Wyetzrels 7ll Heller. (Gnschkchkch S«eBer Porto) Erscheint mit Ausnahme des Montag tdgiich früh.- 3t t>amon n. Dnwalwog: Brog ll, Xrtdjairta 1 a ♦ Ztle«ft.: 36795, 31469. OtatOtrtdafl.(ar. Der Gesetzentwurf wurde sofort nach San Aossore dem König zur Unterschrift gesandt. Die Amnestie umfaßt auch antif a seist ische Delikte und es wird erklärt, daß trotz verschiedener Notwendiger Beschränkungen hinsichtlich der strafrückfälligtn und der in contumaciam derurteilten Personen der Erlaß der weitestgehende Amnestieerlaß ist, der seit der Proklamation des italienischen Königreiches erlassen Worten sei. Bon der politischen Polizei wurden Laufe des heutigen Tages drei Mitglieder der Heimen Streikleitung festgenommen. Die Direktion der Berliner Berkchrsgesell- schaft hat heut« erstmalig in etwa tausend Fällen streikenden Angestellten die Entlassungspapiere zugestellt. Ein drohender Streik bei der Berliner Gas- g e s e l l s ch a f t, die die südlichen und südwestlichen Bororte mit Gas beliefert, ist vermieden worden. Nachdem sich gestern bei der Urabstimmung 76 Prozent der Belegschaft für die Ablehnung der Lohnregelung ausgesprochen hatten, wurde in der Nacht zum Samstag bei Berhand- lungen zwischen den Gewerkschaften und der Betriebsleitung ein« Einigung erzielt. Bei der Berliner Müuabfuhr-A.-G., die ungefähr 1400 Arbeiter beschäftigt, ist heute morgens ein Sympathiestreik für die Verkehrsarbeiter ausgebrochen. Verkehrsstreik hält an StraDenbahnnotverkehr In sehr Gestern keine Zwischenfälle. Berlin, 5. November. Di« Nacht vom 4. zum 5. November ist im ganzen ziemlich ruhig ver laufen. Wegen verschiedener kleinerer Sabotage akte im Verkehrsstreik und Widerstandes gegen di« Staatsgewalt wurden im ganzen 220 Perso nen festoenommen, von denen aber der größere Teil wieder aus freien Fuß gesetzt werden könnte. Bei TageÄwginn wurde ein Teil des BBG.- Verkehres'wieder ausgenommen. Nachdem sich etwa 5000 Straßenbahnschaffner und FÄHrer zur Arbeit gemeldet haben» find nach und nach 124 Straßenbahnzüge in den Verkehr gebracht wor den. Auch die Untergrundbahn hat ihre« Betrieb zum Teil wieder ausgenommen. Der Autvbus- betrieb ruht noch. Der heutige Tag ist ruhig und ohne Zwischenfälle verlaufen. Irgendwelche Angriffe oder Sabotageakte ans den in vermehrten Umfang aufgenommenen Verkehr der BVG sind nicht erfolgt. Nattonalisienins der Bodensdtölze in nemo. Mexiko, 5. November.(Reuter.) Die mexikanische Regierung hat ein Dekret erlasse«, durch das di« Bodenschätze an Gold, Kupfer, Antimon, Quecksilber, Aluminium, Phosphate«, Am 7. November jährt sich zum fünf- zehntennml der Gedenktag der bolschewistischen Revolution. An diesem Tage geziemt es auch uns, Bekenntnis abzulegen für das großartige Aufbauwerk der Sowjetunion, unserer Bewunderung für die heroischen Anstrengun-. gen der russischen Arbeiterklasse Ausdruck zu verleihen und unser Gelöbnis zu erneuern, die russische Revolution gegen alle Angriffe, zu schützen. Was in Rußland vor fich geht, ist für die Arbeiterklasse der ganzen Welt von großer Bedeutung. Wir haben den eigenartigen Charakter der bolschewistischen Revolution nie verkannt; sie ist von einer sozialistischen Revolution in einem modernen Industriestaat wes«n sverschrede n, denn in Rußland war im Jahre 1917 noch die Agrarrevolution fällig. Die Bauernschaft entscheidet durch ihr zahlenmäßiges Gewicht in nahezu allen Ländren das Schicksal der Revolution; aber sie selbst ist keine politische aktive Klasse. Auf weiten Flächen zerstreut, durch die Beschaffenheit ihrer Arbeit an den Boden gebunden, bedarf sie der Führung durch eine andere Klasse. In West- und Mitteleuropa empfingest« den Boden aus den Händen des zur Macht gelangten Bürgertums; in den Jahrzehnten einer ruhigen wirtschaftlichen Entwicklung begab sie sich darum in die Gefolgschaft brr Bourgeoisie. Erst" tzeuW^Pk" ginnt es den Bauern äufzüdäminern, daß ihnen ihr Eigentum nichts frommt, wenn die Arbeiter ihre Produkte nicht konsumieren können, daß ihre zweite und endgültige Befreiung erst das'Werk der Arbeiterklasse sein kann. In Rußland konnten die Bauern den Boden nur aus den Händen der Arbeiterklasse empfangen, denn die dünne Schicht der Bourgeoisie war nicht revolutionär. Da aber das russische Proletariat nur eine winzige Minderheit gegenüber der großen Bauernmass« darstellte, mußte das russische Herrschaftssystem ein« Diktatur der Arbeiter über die Bauern sein. Sollt« Rußland seine beschämende wirtschaftliche Rückständigkeit überwinden, sollte es eine eigene Industrie aufbauen, so bedurfte es hiezu nicht nur Opfer der Bauern, sondern auch der Arbeiter. Unter der Herrschaft der Bolschewiki muß Rußland nachholen, was in anderen Ländern der Kapitalismus an produktiver Leistung vollbracht hat. Insofern vollzieht sich in Rußland der Prozeß der ursprünglichen Akkumulation, der Opfer der Werktätigen zugunsten des Wirtschastsaufbaus erheischt. Aber dieser Prozeß dient nicht der Bereicherung und der Ausdehnung des Herrschaftsbereiches von Privat- kapftalisten, sondern, der Erweiterung des vergesellschafteten Wirtschaftssektors. In Rußland gibt es noch keinen Sozialismus. Denn Sozialismus heißt Reich der Freiheit, heißt Selbstbestimmung des arbeitenden Volkes. Diktatur über die Arbeiterklasse ist mit dieser Selbstbestimmung unvereinbar. Was uns vom Bol- schewisrnus trennt, das ist die Wertschätzung der persönlichen. Freiheit. Darum steht auch in Rußland der letzte Kampf um die Verwirklichung des Sozialismus, der Kampf um die soziale Demokratie erst noch bevor. Aber das ändert nichts an der gewaltigen historischen Tatsache, daß in einem Reich, in dem hundertsechzig Millionen Menschen leben, das Privateigentum an den Produktionsmitteln ausgeschaltet wird; daß Rußland durch den Fünfjahrplan den Beweis zu erbringen versucht, daß Wirtschaftsaufbau möglich ist auch ohne' die vielgerühmte kapitalistische Privatinitiative; daß hier zum erstenmal die Ordnungsprinzipien einer Planwirtschaft experimentell, herausgearbeitet werden. Sobald dieser Wirtschaftsaufbau in der Hauptsache vollendet sein wird, wird es nur noch des Kampfes der rujsi scheu Arbetterklajsc um die in Demokratie, um Befreiung von der Bevormundung durch die Bürokratie bedürfen, um den Sozialismus zu vollenden. Bei einer Beurteilung der russischen Ber- hAtmsse muß man sich vor allem vor Augen führen, um wieviel höher heute schon die Lebenshaltung der russischen Arbeiter' und Bauern, um wieviel höher das Kultürniveau gegenüber den.Ze.it,en des Zäxls- mus ist. Für das internationale Proletariat sind jedoch andere Erwägungen von entscheidender Bedeutung. Gelingt der Fünfjahrpla«, so wird diese. Tatsache das S e l b st bewußt- sein der Arbeiterklasse in der ganzen Welt bedeutend hebens Gewiß, die Revolution des Jahres 1918 konnte aus objektiven Gründen nicht den Sozialismus bringen. In den Siegerstaoten triumphierte die Böur- geoffie, die besiegten Staaten konnten das Risiko einer feindlichen Intervention nicht wagen, ein Risiko, welches der riesig« russische Kontinent tragen könnt«. Darüber hinaus war das Proletariat isoliert, ihm gegenüber bildeten tatsächlich alle anderen Klaffen„eine reaktionäre Masse". Aber man darf mich nicht übersehen, daß das Proletariat sich die Führung der Wirtschaft nicht zutraute, daß auch breite Arbeiterschichten den Glauben.teilte», daß in der Zerrüttung der. Wirtschaft durch den Weltkrieg di« Unternehmerinitiative nicht entbehrt werden rönne. Inzwischen wurde der Mythos v o m schöpferischen Unternehmer durch die Wirklichkeit widerlegt. Zeigt der FünffahMan die Möglichkeit einer Planwirtschaft selbst bei den.großen sozialen Widerständen in. der Sowjetunion, selbst mit einer zurückgebliebenen Arbeiterschaft und selbst unter der Herrschaft einer Bürokratie, um wieviel größer- muß diese Möglichkeit sein unter den Bedingungen einer kulturell' hochstehenden Arbeiterklasse, die.'ihr Schicksal selbst zu bestimmen vermag!, Ist die posftive Bedeutung der russischen Revolution ftir di« international« Arbeiterklasse bedeutsam genug, so käme ihrer Niederlage eine noch bedeutsamere negative Bedeutung zu. Denn die Herrschaft der Bolschewiki würde bei einem Mißlingen des Fünfjahr- Plans nicht von einer bürgerlichen Demokratie abgelöst werden, weil bürgerlich-demokratische Kräfte in Rußland nicht vorhanden sind, sondern von der weißen Konterrevolution. Muß noch crNärt iverden, was das bedeutet? Wir haben nicht vergessen, daß die Niederwerfung der Revolution 1848, daß die Aufrichtung der Junkerherrschaft in Preußen-Deutschlaird nur möglich war, weil di« Reaktion einen Rückhalt