12 Jahrgang. Samstag, 5. November 1932 Nr 261. ftcdc des Genossen Pom.— Kritik und Ergänzungen rum Regierangsprogramm Prag, 4. November. In der heutigen Debatte über di« Regierungserklärung streifte Genosse Pohl als Sprecher unserer Fraktion in fast ein stündiger, von tiefem Ernst und ausgeprägtem Verantwortungsbewusstsein für das Schicksal der notleidende« Masse« getragenen Rede das Koalitionsproblem, das von unserem Parteitag im Sinn« einer wetteren positiven Mitarbeit in der Regierung entschiede« worden ist, und legte dann in aller Sachlichkeit auseinander, was wir in der Regierungserklärung begrüßen,«wer auch was wir für««genügend erachten oder darin vermrsfe«, bezw. präziser ausgedrürkt haben möchsten. Nachdrücklichst zu unterstreiche« sind namentlich seine Warnung vor weiteren leicht» fertigen Angriffen aus das Lohnniveau unserer Arbeiter und di« Forderung nach durchgreifender Lösung des Problems der Kartell« und des Zwischenhandels. Beide sozialdemokratischen Parteien sind entschlossen, auf der Basis ihres gemeinsamen Aktionsprogrammes zum Schutz der Krisenopfer alle ihre Kräfte restlos einznsetzen und sich i« der Erfüllung dies«, schweren und undankbaren, aber auch einzig erfolgverheißenden Aufgabe durch keine Angriffe von links oder rechts beirren z« lasten. Das ging auch aus der Red« des Genossen Dr. Winter eindeutig hervor. Einleitend erinnert Genosse Pohl an die Erklärung unseres Abgeordnetenklubs vom 18. Dezember 1939 nach unserem Eintritt in die Regierung, worin es u. a. heißt:- „Selbstverständlich haben wir bei unserem Eintritt in di« Regierung au keiner Stell« einen Zweifel darüber austemmen lassen, daß wir auf keine unserer programmatischen Forderungen, mögen st« ans das wirtschaftlich« oder sozialistische oder auch National-kultnrell« Gebiet fallen, verzichten, daß wir vielmehr auf di« Durchsetzung unserer programmatischen Ziele im Rahmen der -* Regierungsmehrheit hinzuarbeiten entschlossen stad,- es aber wohl verstehen, daß wir gerade im Hinblick ans den Charakter des RegierungSsystrmS nur mit einer etappenweisen Erfüllung unserer Forderungen rechnen könne«." Dieser Teil der programmatischen Erklärung gilt auch heute noch und auch gegenüber der Regierung, die jetzt gebildet worden ist. ■ Das Koali tionsproblem ist vom sozialistischen Standpunkt aus kein grundsätzliches, sondern ein taktisches. Es ist nirgends einfach und schon gar nicht in einem Staate wie dem tschechoslowakischen, mit seinen vielen Parteien und obendrein mit dieser Spaltung in Rationen. Ein« Koalition mit firben oder acht wirtschaftlich und politisch verschieden eingestellten Parteien erfordert Opfer und stellt keine der Parteien z»- srieden, denn das Ergebnis dkr Koalition-Verhandlungen können immer nur halbe Lösungen sei«, i di« nirgends dolle Befriedigung auslösen. Wir haben uns auf unserem Parteitag entschlossen, in der Koalitionsregierung zu verbleiben, nicht nur aus innenpolitischen,'sondern auch aus außenpolitischen Gründen. Wir sehen heute in Europa eine große Welle gegen die Demokratie, wir scheu Diktaturen und Halb- diftaturen enlstchen. Rach diesen Erfahrungen zu schließen, dienen wir, vom Inleresscnstandpunkt der Arbeiterschaft aus gesehen, unserer Klasse, der deutschen Arbeiterschaft in diesem Staate innerhalb einer Koalitionsregierung doch noch besser als, gemessen an anderen Staaten, es sozialistische Parteien anderswo zu tun vermögen. Trotz aller Schwierigkeiten, die wir von Anfang an nie verschwiegen habe», ist die Bilanz der dreijährigen Koalitionstätigkeit für die deutsche Arbeiterklasse immerhin noch so, daß wir mit ruhigem Grwisten beschließen konnten, in der Koalition zu verbleiben. Dudgetausgleidiung. Wir verstehen die Notwendigkeit dieser For- deimng; wir können nicht eine Politik gutheißcu, dir mit dem passiven Budget beginnt und mit der Inflation endet, denn ein« Inflation hat sich bis jetzt noch überall gegen die Arbeiterklasse, gegen.die Armen gekehrt. Die Aufteilung der Belastung ist n i ch t ideal,' dastk de§ Erbes, das wir dem B ü r g e r b k o ck zu verdanken haben. Es wär nur zum Teil möglich, die für die Arbeiterschaft ungünstige Lastenverteilung gut zu Machen, doch wir"erwarten, daß diese Gutmachung in der necken'Negierung fortgesetzt werden ttzird Damit in Widerspruch steht scheinbar üiifere Haltung zur teilweiseü Deckung des Defizits durch Einsparungen im Personalbudge 1. Es ist kein Geheimnis, daß wir uns nur schweren Herzens' entschieden haben, der teilweisen Deckung des Defizits durch den provisorischen Gr» Haltsabbau der Staatsangestellten zuzustimmen. Wir hatten kein« Wahl, ob Gehaltsabbau oder nicht, wir hatte« nur dir Wahl, welcher Ge» Haltsabbau durchgeführt werden soll. Und da nehmen wir für uns in Anspruch, daß em Kompromiß gefunden worden ist, das die wirtschaftlich Schwächsten ausläßt und die Minderschwachen weniger betrifft als die andern! Hadek(Komm.): Das„kleinere Uebel"! Pohl: Ja, da- ist für Menschen, die wie.wir positiv für di« Arbeiterklasse arbeiten wollen; sehr oft der entscheidende Grund für ihre Entschließungen. Daß das in Ihrem Lexikon nicht existiert, da» weiß ich! - Das Erbe des Krieges bezeichnet die Regie- rungserltärung alt» eine der Hanptckpfdchrn ustferer wirtschaftlichen Krisenzustände. Aber wir können nicht verschweigen, daß die Krisenzustand« zum großen Teil auch auf. die falsche Handelspolitik der Tschechoslowakei vom ersten Tag ihres Bestehens an zurückzuführeu sind. Und wenn heute ein„Wirtschaftsführer", der Herr Preiß von der Livno, erklärt, wir leben auf zu großem Fuß, dann trifft das wohl auf ihn und seinesgleichen zu, gber das dürfte er wieder nicht gemeint haben. Er will vielmehr dies« Aeußr- rung ans die Lohnbildung und auf di« sozialen Lasten angewendet wissen. Da muß den Herren schon gesagt werd««» daß die tschechoslowakische Wirtschaft nicht infogle der hohen Löhne darniedcrliegt, sondern daß wir von den maßgebenden Industrieländer« die weitaus nie» drigsten Löhne und di« niedrigsten sozialen Laste« haben. In andern Länder» spricht man direkt von einem tschechoslowakischen Lohndumping, und tatsächlich steht der Lebensstandard unserer Arbeiter in Europa erst au elfter Stell«! Für ArbeitszeitverKürzung! Die Regierungserklärung erwähnt an einer Stelle, daß die . Hebung der Kanstraft notwendig sei. Wir hoffen, daß diese Erklärung zur T a t wird. Wir haben seit jeher bei jeder Gelegenheit betont, daß alle wirtschaftlichen Maßnahmen die Wirtschaft nicht anzukurbeln vermögen, wenn sie nicht aus die Hebung der Kauftraft der breite» Massen abzielen. Mit der Hebung der Kaufkraft muß aber gleichzeitig ein arcderer Prozeß Hand in Hand gehen, das ist die Verkürzung der Arbeitszeit! Alle Einwände von Seiten der Industrie, der Gewerbetreibenden und leider auch der Agrarier, nützen nichts; sie wird sich doch durchsetzen müssen. Weiw alle unsere Arbeitslosen und Kurzarbeiter morgen voll kauflräftig würden, so wären wir doch nicht imstande, für alle Arbeit zu schaffen, angesichts der Verheerungen, die die. Rationalisierung angerichtet hat.-Heute erzeugen in der TafelglaSbranche 2500 Arbeiter fünfmal so viel Glas wie die 18.600 Arbeiter, die vor dem Krieg in dieser Branche ihr Brot fanden! Ebenso steht es auch in vielen anderen Betriebszweigen aus. Der technische Fortschritt ist heute so weit, daß für alle Mensche« nicht mehr Arbeit für sechs Tag« vorhanden ist. Es steht auch»irgeuds geschrieben, daß die Menschen sechs Tage arbeite» müssen, wenn die Arbeit zum allgemeine« Wohlstand und zur allgemeine» Kultur i« fünf und eventuell in vier Tage« geleistet werden kann! Dieses Problem erheischt eine Lösung!(Zwischenrufe Hadeks). P ohl;. Ich kann Ihnen nur eins sagen, meine Herren Kommunisten: Eine Arbeitszeitverkürzung bis auf das Ausmaß der russischen BeWarbeiter, sechs Stunden und Ablösung vor Ort, das ist nach unserem' Maßstab' achteinhalb Stunden, das lehnen wir ab und dagegen werden wir uns mit allen Mitteln wehren!(Beifall.) Pohl(fortfahrend): Gerade in dieser Richtung hätte dir Regierungserklärung konkreter ausfallen müssen. Warnen'müssen wir namentlich auch vor etwas, von dem nicht in der Regierungserklärung die. Rede ist, von dem aber sonst viel gesprochen wird: Bor dem Rezept des Herrn Englii, vor der„Angleichung" der Löhne, wie er es nennt! In Wirklichkeit ist es eine Herabsetzung der Löhne, dir er damit bezweckt! Oie Gewinne des Zwischenhandels. Geüosse Bohl befaßt sich weiters mit'dem Beispiel über die Disparität zwischen den landwirtschaftlichen und den industriellen Preisen— Roggen und Kohle— das die Regierungserklärung— unglücklicher- und unübrrlrgterwrise— anführt. Warum spricht man nicht etwa von Fleisch und Eisen? Ich will, erklärt Pohl, keinen Mißdeutungen gusgesetzt sein,' daß ich die Preispolitik oder die Kohlenprcise verteidige. Aber ich weiß, daß die Kohle im staatlich«« Hedwigs schacht in Seestadll Ke 7.80 kostet und daß dieselbe Kohle i» Prag nm 22 Krone« pro Meterzentner verlaust : wird; Ich weiß aber, weiter, daß der Lohnantril bcv Bergarbeiter dabei 88 Heller pro Meterz«nt«rr beträgt. Darin sind nicht aur dir Löhne der Bergarbeiter, sondern auch der Aufseher uud Steiger bis znm Schichtmeister eingerechnet. ' Hadek: Bis zürn Pohl hinauf! P o h l: Das ist- schon zu dumm. WäS wollen Si« eigentlich? Grün'zner: Das sind doch wirklich keine Argumente! Müller: Der gehört ins Narrenhaut! Pohl: Es ist schon seit langem eine Aktion zur Herabsetzung der Kohlenpreise im Zuge, die auf ein« Herabsetzung der Löhne abzielt. Deshalb habe ich eben meine Bedenken gegen das vom Ministerpräsidenten zitierte Beispiel geäußert, weil davon leicht ein Mißverständnis auS- gehen könnte. Als Genosie Pohl weiter feststellt, daß die Lcchn- kosten im Steinkohlenbergbau seit 1921 um mehr als die Hälfte gesunken, die Leistung aber um 70 Prozent gestiegen ist, wogegen sich auch die Zahl der Unfälle auf 1006 Beschäftigt« von 80 auf 80 erhöht hat, mischt sich wieder Herr Hadek drein und geht die Sozialdemokraten an, daß sie trotzdem gegen den beabsichtigten Bergarbesterstreik seien. Im Lause eines scharfen Wortgefechtes, an dem sich eine Reihe unserer Genossen beteiligen, stellt Pohl unter dem Beifall unserer Genossen fest, daß in Nordwestböhmen der Lohn immerhin um zwölf Kronen pro Schicht höher ist als im kommunistischen K l a d n o, ja daß hier die ohnedies niedrigen Löhne noch um 3.5 Prozent abg'ebaut wurden. In Kladno haben die Kommunisten aber nicht versucht zu streiken, dagegen-wollen sie in Nordwestböhmen wegen Kladno in den Streik treten! Wir habe», erklätt Pohl weiter, volles Ver- ständnis für die Lag« der Landwirtschaft. Aber dennoch braucht der Roggenproduzent heut« sein« Kinder noch nicht hungrig zur Schule zu schicken, wie der kurzarbeitend« Bergmann, der fünfzig bis 60 Krone« nach Hause bringt und davon eine Familie ernähren soll! Ter Vergleich zwischen Roggen und Kohle hinkt also aus der ganzen Linie, ja er ist gefährlich! Vor einem ionhtbaren Winter. An Hand der letzten. Außenhandelsziffern zeigt Redner weiter, daß unsere Ausfuhr gegenüber 1929 um 60, und, wenn wir schon die Preissenkung in Betracht ziehen, immerhin noch um 45. Prozent zurückgegangen ist. Die Arbeitslosigkeit hat infolge dessen einen außerordentlich hohen Grad erreicht und weist noch immer eine stark steigende Tendenz auf. Wir stehen vor einem furchtbaren Winter, dem dritten Krisenwinter, und die Not unter den Arbeitslosen ist entsetzlich. Es gibt Arbeitslose, die seit Jahren keine Arbeit finden können, zn Hunderten, ja zn Zehntausrnden. Wenn Sie in-die Wohnungen dieser armen Menschen kommen, so finden Sie nichts mehr, keinen (Schluß auf Seite 2) Unsere Kritiker. Freundlichkeit und Anerkennung haben wir bei der Beurteilung unseres Parteitages selbstverständlich von unseren bürgerlichen uud kommunistischen Gegnern nicht im entferntesten erwartet. Der Parteitag tvar, bei aller Offenheit im Austausch der Meinungen über taktische Fragen, ein so sichtbares Zeichen der ideellen Einigkeit, der Kraft, Gesundheit und Geschlossenheit unserer Organisationen und des Vertrauens der Parteimitgliedschaft zu' den von ihr ertvählten Vertrauensmännern,, daß jene, die seit Jahr und Tag sich nicht entblöß den, von dem unaufhaltsamen Zersetzungsprozeß der Sozialdemokratie zu-faseln, sich durch den Ablauf des Parteitages in größte Verlegenheit versetzt sahen. Der Aerger darüber läßt sie die tollsten Bockfprünge machen und— was ihrer Geistigkeit noch viel näher liegt— ihre Schimpfschleüßen öffnen. Mair frägt sich.nur: wenn die Sozialdemokratie nach Meinung unserer Gegner im„Verwesen" ist und eine Politik betreibt, die ihr die Arbeiter abwendig macht— wozu dann die Aufregung? Unter denen, di« über den Verlauf unseres Parteitages enttäuscht sind, befinden sich die D e u t s ch n a t i o n a I e n-.. In ihrer „Sudetendeutschen Tageszeitung" fassen sie ihr Urteil dahin zusammen, die deutsche-.sozialdemokratische Partei sei schlecht geführt. Anerkennung ftuden nur jene Redner auf dem Parteitag«, die-über die Beibehaltung des gegenwärtigen Kurses Bedenken vorbrachteu, ihnen wird das ZeugyiS, ausgestellt,daß sic „es sicherlich mit dpn-deutschen. Arbeitern.ehrlich meinen"-.»