Siuzelpreir 70 Heller. (Eftrschließlich S Heller Porto) 12 Aadrgang. Dienstag, is. November 1932 Nr. 269. Starker Rückgang ter Nazis bei den säUisisdien Genieindewahien. Berlin, 14. November. Die Gemeindewahlen in Sachsen find gestern mit einer durchschnittlich«m zehn Prozent geringere« Beteiligung als die Reichstagswählen am vorigen Sonntag durchgeführt worden. Di« Sozialdemokraten haben de» gleichen Prozentsatz an abgegebenen Stimme« wie bei der Reichstagswahl behaupten können. Die Hakenkreuzler dagegen sind überall weit mehr znrückgegaugen als dem Rückgang der Wahlbeteiligung entsprechen würde. Namentlich im Vogtlande, in ihrem bisherigen Hauptgebiet, ging ihr« Stimmenzahl um mehr als«i« Drittel zurück. So haben di« Nazis z. B. in Zittau bmnen einer Woche 34 Prozent ihrer Stimmen eingebützt, In Heidenau 49 und i» dem Ort Neukirche« sogar 78 Prozent! In einer Reihe von sächsischen Städten ist «ne Linksmehrheit znstandegekommen. So hat von den großen Städte« wieder Chemnitz ein« Linksmehrheit rhalten. Einen Teil der nationalsozialistischen Ber- lustr wurde von den Kommunisten aufgefimgen. Das Genfer Militär ist seiner Rolle überdrüssig! Genf, 14. November. In den Äbend- stunden des Samstag wurden die Zugänge zu den Kasernen, in denen sich die mobilisierten Truppen befinden, von einer großen Menschenmenge umlagert. Im Lasse' des Tages/ waren zwei neue Bataillon« Walliser Infanterie herangezogen worden, die- von der: Menge mit/Pfeifen und Zisch«« empfangen wurden. Das« Militär suchte.- zunächst die Didng« durch W a s se r- spritzen von den ausgestellten Postenketten fernzuhalten. Schließlich erhielt die zweite Postenkette den Befehl zum Laden. Die Ansammlungen vor den Kasernen dauerten bis nach Mitternacht an, doch kam es zu keinen ernsteren Zusammenstößen. Unter den Truppen der Genfer Garnison scheint es zu einer Gärung gekommen zu sein, die in lärmenden Kundgebungen innerhalb der Kasernen und in Protcstrufcn gegen den Kommandanten,. Oberst Lederrcy, Ausdruck fand, der an die Truppen bei der Fahnenübergabc eine mißfällig ausgenommen« Rede gehalten hatte. Ein Soldat, dar dem Obersten„M ö r- der!" ins Gesicht schrie, wurde sofort verhaftet, ebenso mehrere Soldaten, die mit vorbeizie- hynden Kommunisten fraternisierten. Im ganzen wurden acht.Soldaten dem militärischen Unter-, suchungsrichter überstellt. Die am Samstag vor den Kasernen verhafteten Zivilpersonen sind wieder freigelassen worden.- Popen will mit den Sozial demohraten verhandeln. Berlin, 14. November.(Eigenbericht.) Ter Reichskanzler hat für Mittwoch abends Otto Wels und Breitscheid zu sich' gebeten. Wenn die Sozialdemokraten dieser Einladung überhaiivt Folge leisten, so nur deshalb," um Herrn Papen nochmals mit aller Entschiedenheit ju sagen, daß di« Sozialdemokratie vor allem leinen sofortigen R ü ck rr i t t' fordert. Der Grund zu diesem überraschenden Schritt des Reichskansiers ist offenbar nur di« Suche nach einem Alchi. Pie neimwchrputsdilsten protzen mit ihrer militärischen Schlagkraft, Graz, 13. Npvember. Die steiernzärkischen Heimwehren veranstalteten heute in Gfaz einen Aufmarsch, an dem zirka 15.000 Personen terl- genommen haben. Landeskonimandant Oberst Pclkep hielt eine Ansprache, in der er/erklärte: »Ter Hauptzweck des heutigen Aufmarsches ist nicht nur in der Steiermark, sondern auch in allen anderen Bundesländern, die alte Schlagkraft des Heimatschutzes, der nicht die geringste Einbuße erlittckn hat. zu zeigen. Wir haben im Gegenteil die Wehrfähigkeit unseres Perbandes noch mehr ausgebaut und der steirische Heimatschutz wird bei weiterer Verfolgung dieses Zieles über die Modernste militärische Organisation verfügen, mit der keine FrejwilligeN- truppc auch nur annähernd verglichen werden kann. onoOanersMUemSsterreMiisdiennsrteUsS: MetMH nidit MMMaoimr! Moskau muß vorerst zur Einsicht kommen! Wien, 14. November. Der zweite Tag des österreichischen Parteitages stand durchaus im Zeichen des Referates Otto Bauers. Otto Bauer erklärte u. a., die völlige Umwälzung, die durch daS Anwachsen des Nationalfascis- mus in Mitteleuropa vor sich gegangen ist, habe auch Oesterreich in hohem Maße ergriffen. Immer wieder wird die Frage gestellt, warum die Revolution des Jahres 1918 in Mitteleuropa nicht so wie in Rußland den Kapitalismus hinweggefegt habe. Wir müssen der Arbeiterschaft klar machen, daß die mitteleuropäische Revolution unter ganz anderen Umstände» stattgefunden hat und den Rahmen der bürgerlichen Demokratie und des Kapitalismus nicht sprengen konnte. Die- wichtigst« Frage der Arbeiterschaft in allen Ländern ist gegenwärtig die Frag« der Einheitsfront des Proletariats. Ich möchte, erklärt« Bauer, eines vor allem aus der Debatte ausschließe«: Einheitsfrontmanöver sind kein Weg z«x Einheit d«S Proletariats! Es gibt meiner festen Ueberzeugnng nach nur eine« einzigen Weg, das ist direkte Verhandlung zwischen der Sozialistischen Arbeiter-International« und der Komintern. Rnr zwischen Zürich«nd Moskau kann di« Einheitsfront d«S Proletariats mit Ausficht auf Gelinge« hergesteilt werden. Ich bin überzeugt, daß der geschichtlich« Augenblick für die Herstellung der Einheitsfront erst dann gegeben sein wird, wenn di« * Die Eröffnungssitzung. Wien, 13. November.(Eig.-Bericht.j Im großen Saal des Ottakringer Arbeiterheims begann heute vormittag der für drei Tage anberaumte Parteitag der sozialdemokratischen Partei Oesterreichs. Dr. Julius Deutsch begrüßte namens der Parteiverrretung die Delegierten und Gäste und erklärte den Parteitag für eröffnet. Bürgermeister Karl Seitz hält dann als gewählter Vorsitzender eine Ansprache, in welcher er sagt«: Zur Zeit sehen wir in Oesterreich zwei Wellen d«s Faselsmus: dir HemNvchr, allerdings eine Well«, die immer mehr verebbt und di« fast nicht mehr zu sehen ist, und eine Welle des nationalistischen Fascismus, die von Deutschland herüberkommt. Wir stehen vor einer brandenden Flut von Gegnern, di« in allen Formen einstürmen. Und wenn auch hundert- und tausendfach di« furchtbar würgende Wirtschaftskrise das Proletariat züchtigt, wenn dort Hunderttausend« stehen in furchtbarer Not der Arbeitslosigkeit, des Hungers und des Elends, wenn sie fast zur Verzweiflung neigen, immer wieder sehen wir mit Stolz und Genugtuung, daß dieser getreten«, unter dem Elend der Zeit schmachtende Proletarier sich nicht niederschmettern läßt, daß ihn das Schicksal nicht schlägt, daß er sich immer wieder erhebt, Widerstand leistend den Dingen, di« da auf ihn einstürmcn, vertrauend auf die Zukunft und festhaltend an seiner Gewerkschaft, an seiner politischen Partei, im Vertrauen und im Wissen, daß sie allein ihn emportragen kann über diese Wirtschaftskrise hinweg, über alle Auswirkungen einer sterbenden Gesellschaft, ihn hinwegführen kann in eine neue Gesellschaft, zum Sozialismus(anhaltender Beifall). Seitz gedachte dann der Toten der Partei und Sowjetregierung bi« Bunbesgenossenschaft des gesamten Weltproletariäts nicht wird«ntbeh- ren könne«. Das Proletariat kann bei uns die russischen Methoden nicht kopieren; es wäre töricht, diese bei uns für möglich zu halten, da diese Methoden in der Geschichte und der Struktur Rußlands begründet sind. Wir stehen am Abschluß einer geschichtlichen Epoche der Arbeiterbewegung und am Anfang einer neuen. Ich bin überzeugt, daß der Sturz der Arbeiterregierung in England, die Ereigniffe in Deutschland eine ganz neue Periode in der internationalen Arbeiterbewegung bedeuten. Wir stehen am Beginn einer Zeit mit schweren langen Krisen, die nur von kurzen Erholungsperioden unterbrochen sein werden. Hier heißt es, unseren Genossen klar zu machen, daß man nicht kleinmütig werden darf, daß der Weg nicht zurückführen darf zu Monarchismus und zu Diktaturen. Es gilt, in den noch demokratische» Länder» eine Insel der Freiheit in Europa zu schaffen. Wenn uns das inmitten der Reaktion, di« uns umgibt, gelingt, daun wird der Augenblick komme«, da es die Weltgeschichte möglich mache« wird, di« demokratische Form mit dem Inhalt des Sozialismus zu erfülle«. ' Mit dem nut stürmischem Beifall aufgenommenen Referat war der zweite BerhandlungStag beendet. Morgen wird Dr- Renner über die Wirt- ichaftsftagen des Proletariats sprechen. $ begrüßt« di« Gäste der ausländischen Bruderpqr- trien. Unsere Partei ist durch den Gen. Schäfer auf dem Parteitag vertreten. Paul Löb« begrüßt dann namens der deutschen Sozialdemo- kratie den Parteitag. Er wies auf die politischen Verhältnisse in Deutschland hin und führte dann aus: Wenn vielleicht auch in den nächsten drei Wochen die Koalition zwischen der Feudal-Readtion und den Hitleranern noch nicht Zustandekommen sollte, so werden sie in dem Augenblick, wo einer von ihnen nicht mehr imstande ist die Macht auszuüben, einig seiiz. Die Zeit der Tolerierungen und der Koalitionen ist zu End«. Unbeschwert von früheren Bindungen werden wir dir Kaders der Sozialdemokratie unabhängig formiere« und die sozialistischen Forderungen als GegrnwartSaufgaben»eben die felbftvrrftändlich« Verteidigung demokratischer Recht« stellen können. Wenn die Einheitsaktion der proletarischen Parteien trotz unserer Bereitwilligkeit bisher nicht zu- standekam, so müssen wir das der Tatsache zuschreiben, daß di« andere Seite einem außerhalb des Landes gelegenen Einfluß ipfterliegt. Je mehr aber quch bei uns die demokratischen Volksrechte bedroht erscheinen, um so unwiderstehlicher wird der Wille zur Einheit auch im deutschen Proletariat werden. (Stürmischer Beifall.) Der Vizepräsident des tschechoslowakischen Abgeordnetenhauses Josef S t i v i n überbringt dann die Grüße der tschechoslowakischen, Buchinger die der ungarischen Sozialdemokratie. Unter begeistertem Beifall spricht im Namen der Internationale Gen, Dr. Friedrich Adler: Es folgten hierauf die Berichte der Parteivertretung, welchen Gen. Deutsch,«nd der Parteikontrolle, tvelchen Gen. Glöckel erstattete. Parteikonllikt In Baden. Berlin, 14. November.(Eigenbericht.) Die .Haltung der sozialdemokratischen Fraktion. im. badischen Landtag gegenüber dem Konkordat mit der katholischen Kirche hat"zu einem ernsten Parteikonflikt geführt. Die Fraktion hat am Freitag beschlossen, sich bei der Abstimmung der Stimme zu enthalten. Nun wendet sich der Landesparteivorstand Mit scharfen Worten gegen die Fraktion und er- klärt in einem Aufruf, die Mehrheft der Parteimitglieder verlang« die A b l e h n un'« des Konkordats. Di« Fraktion habe im bewußten Widerspruch zu dem Wunsche der Partei gehandelt. Die Fraktion hat eine Gegenerklärung her- ausgegeben, in der sie ihren Standpunkt aufrecht erhalt. Oer antimilitärische Kampf der Schweizer Genossen. Lausanne. Der nationalrätlichen Kommission für die Beratung des Bundesgesetzes über die Abänderung des Bundesgesetzes vom.12. April 1907 über die Militärorganisation Hai einmütig Zustimmung zu der b u n d e s r ä t l i ch e n Botschaft beschloss««. Bon sozialdemokratischer Seite wurde ein Postulat in Aussicht geteilt, das ein« weitergehende Revision der Militärorganisation vorsieht, u. a. die Durchführung der Wiederholungskurs« nur alle zwei bis drei Jahre, Reduktion des JnstruktionskorpS, Verkürzung der Dienstdauer. Gerhart Hauptmann Zu seinem 70. Geburtstage „Mein Kampf ist ein Kampf um das Glück aller; sollte ich glüÄich sein, so müßten es erst alle andern Menschen um mich herum sein; ich müßte um mich herum weder Krankheit noch Armut,.toeder Knechtschaft, noch Gemeinheit sehen. Ich könnte mich sozusagen nur als letzter an die Tafel fetzen." „Vor Soimenuulergaiq" U)89.