im mächtigen Zarismus besaß. Konterrevolution in Rußland — das hieße Stabilisierung der Reaktion in Europa für Jahrzehnte. So sehr wir die russische Revolution bejahen, so leidenschaftlich lehnen wir allerdings die Spaltung der Arbeiterklasse durch die Kommunistische Internationale ab, die Spaltung, welche die Schlag kraft der Arbeiterschaft lähmt. Mochten die Bolschewiki in den Stürmen der Nachkriegszeit die Uebertragung der russischen Revoku- tionsmethoden auf mitteleuropäische Verhältnisse für möglich halten, war damals der Um- sturz in Mitteleuropa eine Lebensfrage für die russische Revolution, so hat sich' inzwischen klar gezeigt, daß eine solche Uebertragung un Möglich ist, daß hierzulande eine Parteidikta tur über die Arbeiterklasse nicht denkbar ist. Damit hat di« Spaltung auch jeden Schein einer Berechtigung eingebüßt. Ihr einsigxr Zweck besteht heute darin, daß durch das Vorhandensein einer proletarischen Jnternatin nale, die direkt mit Rußland verbunden ist im russischen Arbefter die Ueberzeugung her vörgexufen werden soll, daß die heutige, staatskapitalistischon Maßnahmen seiner Regierung schon die Realisierung des Sozialismus bedeuten. — schwächere Beteiligung? Bei den letzten Wahlen am 31. Juli waren von 44,221.267 Wahlberechtigten 36,882.354 zur Wahl erschienen, so daß die Wahlbeteiligung 84 ProzeM betrug. Bon den Wahlen erwartet man auch eine Antwort auf die Frage, ob das Amvachsen der Hftlerbewegung noch anhält oder ob sich schon ein Lossage» von Anhängern zeigt. Die meisten Vermutungen stimmen darin überein, daß die Nationalsozialisten diesmal zum erstenmal Verluste aufweisen werden. Der Verlust der Nationalsozialisten wird in den Schätzungen einer- seftS den Deutschnationalen, andererseits den Kommunisten als Gewinn zuge- schrieben. » Der aufgelöste Reichstag war der zahlenmäßig stärkste aller bisherigen deutschen Parlament« und zählte 608 Abgeordnete. Di« Zo großen Wert auf Ueberlegenheit. Na, wenn's nu' mal nicht anders ist!— Gott mein Zug!" Noch einmal umschließen' Gilgis braune Finger Olgas kleine verwöhnte Hand.— „Alles Gut«, Olga."—„Alles Gute, Gilgi— wo ist Martin?"—„Liegt noch im Bett."— „Werd' ihm eben Adi«u sagen." Olga wirbelt ins Badezimmer, macht einen Schwamm naß— reißt die Schlafzimmertür auf— wirft den patschnassen Schwamm mit gutgezieltem Schwung Martin mitten ins Gesicht—„war«in herzhafter Kuß geliebter Faulpelz, nicht wahr? Leb' wohl für die nächst« Zeit— ich fahr' ab. Sei gut zu meiner kleinen Freundin und schick mir mal gelegentlich meine Provision für erfolgreiche Kuppelei." Und Gilgi findet di« Welt noch dunkler und trüber geworden, seit Olga fort ist. Sie denkt nach über Olgas Worte: keine Solidarität mehr unter Männern... Könnte schon stimmen. Erinnert sich sich plötzlich an das Versprechen, die Hertha zu besuchen. Vielleicht heute nachmittag? Man wird ihr etwas Wäsche mitnehmen und «in paar Kleider— man wird so reden und so sein, daß sie das nehmen kann, ohne daß es auch nur ein bißchen peinlich ist. lFortietzung folgt.» f„Bohnerwachs, Martin— hab'— ich— einem— armen Mann abgekauft." Mit blitz, «schneller Bewegung zieht Gilqi Martins Kopf an «ihr« Brust— das darf er nicht sehen, wie glühend rot sie geworden ist.„Martin, mein lieber Martin, ,ch hab' dich belogen. Zu müde zum Erzählen— nein, nicht zu müde— aber du hättest gejragt, gefragt, gefragt,— und wenn ich gefühlt hätt«— aus einem einzigen Blick, einem einzigen Atemzug, daß für dich nur„ehemaliger Liebhaber" gewesen wäre, was für mich nur unendlich Trauriges ist— ein armer zerstörter Mensch— wenn nur der Funken eines Mißtrauens in deinen Augen gewesen wär«— ich hätte dich ins Gesicht geschlagen. Martin, ich Hao dich belogen— jetzt bist du mir himmelweit über- legen. Ich liebe dich doch, Martin, ich sterbe, kenn ich aufhör«, dich zu lieben—«s muß etwas geben, was ewig.dauert, muß etwas geben, waS Bestand hat. Du— hab' ich dir jetzt Häßliches, Ungutes angetan? Wie ich dich lieb« dafür. Und Gilgi zieht Martins Kops zu sich hinauf, küßt sich in ihm hinein— alles ist dunkel, alles dreht sich — etwas muß sein, etwas muß bleiben— du— ünd legt ihm die Hande um den straffen, sehnigen hals— du ich Hoche dich belogen— wie muß ich dir auktzeliefert sein, daß ich dich belogen habe— Und sieben Büchsen Bohnerwachs— und laufen, laufen, laufen von HauS zu HauS— kein« Arbeit *- Vein« Kinder, die nicht genug zu essen haben — das ist so wichtig— warum versinkt es jetzt, komm wird es gleichgültig— du Martin— nur »u— nichts mehr wichtig— nur du— schließt fester die Hände um seinen Hals—„ich könnte Künsche», du wärst tot— wünscht man nicht immer eines Tages, daß tot sein soll, was man iu sehr liebt—»veil es einem kein« Luft mehr sum Atmen läßt, weil«S einem die Welt abschließt... ah, Martin hör' nicht auf das, was ich, sage— ich liebe dich ja und will, daß du lebst"... grabt ihm di« spitzen Nägel in den Hals—„nein, laß mich, Martin— ich will dir W tun— ich will nicht gut zu dir sein— will dir weh tun— ich liebe dich so..." Am nächsten Morgen bereits ist Gilgi wieder irisch und nmnter, kaum noch erkältet. Kocht Kasse« in der Küche, pfeift die Marseillaise dazu, «luf den blankgescheuerten Küchentifch sitzt Olga, »erbreitet Helle und Chypreduft...„Wollt' dir Mr auf Wiedersehn sagen, Gilgi— in einer stunde fährt mein Zug." ,^lch, Olga, jetzt fährst du wirklich fort?"- |„Ja, nach Berlin, Gilgichen— na, mach' doch nicht so kreisrunde entsetzte Augen, Klein«— bist doch so in Anspruch genommen, daß du mich wirklich nicht vermissen wirst..." k'„Es war so ein schöner, beruhigender Gedanke, dich in der Nähe zu wissen..." ,^komm mal her, Gilgi", Olga zieht Gilgi A sich heran, streicht ihr übers weiche braun- kellige Haar,„hier ist erstmal meine Adrefle— verlier sie nicht." Olga schiebt Gilgi ein mehrfach geknifftes Zettelchen in den Halsausschnitt.„So, keine Klein«, du weißt, daß du mir von Zeit zu Zeit zu schreiben hast,«s wäre roh und unver- antwortlich von dir, wenn du mich durch Still- Wveigen in Sorge ließest. Paß auf— dein bMtfsee kocht!— wenn er anständig ist, gib mir'ne Tasse. So— was wäre noch zu sagen? Rat- Wage bekommst du nicht mehr. Alles, was du tztzt beschließt und tust, muß schon aus dir selber herauswachsen..." t ,Ha, Olga. Du— du hättest mir aber Be- ffcheid sagen sollen, daß du heute fährst, ich hätte dir doch wenigstens deine Koffer packen müssen— du kannst doch keine Koffer packen, Marzipan- Kädchen, Wie bist du denn nur damit fertig geworden?" r»Ja,«8 war ein Problem, Gilgi, aber ich Mb' es auf geradezu genial« Weise gelöst. Erst hab' ich mal tatkräftig sämtliche Schränke und ' Schubladen ausgeleert und alles auf den Fußboden geworfen— dann wurde ich ratlos und küßt' nicht mehr weiter. Auf einmal kam mir Ei» rettender Gedanke: ich rief die Mussolini- Attrappe an— du weißt— der schwarzgelockte Mchanova, der mit soviel Grazie hoffnungslos zu lieben versteht, daß es geradezu schade wäre, wenn Kan mit ihm— na, den rief ich an und lud ghu zum Tee ein— unter vier Augen. Das ^hättest du erleben sollen, wie er ein« Viertelstunde Mter anstürmte mit Rosenstrauß und Bonbonschachtel, verheißungsvoll nach Coch duftend— Einen frischen Kragen hatte er anscheinend n'ch schnell umgebunden und eine aufreizende Krawatte— und fühlte sich in seinen kühnsten Erwartungen übertroffen. Nq, ich führte ihn>n wein Zimmer— klettert« mit Rosenstrauß und 'Bonbonschachtel hoch oben auf den Kachelofen und Erklärte, erst wieder runterzukommen, wenn das ganze Zeugs vom Boden fort wär'. Muß sagen, Er hat tadellos gearbeitet und sich viel Mühe gegeben. Ich saß oben auf dem Ofen, aß Bonbons, dirigierte alles und warf hin und wieder»ehr kette und aufmunternde Worte nach' unten. Nachher, wie alles fertig war, sah das Zimmer so fahl und leergefrefscn aus— ich sagte, ich könnt' chm unmöglich zumuten, noch eine Minute länger >n einem so ungemütlichen Raum zu bleiben, Und besser wär's wohl, den Tee im Charlott zu Nehmen. Aus Wigstadtl kommt die traurig« Kund«, daß dort gestern Genosse Dagobert Heiderich, einer der verdientesten und bekanntesten Veteranen der sudetendeutschen sozialdemokratischen Bewegung, im Alter von fast 73 Jahren verstarb. Dagobert Heiderich wurde am 24. Dezember 1859 in Wigstadtl geboren, besuchte die drei- klassige Volksschule und mußte als Kind zu Haus« schon fleißig mitarbeiten. Der Vater war Lemen- weber und man redete ihm zu, er soll« seinen Sohn Lehrer werden lassen. Es fehlten aber die Mittel und so mußte der Junge mir 13% Jahren, als er die Schule verließ, Leinen- weber werden. Das war im Jahre 1872. Ein Jahr früher