—ein Lob, das-diese- Gesoffen, von solcher Seite geäußert, mit Verachtung zurückweisen werden. Der Parteiführung dagegen wird nachgesagt, daß ihr an gar nichts liege als daran, sich in die„wohlige Regierungslaube" hinüberzuretten und daß ihre Politik nicht dem Willen und Wallen des Großteils„unserer irregeleiteten".• Arbeiter entspricht. Man braucht sich bei diesen Ausbrüchen des Hasses und der Niedertracht nicht länger aufzuhalten, sie beweisen, wie unmöglich es unseren Gegnern ist, unsere Parteimitgliedschaft arzders als ihre eigene einzuschätzen, und unmöglich auch, eine andere als die eigene dreckige Gesinnung beim politischen Gegner vorauszusetzen. Im übrigen wäre es müßig, mit einer Partei über richtige Parteiführung zu streiten, die von ihren Führern auf ein Nichts heruntergewirtschaftet worden ist und von der längst nur mehr einige Feldwebel ohne Mannschaft übriggeblieben sind. Bon der ihnen eigenen Präpotenz ist anch das Urteil der deutschen Nationalsozialisten über unseren Parteitag diktiert. Der Parteftag sei eine Orgie in Worten gewesen. Läßt sich der„Tag" vernehmen. Offenbar ist es dem Blatte fremd, daß Delegierte auf einem Kongreß zusammenkommcn, um hier ihre Auffassungen über den richtigen Weg der Partei auszutauschen und in der Tat geht es bei den Nazis anders zu: die Sla- tisten da müssen gewissermaßen mit der Hand an der Hosennaht die Reden ihrer„Osafs" anhören, müffen stumm bleiben und dürfen ihren Führern nur Weihrauch streuen. Die Rede Dr. Czechs habe, so meint der„Tag", nichts Positives gebracht. Natürlich,»ver könnte es mit den Offenbarungen, die regelmäßig von den Lippen der nationalsvziälisti schen Primadonnen fließen, aufnehmen! Un begreiflich erscheint dem nationalsozialistischen Organ, daß der Parteftag der Führung das Vertrauen ausgesprochen habe,obwohl diese bei der Frage des Abbaues der Staatsaugestelltengehälter einer ,O>rgie des Prinzipienverrates" sich schuld gemacht habe. Diese Or gie des Prinzipienverrates besteht darin, daß. es die Staatsangestellten den sozialdemokratischen Parteien— und nur diesen allein!. zu danken haben, daß es bei dem ursprünglichen Tvapl-Plan der linacren Seite 2. Samstag, 8. November 1832 Nr. 261 Parteitag der Radikalen. Toulouse, 4, November.(Tsch. P.-B.) Als letzter Redner in der gestrigen Eröffnungssitzung des Kongresses der radikalen Partei ergriff nach dem Deputierten des linken Flügels Bergery, der die inländische und auswärtige Regierungspolitik einer Kritrk unterzog, der Obmann der Partei Ministerpräsident Herriot das Wort. Herriot verteidigt« die französische Politik der Gesundung der Finanzen und di« Politik der Organisierung des Friedens. Ich werde nicht zu« lassen, so sagte'er, daß Sicherheit und Abrüstung von einander getrennt werden. Frankreich bietet aufrichtig allen Völkern seine Mitarbeit an, auch Deutschland, dem es bereits wiederholt Beweise seines bestens Willens gegeben hat. Frankreich, das im Kriege die furchtbarsten Schäden erlitten hat, hat ein Anrecht darauf, Garantien zu fordern. Herriot fuhr fort, er werde unabänderlich seine bisherige Politik der Wahrung und Respektierung der Verträge fortsetzen. » Der Kongreß sprach sodann Herriot und der Politik der Regierung einmütig das Vertrauen aus. KÜWing der Bezüge um fünfzehn Prozent nicht geblieben ist, daß die Kleinsten von ihr ausgenommen wurden und bei den höheren Kategorien eine soziale Staffelung vorgeno-m- tnen wurde. Wenn das ein« Orgie des Prinzipienverrates ist, wie soll dann das Verhalten der Nazis benannt werden, deren Politik den StaatSangestellten noch nicht«ine einzig« Krone eingetragen oder vor dem Verluste bewahrt hat! Der Rest der Auslassungen deS „Tag" ist der Beschimpfung der Sozialdemokratie als einer vor dem kapitalistischen Götzen auf den Knien liegenden Partei gewidmet. ES genügt, festzustellen, daß das von einer Partei gesagt wird, deren Ober-„Osaf" bei den Spitzen der Schwerindustrie diniert, herumschnorrt und aus ihren Stahlgepanzerten das Geld zur Erhaltung seiner Revolver- und Knüppelgarde erhält, um den Grad der Heuchelei einer Partei zu erkennen, die nun auf einmal nach einer sehr dunklen Vergangenheit demagogisch„antikapitalistischer" als me Sozialdemokratie sein möchte. Keinerlei Ueberraschungen hat der Par- teitag, so versichern sie, den Kommunisten gebracht, denn so malt sich in ihrem Kopf« da8 Wesen unserer Parteitagsdelegierten: sie hatten die Funktion„zu reden und dann die Hand zu erheben für das, was die Führer, auch ohne sie getan hätten". Haargenau ist da die Funktion der Barrierestöcke, wie sie auf den kommunistischen„Parteitagen" zusammenkommen, auf unsere Parieitagsteilnehmer übertragen. Eine Partei, die lediglich willenlos« Kreaturen duldet, erscheint uns nicht geeignet, uns mit ihr über Parteidemo- kvati« zu unterhalten. Ganz selbstverständlich erscheint uns, daß di« Kommunisten mit dem was durch di« RegierungSpolitik von den sozialdemokratischen Parteien erreicht wurde, unzufrieden sind, denn wo und wann wäre«S jemals geschehen, daß die Kommunisten das, waS die Sozialdemokraten für di« Arbeiterschaft durchsetzen, nicht zu verkleinern und verächtlich zu machen gesucht hätten! Wenn sie aber demgegenüber auf Sowjetrußland verweisen, das sie als Paradies der Arbeiter preisen, so muß ihnen geantwortet werden, daß«S in der ganzen Welt keine Arbeiterschaft gibt, deren Rechte geringer wären, di« schlechtere Lohnverhältnisse hätte und um deren Bekleidung und Verpflegung elender gesorgt ist, als um die russische. Mit diesem Schwindel ist es also nichts und ebensowenig mit der Einbildung, jene unserer Parteimitglieder, die verschiedene Bedenken gegen die bisherig« Parteitaktik haben, würden nunmehr, da der Parteitag mit großer Mehrheit die Fortführung der bisherigen Politik beschlossen hat, geneigt sein, sich von den Kommunisten aufs Eis führen zu lassen. Di« Äußerungen unserer Gegner über den Parteitag zeichnen sich neben ihrer Giftgeschwollenheit durch eine besondere Armseligkeit aus. Sie sind sich all« auch darin einig, unS zuzureden, doch endlich aus der Regierungsmehrheit auSzuscheiden. Nun pflegen wir aber unsere Politik nach unseren Erkenntnissen und nicht nach den Ratschlägen unserer Todfeinde einzurichten und so wird eS auch in Zukunft bleiben, obwohl uns bewußt ist, daß wir dabei daS Mißfallen unserer Gegner erregen, die eS gern« sehen möchten, wenn wir das Feld zugunsten einer Bürgerregierung oder eines Beamtenkabinetts räumen würden, worauf die Ausplünderung und Verelendung der Arbeitermassen erst recht in die Wege geleitet werden könnt«. Uns tröstet dabei der Gedanke, daß wir bei unseren Gegnern auch nach Verlassen des jetzigen Kurses nicht mehr Gnade finden würden als bisher. vis Rede des Genossen Pohl. (Schluß von Seite 1) Hausrat, keine Kohle, ost nicht einmal ein Belt, keine Kleidung und keine Nahrung. Das sag« ich unter voller Verantwortung: Die Gemeinden und Bezirke sind fertig. Sie konnten in den letzten zwei Jahren manches zur Krisenmilderung beitragen, jetzt ind sie am Ende ihrer Kräfte. Das deutsche Gebiet in diesem Staat ist dop Pelt von der Krise betroffen, denn die Arbeitslosigkeit ist in den deutschen Gebieten doppelt so groß als in den andern. Das liegt in der Hauptsache in der Wirtschaftsstruktur des Landes, denn die deutschen Gebiete sind der Sitz der Exportindustri«. An die Adresse der Agrarier. Nach einem neuen scharfen Wortgefecht mit den Kommunisten faßt Genosse Pohl unser« Forderungen nach planmäßiger Regelung und Kontrolle der Wirtschaft zusammen. In diesem Zusammenhänge polemisiert er gegen die gestrige Rede des neuen Landwirtschaftsministers H o d 1 a auf der Prager Ägrarkonferenz, wo er erklärt hat, die unkontrollierte freie Konkurrenz und die Spekulation müßte aufhören, aber nur bei der Industrie. In der Landwirtschaft will er den Individualismus" voll qewahrt sehen, weil dort der persönlichen und der Klassenfreiheit bereits Grenzen gezogen seien durch di« Rücksicht auf die anderen Klassen und durch das Genosienschaftswesen. Da scheint der Herr Minister vorher nicht Wit dem Abgeordneten Dubickh und dem Senator Brany gesprochen und auch nicht den„Veöer" vom Abend vorher gelesen zu haben, die alle für die Arbeitslosen nicht mehr und nicht weniger als die Zwangsarbeit fordern. Ich will deu Agrariern folgendes sage«: Wen« sie der Auficht sind, daß staatlich« Leistungen mit Zwangsarbeit honoriert werde» muffen, daun müffen aber auch die agrarischen Subventionen und Zuwendungen aller Art in gleicher Weise mit Zwangsarbeit sanktioniert und abgezahlt werdeni Dann werden— davon bin ich überzeugt—- die Arbeitslosen nicht de» kürzeren ziehen! Aber in dieser demagogische» Art gegen die geringfügige, vollkommen unzureichende Arbeit-- losenunterstützuog, gegen diese unschuldigen Krisenopfer zu schreibe», die ohu« ihre Schuld in dieses verdammrnswerte Los getrieben worden sind, diese «nunterbrocheue Hetze von dem„HinauSwersen" und„Verschleudern" der Staatsgelder, do» der Verschärfung der Kontrolle und der Zwangsarbeit, das ist unüberlegt, unsachlich und unwahr, gehüsiig und feindlich! Ich möchte den Herr» Minister Hob Sa noch ersuchen aufzuklären, wie er die schöne Phrase gemeint hat: Freiheit der anderen Klassen! Hat er dabei auch an die agrarischen Forderungen gedacht, ore am 7. September aufgestellt wurde»? Hier ist auf die anderen Klaffen verdammt wenig Rücksicht genommen worden. Sie rede« von früh 7 Uhr bis abends 9 Uhr vom Sparen, aber nur vom Spare« bei de» anderen zu Ihren Gunsten. DaS ist lei» Sparprogramm, das ist Heuchelei und Demagogie! (Zwischenrufe DubiekhS.) Wenn ich eingangs von den Schwierigkeiten unseres Koalitionswesens gesprochen habe, so habe ich noch unterlaffen zu sagen, daß die natürlichen Schwierigkeiten dieser Koalitionsregierung in den letzten Jahren noch dadurch vergrößert worden sind, daß die führenden Koalitionsparteien bei ihren Verhandlungen nicht sehr seriös waren. Ich kann da nur der Hoffnung und dem Wunsche Ausdruck geben, daß sich diese Dinge bessern und daß sie in Hinkunft vermieden werden! Die Kartellwirtsdian. Noch in einem Punkte erscheint u«S die Regierungserklärung ungenügend, dort nämlich, wo fie von der Bekämpfung der Kartelle und des Zwischenhandels spricht. Das Beispiel von der Kohl«, wo der Zwischenhandel den Löwenanteil des Preises einsackt, wäre noch um sehr viele zu vermehren.(Lärm.) Wenn er da heißt, die Regierung beabsichtige keine Maßnahmen, welche die„ordentliche" Unternehmertätigkeit, ob in der Produktion, ob im Handel, auf irgendeine Weis« bedrohen wurden, so hebt dies« Erklärung die frühere, daß der Einfluß der Kartelle und die Tätigkeit der Zwischenhandels überprüft Widerliches Verhallen der Kommunisten. Bon einem beispiellosen Tief« stand tvar das Verhalten der Konimunisten unter Führung HadekS,' die sich zwar alle anderen Redner ohne Unterschied der Partei enütia und in aller Ruhe anhörten, dem ,fen Pohl aber bei jeder Gelegenheit die gemeinsten und gehässigsten Ztvischenruf« machten. Lange Zeit reagierten unsere Genossen überhaupt nicht oder nur mit einem kurzen Zuruf auf daS fortgesetzt« Gekläff« von kommunistischer Seite, zumal Genoffe Pohl den Hadek gleich zu Beginn ein paarmal treffend zurechtwieS. Schließlich riß unseren Genoffen angesichts der ständig fortgesetzten Provokationen, die von einem unglaublich niedrigen Niveau der MoS- kau-Jünger zeugten, endlich auch einmal die Geduld. Sobald wieder«in Kommunist aufmuckte, wurde er sofort durch schlagfertige Zurufe zugedeckt. Es bedurfte des ganzen Einflusses einiger Genoffen, die auch angesichts der unerhörten Dreistigkert der Kommunisten kaltes Blut bewahrten und sich nicht provozieren ließen, um zu verhindern, daß ein oder der andere von den I Kommunisten nicht einen ordentlichen Denkzettel werden soll, wieder auf. Wir müffen bitten, daß man nicht bei dieser Erklärung bleibt, sondern daß man diese Forderung des Regierungsprogrammes auch konsequent durchführt! Unsere Forderungen: Genosse Pohl zählt dann unsere weiteren bekannten Forderungen nochmals auf, um aufzuzeigen, in welchem Sinne sich die Regierungstätigkeit nach unserem Wunsche abwickeln soll. Es sind dieS: Verbesserung des Gesetzes über die Exportkredite, Erlassung eines Kartellgesetzes, Evidenz und Regulierung des Arbeitsmarktes, i» der Krise eine besonders dringende Notwendigkeit, die— wieder nnr ans Rücksicht anf eine einzelne Partei— in der früheren Koalition nicht vorwärts gekommen ist. Ferner: Verkürzung der Arbeitszeit auf 48 Stunden in der Woche, Durchführnng des vorgesehenen Jnveftitionsprogrammes, Ausschreibung einer Jnvestitionsanleihe, Jnvestitionsumlage für die Selbstverwaltungskörper, Verabschiedung des W o h n« n g s- grsetzrS, produktive Arbeitslosenfürsorge und Beitrag der Unternehmer für die Arbeitslosen. Wir sind ja das einzige Land in Mitteleuropa, wo die Unternehmer für di« Krisenopfer nicht einen Heller aufgebracht haben, trotz aller Bemühungen und Antrag« deS FllrsorgeministeriumS an die letzte Regierung. Stabilisierung der Preise der landwirtschaftlichen Produkte, die Neuorientierung der Landwirtschaftspolitik, wirtschaftliche, genossenschaftlich« und politische Zusammenarbeit mit dem industriellen Proletariat find unsere Forderungen au die landwirtschaftliche» Kreise. Wir find gegen die weitere Ueberwälzuug der Belastung aus die Besitzlosen, für Ersparuiffe im Staatsbudget, für grundlegende orgauisa» torische Aenderungen in der Staatsverwaltung, in der Armee»ud in den staatlichen Unternehmungen. (Zwischenrufe.) Da» ist ei» Programm, auf das sich die deutsche und die tschechische sozialdemokratische Arbeiterpartei geeinigt hat. ES ist unser Programm, hinter dem wir stehen, für daS wir arbeiten und alle unsere Krast einsetzen werden! (Beifall.) Wenn die Regierung weiter versichert, daß ihre Außenpolitik dem Schutze und der Festigung d«S Friedens sowie der politischen und wirtschaftlichen Verständigung der Völker dienen soll, so erklären wir, alles daransetzen zu wollen, damit hinter diesen Worten der ernste Wille und di« aufrichtige Bereitschaft zum praktischen Handeln in diesem Sinne steh«.