12 Jahrgang. Donnerstag, 10. November 1932 Nr 265. Dräcidant DnAcevoh iKriscnwaiii in Amerika W^^MnW^W»^Wl^WBW Id WM WO I Die Wahlen die Präsideutschafi I tragen. die >alS des Unter Bezugnahme auf, einen Vorfall, der sich vor einigen Jahren in Hamburg ereignet hat, stellte der französische Vertreter Massigst die Frage, ob es sich nicht empfehle, die private Herstellung von Gasmasken zu reglementieren und einigen sorgfältig überwachten staatlichen Fabriken zu übertragen. System gewählt. Der Kongreß seht den Tag der Wahl der Elektoren und jenen der Präsidentenwahl fest, welch? gleichzeitig.in sämtlichen Staaten erfolgt. Frqnklin D. Roosevelt. Der Zieger im mner.kanischen Wahlkampf. Ueberwältigende Mehrheit der Demokraten. Schwere Niederlage Hoovers. Der(jiitgaskricfe Nene Schwierigkeiten bezüglich des Verbotes. Genf, 9.,November. Das Büro der Ad- rüstuygskonfercnz hat heute seine Beratungen über das Verbot des Giftgaskrieges und ähnlicher Kriegsmittel fortgesetzt. Bei der Erörterung des Kapitels über das Verbot der Vorbereitung dieser Kricgsführung ergaben sich Schwierigkeiten, die nach langer Debatte zu dem Vorschlag führten, wiederum ein technisch, s K o m'i t e e mit der Prüfung einzelner in der ! Disknsiiön aufgeworfener Fragen zu beauf- des führenden kapitalistischen Landes der Welt, der Vereinigten Staaten von Nordamerika, haben mit einem gewaltigen Sieg des demokratischen Kandidaten Franklin D. Roosevelt über den bisherigen Präsidenten Herbert Hoover geendet. Bon den 48 amerikanischen Bundesstaaten haben sich 42 für Roosevelt und nur 6 für Hoover ausgesprochen, von 531 Wahlmännerstimmen entfallen nicht tveniger als 472 auf Roosevelt. Wenn auch das Verhältnis der Urwählerstimmen für Hoover nicht so ungünstig ist— wenn in einem Staat ein Kandidat die Mehrheit erlangt, fallen ihm alle Wahlmännerstimuren zu, über die der Staat verfügt— es ist der größte Wahlsieg, den ein Präsidentschaftskandidat in den Bereinigten Staaten seit mehr als einem halben Jahrhundert errungen hat. Der Umschwung in der politischen Gesinnung des amerikanischen Wählershat sei'ne Ursache in der schweren Krise der amerikanischen Wirtschaft, die von der Krise betroffenen Bevölkerungsschichten haben ihrer Unzufriedenheit mit der Politik Hoo Vers durch die Wahl seines Gegenkandidaten Ausdruck gegeben. Hoover wurde im Herbst 1928 als Mann der„Prosperity" gewählt, d. h. als derjenige, der dem amerisanischen Wähler, dem Trustmagnaten ebenso wie dem Farmer, dem Angestellten wie dem Arbiter ewige Dauer der guten Konjunktur,; welche: seit 1922 herrschte, versprach. Der anierika- nische Durchschnittsbürger glaubte, das Geheimnis der krisenlosen Wirtschaft sei gesun- den, die Republikaner, die einer der beiden großen bürgerliche» Parteien der.Bereinigten Staaten, und ihr Repräsentant, der Ingenieur und Organisator Herbert Hoover, verbürgen die Fortdauer eines Zustandes, wobei die Trustherren Millionen Dollar verdienten und jeder Arbeiter nicht nur sein Huhn im Topfe sondern auch sein Auto in der Garage hatte. Umso fürchterlicher war die Enttäuschung, als kurz nachdem Hoover sein Amt angetreten hatte(im Frühjahr 1929) ein Börsenkrach, wie ihn die New Horker Börse noch nicht erlebt hatte, die Illusionen von der ewigen Prosperität zerstörte und die größt« Wirtschaftskrise aller Zeiten ins Land hereinbrach. Die Spekulanten verloren ihr ganzes Hab und Gut, die Großkapitalisten sahen ihre Riesengewinnc dahinschmelzen, die Farmer stöhnen unter den niedrigen Getreidepreisen und 10 Millionen Arbeiter sind arbeitslos. So hatte also ' Hoover, der gesagt hatte, daß noch nie in der Geschichte«in solcher, Wohlstand geherrscht habe wie in U. S. A., feine Versprechungen erfüllt! Auf das schwerste enttäuscht wandten . sich die Wähler von ihm ab und wählten sei- i nen Gegenkandidaten. Die Demokraten haben in dem nunmehr abgeschlossenen Wahlkampf die Schwierigkeiten Hoovers und seiner Partei geschickt ausgenützt. Ihr Hauptargument war, daß die Hochschutzzollpolitik der Republikaner-das Land ins Verderben geführt habe, womit sie nicht ganz Unrecht hatten. Hoover hat die amerikanischen Industriellen dadurch, zu schilt; zen gesucht, daß er Amerika sür die Einfuhr europäischer Jndustrieprodukte sperrt«, er hat die Farmer zu retten versucht, indem er die Agrarzölle erhöhte. Aber die Jndustriezötle haben die Industriellen ebenso lvenig gercttei, wie die Ländwirtschastszölle die Farmer. Durch den Hochschutzzoll hat Europa nach„ Amerika keine Waren liefern können, es konnte daher tveniger Agrarprodukte-(Getreide, Baumwolle) kaufen und auch seine Schulden nicht bezahlen, die es nur durch Warenexporte hätte begleichen können. So mußte sich Hoover zu einem Stillhalteabkommen der amerikanischen Glän biger mit den europäischen Schuldnern beqne men, damit nicht der Schuldner Bankers mache und die amerikanischen Banken nicht uni Herbert Hoover. Der bisherige Präsident der Bereinigte» Staaten. Gömbös Del Mussolini Budapest, 8. November.(MDH.) Astnister- präsident Gombös ist heut« um 19 uhr 45 Min. mit dem Triester Schnellzug in Gesellschaft des italienischen Gesandten in Budapest Prinzen Colonna nach Rom abgereist. New?)ork, 9. November. Der demokratische Präsidentschaftskandidat Roojede l t ist mit überwältigender Mehrheit zum Präsidenten der Bereinigten Staaten gewählt worden. Von den insgesamt 531 Wahlmännerstimmen erhielt Roosevelt 472, Hoover dagegen nur 59. För Roosevelt wurden 14,627.445, für Hoover 10,704.719 Ein- zilstimmcn abgegeben.'» venräseataiNendau» and Senat W a s h i n g t o n, 9. November...(Reuter.) Bis jetzt haben die Demokraten im Repräsentantenhaus 241 Mandat« und di« Republikaner 48 Mandate. 146 Mandat« sind noch unbestimmt. Die Demokraten haben von den zur Wahl stehenden 34 Senatssitze« bisher 25 erhal ten. Damit verfügen sie im Senat bereits jetzt Über 56 Sitze und haben 7 Stimmen mehr als zur einfachen Mehrheit erforderlich, ist.. Die Republikaner habe« bisher vier Sitze gewonnen. Ihre Stimmenzahl im Senat beträgt 34. AuS fünf Bezirken fehle« die Ergebnisse stoch.. Gewinne der Sozialisten. Stark beachtet wird das Anwachsen der sozialistischen Stimmen. Die Sozialisten dürsten ans eine Gesamtstimmenzahl von 1.5 Millionen kommen, während sie iw Jahre 1928 nur ein« Biertelmillion Stimme« auf sich vereinigtest. Hoover gratuliert! Hoover sandte noch des Nachts an feinen Gegner ein Glückwunschtelegramm folgende« Anhaltes: ,Lch beglückwünsche Sie aus Anlaß der Ihnen zuteil werdenden Gelegenheit, dem Lande dienen zu können. Ich wünsche Ihnen den größten Erfolg in der Verwaltung des Landes. Wie es unser allen gemeinsames Ziel ' ist, widme auch ich alle meine Kräfte, um Ihnen hiebei behilflich zusein!" Gezeichnet Herbert Hoover., „Nasse“ and„Trockene". New Hork, 9. November. Die Gegner der Prohibition rechnen mit mehr als 317 im Reprä sentantenhause und 50 Sitzen im Senat. Damit wäre die für eine Aenderung des Prohibitions gesetzes notwendige Mreidrittelmehrheit im lln- terhaufe zwch vorhandm, im Senate düäcaen 'sticht'.'’ Der neue Präsident. Der neye. Pkgfjheut^her.Vorenugteri.Staaten,. Franklin D- Roosevelt,.- bisher.. Gouverneur- des Staates New Jork, heißt mit seinem, vollen: Namen Franklin T.elano‘ Roosevc.lt und ist am 30. Jänner 1882 in Hyde Park im Staate New Jork geboren. Er ist ein Nesse des. ehemaligen Präsidenten der Vereinigten Staaten. Roosevelt. Er studierte, an der Harvard-Unidersitat,' besuchte' hierauf drei Jahre lang die Rechtsschule Columbia Law School und wurde im■ Jahre 1907 in den Verband der New Dörfer Advokaten ausgenommen. Im Jahre 1910 wurde er ist den Senat des Staates New'Kork gewählt. Als er im Jahre 1913 zum Gehilfen des Sekretärs im Märineministerium ernannt wurde, schied er aus dem Senate aus. In>> dieser neuen Stellung verblieb er während des ganzen Weltkrieges. Vom Julibis zum September 1918 war er Inspektor der amerikanischen Marinestreitkräfte ! in den europäischen Gewässern. Bon; Jänner bis j Feber 19}9: leitete er sodann die amerikanische Demobilisierung in Europa.. Im nächsten Jahre wurde er von den Demokraten^um Vizepräsidenten der Bereinigten Staaten erstaunt, Im Jähre 1928 wurde er zum Gouverneur, des Staates New Bork ernannt. Im November 1930 teilte der Staatsausschuß der demokratischen. Partei mit, daß dentokrätische Partei den Gouverneur Roosevelt ihren Kandidaten für die Präsidentschaftswahlrn Jahres 1932 aufstelle. Zur Wahl des Präsidenten entsendet jeder Staat der Bereinigten Staaten"von Nordamerika eine bestimmte Anzahl von Wahlinännern, welche der Zahl der Senatoren und Vertreter im Kongreß des betreffenden Staates entspricht. In der Praxis werden diese Wghlmämver durch direkte Abstimmung der Burger nach dem in Frankreich rtnter dem Namen„Scrutin de liste" bekannten Regierungserklärung angenommen. Prag, 9. November. Nach dreitägiger Debatte nahm heute abends das Abgeordnetenhaus mit den Stimmen der Koalition, denen nur ein kleines Haustein Oppositioneller gegenüberstand, deren Züge noch nicht abgefahren waren, die Programmerklärung zur Kenntnis, die der Chef des neuen Kabinetts am Donnerstag der Vorwoche vorgetragen batte. . Eingeleitet wurde Die heutige Debatte durch kiue sehr maßvolle und von dem Durchschnitt der agrarischen Reden wohltuend abstechende Rede Dr. 6 e r n Y s, der seiner Befriedigung Ausdruck gab, daß die Regierungskrise in demokratischer Weise gelöst wurde. Zur Erreichung des Budgetgleichgewichts müsse man im Budget herabsetzen, was herabzusetzen gehe, natürlich nicht einfach linear, und strengste Sparsamkeit einführen. Das gehe nicht ohne absolute politische Loyalität der einzelnen Parteien. Er begrüßt cS wärmstens, daß biß Budgetzusammenstellung durch die Errichtung der neuen Budget-Siebenerkommission auf eine neutral« Basis gestellt wurde. Für die Landwirtschaft verlange sein« Partei angeblich nichts anderes, als daß der Bauer nicht gezwungen werde, Haus und Hof zu verlasst». Eine sehr peflimistische Rede hielt Dr. Hodaö (Nat.-Dem.). Das vorausgesagte Budgetdefizit von .1150 Millionen werde noch um weitere 630 Millionen aus der Wirtschaft außerhalb des Etats vergrößert werhen. Die Staatskasse weise derzeit ein Kassendefizit von 1200 Millionen auf, das bis Ende des Jahres auf anderthalb• Milliarden anwachsen dürfe; dieses Defizit werde vorläufig nur durch Anleihen bei Banken, und dntch kUrzfristfgc Kreditoperatiouen bei brr Rationalbank durch Vermittlung der Postsparkasse und der Landesbank gedeckt. Zumindestens ein Teil müßte aber wirklich abgetragen, werden. Mindestens,.zwei Milliarden müßten durch Einsparungen oder neue Einnahmr- quellen gedeckt werden. Auch die Lage unserer Wirtschaft sei sehr trist, da wir mit unserer Ausfuhr auf stark überschuldete Staaten angewiesen sind. Seit 1929 ist bei uns das Nationaleinkommen um 40 Milliarden jährlich gesunken. Jede neue Ein- nahmsquelle würde schon die Bermögenssubstanz treffen, von der wir jetzt schon zum Teil leben. Es blieben also lediglich Ersparungen im Budget übrig. Dobransky(Ung. Christlichsoz.). und BrLko fisch. Soz.-Dcm.) befasse» sich mit slowakischen Fragen. Letzterer wirft den Hlinkalcuten vor, daß ihre Politik nur eine Stärkung der irredenfistischen Bemühungen hei unseren Nachbarn bedeute. Hru- üovsky(Nat.