Ur 68. Kbomument-■ Kedingunge»: »bonnementt-Prel« pränumerando: vterleljährl. 3&) Mr.. monatl. 1,10 TOI., wöchentlich 28 Pfg. frei ins Haus. Einzelne Nummer 6 Pfg. Sonntags» Nummer mit tllustrtrter Sonntags» Betlag«„Die Neue Welt" 10 Pfg. Pofi- «bonnement: 3,30 Mari pro Quartal. «ingetragen in der Post- Zeitungs- Preisliste für lSSV unter Dr. 7880. Unter»reu, band für Teutschland und Oesterreich-Ungarn 8 Mark, für das übrige Ausland g Marl pro Monat. 16. Jahrg. Erscheint täglich nutzer Montag«. Verltnev VolKsblakk. Die Insertion--Gebllhr beträgt für die sechsgespaltene Kolonek» zeile oder deren Raum 40 Pfg.. für politische und gewerlschastltche Vereins- und VersammlungS- Anzeigen, sowie ArbeitSmarlt 20 Pfg. Inserate sür die nächste Nummer müssen bis i Uhr nachmittags in der Expedition abgegeben werden. Tie Expedition ist an Wochen- tagen bis 7 Uhr abends, an Sonn» und Festtagen bis 8Uhr vormittags geöffnet. Fernsprecher: Amt I, Dr. 1508. Telegramm- Adresse: „Sozialdemokrat verlin". Zentrawrgan der sozialdemokratischen Partei Deutschlands. Redaktion: STW. 19, Beuth-Stratze 2. Dienstag, den£1. März 1899. Expedition: SW. 19, Beuth-Stvasze 3 Die schamhaften Studenten. Unsere heutigen Studenten sind bekanntlich der Inbegriff zarter Jungfräulichkeit. Kein zynischer Gedanke entweiht je ihr reines Bewußtsein, geschweige denn ein gemeines Wort und eine unkeusche Handlung. Schon die Kommersbücher be- deuten die Poesie gewordene Züchtigkeit. Insonderheit ist den studirenden Medizinern eine Unberührtheit in Worten und Werken eigen, der man geradezu heilige Inbrunst nach» sagen muß. Aber seit einiger Zeit bedroht die frommen, gänzlich stubenreinen Seeligen eine furchtbare Gefahr. Seit dem Ein» bruch der— Frauen in die medizinischen Hörsäle und Kliniken kommen die schamhaften Studenten aus Ohnmachtsanfällen gar nicht mehr heraus; denn mit diesen Weibern ist in die „Stätten ehrlichen Strebens der Zynismus eingezogen", der die jugendlichen Asketen zu verderben trachtet. Wer das Schreckliche nicht glaubt, der erbaue sich an einem Protest, dendieKlinikerschaftzuHalle gegen die Zulassung der Frauen zum medizinischen Studium richtet und der sich an alle Klinizisten Deutsch- lands wendet. Er lautet in den Hauptsätzen: „Kollegen! Die Klinikerschaft der Universität Hallc-Wittenberg hat unter dem S. Februar 1899 der medizinischen Fakultät dieser Universität einen schriftlichen Protest gegen die weitere Zu- lassung der weiblichen Zuhörer zu den klinischen Vorlesuuaen unterbreitet. Genannter Protest richtet sich nicht prinzipiell gegen das Frauenstudium, sondern gegen die Zulassung weiblicher Zuhörer zum gemeinsamen klinischen Unterricht mit der Begründung, daß infolge der Theilnahme derselben an klinischen Vorlesungen eine Fülle von Unzuträglichkeiten und Mißständen sich herausgestellt hat. welche im Interesse eines gründlichen klinischen Unterrichts unbedingt beseitigt werden müssen... Bevor von der Fakultät in dieser Angelegenheit ein definitiver Bescheid gegeben werden konnte, hat sich der Verein„Frauenbildung— Frauenstudium" zu Berlin berufen gefühlt, diese Frage von lediglich lokalem Interesse in seine agitatorische Thätigkcit hineinzuziehen. Eine Versamm- lung der genannten Vereinigung vom 17. Febniar erklärte eine etwaige Entscheidung der Petition im Sinne der Kliniker„mit Recht für eine schwere Bedrohung der Fraueninteressen" und unter- nahm es, durch die Presse, durch ein Schreiben an den Bundesrath und ein weiteres an die medizinische Fakultät zu Halle Stimmung gegen die berechtigte Forderung der Kliniker zu machen und zur Veranstaltung öffentlicher Protestkundgebungen aufzufordern. Räch» dem durch diesen Schritt die Frage vor das Forum der Oeffentlich- keit gezogen ist, wendet sich die Hallenser Klinikerschaft an die Kreise, für welche die Entscheidung in dieser Frage in erster Linie Interesse und Bedeutung hat, an die Kliniker der deutschen Universitäten, weil sie entweder die erwähnten Unzuträglichkciten aus eigener Erfahrung kennen, oder sich doch vorstellen können, welche peinlichen und jeder Schamhastigkcit spottenden Situationen dieser gemeinsame klinische Unterricht hie und da herbeiführen mutz, Situationen, welche zn widerwärtig sind, als daß man sie. ohne Anstoß zu erregen, hier genauer präzisireu könnte. Die medizinische Fakultät der Universität Halle hat als eine der ersten im Deutschen Reiche den Versuch gemacht, Frauen zum medizinischen Studium zuzulassen, und dieser Versuch ist als durchaus mißglückt zu bezeichnen. In sdie Stätten ehr- lichcn Strcbcns ist mit den Frauen der Cynismuö eingezogen, und Szenen, für Lehrer und Schüler wie für die Patienten in gleichem Matze anstotzerregcud, sind an der Tagesordnung. Hier wird die Emanzipation der Frau zur Kalamität, hier gcräth sie mit der Sittlichkeit in Konflikt und deshalb mutz ihr hier ein Riegel vorgeschoben werden. Kollegen! Wer könnte es wagen, Angesichts dieser Thaffachen noch Stellung zu nehmen oeaen unsere l Forderungen! Wir fordern: die AnSsä dieser Thaffachen noch Stellung zu nehmen gegen unsere berechtigten Forderungen! Wir fordern: die Ausschließung der Frauen vom klinischen Unterricht, weil uns die Erfahrung gelehrt hat, daß ein gemeinsamer klinischer Unterricht der männlichen und weiblichen Zu- Hörer sich mit dem Interesse eines gründlichen medizinischen Studium« ebensowenig verträgt als mit den Grundsätzen der Schicklichkeit und Moral. Die von uns angeregte Frage hat jetzt ihren lokalen Charakter verloren. Schon hat man höheren Ortes von einer definitiven Zulassung der Frauen zum medizini- scheu Studium etwas verlauten lassen. Ihr alle seid jetzt in gleicher Weise an unserer Sache interessick, und deshalb fordern wir Euch auf: Nehmt Stellung zu dieser Frage und vereinigt Euch mit uns zum gemeinsamen Proteste." Während in der ganzen zivilisirten Welt die Aerzffnstage erledigt ist, wagt man im Deutschen Reiche diese im Geiste des heiligen Paaschs abgefaßte Kundgebung, die den tiefen Verfall unserer gelehrten Bourgeoisie kräftig darthut. Leider sind die Hallenser Kliniker nicht so ehrlich wie die auf den Aerztetagen vereinigten Medizinmänner. Sie ver» schanzen ihren Brotneid und ihre Konkurrenzsurcht hinter die aus der lex- Heinze- Muckerei, in ihrer bewußten Heuchelei doppelt widerwärffgen entlehnten Redensarten von der gefährdeten Sittlichkeit. Die Wahrheit ist: Die braven Männchen wünschen die nähere Berührung mit dem Weiblichen nur in Gestalt einer zahlungsfähigen Patientin. Sie wollen die Frau aber durchaus nicht als ehrliche Mitarbeiterin. Sie mögen nur ihr Geld, aber nicht den Menschen, der wissenschaftlich arbeitet oder gar der 5konkurrent des Mannes wird. Wer die Verhältnisse kennt, der weiß, daß den Studenten und theilweise auch den Professoren die Gemeinschaft mit den Frauen nur deshalb peinlich sein kann, weil sie ihrem gewohnten Zynisnms Zügel auferlegt. Ge- rade die gegentheilige Wirkung tritt, wie alle ehrlichen Beurtheiler bezeugen, bei dem wissenschaftlichen Zusammenarbeiten der Geschlechter ein: die sexuelle Zote ver- schwindet, und auch die Männer lernen, ernste Dinge ernst aufzufassen. Man wird wohl nächstens auch die Jnslitutton der Hervenabende mit dem Hinweis begründen, daß mit den Frauen der Zynismus in die Stätten ehrlichen Strebens ein- ziehen würde. Wessen Sittlichkeit bedroht, wessen sittliches Gefühl verletzt wird, wenn er gemeinsam mit Frauen Fragen der Wissenschast behandelt, der hat weder Sittlichkeit noch sittliches Gefühl zu verlieren, noch besitzt er überhaupt eine Spur wissenschaftlicher Gesinnung. Die Frau der Bourgeoisie ist noch nicht einmal Prole- tarierin, sie ist nur Sklavin. Und die bourgeoise Männer- Anschauung spiegelt sich in einer Wendung wieder, die kürz- lich ein reicher Mann gelegentlich eines Kuppeleiprozesses von sich gab:„Ich habe eben angebotene W a a r e n zu an- gemessen billigen Preisen erworben und nach ein- oder mehr- maliger Benutzung als nicht weiter geeignet, wieder außer Gebrauch gestellt." Es waren Menschen, von denen der Mann dies sagte. Ob die schamhaften Frauenhetzer von Halle viel anders denken? Ihre Kundgebung, die den Frauen verwehren will, sich wissenschaftlich zu bilden, verräth wenigstens eine nah verivandte Denkungsart.— polikischv MebevMzk. Berlin, den 2t). März. Die dritte Etatslesung. Die dritte Etatslesung, die am Montag begann und die man an demselben Tage zu Ende zu führen hoffte, brachte doch noch bei einigen Positionen längere Redegefechte, so daß die Ferien noch nicht eingetreten sind. Von konservattver Seite wurde ein Scharmützel provozirt, das schließlich zu ziemlich hefffgen Auseinandersetzungen zwischen Konservativen und Sozialdemokraten führte. Hätten die Urheber der De- batte ihren Verlauf und ihr Ende geahnt, so hätten sie vor gezogen, den Zaun ihrer Zähne geschlossen zu halten. Es handelte sich um eine der Stützen reaktionärer Wahlpolitik, um die Kriegervereine. Konservative Redner fühlten sich beschwert, daß der freisinnige Abgeordnete Müller Sagan bei früherer Gelegenheit von einer gewissen Sorte von Kriegervereinen gesprochen hatte, die in Wahrheit Kriechcrvereine seien. Die Berechtigung dieser übrigens sehr alten Bezeichnung wurde von den frei sinnigen Rednern Müller- Sagan, B e ck h und Richter nochmals ausdrücklich betont und durch Beispiele des Miß brauchs der Kricgcrvereine zu politischen Zwecken erhärtet. Auch unsere Genossen Bebel und Singer griffen mehrmals lebhast in die Debatte ein. Sie wiesen den urreaktionären Charakter der sogenannten Kriegervereine auf, in denen nach dem Wunsche einflußreicher Kreise nicht der Geist wahrer Kameradschaftlichkeit gepflegt werden soll, die vielmehr zu Werkzeugen junkerlicher Reakttonspolitik herabgewürdigt werden. Vom Regierungstisch suchte Graf v. Posadowsky seinen konservattven Pfleglingen zu Hilfe zu eilen. Aber der Graf hatte einen besonders unglücklichen Tag. Gegen den scharf zugespitzten Angriff der sozialdemokratischen Redner, daß die zur Hut der Gesetze verpflichteten Behörden geschehen ließen, daß die Kriegervereine, obwohl sie Politik betreiben. mit einander in Verbindung treten, flüchtete Graf Posadowsky zu der Ausrede, diese Dinge gingen ihn nichts an, das sei nicht sein Ressort. Wenn Graf Posadowsky ferner auf das Statut der Kriegervereine hinwies, das Treue zu Kaiser und Reich vorschreibe, und alle Mitglieder der Kriegervereine, die sozialdemokratische Gesinnungen hätten oder sozialdemokratisch wählten, als Ehrlose erklärte, so kann dies Sittlichkeitspathos nicht sehr hoch bewerthet werden; der Herr Graf mag sich lieber sittlich entrüsten über die ihm nahestehenden Kreise, die durch ihre gesellschaftliche Macht die Arbeiter, Handwerker und Unterbeamten nöthigen, in Vereine einzutreten, welche ihren Ueberzeugungen widersprechen, die dazu noch den Austritt aus solchem Verein mit Verlust von jahrelang ge- steuerten Beiträgen und mit sonstigen materiellen Schädigungen bestrafen. Nach der KriegerVereins-Debatte eine Kunstdebatte. Eröffnet von dem, durch seine Beschäfttgung allerdings hervorragend dazu befähigten Lederfabrikanten und Groß- Arbeitergroschen-Besitzer H e y l, und natürlich mit Wonne fortgesponnen von Lieber, dem Unvermeidlichen, der, seit er die Schuhe Windthorst's sich angezogen, auf allen Sätteln gerecht ist. Es giebt Redner in Ausrufungszeichen, Herr Lieber ist Redner im Sperrdruck. Er betont jede Silbe, als wäre es eine Offenbarung des Heiligen Geistes. Das Unglück ist nur, daß jede Silbe, die Herr Lieber spricht, von gleichem Werthe ist, und infolge dessen jede Silbe sich in Sperrdruck präsentirt. So entsteht eine Gleichheit der Betonung, die zu einer Eintönig- keit von geradezu pänomenaler Einschläferungskrast wird. Kranken, die an nicht zu überwindender Schlaflosigkeit leiden, wäre das Anhören einer Lieber'schen Rede zu empfehlen. Sie würden sicher kurirt. Die Rede war selbstverständlich von der „Jagd nach dem Glück" und dem mystischen„Abstimmungsei". Da die Kunst ein Thema ist. über das nicht blos Leder- fabrikanten, sondern auch andere Menschen reden können, ohne etwas davon zu verstehen, so löste ein Redner den anderen ab. Sogar die Herren von Kardorff und Graf Könitz ließen ihr Kunstlicht leuchten. Aus dem Zentrum kam dem Dr. Lieber der Freiherr v. H e e r e ni a n n zu Hilfe, wohl die sympaffschste Figur des Zentrums. Herr Lieber bewies wenig Mangel an Takt, daß er nach diesem Mann noch sprach, und gewaltsam zu einem Vergleich herausforderte. Nach einigen Bemerkungen des Freisinnigen B r ö m e l, der— wie schon bei der zweiten Lesung— seiner, nicht un- berechtigten Entrüstung darüber Ausdruck gab, daß das Reichstagsgebäude so gar keinen Schmuck und?xin Enblew. zur Kennzeichnung seines Zwecks als Volksvertretung trägt vertagte sich der Reichstag. Nächste und wahrscheinlich letzte Sitzung vor den Oster- ferien Dienstag Vormittag 11 Uhr. Preußisches Abgeordnetenhaus. Da? Abgcordneteiihmis genehmigte heute in dritter Lesung debattclos die Abänderung des Schlnßprotokolls der revidirten Rheinschifffahrts-Akte und den Gesetzentwurf betr. die Vergütung der Umzugskosten der Geistlichen im Konsistorialbczirk Wiesbaden, sowie in erster und zweiter Lesung den Staatsvertrag zwischen Preußen und Hamburg betr. Acnderungen früherer bezüglich der Hamburgischen Elsenbahnen geschlossener Staats-' Verträge. Der Gesetzentwurf betr. die Aufhebung einiger jagdpolizeilicher Strafbestimmungen in den Oberlandcsgerichts-Bezirken Köln," Hamm und Frankfurt a. M.. der zur dritten Berathung stand, wurde auf Antrag des Abg. Kirsch(Z.) vorläufig von der Tagesordnung abgesetzt, da einige von dem Redner auf- geworfene Fragen von den für diesen Gegenstand angemeldeten, aber nicht anwesenden Rcgicnmgskommissarien nicht beantwortet werden konnten. Zum Schluß berieth das HauS Petitionen ohne allgemeines Interesse. Morgen: Wahlprüfungen. *# Deutsches Meich. Der Banarbeiterschutz-Kougreß, der jetzt hier tagt, ist eine sehr beach'tcnswerthe Kundgebung, die die Aufmerksamkeit der gesammten Oeffentlichkeit erfordert. Schutz der Baciarbeiter: das bedeutet nicht nur eine größere Sicherung des Lebens und der Gesundheit für hunderttausende von Arbeitern, das bedeutet auch eine Erhöhung der Sicherheit des Wohnens der übrigen Bevölkerung. Welche außerordentliche Menge der ärgsten Mitzstände es zu beseitigen gilt und welcher bedcut- same soziale Fortschritt die Erfüllung nur der dringendsten der Forderungen der Bauarbeiter wäre, das enthüllten schon die bis- herigcn Verhandlungen des Kongresses. Schon der äntzere Eindruck dieser Versammlung von mehr als 300 ernsten, wetterharten Männern der Arbeit ist ein imposanter. Man denke: 300 Arbeiter aus Be- rufen, die meist zu den schwersten und austeibendsten gehören, finden sich zusammen zu einem Kongresse und verhandeln mit einem Ernste und einer Sachkenntnitz über dieses umfangreiche, zugleich die moderne Grund- und Bauspekulation einschlictzende Thema, wie man sie nicht häufig finden wird. Das ist in der That das hervorstechendste Merkmal dieses Kongresses: ein antzerordentlich bedeutendes, wichtiges Material und eine her- vorragende Sachkenntnitz, die phrasenlos, mit ruhiger Sicherheit dieses Material behandelt. Die Vertreter der Staatsregierung, die durch dringende Dienstgcschäfte am Erscheinen verhindert waren, hätten wirklich etwas lernen können auf diesem Arbeiterkongresse. Und wenn es die Absicht des Hernr v. Posadolvsky wäre, die Sozial- reform emsthast zu fördern, dann konnte er schwerlich etwas Besseres thun, als sich auf diesem Kongresse durch einige seiner Räthe ver- treten zu lassen.— Aber es waren ja nur Arbeiter!