(Zwischenrufe des Abg. Hassold.) Pohl: Wir sprechen von unserer Eiu- stellung, Herr Doktor! Al» eine per wichtigsten Voraussetzungen zur Befriedigung der politisch nnd wirtschaftlich zerklüfteten Welt sehen wir den ehesten und ent- fchloffeneu Abbau der Rüstungen an, der insolge der damit verbundenen Herabsetzung de» Militäraufwandes auch zur Lösung der finanziellen Probleme wesentlich beitragen würde. Wir sind uns deffen bewußt, daß eine wirksame Abrüstung nur möglich ist durch internationale Vereinbarungen, wir wiffen aber auch, daß diese nur zum Ziel führe» können, wenn jeder einzelne Staat zum Abbau des eigenen Militarismus bereit ist. Wir fordern daher, daß di« mit der Verkürzung der Dienstzeit eingeleitete Politik konsequent weitergeführt werd«. Auf weitere Zwischenrufe Dr. Hassolds gibt ihm Pohl den freundschaftlichen Rat, zu General Schleicher zu gehen, wenn er von Abrüstung reden wolle; Haffold stehe Schleicher jedenfalls näher als wir. Abschließend stellt Genoffe Pohl fest, daß wir nnS der Grenzen, die nnserer Wirkungsmöglichkeit in der Koalition gesetzt find, bewußt find. Da» darf und wird uns aber nicht hindern, in Fortführung der treuen Gemeinschaft mit der tschechischen Sozialdemokratie den Interessen der Arbeiterklaffe mit dem Einsatz aller Kräfte zu dienen. Wir schützen und erhalten. damit die physische uud moralische Kraft der Arbeiterklaffe im Kriseusturm und bereiten damit den kommenden Sieg deS Proletariats vor.(Starker, langanhaltender Beifall.) bekam. Immerhin kam es mehrfach zu turbulenten Szenen. Schier unvermeidlich schien eine handgreifliche Lektion, als die kommunistischen Kläffer auch nach Schluß der Rede Pohls noch keine Ruhe geben wollten und Hadek persönliche Verleumdungen ordinärster Art dem Genoffen Pohl ins Gesicht schrie. Ums Haar hätte dabei Herr Hadek die wohlverdiente Ohrfeige erwischt, zu der Pohl schon die Hand erhoben hatte. UiilruchlDare Kritik. Die heutige Debatte wurde von nicht weniger als 14 Rednern bestritten, die zum größten Teil dem Lager der Opposition angehörten. Fast jeder dieser oppositionellen Redner verdammte die jetzige Regierung und die gesamte Regierungskoalition in Grund und Boden hinein, ließ an dem Regierungsprogramm kein gutes Haar und machte die Koalition einfach für die Weltkrise voll und ganz verantwortlich. Ein besonderes Fressen war für diese.Herrschaften namentlich der bevorstehende Gehaltsabbau. Demagogie in Reinkultur wurde da liter- lveise frisch vom Faß verzapft. Ein konkretes, durchführbares Programm, wie das Milliardendefizit anders zu decken wäre und wie man aus den leeren Staatskassen weiter die unverminderten Gehälter auszahlen könnte, ohne zur Notenpresse zu greifen und damit eine Inflation her- auftubeschwören, deren Ende niemand absehen könnte, entwickelte aber keiner von all den Oppo- sitionSr^mern. Einer der ersten Redner war Knirsch, der aus dem Regierungsprogramm auch eine Einschränkung der Arbeitslosenunterstützung herauSliest, von„sozialer Bankrotterklärung" spricht und auch sonst mit den stärksten Ausdrücken herumwirst. Hlinka Packte alle seine urältesten Schlager i aus und griff den anwesenden Schulminister Derer wegen der angeblichen Zurücksetzung der Slowaken im Schuldienst heftig an. Hlinkas Klubkollege OnderLo schrie den Minister einigemale so laut an, daß dieser schließlich die Geduld verlor und von der Ministerbank aus feststellte, daß noch nie so viele Slowaken ernannt wurden wie gerade jetzt. Später reagierte Frau Zeminova(tschech. Rat. Soz.) auf die Angriffe Hlinkas und nannte die Slowaken unter schweren Tumulten gewissenlose Ehrabschneider, wenn sie die Au- Würfe gegen Klofak wegen der versuchten Brandstiftung in der Druckerei des„Slowak" nicht endlich einstellten. Hlinka verlangte darauf vom Kammerpräsidium die Erteilung einer Rüge an Fra« Zeminova. Bon deutscher Seite üben weiter- Kunz (Christlichsoz.), Dr. Schollich(D. Rat.) Jelli- nek(AWG) und Eckert(Gew. Part.) mit großem Aufwand an Phrasen unfruchtbare durchwegs negattv« Kritik an dem Regierung-Programm. *** Eine Rede von Format war dagegen die Rede deS tschechischen Genoffen Dr. Muter, der sich mit den Schwierigkeiten einer KoalitwnS- regierung sachlich auseinandersetzte und sich gegen die bisher so oft praktizierte Politik de» untätigen ZuwartenS aussprach. DaS neue Regierungsprogramm kündigt«ine Aktivität der Regierung an, di« nur zu begrüßen sei. Für die Diktatur deS starken Mannes sind weder die subjektiven Voraussetzungen noch di« objektiven Bedingungen gegeben. Jever Versuch der Diktatur der einen oder anderen Klaffe müßte zum Bürgerkrieg führen. DaS Budaetdefizit muß ausgeglichen werden; allerdings brauchen wir uns nicht gleich für verloren zu halten, wenn dies nicht sofort zu 100 Prozent geschieht. Schluß gemacht werden muß aber bedingungslos mit jeder Subventionspolitik. Auch in der Abrüstungsfrage können wir nicht warten, was die anderen tun werden, sondern müffen uns selbständig entscheiden. * Entgegen den ursprünglichen Dispositionen sah das Präsidium von einer Sitzung am Samstag ab. Die Debatte soll erst am Dienstag nachmittags weitergeführt werden. Deshalb wurde auch ine für Dienstag angesetzte Sitzung deS AußenausschuffeS, iq der Dr. Beneä ein außenpolitisches Exposee erstatten will, von Dienstag auf Montag nachmittags dorverlegt, s Konstituierung der Budgetkommission. Dem in der ersten Sitzung de» Ministerrates geäußertem Wunsch der Regierung entsprechend, hat der Vorsitzende des Budgetausschusses Dr« 6erny Freitag di« Vertreter der Koalitionsparteien zu einer Sitzung eingeladen, in der be« schloffen wurde, die Anträge in Verhandlung zu ziehen, die auf die Herabsetzung der BudgetauS- gaben uud die Erreichung des Budgetgleich- qewichtes im Staatshaushalt abziele«. Der Ausschuß Wird die einzelnen Vudgetposte« einer Ueberprüsung unterziehen nnd mit dem Finanzministerin« bei der Zusammenstellung des Budgets für das künftige Jahr■ Zusammenarbeiten. Der Kommission gehören die Abgeordneten Dr. 6erny, RemeS, Bergmann, Dr. Nosek, Genoffe Hackenberg, Dr. Hodaö und Windirsch an. Weitere Sitzungen werden in der nächsten Woche stattfinde«. MShrisch-schlefischer Landesausschuß. Brünn, 4. November. Zu Beginn der heutigen Sitzung des mährisch-schlesrschen LandeS- ausschuffes teilte der Vorsitzende, Landesvize- präsident B ö h m, mit, daß er vom Innenministerium mit der vorläufigen Führung des 8an- desaüsschusses betraut wurde. Der Landesaus- schuß genehmigte sodann die Jahresabrechnung mehrerer Bezirke für 1931 und di« Anleihen verschiedener Bezirke und Gemeinden. AuS dem MeliorationSfonds wurden ein« Reihe von Bezirks- und Gemeindebeiträgen bewilligt. Schließlich erledigte der Landesausschuß eine Reihe laufender Angelegenheiten. Di« Herbstscssion der böhmischen Landcsver- tretung wurde gestern g e s ch I o s s e n. Nach einer Reihe von Abstimmungen, bei welchen die Agrarier einigemal mit ihren Anträgen in der Minderheit blieben, beantwortete Vizepräsident 8 r o m einige Anfragen. Die nächste Session der böhmischen LandeSvertretung wird Mitte Dezember einberufen werden. Litauischer Schriftsteller von Nazis überfallen. Kowno, 1. November.(Elta.) Am 30. Oktober l. I. wurde in Tilsit in Oestpreußen der bekannte litauische Schriftsteller und Philosoph Bidunas-von Nationalsozialisten überfallen und mißhandelt. Der Zustand deS Verletzten ist überaus ernst. Nr. 261 Sam-tag, 8. November 1832 seite 3. ÜJUML VOh. UHS ,Ha, da haben wir eben geheiratet. Ich freut« mich auch sehr über unsere eigene Wohnung und alles— war alles wunderschön— und man kam sich als junger Bengel mächtig gehoben vor, wenn man so sagen könnt: meine Frau. Und die Hertha war doch Sekretärin bei Brandt& Co., verdiente recht gut— na, und mein Gehalt dazu—! Wir konnten herrlich auskommen. Und Hercha wollt' ihre Stelle behalten die nächsten zwei Jahre, bis ich genug verdiente für uns beide. Aber dann kam das erst« Kind, und da hat sie lange Zeit mit so ner ekligen Brustgeschichte zu tun gehabt. Und dann ging unsere Firma Pleite — monatelang lief ich rum ohne p>as. Und di« Wohnung muhten wir ausgeben und sind in'ne Dachkammer hinten in der Friesenstraß« gezogen. Und so eine gute Frau, di« Hertha, Gilgii— nie geklagt, nie gejammert. Und die schwerste Zeit war auch die schönste— da hab' ich gelernt, was es heißt, wenn ein Mensch wirklich zu einem gehört.— Ich kam dann bei einer Versicherungsgesellschaft unter als Agent— das lag mir nicht gleich, so hartnäckig und intensiv aus Leute einzureden— aber man kann's sich in unserer Zeit wirklich nicht leisten, daß einem irgendwas nicht liegt. Ich gab mir furchtbar« Mühe— aber als ich gerao anfing, in die Sache hineinzuwachsen, würd' ich schon wieder entlassen. Und die Hertha bekam's zweite Kind. Wir haben uns doch so lieb. Wie furchtbar das ist, Gilgi, daß man'sich nur Unglück bringt, wenn man sich lieb hat. Die Hertha allein wär' weitergekommen, und ich allein wär' auch weitergekommen. Und zusammen ist man verloren und aufgeschmissen. Und ist verbunden auf Gedeih und Verderb, und wenn man auseinandergehn wollt'— da krepierte man dran. — Müßt' keine Liebe auf der Welt geben, Gilgi." „Müßt' keine Liebe auf der Welt geben, Hans." ,^Ja, ich bin gerannt von Pon-ius zu Pilatus, war Gehllf« in'ner Garage, Aushilfskellner in'nem Gartenlokal. Hab' Adresien geschrieben und Zeitungen ausgetragen. Einmal beckam ich ein gutes A.rgebot für Holländisch- Jndien— könnt ich ja nicht annehmen. Dann mal wieder Vertreter für'ne Wäschefabrik— und wieder für'Ne Zeitlang Wohlsahrtsempsänger. Hall' auch mal'ne anständige Sach« als Filialleiter haben können— wenn ich viertausend Mark Kautwn gehabt hätt'— halt' ich natürlich nicht. Und wieder mal mit Staubsaugern von Haus zu HauS gezogen— und jetzt mit Bohnerwachs.— Du— wer das nicht selbst durchgemacht hat, weiß nicht, wie das ist. Wie«in Verbrecher wird man behandelt, wie ein ganz gemeiner-Verbrecher. Das knallt dir die Tür vor der Nase zu— das sieht dich io böse und feindselig an— und man läuft und häuft und läuft, und oft deckt der Verdienst eines Tages noch nicht Mal di« Kosten für abgelaufene Schuhsohlen.