-Soz.) hält den Hlinkaleuten vor, daß sie gerne in die Koalition zurückmöchten, daß für sie aber nach dem Fall Tuka eine gewisie Onaraiitänc- zrit unvermeidlich sei. Rajman, der frühere Eisenbahnminister,, sammelte durch unfreiwillige Komik eine stattliche Anzahl von Zuhörern um sich. Er erzählte ihnen die alte Geschichte, wie unter seiner glorreichen Leitung die Staatsbahnen floriert hätten, während der abgetretene Beamtrnminister in acht Monate« ein Defizit von 1.1 Milliarden hinterlaßen habe. Auch tat sich Rajman viel darauf zugute, daß Hüla in seinem Dienstauto noch ein paar Kilometer mehr zurückgelegt habe als Rajman. Rach einem. kleine» Scitenhieb auf die angeblich so hohen Gehalte der Krankenkasienbcamte« verteidigte er Yen} ausgesprochenen Luxusba» des neuen Eisenbahnministeriums usw. usw. Der letzte Redner, der Kommunist Hruby, der ebenso wie früher Stötka donnernd« Phrasen Wort für Wort vom Papier herunterlaS, wollte augenscheinlich durch Ueberschreitung der Redezeit die Wortentziehung erreichen. Es gelang ihm aber nicht. Das volle Haus, das sich längst zur Abstimmung versammelt hatte) schenkte seinen pathetischen Ausrufen an die sozialistische Jugend, zu den Kommunisten überzugehen, nickt die geringste Auf- ruerksamkeit. Nach der Abstimmung wurde noch eine Er--, satzwcchl in den Stündigen Ausschuß für Malh- petr vorgenomneen. An seine Stelle rückt Abg. Beran vor, zu dessen Ersatzmann Doktor 6.er n y gewählt-wurde. Die Kommunisten hatten wieder einige Anträge cingebxachi, deren Ablehnung sie mit. Zwischenrufen begleiteten. Ein tschechischer Genosse machte sie darauf aufmerksam,.daß sie, als einer dieser Anträge im Jnitiativausichuß Verhandelt werden sollte, es nicht einmal der Mühe für inert erachteten, im Ausschuß zu erscheinen. So wemg Gewicht legen sie also selbst auf derlei Anträge! Nächste Sitzung eyft Donnerstag, den 17. November um 15"U$i? Seite 2. Donnerstag, 10. November 1932 Rr. 265 ihr ganzes Geld känien. Der Versuch Hoovers durch eine großangelegte Kreditausweitung die Rohstoffpreise zu halten und die Wirtschaft anzukurbeln, ist trotz der enormen Summen, die dieser Versuch kostete(drei Milliarden Dollar i. gl. hundert Milliarden Lh nach wenigen Wochen mißlungen, auf den Farmen häufen sich die Vorräte, die nicht verkauft werden können, die Farmer gehen zugrunde. Amerika begann immer mehr zu erkennen, daß der stolze Grundsatz:„Keine Einmischung in europäische Angelegenheiten" falsch und daß das Schicksal Amerikas mit dem Europas eng verbunden sei. Verarmt Europa, so verelendet der amerikanische Farmer inmitten seiner unverkauften Getreidevorräte, er kann nichts mehr kaufen, die Industrie muß sich einschränken, der Arbeiter wird arbeitslos. So ist die republikanische Politik an allen Fronden zusammengebrochen, Millionen von enttäuschten Wählern sind mit fliegenden Fahnen ins Lager der Demokraten fibergegangen. All diesen großen Schicksalsproblemen der Bereinigten Staaten gegenüber hat die Prohibition im Wahlkampf eine große Rolle gespielt. Wohl ist es möglich, daß durch den Sieg der alkoholfreundlicheren Demokraten die Vorschriften über das Verbot der Alkoholerzeugung und-Einfuhr werden gelockert werden, aber da das Moholverbot ein Bestandteil der amerikanischen Verfassung ist, ist es zu einem vollen Sieg der„Nassen" über die „Trockenen" noch weit. Den Kandidaten der beiden großen bür gerlichen Parteien stand ein dritter Wahlwerber in der Person des Sozialisten Thomas gegenüber. Während auf Roosevelt etwa 14.6 Millionen Urwählerstrmmen entfielen, auf Hoover 10.7 Millionen, hat Thomas nur 1.5 Millionen Stimmen auf sich vereinigt. Das ist, gemessen an den Stimmen, welche für die bürgerlichen Parteien abgegeben wurden, gewiß nicht viel. Immerhin zeigt es sich,'daß es auch in den Vereinigten Staaten eine zwar kleine, aber doch immerhin festgefügte Arbeiterbewegung gibt, denn wer angesichts der Wahlpropaganda der bürgerlichen Parteien und der Aussichtslosigkeit für den Sozialisten, »gewählt zu werden, für Thomas gestimmt hat, ist ein wirklich klassenbewußter Sozialist. Die amerikanischen Arbeiter und Bauern spüren zwar die Wirkungen der Wirtschaftskrise schmerzlich. Aber ihre Mehrheit glaubt noch immer, nicht der Kapitalismus, sondern Hoover sei daran schuld, wenn es ihnen nicht besser gehe. Erst bis die Mafien des amerikanischen Volkes erkennen werden, daß die Demokraten ebenso eine bürgerliche Partei sind wie die Republikaner und Roosevelt die herrschende Wirtschaftsordnung mft dem Trustveichtum auf der einen und dem Arbeiterelend der amerikanischen Großstädte auf der andern Seite ebenso wenig antasten werde wie Hoover— dann erst wird die Stunde des Sozialismus in dem größten Jnduftrielande der Welt und damit der endgültige Triumph des Sozialismus über den Kapitalismus gekommen sein. llmmcdei und uemo Kralle in Europa. Di« Debatte über das Benes-Expose. Prag, 9. November. In der heutigen Sitzung des Senatsausschusses sprach zum Exposs Minister Dr. Ben ess Genosse Dr. Heller: Mit vollem Recht hat der Minister Dr. Benes als das bedeutsamste außenpolitische Ereignis es bezeichnet, daß Deutschland die Abrüstungskonferenz verlasse» hat. Denn gerade das hat di« Abrüstungsaktion noch schwieriger gestaltet. Deutschland fordert vollste Gleichberechtigung, ohne daß es klar ausspricht, ob«s st« m der allgemeinen Abrüstung oder in der allgemeinen Aufrüstung steht. Ich bin sicher, daß di« derzeitige Regierung in Deutschland eher anfrüsten denn abrüsten will. Ich glaube, daß es viel weniger ein Konflikt zwischen Deutschland und Frankreich oder zwischen Frankreich und Italien ist, der den europäischen Frieden bedrohen könnt«, alS vielmehr das Problem Deutschland—Polen, die Frage des Korridors. Tatsache ist, daß«in Volk, wie dar deutsch«, sich diesen Zustand der Zweiteilung auf di« Dauer nicht gefallen läßt und gefallen lassen kann; darüber sind sich alle, von den Kommunisten bis zu den Hakenkreuzlern, einig, da gibt es keinen Unterschied im deutschen Volk. Ich fürcht«, daß die Lösung der polnisch-deutschen Frag«, wenn sie einmal kommen wird, auch zu spät kommen wird. Ich gl«nb« nicht daran, daß der Abschluß«iueS Konsulativpaktes mit Abrüstung und Sicherheit unter Offen lasfang dieser brennendsten Wunde am europäische« Körper de» Friede« sichern kann. Die Konstatierung des Ministers in seinem Bericht, daß seine Politik dem Frieden diene, nehmen wir mit Befriedigung zur Kenntnis, wir haben auch keine Ursache, daran zu zweifeln. Mit Recht hebt der Minister die große Bedeutung des Beitrages von Lausanne hervor, wenn ich auch glaube, daß seine Anschauung nicht voll zutrifft, daß dieser Vertrag zu einer Belebung der Wirtschaft geführt hat. Der Vertrag von Lausanne ist aber zu spät gekommen und er hängt ja übrigens von der Entwicklung der Verhältnisse in Amerika ab. Ich kann mir heute noch kein Bild machen, wie sich die neue Regierung in Amerika zur Frag« der Kriegsschulden- streichung verhalten wird. Zweifellos wird der Sieg der Demokraten Erleichterungen auf wirtschaftlichem Gebiet bringen Ennen, wenn die Demokraten die Hochschutzzölle abbauen, was die erst« Voraussetzung für den Abbau der Zoll«auch bei uns wäre. Im übrige« glaube» wir, daß ans die Däner der Frieden durch Verträge nicht gesichert werd«« kau». Di« Grundlage des Friedens bildet für n«S der Sieg des demokratische« Gedanken» überall in Europa. Es ist kein Zufall, daß der Frieden umsomehr bedroht wird, je mehr Länder stch vonder Demokratie abwenden. Gerade als Deutsche könne« wir nur mit tiefstem Schmerze die E n t w i ck- Weiße Zahne: Chlorodont lung in Deutsch!and betrachten. Wenn aber der Minister in seinem Exposä auf diese Entwicklung hinweist, hätte es die Gerechtigkeit erfordert, festzustellen, daß die gleich« Entwicklung in anderen Staaten vor sich gegangen ist, die der Tschechoflo- wakei viel näher sind, die nicht ihr«„Nachbarn", sondern ihre Freunde sind, daß die Verhältnisse in Jugoslawien oder Rumänien sich von denen in Deutschland nicht viel unterscheid«». Ich will mich mit den Ausführungen des Herrn Ministers über die WirfichaftSfragen, besonders über die Konferenz von Stresa und die kommende Weltwirtschaftskonferenz, nur kurz befassen, weil hier alles noch im Werden ist oder, wie ich befürcht«, im Nichtwerdrn. Wie die Stresa- konferenz vom Europakomitee in Europa behandelt wurde, macht den Eindruck eines Begräbnisei erster Klasse. WaS die künftig« Weltwirtschaftskon- ferenz anlangt, so kann ich meinen Skeptizis- m u S nicht unterdrücken. ES ist möglich, daß nach Erschöpfung der Vorräte die Krise abflauen, ein« cheinbare Konjunktur eintreten wird. Aber ange- sichts der völligen Desorganisation der Wirtschaft, angesichts der Rationalisierung, deren Folgen durch keinerlei Maßnahmen gemindert werden, wird die Krise immer latent bleiben, di« Zahl der Arbeitslose« immer eine hohe sein, werden immer zahlreichere Mittelschichten in Industrie und Landwirtschaft proletarisiert und die sozialen Klassenunterschiede immer größer und aufreizende« werden. Es ist heut« nicht mehr di« Ueberzeugnng der vielgeschmähten Sozialisten und Marxist,« allein, sondern di« Urberzeugung reicht instinktiv weit in di« Kreise des Bürgertum», bewußt weit in die Kreise der Wissenschaft, daß di« bestehend« Wirtschaftsordnung nicht aufrecht zu erhalten ist. Wir find davon durchdrungen. Aber wir sind auch bereit, am Uebergang, an einer neuen, planmäßigen Ordnung mit demokratischen Methoden, wie sie allein in Mittel- und Westeuropa möglich sind, mitzuarbeiten. Da wir gewillt sind, auf dem Wege zur Organisierung des Friedens und zur Abrüstung zu gehen, da wir überzeugt sind, daß es dem Minister damit ernst ist und da wir bis auf einig« schon erwähnte Maßnahmen auch seine Methopcn billigen, nehmen wir den Bericht zustimmend zur Kenntnis. SfraOcngefoN in Senk Maschinengewehre m Tätigkeit. Genf, 9. November. Die Union Nationale, eine bürgerliche Partei, die sich erst vor kurzem in Genf gebildet hatte, veranstaltete heule abend im Gemeindesaal von Plainpalais eine Versammlung, um öffentlich gegen di« Nationalräte N> e o l und Dicker zu protestieren. Unterdessen sprachen auf der Straße die Nationalräte Nicol und Tronchet. Gegen 9 Uhr wurden von der Menge die Absperrungen durchbrochen, so daß Polizei einschreiten mußte. Die Demonstration artete zu einem Aufstand aus. Als die Kompagnie der Jnfanterierekrutenschule auf Ersuchen der Polizei eintraf, wurden di« Soldaten angegriffen, zahlreiche Rekruten wurden in die Meng« gerissen und geschlagen, die Gewehre wurden ihnen entrissen und auf der Erde zerschlagen. Die Soldaten zogen sich noch dem Boulevard de Pont d'Orve zurück und schossen mit Maschinengewehren, als sie sich umzingelt sahen. Di« Erregung steigert sich immer noch. Nach den letzten Meldungen zählt man bis jetzt drei Tote und fünfzehn Schwerverletzte. Frankreichs Wirtschaftslage hoffnungsvoll? Paris, 9. November. Ministerpräsident Her- riot hielt in der Sitzung des Bottswirtschaftsrates, dem Beratungskörper der ftanzösischen Industriellen und Bottswirtschaftler, eine Rede, m der er sich hoffnungsvoll über die gesamte Wirtschaftslage Frankreichs aussprach. Die Ar- heitslofigkeit, sagte er» sei im Rückgang begriffen und es sei zu hoffen, daß es, besonders wenn die gemeinsamen Anstrengrmgen verdoppelt würden, bald zu der lang erwarteten Belebung und Besserung der Lage kommen wird. Noch ein Reldistagsmandai. Für die Bayerisch« Bolkspartei. Di« Bayerische Bolkspartei t«ilt mit, daß sie noch«in 20. M a n d a t im neuen Reichstag erhält auf Grund der Reststimnten der Wirtschaftspartei in den außerbayerischen Wahl- kvefien, die ihr auf der Reimslfite zugutekommen. Abrüstungsvorstoß der französischen Genossen. Paris, 8. November. Die sozialistische Kammerfraktion hat den Abgeordneten Reynaud beauftragt,. die Regierung über die kürzlich beschlossene Inangriffnahme des Baus des 26.500 Tonnen Linienschiffes„Dünkirchen" zu interpellieren. Das neue Linienschiff soll die Antwort auf den Panzerkreuzer „Deutschland" darstellen. Die Fraktion hat ferner beschlossen, in 24 großen Provinzstädten Dorträge zur Verstärkung der Kampagne für die Abrüstung zu veranstalten. Zusammenhruth des Koiuinoentsysteins in Dentsdiiand. Statt dessen Gleitzölle. Berlin, 9. November.(Tsch. P.