— Von der Marine. DaS Reichs-Marine-Amt giebt unter dem Datum des 10. März 1899 folgenden Erlaß bekannt: V. zu M. I. 1184. Seine Majestät der Kaiser und König haben Allerhöchst sich erneut dahin auszusprechen geruht, wie Allerhöchst dieselben es «icht wiiuschcn, daß See-Offiziere nur Schnurrbart tragen. M. Reichs-Marine-Amt. In Vertretung. (Stempel.) gez. Gühler. AuS der Scharfmacheret. Man schreibt uns: Die.Deutsche Volkswirthschaftliche Korrespondenz" bringt in ihrer Nr. 21 vom 14. März einen Artikel:„Löbtau— Charlottenburg", worin sie sich mit der Freisprechung der Angeklagten in dem Prozetz gegen Zeglin und Genossen beschäftigt. Aus diesem Waschzettel stammt auch der Angriff, den die„Post" gegen das Gericht erhebt, weil es die Oeffentlichkeit nicht ausgeschloffen hätte, und den der„Vorwärts" schon gebührend beleuchtet hat. Der Artikel enthält aber auch noch UnWahrhaftigkeiten, die die Kampfesart der Scharfmacher charakterisiren. Es heißt da: Geht man aber jenen sozialen Erscheinungen auf den Grund. welche in Löbtau gerade so wie in Charlottenburg und in Hunderten und taufenden von sonstigen Fällen die Ursache der Friedens- störungen im Verhältnitz zwischen Unternehmern und Arbeitern bilden, so ist es die Einmischung dritter in die Fragen des Lohn- Vertrages. Dabeilverschweigt die„Deutsche Volksw. Korrespondenz", was in den Berichten über den Prozeß gegen Zeglin und Genoffen klar zum Ausdruck gekommen war, daß nämlich gerade die beiden Mitglieder der Lohnkommission der Maurer das Möglichste gethan hatten. um den zwischen den Lohnmaurern und den Arbeitgebern aus- gebrochenen Konflikt friedlich beizulegen, datz sie sich sogar Vorwürfe einiger ihrer Kollegen zugezogen hatten, weil sie sich weigerten, in übereilter Weise die Bausperre zu erklären, und datz. sie wiederholt und eindringlich die Arbeiter ermahnt hatten, sich möglichst friedlich und loyal zu halten, und nicht durch irgend welche Ausschreitungen das Gelingen des Ausgleiches zu gefährden. Die Tendenz der Arbeiterorganisationen, die unvermeidlichen Reibungen zwischen Arbeitern und Unternehmern möglichst schnell und glatt zu erledigen, ist in diesem Falle gerichtlich konstattrt worden, freilich � auch die Tendenz dieser Organisationen, das Interesse der Arbeiter! zwar in gesetzmähiger Weise, aber auch ohne muthloses Zurück- weichen vor dem Unternehmerthum zu vertreten. Und daher die Wuth der Scharfmacherpresse. Priuzctt-Weihe. Am Montag Mittag ist Prinz Waldemar, der lilteste, nunmehr zehn Jahre alte Sohn des Prinzen Heinrich tu die Marine eingestellt worden. Der Kaiser hielt dabei etwa folgende Ansprache, der heutige Tagfet wiederum ein bedeutungsvoller Tag für die deutsche Marine, denn der älteste Sohn des im fernen Osten ms Kommandant deS Kreuzergeschwaders weilenden Prinzen Vernrich trage heute ztmt ersten Male den Rock, lvelchen sein Smter und viele tüchtige Offiziere im Dienste des Vaterlandes tragen. ES sei ein Vonecht der Prinzen ans dem Hanse Hohen- zoNern, daß sie vom zehnten Jahre an lernen ihre Kraft und Arbeit in den Dienst des Vaterlandes zu stellen und beim ersten Garderegiment eintreten, welche? schon so manchen Hohenzollernprinzcn in seinen Reihen gesehen habe. Der Kaiser gab sodann der Hoffnung Ausdruck, dah die Prinzen des Hauics Hohenzolleru auch der Marine mit gleichem Eifer ihre Dienste widmen und dem Wunsche, das; in dem hoffnungsvollen jmigen Prinzen die Marine einen tüchtigen, braven, ritterlichen Offizier heraiiwachsen sehen möge, durch seine Thatkraft und Gesimiung und durch dasselbe Gefühl für das Vaterland ausgezeichnet, ivie sein iiervorragender Vater.„Mögen unsere Glückwünsche über die Meere hmnberhallen nach dem neuen Deutschland."— Eiuzichuug deutscher Miiuzcu. Wie aus dem Bericht über die letzte Vollsitzung des BundcSraths hervorgeht, ist eine Vorlage über die Einziehung der silbernen Zlvanzigpfennig- st ü ck e in Vorbereitung. Damit wird die AuSmcrzung der zweiten Miinzsorte ans dem Verkehr augestrebt. Schon Ende der siebziger Jahre hatte es sich herausgestellt, daß die goldenen Fünf- m a r k st ü ck e im Verkehr unbrauchbar waren. Es wurde damals thre Prägung eingestellt und sodann jede halbe Krone, die cinkam, von der Reichsbank angesammelt und nicht wieder ausgegeben. Auf diesem Wege ist es gelungen, von den insgcsammt für 27, g Millionen ausgeprägten halben Kronen für 22 Millionen einzuziehen. Die übrigen nahezu S Millionen dürften wohl nicht einziehbar sein, da sie sich in Münzsammlungen befinden oder zu gewerblichen Zwecken Verwendung gesunden haben werden. Von der jetzt zur Einziehung gelangenden Miinzsorte der silbernen Zwanzigpfemiigstücke sind ins- gesammt für IS,7 Millionen ausgeprägt worden. 21 Millionen sind bereits zur Einziehung gelangt.— . Nene Köllcrcien. Kürzlich veranstalteten die dänischen Protestler im Dorfe Ketting eine von mehreren hundert Personen besuchte Vcr- sammlung, in welcher der Chefredakteur von„Flensborg Avis", Jessen, als Redner auftrat. Diese Zusammenkunft gab den Anstoß zum Erlaß einer Reihe von AuSiveistuigen. Die Ausgewiesenen sind ein Dirustknccht, ein Dienstmädchen, ein Schniiedelehrling und cm Miillergeselle. Die Landesvcrweisnng zweier Dienstmädchen, welche Tochter von Optanten sind, erregt umsomehr Befremden, als die Arbeitgeber zwar dänisch gesinnt sind, aber sich von jener Ver- sammlung ferngehalten haben. . Nachklang zu den Läbtauer Vorgängen. Die. S ä ch- fische Arbeiter-Zeitung" giebt folgende amtliche Bekannt- machung wieder: „Z w a n g S- V e r st e i g e r u n g. Das im Gruudbuche au den Namen Karl Friedrich Klemm eingetragene Grundstück Folium 078 des Grundbuches, Nr. 15ö des Brandlatastcrs für Löbtau, bestehend aus einem ziemlich vollendeten, in Löbtau an der Ecke der Sndstraße und der Hcrbertstraße gelegenen Wohn- gebäude mit Hosranm und Garten, nach den» Flurbuche 0.0 Ar groß, geschätzt auf 80S00M.. soll an hiesiger Gerichtsstellc, Zimmer 131, zwangsiveise versteigert werden." Das Grundstück, das hier mit den trockenen Worten des amt- lichen Stils zur Versteigerung angesetzt wird, ist, so schreibt unser Dresdener Parteiblatt, dasselbe, auf dem sich jener verhängnißvolle Löbtauer Krawall abgespielt hat, der so entsetzliche Folgen für die Betheiliaten hatte. Der Besitzer Klemm, dessen Mittel jetzt nicht einmal ausreichen, den Bau völlig fertigzustellen, ist der- selbe Klemm, dessen Mißhandlung die verurtheilten Arbeiter so unendlich schwer büßen müssen. Der Bau in Löbtau, der für die Arbeiterbeweauiig historische Bcdeutiiug gewonnen hat. ist ein echt moderner Schwindelbau, wie sie Klemm schon mehrfach ausgeführt hat. Wie dieser Bau der Arbeiterschaft stets als ein Wahrzeichen des ZuchthauSiirthetls erscheinen wird, so ist er andererseits ein TypuS der modernen Bauschwiudelkaserne. einer jener Bauten, deueit die Flüche der betrogenen Bauhandtverksineistcr anhängen. Die Handwerksmeister, die für den KIcmm'schcn Schwindel- bau Arbeiten geliefert, haben sich schließlich in ihrer Roth, um doch weuigsteuö etwas zu retten, dazu hinreiße» lasse», ihre für den Bau gelieferten Arbeiten, um deren Bezahlung sie betrogen waren, vom Bau wieder fortzuholen. Eine gaitz natiirlichc Handlung, möchte der Laie m ei neu, vom Standpunlte des Rechts aber ein strafbares Ver- gehen wider das heilige Eigcuthum. Die Sachen sind nach den, Buchstaben deS Gesetzes nach der Ablieferung Eigenthum des speku- lativen Bauunternehmers— und mag der Handwerksmeister hundert- mal die Gewißheit � haben, daß er um fein Geld betrogen ist, er darf nicht Selbsthilfe üben. Und so werde» denn wahrscheinlich demnächst die schwergeschädigten Handwerlsmeister auf der Anklage- bank erscheinen, um sich wegen Frevels gegen die Institution des Eigenthums zu verantworten. Ivährend der Herr Bauunternehmer Klemm kaum zu fassen ist und daher frei ausgehen dürste. Nicht den Zuchthauskurö steuert daS Marburger Landgericht. Wegen Nöthigung, die Arbeit einzustellen, hatte sich vor der dortigen Strafkammer der Schreiner Karl K l ö ck e r aus Dorf-Jtteu, Amt Vöhl, zu verantworten. Er war beschäftigt als Erdarbeiter am Bau der Frankenberg- Corbacher Bahn und hatte mehrere Arbeits- genossen veranlaßt, die Arbeit niederzulegen, um mehr Lohn zu er- langen. Ein Arbeiter Namens Langcndorf hatte sich �geweigert, sich an dem Streik zu betheiligen. Deshalb hatte ihm Klocker gedroht, ihm die Pickelhacke auf den Kopf zu schlagen. Das Gericht venirtheilte Klöckcr zu acht Tagen Gefängniß, indem eS der Drohung keinen Ernst beimaß.— Ausland. Oesterreich-Ungarn. Wien, 20. März. Wie die Blätter aus Brüx melden. wurde gestern eine deutsch- nationale Versammlung während der Rede des Abg. Wolf wegen heftiger Ausfälle desselben gegen die Regierung ausgelöst. Die Theilnehmer an der Versammlung zogen darauf zu dem VcrsammlnngSlokale einer gleichzeitig veranstalteten sozial- demokratischen Gegenversammlung und erzwangen mit Gewalt den verweigerten Eintritt. Da es hierbei zu Schlägereien zwischen beiden Parteien kam. wurde schließlich auch die sozialdemokratische Versammlnng aufgelöst.— Gegen den Abg. Wolf wurde wegen gewisser Aeußerungen, welche er in der gestrigen aufgelösten deutsch- nationalen Versammlung gethan hatte, Strafanzeige wegen Hoch- berraths erstattet.— Frankreich. Regelung der Dreyfnö-Affairc. Das„Journal" will wissen, der Kastationshof habe für die Erledigung der RevisionS-Affaire folgendes Programm aufgestellt: 1. Prüfung des geHelmen Dossiers. 2. Prüfung des Prozeßverfahrens von 1894, S. Aussagen Lebrun- Renault's über die angeblichen Geständnisse von Drehsus, 4. Um- triebe nach der Berurtheilunq von Dreyfus, v. Prüfung des Pro- zesses gegen Zola, 6. Prüfung der Umstände, unter welchen das Gesuch um die Revision des DreyfuS-ProzesscS eingebracht wurde.— England. Wiederdereinigung der irischen Parteien. John Dillon. der bisherige Führer der Anttparnellitcn Mi Unterhause, kündigte in einer am Sonnabend in Manchester bei einer patriotischen irischen Feier gehaltenen Rede an, demnächst werde in Dublin eine Konferenz abgehalten werden zwecks Wiedervereinigung der beiden irischen Parteien, der Parnelliten und der Antiparnelliten. Eine völlige Ver- söhnung sei nothwendig, da die H omerulesache nur durch ein einiges Irland gefördert werden lonne.— Italien. Rur eine Kohleustation. In der Deputirtenkainmer wurde auch am Somiabend die China-Debatte weiter geführt. Der Minister des Aeußern benuihte sich, das Vorgehen der Regierung als mög- lichst hannlos hinzustellen. Sie habe es für klug gehalten, sich eine Kohlenstation zu sichern. Es sei nicht leicht gewesen, den Zweck zu erreichen, da alle Nationen sich in China festgesetzt hätten. Die Einmischung daselbst hätte die Interessen anderer europäischer Mächte stören können.„Bei unserem bescheidenen Unternehmen lag es uns ob, dahin zu wirken, in keiner Weise diese Interessen zu verletzen, da eine solche Verletzung sich in Europa fühlbar machen konnte." Die Rücksichten, die genommen wurden, galten also nicht den Chinesen, welche die Kohleustation hergeben sollen, sondern den europäischen Mächten, denen nian nicht inS Gehege kommen möchte. Die Abberufung des italienischen Gesandten de Martina wird nunmehr amtlich angekündigt. Ucbrigcns stellt sich nun heraus, daß der Gesandte cui dem Schnitzer, der die Chinesen in den Harnisch brachte, unschuldig ist. In Wahrheit hat de Martina am 0. März eine kurze, nach dem Brauch des italienischen Ministeriums des Acußcren nicht numerirte Depesche erhalten, die ihn anwies, jede Aktion einzustellen. Einige Stunden danach erhielt er eine midere Depesche, welche ihm befahl, peremptorisch Forderungen zu stellen und bereit Beantwortung binnen vier Tagen zu verlangen. De Marttno konnte nur der zuletzt eingegangenen Depesche Folge leisten. Gegenwärtig ist Aiisklärung erfolgt, daß die zweite Depesche vor der ersten abgegangen ist, diese aber schneller eingegangen war, weil sie als„drinaende Depesche" anfgcgcbeii wurde.— Die italienische Regierung selbst hatte also wohl die Absicht gehabt, die Chinesen durch ein Ultimatum zu Zugeständ- uisscn zu drängen, und hat sich erst später eines anderen besonne». Eine Berliner Korrespondenz meldet übrigens heute, der chinesische Gesandte und bevollmächtigte Minister in Berlin, Herr Hsü- Ching- Eheng sei in Begleitung der beiden LegationSsekrctäre und Dolmetscher der Gesandtschaft von Berlin abgereist und diese Reise soll mit den Verhandlungen in Verbindung stehen, welche gegenwärtig zwischen der italienischen und chinesischen Regierung tvcgc» Ucbcrlasiung der S a n m u n- B a i an Italien schweben. Auch sollen zwischen der italienischen und chinesischen Regierung Unterhandlungen wegen Abschlusses eines Handelsvertrages eingeleitet sein.— Holland. Anisterdam, 17. März.(Gig. 58er;) Wie schon tclegraphisch gemeldet, ist Genosse S ch a p e r als Mitglied der Zweiten Kammer der Geueral-Staaten für den Wahllreis V e e u d a m gewählt. Dieser Sieg ist ein Zeichen des großen Aufschwungs, welchen die Sozial- dcmolratie jetzt, nach dem fast völligen Versiechen deS Anarchis- m)i$, wieder in Holland) nimmt. Bei den allgemeinen Wahlen im Sommer von 1807 hatte unser Kandidat nur 465 Stimmen erzielt, der Liberale 2326, der Antirevolutionär< evangelisch) 1467 Stimmen. Jetzt hatten die Antirevolutionäre Waqlcnthalwng proklaniirt, der Sieg mußte also im ersten Ansturm er- känipft werden. Schaper erhielt 1507 Stimmen, während der liberale Staatsanwalt Smidt mit 1426 Stimmen in der Minderheit blieb. Der Anwuchs ist also hauvtsächlich auf Kosten der Liberalen geschehen, obwohl auch die Antircvolutionären wohl Anhänger verloren haben. Der neue Abgeordnete ist knapp 30 Jahre. In 1897 konnte er noch nicht kandidaien, weil er zu juiig war. Cr ist ei» gewesener Webergcselle und redigirt jetzt das Wochenblatt„De Strhd"(Der Streit). Seit 1307 ist er Mitglied des Groningcr Gcmcinderaths, seit 1373 auch der Staaten von' der Provinz Groningen. In dieser Provinz liegt auch der Kreis Beendam. Die Kammer zählt jetzt vier Sozialisten unter seinen 100 Mit- gliedern. Einer davon gehört zum Sozialistenbuude.— Slsie». Gegen den russischen Einflust. England ist unablässig be- müht, dem russischen Einfluß in China dadurch entgegen zu arbeiten, daß es andere Nationen bei ihrem Vorgehen in China unterstützt. Nachdem es die Italiener glücklich untergebracht, ivill cS nun auch dem belgischen Kapital behilflich sein, sich einzuführen. Den Londoner „Times" wird aus Peking gemeldet: Am letzten Freitag bcfür- wartete im Tsun g- li- D a m en der englische Gesandte die Ge- »vähnlng der von Belgien geforderten Konzessionen in Hanlau. Das Tsung-li-Aamen sprach seine Verwunderung darüber aus, daß Eng- land das belgische Vorgehen unterstütze. China ist bereit, bei- g i s ch e n U n t e r n e h m c r n Land abzutrete», aber eS weigert sich, die verlangte werthvolle Flnßnscrstelle abzutreten.— Afrika. lieber die Rechte der Fremden in der sttdafrtkautscheli Republik äußerte der Präsident Krüger in einer Rede, er werde dem Volksraad eine Abänderung des Gesetzes vorschlagen, nach welcher die Fremden nur noch 9 Jahre zu lvarten haben sollen, bevor sie die volle Ausübung der bürgerlichen Rechte erhalten, jedoch nur gegen die Ableistung eines Untcrthanen-Eides imter denselben Bedingungen, wie sie in den Vereinigten Staaten bestehen.— Amerika. Vom philippinischen KriegSschanPlatz sind in Washington Depeschen angelangt, nach welchen die Filipinos von den amerikani- schcn Tnippcu nach der Provinz M o r o n g zurückgetrieben sind. Trotzdem ist A g u i Ii a l d o mehr als je entschlossen, den Uiiab- hängigkeitSkricg fortzusetzen: er unterdrückt streng jede gegenthcilige Kundgebung unter den Filipinos. Kürzlich ließ Aguinaldo den General Lagarda in MaloloS enthaupten, weil er Vorstellungen wegen Aussichtslosigkeit der Fortsetzung deS Kampfes gemacht hat.— Australien. Neuer Aufstand auf Sanioa? Die„Times" melden aus Melbourne: Ein Korrespondem des BlattcS„Argus" schreibt aus Samoa, daß ein neuer Ausstand daselbst befürchtet werde. Die Krieger Mataafa s seien in Waffen und hätten eine drohende Haltung angenommen.—_ Jnvalidenversichernngs-Kommission. 17. Sitzung vom 20. März.