— Aber— man hat ja verflucht die Pflicht— nicht den Mut zu verlieren, nicht tvahr?" Hilflos^zuckt es,um seine Mundwinkel—„und es wird ja wohl auch wieder mal besser?" Und er sieht Gilgi an, will sich ein Ja aus ihr herauslesen— und plötzlich fällt sein Kopf vornüber aus di« Tischplatte, und di« Schultern zücken, sein ganzer Körper schultert— der weint, mein Gott, der weint— ein krächzender Schluchzton kommt aus seiner Kehle— noch einer, noch einer— das kann man nicht hören, das kann man nicht sehen— einen Mann, der weint. Und das Schluchzen— mein Gort— Gilgi ist aufgesprungen, lehnt kreideweiß an der Sessellehne— hör' auf, ich kann das nicht hören— der schluchzt so furchtbar— ich werde wahnsinnig, ich spring' aus dem Fenster, wenn er nicht aufhört... Und nun hebt er den Kopf, das Weiße in seinen Augen ist rot durchÄvert— ,^>as— wird— nie mehr besser, Gilgi— ich fühl', daß das nie mehr bester wird. Urck das halt' ich nicht mehr aus— einfach nicht— mehr— aus— wenn ich über die Straße geh'— und seh' so dicke rotbäckige Kinder und denk' dann an meine— so blaß und elend— da oben in der muffigen Kammer. Für mich allein würd' ich doch nie den Mut verlieren — aber das halt' ich nicht mehr aus— ich weiß nicht mehr— kann nicht mehr..." Tränen laufen ihm übers unverdeckte Gesicht, und er schämt sich nicht— wenn man mal soweit ist, schämt man sich nicht mehr. „.Hans, lieber-Hans", sagt Gilgi. Das, ist doch nun einer aus ihrer Reihe. Und man müßte Zusammenhalten, so sehr müßte man Zusammenhalten. Viel wichtiger ist das als alles Berliebtsein: wir Jungen mühten zusammenhalten. Wir dürften so vieles nicht an einander geschehen lasten, wir müßten alle, alle einander sehr wirkliche Freunde sein... „Will mal weitergehn, Gilgi", sagt Hans und steht auf. „Es regnet draußen." ,Fsa, es regnet draußen." „Du hast keinen Mantel?" „Ist auf dem Pfandhaus verfallen." „Willst du mir mal stehen Büchsen Bohnerwachs dalasten, Hans?" Das deckt sich gerade auf Heller und Pfennig mit dem Stempelgeld. ,^a, siehst du, Gilgi, ich war's Sprechen gar nicht mehr gewöhnt. Man sollst auch nicht sprechen— leichter macht's nicht, macht alles nur bewußter. Wiedersehn, Gilgi. Wird schon gehn. Muß ja gehn, nicht? Du, Gilgi, ich schreib' dir meine Adresse auf— besuch' mal die Hertha, ja? Die würd' sich freuen— ist immer so allein— wir haben gar keine Freunde..." „Ja, Hans, ich werd' sie besuchen. Auf Wiedersehen, Hans." Gilgi steht ihm nach, wie«r mit seinem Köfferchen die Treppen hmuntertorkelt— schließt dann langsam die Flurtür. Geht herum wie im Traum, räumt das Geschirr ab und bringt's in die Küche. Legt sich wieder ins Bett. Was wird nut den Menschen gemacht? Was? Was? Man müßt« einander helfen— das ist so wichtig— und da sind klein« blaffe Kinder, di« nicht zu essen haben. Ohne Martin käm' ich weiter, und Martin würd' ohne mich nicht soviel Schulden machen. Und dabei ist Liebe doch gar nicht so wichtig,— solange es Menschen gibt, die arbeiten wollen und nicht dürfen— solange es Menschen gibt, die man kein Gold verdienen laßt— solange es kleine Kinder gibt, die nicht genug zu essen haben... Und immer die summende Sehnsucht in den Gliedern, die süße widerliche Sehnsucht— ich halte das nicht mehr aus, ich will tot sein— ich will das nicht mehr— ich will nicht— es Deutsdilanü vor der Wahl. (Von unserem Sonderberichterstatter.) J. B. Dresden, 4. November. Zum fünften Male in diesem Jahre werden die Wähler in Deutschland am Sonntag zur Urne schreiten. Pach außenhin wirft der Wahlkampf keine besonders hohen Wellen.' In der Großstadt wird naturgemäß viel mit Plakaten gearbeitet und man darf durchaus objektiv feststellen, daß die Sozialdemokratie die wirkungsvollsten Plakate herausgegebcn hat. Vor allem fallen da riesige handgemalte, Bilder auf, die ganze Litfaßsäulen blecken. Eines zeigt eine große Fabriksanlage, welche die Aufschrift„Zu vermieten" trägt, daneben die Meldekarte des Arbeitslosen Meyer. Als Gegenstück drei, ineinander greifende Zahnräder: hier die sozialistische Planwirtschaft, dort die Wirtschaftsanarchie im Kapi- lalismus. Auf einem dritten Bild recken sich ein riesiger Mörser und ein langes Kanonenrohr drohend in die Luft, darunter ein mächtiger « Pflug, der in dem braunen Erdreich Furchen zieht. Krieg und Verwüstung als Begleiterscheinungen des Kapitalismus, schaffende Arbeit als Symbol der neuen sozialistischen Ordnung. Andere Plakate wenden sich an die Vernunft der Menschen: da wird auswezählt, wie der Lohn des Arbeiters unter der Junkerregierung gesunken ist, wie man die Unterstützungssätze auf allen Gebieten der Sozialversicherung verkürzt und abgebaut hat. Und überall die riesige 2, dir Listennummer der Sozialdemokratie und der drei Pfeile. Die Hakenkreuzler ziehen natürlich alle Register der Demagogie. Um ihren unaufhaltsamen Rückgang doch ein wenig aukuhalten, schrecken sie vor keiner Niedertracht zurück. ,^Oyne SPD. keine Papen-Regierung"— so verkündet ein Plakat der Partei, die der Steigbügelhalter der Junker war und dann den Fußtritt erhielt. Auf einem anderen Plakat wird dargetan, daß alle Parteien jüdisch verseucht seien, nur die Partei des Herrn Isidor Göbbels nicht. Die übrigen Parteien sind in ihrer Wahlwerbung reichlich lendenlahm, die Kommunisten eingeschlossen. Nur die Regierung greift zu mittelalterlichen Schauerbildern: da hält«ine „starke Faust" viele dicke Schlangen am Kragen gefaßt, das sind die Reichstagsparteien, die Herr Popen am liebsten erwürgen möchte, dort schwimmt eine grüne Wasserleiche, an.Händen und Füßen mit schweren Kugeln belastet, auf denen SPD, KPD und das Hakenkreuz/zu sehen ist, darüber ein Rettungsring mit der Aufschrift „Hindenburg". Eine entsetzte Mutter hält ihr Kmd und schreit nach Hilfe; Hindenburgs ist der Retter. Als einzige Partei stehen die Deutschnationalen hinter der Regierung, aber ihr Ruf klingt ziemlich matt. Neben der Plakatwirkung sind es Fahnen, die für die Parteien werben. Hier in Sachsen sind es eigentlich nur die Sozialdemokraten, die Kommunisten und die Nazis, die in scharfem Wettbewerb stehen. Vielfach wehen aus den verschiedenen Fenstern eines Hauses alle drei Parteifahnen. Rot sind alle, nur die Symbole wechseln: die drei Pfeile der Eisernen Front, der Sowjetstern und das Hakenkreuz. Je näher der inneren Stadt, den Behausungen des Bürgertums, desto zahlreicher die Hakenkreuzfahnen, in den Vororten dagegen überwiegen die drei Pfeil«, dazwischen der Sowjetstern. Um den Bahnhof Wettinerstraße ist der Sitz der Sozialdemokraten, Volkszeitung, Volkshaus, Bant der Arbeiter und Angestellten. Da flattert hoch von den Giebeln, trutzig die Flagge mit den drei Pfeilen, aus allen Fenstern wehen kleine Fähnchen, über dem Volkshaus leuchtet in grellroten Buckstaben ein feuriges Lichtransparent„Freiheit" und die drei Pfeile. Als Abzeichen werden sie immer noch zu wenig getragen, aber man wird doch oft genug und oster als früher plötzlich mit dem Ruf„Frei! beit" aearüßt. ekelt mich an, daß ich so machtlos gegen meinen Körper bin. Und wenn ich mit Martin darüber sprechen könnt«! Aber das kann ich nicht— wenn ich was sage, dann trifft's nie das Eigentliche, gibt nur ein schiefes Bild— Worte, die über die Lippen kommen, offenbaren ja nie, verschleiern nur. Und Gilgi denkt an den elenden, abgehärmt«» Jungen und sehnt sich nach Martin— und schämt sich, daß sich dem Gedanken an fremdes Elend die Sehnsucht nach Martin hinzunvischt— und fließt ein winziges Tribschen Feindseligkeit in die Sehnsucht— und schämt sich, tveil der Sehnsucht nach Marlin so überstarkes Mitleid mit einem anderen, Fremden beigemengt ist— und fühlt sich schuldig— vor sich selbst— anderen— allen— Gedanken fahren Karussell Ruhe, einmal Ruhr haben. Findet man wohl erst, die Ruhe, wenn Verzicht einen in sein graues Gefängnis zwang — wenn man alt und unbegehrt geworden ist... Müde bin ich... Kracks— macht die Flurtür— und gleich darauf steht Martin im Zimmer, schwenkt vergnügt seinen Schuhkarton. ,^Hab' alles fabelhaft gut besorgt, wirst zufrieden fein, mein Süßes... aber was hast du denn nur?" Er setzt sich zu ihr — ,Mie siehst du aus— so tveiß und— hast du geweint?" Ach, das liebe Gesicht und di« gute Stimme! ,^Jst nur die Erkältung, Martin." So müde— jedes Wort muß man aus sich herausgraben. >,Jch werde dir Tee kochen, Gilgichen— und du mußt heute im Bett bleiben— du, sag' mal was sind das denn da draußen im Flur für viele gelbe Büchsen?" (Fortsetzung folgt.) Eine seltsam« Bereicherung des Stadtbildes bieten die bettelnden SA-Männer, die an allen Ecken stehen, frierend und zitternd in dem feuchtkalten Wetter, und klappernd ihre Sammelbüchsen schwingen. Doch ach, der Ertrag ist kläglich und ich sah während der verflostenen zwei Tags noch niemand einen Pfennig hineinwerfeN. Dagegen pflegt ein Dreipfeil-Mann gewöhnlich neben so einem Bettler zu stehen und nicht mit „freundschaftlichen" Bemerkungen zu kargen. Man steht es den kommandierten Raziburschen an, daß ihnen gar nicht besonders Wohl zumute ist und daß sie sich der Kläglichkeit ihres Auftre tens wohl bewußt sind. So geben sie sich denn auch gar keine besondere Mühe mit ihrer Bettelei. Man könnte meinen, daß nach so oft wiederholten Wahlen nun die Leute müde wären. Tas ist nun das Wunderbare, daß dies wenigstens bei den sozialdemokratischen Kundgebungen nicht der Fall ist. Sie find oft noch bester besucht, als bei den früheren Wahlen. Die Säle füllen sich schon eine halbe Stunde vor Bersammlungsbcginn, so daß man pünktlich zur festgesetzten Zeit beginnen kann. Nicht nur in der Äadt, sondern auch in den industriellen Orten auf dem Lande. Di« Ber- sammlungen tragen auch ein feierlicheres Gepräge als früher; gewöhnlich wird einleitend ein Lied gesungen, die Rednertribüne wird von Fahnen flankiert, an allen Saalwänden stehen uniformierte Reichsbannerkameraden, überdies ist meist auch noch ein« Abteilung in einem Nebenraum konzentriert. Bei der Einleitung überträgt der Vorsitzende die Wahrung des Hausrechtes an den Saalschutz und obwohl vielfach Nazis und Kommunisten anwesend find, kommt es kaum zu irgendwelchen Störungen. Die Referate werden sehr aufmerksam angehört, oft wird der Redner von Beifall unterbrocken. Den Abschluß bildet dann wieder ein Lied ober eine Vorführung eines politischen Kabaretts der„Roten Pfeile^(früher hießen sie ,Ftote Ratten"), die es nun schon in vielen Orten gibt. Sie werden meist von Angehörigen der Jugendgruppen gebildet und es ist wahrlich eine Freude, die Begeisterung zu sehen, mit der die Jungkameraden im Reichsbanner und bei diesen Veranstaltungen Mitwirken. Unsere Genossen gehen frohen Mutes in die Wahlen. Allgemein ist die Ueberzeugung ver-- breitet, daß diesmal die Hakenkreuzler einen erheblichen Rückschlag erleiden, besonders auf dem Lände, wo die Bauern ihren Versprechungen«infach nicht mehr glauben. Ueber 200 Mandate dürsten sie diesmal kaum hinauSkommen. Doch sei dem, wie immer. Die Sozialdemokratie kann sich nach wie vor auf die große Masse der überzeugten Partei- und Gewerkschaftsgenoffen stützen, die treu zu ihr halten und unter unsäglichen Opfern die riesigen Wahlkosten aufbringen, die Papens Experimente mit der Demokratie verursachen. Und dieser Opfermut gibt uns die unerschütterliche Gewißheit und Zuversicht, daß an ihm alle Anschläge der Reaktion zerschlagen werden und daß die Partei des klaffenbewußten Proletariates Deutschlands assen Gewalten zum Trotz zum Siege schreiten wird! BBBBIBBBIBBBIBBHnHHHnBBBBBBnBBHBBBBBBBBBIBBBnBBBBIBBBBBHIBBHBBBIBBBBBHHIBBBHBBBBBBBBinBBBBBBBBBBBIBBBBBBBHHHIBBBBnnBBBBBnBIDBBBBHBBnBBIIll Ein Toter beim Berliner Verkehrsstreik. Zusammenstoß zwischen Streikenden und Polizei. Berlin, 4. November. Bei dem schweren Zusammenstoß zwischen Polizei und Streckende» vor dem Schöneberger Betriebsbahnhof sind zwei weiter« Personen verletzt worden. Der Erschossen« und die drei Verletzte« sind sämüich SA.» Leute. Auch unter den Kommunist««, di« sich an der Zusammenrottung beteiligt hatten, sollen mehrer« Personen verletzt worden sei«, die aber von ihren Kameraden fortgeschasst worden find. Da der Schiedsspruch über die Berblindlich- keitserklarung des Schlichters im Streik des Personals der Berliner Berkehrsgesellschast heute früh noch nicht allgemein bekannt war, ist die Arbeiterschaft der BVG. noch nicht in den Bahnhöfen erschienen. Die BVG. hat jedoch durch Sau- lenanschlag den Wortlaut des Schiedsspruchs be- kanntgstzehen und den Arbeitern eine Frist bis 2 Uhr zum Erscheinen auf der Arbeitsstätte gesetzt. Bis heute morgen sind im Verkehrsstrcik 297 Personen zwangsgestellt worden. Von einer Stelle, die sich als Zentrale Streikleitung der Verkehrsarbeiter bezeichnet, wurde erklärt, daß der Streik fortgesetzt werde. Scharlste PoilzeimaOnahmen angedroht. In Berlin herrscht größte Unruhe und Erregung. Für morgen ist erhöhtes Polizeiaufgebot zum Schutz der vereinzelt ausfahrenden Wage» in Aussicht genommen. Der Polizeipräsident teilt mit, daß die Polizei mit allen ihr zu Gebote stehend,« Mitteln, nötigenfalls auch durch Gebrauch der Schußwaffe, Angriffe gegen das Personal oder Betriebseinrichtungen der Berkehrsgesellschast abwehren wird. Die gesamt« Polizei soll rücksichtslos eingesetzt werden. Tagten wird von amtlicher Seite bestritten, daß der Einsatz der Reichswehr»der die Verhängung des Ausnahmezustandes in Aussicht genommen sei. Auch die Gerüchte, daß di« Regierung die Berliner Vorfälle zum Borwand nehmen werd«, um die Reichstagswahlen am Sonntag zu verschieben, werden nicht für wahrscheinlich gehalten. „Pole ravne" verdaten. Berlin, 3. November.(Tsch. P.-B.) Außer der„Welt am Abend" hat der Polizeipräsident nun auch die„Rote Fahne" bis zum 12. Novem- ber wegen Aufforderung zum Ungehorsam gegen Gesetze und lvegen vorbereiteter Handlung zum Hochverrat verboten. eine Nazi-Roheit. Frankfurt a. M., 3. November. Der Reichsbannermann Anton Schenkel, ein Schwerkriegs- heschädiger, wurde in Frankfurt a. M.-Höchst auf offener Straße ohne jeden Anlaß' von einer Bande von 25 Nazis angefallen. Das Gesindel fiel mit Koppeln, Schulterriemen, Stahlruten und Messern über den Wehrlosen her. Der Ueberfallene erhielt einen Stich in den Arm, wurde ferner erheblich am Kopfe verletzt und erlitt ernste innere Verletzungen. Deutsche Ausfuhrprämie. Berlin, 4. November.(Tsch. P.