Muzelvreis 70 Heller. (Einschließlich B Heller PorloZ Mittwoch, iS November 1932 12 Jahrgang. Nr. 270. i '— Srscveint mit Ausnahme des Montag täglich früh. 3t»anioti n. Dtrtoolluag: Bros n, Ottfiyanfa iS ♦ Xtltvo.: tAigs. 3 mW. OtaeMtan.(«S 31 lX«r) i S3Ä3fi* BoftMtttfamt: 57>M Nach dem Verrat an Hitler: etwas Die sozialdemokratisch« Partei erblickt in dem Reichskanzler von Papen den Sachwalter einer Minderheit, dir sich in rücksichtsloser Wahrnehmung ihrer eigenen Klasseninteressen nicht scheut, über das Grundgesetz der Republik und die Recht« des Bolles hinwegzugehen. 142.088 88754 21.543 Der Borstand der sozialdemokratischen Reichstagsfraktion kann aus allen diese« Gründen von der geplanten Besprechung ein Ergebnis nicht erwarten, er hält es jedoch für notwendig, in aller Oessentlichkeit seine Stimme zu erheben gegen eine Politik, die sich mit jedem Schritt von dem Boden des Rechtes weiter entfernt. Er wendet sich aufs schärfste gegen die öffentlich erörterten verbrecherischen Pläne, die darauf abziele«, die durch Beschluß der Nationalversammlung rechtmäßig znftandegekommenen Verfassung auf verfassungswidrigen Wegen afe zuändern, und fordert den Rücktritt dieser Regierung." strch- seiu« trögt den vor- Vie Flucht aus der Hitlerpartei Zahlen sprechen. Sowohl in Lübeck wie in' jeder einzelnen sächsischen Gemeinde, in der Sonntag gewählt wurde, haben die Nationalsozialisten Verluste zu verzeichnen, die weit über ihre Verluste am 6. November hinausgehen und auch den durch die geringere Wahlbeteiligung bedingten Rückgang u>n em Vielfaches übersteigen. Es gibt, so schreibt das „Berliner Tageblatt", sächsische Gemeinden,( jn denen die NSDAP seit dem L. November 30, 40, 50, ja sogar 75 Prozent ihrer Stimmen verloren hat. Aus drei sächsischen Städte» ergibt eine Gegenüberstellung der nationalsozialistischen Stimmen bei den drei letzten Wahlen/ nämlich den gestrigen Gemeinde mahlen, den Reichstags- wählen am 6. November und den Reichstagswah. len im Juli folgendes Bild: 101.090 128.053 69.538 79.766 14.283 20.456 gen des„Tag" wollen wir gerne gelten lassen<üs ungeistiges Futter für eine Jugend, der der fudetendeutsche Nationalsozialismus sonst nichts an Geist, Grundsätzen und Idealen zu bieten vermag. Aber es wird dem„Tag" nicht gelingen, uns mit Drehs und Fälschungen vom Kampfe gegen den sudetendeutschen Nationalsozialismus abzuhalten. Das könnt« ihm so passen, daß er ungehemmt und unbeaufsichtigt seine Giftpfeil« gegen uns abschießen und dabei Politische Purzelbäume schlagen kann! Daß er heut« Schwarz nennt, was er gestern als Weiß bezeichnete, daß er heut« die Demokratie lobt, während er gestern di« Diktatur pries, daß er politische Grundideen, zu denen er sich Hestern bekannt«, heute verleugnet— das mag für den„Tag" und sein« Hintermänner nicht rühmlich sein und unter einem aewissen Zwang der Verhältnisse geschehen. Wenn aber der Wechsel der Gesinnungen lichen. Beweggründen entspringt, so kamt Feststellung die Wechsler nicht betasten;. aber ihr neues politisches Bekenntnis Stempel der Unehrlichkeit und der sichtigen B« r ech nu»H, so wird uns niemand hindern, dies volksverraterische Doppelspiel der sudetendeutschen Nazis, aufzuzeigen. Am allerwenigsten jedoch werden das die gauklerischen Ausdeutungen vermögen, die„Der Tag" unsren fachlichen— und angesichts der politischen Situation„hüben und drüben" doppelt notwendigen— Feststellungen gibt. ; Es bleibt dabei:„Der Tag" hat— wenn auch vielleicht nur scheinbar— für den sudetendeutschen Nationalismus di« Politischen Grundlagen Hitlers über Bord geworfen lind also Was dem„Sag" recht ist, mutz uns billig fein! Es könnte ihm so paffe», datz wir, uns vor seine« niederträchtige« Drehs fürchtend,' ihm nachsehen, was er«ns naMusehen nicht bereit ist: das Bekenntnis z« den Gesinnungsgenossen jenseits der Grenzen! Erst in seiner letzten Sonntagsausgabe I also nach seinem Abschwören Hitlerscher Gcdan- kengänge— hat übrigens„Der Tag" di« D« m o- kratie als ,-alten Plunder" bezeichnet. Jn der Jugendbeilage sogar, der Äugend eben jenen Geist vermittelnd, den„Der Tag" an Hitler lobt und der tschechoslowakische Staats-■ anwalt an den Opfern och: nationalsozialistischen Jugendverführer tadelt. Selbst vom Standpunkt des„Tag" aus ist unser Hinweis auf sein druckerschwärzliches Äb- rücken von den Diktaturgedanken Hitlers ein« Entlastung der stchetendeutschen.Hakenkreuz lerei, ein Versuch, einer breiteren als der dem„Tag" erreichbaren Oeffentlichkeit klarzü« machen, daß Hitlerbewegung und sudetendeütscher Nationalsozialismus von nun an, nämlich nach dem zweiten Verrat an Hitler, nicht mehr als dasselbe angesehen werden können, sonder«,"daß sich di« sudetendeutschen Nationalsozialisten auf den Boden der Tschechoslowakischen Republik zu, stelle« und ihren Frieden mit ihr zu schließen j Leipzig.. Chemnitz.. Zwickau.. Tasselbe Bild zeigen die meisten übrigen Städte und auch das Wahlergebnis aus. Lübeck zeigt die gleichen Tendenzen. Der 6. November habe jenen Bann gebrochen,, der fest den September-Wahlen des Jahres 1930 die Nationalsozialistischc Part«: bei jeder Wahl wachsen ließ. Dabei sei das säch- sisckx Wahlergebnis von besonderem Interesse, weil in einzelnen Gebieten Sachsens,^sonders im Vogtland, Hitler über eine besonders/ große fsahl von Anhängern verfügte. Daß man sich auch hier von ihm abwendet und auf di« Verluste bei der letzten Reichs tags mahl mit einer verstärkten I Flucht aus der NSDAP antwortet, sei von symp- 1 tomatischer Bedeutung. bereit sind. Die demokratiefeindlichen Acußerun-' Hitler verraten. Die richtige Antwort! Sozialdemokraten lehnen|ede Besprechung mit Papen ab und verlangen seinen soloriigen Rttdfirltt. Berlin, 15. November. Der Vorstand der sozialdemokratischen Reichstagsfraktion, der heut« nachmittags«in« Sitzung abhieli, beschloß, daß der Einladung von Papens zu einer Besprechung am morgigen Mittwoch nicht Folg« geleistet werden soll. Der ursprünglich in Aussicht genommen« Besuch der beiden sozialdemokratische« Parteiführer Wels und Dr. Breitscheid wird also unterbleiben. Die sozialdemokratisch« ReichstagSfraktio« teilt zu diesem Beschluß noch folgendes mit: Der Reichskanzler von Papen hat durch zweimalige Auflösung des Reichstages das deutsche Volk zweimal über seine Regierungspolitik befragt und zweimal vernichtende Absagen erhalte». Die Verfassung, die er be- schworeu hat, gibt ihm nicht das Recht, weitere Verhandlungen zu führen; sie verpflichtet ihn vielmehr zum Rücktritt. Der Reichskanzler von Papen hat sich bei seinem Vorgehen gegen di« rechtmäßige Regierung Preußens über di« Verfassung und den Spruch des höchste« Gerichtes ebenso hinweggesetzt, wie er durch sein Verbleiben im Amt« das Urteil des Volkes nicht geachtet hat. Er hat in seinen öffentl. Reden di« Parteien verunglimpft und diejenige«, die sich seiner Politik entgegenstellen, als „Feinde deS Volkes" bezeichnet. Sei« ganzes Verhalte» macht ihn als Verhandlungspartner für die sozialdemokratische Partei ungeeignet. vrr fcrral an der Wahrheit. „Der Tag“ besdiwkhtlgt und belflgt seine Leser. Endlich hat„Der Tag" ob unserer Feststellung, er hab« Hitler verraten, die Sprache wiedergefunden. Sein« Antwort ist ein Dreh und ein« Niedertracht; sie ist also echt nationalsozialistisch. ,^Der Tag" behauptet nämlich nichts weniger, als daß unsere Darstellung„eine der verantwor tungslosesten B runne nvergiftu nge n" sei,„die je im politischen Terrain betrieben wurden", Diese Darstellung sei„eine der.Hauptstützen des Ber- folgungssystems bei Begründung von gericht lichen Urteilen gegen sudetendeutsche National sozialisten". Di« deutschen Sozialdemokraten befänden sich also„in trauter Nachbarschaft chiit den tschechoslowakischen Staatsanwälten und aus einer Linie mit den tschechischen Chauvinisten," denen sie die Beweise aus deutscher Quelle dafür lieferten, daß die sudetsndeutschen National- sozialist«« nur die Landsknecht« Hitlers seiest. Diese niederträchtigen Behauptungen kann „Der Tag" nur deshalb aufstellen, weil er seinen Lllern den Inhalt unseres Aufsatzes vorenthielt. Hätte er ihn milgeteilt, so tväre selbst feistem gedankenlosesten Leser klar geworden,'daß wir von einem organisatorischen Abhangigkelssver- hältnis der sudetendeutschen Nationalsozialisten von der Hitlerbewegung in keiner Zeile schriebest. Wir sind so korrekt, diese Fragest jetzt beiseite zu laffen.„Der Tag" aber spricht„klugerweise" immer wieder von ihnen. In diesem Fall« des halb, weil er gegen uns keine anderen Argumente zur Verfügung hat. Er möge vorsichtig Mr und nicht damit rechnen, daß wir-solche politisch« Lumpereien dauern d mit vornehme^ Nachsicht gegnen werden. Roch in keinem einzigen Prozeß gegen Ratio» nalsozialisten hat sich der Staatsanwalt auf s o z i a l d e m o k r a t i s ch e Blätter berufen kön nen. Immer genügten ihm die AeuWungen n a t r o n als o z.i a l i st i sch e r Zeitungen und Jugendfährer, immer liefertest ihm di« Nationak- sozialisten selbst die„Beweisstücke",'' Wir haben in unseren Darlegungen von der geistig en Gemeinschaft zwischen der Hitlerei und dem sudetendeutschen Nationalsozialismus gesprochen, von dem Bekenntnis des ,Däg".zu den Hitlerschen Diktaturplänen, von den Hoff nungen des„Tag" und des.Herrn Krebs auf di« Uebernahm« der Staatsmacht durch den Vom „Tag" ununterbrochen beweihräucherte« und be- rubelten„Erneuerer Deutschlands". Wenn den Nationalsozialisten ihre Lobgesänge auf Hitler jetzt unangenehm fein sollten, so ist das ihre Sache; es ist aber eine Unverfrorenheit, unseren Hinweis auf diese Lo>bg-?!änge— dessen es übri gens gar nicht bedürfte— als„Angeberei" zu bezeichnen; niemals ist, um mit dem ,Mag" zu reden, eine verantwortungslosere Brünnenvep- gistustg auf politischem Terrain betrieben worden. Wir haben uns in dem vom„Tag" genanst- t«n Aufsatz auf die Wiedergabe zweier im„Tag erschienener Aeußerungen begnügt. Wenn er etwa wünscht, daß wir weitere Beweise'für sein« Geistesverwandtschaft mit Hitler urchs' feinest Wegelagerern lieferst, so möge er es nür sagen: wir werden mit Dutzenden anderer Zitate aus dem„Tag" aufwarten, werden sie den fromm gewordenen Nazis um die Ohren schlagen, daß ihnen Höre« und Sehen vergeht. .„Gewiß", schreibt„Der Tag" st». seiner Ewiderung,„si nd gemeinsame thc ore- tische und geistige Grundlagen dös kulturellen und w irtschaf'tkichen Programmsund der W e l t a st» schauung hüben und drüben vorhan- d e n, di« wir nie abgelrugnet haben sind auch jetzt nicht ablengnen. Das sind Beziehungen ganz gleicher Natur, wie sie etwa zwischen den S o zi a l d« m o k ra.t,e n ltstd den kptholischen oder bürgerlichnationalen Parteien hüben und drüben bestehen und immer, auch schon im alten Oesterreich, bestanden haben«"-'. Mit Verlaub: haben w i r anderes behauptet? Scheut sich etwa „Der Tag", von den Beziehung« schreiben, di« zwischen uns und der reichsdeutschen Sozial demokratie bestehen? Setzt er nicht ununter brochen das politische Bekenntnis unserer deut schen Geuoffen mit unserem gleich, um uns besser anklagcn und bekämpfen zu können?.. Korruption und Listenwahlrecht . Halb- und ganzfasci frische Parteien, di« sich vorläufig aus Opportumtätsgründen nicht getrauen gegen das allgemeine Wahlrecht offen aufzutvetön, haben sich das Listenwahlrecht auserwählt, um mit der Hetze gegen dieses das Vertrauen der Bevölkerung an das demokratische System zu unterwühlen. Ihnen hat sich eine Partei zrrgefeWt, die wahrhaftig besseres zu tun haben sollte, das ist die Deutsch- denrokratrsche Fveiheitspartei— in der Na» mensbenennung sehr verschwenderisch mit der Verheißung demokratischer Gesinnung, in der Praxis von der Borniertheit chrer Vorgängerin, der MWberal-en Partei, wenig verschieden. Dies« im allen Oesterreich ernst allmächtige Partei, vom Privibegieuwahlrecht überlange in ihrer Positron geschützt, ist bis auf ein paar Ueberbleibsel von der politischen Bildfläche verschwunden. Das übriggebliebene Rudinient, bildet sich seitdem ein, drei„Partei drr Köpfe" zu sein, der„Kopse", die inrr durch das Listenwahlrecht daran gehindert^ werden, aus der Versenkung, in die sie von der Geschichte geworfen wurden, wieder emporzusteigen und ihre Weisheit lersthten zu lassen. Dem:, so folgern sie, das Listenwahl recht ver- hmidere die„Ausjvahl der.Besten" und es unterlverse die gesamte Bevölkerung des Staaten den Beschlüssen einiger Parteikliquen. die diktatorisch uiw Uizabänderlich bestimmen, wer von chnen die--- eine hohe Qrvalifikation erforderliche—, Funktion eines Gesetzgebers ausübertz-solile.' Ueberflüssig zu sagen, daß die „Besten" natürlich in der--.Partei der Küpfe" zu suchen und zu finden wären., Man sollt« glauben, daß eine Partei, die so bedeutende Talente auf Lager hält, es gerade unter der demokratischesten Form des Wahlrechtes, wie es das Berhältniswahlrecht ist, zu etwas bringen müßte, aber offenbar sind die.„Köpfe" viel zu sehr damit beschäftigt, nach falschen Ursachen für ihren Bankerott, das ist für den Bankerott des bürgerlichen Libevalismus, zu suchen.;;'•, Auf dieser Suche sind sie neuestens einem schweren Uebel des Listenwahlrechtes auf die Spur gekommen: es fei eine Quelle der Korruption.