-B.) Da die Einführung von Einfuhrkontingenten für landwirtschaftliche Produkte, wie ursprünglich vorgesehen war, auf groß« Hindernisse gestoßen ist, denkt man jetzt an die Einführung sogenannter Gleitzölle. Nach diesem neuen Plane würde der Reichsernährungsminfiter gemeinsam mit dem Finanzminister ermächtigt werden, Zölle auf landwirtschaftliche Produkte je nach dem zeitlichen Stand ihrer Preise zu ändern. Die Neuregelung dieser Zölle würde für Holz, Speck, Fett, Rindvieh und Eier in Betracht kommen und dies mit Anfang des nächsten Jahres, weil die bisherigen Verpflichtungen hinsichtlich der Zollhöhe für die'e Arten von Waren nach Ablauf der Kündigungsfristen für di« Handelsverträge mit Schweden und Jugoslawien entfallen. Die landwirtschaftlichen Kreis« fordern, daß der Masseneinfuhr dieser Warengattungen vor der Wirksamkeft der neuen Zollsätze durch die vorläufige Kontingentierung ihrer Einfuhr verhindert werden soll. Ueber die Einführung von Gleitzöllen für weitere landwirtschaftliche Erzeugnisse wird noch mit einer ganzen Reihe von Staaten verhandelt werden. Gas Herz In den Hosen: Ern Naziminister aus dem Rückzug. Oldenburg, 8. November. Der deutschnano- nale Bürgermeister von Eutin, Dr. Stoff- re gen, der dieser Tage von dem Nazi-Regierungspräsidenten in Eutin mit Gewalt feine? Amtes enthoben wurde, fit von dem oldenbui- gischen Nazi-Ministerium am Dienstag miede' eingesetzt worden. Stoffregen hatte der diazireyieruna e'J-, Ultimatum gestellt und mit der Beschwerde den Reichsinnenminfiter gedroht. Diese Drohun hat die Nazihelden und Naziminister zu der Rückzug veranlaßt. In der Nacht zum Dienste erhielt der Nazi-Regierungspräsident den tel graphischen Befehl, dre Forderung des Bürge Meisters von Eutin zu erfüllen. Inzwischen t Stoffregen gegen den Nazi-Regierungspräsidc ten in Eutin Strafantrag wegen Freiheits b«raubung und Wttgung gestellt. Ansteigen der Arbeitslosigkeit ii Oktober. Ende September 406.935, Ende Oktober 524.171 Arbeitslose. Das Ministerium für soziale Fürsorge gibt soeben das vorläufig« Ergebnis der bei den Ärbeitsvermittlungsanstalten gemeldeten nicht untergebrachten Stellenbewerber für Ende Oktober dieses Jahres bekannt. Danach beläuft sich die Armee der Arbeitslosen auf 524.171, was gegen den September, wo di« endgültige Ziffer 486.935 betragen bat,«in« Zunahme von 37.236 bedeutet. Wie sich die Dinge im kommenden Winter entwickeln dürften, darüber belehrt ein Vergleich der Entwicklung der Arbeitslosigkeit im Herbst des vorige» Jahves und im Herbst des heurigen Jahres. Im September 1931 betrug die Anzahl der Arbeitslosen 227.346 und stieg bis Ende Oktober auf 253.341. Die Zunahme betrug also 25.995. Dre Zunahme der Arbeitslosigkeit im Oktober ist eine natürlich« Erscheinung, die sich daraus erklärt, daß sowohl die landwirtschaftlichen als auch die Bauarbeiten im Herbst aufhören und di« in diesen Produktionszweigen beschäftigt gewesenen Arbeiter die Zahl der Arbeitslohn nun vermehren. Beachtenswert ist, daß die Zahl der Arbeitslosen im heurigen Herbst doppelt so hoch ist als im vorigen Jahre, daß also der Schluß nahe liegt, die Höchstziffer des Vorjahres werde heuer weit überschritten weroen. Im Vorjahre betrug die Anzahl der Arbeitslosen im Oktober, wie bereits vermerkt, 253.341 und stieg dann den ganzen Winter bis März an. So weist der November 1931 336.758 Arbeitslose auf, der Dezember 485.414, der Jänner 1932 582.059, d«r Feber 630.640 und im März wurde mit 632.878 die Höchstzfifer erreicht. Wenn heuer dieselbe Entwicklung stattfindet, so müßten wir in den ersten Monaten des nächsten Jahres auf ein« Arbeits- Eigenlob Beliess wegen seiner Verdienste um die Minderheit««. Prag, 9. November. Im Außenausschuß des Abgeordnetenhauses wurde erst heute die außenpolitische Aussprache zu Ende geführt. Den Minister, der der gleichzeitig stattfindenden Debatte im Senätsausschuß beiwohnte, vertrat Dr. Krofta, der in einem kurzen Schlußwort die Befürchtungen zu zerstreuen suchte, als ob das Exposee des Ministers alarmierend hätte wirken können und den Krieg bereits als vor der Tür stehend bezeichnet hätte. Dr. Benes habe lediglich erllärt, daß eine Kriegsgefahr vorhanden wäre, wenn nicht allseits eine vernünftige Politik befolgt würde. Heute wurde auch das gestrige Schlußwort B e n e«'s ausgegeben. Er sucht darin den Nachweis zu führen, daß die Abrüstung seit 1921 tatsächlich um ein gutes Stück vorwäÄs gekommen sei, und nimmt den Völkerbund in^utz: Nicht dessen Politik sei zu krittsieren, sondern die Politik der einzelnen Staaten, die chn bilden. Wegen seiner Haltung in der jüngsten Minderheitendebatte in Genf würde er eher Lob verdienen, weil er sich darum kümmere, daß die Minderheiten überall gleich geschützt und unter- tützt würden, wie es b^ i uns(?) der Fall ei. Er habe immer behauptet, es sei Aufgabe >es Völkerbundrates, eine vernünftine Zu- ammenarbeit zwischen der Mehr- heit und der Minderheit zu erzielen. Wenn di« Mehrheit nicht Richter in Minderheitenfragen sein sollte, dann dürfe sich auch die Minderheit nicht zum Richter über di« Mehrheit aufwerfen. Er werde immer für ein« freundschaftliche und loyal« Zusammenarbeit «intreten, aber er stelle fest, daß man in der Welt bisher wenig solche Beispiele finden würde, wie eS b e i u n s hinsichtlich der Zusam- losenziffer von weit über ein« Million kommen. Allerdings dürft« die Vergrößerung der Arbeitslosenarmee durchaus nicht in diesem Maße erfolgen. Darauf läßt folgendes schließen: Di« Zunahme der Arbeitslosigkeit betrug im Oktober 1931 25.995»' im Oktober des heurigen Jahres 37.236, die Zunahme ist also Heuer absolut größer, aber im Verhältnis zu der Gesamtzahl d«r Arbeitslosigkeit etwas kleiner, denn sie müßt«, gemessen an der vorjährigen Ziffer, doppelt so groß sein, weil ja auch di« Zahl der Arbeitslosen doppelt so groß ist. Di« Zunahme betrug aber nicht das Doppelt«, nämlich 50.000, sondern nur 37.000. Allerdings fit daS ein schwacher Trost und di« Höchstziffer dürft« sich in d«n ersten Monat«« des nächst«« Jahres sicherlich zwischen dreiviertel und einer'Million bewegen. Die Bekämpfung der Arbeitslosigkeit wird angesichts dieser erschreckenden Ziffer zu einer der wichtigsten Aufgaben der Staatspolitik. Es ist höchst« Zeit, daß di« Vorlage über den NotfondS Gesetz wird, daß di« produktive Arbeitslosenunterstützung weiter betrieben werde und daß die Ernährungsaktion weiter vor sich geht, damit die Menschen den Winter über am Leben erhalten werden und nicht verhungern und erftieren. * Gleichzeitig wird die Entwicklung der Arbeitslosigkeit im Oktober im Deutschen Reich bekanntgegeben. In Deutschland betrug die Zahl der Arbeitslosen Ende September 5,103.000, Ende Oktober 5,109.000,«S ergibt sich also eine geringfügige Zunahm«. menarbeit zwfichen Minderheit und Mehrheit der Fall sei. Die Beschwerden der Politfichen Parteien würden zu 80 Prozent nicht als national«, sondern als Parteibeschwerden gemacht. Parteiforderungen und natwnale Forderungen decken sich oft nicht. Wenn jemand Beschwerden hat, dann möge er sie nicht übertreiben und die Dinge vernünftig bewert«». Es müsse auf beiden Seiten guter Wille und Verständnis vorhanden sein. Der Direktor des Internationalen Arbeitsamtes in Prag. Prag» 9. November. Donnerstag, den 10. November, früh um 7.50 Uhr wird der Direktor deS Internationalen Arbeitsamtes in Genf, H. But- l e r, aus Warschau kommend m Prag eintreffen. Zweck seines Besuches sind wichtige Beratungen mit den Mitgliedern der Regierung und den Repräsentanten der Angestellten- und Arbeiterorganisationen über das internattonale Programm auf dem Gebiet« der Sozialpolitik. Während seines Aufenthaltes in Prag wird Direktor H. Butler einen Vortrag über das Thema„Soziale Gesichtspunkte der Weltkrise" halten. Der Vortrag findet Donnerstag, den 10. November, um 19.30 Uhr im Sozial-Jnstitut im Gebäude des Ministeriums für sozial« Fürsorge statt. Direklor H. Butler wird außerdem in französischer Sprache Freitag, den 11. November, um 21.15 Uhr im Rundfunk sprechen, so daß die breitere Oeffentlichkeit Gelegenheit haben wird, sich mit d«n neuesten Aufgaben aus dem Gebiete der sozialen Fürsorge bekannt zu machen. Wt. 265 Donnerstag, 10. November 1932 Seite ö. » * ujke von uw Und sie liegt nachts neben Martin nie Vnnte ich sein ohne dich. Immer wirrer wird da» dunkle Knäuel ihrer Gedanken.-,Was ist mrt dir, Gilgi?" fragt Martin. Unruhig ist er. War froh und zufrieden, solange sie ihm nur Spielzeug und Zeitvertreib war— jetzt hat er sie lieb, und mit dem stärkeren Gefühl kommen Unsicherheit, Zweifel und Mißtrauen.„Gilgi, was ist mit dir — wo warft du heut«— hast du mich nicht mehr lieb— bin ich dir zu alt— gefällt dir ein andrer—" „Sei still, Martin, sei still— oh, mein Gott — wie kannst du sowas sagen?" Er legt ihr die Hand auf den Arm— braucht sie nur anzufaflcn, gleich ist die Haut wie versengt— eine steile, nein« Stichflamme brennt aus jeder Berührung. Sie legt ihm den Arm um den Nacken—„w:e kannst du nur riveifeln, daß ich dich liebe." Bon der dunklen Schwere ihrer Gedanken dringt etwas in ihn hinein— er wehrt sich dagegen—„hab' keine Ruhe mehr, Gilgichen, halt es doch nun mal nicht solange aus an einem Ort— laß unS fortfahren, du—" w&o— Martin— ja." Sie weiß gar nicht mehr, was sie spricht— fühlt nur noch sein Haar, seinen Mund, seine Glieder—„fortfahren— Maxtin— du" Worte sterben. Kaum eingeschlafen— wacht Gilgi wieder auf. So heiß ist's im Raum— und die Lust so schwer— zum Ersticken. Warum schlaf« ich denn nicht— ich will doch schlafen. Warum hab' ich denn keine Ruhe? Ich halt« das nicht mehr aus. Was— ist— denn— nur— mit— mir? Und Gilgi steht langsam auf, tappt durchs Dunkel ins Nebenzimmer— schließt leise die Tür hinter sich, damit Martin nicht auswacht. Okffnet das Fenster, starrt in di« kühle, schwarze Lust— Preßt die Hände gegen die Brust— was ist denn mrt mir? Warum habe ich kein« Wort«— für Martin— und für mich auch nicht?— Da sind zwei Schichten in mir— und die obere, di« diktiert— alltägliche Worte, alltägliche Handlung— kleines Mädchen, kleines Maschinenmädchen, kleines Uhrwerkmädchen— drunter di« untere Schicht— immer ein Wollen, immer ein Suchen, immer Sehnsucht und Dunkel und Nichtwissen— kein Wissen um Wohin— kein Wissen um Woher. Em Denken ohne Worte, ein Wissen hinter den Worten— ein Wachsein im Schlaf— hinter Lachen ein Weinen die undurchschnitten« Nabel schnur— Band an di« dunkle West. Und die grau« Welt und die helle Welt kennt man und weiß man— und die dunkle Welt wollte man nicht wahr haben und versucht, sie immer noch fortzulügen. Aber sie ist da— für jede— jeden. Und einer sagt Leid und einer sagt Schmerz und einer Verbrechen— Schmutz— oder Gott— kein Wort trifft zutiefst hinein. Was— bin— ich — denn nur? Alles Böse und alles Gut«— das ist ein Mensch— das Traurigste und Lächerlichst«— ein Mensch. Das Verschlossenste und Bereiteste— ein Mensch. Und Krieg und Frieden — das ist«in Mensch— und Mordbegier und Mariawunsch, gu gebären— ein Mensch. Fremdestes senkt sich in dich hinein, läßt Eigenstes auf. stehn— in dir, in dir— alles in dir— alles, alles, alles in dir. Und was dein Gedanke will, lieht dein Körper— und was dem Körper liebt, will dein Gedanke. Ist eine steile Flamme, das blasse Mädchen— hat Augen, die sprechen, Augen, di« schreien— ist ein« wie alle— weih diel von sich, weiß nichts von sich. Brennt im Blut, brennt im Hirn— brennt, brennt, brennt. Ruhelose Glieder— Sehnsucht nach Fleisch— ruhelos« Hände— Sehnsucht nach Fleisch— nach Fleisch, das lebt, Fleisch, das atmet, Fleisch, das denkt... Aweigespaltenes Ich— tausendgespal- tenes Ich. Ich— heutiger Pflichtwunsch nach dem Wir. Ich— ewiger Schrei nach dem Du—| und alles andre— nicht wahr... leg' die dia- Wanten« Lüge der Scham über dein« dunkle Welt leg' die golden« Lüge dcS Willens über«ine dunkle Welt— leg' die silbern« Lüge des Dich» bescheiden- über deine dunkle Welt— leg' tue eiserne Lüge der Alltagsverbundenheit über deine dunkle Welt— leg' die grünspanen« Kupferlüge der Feigheit— nicht— über deine dunkle Welt... Mittagskonzert vom Westdeutschen Rundfunk. Schallplatten:... wenn du mal in Hawai bist— und wenn dann grade Mai ist— und wenn dein Herz dann frei ist... Ein bißchen viel verlangt —- dieses Zusammentreffen mehrerer unalltäglicher Zufälligkeiten— findet Gilgi und ist im übrigen damit beschäftigt, Martins Strümpfe zu stopfen. Si« muß das heimlich tun— wenn er gerade mal nicht da ist.