-B.) Die Notverordnung vom 8. Dezember 1931 hat di« Schaffung einer Ausfuhrvergütung vorgesehen, danach sollte einem Unternehmer, der Lieferungen ins Ausland nachweist, ein Betrag bis zur Hohe der aus der Ware ruhenden Umsatzsteuer vergütet werden. Im Einvernehmen mit den Spitzenverbänden der Wirtschaft wird di« Ausfuhrvergütung in der Höhe von einem halben Prozent grundsätzlich auf alle Waren, die zum Export gelangen, gleichmäßig gewährt werden. Mit der Inkraftsetzung der Ausfuhrvergütung ist voraussichtlich schon am 1. Dezember 1932 zu rechnen. Gctängnlsbarbarei in Polen. Infolge der strengen Einhaltung des neuen Gefängnisreglements und der völligen Vernachlässigung der Vorschriften, di« zum Schutze der Gefangenen bestehen, häufen sich in den Gefäng- niffen die Fälle von psychischen Erkrankungen und von Selbstmorden. Obwohl die Gefängnis- Verwaltung alles dazu tut, damit übe, di« Leiden der Gefangenen möglichst wenig in der Oef- fentlichkeit bekannt wird, lassen sich nicht alle Opfer des Gefängnisregim«s geheim hakten. So sind allein aus dem Gefängnis in GruLzionc folgend« Fälle bekannt geworden. Am 4. August beging in diesem Gefängnis der politssche Gefangene Wojtiuk, Mitglied der weißrussischen Hromada, SÄVstmord. Am 27. August erhängte sich in der Gefängniszelle der politische Gefangen« Piotrowski. Anfang September erkrankte der aus dem Gefängnis in R a w i s z(Wojewodschaft Posen) nach dem Gefängnis in Grudzionc überführte ehemalige Abgeordnete Krynezuk, Mit- glich des ukrainischen Klubs„Zmahanie", und mußte in die Abteilung für Nervenkranke des, Gefängnisspitals überführt werden. Verbotene kommunistische Kundgebung m Wien. Wien, 4. November.(Tsch P.-B.) Die kommunistische Partei hat anläßlich des fünfzehnjährigen Bestandes der Sowjetunion für den 7. November vier große Umzüge in verschiedenen Wiener Bezirken angekündigt. Wegen oes allgemeinen Aufmarschverbotes wurden alle diese bei der Polizei ordentlich angemeldeten Kundgebungen nicht bewilligt. Bloß die in geschloffenen Räumen und Versammlungslokalen für diesen Abend in Aussicht genommenen Versantutlungeu werden demnach stattfinden können. SamStag, 8. November 1992 Nr. 361 Sette 4 Ahnung davon hatte, em totes Kind mtt sich RepubllMcler findet statt Anfmarschverbot wird vorher aufgehoben. Wien, 4. November. Wie die Blätter melden, wird das Verbot sämtlicher Versammlungen unter freiem Himmel und aller Umzüge noch vor dem österreichischen Staatsfeiertage, das ist vor dem 12. November, widerrufen werden. Damit werden die übliche sozialdemokratische Manifestation vor dem Rathaus und auf der Ringstraße, desgleichen auch di« beabsichtigten Gegenkundgebungen der Nationalsozialisten ermöglicht werden. Das Wiener Polizeipräsidium wurde von der Regierung beauftragt, mit beiden Parteien Verhandlungen einzuleiten und dafür Sorge zu tragen, oaß beide Demonstrationen zeitlich nicht zusammenfallen, und di« erforderlichen Polizeimaßnahmen zur Aufrechterhaltung der Ruhe und Ordnung zu treffen. „FreundsGaft" 6er Äaienöer... 6er«rBrtterNnter Mutter halb wahnsinnig wurde, daß sie keine Geh ört in jede prolerarijHe gamllle!*"' Vorn Verkeyrostretk L« Berlin. Am Donnerstag ist das gesamte Personal der Berliner BerkehrSgesellschaft in den Streik getreten. Unser Bild zeigt einen St r e i k p o st e n der Straßenbahner vor einem Bahnhof. iuiniiUiHiiiunuiiiiiuuHiuinffiMHHH!mmniniiiiiuiiHii»iiiiiiununiiiiiii»ii»iii»iiiiiiiiHiiiiiiiiiiiiiniiuniiiHiuiiiiiiHiiiimnimuiimiuiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiuintiiiiiiiiiiiiiuiiiiiiniiniiiuiiiiniiniitiNniB Kind ,,aus unbekannter Ursache" gestorben ist; wohl nicht verhungert, vielleicht an allgemeiner Schwäche. Da das„PrLvo Lidu" als erstes Blatt diese Geschichte veröffentlichte, konnte man schon am nächsten Tag davon lesen, daß es den betreffenden Arbeitslosen gar nicht so schlecht gegangen sei, weil, sie ein- V«» Rtmdhmh Empfehlenswertes aus Ve« Programmen. Sou« tag. Prag: 6.15: Gymnastik. 7.30: Konzert. 12: Blas-, musik. 15: ,Mkme", Oper von DelibeS. 18.25: Deutsche Sendung: Das Tagebuch eines Per- schlosienen von Janacek. 21: Orchesterkonzert. 22.25: Jazzmusik.— Brün«: 11: Konzert. 18: Deutsch« Sendung:„Der Apothtter" von Haydn. 19: Blasmusik. 20: Schwarz-weiße Stunde.— Berlin: 16: Orchesterkonzert.— Breslau: 16: Lieder im Volkston.— Frankfurt: 17: Romanische Biolimnusik.— Hamburg; 16: Blaskonzert.— Langenberg: 19: Orchesterkonzert.— Leipzig: 11.30: Bach-Kantate. 17.30: Schwedische Volkslieder.— München: 15.15: i Kammerkonzert.— Men: 10.30: Beethovens Diolin- sonaten. 17: Konzert. fällt worden: Danach wurden die beiden ange- klagten. Nationalsozialisten zu drei, bzw. zwei Wochen Gefängnis verurteilt, der parteilose Kaufmann zu einer Geldstrafe von zehn Mark, während die übrigen dem.Reichsbanner angehörigen Angeklagten freigesprochen wurden. In der Begründung des Urteils wird ausgeführt, daß das Gericht den beiden angeklagten Nationalsozialisten nicht glaube, sie hätten die Tat nur unternommen, um Beweis für die Möglichkeit des Waffenschmuggels beizubringen.~ Die Selbstanzeige sei vielmehr nur erfolgt, weil man sich beim Kaufe der Waffen beobachtet fühlt«, und um die eigene Schuld günstiger zu gestalten. Bezüglich der anderen Angeklagten, die Angehörige des Reichsbanners sind, sei erwiesen, daß sie Waffen in Weipert erst «ingekauft haben, als sie wußten, daß die Nationalsozialisten Revolver und Munition erstanden chattens Der Reichspräsidentschafts- Wahlkampf habe damals unruhig« Tage gebracht, und es bestand vielerorts die Ansicht, daß di« NSDAP im Falle eines Wahlsieges ihres Kandidaten Hitler einen Staatsstreich vorbereite und gegen AnderS- g«sinnie. in drohender Form vorgeye. Die ange- klagten Reichsbannerleute konnten sich demnach in einem aufgezwungenen Notstand befunden Raubmord in Karpathorutzland. In der Ge-' meinde 8iroky Luh(bei Neresnice im Bezirk Rahovo) überfielen in der Nacht zum Mittwoch einige maskierte Banditen, die mit Militärgewehren ausgerüstet waren, das Gehöft des Iva« Pokouba. Mit Gewalt erbrachen di« Räuber die Türe und forderten von dem Bauern und seiner Frau di« Herausgabe von Geld, das das Ehepaar vom Biehverkaufe nach HauS gebracht hatte. Pokouba gab den Räubern einen Betrag von 1500 L, PokoubaS Frau sprang jedoch auf den Räuber zu und entriß ihm das Geld. Der Räuber stach sodann die Frau mit einem Bajonett russischen Ursprungs und verletzte sie schwer an der Brust. In dem hierauf«insetzenden Handgemenge wurde auch der Bauer verwundet. Die Räuber gaben sodann einige Schüsse ab und entflohen mit dem geraubten Gelbe. Die Verletzung der Frau ist tödlich.— Es handelt sich wahrscheinlich um dieselbe Bande, di« in der Umgebung von NereSniee ihr Unwesen treibt und bereits einig« Raubüberfälle durchgeführt, jedoch niemals etwas erbeutet hatte. Doppelraubmord. In Oberwiesental (Salzburg) wurde der 76jährige Wirtschaftsbesitzer Josef Ernst und seine 62jährige Wirtschafterin Theresie Weißenbacher von unbekannten Tätern Donnerstag nachts überfallen und ermor- ! det. Den Tätern fielen etwa 600 Schilling in die I Hände. Sie steckten di« Betten mit den Leichen lin Brand und flüchteten. Dir Feuerwehr fand lnurmehr di« verkohlten Leichen auf. Don den Tätern fehlt jede Spur. Wenn der Fallschirm reißt... Ein Erfinder namens Warburg aus Hannover sprang Freitag I mittags von der höchsten Plättform des Berliner Funkturms mit einem selbstgebauten Fallschirm I ab. Der Fallschirm riß schon kurz nach dem Ab- Isprung. Warburg wurde mit schweren Ber- I letzungen inS Krankenhaus gebracht. Tödlicher Unfall eines Volksschülers. Freitag Ium halb 12 Uhr vormittags überfuhr in der Mickiewitzstraß« in Bratislava ein städtischer Autobus, den Schüler der dritten Volksschulklasse Aladar Fehervizi und tötete ihn auf der Stelle. Der Schüler ging mit seinem Schulkameraden, welche einander boxten, auf dem Bürgersteig. Aladar Fehervizi wurde plötzlich von einem seiner Kameraden so unglücklich gestoßen, daß er unter di« rückwärtigen Räder des Autovusscs fiel und ihm der Kops zerquetscht wurde. Der Miidchenmarkt in Hust. Zu Allerheiligen hat in Hust der sogenannte Mädchenmarkt stattgefunden. Nach uralter Ueberlieferuna kommen an diesem Tage die Mädchen aus der Umgebung, die in der Stadt Dienstplätze suchen, nach Hust, und bieten sich etwaigen Arbeitgebern am Hauptplatze an. Verträge werden gewöhnlich ganzjährig abgeschlossen. In diesem Jahre war das Angebot oesonders stark, die Nachfrage dagegen schwächer. Besonders aus der Brchovina haben sich viele Mädchen zu niedrigsten Löhnen angetragen. Tödlicher Unfall eines Akrobaten. Der 25jährige Akrobat Ferdinand Elbek Erednik führte bei der Ueberftedlung des Zirkus Kludsky nach Bukarest schon auf rumänischem Boden auf dem Dache eines Eisenbahnwaggons sein« akrobatischen Produktionen vor. Hiebei bemerkte er nicht, daß sich der Zug einer eisernen Brücke nähere. Der Unglückliche stieß mit dem Kopfe gegen den oberen Eisenträger der Brücke und war aus der Stell« tot. Der Zug Kludskys brachte > seinen Leichnam nach Bukarest. DaS gleiche Telegramm habe auch der Konzipient Dr. öervenFs erhalten. Sie hatten«ine Zusam menkunft, die die junge Generation der National demokrati« betraf. Von einem Telegramm an den Zeugen Vit wisse er aber nichts und habe auch mit Btt nicht gesprochen. „ v".- V V-~... I W.O1I. UI.4M. go.«w. OU.U/U, 01.111. Hampl vernommen, der angibt, der größte I gtz tz70' 101.S36 2.000 K: 2.327, 3.446, 5.158, 8.285, 10.049, 11.021, 11.881, 14200, 21.915, 25.890, 31.656, 31.821, 32.580, 33.549, 36.775, 40.875, 45.846, 47220, 50.145, 50.889, 50.933, 51239, 51.809, 53.151, 55.463, 58.411, 68.378, 63.478, 63.505, 68.129, 70.735, 79.244, 79.395, 87.223, 87.707, 90.432,«2.011, 98.324, 99.189, 99.412, 100.609, 101.981, 104.954 1200 K: 1.148, 3.828. 8.857, 8.994, 26.803, 35.212, 52.012, 58.552, 59249, 75.679, 77.712, 95255, 104.745. Der 300.000-L-Treffer fällt zur Hälfte auf einen Forstmeister in Südböhmen und emen Sägeverwalter in Prag. Den 100.000-X°Treffer teilen mehrer« Preßbumer Spieler, das 50.000-L-Los gehört einem Spieler in Tevlitz-Schönau. Am 10. os. wird die Prämie von 12 Millionen Kronen gezogen werden. sie eine halb« Stunde nach der Ankunft in Jglau I . einander vor dem Gerichtsgebäude treffen mögen. Der Staatsanwalt schlagt vor, daß Bit und Dr. RaSin vernommen werden, um sich darüber zu äußern, worauf sich diese Telegramm« bezogen hätten. Der hierauf als Zeuge einvernymmene Dr. RaSin sagt aus, daß er tatsächlich ein Telegramm erhalten habe, und zwar von Dr. StudniönF. DaS gleiche Telegramm habe auch der Konzipient Dr. öervenFS erhalten. Sie hatten«ine Zusam»! menkunst» die die junge Generation der Nationaldemokrati« betraf. Bon einem Telegramm an den Zeugen Vit wisse er aber nichts und habe auch mit Btt nicht gesprochen. Hierauf wurde der Zeuge Abgeordneter Waggönmangel habe im Jahre' 1919 geherrscht, als Hampel Minister für Volksverpflegung war. Im Jähre 1920 habe er als Sekretär der Metallarbeiter auf Ersuchen de- Betriebsausschusses der Ringhoffer-Fabrik bei Minister StribrnF interveniert, daß man die Waggons nicht im Auslande kaufen möge, was auch versprochen wurde. Da aber die Gerüchte über den Ankauf der Waggon- im Ausland« auch weiterhin nicht verstummen wollten, interveniert««r noch einmal beim Eisenbahnminister. ES sei ihnen wiederum versprochen worden, daß die Waggons ‘~• mW'"‘; t» ten Versprechen habe jedoch Zeuge keinen großen vierzehn Tag« nach dieser Intervention habe er erfahren, daß iggöns doch in Deutschland gekauft wur- ichon im Jahre 1920 habe er von zwei T agesneuigkeiten Tragödie an der Grenze. Kamps zwischen Grenz beamten und Schmugglern. . Ans Weipert wirb uns berichtet: Am Donnerstag vormittags spielt« sich an der sächsisch-böhmischen Grenze bei Jöhstadt- Pleil in der Nähe des sogenannten Hegerhauses ein blutiges Drama ab. Ein Zollbeamter bemerkte drei aus der Richtung Jöhstadt kommende Män ner, di« Paket« in den Häuoe« hatten, vo« denen der Beamte annahm, es handle sich um Pascher ware. Er ries deshalb die Männer an und fordert« sie ans, die Pakete an ihn auszufolgen. Dies verweigerte« die drei und griffe«, als der Grenzbeamte sich mit Gewalt di« Pakete aneignen wollte, de» Zöllner an, der schließlich von seiner Schußwaffe Gebrauch macht«. Einer der drei Manner griff sich mit einem Aufschrei an die Brust, waukt« einige Schritt« weiter und stürzte blutend zusammen, während seine beiden Kame- raden in wilder Flucht davonstürzten. Der auf ,........--, dem Boden liegende Mann hatte«inen schweren er sei verständigt worden, daß gestern Dr. RaSin I Lungenschutz erhalte«, der sein« Ueberführung und ZeiAe^Bit^Telegramme erhalten hätten^ daß in das Krankenhaus in Weipert notwendig "1 machte. Trotz schneller ärztlicher Hilf« gelang es nicht, de« Man« z« rette«, den« er verschied an der schweren Schutzverletzung noch im Laufe des Nachmittags. Der Getötete ist ein 61jährig«r Einwohner ans Pretznitz namens Habrecht. Di« Tragödie hat hier starkes Aussehen hervor- gernse«.« Ziehung der Maffenlotterle 300.000 K: 52.459 100.000 K: 9226 50.000 K: 44.661 10.000 K: 8.069, 27.281, 30.618, 50.449 5.000 K: 12.917, 18.256 19247, 24.585, 26.967, 27.822, 33.242, 36278, 36.725, 36.747, 88.664, 49.027, I 55.617, 57.434, 58.410, 69.576, 78.284, 81.747, 92.745, Vom deutschen Bürger Kriegsschauplatz. Wupperthal, 4. November.