„Das Wahlsystem der gebundenen Listen korrumpiert das öffentliche Leben und führt wieder Sitten des Mittelalters ein." So wörtlich zu lesen im„Montag-Morgen" des derrtschdemokratischen Brünner-„Tages- boten". Den Beweis für die Behauptung glaubt das deutschdemokratische Organ im Fall des bisherigen Senatsvizepräsidenten und Gewerbeparteilers T r 8 k a zu sehen. Um es gleich zu sagerr: würde das Wort„demokratisch" im Firmenschild der Partei des Mattes von dieser ernst genommen werden, jo dürft« es über eine demokratische Einrichtung nicht so oberflächlich, so leichtfertig und gehässig urteilen und ihm nicht Wirkungen andichten, deren Ursachen ganz wo anders zu suchen'sind. Wie liegt der Fall Troka? Tröka hat nach der Behauptung der Staatsanwaltschaft in Trentschin in den Jahren 1928. und 1929 schwere Verfehlungen als Blllglied des.Per- waltungsrates der seither elend verkrachten SMeiner Credrtbank begangen, die ihn als einen Betrüger und MÄliorreu-Defraudarltcn erscheinen lassen. Reichlich vor einem Jahre stellte die Staatsanwaltschaft tvcgeu Tröka das Auslieferungsbegehren. In dieser-Zeit schon, da über die Machenschaften Trökas allerlei Gen'ichte aufslackerten, wäre es die Pflicht der Gewerbepartei gewesen, der Tröka angehört, den Fall unverzüglich zu prüfen.und—. da Bcrdachtsgründe leicht festzustellen waren— ihr so schwer beschuldigtes Mitglied rnsvlang« tvenigstens von seinem Ehrenposten als Bize- präsident des Senates zurückzuberufen, als es sich von der Anklage nicht fleckenlos acrei mgt hätte. Statt dessen stellte sich Trökas Partei unwissend und erklärte, ersj hie Ergebnisse Seit« 2 Mittwoch, 16. November 1V32. Rr. 270. des einget«fte>l«n Strafverfahrens abwarten zu wollen. Der ehrenwert« Herr Träka hätte nun daraufhin selber alle Hebel in Bewegung fetzen müssen, um vom Jmmunitätsausschusse ausgeliesert zu werden, um, wenn er sich schuldlos wußte, rasch Gelegenheil zu seiner Genevalreiniaultg zu bekommen. Es geschah das Gegenteil und die Gewerbepartei stützte Träka weiter. Den Jmmumiätsakt aber erhielt der tschechische Agrarier Kelnier zur Berichterstattung und Antragstellung zugeteilt, der ihn mit in seine flowakische Heimat mitnahm und dort ein volles Jahr lang in seinem Schrekblisch emgesperrt hielt. Erst denk Eingreifen des sozialdemokratischen Senatspräsidenten Dr. Soukup ist es zu danken, daß der Jmmumiätsakt aus seinem Verließ her- v arge holt und dem Jmmunitätsausschuß zurückerstattet wurde, der dadurch endlich in die Lage versetzt wurde, der offenkundig bewußten Verschleppung ein Ende zu machen. Erst jetzt, unter dem Trommelfeuer der empörten öffentlichen Meinung^ sah sich die Gewerbepartei bemüßigt, Trara zur Niederlage seiner Vize- präsidentenstelle und einige Tage später seines Mandates zu bestimmen. Der Fall ist ungeheuerlich, aber was beweist er? Er ist doch nur ein Symptom des um sich fressenden Krebsgeschwürs der Korruption, daS sich besonders seit dem Kriege— nicht nur bei uns— ausbreitet und von dem sogar Repräsentanten mancher politischer Parteien— gleichfalls nicht nur bei uns— angcfault sind. Aber daS Listenwahlrecht? Wo soll seine Schuld liegen? Ja, so erklärt man uns, das Listenwahlvecht verhindert die Auswahl der Besten und Würdigsten, es führt dazu, daß die Wähler nur jene Kandidaten wählen dürfen, die von den politischen Parteien vorgeschlagen werden. Welch ein Unsinn! Bor der Einführung des Lfftenwahlvechtes haben wir in Oesterreich doch daS Einzelwahlrecht gehabt und wurden nicht auch damals— von den drei, vier Außenseitern abgesehen, deren Wahl nicht gerade ein Ruhmesblatt für das Prinzip der freien Auslese der Volksvertreter war— die Kandidaten von den politischen Parteien nominiert? Wäre es bei einem Zurücktzehen auf das Ernzelwahlrecht anders und könnte es anders fein? Immer wären es irgendwelche Gruppen oder politische Parteien, denen die Aufgabe zufiele, die Wahlwerber in Vorschlag zu bringen, ein anderer Gedanke ist ganz unvorstellbar, jedenfalls würde er die Karikatur einer Demokratie bedeuten.' Freilich, Tröka soll noch im Scheiden von seiner politischen Laufbahn ein Geschäft mit seinem Mandat gemacht haben. Er soll auf dasselbe nur unter der Bedingung vernichtet haben, daß er von seinem Nachfolger die Hälfte seiner Senatorenbezüge erhält. Wenn das wahr ist, so zeigt daS, was für ein Geschäftemacher dieser Herr fft, es läßt auch di« Gewerbepartei in einem höchst sonderbaren Licht« erscheinen. Andere Parteien, die auf Sauberkeft halten, haben sich gegen unwürdige Einschleicher dadurch gesichert, daß sie sich von allen Gewählten einen Verzicht-Revers ausstellen lassen. Wenn das die Gewerbepartei nicht getan hat und ihr somit di« Möglichkeit fehlt, einen ihrer unwürdig gewordenen Repräsentanten abzuschütteln, so rst das ihre Schuld, keineswegs di« des Listenwahlrechts. Im übrigen wiü> jeder Denkende zugeben, daß gerade das Parteienshstem— das natürlich wie jede menschlich« Einrichtung auch Fehler und Man- gel hat— immerhin die beste Art und Mög- ftchkeft der Auslese darstellt, denn an sich hat doch jede Partei das größte Interesse daran, die Besten und Fähigsten ihrer Mitglieder voranzusteklen. Der Deutschdemokratischen Partei, die, nebenbei bemerkt, es nicht anders hält und die es gleichfalls nicht jedem ihrer Angehörigen überläßt, zu kandidieren, sondern ebenso wie die anderen Vorschläge macht, wäre noch zu sagen, daß es fiir eine deutsche Partei eine ganz besonder« Schande und Schmach bedeutet, gegen das Lrstenwahlrecht zu Hetzen. Listen- Wahlrecht ist Berhältniswahlreckü und besagt, daß jede Stimme, wo immer sie abgegeben wird, Geltung behält, während beim Einzelwahlrecht die Stimmen jener Wahlwcrber, die in der Minderheft bftiben, unter den Tisch fallen. Was das für das Deuffchtum in der Tschechossowakischen Republik bedeuten würde, kann sich jeder politffche A-B-E-Srbüler leicht ausrechnen. Vielleicht findet sich danach in der Deutschdemokratischen Partei doch endlich jemand, der seinen Parteifreunden begreiflich macht, daß di« Hetze gegen das Verhältnis- Wahlrecht einem Verrat an der deutschen Bevölkerung gleichkommt. Die SdnTdenfrage Washington» 15. November.(Reuter.) Finanzminister Ogden Mills erklärte, die Regierung der Vereinigten Staaten könne einen Aufschub der Zinsenzahlungen, die am 15. Dezember fällig sind, nicht bewilligen, denn jedwede Art einer Regelung der Kriegsschulden fall« unter die Kompetenz des Kongresses. Die allen Gedanken des Genier Protokolls. Ablehnung des französischen Planes durch Deutschland. Berlin, 15. November. Das Berliner Conti- nachrichtenbüro veröffentlicht über den deutschen Standpunkt zu dem französischen Plane folgende Meldung: Nach Beurteilung der zuständigen deutschen Stellen charakterisiert sich der gestern veröffentlichie französisch« Plan durch seinen Aufbau von vorn« herein nicht als ein Abrüstungsplan, sondern als ein Plan zur poetischen Organisierung Europas nach den bekannte« französischen Gesichtspunkten. ES sind in neu« Form die alten Gedanken des Genfer Protokolls, die hier wieder ausgenommen werden und di« schließlich aus die Sicherung des territorialen status' qua hinaus laufen. Dabei enthält der Plan Mei wesentlich« logische Konstruklionss«hi«r. Er verbindet einmal Maßnahmen, die sofor t^verwirklicht werden könnten und müßten, mit solchen, deren Durchführung lange Zeit erfordern würde. Ferner macht er Sicherungsvorschläge, die ein« bereits vollzogen« allgemeine Abrüstung und«inen gewissen Rüstungsausgleich Mischen allen Staaten zur Voraussetzung haben müßten. Di« Frage der deutschen Gleichberechtigung wird in dem ftanzösischen Plan vollständig offen gelassen. Die Verwirklichung unserer Ansprüche wird in«ine ungewiss« Zukunft verschoben. In dem Plan wird die politische Hege- monie, gegründet auf militärischer Ueberlegenheit einzelner Staaten und Staatengruppen, verewigt. Dar französische Bündnissystem wird in Völkerbundsform sanktioniert, wobei das ganze System I« österreidiisdie Parteitag. WirtsdianiKhcs Referat Dr.Renners Kien, 15. November.(Eigenbericht.) Am letzten Tag des Parteitages wurde zunächst die neu« Parteivertretung gewählt, die rm wesentlichen ebenso zusammengesetzt ist wie di« bisherige. Nach der Wahl referierte dann Dr. Karl Renner über die Wirtschaftspolitik der bürger- lichen Regierungen und di« Forderungen der Arbeiterklasse. Er führt« u. ä. auS: Mr habe« in Europa im letzte» Jahrzehnt in vielen Staaten den Wechsel von reinen Bürgerblock- rrgierungen und gemischten Regierung erlebt. Ich kann als Regel festslellen: Bürgerblockregierungen sind wirtschaftS- und sozialpolitisch unfruchtbar, gemischte Regierungen haben die Wirtschaft wenig. stenS ruckweise auf dem Weg der Staatskapitalismus und der Sozialpolitik vorwärts gebracht. Moderne Staatswesen lassen sich mit praktischem Erfolg und friedlicher Entwicklung ohne die Ar- beidcrklasse und ohne Sozialismus nicht mehr regieren. Es wird sinnfällig, daß«ine privat- nniiiiiuuuiiiuiUiinMJUiiuitiiiiiuiiiniiiuiniiMnuiiiiiiiiiiUiiiniiiiuuuiniinimiiiiiNuiHiitHutimininniHniniuuiinuiiiiiHiiiiiiHHiUNiiiiiniiiuiuiHiiiiiininiiiiuiuHiiiiuuiuuiuiHHniuiiiiHiiHiiiua Die Arbeitslosigkeit in Nordböbmen. Ende September 119.009, Ende Oktober 120.400 Arbeitslose. von demjenigen Staate als bequemes Instrument gehandhabt werden kann, der sich mit seinen Trabanten im Völkerbundsrat eine einfache Mehrheit zu schaffen vermag. Dir Standardisierung der europäischen Feft- landarmren ist wohl der einzige gesunde Gedanke, den der französische Plan enthält. Deutscherseits besteht kein Grund, diesen Punkt und den damit verknüpften Vorschlag einer besonderen Völkerbundsarmee abzulehnen. Sehr zweideutig sind die Ausführungen des französischen Planes über die Sonderrechte und Sonderstellung der Kolonialmächte. Der größte Teil der ftanzösischen Kolonialarmee von,250.000 Mann langgedienter Truppen ist nur wenige Dampferstunden vom französischen Mutterlande entfernt, zum Teil ist er sogar in Frankreich garnisoniert. Alle Gesichtspunkte einer durchgreifenden und radikalen Abrüstung fehlen völlig. Es ist keine Rede von einer Abschaffung der Schiffe über 10.000 Ton- mn und der U-Boote. Zur Abrüstung der Luftstreitkräfte wird nur. Bekanntes wiederholt. Der Plan ist auch in seinem militärischen Teil vollkommen auf die französischen Bedürfnisse und die Entwicklung des ftanzösischen Heeres ','igeschnitten. Tatsächliche Gleichberechtigung und die Sicherheit, die aus der allgemeinen Abrüstung entspringt, wird anderen Staaten nicht gewährt. Das Fehlen von konkreten Vorschlägen für die Verminderung der militärischen Kräfte muß auf das schwerste enttäuschen. wirtschaftlich orientiert« Wirtschaftspolitik die in einem heutigen Staatswesen gestellten Aufgaben nicht lösen kann, zumal in einer Kris«. Dr. Renner befaßt« sich dann ausführlich mit den spezifischen Ursachen der österreichischen Wirtschaftsnot. Es werde von Tag zu Tag klarer, daß die wirtschaftliche Zusammenarbeit aller innereuropäischen Nationen, di« von ihnen allen dringend gebraucht wird, immer wieder an den politischen Rivalitäten der Großmächte scheitert. Nachdem eme von Renner beantragt« Resolution in der Debatte von vielen Rednern besprochen und insbesondere auch daS Arbeitslosenproblem sehr ausführlich diskutiert worden war, fand di« Resolution einstimmig di« Billigung des Parteitages. Nach Beendigung des Parteitages trat die neugewählt« Parteivertretung zu ihrer Konstituierung zusammen. Zum Vorsitzenden wurde wieder Bürgermeister Seitz gewählt, zu Stellvertretern Otto Bauer und Sever. Zu Parteisekretären wurden Danneberg, Deutsch und Speiser gewählt; Danneberg und Speiser wurden ohne Bezüge beurlaubt. In den 46 Bezirksarbeitsvermittlungsanstalten im Bereiche der Landeszentral« für Arbeitsvermittlung in Reichenberg waren, wie uns von dort berichtet wird, im Oktober 17.764 Arbeitsund Dienststellen und 162.651 Bewerber und Bewerberinnen angemeldet, wobei 13.652 Vermittlungen erzielt wurden. Die größte Anzahl von Vermittlungen erzielten die Anstalten in Brüx 2438, Lounv 1438, Bodenbach 1147, Rcichenberg (städtische Anstalt) 996, Aussig a. Elbe 828, Gablonz a. N. 586, Komotau 514 und Wei- pert 455. Die Anzahl der in der Evidenz geführten Arbeitslosen ist von 119.009 auf 128.486, also um 9377, d. i. um 7.88 Prozent, gestiegen. Bei den 524.171 im ganzen Staate angemetveten Arbeitslosen bedeutet dies 24.5 Prozent, Vierzehn Anstalten haben zum Schlüsse des Monats eine niedrigere Anzahl Arbeitsloser auigewieftn, als am Anfang des Monats, 32 eine höhere, wobei es sich in vielen nur um eine geringe Erhöhung handelt. Ganz außerordentliche Erhöhung der Anzahl der Arbeitslosen weisen folgende Anstalten aus: Reichenberg um 3055(113 Prozent), Brüx 1540(42 Proz.), Hohenelbe 1362(113 Prozent), Oberleutcnsdorf 1247(73 Proz.). Die Erhöhung der Anzahl zeigt sich mit 7270 Personen bei Saffonberufen, was 77 Prozent bedeutet. Di« meisten Arbeitslosen waren in den poli- tisch-n Bezirken Gablonz: a. R. 14,896, Reichenberg 11.603, B.