§ 112 bestimmt im Abs. 4, daß den örtlichen H e b e st e 1 1 e n der Versicherungsanstalten durch Be- äimmuiig der Landes-Zentralbehörde oder der höheren VcrwaltungS- behörde die Einziehung der Krankenversicherungs-Beiträge überttagen werde. In diesen Fällen sind die betheiligten Krankenkassen ver- pflichtet. zu den K o st e n der Hebestelle» beizutragen. Molken- b u h r und Gen. beantragen Streichung, da diese Bestimmung einen Eingriff in die Selbstverwaltung der Krankenkassen darstellt. Hitze beantragt einzuschalten:„mit Zustimmung der Äranlenkassen." Letzteres wird angenommen, ebenso der ganze Paragraph gegen die sozialdemokratischen Stimmen. Bei§ 122(Streitigkeiten) crilärt Staatssekretär Posadowsky: Je größer eine Behörde ist, um so schwerer werde es dem obersten Chef, die einzelnen Unterabtheilungen zu überschauen. Die Dezen- ttalisation, wie sie durch die Rentenstellen beabsichttgt ist. solle in dieser Beziehung entlastend wirken. Da die Vcrwaltungs- behorden und Rentenstellen sich oft nach den Entscheidungen des Sieichs-Versichcrungsamts richten müffen, eS aber den Vorstehern, Bürgermeistern u. f. w. sehr schwer werde, alle diese Entscheidungen genau zu verfolgen, werde er veranlassen, daß daS Reichs-Vcrsicherungs- amt alljährlich ein alphabetisch geordnetes Vcrzeichniß der Eni- scheidungen veröffentlicht, so daß die Behörden sich leicht informiren können. Zu§ 122 wird ein Antrag Hofmann-Roesicke an- genommen, welcher bei Streitigkeiten in erster Instanz die Eni- tcheidung nicht nur der unteren Verwaltungsbehörde überträgt, sondern eventtiell auch dem Vorsitzenden der Rentenstelle, in zweiter Instanz anstatt der höheren Verwaltungsbehörde dem Vorsitzenden des Schiedsgerichts. Nach einem Antrag T r i m b o r n haben sich die zuständigen Behörden bei ihren Entscheidungen nach denen des Reichs-VersicherungsamteS zu richten. Im z 123 wird festgesetzt, daß Streitigkeiten zwischen den Versicherungsanstalten im tSeschwerdewege vom Reichs- V e rsi ch e r u n g S a m t �ntschieden werden._ NnvlKMentÄvifchess Ein Antrag Rösicke- PachniSe ist beim Reichstag ein- gegangen, die Regierungen zu ersuchen, dem Reichstag einen Gesetz- Entwurf vorzulegen. durch welchen 1. den zur Wahr- nehmung von Berufsinteressen gegründeten Vereinen Rechtsfähigkeit verliehen wird, wenn sie den§§50 bis 60 deS Bürgerlichen Gesetzbuchs genügen; 2. den im§ 152 der Reichs-Gew erbcordnung erwähnten Vereinigungen und sonstigen zur Wahrnehmung von Bernfsintereffen gegründeten Vereinen gestattet wird, ihre Bestrebungen zum Zwecke der Verbesserung der Lage der Arbeiter auch auf Veränderungen der Gesetzgebung zu richten und mit einander in Verbindung zu treten. Die Bankgesetz-Kommission dc$ Reichstags hat am Montag die dritte Lesung der Vorlage vorgenommen und zu Ende geführt. Der Bericht soll gleich nach Ostern festgestellt und das Gesetz im Plenum spätestens am 19. April auf die Tagesordnung gesetzt werden. Deutscher Battarbeiterschntz-Kongreß. Vorversammlung. Der erste deuffche Bauarbeiterschutz-Kongreß, der vom 19. bis 21. d. M. in Berlin tagt, wurde am Sonntag Abend durch einen Festlommers zu Ehren der Delegirten eingeleitet. Der geräumige Kellerff'che Saal in der Koppenstratzc, der reichlich mit rothen Fahnen geschmückt war, und von dessen Bühne die Büsten unserer Vor- kämpfer Marx, Lassalle und Engels herabblickten, war bis ans den letzten Platz gefüllt. Die sozialdemokratische ReichStaaS-Fraktion hatte die Abgeordneten Frohme, Hoch und Stadthagen delegirt. Nachdem Maler Link die Anwesenden im Namen der Bau- arbeiter Berlius herzlichst willkommen geheißen hatte, ergriff namens der Einberufer Maurer Bömelburg- Hamburg das Wort, um die Vorgeschichte des Kongresses und die Gründe auseinanderzusetzen, die zur Einberufung des Kongresses Veranlassung gegeben haben. Hiermit war der Kongreß offiziell eröffnet, und es konnte nun zur Äoitstittiirung des Bureaus geschrittcu werden. DaS Ergcbniß ist folgendes: ES wurden gewählt zu Vorsitzenden Bonielburg- Hantburg, Schräder- Hamburg und Silber scbmidt- Berlin. Nach der Wahl der Schriftführer und einer Kommission zur Prüfling der Mandate ivnrde die von der Kommission vorgeschlagene Tages- ordnung und Geschäftsordnung genehmigt und darauf die geschäst- liche Sitzung geschlossen. Er st er Verhandlungstag. Bormittagssitzung. Eröffnung 9 Uhr. Den Vorsitz führt Bömelburg. Vor Eintritt in die Tagesordnung theilt der Vorsitzende mit, die Kommission habe sich an das ReichSamt des Innern ge- wandt um Entsendung eines Vertreters zum Kongreß. Darauf hat Graf Posadowsky geaniwortet, es könnezuseinem Bedauern diesem Gesuch mit Rücksicht auf die Lage der Dienst- gescüäfte nicht stattgegeben werden.(!) Üeber den ersten Punkt der Tagesordnung:„Der Bau- sch Windel, das Submissions Wesen, ihre Ursachen und Wirkungen" referirt Bringmaun- Hantburg: Aus der Statistik über das Bau- gcwerbe geht hervor, daß von den etwa 1 Million Bauarbeitern in Deutschland alljährlich ca. 212 238 Arbeitsunfälle erleiden. Von diesen Unfällen hatten nach dem Diirchschnitt der letzten zehn Jahre 16 733 eine EriverbSunfähigkeit unter 13 Wochen zur Folge, 1437 eine solche von über 13 Wochen, 2071 verursachten theilweise, 393 völlige Erwerbsunfähigkeit und 677 hatten direkt den Tod zur Folge. Neben dieser Uufallgefahr auf Bauten zehren aber auch Berufs« Irankheiteu an dem Mark der deutschen Arbeiterschaft, die ganz wesentlich gefördert werden durch die heutigen Zustände auf den Bauten. Im Jahre 1894 kamen auf je 1000 Mitglieder der freien Hilfskaffen bei den Malern 301, bei den Maurern 370, bei den Zimmerern 389 und bei den Töpfeni 363 Krankheitsfälle. In den meisten Fällen handelte es sich um Rheumatismus und um Er- krankungen der Athmuuasorgane. Das sind grauenhafte Zustände und man muß sich wundern, daß die Regierung noch gar nichts zu ihrer Beseitigung gethan hat. Die Ursache dieser Mißstände liegt einmal in der Ausnahmestellung» welche das Baugewerbe einnimmt, und andererseits in der AuS- beutunqswuth der Unternehmer. Wir Bauarbeiter und das Baugewerbe überhaupt verlangen nicht eine so ausgedehnte Hilfe wie die Agrarier. Es würde genügen, wenn ein' Theil des gesteigerten WerthcS der Erzeugnisse des Baugewerbes den Arbeitern zu Gute käme. Heute nimmt die Grundstücksspekulation den wesentlichsten Antheil dieses WertheS für sich in Anspruch und diese Spclulation hat nicht einmal ein Risiko zu tragen, sondern das Risiko ist durch gesetzliche Maßnahmen noch dem Baugewerbe aufgehalst worden, und die Konsequenzen davon machen sich wesentlich bei den Arbeitern selbst bemerkbar. Wie rapide der Werth der Grundstücke steigt, daS ergiebt sich z. B. daraus, daß in Hamburg in den Jahren 1842—1846 neun Bauplätze für 225 926 M. gelaust wurden, die 1389— 1896 für 1 026 570 M. wieder verkauft sind. Der Werth deS QuadratfußeS ist in dieser Zeit von 6,79 M. auf 30,89 M. gestiegen.(Hört! hört!) Diese Preissteigerung hat es zur Folge gehabt, daß erstens die Bauwerke verschlechtert und daßferner dieArbeitcr noch mehr als früher ausgebeutet wurden. Noch wüster ist die Spekulation in den Berliner Vororten, wo direkt ein Baustellen-Wucher gettieben wird. Es giebt Terrain- gcsellschaften. die bis zu 40 pCt. Dividende zahlen. DaS Gegenbild zu diesen hohen Dividenden bilden die zahlreichen Subhastattonen, und leider nur allzu oft werden dabei die Arbeiter um ihren Lohn geprellt. In dem Gesetzentwurf, betreffend die Sicherung der Forderung der Bauhandwerker, ist die Ansicht vertreten, daß, wenn die Bau-Hand- werker gesickert sind, auch den Arbeitern geholfen wäre. Das ist aber dikrchaus nicht der Fall. Nach juristischer Auffassung sind die Grund« stücksgeschästc von den Baugeschästen vollständig gettemit. Diese Auffassung ist falsch, denn in der Praxis liegen Grundstücks- und Baugeichäste in denselben Händen. Tritt nun an eine Stelle eine Zahlungsstocknng ein, dann find Bankrotte auf der ganzen Linie die Folge. Die kleinen Bauhandwerker sind gewissermaßen ein noth- wendiger Bestandtheil des Bauschwindels. Daher ist es ganz aus« geschloffen, daß man durch die Forderungen, welche im Gesetzentwurf der Regierung zum Ausdruck kommen, dem Bauschwindel ein Ende machen könne. Eine Wandlung zum Bestem kann nur eintreten, wenn Grundstücks- und Bangeichäste als ein zusammenhängendes Ganze bettachtet werden. Damm verlangen wir, daß für das Vaugeschäft diejenigen rechtlichen Grundlagen geschaffen iverdcn, die für andere Gewerbe gelten. Ebenso gut, wie nach der Konkursordnung im Falle eines Bankrotts zunächst ans der Masse der rückständige Arbeitslohn gezahlt werden muß. verlangen auch wir eine Sicherstellung unseres Lohnes.(Beifall). Weiter ist es eine Thatsache, daß die GmndstückS- und Bauspekulanten kein Jiiteresse daran haben, ein gutes und solides Bauwerk herzustellen, sondem es kommt ihnen nur darauf an, möglichst schnell ein Gebäude fertigzustellen, um daraus in Gestalt von Micthcn oder Profit aus dem Verkauf Gewinn zu erzielen. Aus diesem Grunde sehen wir denn auch, daß häufig Bauwerke so unsolide ans- geführt werden, daß sie schon bald nach ihrer Fertig- stellnng unbrauchbar werden, oder gar zusammenstürzen. Eine Sttömung im Baugewerbe behauptet, die tchlechten Bauten seien eine Folge davon, daß die Handfertigkeit der Bauhandwerker heut nicht mehr so gut sei, wie früher. Die Bertreter dieser Richtung sind die I>, n u n g S m e i st e r. Sie fordern den B e- fähigungsnachweis und geben vor, daß dadurch eine größere Solidität der Bauwerke herbeigeführt werde. Dem ist aber nicht so. Die Fertigstellung der Schwinoelbauten erfordert sogar eine größere Fertigkeit der Arbeiter, wie die Aufstihnmg solider Bauten. Nicht die mangelnde Fähigkeit der Arbeiter, sondern das Geld- interesse der Unternehmer ist die Ursache der traurigen Schwindel« bauten der heutigen Zeit, sie wird also auch nicht durch den Be- fähigungsnachweis aus der Welt geschafft. Ein werterer Uebelstand ist das S u b m i s s i o n S w e s e n. Im Grunde genommen läßt sich gegen die Submission nichts einwenden, sie ist eine Folge des Konkurrenzkampfes. Die Haupt- Arbeitgeber, welche ihre Aufträge in Submission vergeben, sind die Neichs-, Staats« und städtischen Behörden. Wir verlangen B e- seitigung des Submissionswesens und Aus- führung aller öffentlichen Bautenin Regie, weil das die sicherste Gewähr bietet für die Herstellung solider Bauten, und auch für die bauausftihrende Behörde vortheilhaft ist. So lange aber die Submission bestehen bleibt, da fordern wir, daß in den Verträgen eine Bestimmung aufgenommen wird, wonach der Unter- nehmer verpflichtet ist, unter allen Umständen den Arbeitern an- nehmbare Lohn- und ArbeitSverhältniffe zu garantiren. Das Gesetz bedroht nicht mir den Unternehmer, sondern auch den Arbeiter mit Strafe, wenn er bei seiner Arbeit die Regeln der Baukunst außer acht läßt und infolge dessen ein Unglück geschieht. Wenn der Arbeiter pfuscht, so thut er das nicht aus freiem Willen, sondern weil er bei der Arbeit in der unverantwortlichsten Weise angetrieben wird. Die Arbeiter müssen Einfluß auf die Art der Ausführung der Arbeit haben, damit sie in der Lage sind. Pfusch- arbeit verhindern zu können. Das kann aber nur geschehen durch starke Organisationen; darum fordern wir das unbeschränkte KoalitionS- recht und die Beseitigung der Schranken, die ganz besonders die Rechtsprechung gegen die Koalitionsfreiheit aufgcthürnit hat. Die heutige Rechtsprechung auf diesem Gebiete ist nicht nur eine Rechtsprechung zur Sühne einer Sünde, sondern eine Rechtsprechung, die gleichzeitig zur Beseitigung des letzten Restes der Koalitions- frciheit führen müsse.(Sehr richtig!) Deshalb müssen wir im all- gemeinen Interesse eine völlige Koalilionsfteiheit verlangen.(Lebhafter Beifall.) Die zu diesem Punkte von der Kommission vorgeschlagene Re- solution hat folgenden Wortlaut: � Der Kongreß der Bauarbeiter Deutschlands fordert von der Gcietzgebung des Deutschen Reiches: 1. In dem schon angekündigten Gesetze, betreffend die Sicherung der Baufordernngen, zu bestimmen, daß im Gegensatze von heute— wo die Bauwerke für die Grundstücke bezw. für die Grund- und Hypothekenschulden hasten— die Grundstücke dezw. die Grundschnld- und Hypothekcngläubiger für die Bebauung und alle daraus erwachsenden Verpflichtungen haftbar sind, und daß auf jedem Bau, an einer leicht sichtbaren Stelle, ein Anschlag anzubringen ist, welcher den Stand, den Familiennamen und mindestens einen ausgeschriebenen Vor- namen des Bauherrn und des Bauleiters in deutlich lesbarer und unverwischbarer Schrift angicbt. _ 2. Daß durch entsprechende Gesetzesbestimmungen angeordnet wird, alle Bauprojekte staatlich zu prüfen und ihre Ausführung ständig zu kontrolliren durch techmsch gebildete Staatsbeamte. Die Prüfung und Kontrolle der Ausführung der Bauprojekte hat davon auszugehen, daß bei allen Bauwerken die Regeln der Baukunst zur Anwendung kommen sollen. D er Bauarbciter-Kongreß protestirt gegen den Versuch, die bau- gewerblichen Mißstände mit der Einführung des obligatorischen Be- sähigungSnachwcises für die Bauausführeuden bekämpfen zu wollen, m der Ueberzeugung, daß ein solches Mittel vollkommen zwecklos ist und von den Befürwortern desselben auch nicht ernst genommen wird. Die Forderung, den Befähigungsnachweis obligatorisch zu machen, wird nur von einem kleinen Kreffe der Baugewerbetreibenden erhoben, und zwar lediglich zu dem Zwecke, sich selbst eine konkurrenz- freie, angenehme Existenz zu sichern. In Bezug auf daS Submissionswesen fordert der Bauarbeiter- Kongreß von den maßgebenden Körperschaften des Reiches, der Bundesstaaten und Kommunen, ihre Verwaltungen anzuweisen: 1. Bei allen Reichs-, Staats- und Kommunalbauten die Ver- gcbung der Ausführung in Submission thunlichst zu beschränken. >o daß dieselbe in absehbarer Zeit ganz aufgegeben werden und dre Bauausführung in Regie an ihre Stelle treten kann, wobei die Bauarbeiter-Organisationen zu berücksichtigen wären und in jedem Einzelfalle die ortsüblichen Lohn- und Arbeitsbedingungen als Minimum zur Geltung zu kommen hätten. 2. Soweit sich das Submiffionsverfahren zur Zeit noch nicht umgehen läßt, soll den Submissionsbedingungen allerwärts auch die Klausel angehängt werden und zur Geltung kommen, daß die Unternehmer verpflichtet sind, die ortsüblichen Lohn- und Arbeits- bedinguugen für sich als bindend zu erachten., 3. Tauchen Meimingsverschiedenheiten auf über die ortsüblichen Lohn- und Arbeitsbedingungen, so hat die den betreffenden Bau vergebende Behörde ein Gutachten der in Betracht kommenden Lrdeitervertreter bezw. Arbeiterkorporationcn einzufordern. In Bezug auf die Ausbildung der Bauhandwerker bezw. -Arbeiter protestirt der Kongreß ganz entschieden gegen alle Maß- nahmen, die bezwecken, den jungen Mann als Lehrling auf eine längere Zeit, als für die gewerblichen Arbeiter im Allgcmcinen vorgeschrieben ist, an einen sogenamsien Lehrnieister bezw. Lehrherrn zu binden. Solche Matznahmen haben in der Praxis nur die Be- deutung. daß die Unternehmer auf lange Zeit billige und rechtlose Arbeitskräfte zur Verfügung haben; ist diese.Lehre" beendet, dann fallen die jungen Leute ihren Berufsgenossen zur Last. Der Bauarbeiter-Kongrcß fordert dahingegen: Daß die Kommunalverwaltungen die Fachschulen der Bau- arbeiter-Organisationen unterstützen durch unentgeltliche Ilebcrlassung von Lehrräumen und Lehrmitteln bezw. durch Gewährung von Subventionen. In anbetracht, daß nicht nur die besonderen Interessen der Bau- arbeiter es erheischen, sondern die gesunde Entwickclung des Bau- gewerbeS davon abhängt, daß die Bauarbeiter sich in sestgeschlossenen BenifSverbönden organisiren, fordert der Kongreß von der Gesetz- gebung des Deutschen Reiches: Daß sie alle Schranken beseitigt, welche die Gesetzgebung und Gejetzeshandhabung sinSbesondere die Rechtsprechung) gegen die Koalitionsfreiheit der Arbeiter aufgerichtet haben. Bon den Ver- Wallungen der politischen Institutionen sind die Organisationen in jeder Beziehung so zu sördem, daß sie neben der Vertretung der Arbeiterintereisen ihres Berufes auch jene Aufgaben erfüllen können, welche im Interesse des Baugewerbes und im Interesse der Kultur von diesen Organisationen erfüllt werden müssen. Es entspann sich hierauf eine lebhafte Debatte über den Gegen- stand. Sie wurde eröffnet durch Knoll-Bcrlin. der den Antrag stellt, der Ziffer I im zweiten Absatz der Resolution folgende Fassung zu geben: »Bei allen Reichs-, Staats- und Kommunalbauten die Ver- gebung der Ausführung in Submission thunlichst zu beschränken, so daß dieselbe in absehbarer Zeit ganz aufgegeben werden kann und die Regie-Arbeit an ihre Stelle tritt, wobei die Bauarbeiter-Organisationen zu berücksichtigen sind und in jedem Einzelfalle die ortsüblichen Lohn- und Arbeits- bcdingungen als Minimum zur Geltung zu kommen haben." Er begriindet diesen Antrag mit dem hinweise darauf, daß er namentlich eine präzisere Fassung der Forderung bedeute. An der Debatte betheiligten sich I ü r k e r- Delitzsch, Passiver- Braun- schweig, Kraus« Mannheim, Hill- Eiscnach, Reiser« München, B u ck e n t h a l- Celle, G e r o l d- Frankfurt und Odenthal- Köln. Mit Rücksicht auf den Raum müsien wir es uns versage», die interessante Debatte, in der die Redner praktische Erfahrungen zur Begründung der in der Resolution niedergclegten Forderuugen vorbrachten, hier wiederzugeben. Die mitgethcilte Reiolution wurde zugleich mit dem Antrage Knoll unter Ablehnung einiger anderer Anträge mit allen gegen eine Stimme angenommen und darauf die