„Lieber lauf ich barfuß herum, ehe ich dich solch widerliche Arbeit machen Hitler koalltionshereit? Berlin, 9. November. In nationalsozialistischen Kreisen wird, wie verlautet, an die Auf- twhm« politischer Beratungen mit den einzelnen Fraktionen gedacht, welche bei der Bildung-er «tuen Reichsregierung in Betracht kämen. Das Bestreben Hitlers ist, die Person des gegenwärtigen Kanzler- dabei zu umgehen. Bei dem Drängen der Nationalsozialisten nimmt man an,--aß Hstler nicht mehr auf seiner bisherigen Forderung beharrt, daß ihm das Kanzleramt zufalle. lasse," hat er neulich gesagt. Er soll auch nicht wollen, daß sie das tut— gerade darum tut man'- gern... Es klingelt. Langsam geht Gilgi zur Tür. Oeffnet.„Hans— du?" Der steht da mit weißem, verzerrtem Gesicht. Worte. stürzen auf Gilgi ein— hier und da fängt sie«ins auf —„... einen Wechsel gefälscht— für die Kinder — nicht anzeigen, wenn Äs heute abend das Geld da— sonst— Hertha— keine Ahnung— Gefängnis" „Wieviel brauchst du?" ,»Zwölfhundert Mark——— und keinen Menschen— überall gewesen— war doch nicht Leichtsinn" War sicher nicht Leichtsinn. GW nickt. Ist wie betäubt. Denkt an die tapfere blonde Frau — die kleinen Kinder— das Zimmer— alles— Ihr dämmert plötzlich, daß sie von sich nichts gesagt hat, daß der Hans glaubt, sie war' verheiratet— es ginge ihr gut, die schöne Wohnung gehörte ihr... und soll man jetzt erklären? Bin ja selbst arm, Hans... Immer Worte,! Arbeiter, aulgepaOt! Noch allen Arbeitern ist der Bergarbeiterstreikputsch in Erinnerung, den die Kommunisten in trauter Gemeinschaft mit den Nazis vom Zaune brachen. Es war ein politischer Streik, ein Streik gegen die Gewerkschaf- te n. Was sich soeben in Berlin ereignete, ist da- genaue Gegenstück zum nordwestbohmischen Streikputsch. Di« Folgen sind für die Arbeiter allerdings noch viel verhängnisvoller: 2800 Berliner Berkehrsarbeiter liegen auf dem Pflaster! Der Berliner Streik wurde begonnen zu einer Zeit, da di« Verkehrsgesellschaft eine Gelegenheit zur Entlastung überzähliger Angestellter suchte; er wurde begonnen, um die Wahlaussichten der Kommunisten zu erhöhen und wurde, da er zugleich«in Streik gegen die Sozialdemokraten und gegen die Gewerkschaften war, von den Nazis unterstützt. Der„Sozialdemokratische Prestedienst" schreibt, über den Streik unh-seine Folgen ,^,-a.r „Es kam so, wie«S kommen müßte.' Der Streik ist elend zusammengebrochen— weil die kommunistisch-nationalsozialistische Streikfront zu allem fähig war, nur nicht zur Führung eines Streiks. Krach, Klamauk, Gewalttätigkeiten unschmutzige Beschimpfung: auf all da- verstand sich die Nazi-Kozi-Front ganz ausgezeichnet. Allein zur Führung eines Streiks gehört schließlich auch noch etwas moralische Qualität. DaS Gegenteil von Moral— ein« Gewissenlosigkeit, ein Verbrechen war der Streik, Di« Berliner Verkehrsarbeiter wurden, nur weil di« Wahl vor der Tür stand, in ein Experiment hineingehetzt, obwohl über diesen Arbeitern schon seit langem daS Damoklesschwert der Entlassung schwebt. Die Nazi-K^i-Front hat der neuen Leitung der Berliner BerkehrSgesellschaft mit dem Streik nur einen Gefallen getan. Jetzt, wo der Streik zusammengebrochen ist, rast der Angstruf „2500 BBG-Arbeiter entlasten!" durch di« Berliner Presse. Ende mit Schrecken! Di« BVG will die Gelegenheit benutzen, um ihren Betrieb„rentabel" zu machen. Nach ihrer Auffassung ist ein bestimmter Prozentsatz ihrer Arbeiter und Angestellten längst überzählig, Ohne Zweifel wären bei der BVG, wenn sie ein Privatbetrieb wäre, längst Tausende von Arbeitskräften abgebaut worden. Wenn das nicht geschah, dann nicht zuletzt deswegen, weil bisher in der BVG Sozialdemokraten immer wieder aus sozialen Gründen nicht die brutalen Rentabilitätsberechnungen ausschlaggebend sein ließen. Heute sitzen diese Sozialdemokraten nicht mehr in der Leitung hei BVG. Heute weht dort ein anderer Wind und was für ein Wind, das müsten jetzt die Berliner Verkehrsarbeiter am eigenen Leibe sehr schmerzlich verspüren. Dieselben Herrschaften, die durch ihren dämlichen Streik die Verbindlichkeitserklärung eines Lohnabbauschiedsspruchs erzwungen und damit den Gewerkschaften die Hände gebunden haben, brüsten sich jetzt mit dem, waS die Gewerkschaften in mühseligen Verhandlungen für die BVG-Arbeiter herausholten. Di« Gewerkschaften haben den Lohnabbau bis auf 2 Pfennig heruntergedrückt. Sie haben den Manteltarifvertrag verlängert, und wenn die Kommunisten und Nationalsozialisten nicht mit ihrem Streik dazwischen- gefuhrwerkt hätten und den Getverkschaften die BerhandlungSfreiheit geblieben wäre, dann wären nach Lage der Dinge noch einig« Verbesterungen durchqedrückt worden. Vor allem aber Ware mchl die Gefahr der Mastenentlastung heraufbeschworen worden. Sie zu vermeiden, war von Anfang an mit ein Hauptgrund für die Zurückhaltung der Gewerkschaften. Aber so ist eS nun einmal bei unS in Deutschland: die Schr>r I.aben, seitdem Teile der Arbeiterschaft auch noch durch die Hitler-Schwadro- neur« verrückt gemacht worden sind, leider immer immer Worte, immer mit Worten helfen wollen. Nein, nein, man muß zusammenhalten— einmal muß man sich beweisen, einmal darf man nicht an sich denken, einmal nicht. Cs gibt doch auch heut» noch Taten, muß doch auch heute noch Taten geben.Und sie sieht das häßliche kleine Kind und spürt körperlich gegenwärtig den vertrauenden Druck des silberblonden kleinen Kopfes gegen ihre streichelnde Hand—„ach Gilgi— ich komm« mir vor— so gemein— so erbärmlich — ich will gehn— wie kann ich dich bitten..." „Sprich nicht mehr Hans. Hans, geh' nach Haus«— bis heute abend bringe ich dir das Geld."— „Du— tvas— sagst— du"— „Geh' nach Hause, Hans— ich bringe inr da« Geld." Gilgi steht allein. Was hat si« gesagt? Hat etwas versprochen, DaS hat sie versprochen? Sie muß ihr Versprechen halten.—— Zwölfhundert Mark!— Wie kann sie eS halten? Sie wird es halten. Man muß helfen— nicht immer nur denken, daß man helfen müßte. Man muß e- wirklich tun. Und wenn der Hans ins Gesängn'S kommt— dann ist die Hertha mit den kleinen Kindern verloren... Und sind doch brave, rich- tige gut« Menschen, die darf man nicht kaputtgehn lassen. Und wie ekelhaft, widerwärtig— bas ewige spottbillige zungenfertige Mitleid von Menschen—- und keine Tat dahinter. Fetzt nicht denken— handeln! Bis heute abend muß ich zwölfhundert Mark haben. (Fortwtzung folgt.) wieder daS Ohr der Arbeiter. In einer Krise ist Vorsicht daS oberste Gebot in Arbeitskonflikten. „Erst wäg's, dann wag's"— war die Parole eines Moltke, und der verstand wohl etwas von Strategie. Di« Parole der Nazi-Kozi-Streikfront im Berliner BerkehrSstreik dagegen lautet«: „Nur immer fest« druff!" Und diese Pa- role stammt von einem, der von Strategie nichts verstand. Den Schaden haben die Berliner Verkehrsarbeiter." * Der Reichenberger„Vorwärts" hat allerdings entdeckt, daß der Streik von der Gewerkschaftsbürokratie„abgewürgt" wurde. So füaen die Kommunisten zu dem Schaden, den si« der Arbeiterschaft bereiteten, noch den Spott: denn eS ist gerade den Gewerkschaften zu danken, daß der verbrecherische Putsch nicht noch ver- hängniSvoller ausging. Die Stellungnahme der kommunistischen Presse zum Berliner BerkehrSstreik gehört mit zur geistigen Vorbereitung eines neuen Streikputsches im nordwestböhmischen Kohlenrevier. ES wird hier beim Versuch bleiben, denn di« nordwestböhmischen Bergarbei- ter haben bereits di« Erfahrungen gesammelt, die den Berliner Verkehrsarbeitern zur richtigen Beurteilung des bolschewistisch-hakenkreuzlerischen gefehlt hatten. * Wer brach den Streik? Nazis und Kommunisten beschuldigen sich gegenseitig. Die großartige Aktion der sogenannten„zentralen Streikleitung" im Berliner BerkehrSstreik hat als elende Schmierenkomödi« geendet. Zunächst waren Nationalsozialisten und Kommunisten vollkommen einig, indem si« all« Schuld auf di« Sozialdemokrat» abluden. Dann aber gerieten si« einander in di«.Haar«, und jetzt schimpfen si« sich gegenseitig Streikbrecher. So erläßt die sogenannte Nationalsozialistische Betriebsorganisation ein« Erklärung, in der eS heißt: Am 5. Streiktqge, am Montag, den 7. November, schickten auch die Kommunisten durch ehr« RGO.-Funktionär« unter allerlei Vorwänden ihre Anhänger in di« Betriebe und stellten dadurch den noch Kämpfenden den Erfolg in Frage. Am Montagabend versammelten die Kommunisten durch ihr« RGO. noch den Rest ihrer Anhänger und erklärten unter allerlei lendenlahmen Ausreden den Streik für beendet. Sie gingen sogar so weit, ihren Anhängern vorzulügen, daß die Nationalsozialisten bereits den Streik ab. brachen hätten. Dir RGO. könne darum den Streik nicht mehr weiter führen. Die RGO. verbreitete auch Flugblätter, in welchen si« zum sofortigen Abbruch des Streiks aufforderten. Somit ging der Rest der Kommunisten amDienstag früh in die Betriebe. Der Montag war der Tag, an dem sich die Fronten restlos klärten. Die Freigewerkschaftlichen und SPD. vertagten zuerst, die KPD. und RGO. folgte« brav hinterher. Sie verließen di« Front der um ihre Rechte !kämpfenden Arbeiterschaft! Der Abschluß der Reichstagswahl bedeutet« für die Marxisten gleichzeitig den Austritt aus der Ar- beiter-Kampffront! Die Nationalsozialisten hielten das Banner deS Kampfes bis zum Dienstag mittag hoch und nur unter der Feststellung der Tatsache, daß die Führung der RGO. und der Freien Gewerkschaften die Arbeiterfront verraten hatten, den ehrlich Der Berliner Verkehr sstrclk- das Geoenstflüt zum norivesthöhndsdien BenarMniotsdi. gemeinten Wirtschaftskampf der Arbeiterschaft sabotierten, veranlaßte die Nationalsozialisten auch ihrerseits,-en nunmehr aussichtslos gewordenen Kampf abzubrechen. BBGer! Euer Kampf wäre von Erfolg gekrönt gewesen, wenn nicht die einheitlich« Front der Schaffenden durch sozialdemokratische und kommunistische Funktionäre erdolcht worden wäre! Hier ist der untrüglichste Beweis dafür geliefert, daß die Nationalsozialisten die Freunde, dagegen di« Mairrsten die Feinde de- arbeitenden Volke- sind. Die Arbeitnehmerschaft Berlin- soll an diesem Erlebnis lernen, und jn Zukunft unter nationalsozialistischer Führung den schärfsten Kampf gegen diese marxistischen Verräter führen. Wie au- diesem Aufruf selbst hervorgeht, geben djf Kommunisten den Nazi- den Borwurf de- Streikbruchs zurück. So versichert di«„Welt am Abend", die Nazis hätten zur Zermürbung der Streikfront ihr Möglichst«- getan und sie seien am Montag al- erst« in di« Betrieb« gelaufen! M Millionen sind zu slreidien. Die ,^Iova Doba" über die Aufgaben der neuen Budgetkommission. Prag, 9. November. Der Budget-Siebener- ausschuß der Koalition hat heute seine Arbeiten bereit- ausgenommen. Die Arbeit des Ausschusses ist, wie di« morgig«„Nova Doba" schreibt, gut vorbereitet. Die Arbeitsweise des Ausschusses wird ungefähr di« sein, daß in ununterbrochenen Ber- handlungen ein Budgetkapitel nach dem anderen durchgegangen werden wird, weil eS nur so möglich sein wird, zweckmäßig« Kürzungen durchzuführen und weitere 800 Millionen zu ersparen, di« zur Deckung des Abganges notwendig sind. Einer genauen Revision werden nicht nur die Posten des Budgets der eigentlichen Staatsverwaltung, sondern auch di« Posten der Staatsbetriebe