(Tsch. P.-B.) Zwischen Klebekolonnen der Nationalsozialisten . und der Kommunisten kam es in der Nacht zum Freitag zu einer Schlägerei, in deren Verlauf von den Nationalsozialisten etwa fünfzehn Schüsie abgegeben wurden. Ein Arbeiter wurde schwer, ein anderer leicht verletzt. An anderer Stelle wurde ein Nationalsozialist durch einen Schuß verletzt. Duisburg, 4. November.(Tsch. P.B.) In Meiderich wurden nachts mehrere National« sozialisten von bisher unbekannten Personen be- »en. Der 18jährige Heinrich Hammacher et« einen Kopfschuß und starb bald darauf. Prozeß Stfibrnfl. Jglau, 4. November.(Tsch. P.-B.) Um 9 Ahr wurde die Verhandlung mit der Mitteilung eröffnet, daß daS Strafgericht in Prag die Akten betreffend oen Stteitfall Stkibrn^ gegen I n f e l d nicht zur Verfügung stellen könne, da di« Hauptverhandlung auf den 11. d. M. festgesetzt sei. Es wurde dann der Beschluß bekannt- gcgeben, daß die Geschäftsbücher der Firma »Fuchs, die sich bei der Anglo-Bank befinden und das stenographisch« Protokoll über das Verhör Dr. Jaroch» verlangt werden sollen. Hinsichtlich verschiedener anderer Anträge, darunter deS i Antrages auf eine Einvernahme Franz Stejskals, behielt sich das Gericht die Entscheidung vor. Hierauf wird di« Verlesung der Akten fortgesetzt. Sodann teilt Staatsanwalt Marianko mtt, Ein« wahre Geschichte. Da ging jüngst über den Prager Wenzelsplatz ein ehrlicher,.... Bürger: und ein weniger ehrbarer, begleitet I neun Reichsbannerleute wegen Waffenschmuggels von einer Frau mit einem Säugling am Arm I A^rautworten hatten. Das Urteil m nun ge- und einem Knaben, bettelt« ihn an. Worüber sich der in seiner Alllagsruhe unangenehm aufgestörte Bürger erregte, sozusagen den Säugling einer näheren Prüfung unterzog und daraus den nächsten Wachmann heran rief, um sich gegen dies« Belästigung durch daraus'schließen konnte, cs werde zu einem Stur; I Straßenbettel zu verwahren: die Leute seien haben. Daher mußte in ihrem Falle auf Freispruch erkannt weroen. Schnee in Karpathorutzland. In Karpatho- rußland fiel am 2. November Schnee. Di« Berge sind von 800 Meter Höhe an mit einer leichten Schneedecke bedeckt, höhere Lagen hatten bereits eine Schneedecke von einige» Zentimetern aufzuweisen. Auch die Temperaturen find merllich zurückgegangen. zu ttagen, daß die Arbeitslosenfamilie in I Hof- und Prrsoualnachrichten eine» republi- Hloubötin„wohnte"(es gibt dort Nolkolo- I.^uttcheu Pressebüros. Das Tschechoslowakische nien), daß der Mann früherer Beamter und I^3 re.Böuro, o_ bie amtliche Stelle eines republi- seit Monaten arbeitslos war und daß das| Staatswesens gibt folgende Nachricht Budapest, 4. November. Königin Marie von Jugoslawien ist heute früh durch Budapest gereist. Die Königin ist um 6 Uhr 10 mit dem Orient- expreß, von Belgrad kommend, in Budapest ein* getroffen und hat mit dem Prag-Berliner Schnellzug um 7 Uhr 25 di« Reis« fortgesetzt. ,..... ,...,,.. Hurrah, jetzt sind wir glücklich, da wir wis- hundertachtzig Kronen bei sich gehabt hätten; I stn, um welche Minute die Königin von Jugo- daß sie überhaupt in einer„ordentlichen" l flawien Budapest verlassen hat! Wohnung hausten, wohinein es gar nicht ein-1 mal regnete und daß daher von einem Hun-I gertod nicht die Rede sein kann. Niemand hat I eigentlich die tschechische Bürgerpresse dazu aufgefordert, sich zur Wehr zu setzen; morgen! schon werden sie vermutlich leugnen, daß das l Kind überhaupt gestorben und übermorgen,! daß es zur Welt gekommen sei, nach paar I Tagen wird es sich um Professional« Arbeits scheue im Sinne des Bagabundengesetzes Han-I dein und wenn die Affäre noch längere Zeit I durch den Blätterkot gezerrt wird, dann gibts l überhaupt keine Arbeitslosen, bei denen die ökonomischen und tatsächlichen Voraussetzun gen für diese Tragödie gegeben sein könnten. Bis jetzt hat sich niemand darüber aufgeregt, I warum so ein armes Wurm keine ärztliche I Hilfe erhält, warum die Gesellschaft ztvar die Geburt, nicht aber die Lebenshaltung erzwingt; aber wir sind daran gewöhnt: die heutige Gesellschaft läßt des Proleten Säugling eben auf offener Straß« krepieren; und ruft dazu Noch den Schutzmann zum amtshandeln... Urteil im Weiperter Wassenschmuggel-Prozetz. Aus Weipert wird uns berichtet: Anläßlich der vorletzten Wahlen in Deutschland hatten mehrere nationtzlsvzialistische Vertrauensleute aus dem benachbarten sächsischen Neudorf Waffen in Weipert eingekauft und über di« Grenze ge- schmuggelt, angeblich deshalb, weil sie in der aus die Wähl folgenden Nacht Unruhen befürchteten. Als sich die Angelegenheit herumsprach, erstatteten di« nätionalsozialistischen Vertrauensleute bei der zuständigen Behörde die Anzeige, daß sie zwar Waffen über die Grenze gebracht, dies aber nur deshalb getan hätten, um den Beweis zu erbrin gen, daß es leicht möglich sei, auf Schmuggel wegen aus dem AuSlande, vor allem aus oer Tschechoslowakei, Waffen nach Deutschland zu bringen. Diese Beweisführung habe die national sozialistisch« Partei für angezeigt erachtet, weil auch Angehörige des Reichsbanners in Weipert Waffen erstanden hätten. Die Angelegen heit kgm vor das Annaberger Amtsgericht, vor welchem sich dreizehn Angeklagte, und zwar drei Nationalsozialisten, ein parteiloser Kaufmann und der Waggons im Ausland« auch weiterhin nicht verstummen wollten, interveniert« er noch ein mal beitn Cisenbahnminifter. ES sei ihnen wiederum versprochen worden, daß die Waggons nicht im Auslande bestellt werden. Diesem zwei ten Versprechen habe jedoch Zeng« keinen großen Glauben^ mehr geschenkt. Etwa vierzehn Tage die Waggons di den.„ W verläßlichen Menschen Informationen darüber erhalten, daß bei dem Waggonankauf eine große Provision ausgezahlt wurde. Abgeordneter Hampl informierte darüber den damaligen Minister Tuön^, der ihn zu Stkibrn^ führte, welcher di« Namen der Informatoren zu er fahren wünscht«..Hampl habe die Namen aber nicht genannt. Auf die Frage, ob im Jahre 1920 die Kris« in der Sozialdemokratie so groß ge wesen fei, daß man in den anderen Parteien der Regierung kommen, antwortet Hampl, daß I Komödianten und außerdem sei der Muqling dies nicht der s^ll gewesen sei. Erst nach den Puppe. Nicht näher muß erläutert wer- Sommerferien, kurz vor dem Sturz der Tuiar-. u' Demokratieinkel vor allem Regierung, konnten diese Gerüchte auflommen.”•“•‘"•v^motrattctniei oor allem Es wird das Protokoll über di« Sitzung des Wachmann bt«„Personen beiderlei Ge- BettiebSauSschufleS der Ringhoffer-Fabrik ver- fchlechts" zur nächsten Wachstube brachte, um lesen. Auf da» Ersuchen Dr. RaSin», Abgeord- amtSzuhandeln. Ja, das geht manchmal un- neter Hampl möge seine Informatoren nennen, vorschriftsmäßig auS: der Säugling war tat- lehnte dieier eS mit den Worten ab: Herr Doktor, sächlich bewegungslos, weil tot. War der Mut- Sie wissen gut, wie man in diesem Prozess« mtt ihn noch vor wenigen Stunden ge- den Zeugen verfahrt.| sZugt hatte, im Arm auf der Straße gestorben ~.... eine der Arbeitslosentragödien. Was mit dem wohltätigen Bürger geschah, verschweigt der Chronist; nur soviel ist auch aus der Polizeirelcttion zu entnehmen, daß die 5hr. 26t SamStag, 8. November 1SSL Sekte 8. Dementsprechend haben die genannten Abgeordneten auch ein« Aenderung des Paragraph 47 beantragt, und jwar soll dies« Aenderung folgendermaßen tauten: „Die Tätigkeit der Geschäfts«»senden, Vertreter und Agenten, die im Namen und auf R«ch- m»ng eines oder mehr««r Arbeitgeber arbeiten Die derartige Beschäftigungen ausübenden Personen unt«rlieg«n nicht der Erwerbsteuer, sofern ii« nach dem Gesetz über die PenstoNSverstcherung der Privatangestclltrn in höheren Diensten versichert sind, und zwar bezüglich der Tätigkeit, die die Grundlage für dies« Versicherungspflicht ist und das auch dattn, wenn sie gleichzeitig bei mehreren Firmen beschäftigt und im Sinn« des Paragraphen 4, Absatz 8, des Gesetzes vom 21 Feber 1929, Slg. d. G. u. B. Nr. 28,»»«rnach ihrer Hauptbeschäftigung pensionsversichert sind. Die Annahme dieses Antrages würde sicherlich von den Reisenden lebhaft begrüßt werden, weil dies m der auch für di« Reisenden so schweren KriM^it eine große Erleichterung für diesen Stand Leuten wurde. Eg ist im Interesse der Reisend«» MMte Wtfe*«^"tra«« dnt lebhaft« Propaganda zu entfalten. P-»du«t-ubörs«.(Offizieller B°. ü^strige Produktenbörse war für-«inen Freitag schwacher besucht und das Geschäft'M P» daher überhaupt mcht ausgebreitet. Nuraw Getreide- Üch etwas Interesse. Am Mabl- getreidemarkte war das Geschäft sebr? m mm.«m” M’; Preise konnten sich hier aber VchMpwIZuck au den übrigen Getreidemarkten war der Gelckäk?^ kehr unterbunden, di« Preise dielten' hl'r-uf letzte Riveau AnsLn Nr L Z* übrigen Marktgebieten Rübe M de." s ää» äx s eSufiaitmi''s,’wäyS* mit ebenfalls neu Burma-Rria nominell Gasschutz? Di« Leser des„Sozialdemokrat" haben vor einigen Togen von einer Rebe des Hamburger Giftgasmagnaten Stoltzenberg über„Gasschutz und Luftschutz" Kenntnis erhalten. Bon Zeit zu Leit pflegen diese Geschäftsfreunde imperialistischer Spekulanten und künftigen Vollstrecker massenmordender Aufträge dem Schveckensbild des Zukunftskrieges, so gut daS eben geht, einige Glanzlichter aufzusetzen. Diesmal ging Dr. Stoltzenberg so weit, daß er neben«»»deren, zumeist irreführenden Beschönigungen im Zuge der Abwehrinaßnahrnen gegen feindlich« Kampfgas« ein« wahre Revolution auf dem Gebiete des Städtebaues voraussagt«.„Wenn wir 17 Meter oder inchr unter der Erd« sind, so sind wir vor allen Gefahren, die aus der Luft drohen können, sicher." Wenn wir... Wir, das sind in Deutschland 62 Millionen Menschen; rechnet man lrur die Bevölkern»»« in den Großstädten mit mehr als einer halben Million Einwohnern, so ergibt das»veii inehr als elfeinhalb Millionen»»«»geschützter Menschei». Aber in Deutschland ist es so weit gekommen, daß die Bürgerhirne, genährt an Papenschwall und Hitlerphrasen, solchen Unfug für Wirklichkei1sre»fe Projekte balten. Im Deutlchland ist«S so w«it gekommen, daß Giftgasfabrikanten, in deren Betrieben Arbeiter im Ariern verröchelt sirid, in aller Ocfteittlichkeit zu Worte kommen und den Gaskrieg im Schutz neh- wen; da sitzt ein Kreis von interessierten Fachleuten und»»»künftigen Opferlämmern und man "teilt dem Pionier der Technik von vornherein Generalabsolütion. Beruhigt geht der Bürger wach Haus«, ins friedliche Heim:„Gegen jede Waffe gibt es eine Verteidigung", ein kernigdeutsches Geschäftsprinzip! , Wenn man sich aber vor A»»gen führt, daß bw Dosis zur Vergiftung eines Quadratkilometers mit zehn Tonnen Aperit angegeben wird, so wird man der Ansicht zuneigen, oaß di« ReklainechefS der Rüstungsindustrie nicht einrnal in Deutsch- KPD. unferst üfzl sozialitemokratisihen Vnlksenlsdieti Am 12. September hat di« sozialdemokratische Reichstagssraftion ein Bolksdegchren de antragt, durch das jener Teil der Verordnung des Reichspräsidenten vom 4. September, der sich mit sozialpolitische» Maßnahmen beschäftigt, außer Kraft gesetzt werden soll'. Es handelt sich um jene Bestimumngen, durch die der Rcichsregierung die Ermächtigung erteilt t wird, mit der Sozialpolitik und mit den Arbei- terrechten zu«rachen, was sie will. Die Kommunistische Partei hat sich gegenüber diesem Borstoß der Sozialdemokratie zu einer klaren Stellungnahme lang« nicht entschließen können. Sie war offenbar durch die bekannte Theorie vom sozialdemokratischen.Hauptfeind, der unter allen umständen zu bekämpfen lei, stark behindert. Jetzt endlich jedoch veröffentlicht die„Rote Fahne" einen Beschluß der kommunistischen Parteikonferenz, der besagt: „Sofern es zu irgendeinem Zeitpunkt zur Turchführung eines Volksbegehrens oder Volksentscheids gegen dir Notverordnung der Papen- Regicrnng oder gegen«inen Teil derselbe« kommt, wird die Kommunistische Partei Deutschlands sich mit all«» Kräfte« für dieses Volksbegehren und diesen Volksentscheid einsrhen." Diese Erklärung der KPD ist selbstverständlich mit den ärgsten Schimpfereien gegen die SPD verknüpft. land imstande sein werden, ihren Erzeugnissen allgemeine Beliebtheit zu verschaffen. Aeußerstes Befremden muß es aber errege»», wenn auch aus Aerztekreisen über die Möglichkeit eine» absoluten Putzes positive Ansichten geäußert werden. Me Deutsche Medizinische Wochenschrift" veröffentlichte eben im Anschlüsse an einen Vortragszyklus eine Reihe von Aufsätzen über GaSkampf und Gasschutz. Man sieht, das Thema hat im Deutschland der Barone und Jun- ter«in« gewiff« Aktualität erfahren. Während aber Dr. Stoltzenberg dem Mitbürger, der sei« Leben durch Gas und Flammen herüberretten will, den Aufenthalt im Erdinnern empfiehlt, sind die Auffassungen der Herren Stabsärzte Und Medizinalräte schon etwas vorsichtiger.