiteren Umgegcr-^ der Stadt stehen auch die Gärten und Keller un«*) Waffer. ihrer Mitarbeiter, dresen„sndetendeutschen Führern" gelegentlich die Wahrheit sagt! Ein« Greisin wird vom Auto geköpft. Wie uns aus Dux berichtet wird, ereignete sich aus der Staatsstraße nach Teplitz ein furchtbares Unglück. Auf der sogenannten Hundorfer Höhe lies eine 70jährige Frau, die schwerhörig war, einem lstehrtonmgeu Kraftlaftwagen aus Saaz in die Fahrbahn, wurde niodergeriffen und überfahren, wobei die Greisin furchtbare Verstümmelungen erlitt urtd buchstäblich enthauptet wurde.. Der Kopf lag iu großer Entfernung vom leblosen Körper auf der Straße. Ein Versthulden des AutÄenkers an dem gräßlichen Unfall liegt nicht vor. Ei« Licbesdrama i« Kaa'oen. In Kaaden trug sich, wie uns geschrieben wird, vor kurzem Ki» Ll-ebesdrama zwischen zwei blutjungen Menschen zu, indem der 22jährige Arbeitslose .Karl Emil Kraus seine Geliebte, die erst 17 Jahre alte Grete Stengl, mit drei Revolver- schüffen niederstreckte. Kraus hatte sich an dem betreffenden Abend in hochgradiger Erregung befunden, wahrscheinlich deshalb, Weik seine Ber- K,«in« Erwerbsmöglichkeit zu finden und da- ) in die Loge versetzt zu werden, einen eigenen Hausstand in absehbarer Zeit zu gründen sthlschlugen. Er hatte das Mädchen gebeten, ihm etwas Brot zu bringen, worauf es ihn eingeladen hatte, mit in die Wohnung der Eltern zu kommen. Darüber kam es zu einem Wortwechsel, in dessen Verlauf Kraus die Waste aus der Tasche zog und gegen das Mädchen anschlug. Entsetzt aufschreiend flüchtete die Siebzehnjährige, aber iw krachten kurz nacheinander drei Schüsse, die sämtlich das Mädchen trafen. Die Schwerverwundete hatte noch die Kraft, bis ins erste Stockwork zu laufen, wo sie bewußtlos zusammenbrach. Sie wurde am gleichen Abend noch ins Krankenhaus gebracht. KrauS irrte eine Zeitlang-herum, dann stellte er sich völlig gebrochen und verzweifelt der Gendarmerie. Nunmehr, 14 Tage nach der unseligen Tat, ist Margarethe Stengl im Krankenhaus den schweren Schußverletzungen erlegen. Aus Furcht vor Militärstrafe in die Fremdenlegion. Der„Motin" meldet aus Metz, daß sich in dem Werbebüro der Fremdenlegion in Dietenhofen ein Unteroffizier des 4. Infanterie-Regiments in Bautzen namens Paul Müller gemeldet habe, der erzählte, daß er, während er vor einem Bekleidungsmagazin auf Wache stand, den Diebstahl eines Paars Schuhe nicht habe verhindern können. Aus Furcht vor Strafe sei er desertiert und habe ohne behelligt zu werden, den Weg von Bautzen nach Dietenhofen, d. h. 700 Kilometer, zu Fuß zurückgelegt, um in die Fremdenlegion einzutreten. Dem Wunsch Müllers sei entsprochen worden. Schwergeprüft« Halbinsel. Auf der Halbinsel. Chalkidike wurde Dienstag um 18.06 Uhr ein außerordentlich heftiger Erdstoß verspürt, der besonders stark in Poliahros, Arera, Stagaira, Stratoniki und Hierisfos war, wo zahl-reich« Häuser einstürzten. Die Bevölkerung ist in Furcht und Schrek- k e n versetzt. Um 18.15 Uhr rief ein zweiter wellenförmiger Erdstoß unter der Bevölkerung von Saloniki Entsetzen hervor, der auch in Seres, Drama, Kawalä und Kozani zu spüren war. Die Behörden bemühen sich, die Bevölkerung zu beruhigen. Parlament ohne Nahrung. Aus Wien wird gemeldet: Im Zuge der Ersparungsmaß- nähmen wurde auch das Abkommen mit dem Pächter des Parlamentsbetriebes in Wien mit 1. Jänner gekündigt. Das Parlaments» Restaurant wird endgültig aufgelassen. Windhose über New Hork. Wie„New Aork Herold" Meldet, wütete Dienstag über dem Staate New Jork eine von einem heftigen Regenguß begleitete Windhose. Die ganze untere Äorstadt New Aorks flt überschwemmt. An der Meeresküste stehen zahlreiche Villen unter Wasser. Die Telegraphen- und Telephonverbindung ist unterbrochen, ebenso der Eiserchahnverkehr. Ein Natur- und BoaeWutzvarr bei Neuen». Das W«rk der Arbeiter. Im Neuerner Wald, am Fuße der. sagen- umsponneiren Ruine B a y r e l, ist ein Naturschutzgebiet entstanden, das in kurzer Zeit ine Sehenswürdigkeiten des Böhmerlvaldcs um ein« neue bereichern wird. Auf einem Gebiete von I rund fünf Hektar Jungwald, das die Stadt Neuern zur Verfügung stellte, hat der Natur- u nd Bogels chutzvcrein Neuern einen Naturpark errichtet, den alle naturliebenden Menschen mit Freude besuchen weichen. Der! Wald ist umzäunt, mst hübschen Spazierwegen ausgestattet und durch seine sonnige Lage ein idealer Zufluchtsort für die gefiederten Sänger des Waldes. Ueber zweihundert Nistkästen wurden bereits aufgestellt, Futterplätze hergerichtet, Aquarium und ein Terrarium für