Vor- mittagS-Sitzung geschloffen. NachmittagS-Sitzung. Eröffnung 3 Uhr. Den Vorsitz führt Schräder. Zunächst erstattet Millarg den Bericht der Mandats- Prüfungskommission. ES sind vertreten 16 Gewerkschaften(Maurer, Zimmerer. Bau- arbeiter, Maler, Töpfer, Stuckateure, Steinsetzer, Dachdecker, Bau- ttschler, Bauklempner, Steinindnstrie-Arbeiter, Zementarbeiter. Bau- schloffer, Glaser, Maschinisten und Heizer, Bildhauer) mit 338 Mandaten. Anwesend sind 315 Delegirte. Die Versammlung tritt sodann ein in die Berathung des Punktes II der Tagesordnung„Die Unfallgefahr und Mißstände in sanitärer Beziehung im Bau- g e w e r b e. Hierzu liegt die nachfolgende Resolution der Kommission vor: Der am 20. und 21. März in Berlin tagende, von Bauarbeitem aller Berufe aus allen Gauen Deutschlands beschickte Bauarbeiter- Kongreß erachtet es als seine unabweisbare Pflicht, dem Bundesrath, dem Reichstage, den Regierungen der Einzelstaaten, sowie der weitesten Oeffentlichkeit folgende Darlegungen zu unterbreiten und baldige Ergänzung der in Bettacht kommenden Arbeiterschutz-Be- stimmungen zu beantragen. Der Kongreß nimmt zunächst Gelegenheit, auf das Bestimmteste auszusprechen, daß von dem gesammten Arbeiterschutz, so in der Sozialgesetzgebung zum Ausdruck kommt, für die Bauarbeiter der wcrthvollste ist: die Unfallverhütung. Thatsächlich ist dieses Schutzes aber nur gedacht in den§8 78 bis 82 des Unfallversicherungs-Gesetzes und in den§§ 120», v, ck und 88 164 und 154» der Gewerbe-Ordnung. Die angezogenen Paragraphen der Gewerbe-Ordnung sind für das Bangewerbe aber bisher fast gänzlich ausgefallen, da die Polizeibehörden von den ihnen durch§ 120 gegebenen Befugnissen wenig oder gar keinen Gebrauch gemacht haben, und eine kaiserliche Verordnung, laut welcher nach 88!1ö4 und 154» auch die Bauten der Gcwerbe-Aufsicht unterstellt werden können, ebensowenig erfolgt ist. Aber auch das Unfallvcrsicherungs-Gesctz ist für die Unfallverhütung auf Bauten belanglos geblieben. Ohne auf die Mängel des Unfallversicherungs-Gesetzes generell einzugehen, glaubt der Kongreß erklären zu müssen, daß die in den 88 78—82 des Gesetzes gegebenen Bestimmungen betteffs Unfall- Verhütung, soweit die Baubetriebe in Bettacht kommen, völlig un- zureichend sind. Die in genannten Paragraphen des bezeichneten Gesetzes ge- gcbenen Anregungen haben wohl vermocht, die Baugewerks-Berufs- genossenschaften zum Erlaß von Unfallverhütungs- Vorschriften zu bewegen— einige Berufsgenossenschasten haben auch Beauftragte angestellt, die, soweit ihre Zeit es erlaubt, die Durchführung dieser Vorschriften mit überwachen sollen— aber weder die Para- graphcn des Gesetzes selbst, noch ettva erlassene Strafandrohungen seitens der Berufsgenossenschaften haben vermocht, die Mehrzahl der Unternehmer zur ernstlichen Nachachtung der Unfallverhütungs- Vorschriften anzuhalten.(Beweis: die in's Grauenhafte gestiegene Zahl der Unfälle, die tägliche Erfahrung der auf Bauten be- schäftigtcn Arbeiter und die unwiderlegt gebliebenen, öffentlich erfolgten Feststellungen der Bauarbeiter-Kommissioncn in den ver- schieden«! Gegenden Deutschlands. Noch im verflossenen Jahre waren in einer großen Anzahl namhafter Städte auf allen oder doch fast allen Bauten gar keine Unfallverhütungs-Vorschristen ausgehängt; weder Arbeiter noch Poliere kannten derartige Vor- schriftcn.) Die Ucberwachung der Betriebe zivcckS Unfallverhütung durch die Bangewerks-Berussgcnossenschastcn ist also eine ganz unzu- längliche'gewesen; dies' wird auch ferner so sein. Die Genossen- schaftcn haben ihre Befuguiß, die Bauten in bczug auf Unfall- Verhütung zu überwachen,' nicht im Sinne einer moralischen Verpflichtung genommen. Aber auch die Unfallverhütungs- Vorschriften selbst find vielfach ungenügend, ja nichtssagend; und nur in wenigen größeren Städten sind die Vorschriften zuin Schutze der auf Bauten beschäftigten Ar- beiter erst auf wiederholtes Andrängen dieser und unter hefttgem Widerstände der Unternehmer durch baupolizeiliche Anordnungen so- weit ergänzt worden, daß man von Unfallverhütungs- Vorschriften reden kann. Und auch hier werden diese Vorschriften seitens der Unternehmer nur befolgt, so lange sie eine strenge Konttolle zu ge- wältigen haben. Der Kongreß muß daher verlangen, daß die Unfallverhütung für die Baubetriebe baldmöglichst anderweitig, und zwar im Sinne der Arbeiter, geregelt wird. Dazu empfehlen sich zwei gangbare Wege. Durch ein besonderes Reichs-Baugesetz wäre u. a. die Unfall- Verhütung neu zu regeln und zwar so, daß ») Normalvorschriften erlassen werden für SicherheitSvorrich- tungen bei Abbruchsarbeiteu, bei Ausschachtung der Baugruben für Hoch- und Ticfbauten, für Berüsten, Herstellung der Transport- Wege, Auf- und Ausbau jeglicher Bauten unter Berücksichtigung ihrer Einzelheiten und des zu denselben zu verwendenden Materials; daß d) die Bauherren und Unternehmer gemeinsam verpflichtet werden, bei allen Neu- und größeren Durcbbauten den Arbeitern zweckentsprechende Umkleide-, Wasch- und Eßräume zur unentgclt- lichcn Benutzung zu stellen; desgleichen der Gesundheit und der Sittlichkeit entsprechende Aborte in genügender Zahl; daß c) die Bauherren und Unternehmer unter solidarischer Haftung gehalten sind, bei dem inneren Ausbau der Neu- und Unibauten während des Winterhalbjahres die Thür- und Fensteröffnungen so zu schließen, daß die Jnnenarbeiter gegen die äußerst gesundhcits- schädliche Zugluft geschützt find; und daß ferner ausgesprochen wird, daß in den Räumen, in denen gearbeitet wird, offene Koaks- feuer nicht gebrannt werden dürfen; daß d) die regelmäßige Ueberwacbung(bezüglich Durchführung vorstehender Vorschriften) der versicherungspflichtigen Baubetriebe analog der Ueberwachung der Fabrikbetriebe durch staatliche, mit dem Baubettieb vollständig vertraute Beamte zu erfolgen hat, mit der Maßgabe, daß diesen Beamten in allen größeren Städten und in aus kleineren Orten gebildeten Bezirken praktisch erfahrene Arbeiter als Baukontrollenre zur Seite gegeben werden. Diese Kontrolleure sind von den in Betracht kommenden Bauarbeitern zu wählen und vom Staate zu besolden; und daß s) in dem Gesetze ausgesprochen wird, daß die Vertteter der Baugcwcrks- Benlfsgenossenschaften gemeinsam und in gleicher Zahl mit den Vertretern der in Betracht kommenden Arbeiter verpflichtet sind, für ihren Bezirk die zwecks Unfallverhütung gesetzlich festgelegten Normalvorschriftcn nach Möglichkeit so zu präzisiren. daß sie aus alle Fälle anivcndbar sind; senier, daß die bezeichneten Vertreter alle zwei Jahre, im Nothfalle zu einem früheren Zeitpunkte, zur event. Er- gänzung oder zur Fornmlirung event. nothwendiger Ab- weichungen von den Normalvorschriften zusammenzutreten haben, und schließlich, daß bei allen diesbezüglichen Berathungen die Gutachten der Aufsichtsbeamten und der Baukontrolleure des Bezirks gehört werden müsien, sowie auch, daß die obere Ber- waltuugsbehörde mit Zustimmung der Aufsichtsbeamten und Kon- trolleurc die zu stände gekommenen Beschlüsse alSbald zu veröffent- lichen hat, wodurch sie Gesetzeskraft erlangen. Der zweite Weg wäre dieser: ES ist im Titel VII deS Unfall- versicherungs-Gesetzes, welcher von Unfallverhütung und Betriebs- Überwachung handelt, zu bestimnien: Die versicherungspflichtigen baugewerblichen Betriebe unter- liegen einer besonderen regelmäßigen Kontrolle in bezug auf Unfallverhütung. Diese der allgemeinen Gewerbe-Aufsicht anzu- gliedernde Kontrolle wird ausgeübt von besonderen Kommissionen, welche von den Beauftragten der Berufsgenossenschasten und der Arbcitcrorganisattonen zu gleichen Theilen gebildet werden und unter Leitung fachmänmscher staatlicher Beamten stehen. Diese Kommissionen haben auch die Unfallverhütungs- Vorschriften zu erlasien, die Unfalluntersuchung in jedem einzelnen Falle ungesäumt vorzunehmen und dem Unfallmeldewesen vor- zustehen. Die Kosten dieser Einrichtung, ausschließlich der Gehälter für die fachmännischen staatlichen Beamten, trägt die Baugetverks- BerufSgenosienschaft für den Umfang ihres Bezirks. Schließlich ladet der Kongreß die Bauarbeiter aller Berufe ganz Deutschlands ein. unbeschadet der vorstehend gezeichneten, äußerst dringlichen Forderung, die Selbsthülfe kräftigst zu gebrauchen: In allen Orten, wo nennenswerthe Bauten ausgeführt werden, müsien Kommissionen, bestehend aus Vertretern möglichst aller Bauberufe, unverzüglich gebildet werden, mit dem ausgesprochenen Zwecke, die Schäden und Mißstände auf den Bauten aufzudecken und wahrheits- gemäß in ihrer ganzen Gräßlichkeit zu schildern. Der Referent, Genosse P a e p l o w- Hamburg, führt etwa fol- gendes aus: Der Ruf nach Arbeiterschutz iin Allgemeinen und nach Bauarbeiter- schütz im Besonderen ist schon seit Jahren nicht nur von den Arbeitern, sondern auch von einsichtigen Sozialpolitikern erhoben worden. Bisher hat man weniger Werth gelegt auf den Erlaß vorbeugender Schutzmaßregeln, als' vielmehr auf die Festlegung gesetzlicher Be- stimmungen zwecks Schadloshaltung der verunglückten Arbeiter. Den Personen, die in Volkslvirthschast, Gesetzgebung und Ber- waltung in den sechziger Jahren maßgebend waren, kam es hauptsächlich darauf an, die„freie" Eutwickelung des Erwerbslebens vor„störenden" Einflüssen zu schützen. Man ging damals, wie auch heute noch vielfach, von der Absicht aus, daß die Bauarbeiter den entscheidenden Einfluß darauf hätten, ob alle Kunstregeln des Bauens beobachtet wurden. Redner giebt nunmehr einen geschichtlichen Ueberblick über die verschiedenen Verordnungen und' Gesetze, die sammt und sonders nicht sowohl zum Schutze der Bauarbeiter als vielmehr zum Schutze des Publikums erlassen wurden. Seit dem Jahre 1883 haben wir die Erweiterung des Arbeiterschutzes im Baugewerbe verlangt, und unter unseren Benifsgenosicn in diesem Sinne agitirt. Nach Angabe des Baumeisters Feilsch haben sich die Unfälle im Bauberuf in den letzten Jahren erheblich gesteigert. Die Uilterilehmer kamen zu der von uns schon lange vertretenen An- schauung, daß die Ueberhastung bei den Bauarbeiten die Unfälle in erster Linie verschuldet. Fetisch sagt zwar, dem Unternehmer wird nicht Zeit genug gelassen, seine Arbeit hinreichend zu überlegen und einzutheilen. Wir wissen aber, daß es nur die Gewinnsucht der Unternehmer ist, welche die Arbeiter antteibt und dadurch die Häufigkeit der Unfälle verursacht.(Sehr richtig l) Es läßt sich zahlenmäßig nach- weisen, daß die Arheiter von dem Unfallgesetz fast gar keinen Bortheil ge- habt haben. Die Unternehmer sind gegen eine Erweiterung des Ge- setzes in unserem Sinne. Da wir von dieser Seite nichts zu erwarten haben, so bleibt uns nur übrig, selber unsere Forderungen zu ver- treten, was wir auch ffelt Jahren durch Absendung von Petttionen an den Reichstag, sowie durch lebhafte Agitation gethan haben. Die Folge davon war, daß in manchen Bezirken polizeiliche Borschriften erlassen worden sind, die einen größeren Schutz der Bauarbeiter bezwecken. Diese polizeilichen Vor- schriften gehen zwar in mancher Hinsicht noch über die Unfall- verhüttingsvorschriftcn der Berufsgenossenschaften hinaus, aber sie genügen den Forderungen, welche die Arbeiter für nothwendig halten, noch nicht. Wir müssen deshalb auf eine reichsgesetzliche Regelung dieser Materie dringen, die sich nicht nur auf die Verhütung von Unfällen, sondern auch auf die Beseitigung der sanitären Miß- stände zu erstrecken hat. Bei der Durchführung solcher gesetzlichen Vorschriften muß den Arbeitern das Recht der Mitwirkung ein- geräumt werden. Zur Erreichung unserer Forderungen schlägt die Resolution zwei Wege vor. Welchen derselben Sie einschlagen wollen, das muß Ihrem Urtheil überlassen bleiben. Ich habe in der Kom- Mission noch einen dritten Weg vorgeschlagen, nämlich den, die Landes« bchörden anzugehen, daß sie da, Ivo noch keine Behörden für die Kontrolle der Bauten bestehen, solche einführen. Die Kommission war aber der Meinung, daß die Forderung einer reichsgcsetzlichen� Regelung genüge. Die Arbeiter müssen, soweit sie dazu in der Lage sind, Unfälle zu verhüten suchen, indem sie auf die Einrichtungen, welche zur Sicherung ihres Lebens und ihrer Gesundheit nöthig sind, dringen, und sich, wo immer es angeht, gegen die Ausführung von Pfuscharbeit sträuben. Wo uns zuacniuthet wird, gegen die Regeln der Baukunst zu verstoßen, da müssen wir sagen: Das giebt es nicht. Wenn wir das nicht thun, dann ttagen wir selber emen Theil der Schuld an den Unfällen. Die Verkürzung der Arbeitszeit ist der beste Arbeiterschutz. darum müssen wir auch nach dieser Rlch- tung hin unsere Thätigkeit entfalten. Wenn wir alles thun, was ich empfohlen habe, dann werden die Arbeiten dieses Kongresses nicht vergeblich sein.(Bravol) Die Diskussion wird eröffnet. Knoll- Berlin begründet folgende von den Steinsetzern und sonstigen Arbeitern im Straßenbau eingereichten Anträge: 1. Schutz vor Ueberfahren durch elektrischa Straßenbahnwagen. Durch Polizeiverordnung ist zu bestimmen, daß die Führer elektrischer Sttaßenvahnwagen verpflichtet sind, an Stellen, wo das Straßenpflaster innerhalb oder in unmittelbarer Nähe der Geleise umgearbeitet oder reparirt wird oder dergleichen, nur in langsamstem Tempo zu fahren. Und zwar hat das Anziehen der Bremse mindestens 60 Meter vor der Baustelle zu geschehen. Die Direktionen der betteffenden Straßenbahnen sind verpflichtet, den Wagensührern diese Bestimmung von Zeit zu Zeit in Erinnerung zu bringen. Auf Sttecken mit stärkerer Frequenz oder in sehr engen Straßen sind etwaige UmPflasterungen und Reparaturen des Pflasters u. s. w. grundsätzlich in die Zeit zu verlegen, in der der) Betrieb ruht. II. Baubuden. Auf jedem Straßenbau, sowie bei um- fassenderen Reparawren oder Wiederherstellungsarbeiten des Straßen- Pflasters, die voraussichtlich nicht weniger als eine Woche in Anspruch nehmen, sind von Anbeginn der Arbeit ab Baubuden auszustellen zum Aufenthalt und Schutz der Arbeiter während der Eßpausen und der infolge ungünstiger Witterung einttetenden vorübergehenden Arbeitspausen. Diese Baubuden müssen zug- und wasserdicht sein und genügenden Platz(pro Mann mindestens 0,75 Quadratmeter Bodenfläche) gewähren, daß alle auf dem Bau beschäftigten Arbeiter darin ihre Mahlzeiten einzunehmen bezw. bei vorübergehenden Arbeitspausen sich darin aufhalten können. Zu diesem Zwecke müssen! die Buden mit einer genügenden Anzahl von Bänken und Tischen versehen sein, letztere so angebracht, daß sie von den Bänken aus, bequem zu erreichenIsiud. Zum Zwecke der Beleuchtung müssen eine genügende Anzahl Fenster vorhanden sein. Weiter müsien die Baubuden mit einem nichtrauchenden Ofen versehen sein, damit dieselben bei feuchtem oder kaltem Wetter! heizbar find. In der Zeit vom 1. Oktober bis 15. April sind, sofern gearbeitet wird, dieselben täglich zu heizen. Das Brennmaterial ist auf Kosten des Unternehmers zu liefern, und dürfen den Arbeitern. dafür keinerlei Abzüge gemacht werden. Auch müssen in der Nähe der Baubude ausreichende Wasch» Vorrichtungen zum Händewaschen vorhanden sein. Die Baubuden sind vor jeder Eßpause durch einen dazu be«; stimmten Arbeiter zu reinigen. Desgleichen ist für Erneuerung deS Waschwasiers zu sorgen. In der Zeit, in welcher sich die Arbeiter'in der Baubude be«� finden, dürfen Handwerkszeug und Zementtonnen-c. nicht in der- selben aufbewahrt werden. III. Beb ürfniß-An st alten. Jeder Straßenbau-Unter- nehmer hat die Pflicht, mit Ausnahme bei sogenannten fliegende»! Kolonnen, auf jedem Straßenbau(Reparatur k.) dafür zu sorgen, daß entweder auf der Baustelle ein den sittlichen und hygienischen Ansprüchen entsprechender Abort(vielleicht nach Art der auf Bauten der Berliner städtischen Wasserwerke befindlichen) vorhanden ist; oder durch verbindliches Abkommen mit benachbarten Gnindbesttzern die Arbeiter berechttgt sind, auf den Grundstücken derselben ihre Bedürfnisse erledigen zu können, ohne gezwungen zu sein, dafür direkt oder indirekt(durch Konsum von Getränken ec.) bezahlen zu müsien. Die unter II und III aufgestellten Bedingungen sind in die Kontratte mit den Uitternehmern aufzunehmen, auch hat sich die zur Ausstellung der Bau- Anmeldebescheinigung verpflichtete Behörde vor der Ausstellung dieser Bescheinigung durch Kontrolle an Ort und Stelle davon zu überzeugen, daß den unter II und III ge- stellten Anforderungen entsprochen ist. Ebenso hat die Polizei- behörde(oder die entsprechende Baubehörde), in deren Aufsichtsbezirl der betreffende Sttaßenbau liegt, fiir die Dauer desselben durch eine ständige Konttolle sich von der Durchführung dieser Bestim-/ mungen zu überzeugen. Brandmer- Bremen spricht fiir gesetzliche Maßnahmen gegen daS Ueberhandnehmen der Akkordarbeit, welche eine der wesentlichsten Ursachen der Unfälle sei. Weiter tritt Redner für das Verbot der Arbeit von Frauen und Personen unter 18 Jahren im Baubetriebe ein, auch müßte es gesetzlich untersagt werden, daß nichtfachkundige Leute bei gefahrbringenden Arbeiten verwendet werden. Gerade aus letzterer Ursache seien schon häufig Unglücksfälle herbeigeführt Ivorden. Wenn Bauarbeiter bei Nacht beschäftigt werden, müsse für genügende Beleuchtung gesorgt werden, was jetzt nicht immer der Fall sei. Mi l larg- Berlin: Die Bautischler haben zu leiden unter der Beschäftigung in Räumen, wo Koakskörbe stehen, oder doch der Dunst dieser Feuerungsanlagen besonders hineinzieht. Die Folge davon sei Nasenbluten und schwere Erkrankungen, auch Schwindsucht. Weitere Uebelstände seien das Fehlen von Aborten, die sogenannten fliegenden Tischlerwerkstätten auf Neubauten, die ebenso gc'fundheitS» hne feuergefährlich seien. Redner begründet folgenden Antrag der Bautischler Berlins:»' v •.Der Kongreß für Bauarbeitcrschntz beschließt, der sozialdemo- iratlschcn Fraktion des deutschen Reichstages den Austrag zu geben, lm Reichstag folgenden Antrag einzubringen: Den bestehenden Bau-Jnspektionen ist ein Beamter beizugeben, welcher alle Baustätten in bezug auf sicherheitspolizeiliche, hygienische und sanitäre Verhältnisse zu überwachen hat. Dieser Beamte ist verpflichtet, den eventuell jährlich statt- findenden Kongressen für Bauarbeiterschntz beizuwohnen. Winkler- Berlin: Die Stein- und Gipsbildhauer und die Modelleure leiden unter denselben Mißständen, wie die übrigen Bauarbeiter. Für die Steinbildhauer kommt besonders in Betracht, daß die Arbeiten dieses Berufs von kapitalkräftigen, aber nicht fach- kundigen Unternehmern übernommen werden, die sie meist von aus- ländischen Arbeitskräften, Italienern und Böhmen, ausführen lassen. Am Bau des hiesigen Domes wurden zwei Kapitäle angebracht, die vor dem letzten Streik mit KXX) M. bezahlt wurden. Jetzt werden diese Arbeiten außerhalb, in der ZGegend des Rheins. hergestellt und für 4S0 M. angefertigt.