■- Als am JQ. Oktober 1889, in.turbulenten'.Uraufführung des„Sozialen'Dmnzas: „V or Sonnenaufgang" von den.Breitem' der Berliner Freien Bühne A herab der Reformator und Aozialkritiker—'keineswegs Rebell oder Revolutionär— Alfred Loth dieses programmatische Bekenntnis seines Dichters sprach, legte er es für eine. Generation junger Ideologen, für alle wachen Geister der Epoche ab. Es war der Durchbruch,der Literarischen Revolution,, die der deutschen Dichtung eine neue Form eroberte, indem sie ihr einen neuen Stoff brachte. Nun hatte di«„Moderne" mehr als einen Namen und ein Programm, nun hatte sie einen Führer und ein Vorbild: Gerhart Hauptmann. Die Wegbahner und Erwecket:, die Holz und Schlaf, Conrad und Sudermann traten in den Schotten des jungen Schlesiers, der nrit 27 Jahren „Bor Sonnenaufgang" und>pit 30 „Die Weber" schreibt, dort ein Problem stellt, um es hier zu lösen. Es war nicht das erstemal, daß ein soziales Drama geschrieben wurde; in gewissem Sinne ist jede Dichtung sozial, denn keine wäre losgelöst von den gesellschaftlichen Daseinsbedingungen ihrer Epoche verständlich. Wer auch soziale Dichtung in dem engeren Sinne, daß soziale Gegensätze und im besonderen der zwischen arm und reich als Motiv der Dichtung erscheinen, hatte es vor den Naturalisten, vor Gerhart Hauptmann gelben. Neu an der noch wildverworrenen Problematik des Dramas aus dem schlesischen Kohlenrevier, neu an der gewaltigen Tragödie ter schlesischen Weber ist die dichterische Gestaltung nicht eines schlechthin sozialen, sondern des proletarischen Problems. Daß Menschen um Lohn arbeiten und hungernd die Reichtümer schaffen, die den Besitzenden mühelos als Ausbeute fremder Arbeit in den Schoß fallen, das fft d i e F r a g e d e r Zeil, die zunächst nur im Hintergrund einer Problemdichtung steht, die sich mit Börer- bungsfragen, Ä'lkoholismus, Frauen-Emanzi-, Patron und sittlichem Verfall der Reichert befaßt, die aber in den„Webern", von allem Beiwerk entblößt, als die weltbewelzende, Frage der Zeit, die Frage an die Zeit hcr- vortrftt und, als die Antwort ausbleibl, sie selbst findet in dem Wort des alten Ansorge: .,M i r l e i d e n's n i mehr!" Wie kam der jung« G c r h g,, Hauptmann, Sohn kleinbürgerlich-wohlhabender Ellern aus Obersalzbrunn, wo er am 15. November 1862 geboren wurde, zu Seite 2 Dienstag, 18. November 1932. Nr. 269 W U werden wird l- Ber- der die «in zur werden di« tu Her- t ■ Berber und den bei- und der er unterlag, will Kämpfer, starke Hasser, Heroen der Entsagung; nur mit Herz und Gefühl hält man dem Höllenbreughe ihrer Verlockungen nicht stand. Den Dichter des sozialen Mitleidens hat eine übermächtige Zeit gebrochen, indem sie ihn zu ihrem Genossen machte. Was herrlich an ihm war, es war dahin, als er vom Gipfel zur Tiefe stieg. Prophetisch Hal er es vorausgesehen in jenem Märchendrama, das zuerst der Mode eine Referenz machte, in der„Versunkenen Glocke": Hauptmanns Dichterherz, das große Herz, mit dessen Blut die„Weber" geschrieben sind, es war die Glocke, die auf den Höhen zum Sturme rief, einmal und nimmermehr — im Tale klingt sie nicht. Wir aber wollen sie, wenn wir vor dem alten Hauptmann, ihn zu ehren, des jungen Hauptmann gedenken, wenn wir das unvergängliche Sakrament seiner Dichtung kommenden Geschlechtern überliefern, wieder läuten, immer und iiymer wieder: die Sturmglocke der ewigen Revolution! E- F- seinem eigenen Werk? Nicht als verstandesmäßig arbeitender Kritiker trotz allem Marx- und Haeckel-Studium, sondern aus Eberquellendem Gefühl. Seine Familie stand im Bann herrnhuterischen Christentums, einer Religiosität, die noch nicht zur Phrase erstarrt war; religiöse Inbrunst, christliche Gewissensprüfung haben Gerhart Hauptmann auch in den Zeiten, da er in seinem Denken radikaler Freidenker war, in tiefster Seele bewegt. Bezeichnend ist es, daß erst der ungewohnte Anblick fremden Elends, erst der Kontrast, der sich dem Jüngling auf seiner Mittelmeerreise zwischen dem Reichtum der südlichen Natur und dem Elend des Proletariats auftat, ihm auch die Augen öffnete für die Not seiner eigenen Landsleute. Aus sozialem Mitleid, aus blutendem Herzen wie bei jenem Alfred Loth in„Vor Sonnenaufgang" wächst Hauptmanns Dichtung. Der Dichter des sozialen Mitleids ist er geblieben. Schon in den„Webern" fehlt das konsequente Bekenntnis zur Revolution und manche orthodoxen Kritiker wollten in»ihnen ein im Grunde reaktionäres Drama sehen, das Gottergebenheit und die Sinnlosigkeit gewaltsamen Widerstands predige. Das ist so falsch wie jedes literarische Urteil, das nicht dem tiefen Verständnis für das Werk, sondern der Mechanik des amtlich geeichten Wertmessers seine Entstehung verdankt.„Die Weber" sind revolutionär, der stärkste Aufruf an das Gewissen der Menschheit, der in dem Jahr- hundcrt vom Ausgang des Sturmes und Dranges bis zum Ausbruch des Weltkrieges von einem Dichter ergangen ist. Nur steht hinter den„Webern" wie hinter dem Werke Hauptmanns überhaupt wohl ein Herz, das mit den Armen und Geknechteten fühlt, mit ihnen leidet, doch kein Wille, der sie anführen, der umstürzen und mit Gewalt ändern wollte und könnte. Dichtungen sozialen Mitleids sind Hauptmanns schönste Gedichte allesamt, ob dieses Mitleiden sich der Masse oder dem Einzelnen, der sie vertritt, ob es der leiblichen Not der Arbeitsmenschen oder der seelischen Not der gequälten Kreatur gilt. Hannele Matterns Himmelfahrt, die wundervollste Traumdichttrng, die je eines Dichters Phantasie der Menschheit schenkte, Fuhrmann Henschels Tragödie und das bittere Leiden der Rose Bernd, noch Pippas Tanz aus dem Glasofen in die Welt rauher Arbeitsmänner, und der traurige Sang von verlorener Revolutton, wie ihn die dramatische Ballade vom Bauernkrieg„Florian Geher" singt, vielleicht sogar der„Biberpelz", der die Menschheit den Dummen und Mächtigen ausgeliefett zeigt, denen man ein Schnippchen schlagen, nicht aber enttinnen kann, sie alle lassen das gleiche Lied erklingen, „das Lied, so finster, und doch so schön, das Lied von unserem Jahrhundert" als den Rui und die Klage Eines, der blutend miterlebt, was andere leiden, nicht aber Schwert und Flamme sein will. Dem Herzen, das einst für die Armen schlug, der Stimme, die das Leid menschlicher Kreatur verkündete, den: Dichter, der die Welt des Arbeiters für die Kunst erobert hat, gilt heute unser Gruß. Was er uns aus überströmendem Gefühl gab, hat ewigen Bestand, denn es ist güng, groß und schön. Daß sein Weg den Dichter Gerhart Hauptmann weitab von der Straße des kämpfenden Proletariats fühtte, ist für die deutschen Arbeiter eine Enttäuschung, für den Dichter Hauptmann selbst eine Tragödie geworden, die freilich nur der ganz ermessen wird, der zum Werk des jungen Hauptmann mit ungeteilter Hingabe steht. Daß der Dichter, der die„Weber" geschrieben und Hanneles Himmelfahrt erttäumt hat, sich nicht als Letzter an die Tafel der bürgerlichen Welt gesetzt, sondern seinen Frieden mit ihr geschlossen hat, in der es„Krankheit und Armut, Knechtschaft und Gemeinheit" heute wie vor 40 Jahren gibt, ist eine der kaum faßbaren Erscheinungen der Geistesgeschichte. Es ist aber nicht so sehr unsere als des Dichters eigene Tragik. Was er uns gab, kann er uns nicht nehmen, was er uns war, kann er uns nicht mehr sein. Je weiter Hauptmann sich von uns entfernte, desto kleiner ward sein Schaffen. Heute trägt er den Namen des größten deutschen Dichters, aber er trägt ihn wie ein fremdes Kleid. Hätten wir es nicht miterlebt als Zeitgenossen dieser wie mancher anderen Niederlage der Menschenwürde vor dem Bürgersinn, wir könnten es nicht glauben, daß der Mann, der den Lippo- Witzring annahm, der Reinhardts Hausdichter wurde und mit fragwürdiger Gefolgschaft Deutschland bereist, um sich von qll denen huldigen zu lassen, die an ihm, durch ihn, mit ihm Geld verdienen und Ruhm einheimsen wollen, wir könnten es nie und nimmer glauben, daß der Epigone seiner selbst, der aus dem sprachlichen und stofflichen Abfall der eigenen großen Vergangenheit mittelmäßige Theaterstücke komponiert, daß er derselbe ist, Zahlreiche Hintertüren für Frankreichs Sonderwünsche offen. Sicherheit Garantien/ Keine Berufsheere/ Vöiiterbund- armee/ Internationalisierung der Lnitschiflahrt Paris, 14. November. Der französische Ministerpräsident lässt den folgende» Auszug ans dem Abriistungsplan veröffentlichen: Frankreich schlägt vor, daß eine Gesamtlösung erwogen werde, die sukzessive eine Form der militärischen Organisation sucht und verwirklicht, welche unter dm gegebenen Politischen und technischen Vechältniflen eines jeden Gebietes eine Angriffspolitik unmöglich machen würde. Wir glauben, so heißt es in dem französischen Plane, daß einzig nur durch diese Methode es möglich sein wird, eine Lösung zu finden, die dem deutschen Verlangen nach Gleichberechtigung, d. i. nach einer sukzessiven Gleichwertigkeit und Ausgleichung des Militär st atuts und der Wasien- gattungen entspricht und daß durch eine gleiche Beteiligung sowohl an den Lasten als auch an den Vorteilen einer gemeinsamen durch den Pakt begründeten Aktton jeder Gedanke auf eine neue RLstnng wird beseitigt können. Di« zu treffenden Vereinbarungen die gegenseitigen Maßnahmen festsetzen, einer präziseren Beschränkung, ^absetznng und Kontrolle der Rüst«u- g e n bestehen sollen, welche von den an der Orga- nisatio« beteiligte« Staate» angenommen werden sowie auch gegenseitig« Abkomme» über die Organisation der Sicherheit, und zwar sowohl sür Europa als Ganzes, als auch sür jeden Staat im besondere». Im Plan wird weiter die Hoffnung ausgesprochen, daß auch die Großmächte, di« an diesen Sonderabkommen nicht teilnehmen werden, ihr« Durch- ührung dadurch ermöglichen, daß sie zu gewissen Garantien ihre Zustimmung geben, die schon jetzt nach dem Bölkerbundstatut und dem Kelloggpakt für sie verbindlich sind. Ohne diese Annahme wäre der Plan undurchführbar. Diese Staaten werden sich vor allem verpflichten, daß sie im Falle einer Verletzung des Kellogg- Paktes sämtliche wirtschaftlichen und finanziellen Beziehungen zu dem angreifenden Staate abbrechen. Bon besonderer Wichtigkeit sind die politischen wie militärischen Bestimmungen des dritten Kapitels, die sich ausschließlich auf di« europäischen Staaten, urw zwar nur auf deren Landheere, beziehen. Di« politische» Bestimmungen verfolgen den Zweck, di« Bedingungen zu definiere», auf Grund deren jeder der Bertragsftaate» das Recht aus Zusammenarbeit»nd Hilfe von feiten der anderen Staate» haben wird. Dies« gegenseitige Hilf« wird bei einem einfachen Angriff oder bei einem