-Leipa 10.103, Teplitz- Schönau 9458, Komotau 8625, Brüx 8218, Aussig a. E. 7965, Tetsckien 7853 und Fried- . land 7753. Nach den Berufen handelte es sich um 40.799 Hilfs- und Tagarbeiter(um 11 Prozent) mehr, bei den eigentlichen Tagarbeitern um 48 Prozent mehr als am Anfang des Monats), 27.528 Textilarbeiter(um 1.5 Prozent mehr,, jedoch nur m- solge zufälliger Einrechnung der durch die Gemeinden gemeldeten Arbeitslosen m zwc« Anstalten), 21.311 Glasarbeiter(— 247), 12.440 Metallarbeiter(•+■ 336) und 9254 Bauarbeiter, deren An^rhl um fast 40 Prozent gestiegen ist. Sonst zeigt sich eine außerordentliche Steigerung bei den Arbeitern aus den Ziegeleien, Steinbrüchen u. dgl., d. i. um 35 Prozent, und bei den Bergarbeitern um 17 Prozent. Dre Anzahl der beschränkt arbeitenden Personen ohne Unter- Nutzung wird auf etwa 40.000 geschätzt. Di« gewerkschaftliche Arbeitslosenunterstützung erhielten 29.443 gänzlich Arbeitslose(23 Prozent aller Angemeldeten) und 18.746 aus der Arbeit zeitweise ausgesetzte Personen. ES war daher notwendig, auch in diesem Monate di« Unterstützung aus der staatlichen Er- nährungSaftiön zu gewähren. Für den fünf- wöchentlichen Unterstützungszeitabschnitt wurden mehr als 5,700.000 K verausgabt und mit der Einrechnung der sogenannten Milchaktion, die mehr als 400.000 K erfordert«, mehr als 6,000.000 K. Zur Linderung der Arbeitslosigkeit sollten 147 Nokstandsarbeiten beitragen, b-i denen 5990 Personen beschäftigt waren. Wie bereUS die Zahlen beweisen, verschlechtert« sich di« Lag« besonder- im Baufach« und in den mit diesem direkt«wer indirekt zusammenhängenden BerusSgruPPen, sowohl bei privaten als auch bei öffentliche« Arbeiten. In einigen Zweigen der GalSinduftrie konnte ein« kleine Bef. serung festgestellt werden, die jedoch leider Wohl nur vorübergehend sein wird. In der Textilindustrie wurden auS 4 Bezirken Verschlechterungen, a«S 8 Bezirken dagegen wenigstens ver- einzelte Besserungen gemeldet. Ungleich laute« auch di« Berichte über die Metallindustrie, di« im ganzen doch eher als etwas günstiger bezeig net werben konnte. Di« Holzarbeiter leiden unter den Folgen der Beendigung der Bauarbeiter». Für die besonders betroffene Grupp« der Hilfs- und Tagavkeiter bot sich in einigen Bezirken Arbeits- gelegenhekt in den Zuckerfabriken, in denen schon nur selten Arbeiter aus anderen Bezirken aufgenommen werden, so daß diese Arbeit hauptsächlich für die heimische Bevölkerung in Betracht kommt. Die BezirkSanstalten für allgemeine unentgeltliche Arberts- und Dienstvermitklung ersuchen wiederholt alle Arbeitgeber, bei den Anstalten alle Stellen zu melden und so die Vermittlung der Arbeitslosen zu erleichtern. Sie wenden sich mit dieser Bitte besonders an die Arbeitgeber, die vielleicht Ausländer aufnehmen wollen, und an alle Unternehmer von Notstandsund öffentlichen Arbeiten, weil es sonst nicht möglich wär«, die Lohnlisten der bei diesen Arbeiten beschäftigten Arbeiterschaft zu bestätigen, wie dies Mecks Erlangung der Beiträge notwendig ist. Auch alle Bewerber und Bewerberinnen um Arbeit-- oder Diensfftellen sollen sich jedoch prinzipiell in den Anstalten melden, weil in der Statistik nur die in den Anstalten sich meldenden Personen eingetragen und im Zusammenhänge mit der staatlichen Ernährungsaktion gerechnet werden können, nicht aber solche Personen, die nur in den Verzeichnissen der Gemeinden eingetragen erscheinen, die den Anstalten für Evidenz- und Bermittlungszwecke nicht zur Verfügung stehen. Ergebnislose Verhandlungen im Rossitz-Ossawa«« Kohlen-Revier. Brünn, 15. November.(Eigenbericht.) Bekanntlich fft vor ungefähr 5 Tagen im Rossitz- OslaWaner Kohlenrevier ein Streik auSgebr-r- chen, der von den Kommunisten angezettelt wurde und immer größeren Umfang annahm, so daß fast sämtliche Gruben still lagen und nur di« dringendsten Jnstandhaltungsarbeften durchgeführt werden konnten. Di« Ursache des Streiks lag in der Absicht der Unternehmer, di« Löhne der Bergarbeiter herabzusetzen. Es fanden Verhandlungen statt, in deren Verlauf sich die Unternehmer bereit erklärten, ihre Forderungen zu mildern und die Lohnhenrbsetzung auf annehmbarer Basis duvchzuführen. Die Bergarbei« terschast, von den Kommunisten verhetzt, ging aber auf diese Bedingungen nicht ein und trar in den Streik. Es wurde ein Streikausschuß gebildet, in dem sich auch sozialistisch« Mitglieder befanden, die ober am vergangenen Samstag nach einer Konferenz der sozialdemokratischen Bergarbeiterschaft aus dem Ausschuß wieder auStraten. Ms nun die Kommunisten sahen, daß die Unternehmer nicht gewillt sind, weiter« Zugeständnisse zu machen und daß ihre Lage bedrohlich wird, forderten sie neuerliche Verhandlungen, die heute in Segen-Gottes stattsanden. Dies« Verhandlungen verliefen jedoch ganz ergebnislos. Der Vertreter der Unternehmer erklärt«, daß die Bergbaugesellfchaft durch die Verordnung der ungarischen Regierung, di« eine Einfuhr von tschechoslowakischem Koknicht zuließ, und durch ein« neu« ähnliche Verordnung der österreichischen Regierung, von der die Direktion der Dergbaugesellschaft heute Mitteilung erhielt und die sich auf di« Einfuhr von Schmiedekohle bezieht, in eine Lage gekommen sei, di« ihr weitere Zugeständnisse hinsichtlich der Bergarbefterlöhne nicht gestatten. In bi« hierauf einsetzende Debatte griff auch Genosse Po lach ein, der betont«, daß der Streik von den sozialdemokratischen Gewerkschaften nicht heraufbcschwo- ren worden sei, er forderte jedoch von den Unternehmern dasselbe Befftändnis für die Lage der Arbeiterschaft, daß die Unternehmer für ihre Situation von den Arbeiten: fordern. Di« Unternehmer mögen sich erklären, ob sie gewillt sind, gewisse Zugeständnisse zu machen. Nach längerer Debatte, in die bezeichnenderweise die komnnmi« stischen Mitglieder der Streikausschusses N'chr mit einem Worte eingriffen, fanden die Verhandlungen ein Ende, ohne daß ein Ergebnis erzielt worden wäre. Die Kommunisten haben wieder einmal bewiesen, daß sie eS Wohl gut verstehen, in verantwortungslosester Weis« die Arbeiterschaft n einen Streik pr Hetzen,-aß sie aber dann rai- und tatloS zusehen, wie die Arbeiter die Folgen des Streiks selbst zu tragen haben. Keine Aufhebung des Ausyattungs' bettrager durch die ZentraisoziatvevficherungSanstalt. Auf Grund der Bestimmungen des Sozial- versicherungsgefetzes gewährt die Zentralsozial- versicherungSanstalt den weiblichen Versicherten, welche sich verehelichen und in Ser Versicherung 100 Beitragswochen zurückgelcgt haben, den A u s- sta ttu na Sbe i t rag. Wie bekannt wurde, find Gerüchte in Umlauf gesetzt worden, nach denen die Auszahlung dieses Ausstattungsbeitrages nur dann vvrgenommen werden soll, wenn die Eheschließung vor dem 31. Dezember 1932 erfolgt. Es wird darauf aufmerksam gemacht, daß dies« Gerüchte jeder Grundlage entbehren. Die Trainer Talsperre. Di« Ueberschreitung«« zum Teil entschuldbar? Prag, 15. November. Im Verkehrsausschuß des Abgeordnetenhauses erstattete Arbeitenminister D o st al«k einen zweiten, jedoch immer noch nicht abschließenden Bericht über di« Budgetüberschreitungen beim Bau der Frainer Talsperre. Es wurde ein« neu« ftchSgliÄrige Kommission aus Beamten zusammengestellt, die mit dem Projekt nie etwas zu tun hatten. Diese Kommission hat das gesamt« vorliegende Material zur Uebcrprüfung übernommen; st« soll namentlich den Vorgang bei der Vergebung der Arbeiten genau prüfen. Der Minister erklärte jchoch, schon auf Grund der bisherigen Ergebnisse feststellen zu können, daß di« Ursachen der Ueberschreitung zum Teil auch in den geologischen Verhältnissen begründet seien, die man nicht voraus« sehen konnte, weiters in Aenderungen des Projekts im Lauft des Baues, die eine rationellere Durchführung der einzelnen Einrichtungen und di« Erreichung einer erhöhten Sicherheit zum Zweck hatten. Di« weiteren Ursachen sollen von der Kommission überprüft wevden, was ftdoch noch eine gewisse Zeit in Anspruch nehmen wird. Erst dann werde der Minister einen abschließenden Bericht erstatten können. Audi in Frankreich Duddct* Provisorium. Paris, 15. November. Der Hauptbcricht- crstatter der Deputiertenkammer Lamoureux erklärte, daß er der Kammer erst nach dem 15. Dezember seinen Bericht werde vorlegen können. Die Regierung bereitet deshalb zwei provisorische Budgetzwölftel für di« Mona:« Jänner und Feber zur Annahme vor. Nr. 270 Mittwoch, 16. November 1S32. Seite 3 los, streicht ihr übers Haar— hilflos ist Gilgi der weicheren Stimme und-er sanfteren Beruh' rung ausgeliefert. Sie legt ihm die Arme um den Hals, öffnet vergessend die Hände— die Ringe fallen zu Boden— der blaue Saphir, der ?rüne Smaragd, di« beiden Brillanten, die große Zerle... Einen nach dem andern hebt Martin auf...„was ist denn das— woher hast du die?" „Von meiner Mutter." „Bon welcher?" „Bon-er Magazindame— sie ist ohnmächtig geworden— sie ist mir furchtbar fremd. Die Ringe müßten noch verkauft werden oder versetzt— aber ob man dann fünfhundert Mark dafür bekommt? Martin— ich muß ja gehn— ich muß ja gehn— die warten jetzt... „Wer wartet? Komm' mit, Gilgichen, ruh' dich ein bißchen aus und erzähl' mir dann erst mal..." Gilgi geht mit Martin ins Eßzimmer— so hübsch hat er den Tisch gedeckt— und nichts angerührt— nur die Flasche Hennessy die gestern noch voll war, ist jetzt halb leer. Gilgi fällt müde auf einen Stuhl—„Ich werde schnell etwas essen und trinken"— ja, viel trinken— dann geht's sicher leichter mit dem Erzählen. Giilgi trinkt hastig hintereinander— alles ist so wirr— die Worte rutschen immer mehr nach innen. Ach, jetzt nur schlafen können. Nein, sie kann nichts essen, sie mag nicht, der kleinste Bissen wird im Mund riesengroß— hundertmal muß man schlucken, eh' er durch die Kohle geht. Lieber trinken und— „eine Zigarette". Auf dem Tisch liegen die Ringe, ! funkeln ein bißchen, glitzern...„Meinst du, Martin, daß man fünfhundert Mark für sie be- I kommt?" Gilgi fallen fast die Augen zu vor Müdigkeit. So schwerer Duft im Zimmer. Drei runde schwarze Vasen mit weißen Hyazinthen. Martin liebt sie so sehr, diese Blumen, und Gilgi liebt sie auch, weil Martin sie liebt. Martin steht vom T«sch auf, geht unruhig im Zimmer hin und her, setzt sich auf den Diwan raucht... In den Hyazinthenduft mischt sich. der Geruch von Birginiatabak— ein Mischgeruch der für Gilgi untrennbar mit Martin verbunden ist— Noch etwas trinken... dann kann man wohl sprechen. Und eigentlich ist doch alles ganz klar, und nichts ist tragisch zu nehmen. Ist ja zum Lachen, daß man auf einmal die einfachsten Dinge von-der Welt so kompliziert und...„Martin, du brauchst nicht so böse zu gucken— gar kein Grund— ich war bei Pit und bei meiner Mutter— ein Freund kommt sonst ins Gefängnis." (Fortsetzung folgt.» lieber die Zusammenarbeit zwlsdien Klerus und klerikaler Presse; Wenn der Pfarrer die diristlldisoziale Presse unterstützt wird er dem Disdiol wärmstens emploNen! Ein Randsdireilien der Anssiger ChrlstUdtsozialen an die hodtwürdioen Herren. „Ich werde nie mehr zu Ihnen kommen'ch wäre nur eine Störung für Sie— und Si-> für mich. Und Ihre Welt ist mir fremd und zuwider, ich will nichts mit ihr zu tun haben. Ich muß jetzt gehn— ich hab« versprochen zu helfen — das muß ich halten— ich habe keine Zeit Mehr, ich muß sehn, wo ich Geld herbekomme." Gilgi sieht auf die kleine zusammengeiunkene Frau— di« hebt den müden, leeren Blick zu Gilgi empor— streckt beide Hände vor— zieht|te plötzlich wieder zurück— und streift langsam einen Ring nach dem andern von den schmalen, glatten Fingern— legt einen Ring nach dem andern:n Gilgis offene Hände— den blauen Saphir— den grünen Smaragd— die beiden Brillanten und die große Perle. Ein Häufchen Platin und Stein- geglitzer in Efflgis Händen. „Das tvar schön von Ihnen", sagt Gilgi mit S'tternden Lippen—„aber— haben Sie die iinge nicht lieb— ich meine, gab Sie Ihnen nicht jemand, den Sie lieb haben?" Wieder eine leere, kindliche Stimme:„Bon Meinem Mann habe ich sie— jedesmal wenn er mich betrogen hat, scheret er mir ein Schmuckstück.. i ,Lch will gehn", sagt Gilgi und steht auf. Auch die Frau will sich erheben, wird plötzlich noch»veißer als vorher, fällt hintenüber— mit einem Satz ist Gilgi bei ihr. Legt den schlaffen, kleinen Kopf auf die Seffellehn«— hält fest in ter linken Hand das Häufchen glitzernder Steine ... sie ist ohnmächtig geworden ich— habe nie geglaubt, daß Menschen wirklich ohnmächtig werden— ich hätte nie für möglich gehalten, daß es daS gibt... was tut man denn da—? Wasser— ja Wasser— Wasser— Wasser nach, das ist zuviel alles— Gilgi sinkt in die Knie— streicht über den schmalen nackten Ann, der schlaff und leblos herabhängt. Die kleine Magazindame ist meine Mutter— ich hätte nicht zu ihr gehn sollen. Aber sie wird schon wieder in Ordnung kommen— sie hat einen Diddy und einen braven Mann, dessen Untreue so lukrativ für sie ist— bald wird er wohl sechzig sein,, dann sängt er erst richtig an, Seitensprüng! w machen, und dann wird sre viel« schöne neue Ringe bekommen— Gilgi drückt kurz die kleine, necki geschenkt« Hand... du kleine Magazindom«— dir geht es nicht schlecht— aber Hertha — di« arme Hertha— Hertha! Das Geld! Marti«! Gilgi springt auf» rennt aus_ dem Zimmer "• begegnet auf dem Flur dem Mädchen— ,/)er gnädigen Frau ist schlecht geworden, gehen Sie zu >br— sofort." 6.30 Uhr. Bis sieben kann der Hans die Ringe noch versetzen oder verkaufen. In spätestens zehn Minuten kann man in der Friesenstraße sein. Es ist kein Umweg, tvenn man vor- her bei Martin vorbeigeht. Nur ihm schnell sagen, w soll keine Angst haben. Erklären wird man später. Das alles wird sehr ruhig und vernünftig überlegt. Schnell und sicher schreitet Gilgi «ns. Alle Gefühlsbewegunaen und erlebten Begebenheiten sind für den Augenblick auSgelöscht, «ur der Gedanke lobt: ich hob's geschafft. Kaum hat sie die Flurklingel überhaupt angerührt, da reißt Martin schon die Tür auf. Holl« Angst und Wut brennen aus seinen Augen. »Wo tvarst du! Mein Gott— gleich sieben Uhr — ich suche dich überall...