war in Wigstadtl der Eichverein der Manufakturarbeiter gegründet worden. Heiderichs erster selbständiger Schritt war, daß er im Alter von 14 Jahren dem Fachverein beitrat. Er nahm an allen Tagesfragen regen Anteil, las und lernte fleißig, so daß er bald in der Bewegung auffiel. Er baut« di« Gewerkschaft auf, führt« den Kampf um den 1. Mai und um die Einführung des Zehnstunden- tageS. Heiderich kämpfte das Heldenzeitalter der proletarischen Bewegung durch. Im Jahre 1884 war er auf dem mährisch-schlesischen Arbeitstag in Brünn, wo«r die Erklärung namens der Wig- stadtler abgab, daß sie sich auf dem Standpunkt der Gemäßigten stellen. Heiderich gehörte schon im alten Oesterreich, zur Zeit des Privilegien- wahlrechtes, der Gemeindevertretung in Wigstadtl an. Bei den ersten Wahlen auf Grund des allgemeinen Wahlrechtes tvar er Kandidat im agrarischen Odrauer Landgemeinde- Wahlkreis, wo er in die Stichwahl kam. Nach dem Umsturz gehörte er acht weitere Jahre dem Gemeinderat an, acht Jahre war er Mitglied des Bezirksschulrates und war auch Listenführer bei den Wahlen für die Landesvertretung Mähren-Schlesien. Zuletzt gehörte er der schlesischen Kommission an. Er war Ehrenvorsitzender der Bezitcksorganisation Wigstadtl. Alles, was an Errungenschaften der Arbeiterschaft in Wigstadtl zu verzeichnen ist, alle Einrichtungen der Partei, der Gewerkschaften und Genossenschaften sind mit das Werk seiner A" regung und Durchführung. Mit den Genossen seiner engeren und weiteren schlesischen Heimat trauert die gesamte deutsche Arbeiterbewegung in der Tschechoslowakei um den Dahingegangenen, dessen Name' mit den Anfängen und dem Ausstieg nnie'- Partei für immer verknüpft bleibt. AuslIcicrRRgsbegclircii gegen tum Nationalsozialisten. Prag, 5. November. Die Meldung, daß das Prager Kreisstrafgericht gegen fünf Abgeordnete verdeutschen Nationalsozialisten, Krebs, Knirsch, Jung, Kaspar und Schubert das Auslieferungsbegehren gestellt hat, bestätigt sich. Das Auslieferungsbegehren stützt sich auf die §§ 2(Anschläge gegen die Republik) und 17 (staatsfeindliche Bereinigungeir) des Schutzgesetzes. In formaler Hinsicht muß cs zunächst vom Präsidium des Abgeordnetenhauses dem Jmmu- nitätsausschuß zugewiesen werden, der über den Fall dein Plenum des Hauses unter Stellung eine- Antrages auf Stattgebung, bzw. Ablehnung zu berichten hat. Im Jmmnnitätsausschuß wird sich jedenfalls erst eine ausführliche Debatte über diese ganze Angelegenheit entspinnen, bevor eine Entscheidung nach dieser oder zener Richtung getroffen wird. Senator Tröka, über dessen böse Jmmuni- tätsaffäre wir bereits ausführlich berichtet haben, hat nunmehr dem Präsidium des Senats mitgeteilt, daß er„aus Gesundheitsrücksichten" auf sein Senatsmandat verzichtet. Die Gewerbepartei hatte noch vor zivei Tagen die Absicht geäußert, zunächst das Ergebnis der gerichtlichen Untersuchung abwarten zu wollen. Nun hat sie Tröka doch endgültig fallen lassen. Wie das Abendblatt des„P. L." meldet, ist diese Resignation„aus Gesundheitsrücksichten" nicht sreiwillig erfolgt, sondern über Einschreiten einer Abordnung, die die Gewerbepartei zu Tröka schickte. Tröka soll sich zwar zunächst geweigert haben, dann überlegte er sich es jedoch nochmals und stellte sein Mandat zur Verfügung. Deutsch-österreichische Präierenzverhandlungen. Wien, 5. November. Die deutsche handelspolitische Delegation, die in den letzten Tagen zwecks Vorbereitung von Präferenzverhandlungen zwischen Oesterreich und Deutschland m Wien weilt«, ist gestern abgereist. Es handelt« sich um di« erste Fühlungnahme und um das Kennenlernen der österreichischen Wünsche für den Abschluß eines Präferenz-Vertrages. Di« deutsche Regierung wird nun die östereichischen Forderungen studieren und bei der Fortsetzung der Besprechungen, di« für Dezember in Berlin in Aussicht genommen wurden, wird man sich auf deutscher Seite zu' dieser Frage bereits in konkreter Weise äußern können. Seite 4 Sonntag, 6. November 1432 Nr. 262 T agesneuigkeiten Dor 309 Fahren fiel Gustav Adolf bei Lützen. Stockholm, 5. November.(Svenska.) Sonntag, den 6. November jährt sich;um dreihundert- stenmal der Tag, an ivelchcm in der siegreichen Schlacht bei Lützen der Schwedcnkönig Gustav Adolf II. starb, der im 30jährigen Kriege zugunsten der Protestanten in die mitteleuropäischen Angelegenheiten eingcgriffen hatte. Aus diesem Anlasse werden in zahlreichen europäischen Ländern, insbesonders in Schweden, Deutschland und in den skandinavischen und baltischen Städten Feierlichkeiten veranstaltet. An den Stockholmer Feierlichkeiten, die in einem außerordentlich breiten Rahmen begangen werden, werden u. a. Deputationen aus acht Staaten teilnehmen. Am Denkmal Gustav Adolfs wird unter dem Geläute sämtlicher^ Glocken der Hauptstadt ein Kran; niedergelcgt werde«. Vormittags werden im schwedischen Pantheon, wo die sterblichen Ueberreste Gustav Adolfs ruhen,, die schwedischen und ausländi- schcn Deputationen vor dem Sarkophage defilieren. Im königlichen Palais wird der König eine Rede zur Ehrung Gustav Adolfs halten. Die akademischen Feiern in Upsala, dessen Universität Gustav Adolf reorganisierte, werden in der .Promovierung zahlreicher schwedischer und ausländischer Ehrendoktoren ihren Gipfelpunkt finden. Der„Sohn der Aaren- als Betrüger verhaftet. Paris, 5. November. Harry Gergusson, der sich als Michael Romanow und mit herbeiführte. D«r Kommandant des U-Bootes„Prome- tljee", das am 7. Juli mit 62 Mann an Bord gesunken ist, wurde am Freitag vom Kriegsgericht m Cherbourg von der Anklage der Fahrlässigkeit sreige sprachen. Der als Staatsanwalt fun- giereWe Regierungskommissär erklärt« in seinem Plädoyer, daß dem Kommandanten keine Verfehlung vorgeworfen werden könne. Er überließ dem Gericht die Entscheidung über Freispruch oder Bestrafung. Hintrrdlieben«, macht euer« Ansprüche ans del! Sozialversicherung geltend! Obwohl das Sozial- versichern wgsgesetz nun schon eine ganze Reihe von Jahren in Wirksauckeit ist, wird doch immer noch die Beobachtung gemacht, daß vor allem die Hinterblie-> denen' verstorbener Versicherter die ihnen aus der Versicherung der Verstorbenen erwachsenem Rechte Nicht ausnützen. In den wenigsten Fällen wird beispielsweise.die Abfertigung' beansprucht. Dieser Umstand, durste auf die irrige Annahme zurückzufüh- ren sein, daß mit dem Erlöschen des Anspruches aus der Krankenversicherung auch der Anspruch aus der JnvaliditätS- und Altersversicherung zu bestehen aufhört. Dem ist nicht so! Die Ansprüche aus der Invalidität-- und Mtersversicherung bleiben, wenn die'Wartezeit von 100 Wochen erreicht ist— und diese dürfte' heute bei fast allen Versicherten erreicht fein.— durch voll« 18 Monate gewahrt. Der Anspruch auf die einzelnen Leistungen verjährt mit Ausnahme der Abfertigung und des Ausstattuvgs beitrages erst nach fünf Jahren. Es wird also, wenn «in Versicherter vor Ablauf von 18 Monaten nach Austritt aus der Beschäftigung stirbt, der Anspruch auf Bezahlung der Abfertigung vorhanden sein, wenn hisser Anspruch innerhalb eines Zeitraumes von zipci Jahren vom Todestage an geltend gemacht -wird. Diese Bestimmung ist den meisten Hinter- kliebeneN unbekannt und daraus ist auch die geringe Zahl der Ansuchen um Abfertigung erklärlich, die be den Krankenversicherungsanstalten eingebracht wer- den. Genau so verhält es sich beim A u s st a t t u ng s b c i trag. Wenn eine Versichert« innerhalb 18 Monaten nach dem Austritt aus der Be schäftigung heiratet, so kann sie den Anspruch aus! AusstattuirgÄeitvag innerhalb zweier Jahr« vom Tage der Verehelichung an geltend machen Aehn- lich liegen die Dinge bei der Witwen-undWai- s e n r« n t«. Mit Rücksicht auf' die beschränkten Raumverhältnisse kann auf diese Frage nicht weit«r «ingxgange» werden, es empfiehlt sich aber, in allen Fällen bei de: nächstgelegenen Krankenversicherungsanstalt di« notwendigen Informationen einzuholen, welche diese durch ihre hiezu bestellten Beamten be- reitwilligst erteilen wird. Festzuhalten wäre noch, wer als. anspruchsderechtigter Hinterbliebener zu br- rrachren ist. Nach§ 121 des SozialversicherungS- gesttzes sind als Hinterbliebenen, welche Anspruch auf die' Abfertigung erheben können, zu betrachten: Tie Palkin oder der Gotte, di« Kinder(ehrliche unehelich«,■ Adoptivkinder. Pflegekinder, Enkel und Stiefkinder), die Eltern oder die G e s ch w i st e r Eingehende Informationen, wer den Vorzug hat und unter welchen Voraussetzungen ein Anspruch ge° geben ist, erteilen die Krankenversicherungsanstalten Der Anspruch ist stets bei der zuständigen Krankenversicherungsanstalt, das ist