Vordringen auf fremdes Gebiet in Geltung trete», dar auf Ansuchen des. angegriffenen Staates von einer Kommission festgestellt wird, deren Mitglieder schon zu Friedenszeiten auS den diplomatischen Vertretern und Militärattaches bei der Regierung dieses Staates gewählt werden. Alle Bertragsstaaten werden verpflichtet sein, dem sogenannten allgemeinen Arbitragepakte beizutreten. Im Falle, daß einer der Signatare er ablehnen würde, sich den Methoden einer friedlichen Regelung zu unterwerfen, oder auf die Arbitrage oder gerichtliche Entscheidung oder auf die Konstatterung des Bölkerbundrater einzugehen, wird die Gegenpartei berechtigt sein, davon den Rat zu verständigen. Der Rat wird dann über dar weitere Vorgehen entscheiden. Di« übrigen Bertragsstaaten werden dafür Sorge tragen, daß dieser Beschluß durchgeführt wird. Endlich— und das ist der wesentlichste Punkt— setzt es fest, daß der Bölkerbundrat mit Stimmenmehrheit einen Beschluß über di« Durchführung der oben erwähnten Dispositionen treffen wird. Die militärische« Bestimmung«« ver- versolg.n doppelte» Zweck: 1. Die Bermiu.erungdeSAugrisfS- charakt rs der Landstreitkräfte eines jc^en Staate», di« zur vertridiguug seiner Grenzen am europäische» Kontinent bestimmt sind, auf Grund der Prinzipien de»-oovrr-Bor- schlage»; 2. ein« gegenseitig« Hilfe zugunsten der Vertragsparteien zu organisiere», und zwar so, daß dies« erst« Hilfe dem Angegriffene» ohne Verzug gewährt werdru kann. Zur Erreichung des«rstgenauute« Zieles sollen di« Armeen der Bertragsftaate« allmählich auf einen Einheitstyp gebracht werden, und zwar aus den Typ einer«atioualeu Arme« mit kurzer Dienstzeit und beschränktem Es fiktiv stand. Dabei sollen die besonderen Verhältnisse eines jeden Bertraasstaatcs, namentlich„Ungleichheiten oder Verschiedenheiten der Rekrutierungsquellen" in Erwägung gezogen werden. WeiterS müsse die militärische Erziehung berückstchttgt werden, die in einigen Staaten in verschiedenen politischen Formationen erfolge und die Wichtigkeit der Polizeikräfte in Betracht gezogen werden. Diese nationalen Armeen werden kein starkes mobiles Kriegsmaterial zur Disposition haben. I« Bezug aus di« Gewährung der ersten Hilfe für de» überfallene» Vertragsstaat wird di« besondere Spezialisterung gewisser Teile nationale» Armee jedes Staates festgesetzt, ein« besondere Ausbildung erhalten und starkes militärisches Material Verfügung habe» werden, das sonst den nationalen Armee« verboten ist. Dies« Sonderabteiluugeu werden z»r Disposition des Völkerbundes gehalten und bereit kein, jederzeit einzugreifr». Die übrigen Bestimmungen beziehen sich auf die militärischen Vorräte eines jeden Staates, die unter der Kontrolle des Völkerbundes stehen und so dem angegriffenen Staate zur Dis- positton stehen werden, weiter- auf daS militärisch« mobile Material, dessen Beibehaltung einig en(!) Staaten durch einen Sondervertrag erlaubt, deren Verwendung aber den nattonalen Armeen verboten sein wird, weiters auf die allmähliche Vereinheitlichung des Kriegsmaterials, dessen Erzeugung kontrolliert und allmählich auf internationaler Grundlage organisiert werden wird, und schließlich auf die O r g a n 1 sierung der Kontrolle zwischen dest tragSstaaten und deren Durchführung. Die Durchführung dieses Programm« allmählich in Etappen erfolgen. DaS vierte Kapitel handelt von Marine- und Ueberseekräften, die durch ein Sondrrebkommcn geregelt werden werden./ Das fünfte Kapitel befaßt sich mit der L u f t- r ü st u n g. ES konstattett, daß die Grundlagen eines Abkommens hier bereits im Rahmen einer allgemeinen Konventton erreicht worden seien, nämlich durch das Verbot jeglichen Luftbombardements und die Beseitigung der Bombardierungsflugzeuge. Durch die Resolutton vom 23, Juli I. I. wurden diese Maßnahmen einem Sondershstem unterworfen, das dafür Sicherheit gewähren soll, daß die Zivilflugzeuge nicht zu militärischen Zwecken verwendet werden. Frankreich schlägt vor, daß alle europäischen Staaten, die Zivilflugzeuge oder Flugvuge überhaupt besitzen, sich in einer sogenannten europäischen Union sür Flugtransport vereinigen So wie Frankreich die Schaffung eines besonderen Kontingents militärischer Kräfte fordert, die dem Völkerbünde zur Verfügung gestellt werden, fordert Frankreich wenigstens sür Europa die Schaffung einer ähnlichen Luftmacht, di« gleichfalls unter dem Protektorat des Völkerbundes stände und deren Mannschaft unter den Freiwilligen verschiedener Staaten ans Grund eines besttmmten Schlüssels ausgewählt werden würde. Im Schlußwort wird daran erinnert, daß 'amtliche Teil« des französischen Planes geaen- seitiae Solidarität aufweisen und daß deren“ wirklichung allmählich erfolgen müsse: Plan werd« zur Zunahm« des Vertrauens zur Loyalität bei der Erfüllung bet von Staaten übernommenen Verbindlichkeiten trage«. —UM Hilfsaktion tor die Vrdiovine. 2590 Waggons Mai» werden importiert. UnAoar, 14. November. Wie mitgeteilt wird, wurde dieser Tage zwischen dem Ministerium für Volksverpflegung und dem Getreidesyndika: ein Uebereinkommen getroffen, demzufolge für die Verpflegung der Bevölkerung von Karpatho- rußland, besonders der Brchovina, Heuer ein Maximalkontingent von 2500 Waggons aus dem Auslande, besonders aus Rumänien, im- portierten Moises festgesetzt werden. Laut amtlichen Meldungen wunde Heuer in Karpathoruß- land m«hr Mais geerntet als in früheren Jahren, aber trotzdem wird es nötig sein, Mais in oben erwähnter Menge einzufuhrcn, denn erstens wird ein großer Teil der heurigen Maisernte von Feldmäusen vernichtet werden, die Heuer in besonders starkem Maße auftteten, uns zweitens ist zu bedenken, daß in Karpathoruß- land der Mais das Hauptnahrungsmittel für etwa 500.000 Menschen ist. DaS Gesamtquantum des konsumierten Maises beläuft sich auf rund 700.000 Zentner. den das kaiserliche und das bürgerliche Deutschland zu seiner Ehre verfemt, beschimpft und aus dem Theater der herrschenden Klasse verbannt hatten. Zu seinem Namen trägt der greise Dichter Goethes Alterszüge. Aber welch eine Kluft zwischen Goethe, der sich von seiner Klasse entfernte, weil er zum Olymp stieg, während sie nach verrauschter Jugend den: Geschäft nachging, und Hauptmann, der sich von seinem Ursprung nur entfernte, um in einer Bürgerwelt von grauenhaften Dimensionen des Verfalls Heimatsrecht und Quartier zu erwerben! Welche Tragödie hier, welche Verklärung dort! Der eine ging zu den Müttern, weil es ihn unter Bürgern nicht litt, der andere kam von der Höhe und duldete, daß die Niederung von ihm Besitz nahm. Nm Goethe ringen wir, zu ihm streben wir, feine Welt will der Arbeiter erobern» um mit ihm Mensch zu sein. Hauptmann war unser und ging zu den Bürgern. Die Zeit, in die Hauptmann hineinwuchs uiiiiiiii»niiiimiiiniifinuiHininH!nuHmiiiimuiiiiii(uii!iiiiituiiiiuuinuiinuuiiiiiiiiiiniHiiiiiiiiinniiiiiiiiniiiiiiiniiiiiiiiininiiiiiiiiiuuiiiiiiiiiiiiiiiiuiiuiii!iiiiuiiHiHiiHiiiuiiiiHiHiiiiutiiiiiiiuiiiiiui Der französlsdiePlan veröffentlicht 14 nette Zeugen im Stribrny-Prozctz vorgeladen. Jgla», 14. November. Die Verhandlung wurde sheute mit der Verlesung der eingelaufenen Zuschriften eröffnet. Ein gewisser Ferdinand R 4 z sandte einen Brief, worin er schreibt, sein Verwandler Pazdernik aus Hrochüv T^nec könne bezeugen, daß S t f i b r n y und Sichrov- I f y einander schon während des Krieges gekannt hätten. Sie hätten einander im Krankenhaus auf dem Hradschin kennen gelernt. Angeklagter StNbrn? bemerkt hiezu, daß er während des Krieges in diesem Krankenhaus nicht gewesen sei. Anton P e t r ü aus Znaim bietet sich als Zeuge darüber an, daß in der Kleinlandwirte-Bereinigung doppelte Frequenz war. Staatsanwalt Marianko beantragt das Verhör Pazdernlks. Weiter führt der Staatsanwalt im Hinblick auf das Memorandum des Rats Hallk an die Kabinettskanzlei Ingenieur Josef Ludwig als Zeugen über die Beziehungen des Rates im Eisenbahnministerium Hallk zu Stejflal und beantragt die Beschaffung des Aktenmaterials vom Steueramt hinsichtlich deS Rates H a l l k, der angeblich vierMillionen Kronen hinterlassen habe, die hauptsächlich von Provisionen herrühren, die ihm Stejskal gezahlt haben soll. Schließlich beantragt er noch, bei der Diskontbank festzustellen, daß im Jahre 1920 von Fuchs ein Betrag von etwa 50.000 Kt auf das Konto Stklbrn- überwiesen wurde. Ueber die Verhältnisse, die in der Kleinlandwirte-Bereinigung geherrscht haben, bringt der Staatsanwalt fünf weitere Zeugen in Vorschlag. Dr. Rattn beantragt die Beschaffung des Aktenmaterials aus dem Prozeß gegen Stklbrn^ Stejflal, 6ern§ und Genossen. Er beantragt drei weitere Zeugen über die Verhältnisse in der Kleinlandwirte-Bereinigung. Darüber, daß Stkl- brny und SichrovflK einander nicht kannten, will Dr. Rarln den Zeugen Gustav Janda auS Prag als Zeugen führen. Ueber die Glaubwürdigkeit Dr. Podlipfl^s soll Zeugin Jenäkovä aus FranzenSbad aussagen, der dieser angeblich die Ihr gezeigt hat, die er von SichrovskF erhalten habe. Weiter schlägt Dr. RaSln den pensionierten Rat Simek als Zeugen vor, der dar- iber aussagen soll, daß der ehemalige Minister Heidler sich darüber geäußert habe, die auS Deutschland gelieferten Waggons seien auf ein Viertel des Preises zu stehen gekommen. Das Gericht beschloß, für Stejskal freies Geleit zwecks Zeugenaussage in Jglau zu verlangen. Von den ehemaligen Ministern wird bloß Dr. H o t o w e tz einvernommen werden, außerdem drei Beamte des Ministerratspräsidiums. Den heutigen Anttägen wurde durchwegs stattgegeben. Der Anttag auf neuerliche Einvernahme Dr. EngliSs wurde jedoch abgelehnt. Des weiteren werden die Sekretäre des Abgeordnetenhauses Dr. Mikyska und Dr. Sochr sowie der Angestellte Kohout und ferner Karl Bondy aus Prag einvernommen werden. Im ganzen sind 14 neue Zeugen vorgeladen. Die Verhandlung wurde hierauf auf Nachmittag vertagt. Zu Beginn der Nachmittagsverhandlung wurde eine Reihe weiterer Briefe verlesen, darunter zwei anonyme. Drei Zeugen entschuldigten ich, daß sie krankheitshalber nicht vor Gericht er- cheinen können. Die Kanzlei des Präsidenten der Republik teilt mit, daß Kanzler Dr. 8 ämal für die Zeugenaussage über da- Memorandum des Baurates Hallk von der amtlichen Schweigepflicht entbunden wurde. Der Zeuge Paukert, Inhaber eines Delikatessengeschäftes in Prag, brachte einen Plan und Aufnahmen seiner Geschäftsräume sowie Belege über die im Jahre 1921 in seinem Laden vorgenommenen Adaptierungen. Er bestätigte eine früheren Aussagen, daß beide Angeklagte ein Geschäft besuchten und sich dort sehen konnten; Zeuge weiß aber nicht, ob sie dort einander begrüßten oder miteinander sprachen. Sodann wurde aus den von der Kleinlandwirte-Bereinigung übersandten Protokollen fest- gestellt, daß die Einführung der einfachen Frequenz in einer DirektionSsihung mit Wirksamkeit vom 1. Oktober 1920, also erst n a ch dem für den Prozeß krittschen Zeitpunkt, beschlossen wurde. Nr. 269 Dienstag, 15. November 1932. Seite 3 oder mir Phot. Paramoimt. Gilgi mustert ihr• Mutter als das neue jungen Menschen 4» Kein Laut ist im Zimmer— stilles, lasten •— die nationalsozialistische Ju- und Herr Vieweger hat auch ent- dieses selbstbewußte Hinschreiten zu des Dritten Reichs zurückzuführen nichts anderes. Der Bergarbeiterstreit im Rost tz- Sslawaner Revier. Im Streik der Bergarbeiter des Roflitz- Sslawaner Reviers hat sich auch in der Meilen Woche nichts geändert. Augenblicklich stehen mehr als 2000 Arbeiter im Ausstand. Nur in vier Gruben werden die notwendigsten Arbeiten verrichtet. Heute finden in Segengottes Verhandlungen wegen Beendigung des Streiks statt, doch ist es sehr fraglich, ob eine Einigung erzielt werden wird. Im Streikausschuß sind jetzt f a st ausschließlich Kommunisten; die sozial- oemokratischen Mitglieder wurden nach der samstägigen Konferenz der sozialdemokratischen Bergarbeiter abberufen. wird nachgewiesen, daß die geübten Einfuhrbeschrän- kungen infolge der Retorsionsmaßnahmen der anderen Länder gerade die entgegengesetzt« Wirkung auslösen, d. h. nicht beitragen zu einer Festigung der Währung, sondern zu einer schweren Schädigung- unseres Exportes und so auch.indirekt. der Währung. Der Redner wünscht .deshalb.. haß. di.e. Einfuhrbeschränkungen gegenüber alle» jenen Staaten a b g e s ch a f f t werden, die bereit sind, dies uns gegenüber auch zu tun. Dies kann geschehen, ohne lebensnotwendige Interessen der Landwirtschaft preiszugeben. Die Arbeitslosigkeit Der Direktor des Wirtschaftsverbandes wies darauf hin, daß die Glasindustrie relativ die größte Beschäftigungslosigkeit hat. Auf tausend Glasarbeiter entfallen 520 Beschäftigungslose, wobei die Mehrzcihl der Arbeiter nur einige Tage in der Woche arbeitet. Der Glasexport wird Heuer ungefähr eine halbe Million Kronen erreichen, was einemDritteldes Exportes im Jahre 1929 und der Hälft« des schwachen vergangenen Jahres gleichkommt. Alle Zweige der Glasindustrie sind von diesem Exportrückgang empfindlich betroffen, insbesondere di« Hohlglas- ndustrie. Die Hütten sind durchschnittlich nur mit 25 bis 30 Prozent, die selbständigen Hohlglasraffinerien nicht einmal mit 20 Prozent ihrer Kapazität beschäftigt. Aus der Sleinschönauer und Haidaer Gegend wurde Qualitätsarbeit in Form von Glas für 250 bis 300 Millionen Kronen iohrlich eAwrtiert, jetzt kaum für 50 Millionen Kronen. An der darauf folgenden Aussprache beteiligten sich u. a. die Vertreter der Vereinigten Verbände der Glasarbeiter und der Vertreter des Verbandes der Glas- und keramischen. Arbeiter, LL/tz-L V.&K UM bestimmte Lebensrichtung und Geschmacksrichtung entschieden. Sie können auch ganz zufrieden ununbelastet sein— ich habe«s sehr gut gehabt rn meinem Leben— ich lebe gern— und dafür, daß einem Zeitpunkt verschoben werden, über den ein Einvernehmen getroffen werden könnte. Die britische Regierung ist fest überzeugt, daß es am besten wäre, wenn die vorgeschlagenen Beratungen in Washington eröffnet würden. New Hork, 13. November. Präsident Hoover hat Roosevelt telegraphisch zu einer Besprechung über die Schuldenfrage eingeladen, die in der nächsten Woche stattfinden wird. In seinem Telegramm an Roosevelt sagt Hoover unter Hinweis auf die Schulden- und die Abrüstungsfrage, die Regierung sehe sich einem Weltproblem von größter Bedeutung für die amerikanische Nation gegen- übergesteltt. „Wir sollte« den Borschläaen unserer Schuldner zugänglich sein gegen fühlbare Kompensationen in anderer Form als direkter Zahlung, nämlich Erweiterung ihrer Markte für die Erzeugnisse unserer Arbeiter und Bauern und vor allem wesentliche Herabsetzung der K r i e g s r ü st u n g e n." Sie mich geboren haben, danke ich Ihnen sehr. Das kann noch lange nicht jedes Kirä» zu seiner Mutter sagen, nicht wahr? Im übrigen haben Sie nicht di« geringe Verpflichtung gegen mich uiÄ ich nicht gegen Sie. Wir beide gehen uns nichts an. Ich bin nur aus einem einzigen Grund hier— ich brauche Geld. Aber denken Sie um Gottes Willen nicht, ich glaubte, das von Ihnen verlangen zu dürfen■— ich bitte Sie nur darum..." Zitternde Finger lassen die Zigarette fallen — Gilgi drückt sie sorgsam im Aschenbecher auS.— „Immer und nur wollen Menschen Geld von mir haben", sagt endlich eine seltsam leere, kindliche Stimme. „Das ist ganz natürlich— von jedem Men- 'chen wird von anderen das gewollt, was er geben kann— das, wovon er am meisten hat— Liebe, Mitleid, Schönheit, Gedanken, Freude- Geld." „Und ich habe nur Geld zu geben?" ,Lch wüßte— nichts— Nurs— Sie — sonst— geben— könnten." „Sie sollen morgen Geld haben." „Morgen ist es zu spät." „Ich habe jetzt kein Geld." „Aber ich brauche es jetzt— mein Gott j— jetzt— verstehen Sie, es ist nicht für mich— nie wäre ich für mich hierher gekommen, eS geht da um Freunde.. Die Frau faßt plötzlich nach Gilgis Hand— Gilgi zieht sie hastig zurück— ,/fasten Sie mich nicht an— ich bitte Sie— es ist besser für Sie, wenn Sie mich nicht erst an- fasten." „Sie musien mir— erzählen— von sich— ja, Sie müssen zu mir kommen— immer— wann?" Schwer und offen liegen Gilgis Hände auf dem Tisch— man kann sie nicht heben— man will aufstehn und kann die Hände nichl heben. Der Raum dreht sich um sie— Nebel, Nebel— tanzende Schatten— gelbe Wolken— zuckende Luft— (Fortsetzung folgt.) Der Betrug an der jungen Generation. „Der Tag" hat eine Jugendbeilage, aus der di«„Grundsätze" und die,-Ziele" der nationalsozialistischen Jugenderziehung ersichtlich sind. Es erscheinen da überschwängliche Lobgesänge auf Hitler; Jungen und Mädeln verwandeln ihre Pubertäts- und anderen Gefühle in Druckerschwärze und das ganze wird garniert mit männ- lich-iugendfreundlichen Aeußerungen der Herren „Führer".< Ein gewisser Otto Vieweger schreibt in der letzten Jugendbeilage über den„Weg der jnn- gen Generation".-Die dumpfen Gefühle, die er in schlechtem Deutsch auszrrdrücken versucht, sind sozusagen der Leitstern nationalsozialistischen Ju- gend-Wollens; der Verstand, die klare Ueber- legung, stehen bei dieser Jugend und ihren Betreuern in schlechtem Ruf. „Die Jugend geht ihren Weg, unbekümmert, gend nämlich deckt, worauf den Gefilden ist: Es ist L e b e n s g e f ü h l, das di« dec Jetztzeit durchströmt. Denn: dies« Jugend wolle nichts mehr wissen von dem alten Plunder, genannt Demokratie.... Der ,-alte Plunder" gibt der Nazijugend immerhm die Möglichkeit, ihre dürft'««» Gedanken zu äußern. Aber sie, die nie erfahren Hai, welche Opfernder Kampf um die politische Freiheit kostete, die sie jetzt mit genießt, ist ob ihrer Blindheit kein Borwurf zu machen. Wohl aber einer Presse, die den Märtyrerruhm einer Jugend, zu deren Verführung und Verbildung sie eifrig beiträgt, in die Welt schreit, sich gleichzeitig bemühend, di« Aufmerksamkeit von ihren Fehlern und Verbrechen durch das Beschuldigen anderer abzuwenden. Die Erziehung der Jugend zur Verachtung der Demokratie kann, wenn sie Erfolg haben sollte, in der Tschechoslowakei doch wahrhaftig nur dazu führen, daß den nationalen Min- ,derheiten di« Plattform entzogen wird, auf dcr sich der Kampf um ihre Selbstbehauptung abspielt. Haßpredigten gegen die Demokratie bedeuten gerade in der Tschechoslowakei ein« schwere Schädigung der Minderheiten und, wenn sie von Angehörigen der Minderheiten selbst geübt werden, schmählich st en Verrat an ihnen. Das mag die Jugend der nationalsoz'alisti- schcn Partei vielleicht nicht beurteilen können, die Männer jedoch, die für die nationalsozialistische Press« verantwort! ch sind, müssen stch darüber klar sein, daß ihr Tun Volksverrat im wahrsten Sinne des Wortes ist und daß sie, indem sie den seichten Schlagwortglauben fördern, den sie der Jugend vermittelten, dem Weg der jungen Generation in die Knechtschaft der Diktatur den Weg bereiten. Es ist die Aufgabe der sozialdemokratischen Arbeiterbelvequng und ihrer Jugend, den jungen Menschen, die von der nationalsozmlisti'chcn Presse aus agitatorischen Gründen— mit Märtyrerkronen läßt sich gut handeln— a»gelogen und in ihrer Verblendung verhimmelt werden, die nüchterne Wahrheit zu sagen, di« darin besteht, daß der Schutz der nationalen Minderheiten und das Geltendmachen jugendlichen Wollens nur möglich sind, wenn der„alte Plunder", die Demokratie, nicht vor die Hund« geht. Kein Laut ist im Zimmer— stilles, lasten- mich zu empfinden. Es ändert sich ja doch nichts des Halbdunkel— ein kleiner, stummer,- weißet'n Ihrer Lebenseinstellung und in Ihren Wün- Fleck, das Gestüt der Magazin^ame. Irgendwo^chen— Sie müssen nicht glauben, es müßte sich Wägt ein« Tür. schrillt ein« Autohupe— Ge- jetzt was ändern. Sie haben sich längst für«ine Ane Kundgebung des ßiseubahu« Ministers. Gleiches Recht für all« Angestellten. K ueue Eisenbahnminister, Genosse B e- erließ eine Kundgebung an die Eisen- bediensteten, in der es nach einem Hinweis R die schwierige Lage der Staatsbahnen zuni ^Uufse heißt: „Auch in diesen schweren Zeiten bin ich fest schlossen, die Interessen des Personals ohne c^terschied der Nationalität und 2 politischen Ueberzcugung. so weit es nur an- zu verteidigen. Durch opferfreudige und Zusammenarbeit zum Nutzen des Gan- r*. dem wir alle dieneii, kann mich jeder ein- rsve in seinem eigenen Wirkungsgebiete in die- E? 1 Bestreben werktätig unterstützen. So werden c* bie schwere Krise überwinden, die wir eben Wchleben, und wir werden gerüstet in eine Aer^> *»cn wirtschaftlichen Aufschwungs eintreten." Gemeindewahlen in Hartmanitz. Am Sonu tag fanden in Hartmanitz(Bezirk Schütten- Hosen) Gemeindcwahlen statt. Gültige Stimmen wurden 475 abgegeben. Hievon erhielten: Wahlgemeinschaft der Kleinbürger 51 Stimmen, L Mandate; Deutsche Sozialdemokraten 140, 5(bei den letzten Wahlen 129, 5): Deutsche Gewerbe-Partei 56, 2; Tschechen 43, 1 (29, 1); Bund der Landwirte 28, 1(78, 3); Vereinigte deutsche Parteien 62, 2(115, 4); deutsche fNationalsozialisten und Gagisten 73, 2(75, 2). täusche, di« helfen könn ten— man dehnt sich zu ihnen hin— erreicht si« nicht. Alle Menschen sind lot— ich bin ganz allein — ich freue mich— ich werde ein Kind haben— ich freu mich— ich bin ganz traurig vor Freude ... Eine Flieg« summt, stmmt. Ich kann mich nicht bewegen— der Ge- Wch hier im Zimmer— tausend Bänder, die sich um meinen Leib legen und um mein« Arm« und nm meinen Kopf— es soll laut werden, ich will meine Stimme hören, ich will meine Hand bewegen linnen. So still— die Frau da drüben... der HÄ« Fleck, den höre ich senken, so still ist es in mir— ich höre— ich muß antworten. •„Sie glauben, das wäre nicht wahr, was ich Ihnen sagte! Wie kann ich beweisen— vielleicht Erpressung— oh, täuschen Sie sich nicht. Sie deriuchen nur, das zu glauben, weil Si« es wünschen— aber Sie haben genau gefühlt, daß alles wahr'.st— Wahrheit fühlt man immer. Warum Meyren Sie siche Sie brauchen sich nicht zu quälen und sich verpflichtet zu fühlen, jetzt erschüttert zu sein oder irgend etwas für mich zu empfinden. Wundern Sie sich nicht, daß Sie gleichgültig sind — das ist keine Erlebnisunsähigkeit, die S>? er schrecken muß— man kann nicht so zwangsweise und unmittelbar reagieren— das kommt immer erst später. Ich bitte Sie, sagen Sie etwas— ich ertrage das nicht, daß Sie w-e ein« Tot»-.