unterzogen werden. Der Ausschuß wird sich schrittweise die Vertreter der einzelnen Ministerien vorrufen, deren Kapitel gerade Gegenstand der Verhandlung rst, und unter ihrer Beteiligung sowie der der Budgetreferenten des FinamministeriuMs werden die notwendigen Streichungen durchgeführt werden. DaS wird eine ungewöhnlich schwierige Arbeit sein und viel Zeit erfordern, auch wenn dabei mit der größten Beschleunigung vorgegangen werden wir«. Man kann daher auch nicht einmal annähernd sagen, wie lange diese Arbeit dauern wird. Es ist fast schon sicher, daß eS kaum zu Verhandlungen de» Budget», auch nicht in einer Kammer, noch im Dezember kommen wird. Alles deute vielmehr darauf hin, daß die Regierung der Nationalversammlung einen Gesetzentwürfe über«in Budgetprovisorium wird vorlegen müssen. Allerdings wird sich dieses Provisorium bereits auf das in groben Zügen zufammermestellte ordentliche Budget, in dem bereit» Kürzungen durchgeführt sind, stützen. Wahrscheinlich Wirch dar Provisorium drei Monat« Geltung haben; erst nach Neujahr wird da» Parlament da» ordentliche Budget verhandeln, das der Tragfähigkeit unseres Wirtschaftsleben- entspricht. Eine ralMhmcMumt über di« Haltung unsere» Klub» zn dem AuS- lieserungSbegehren. Prag, 8. November. Das heutige„P r a- ger Tagblatt" meldet in einem Bericht über da« AuSueferungSbegehren gegen fünf national- sozialistische Abgeordnete: Auch die deutschen Regierung-Parteien haben sich vorläufig noch inofliziell mit der Stellungnahme zu dem Auslieferungsantrag befaßt. Die deutschen Sozialdemokraten werden eine Erklärung abgeben, in der sie zwar die nationalsozialistische Politik in der Tschechoflowakei verurteilen, gleichzeitig aber ihrer Abscheu vor polittschen Pro- -essen Ausdruck geben. Nach der Verlesung dieser Erklärung wollen sie den Saal verlassen, i Aehn- llch dürfte auch der Bund der Landwirte vorgehen. Durch diese Haltung wollen di« deutschen Reglerung-parteien gegen die Auslieferung der nattonalsoziailfttschen Abgeordneten protestieren, ohne gleichzeitig die Koalition zu gefährden. Dazu teilte der Klub der deutschen sozialdemv kratischen Abgeordneten mit, daß in der gestrigen Sitzung wohl außer anderen politischen und par- lckmentarischen Fragen auch die den Gegenstand der obigen Meldungen bildende Frage besprochen wurde. Es wurde aber keinerlei wie immer gearteter Beschluß und insbesondere auch nicht der vom„Prager Tagblatt" gemcwete gefaßt. Es fehlt daher für die Meldung des genannten Blattes jedwede Unterlage. Ein Stelnwurl- zweieinhalb Jahre Zudifliain Berlin, 9. November. Drei Angeklagte, di. während des BerkehrSstreikes die Straßenbahn wagen mit Steinen beworfen hatten, wurden wegen Transportgefährdung zu j« zweieinhalb Jahren Zuchthaus verurteilt. Seite 4 Donnerstag, 10. Rodember 1933 Nr. 265 Hetze gegen die Wiener Schule Die völkische PrZse, voran di«„Sudetendeutsche Tageszeitung", die deutschnationalen Lehrerzcitungen, darunter auch di«„Deutsche Bürgerschulzeitung" bringen in letzter Zeit fast ständig Notizen und Artikel, die den Wiener Sozialdemokraten vorwerfen, daß sie durch chre Sparmaßnahmen die Schule ruinieren. Kein fortschrittlicher Lehrer wird von den Sparmaßnahmen an der Schule, die aus der Not der Zeit geboren sind, seine Freude haben, zur Steuer der Wahrheit sei jedoch den unterschiedlichen Hetzern und Verleumdern gegenüber folgendes festgesttllt. Alle Bundesländer der Republik Oesterreich waren gezwungen, Sparmaßnahmen durchzuführen. Dio von Christlich sozialen verwalteten Länder haben in den letzten Jahre» massenhaft Klassen, Schulen und Lehrer abgebaut, in Niederösterreich denkt man erst jetzt wieder neuerliche Klassensperrungen durchzuführen. In Wien hat man lediglich hie Lehrkräfte noch immer unter ihrer gesetzlichen Lehrverpflichtung Mr vermehrten Dienstleistung herangezogen. Daß es leider auch in Wien eine große Zahl postenloser Jüyglehrer gibt, benützen nun die nationalen Gegner zu einer gehässigen Agitation gegen die Wiener Schule und unseren Freund Glöckel, den Schöpfer der Wiener Schulreform und dem Leiter des Wiener Schulwesens. Im Folgenden feien einige Zahlen gebracht, die zeigen, wie es um die Wiener Schule wirklich steht. In d«r Vorkriegszeit, als Klerikalismns und Liberalismus die Stadt Wien regierten, waren 55 bis 84 Kinder in einer Schulklasse zusanrmen- aepfercht und heute noch ergibt sich in den von Christlichsozialen verwalteten Ländern Oesterreichs eine Durchschnittsschülerzahl von 43, während Wien im Schuljahr 1930-31, als die Wirtschaftskrise di« Einnahmen der Gemeinde schon stark verringert hatte, eine d u r ch sch n i tt- jiche Schüler za hl von 32.8 aufwies, die im Schuljahre 1931-32 auf 33.1 anstieg. Don de» 239.000 Schulkindern des Schuljahres 1913-16 blieben im Schuljahre 1927-28 nur mehr 186.000, das bedeutet eine 47prozen- tige Abnahme der Schülerzahl. Trotz dieser Tatsache wurde in Wien kein Lehrer abgebaut. Die geringe Schülerzahl machte Schulzimmer und auch Schulhäuser überflüssig und so bot sich Gelegenheit, vor allem alte, den Ansprüchen einer neuen Schule nicht mehr entsprechende Schulgebäude auszulassen. Deutlich zeigt sich die Schulfveundlichkeit, wenn man«ine sozialdemokratische mit einer christlichsozialen Verwaltung vergleicht. So gibt das von den Christlichsozialen verwaltete Riederösterreich für eine Zahl von zirka 190.000 Schülern im ganzen Jahre 13.000 Schilling« für Lehr- und Lernmittel aus, das rote Wien gibt für denselben Zweck für ungefähr 162.000 Schüler pro Jahr 2,099.000 Schillinge aus, also nahezu zwei, hundertmal soviel. Für Schülerbibliotheken zahlt das christlichsoziale Niederösterreich jährlich 3200 Schillinge, das rote Wien aber widmet diesem Zwecke 61.700 Schillinge, das ist fast zwanzigmal soviel. Für Lehrerbüchereien begnügt sich das christlichsoziale Niederösterreich mit einer jährlichen Zuwendung von 3000 Schil- lingen, während das rote Wien für diesen Zweck 52.000 Schillinge— also mehr als siebzehn- m a l soviel— Mr Verfügung stellt. Es ist Tatsache, daß Wien im Jahre 1913, einem Jahre normalen Wirtschaftsganges, pro Schulkind 189.76 Schillinge ausgab, während das rote Wien im Kriseryahr 19JJ1 pro Schulkind 535.45 Schillinge zahlte. Trotz der Gehaltskürzung, die auch der Wiener Lehrerschaft auferlegt werden mußte, ist ihre materielle Stellung noch heute besser als die der Lehrer aller anderen österreichischen Bundesländer. Die Wiener Lehrer erhalten jährlich dreizehneinhalb höher« Monatsbezüge, die immer rechtzeitig Mr Auszahlung gelangen. Die Lehrer der Bundesländer dagegen bekommen jährlich nur zwölf niedrigere Monatsbezüge und selbst diese werden ilchen nur unregelmäßig ausgezahlt. Auch die Lehrvermlichtung der Wiener Lehrer ist nach der Erhöhung durchaus nicht höher als die in allen anderen österreichischen Bundesländern. Wer die Verwaltung des roten Wien nach ihrem bisherigen Wirken beurteilt, der wird Überzeugt sein, daß diese Maßnahmen, die als Folge der drückenden Wirtschaftsnot gesetzt werden mußten, weichen werden, da sich eine Auflockerung der Krise bemerkbar macht. Daß die Wiener Schule aber nur mit den christlichsozialen Ländern verglichen werden kann, ist nicht unsere Schuld, denn die sogenannten völlischcn Parteien, die bei uns noch infolge der ganz ungeklärten nationalen Verhältnisse ihr Unwesen treiben können, sind in Oesterreich so gut wie einflußlos. Dort aber wo sie Einfluß besitzen, wie in Deutschland, treiben sie es noch ärger als die österreichischen Klerikalen. Kommunist ersibläat Sozialdemokraten. In Kopenhagen. Kopenhagen, 8. November.(Eia. Drahtb.) Am Dienstag entstand am Hauser-Platz in Kopenhagen eine Schlägerei zwischen Kommunisten und jungen Sozialdemokraten. Der 20jährige Sozialdemokrat Werner Nielsen wurde von den Kommunisten erschlagen. Tagesneuigkeiten MMätiliegrr atzgeftörrt. I g l a u, 9. November. Ein Militärflugzeug, wahrscheinlich vom 2. Fliegerregiment, havarierte um ungefähr 16 Uhr, bei Bella BiteS im Gebiet von Belke MezihiLi beim sogenannte« Spalerch Mlhn. Di« Besatzung, zwei Mann, von denen der«ine wahrscheinlich«in Offizier ist, find wt. Nähere Einzelheiten fehlen noch. Kn schauerlicher Selbstmord. Kascha«, 9. November. Heut«, Mittwoch, früh brachte die Gemeinde Sobrance bei Kaschau ein Brand in Erregung, der bald lokalisiert werden konnte. Die Bevölkerung ergriff em Schauern, als aus der Brandstätte die verkohlte und verstümmelt« Leiche des Landwirtes KuLma« hervorgezogen wurde. Es wurde festgestellt, daß KuvmaZ, der in der letzten Zeit durch die unerfreulichen Verhältnisse innerhalb seiner Familie sehr erregt wurde, seine Scheune selbst angezündet und sich dortselhst erhängt hatte. Ehe noch der Tcch durch Erhängen eintrat, wurde er von alwn Seiten von den Flammen eingeschloffen, der Strick brannte durch und Kuömas stürzte in die Flamme» und verbrannte. Raubmord in Belgien. Der Täter in der Slowakei verhaftet. vrhorod, 9. November. Dl« Gendarmerie, verhaftete in der Gemeinde Selo Slatina(Bezirk Rach ovo) den vor kurzem aus Belgien zurück- gekehrtenHerrmann Liebermann.Liebermann wird von den belgischen Behörden wegen eines Raubmordes, bei dem ihm 300.000 Franken in di« Hände fielen, verfolgt. Der Verhaftete hat die Tat eingestanden und hat als seinen Kumpan einen gewiffen Messel aus Karpathorußland angegeben, welch letzterem es aber gelang M fliehen. Seinerzeit haben die belgischen Behörden für die Verhaftung des Täters eine große Belohnung ausgeschrieben. Liebermann arbeitete in den belgischen Kohlengruben und wurde nun in das Gefängnis der' Staatsanwaltschaft' in Chrust eingeliefert. Die belgischen Behörden wurden von seiner Verhaftung in Kenntnis gesetzt. Gronau in Friedrichshafen. Berlin, 9. November. Der deutsche Flieger von Grobem ist heute nachmfttags in Altenrhein glatt gelandet. Der Flieger wird erst morgen den kurzen Flug über dem Bodensee nach Fried- richshäfen fortsetzen. Mit der Erreichung des Bodensee hat der Flieger in etwas mehr als 300 Flugstunden eine'Strecke von mehr als 60.000 Kilometern zurückgelegt. Der Flug führte von der Insel Sylt über Island, Grönland, Alaska nach Chicago. Auf dieser Strecke überquerte von Gronau zum drittenmal den Nordatlantik in der Ost- westrichtunq. Bon Chicogo flog er über das amerikanische Festland, die Meuten, nach Japan, von dort über China, Batavia, Ceylon, Bagdad nach Athen. Don dort ging es Wetter über Rom nach Genua. In Erinnerung ist noch die Notlandung von Gronau im Jndischen Ozean. Verhindertes ßisenbnhuattentat. Berlin, 9. November. Der Polizeipräsident teilt mit: In der Wuhlheide längs der Bahn Karlshorst-Köpenick wurde gestern nachmittags ein Anschlag auf die den Reichselektrowerken gehörige Fernleitung entdeckt. Durch«ine Sprengstoffladung wollte man den Mast dieser Leitung umlegen, um dadurch den Verkehr auf der Bahn und die Lichwersorgung unmöglich zu machen. Die Anlage läßt klar erkennen, daß als Täter nur fachkundige Leute in Frage kommen können. Unerhörte Vürokratenwillkiir. Ma« amtiert nur zweimal im Monat zu acht Tagen! Eines der dunkelsten Kapitel aus der gegenwärtigen Devisenbewirtschaftung sind die sogenannten Kompensationsgeschäft«, d. h. derjenige, der ausführt, kann auch irgend ein Produkt einführen, bezw. diese Einfuhr jemandem überlassen. Dafür existieren bisher noch keine Richtlinien. Die administrative Durchführung ist chaotisch und berücksichtigt nicht die wirtschaftlichen Verhältnisse. Eventuelle Gesuche, an einem Kompensationsgeschäft beteiligt zu werden, lasten die Behörden wochenlang liegen. Vor etwa vierzehn Tagen haben die Behörden einfach zugesperrt, jede Intervention unmöglich gemacht und sogar das Telephon abgesperrt. Das geschieht angeblich deswegen, damit das Amt alles aufarbeiten könne. Als dann das Amt wieder zu amtieren begann, war dort ein