Schlangen und Eidechsen erbaut. Auch ein Fuchsenzwinger fehlt nicht, ferner ein Hsgeplatzfür Hochwild, der vorläufig von eurer Weißen Hirschkuh und ihrem Jungen bewohnt wird. Ein zahmes Reh ist leider ausgebrochen und wurde draußen in der„Freiheit" von unwissenden Menschen totgeschlagen. Ein Blockhaus mit Fischweiher und Springbrunnen davor sorgt für dir Erfrischung der zahlreichen Besucher. ■ Dieser neue Naturschutzpark ist ein Werk d e r N e.u e r n e r Arbeiter, die das Hauptkontingent der Mitglieder des Natur- und Bogel- schutzvereines stellen. Sie haben in ihren freien Stunden die Anlagen hergerichtet und sind weiter eifrig bestrebt, sie auszubauen. Ein Zeichen des kraftvollen Kuliurwillens der Arbeiter» daß sie trotz aller Krisensorgen noch solche anerkennenswerte Leistungen vollbringen. Die von einer sozialdemokratischen Mehrheit verwaltete Stadt Neuerp hat kürzlich noch die Burgruine Bahrek und weitere Äaldgründe erworben, so daß die vielen fremden Besucher des Böhmerwaldes künftig in der Neuerster Umge- bung einen reizvollen Ausgangspunkt ihrer Wanderungen finden werden. Abtreiberinnen jagt, sonder» die eiserne Notw*"' digkest. Das kei mende Leben muß ß*' tötet werden, weil diese Weltork' nung ihm nicht den Bissen Brot i u sichern vermag, den dieses Leben verlang Die Zahl der Ehefrauen, die gezwungen siw- sich das ersehnte Kind nehmen zu lassen, st*'' gert sich in furchtbarer Weise, Hier ein Fall vo" vielen, vielen andere». Eine Arbeiterfrau glaubt schwanger zu sei*' Der Mann ist seit Monaten arbeitslos; r erhält die Familie durch schlechtbezahlte Arb*' als Bedienerin. Ein Kind haben sie sch»"' Und hunger«. Für ein zweites Kind ist buck' stablich keine Nahrung zu beschaffen. Sie zur Hebamme. Das Abtreibungshonorar vo" 80 K wird in Raten bezahlt. Achtzig Kron«'' sind ein Vermögen für diese Leute. Die Sacks nimmt de» üblichen Verlauf. Infektion Krankenhaus— Strafanzeige— Verhandlung< zwei Monate Kerker bedingt auf zw*' Jahre. Diese kapitalistische Gesellschaft verlaus' Nachwuchs. Nahrung kann sie diesem Nachwuch nicht geben. Sie bleibt nichts übrig, als iwß j# 1 Lösung der tragischen Konsequenzen der H**' Staatsanwalt auf der Szene erscheint und i>" Namen deS Gesetzes den unlöslich*" Knoten durchhaut. Wir lange noch?! Hitlers Verrat an Südtirol. Der italie- nische Faseisurus hat mit großem Gepränge überall den Zehnjahrestag des Marsches auf Rom gefeiert. Jn Bozen in Südtirol fand diese Feier vor dem sogenannten, Siegesdenkmal statt. Dies Denkmal ist gewidmet der italienischen Jrredenta vor dem Kriege und während des Krieges in Südtirol, es feiert die Annexion Südtirols'durch Italien. Es wird deshalb von der deutschen Be- oölkerung in Bozen als ein Mal der Trauer empfunden, als ein Symbol des italienischen Nationalismus, der über das Deutschtum in Südtirol triumphiert hat. An diesem Denkmal des italienischen Nationalismus hat die Zehnjahresfeier des Fascismus stattgefunden. Es waren vertreten die Spitzen der italienischen Behörden, das italienische Militär und die fascisttschen Organisationen. Auf den Stufendes Denkmals aber stand eine Abteil» ng deutsch er unifor m ie r- ter Rat i o n a l s ozia l i sten in B rau n- hemden und der Hakenkreuzbinde im Austrage Hitlers. Zwischen den silbern und golden blitzenden Uniformen der italieni- I scheu Offiziere und den himmelblauen Schär- j Pen der golden und silbern betreßten französi- ! scheu Milizoffiziere paradierten die Landsknechte Hitlers! Sie feierten mit den Fgscisten !den Sieg über die Freiheit und den sieg des italienischen Chauvinismus über das Deutschtum in Südtirol! Deshalb nennt sich die Be- ! wegung Hitlers auch ein« nationale Bewegung! Prof. Emil Goldman« 80 Iah« alt. In diesen. Tagen hat in aller Stille und mit der ihm angeborenen Bescheidenheit«in Gelehrter von Format und internaiionalem Ansehen feinen 60. Geburtstag begangen: Umvcrsitätsprofeffor E m i l G o l d m a n n. Er lehrte an der Wiener Universität'deutsche Rechtsgeschichte. Seit Jahrzehnten nimmt er unter den Forschern der deutschen Altertumskunde eine ausgeprägte Sonderstellung ein und seine bedeutsamen Arbeiten genießen im Auslande höchstes Ansehen. Und doch hat dieser Prof. Goldmann es in Wien zu keinem Ordinariat gebracht. Es war di« Wiener Universität, di« einen Mann wie Goldman» nicht hochkommen laffen wollte, well'-«r Jude war und well er rm Geruch sozialistischer Gesinnung stand. Es ist den Finsterlingen nicht gelungen: Wie Sigmund Freud, wie Goldscheid und Popper- Lynkeus ist auch er wissenschaftlich