bei jener, bei welcher der(hie) Verstorbene zuletzt zur Kwuckenversiche- rung gemeldet war, geltend zu machen. Zur raschen Abwicklung und einwandfreien Möglichkeit richtiger Aüskunftarteilung ist stets die Legitimation des Verstorbenen mitzunchmen. Wir empfehlen allen jenen, welche auf Grund dieser Ausführungen der Meinung sind, daß sie irgendwelche Ansprüche aus der Jnvaliditäts. und Mtersversicherung geltend machen können, sich raschest bei der nächsten Kran- kenversicherungsanstalt zu informieren, damit nicht durch irgendeine ungewollte und aus Unkenntnis der Tatsachen hervorgcrusene Fristversäumnis der Anspruch verloren geht. Aerztin erschietzt ihren Refieo. der durch ei«« Explosiv« verkrüppelt wurde. Pardubitz, 5. November. Am Freitag nab mittags machte in Chrudim der 14jährige Studeck des Realgymnasiums Peter PochobradM zuhousi chemische Versuche. Um 17 Uhr explodierte eick chemische Msschung, wodurch der Student«i$ liche Verletzungen im Gesicht, bezw. an eine« Auge und an der Hand erlitt. Der Verletzte wurk sofort in das Pardubitzer Bcsirkslrankcnhaus ge bracht, wo ihm«ineHandamputiert>«r- den mußte. Die Verletzungen eines Auges war« derart, daß man an der Rettung dieses Auzö zweifelte. Von dem ernsten Zustande Pochobradflrs# fuhr seine Tante MllDr. Paula Klastnerovs in Prag. Sie kam heute nach Pardubitz uirbtcki im Krankenzimmer mit dem Onkel des Bursche zusammen. Unter einem Borwand ließ sie ick Onkel aus dem Krankenzimmer abbcruf^ worauf sie aus Mitleid über das Schicksal dö Studenten diesen durch fünf Revolve» schösse tötete. Frau Dr. Klastnerova wuck> sofort verhaftet und die Untersuchung gegen ff eingeleitet. G«m«tusmu mit ihr wurde auch die Mutter des Ermordete« verhaftet. Beide wurden in di« Hast des KreiKgerichietH Chrudim gebracht. Sieben Todesopfer einer Sxplofio» Lemberg, 5. November. In einem Haust,’’ welchem die Installation der Gasleitung i# genommen wurde, erfolgte heute eine Explosiv durch welche di« Insassen einer Wohnung,, zwar eine Beamtensgattin mit ihren fünf Ä* dern, sowie der Monteur derart schwere Brack' wunden erlitten, daß sie nach der Ueberfühnckf in das Krankenhaus bald darauf gestorben si^ Verhafteter Doppelmörder. Köln, 5. vcmber. Wie der Kölner Stadtänzeigcr beriW wurde gestern in Duisburg der 21jährige Ä«S mann Elbert fest genommen, der vcrd«! tig ist, bei dem Kölner Doppelmord M Hand im Spiel gehabt zu haben. 2000 Mark Lohngelder geraubt. Auf Mohser Exerzierplatz bei Görlitz wurde SawM, vormittag der Lohngeldüberbringer des sikck; willigen Arbeitsdienstes von zwei jungen«Ml schen überfallen. Die Täter entrissen ihm Rücksack mit rund 2000 Mark Lohngelder entkamen auf Fahrrädern. Selbstmord eines Arbeitslosen. Der Arbei^> Franz Äozumplik aus B r a c o v(Karpaist rußland) verließ Sonntag sein Haus. Die«^ wurden am Ufer des Flusses Morava sein Fast j rad und sein« Kleider gefunden, in denen einen Brief vorsanb Der unglückliche Arbe'd I gab bekannt, daß er in den Flu ß gesprs ge.n sei, weil er keine Arbeit konnte, und ersuchte den Finder, die Kleider>!.v in der Weste befindliche Uhr lassen solle.| Der ü gen sei, weil er keine Arbeit find'! ..... das Rad seiner Fra» zu übergebe«, wofür er“ die"" 70.389, 77.125, .Löst 1 31:020, 15.567, 57.885, 71.801, Dienstag. Prag: 6.15: Gymnastik. 11: Schallplatte». Violinkonzert. 18 25: Deutsch« Sendung: der von Eichendorff. 19.50: Pagairini: Biolinsock^ 20.20: Lamp-BoyS singen. 22.20: Blasmusik, Brünn: 12.30: Orchesterkonzcrt. 18.25: D« a, Sendung. 20.50: Konzert in Sanssoucei-.< Prehburg: 20: Sinfoniekonzert.— Berliu: J,' l Streichquartette.— Breslau: 19.90: Zupft» Frankfurt: W.45: Nachtkonzert.— Königs 19.30: Bunt« Stunde.— Wien: 19.25: J lütte", Oper von Mozart, Vom Randhtnk Empfehlenswertes ans den Program«^ Montag. Prag: 8.15: Gymnastik. 11: SchaUptalten. Klavierkonzert. 17.30: Kinderstunde 18.25: sch« Sendung:. 21: Orchestcrkonzert. Unterhaltungskonzert.— Brünn: 15.30: Harm»^ Vorträge. 18.25: D« u tsche Sendung: Kürschner: Modern« Nahrungsmittelchemn. Berlin: 18.05: Älaviermustk.— Breslau:' Aiebesliader-Walzer.— Langenberg: 20: y kegium musicum.— Leipzig: 19: Volksmusik-1 Smfoni«ftuH«rt.— München: 19.05: Alte Liedsi,: neuem Gewände. 21.20: Kammermusik.— W 17: Tanzmusik. Ziehung der K'nsieuIottLr» 20.000 K: 36.750, 64.248. 10.000 K: 93.703. 5.000 K: 26.030, 35.394, 45.584, 63 163, 84.627, 90.225, 93.294, 93.373, 94.895. 2.000 K: 1.158, 3.206, 3.476, 3.644, 4.822,&JJ 8.795, 21.319, 24.610, 27.962, 28.057, 85V14, 87.255; 88.373, 89.159, 89.930, 90.928, 91* 94.590, 98.440, 101.216, 103.523. * Di« Schlußziohung der V. Klafst!!s 27. Tschsi..Klasienlotterie findet am 10. Novck^: 1932 um 8 Uhr statt. An diesem Tage wick>[ Prämie von 1,500.000 K gezogen, welche ottfn Los fällt, das mit dem letzten wenigstens 200" betragenden Gewinne ausqelost werden wird. J I Nr. 262 Sonntag, 6. November 1832 Seite S. Hinrichtung in Moskau. Moskau, 5. November. Der wegen des Eisenbahnunglückes jn Lublino zum Tode verurteilte Stationsvorsteher Bulatow ist gestern h i n g e r i ch- te t worden. Mandschurische Station von Räubern überfallen. Kurz nach Mitternacht auf Samstag bemächtigten sich 60 berittene Räuber des Bahn- büfes in Supinkak an der wichtigen Zweigstelle der südmandschurischen Eisenbahn. Die Räuber letzten den Bahnhof in Brand und töteten den Stationsvorstand und zwei Beamte; drei Eisen-, iahnbcamte kamen in den Mammen ums Leben. Ein Lastzug, der gerade den Bahnhof nach Dalni durchfuhr, beschleunigt« seine Fahrt und entging so einem Ueberfall. Ein Anschlag gegen Hoover? Bahnpolizeibeamte in Bel o i t(Wisconsin) verhafteten Samstag morgens zwei Neger, die in Verdacht sichen, einen Anschlag auf den Sonderzug des Präsidenten Hover geplant zu haben. Di« Polizei batte Kenntnis von dem Anschlagsplan erhalten und ließ während, der ganzen Nacht die Stelle der Strecke überwachen, an der di« Schienen beschädigt werden sollten. Die beiden Neger wurden in dem Augenblick verhaftet, als sie sich an der srag- lichen Stelle zu schaffen machten. Todessprung vom Funkturm. Der aus Hannover stammende Zivillngenieur Warburg ist bei einem Fallschirmabsprung vom Funkturm auf dem Ausstellungsgclande in Berti n-Witzl«ben tödlich verunglückt. Warburg hatte einen neuartigen Fallschirm konstruiert. Das Patent war bereits angemeldet. Auch die Versuchsanstalt für Luftfahrt interessierte sich für die Erfindung, hatte jedoch zur Herstellung des Fallschirms keine Mittel. Warburg konstruierte den Fallschirm nun- tnehr mit milcherwertigem Material. Heimlich hat er sich am Freitag Morgen auf dem Funkturm eingeschlicken. Er fuhr mit einem Freund mit dem Fahrstuhl bis zur obersten Plattform, ließ sich einige Meter an einem Kabel herunter, entfaltete den Fallschirm, dessen oberstes Ende der Freund hievt, und sprang ab. Schon in der nächsten Sekrmde riß das Tuch: Warburg sauste mit rasender Geschwindigkeit in di« Tiefe. Kurz nach der Einlieferung ins Krankenhaus erlag er den erlittenen Verletzungen. Starke Zunahme der Dienstverweigerer. Jn Schweden, wo es den Kriegsdienstverweigerern aus GewissenSgründen gesetzlich gestattet ist, ihre Dienstpflicht ohne Tragen der uniform auf zivilen Arbeitsplätzen zu absolvieren, hat di« Zahl der Dienstverweigerer außerordentlich stark zugenommen. Allein die Mitgliederzah! der sogenannten„Christlichen Bewegung der Dirnstver- weigerer", die kürzlich in Göteborg ihren alljährlichen Kongreß abhielt, ist laut Bericht ihres Sekretärs seit der Annahme des entsprechenden Gesetze» im Jahre 1921 auf- rund 7.000 Per- spnen gestiegen." Bon den in diesem Jahre auf-, gebotenen Rekruten haben nicht weniger als 700. den Dienst verweigert; es ist dies die höchste Zahl, dir je vorgekommen ist. Was wählen hasten. Reichstagswahl halb so teuer wie Reichspräsi- dentenwahl.'— Was di« amerikanischen Präsidentenwahlen verschlinge«.