solcher Andrang von Menschen, daß nichts erledigt werden konnte. Die Folge war wieder«ine Aufhäufung von Rückständen und neuerliche Sperrung deS Amtes auf acht Tage. Solche Zustände sind unhaltbar. Der Importeur reicht um eine Einfuhr ein, muß wochenlang warten, kann nicht urgieren, bekommt auf Brief« kein« Antwort und weiß nicht, ob die War« überhaupt hereinkommt oder nicht. Da das Amt wochenlang die Gesuche liegen läßt, läuft inzwischen dem Exporteur der Käufer davon und dem Importeur der Verkäufer. Aber auch wenn dies nicht der Fall ist, kann eine Sache, die früher rentabel war, nach sechs bis acht Wochen gegenstandslos sein. Die Zustande sind jetzt so, daß das Amt zweimal im Monat acht Tage zusperrt und die beiden anderen acht Tage nichts erledigt. Wahrhaftig«in Amt, das sich sehen laffen kann und das zum Gegenstand einer Satire gemacht werden könnte, wenn es sich nicht um wichtige wirtschaftliche Interessen der Bevölkerung handeln wurde. Blutspender. Blut ist ein ganz besorckrer Saft, sagt Goethes Mephisto,, da er Faust j zum Unterfertigen des Paktes veranlaßt; uick «in besondrer Saft ist es geblieben bis auf den heutigen Tag. Das um so mehr, da die medizinische Wissenschaft sich seiner zu Heil-! zwecken bedient. Freilich hat es den Anschein, als. ob der materielle Wert, den es für die Dledizin besitzt, nicht dem ideellen bei Unter- fertigüngen von Teufelsverträgen gleichkommt, eine Tatsache, die aus der Honorarverteilung ersichtlich toitb, welche kürzlich ein Berliner Krankenhaus aus Anlaß einer Bluttransfusion vornahm. Siebenhundertfünfzig Mark machte die Rechnung im ganzen aus, einschließlich der Arzthonorare. Bon dieser Summe wurden dem Blutspender sage und schreibe hundert Mark zuerkannt. Hundert Mark! Blut ist also auch ein billiger Säst, gemessen an der Opfer- beveitschast des Spenders und der Folgen, di« solche Bereitwilligkeit mit sich bringt. Aber der Preist den man heute für die menschliche Hilfsbereitschaft zahlt, die sich daM hergibt, mit dem eigenen Blut das Leben des vermögenderen Mitmenschen M retten, zeigt den Gradmesser der Not, in dem sich heute ein großer Teil der Menschheit befindet und gerade jene Gruppe, die immer mit ihrem Blut um niedrigsten Preis für die Rettung„höchster* allerdings fremder Ziele und Ideale bereit sein mußte— das Proletariat! Immer war es der Blutspender für alle möglichen Werte und Unwerte, und immer lag der Preis, den es für seine Opferbereitschast erhielt, unter dem Wert seiner Leistung. Moralisch und materiell. Für einen Pappenstiel verlangt man von ihm heute die Hergabe seiner Arbeitskraft, sofern für sie noch Arbeit ist, und für nicht viel mehr muß es, wenn es die Not der Arbeitslosigkeit dazu zwingt, sein Blut und) d« Kraft seines Körpers opfern. Aber der Tag wird kommen, da die Blutspender des Proletariats ihr Opfer bringen werden zur Rettung und Erfüllung des eigenen Lebens und seiner eigenen Ideale! Der Igel. Spiritus in die Motoren statt in di« Gehirne. Durch die Zwangsbeimischuna von reinem Alkohol zum Betriebsstoff wurde dl« Erzeugung um 62 Prozent auf 970.000.Hektoliter für das erste Jahr erhöht. Das Verhältnis im Absatz von Trinftpiritus zu den andern Arten wird sich in der Kampagne 1932—33 wie 18,5 zu 81.5 stellen, während es in den Jahren 1922—32 44.78 zu 55.22 und vor dem Kriege 75.6 zu 24.4 betrug. Da die erhöhte Spirituserzeugung«inen stärkeren Kartoffelverbrauch zur Folge haben wird, wird es notig sein, darauf zu achten, daß keinerlei Schwierigkeiten und keine Verteuerung bei der Kärtoffelversorgung eintreten, die Preise sind mit 50—80 Häler pro Kilo ohnehin schon hoch genug. Subventionen für deutsch« Provinztheater in Böhmen. In der gestrigen Sitzung des Landes- ausschuffes wurden an folgende deutsche Provinz- theater Subventionen beschlossen: Brüx 20.000, Reichenberg, Teplitz und Aussig je 15.000, Marienbad 10.000, Franzensbad, Ga blonz und Braunau je 5000.und K o m o tau 2500 Ke. Zum erstenmal wurden heteift Mqrienbad, Franzensbad und Braunau. Leer gingen Eger und Krummau aus. Zü der Explosion in den staatlichen Eisenwerken in Podbrezova in der Slowakei wird uns mitgeteilt: Zwei der bei der Explosion verwundeten Arbeiter haben bereits am 7. ds. die Arbeit angetreten, 15 Arbeiter, die Brandwunden davongetragen hatten, sind bereftS fieberfrei. Bei allen übrigen, außer den beiden Schwerverletzten Jablonka und Engler, bessert sich drr Gesundheitszustand von Tag zu Tag zusehends. Verhindertes Attentat. In den frühen Morgenstunden des 9. November nahmen Polizeibeamte in der Umgebung des Kieler Gerichtsgefängnisses einen Mann fest, der sich durch sein Verhalten verdächtig gemacht hatte. Bei der Absuchung des Geländes sanden die Beamten einen Sprengkörper, der fertig Mr Zündung war. Sein« Explosion hätte wegen der besonderen Gefährlichkeit des verwendeten Sprengstoffes großes Unglück verursacht. Bor 40 Jahre« wurden der Gerichtssachverständigen im Schristfach, Dolphine Poppse, ihre Bortröge in Wien polizeilich verböten, ja, ihre Tätigkeit fast lahmgelegt. Sehr hohe Herrschaften mußten sich ins Zeug legen, der„Graphologie" die Wege zu ebnen. Dann wies der große Gelehrte Cesare Lombroso die Popps« darauf hin, nicht nur die Handschrfft Mr Anlagen- und eventuellen Charakterdeutung, Schrift- vergleichung heranzuziehen, sondern auch die Hand. Dadurch wurde von der Poppe« in vielen Jahren Studien(in Spitälern, Gefängnissen, privat) die halb„zaubernde" Graphologie auf n a t u r w i s s e n s ch a f t l i ch e Bchis gestellt und dadurch erst wissenschaftlich gemacht als Grapho-Chirologie. Heute arbeitet die Pop- P6e mtt Gerichts- und Polizeibehörden längst Erfolgreich'zusammen: 40 Jahre änderten die Welt— die Behörden,— aber kaum die Menschen, aus. deren schriftlichen Mienenzügen und der Hand Äs Antlitz sich— medizinisch Vom Randhmh Empfehlenswertes aus ve« Programme«. Freitag. Prag: 6.15 Gymnastik. 11.00 Schallplatten. 15.30 Klavierkonzert. 17.05 Klaviertrios. 18.25 Deutsche Sendung: Dr. Werner: Moderne Völkerwanderungen. 21.30 Konzert auf zwei Klavieren.— Brün«: 15.30 Lieder. 16.10 Orchesterkonzort. 18.35 Deutsch« Sendung: Dr. Steinermayer: Di« amerikanische Lyrik der Gegenwart. W.20 Stunde der Versöhnung. — Mähr.-Ourau: 9.30 Blasmusik. 12.30 Orchestw konzert. 18.30 Deutsche Sendung: Ost: Neu« Gedichte.— Berlin: 18.35 Cellomusik. 19.30 Chorgesänge.— Breslau: 19.00 Orchesterkonzert.— Frankfurt: 20.00 Opern-Abend.— Hamburg: 16.30 Klassische Walzer.— Leipzig: 20.00 Bruckner-Zyklus — Münch««: 16.05 Gitarrenumsik. 20.00 Sinsomo konzert.— Wien: 16.60 Italienische Meister, Der Mattenbader Flugplatz bekommt ein« neu« Rundfunkanlag«. Zur technischen Entrichtung des Mattenbader Flugplatzes gehört auch eine Send» und Empfangsanlage, mittels welcher die Flugplatzleitung mit den Verkehrsflugzeugen in ständiger Beo bindung bleiben kann. Fast alle fahrplainnäbiz« Maschinen haben eigene Seiche- urch Empfangsanlagen, damtt der Pilot nicht jederzeit Auskünfte' Über die Wetterlage einholen muß und seinen äuge» blicklichen Standpunkt angeben kann. Die Rund- funkanlage der Flugplatzkeitung war bisher in der Privatoilla des Mattenbader Fliegers Arigi untergebracht.. Derzeit wird aber am Flugplatz«in weißes Häuschen gebaut, das in Zukunft die Anlage bchtt- bcrgen wick. Man will diese Anlage nicht im Beo waitungsgebäude unterbttngen, damit elektttsche Störungen verhindert wecken.(PR.) fundiert— so Manches lesen läßt— von dew man das Interessanteste vielleicht gar nnht sagen darf. M. R.— I.> Das Kind des Geköpften. Aus Pari» wird gemeldet, daß die letzt« Frau Gorgulows, di« aus der Schweiz stammt und derzett auch dort lebt, einem Kinde das Leben gegeben hat. Pornographie kistenweise abzugeben. Rc»d einer Meldung der Polizeidirektion in Mähr-' Ostrau wurde dieser Tag« der in Mähr.-Ostrou wohnhafte 37 Jahre alte reichsdeutsche Staats angehörige Wilhelm Saälseld aus Hamburg wegen Verbreitung pornographischer Literatur verhaftet und dem Kreisgerichte in Mähr.-Ostr»» eingeliesert. Durch Nachforschungen wurde fest' gestellt, daß die betreffende Literatur größtenteils von der Druckerei Prochaska in Tschechisch-Tesche» gedruckt wurde, wo 44 Kisten ferttger pornographischer Bücher und 25.000 weitere noch unfertig Exemplare beschlagnahmt wurden. Saalseid war- wie festgestellt wurde, Kommissionär dieser Trust kerei und organisierte den Berkaus der pornographischen Bücher besonders nach Deutschland, Dänemark und Schweden. Flfichttger Advokat. Wie die Polizeidivektic» in Mäht.-Ostrau mitteilt, ist der Verteidiger t» Strafsachen Dr. Johann KsonkkieviL unter Hinterlassung großer Schulden und nichtbezahlttt Wechsel im Werte von 52.000 X, auf welchen b*£ Üntcrschriften teilweise gefälscht sind, aus Mähtz-' Ostrau verschwunden. Er wird wegen Betruges verfolgt. Wie festgestellt wurde, ist er über Luv' denburg ins Ausland gefahren. Di« letzt« Fahrt. Di« von ihrem Ehemann erschossene Berliner©änfleriw Gertrud Bi»' der nagel wird am Donnerstag Nachmittabeigesetzt werden. Mtttwoch nacht verunstaltete di« Charlottenburger Oper, der di« Künstlerin als hervorragendes Mitglied angehörte, ciw interne Gedächtnisfeier; eine wetterhin geplante öffentliche Gedenkfeier soll der Hinterbliebene» Tochter und Mutter Geldmittel verschaffen.. Ein« Jubilantin. In Littenweiler feierte dieser Tage ein Fräulein Dr. Mathilde Theysse» ihren 94. Geburtstag. Sie war Europas erst« immatrikulierte Studentin und approbierte Aerp tin. Bor einem dreiviertel Jahrhundert war si« die Sensation unserer Großmutter: die Frauen» Emanzipation hat sie als mutiger Pioneer ei»' geleitet,. Schach der Rundfunk-Reaktion! Der früher« Reichstagspräsident Paul Löbe wollte im deut' schen Rundfunk über das Thema„Der 9. N»' vembcr und die Arbeiterschaft" sprechen. D«« Rundfunkkonnmssär der Papen-Regierung hat den Bortrag jedoch verboten. Darum spryÄ Paul Löbe gestern abends über den holländisch«» Arbeitersender in Hilversum. Ei» Toter als Dagenlenker. Aus Reuhavi Wick uns geschrieben: Am Dienstag kam vor. dos Gasthaus„U tki setSaku"(„Zu den drei Bauers in ReuyauS«in einspänniges Fuhrwerk au Aust fällig war, daß der Kutscher, der Landwirt Marti» Remetz ans Rregerjchlag, auf dem Vordersitz WagenS bewußtlos liege. Vorerst glaubte man, das der Kutscher vielleicht angeheitert sei, doch stellte mo» später fest, daß Remetz vom Schläge gerührt tot aus den Dagensitz gesunken war. Di« sestgestellt wurde- war der Tod wahrscheinlich bei der Ausfahrt Riegerschlag ei»getreten, da Automobilisten int* Fuhrleute, die dem Wagen Remetz' begegneten, r«' stäligten, daß er in genau derselben Lage geseheU wurde, in der er mit dem Wogen in Neuhaus er«' getroffen war. Die Zügel des Pferdes hatte er uw die Hand geschlungen, und das Pferd wich, als ob es von menschlicher Hand gelenkt würde, allen ih>» auf der Landstraße entgegenkommenden Gefährte« aus. In Neuhaus zog dann das Pfeck den Wage» mit seinem toten Hervn bis auf den Hof des Gast' Hauses, in dem Remetz regelmäßig mit dem Wag»» stehen zu bleiben pflegte. Remetz wurde mittels Kraftwagen ins Krankenhaus befördert, wo ttn« Gehirnblutung sestgestellt wurde. »t. 265 Donnerstag, 10. November 1982 Seite 5. Das Ende eines Millionenprozesses. Aus Saaz wird uns berichtet: Geyen den früheren Obwann des Verwaltungsrates der landwirt- ichaftlichen Bezirks-Vorschußkasse in Saaz, den Gutsbesitzer Ferdinand Kraupner in Dreihöf, hatte die Anstalt einen Prozeß auf Rückerstattung von Geldern angestrengt, die der Beklagte ohne Wissen und Willen des Verwaltungsrates als Kredite gewährt hatte. Don diesen Krediten ging ein großer Teil verloren, da die Kreditnehmer schließlich nicht mehr in der Lage waren, di« ausgeliehenen Gelder zurückzuzahlen. Diese Klage, die schon vor mehreren Jahren eingebracht worden ist, wurde nunmehr vom Kreis- gexichte