groß geworden ohne Universität! Di« Kritik des Herrn Kallina. Aus Preßnitz im Erzgebirge wird uns geschrieben: Hier wurde aM Sonntag ein sogenannter Kreisparteitag der Deutschen Natronalpartei abgehalte», bei welchem Anlaß der Abgeordnete Kallina aus Karlsbad ein Referat erstattete, von dem di« wegen Veröffentlichung des Bersammlungsberich- tes der Beschlagnahme verfallene ,,P r e ß n i tz e r Zeitung" behauptete, es sei ein„großartiges Bild der gegenwärtigen politischen und wirtschaftlichen Lage" gewesen... In seinen weiteren Ausführungen über den Kverspavteitag schildert das Blatt auch die Kritik des Abgeordneten Kallina an den deutschen Regierungsparteien, wobei es wörtlich sagt:„Auch die Regierungsteilnahme der Deutschen hat an diesen Verhältnissen nichts geändert. Der Redner(Kallina) unterzog dies« Teilnahme an der Macht einer herben Kritik, die nicht fähig war, auch nur einen sudeterideutschen Arbeitsplatz mit Erfolg zu ver- teidigen oder gar zurückzug^vinnen." Da hat es der Herr Abgeordnete Kallina nun schwarz aus weiß: feiste herbe Kritik war nicht fähig, auch nur«inest sudetendeutschen Arbeitsplatz... und *o weiter. Na, wir haben das ja schon lange gewußt, aber es kann unseres.Erachtens gar nichts 'chaden, wenn auch hie der Deutichen Rational- Raubmord an einem Geldbrieflräge' Köln, 2. November. In einem Hause«>" Rudolfplatz wurde heute nachmittags die ledig* 61jährige Ulla Korte und der 48' Jahre Gädzusteller, Oberpostschaffner Klemens Körnck, ermordet ausgefunden. Beide waren durch Kopf schüfst getötet worden. Nach den polizeilich*" Feststellungen ist die Tat in den frühen Morgenstunden zwischen 8 Uhr 15 und 8 Uhr 30 vo" einem bisher unbekannten Manne, der sich Student der Medizin ausgegeben hat, veröd' worden. Der Mörder hat sich gestern bei d*' Korte als Untermieter einlogiert und hat ein*" Geldbettag an seine eigene Adreffe geschickt. M ihm dieser Betrag heute morgens in seine Ws»' nung gebracht wurde, hat er den Geldzustellck durch einest Kopfschuß getötet und ihm die Geld' lasche mit Inhalt geraubt. Ulla Korte, die ii" Nebenzimmer mit dem Aufräumen der nung beschäftigt war, wurde gleichfalls duck» einen Kopffchuß getötet. Bisher fehlt von d«"' Täter jede Spur, so daß auch eine Person^' beschreibung vorderhand nicht erfolgen kann. Junkers-Flugzeug abgestürzt. Alle fünf Insassen tot. Nach den bisherigen Feststellungen ist das Unglück wahrscheinlich auf de« Bruch eines Flügels zurückzuführen. Wenigstens fand man diesen Flügel einige hundert Meter vo» der Stelle entfernt, an der das Flugzeug förmlich im Bodeu eingegrabe» liegt. Das Flugzeug ist im dichte« Gehölz abge- stürzt. Di« Gipfel einiger Bäum« sind bei dem Sturz glatt abrasiert.worden, während der schwere Flngzeugkörper sich ties i« di« Erde gebohrt hat. Einer der Getöteten liegt noch unter dem Flugzeug, während drei Insassen iu der Nähe des Flugzeuges ausgefuuden wurdcrr. Nach dem fünften Verunglückten, der nach Aussage einiger dortiger Bewohner abgesprungen sei« soll, wird noch geforscht. Sir. 259 Donnerstag, S. November 1982 Leite 5. euenJu^l eiatan! „Der ist doch gar nicht neu, nur von mir ,auf Neu' gewaschen."„Auf Neu???"„Ja, ich kann mir auch nicht so viel Neues anschaffen, da wasche ich eben alle meine Sachen Selbst.auf Neu* Wirklich sparen heißt, die teuren Sachen länger erhalten, Neuanschaffungen ersparen. Das ermöglicht LUX, denn LUX wäscht„auf Neu" gründlich, aber schonend, die Lux-Wäsche gibt den Sachen den Glani der Neuheit. LiT M- M Stummer Sänger im Chor. ein Sag sirtteft im Xonfilntateiier. Von Arthur Sensing. Regenwetter— Grippewetter Krankheits-Erreger auf der Lauer.— vernünftige Kleidung verhindert Abkühlung.— Bewegung macht warm. Bevor wir aus dem Spätsommer und Herbst in den kalten, trockenen Winter gelangen, müssen wir noch durch die Hölle des naßkalten Spätherbstes hindurch. Zitternd und frierend warten wir an zugigen Ecken auf die Straßenbahn, durch die durchlässigen Nähte der dünnen Stiefel dringt unaufhaltsam der Regen, und man spürt, wie Kälte und Nässe langsam die Beine emporkriechen, man hat di« gefürchteten und gefährlichen„naffen Füße". Kaum zu.Haus angelangt, versucht man schnell Schuhe und s Strümpfe zu wechseln, aber es ist zu spät, die Grippe hat schon zugepackt und man ist zu einige« Tagen Haft im Bett verurteilt. $ttt allgemeinen besitzt der Mensch die glückliche Eigenschaft, sich den wechselnden Tem- peraturverhältmssen der Umwelt gut anpaffen zu können. Aber das unbeständige und kalt« Wetter ist stärker. Die durch gekühlten