„Das Giftgas ist«ine Waffe, di« auf den gänzlich r»n- geschutzten Gegner ein« verheerend« Wirkung aus- uben kann, gegen die indessen ein absoluter Schutz möglich ist, sofern man di« nötigen chemischen und technischen Kenntnisse besitzt." In einem anderen Artikel über erste Hilfe bei Gasvergiftungen heißt rS:„Die Gasmaske bietet einen vollkommenen Schutz gege>» alle Gas«. Da man aber ein« Be- vöfternng von 60 Millionen unmöglich mit Gasmasken ausrüsten kann, hat man geplant, di« Bevölkerung einzuteilen in einen passiven Teil, das heißt solche, die bei einem Gasangriff zu Hause bleiben können, und einen aktiven Teil, d. h. Ver- kehrSbeamte, Polizei, Sanitätspersonen,»ind nur diese mit Masken auszustatten." Das Erscheinen eines einzigen Bombenflie- gers, in welchem Gebiete immer, ganz besonders aber in den in erster Reihe gefährdeten Gr-S- städten und Jndustriebezirken, wird diese sinnige Einteilung in aktive und Passive Kriegsteilnehmer, ungeachtet aller chemischen und technischen Kenntnisse, illusorisch machend Wie kann guten Gewissens von erster Hilfe und Therapie geredet werden, wo«ine Heilung der Vergifteten nie unb nimmer möglich sein wird, wenn dl« Gas« den Versprechungen der Lieferanten und Erivartun gen der Generäle auch nur in bescheidenstem Maße eirtsprechen weiden. Denn di«.an sich kompliziert«, besonder« Geduld und individuelle Maßnahylen erfordernde Behandlung der Gasverletzter» muß im Ernstfall« schon daran scheitern, daß es ja gor nicht möglich sei« wird, Verletzte und Pfleger aus den Gefahrenzonen zu schaffen. Di« Gasmaske kann für kurze Zeit ein guter Schutz lein; einen vollkommenen Schutz gegen all« Ga'e kann sie niemals bieten; und die Wissenschaft kennt heut« Kampfgas«, deren Wirksamkeit Tag« und Wochen andauern kann. Das Proletariat wird andere Weg« gehen, um vor Giftgas und Fliegerbomben geschützt, zu sein. Wir wollen uns nicht in di« Erde der« kriechen und nicht zu Hause bleiben, wenn Brüder, Frauen, Kinder das Gas der Stoltzenberg& Co. schlucken sollen. Gaskarnpf?— Gasschutz? Die geeinigte Arbeiterklasse,«in geeintes Weltproletariat muß ihnen zuvorkomnien. E. S. Volkswirtschaft und Sozialpolitik Für die Geschäftsreisenden! Ein sozialdemokr«,tscher Antrag im Abgeordneten- o'':* Haufe..■?j Bei der Bemessnng der Einkommensteuer für Geschäftsreisende, Vertreter und Agenten kxrnsen sich die Finanzbehörden auf das Gesetz vorn 18. Anni 1927, Nr. 76,-en-Paragraph 17, Absatz 4, wo davon gesprochen» I-wlrd, daß di«„Auslagen_.für^die Wohnung unp den Lebensunterhalt des Steuerträgers sowie seiner Familienangehörigen usw. nicht von den Einkommen abgezogen werden können". Andererseits steht im Paragraph 11, Absatz 2, daß »der Ersatz der' Dienstleistungen kein der Steuer unterliegendes Einkominen ist". Es handelt sich demnach bei der Bemessung der Einkommensteuer des Steuerträgers in«in und demselben Berufe um«ine verschiedenartig« Bemessung d« r Einkommen st euer. So ist z. B.«in Geschäftsreisender und Vertreter, der irgend«inen im voraus bestimmten Dienstbezug und da»»eb«n den Ersatz seiner R«iseauSlagen durch den Arbeitgeber hat, Nächtigungskosten und Zehrkosten darin eingerechnet, nicht verpflichtet, dieses Einkommen eirlzubekeilnen". weil nach dem obzitierten Gesetz der Ersatz der Dienstamslagen keine in daS Einkommen«inrcchenbare Post ist. Ein anderer Geschäftsreisender, der neben im voraus bestimmten Bezügen auch einen im voraus bestimmten fixierten Betrag für diese Dienstauslagen hat, ist verpflichret diesen Betrag«inznbekennen, anderseits kann er sich allerdings die durch den Dienst erforderlichen Auslagen abziehen, wobei er nach Ansicht der Finanzbehörden di« Nächtigungskosten und die Zehrkosten nicht adzirhen darf, di« in Wirklichkeit«inen Bestand- teil dieser Dienstauslagen bilden. Aber auch je»»«, di« überhaupt keinen. Ersatz oder nur«inen teil- weisen Ersah seitens des Arbeitgebers erhallen kön»»en sich die Nächtigu»»gSkost«n und di« Zchrkoftrn von ihrem Einkominen nicht abzichcn. ES liegt an der Kllkulation der Arbeitgeber, in welcher Art und Weis« oder in»velchcr Form sie den Geschäftsvertretern das Entgelt für ihre Arbeit anSzählen und es ist demnach höchst ungerecht, wenn dem einen von ihnen bei den Ausgaben, die durch den Dienst erforderlich sind, di« Nächtigungskosten und die Zehrkosten anerkannt wenden, den anderen ab«» nicht. Aus diesem Grunde haben die Abgeordneten Genossen Franz Macöun und Robert Klein ein« Abänderung d«S Paragraph 15 des betreffenden Gesetzes beantragt, wonach ,^i« nrit dem Anffuchen von Bestellungen verbundenen Kosten der Geschäftsreisenden, Vertretern und Agenten, und zwar FahrtauS- lagen mit den verschiedenen Transportmitteln, Transportgebühren für di« Musterkoffer, Rächti- gungs- und Zrhrkosten auf den Reisen u. ä." von dem Einkommen abgezogen»verden können. Auch in einer zweiten Angelegenheit, die das- selb« Gesetz betrifft, haben sich die beiden obgenannten Genossen für di« Reisenden«ing«setzt und«in« Aen- dernng de« Gesetzes beantragt. ES handelt sich Vo um folgendes-. An der letzten Zeit mehren sich die Fälle, daß die Finanzbehörden den Geschäftsreisenden, Vertretern und Agenten di« Eriverbsteurr auch in jenen Fällen vorschreibei», wo es sich um«in klarer Angestelltenverhältnis handelt und der Arbeitgeber sämtliche ihn» nach dem Gesetze obliegenden Pflichten erfüllt(Anmeldung zur Kranken- und Pensignsver- sicherung). Stur der Un»stand, daß der betreffende Geschäftsreisende, Vertreter oder Agent außer seinem fixe»» Gehalt auch noch«ine Provision erhält oder nur der Umstand, daß er kein.anderes Eiirkommen hat als di« Provision, kann an sich noch nicht entscheidend sein für die Frage, ob ein solcher Reisender, Vertreter oder Agent der Erwerbsteuer unterliegt,»veil dieses Gesetz selbst' im Paragraph 4b davon spricht, daß der allgemeinen Eriverbsteurr Personen oder Bereinigungen von Personen unterworfen sind, die im Inland im eigenen Rainen ein Erwerbsunternehmen betreiben oder«ine auf Gewinn abzielende. Beschäftigung auSüben. Daß di« Beschäftigung eines Geschäftsreisenden, Vertreters oder Agenten, der im Namen und auf Rechnung «Ines oder mehrerer-Arbeitgeber arbeit«», keine aus einen Unternehmergewinn abzielende Beschäftigung ist, ist selbstverständlich. Wenn er auch für st in« Leistung«» nur«rne Provision erhält, jo kann doch hier von einem Gewinn, wie ihn das Gesetz im Sinne hat, überhaupt keine Rebe sein, im Gegenteil, dies« Personen können bei ihrer Beschäftigung nur Verlust« haben, weil sie sehr oft ziemlich bedeu- r«nd« Beträge daraus verwende»», um«in Geschäft zu erzielen und»venn ihnen das- nicht gelingt so erhalten sie bann überhaupt kein Entgelt für ihre Arbeit. Hier kann die Analogie des Akkordarbriters herangezogen wrrden, der auch erst für den Umfang der geleisteten Arbeit daS Entgelt erhält. ,*.,. l— HeteÜM sich. Vom frühen Morgen an flitzen die grünet» Autos, ine sonst oft stundenlang auf Kunden warten müi- seU, über den regennassen Asphalt. Die Einzel- chauffeüre und di« Kraftwagengesellschaften, brs gestern noch in einen lächerlichen Kleinkrieg verstrickt, haben Hochkonjunktur. Der Hader isst^vergessen, sie würden nur hadern,»venn der Streik rasch beendet iväve was di« ganz« Berliner Bevölkerung hofft. Außerdem werden natürlich die in verstärkter Zugfolge verkehrenden Stadtbahnzüge gestürmt. Ihre Linienführung, die di« Innenstadt ringförmig umkränzt, hilft nicht allen, doch vielen. An de»» Schalter»» kringeln sich endlose Menschenfchlangen. Am Potsdamer Bahnhof entsteht in den späten Rachmittagsstunden ein lebens- gefährliches Gedränge: es ist kau in wegzukom- men. An drangvoll fürchterlicher Enge besitzt einer»m Stadthahnzug noch Ellbogen genug, ein Zeitunasblatt zu entfalten; sachlich liest«r vor:„Berlins Grenze ist 232 Kilometer lang; von Ost nach West beträgt die längste Entfernung 45, von Nord nach Süd 38 Kilometer. Zwei Tage braucht man, notwendige Umwege mitgerechnet, um Berlin zu durchwandern." Die Leute lachen; nur ein Lehrmädchen sagt nrit tränennaher Stimm«:„Wenn ich zu spät komme— mc; n Chef ist so streng der schmeißt mich raus!" * Wenn Vater noch von besseren Zeit«»» her ein Rad besitzt, dann klettert er aus den Boden oder steigt in den Keller hinunter, um es rasch zum Retter aus der Verkehrsnot zu machen. Lange bat man in Berlin nicht so viel Räder gesehen wie um Donnerstag; Weitgereiste erzählen ihren K»n- dern:-„— wi« in Kopenhagen"; und di« Kinder wollen nun noch mehr von dem fremden Land und der fremden Stadt wissen, aber davon zu sprechen ist keilte Zeit, Vater fürchtet sowieso, zu spät zu kommen. Dann lernen di« Kinder noch etwas: sie wußten gar nicht, daß es so viel Pferde gibt. Denn allerhand Notfahrzeuge, Lastwagen mit provisorisch hcrgerichteten Sitzgelegenheften, sind plötzlich aus der Versenkung ihrer fonstgottweiß- wi« geheimgelegenen Stalle aufgetaucht; o»»f der Leipziger Straße sieht man sogar einen regelrechten Kremser entlang rasseln. Und der uralte Berliner Witz:„Kutscher, fahren Sie?— Ja.— Ick loofe!"— der ist auf einmal außer Kraft ge- 'setzt.... Ego. Stromverbrauch da» lahr zehnt»n bekannt tollte jeder L-W. d, sscn Lampen. oowiegtesten Glüh- und verbreitet»m Osraff». Lamp»* ,rd... die Osram selbst ei.kf.o. p'.'iVUMj",.,! 7 Berlin läuft Das Bild«1«» VerkehrMfrelks. Soweit das Auge reicht, spannt sich grauer I lektiv zu beteiligen— man schließt sich zu ge- ciinnncl über der Stadt und schüttet Rcgenflu- m«insamen Fahrten zusammen— ten nach unten; Regenfluten— aber nicht, was' das Zeug hält, denn das„Zeug" hält nur wenig: die Stiefelsohlen trinken begierig das sich ew-.g verjüngende flÖ hätten ßc foitft tvlrülch nur eine Steinwüste platt zu treten, und Joppen -und Dicken Mäntel und Pelerinen saugen sich mit der gleiche« Hast voll. Berlin läuft- und läuft aus.* Besucher politischer Versammlungen, Spät heimkehrer von der Arbettsschicht und Nach». bummler aller Schattierungen erfahren gerücht. und rufweise in den frühen Morgenstunden des Don»,-rstag, daß di« Wagen in den Hallen blei-' ben werden. Arbeiter und Angestellte, die zü nor maler Stunde zu ihrer Arbeitsstätte fahren wol len, warten an den Haltestellen vergeblich. Aus den Schächten der Untergrund strömt gespenstisch Dunkelheit: die Tor« zum Hades blieben ver- schloflen. Das periodische Gebrumm und Ge knatter, übliche Morgenmusik der Weltstadt, fällt aus— wegen des Nebels dieser Krisenzeit. An den Haltestellen bilden sich immer neue Gruppen, lösen sich wieder, schwirren au-, werden er gänzt... und di« Diskussion bricht nicht ab. DaS Wort„Streik" führt zur Politik, zur Stellung- nahm«, lieber die Meinungsverschiedenheiten hinweg wird gemeinsam über di« günstigsten „Fußverbindungen" und^Querverbindungen"— das gefährlich« polftische Wort bekommt hier einen unpolitischen Sinn— kernten. O Hi« und da will sich der Riese regen. Ein zelne Wagen fahren aus, in den Morgen, in den ,^kri«g", komn«n aber nicht weft. Die.Pölize», in höher« Marmstuf« versetzt, ist in Schnellwagen unterwegs und versucht größere Zwis«nfälle zu verhindern. In einem Fall«, wo ein Wage»» be schädigt wurde, wurden sieben Personen— Kom munisten und Nationalsozialisten— zwangsgc- stellt. Nationalsozialisten haben auch auf der Heer straße— im Westen der Stadt— do- Straßen pflaster aufzureißen versucht, flüchteten aber; als die Polizei kam; zwei Nazis wurden ZwvngS- gestellt. Tagsüber versuchten immer wieder ein zelne Straßenbahnen den Ring des Widerstands zu durchbrechen, meistens vergeblich. V. * Wer Geld hat»' sich ein Taxi zu. nehmen, nimmt. sich'S. Wer etwas Geld hat, sich am Kol- 0. Ä Seite 6. SamStag, 8. November 1-8- PRÄSER ZEITUNG der Literatur Kunst und Wissen Geriditssaal Aus der Partei MltteUunge« ans dem Publikum Spori' Spiel- KBrnernneae das Bad PRAG Bezirksorgamfatiou Prag. Montag, den 7. November, um 7 Uhr abends, im Sozialdemokrat, Zimmer Dr. Strauß, Sitzung der Bezirksexekutive. Neu« Universum." 53. Band. Dir inter- Erfindungen und Entdeckungen auf allen sowie Reiseschilderungen, Erzählungen, Mit einem Anhang zur Achtung! Osram-Lampen billiger! Die Osram- A.-G. macht aufmerksam, daß die Preise bei den Haupttypen für Osram-Lampen ab Oktober d. I. bedeutsam herabgesetzt wurden." Die Ernräßigung beträgt durchschnittlich 12.5 Prozent. Anläßlich des beginnenden Herbstes ist die Verbilligung zu begrüßen. 1719 nen. Bei der'Frage der'Stellung zur staatlichen Körpererziehung zeigte es sich, daß die meisten Funktionäre einen schärferen Kampf gegen die Sokolbewegung wünschen. Die Verbandslei- tung wurde wiedergewählt. CntraM der deutschen Sparkassen in der Cechoslowkischen Republik. HmnMnM: Prag L.&redauersasse 14 Zweigniederlassungen: Aaasig, BrOnn, Egsr. Moandoff. Batotwabem, t Taschen. Trante neu. Troppan. Mt Mak dar deutschen Sparanstalten und um Gemeinden. „Das essantesten Gebieten Jagden und Abenteuer. Selbstbeschäftigung: Häusliche Werkstatt. 461 Seitens mit 355 Abbildungen im Text und 13 Beilagen. In Leinen RM. 6.80.