in Brüx zugunsten der landwirtschaftlichen Kasse entschieden, und die Anstalt hat ihr« Forderung auf zwei dem.Beklagten gehörigen Objekten sicherstellen und di« Zwangsverwaltung durchführen lassen. Ei« Bauer— Ehrendoktor. Wie das „Schwedische Int. Preß-Bureau" meldet, wurde dem Landmann Patrik Peterson aus der Gemeinde Ballda in der Provinz Halland das Ehrendoktorat der altehrwürdigen Universität Upsala verliehen. Dieser Landmann hak im Laufe der Jahre ein Wörterbuch, enthaltend 36.000 Wörter, des Dialektes, wie er in feiner Provinz gesprochen wird, zufammengestellt, außerdem Äs Folklorist durch Sammlung von Volksliedern, Sagen und Sprüchen eine solche wissenschaftliche Laienarbeit geleistet, daß sie die Bewunderung der Philologen der Universitäten von Upsala und Lund erregte. Der Ehrendoktor ist 79 Jahve alt. Mahlzeit! In Bonndorf im Schwarzwald wird unter anderem eine Geiß versteigert. Sie wartet in gebührendem Abstand vom Tisch des Auktionators auf ihr Schicksal. Da erblickt sie auf einem Aktenbündel etwas Grünes— ihre Lieblingsfarbe. Ohne lang nachzuforschen, ob es stch auch wirklich um ein pflanzliches Produkt handelt, läßt sie den grünen Gegenstand in ihren; Geißemnagen verschwinden. Als das Tier versteigert werden sollte, kam es zur Katastrophe. Es stellte sich nämlich heraus, daß die ganze Auktion nicht mehr fortgeführt werden konnte, denn die Geiß hatte— das Gerichtsurteil auf- gefressen! Fünf Eisenbahnarbciter getötet. In Watford, Unweit London, fuhr ein Zug in eine Gruppe von Eifenbahnarbeitern, die auf der Strecke mit Meiseauswechslung beschäftigt waren. Fünf von ihnen wurden getötet, zwei verletz!. Schatzsucher. Bei Baggerarbeiten an der Unteren Düna förderte der Bagger eines Tages einige alte schwedische Silbermünzen zutage. Die Arbeiter steckten sie in di« Tasche und setzten sie nachher in Schnaps um. Die Kunde von dem Fund drang in weiter« Kreise und schließlich auch jum lettiAen Seedepartement. Die Fama, bauschte diesen.Fund zu einem Schatz auf. Das Seedepartement unterzog die Baggerarbeiter einem streiken Verhör, die aber nur von einer Handvoll Münzen zu berichten wußten, und di« Auffindung eines zentnerschweren Münzschatzes rntschiäden in Abrede stellten. DaS Seedeparte- Ment begnügt stch jedoch mit diesem Bescheid nicht und will an den Fundort einen Taucher entsenden, der den Boden der Düna sorgfältig untersuchen soll. Bor fünf oder sechs Jahren wußten lettisch« Arbeiter zu berichten, daß bei dem Umbau des Rigaischen Domes in den achtziger Jahren man auf ein Gewölbe gestoßen sei, das zu berühren die deutschen Bauleiter verboten batten. Die Letten vermuteten dort«inen Schatz, den di« Deutschen verheimlicht hätten, und wandten sich mit ihrer Weisheit jetzt an die Regierung, die sofort Grabungen vornehmen ließ. Groß war die Freude, als man tatsächlich an der angegebenen Stelle auf ein Gewölbe stieß, das nicht früher geöffnet werden durfte, als die Vertreter der Regierung einirafen. Diese waren denn auch Pünktlich da, das Gewölbe wurde geöffnet, und Man stand vor einem mittelalterlichen— Abort. Drama der Lieb«. In Mülheim(Ruhr) hat sich eine 86jährige Frau erhängt. Auf di« gleiche Art folgte ihr, wenige Stunden später, ihr Vater, ein lüjähriger Kastellan, in den Tod. Er hinterließ die Erklärung, daß ein Leben ohne di« Tochter für ihn sinnlos sei.. Steigender Mineralwasserverbrauch. Inden letzten zehn Jahren ist der Verbrauch an Mine- ralwasier in der Tschechoslowakei von 9 Millionen Litern(im Jahre 1921) auf 25,116.800 (>m Jahre 1930) gestiegen. Da die Ausfuhr unbedeutend ist, ist die erfreuliche Zunahme fast ganz auf das Konto des Jnlandsver- brauchs zu buchen, Die Preise sind endlich billiger geworden; man bekonunt schon ein gutes Mineralwasser um X 2.40 für die 1.5-Litrr- Flasche— also billiger als Bier. Leider werden aber in den Bahnhofrestaurants noch immer Phantasiepreise für eine kleine Flasche„Gieß" berechnet. Der Verbrauch an Sodawasser ist von 12,720.380 Litern im Jahre 1921 auf 32,557.351 Liter im Jahre 1930, der Verbrauch an Limonaden von 17,177.197 Litern auf 28,720.380 Liter gestiegen. Sehr gering ist leider bei uns noch immer der Verbrauch von Apfel- und Traubensaft(Süßmost), besten Erzeugung in der Schwei; und Süddcutschand sehr verbreitet ist. Der Erfolg des schwedischen Alkohol-Restrit- tion-Tqstems. Die schwedische Regierung hat im Jahre 1931 für den Konsum von Alkohol und alkoholischen Getränken ein« Steuereinnahme von 121 Millionen schweb. Kronen(dreiviertel Milliarden ff?) gehabt. Geyen 1913. bevor das gegenwärtige System eingeführt wurde, ist der Du solltest doch sparen!"„Aber das ist doch mein altes wollenes Strickkleid!"„???" „Ich habe es doch mit LUX gewaschen, da spare ich Neuanschaffungen, LUX hilft sparen, denn ich wasche alles ,auf Neu' Wirklich sparen heißt, die teuren Sachen länger erhalten, Neuanschaffungen ersparen. Das ermöglicht LUX, denn LUX wäscht„auf N«u" gründlich, aber schonend/ die Lux'Wäsche gibt den Sachen den Glanz der Neuheit. Lx T 11- 32 [IIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIHIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIilllllilllllllllllllllllllllllllllilllllllllllllllllllllllllllllHIIIIIIIlllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllillllllllllllllllllllllllllllllllU Konsum von 7.92 Litern pro Kopf auf 5.48 Liter gesunken. DaS schwedische System der Alkohol- restrinktion heißt nach seinem Schöpfer„Bratt- sches System". Es hat also den Konsum um 31 Prozent verringert. Die Zahl der Alkohol-Exzesse bei den Polizeigerichten ist seit jener Zeit um 58 Prozent gesunken. Dagegen zeigt die schwedische Milchwirtschaft einen erfreulichen Aufstieg. Im Jahre 1931 wurden 4.5 Millionen Tonnen Milch verbraucht, was gegen 1927 eine erhöhte Produktion, von 0.43 Mill. Tonnen und ein Zuwachs von Kühen von 1,874.000 auf 2,037.000 bedeutet. Schweden gehört heute zu den exportierenden Ländern landwirtschaftlicher Produkte. Im Jahre 1931 exportierte es M.000 Tonnen Butter und 620.000 Tonnen Milch. gesund war, flickt««r Segel und war guter Dinge.! kenntniS gestützt. StaBft&alen auf Weltmeeren. Kuf ven«Spuren So« tontoM.—am 10. Rovenlber von S-18 Uhr, für Li« außerhalb Prag wohnenden Teilnehmer entweder Freitag vormittags -bei derselben Kassa oder direkt beim Ordner im Zug« erhältlich. Geriditssaal Alkohol und Verbrechen. Sin Totschlagsprozeß. Prag, 10. November. Das heutige Schwurgericht(Bors. Vizepräsident Bouöek) hatte über einen Fall zu entscheiden, den man leider als nicht ungewöhnlichen bezeichnen muß. Angeklagt ist der 47jährige Bauarbeiter Franz Novak, der am 3. «Juli d. I. seinen Bekannten Miloslav M o t l durch :mehrer« Stiche in Brust und Hals getötet hat. >,Motl hatte dem Angeklagten im Gasthaus Vorstellungen gemacht und ihm vorgeworfen, daß ct in« jso lg« seiner Trunksuch t die Familie ver- ! nachlässige. Motl meinte es gut mit dem Ange- Iklagten und wußte um die traurigen Familienver- jhällmsse um so besser Bescheid, als der Sohn Novaks Mein ArbeilSkamerad gewesen war und sich !verschiederrtlich hatte über den eigenen Vater beklagen ! müssen. Es kam nach dem Verlassen des Gasthauses auf. dem Dorfplatz von BeStinö zu einer handgveif- jlichen Auseinandersetzung zwischen Motl und -Novak, wobei letzterer das Messer zog und Motl 'die erwähnten Verletzungen beibracht«, denen dieser kurz darauf erlag. Di« Verhandlung bestätigte die Ausführungen der Anklageschrift. Nachdem die Geschworenen die Hauptfrage auf das Verbrechen Les Totschlages bejaht hatten, verurteilte der Gerichtshof den Angeklagten unter Zu- billigung aller mildernden Umstände zu der gesetzlich zulässigen Mindeststrafe von fünfzehn Monaten schwer«« und verschärften Kerkers. 1 rb. Bauernfänger. Prag, 10. November. Di« Polizei ist schnell bei der Hand, gegen arbeits- und unterstandslose Menschen, di« gezwungen sind, auf Parkbänk>en zu übernachten, einzuschreiten. Es ist die Frage, ob die auf solche Weise verschwendet«. Energie nicht weit nützlicher an anderen Orten ei nzu setzen wäre. Wenigstens zeugt diese htute vor dem hiesigen Bezirksgericht abgeführte Verhandlung davon, daß gewisse kriminelle Parasiten unter den Augen der Pendrekträger ihr unsauberes und einträgliches Gewerbe mit Erfolg zu betreiben vermögen. An einem Samstag im September l.. I. wurde «in Arbeiter, der mit dem Wochenlohn von 300 K in der Tasche heimk«hr«n wollte, im Stadtpark von einem unbekannten, gut gekleideten Individuum angehalten und um Kleingeld für 80 Kronen gebeten. Geschickt verwickelte der Bauernfänger sein Opfer in«in Gespräch, zog ihn auf eine Bank und be^rnn ihm Kartenkunststücke zu zeigen Schließlich bot er ihm„ein Spielchen" an. Harmlos, nur des Zeitvertreibs halber natürlich. Durch geschicktes Manipulieren wußte er die Spielleidenschaft seines Opfers zu wecken und brachte ihn im Verlauf einer halben Stunde um feinengan. Arbeiter-Turir- und Sportverein Prag. Mittwoch, den 16. November, halb 8 Uhr abends, ordentlich« Beneralversammlung im Hotel„Monopol"(gegenüber Ankunftsseite des Masarykbahnhofes). Di« Mitglieder werde» um vollzähliges und pünktliches Erscheinen ersucht. - Di« Leitung. je n Wochenlohn,«he der Hereingelegte richtig wußte, wie ihm geschah. Dann verschwand der Gauner. Der Geprellte erstattete gegen den Falschspieler die Anzeige. Bemerkenswert ist, daß der Falschspieler nach längerer Zeit durch Zufall im Rieger park betreten wurde, wo er eben beschäftigt war, ein neues Opfer nach bewährter Methode auszuplündern. Er bekam vierzehn Tage Arrest mid nahm di« Strafe lächelnd an. Sein Gewerbe wild ihm die erlittene Straf« nicht stören. rb. Kunst und Wissen Abgewiesenes Theaterkonzessionsgesuch der Stadt Saaz. Die Stadt Saaz hat, da sie vor Monaten die Bindung mit dem Brüxer Theater ablehnte und die Leitung ihrer Bühne an den in Saaz wohnhaften früheren Theaterdirektor Stern übertrug, der indessen keine Konzession mehr besitzt, selbst bei der Landesbehörde um die Erteilung einer Konzession für hen. Betrieb des Theaters angesucht. Dieses Ansuchen wurde nunmehr ab gelehnt, da di« Saazer städtische Bühne über ein eigenes Ensemble nicht verfügt. Eine Deputation sprach daraufhin bei der politischen Bezirksbehörd« vor, erhielt dort aber den Bescheid, daß an dem abweislichen Bescheid der Landesbehörde nichts mehr geändert werden könne und daß auch Direktor Stern, da er Ausländer sei,«ine Arbeitsbewilligung als Ange» stelltcr der Stadt Saaz nicht erhalten könne. Auch die Zusammenarbeit Sterns mit einer auswärtigen Theaterdirektion sei nicht statthaft. Nach der dadurch gegebenen Sachlage ist mit der endgültigen Schließung des Saazer Stadttheaters für die heurige Saison zu rechnen, wenn es nicht gelingt, mit dem seinerzeit brüskierten Brüxer Theaterdirektor ein Uebereinkommen hinsichtlich der Veränstaltung von Gastspielen nach dem früheren Modus zu erzielen. Wochenspielplan des Reuen Deutsche« Theaters. Donnerstag, halb 7 Uhr:„Die Walküre", Verein„Prager Presse"(E 1).— Freitag, halb 8 Uhr: „Cavalleria r u st i c a n a"—„Bajazzo" f® 1).— Samstag, 8 Uhr:„Ich habe eine» Engel geheiratet(A 1).— Ämntag, 11 Uhr: Kam mermusik; halb 3 Uhr: Arbeitervorstellung:„Zigeunerbaron"; halb8Uhr„Die drei Musketiere"(D 2).— Montag:„D«r Biberpelz"(BolkStüml. Preise). Wochenspirlvla« der Kleine« Bühne. Donnerstag, 8 Uhr:„Bitte, erhören Sie meinen Mann."— Freitag, 8 Uhr:„C o e u r- B u b e" (Kulturverbandsfreunde).— Samstag, 8 Uhr: „Dreimal Offenbach."