* ■„Oh, Martin, ich bin doch schon manches Mal so lang« fortgewesen." »Mein, das bist du nicht, und du bist auch «ie fortg^zangen, ohne ein Wort zu sagen." „Sieh nicht so böse aus, Martin— gib mir fi«en Kuß, ich bitte dich— schnell— ich muß fetzt eben noch mal ft>rt— nachher erkläre ich air.,." Er zieht sie ins Zimmer, hält ihr Handgelenk umfaßt mit bösem, hartem Griff. Hat ja auch allen Grund, bös« zu sein. Himmelherrgott, hat er sich geängstigt. Einmal angefangen zu harten, hat's ihn immer tiefer und quälender in Angst und Unruh« getrieben. Tausend und tau- senh Möglichkeiten hat er erwogen, viel« Arten von Möglichkeiten, alle will» durcheinander gewirbelt— traurige, häßliche, furchtbar« Möglichkeiten, die.sich schließlichen zu fol- krrnder Gewißheit verdichteten. Und Plötzlich Entdeckt man, wie man an der Kleinen hängt " ein« harte Nuß, diese Entdeckung, keineswegs «Ur erfreulich. Ein zweifelhaftes Vergnügen— Pr merken, daß auf einmal das eigen« Glück und Arohkbefinden von einem anderen abhängt. Da sicht man wie ein holfloser Idiot und ist nicht wehr Herr über seine Freuden und Schmerzen. Rur weil es dem liederlichen kleinen Mädchen so paßt, sich mal viele und endlose Stunden in geradezu unverantwortlicher Weis« herumzutrei- v«n— jawohl, herumzutreiben— muß man Höllenqualen ausstehen— na eine schöne Wut Mb' ich auf dich, tveil ich dich so lieb habe.„Zum Donnerwetter, sprich doch— wo bist du gewesen?" Natürlich— um jetzt vollkommen gerechtfertigt pr sein, müßte sie tot sein— Gott fei Dank, daß sie lebt.„Wo bist du gewesen?" Steht da vor Am di« Kleine— ganz blaß und verstört— ohne Hut, die Haare verweht— abgehetzt, schuldbewußt— hat einen bösen, trotzigen Zug um den Mund— „Laß mich los, Martin, ich muß jetzt Fort." „Gilgichen ich hab' mir doch Sorgen um>ch sismacht, ein paar Minuten wirst du jetzt wohl haben für mich." Er läßt ihr Handgelenk Mt dem ost zitierten günstigen Wind" har es doch immer wieder seine Richtigkeit! Dieter Tage haben wir uns wieder davon überzeugt. Da flatterte uns nämlich ein Rundschreiben ins Haus, auf dem vorgedruckten Briefpapier und mit der Stampiglie der DeutschenChristlich-So- zialen Bolkspärtei, Bezirksleitung Aussig, gerichtet an„Eue r H o ch w ü r d e n! Hochverehrter Herr Pfarrer — Dechant!" In diesem(umfänglichen) Schreiben werden die Hochwürdigen Pfarrer oder Dechanten davon in Kenntnis gesetzt— der Brief stammt vom 30. August 1932— daß ab 1. Oktober die„A ussiger Deutsche Presse" als Kopfblatt der„Deutschen Presse" erscheinen würde(was inzwischen geschehen ist), Hochwürden.wird iy,diesem schreiben zunächst an di« bedeutungsvolle« Worte des Hl. Vaters Pius X. erinnert, wonach„die Unterstützung der katholischen Press« wichtiger ist als das Erbauen vo« Kirchen, Waisenhäusern und dgl." Man sollte meinen, daß gerade„d erglei- che n" für einen Christen wichtiger sei als das Zeitungsgeschäft und daß insbesondere ein guter Christ lieber, wie Herr Jesus, dafür sorgte, daß die Kleinen zu ihm kommen, denn daß' klerikale Leitartikel geschrieben werden; aber wie man sieht, ist dem nicht so: „dergleichen"— Mitarbeit etwa am Bau eines Waisenhauses— würde auf den Heiligen Pater eine« für den Herrn Pfarrer weniger günstigen Eindruck machen als«in Bericht darüber, daß Hochwürden die Werbetrommel für«in Bezirksblatt rühren! Und also wird den Herrn Pfarrern von den Rundschreibern nahegelegt, die Lokalberichterstattung für den Auffiger Ableger der „Deutschen Presse" zu übernehmen. Das liegt nicht nur in den Intentionen des Papstes, sondern wird auch schon irdisch vergolten, nämlich laut Mitteilung der christlichsozialen Bezirksleitung mit zwanzig Hellern für die Druckzeile. Sollte den Herrn Pfarrer oder Dechanten aber auch diese„nicht unwesentliche Nebeneinnahmsquelle" nicht genügend zu reizen vermögen, so bitten die Briefschreiber, ihnen einen Laien als Lokalberichterftatter namhaft zu machen, hem daN« der Weg in den Himmel noch rosiger gemacht wird: dem Laien würden nämlich„außer den erwähnten 20 Hellern auch noch frankierte Kuverre" (so steht's dort) zukommen.(Der geistliche Herr wird also in seinem„Idealismus nicht durch Portofreiheit unterstützt!) Dann aber kommt der Hauptschlager: „Nicht unerwähnt möchten wir lassen, daß wir über die tatkräftige Unterstützung unserer katholischen Press« auch unserem Hochwürdig- sten Herr» Bischof Bericht erstatten tverden." Und damit wird dem Pfarrer deutlich gesagt, daß er die Presse unterstützen muß(auch wenn sich ihm dabei der Magen umdreht), denn sonst muß er damit rechnen, daß willfähriger« Amtsbrüder Liebkind beim Bischof werden, er selbst aber gar bei seinem Vorgesetzten in schädlichen Mißkredit gerät. Und das alles nimmt sich eine solche christ- lichfoziale Bezirksleitung heraus, di« damit allzu deutlich zu erkennen gibt, wie es uw die Beziehungen zwischen den klerikalen Politikern, der hohen Geistlichkeit:.ad dem niederen Klerus bestellt ist. Der letzte Teil dieses kostbaren Schreibens beschäftigt sich mit dem inzwischen absolvierten „unpolitischen katholischen Volkstag" im Teplitzer und Aussig-Karbitzer Bezirk und bittet die hochwürdigen Herren„nm entsprechende Verlautbarung von der Kanzlei". Also die christlichsozial« Partei veranstaltet eine Kundgebung, gibt sie der Oeffentlichkeit gegenüber als unpolitisch aus und zwing! geradezu die Geistlichen, dieses allzu politische Geschäft von der Kanzel aus zu unterstützen. Wahrhaftig, besser, aufrichtiger und freier kann man die Wege des Herrn nicht wandeln! Zum Schluß erfährt man noch, daß ein Pfarrer(wenn er bei den Christlichfozialen und sohm bei Bischof und Papst gut angeschrieben sein wtll) auch„eine möglichst große Anzahl von Programmen und Bildchen" absetzen und dafür sorgen muß, daß„große Plakate zum Aushängen an der Kirchentür, in Kaufläden... usw." durch ihn angefordert und verwendet tverden müssen! Sind das nicht herzallerliebste Dinge, die man da aus der katholischen Häuslichkeit erfährt? Was sagen jene Schäflein dazu, die aus Religion in di« Kirche und zum Pfarrer gehen? Sind sie jetzt wenigstens davon überzeugt, daß Kirche und christlichsoziale Partei e i n e H a n d sind?> Aber auch diejenigen, für die das n i ch t neu ist, können allerhand aus diesem Rundschreiben lernen: nämlich nicht nur, daß die katholische Geistlichkeit in ihrer Haltung von dem Wohlwollen der christlichsozialen Führerschaft in hohem Maße abhängt, sondern auch wie sehr die Klerikalen mit allen Mitteln für di« Verbreitung ihrer Presse sorgen! Daran mögen die Arbeiter erkennen, wie doppelt wichtig es für sie ist, alles zu tun, um die sozialistische Waffe der Presse zu stärken und zu schärfen! » Ein Pfarrer wegen Relioionsstörung verurteilt, well er anstelle der Predigt eine podttsdie Rede vorlas! Die„Morgenpost" meldet ans Eger: Der Pfarrer der Bergstadt Platten und wohl auch andere römisch-katholische Geistliche erhielten vom Bischof Weisungen, zuweilen statt der Predigt kulturell« Aussätze aus Zeitschriften in der Kirch« vorzulesen. Also las der Pfarrer der Bergstadt Platten, Rudolf Beck, am 10. Juli am Altar der Kirch« in Platte« uneinig« Stunden später in der Kirche in Breitenbach während der Messe ein« PolitischeRede des Konsistorialrats Magert ans der Zeitung„Egerland" Nr. 75 vom 5. Juli vor, gehalten am Begrüßungsabend des Katholikentages in Eger im Jnni d. I. Sie erschien unter der Aufschrift„Was wollen wir". Angelegenheiten des Staates wurden da kritisiert sowie geltende und beantragte Gesetze, gegen eine be- stimmte politische Partei wurde darin agitiert und ein« bestimmte Partei wurde in der Rede empfohlen. Der Pfarrer verantwortete sich dahin, es sei nach seiner Meinung nichts in der Rede enthalten gewesen, was die Bevölkerung beunruhigen oder aushetzen könnte, und daß er glaubte, es sei erlaubt, de« Auffaß vorlesen, weil er schon in einer zensurierten Zeitung erschienen war. Pfarrer Rudolf Beck wurde des Vergehens nach 8 303 Str--G., Abs. 2(Religionsstörung), schnldig erkannt und zu zehn Tagen Arrest büingt bei einjähriger Bewahrung verurteilt. Er hat auch die Kosten drS Strafverfahrens zu ersetzen. Blätter stimmen. Die Angst vor sozialistischem Wollen und Handeln. Die„Deutsche Landpoft" vom 15. November schreibt: Die wirtschaftlichen Grundlagen sind für viele Evwerbszweige wankend geworden. Weite Bolkskrei.se leiden' unter bitterer Not. Unter diesen außerordentlichen Verhältnissen ist eine, verzweifelte Stimmung herrschend geworden, die bedenkliche Folgen zeitigt... Die sich darüber freuen können und die diese Entwicklung bestens fördern, das find die Sozialisten. Der Zerfall der bürgerlichen Ordnung, der von ihnen so beharrlich vorausgesagt wird, rückt allmählich tatsächlich in greifbare Nähe. Die sozialistischen Prophezeiungen, die so häufig als leer« Redensarten von nur agitatorischer Bedeutung gewertet werden, erscheinen in anderem Lichte, wenn folgendes gewürdigt wird: Die Führung der Sozialisten— vielleicht sind es nur ganz vereinzelte unter der Schar der Leute, die an der Spitze stehen— läßt sich die scharfe Beobachtung der Geschehnisse äußerst angelegen sein. Die ständig gleichlautenden Stimmen in d^r Presse und .Reden mit altem Phrasenvorrat verraten diese scharfe Beobachtung weniger, als das Handeln in der Politik. 2^n Sozialisten bleibt es nicht .verborgen, Wie leicht sich mchtfozialistische Kreise dazu verstehen, unter dem Druck der Not die Freiheit der Wirtschaft antasten zu lassen und staatlichen Regelungen zuzustimmen, die einen Vorteil, eine Aenderung der unerträglich gewordenen Verhältnisse erhoffen lassen, gleichgültig, ob die Erfüllung dieser Hoffnungen auch gehörig sicher ist. Es mnn keine guten Früchte tragen, wenn weiter in dieser Blindheit und Unbekümmertheit um die Zukunft verharrt wird. Wir sind auf dem guten Wege, dem sozialistischen Zukunftsstaat die Bahn zu bereiten. Nicht ohne Grund sehen wir die Sozialdemokraten mit Eifer am Werke, ihre Koalitions- und Regierungsfähigkeit auch unter den jetzigen Verhältnissen zu erweisen, wo es vor allem gilt, agrarpolitische Fragen zu lösen. Sie arbeiten bei allen auf diesem Gebiete auftauchenden Fragen mit, immer bemüht, den Dingen die Wendung zu geben, die ihnen erwünscht und ihren Partei i.d een entsprechend ist. Es wird ihnen immer gelingen, es durchzusetzen, daß den Vorkehrungen zum Vorteil der Landwirtschaft die Form gegeben wird, die ihnen genehm fft, was naturgemäß in sich schließt, daß die Wirkungen dieser Vorkehrungen verwässert werden. Ein Rückblick auf die letzten Jahre zei'gt das deutlich. Ein Provlslonsnngebot von einer Million, das Rat Krejza bisher verschwieg. Jgla«, 15. November. Im Stribrnv- Prozeß wurde neuerdings Rat Krejza verhört, der angibt, Zamazal sei bei ihm nur ein einzigesmal mit dem Waggonangebot gewesen, habe dem Zeugen jedoch keinen Brief gegeben, worin er etwas versprochen hätte. Zamasal habe sich bet diesem Besuch über «in« Million Ke geäußert. Krejza wisse aber n cht, in welchem Sinne sich Zamasal geäußert hatbe, doch hab« er herausgefühlt, als ob ex ihm etwas anbiet«. Er habe | di«s Zamazal vorgehalten und ihn ersucht, mit solchen Sachen zu ihm nicht zu komme». Dan« habe er dies Staatssekretär Burger gemeldet, der gesagt habe: De« Zamasal dürsen Si« nicht ernst nehmen! Damit war d.e Sach« erledigt. Zeuge habe im Büro öffentlich davon gesprochen, daß ihm Zamazal eine Provision angeboten habe. Davon wußten auch verschiedene Beamte des Ministeriums. Staatsanwalt Dr. Marjanka beantragt das Verhör sämtlicher von Krejza genannten Personen Verteidiger Dr. Raöin spricht sich gegen dieses Verhör aus, denn dadurch werde der Prozeß nur verlängert. Am Nachmittag wurde Zeuge Jng. Krejza mit dem noch einmal vorgeladenen Direktor Bot- luöka-Rellos konfrontiert. Vötluvka-Rellos berichtet« über die Waggon- angelegenheit, sofern er darüber vom verstorbenen Zamazal etwa gehört hatte und soweit ihn die Millionenbelohnung interessierte. Hiezu erklärte Zeuge Krejza, daß er sich irgendeiner Unterhaltung mit Zamazal auf der Gass« nicht erinnere. Er habe ihm zwar begegnen können, doch anderweitig müsse sich Zamazal stark geirrt haben. Angeklagter StkibrnF fordert, der Zeuge Votluöka möge die Persönlichkeiten nennen, die in der Weinstube Horsk zusammentrafen, denn es könnten dadurch die Fäden zur Aufklärung einer dunklen Angelegenheit aufgedeckt werden. ©tfiBrny führte an, Lustig habe das Verzeichnis der ausgezahlten Waggonprovisionen nicht genau angegeben, und er möchte gerne wissen, wer noch Provision erhielt. Als der Zeuge mit der Antwort zögerte, fragte Stkibrny,,ob die Weinstube Gesandter Jan M a s a r y k besucht habe, worauf der Zeuge antwortete, daß die Besucher der Weinstubenbesitzer Horsk bezeichnen könnte. Das 13. Opfer von Ocnl. Genf, 15. November.