(Union Deutsche Verlagsgesellschaft in Stuttgart.) Der Reiz dieses stattlichen vielseitigen Jahrbuches liegt in einer geschickten Mischung von Technik, Abenteuer, Reise, Naturgeschichte, Bastelei und einer Fülle zum Teil farbiger Bilder. Da gibt es was zu schauen, da zu rechnen, zu raten, da nachzudenken, zu'staunen, da nur zu lesen und mitzuerleben— kurz man braucht das Bu6 nur aufzuschlagen und schon steckt man mitten in der Freude drin. Der neueste, 53. Band bringt 464 Seiten mit 355 interessanten Abbildungen im Text und 13'farbige Beilagen in der bekannten mustergültigen Ausstattung der früheren Bände. Es dar, gesagt werden, daß das„Neue llniversum" unter den Jugend-Jahrbüchern in vorderster Reihe steht, sowohl was den Inhalt wie die Preiswürdigkrit an-' belangt. Was es bietet, ist mit staunenswerter Sorgfalt ausgesucht und zusammengestellt, ein Buch, das unterhält und belehrt in einem Maße, daß jeder damit beschenkte Junge daran seine helle Freude haben wird. Rens Fülöp-Miller:„Macht und Geheimnis der Jesuiten." Eine Kultur- und Geistesgeschtcht« der letzten vier Jahrhunderte Bollständig« Text-Ausgabe mit 66 Bildbeigaben. Umfang 664 Seiten. Im Verlag von Th. Knaur Nachf., Berlin. Ganzleinenband RM 2.85, Halblederband RM 3.75, Ganzlederband RM 4.80. Bei dem Geheimnis, das für die nichtkatholisch« Welt den Jesuitenorden auch heute noch umgibt, bei der Macht, di« man ihm im Getriebe des Weltgeschehens, ob mit Recht oder Unrecht, auch heute noch zuschreibt, ist es dankbar zu begrüßen, daß ein Werk über„Macht und Geheimnis der Jesuiten" in einer jedermann zugänglichen billigen Ausgabe erscheint. Als Rens Fülöp-Miller vor ein«-. gen Jahren sein Buch in einer teueren Ausgabe zu RM 28.—, die zu erwerben nur den Begüterten möglich war, erscheinen ließ, wurde«s bereits viel gelesen. Die gesamte Presse, ob freundlich oder feindlich zu den Jesuiten eingestellt, pries mit lebhafter Anerkennung das hieri bei souveräner Beherrschung de? Stoffes,, verarbeitet«■ gewaltige Material. Run ist es durch den billigen Preis in vollständiger, sogar auf den Stand der heutigen Forschung ergänzten und nach dem der jetzigen politischen Konstellation hin erweiterten Text-Ausgabe jedermann zugänglich geworden. Man wird begierig zu diesem ausgezeichneten Führer durch die geheimnisvolle Entwicklungsgeschichte des Jesuitenordens greifen, dem eine mit Scheu gemischte Neugier so gern nachspürt. Di« Lektüre ist bei dem flüssigen und dramatisch bowegten Stil des Verfassers ein Wähler Genuß. Sie ist erleichtert durch die beigefügten Erläuterungen philosophischer und theologischer Fachausdrücke, die eine Gewähr dafür bieten, daß dieses Buch von jenen weiten Kreisen, für die es durch seinen Preis, sein Thema und seine Ausstattung bestimmt ist, mit Freuden ausgenommen werden wird. Unternehmer- Spekulant- Verbrecher. Die Hetzjagd nach dem Mammon.— Der Lebens- roman eines Verdieners. Prag, 4. November. Alois E x n e r, 47 Jahre alt, gewesener Fabrikant, Spekulant, Projektemacher und schließlich Großbetrüger gefährlichster Art, stand heute neuerlich vor Gericht. Der Lebenslauf dieses Mensche» ist ein unwahrscheinlicher Roman. Exner ist einer von jenen, die nach dem bildlichen Ausdruck des kommerziellen Jargons„über Leichen gehen" womit man in der Welt der Raffer und Verdiener voll kollegialer Anerkennung di« absoluteste Skrupellosigkeit im Kampfe um den Profit umschreibt. In einer vernünftig und planvoll organisierten Gesellschaft müßte ein Mensch von den Fähigkeiten und Energien dieses Angeklagten Ungeheueres für di« soziale Gemeinschaft leisten können; in einer Welt- ' ordnung, die den Profit zum höchsten Prinzip erhebt, entarten solche Menschen zum gemeingefähr- lichen Außenseiter. Exner hat vor dem Krieg in Rußland als Maschinenfabrikant ein großes Vermögen erworben Er kehrte zurück und verpulverte in kurzer Zeit sein ganze- Geld in hasaidntäßigen und tollkühnen Börsenspekulationen. Er bot damals(1912) den österreichischen Staatsbahnen eine Erftndung zum Kaufe an, welche Eisenbahn- zusammenstöße durch einen von ihm erdachten Prellmechanismus ungefährlich machen sollte. Er erbot sich, in eigener Person aufeiner aus röngicrten Lokomotive einen regel rechten Zusammenstoß vorzuführen »m die Güte seiner Erfindung in der Praxis nach- z»weisen. Aber die Eisenbahnbürokraten waren für ein solches Spiel mit dem Leben nicht zu haben. Diese Hoffnung war also fehlgeschlagen. In dieser Zeit der ärgsten finanziellen Bedrängnis war es, als Exner an einem naßkalten November, tag in der Station So böslav beim Besteigen eines Waggons von den schlüpfrigen Stufen des Waggons abglitt und unter den anfah- renden Zug geriet, der ihm beide Füße dera ri verstümmelte, daß sie amputiert werden mußten. Es herrschte allgemein die Meinung, daß es sich um ein« Selbstverstümmelung handle Alle Einzelheiten, welche für die Ersatzpflicht der Eisenbahn maßgebend waren, waren in anscheinend scharfsinnig berechneter Weis« erfüllt. Dennoch könnt- man ihm in dieser Richtung nichts Konkretes nach weisen und nach jahrelangem Stritt erhielt Exner einen Schadenersatz von 50.000 Goldkronen zuerkannt. Mit diesem Kapital richtet« er sich in Besel a. d. Luinih eine pharmazeutische Fabrit «in und verdiente gut, zumal während des Krieg«, sein«„Unternehmerinitiative" auch sonf ein reiches Wirkungsfeld fand. Nach dem Krieg ging es bergab und er verhandelte mit einer Genossen fchaft über den Verkauf der Realität. Aber er entschloß sich zu einem einträglicheren, wenngleich kriminellen„Geschäft". Eines Abends ging di« hochversicherte Fabrik in Flammen auf. Exner, der sich nach Anlegung des Feuers durck eine rasende Autofahrt nach Prag ein Alibi für die kritisch« Zeit schaffen wollte, wurde überführt und zu vier Jahren schweren Kerkert verurteilt. Kaum aus dem Gefängnis entlassen, verübte er sogleich einen frechen Betrug an einem Juwelier, den er um«in« große Summe prellte und wanderte neuerlich hinter Schloß und Riegel. Nach Verbüßung dieser neuen Strafe errichtete er in Lilina ein Geschäft mit gebrauchten Autos. Und nun folgen Schlag auf Schlag die in der Klage angeführten Gaunereien. Mit Kleinigkeiten hat sich Exner nicht abgegeben. Seine geringste Beute ist eine Schreibmaschine im Werte von 5000 Kronen. Ferner legt ihm die Anklage zur Last, di« Firma„Hella da" um 15.000 Kronen betrogen zu hab»u. Weiters hat er durch gefälschte Dokument« und Sparkassenausweise vielfach große Beträge her- ausgelockt; eine Kautionrschwindelei figuriert mit einem Betrag von 60.000 K. Auch wird er des Diebstahls von fünf Automobilen beschuldigt, die er unter falschen Angaben verkaufte, u. f. w. Da sich wichtige Zeugen nicht eingefunden hatten und der Angeklagte'nur zum Teil geständig ist, vertagte der Gerichtshof(OGR. H l 0 u s e k) die Ver- bandlung. rb. „Rose Theater „910 f e Theater, »Rig 0- Das Fußballspiel abgelehni. Schwerathletik eingeführt. Vom 28. bis 30. Oktober fand in Prag der Berbandstag der tschechoslowakischen Arbeiterturnvereine(DTJ.) statt. Als Vertreter der SASN. nahm Bühren(Leipzig), für den Askö Oesterreichs G a st g e b(Wien) und für den Aussiger Verband Erlacher(Teplitz) und Schrader(Prag) an den Beratungen teil. Gleich- zeitig tagt«» auch die Vorturner, Erzieher und Samariter. Die Borturnertagung beschloß unter an- derm die Einführung aller Kraftsport- arten, mit Ausnahme des Boxens. Die Anträge aus Einführung des Fußballspiels wurden auf der B 0 r- turnertagung als auch auf dem Berbandstag abgelehnt. Die Arbeitersportinternationale wird nun ihren früher gefaßten Beschluß verwirklichen müßen, das Fußballspiel unter den tschechischen Arbeitern zu organisieren und eventuell einen eigenen tschechischen Arb ei ter fu ßballverba nd zu bilden. Aus dem großen ArbeitSprogramm ist die Fest-, setzung des dritten tschechoslowakischen Arbeiter- Turn« und Sportfestes für 1934 in Prag zu erwäh- Jugenvbewcgung. Frei« Bereinigung soz. Akademiker— S. I. II Sonntag, den 6. November, Wanderung(nur für S. I. II.); all« kommen. Zusammentreffen um 9 Uhr vormittags Endstation der 17er in Branik. — Montag, den 7. November, spricht Genosse H. Thorn(Brünn) im Heim über den„Bolks- sportprozcß", 8 Uhr. X7 Uhr Ausjchußsitzung. — Dienstag beginnen di« Abendkurse der Arbeitsgemeinschaft(I. Kurs in der Gee., II Kurs im Heim). Zutritt haben nur jene, di« sich dafür angemeldet haben.— Mittwoch, den 9. November, besuchen wir den Gruppenabend der S. I. I.(„D i e Lag« nach dem Parteitag', Genosse Krajöi).— Freitag, den 10 November, Kreisveranstaltung, Genosse K. Kern: ,^kampf um den Frieden". Sozialdemokratische Frauenorganisation, Prag Mittwoch, de» 9. November Thema: Aktuelle Frauenprobleme. Vortragende die Genossinnen: Lotte Belina und Dr. Karla S ch w e l b.. Anschließend Diskussion. Lokal: Hotel Monopol(gegenüber Masarhk-Bahnhof). B r ginn: 8 Uhr abends. Die Beste« im Speer-««d Diskuswerfen der Arbeiter-Sportinternatiouale in dieser Saison. In der Liste der zehn besten Speerwerfer der SASS, in diesem Jahre stehen: Tak« kinen(Finnland) 60Ä9 Meter; Drache(Deutschland) 59.28; Pukander(Finnland) 58.02; Riipinen (Finnland) 57.61; Racenaj(Lettland) 56.91; Veijpla (Finnland) 56.10; Olsen(Norwegen) 55.95; Heinoen (Finnland). 55.75; Kaatonen(Finnland) 55.73; Koth- bauer(Oesterreich) 55.68 Meter. Di« zehn besten Diskuswerfer des Jahres 1932 sind: Eriksen(Norwegen) 47.18 Meter; Lehto(Finnlartd) 43.12; Franzen(Finnland) 42.37; Wotapek(Oesterreich) 42.35; Selin(Finnland) 42.30; Saaristo(Finnland) 41.67; Sunddall(Finnland) 41.55; Peltonen Finnland) 41.52; Jiponnen (Finnland) 41.31; Myrvold(Norwegen) 40.31 Meter. ArbeittssemelnschO der deutschen proletarischen Lrganisationen, Prag. Partei-Abendschule. Kurs I. Lokal: Küchensaal Prag II., Füg- nerovo nam 4. Beginn: Dienstag, den 8. November 1932/8 Uhr abends. «Die ökonomischen Lehren des Marxismus." Gen. Hofmann. Kurs II. Lokal: Studenterrheim Prag I., Bartolomeska(Gewerkschaftshaus). Beginn: Dienstag, den 8. November 1932, 8 Uhr abends. „Die Wirtschaft im Lichte des Marxismns." Gen, Dr. Emil Strauß. Die Kursteilnehmer werden gebeten, am ersten Abend pünktlich halb 8 Uhr anwesend zu sein., DrelVcrbandskampI im ArbcUcr4ls(li*Tcnnl$. 12. und 13. November in Prag. Di« Arbeiter-Tisch-Tennis-Bewegung in Tschechoslowakei ist zwar noch verhältnismäßig jung, besitzt aber trotzdem schon eine gewiss« Spiästärke. In internationaler Beziehung ist sie aber noch nicht in Erscheinung getreten und wird nun in dem am 12. und 13. November in Prag stattfindenden D r e i- Berbandskampf Oesterreich—Aussiger Verband—DTJ. ihre Feuertaufe erhalten. Di« österreichische Mannschaft ist sehr spielstark und die Vertreter der beiden Verbände in der Tschechoslowa- kei sind daher vor keine leichte Aufgabe gestellt. Den Aussiger Verband vertritt Atus Prag, dessen endgültige Mannschastsausstellung sowie die der DTJ. wir noch mitteilen werden. Die Kämpfe finden im Heim auf der Hetzinsel statt und wir ersuchen schon heute unsere Genossen, für einen zahlreichen Besuch Sorge zu tragen. Josef Haydns Nelson-Messe für Soli, Ebor und Orchester, die hervorragendste unter feinen Messen, wird am Samstag, den 12. November, um 8 Uhr in der Produktenbörse von der Deutschen Akademie für Musik aufgeführt. Karten 3—12 K bei Metzler, Wenzelsplatz, Sthblo-Passage. Wochenspielplan des Nene« Deutsche« Theaters. Samstag, halb 8 Uhr:„Cavalleria rusti- cana'—„Bajazz0".— Sonntag, halb 3 Uhr: „La Bohdme"(AA); halb 8 Uhr:“ Berndt", Ensemblegastspiel Deutsches Berlin(AA).— Montag, halb 8 Uhr: Berndt', Ensemblegastspiel Deutsches Berlin(AA).— Dienstag, halb 8 Uhr: letto"(A2).— Mittwoch, halb 8 Uhr: habe einen Engel geheiratet", Uraufführung(Bl).— Donnerstag, halb 7 Uhr:„Die Walküre«, Verein„Prager Presse"(El).- Freitag, halb 8 Uhr:„Cavalleria rusticana" —„Bajazzo' lDI).— Samstag, 8 Uhr:„Ich habe einen Engel geheiratet(AI). 7-- Sonntag, 11 Uhr: Kammermusik; halb 3 Uhr: Arbeitervorstellung:„Z i g e u n e r b a r 0 n";' halb 8 Uhr:„Die drei Musketiere"(D2). Wochenspielpla« der Kleinen Bühne. Samstag halb 8 Uhr:„Bitte, erhören Sie meinen Mann".— Sonntag, 3 Uhr:„Weekend"; 8 Uhr: „Dreimal Offenbach".— Montag, 3 Uhr: „Dreimal Offenbach'(Bankbeamten I).— Dienstag, 8 Uhr:„W e e k« n d".— Mittwoch 8 Uhr:„Bitte, erhören Sie meinen Mann".— Donnerstag, 8 Uhr:„Bitte, erhören Sie meinen Mann".— Freitag, 8 Uhr:„Coeur-Bub"(Kulturverbandsfreunde) —. Samstag, 8 Uhr:„Dreimal Offenbach" — Sonntag, 3 Uhr:„Arm wie eine Kirchenmaus"; 8 Uhr:„Weekend". Die richtige Brille Optiker Deutsch Prag II., Prikopy, Palais Koruna. Anglo-Elemenlar I Versicherung»- Aktien- I I gesellschaft in Wien| | Direktion für die 6. 8. R. In Prag, j 1 General-Agentschaft Reichen bei g 1 * empfiehlt rieh zum Abschluß von Feuer-, 1 [ Unfall-, Haftpflicht*, Einbruch-, Auto-, Trans' 1 port-, Pferde- und Viehversicherungen zu, kulanten Preisen. 6743 1 1 Bargaranilemittel in der 6.8. k. 56 Millionen. 1 1 Büros: Prag, Narodnf tf. 17. Reichenberg, Schfltzeng. Nr. 21.] Brünn, Theatergasse Nr. 8. n Oos öeitn des klassenbewuhten Arbeiters gehör! d. Zentralorgav. Deutsch«« fo,taldem»kr. Arbeiterpartei «Sozialdemokrat-— Her«»4««ter. eieafrte»* 1** 6* L* J Wilhelm Ri ck«