Schuhe und Strümpfe entziehen den Füßen fortgesetzt Därme und auch dte Blutgefäße der unbedeckten Körperteile ziehen sich unter dem Reiz der kalten Witterung zusammen und treiben so das Blut aus der Peripherie in die inneren Organ«. Durch diese unregelmäßige Blutverteilung wird aber die Widerstandsfähigkeit der empfindlichen Luftwege, der Nase, des Rachen-, des Kehlkopfes erheblich geschwächt. Die stets auf den Schleimhäuten angriffsbereiten Bakterien gehen zum Sturm über, da sie keine Gegenwehr mehr finden, und Grippe, Schnupfen, Husten, Luft- röhrenkatarrh halten ihren verhaßten Einzug. Soll man nun diesen Feinden gegenüber Fatalist sein? Nein! Denn mit ein wenig Vorrecht und Ueberlegung lasten sich viel« Gefahrenquellen ausschließen. Zunächst läßt sich di« Wärmeerzeugung des Körpers durch warme Kleidung steigern. Warme Kleidung: das heißt im Spätherbst vor allen Dingen Wolle. Sachen aus gestrickter und gewirkter Wolle sind die berufenen Wärmeregulatoren, die einer Abgabe von Wärm« den notwendigen Widerstand entgegenfchen, di« aber auch verhindern, daß sich der Körper durch Unterkühlung von außen erkältet. Und erst recht sind Kleidungsgegenstände aus Wolle das ge- gebene, wenn di« normale Wärmeabgabe des Körpert durch starke Bewegung und Anstrengung noch gesteigert wird. Also zum Beispiel bei körperlicher Arbeit und beim Sport, jedermann weiß, wie gefährlich gerade in dieser Jahreszeit das Schwitzen.ist und wie, wenn die geeignete Kleidung nicht schützt, durch Abkühlung nach vorhergehendere Erhitzung ein« Erkältung oder eine Grippe auftreten. Dies« Plagegeister also heißt es mit wollener Ober- und Unterkleidung. vom Leib halten, Wolle und Herbst, das sind zwei Begriffe, die zusammen gehören. Wmdundurchllässig«, wetterfeste Mäntel und wasserdichte Stiefel gehören zur Ausrüstung der nassen Jahreszeit. Gummimäntel laste« zwar äußere Feuchtigkeit nicht eindringen, sperren ober auch di« Ausdünstungen des Körpers ab, io daß sie als einziges Ueberkleid nicht unbedingt anzuempfehlen sind, um so nützlicher sind Gummischuhe, die ja besonders bei den Frauen in der neuen, hohen Form der sogenannten Russenstiefel wieder sehr beliebt geworden sind. Boraussetzung ist allerdings, daß der Kälteschutz nicht an der Umrandung der Stiefel aufhört, auch die unbedeckten Beine müffen durch Wärme geschützt werden. Ein anderes wichtiges und einfaches Abwehrmittel ist Bewegung. Wenn Man sich brav und reglos in den Regen hineinstellt, ist man verloren. Dagegen eräugt«in energischer Marschschvitt durch gesteigerte Muskeltätigkeit Wärme und verbesserte Durchblutung der Gliedmaßen. Bei schlechtem Wetter zu warten, ist gefährlicher, als bei schlechtem Wetter zu marschieren. Mit dieser simplen Weisheit werden Sie sich viel Aerger ersparen können. Dr. med. F. H. Erscheint pünktlich Jeden Freitag mit großem Europaprogramm Bezugspreis vierteljährL Kc 18.10 Zu bestellen beim Postamt Funkhörer erhalten eine Probenummer kostenlos Volksfunk-Verlag G.m.b.H. Berlin SW68, Lindenstraße 3 Das war damals, als ich mich vergeblich bemühte, irgendwelche Arbeit zu bekommen. Der MonatSerste rückt« bedenklich näher, die Miet« sollte bezahlt werden, da raffte ich mich auf und versucht« die Direktionszimmer der Filmgesellschaften zu stürmen. Ach schildert« den Türhütern meine Kenntnisse und Fähigkeiten mit den glühendsten Farben und verschwor mich,«in zweiter JanningS zu werden. Die Leute hörten mich an, schrieben meinen Namen auf und versprachen, sich meiner zu erinnern. Bei Gelegenheit... Ach saß jeden Tag in einem Komparsencafö, in dem ein« ganz« Bank Komparsen für 100 RM. engagiert wird... und wartet«. Eines Tages bracht« der Postbote«inen Brief: „Tela Film A.-G."— Meine Hände zitterten, als ich den Umschlag aufriß. „Sie. werden gebeten, heute zur Kostümprobe ins Atelier zu kommen. Sch., Aufnahmeleiter." Also endlich etwa- erreicht! Nachmittag war Kostümprobe: Stoßen, Schreien, Versuche, die saubersten Sachen zu bekommen. Ein Ruffenchor sollt« getonfilmt werden. Es war angenommen worden, daß ich singen könnt«. Das war nicht der Fall, aber ich hütet« mich zu sagen, daß ich unmusikalisch war. Endlich standen wir in bunter Reihe, mit farbenprächtigen Litewkas über hungrigen Skeletten. Probe. Der Dirigent gab das Zeichen. Di« schalldichten Kabinen für di« Kameras wurde« hin- und her- ge'choben, um die richtigen Einstellungen zu bekommen. Die Kabinen waren gegen Geräusche durch dick« Lagen Watt«, Filz und doppeltem Holz gepanzert Ein« furchtbare Hitze herrschte. Born war «in kleines