(SDA.) Gestern abends starb im Krankenhaus das dreizehnte Opfer der Genfer Unruhen. Es fft dies ein 37jähriger Lehrer. Seite 4 Mittwoch, 16. November 1932. Nr. 276. Die Politik der Nattonaidemokrateu. KramLf ergreift das Wort. In der nalionaldcmokratifchen Partei, tn£> besondere in den Jugendorganisationen dieser Partei herrscht mit der gegenwärtigen Politik der Partei und ihres angeblichen Führers, des Generalsekretärs des tschechoslowakischen Jndu- striellenverbandcs, Abgeordneten Dr. H o d a ö, große Unzufriedenheit. Wie groß die Gegensätze sind, mag man daraus ersehen,-aß Dr. KramLk selbst,-er schon längere Zeit krank und. von der , aktiven Politik ferngehalten ist, das Wort ergreift. Der Aufsatz zeigt, daß das Alter an dem einstigen Führer Les tschechischen Bürgertums nicht spurlos vorübcrgegangen ist. KramLk l«bt mehr in der Vergangenheit als in der Gegen wart. Ein großer Teil seiner Ausführungen, ist der Erörterung der Verhältnisse in-er alten österreichisch-ungarischen Monarchie gewidmet, worauf er immer wieder zurückkommt. Auch bei der Stellung zur Staatsangestelltenfrage erörtert er bereits, daß er-er Bedeutung der Staatsangestellten für das tschechische Volk schon im alten Oesterreich gerecht geworden ist. Der langen Rede kurzer Sinn dieses Teiles seiner Ausführungen ist es, daß cs„ohne gewisse Opfer nicht gehen werde", KramLk ist also der Ansicht, Latz sich die StaatSangestellten mit dem, Abbau der Gehälter abfinden sollen. Er empfiehlt eine Ersparungskommission, die allerdings nicht 24, sondern nur 9 Mitglieder haben soll, es ist zum Staunen,-aß KramLk auf-iese Idee zurückkommt, weil er ja lang« Jahre Obmann einer solchen Ersparungskommission im Parlament war. ohne sie einberufen zu haben. Zum Schluß des Artikels kommt er noch einmal auf die Notwendigkeit von Sparmaß- ■. nahmen zu sprechen. Er sagt,-aß sich die Nationaldemokratie zur Trägerin einer sparsamen Staatsverwaltung machen soll:„Im Geldhinauswerfen, im leichtsinnigen populären Wirtschaften waren die andern die Führenden. Unser Ehrgeiz muß es sein, mit allen Kräften danach zu streben, daß wir die führenden werden in einer vernünftigen, vorsichtigen staatlichen Finanz- und Wirtschaftspolitik." Wohin diese Politik, die da Herr Dr. KramLk empfiehlt, geführt hat, hat die Negierung des Bürgerblocks bewiesen, in der Dr. KramLk einen maßgebenden Einfluß ausgeübt hat. Der Bürgerblock hat uns eine Steuerreform beschert, welche Len Großverdienern Millionen erspart hat und zur Schwächung -er Staatsfinanzen beigetragen hat, eine Politik- durch die unsere Gemeinden z. B. vollkommen heruntergewirtschaftet worden sind. Es stünde um die Staats, und Gemcindefinanzen heut« besser, wenn-iese Gesetze der Bürgerregierung nie gewesen wären. Dr. KramLk nimmt auch zu jenen Stimmen in seiner Partei Stellung,' welche-en Austritt der Nätionaldemokraten aus-er Regierung eben wegen der Staatsangestellten verlangen. KramLk gibt zu, daß ihm diese Regierung nicht gefällt. Sie gefällt ihm vor allem nicht wegen Dr. Czech. „In unseren Reihen bestehen Zweifel, ob wir in-er Koalition bleiben sollen, in der eine so große Rolle Dr. Czech spielt, in der sich aber nicht die Slowaken Hlinkas befinden, denen gerade wir am meisten den Weg ins Regierungslager geebnet haben." Dann wiederholt KramLk die alte Geschichte davon,-aß in der Frage der Arbeitslosenunterstützung endlich Ordnung gemacht werden sollt«, er wiederholt«ine alte Phrase, die nicht an Wahrheit gewinnt, j« öfter man sie ausspricht. Dabei nimmt sich KramLk nicht einmal die Mühe zu sagen, worin denn die Unordnung in der Arbeitslosenunterstützung besteht. Der politisch« Schluß, zu dem KramLk gelangt, ist der, daß die Nationaldemokraten(trotz Dr. Czech) in der Regierung bleiben sollen. Die Nationaldemokraten können nicht Oppositions- Politik machen, wie im alten Oesterreich. In der Tich^oslowakischen Republik ist die positiv« Politik Pflicht und die Opposition könne nur gemacht werden, wenn die Grundlagen des Nationalstaates bedroht seien. Wie man aus all dem sieht, ist es nicht viel, was der alternd« KramLk seinen Parteifreunden zu sagen hat. Die Kompetenz der Gerichte bei Streitigkeiten ans dem Arbeitsverhälthis. Bei einigen Gerichten wurde die Frage der Kompetenz in Streitigkeiten aus dem Zlrbeitsver- hältnis aufgerollt, wenn im Bezirk«in Arbeitsgericht oder eine Abteilung d«S Bezirksgerichtes für Streitigkeiten aus dem Arbeitsverhältnis, welche aber bis her nicht aktiviert wurden, errichtet wurden. In den letzten Tagen befaßte sich mit der Angelegenheit das Oberste Gericht in der Entscheidung vom 3. November 1932, Zahl R II 435/32—1. Das Oberste Gericht hat auf den Rekurs einer Partei hin d«n Beschluß der zweiten Instanz, durch welchen die Klage wegen Nichtzuständigkeit dcS Bezirksgerichtes abgewiesen wurde, geändert, und fuhrt« in der Begründung an, daß die ordentlichen Bezirksgerichte zur Verhandlung von Streitigkeiten ans dem ArbeitS- verhältmS nicht nur in den Orten zuständig sind, wo ein selbständiges Arbeitsgericht oder«ine Abteilung des Bezirksgerichtes für ArbeitS- streitigkelten nicht errichre» werde, sondern auch in den Bezirken, in welchen über die Errichtung von Arbeitsgerichten(Abteilungen für Arbcitsstreitigkeitrn) durch die Regierungsverordnung schon entschieden wurde, dies« Gericht« jedoch ihre Tätigkeit noch nicht begon- »en haben. T agesneuigkeUen Lotter Mayer zu lebenslaagWem Kerker oeguadigt. Eger, 15, November. Der Präsident der Republik hat&«t im Oktober des Vorjahres vom Egerer Schwurgerichte nach längerer, stellenweise sehr dramatischen Verhandlung zum Tode durch den Strang verurteilten früheren Distriktsarzt von Tschernoschi», Dr. Josef Mayer, zu lebenslänglichem Kerker begnadigt. Der Angeklagte wurde bekanntlich wegen meuchlerischer Ermordung seiner Gattin zum Lod« verurteilt. Durch de» Bcgnadigungsakt findet die Mordtragödie von Tschernoschi», die seinerzeit großes Aufsehen erregt hatte, ihren Abschluß. hundert japanische Fischer durch einen Taifun getötet? Tokio, 15. November.(Reuter.) Ueber der japanisch«» Küste wütete dieser Tage ein heftiger Taifun. Wie bis jetzt festgestellt werden konnte, kamen bei dem Unwetter etwa 100 Fischer ums Leben. Jedenfalls werden sic vermißt. Einzelheiten fehlen noch, da die Verbindungen unterbrochen sind. Afrikanischer Schlachtbericht. Loudon, 15. November. Angehörige eines südabessynischen Stammes haben, wie „Times" meldet, bei einem Einfall in das Gebiet von Kenya 150 Angehörig« des dort ansässigen Galla-Stammes getötet,«in« Anzahl Einwohner fortgeschleppt, Dörfer z e r st ö r t und Vieh geraubt. Die Angreifer waren mit Gewehren ausgerüstet, ihre Opfer nur mit Speeren. Der Ueberfall hat sich östlich des Rudolf-Tees abgespielt. Ein„glückliches" Fußballjahr- „nur" 24 Lote! New Aork, 15. November. Die Fußballsaison geht ihrem Ende entgegen, und es kann gesagt werden, daß sie in diesem Jahr« äußerst glücklich war, da Heuer bei-en Fußballwettspielen nur 24 Spieler den Tod sanden, während in der Saison des Jahres 1931 mehr als 50 Spieler auf den Fußballplätzen ums Leben kamen. Das Verzeichnis der Toten der vorjährigen Saison wies ein« ganze Reihe von Hoch, schulstudenten auf. Heuer wurden bloß zwei Hochschüler auf dem Fußballplatz getötet. Daraus ergeb« sich, so wird weiter gemeldet, daß die Parole„Vor allem Sicherheit", die zu Beginn der heurigen Saison ausgegcben wurde, durchgedrungen ist. Begnadigung der Anzeriu Grete Blaha? Die Blätter melden aus Rom: In der Angelegenheit der unglücklichen Wiener Tänzerin Grete Blaha, die bekanntlich in di« antifascistische Bombenwerfer-Affär« Bovone verwickelt war und zu dreißig' Jahren Kerker verurteilt wurde, ist ein« entscheidende Wendung ei«getreten. Anläßlich der großen italienischen Amnestie wurde die Strafe Grete Blahas von dreißig auf fünfundzwanzig Jahr« herabgesetzt. Diese an sich gering, fügige Reduzierung des Strafausmaßes hatte in weiten Kreisen großes Befremden erregt. Run meldet di« offiziöse italienische Korrespondenz I. K. O., daß im Rahmen der allgemeinen Amnestie die Strafe für die junge Wienerin wohl verabgeietzt wurde, daß aber das Verfahren zu ihrer völligen Begnadigung im Zuge sei. Di« italienischen Behörden wollen das Gnadengesuch, das die Mutter Blaha von Wien aus an den König von Italien gerichtet hat, in günstigem Sinne erledigen, so daß wahrscheinlich mit einer baldigen Kefreiung des unglücklichen Geschöpfes zu rechn«» ist. Eine rSnzeriu und ein Schuldleuer wegeu Spionage verurteilt. Gdingen, 15. November.(PAT.) Das Ge- richtStribunal verurteilte im geheimen Verfahren di« Tänzerin P o w i e r f k a wegen Spionage zu 15 Jahren Gefängnis und den Schul- dienep Luczkowski zum Tode. Luczowski hat an den Präsidenten der Republik ein Gnadengesuch gerichtet. Sine Arankeuschwefter folgt dem Patienten in den Tod. Berlin, 15. November. Profesior Dr. Paul Ritterder Mitschöpferder deutschen Schulzahnpflege, war 71 Jahr« alt in der Nacht zum Sonntag nach einem langen Zucker- leiden gestorben. Drc Krankenschwester Else Berger, die ihn sechs Monat« lang betreute, ist ihm, wie di«„B. Z." meldet, in den Tod gefolgt. Sie hat sich das Hinschciden des Mannes, den sie ein halbes Jahr mit Aufopferung, aber vergebens, pflegte, so zu Herzen genommen, daß sie sich in der darauf- folgeren Nacht mit Leuchtgas ver. giftete. Profesior Dr. Ritter gehört« zu den berühmtesten Zahnärzten Berlins. Els« Berger war Ende der dreißiger Jahve. Sie hatte gehofft, den geistig hochstehenden Mann, für den sie sich aufopfert«. der Besserung entgegenführen zu können. Uebernächtig von der Pflege deS Sterbenden, | brach sie nach seinem Tode innerlich zusammen. Spart bei den Batzen und nicht bei den Hellern! Das Sparen ist, wenigstens nach den Aeußerungen gewisser Blätter, nun auch eine Aufgabe unserer Nationalverleidi» g u n g geworden. Herr Benes hat sogar die seltsame Entdeckung gemacht, daß unser Militärbudget gegenüber früheren Jahren um 50 Prozent gekürzt ist und die Staatsbürger, denen das bisher nicht bekannt war, wundern sich zlvär, doch freuen sie sich nicht, weil nur di« Wahrheit dieser Behauptung Anlaß zur Freude wäre. Immerhin aber: die Militärverwaltung, die für sich schon nette, allzunette Einsparungen durch die Senkung der Preise für die militärischen Bedarfsartikel machte, will, um die mahnende Stimme des Volks verstummen zu nmchen, bei den Militärkapellen zu sparen beginnen, also just an der militärischen Einrichtung, die dem Volk immerhin noch am sympathischesten ist. Es mag richtig sein, daß man Militärkapellen in einem künftigen Krieg nicht mehr benötigte: eS wird, wenn das Giftgas über die Städte streicht, niemand mehr Zeit finden, zum Tod aufzuspielen. Aber auch Soldaten, die die Gewehrgriffe beherrschen und einen schönen Sturmangriff durchführen köntien, Orden, Pferde, Gewehre und Maschinengewehre werden von zweifelhaftem Wert sein und es wird sich erweisen, daß unser ganzes militärisches System für di« Katz ist, weil es auf den Erfahrungen des vergangenen und nicht auf den Kampfbedingungen eines neuen Krieges beruht. Immerhin aber fft das Vorhandensein von Soldaten, Gewehren, Pftrden, Orden und allem militärischen Drum und Dran in aller Welt eine Voraussetzung zu neuen Kriegen, pinc Gefährdung des Friedens. Nur von den Militärkapellen kann man das vielleicht am allerwenigsten behaupten. Darum handelten die„sparwütigen" Militaristen weiser, wenn sie die Korps, die Kanonen, die Offiziere, kurz, den ganzen militärischen Klimbim einsparten, unb den Militärischen Klingklang, nämlich die Militärkapellen, als fröhlich-friedliche Einrichtung bestehen ließen. Rückgang der Arbeitslosigkeit im Pretznitz- WeipeNer B^irke. Mit Ende Oktober ist, wie unS berichtet wird, im Gebiete des Bezirkes Preß- nitz-WeiPert gegenüber dem Monate September ein beträchtlicher Rückgang der Arbeitslosigkeit zu verzeichnen, der seine Ursache in der saisonmäß'- gen Belebung der örtlichen Industrien hat. Di« Bezirksarbeitsvermittlungsstelle verzeichnet eine Derminderung des Arbeitslosenstandes um 520 Personen, dagegen hat sich am Stande der Kurz- arbeiter so gut wie nichts geändert. Im Oktober standen im Bezüge der staatlichen Ernährungsaktion 2289 Personen. Staatsbeitrag zur Arbeitslosenunterstützung nach dem Genter System erhielte«, 538 Personen. Vom Ministerium für soziale Fürsorge wurden dem Bezirke überwiesen: für di« Milchaktion 9600 K, für di« Ernährungsaktion 185.000 X, für di« Kartoffelaktion 15.000 Kronen, für die Aktion gewerblicher Heimarbeiter 133.040 K und für die produktive Arbeitslosenfürsorge 59.000 X. Das Oberste Gericht verhandelt über die vier Jglauer Todesurteile. Bor dem Obersten Gericht in Brünn begann Dienstag vormittags die Verhandlung über di« Nichtigkeitsbeschwerde gegen das Urteil im Jglauer Schwu rqc nichts Prozeß, mit welchem am 13. Juli 1932 Franz Brobec, Josef H L j e k, Franz K o u d e l k a und Herbert Önders zum Tode und Leopold Laschke zu zehn Jahre» schweren Kerkers verurteilt worden waren (im letzten Falle wurde Berufung eingelegt), und zwar wegen des Verbrechens des vollbrachten Raubmordes, begangen an dem Gefängnisaufseher Baninas, und wegen des Verbrechens des nicht vollendeten Raubmordes an dem Gefängniswärter Zlechta, weiter wegen des Verbrechens der Vorschubleistunq zum Verbrechen und des Ergehens gegen die Besitzsicherheit. Ermäßigte Eisrnbahn-Haldjochreskarten für organisierte Reisende und Vertreter. Der Bund der Verirrter urck Reifenden, Sitz Teplitz- Schönau Fachgruppe des Allgemeinen Angc- stcllten-Beckandes Reichenberg), macht schon jetzt darauf aufmerksam, daß solche begünstigte.Halbjahreskarten nur durch die Organisation besorgt werden können. Es ist daher notwendig, daß wie bisher ine vorgeschriebene Abhängi^eitsbestäti- gung vom Dienstgeber und das Lichtbild 6mal6 Zentimeter(ungebraucht) rechtzeitig vorbereitet werden. Nach den vom Eisenbahnministerium bis nun erteilten Auskünften bleiben die Preise und DirektionScinteilungen wie für 1932 auch für 1933 aufrecht. Di« Preise und Bedingungen sind im Taschenlälender des Bundes der Vertreter uich Reisenden für 1932 und in jenem für 1933 veröffentlicht, der demnächst erscheint. Etwaige Acnderungen werden rechtzeitig verlautbart Werden. Trotzki ist mit seiner Familie am Dienstag mit dem italienischen Dampfer„Praga" über Marseille nach Kopenhagen abgpreist. Di« Polizei hatte bei der Abfahrt Trotzkis und seiner Familie strenge Sicherheitsmaßnahmen getroffen. Trotzki hat von der dänischen Gesandtschaft in Konstantinopel ein für eine Woche gültiges Einreise- Visum erhalten. Trotzki wird auf seiner Reise von seiner Familie und seinem Sekretär begleitet. In Dänemark wird Trotzki Borträge über die russische Revolution halten. Es wurde ihm ein achttätiger Aufenthalt bewilligt, doch hofft er, daß Vom Rundhink Empfehlenswertes aus dcu Programme». Donnerstag. Prag. 6.15: Gymnastik, 11: Schallplatten, 15.30: Lieder im Volkston, 1825: Deutsche Se«> düng: Dr. Moucha: Nene Bücher, 19.20: Blas« musik, 20.35: Dudelsack-Trio, 21: Orchesterkonzert.