(Hört I hört I> Wir Bild- Hauer sind für den Regiebau. weil die angeführten Mißstände auf das Subinissionswescn zurückzuführen sind. Weiter sind für uns insbesondere Einrichtungen nöthig, welche die auf dem Bau ar- beitenden Kollege» vor herabfallenden Gegenständen ausreichend schützen. Die Gipsbildhauer müssen oft auf ungeniigenden Rüstungen arbeiten. Ein Uebelstand, der allerdings in vielen Fällen dadurch verhindert werden kann, daß die Arbeiter nicht alles von behördlichen Maßnahmen erwarten, sondern auch selber auf die Beachtung der besteheuden Unfallverhiitnngs- Vorschriften Obacht geben. D i e h l- Frankfurt a. M. fordert das Vorhandensein von Ver- vandskästen auf den Bauten, sowie hinreichende Schutzvorrichtungen für Dachdecker, derart, daß ein abstürzender Mann, anstatt in die Tiefe, ans eine Schutzvorrichtung fällt, die nicht erheblich tief unter seiner Arbeitsstelle anzubringen ist. Femer müssen fiir Rcparaturarbeiten auf steilen Dächern Sicherhcitsgürtcl vorhanden sein, und außer dem Arbeitenden noch ein Mann, welcher denselben an der Sicherheits- leine hält. Groll- Wiesbaden schildert die Fährlichkeitcn, denen die Bau- glaser ausgesetzt sind. Mit besonderer Gefahr sei das Einsetzen der Kirchenfenster verknüpft. Für diese Arbeit seien stehende. von Fach- leuten zu erbauende Rüstungen zu verlangen. Gegenwärtig seien meist fliegende Rüstungen im Gebrauch, welche die Glaser selber errichten müssen. Diesener- Berlin führt ans. daß die Bauklempner in be- sonders hohem Grade Gunter dem Mangel hinreichender Schutzvor- richtnngen zu leiden haben. Auf gesetzlichem Wege sei wenig zu erreichen, wenn nicht kräftige Organisationen bestehen. L i n ck- Berlin: Ein besonderer Mißstand im Malergewerbe sei der, daß sich die Maler nicht nur ihre Rüstungen im Innern der Bauten selber bauen, sondern das Rüstzeug auch meist noch von den Maurern, oft unter großen Schwierigkeiten, zusammensuchen müssen. Unter dem Uebelstand der Koakskörbe habe kein anderer Beruf mehr zu leiden, wie die Maler. Die Folge davow seien natürlich häufige Erkrankungen. Redner weist an der Hand statistischen Materials nach, daß die Erkranknngszifser bei den Malern erheblich höher ist, wie bei anderen Berufen. Eine bei den Malern oft vorkommende Krankheitsursache sei die Bleivergiftung. Auch Gclenkrhcumatismns komme häufig vor. Zur Verhütung von Bleivergiftung seien Wasch- Vorrichtungen zu fordern, die dem Arbeiter die Möglichkeit vcrschaficn, sich vor den Mahlzeiten die Hände zu waschen. Gegenwärtig fehle es so gut wie ganz an derartigen Vorrichtungen. Eine gesetzliche Regelung sei dringend nothwendig. Hierauf wird die weitere Debatte auf morgen vertagt. NÄrkei-MZuJjvichten- Eine» eigenartigen Gedenktag begingen unsere Mannheimer Parteifreunde am 18. März d. I. Vor 2ö Jahren trat in Mann- heim im„Allgemeinen Deutschen Arbeiterverein" ein Mann auf, mit dessen Wirken die Geschichte der Partei an diesem Orte eng verknüpft ist. Es war August Dreesbach, der am 18. März 1874 in dem Arbeiterverein die Festrede hielt, die dem Andenken der Märzgefallenen gewidmet war. Und in diesem Jahr stand er nach_ 25_ Jahren abermals inmitten seiner Parteifreunde, um im sozialdemokratischen Verein das gleiche Thema zu behandeln. Aber welch' gewaltiger Fortschritt der Parteibewegung ist in diesen 25 Jahren vor sich gegangen. Die schweren Zeiten des Sozialisten- gesetzes hat die Mannheimer Arbeiterschaft glänzend überwunden und während und nach dieser Zeit Erfolge auf Erfolge der Partei zu- geführt. Heute gebietet die Sozialdemokratie über das Reichstags- mandat, sie hat die drei Landtagssitze erobert, in der dritten Klasse des Gemeinderaths die Sitze inne, sie zählt drei Stadt- räthe als ihre Mitglieder und hat durch eine Koalition mit den Demokraten und Freisinnigen das nationallibcrale Re- giment im Stadtparlament beseitigt. Mit Stolz kann deshalb unser Mannheimer Partei-Organ seine interessante Schilderung der Partei- geschichte in Mannheim, und das ist auch ein Stück der Partei- geschichte in Baden, mit folgenden Worten schließen: „Es wird kaum eine andere Stadt in Deutschland zu finden sein, in welcher die Sozialdemokratie eine ähnliche politische Macht- stellnng einnimmt wie m Mannheim. Dieses stetige, aber sichere Anwachsen der Partei, bei welchem jeder Fußbreit Boden erobert und oft wieder erobert werden mußte, ist ein Zeichen der inneren Kraft und Geschlossenheit der Partei, ist ein Beweis, daß die parlamentarische Thätigkeit ihrer Vertreter sich das unerschütterliche Vertrauen der Mehrheit der Mannheimer Bevölkerung zu erwerben und zu erhalten gewußt hat. Und dieser Schatz an Vertrauen ist von der Persönlichkeit der Vertreter, ihrem Charakter und ihrer Intelligenz nun einmal nicht zu trennen, er kann nicht willkürlich übertragen werden, er ist mit seinem Träger un- zertrennllch verwachsen. Darum haben wir ein gutes Recht, ohne uns dem Vorwurf des Personenkultus auszusetzen, der Persönlichkeit und den Verdiensten Dreesbach's unfern Dank, unsere Anerkennung zu zollen am heutigen Gedenktag, und die Thatsache zu würdigen, daß ein gut Theil der Erfolge, welche die Partei hier errungen hat. den persönlichen Fähigkeiten ihrer Führers geschuldet ist. Und indem die Partei dies thut, ehrt sie nur ihre eigene Geschichte und damit sich selbst." Die drei sozialdemokratischen Vereine Hamburgs haben nach der Aufstellung von 1898 zusammen 11 541 Mitglieder. Polizeiliches, Grrichllichrs u. f. w. — Verbotene Märzfcier. Der von dem Allgemeinen Arbeiter- Festkomitee zum Gedächtniß der Märzgefallenen für Sonntag Abend in der„Warnow-Halle" in Rostock' angesetzte Soziale Abend ist seitens des Polizeiamtes verboten worden, iveil es darin eine öffent- liche Versammlung zu politischen Zwecken erblicke. — Der Neumiinstcr'sche Armenhaus- Prozeß gegen unser Partei- Organ in Kiel, die„Schleswig- Holstein'sche Volkszeitung", der seinerzeit berechtigtes Aufsehen mächte, wurde jetzt noch einmal Verantwortlicher Redakteur: August Jacobey in Berlin. Für den Lnker vor der Strafkammer verhandelt, da da? Reichsgericht auf Revision des Angeklagten das erste Urtheil aufgehoben hatte. Der Angeklagte, Genosse Lüttgens, war damals zu' 109 M. Geldsttafe veruttheilt worden, weil er eine nebensächliche Behauptung nicht erweisen konnte. In der neuen Verhandlung wurde die Strafe auf 50 M. herabgesetzt, weil noch neue Beweise erbracht werden konnten. Wir werden morgen ausführlich darüber berichten. — Ueber die politische Lage und die Parteien des Reichs- tage? sollten am 18. März in Dresden die Genossen Gradnauer und Fräßdorf in zwei Versammlungen sprechen. Die Versammlungen wurden verboten auf Grund des§ 5 des sächsischen Vereinsgesetzes �Gesetzesübertretungen oder unsittliche Handlungen). —„Die Versammlung ist geschloffen, wegen Auflehnung der Behörde", mit diesen Worten löste in Hartha in Sachsen der überwachende Beamte eine Versammlung auf. weil ein Redner seiner Verwunderung über eine vorhergegangene Maßregel des Be- amten Ausdruck gegeben hatte. — Z« zwei Monaten Gefängniß wurde wegen Beleidigung de? Stadttaths, begangen in einer„Harmlosen Wochenplauderei" des „Beobachters" vom 7. Januar, der Redakteur des Chemnitzer Partei- blattes, Genosse L. Solomon- Lessen, verurtheilt. Freigesprochen dagegen wurde er in einer Anklage, die auf Grund des§ 17 deS Preßgesetzes deshalb erhoben war, weil er in der Nummer vom 29. Dezember v. I. einen den Genossen Krause betreffenden Straf- befehl vorzeitig veröffentlicht haben sollte. GelvevKftfMfklirfjes. Berlin und Umgegend. Achtung Schneider! Bei den Firmen Anger, Jägerstr. 99, Oppenheim er, Jägerstr. 47/48(Damenschneider), sowie bei H. G e r s o n, Werderscher Markt(Maßbranche und Tagschneider), sind Differenzen ausgebrochen. Im letzteren Geschäft haben die betheiligten Kollegen die Arbeit bereits niedergelegt. Wir ersuchen um Beachtung des Vorstehenden. Die Ortsverwaltüng des deutschen Schneiderverbandes. Deutsches Reich. Die Lohnbewegung der Schneider. In Hagen haben die Schneider eine 10— 2ciprozentige Lohnerhöhung durchgesetzt. Ueber eine Firma, die sich gegen die Anerkennung des Tarifs sträubte, ist die Sperre verhängt. In München ist der Stand der Lohnbewegung unverändert geblieben. Die Finnen Bach, Knagge, Gebr. Diez und Huber-Union weigern sich nach wie vor, die Forderung der Arbeiter anzuerkennen. Die Firma Back? läßt dringende Arbeit auswärts anfertigen; ebenso die Firma Knagge, die Filialen in Berlin, Frankfurt, Hamburg, Wien, Brüssel und Antwerpen besitzt. Es werden deshalb die Schneider an diesen Orten gebeten, auf diese Firmen acht zu geben. Der Streik der Tischler bei der Finna Hllttig u. Sohn in Dresden dauert fort. Die Tischler werden auf diesen Lohnkanipf besonders animerksam gemacht, da die Firma eifrig bemüht ist, Ersatz für die Ausständigen anzuwerben. Der Kampf richtet sich besonders gegen die fortgesetzten Lohnabzüge»nd das herrische Auf- treten des WerkführcrS. Die Ausständigen sind fest entschlossen aus- zuHarren, bis ihrem Verlangen stattgegeben wird. Die Holzindnstricllc» in Fürth haben gleich den dortigen Untemchmeni der Glasindustrie die Vereinbarung getroffen, daß die- jenigcn Arbeiter, die sich„mißliebig" machen und deshalb entlassen werden, oder in einem Geschäfte austreten, weil sie sich vielleicht anderswo verbessern können, einer sechswöchigen Hungerkur aus- zusetzen sind. Solche Arbeiter dürfen nämlich, bei hoher Äonventional- strafe, von den dem Ring angehörigen Fabrikanten vor Ablauf von sechs Wochen nicht eingestellt iverden. Derartige Fälle wurden schon mehrfach festgestellt und ein Unternehmer hat auch ummiwunden ein- gestanden, daß ein solcher Beschluß gefaßt wurde. TaS Stuttgarter Gcwcrkfchaftskartcll wählte am Donnerstag zur Erledigung seiner Geschäfte und zur organisatorischen und agitatorischen Unterstützung der einzelnen Gewerkschaften den Maler L u dwig als Gewerkschaftssekretär mit einem An- fangsgehalt von 1890 M. Es sei bemerkt, daß das Arbeiter- sckrctnriat eine besondere Verwaltung hat. AnSland. In Bern haben die Tischlermeister sämmtlichen Mitgliedern des FachvercinS gekündigt. Es wird deshalb gebeten, den Zuzug fernzuhalten.'_ Soziales. Arbeiter-Risiko. Der Unfalljnvalide Dürrschmidt, welcher vor drei Jahren sich ans dem C. G. Kästner'schen Werke in Bockwa bei Zwickau schwere Verletzungen zugezogen, von der geringen Rente aber seine Existenz nicht fristen konnte, verunglückte diese Woche auf genanntem Werke tödtlich, indem er zur Ausfahrt nur das zur Kohlenförderung bestimnite Fördergerüst benutzen wollte und beim Besteigen wieder hcrabge'ch cudert wurde. Für die Bergleute giebt es auf diesem kleinen Werke nur Leitern zur Ausfahrt, deren Be- nntznng dein 58jährigen gebrechlichen Mann jedenfalls zu beschwer- lich gewesen ist. Am Dienstag verunglückte auf der Zeche„Preußen 1" bei Derne der Haner Brune durch herabfallende Steinmasfe. Seine Kameraden fanden ihn nur als Leiche wieder. Durch Zusammenbruch eines Abbaues in der Kohlengrube in Hausham(Bayern) wurden die Arbeiter Josef Zacherl und Heinrich Pitzka verschütrct. Während Zacherl mit einer starken Kontnsion am Arme davonkam, konnte Pitzka nur als Leiche zu Tage gefördert werden. Gevi4zks�;3eikimg. Die März-Illumination in Adlcrshof beschäftigte gestern das Kammergericht. Der sozialistcntödtende Amtsvorsteher v. Oppen hatte bekanntlich sehr viele Einwohner von Adlcrhof mit Strafmandaten über je 15 M. bedacht, weil sie im vorigen Jahre zur Feier des 18. März ihre Fenster festlich beleuchtet hatten. Es wurde ihnen vorgeworfen, sie hätten die Revolution vom Jahre 1848 verherrlicht, dadurch eine Beunruhigung des öffentlichen Friedens Herbeigeführt und somit grobe nUn fug verübt. Von den mit dem Slrafbefehl bcdachren Personen beantragten 122 richterliche Entscheidung. Das Schöffen- gericht in Köpenick bestätigte die Strafmandate, wogegen das Land- gcricht als Berufungsinstanz die Angeklagten freisprach. Gegen dies freisprechende Urtheil war vom Staatsanwalt Revision eingelegt worden, die das Kammergericht in seiner gestrigen Verhandlung als unbegründet zurückwies. Das Rechtsmittel des Staatsanwalts scheitere an der rein thatsächlichen Feststellung, daß die Illumination vom 13. M ärz 1898 sich als eine» groben Unfug selbst dann nicht dar- stellen toürde, wenn sie ein Unfug gewesen wäre. Für das Kammer- gericht sei aber auch serner bindend festgestellt worden, daß den Angeklagten das Bewußtsein, sie hätten unberechttgt gehandelt, gefehlt habe. Diese Feststellung stütze gleichfalls die Vorentscheidung. Es könne dahin gestellt bleiben, ob auch schon die behauptete Fahrlässigkeit eine Bestrafung wegen groben Unfugs rechtfertigen könnte, denn die Feststellung, daß den Angeklagten das Bewußtsein einer rechtswidrigen Handlung fehlte, beseitige die Strafbarleit auch für den Fall der Annahme einer Fahrlässigkeit. Die erste Reihe der auf der Berliner Stadt- und Ring- bahn vorgekommenen Durchstechereien mit Fahrkarten be- schäfttgte gestern die erste Strafkammer des Landgerichts I unter Vorsitz deS Landgerichts-Direktors Dr. Fetisch. Die Anklage richtete sich gegen die Fahrkarten- Schaffner Edmund Grabow. Reinh. B o l d u a n und Gustav B a r t e l, sowie den Hilfs-Schalterbeamten Wilhelm Weber. Grabow, der seit dem Jahre 1882 auf der Berliner Stadtbahn beschäftigt ist, ist seit dem Jahre 189S auf der Station Lehrter Bahnhof als Fahrkarten-Schaffner thätig. Bolduan und Bartel tentbeil verantwortlich: Tb. Glocke tu Berlin. Druck und Verlag von Ml waren in gleicher Eigenschaft auf dem Bahnhofe Alexandcrplatz. Weber ist am Schalter des Lehrter Bahnhofes mit dem Verkaufe von Fahrkarten betraut gewesen. Grabow soll ganz shstemattsch Fahr- karten in der Weise unterschlagen haben, daß er, wenn die Fahr- gäste beim Betreten des Bahnsteiges ihre Karten zum Dnrchlochen hinreichten, mit einer fabelhasten Gewandtheit die Karte mit einer schon in seinem Besitze befindlichen vertauschte. Bei der Polizei war schon mehrfach Mittheilung von dem Verdachte gemacht worden, ein Kriminalschutzmann hatte auch den Angeklagten Grabow wiederholt beobachtet, es gelang aber nie. ihn zu überführen. Am 39. Oftober