Loch, mit bestem Kristallglas ausgefüllt: das Auge der Objektivs. Seitlich ging ein« lange Metallichlang« ab: di« gepanzert« und geerdet« Kabellritung zu den Synchromotoren. Di« Aufnahme- apparatur—«s handelt« sich um eine Plattrnauk- nahme— mußte im Gleichtakt, synchron, mit den Kameras laufen, die von Motoren betrieben wurden. Ein« Kabelleitung war geerdet, damit keine Ström« di« Mikrophonlritungen störten und sich auf der Platte durch Knattern bemerkbar machten. Dte Mikrophone hingen in den Kulissen verborgen. Sie standen hinter Basen, Lampenschirmen und Portieren. Ein Aschenbecher war ebenfalls ein markiertes Mikrophon. Di« dünnen Mikroschonkabeln waren sorgfältig versteckt. Schließlich war alles bereit. Rotes Licht flammt« auf. D:e Türen wurden geschlossen. Der Regisseur' drückte auf den Kopf:„Anfängen! Hörprobe!" Eine blaue Birne erglüht« über der roten: der Platten- Ar.Lebenrmlttelanweisiillgen. „Mutti! Mutti—" Die klein« Traudl flicht vor dem bärtigen Gesicht des Beamten, der sie mit seinen gromn, dunklen Augen anlacht. Flieht hinter den Rock der Mutter und sieht auS ihrer gedeckten Position halb erschreckt, halb lachend hervor auf den Spaßmacher. Sie kennen sich schon, die zwei. Traudl ist alle Wochen hier mit der Mutter, um sich die Lebensmittelanweisungen für den arbeitslosen Pater abzuholen. Manchmal hat Traudl noch Glück bei der Ausgabe usid dann langt es für sie auch noch auf eme Milchkarte, Die muß ihr der spassige Mann mit dem Barte daun höchstselbst überreichen und er neckt sie vielleicht auch noch ein wenig, bis sie— na bis sie eben wieder hinter Mutters Rock Zuflucht sucht.—- Jetzt ist Traudl schon zwei Wochen nicht in der Gemeindekanzlei gewesen. An dem einen Dienstag har Mutter krank im Bett gelegen und mit dem Vater mochte sie nicht gehen. Am zweiten DienStag haben sie Mutter auf den Friedhof getrogen. Da hat niemand an die Lebensmittelkarten gedacht. Heute steht die Vierjährige mit hungrigen Augen vor dem Auslagenfenster einer Odsthand- motor liest sein Griffel zeichnet« di« feinen Rillen in di« WachSmass«. Der Chor sang. Ein Mann sang falsch, daS war ich. Niemand konnte schimpfen, der Dirigent durfte kein grimmiger Gesicht machen. Tonfilm! „Aufnahme stop!" Eine dicke Wachsplatt« wurde gebracht und auf ein Grammophon gelegt. Der Chor sang wieder, mein« Falschtöne waren deutlich herauSzuhören. „Siugen 2i« lieber gar nicht, wenn Sie nicht singen können! Wir werden Sie hierbehalten, aber geben Sie gefälligst kein« Tön« von sich und sperren Sie nur Ihren Mund auf, sonst fliegen Sie rauS!" Alles mußte von neuem vorbereitet werden. Ich sah mir inzwischen di« Tonmischkabine an. Da standen dir vollsynchronen Motoren, Wechsel, stromdynamos, di« Kamera, und Plattenmotoren mit Strom versorgten, di« vollkommen gleichmäßig lief«», zusammen anliefen und aufhörten. Dann waren da Verstärker mit sechs, sieben, acht Röhren, viele Drehknöpfe, die zur Regulierung der Lautstärke der Mikrophon« dienten, ein Plattenapparat. Der Plattenapparat sah wie«in Grammophon aus, nur daß sich di« Platte von rechts nach links drehte und die Membrane stehen blieb. Statt der Nadel war ein-Svphtt vvrhtmben, der wie ein Diamantsplitter aussah,.' wie sie in den Glasereien zum Glasschneiden dienen. Merkwürdig war, daß die Platt« von außen nach innen besprochen wurde; auf diese Weise wurde erreicht, daß durch das schnellere Ablaufen der inneren, kürzeren Rillen am Anfang«in« bessere Tonführung und größere Gleichmäßigkeit erzielt wurde. Durch di« Größe der Platt«— sie hatte 40 Zentimeter im Durchmesser— und dadurch, daß sie nur 83 Umdrehungen macht«, im Gegensatz zu den gewöhnlichen Platten, die mit 78 Umdrehungen laufen, wurde erreicht, d^ß di« Platt« etwa 20 Minuten lief. Deshalb brauchten die Platten bei der Vorführung nicht ausgewechselt werden. Während ich mir das erklären ließ, wurde«ine blinkende Metallfcheibe hereingebracht. ES war ein« abgegossene Stlbermakriz«. Bon den Wachsplatten wurden Abzüge aus Silber in einem Silberbad hergestellt, die dann zum Pressen der richtigen, schwarzen Schallplatte» verwendet wurden. Inzwischen war im Atelier alles nochmals vorbereitet worden. Di« Scheinwerfer flammten auf: lautlos. Die Kameraleute verschwänden in ihren Kabinen. Blaues Licht: Aufnahme! Der Chor sang. Ich: macht« den Mund auf und zu— ohne einen Ton zu erzeugen.,. Klingelzeichen— di« Aufnahme war beendet. Der Tonmixer erschien. ES halte aller geklappt. Die Platte war tadellos. lung. Ganz allein ist sie. Ohne Aufsicht hat sie sich auf der Gaffe