-fitzen— ich habe das Gefühl, mitzuster- ien. Und wenn Sie jetzt sprechen— b-uc lügen Sie nicht und versuchen Si« nicht, mich Du zu Nennen— das wäre so beschämend und peinlich, denn Sie kön>«n jetzt noch gar kein Du für mich fühlen..."- Gilgi schweigt.erschöpft— klein« Schweißtropfen perlen auf der blassen Srirn. Un. siägl,-che körperlich« Anstrengung jedes Wort. Trüben der weiße Fleck bewegt sich— ein greller koter Mund versucht zu sprechen— Gilgi beugt sich vor— wartet— auf'«in Wort... Ich muß shr Helsen— muß furchtbar für sie sein, nicht- sagen zu können— ich fühl«, wie furchtbar das für si« ist. Ich muß ihr den Zusammenhang mit >h«r Welt wiädergeben... „Vielleicht sind Sie beschämt und bedrückt, M Sie jetzt nur Angst haben vor Skandal und Durcheinander in Ihrem Leben— das braucht nicht zu bedrücken— das ist sehr natürlich, M Sie daran denken. Aber Si« brauchen keine ungst zu haben— niemand weiß etwas, und nie- ^ond wird wa- wisien. Seien Sie verständig Und kcn'equent— damals paßte ein Kind nicht m Ihr Leben— ich war ein kleiner Unglücksfall Mr Sie— Sie haben ihn in höchst anerkennensfrier, energischer Weise au- Ihrem Leben ge- strichen oder streichen lasten— sicherlich mit cini- W inneren Kämpfen und Gewissensbissen. Aber iiveifellos haben Sie das getan, was am stärksten Und endgültigsten Jhreu Neigungen entsprach >. Weinen Sie doch nicht— Sie haben sich Jhp fben nach eignem Geschmack aufgebaut— ver- Mnen Sie den jetzt nicht. Sie haben sich nach Möglichkeit die Freuden geschaffen, die eben sreuden für Sie sind..." L. Ein zitterndes Stöhnen von drüben— Gilgi Wft nach einer Zigarette, zündet sie an— hält der kleinen weißen Frau hin—„Ta nehmen ?se— es ist gilt, jetzt etwas Alltägliches zu tun." W habe ihr etwas BöseS angetan, weil ich zu ^gegangen bin— ich muß ihr helfen... Un- Mlich weich ist Gilgis Stimme:-„Bleiben Sie jetzt ehrlich und konsequent. Geben Sic sich nm« Mühe, plötzlich mehr als Gleichaültiakeit für Notstandscnqnctc der Glasindustrie Weiteres Ansteigen der Arbeitslosigkeit. Die Schuld der Handelspolitik. Prag, 14. November. Heute fand jm Handels ministerium eine Enquete über di« Lage der Glasindustrie statt. Den Vorsitz führte der Han delsminister Ma.toü öe k, Teilnehmer hatten entsandt die Organisationen in der Glasindustrie, die beteiligten Ministerien, die Handelskammer zentral« und dir Handels- und Gewerbekammern. Neben anderen Abgeordneten wohnte, Genosse Jng. N«Las der Tagung bei. Handelspolitik und Planwirtschaft Der Vorsitzende des Wirtschaftsverbandes der Glasindustriellen, Herr Generaldirektor Jng. Fritz Heller, leitete die Tagung mit einer be merkenswerten Rede ein, zu der wir uns eine ausführliche Stellungnahme Vorbehalten. Er führte u. a. aus: Man kann annehmen, baß die wirtschaftliche Lage b!s zum Kriegsausbruch ziemlich ausgeglichen war, so daß ein« ruhig« und befriedigende Weiter entwicklung Vorausgesetz! werden konnte, während wir heute vor einer ganz anderen Situation stehen. Es handelt sich um di« ttefgeheqdcn Aenderungen der, Ernährung, der Zölle, des Zinsfußes, der Staatsfinanzen, des Einfuhrregimes, der öffent lichen und privaten Verschuldung, der fiskalischen Belastung, wozu auch noch das Problem der Ar- beitslosigke't und das vielfach zu beobach ende Sin ken der Gesck'ästsmoral kommt.— Unter Plan wirtschaft ist nichi Stoalswir schäft zu hev- steh'n, sondern Regelung der Produktions verhältnisse und der Arbeitszeit auf Gründ des veränderlichen Verbrauches, bei voller Wahrung der Privaliniriative und des privaten Risikos Zur Ermög lichung einer solchen hält der Redner Zweckvere'n- barungm auf dem Dege einer mternationalen Shndikalßbildung für notwendig Die Währung muß in'akt bleiben, es muß aber davor gewarnt! Teplitz-Schönau. werden, in ein Et'rem zu verfallen, als welches s bew- r tsch a f t u ng darstcllt werden,'n ein Ex rem zu verfallen, als welches Der^Handclsminister beendete die Sitzung sich die jetzige drakonisch« Methode der Devisen»! mit der Zusage, daß den vorqebrachtcn Anträgen bewirtschaft u ng darstcllt Die Währung ist> in Regicrungskreisen die größte Aufmerksamkeit der Wirtschaf! wegen da und nicht umgekehrt— I gewidmet und daß zur Lösung dieser Fragen ge- Aus Grund eines umfaßenden statistischen Material- schritten werden wird. Die Offensive der Sdiuldnerslaaien noover berat shh mit dem künftigen Präsidenten. Washington, 14. November. Heute wurde der Text der englisches Note veröffentlicht, die sich mit-em Problem der Schulden an Amerika befaßt und feststellt, daß weitere Abmachungen über das seinerzeitige Hoovermoratorium hinaus notwendig seien und daß schon vor Ablauf dieses Moratoriums neue Verhandlungen an- gebahnt werden sollten. Di« britische Regierung s«i fest überzeugt, daß die gegenwärtig« Durchführung der finanziellen Verbindlichkeiten der einzelnen Regierun gen einer neuen Prüfung unterzogen werden müssen. Sie hofft ernstlich, daß di« Regie rung der Vereinigten Staaten e h e st e n s di« Möglichkeit zu einem Meinungsaustausch finden wird, und ersucht, daß alle Zahlungen(dre schon! am 15. Dezember zu beginnen hätten) während I , der Zeit der vorgeschlagen«« Beratungen bis zu I „Franken steht zu Hitler" verkündet triumphierend„Der Tqg"- Denn Hitler habe, wie sich jetzt erst herausstelle, dort nur elf Prozent der früheren Wählerstimmen verloren. „Der Tag" ist allerdings von Hitler abgefallen. Und so will er die Primadonna offenbar durch den Hinweis auf Franken trösten. Ein schwacher Trost, mutz man sagen—, ein schwacher Trost vor allem für die Leser des„Tag", die eine Erklärung für seinen Verrat an Hitler erwarteten. WW 4 Tagesneuigkeiten Lied der Engel Von Gerhart Hauptmann Auf jenen Hügeln die Sonne. Sie hat dir ihr Gold nicht gegeben: das wehende Grün in den Tälern, es hat sich für dich nicht gebreitet. Das goldene Brot auf-en Lecker», dir wollt eS den Hunger nicht Pillen; die Milch der weidend«» Rinder, dir schäumte sie nicht in den Krug. Die Blumen und Blüten der Erde, gesogen voll Duft und voll Süße, voll Purpur und himmlischer Bläue, dir säumte» sie nicht deinen Weg. Wir bringen ein erstes Grützen durch Finsternisse getragen: wir haben auf unseren Federn ein erstes Hauchen von Glück. Wir führen am Sau« unserer Kleider ein erste- Duften des Frühlings; er blühet von unseren Lippen die erste Röte des Tags. Es leuchtet von unseren Fützen der grüne Schein unserer Heimat; es Ritzen im Grund unserer Lugen die Zinne« der ewigen Stadt. AuS„Harmeles Himmelfahrt". Neuer Naketeuflug m Berlin. Berlin, 13. November. Die erste öffentliche Vorführung der Flugrakete vor» Ingenieur T i l l i n g-Osnabrück fand heute nachmittag auf dem Tempelhofer Flughafen statt. Die erste Rakete stieg mitunglaublicherSchnelliakeit etwa 800 Meter empor, dann öffneten sich die Tragflächen und in sicherem Gleit/lug landete hie Rakete in-er Nähe deS Startplatzes. Beim zweiten Start wurde die Rakete durch den böigen Wind in etwa 200 Meter Höhe abgetrieben. Die Tragflächen entfalteten sich nicht und der Raketenkörper prallt«,mit ziemlicher Heftigkeit auf dem Boden auf. Ein dritter Start wurde daraufhin von der Polizei auS Sicherheitsgründen untersagt. Feuertod eines Ehepaares. Köslin, 14. November. Auf dem Anwesen des Landwirtes Janke in Trocken-Glienke im Kreise Neu-Stettin brach heute nachts Feuer auS, das auch auf das Wohngebäude Übergriff. Das Ehepaar Janke kam bei dem Brand ums Leben. Alle Anzeichen sprechen dafür, daß das Feuer gelegt wurde; die beiden Eheleute dürsten dabei den Tod gesucht haben. Die Untersuchung ist eingeleitet. Siebe« Ba«er«tzö?e obgebran«t. Aus NeuhauS wir- berichtet: In öeskü OleßnL bei Popelin brach Freitag abends ein Brand aus, der in kurzer Zeit sieben Bauerngehöfte einäscherte. Hiebei verbrannten auch große Mengen von Getreide, Futtermitteln und Wirtschaftsgeräten. Das Vieh konnte noch rechtzeitig gerettet werden. In Deätnü bei Sobsslav brannte Samstag die Scheune des Gastwirtes Römer mit der gesamten Ernte ab. „Marmorifierle" Leichen. Keine unbedingt notwendig« Erfindung. Aus Rom wird uns geschrieben: Der italienische Akademiker D i o n y s i, Profeffor der Anatomie an der Universität in Rom, teilte der Mr leidens nldit mehr! Aus Gerhart Hauptmanns Schauspiel: Die Weder. Im Stübchen des Häuslers Wilhelm Ansorge zu Kaschbach, im Eulengebirge, sitzt die Familie des alten Webers Baumert mit Ansorge und Moritz Jäger, dem eben vom Militärdienst Heimkehrenden, im Gespräch. Bon der guten alten Zeit und der elenden Gegenwart ist die Rede. Die Weber werden ausgebeutet, gehen in Lumpen und hungern; die Fabrikanten wissen nicht, was sie anstellen sollen vor Reichtum und Uebermut. Schon hat die maßlose Rot die Webersleute um-en Glauben gebracht, daß es ein Ende im Guten geben könne. In Mor tz Jager gärt offene Empörung. I» eben meser Stunde ,erlebt der alte Baumett, der seit zwei Jahren kein Fleisch mehr aß, daß nun, wo er einmal einen Bissen nahm— er hat sich sein Hündchen braten lassen— sein geschwächter Magen diese Kost nicht einmal bewältigen kann. Bon Ingrimm gepackt, weinend, sitzen Baumert und sein Weib nieder. Da schießt die Lohe auf: Jäger (in plötzlicher Lulwallung, fanatisch): Und da derber gibts Leute, Gerichtsschulzen, garnich weit von hier, Schmärwampen, die de's ganze Jahr nischt weiter zu tun haben, wie uns'n Herrgott im Himmel a Tag abstehln. Die wolln behaupten, de Weber kennten gut und gerne auskommen, se Wern bloß zu faul. A n s o r g e: Das sein gar keene Mensche. Das sein Anmensche, sein das. Jäger: Nu laß ock gut fein, a hat sei Fett. Ich und d'r rote Bäcker wir habu'S'n eingetränkt und bevor m'r abzcgen zu guter letzte, sangen m'r nochs Bluttgerichte. A n s o r g e: C Jescs' Jeses', is das das Lied? Jäger: Ja, ja, hi« hab ichs. 