v. F. bemerkte der Stationsdiätar Mützelbnrg, daß der Angeklagte die ihm von einer Dame zum Koupiren vor- gelegte Karte nicht sofort durchlochte, sondern mit seinen Händen erst unterhalb des Randes der„Wanne" fuhr und ihr dann die Karte zurückgab. Mützelbnrg stellte die Dame ließ sich die Fahrkarte. zeigen und stellte fest, daß die Karte, die die Dame soeben erst am Schalter des Lehrter Bahnhofes gekaust hatte, eine ganz außerhalb der Nummer- Reihe jenes Tages liegende Nummer trug. Es mußte also wieder ein Taschenspieler-Kunststllck ausgeführt worden sein. Herr Mützel- bürg sorgte dafür, daß Grabow sofort abgelöst und nach dem Stattonsbureau gebracht wurde. Hier nahm Stationsvorsteher Eichler eine Leibesdurchsuchung vor. In den Taschen des Grabow wurde nichts gefunden. Als aber verlangt wurde, daß er auch die Stiefel ausziehe» solle, weigerte er sich dessen und fand, unter dem Vorhaben, daß er ein Bedürfniß befriedigen müsse, Gelegenheit, auszureißen und den Klosettanm zu er- reichen. Der ihm sofort nacheilende Stationsvorsteher fand ihn hier wiederum in einer Stellnng. die es unzweifel- Haft erscheinen ließ, daß er etwas in den Trichter geworfen hatte; am Fußboden lagen dreizehn Fahrkarten. die offen- bar aus Ungeschick daneben gefallen waren. Der Vorfall war gegen Mittag passirt und Grabow hatte bis zum Abend, als die Kriminal- Polizei die Sache in die Hand nahm, reichlich Zeit, etwaige Komplizen zu benachrichtigen, weitere Fahrkarten zu beseitigen ec. Er bestritt gestern, die ihm vorgeworfenen Durchstechereien betrieben zu haben. Was die der Dame übergebene Fahrkarte betrifft, so erklärte er den Vorgang wie folgt: Unmittelbar vor der Dame seien zwei Herren auf den Bahnsteig gekommen, deren einer irrthümlicherweise zwei Karten habe durchlochen lassen, während der andere für sich abonnirt war. Um den Schaden wieder gut zu machen, habe er die bereits durchlochte Karte der Dame gegeben und die undurchlochte Karte der letzteren dem Herrn überlassen. Die Erzählung klang nicht sehr wahrscheinlich, noch weniger die Behauptung, daß er bei seiner plötzlichen Ablösung die vorgefundenen Fahrkarten_ unvorschriftsmäßig in seine Tasche gesteckt und sie. weil er Disziplinar- strafe befürchtete, in seinen Stiefel bugsirt habe, von Ivo er sie in den Klosetramn befördern wollte. Da solche Durchstechereien nur möglich sind, wenn sie von mehreren ge- meinsam betrieben werden, so suchte die Polizei nach Komplizen des Grabow und glaubte diese in den Mitangeklagten drei Beamten gefunden zu haben. Es wird angenommen, daß die Angeklagten Bolduan und Bartel dem Grabow regelmäßig Fahrkarten, die mit L abgestempelt waren und auf dem Alexander- platz abgenommen wurden, zu nochmaliger Benutzung und zum Vertausch mit undurchlochtcn nach dem Lehrter Bahnhof zurückgeschickt und daß Weber dann in größeren Posten die undurchlochte» Karten am Schalter in Empfang genommen und an das Publikum verkauft habe. Zur Begründung dieses Verdachts wurde eine ganze Reihe verdächtiger Momente herangezogen, zu deren Widerlegung die Rechtsanwälte Dr. Schwindt, Ulrich und K n o r r einen umfangreichen Ent« lastungsbeweis angetreten hatten, so daß 32 Zeugen zu vernehmen waren. Staatsanw. G o e d e ck e hielt sämmtliche Angeklagten für über- führt und die Angeklagten Grabow und Weber schwerer belastet als die Mitangeklagten Bolduan und Bartel. Gegen die elfteren beantrage er je zwei Jahre, gegen die letzteren je ein Jahr Gefängniß. Die Vertheidiger plaidirten in erster Linie für Freisprechung, in zweiter für ein niedrigeres Strafmaß. Der Gerichtshof verurtheilte die Angeklagten Grabow und Weber, sprach dagegen die Angeklagten Bolduan und Bartel niangels ausreichender Ueberführung frei. Grabow und Weber wurden zu je einem Jahre Gefängniß und je zwei Jahren Ehrverlust verurtheilt, bei Grabow sollen zwei Monate durch die er- littene Untersuchungshaft als verbüßt angesehen werden. Der Probst Merkel als Vater. In Nr. 53 der„Posener Morgcn-Zeiwng" findet sich über einen Ki n d e s m o r d folgende Mitthcilnng: Unter der Anklage des Mordes stand am Montag die 22jähnge Arbeiterin Katharina Gorbacki aus Alexanderruh bei Neustadt a. W. vor dem Schwurgericht zu Posen. Die Angeftagte war in den Jahren 1897 und 1893 bei dem Prob st Merkel in Neustadt bcdienstet. Aus dem inttmen Umgange mit jenem genas sie im Juni v.J. eines Mädchens, das bei Verwandten in Pflege ge- geben wurde. Der P r o b st zahlte die beiden ersten Monate je 7'/s M. Kostgeld für das Kind, wollte aber anscheinend weitere Aufwendungen nicht machen, wenigstens stellt es die G. so dar. Da diese für das Kind die Wäsche waschen mußte, auch Ausgaben hatte, beschloß sie, das Kind zu beseitigen. Eines Sonntags im September v. I. er- stickte sie das Kind in einem Kissen. Die Geschworenen erklärten sie der vorsätzlichen Tödtung ohne Ueberlcgung für schuldig und billigten mildernde Umstände zu. Der Staatsanwalt beantragte die höchste Strafe von fünf Jahren Gefängniß. Der Gerichtshof erkannte wegen Todtschlags auf drei Jahre Gefängniß. Was'sagen die frommen Blätter, die über die„sozialdemoftattsche freie Liebe" so viele Schauergeschichten zu melden wissen, zu diesem Mustcrbilde eines frommen Christen? In dem Lenzencr Elb-Schmnggelei-Prozesse wurden, wie aus Neu-Ruppin berichtet wird, die Angeklagten Herper zu 3, Geister zu 2. Fuhr zu 2. Kreide zu 1 Jahre Zuchthaus und dem entsprechenden Ehrverlust verurtheilt; für Herper, Geister und Führ wurde auch aus Polizei- Aufsicht erkannt. Hennings erhielt 6, Mahncke 4, die Wittwc Költcke 2 Monate Gefängniß, Schuhr 39 M. Geldstrafe. Die übrigen sieben Angeklagten wurden freigesprochen. Uns soll verlangen, ivas mit den Beamten geschieht, die in jener Affäre eine so bedenftiche Rolle gesvielt haben. Dem Schneider Hugo Guthman», welcher der Er« mordung der Prostituirten Bertha Singer be- schuldigt ist, wurde am Montag die Anklage zugestellt. Die Vor- Handlung, die voraussichtlich im Monat Mai stattfinden wird, dürfte mehrere Tage in Anspruch nehmen, da seitens der Staatsanwaltschaft über 199 Zeugen geladen sind, wozu noch die vom Vertheidiger Rechtsanwalt Dr. Schwindt geladenen Entlastungszeugen kommen. Uvtzke und Vepefchen. Brüx, 29. März.(B. H.) Wegen Schlägcrcie» in den gestrigen Versammlungen wurde gegen den Abgeordneten Wolf und den Ingenieur Lukas aus Prag Strafanzeige erstattet. Trieft, 29. März.(B. H.) Seit gestern wüthet hier eine heftige Bora und Schneesturm; mehrere Personen sind infolge des Sturmes in der Stadt und dem Hafen verunglückt. Paris, 29. März.(W. T. B.) Die Deputirtenkammer nahm einen Gesetzentwurf an, nach welchem den diplomatischen Agenten und Konsuln das Recht ertheilt werden soll, im Auslande die Eheschließung zwischen einem französischen Staatsangehörigen und einer Ausländerin vorzunehmen. Hierauf wurde die Berathnng des Marinebudgets fortgesetzt. London, 29. März.(W.T.B.) Unterhaus. Der Parlaments- Untersekretär des Aeußern B r o d r i ck erftärte auf eine Anfrage, die i ta I i e nisch e Regierung habe die englische Regierung von ihrem Wunsche, eine Kohlenstation und eine Einflußsphäre in China zu erlangen, in Kenntniß gesetzt, che sie sich an die chinesische Regierung wandte. Von der englischen Regierung sei Italien der Rath ertheilt worden, die Angelegenheit diploniatifch zu deHandeln und keine Gewalt anzuwenden. Hinsichtlich einer Nachricht, daß unter die russischen Truppen tn der Nähe der indischen Grenze Dum-Dum-Geschosse vertheilt worden seien, besitze die eng- lische Regierung keine Information. i Babing i» Berlin. Hierzu S Beilage« u. Itnterhaltungsblatt. Nr. 08. 16. IchMz. 1. KrilU Urs Joiniätts" f ttlinct Diklistlig, 21. Mörz 1899. VvrFzsksrg« 60. Sitzung, Montag, 20. März 1899, 1 Uhr. Am Bunde�rathZ tische: Fürst Hohenlohe, Graf Posa- h o>v s k y, Frhr. v. Thiel in an n, v. Goßler. v. Bülow, N i e b c r d i n g. Mit debattcloser Erledigung einer Reihe von Rechnnngssachen beginnt die dritte Lesung des Etats. In der Generaldiskussion beschwert sich �.Abg. Schwarze-Lippstadt(Z.— auf der Tribüne in gar keiner Weise verständlich) über die Höhe deS Personengeldtarifs für die Post zwizchen zwei westfälischen Flecken. Abg. Frhr. b. Schele-Schelenburg(Welse) bedauert c§,_ dast� 1866 das europäische Gleichgewicht gestört worden lei, und datz infolge dessen immer weitere Rüstungen nothwendig Wien. Man sollte aber nicht stets das Heer vermehren: die Zahl der Truppen ist nichts so wichtig, wie ihre innere Tüchtigkeit. Der europäische Frieden wird durch die fortgesetzten Armeevcrmehruugen nicht gesichert, sondern erschüttert. Unser Hauptziel mutz sein, aus dem «bewaffneten Frieden" herauszukommen, und der erste Schritt dazu tst die Aufhebung der Annexion von Hamrover(Wieherndes Gelächter rechts), sodann der von Elsatz-Lothriugen.(Erneutes Ge lachter rechts.) Abg. von Salisch(k.) kommt auf die Behauptung des Abg. Müller-Sagan in der ersten Lesung zurück, datz der verstorbene Laudrath Schuck, um Stnnmenfang_ für den konservativen Kandidaten zu treiben. sozialdemokratische Wähler in seiner landräthlichen Equipage habe herumfahren lassen. Ich habe in der Zwischenzeit nachgcforicht und dabei erfahren, datz der Landrath Schuck der Meinung gewesen ist, die betreffenden Sozialdemokraten hätten sich zu guten Christen bekehrt.(SchalleudeS Gelächter links.) Ja, meine Herren, halten Sie es denn für ganz unmöglich, datz sich auch e�ner von den Ihrigen einmal bessert.(Andauernde Heiterkeit bei den Sozialdemokraten.) . Der Schwager deS verstorbenen LaudrathS schreibt mir— seine Worte richten sich natürlich nur gegen die Gewährsmänner deS Abg. Dr. Müller-Sagan— es ist eine Perfidie und gemeine Lüge, zu behaupten, daß es jemals in unserem Wahlkreise versucht worden wäre, mit der Sozialdemokratie zu Paktiren oder gar auf diese mehr wie ziveifelhafte Weise sozialdemokratische Stimmen zu gewinnen. Mein Schwager hatte einen solchen Vorschlag mit Entrüstung und Verachtung zurückgewiesen. Abg. Dr. Müller-Sagan(frs. Vp.s: Meine Ausführungen damals richteten sich nicht gegen den der- storbenen Landrath, sondern gegen die konservative Partei. Seiner Zeit ist die Mittheilung eines Sagancr Blattes, datz die Sozialdcmo- kraten von den Konservativen erkauft worden seien, unwidersprochen geblieben. Damals hätte man Protest erheben sollen und einen Beleldigungsprozetz anstrengen, wenn man jetzt so starke Ausdrücke Ime Perfidie und Lüge für angebracht hält. Uebrigens ist es durchaus nicht das einzige Mal, � datz die Konservativen sich um sozialdcmo- lra tische Stimmen bemüht haben, ich erinnere nur an den bekannten Fall in Plvn-Lauenburg. Abg. v. Stockmaun(Rp.) tritt für die hohen Aufgaben der deutschen Kriegervereine ein, die der Abgeordnete Müller-Sagan dadurch beschimpft habe, bah er be hauptete, sie werden zuweilen Kriechervereinc genannt. Die Krieger- vereine sind die Stätte der hehrsten Ziele und der edelsten Tugenden, sie haben auch eine eminente sozialpolitische Bedeutung, weil sie den Ausgleich aller Stände bewirken.(Bravo I rechts. Grotze Heiterkeit links.) Abg. v. Q>uciS(k.) tritt mit der gleichen Entrüstung derselben Aeutzerung deS Abg Müller-Sagan entgegen. Abg. Zubcil(Soz.): Die Auseinandcrsetzunacn des Abg. Müller-Sagan über den Laudrath Schuck beruhen afcf vollständiger Wahrheit. Ich selbst habe 1890 in jenem Kreise kandidirt und kann bezeugen, datz sowohl der Landrath wie der Vorstand des konservativen Wahlvcreins in der That jene beiden Leute zum Stimmzettel-Vertheilen ge- kauft haben.(Widerspruch rechts: Waren keine Sozialdcmo- kraten!) Damals waren sie allerdings noch Sozialdemokraten. Erst 1893. nachdem sie eben wegen jener Wahlgcschichte aus der Partei ausgeschlossen wurden, da sind sie zur beseligenden Kraft der Kirche znrückgekchrt. In jenen Kreisen pfeifen es aber die Sperlinge von den Dächern, datz die beiden Leute noch als Sozialdemo- traten von den Konservativen gekauft wurden, und zwar nicht nur durch den Landrath, sondern direkt durch den Vorstand der kon- servativen Partei. Abg. b. Kardorff(Rp.) findet, datz dadurch die Behauptung des Abg. Müller-Sagan hin- fällig geworden sei. Es mag ja nicht schön sein, wenn mau Sozial- demokraten zum Vertheilen von Stimmzetteln ankauft z aber ein Pakt mit der sozialdemokratischen Partei ist das nicht. Abg. v. Salisch(kons.) erklärt, datz die Leute überhaupt nicht gekauft, sondem einfach für ihre Thätigkeit bezahlt worden seien. Abg. Singer(Soz.): Es ist merkwürdig, daß Herr v. Salisch garnicht auf den Fall in Lauenburg eingegangen ist. Damals kam zu dem Stimmen- kauf noch eine Namensfälschung. Es ging meinem Kollegen Molkenbuhr angeblich von einem Schuhmachermcister ein Brief z», indem er angefragt wurde, welche Vergütung er verlange, wenn es gelänge, die Stimmen der Sozialdemokraten auf den konservativen Kandidaten zu vereinigen. In diesem Worte«vereinigen" liegt es ausgesprochen,� datz ein Pakt abgeschlossen werden sollte. Molkenbuhr hat selbstverständlich die Zumuthung entrüstet zurückgewiesen und als der Brief nun, um den Verfasser zu ermitteln, veröffentlicht wurde, schlug dem eigentlichen Verfasser das Gewissen. In einem Briefe theilt er mit, er nehme keinen Anstand zu erklären, datz er der Vcr- fasscr sei, nachdem diese Angelegenheit infolge falscher Auf- fstssiing und Auslegung so viel Staub aufgewirbelt habe. Ferner erinnere ich die Herren Konservativen auch an den Fall des Bürgermeisters in Torgau. Doch die Konservativen sorgen ja reichlich dafür, datz' unsere Parteigenossen auf dergleichen Zumuthungen nicht hereinfallen. Auch heute wieder hat es sich gezeigt, datz die Herren alle Ursache haben, vor ihrer eigenen Thüre zu kehren. Ich erinnere Sie auch an die Verhandlungen seinerzeit zwischen Herrn Stöckcr und den hiesigen Sozialdemokraten. Herr Stöcker versprach damals für die Aufhebung des Sozialisten- gesetzes zu wirken, falls er in Berlin gewählt würde. Der Abscheu der Koniervativen vor sozialdemokratischen Stimmen kann also nicht so ernst gemeint sein; ich mutz da immer an den bekannten Vers denken:.Blamir mich nicht, mein schönes Kind, und grütze mich nicht unter den Linden, wenn wir nachher zu Hause sind, wird sich schon alles finden.