— Schon Cäsar gab «in vermöge« aus. Die beiden Wahlgänge der Reichspräsidenten- ivahl in Deutschland im Jahre 1925 mit allen: Drum und Dran haben damals rund fünf Millionen Mark verschlungen. Selbstverständlich sind hierunter nur die offiziellen, von den Städten Und Kommunen getrogenen Kosten verstanden, dicht die Werbungskosten der einzelnen Parteien Und Wohlverbände. Es ist damals errechnet worden, daß«ine Reichspräsidentenwahl fast doppelt so teuer ist wie eine Wahl zum Reichstag, von den Länderparlamenten ganz zu schweigen. Auf den ersten Blick erscheint diese Summe sihr hoch, doppelt hoch in der heutigen Zeit, die toi« kein« andere zuvor unter Geldmangel leidet. Der Vergleich mit anderen Ländern wird gleich leigen, daß die deutschen Wahlen immer noch billig sirch. Am interessantesten ist in diesem Zusammenhang« vielleicht Amerika, dessen PräsidentschaftS- toahlen ja unmittelbar bevorstehen. Nirgends in der Welt spielen bei Wahlen die silbernen Kugeln eine solche ausschlaggebende Rolle, wie in Amerika. Der Kandidat, der die kräftigsten Geldgeber hinter sich hat, siegt dort gewöhnlich. Das ist in Amerika noch nie anders gewesen. Ans diesem Grunde kann man in den 11. S. A. bei einiger Kenntnis der Verhältnisse auch meist vor- uuchagen, wer beim Wettlauf um den Präsidentenstuhl Sieger bleiben wird. Die teuerste amerikanische Wahl, solange die Vereinigten Staaten von Amerika existieren, war die des Präsidenten Wilson im Jahre 1913. Drei Haupt- kandidaten stritten damals um di« Palme des Sieges: Wilson. Roosevelt und Taft. Daneben gab eS noch die für Amerika typischen„Outsiders", vier an der Zahl, die sich meist nur deshalb ausstellen lassen, um dann, nach der Wahl der Wahlmänner, gegen eine entsprechende Abstandssumme zu verschwinden. Nun, Wilson erhielt damals di« Mehrheit, nachdem drei der vier Außersseiter„obgefunden" worden waren. Insgesamt soll die Wahl Wilsons vierzehn Millionen Dollars verschlungen haben, eine auch für damalige Begriffe riesenhaft« Summe. Durch frei« Abstimmung des ganzen Volkes Mie in Deutschland wird auch in Portugal der Präsident gewählt. Trotzdem werden di« Wahlen in Portugal in j«der Beziehung„gemacht". So hat zum Beispiel di« Wahl Almavieros über drei Millionen Mark gekostet, für da§ kleine^Por- stlgal eine gewaltige Summ«. Aus Südamerika, liegen begrerflicherweif keine genauen Ziffern vor. In manchen Ländern werden dort jährlich drei bis vier Präsidenten gewählt. Man ist dort infolgedessen«leistens für di« abgekürzte Tour, das heißt, der Präsident ernennt sich selbst und läßt sich dann vom Parlament bestätigen. Viel genauere Ziffern liegen hingegen aus dem alten Rom vor. Es ist bekannt, daß sich Cäsar seine Wahl ein gewaltiges. Vermögen kosten ließ. Damals mußten nach einer gelungenen Wahl an viele Zehntausend« Geschenke verteilt werden und das ging natürlich ins"Geld. Cäsar hat sein« Wahl nach zeitgenössischen Angaben die fünffachen JahrcSeinnaymen der hispanischen Provinz gekostet. Nicht minder teuer war natürlich die Kaiserwahl. Aber davon wußte ja auch das römische Kaiserreich deutscher Nation ettvas zu fingen. Was zum Beispiel in Sau Tomiilgo die Wahlen besonders teuer macht, ist die Tatsache, daß dabei gewöhnlich das ganze Land zwei bis drei Monate feiert und jedlvede Arbeit völlig einstellt. H. Overbeck. Fra« Curie. 3um 65. Geburtstage der Entdeckerin de« Sta&iutntf. Am 7. November feiert eine der hervorragendsten Frauen aus dem Bereich-er Wissen- schgft, Frau Niari« Curie, die Gattin und Helferin des großen französischen Physikers Pierre Curie, dem ein tragisches Geschick am 19. April 1906 einem banalen Berkehrsunfall am Pont sfteus(Neue Brücke) in Paris zum Opfer forderte, ihren 65. Geburtstag. Das Wirken dieses Ehepaares ergänzte sich in der glücklichsten Weise zu gemeinsamer Arbeit.?" In' den Laboratorien der alten Pariser Universität hatte Pierre Curie dir reizende, hochbegabte Studentin als eine eifrige Arbeiterin kennen gelernt. Gemeinsame Interessen, innige Zuneigung und die Aussicht auf ein enges, kameradschaftliches Zusammenarbeiten hatten den um acht Jahve älteren, angesehenen Professor veranlaßt, mit Mari« einen Lebensbund einzugehen, aus dem eine in der exakten Naturwissenschaft seltene und überaus erfolgreiche Gemeinschaftsarbeit erwachsen sollte. Im Jahre 1898 wurde die ganz« Welt van der Nachricht überrascht, daß«8 in Paris einem bis dahin nur in den Fachkreisen bekannten und geschätzten Physiker gelungen war, zwei neue Element«, das Radium und das Polonium, zu entdecken. Die größte Sensation aber war für di« breite Oeffennichkäit die Tatsache, daß eine Frau' maßgebend an dieser Entdeckung beteiligt war, so matzgebcitd, daß ihr Name von nun an stets km Zusammenhänge mit dem ihres Gatten genannt wurde. Was war das für eine seltsame Frau, die zu einer Zeit, als man das Frauenstudium noch als eine Kuriosität ansah und die Äehanp- tung aufstellte, daß eine Akademikerin unter allen Umständen für den Beruf der Frau und Mutter verdorben sei, sich in so hervorragender Weise auszeichnete? Nun, Frau Curie hat alle dies« auS einer gewissen Eifersucht geborenen Behauptungen als falsch erwiesen. Man erfuhr, daß sie am 7. November 1867 zu Warschau als Tochter des Professors der Naturwissenschaften Sklodow- s k i geboren war.„Aha", sagten di« BererbungS- theoretiker, die auf den Zufluß des Milieus schworen,-„naturwissenschaftlicher.Einschlag Yon HauS auS, gleichsam, erblich belastet."-^- Natürlich hatte Herr'SKodowski seiner Tochter eine ausgezeichnete Bildung cmgcdeihen lassen und dabei die Naturwissenschaften ganz bewußt in den Vordergrund gestellt.' Marie Sklodowski studierte' in Warschau.. Mit der Zeit aber wurde eS ihr hier zu eng. Sie sehnt« sich hinaus in die Welt: sie mußte ihre Kenntnisse dort erweitern, wo sic ihrer ganzen inneren Einstellung nach am meisten gefördert werden konnten. 1891 verläßt sie Warschau, um in Paris ihre Studien fortzusetzen,— und, um hier ihr großes Schicksal zu finden. Jn der Rue Saint JaqueS fallen ihre Intelligenz und ihr Fleiß auf. Man erfahrt, daß sie von de Gerbeschule in Warschau kommt, daß sie das Lyzeum glatt durchlaufen und beim Abschied mit der' höchsten Auszeichnung, einer goldenen Medaille, verlassen hat. Und dann beginnt ein Raunen und Tuscheln in den Hörsälen, als ihre Begehungen zu dem Professor der Physik, Pierre Curie, bekannt werden. Nach der Hochzeit arbeiten beide Ehegatten in einem dumpfen und feuchten Laboratorium in der Rue Lhovmond. Kein angenehmer Ausent- hellSort war das, aber um so höher das Ziel, das es zu erreichen galt, 1896 hatte der Professor Antoine Henry Becquerel, der an der polytechnischen Hochschule zu Paris wirkte, eine seltsame Entdeckung gemacht, die geeignet ivar, in der wissenschaftlichen Welt das größte Aufsehen zu erregen. Bei der Untersuchung von Uran-. Verbindungen hatte er seltsame, bis dahin völlic unbekannte Strahlen entdeckt, deren Her kunft zunächst schleierhaft blieb:—Man nannte sic zu Ehren des Entdeckers, der 1903 mit dem Nobelpreis ausgezeichnet wurde,„Becquerel- oder Uranstrahken". Nun waren die Forscher mobil gemacht. Es begann die Jagd noch dem Ursprünge der geheimnisvollen Strahlen» eine Jagd an der sich auch das jungvermählt« Ehepaar Curie mit Ausdauer und Fanatismus beteiligte. Frau Curie entdeckte- bei der Untersuchung andrer Stoffe, daß auch das Thorium die gleichen Strahlen aussendet. Auch dem Physiker G. C Schmidt gelang die gleiche Entdeckung. Frau Curie fiel eS dabei auf, daß gewisse Uran» und Thorium-Mineralien viel stärker radioaktiv waren, als eS ihrem Gehalt an jeden Elementen entsprach. Das war ein Fingerzeig, den die beiden Wissenschaftler Pierre und Marie Curie sich nicht entgehen ließen. 1898 gelang es ihnen, die Ursache der starken radioaktiven Strahlung in dem ungeheuerlich stark radioaktiven Element R a- d i u m sestzustellen, einem dem Barium verwandten Stoffe. Später fand Frau Curie dann in der Pechblende noch einen weiteren radioaktiven Stoff, den sie zu Ehren ihres Heimatlandes„Polonium" nannte. Einen dritten radioaktiven Stoff entdeckte im gleichen Jahr« der Physiker Debiere im Aktinium. Bisher ist allein das Radium aus der Pechblende dargestellt worden. Welche unerhörte Arbeit dazu nötig ist, beweist di« Tatsache, daß man 7000 Kilogramm Uranerze verarbeiten muß, um ein einziges Gramm Radium zu erhalten. Nun ist der weit«« Lebensiveg der beiden Ehegatten scheinbar einfach und klar vorgezeichnet. Pierre' Curie übernimmt einen für ihn be- fondcrS"oLschaffenen laLehrstnhl:an der S-gr« n o n N e, iet ausgezeichnÄen Pariser' Universitäts- Marie Curie wirrt alS Professor an der Frauenhochschul« in Serres. Dann kam nach diesem Münzenden Aufstieg, der durch die Verleihung des Nobelpreises an das Ehepaar im sJahr« 1903 noch besonders unterstrichen wurde, der tragische Zwischenfall, der dem Leben deS Gatten ein Ende setzte und die beiden Kinder zu Waisen machte. Frankreich trüg eine Dankesschuld an Frau Curie ab, als es sie 1908 zur Nachfolgerin ihres Mannes auf dem von ihn innegchabten Ährstuhl an der Sorbonne einsetzte. Zwei Jahre später veröffentlichte sie«ine ausführliche Arbeit über das Radium, dessen metallische Darstellung ihr gelungen ist. Im allgemeinen wird Radium ja nur in der Form von Salzen verwendet. Und noch einmal erringt sie die größte