'S heeßt doch glob ich's Dreißicher Lied oder wie, Jäger: Ich wer'sch amal vorlesen. Mutter Baumert: Der hat denn das Lied derfundn? Jäger: Das weetz kee Mensch»ich. Nu hört amal druf. (Er liest, schülerhaft buchstabierend, schlecht betonend, aber mit unverkennbar starkem Gefühl. Alles klingt heraus: Verzweiflung, Schmerz, Wut, Hatz, Rachedurst.) Hier im Ort ist ein Gericht noch schlimmer als die Femen, wo man nicht ein Urteil spricht, das Leben schnell zu nehmen. Hier wird der Mensch langsam gequält, hier ist die Folterkammer, Her werden Seufzer viel gezählt Hs Zeugen von dem Jammer. Der alte Baumert (hat, von den Worte» deS Liedes gepackt und im tiefsten ausgersittelt, mehrmals nur mühsam der Versuchung widerstanden, Jäger zu unterbrechen. Run geht alles mit ihm durch: stammelnd, unter Lachen und Weinen »u seiner Frau):. Hier ist die Folterkammer. Der das geschrie-, den, Mutter, der sagt die Wahrheet. Tas kannst du bezeugen... Wie heeßt'S? Hier werden Seufzer.:. wie?... hie Wern se viel gezählt... .. Jäger: Als Zeugen von dem Jammer. Der alte Baumert' Du weeßts, was mir a so seufz« een'n Tag uin ä andern, ob m'r stehn oder liegen. Jäger (während Ansorge, ohne weiter tu arbeiten, in tiefer Erschütterung zusammengesunken dasitzt, Mutter Baumett und Berta fortwährend die Augen wischen, fährt sott zu lesen): Die Herrn Dreißiger die Henker sind,. die Diener ihre Schergen, davon ein jeder tapfer schindt, anstatt was zu verbergen. Ihr Schurken all, ihr Satansbrut, Der alte Baumert mit zitternder Wut den Boden stampfend: Ja, Satansbrut!!! Jäger' (lieft): Ihr höllischen Dämon«, der Armen Hab und Gut, und Fluch wird euch zum Lohne. A n s o r g e: Ru, jaja, das is auch an Fluch wert. Der alte Baumert (die Faust ballend, drohend): Ihr freßt der Armen Hab und Gut. Jäger (liest): Hier hilft k-in Bitten und kein Flehn, umsonst ist alles Klagen. »GefälltS euch nicht, so könnt ihr gehn am Hungertuche nagen." DienStag, 15. November 1832. ran- «1 «■ t> y v d d Ü Unter Kohlerunaffe« begrabe«. Brüx, 14. November. Der auf dem Colum- buS-Schacht beschäftigte Bergarbeiter S l a ch aus Maltheuern wurde heute vormittags durch Herabstürzende Kohlenmassen derart schwer verletzt, daß er binnen weniger Minuten verschied. vi h ve o Li A ti P te L, .CV, R 8t so dl b ei be Ti u er i le Wiederherstellung der Ruhe und Ordnung herbeigerufen werden. Der Landrat Groß auS Meiningen, der an den Verhandlungen mrt den Erwerbslosen teilgenommen hatte, wurde auf der Straße mit Steinen beworfen und verletzt. die Katastrophe aller Wahrscheinlichkeit nach durch Fermentierung der in den Brauereimaga- ziueu neben Hopfe« aufgestapelten Gerstenmas-, se» verursacht wurde. An der Rettungsaktion! beteiligten sich Sappeure und all« Feuerwehrmannschaften der Hauptstadt. StrcnflR Uniersndinng- Klage gegen den Inhaber des Brauhauses. Warschau, 14. November.(PAT.) In der Nacht auf heute erlagen drei der bei dem .Mauereinsturz im alten Bräuhaus im Norde« Warschaus verletzten Personen ihren Verletz»»- Mn, so daß sich"die Gesamtzahl der Toten' nunmehr auf 21 erhöht hat. Es wurde eine strenge Untersuchung über die Ursachenl der Katastrophe eingeleitet. Gegen den Jnha-j der des alten Brauhauses, dessen Mauer beim; Einsturz ein kleines Wohnhaus buchstäblich zermalmte, wurde die Klage erhoben. <» Warschau, 14. November. In Lodz ereignete sich heute eine neue Baukatastrophe. In der Wohnung des Schneiders Wolski in der Hauptgasse stürzte der Plafond ein. Der Schneider, seine Gattin und ein Enkelkind erlitten lebensgefährliche Verletzungen. Die beiden Ehegatten starben nach der Ueberfiihrung in das Krankenhaus. Auch der Zustand des schwerverletzten Kindes ist enrst. Die übrigen Hausbewohner wurden delogiett, da das Haus vollkommen einzustürze« droht. Opfer der Krise. Wer Zeitungen liest, weiß, wre schlecht es den armen Industriellen geht, deren einst stattliches Vermögen auf ein „Nichts" zusammengeschrumpft ist,' so daß die Armen nicht mehr in der Lage sind, Steuern zu zahlen. Sogar die amerikanischen Ganzgroßmillionäre wurden eben empfindlich von der Krise getroffen, wie man leicht durch Lektüre der empfindlichen Büvgerpresse feststellen kann. Die Banderbilts waren und sind noch heute Eigentümer von drei Vierteln aller Elektrizitätsaktien New, Jorks; da aber die Wtire von 260 auf 22 Dollars gefallen ist, mußte ihr Vermögen auch zusam- menschrumpfen und die Aermsten der Armen haben also heute nur noch etwa vierzig Millionen Vermögen, das sich ihnen wohl mit an die zwanzig Prozent verzinst. Oder bedenken wir einmal das erschütternde Geschick des uralten, eisgrauen John D. Rockefeller, der in seinem ungeheuren Landsitz die herrlichsten Kunstschätze aufbewahtt hat und ununterbrochen Golf spielt. Sein Vermögen ist durch Oel erworben, er hat nach vorsichtigen Schätzungen mindestens 600 Millionen Dollar(zwanzig Milliarden tschechofl. Kronen) besessen und mußte durch Kursverluste bis auf den Hurck, das sind zweihundert Millionen Dollar kommen. Manche wollen ihm sogar nur noch einhundert. Millionen zuerkennen. Manche dieser armen Krisenopfer enden durch Selbstmord, wie der Kodakkönig Eastman, Vom Rundfunk Empfehlenswertes aus ven Programme» Dienstag: Prag: 6.15: Gymnastik. 11: Schallplatte». 15.30! Klavierkömpositionen. 18.25 Deutsche Sentmif Dr. Cysarz: Hauptmann unü das Schicksal der Dich lung. 18.20: Blasmusik. 20.20: Volkslieder. 21: Dv chesterkonzirr.— Brünn: 12.30: Orchesterkoajttt 15.30: Neue Lieder. 18.25: Deutsche ScnduH Landwirtschafr.— Möhr.-Ostrau: 15.30: Beethoven Sonate. 20.20: Leichte Orchestermusik.— Berlin: 18 Romantische Klaviermusik.— Breslau: 21.30: Ho ter« Musik.— Frankfurt: 18.50: Afrikanisches Bolch märchrn.— Königsberg: 21.30: Kammermusik.- Langenberg: 21.20: Leichte Musik.— München 19.30: Chorgesang.— Wien: 20: OrchesterkonzeMI Mittwoch: Prag. 6.15: Gymnastik, 10: Blasmusik, 11: Schab .'lallen, 15.30: Klaviettonzert, 18.28: D. ulsj! Sendung: Arbeiterfunk, Rosenfeld-Wie»: Tit Stunde des Schweigens, 20.05: Orchestettoquiil 22.20: Jazzquartett.— Brünn. 17.10: Marionette?! : Heater, 18.25: Deutsch« Sendung. 19Jft Funkkomödie, 20: Konzert.— Berlin: 18.40: Leshoven, 20: Mozart.— Breslau: 17.25: Die BaV vom Schwedenkönig.— Frankfurt: 20.45: Boll^ lieber,-- Hamburg. 18: Orchestettonzert.— Kämt* berg: 18.55: Bläser-Kammermusik.— Leipzig. 15J8 Brahms-Stunde.— München: 21.25: OrcheD-- konzert.— Wien. 17: Orchestettonzert, 20.50: Gosw Adolf, Hörspiel. DeralteBaumert: Wie stehtS? Umsonst ist alles Klagen? Wort,.. jedes Wort... da is alls aso richtig, in d'r Bibel. Hier Hilst kein Bitten und fc 1’ Flehn. Ansorge: z-M Nn, jaja, nu, nee nee! da tntt schon« nN helfen. Jäger (liest): Nun denke man sich diese Not und Elend dieser Armen, pr Haus oft keinen Bissen Brot, ist das nicht zum Erbarmen! Erbarmen, ha! ein schön Gefühl, euch Kannibalen fremde, ein jedes kennt schon eurer Ziel, 's ist der Armen Haut und Hemde. DeralteBaumert (springt aus. hingerissen zu deliranter Raserei). .Haut und Hemde. Alls richtich,'s is der mut Haut und Hemde. Hier steh ich, Rob- Baumert, Webermeister von Kaschboch. Der vortreten und sagn... Ich bin ein braver MeE gewest mei Lebe lang, und nu seht mich an! hab ich davon? Wie seh ich aus? Was Habs§ aus mir gemacht? Hie: wird der Mensch langst^ gequält. Er reckt feine Ar>n« hin.. Dahier, greift amal an. Haut und Knochen. 3™ Schurken all, ihr Satansbrut!! tä Er bttcht weinend vor verzweifeltem Ingrimm einem Stuhl zusammen. A n s 0 r g k (schleudert den Korb in die Ecke, erhebt sich, am gase Körper zitternd vor Wut. stammelt hervor):-s Und das muß anderscher Wern, sprechJS jetzt uf der Stell:. M-r leidens nimehr. leidens mmehr, mag kouimen, was will. ' 1 ■ e i 51 e fl Ü 5c b( der schäbige 25 Millionen Dollar hinterlasst« hat, ein Betrag, um den ein echter Sohn M 5. Straße in New Dork nicht einmal über bi« Straße laufen würde(mehr haben die Erbe« nicht zur Erbschaftssteuer angemeldet). De> König der Elektriker sozusagen, Sidnel Mitchell, hat angeblich neun Zehntel seine! Barvermögens eingebüßt und muß sich n«! einem halben Hundert Millionen begnüge«: und der Chicagoer Kriegsgewinner Julius Rosenwald, von dem man nur wenig-' hört hat, verlor eine Milliarde, so daß iyi« schäbige zweihundertfünfzig Millionen Doll-! verblieben sind. O dies« schreckliche Welt, W** schwer wird sie von der Krise heimgesucht, w« entsetzlich lastet sie auf diesem Jammert»! f Welt genannt; wie schwer muffen die arm-! Millionäre leiden, wie schrecklich geht es au» bei unS den Ehrenfests, Stejftals oder Lam schens mit ihren ZafiLeks. Es ist ein Gra>H l vor so viel Jammer kommt man gar«W zum Atcheiterproblem; wenn man bedenkt, Hl;: so ein Wohltäter einmal vielleicht wird sW sein Auto und-Flugzeug aufgeben muss-' 1 dann fließen eben echte Tränen der Bürg-' prefle, denn die Inserate schrumpfen ein.-'! Selbstmord einer Siebzehnjährigen. Sah'! nitz. Der 17 Jahre alte Schüler Herbett Kaur j mann aus Berlin stürzte sich vom Königssdw (auf Rügen) in die Tiefe und war sofort.1-! G. Kaufimann war das einzige Kind ftd-! Ettern. Sein Vater, ein Lehrer, war vor kurtV| vorzeitig Pensioniett worden. Darüber herrE’\ in der Fdmilie große Bedrückung, zumal reduzierte Gehalt des Vaters dem Sohn Beeiwigung der Gymnasialzeit kaum ein Studa- s auf der Universität ermöglicht hätte. KauffmMD f war außerordentlich ehrgeizig und hatte sich Ust" über den Rahmen des Gyurnasialpensums ans Kenntnis der Weltsprachen und in der& schicht-kunde angeeignet. Di« Opf«r der Nutomobile. Äm Oktvb«' wurden im Wiener BerkehrSgebiet 400 Ü«! fälle durch Automobil« verzeichnet; davon r elf tödlich verlaufen. 21 Todesopfer eines Bauseinslurzes in Warschau. Ein baufälliges Brauhaus begrabt ein kleines Wohnhaus unter seinen Trommern. Warschau, 13. November. I« Norden der Stadt hat sich heute ein« gewaltig« Einsturz katastrophe ereignet, di« 18 Todesopfer gefordert hat. Die Katastrophe spielte sich heute ftüh nm 6 Uhr ab. Befichledene Umstände wirkten zu sammen, um ihr Ausmaß so riesengroß zu ge stalte». DaS Gebäude, das einstürzte, beherbergt« eine Brauerei, die dort ihre großen Hopfen vorräte eingelagert hatte. Daneben stand ei« kleines Wohnhaus aus Holz. Tas Braue reigebäude ist mt und baufällig gewesen; dem gewaltigen Druck der Hopfeumasse« haben di« morschen und teilweise schon brüchige« Wände nicht mehr standgehalte«. Der Einsturz erfolgt«. unter ungeheurem Getös«. Di« Hopfen massen, Stein- und Ziegeltrümmer stürzten auf das kleine Wohnhaus, das vollstän- dig begraben wurde. Zwar ist sofort Hilfe zur Stelle gewesen, da sich auf der anderen Straßenseite ein« Polizeistube befindet, deren Insas sen im Augenblick der Katastrophe herausstürzten, um sich aus Rettnugswerk zu mache«. Leider waren ihr« Bemühungen bisher vergeblich. Sie konnten nnr 19 Personen tot nnter den Trüm mern bergen, 38 Bewohner beherbergte das Haus. Die übrigen 9 Bewohner des Hauses wurde« lebend geborgen, aber 13 von ihnen sin- schwer-, 6 leitchverletzt. Der Tod hatte di« Verunglückten meisten teils im Schlafe erreicht. Bei der Identifizie rung der Todesopfer durch die überlebenden Fa- milrenmitglieder spielten sich verzweifelte Szenen ab. Die bisherig« Untersuchung ergab, daß Akademie mit, daß es dem italienischen, derzeit in New Hork lebe^en Arzt Giovanni A r c i e r i nach langfährigen Studien gelungen ist, zwei neue Konservierungsmethoden vonMen- schenleichen auszuarbeiten, die prakttsch leicht durchführbar und völlig abweichend von der Mumifizierung der Leichen sind. Die erste dieser Methoden, vom Erfinder als„M o t ut orisie- rnn g" bezeichnet, besteht darin, die Leiche in eine Art Marmorfigur auszugestalten. Die viel wichtigere zweite Methode jedoch konserviert den Körper sowohl in der Na turfrische als auch in den natürlichen Farbe» der Haut bei gleichzeitiger Bewegungsmöglichkeit der Gelenke, andauernder Weichheit der Muskeln und frisch er haltenen Organen. Eine dritte Konservierungs- methode«weitete der Erfinder für Pflanzen, Früchte und Gemüse aus. Nach Prof. Ä: o u h- sis Erllärungen seien diese Konservierungs- methoden die hervorragendsten nach derjenigen der Mumifizierung. Erwerbslosensturm. Erfurt, 14. November. In dem Ort F kenheim in der sogenannten Eisenacher Rhön konnte am letzten Zahltag die Unterstützung an die Erwerbslosen nicht^tusge- zahlt werden. AIS die