- Brünn. 18.25: Deutsche Sendung: Dr Schausperger: Die Vergeistigung der industriell« Arbeit, Ä.05: Chorgesang, 20.35: Funkstetsch.- Berlin. 15.35: Flöten-Duette, 1915: Orchester!«' zert.— BreSla«. 20.30: Heiterer Abend.— Fetts fort. 20: Orchesterkonzert.— Hamburg. 19.30: Blaskonzert.— Königsberg. 20: Liederstunde.. p Wien. 19.55: Der Rosenkavalier, Oper von Richard Strauß. ihm die dänischen Behörden das Visum verlävi gern. Hierauf will Trotzki Schweden und Roo! wegen besuchen, worauf er auf die Insel Pri»: i kipo zurückkehrt. Im Motto unseres gestrige« Leitartikels üb«: Gerhart Hauptmann sollte di« Quellenangabe’CÜ^ verständlich„B or Sonnenaufgang", nit> „Dor Sonnen untergang" heißen. Die Schwiegermutter ermordet. In Grotz I Herrlitz wurde die Ausgedinger in Gebauer aüi dem Fenst«rrahmen in ihrer Wohnung crhäugl;; aufgefunden. Da auf der Stirne eine blutig* Hiebwunde sichtbar war, entstand der Verdacht daß an der alten Frau ein Verbreche» verüit! worden sei. Die Gendarmerie ging der Sach' nach und stellte fest, daß di« Schwieaertoch' t e r der Erhängten, eine geboren« ZadlouLil, iW Schwiegermutter überfallen und sie mit eiM J Schlinge erdrosselt habe. Um einen SeM. mord vorzutäuschen, habe sie die Tot« dann a>>s: gehängt. Die Mörderin hat di« Tat bereits«iM I standen. Sie wurde dem Troppauer KreisgeÜW I überstellt. Nonnenrcvolte i« einem rumänische« Kloster» Das weltabgeschiedene Kloster Agavia in del Provinz Moldau fft unlängst der Schauplatz vo* Szenen gewesen, wie sie in der Geschichte Klöster wohl einzig dastshen. Die Klosterkirch wie die Häuschen im Biereck darum, in den** t 400 Nonnen wohnen, waren im Laufe der Ze*'[ schon so baufällig geworden, daß wiederholt Geld j sammlungen veranstaltet werden mußten, ui* die notwendigen Restaurationsarbeiten durch;»*. führen. Als eine Tages nun Gelder ausblicbe», j E reifte die Oberin des Klosters kurz entschlöße* zum Metropoliten, um dort vorstellig zu werde*- i lehrte jedoch mit der niederschmetternden Nach l richt zurück, daß man an hMrer Stelle be> L schloffen habe, wohl noch die Kirche instaudjU'< I setzen, aber die Unterkunftsräume der Nonne*» avzüteiß'en. Nest Botschaft' löst« unter de*? Frauen eine ungeheure Erregung aus, da sie«*'» nahmen, daß die Oberin an diesem Beschluss die Hauptschuld trage. Noch rn derselben Räch 1 wurde die Oberin ihres Amtes enthoben und arü| dem Kloster gejagt. Da die Nonnen sich weiger*,! I sowohl das Kloster zu verlassen, als auch sich i*: ein anderes versetzen zu lassen, blieb dem Metr*'\ i Polite« nichts weiter übrig, als eine Unttt-n suchungSkommission zu den Rebellinnen zu en>' serwen, die bis zur Entscheidung der Frage i*’ I strengster Klausur in ihren Zellen bleibt* l müssen. Vom Fuukturm gesprungen. Zu spätes Siunde erschien Mittwoch abend eine etw*:: 28jähtige Frau bei dem Fahrstuhlführer dtt Berliner Funckturmes und bat diesen,' hinaufzufahren; sie sei nur selten in Berlin und wolle gern einmal die Stadt von oben sehen. W' Führer erfüllte ihren Wunsch und zeigt« ihr noch verschiedene Sehenswürdigkeiten. Plötzlich ettt' fernte sich die Frau, eilte auf die andere S«^ j der Plattform, überstieg die Brüstung und stürzt* 11 sich, bevor der Fahrstuhlführer sie daran hindel*! konnte, in die Tiefe. Sie stürzte etwa 75 Met«*;: ! tief aus das Dach deS Funkturmrestaurants, tv* sie mit schweren inneren Verletzungen lieg«' blieb. Ausqehobenes SA-Nest. Als Diontag nachi» Schuhpolizeibeantte in Zivil an einem SA-H^i k vorüb«rkam«n, wurden st« von einem postenstehW den SA-Mann beschimpft. Als di« Beamten Mi daraufhin auswiesen und gegen de» SA-Mo** vorgehni wollten, wurden sie vom Hof dt'j Heime saus beschossen. Ein sofort al^: miertes Ueberfallkommando sowie Krimitl»* beamte nahmen eine Durchsuchung des SA-W/! mes vor, wobei mehrere Waffen, Patronen**" Totschläger gefunden wurden. Nach beendet**^ Durchsuchung wurden die Beamten beim Abz*1! aus einem im oberen Stockwerk gelegenen Schl«! j[ raum der SA-Leute wiederum beschimpft. S* 1; der daraufhin nochmals notwendig geworden**! Durchsuchung zwecks Festnahme eines SA-Ma*'! nes wurden die Beamten v on Sprech chör** weiter beschimpft, worauf die Posij*; alle im Hause anwesenden SA-Leut« festnaht*' 38.000 K gestohlen. Unbekannte Täter dra*' gen Dienstag mittags mtt einem Nvchschlüsf*' in di« Kanzlei deS„NLrodni sdruLeni" in Haydnstrahe in Mähr.-Ostrau ein, wo sie ei**.! verschlossene Schublade erbrachen und aus«V! 38.000 Ks in bar raubten. Diese Golder war**! für Nachmittag zur Auszahlung der Arbeit*';> losenunterstützungen vorbereitet. Nach den Täte** wird gefahndet. Zcppeliichafen Sevilla. Zwischen dem Gemei*^! rat von Sevilla und dem Luftschiffbau Zeppeb* i wurde Dienstag vormittags ein Abkommen über d» Errichtung eines Flughafens abgeschlossen. D* Unterzeichner des Abkommens stich der Bürge*' meister von Sevilla und Dr. Eckener. Nr. 270 Mittwoch, 16. November 1932. Leite 5 Käthe Kollwitz an Gerhart Haapkmanu Di« berühmte revolutionär« Künstlerin Käthe Kollwitz hat hem großen Dichter zum 70. Geburtstag folgende Zeilen geschrieben: Lieber Gerhart Hauptmann! Ein Mensch aus Ihrer Generation grüßt Sie. Bis ins kleinste erinnere ich mich d«S Lotzes der Erstausführung der„Weher" in her Freien Bruhn« und der Erregung, in der wir alle waren. Genosse Wolf Baun ries:„Die Weber in der Volksbühne ouftzeführt und wir haben Barrikaden!" Auf mich wirkte dies« Aufführung mit solcher Gewalt, daß ich all« meine anderen Pläne umwarf und mich demselben Thema— den Webern, ihren Leiden, ihrer Erhebung und wieder ihrem Leiden— zuivondt«. Es war ja überhaupt ein Zug in jener Generation, ob es Dichter, ob es bildende Künstler waren-— wir zogen all« an einem Strang. Erst später wanderte der eine hierhin ab, der ändere dorthin. Auch Sie schienen andere Wege zu gehn. Es gab eine Zeit, in der die Jugend Sie reaktionär nannte, m der di« Arbeiterschaft Meinte, Sie hätten ihr nichts mehr zu sagen. Das war wohl richtig, wenn man nur das Stoffliche Ihrer Werke ansah. Aber der Mensch in Ihnen, der dichterische Mensch, der ins Innere der Geschehnisse und der Geschöpf« sieht, d«r war geblieben. Das unendlich vielfältig« Leiden, das untrennbar mit d«m Leben überhaupt verbunden ist, offenbart sich vor Ihnen und Sie haben di« Gabe, dafür Worte zu finden, die man nicht wieder vergißt. So ist von alledem, was über den Krieg gesagt ist,«in Wort von Ihnen mir am tiefsten sitzen geblieben, und das schrieb«« Si« vor dem Krieg. Ich mein« di« Stelle im vaterländischen Puppenspiel, wo di« Mütter ihre Söhne zurückverlangen. Dies: JnS Zentrum des Gefühls treffen, was ja eigentlich den Künstler ausmacht, dabatten Sie ehemals und daS hab«« Si« noch und dafür danke ich Ihnen. Berlin, 15. November 1932. Käthe Kollwitz. Das versiegelte hdta-Gekeimnis. Das Blasrohr gebietet Haft!— Indianer der. Nichten all« Expedition««.— Ei« neuer versuch mit Flugzeug««. Oft hört man die Frage stellen, warum wir aoch immer so blutwenig von der v«rschollen«n Kultur der Inkas wissen. Die moderne Archäologie ist bekanntlich«ine universell« Wissenschaft mit fast unendlichen Hilfsmitteln geworden, hat sie doch fast all« Fortschritte der Technik, vor allem der DerkehrStechnik in ihren Dienst stellen könne::. Mit Untetseebooten ganz besonderer Konstruktion will man Atlantis suchen, mit Flug, zeugen hat man zum Beispiel das Geheimnis deS Westafrikanischen Grabenshstems gelöst. Warum allo macht.man sich nicht an di« Erforschung der Jnkakultur, von der uns noch so viele märchenhafte Augenzeugenberichte vorliegen? Wie man weiß, hat vor zwei Jahren als einer der ersten Flugzeugpioniere im Dienst der archäologischen Wissenschaft, Oberst Lindbergh, einen Teil des geheimnisvollen Innern des sudamerikanischen Kontinents überflogen und sogar Filmaufnahmen von unterwegs mitgebracht. Aus dem unendlichen Dickicht deS südamerikanischen Urwalds leuchteten do und dort geheimnisvoll« i Tempelstädte hervor, tot« Stadt«, sah man Heere geborstener Säulen und riesige fremdartige Göt- wrgebilde. Kein Zweifel, daß man damit zum ersten Mal einen kleinen Blick in daS Innere d«S geheimnisvollen Kontinents getan hatte. Aber warum nahm man diesen sensationellen Flugzeug- Da; tat« Sans. DPT. Draußen vor der Stadt stand eine kleine, altersgraue Kat«. Auf d«m verwitterten Ziegeldache wucherten Moosballen. In der Regenrinne wiegten sich Haferhalm«. Zerfallen war die Pforte. Wie tot lag das Haus. Schaudern überkam di« Menschen, die vorübergingen. Sie wußten: es ist das tote Haus. Mutter Graab wohnte darin, eine alt« Frau mit bleichem Gesicht und tiefbiegenden Augen. Ihr Rücken war gebogen von Gicht und Alter. Einsam verbrachte sie ihre Tage. Bon den Menschen wollte si« nichts mehr wissen. Und doch war sie nicht allein. Immerfort sprach sie vor sich hin. Mit Dieter schwatzte sie, ihrem Jungen. Bis auf den Tag glaubte Mutter Graab nicht, daß Dieter in Frankreich irgendwo Unter der Erde läge. Ans dem Schlanke stand ein Bild von ihm. Seine Augen sahen bell berab auf di« klein« Stube. Bon diesem Leuchten zehrte die Alte. Nur um den Jungen ging noch chr Denken. Ns Spuk war er im-Hause, um den Tisch geisterte er, in der Kammer ivebte zur Nacht sein Atem. Ihr Glaube war ahne Ende... Früh sairk die Sonne des Spätherbstes. Als «s still wurde, kam noch ein Landstreicher daher. Dem sich die Jugend aus den Augen; braun war er von Wind und Wetter. Ei bog vom Wege ab, um im toten Hause vorzusprechcn. Stickige Luft schlug ihm entgegen. Benommen blieb er.nf der Schwelle stehen. Schwär; erschien ihm alles, was «r sich, Jdur«in bleiches Gesicht und hohle Augen film nicht zu Anlaß, um nun entschlossen in den Urwald vorzustoßen? Di« Antwort ist eigentlich ganz einfach: weil noch niemand bisher von einem solchen Versuch lebend zurückgekehrt ist. Um das Innere des süd- amerikanischen Urwalds ist eine unübersteigbare Barriere gezogen. Den Zutritt in den amazoni- schen Urwald verwehren einige Jndianerstämme, die auf ziemlich tiefer Kulturstufe stehen, kein« Feuerwaffen kennen und noch niemals ihre Wälder verlassen haben.. Wies wich man fragen, solche Leute vermögen gutbewaffnete" Europäer am Vormarsch zu hindern? Dies« Stämme besitzen eine furchtbar« Waffe in ihren Blasrohren, mit denen sie vergiftete Pfeile abschießen. Zu fassen sind sic in Urwalddickicht überhaupt nicht und es ist ihnen bisher stets gelungen, auch größere Gruppen entweder aufzureiben oder entscheidend aufzuhallen. Wau erinnere sich in diesem Zusammenhang an das, Schicksal des englischen Majors Faweet, der 1926 in den amazonischen Urwald e.ndrin- gen wollte und niemals zurückkehrte. Die Opferliste der Archäologie kennt mehr als hundert solche Namen, Namen von Forschern, die für alb: Zei ten verschollen blieben, also bestimmt den furchtbaren vergifteten Pfeilen zum Opfer gefallen sind. Jeder Annäherungsversuch an diese Stämine ist bis heute mißlungen, ja man Weitz nicht einmal genau, welche Sprache diese Leute sprechen. Dem Vernehmen nach will ein« Gruppe von amerikanischen Archäologen jetzt«inen neuen Weg beschreiten, um endlich ins Innere zu gelangen. Sie will die furchtbare Barrier« einfach überfliegen und dann im Innern auf einen der zahllosen Seen landen. Von hier aus wollen sie dann For. schuntzSexpeditionen unternehmen und per Flugzeug schließlich wieder zurückkehren. Man nimmt an, daß die gefürchteten Jndianerstämnle nur zu den Randbewohnern des Urwalds gehören, nran hofft im Innern entweder überhaupt kein« Menschen oder freundlichere Stämme anzutreffen.' Es wäre dies jedenfalls der erst« derartig« Versuch mit tauglicheren Mitteln als bisher. Bietleicht wird ihm endlich der Erfolg beschieden sein, Licht in daS geheimnisvolle Dunkel des amazonischen Urwalds zu bringen. Die Legenden sind bis heute nicht verstummt, di« von noch bewohnten Jnkastädten zu berichten wissen. B. K i p p i n g. „Nicdcrgcsdiosscn wie ein nonr. Das Sdiidfsai eines Zletfeletarbeiters.- Revolver als Argument des Dienstgebers.