wissenschaftliche Ehrung: 1910 erhält sie den Nobelpreis für ihre selbständig« Forschertätigkeit. Weit über die Kresse der Fachwissenschaftler hinaus ist ihr Nam« bekannt geworden. Millionen werden dieser Frau, deren Entdeckungen auch der Heilkunde zugute kamen, mit ehrfurchtsvoller Dankbarkeit an ihrem 65. Geburtstage gedenken. W. M. Bei Merzen in Selenlm u. SMern. Rheuma, Gicht, uild Ischias wirken Togal- Tabletten rasch-lind sicher. Togal scheidet die Harnsäure aus, das verheerende Gift im menschlichen Körper, deshalb würden selbst in veralteten Fällen, in denen andere Mittel versagten, mit Togal' überraschende Erfolge erzielt. Unschädlich für Magen, Herz u. a. Organe. Wenn mehr als 600f> Aerzte dieses Mittel empfehlen, können auch Sie es vertrauensvoll kauten! Besorgen Sie sich in der nächsten Apotheke Togal. Wo nickt erhältlich, dann direkt bei BraunerS Apotheke.Zum weißen Sfrven*, Prag IL, Pktkopy 12, Geriditssaal Monaco Prag. Lin doppelt Bestrafter. Prag, 5. November. Ein gewisser Jaroslav T l nsty, der sich aus all« mögliche Art durchs Leben schlägt, hatte sich auf die Wanderschaft- begeben und war schließlich in Mont« Carlo gelandet. Vielleicht kam ihm angesichts der berüchtigten Spielbank, des behördlich konzessionierten Raubunternehmens, der' Gedanke, in kleinem Maßstab sein« lieben Nächsten um ihr Hab und Gut zu erleichtern. Jedenfalls verlegte er'sich aufs Stehlen und plündert««in« Zeitlang di« Taschen und Koffer der Kasinogäste, bis man ihn erwischt« und. vor Gericht stellte. Er würbe zu ein«m Jahr Bef8ngni s verurteilt und nach Verbüßung der Strafe abge- schoben. Damit, war der Fall jedoch nicht beendet. Denn nach unserem Strafgesestz werden Delikte, die ein Staatsangehöriger im Ausland begeht, nach seiner Rückkehr von den hiesigen Gerichten verfolgt, ohne Rücksicht auf die anderswo verbüßte Straf«. So nahm man ihn an der Grenze sofort neuerlich in Hast und machte ihm wegen der gleichen Sache nochmals den Prozeß.. Als Beweismittel dienten di« französischen Protokoll« und bas teilweise Geständnis des Angeklagten, der di« Sache offensichtlich und begreiflicherweise schon gründlich satt zu haben scheint. Er bekam eine weiter« Strafe von drei Monaten schweren Kerkers. Er fand zwar,'daß die insgesamt fünfzehn Monate etwas viel seien.und in keinem Ver- hältnis zu seiner Bent« stünden, da aber,die Strafe durch di« Untersuchungshaft so ziemlich verbüßt ist, erklärt« er, anMichmen....... rb. Das Kriminal als Versorgung. Prag, 5. November. Wir leben in einer Zeit, wo Tausende nnschickdigcr Kriscnopfer die Insassen der Strafaisstalten um dar Dach über dem Kopf und um die dünne Srräflingssuppe beneiden Diese tragische Tatsache hat nichts daran geändert, daß in den ,humoristischen^' Bkätwrvüif'de? dickfellig«» Spleße'i'gesi'ndelS, dem Vie Zeit«« nichts- anhabe» kann,'di« Gestalt ,dr8's! d e k'«u Delinquenten, der sich zu Beginn des Winters vergnügt hinter Schloß urtb Riegel begib:; immer nbch ihr Umpcsen treibt. In der Praxis scheinen-sich die Verhältnisse gründlich geändert zu haben. Den» auch di« wenige» Außenseiter, di« ftüher eimnal sich dadurch zeitweilig versorgten, daß sie sich wegen AmtSehrende leidignng, oder(im alten Oesterreich') wegen Beschimpfting der„Majestät"«inkasteln ließe». haben eS heutzutage nicht mehr leicht. Es gab eine solche gerlchtSbckanMe Fignr, einen Landstreicher, der weit über vierzig Vorstrafen dieser Art hat und sich doch mit einigem Recht als«hrlichen Kerl bezeichnete. Er pflegte inst besoitderem Nachdruck darauf hinzmveisen, daß er k«i n e i n z i g e s Mal wegen eines Eigen tum Sd ilik t e s gestraft worden war, und war sehr stolz darauf. Jetzt aber ist es damit zu Ende und der alte Vagabund stand zum erstenmal wegen mehrerer Diebstähle vor Gericht. Er erklärte weinend, er-habe sich nicht mehr anders zu helfen gewußt.«Es geh« ihm sehr nahe, als a b g e st r a f 1 e r Dich, her umlaufe»- zu müssen. Er bekam sechs Wach e n. 9[t r e st. rb . Tronr'^'i:-::üjx.y"~ r 1"fflT „Mutta. dein Kind rnil...“ Im Kino um di« Jahrhundertwende. Bor ungefähr 30 Jahren war es. Don Berlin her wußte man es, daß sich da im Norden ein „Cinema" mit beweglichen Laterno-magica-Bil- devn etabliert habe. Eine neue Erfindung, eine ganz tolle Dache, einfach zum Totlachen. Und da kam es nun auch bald nach anderen Orten. Zunächst noch als eine rein wissenschaftliche Angelegenheit in den Vortragssaol. Durch Riesenplakat« wurde di« neu« Sensation verkündigt:„bi« wunderbaren, ebenso hochinteressanten als ergötzlichen phonokinemätographischen Glanzdarbietungen: sinaende und sprecheirde lebende Photographien. Bald darauf wurden in den größeren Städten di« ersten Cinemos eröffnet. Aeußerst primitiv war die Einrichtung, denn bescheiden waren noch die Ansprüche, viel größer di« Neugier, die neu« Erfindung zu sehen. Darum, genügten zmiächst einfach« Hol^bänke. war man'zufrieden, wenn ein Klavierspieler sein Repertoire von einem halben Dutzend Schlagern auf einem ausgedienten Klavier herunterklimperte und«in Ansager mit rauher Stimme iw geschwollenen Tiraden Bilder erklärte. Denn die Hauptsache waren doch die beweglichen Bilder aus der Leinwand. Kurze Einakter waren es zunächst. Naturaufnahmen. Dann das schaurigffchän« Drama, wie zum Beispiel „Hiawatha, das schöne Jndianermädchen", wie es von allerhand Kanaillen gefangen genommen und den Niagara-Fall hinuntergeworfen wurde. Man hat damals noch mehr als heute im Kino geheult. Dann waren die lustigen Einakter, die immer—. di« heutige amerikanische Groteske greift wieder darauf zurück— die gleichen BerfolqungSszenen zeigten und in irgendeinem-Schaufenster und mit Ich jag sahnebeschmierten Gesichtern endigten. DaS Auditorium aber brüllte vor Lachen. Da war ferner der Tonfilm, der bereits an der Wiege d«r Kinokunst stand. Allerdings wesentlich«iiffacher alS heut«. Ein Grammophon spielt««ine Arie, oben auf dem Bilde machte eine seriöse Dam« die dementsprechenden Mundbewegungen. Mitunter klappte es. zumeist aber klappte «S nach, entweder die Dame mit dem Munde- oder die Musik. Da war.es schon schöner, wenn der damals, noch bewunderte und viel umschwärmte Klavierspieler—' lange Krawatte und noch längeres Haar, versteht sich bei-em tragischen Tod eines Kinoheldcn in die Tasten drosch:'„Di« Lott' ist bot, di« Lott'., ist dot" oder bei einem LiebeS- schmarren gefühlvoll die„Liebeslaube" herunterklimperte. Als dann zu ihm noch der Stehgeiger mit. gleichem künstlerischen Anstrich kam, sprach man vom„Kinoorchester". Daneben gab eS noch eine Geräuichmustk. Eingeschlagene Fensterscheiben mußten mit klirrendem Glas, Donner mit Paukenschlägen, Regen mit einem anderen Instrument denientsprechend klangvoll demonstriert werden. Und Musik mit solchem Geräusch verbunden,' wurde hier durchaus nicht, als störend empfunden. Aber so recht gemütlich wurde«S erst, wenn! der Ansager, zumeist ein verkrachter Schauspieler,' aber doch viel umschwärmter Held, auftrat. WaS di« flimmernden Bilder damals noch nicht äüs- drücken konnten, mußte er ergänzen.„Der Herr Graf, dieser Schn ft, nimmt mm das arme un- wissende Mädchen— dunkel ist die Nacht.— im Gebüsch versteckt das Knacken des Revolvers — aber im rechten Augenblick." Hu, das war schön und mit durcheinandergeschüttelten Gefühlen verließ man das Cinema. Aber recht bald war dieser erste Rausch verflogen. Man stellte Ansprüche und die sich rasch entwickelnde Kleinindustri« vevstand, neue Bedürfnisse zu ivecken. Das primitiv»- Kino mit seinen Holzbänken ohne Lehne genügte bald nicht mehr. To wurden neuere, mit allerhand barocken: Stuck überladene Kinoteinpel eingerichtet. Auch der Raine dieser modern eirrgerichteten Kinos mußte Pompös sein. Und so wurden ü. a. ein Baeses„Pracht Elektro Biograph",«in„Comiß Elektro Panoptikum Theater", oder«in„The Royal Biograph" eröffnet. Das Programm wurde immer reichlicher. Man zeigt« ein„Weltstadtprogramm" mit 25 Programmnummern. Allmählich entstand der Mehrakter, und dann »erdrängt« der Großfilm bald daS Zwolf-Num- mern-Prograinm. Auch der Ansager verschwand. Inhalt und Titel deS Films sagten nun allcS. Di« Klavierb^älcitniusik wurde immer mehr durch das Kinoorchester abgelöst. Der primitive Raum aber weitete sich zum palastartigen, prunkvollen Jimeuraum. Wo man einst aus.Holzbänken saß, machte man iS sich jetzt.im gut sepolsterten Sessel — besser als m manchem Theater.