Verhandlungen im Bur- germrfiteramt ergebnislos verlaufen waren, rot- tete sich die Menge zusammen und plünderte !die Läden der Fleischer und Bäcker. Das Ueber- sallkommando aus Hildburghausen mußte zur Nr. 269 Dienstag, 15. November 1932. leite 5 Gin Bergreferendar von SA-Leuten ermordet. Dortmund, 14. November. In der Nacht zum 10 ds. wurde der Bergreferendar Lodde mit einer Kopfschußverletzung aufgefunden, an der er zivei Tage darnach starb. Als Tater kommen zwei ehemalige SA-Männer in Frage, die flüchtig sind. Rätsel um Rosemarie. Bahnbeamr« fanden am Samstag vormittag auf der Berliner Vorortstrecke Stettiner Bvhnoof—Gesundbrunnen tin sechsjähriges Mädchen schwer verletzt und bewußtlos auf. Im Krankenhaus erreichte das Kind für kurze Zeit das Bewußtsein, und gab an, daß es Rosemarie Boddin heiße und sechs Jahre alt sei. Die Mordinspektion der Berliner Kriminalpolizei stellte fest, daß das klein« Mädchen, das von seinen Eltern seit Freitag mittag vermißt wurde, di« 147. Gemeindeschule besucht, in der unbekannte Täter in der Nacht zum Samstag einen Einbruch verübt haben. Die Einbrecher waren in das Amtszimmer des Rektors gelangt, indem sie die Füllung der verschlossenen Tur aussagten. Di« herauSgeschnittenen Bretter lagen neben dem Kind auf den Gleisen. Es konnte toeit'■■■ In ihren wundervollen' flinken-ig-out-Booten, die wie Kanoes aussehen, fahren sie- über di« einsamen, langen Flüsse, und noch, immer ziehe» sie zur Jagdzeil aus,, viel« Diesten weit nach Norden, um spät zurückznkehren. Und dennoch hat auch ihr Dasein einen-Riß bekommen; noch.sind st« unbeugsam und zäh; aber so, wie die Totempfähle.niedersinken, sinken ihre Stämme nieder. Die Totems werden nicht mehr aufgerichtet, die Schwitzer sind nicht mehr: die uralte Kultur ihrer Rass« verlöscht,.wie all« übrigen Kulturen dcr amerikanischen Rasse verlöschen. Und was bleibt, sind jene seltsamen Träume, die noch«ine Weil« aus der Erde- wachsen, sind jene Masken, Figuren, Erzählungen., mythischen Berichte, fremd und überlebt, wie jener Walli geschnitzter Geschichten, der vor mns steht und. langsam pcrsinkt in der hartblauen Rächt.&- Der Weg geht an ihnen vorbei. Ein« Stunde weit würden wir Hütten treffe«, und Thimshian- indianer; aber es ist besser, umzukehren, und den Weg zurückzugehen, zur Station, zur eisernen Straße, die in. unsere Welt führt. Grün ist das Mondlicht geworden, und schärfer blinkt» die weißsilberne» Zähne der Gletscher; der bla»« gläsern« Nebel ist verweht, und prall und verwirrend traumhaft, zürnend und grinsend sammeln sich di« hölzernen Masken und Figuren und Gestalten drohender Wölf« und stürzender Adler zu einer Rotte Existenzen aus ferner Vergangenheit, umspielt vom grellen, scharfen, grünen Licht, geheimnisvoll bewegt und doch an dcr Stelle hängend: phantastische Seit« der Welt! A. W. Geriditssaal Wenn der Liebhaber verarmt. Liebe, Vertrauen und Geld. Prag, U. November.' Eftie-- nicht inehr ganz junge, aber sehr staMchh Und elegante Dame stand heute unter Anklage der Veruntreuung vor einem hiesigen Strafsenat Als Geschädigter präsentiert sich ein recht armselig' gekleideter, blaß und hungrig ausMender noch junger Mann. Dieser jetzt Arbeitslose war noch vor einigen Monaten als Chemiker in einer Fabrik der Provinz tätig und bezog ein schönes Einkommen Mit der Angeklagten, die von ihrem Mann geschieden ist, hatte er noch- zur Zeit ihrer Ehe ein Verhältnis unterhalten und gedachte sie nach erfolgter Scheidung zu heiraten. Ms«r die gute Stellung außerhalb Prags angeboten bekam, beschloß er, vorerst ein kleines Kapital zur Gründung des neuen Haushaltes zurückzulegen und dann zu heiraten.. Zum Beweise seines großen Vertrauens- schickte-er jeden Monat einen größeren Betrag(zwischen 1000 bis 1500 K) an seine Freundin, mit der Bitte, ihm das Geld a u f z u b« w a h r e n. Aber es kam anders, atS. der jung« Mann gedacht hatte. Die Fabrik krachte,«r befand sich eines Tages arbeitslos auf dem Pflaster. Zunächst verschwieg’ er der Freundin sein«- Lag« ün>d lebt« von dem wenigen Geld, das ex sich gelassen hatte. MS aber seine Hoffnung, bald wieder Stellung zu finden, sehlschlug, mußt« er sich an seine Freundin wenden und um AuSfolgung der ihr anvertrauten Gelder bitte«. Aber die Freundin zeigt« dem arm gewordenen Liebhaber di» kalte Schulter und übergab ihm von den ganzen 24.820 K, die ei ihr im Laufe von 15 Monaten geschickt hatte, eine Summe von 800 X.-Das übrige habe sie eben verbraucht,-erklärte sie achselzuckend. Der Stellenlos«, der inzwischen in' ärasi-c Noi geraten war, brachte beim Zivilgericht' die- Klage auf'Rückerstattung des- Betrages ein.- Der Zivstrichter trat die Sache der Staatsanwaltschaft ab, um festznstellen, ob nicht ein strafbarer Tatbestand vorlieg«. So kam es-zu der Anklage, di« aber mit einem F r e i s pr u ch endet«. Daß der Zeuge das Geld wirklich geschickt Hai, konnte er durch Postbelege nachweisen, doch liegen keinerlei Beweise dafür vor, daß die Angeklagte-wissentlich und in böser Absicht dar Geld unterschlagen hat«nd nicht vielleicht im guten Glauben-war; daß es sich um Geschenk« des Geliebten handll und nicht um anvertrautes fremdes Gut. So unwahrscheinlich dies auch sein mag, nachzuweisen ist das Gegenteil nicht. So. bleibt alio nur«in Zivilprozeß übrig, den der Angeklagte mit guter Aussicht auf Erfolg weiter führen mag, wenn«r nicht vor dem siegreichen Abschluß verhungert sein wird. i-h. Geheime Verhandlung vor dem Schwurgericht. Prag, 14. November.. Da? heutige Schwurgericht tagt« unter Ausschluß der'Oeffentlichkeit'zu Verhandlung eine» Anklage wegen des Verbrechender Notzucht. Der Prozeß endete mit einem Freispruch. rb. Jinbianer mit geschlitzten Augen 3n Ben ODSWera AanaBtM.— eine uralte Kultur beri^tninOet. »le«eBeimniffe Oer Xoten-UfttBle. Seife 8 Dienstag, 15. November 1932. Nr. 269 PHASER ZEITUNG Das Orientalische Institut in Prag erhielt als Gcscheük von der Japanisch-tschechoslowakischen Gesellschaft in Tokio eine Sammlung von mehr als 3 00 Büchern in 860 /Bänden; welche die Japan und seine Kultur, d. i. die modernen WirtschaftSverhält- nisse, die Geschichte, Literatur und Kunst behandelnde Literatur umfaßt. Ein Teil der Bibliothek ist in europäischen Sprachen, der größt« Teil japanisch ab« gefaßt. Einige Bände besitzen eine» japanischen Originalrinband und Illustrationen. Di« Bücher werden nach ihrer Kafalogisierung den Interessenten in der Bibliothek des Orientalischen Instituts in Prag 111/347, Äbkowitz-Palais, zugängig sein. Kunst und Wissen khorkonzert der Deutschen Mufilatademie. Erstaufführung der Nelson-Messe von Joseph Haydn. Das samstägige khorkonzert der Prager Deutschen Musikakademie war ein eindrucksvoller Beweis der künstlerischen Bedeutung und Notwendigkeit dieser einzigen höheren deutschen Musikbildungsstätte in der Tschechoslowakei. Programm und künstlerische Durchführung des Konzertes waren gleichbedeutend und. vorzüglich. Zur Aufführung gelangt« die‘ in Vergangenheit geraten gewesen« und erst in jüngster Zeit wieder in den Konzertsaal«ingeführte söge- nannte Nelson-Messe von Joseph Haydn, ein Werk, das aas Haydns letzter Schaffensperiode stammt und das der Komponist angeblich dem Andenken des großen englischen Admirals Nelson gewidmet haben soll, eine Annahme, di« glaubwürdig genug ist, da Haydn gerät« zur Zeit der Schlacht und des Meges bei Abukir in England weilte. Diese sogenannt« Nelson-Mess« ist übrigens ein durchaus und streng liturgisches Werk für den praktischen Gottesdienst, der AufführungSdauer und ter musikinhaltlichen Gestaltung nach. Sie unterscheidet sich in der Gesawtoniage kaum von den bedeutenden Messen chrer Zeit und anderer Autoren und man findet es fast unbegreiflich, daß sie— so wie di« übrigen fünf aus derselben Zeit stammenden Messen Jos. Haydns— von der Kirche als zu weltlich und opernhaft in Acht und Bann getan wurden. Opernhaft wirkt si« vielleicht nur im„Qui tollis"-Satz des „Gloria", dessen effektvolle und stimmungsstarke Gegenüberstellung«iner Solostimme und eines Chorus mystious auffällt, und im„Benedietus", das ungewohnt kraftvoll« und energische Tön« gerade in diesem besinnlichen Teile der Messe anschlägt. Di« Ausgaben der Messe für Chor und Orchester sind dankenswert, wenn auch nicht übermäßig schwierig. Bemerkenswert ist, daß sie fünf Solostimmen (zwei Soprane, Alt, Tenor, und Baß) verwendet. Im Orchester wirken neben Streichern und Holzbläsern auch Trompeten nfit, die im„Benedietus" zu besonderer Bedeutung erhoben sind. Die Aufführung des Werkes durch die Deutsch« Musikakademie hatte ansehnliches künstlerisches Niveau, was um so höher im Wert« einzuschätzen ist, als die ausführenden Kraft«(S o l i st e n, Chor und O r che st« r) durchwegs durch di« Zögling« der Musikakademie beigestellt Worten waren. Sehr sicher, rhythmisch fest und intonationsrein saug der Chor, dem man allerdings stärkere Besetzung wünschen würde; sehr brav und passioniert spielte das Orchester. Auch die Solisten(die Damen Margarete I u st, Kläre Sturm und Vlasta Plocek sowie die Herren Dr. Alois Stantzk und Friedrich Bürgmann) lösten ihr« teilweise recht anspruchsvolle Aufgabe sehr gut; erster Sopran und Baß zeichneten sich hierbei besonders aus. Dirigent der Aufführung war Professor Leo Franz, der bewährt« Leiter der Chorabteilung der Akademie und erprobt« Dirigent der Aussiger Bolkssinggemeint«. Sein Verdienst war es, alle Mitwirkenden in mühevoller Probenarbeit zu einem einheitlichen Klangkörper geschult zu hoben, der in der künstlerischen Gesamtwiedergab« allen Anforderungen des Werkes gerecht zu weiden vermochte. Man wird sich freuen, diesem ausgezeichneten Chorleiter und seiner jugendlichen, tüchtigen Musiker- und Sängerschar bald wieder, einer ähnlichen Aufgabe hingegeben, im Prager Konzertsaale zu begegnen. E. I. Zweite Arbeitervorstellung.(Neues Deutsches Theater, 13. November.) Unter den Meisterwerken der klassischen Operette ist„D e r Zigeunerbaron" zweifellos eines der besten. Und unter den Operetten des Walzerkönigs I o- Hann Strauß sicher eine der glücklichsten, eine aus dem Ueberfluß musikalischer Invention des Komponisten geboren«. Di« Melodien sind in ibr perlengleich aneinander gereiht und di« rhythmisch« Vielseitigkeit des Tondichters ist hier nicht minder verschwenderisch wie di« melodische. Die großen Ensembles und großangelegten Finalis des Werkes schließlich reichen ans Opernmäßige heran, wie ja Johann Strauß überhaupt bestrebt war, den Ruhm eines. Opernkvmponisten zu erlangen. Im ron- dichterischen Schaffen des Meisters ist der„Zigeunerbaron" Gipfel und< Höhepunkt, was nach diesem Werke von Strauß der Bühn« geschenkt wurde, war Abstieg. Den„Zigcunerbaron" als bildende A r- beitervorstellung zu geben, war ein« begrüßenswerte Tat der Veranstalter, denn gerade die Meisterwerk« der alten Operette dem Volke von heute zu bieten, ist Pflicht, Inn ihm den Unterschied zwischen der Operettenkunst vckn gestern und heute klar zu machen Das ausverkaust« Haus wurde Von dem Werke denn auch sichtlich befriedigt, freute und begeisterte sich daran. Trotzdem, wie schon seinerzeit bei der Neueinstudierung der Operette festgestellt werden mußte, seine Besetzung und Ausführung nicht alle.