Herumgetrieben. Hat auf-en Vater gewartet,-er in den Wald gefahren ist, um wenigstens das Holz für«ine warme Stube zu holen. ...Da stehl sie nun. mit blaugefrorenem Näschen und steifen Fingern. Ach, die Herrlichkeiten!.Wunderbare blaue Trauben, rotbackige Aepfel und schön« gelbe Birnen. Traudl zittert das Herz, Haben— haben! Aber die schönen Dinge sind durch eine dicke Scheibe von ihr abgeschlossen. So kann sie di« leckeren Kostbarkeiten nur mit ihren hungriges Blicken umfassen. Und während ihre Lippen unbewußt, leis« schmatzen, verzieht sich das klein« Mäulchen und in dem blutlosen Kindergesicht kämpft«s»wischen Lachen und Weinen. Der bärtige Mann hat ihr schon eine ganz« Weile zugesehen. Er steht hinter einem HauSvor- sprung und hätte sein« klein« Bekannte gerne wieder ein bißchen geneckt, wenn ihn nicht ihre Augen nachdenklich gemacht hätten. Und dann erinnert er sich auch, warum er das Kind nicht mehr mit seiner Mutter sieht. Dem sieht manS an, daß ihm der Brotkorb hoch, hoch gehängt ist. Wie es mit den Blicken die Trauben, di« Aepfel umklammert! Da gibt sich der Mann einen Ruck, springt die Stiegen hinauf, in die Handlung hinein und So ging«S weiter, Aufnahme nach Aufnahme. Bis der Tag zu Ende war. Am Schluß gabt Gelb: 18 Mark.- Damit war mein Tonfilmdebut beend«:. Ich habe niemals«inen zweiten Versuch unternommen. Aber ich konnte mich doch rühmen, im Tonfilm— kein Wort gesagt zu haben. Verbrecher ulsSrotzlaintMea Sir stellen Millionenkaution.— Wer kein Geld hat, muß fitzen.— Polemik gegen den Kautiononnfug. In den Bereinigten Staaten ist bekanntlich für Berbrrcher in sehr viel umfangreicherem Maß al» in irgend einem anderen Land di« Kautionsstellung möglich. Es sind Fäll« vorgekonrm«n, daß sogar des Mordes Beschuldigt« durch Hinterlegung hoher Summen, die in die Hundertlausende von'Dollars gingen, di« Bollstreckurzg von-Haftbeschien vermeiden konnten, und sich dann meistens aus dem Staude machten, so daß also mit einem gewissen Recht in USA. di« Inhaftierung als eine Geldangelegenheit bezeichnet wird. Wer Geld hat, kann'sich auch, wenn er ein Verbrechen begangen hat, der goldeiyrn Frei- heit erfreuen, der Proletarier muß ins Zuchthaus. In den letzten Monaten erregten einige Fäll« besonders hoher Kautionsstellung das/Interesse der amerikanischen Leffentlichkeit. Es handelt sich in der Regel um Vergehen gegen di« Afloholgesetze. aber in einem Fall auch um«inen regelrechten Raubüberfall eines bekannten Gangsters. Mit Recht wurde in der Presse darauf hingewiesen, daß uh letzten Fall« selbst die höchste Kaution"Nicht am Platze sei, zumal sie aller Wahrscheinlichkeit nach mit geraubten Geldern vollzogen worden ist. Di« bisher höchst« Kautionsstellung, di« in der Kriminalgeschichte jemals bewirkt wurde, ereignete sich vor kurzem in New Dork. Ter Diebstahl von Juwelen im Wert von etwa 800.000 Dollars, bei einem bekannten Juwelier der Eity auf besonders raffinierte Weis« unter fälschlicher Ausnutzung des, Namens eines bekannten Bankiers erregte sensationeller Aufsehen. Di« Juwesen stammten teilweise auS dem ehemaligen russischen Kronschatz unh waren bereits durch viele Hände gegangen. Ter Polizei gelang es schließlich, als TÄer zwei bekannt« Rew Borker Gauner zu verhaften, die bereits bei mehreren Juwel«udiebztähten milgewirkt haben. Di« beiden,«in Mann und«ine Frag, leugneten natürlich in irgend einer Weis« an dem neuen Raub beteiligt .zu sein und der Polizei gelang es auch bisher nicht, sie der Tat zu überführen, obgleich alle Indizien gegen sie sprechen. Rach wochenlanger Untersuchungshaft stellt« das Paar den Antrag auf Haftentlassung. Dar Gericht entsprach dem Anttag, ordnet« jedoch an, daß als Sicherheit di« horrend« Lumm« von zwei Millionen hinterlegt werden müsse. In der Presse herrscht« daraufhin di« Ansicht allgemein vor, daß angesichti der Höhe der. Kaution, di« Haftentlassung nur' theoretischenEharvtter habt. Um so seilsarioneUer wirkte die Nachricht,-daß die‘ 1500.000 Dollar« schon nach wenigen Tagen in barem Geltz und in Wertpapieren bei der zuständigen GerichtSkasst deponiert wurden und daß daraufhin di« beiden-Gefangenen entlassen wurden. Seitdem ist allerdings jede Spur von ihnen verschwunden, so daß die Polizei bereits sich mit dem Gedanken vertraut macht, daß di« beiden unter Verzicht auf di« Riesenkaution unter Mitnahme des Schmucker das Weit« gesucht haben. Es kann nun der Fall eintreten, daß die Kaution, falls di« Angeklagten nicht zum Termin erscheinen, dem Staat verfällt und der geschädigt« Ju° iveliei vollkommen