- wenn die Desitzbestle die Zähne fietsdit. Prag, 15. November, Heute begann vor dem hiesigen Schwurgericht der Mordprozrß gegen Johann Kris aus der im Berauntal gelegenen Ortschaft V r ä z. Ein Prozeß, der in seinen scheußlichen Einzelheiten ein anschauliches Bild von den Möglichkeiten einer angeblich demokratischen Gegenwart gibt. Der Angeklagte, nach der Anklageschrift „Bauernsohn', versah den Dienst eines Aufsehers in der Ziegelei seines Vaters, der im „Hauptberuf' Grundbesitzer ist. Er besorgte auch den Verkehr mit den in d«r Ziegelei angestellten Arbeitern. Er muß diese Aufgabe trefflich erfüllt haben, jedenfalls ist er wegen seines „wohlwollenden" Umganges mit den Arbeiter« bereits zweimal wegen Ehrenbeleidigung und einmal weg«« leichter Körperverletzung vorbestraft. Im übrigen ist er. ein vierschrötiger und vierschrötiger Kerl, ein Umstand, der zur Beurteilung des vorliegenden Verbrechens nicht ohne Bedeutung ist. In der Ziegelei«ar auch di« ganze Familie Skuhrovee beschäftigt. Der alt« Johann Sku- hrovee mit Fran und vier Söhnen. Dies« Pro- letarier haben sich ehrlich durch Jahr« und Jahre im Dienst', ihrer Dien st g« her abgeschnNdrn. Im Jahve 1926 kam es zu einem Z w ist, denn dgr alte Joha n n S tuhrovec trat zu einer benachbarten Fabrik über und di« Familie K k ii konnte ihm nach dem Kollektivvertrag sein« D i e n st w o h n u n g nicht entziehen. Das wurmt« die gütigen Dienstgeber fürchterlich und dies« Feindschaft seitens der Famili« Kkii nahm auch kein Ende, als nach zwei Jahr«» Johann Skuhrovee wilder in ihre Dienste znrückkehrt«. Der heut« myeklagt«„Bauernsohn" Johann KriL wurde seither einmal bei einer unglaublich scheußlichen Tat betreten, daß er in den Brunnen der Skuhrovee Kadaver warf, um das Wasser seiner Arbeiter zu verpeste». Nach Kri«gsrecht steht auf solche Brunnenvergiftung die Strafe augenblicklicher Erschi«- ßung. Aber der älteste Sohn der Famili«, der heute nicht mehr lebende Wenzel Skuhrovee, ließ ihn mit einem gelinden Denkzettel davonkommen. Der Herr Drenstgebersohn äußert« sich damals, er werde mit Wenzel Skuhrovee abrechnen und wenn«r zehn Jahr« warten müss«. Am 19. Juli d. I. macht««r dies« Drohung wahr. Schon am Bormittag dieses Tage- hatte der „Herr Junsorchef' den alten Johann. Skuhrovee, den erfahrenen Fachmann, wegen angeblich schlechten Materials schwer schikaniert. Am Nachmittag provoziert«Peter") hinreißen ließ, sprach er die sofortig« Kündigung wegen Beleidigung de» Dienstherren aus. Hier mengt«.sich der Sohn des alte» Skuhrovee ein, eben jener Wenzel, dem der Johann KriL seinerzeit Rache geschworen hatte. Er bekam die Antwort: „Du sollst sehe«, was ich für«iu Kerl bitt. Ich schieß' dich nieder wie einen-und!" Der Angeklagte holt« Geld und wollt« die Skuhrovee sofort auszahlen. Diese erklärten aber, bis zum Abend arbeite» zu wolle». Es kam zu neuem Streit, wobei der Angeklagte Johann KkiL den Revolver zog, ihn über seinem Kopf schwenkte und rief:„Wenn nichts hilft, hilft dieser da." Wenzel Skuhrovee rief nun hi« gesamte Arbeiterschaft als Zeugen herbei. Johann KkiL, dem inzwischen sein Bruder Franz zu Hilf« gekommen war, bli«b stehen und zielt« auf feinen alten Todfeind. Wenzel Skuhrovee bückt« sich, nach einer Misch schaufel, um eine Waffe iu der Hand zu haben. Franz stiii packte ihn an der Hand .NNtz...W,,gleichW LlügLNbftck..... AJ schoß der angeklagte Johann KkiS auf drei Schritte Entfernung de« Wenzel Skuhrov«r durch di« Brust. Lieser brach zusammen, rafft« sich noch einmal auf, tat noch einige Schritte und brach dann tot zu- fanmien.— Heute, vor dem Senat des OGR. H e l l r i e g e l war der Täter klein und bescheiden. Ach Gott bewahre, er hat nie feindliche Absichten gegen den Toten gehegt! Er wollte dem Getöteten beileibe nichts zuleide tun!-Alle- war nur gerecht« Notwehr". Auf di» Frage des Vorsitzenden erklärt««r sich überdies noch in weinerlichem Tone als g e i st i g nicht ganz n o r ni'a l. Er erzählt« etwas von„Rheumatismus' und„Herz- neuros«" und Kopfschmerzen. Wir werden ja sehen, wie di« Geschworenen au^ dieses Vorbringen reagieren werden. Di« Gerichtsärzt« haben ihr Votum gesprochen: „Der Angeklagte ist geistig völlig gesund!" Rach Einvernahme«iner langen Reih« von Zeugen ward» di« Verhandlung schließlich au? morgen vertagt rb. schwebten in diesem Dämmer«, da wollte er wieder gehen. Als«r sich noch einmal umdrehte, keucht« jemand, und zwei lange, schwarze Arme umschlangen seinen Leih. Eine heiter« Stimm« krächzte:„Gott, mein Gott!" Regungslos stand' der Landstreicher. Er wollte abschütteln, was sich an ihn krampfte, konnte es aber nicht. Ein bebeiwer Kövper hing an ihm.„Dieter, mein Jung! Dkein Jung!" Mit nestelnden Händen strich die Alte an ihm auf und ab.„So lange hast du mich warten kaffen!— Ich hab ja gewußt, daß du zurückkommst!— Mein schöner, großer Jung!" Der Landstreicher strich der Frau'Iber das raühe Gesicht. ,Li«bc Frau, ich bin ja gar nicht.. „Bist du müde, Jung?— Kömmst wohl von weit her!.—. Hier hast du den Stiefelknechts.j~ Willst du essen? Mutter Graab hörte nicht auf ihn. Sic hantierte herum, drückte sein« Hände und sprach selbst immerfort. Und als sie einmal vor ihm stand und ihn mit all ihrer Liebe ansah, setzte er wieder an:„Ich bin wahrhaftig nicht der Dieter, Frau!" Mutter Graab stützte, ihre Arm« in die Seiten und lachte laut auf.„Bist noch ganz der Alte, Dieter! Weißt du noch, hast mich manchmal zum besten gehalten, als du noch stein warst!" Der junge Landstreicher stand unterdessen mitten. in der Stuhe. Ta kam. ihm ein Duftpon gebratenem Speck in die Nase. So etwas hatte er lange nicht gehabt. Ach was, dachte er und schüttelte die Bedenken ab. Wenn die Qlsch es so will, an mir soll- nicht liegen! Ms die Frau ihn zuletzt fragte, ob«r müde sei, antwortete er nur: „Ja, sehr müde!" Lange lag er wach in seiner Kammer. Spät hörte er leise Tritt«. Mutter Graab trat an sein Bett. Er tat, lals schliefe er. Lange stand die Frau; über die Decke lasteten ihre Hände, bis sie die seinen fühlte. Ein heftiger, scheuer Druck; dann ging die Frau ebenso leise wieder fort. Der Landstreicher warf sich herum.„BerrücktS Weib!" knurrte er. Es war heller Morgen, als«r zum Frühstück erschien. Mutter Graab war längst in ihrer Arbeit. Alles, was bisher herumgelcgen hatte, war ausgepackt. Voll Eifer wirtschaftete sie. In ihrer Freude lebt«, si« auf. Schnell waren ihr« Glieder, als flöhe neues Blut hindurch. In einer Ecke lehnte der Krückstock. Sie braucht« ihn nicht mehr. Der Landstreicher hantierte herum, wo es etwas auszubcffern gab. Don Zeitru Zeit huschte ein Lächeln über sein Gesicht. Absonderlich erschien ihm seim Lage, aber nicht schlecht. Als beide beim Abendbrot saßen, faßt« Mutter Graab plötzlich nach seiner Hand. Sie brauchte Halt. Grau wurde ihr Gesicht. In den Augen begann«in flackerndes Feü«r zu spielen. Di« Brust ging keuchend. ,„Jung!— Dieter!" stöhnte die Frau. Der Landstreicher erschrak. „Bringe mich— nach— dem Bett mir wird so" Sie sank zusammen. Die Ailg«n waren geschloffen. Zittern lief durch chren auen Körper. Eine Welle lag sie still auf chrem Lager. Dan» hob sie sich in sitzende Stellung, griff mit beiden Händen über die Decke und gab zu der-' stehen.-daß er sich setzen sollt«. Er tat es und nahm ihre kalte Hand in die seine.„Hast du Schmerzen, Mutter?" fragte er endlich. Gummiaruben aul Neuseeland. Das Land der natürlichen Zentralheizung.— Schön wie Skandinavien.— Di« Schattenseite: Erdbeben. Seltsam genug ist es, wenn ein Land die Zentralheizung seinen Bewohnern ganz gratis und franko liefert, und das ist auf Neuseeland der Fall. Ein großes Gebiet dieser Rieseninsel ist wirklich mit einer Zentralyeizungsanlage großen Stils von der Natur selbst versehen; da fließen heißa Quellen, da sprudeln Geysire, da find ganze Höhlen voll von siedendem, brodelndem Schlamm. Man braucht sich diese gratis gebotenen Kräfte nur dienstbar zu machen. Die Häuser der Eingeborenen, der Maoris, stehen denn auch vielfach ganz nahe am Rande der heißen Seen, sie brauchen also nicht zu frieren, und heiße Bäder sind ohne Mühe beschafft- Noch seltsamer ist allerdings, daß es dopt auch Seen gibt, deren«ine Seit« eiskalt ist, wahrend das Wasser auf der andern von den heißen Quellen nahezu kocht. Reich wurde das Land durch dir Kauri- Gummibäum«, deren Saft aus den Stämmen in den Boden rann und versteinert« wie Bernstein, mit dem dieses Baumharz verwandt ist. ,Es spielt eine große Rolle bei der Herstellung von Farben und Linoleum. Dieses Gummiharz findet sich auch an den Stellen des Landes, wo ehemalig« Wälder in den Boden einsanken, und es gibt auf Neuseeland Gummigräber, wie es anderöwo Goldgräber gibt. Manche von ihnen haben sehr viel Erfolg bei ihrer Arbeit gehabt. Bisher ist durch die Ausfuhr dickes wichtiges Stoffes sicherlich eine halbe Milliarde nach Neuseeland gekommen. In letzter Zeit sind di« Preise für diesen Stoff allerdings gefallen. Auch Qelquellen sind gefunden word.es, bisher hat man jedoch mit ihrem Abbau noch keine wesentlichen Erfolg« erzielt. Mancher Mann, der durch Oel reicher zu werben hofft«, hat nur zirm- lich groß« Summen in das Bohrunternehmen gesteckt, ohne entsprechenden Gewinn heranszubc- kornmcn. Dagegen sind große Kohlenvorräte, vorhanden, so daß das Petroleum ja auch entbehrlich ist. Gerühmt wird von allen Besuchern die Schönheit der neuseeländisch«» Landschaft, die mit ihren Fjorden und hohen Bergen de( norlve- gischen sehr ähnlich ist. Di« Temperatur sinkt selten unter den Nullgrad, und di« Schaf- und Rinderherden können das ganze Jahr auf der Weid« bleiben. Di« Buttergewinnung ist sehr groß. In einem Jahr werden mehr als fünfzigtausend Tonnen ansgeführt. Die weißen Siedler von Neuseeland haben alles getan, um aus dem Land herausstiholen, was nur möglich ward'IHv Weizcttbau-steht auf sehr großer Höhe, und an Schafen dürften etwa dreißig Millionen vorhanden sein. Es ist gelungen, in den Flüssen Lachse Und Forellen zu züchten; di« Forellen gedeihen dort so gut, daß Fische von einigen Pfund Gewicht keine Seltenheit sind: es ist sogar kürzlich einmal vorgekommen, daß man eine zwanzigpfündig« Forelle gefischt hat, während die Lachse oft ein Gewicht von vierzig Pfund haben. DaS Land hat eigentlich nur ein« Schattenseite, diese allerdings ist. sehr unangenkhm, nämlich die Erdbeben: Man muß damit rechnen, daß in jedem Jahr Dutzende von Erdbeben eintreten, im Jahre 1929 haben' mehr' al« sechshundert stattgefunden, das sind also fast zwei täglich, aber glücklicherweise sind sie meist nicht schwer und richten keinen Schaden an. In dem Erdbebenjahr 1929 aber würden doch siebzehn Personen getötet; ebenso ist im Jähre 198 t die Stadt Napier m Trümmer gelegt worben. Wer also auf Neuseeland lebt, lebt immerhin auf einem Vulkan, und dieses Gefühl mag in manchem die Freude an den Schätzen und der Fruchtbarkeit dieses Landes nicht recht anfkommen laffen. Fritz Galle. „Nein, mein Jung!" Sehr leise sprach sie. „ßatni ich etwas für dich tun?" „Laß nur, Dieter, es ist so schön nun. Bleib sitzen! Die Sonne geht gerade über dein Haar. Bist gauz dein Vater. Weißt du noch, wie du nach Feierabend immer auf seinen Knien rittest?" Der Landstreicher fühlte, daß es warm in seiner Brust wurde. Er strich der Men die Backen.„Ja, kleine Mutter!" ,^ch weiß es auch noch sehr gut." „Schlafe nun, Mutter. nachher. Dein Vater..." „Laß die alten Zeiten nun, schlafe!" Mutter Graab stöhnte leise.„Mich friert, Dieter!" Der Landstreicher holte eil« Decke. Er harre die Frau an sich drücken mögen; so übervoll war ihm das Herz, ,„Jch bin so müde!" Fast tvar es nicht mehr zu verstehen, was die weißen Lippen rnurmelten. Der Landstreicher stand am Bette und wußte nicht, was er tun sollte. Immerfort strich er über das e-ingefallen« Gesicht. Einmal öffneten sich die Augen noch wieder. „Mein Jung!" Wie ein Atemzug so leise klang es. Dann schlief di« Alte ein. Und Mutter Graab halt« für alle Zeiten die Augen geschloffen. In Frieden lag sie nun. Di« letzte große Freude stand noch auf dem stillen, toten Gesicht«. Die nahm sie mit nach drüben. ' Als der Larchstreicher sah, daß es mit der Frau zu Ende war, stand er lauge und glaubte, die guten Augen müßten sich noch einmal öffnen. Dann streute er«in paar FeDblumen ani das Bett und ging leise hinaus. Paul Bohlau. Seite 8 „Sozialdemokrat" Mittwoch, 18. November 1982. Nr. 270. „Generalstiefer aus Ganzgummi. Gr. 27-34 KE 29-, Gr. 35-38 KL 39-- HERRENSOCKEN, B au rm zoll socken ab KL 1.50 fü. Melton. 