— bequem. An die Stelle des kleinen Kinobesitzers, der selbst leine' Billette an"der Kasse verkaufte, trat der Konzern.' Walter Ludwig. Seite K. Sonntag, 8. November 1832 Nr. 282 ZEITUNG. Prags durch regen Besuch den Erfolg des am 16. November im großen Lucernasaal« stattfindendcn „Heiteren Künstlerabends", bei dem Treue de Noiret, Paul Morgan und Blondine Ebinger Mitwirken, sichern helfen, kann die dringendste Not gesichert werden. ZozialdemottMche Zraueuorganisatton, Prag Mittwoch, den 9. November Frauen-Avend. Thema: Aktuelle Frauenpro- b l e m e. Vortragende di« Genossinnen: Lotte B S l i n a und Dr. Karla S ch w e l b. Anschließend Diskussion. Lokal: Hotel Monopol(gegenüber Masaryk-Bahnhof). Beginn: 8 Uhr abends. Aus der Partei Arbeitsgemeinschaft Der deutschen proletarischen Lrgaalsatianev, Prag. Partei-Abendschul«, Kurs I. Lokal: Küchensaal Prag II., Füg» nerovo«am 4. Beginn: Dienstag, den 8. Novem- ber 1932, 8 Uhr abends. „Die ökonomischen Lehren des Marxismus." Gen. Hofmann. K u r s II. Lokal: Studentenheim Prag I., Bartolomeska(Gewerkschaftsbaus). Beginn: Dienstag, den 8. November 1932, 8 Uhr abends. „Die Wirtschaft im Lichte des Marxismus." Gen. Dr. Emil Strauß. Die Kursteilnehmer werden gebeten, am ersten Abend pünktlich halb 8 Uhr anwesend zu sein. Bezirksorganisation Prag. Montag, den 7. November, um 7 Uhr abends, im Sozialdemokrat, Zimmer Dr. Strauß, Sitzung der Bezirksexekutive. Kunst und Wissen „Bitte, erhören Sie meinen Manu"(von Pierre Wolff und Andrv Birabeau, deutsch von Rost Richter). Das- Repertoire der Kleinen Bühne wird von Mal zu Mal trostloser. Dieses angebliche Lustspiel, zu dem drei Autoren ihre Phantasielosigkeit strapeziert haben, bringt in das ewige Einerlei französischer Ehebruchsschwänke keine neue Note, denn die Finesse, daß die Frau dem Mann hilft, bei der Nebenbuhlerin schneller ans Ziel zu kommen, damit er früher an den häuslichen Herd zurückgehe, kann man leider auch nicht mehr als originell bezeichnen. Schade, daß ernste Künstler für derlei Schmarren Zeit und Toiletten— also Geld— opfern müssen, denn das beste Spiel vermag den öden Dialog doch nur auf Minuten unterhaltend zu machen. Man lachte«in wenig bei der Unterhaltung, di« Frau Bertram mit dem harthörigen Hahnrei(Dudek) führte, man konnte an Götz, Cärola Behrens, Fee R«i ch l i n und RöSner trotz des schlechten Stückes einigen Gefallen finden, aber man blieb im ganzen doch vor solchem Unlustspiel hoffnungsloser Zeitgenosstn eines sterbenden Theaters. fr. . Wochenspielplan des Renen Deutschen Theater». Heute, Sonntag halb 3 Uhr nachmittags:„La Boheme"(A A); halb 8 Uhr abends:„R o s e Berndt", Ensemblegastspiel Deutsches Theater Berlin(AA).— Montag, halb 8 Uhr:„Rose Berndt", Enstmblegastspiel Deutsches Theater Berlin(AA).— Dienstag, halb 8 Uhr:„Riga- letto"(A2). Mittwoch, halb 8 Uhr:„Ich habe einen Engel geheiratet", Uraufführung(Bl):-— Donnerstag, halb 7 r Uhr:„Die Walküre", Verein„Prager Preffe"(E1).- Freitag, halb 8 Uhr:„Cavalleria r u st i c a n a" —„Bajazzo" f®l).— Samstag, 8 Uhr:„Ich habe einen Engel geheiratet(AI).- Sonntag, 11 Uhr: Kammermusik; halb 3 Uhr: Arbeitervorstellung:„Zigeunerbaron"; halb 8 Uhr:„Die drei Musketiere"(D2). Wochenspielplan der Kleinen Bühn«. Heut« Sonntag, 3 Uhr nachmittags:„Weekend"; 8 Uhr „Dreimal Offenbach".— Montag, 3 Uhr: „Dreimal Off« n b a ch"(Bankbeamten I).-- Dienstag, 8 Uhr:„Weekend".— Mittwoch. 8 Uhr:„Bitte, erhören Sie meinen Mann".— Donnerstag, 8 Uhr:„Bit te, erhören Sie meinen Mann".— Freitag 8 Uhr:„Coeur-Bub"(Kulturverbandsfreunde) — Samstag, 8 Uhr:„Dreimal Offenbach" — Sonntag, 3 Uhr:„Arm wie«ine Kirchenmaus"; 8 Uhr:„Weekend". Spart* Spiel' llölMvNm AtuS Prag schlägt DTT. Vinohrady 6:3(Ligameisterschaft, 1. Kreis DTT.). Dieses Spiel farch am 2.. d. M. auf der Hetzinstl statt und wurde vom Atus Prag leicht gewonnen, trotzdem er mit einem Ersatzmann antreten mußt«. Für Atus gewannen Charvat, Möbius, Fink, Halb ich und die Doppel Möbius—Taub und Fink—Pfeifer.— Das nächste Spiel des Atus Prag in der Liga findet am 9. b. M. gegen DTT. By sehr ad auf deren Platze statt. Da DTT. Vyöehrad zu den Favoriten der Liga gehört, wird Atus, noch dazu auf fremdem Platze, einen schweren Stand haben. Atus Prag gegen Einhritsverbaud 6:3. Dieses Freundschaftsspiel der Atus-Tisch-Tennis- sparte fand am 3. d. M. auf dem Platz des Einheitsverbandes statt. Die Begrüßung der Atus- Mannschaft durch den Verband war sehr herzlich. Mitteilungen der„Urania“. Wochenprogramm vom 6. bis 12. November. Sonntag, halb 11 Uhr:„G r o ck." Der berühmte Clown und seine musikalisch-groteske Nummer. Montag, 8 Uhr:„Altes und Modernes im Kampfe gegen di« Geschlechtskrankheit« n." Experimentalvortrag mit Vorführung von Mikroflopie und Präparaten. Doz. Dr. R. Wagner. Gemeinsam mit der„Gesellschaft zur Bekämpfung der Geschlechtskrankheiten". Montag, viertel 9 Uhr:„G r o ck." Humoristischer Film. Letzt« Vorführung. Dienstag, 5 bis 7 Uhr: Radio-B«stell u^se. Anschließend Klubabend. Urania-Radiobund. Dienstag, 8 Uhr:„Schicksal und Erfindungen" Ang. S b o r o w i tz. Mit Demonstrationen zahlreicher wichtigster Gebrauchsartikel. Neu« Erfindungen für Haus und Allgemeinheit. Mittwoch, 3 Uhr:„König Drosselbart." Filmmärchen. Mittwoch, halb 7 Uhr:„Venedig." Mit Lichtbildern. Prof. Dr. R. Messer.— Halb 7 Uhr: „Tischdecken, Blumenschmuck usw." Caroline Schönau.— 7 Uhr:„Die volkswirtschaftlichen Rubriken der Tageszeitungen." Dir. Dr. Friedrich Gellner.— 8 Uhr:„Die Deckung des öffentlichen Bedarfs." Univ.- Prof. Dr. S ch r a n i l. Mittwoch, 8 Uhr:„Gefäßkrankheiten.", Doz. Dr. Otto Klein. II. Vortrag:„Kreislaufstörungen." PRAGER Prags Wmtersladlon. Das Bürgertum bildet sich seit jeher auf ferne heldenhaften Söhne im Sportleben recht viel«in; das geht gewöhnlich so aus, wie heuer die Olympiade, da man nämlich den Helden Subventionen abgelehnt hat, um st« dann nach ihren Erfolgen um so herzlicher willkommen zu heißen. Heldenhaft müssen auch die beliebten Sportklubs um die Miet« der Gemeindegrundstücke kämpfen und gerade jetzt spricht sich herum, daß die Victoria Wkov solche Schwierigkeiten haben soll. Daß der Arbeitersport fast ohne Unterstützung auskommen muß, ist eine alte Sach«. Prags Oeffentlichkeit wird darum mit besonderer Freud« di« Eröffnung des neuen, ganz modernen Wint«rstadions begrüßen, dessen Eisbahn bei einem Preis von 2.50 K immerhin vielen Schichten zugänglich sein wird. Das Stadion ist tadellos erbaut, hat eine einwandfreie Spiel- und Schleiffläche, liegt sehr günstig auf der Hetzinsel in ziemlich guter Luft und hat gute Kabinen für Sportler, Aerzte, Masseur« und Journalisten. Das Unternehmen ist vom volkshygienischen Standpunkt zu begrüßen, nur müßte in der Bestimmung des Eintrittsgeldes noch mehr Entgegenkommen bestehen, damit nicht wieder einmal die zu Nutznießern des öffentlichen Guts werden, die es eigentlich nicht recht brauchen. In dem Hauptgebäude ist ein« beruhigende Restauration untergebracht. Der Bau, der einig« Jahre wegen Geldmangels gestockt hat, bereichert Prags Sportbegeisterte um ein gefälliges Werk. Deutscher Ortsschulausschuß Prag VII. Da di« Holl«schowitz«r deutsche Schule mit Beginn dieses Schuljahres in Staatsverwaltung übernommen wurde, war die Wahl eines Ortsschulausschusses erforderlich. Zum Obmann wurde Stadtverordneter Dr. Leo-Epstein, zum Obmannstellvertreter Dr. Milliades Kotrba, zum Geschäftsführer Bank beamter Otto Pohl gewählt. Di« weiteren Mit-- glieder sind: Franzi Wiener, Oberlehrer Alfred Scholz und Lehrer Ernst Deglmann. Deutsche Jugendfürsorge iu Rot. Statt AI- mosengebevei, vorbeugend« Arbeit, direkter Kontakt mit d«m Objekt« der Fürsorge, dem Kinde, ist die Forderung neuzeitlicher Jugendwohlfahrt geworden. — Nach diesen Grundsätzen arbeitet auch unsere Hauptstelle für Kinderschutz und Jugendfürsorge in Prag in enger Fühlung mit den anderen sozialen Vereinen. Die Büroräume stellt die Stadt Prag seit einigen Jahren unentgeltlich zur Verfügung (Prag l., Malü nüm. 11); dort amtiert der Berufsvormund, der 80 Mündel, darunter 44 uneheliche Kinder, betreut.— Die Wirtschaftskrise zwingt immer weitere Kreise, Fürsorgehilse in Anspruch zu nehmen^ di« Erziehungsbeihilfeu und Unterstützungen betrugen im Jahre 1931 an 50.000 K, für Weih- nachtsbeicherung«N wurden au die Schuldirektionen 15.000 K für Kleider und Schuhe überwiesen.^ Di« Hauptstell« nimmt sich in den Mütterberatungsstellen der Säuglinge und Mütter an, sie unterstützt die Arbeit der Kindergartenvereine, sie erhält zwei Kinderhort«, wo die Kinder berufstätiger Eltern ihr« Schulaufgaben machen und allerlei Handstrtigkeiten erlernen können. Sie vermittelt die Unterbringung der Schulausflüge aus den deutschen Siedlungsgebieten in den Schülerherbergen der Stadt, st« organisiert und finanziert den schulärztlichen Dienst an den deutschen Minderheitsschulen.