leer ausgeht. Mil vollem Recht Wendel sich ein großes New Norker Blatt gegen eine solche Lösung, und eS wird gefordert, daß, wenn nun schon einmal abgefeimte Berbrrcher gegen die hohe Sicherheitsleistung aus der Haft entlassen werden, die Geschädigten ans der gegebenenfalls verfallenen Kau- tion zunächst befriedigt und erst der etwa verbleibende Rest in di« Staatskasse fließt Andernfalls mache dar Gericht auf Kosten der Geschädigten ein gutes Geschäft und es besteht di« Gefahr, daß die Gerichte in der stillen Hoffnung auf solche Kautionsgewinne selbst, fast überführt« Verbrecher entlassen. Der vorliegende Fall sei als ein solcher Grenzfall anzusehen, denn kaum ein Eingeweihter habe geglaubt, daß die beiden Banditen sich zur Verfügung der Polizei halten würden. AK. Traudl sieht ihn erst recht, wie er mit einer großen Düte in der Hand auf sie zutritt. Nun stehen die Aepfel, die Trauben und Birnen vor ihren Augen und sind durch keine Scheibe mehr von ihr getrennt., Aufjubelnd streckt Traudl die Aermchen aus.• Nicht einmal der dunkle Bart des Mannes schreckt sie mehr.. Und wie sie die Düte in der Hand hält— wie sind doch ihre schönsten Träume so urplötzlich wahr geworden— da schlägt sie erst ihre schüch. ternen Kinderaugen zu dem Manne auf.- Ter lacht. Mutti— Mutti l Traudl vergißt fast auf di« schönen Sachen in ihren Händen. Schutz suchen muß sie. Und ihre Füßchen machen«inen Schritt vorwärts. Die kalten Händchen wollen der Mutier Kleid erfassen— Da geht' em schreckhaftes Erinnern über ihr Gesicht: Mutti! Mutti! ,Y Und dann entgleitet die/ Düte ihrer Hand und Aepfel, Birnen und Trauben kollern über daS schmutzige Pflaster und, die Hände vors Ge sicht schlagend, jagt Tryudl von dem Manne, foc und sieht nicht mehr zurück zu dem freundlichen Mann, nach den lachenden Früchten, an denen noch vor Minuten ihr ganzes. Sehnen hing. Seite 6. „Sozialdemokrat" TormerStaq. 3. November 1932 Nr. 28» PRAGER ZEITUNG Kunst und Wissen PALABA 444 Aus der Partei V&reinsnadiriditen Literatur mit Acht and Kraft versorgt nach dem Chi- Gasgesellschaft Stark in der Leistung, stark im Licht die neue Batterie mit großer Dauerhaftigkeit Die Batterie, die uns fehlte. r Da* Elektrizitätswerk In der Tasche 100.000 Dollar.. Samuel Jnsull scharf Er macht« sich die Die Atus-Futzballriege trägt Sonntag, den 6. d. vormittags 10 Uhr, am Platze des SK. Vechi« VIII in Lieben, na Balabin«, ein Freundschaftsspiel gegen di« Maimschaft der„Typograficka beseda" aus. — Straßenbahn 5, 10, 18, 19., ui entsprechende Bereitschaft gebracht, so kann d« Skifahrer> ruhigen.Herzens auf den Schnee warten, der da bald kommt— oder auch nicht. . Run war cogoer Gas._ untertan, indem er„Big Bill", dem Bürgermeister der Stadt, 100.000 Dollar für di« Wahlkampagne vorstreckte. Zur„Belohnung" schluck« Jnsull da« Unternehmen— als aber«in junger erfolgreicher Advokat, Richberg, vom Stadt Parlament zum Referenten für alle Gasangelrgenhoiten'd«r Stadt einge- setzt wurde und sofort die Schiebung entdeck«, ging «4 Jnsull an den Kragen: es kam zum Prozeß; Sieger blieb der zäh kämpfende Richberg und Me Bürgerschaft Chicagos, die durch den Ausfall des Prozesses jährlich etwa zwei Millionen Dollar ersparte. Das war einer der wenigen Rückschläge in Jnsulls Laufbahn. New Bork, Mitte Oktober.(Eig. Ber.) Auch Amerika hat seinen großen Finanzskaichal: Fall der Brüder Jnsull aus Chicago. Die Brü- Jnsull haben sich beim Zusammenbruch des von In billiger Volksausgabe,;um Preise von 2.8ö Mark gebunden); ist im Berlage Bruno Cassiret, Berlin, der Roman von Georg Fink:.„Mich hungert erschienen. Das Buch wurde scholl seinerzeit von uns besprochen, hier sei darüm nur gesagt, daß es mit dem Herzblut eines Dichters geschrieben ist und in die tiefsten Tiefen des Proletariats hineinleuchret. Ein«rschüllerndes Erkenntnis- und Bcknntuisbuch, die Geschichte eines Lebens, welche die Abgründe unserer Gesellschaftsordnung aufzeigt. Hel««« Lange:„Produktives Spiel." Mu acht ärbigen Bildern und 76 Illustrationen. Kart. 8.80 Mark, gebunden 4.80 Mark. Roiapfel-Berlag,.Erlenbach-Zürich und Leipzig. Bücher wie das vo» Helene Lange werden immer wieder von allen welchc Kinder lieben, mit Freuden begrüßt werden: ja sic sind auch ein« freundliche Gabe für alle diejenigen, die überhaupt Sinn für das Schön« und Heitere .l,u!k kindlich ursprünglichen Ausdrucks haben. Für diese- letzteren wird der erst« Teil des Buches das Wichtigste sein, in dem die kleinen Gedicht« und Aufsätze von Kindern aus den ersten Schuljahren zu- lammcngetragen