(Heiterkeit. Beifall bei den Sozialdemokraten.) Abg. Dr. Müller-Sagan(frs. Vp.) bemerkt gegenüber dem Abg. von Kardorff, er habe in der ersten Lesung garnicht von einem Pakt gesprochen, sondern von einem konservativen Werben um sozialdemokratische Stimmen. Mit der gewissen Sorte von Kriegervereinen, mit den Kriechervereinen habe er nur die Vereine gemeint, die über den Rahmen ihrer Aufgabe hinausgingen und Politik trieben. Abg. Graf Klinckowström(k.) hält es für festgestellt, datz in Sagan nur Leute als Zcttelvertheiler benutzt worden sind, die ihre frühere Zugehörigkeit zur sozialdemokratischen Partei bereut haben. I Staatssekretär Graf Posadowsky erklärt eS für eine Geschmacklosigkeit, wenn man Vereine von Männern, die es sich zur Aufgabe gemacht haben, für König und Vaterland zu wirken, als Kriecher- vereine bezeichne. Datz solche Vereine Sozialdemokraten aufnehmen sei ausgeschlossen durch die Tendenz der Vereine. Wenn Leute mit sozialdemokratischer Gesinnung in solchen Vereinen verblieben, so müsse er sagen, das seien ehrlose Männer. Abg. Stvcker(wildkons.) erwidert dem Abg. Singer, er habe im Jahre 1884 das Versprechen nur für den Fall gegeben, datz sie von aller revolutionären Gesinnung zurücktreten, ihren Frieden mit der Kirche machten und in Frieden mit den bürgerlichen Parteien leben wollten. Sozialdemokraten, die das versprochen hätten, wären keine Sozialdemokraten mehr gewesen. Abg. v. Kardorff(Rp.) verweist den Abg. Singer darauf, datz bereits neulich Abg. v. Lcvetzow darauf hingewiesen habe, datz der Bürgermeister von Torgnu vom konservativen Wahlverein sofort desavouirt worden sei.' Schwarze Schafe gebe es doch unter den Sozialdemokraten auch. Abg. Berkh-Koburg(frs. Vp.) bedauert, datz in vielen Fällen die Kriegervereine Politik treiben; dadurch würden sie dann aus Krieger- vereinen zu kriecherischen politischen Vereinen. Abg. v. Staudh Das Komitee. Die Freie Volksbühne veranstaltete ihre Märzfeier im Saale des Böhmischen Brauhauses gegenüber dem Friedrichshain. Der Veranstaltung war ein sehr gewähltes Programm zu Gnmde gelegt, das ihr einen vornehmen und zugleich der Veranlassung trefflich angepaßten Charakter verlieh. Musikalische und Gesangsvorträge sowie Deklamationen gilt ausgewählter Gedichte dienten gleichsam als Nahmen für die vom Genossen Liebknecht ge- haltcne Festrede. Fräulein Jeanne Golz und Herr Alexander Heine- »iaiintrugeiimehrereLiederiiivottresilicherAussührungvoruiiderlltcteli reichsten und wohlverdienten Beifall der Kopf an Kopf gedrängten Zuhörerschaft. Bor�olich gelang auch ein von Frau Koch- Amort und Herrn— Cäff vorgetragenes Doppelquartett für Harfe und Harmonium uno ebenso ein Cello-Solo des Herrn Treff unter Begleitung durch Fräulein Golz. Herr N i s s e I vom Lessing-Theater rezitirte Freiligrath's„Bon unten herauf". Her- wegh's„13. März 1673", Heine's„Waiidcrratten" und„Aus Kräh- Winkels Schrcckenstagen" sowie Glasbrenner's„Der Hofpoet bei der Geburt eines Prinzen" und Sallet's—■A.ut,". Die Rezitationen waren sänuntlich außerordentlich wirksam und verfehlten selbst auf diejenigen ihre Wirkung nicht, denen, was wohl bei einem großen Theile'der Zuhörer der Fall war, die Gedichte bekannt waren. Sie wurden sämmtlich mit lebhaftem Beifall aufgenommen. Genosse Liebknecht legte seiner Festrede, den Aufgaben des Vereins entsprechend, den Gedanken zu Grunde, daß die Revolution auch bedeute, die Kunst dem Volke zu erobern, eine Kunst durch das Volk und für das Volk. Die vortrefflichen Darlegungen des verehrten„Alten" wurden von der Versammlung mit gespanntester Aufmerksamkeit ver- folgt. Der reiche Beifall am'Schlusse der ziemlich einstündigen Rede beivics, wie sehr der Redner den Versammelten aus dem Herzen gesprochen hatte._ Tic Neuvermefsung des Gebietes der Stadt Berlin, die im Juli 1876 begonnen wurde, ist jetzt beendet. In diesen mehr als 22 Jahren wurden rund 6400 Hektar mit rund 24 000 Grundstücken und rund 48 000 Gebäuden vermessen und kartirt. Die Arbeit hat im Ganzen weit über IVe Millionen Mark Kosten ver- ursacht. Die nächste Veranlassung zu dem Unternehmen gab das Gesetz vom 2. Juli 1873 betreffend die Anlegung und Veränderung von Straßen und Plätzen in Städten und ländlichen Ortschaften. Infolge der Bestimmung des Gesetzes, die die Festsetzung der Straßen- und Baufluchtlinien wie die Aufstellung von Bebauungsplänen, vorbehaltlich der Zustimnuliig der Ortspolizeibehörde, den Gemeinden übertrug, gingen die für Berlin und Umgegend hin- sichtlich der Straßenanlagen bisher vom Polizeipräsidium ausgeübten Funktionen auf den Magistrat über. Die städttsche Verwaltung er- wetterte die danach bei Anlegung einer Straße oder Festsetzung einer Fluchtlinie von ihr vorzunehmenden Bermessungen und Nivellements z» einer gleichmäßigen Vermessung des gesammten Stadtgebietes. Es sind dabei sowohl Speziaikarten im Maßstabe 1:230 als auch Uebersichtskarten im Maßstabe 1: 1000 hergestellt worden. Alle trigonometrischen und polygonometrischcn Bestimmungen sind auf den Meridian des Rathhausthurmes(Flaggenstange) bezogen. Selbst- verständlich muß das Vermessungswerk auch nach seiner nunmehrigen Fertigstellung durch Fortschreibung d. h. durchständige Berichtigung und Ergänzung'wcitergeftihrt werden. Es wird übrigens jetzt' auch möglich, den Flächeninhalt der einzelnen Stadttheile und Stadtbezirke, der seit der 1884 erfolgten Neueiutheilung des Berliner Stadtgebietes nicht mehr bekannt war, wieder festzustellen. Für die Berliner Statistik hat sich diese Lücke seit Jahren fühlbar gemacht. Das Berliner Statistische Amt hatte gleich bei jener Neu- eintheilung Schritte gethan, um die betreffenden Angaben zu er- langen, und die Feststellung der Zahlen wurde auch versprochen. Die Angelegenheit wurde hinterher bis nach Beendigung der ge- sammten Vermessung vertagt, soll nun aber für die Volkszählung von 1900 erledigt werden._ Der Friedhof der Märzgefallenen war am Sonntag den ganzen Tag über äußerst zahlreich besucht. Die Polizei fühlte sich berufen, strenge dafür zu sorgen, daß der Friedhof nicht überfüllt werde und ordnete das Publikum zur Reihenbildung. Kinder wurden zurückgewiesen. Es wird angenommen, daß vorgestern weit über 20 000 Personen auf dem Friedhof anwesend gewesen sind. Die Zahl der am Sonnabend gespendeten Kränze wird auf 292 an- gegeben. Bei der Beerdigung des VergolderS Franz Markmann, die am Sonntag erfolgte, kam es durch das Auftreten eines Schutz- mannes zu einer peinlichen Störung. Ein Mitglied des Ver- bandcs der V e r g 0 l d e r, der zahlreich bei dem Leichenzuge ver- treten war. trug einen Kranz mit rother Schleife. Vom Sterbehause in der Grünauerstr. 27. setzte sich der Zug in aller Ordnung in Bewegung und keiner der in den Straßen postirten SichcrhcitSbeamten kümmerte sich um dies Bcgräbniß eines Ar- beiters. Auf der Kottbuser Brücke jedoch glaubte ein Schutz- mann, der die Nummer 4012 trägt, einschreiten zu müssen. Der Beamte trat auf den Kranzträger zu und forderte ihn auf, die Schleife, durch welche doch nur eine öffentliche Demonstration ins Werk gesetzt werden solle, zu entfernen. Es braucht wohl kaum gesagt zu werden, daß es dem Träger gar nicht einfiel, einem solchen Verlangen nachzukommen. Nunmehr forderte der Beamte den Leid- tragenden weiter auf, mit ihm auf die Revierwache in der Kottbuser- straße zu gehen. Als mehrere andere Personen aus dem Zuge, die dem Beamten auf die Wache folgten, den dort anwesenden Polizei- leutnant auf die von dein Schutzmann begangene Un- geHörigkeit aufmerksam machten, meinte der Leutnant, daß der Beamte ganz recht gehandelt habe, als er die Schleife konsiszirte; m einer Stunde möge man wieder vorsprechen. Erst dann wolle er die Schleife wieder freigeben, damit iv e i t e r kein Unfug wit ihr getrieben werden könne! Es versteht sich, daß die Betroffenen gegen diese an sächsische Zustände erinnernde Vorgänge zunächst beim Polizeipräsidium Beschwerde erheben werden. Ueber den Erfolg werden wir weiter berichten. Selbstverständlich hatte die Konfiskatton einen großen Auflauf zur Folge, und es ehlte unter dem herbeigeströmten Publikum nicht an Morien des Ingrimms über die Unterbrechung eines Leichenzuges. Eine Parteigenossin, die manchem Mitkämpfer aus der Zeit des Sozialistengesetzes bekannt sein wird, ist am verflossenen Sonn- abend zur letzten Ruhe bestattet worden. Vielleicht erinnert sich dieser und jener Genosse der Frau des Schuhmachers Weber aus der Bülowstraße, die in den Kämpfen, welche wir damals namentlich gegen das Spitzelthum zu führen hatten, der Partei ausgezeichnete Dienste leistete. Vor längeren Jahren erlitt Frau Weber einen Schlaganfall; dies Unglück hatte enie langjährige Krankheit zur Folge, die es zuletzt erforderlich machte, sie in Dalldorf unterzubringen. Ein kleiner Kreis von Parteigenossen, der vom Tode der Frau Weber Kennwiß erhalten hatte, geleitete ihre Ueberrcste in Dalldorf zur Gruft. Angstmeier. Die Behauptung, daß die vegetarische Ernährung in manchen Menschen die Entwickelung des persönlichen Muthes hemmend beeinflusse, wird durch folgende Mittheilung anscheinend bestätigt: Große Erregung herrscht unter den Vegetariern Berlins über eine durch eine kleine Minderheit veranlaßte Kranzniederlegung auf dem Friedhof der Märzgefallenen. In den vegetarischen Speise- Häusern liegt eine Protestkundgebung aus, welche sich mit zahlreichen Unterschriften bedeckt, und welche folgenden Wortlaut hat:„Die am 18. März auf dem Friedhofe der Märzgefallenen erfolgte Niederlegung eines Kranzes mit schwarzer Schleife und der Inschrift„Von den Berliner Vegetariern!" wird von den Unter- zeichneten gemißbilligt. Dieselben protestiren gegen jede Verbindung >cs Vegetarismus mit irgend welchen polittschen Tendenzen. Die Anhänger des Vegetarismus setzen sich zusammen ausfallen Gesell- ichafts- und politischen Kreisen, und erheben energisch Protest gegen die durch eine kleine Anzahl extremer junger Leute erfolgte pro- vozirende Kranzniederlegung." Bei Rückzahlung von Mündelgelder« im Betrage von mehr als 100 Mark fordert die städtische Sparkasse jetzt die gemeinschaft- liche Quittung von Vormund uno Gegenvormund. Diese Maßregel ist vom Kuratorium der Sparkasse wegen§ 1809 des Bürgerlichen Gesetzbuches und Arttkel 176 des Einführungsgesetzes gettoffen worden, um die Mündelgelder von Veruntreuungen zu sichern, da vom 1. Januar 1900 ab die Vermerke bezüglich der Außerkurssetzung ihre Giltigkeit verlieren. Frauen als Gemcinde-Waiseuräthe. In einer Versammlung Berliner Geincindc-Waisenräthe theilte Stadtrath Kämpf mit, daß schon viele Frauen an der Arbeit der Waisenräthe sich betheiligen. Er bat dringend, auch ferner weibliche Kräfte zu gewinnen, und gab der Hoffnung Ausdruck, daß vom 1. Januar 1900 an die Frauen vollberechtigte Mitglieder der Gemeinde-Waisenräthe werden können. Die Hnndcsteuer- Marken für 1898/99 verlieren mit dem 31. März d. I. ihre Giltigkeit. Von diesem Tage ab sind die mit solchen Marken versehenen Hunde gegen das Aufgreifen durch die Fangbcamten des Deutscheu Thierschutz-Vereins uicht mehr geschützt. An Jnflncnza starben, wie das Berliner Statistische Amt mit- theilt, in der Woche vom 26. Februar bis 4. März 26 Personen, m der Woche vom 3. März bis 11. März(nach den vorläufigen ärzt- lichen Meldungen) gegen 40 Personen. Eine so hohe Influenza- Sterblichkeit in einer einzigen Woche ist in Berlin seit März 1893 nicht mehr beobachtet worden. Adreßbuch für Berlin und Vororte. Verlag von August Scherl. Der Nachtrag zum Adreßbuch 1899 wird im_ Laufe des nächsten Monats zur Ausgabe gelangen. Im Interesse seiner Voll- ständigkeit und Genauigkeit bitten wir die Einwohnerschaft Berlins und der Vororte, möglichst umgehend, spätestens jedoch bis zum 4. April er., der„Nedaklion des Adreßbuches, SW., Zimmerstr. 39/41", von allen Veränderungen Kenntnitz zu geben, die seit dem Erscheinen des Jahrganges 1899 bis Anfang April eingetreten sind. Der Nach- trag wird an alle Käufer der Hauptausgabe 1899 unentgeltlich ab- gegeben. Die Blutthat am Maybach-Ufer erscheint nach Mittheilungen, die wir von wohlunterrichteter Seite erhalten, nunmehr in einem Lichte, das das Maß der Schuld, wenn von einem solchen überhaupt noch die Rede sein kann, bei der verhafteten Wirthschafterin Lina Gleinitz ganz bedeutend herabmindert. Wie wir erfahren, lebt der Tischler Hugo Altmann stbon seit dem Jahre 1892 von seiner er- stochenen Frau getrennt; die Schuld soll in diesem Falle jedoch ganz auf Seiten der Frau liegen, die sich einem ungehörigen Lebens- wandel ergab und ihren Mann hinterging. So ist denn auch die Reportermeldung vollständig unrichtig, daß die Getödtete die Scheidungsklage gegen ihren Mann eingeleitet hatte; die An- gelegenheit liegt vielmehr so, daß die Ehe auf Veranlassung des betrogenen Mannes bereits am 14. Oktober 1893 gerichtlich geschieden ist. Vor etwa anderthalb Jahren hatte Herr Altmann sich aus seiner Heimäth eine Wirthschafterin kommen lassen, eben jenes Fräulein Gleinitz, das in der vor acht Tagen erfolgten Tragödie� eine so entsetzliche Rolle spielte. Lina Gleinitz genoß in der Nachbarschaft und bei allen, die im Altmamüschen Hause verkehrten, des besten Rufes. Sobald jedoch der geschiedenen Frau des Altmann bekannt geworden war, daß die Gleinitz ihrem Mann das Hauswesen führte, verfolgte sie das Mädchen auf Schritt und Tritt. Schon in der früheren Woh- nung, Liegnitzerstraße 17, war es mehrfach von ihr überfallen und roh mißhandelt worden und auch nach erfolgter Scheidung>var die Wirthschafterin keinen Augenblick vor Nachstellungen sicher. Der Um- stand, daß an dem Ueberfall am Donnerstag noch eine zweite Person betheiligt war. sowie die Vorgeschichte des Dramas ergeben die Wahrscheinlichkeit, daß die Tödtung der geschiedenen Frau Alsinann thatsächlich in der Nothwchr erfolgt ist. Uebrigens wird auch noch von anderer Seite berichtet, daß die Angaben der Gleinitz, in der Nothwchr gehandelt zu haben, immerhin glaubhaft seien, da neuer- dings durch Zeugenaussagen erwiesen wäre, daß Frau Altmann mit dem Stock, welchen sie und ihre Begleiterin dem Mädchen ent- rissen hatten, auf letztere eingedrungen sei. Es ist erreicht. A u g u st S ch e r l hat einer Blättermeldung zufolge den K r 0 n e n 0 r d e n dritter Klasse erhalten. Herr Scherl ist nicht nur der Beherrscher des„Berliner Lokal-Anzeiger", Pathe der August Scherl-Jnsel und Reformator des Berliner Theater- Wesens,'sondern neuerdings auch, so schreibt die„Welt am Montag". Herausgeber der„Deutschen Feldpost". Die„Deutsche Feldpost" soll das Organ aller Kriegervereinler des Deutschen Reiches werden. Sie wird jctzl überall in der Provinz massenhaft vertheilt. Namentlich die. Gastwirthschasten sind davon überschwemmt. Wiej wir uns selbst in verschiedenen Landstädten überzeugen konnten, ist das Blatt, das vorn den Text des„Lokal-Anzeigcrs" und hinten Kriegervereins- Nachrichten enthält, bereits das Licblingsorgan der Gendarmen ge- worden. In den Kreisen der Leser der„Feldpost" und des„Lokal- Anzeigers" wird die Nachricht von der Dekorirung Herrn Scherl's wahrscheinlich zu begeisterten Ovationen für den Mann führen, der endlich einmal das Sprichwort wahr gemacht hat:„Dem Verdienste seine Krone".— Die„Welt am Montag" vergißt ein Verdienst Scherls: Die Anerkennung des Koalitionsrechtes seiner Arbeiter. Eine Friedensfeier? Aus dem Rathhause wird berichtet: Durch Bcnnittelimg des Vorsitzenden der Jnvaliditäts- und Alters- Versicherungsanstalt Berlin, Dr. Freund. haben mehrfache Be- rathungen zwischen den Herren Geheimen Medizinalrath Professor Dr. v. Bergmann und Hans v. Adelson von der Berliner Rettungs- g e s el ls ch a ft einerseits und den Herren Direktoren B. Knoblauch und Max Schlesinger von der Berliner Unfall st ation anderer- scits stattgefunden.' Die Verhandlungen haben zur Vereinbarung amichmbarer Vorschläge über ein Einvernehmen beider Ge- scllscbaftcn bei der Durchführung ihrer Aufgaben geführt, wobei auf die Mitwirkung der Sanirätswachen, die bereits mit beiden Gesell- schaften eng verbunden sind und bei denen der lebhafte Wunsch nach einem solchen Einvernehmen schon lange besteht, gerechnet wurde.— Hoffentlich hat diese Einigung den weiteren Erfolg, daß die Stadt das öffentliche Rettungsw'esen in ihre Hand zu nehmen trachtet. Ter Aufklärung bedarf ein Todesfall, der sich gestern Abend gegen 7 Uhr in dem Hause Linicnstr. 132 ereignete. Zu einer dort wohnenden Vcrmietherin kam ein Herr, um einen Studenten zu be- suchen, der bei ihr wohnen sollte. Als die Frau erklärte, daß der Gesuchte bei ihr nicht wohne, klagte der Herr plötzlich üher Unwohl- sein und bat, eintreten und ein Glas Wasi'er trinken zu dürfen. Die Frau reichte dem Fremden, der seinen Ucbcrzieher ablegte, das Ver- langte und ging dann auf einen Augenblick in ein Nebenzimmer. Durch einen dumpfen Fall wurde sie nnt ihren beiden Miethcrinncn unmittelbar darauf zurückgerufen und fand den Fremden, der einen Theil des Wassers ausgetrunken hatte, besinnungslos aus dem Fuß- boden liegen. Ein Arzt stellte Wiederbelebungsversuche an, hatte aber damit keinen Erfolg; der Mann war bereits gestorben. Papiere, die man bei ihm fand, deuten auf einen Versicherungsbeamten Fritz Born, der in der Stubenrauchstraße zu Steglitz bei seiner Mutter wohnte. Die Leiche ließ die Rcvierpolizei, die das Glas mit dem Rest des Wassers beschlagnahmte, später nach dem Schau- Hause bringen. Eine Verhaftung wegen Mordes hat unter eigenartigen Umständen die hiesige Kriminalpolizei vorgestern vorgenonmmen. Die englische Polizei theilte ihr in der vongen Woche mit, daß ein deuffcher Bäckergeselle Fritz Metz in London eine Frauensperson Namens Wrisnick ermordet habe, flüchtig geworden und wahrscheinlich nach Deutschland gelangt sei. Die Kriminalpolizei machte den Metz auch ausfindig und nahm ihn fest. Sie fand aber bei ihm wohl und munter auch die Wrisnick, die er in London ermordet haben sollte. Das Pärchen wurde nun ein- gehend verhört, und so kam man dahinter, daß die Wrisnick gewerbsmäßig Mittel zu Verbrechen gegen keimendes Leben lieferte, eine Thätigkeit, die nach Z 219 unseres Strafgesetzbuches mit Zuchthaus bis zu 10 Jahren bestraft wird und auch in England mit schwerer Strafe bedroht ist. Die Wrisnick räumt auch ein. daß eine Frau, die sich ihr anvertraut hatte, gestorben ist, und daß sie daraufhin mit dem Metz die Flucht ergriffen hat, um sich der Bestrafung zu entziehen. Es scheint nun, daß dieser Todesfall in Verbindung mit der Flucht des Metz durch eine Personen- Ver- wechselung zu dem Glauben geführt hat, daß die Wrisnick von dem aus London verschwundenen Bäckergesellen ermordet worden sei, Da das Aktenmaterial noch nicht hier ist, so kann man in der An- gelegenheit noch nicht ganz klar sehen. Die beiden Festgenommenen sind aber einstweilen in Untersuchungshaft gebracht worden, da Metz der Wrisnick bei ihrem verbrecherischen Treiben Hilfe geleistet zu haben scheint. Ein Deserteur als Taschendieb. Sonntag Abend sahen in der Passage zwei Kriminalbeamte, wie ein Mann sich in verdächtiger Weise an'mehrere Personen heranmachte, und nahmen ihn in dem Augenblicke fest, als er seine Hand in die Tasche einer Dame ver- senkte. Aus dem Polizeipräsidium, wohin der Taschendieb abgeführt wurde, stellte man in ihm einen fahnenflüchtigen Artilleristen fest, der vor einigen Wochen ans Düsseldorf von seinem Truppenthcilc verschwand. Der Deserteur, der die ganze Zeit in Berlin vom Taschcndiebstahl gelebt hat, wurde einstweilen von der Polizei in Gewahrsam behalten. BildttUg. Ein hiesiges Montagsblatt meldet:„Eine Schlägerei auf offener Strohe gab es Sonntag Nachmittag vor dem Hause Fricdrichstr. 