- Anforderungen Straußscher Operettenkunst entspricht. Jedenfalls gaben sich alle Ausführenden und Mitwirkenden, unter ihnen der Dirigent Paul Komlos und sein fleißiges O r ch e st« r an der Spitze, wirklich« Mühe, di« Operette dem beifallswilligen Publikum zu Gefallen zu spielen. In den Hauptpartien wirkten diesmal di« Damen K o n e tz n i(in ausgezeichneter stimmlicher Verfassung), Kindermann, Schönauer und S o m m« r sowie die Herren B a n d l e r, Libal, Dudek, Hattemer uno Hotter. E. I. Wochenspielplan des Reuen Deutschen Theaters. Dienstag, 7 Uhr: Neu einstudiert: t h«l l o" (A 1).■— Mittwoch, halb 8 Uhr: Gastspiel Pepi Kramer-Klöckner:„Surin im Wasserglas"(B 2).— Donnerstag, halb 8 Uhr: „Otheilo"(C 2).— Freitag, halb 8 Uhr:„Ich habe einen Engel geheiratet" D 2).— Samstag, halb 4 Uhr: Schiller-Feier(gemeinsam mit der Urania):„Kabale und Liebe"; halb 8 Uhr:„Figaros Hochzeit"(C 2\ Wochenspielplan der Kleinen Bühne. Dienstag, 8 Uhr:„Erhören Sie meinen Mann" (Bankbeamten 1).— Mittwoch, 8 Uhr:„Dreimal Offenbach"(Bankbeamten 2).— Donnerstag, 8 Uhr:„Weekend".— Freitag, 8 Uhr:„Er- hör«n Sie meinen Mann"(Kulturverband). Sport* Spiel* Köraenfliefle Erstes internationales Tlsdi- Tennls-Inrnler Im Arbeitersport. Oesterreich siegt verdient.— Urberraschend gutes Abschneideu der Atus-Maunschast.— Schön« Kämpfe. Am Samstag abends und Sonntag vormittags fand in Prag im Heim auf der Hetzinsel der mit Spannung erwartete Tisch-Tenniskampf im Arbeitersport zwischen Oesterreich und den beiden Verbänden in der Tschechoslowakei— Atus(Aussiger Verband) und DTJ 6.—statt. Eine in der SASJ. im Werden befindliche Sparke trat zum erste» Male zu einem internatipnalen Wettkampf am Die Gäste wurden durch Abg. Genossen Huml- hans(Verband der DTJ.) und vom Genossen Schrader(Atüs Prag) im Namen des Verbandes und sämtlicher Prager deutschen sozialdemokratischen Organisationen begrüßt. Genosse Schrader bemerkte in seiner Ansprache mit Freude, daß es für den Atus eine grüße Ehre sei, die internationalen. Beziehungen in dieser jungen Tisch-Tennisbewegüng mit er- öfinet zu haben und hofft, daß dadurch vieles zur Vertiefung und Förderung erreicht wird. Für die Oesterreicher dankte der Führer Genosse S i m o jt (Wien) und wünschte der Tisch-Tennisbewegung in der Tschechoslowakei weiteren Aufstieg und Erfolg. Die Spiele selbst zeigten die österreichischen Genossen als routinierte und technisch ausgezeichnete Spieler; sic haben beide Matchs verdient ge» Wonnen. Sie gewannen zwar gegen DTJ6. knapp, doch ist dies aus Ermüdungserscheinungen einzelner Spieler zurückzuführen. Damit soll aber das Können der tschechischen Genosien nicht geschmälert werden; sie haben in Svoboda und Komberee zwei ausgezeichnete Spieler, während Dvorsky und Kristof reine Desensivspieler sind, bei denen Angriffsspieler sich nicht leicht durchsetzen können. Bei Oesterreich gefiel. am besten S P l i t e r, der Samstag und Sonntag alle Spiele sicher gewinnen konnte und der seinen stärksten Gegner in Möbius jun.(Atus) hatte. Aber auch Jarolim, Karst e l e s und Sturm zeigten sich, besonders in den Samstag-Spielen, von der besten Seite. Die für uns erfreulich st e Erscheinung bei dieser Veranstaltung war wohl das gute A b- schneiden des Atus-Teams. das, wie bekannt, von Spielern des Prager Arbeiter- Turn- und Sportvereins vertreten wurde. Also eine Klubmannschaft gegen Auswahlspieler! Sie haben unseren Verband sehr gut vertreten und daß sie den Oesterreichern sogar füni Spiele abnehmen konnten, hatte keiner erwartet. Beim Atus war Möbius jun. in ausgezeichneter Form und gewann drei Spiele: sein Backhand und Vorhand war glänzend und er war trotz der Niederlage gegen Splitter der beste Spieler des ganzen Kampfes. Nach ihm überraschte G o l d r e i ch, der sehr schönes und durchdachtes Tisch-Tennis zeigte. Doch spielte er zeitweilig etwas oberflächlich und vergab dadurch manche gute Chance. Er gewann die beiden restlichen Punkte. Charvat spielte zwar zweckmäßig, aber zu weich und Taub war diesmal nicht' wiederzuerkennen und spielte äußerst nervös. Als Ganzes genommen können wir aber mit der Mannschaft mehr als zufrieden sein. IM" Ertfebnisse: Jedes Team stellte vier Spieler, die nach dem System jeder gegen jeden ihre Spiele austrugen. ' Samstag nachmittags fand die Begegnung Atus-^DTJL. statt, die aber beim Stande 8:4 für Atus. wegen Zeitmangels abgebrochen werde» mußte. Die restlichen Spiele werden.in den nächsten Tagen nachgetragen. Nach kurzer Pause begann der erste internattonale Kaylpf, den Oesterreich gegen Atus mit 11:5 siegreich beendete.' Die Einzelergebniffe sind: Möbius schlug Jarolim, Sturm und Karpeles je 2:0 und unterlag Splitter mit 1:2. Goldreich gewann gegen Karpeles und Sturm je 2:0 und verlor gegen Splitter 1:2 und Jarolim 0:2. Taub verlor gegen Sturm 1:2 und gegen Splitter, Karpeles und Jarolim je 0:2. Charvat wurde von Karpeles, Jarolim» Sturm»nb Splitter mit je 0:2 geschlagen. Sonntag vormittags traten die, wie schon erwähnt, stark ermüdeten Oesterrricher gegen das Team der DTJ6. an, das sie, wenn auch knapp, aber sicher mit 9:7 besiegten. Der Besuch am SamStag war ausgezeichnet, besonders unsere Genosien waren sehr stark vertreten; Sonntag blieb er jedoch wider allen Erwartungen schwach.—kl. ASB. Prag gegen Slovan Brzovire 3:2. Die ASB.-Manuschaft konnte gestern gegen den spielstarken Gegner«inen verdienten Sieg erzielen, obzwar di« zeitweise Ueberlegenheit in der Torzrffer nicht zum Ausdruck kommt. Tore: Sikora 2, Kraut 1. Bürgerlicher Sport. DFC. Prag gegen Rapid Weinberge 2:1(1:0). Lin glücklicher Sieg der deutschen Mannschaft, in der nur ganz wenige Spieler. den Anforderungen entsprachen. Die Tschechen hätten ein Unentschieden verdient; überragend« Leistungen sah man aber auch bei ihnen nicht. Schiedsrichter Duben sehr diplomatisch. Di« Profi-Ligameisterschast brachte in der Niederlage der S p a r t a wohl di« größt« Ueberraschung. Die Prager verloren in Pilsen gegen Viktoria verdient 1:3(1:1). Bohemians konnten Viktoria 2 iLkov mit 4:3(4:2) beide Punkt« abnehmen. S la via besiegte SK. Libeü verdient mft 4:0(2:0). Der Teplitzer FK. schlug den Tabellenletzten S K. Pilsen 5:1(2:0).— In der zweiten Klasse steht nunwehr öechie Karli n an der Spitze, obzwar-sie nur. gegen SK. Raköüitz K:2_ jpAke. Kägegey. vexwr SK. Lidenice auf eigenem Platz gegen CAFC Prag 2:3(2:2). Am Schluss« dieses Spieles gab es Krawall: Der Schiedsrichter und die Prager Spieler wurden verprügelt. Sonstige Ergebnisse. Kladno: SK. gegen Sportbrüdcr Prag 6:1(3:0).— Budweis: DFC. gegen AC. Stadion 4:1(4:1).— Nachod: SK. gegen SK. Proßnitz 4:0(3:0).— Saaz: DSV. gegen Schwalbe Brüx 8: 4(4:0).— Ko- motau: DFK. gegen DSK. Dux 2:1(1:0).— Karlsbad: KFK. gegen DSV. Asch 5:3(3:3) Slavia gegen Sparta 6:1(1:0).— Bodenbach: SpBg. gegen DFK. Telschen 3:0(0:0).— Gab- könz: BSK. gegen DSK. 5:2(3:2).— Reiche»berg: DFK. gegen DSV. 2:1(2:0).— T r a u t e n a u: DSV. gegen Reichenberger SK. 1:1 (1:1),— Warnsdorf: WFK. gegen DSV. B.- Leipa 7:1(2:1).— Brünn: DSV. gegen Mak« kabi 3:3(1:1).— Mähr.-Ostrau:^ZV.-Gau Nordost gegen Slezska rupa 2:1(2: 0).— Buda- p«st: Hungaria gegen 3. Bezirk 2:2(0:1), Ujpest gegen Svmogy 4:2(3:1), Ferencvaros gegen Bocs- kai 1:1(0:0).— Wien: Admira gegen Sportklub 2:1(0:0), Nicholson gegen Rapid 2:1(0:0), Walker gegen Austria 2:0(1:0), WAC. gegen Hakoah 2:0(1:0).— München: Bayern gegen Wacker 1:0.—- Nürnberg: 1. FC. gegen ASB. 2:1,— Schweipfuri h: FC. gegen SpBg. Fürth 1:0. — Dresden: DSC. gegen Heriha-BSC. Berlin 3:2.— Paris: AÄK. Stockholm gegen Club Francais 3:2. Eishockey. In Prag schlug am Samstag L T C den Bayernmeister Rießersee 5:3(2:0, 2:0 1:3) und Sonntag endete das Spiel Prag gegen München beschämend knapp mit 1:0 für die Prager. Die Bayern zeigten-sich von der besten Seit« und hatten im Torwächttr ihre Hauptstütze. Das einzige Tor siel im letzten Drittel, nachdem di« Zu- 'chauer die Prager ausgepfiffen hatten.— In Lon- d o n wurde der Berliner Schlittschuhklub von Oxford University mit 0 t2(0:0, 0:2, 0:0) geschlagen. Danach herrscht Bedürfnis! In Wien Hal sich 'am Sonntag ein Komitee, das aus Vertretern der Boxverbändc der Tschechoslowakei, Oesterreich, Bayern und Ungarn besteht, gebildet, das einen Mitropa- cup für Boxer ins Leben rief. Der Film Naliona er Ehauvlnismus im Tschechenfilm. Was in den letzten Wochen von der heimischen Produktion an Film-ChauviniSmus geboten wird, kann nicht mehr unbesprochen bleiben. Man hat als erst« Entgleisung den„Heiligen Wenzel" er- Freie Bereinig««- sozialistischer Akademiker— S. 3. Iu Freitag, den 18. November, um 20 Uhr spricht Genosse Dr. Otto Neurath, Wie», über» „Die Krise— das Ende der kapitalistischen Wirtschaftsordnung" Lichtbilder: Bildstattstiken u. Wiener Methode. Der Bortrag findet im Hörsaal des anatomischen Institute- d«r deutsch« Universität(IL, U nemocnice 4, gegenüber dem Allgemeine» Kranken haus) statt. tragen und gegen die Staatssubventtonen nicht sonderlich protestiert; auch daß der Hetzftlm„Fidlo- vadka" nicht verboten wurde, daß man uns de» „Gefangenen auf Dösig" zu bieten gewagt hat, wurde nicht recht ernst genommen; und über die„P e p i n a R« j h o l c o v ä" hat die Oefsentlich- keit allenfalls gelacht. Unerträglich ist es aber, wen« ein Deutscheichetzfilm wie„Vergessene Patrioten' nicht nur als Kulturfilm steuerfrei läuft, angeblich die doppelte Anzahl von Kontingentscheincn bekommen hat(was einer Barunterstützung von 210.000 K gleichkommen würde), sondern auch noch dem Präsidenten Masaryk gewidmet ist, der bisher mit dieser seichten, kleinbürgerlichen Hctzpsychose noch niemals in einem Atem genannt werden durfte. Mil Recht protestieren die meisten tschechischen Blätter gegen, solche Geschmacklosigkeiten, sogar die Stkibrny- Presse hat sich diesmal den Protesten angeschloffen und di«„Lidovs Noviny" haben diese Geschmacklosigkeit s«hr scharf verurteilt.' z\ Die Sache wäre nicht so skandalös, wenn solch« Art von Filmen nicht noch in einer Weise geförderr würden, die sehr bedenklich ist. Man z statt. Eintrittspreis 5 K& H""« Q« der. sd>-«Irt«sr«“* AJ ejt t»<•(t e■«®UWtn« t•* n e t- B-r-«,w°riIich«r Redakteur Dr»«» Sttaafc. Pro,- Druck.«»la-».« föt Sette»«--mt>«uchdruck. *“*.— Di» 3 ei tunflimodsuftant«ut vnkt w» kn«og.» re!egra»dkud«„ ckrla» Rr„ovo/vliurso»«Willi,'- Bem^bkS naun,««. B«> Zuftellun, I», bau»»der d3 ecjufl durch btt •Msjayim Hi w.—, m Utt,—.— Jujevau werde» lau iaiif billig berechnet. Bei»Itrre» ttmjdHltungm PieituachUch.— Siückjleüua, vou Maauitri-Ie» erfolgt au — FSr de» Druck uemuttuuEch: Vtt» tzoM. otouaUich Nr IS.-, vierteljährlich Ui 18,—u fttafcnbung In ftclMUHMStau — Samstag, 8 Uhr:„Wee kend". Mittwoch, ven IS. November, spricht Fritz Rosenfeld, Wien at«„Arbeiter und Film“ Groster Ovborovx Vüm-Taal. Beginn 20 Uhr. Freiwilligen Regiebeitrag! Arbeitsgemeinschaft deutscher proletarischer Organisationen von Prag.