sind. Eltern, Erzieher und Schulen aber werden sich ganz besonders freuen über die Anregungen zu Schatten-, Marionetten- und Hand- puPpen-(Kasperl«-Spielen und über die dazu geeigneten kleinen Stücke, die den zweiten Teil de» Buches bilden. Das Buch beweist aufs neue die angeborene Phantasie, das„Schöpferische' de« Kindrs, und wer darin blättert, stimmt bald der Verfasserin bei, daß es gerade in unserer allzu sachlichen Zeit keine schönere und dankbarere Aufgabe für di« Er- zfthung geben kann als di«, dies« glückliche Gab« ; des Kindes zu hegen, zu fördern und behutsam z» : leiten. sich den Platzmeister des Sportklub, der auherdrtn noch. Tritte erhalten haben soll. Die Zuschauer wollten Hiden«ine Lektion erteilen und' die Polizei mußte in Aktion'treten. Diese Affäre wird für Wft „Wund«r"-Tvrmann noch ein Nachspiel haben, da die Strafe n'z« f Jnsull zu Transaktionen für eigen« Zwecke. Bald hatte er ftin erstes Ziel verwirklicht: die Gründung der. Commonwealth Elektric Company, eine Bereinigung aus fünf miteinander konkurrierenden Unternehmungen, durch die Chicago Kraft versorgt wurde. Redaktion and Verwaltung! Prag II., Nekazanka 18. Dresdener Arbeiterfußball. Kamenz gegen Eintracht 1:0, Löbtau gegen Kaditz 09 1:1, Pieschen gegen Helios 2:2, Sörnewitz gegen Neustadt 3:2 Cotta gegen Radebeul 5:1, DBB. 15 gegen Coswig 4: 0, Radeberg gegen Birkigt 3:1, Potschappel gegen Meißen 3:0. Festspiele des Askö. Der große künstlerisch« und kulturelle Erfolg der Festspiel«, die die Arbeitersportler im Wiener Stadion bei der Olympiade und im vergangenen Sommer veranstalteten, hat den Askö bereits vor geraumer Zeit dazu bewogen, an der Einrichtung der Wiener Arbeiterfestspiel« fest- zuhalten. Vor kurzem wurden die Möglichkeiten einer Festspielausführung im nächsten Jahre untersucht. Di« gegenwärtige Wirtschaftslage läßt die Frage, ob man im nächsten Jahre«in Festspiel veranstalten kann, noch offen, doch soll auf alle Fälle ein Festspiel-Wettbewerb ausgeschrieben werden. WN' Spiel ♦ KOroerpHege j hallo, Slilalmr! Kümmert euch um eure Brettel«! Im vorigen Jahr« konnte man schon im November schöne Brettelsahrten im Riesen- und Erzgebirge unternehmen. Heuer müsien wir auf diesen Genuß wohl etwas warten. Aber wer weiß, ob nicht schon dft nächst« Woche Schnee bringen wird. Jedenfalls muß der Skisahrer darauf gefaßt sein und sein Skigerät in Bereitschaft halten. Bor allem muf er schauen, ob an den Bretteln alles in Ordnung ist. Wenn er sich um sie schon im Frühjahr gekümmert hat, wird er jetzt wenig Arbeit haben. Wenn er aber das Zeug leichtsinnig in irgendeine Ecke gewor- ftn hat, wird er sich jetzt wohl etwas Plagen müsien Das Skibrett hätte eingespannt werden sollen das heißt die Spitzenaufbiegung und di« federnde Spannung unter der Bindung gehören in einem ge- wisscn Abstand erhalten. Sofern das nicht geschehen ist, muß es noch rasch nachgeholt werden, wobei di« Abstände jetzt etwas größer gewählt werden müsien Aber: zn starke Spitzenaufbi«gung wirkt bremsend wie«in Schneepflug, und zu stark« Spannung unter der Bindung bewirkt, daß der Fuß zu wenig Fühlung nimmt mit der Unterlag« und zu sehr in federnde Schwingung gerät. Sollte sich sommerliche Nachlässigkeit in„Verziehen" des Breitels gerächt haben, so gibt«§ nichts mehr zu machen, als einen neuen Ski zu kaufen. Die Laufflächen sind von altem Wachs zu reinigen. Ein Einlassen des Breitels, auch eines neugekauften, mit warmem Leinöl ist jetzt nicht ratsam» weil sich das Leinöl bis zur ersten Benützung der Ski nicht mehr«insaugen kann. Die Leinölbehandlung muß im Sommer vorgenommen werden Jetzt gibt es nur di« Verwendung von Fichtenholzteer. Man soll sich selbst folgende Msichung zubereiten: Ein Teil Fichtenholz- oder Birkenholzteer, ein Teil wasirrbeständiges Karbolineum und zwei Teil« aufgelösten Schellack. Sollt« der Teer zu dickflüssig bleiben, so kann man beliebig Schellao hinzutun. Mit dieser Mischung ist das Brettel aus allen Seiten zu bestreichen. Auch das Stemmloch muß geschmiert werden. Sind auf den Ski Kunst- £•****,!?*£?• eitafrtrt l«ms— S t e| rt I« tt««t; Wiltzelm N t» z»«»— BeuBttontli&t SehoKtnt: De Carii ettatk, Pro«.— Druck:„Sota* s.-e fit Retatna. und Buchdruck— afa bea Druck»»antwortlich Ott» •**“®“, dA*■ Itltgtapbtniiiidtüm mit Cdak fe U.800fynn9BO bgBtüigt- ftgaatfcbtnaanjien: Sei Lustcllimg int Haut nbttba«yug durch bi« nwnattU K* M—.«Urtdi-drlich Kl*8.—, ktiblMtie U 96,—, muaiat U Uö,—,- iBMtea Uhu Xauf biAigk ImX 9a ütau CtaMtaMta BwilaaftK- mm rrftftl F'I T« drr Die Unzufriedene| ■| I l 3