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Daß das Deutsche Theater am Vorabend von Gerhart Hauptmanns Geburtstag diese volkstümlichste seiner Komödien in einer volkstümlichen (preisermäßigten) Vorstellung aufführte, ist begrüßenswert; das wirklich Bolkhafte der immer wieder ergötzenden Handlung, die Aktualität der Satire über Untertanengesinnung, Denunziantentum und den llebermut der Aemter, die Plastik der Charaktere, der erfrischende Humor, die bezwingend« Komik und die ewigen Allmenschlichkeiten, di« die Dich- tung besser als neunzig- vom Hundert allen zeit- genössischen Theaters widerspiegelt, wurden auch an diesem Abend prachtvoll lebendig und ermöglichtem jedem eine stille innere Dankfeier für den großen Jubilar, der der deutschen Bühn« so viel Herr- liches gegeben hat. Allerdings: genügend Zeit zu einer gerade für diesen Abend doch doppelt erforderten gründlichen Bdrbereitung scheint man sich nicht genommen zu haben: es war nicht alles im rechten Fluß. Und dies ist vielleicht auch darauf zurückzuführen, daß Frau Pepi Glöckner- Kramer, die an Stell« der leider noch immer kranken■ Mcdelsky als Gast die Mutter Wolffen spielte, nicht immer ganz sicher zu sein schien; natürlich blieb diese köstlichste Komödienfigur auch unter den Hayden dieser vollblütigen, erquickend natürlichen Frau etwas Rechtes, Einzelnes war unübertrefflich„waschecht", besonders dort, wo die Wolffen ihren Mann gegen den weibischen Gatten stellt; dagegen- blieb di«..wundervoll« klein« Szene mit„Philippchen" fast., ohne Wirkung; im letzten Akt wurde Angst und Verlegenheit nicht weg-, sondern gar nicht gespielt, das Wort war(wohl durch Dialektschwierigkeiten, di« auch ander« Darsteller merken ließen) manchmal unverständlich Den verdienten Haupterfolg des Abends, mit ungewöhnlich langem Beifall auf offener Szene, hatte der bekannt glänzend gesehen« und gespielte Krügrr des Herrn Renner;'es wäre wünschenswert, wenn die Direktion daS als Memento auffaßt«, diesen s" ausgezeichneten Schauspieler nicht länger, wi« das in dieser Spielzeit leider geschieht, in der zweiten Reihe verkümmern zu lasten. Uebrigens bewiesen auch Götz, obwohl als Wehrhahn gewiß nicht in seinem Element, der dumpf-animalische Vater Wolf R ö s- n«r s, der grotesk« Amtsschreiber des Herrn I a n t s ch, der schlichte Fleischer P a d l e s a k S, die Warnholtz, Hölzlin, daß unsere alt« Gard« noch lebt. L i c b l, mit knappsten Strichen, rin überzeugender Amtsdiener, Fräulein Motz wiederum durch stark« Charakterisierungskunst auffällig, Herr B a l k ein doch allzu passiver Wulkow. Am Ende gab es etwas nicht Alltägliches Der weitaus größte Teil des Publikums blieb nach dem letzten Vorhang fitzen, erwartete also noch einen fünften Akt, und lange, lange Minuten nach Schluß der Vorstellung saßen noch immer viele im Parkett und in den Logen, der Dinge harrend, die nicht mehr kommen konnten. Einerseits mag das darin seine Erklärung haben, daß die letzten Svenen ohne Schlußkraft gespielt waren, das nötige Trnr^o•- misten ließen u d daß die berühmte'nie der Mutter Wolffen nickt sehr glücklich gebracht""" anderseits aber erhebt sich die Frage, ob man. in "Prag nicht doch wenigstens bei zehn Pr.-nt „Biberpelz"-Publikums so viel Kennt«'t f-vpt- manns hätte voraussetzen müsten.„Do weß ick nu•nid).". ' Und bei dieser Gelegenheit: Es kommt uns zu Ohren, daß die' Direktion sich nun dock ernsthaf: mit' der Frage befasse, das Haupimann-Jnbiläpm und, den Zyklus nickt obne eine Aufftib-ung auck der'„Webe r" vorübergehen zu lasten Wir hoffen daß dieser Wille zur Tat werde Die Aufgabe ist gewiß groß. Aber da sie mit den vorhandenen Kräften zu lösen ist. müßte st« gelöst werden Denn einem Hauvtmann-Zt/lus ohne die We': fehlt das beste und notwendigst« Teil. 8- G Die„Prager Sezession", der bekannte dent^ck« Künstler-Vereins eröffnet Sonntag nachmittags im Kunstverein für Böhmen HL, PStroßova 12) keine vierte große Gesamt-Ausstellung. Außer den heimischen Mitgliedern stellen auch Zahlreiche hervor- ragende Gäste aus Deutschland aus. Wochenspirlplan des Reuen Deutschen Theaters. Mittwoch, halb 8 Uhr abendS: Gastsviel Pepi Kramer-Glöckner:„Sturm im Wasserglas**(B 2).— Donnerstag, halb 8 Uhr: „Othello"(C 2).— Freitag, halb 8 Uhr:„Ich habe einen Engel geheiratet"(D 2).— Samstag, halb 4 Uhr: Schiller-Feier(gemeinsam mit der Urania):„Kabale und Lieb«"; halb 8 Uhr:„Figaros Hochzeit"(C 2). Wochenspirlplan der Kleinen Bühne. Mittwochs 8 Uhr:„Dreimal Offenbach"(Bankbeamten ll).— Donnerstag, 8 Uhr:„Weekend".— Freitag, 8 Uhr:„Erhören Sie meinen Mann"(Kulturverband).— Samstag, 8 Uhr: „Werk end". Aus der Partei Parteimitglieder Bersammlung am Freitag, den 18. November, 8 Uhr abends im großen Saal« des Gewerkschaftshauses, Prag L, Bergstein, Bericht über de« Parteitag. Referent: Genosse Schönfelder. Parteilegitimationen sind vorzuweisen. Sport«Spiel»KörBerpneae Die besten 1500-Mrter-LLuf«r der SASJ. Di« Liste der zehn besten 1500-Meter-Läufer in diesem Jahre enthält folgende Namen und Leistungen: Erdinger(Oesterreich) 4:06.4 Min.; Wagner (Deutschland) 4: 07; Bothas(Finnland) 4:07.8; Nummelin(Finnland) 4:08.6; Söderblom(Finnland) 4:09.3; Weigel(Oesterreich) 4:10.2; Möm- mö(Finnland) 4:10L; Kiss(Ungarn) 4:10.4; Laivg (Deutschland) 4:10.5; Salmi(Finnland) 4.10.8 Min. Wien gegen Riedrrcfterrrich 2:1(0:0) und 1:1 (1:1). Samstag fand auf dem Wiener Bolkertplatz di« Rrpublikfeier der Arbeitersportler statt. Dl« Hauptveranstaltung, das Fußballspiel Wien—Nic- derösterveich, endete mit eitlem verdienten Sieg des Wiener TeaüVs, welches«inen ziemlich einheitlichen Eindruck hinterließ Bei Niederösterreich versagte die Angriffsreihe.— Am Sonntag fand in Bern-, dprf das Rückspiel statt, das Unentschieden endete. Tie Nrcderösterreicher hatten eine neue Mannschaft zur Stelle, die technisch und taktisch bester war als bi«, di« Samstag verlor. Das Wiener Team trat mit Ausnahme eines Spielers in der gleichen Auf- stellmrg"an. Handball-Bundesmeister Stadlan gegen Wiener Auswahlmannschaft 10:12(4:6). In dem am Samstag vor dem Fußballspiel W en—Niederösterreich ausgetragenen Handballspiel-mußte sich der Bundesmeistrr in einem abwechflungSreichen und technisch hochstehenden Kampf geschlagen bekennen Wiener Arbeiterfutzball. Sonntag fanden einige MeisterschaftS- sowie FreundschastSipieie statt. In der Meisterschaft der 1 Klosse spielt« JuvenluS gegen Nußdorf 0:0 und E-Werk schlug Winkler u Schindler 8:0(1:0).— Freundschaftsspiel«: Red Star gegen Phönix Sckwechat 4:1(2 0). Helfort gegen Nord-Wien 2:1(I: 0), Fav«C. gegen FC 33 4:2(2:0), Rudolfshügel geg. Phönizin 1:1(1:0) Neutral gegen Neu-Kettenhof 5:2(3:0). Wiener Arbeiterhandball. Meisterschaftsspiele der Turnerhondballer: Feuerwehr gegen Döbling 8'5 (5:1), Margareten gegen Favoriten 16:0(8:0).— Turnier in Liesing: ASB gegen Ottakring 8:7. Ankerbrotfabrik gegen Liesing 10:7, Liesing gegen Ottakring 7:6, ASB. gegen Ankerbrotfabrik 5:4. Bürgerlicher Sport. Schon wieder abgebaut wurde der mft großem Tamtam kür den Teplitzer FK. zurückgekehrte Wiener Gloymann, den man. obwohl er dem TFK. bestimmt mehr gekostet hat, an Libertas Wien für 3000 K ö abtrat. Da kann man wirklich sagen: Fort mit Schaden oder müsten die Teplitzer viel Geld übrig haben! Der Film Filmallerlel. Reue Filme. Di« größt« heimische Gesellschaft A-B beabsichtigt, nach dem Roman von Bau,.ek, „Sei Mann und der Schatten", die erste tschechische Detektivkomödie zu drehen.— Wolframfilm will angeblich„Po len blut", mit Kie- pura in der Hauptroll«, in deutscher und tschechischer Sprache verfilmen. * Künstlerschicksal. Der tschechische A«sthet und Schriftsteller, dessen Einfluß wir den besten Tschechenfilm z« danken haben, mußte' sein« Mitarbeit am Film abbrechen; als Grund dient di« alte Kulturtatsache, daß an seinem formal guten Film zu wenig verdient wird Dafür dürfte jetzt der Registeur Jnnemann alles allein drehen. * Fernsehen ohne Draht. Bon London wurde vor wenigen Tagen ein kurzes Kinoprogramm nach Kopenhagen gefunkt. Die Vorstellung hatte Erfolg. 0 Dänenfilm. Der erste Film dänischer Herkunft „Panstian Ur", eine recht phantasievolle Geschichte mit der beliebten Schauspielerin Bodil IPsen' in der Hauptroll«, ist glatt durchgefallen. Hauptschuld daran trägt nach Mitteilungen der Fachpreste di« mangelhaft« dänische Apparatur Bofa. ■ f,TUIU‘(* Emma Gramatica, die berühmte italienische Schauspielerin, di« seit langen Jahren in Paris lebt, hat in zwei Tonfilmen mitgewirkt.„Die alte Frau" und„Frau Constanza" wurden vom italienischen Registeur Palermi gedreht. W. L. Aen'«rst8«kchen. Dieben den Verboten von ernsten Filmen gibt eS auch sogenannt« national« Rücksichten, dir unsere Zensur wahren muß. Es ist darum undenkbar, daß ein. Film„Kaiserliebchen"(von der Foxfilm verbrochen) läuft, man muß das Ganze auf„Fürstenliebchen" Umläufen.„Ein Traum von Schönbrunn" muß nach dieser Ansicht direkt revolutionären Einfluß auf di« Besucher der Kinos haben, denn die Zensur hat nur den Titel„An allem ist di« Liebe schuld" freigegeben. Soviel bis jetzt bekannt ist, wurde noch kein Titel wegen Dummheit verboten, dagegen wurde ein Breffartfilm„Das Geheimnis des Konsuls" verboten, weil dadurch di« öffentliche Ruhe, Sicherheit und'Ordnung gestört werden dürft«. Beliebt ist auch die Manier der Bürokraten stck als Deutschenirester und Franzofenfteunde auf- zuspielen. Di« französische Firma Gaumont in Brag hatte vor kurzem den neuesten Bergn«rfilm ..Der träumende Mund" gekauft; da eine französische Fostung(natürlich ohne di« Bergner) existiert, haben di« Herren Devisenzuteiler darauf bestanden, daß nur diese Version eingeführt werde: dagegen gab's Protest, also wollt« man nur in den„verdeutschten" oder„gemischtsprachigen" Gebieten die Deutsch« Beronet erlauben, für Prag und das tschechische Böhmen war die französische Apracke reserviert. Und erst die DevifenzuteilungSkommission und. wie verlautbart wird, auch die französische Gesandtschaft hoben den deutschen Film durch- ardrückt Es ist weiter bekannt; daß die Italiener deutsche Versionen ihrer Film« herstellen; selbstver- »tt’e Bereinig«»« sozialistischer Akademiker— S. 3. I. Freitag, den 18. November, um 20 Uhr spricht Genosse Dr. Otto Neurath, Wien, über Die Kris«— das Ende der kapitalistischen Wirtschaftsordnung" Lichtbilder: Bildstatistiken n. Wiener Methode. Ort wird uoch rechtzeitig bekannt, gegeben. Die Roten Ratten kommen I Mittwoch, den 23. November, in große» Heiue-Saal, Weinberg«, Fochova tr., Humor und Satire. Karten zu K 6.—, 4.—, 3.— btt Optik« Deutsch, bei den Funktionäre» der Arbeitsgemeinschaft und im Arbeiterverein. stündlich hätten diese viel größeren Anklang, well man in der Tschechoslowakei, wie sogar zensurbekannt ist, zwar deutsch, nicht aber italienisch spricht: das" Handelsministerium ist aber anderer Ansicht und bewilligt nicht«inen roten Heller für die deutschen Versionen. Die Bürokratisierung: dieses Teils der Staatsverwaltung und ihre Teutschfeind- lichkeit gehen schon so weit, daß man indirekt den Verleihern empfiehlt, französisch«, englische, italienische Film« zu kaufen, damit die Reserven an Kontingentscheinen verteilt werden können; deutsche Filme, deren genug vorhanden- sind, werden, nicht erlaubt. Und di« Kinos lasten sich das gefallen, trotzdem ihre leeren Kasten am besten die Haltlosigkeit dieses Kulturskandals beweisen. W. L.- Literatur WaMWWWSHWWUWUWWWWW- „Gog." Von Giovanni Papini. Paul Neff Verlag, Berlin. Deutsche Leser wtsten nicht viel vo« modernen italienischen Schrifttum. Unter der Knechtschaft, in die der Faseismus das geistige- Lebe« Italiens gespannt hat, liegt auch' di« Dichtung gefistelt darnieder und kann ihre Schwingen nicht frei entfalten-.Einer der..w.enigen im Reiche dtr italiemschen Dichtkunst ist. Gkovönnl Papini. der, in drückender, grausamer Armut geboren, sich mit gra^ dioier Energie emporzuarbeiten. verstanden hat, st daß sein Ruhm heut« unumstritten ist. Sein ganzes Leben ist erfüllt von unerschütterlichem Strebei' nach Erkenntnis und aus seinen Büchern spricht ein Geist der Auflehnung, der sich allerdings auf jene Gebiet« beschränken uno j,ne Grenzen einhalten mutz, die das fascistilche Herrschaftssystem gezogen hat.„Gog" ist kein Roman Es sind Aufzeichnungen eines wahnsinnigen Millionärs, besten Bekanntschaft der Autor in em«? privaten Nervenheilanstalt gemacht haben will und von dem er ein Päckchen loser Blätter erhält. das abgerissene Notizen, Seiten aus alten Mi«», Bruchstück« von Erinnerungen enthielt. Diese Genf» Wifd»er, Wien spricht Samstag, den 19. November, um 8 Uhr, im großen Saale der stödt. Bücherei über das „Weltbild der jungen Generation". Kartenvorverkauf bei Opt tzer Deutsch Student«« und gewerkschaftlich Organisierte 30% Ermäßigung. angeblich von einem Irrsinnigen stammenden Blätter bilden den Inhalt' des Buches, das selflam in stiner Art, von der Genialität des Dichters Zeugnis ablegt. Gog: Papini schildert ihn so:„ein aufgeregter Halbwilder, der di« Reichtümer eines Kaisers unter sich hat;«in roh gebliebener Kannibalenabkömmling, der sich des fürchterlichsten WerhcugeS zu Aufbau und Zerstörung der modernen Welt bemächtigt hat. Gänzlich unwissend, wollte er in de« Gebrauch der raffiniertesten Drogen einer verwesenden Kultur«ingeweiht werden.' Vordem ein Sklave des Geldes, will Gog nun das Geld zu seinem T-eüer machen und er unternimmt fieberhaft« Forschungsreisen,, Fahrten durch alle Erdteile. Nach siebe« Jahren dieses Lebens hat er drei Viertel seines Vermögens und seiner Gesundheit verbraucht und-zieht von Sanatorium zu Sanatorium, stets wieder gepackt von seiner rasenden Sucht nach Peräickerung und neuen Dingen. Es ist nun dies« phantastische Erscheinung, der Papini Gestalt gegeben hat, di« m ihren Aufzeichnungen ihr« Anschauungen über das, was wir modern« Kultur nennen, äußert. Die Ansichten erscheinen oft zugespitzt, bizarr und flurlll, doch steckt in stielen der Gedarcken und Betrachtung«" ein« tiefe Erkenntnis der verschiedensten Bezirk« unseres Kulturlebens. Gog erzählt von Besuchen bei Ford, Ghaicki, Einstein, Freud, Lenin, Edison, Wells, Shaw, Maeterlinck und stellt Betrachtungen über »telerlei Erscheinungen der heutigen Zeit an., ofi Werte in Unwert» verwandelnd. Ein scharf geschliffener Geist geht den Dingen auf den Grund, ein brillantes Feuerwerk brennt vor dem Leser ab.—r HerauSsrbrr. SietfrUk Ta» d— il„a„. Di« Aehimj«uioiL:iiftantat«i»urd« von bn Post-» tzätdiastri« K4«a«jiS.-. oirrleljährlich Eck — Anstnrr, wertes last lauf tikißp 8a»iicus s^chaUuugea Hnitwutzta».— Nückjleüua, ms ffiau(bU>tai fijolft su, tei Licheutu-,»es Ae-ourmurks. tz-w. L-» Heute, Mittwoch, de« 16. November, spricht frltz Rosenfeld, Wien„Arbeiter and Film“ Grober OvborovF vüm-Laal. Begin« 26 Uhr. Freiwillige« Ncgicbeitragl Arbeitsgem ein schalt deutscher proletarischer Organisationen von Prag.