— Die angeschlossenen Verein«, wie die Schullinderspeisung, die Ferienkolonien und andere erhalten Subventionen.— Für das orchopädische Turnen der Rückenschwächlinge wurden 3000 K aufgewendet. Die staatliche Unterstützung ist gering, doch gibt di« Stadl Prag in Anerkennung der geleisteten Arbeit seit einigen Jahren eine Subvention.— Aber trotz allem Sparen reicht das Geld nicht und nur wenn alle Kreise Vortrag Emil Ludwig: „Minner und Ideen unserer Zelt“ Emil Ludwig hat um die Wiederbelebung der deutschen Geschichtsschreibung unbestreitbar« Verdienste. E r erst hat das Interest« der Lesermasse an der Geschichte wieder erweckt, er hat die Profestoven aus der abgeschlossenen Welt ihrer Schreibstuben aufgestöbert, ihm ist es zu danken, daß heute deutsche Gelehrte wieder lesbare, für den gebildeten Laien geschrieben« Bücher über Männer und Mächte der Geschichte herausgeben. Sein eigenes Werk ist dabei freilich von Buch zu Buch problematischer geworden und das tschechische Publikum, dem Ludwig Freitag in der Lucerna als einer der bedeutendsten Zeitgenossen vorgestellt wurde, ahnt kaum, wie umstritten dieser Autor in dem Volke ist, besten Sprache er schreibt und dem er entstammt. Hier ist nicht der Platz, sich mit Ludwigs Geschichtsauffastung, seinem Stil und seiner Art der Biographie auseinanderzusetzen. Der Vortrag selbst bietet— losgelöst vom übrigen Werk des Autor-— Anlaß genug zu kritischer Betrachtung. Obwohl Emil Ludwig sich dagegen verwahrt, historische Roman« zu schreiben, sind seine Bio- graphien doch kaum als etwas anderes anzusprechen. Wenn er von der Geschichte zur Politik übergeht wenn er unmittelbare Zeitgeschichte schreibt, wird unerträglich, was an der Biographie noch als Bor- zug gelten kann. Daß er Menschen nur durch sein Temperament sieht, die absolute Subjektivität seiner Auffassung von hiswrischen Persönlichkeiten, die Füll« der Widersprüche, die er selbst schafft, all das wird als peinlichster Dilettantismus empfunden, wenn«r nicht Mehr an Gestalten der Vergangenheit sein« Welt- und Lebensanschauung demonstriert, sondern di« Schicksalsfragen unserer unmittelbaren Gegenwart zum Feuilleton verarbeitet(das er nicht gerade meisterhaft vorzulesen versteht). Der Vortrag hatte eine sehr anständig« Tendenz: gegen den Krieg, gegen sein« Ursachen, Patriotismus und Nationalismus, für Paneüropa. Wir wollen mit dem Kriegsreporter Ludwig, dessen Pazifismus sehr spät erwacht ist, nicht rechten. Wir fragen uns aber, mit welchen Mitteln und mit welchem Erfolg ein Mann dem Frieden dienen kann, der sich zwar hochmütig über di« Par- icien stellt und billige Witze über die Berufspolitiker losläßt, aber in seiner Erkenntnis der zeitgenöffischen Politik doch an der Oberfläche der Erscheinungen bleibt^ Er hat keine Ahnung von wirtschaftlichen und sozialen Vorgängen und er beurteilt Männer und Systeme ausschließlich nach Aeußerlichkeiten. Mag er das immerhin„g o e t h e i f ch« Betrach- tungsSweise" nennen und sich auch sonst in affektierter Weis« immer wieder auf Goethe berufen, es ändert nichts an der Tatsache, daß er auf diese Art zu grundfalschen Methoden und Schlußfolgerungen gelangt. Nur die kleinen Völker könnten— so führt er mit einer merkbaren Verbeugung vor den Tschechen aus— Europa schaffen, weil nur sie frei von dem Irrtum seien, daß ihr« Macht mit der Zahl ihrer Einwohner wachs«. DaS Gegenteil ist wahr: je kleiner eine Nation, desto stärker ihr Nationalismus, desto größer ihr Mrgeiz. Herr Ludwig versuch« doch, Magyaren und Polen, Bulgaren und Litauer zu Europäern zu erziehen! Die Geschichte des Völkerbundes beweist nur zu deutlich, daß gerade die kleinen Staaten eifersüchtig über ihre fragwürdig« Souveränität wachen, uisd wenn Europa nicht von Deutschland und Frankreich, sondern von den Kleinen geschaffen werden soll, dann wird Emil Ludwig ein alter Europäer werden, ehe er die Verwirklichung seines Wunsches erlebt. Was soll man gar zu einem Pazifisten sagen, der Mussolini, Statin und Kemal als die stärksten Garanten des Friedens bezeichnet, gestützt auf die von der Geschichte dutzendemale widerlegt« These, daß Diktaturen so lange sicher seien, als sie Ruhe halten. Der Mann, der„Juli 1914" geschrieben hat, sollte doch wissen, daß gerade innere Schwierigkeiten bei den Regiereirden die Neigung schaffen, ein Ventil im Krieg zu suchen. Aber Ludwig glaubt, bezaubert von Mussolinis Figur, anscheinend nicht an Schwierigkeiten des fascistische-n Regimes' und er hat wie di« meisten bürgerlichen Literaten(z. B. auch Sforza) vollends keine Ahnung von den Wesensunterschieden der russischen und italienischen Diktatur. Falsch ist es auch, wenn er M a s a r y k, über dessen Erscheinung allerhand nicht eben Geistvolles, aber der patriotischen Menge zu Dank doch Schmeichelhafter gesagt wurde, als Pazifisten bezeichnet. Wenn Ludwig nicht nur die„Leutnantsfigur" des Präsidenten und andere Aeußerlichkeiten in den Bereich seiner aoetheischen Betrachtung ziehen, sondern auch MasarykS Reden lesen würde, müßt« er wisten, daß Masaryk kein Pazifist ist. Unwahr ist es wenn Ludwig sagt, daß in Frankreich die reaktionärsten Minister meist noch Mitglieder der sozialistischen Partei seien, reichlich verschnrockt ist es, wenn er Shaw den größten lebenden Sozialisten nennt, mit Donnerstag, halb 7 Uhr:„Graphologie." Mit Lichtbildern. I. Meloun, Lmwon.— 8 Uhr: Wanderbund Kosmos. Ort: D. Haus. Donnerstag, 8 Uhr:„Die Gezeichnet en." Elisabeth Schucht, Dvesden. Meine Erfahrungen in der Sträflingsfürsorge. Freitag, 7 Uhr:'„Die Organisation der Pensionsveosicherung." Dr.W.Schmied!. Freitag, 8 Uhr: Beginn des Kurses:„Unser K i n dl" Oberlehrer Alfred Scholz— Dr. Jöst! Langer. Pädagogische und medizinisch« Frage». Sechs Borträge. Freitag,8Uhr:„Die Eugenik im Dienst« der Bolkswohlfahrt." Prof. Dr. H. Muk- ke r m a n n, Leiter der Abt. für Eugenik am Kaiser- Wilhelm-Institut, Berlin. Samstag, den 12.» 3 Uhr:„Menschen im B u s ch." Ton-Kulturfilm. Dazu alle Sprach» und praktischen Kurse der „Urania-Volkshochschule". Beachten Sie das groß« Wochenprogramw! Mitglieder genießen bei allen Veranstaltungen Er- Mäßigungen! Jahreskarte 18 8, Familien-Zusatzkartr 3 K. Böhmische Union-Bank (VEREINIGT MIT DEM ALLGEMEINEN BÖHMISCHEN BANK-VEREIN)! Zentrale in Prag Aktienkapital KC 200,000.00fr— Reservefonds KL 201,550.00fr—' l; li I ALEN: Asch, Aussig, Bodenbach, tlöh-‘ misch-Budweis. Bratislava. Braunau l. B.. Brünn. Brüx, Freiwaldau. Fr^dek, Gablonz a. N., Graslitz, Hollenelbe Iglau, Jägerndori, Karlsbad, Königinbof a. E., Leit«' meritz, Marienbad Mähr.-Ostrau. Mähr.-Schönberg, Neu-Titschein, Olmütz. Pardubitz Pilsen. ProB-\ I nitz, Reichenberg. Rumburg, Saaz. Teplltz-Schönau. Traufenau.\ ""lroppau. Warnsdorf. Zwittau. EXPOSITUREN:"3r Prag-Lieben und Prag-Weinberge. Zucker*Abteilunsen: Präs. 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Die Mehrheit des italienischen Bolles ist ohne Zweifel der Diktatur feind(son^ brauchte Mussolini die Diktatur ja nicht), die Mehrheit des deutschen Polles hat am 30. Juli für eint diktalorische Staatssorm(wenn auch nicht für dn gleiche) gestimmt. Und, Hand auf di« Nase, di« den Riecher für die Weltgeschichte. und das Verlags geschäst hat,— wenn Hitler Erfolg gehabt hätte oder wenn Schleicher Erfolg haben sollte, wirk Emil Ludwig, vorausgesetzt, daß der deutsche Diktator sich wie Musiolini für zwei Wochen dem Reporter zum Fräße hinlegt, dann nicht auch für Deutsch land billigen, was er jetzt mir in Italien scho findet?! Was nützen die wohlgezielten Seitenhiebe w den Generalen, was der Hohn über Nationalist^ und Patrioten, wenn der„Pazifist" der sie aus teilt, zugleich der Reklametrommler für das Ido aller Nationalisten, Patrioten und Kriegshetzer i: und eine Relativität der Gesinnung predigt, di« 5 jeder Hacke den passenden Stiel(und desto Stil), a jeder Postbeule der Menschheit mit imprefsionistischc Fixigkeit noch den Zauber der Farbe und in jede Situation mit journalistischer Wetierwendigkeit da. rechte Hintertür! findet! E. F. t e 1 a» t a 11> e r. eiejfriefe taik— Cb t f t tfe«11 e■< Dilbetr» Rtejn«,— Berarrrwortlicher Redakteur Dr e«A Prag— Druck:.Rota- A.»G fürtu»g«marlenIranknkui wurde du» der Poft.». leleeraptzenfeircktioa MU Ertöt Ll 13.800/VH/1980 bewilligt— Bezug« dcdnigungen. Bel Zustellung Urs Haut oder bei Se»ug durch di» Poft monatlich De 16.—. vierteljährlich DI<8-—, tzatbltch«« IU»#,—, santiaytit U IM.—.— Inserat«»erd«» lau, Ulls biHigjt berechnt, 9a Htm« Eues Haltungen Prriluachlatz.- Rückstellung fron Lt-uxilrchttt rrfolgt m,, des Einsendung feer SUtoatmacttt.