— Sonntag, 3 Uhr: „Arm wie eine Kirchenmaus"; 8 Uhr: „Weekend". rum erstenmal international. Arbeiter-Disch-Tenuisturuier Askö—Atus—DTJ. Samstag, den 12., und Sonntag, den 13. November, findet in Prag das erste internationale Turnier im Arbeiter-Tisch- Tennis statt: Oesterreich, Atus-und DTJ. stehen sich im Kampf« gegenüber. Das Askö- Team wird sicherlich sehr spielstark sein und aus den besten Spielern der am Mittwoch stattgefundenen Auswahlkämpse bestehen- Die Vertreter Oesterreichs werden ausschließlich Wiener Spieler sein. Die Spiele zwischen den drei Verbänden werden gewiß, nach der sorgfältigen Auswahl zu schließen, ausgezeichneten Sport bringen, denn jede Mannschaft wird ihren Ehrgeiz daran setzen, um so günstig als möglich abzuschneiden. Bom Aussiger Per- band wurde die Ttsch-Tennisspsarde des Atus Prag mit der Vertretung betraut. Es ist zu erwarten, daß unsere Genossinnen und Genossen recht zahlreich an beiden Tagen im Heim auf der Hetzinsel erscheinen. Was der Tlifahrer alles braucht. Jedes Jahr gibt es für die neuen Jünger des S k i f a h r e n s die bange Frage: wie rüst« ich mich am zweckmäßigsten aus, was ist gut, was entspricht den Anforderungen? Bei der Wahl der Einkaufsquelle beginnt die Ueberlegung. Man gehe nur in ein verläßliches Geschäft, das nicht aus Modegeschäftsgründen Wintersportartikel verkauft, sondern aus Pflicht am Kunden. Der proletarische Bergsteiger und Skifahrer wird außerdem überlegen, wem er sein Geld überläßt und wird trachten, in den Ausrüstungsgeschäften seiner Organisation ein- zukausen, weil"dort das Geld gewissermaßen in der großen Gemeinschaft bleibt. Weiter, der unerfahrene Ansänger nehm« sich«inen Kameraden als Ratgeber und Helfer mit, von dem er annehmen kann, daß er etwas Erfahrung und Kenntnis der Dinge hat. Bei den Ski fängt es an. Einmal die Wahl des Holzes. Da gibt es für den Anfänger und Durchschnittsfahrer nur ein« Gattung: die gut« Esche. Sie ist in gediegener Beschaffenheit jedem mittelmäßigen Hickoryholz gleichwertig, vielleicht überlegen. Je schwerer sich das Holz gibt, um so härter ist es. Di« Faserung soll möglichst gleichlaufend mit den Kanten, aber nicht zu dicht, sondern möglichst in breiten Abständen von einander sein. Bei Spiegelschnitt erscheinen di« Jahresringe, also die Faserung, quer über die Lauffläche. Dieser Schnitt ist seltener, aber. sehr werwoll wegen d«r geringeren Abnützungsgefahr. Bei Blumeneschen gibt es außer der Längsfaserung eigentümliche Querzeichnungen. Dieses Holz ist besonders widerstandsfähig, aber gleichfalls seltener zu finden. Die Faserung soll in ihren kürzesten Teilen nicht von der Kante im Winkel wegziehen, da sonst«in Ausfransen des Holzes sehr wahrscheinlich ist. Wichtig ist die Ueberprüfung, ob keine Aeste im Brett vorhanden sind. Wo«in Ast wächst, entsteht ein« Schwächung des Holzes, und deshalb bedeutet ein Ast im Brettel schon den halben Bruch. Da es aber anderseits kein Holz gibt, das vollständig regelmäßig verläuft, darf man sich von kleinen Knötchen im Holz nicht erschrecken lassen. Sie sowie ost vorkommende Verdickungen entstanden durch Reizungen, Verletzungen des Baumkörpers im Wachstum und sind ganz harmlos. .Di« Skiipitze soll allmählich aufgebogen sein, jähe Krümmung neigt zu Brüchen und bremst, allzu geringe schaufelt zu sehr in den Schnee. Die Spannung unter der Bindung soll nicht zu stark sein, da si« sonst>,schleudert". Wichtig ist die Prüfung, ob der Ski nicht verzogen ist, das heißt, ob nicht Prager Kouzertlaal. In der Not der Zeit wirken manche Konzert« wie ein Hohn und geradezu aufreizend. Ich meine die Star- und Sensationskonzerte, di« mit Kunst eigentlich wenig zu tun haben und nur dazu bestimmt scheinen, einem kapitalistischen Publikum Gelegenheit zur Entfaltung von Luxus-und Putz zu geben.»Di« anderseits kein anderes Ziel kennen, als den Sensationshunger eines Publikums zu stillen, das nur aus Mode und Neugierde zum Starkonzert kommt, also gleichgültig dem gegenübersteht, was ihm dabei an sogenannter Kunst geboten wird. Das Konzert des berühmten italienisch-amerikanischen Tenors Benjamino Gigli war ein Musder- .beispiel derartiger Star- und Sensationskonzerte. !Der große Luzerirasaal beherbergte in der Haupt- flache nichts anderes als eine bleichende Modenschau .putzsüchtiger Damen und eleganter Herren. Und di« 'Kunst Giglis war diesem Luxuspublikum durchaus angemessen. Denn sie war nur auf Wirkung bedacht, nicht aber auch auf künstlerischen Wert der Vortrags- !folge. Vielleicht mochte jemand sagen, daß es bei 'der wunderbaren Stimme Giglis, bei der unerhörten iSelbstverständlichkeit seiner Stimmtechnik uich' bei -der blühenden Schönheit seines Bel eanto gleichgültig sei, w a s er singt, da es bei ihm nut darauf an- käme, w i e er singt. Aber vom ernsten Kunstslandpunkt aus kann und darf man sich zu dieser Aus- "fassung nichr bekehren. Im Gegenteil: je größer und bedeutender der Künstler ist, desto größer muß seine künstlerisch« Verpflichtung der Kunst und dem kuirst- willigen Publikum gegenüber sein. Mit einem Büfett- Programm schlimmster Sorte, das in wahllosem Kunterbunt abgedroschenster Opernarien und Lieder bestrebt ist, asten Schmachtwünschen kapitalisfischer Musikgenießer gerecht zu werden, hätte ein Künstler vom Range Giglis nicht nach Prag kommen dürfen, bas bisher den Ruf einer musikalischen und kritischen Stadt genoß.— Die Mentalität des angeblich iso kunstsinnigen Prager Publikums zeigte sich übrigens unmittelbar noch dem Konzerte Giglis bei ein«m Klavierabend Frsderie LamondS, eines der genialsten Pianisten der Gegenwart, der vor halbleerem Saal« spielen mußte, weil seine Kunst weniger publikumszugänglich, Weniger sensationell und weniger Modegegenstand ist als jene Giglis Der Klavierabend Lamonds war der erst« eines auf vier Abende berechneten Zyklus' klassischer Klaviermusik. Gerade diesmal hätte der Künstler besonderes Interesse für seine Kunst beanspruchen dürfen,)veil er diesmal nicht ausschließlich als Beethoren-Spieler kommt, als der er,besonderen Ruf genießt, sondern auch als Interpret nichtbeethoveni- scher Klavierwerk«. Es zeigte sich allerdings, daß Lamond,«twa der Kunst Bachs nicht so gegenüber- steht wie der tonschöpferischen Art Beethovens, daß er di« großartige Gotik Bachs mehr gefühlsmäßig als streng ausdeutet. Ueberdiez schien der Künstler diesmal nicht allzu gut disponiert, so daß ihm sogar, Gedächtnisfehler unterliefen.— Zwei Neuerscheinungen im Prager Konzertsaal sind heut« auch kritisch zu würdigen. Joseph Pessach, ein junger, kunstbegeisterter Geiger, qab zusammen mit seinem Bruder, dem Pianisten Samuel Pessach, ein selbständiges Konzert. Di« ausgezeichnet« Schul« seines Lehrmeisters Sevdik ist unverkennbar im großen Ton, in der festen Bogen- kührung und in der technischen Sicherheit feines Spieles. Und es lpricht für den künstlerischen Ernst, von dem der Geiger erfüllt ist. daß er Brahms' schwer zugänglich« Biolinsonate in d-moll auf sein Bortragsprogramm gesetzt hatte, daß er gerade das Adagio dieses edlen Werkes besonders tonschön und j rusdruckSvoll wiedergab. Daßler den geistig-inhalt lichen Verborgenheiten der beiden Ecksätze.des Werkes noch nichr ganz gerecht zu werden vermag, ändert nichts an dem Wert der künstlerischen Tat an sich. Man wird sich freuen, diesem Geiger wieder zu begegnen, der in seinem Bruder auch«inen firmen und mrschmiegiamen Begleiter am Flügel besitzt, dem nur hi« und da mehr dynamische Mäßigung zn empfehlen ist.— Auch Hanna Granfelt, ein« finnische Sängerin, war zum erstenmal im Prager Konzertsaal zu hören. Repräsentative äußer« Erscheinung und bedeutende gesangskünstlerische Qualitäten vereinigen sich bei dieser ernsten Künstlerin zu einem harmonischen Gesamtbilde. Bor allem ist di« ungewöhnliche Ausgeglichenheit ihrer Stimm« zu toben, die klar« Intonation und die ungetrübte Schlankheit ihres Stimmtones. Auch gesangstechnisch im Sinn« des Ziergesanges überzeugt di« Sängerin. Nur ihr Vortrag wird noch freier• und damit :«mpera-nenrvoller werden müssen. Das interessante Programm der Künstlerin enthielt neben vorwiegend heimatlichen Liedern und Gesängen auch eine Kolo- ralurar» von Delitzes und einige Lieder von Richard Strauß.— Im ausverkausten Smetanasaal« gab der Bassist Paul Ludikar, einer der erklärtesten Lieblinge des Prager Publikums, ein Konzert, bei dem er neuerdings die ragende Größe seiner Gesangskunst in Liedern einheimischer tschechischer und anderer Tonsetzer zeigen konnte und durch die edle Wär nee und den sonoren Bollklang seiner seltenen Damtstimme beglückte. Als Besonderheit brachte Ludikar di« Biblischen Lieder von Airton Dvorak in einer Neubearbeitung mit Ehorbegleitung von Wiederinann. Als vorteilhaft für die Solosingstimm« erwies sich dies« Fasiung aber nicht, da die klaug- verwandte Ehorbegleitung der Solosingstimm« nicht nur nicht nützt,.sondern für dies« eher nachteilig ist, da sie sich zu wenig abhebt. E. J. |> GenOSSCn, habt Ihr schon die Bestellung für das ARDEITER- JAHRBUCn 1933 aufgegeben? Schreibt dringend an die Zentralstelle L d. Bildungswesen Prag II., Nekäzanka 18. das Holz, das sich ja ständig in innerer Bewegung befindet, sich nicht krümmt und verbiegt. Flach oder gekohlt. Das ist in erster Linie eine ästhetische Frage und die des Geldbeutels. Gekhite Brettel sind gefälliger und leichter, aber auch teurer. Was iwn die Länge der zu wählenden Brettel betrifft, geht die Richtung in den letzten Jahren aus kürzere Stücke. Als beliebte Regel gilt di« Läng« bis zur Handwurzel des in di« Höhe gestreckten Armes. Kürzere Brettel erleichtern das Schwingen und Bogenznhen, haben allerdings nicht so rasche Geschwindigkeit und nehmen bei Bodenunebenheiten die Stöße viel stärker wahr. Was die Breite betrifft, wähle man zwischen 7 und 7.8 Zentimeter. Schmäler« Brettel, sofern sie nicht Spezialski für Langläufer sind, sinken zu stark ein, breitere, der Slalomläufer wird sie wählen, verringern durch die größere Reibung zu sehr die Beschleunigung. Bürgerlicher Sport. Frücht« bürgerlich«! Sporterziehung. Nach dem am Sonntag voriger Woche in Gablonz ausgetragenen Meisterschaftsspiele BSK. Gablonz gegen Reichenberger SK. würden einzelne Reichenberger Spieler von den Zuschauern insultiert und einem von ihnen wurde von einem unbekannten Täter mittels Schlagring ins Gesicht geschlagen, so daß ein Paar Zähne dran glauben mußten. Der BSK. Gablonz sucht nun auf dem Weg« eines Inserates den Täter! Nimm dir Faust und boxe.... Der einstige Weltmeisterim Schwergewicht, der Neger Ieß W i l l a r d, der 1919 seinen Titel an Jack Dempsey verlor, hat nach einigen Jahren der Not endlich wieder Anstellung gefunden. Der Mann, der 1915 Jack Johnson in der 26. Runde die Weltmeisterschaft abnahm, ist Portier in einem Haus geworden, dessen Besitzer er noch vor wenigen Jahren gewesen war. Sein Wochenlohn beträgt 15 Dollar. Aus der Partei Vezlrksverein„Arbeitersürsorge", Vrag. Ausschußsitzung. Freitag, den 11. Niwember, um 7 Ahr abends im Verein deutscher Arbeiter, Smeökagafle 27. Da die Winterhilfsaktion und Pskgekindevaktion besprochen wird, ist vollzähliges Erscheinen Pflicht. Arbeitsgemeinschaft der proletarischen Organisationen von Prag. Mittwoch, den 16. November, spricht Genoss« Fritz Rosenfeld, Wien, über „Arbeiter und Kino". Filmproben! Agitieret kür zahlreichen Besuch! Jugendbewegung. Frei« Vereinigung soz. Akademiker-r- S. I. ll. Heute, Donnerstag, um 8 Uhr:„Deutschland nach den Wahlen". Referent: Genosse Dr. H, Hoffmann. Sozialistisch, Jugend, Prag. Freitag, den U- November, im Heim der S. I. II, Odborovy dum, Bartolomöjska(nicht Uraniasaal), 2. Plenarversammlung des Prager Kreises. Bortrag über„Arbeiterjugend und Abrüst u n g". Beginn 8 Uhr. Erscheint pünktlich Jeden Freitag mit großem Europaprogramm Bezugspreis vierteljährl. Kc 18.10 Zu bestellen beim Pöstamt Funkhörererhalten eine Probenummer kostenlos Volksfunk-Verlag G.m.b.H. Berlin SW68, Lindenstraße 3 ® e t«« re« de r. Wegfrt«» r«»d-,«J e ft-d- kke» t Wilhelm 9» t e J r«t- Biron,worllfchn«e»a!taut Dr SmU 8tr»»z.«rag_ Stui;.Rata-«..« für Z-tlung.«S Buchdruck. 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