33. Am Sonnabend Abend fand in der Schlarafseuburg am Enckeplatz ein Kommers alter Korpsstudenten des Weinheimer L. O.- Verbandes statt, der bekanntlich eine Anzahl Korps deutscher technischer Hochschulen umsaht. Am Sonntag folgte der übliche Frühschoppen, der sich bis zum Abend ausdehnte. Gegen 6 Uhr verliehen etwa fünfzehn jüngere Thciluehmcr augenscheinlich au- gehettert den Frühschoppen und trieben in der Besselitrahe Allotria. Einer setzte sich auf einen Kiuderivagen und lieh sich von zwei ftimbcii nach der Friedrichstrahe zu schieben; die anderen folgten ihm singend nach. Der Zug erregte natürlich Aufsehen und veranlahte cincn Zusammenlauf. Aus Worten, die nun zwischen den An- getrunkenen und der Menge hin- und hcrflogen, entstand bald eine Schlägerei. Ein Mann ans dein Publikum erhielt durch einen Stock- hieb eine Kopfwunde, aus der das Blut hervorspritzte. Der Stock zerbrach. Ein Schutzmann zerstreute den Auflauf und stellte mehrere Personen der beiden Parteien fest." Durch die Anöweisuiigspolitik gerieth der hiesige Gastwirth Jackion, Elsasserstr. 38, nach den„Bcrl. Tagbl.", in grohe Verlegen- heit. Er war ein früherer amerikanischer Offtzier und ist schon seit Jahren in Berlin ansässig; trotzdem erhielt er eines Tages vom Polizeipräsidium die Aufforderung, binnen einer gewissen Frist Berlin zu verlassen, da er sich mihlicbig gemacht habe. Der Aus- gewiesene war sich keiner schlechten That bc'wuht und setzte alle Hebel ui Bewegung, den Grund der Ausweisung zu erfahren und den Ausweisungsbefehl rückgängig zu machen. Er brachte auch in Er- fahruug, dah ihm sein früherer Büffetier beim Polizeipräsidium denunzirt habe, er sei amerikanischer Polizeispion! Mit Hilfe der amerikanischen Gesandtschaft glückte es dem Gastwirth, auf Grund semer Papiere das Polizeipräsidium und das Ministerium des Jmienr von der Grundlosigkeit der Beschuldigung zu überzeugen, und am Sonnabend ging ihm der Bescheid zu, dah der Aus- Weisungsbefehl zurückgezogen sei.— Wie konnte man nur überhaupt dazu kommen, einen vermeintlichen Polizeispion auszuweisen? Tödtlich verunglückt ist Sonnabend Nacht der 70 Jahre alte Posamentierwerkmeister A. Kopf aus der Waldcmarstr. 24. der seit 31 Jahren in der Gold- und Silberstickerei-Manufaktur von Hensel u. Schumann in der Niederwallstr. 34 in Stellung war. Er machte am Sonnabend mit seinen Kollegen einen geselligen Abend, lim 3 Uhr Nachts verabschiedete sich der alte Herr von einem Kollegen, der ihn bis vor die Wohnungsthür beglciict hatte, und stieg zrim dritten Stock hinauf. Unmittelbar vor seiner Thür bekam er emen Schlaganfall, stürzte rücklings die Treppe hinab und brach das Genick. Wegen KtndesmordcS ist am Sonntag die 25 Jahre alte Wirthschafterin Marie Setzkat verhaftet worden. Diese war seit September vorigen Jahres bei dem Bäckermeister Weber in der Münzstr. 10, besten Frau krank ist, in Stellung. Ihr veränderter Zustand war dem Meister schon seit einiger Zeit aufgefallen, sie hatte aber stets geleugnet. Vorgestern schützte sie Zahnschmerzen vor und hielt sich den ganzen Tag über von dem anderen Personal möglichst fern. Als dieses aber Nachmittags doch erfuhr, dah das Ereigmh eingetreten war, suchte sie weiteren Fragen durch die'Er- klärung aus dem Wege zu gehen, dah es viel zu früh gekommen sei. Der Meister lieh nun eine Droschke holen, die die Wirthschafterin einem Krankenhause zuführen sollte. Letztere hatte unterdessen ihre Sachen gepackt und fuhr auch ab. Zufällig sah nun eine Waschfrau aus dem zurückgelaffeuen Reisckorbe den blutigen Zipfel eines Handtuches hcransragen. Man hegte in- folge dessen schließlich doch Zweifel, dah die Sache sich so verhalte, wie das Mädchen sie dargestellt hatte, und als man den Deckel des verschlossenen Korbes ein wenig aufhob, fand man den Verdacht gleich bestätigt: In dem Korbe lag als Leiche ein kleiner Knabe, der mit dem fest um_ den Hals gcschluiigcucn Handtuch erdrosseli worden war. Die Leiche zeigte außerdem aus dem Rücken eine klaffende Wunde. Die Kriminalpolizei, die Weber nun sofort in Kenntnitz setzte, beschlagnahmte den Fund und leitete die Verfolgung der unnatürlichen Mutter ein. Sie wurde bei einer Hebamme in der Holzmarktstrahe ermittelt und vorläufig dort gelassen. Piozcst Ziethen. Ein Neu-Abdruck deS stenographischen Berichts, den ein Elberfelder Blatt seiner Zeit während des Prozesses Ziethen veröffentlichte(1884), ist von der Born'scheu Verlags- buchhandlung in Elberfeld hergestellt worden. Es ist eine Broschüre von 200 Seiten, die für 1 M. verkauft wird und gegen Einsendung von 1 M. 10 Pf. von der Buchhandlung selbst zu beziehen ist. Bei dieser Gelegenheit sei erwähnt, dah das Ziethen- Komitee mit der Herausgabe eines kritisch gelichteten Prozehbcrichtes beschäftigt ist, dem auch das den muthmah- licheil Mörder W i l h e I m betreffende Material, sowie ein Bericht der Verhandlungen in dem am Mittwoch bevorstehenden P r o z e h La» bau er- Rubbert beigefügt werden wird. Für Landauer wird in diesem Prozeh Nechtsanwalt Heine, für Rubbert Rechts- anwalt V. Fränkl als Vertheidiger auftreten. Marktpreise von Berlin. 13. März 189S.(Nach Ermittelungen des Polizeipräsidiums.) Weizen 13,70—14,30 M.(ermittelt pro Tonne von der Zentralstelle der preuh. Landwirthschaftskammer — Notinmgsstelle— und umgerechnet vom Polizeipräsidium für den Doppelzentner). Roggen 13,00—13,10 M.(ermittelt pro Tonne von der Zentralstelle der preuh. Landwirthschaftskammer— Notirungs- stelle— und umgerechnet vom Polizeipräsidium für den Doppel- zentner). Futter-Gerste 13,10—12,80 M.(ermittelt pro Tonne von der Zentralstelle der preuh. Landwirthschaftskammer— Notirungs- stelle— und umgerechnet vom Polizeipräsidium für den Doppcl- zentner). Hafer, gute Sorte 18,20— 14,70 M., Mittel-Sorte 14,60 bis 14,00 M., geringe Sorte 13,00—13,30 M.. per 100 Kilogr. (Preise im freien Berliner Verkehr). Richtstroh 4,00—3,66 ,M., Heu 6,00—4,40 M. per 100 Kilogr., Erbsen, gelbe zum Kochen, per 100 Kilogr. 40.00—23,00 M.(Kleine Handelspreise). Spcisebohuen, weihe, per 100 Kilogr. von 30,00—23,00 M.(Kleine Handelspreise). .Linsen per 100 Kilogr. von 70,00—30,00 M.(Kleine Handelspreise.) Kartoffeln per 100 Kilogr. von 6,00—4,00 M. Rindfleisch von der Keule per 1 Kilogr. von 1,60—1,20 M. Bauchfleisch per 1 Kilogr. 1,20—1,00 M. Schweinefleisch per 1 Kilogr. von 1,60 bis 1,20 M. Kalbfleifch per 1 Kilogr. von 1,60— 1,00 M. Hammel- fleisch per 1 Kilogr. von 1,60—1,00 M. Butter per 1 Kilogr. von 2,60-2,00 M.' Eier 4,00-2,40 M. pr. 60 Stück. Fische per 1 Kilogr.: � Karpfen von 2,20— 1,20 M., Aale von 3,00— 1,10 M., Zander von 2,60—1,00 M., Hechte von 1,80—1,00 M., Barsche von 1,60—0,80 M.. Schleie von 2,80-1,20 M., Bleie von 1,40-0,80 M. Krebse 60 Stück 12,00—4,00 M.— Die Tendenz des Spiritus- Marktes Ivar Montag ziemlich fest, da die Kauflust eine regere und die Zufuhr nachgelassen hat. Angeboten waren 143000 Liter 70er Waare, die mit 30,10 M.(-1-0,10 M.) gehandelt wurden. 30 er Spiritus nicht zugeführt, Termine zogen gegen 30 Pf. im Wcrthe an.— K a rt o'f f e l f a b rila te. Prima Kartoffelmehl per 100 Kilogr. 20,00 M. Prima trockene Kartoffelstärke per 100 Kilogr. 20,60 M. Feuchte Kartoffelstärke per 100 Kilogr. 10,30 M. Zu einem Liederabend hatte der Arbeiter-Sänger- b u n d am Sonnabend seine Mitglieder mit deren Angehörigen zu- sammcnberufen. Bei einer so großen Organisation versteht es sich am Rande, dah auch der ausgedehnteste Raum nicht ausreicht, um die Eingeladenen zu beherbergen und so kam es denn, dah Hunderte sich vergeblich bemühten, iin grohcn Saale der Brauerei Friedrichs- Hain einen Platz zu finden. So sehr solche Uebcrfülluug für das Vertrauen spricht, das die Leistungen des Arbeiter-Sängerbundcs gcilichcu, so hatte sie für die Erschienenen die Uitannehmlichkcit, daß der erste Theil des Programms, vier klassische Jnstrumcntalvorträge des vortrefflichen Berliner Orchestervercins, in. Auf- und Abflnthcn des zu- strömenden Publikums fii� einen großen Theil der Zuhörer verloren ging. Vielleicht lentt der Arbeiter-Sängerbund mit der Zeit von bürgcr- lichen Konzertgcbern solche Beeinträchtigungen nach Möglichkeit ver- meiden. Das Programm, das nicht weniger als 21 Nummern zählte, entsprach zu einem nicht unbeträchtlichen Theil der Bedeutung des Tages; die von Herrn Massini vorgetragenen Dichtungen Freiligrath's und Strodtmaun's sowie verschiedene Gesangsstücke sprachen dafür, dah nicht zum Geringsten die Kunst dem Volke ein Mittel ist, seiner Helden würdig zu gedenken. ES würde zu weit führen, wollten wir auf die Vorträge im Besonderen eingehen. Und einzelnes hervorzuheben, wäre ungerecht, weil durchweg alle Dar- bielungcn von lüchtigem Streben und von ernster Hingabe an die Gesangskunst Zcugnih ablegten. Zweifellos war der„Liederabend"— ein zu bescheidenes Wort für ein so mannigfaltiges Pro- gramm— ein ehrenvolles Ercignih im Wirken des Arbeiter- Sängerbundes, ein Mittel, um aufs neue die sangcskundige Arbeiter- schast innig an ihre Organisation zu fesseln. Tie Iii. Fortbildungsschule für Jünglinge veranstaltet in der Aula Derfflingersir. lfla, vom 26—28. März eine Ausstellung von Schüler- zeichnuligeu, die täglich von 11—3 Uhr von jcdcruiau» besichtigt werden kann.— Unter den 41 UnterrtchtSkurscn der Schule befinde» sich auch solche für Chemie, Aguarelliren, einfache und doppelte Buchführung, kaufmännische» Rechnen, Korrespondenz, Maschineschreiben nach Reminglo» u. Bar-Lock und Schönschreiben.— Anmeldungen sür das am ö. April beginnende Sonimcr- Halbjahr werden täglich von 7—9 Uhr Abends von dem Leiter der Schule, Rektor Haunmnn, im Schulhause entgegengcnommen. Feuerbericht. Bei einem Fabrikbrande, der Sonntag Vormittag B I u m e n ft r a he 70 abzulöschen war, zog sich der Feuermann Für böter von der ersten Konipagnie eine schwere Rauchvergiftung zu, so daß er sofort nachdem städtischen Krankenhause am Friedrichs- Hain gebracht lverden muhte. Das Feuer war in dem Kesselhause der Firma Scholz ausgebrochen und entwickelte einen derartigen Qualm, dah ihm nur schwer beizukommen war. Es wurde schließlich mittels zweier Rohre beseitigt, doch brannte das Kesselhaus aus. Kurz vorher ging Steinmetzstrahe 26 a Wäsche in Flammen ans. Zimmerbrände, bei denen Gardinen und Möbel zerstört wurden, ivaren Sickin gen st rahe 41 und Hoch- st r a h e 47 abzulöschen. Alarmirungen nach B e u s s e l st r a h e 36 und M a r i a n n e n st r a h e 32 erfolgten aus geringfügigen Ursachen, Am Sonnabend wurde die Wehr nach L e i p z i g e r st r. 01 gerufen, wo ein Kcllcrbrand ausgebrochen war, der Packmaterial und Watte vernichtete. Ein Hausdiener erlitt leichte Brandwunden. Ein Küchenbrand veranlasste einen Alarm nach der B r e s I a u e r- st r a h e. Außer der Kücheneinrichtung wurde auch die Balkenlage zerstört. Auf Rixdorfer Gebiet, und zwar L o h m ii h l e n st r. 113/117, war auf dem Holzplatz von H. Stadelhof ein Brand ausgebrochen, der aber von der Rixdorfer Wehr allein bewältigt werden konnte, ohne dah die herbeigeeilten Berliner Löschziige in Thätigkeit zu treten brauchten._ Aus den Nachbarorten. Die erste Sitzung der Rixdorfer Stadtverordneten- Ver- sammlung ist zum Mittwoch, 22. März, einberufen worden. Deutscher Sencselder-Buiid. Mitgliedschaft Berlin. Dienstag, den 21. März, Abends 8 Uhr im Restaurant Micgel, Stralaiicrstr. 57: Mit- glieder-Bersammluiig und Borstandssitzung. Vevmifchkes. Das Schene» eineS Pferdes ist bei S ch w ä b i s ch- G m ü n d die Ursache eines bedauerlichen Unglücksfalles geworden. Es wird darüber aus S ch w ä b i s ch- G m ü n d gemeldet: Am Sonntag Abend kehrte der Bursche eines Oberleutnants mit dessen Gefährt von Göppingen nach hier zurück und lieh unterwegs zwei Männer aufsteigen. Beim letzten Bahnwärterhaus vor Ginünd scheute das Pferd und durchbrach die geschlossene Barriere gerade als der Zug von Gmünd vorübcrfuhr. Ein Insasse des Gefährts wurde sofort getödtet, der zweite am Kopf und der Bursche am Rücken schwer verletzt. Das Pferd wurde von der Lokomotive völlig zermalmt, das Gefährt in Stücke zertrümmert. Der Sotelbrand in New-Pork. Soweit bisher bekannt ist, sind dem Brande des Windsor-Hotcls 12 Frauen und 2 Männer zum Opfer gefallen und 34 Personen, meistens Frauen, verletzt worden. Es wird aber noch eine Reihe von Personen vermißt, über deren Anzahl die Angaben zwischen 30 und 70 schwanken. In Tonlon feuerten in der Stacht zum Montag mehrere Per- sonen auf den Wachtposten bei dem Pulvermagazin Berger-Taron. Der Soldat, dem der Mantel durchschossen wurde, jagte die Angreifer durch Gewehrschüsse in die Flucht. Heftige Stürme verursachten am Sonnabend grohen Schaben in mehreren Städten von Arkansas, Alabama und Georgia. 18 Personen sollen dabei das Leben eingebüßt haben, 16 davon in Alabama._ Witternngsuberslcht vom SV. Mörz I8vg, MorgenS 8 Uhr. N NW SW Weiler 4hlb.bed Srheiter Zwollig 5»volkig 1 Dunst &X -- � Ö. U k -17 -17 4 -1 -1 Wetter-Prognose für Dienstag, den SI. Mörz 1899. Nächls Frost, am Tage ein wenig wärmer, zeitweise heiter, vielfach wolkig mit jeichtcn Schneefällen und»lästigen südwestlichen Winden. Berliner Wette rbureau. W alilverein für den 4. Berl. Reichstags- Waltlkrei�(Südost). Heute, Dienstag, 21. Marz, Abends Uhr, bei Herrn Brüder, Waldeuiarstr. 75: Versammlung. ,,,. Tagesordnung: 1. Vortrag des Genossen Georg Wagner über: Di« industrielle EntWickelung und die Arbeiter. 2. Diskussion. 3. Vercinsangelegenheiten. 242/11 _ Neue Mitglieder werden ausgenominen._ Der Borstaud. Verein Berliner Buchdruck- Masehinemneister. Vereins- Versamiiilnng__ am Dienstag, den 21. März, Abends 9 Ubr, bei Cohn, Benthstr. 21. T.-O.: Vortrag des Herrn Schiibach(Leipzig) über: Neue Konstruktionen an Tiegeldruck- Maschinen, 35/12 Um zahlreichen Besuch der Mitglieder wird gebeten.!_ Der Vorstand. Achtung! Maurer! Achtung! Dienstag, den 21. März, Abends 8/2 Uhr, in üohn's fitstsälen, Beuthstraße Nr 2<1: Große öffentliche Maurer- Versammlung. Tages- Ordnung: 1. Berichterstattung vom Bauarbetter-Kongrest 2 Diskussion. 3 Berichterstattung des Delegitten zur Berliner Äewertschasiskommission event. Neuwahl des Delegitten. 4. Gewerkschaftliches. Die Wichtigteil der Tagesordnung bedingt das Erscheinen aller Ziollegen. 132/2. Die Lohnkonmilssion. I A: Karl Panser. zrcitag, den 24. März, Abends 8� Uhr, in Mer's Wälen, KMnstrajt 29: Volks-Versammlung Thema:„Die Demi-monde des ärztlichen Standes, sowie die ärztliche Ehrengerichtsvorlage und ihre Gefahren für die Krankenkassen und das Volk. Referenten: keinliolä Kerlinx, Max Canitz, Georg Wagner. Die Berliner Aerzteschaft und Herr Geh. Rath Prof. Dr. Eulenburq sind besonder? ein« geladen worden. Die am 23. Februar einberufene Volks-Vcrsammltttig mit obigem Thema verfiel leider der polizeilichen Anflösnug infolge gegnerischen Tumultes. Damit die hiermit angekündigte Bersamm- lnng bestimmt zu Ende geführt werden tann, ist Borsorge zur Aufrechtcrhaltiing der Ordnung und Ruhe getroffen morde». Zur Deckung der Unkosten findet Tellersammlung statt. 2126h__ Der Cinbcrufcr: Rudolf Geist, Alvenslebenstr. 6, IT. Achlnm! Maurer. Achtinig! Mittwoch, den 22. März, Abends 8 Uhr, in den„Boronssia- Sälen", Alkerstraße H: Grohe öffentliche Versammlung der Msrnver Vsrlins und Mmgegend. Tagesordnung: 1. Der Arbeitgcber-Bimd des Maurer- und Zimmerer-GewerbcS und die Arbeitswilligen. 2. DiSknsflon. 3. Stellungnahme zum 1. Mai. 4. GewerkschastlicheS. IM- Kollegen! Versäume Niemand diese Versammlung und gebe jeder die Antwort aus den Aufmf deS Bundes.(132/3) I. A.: Fritan Kater. Oeffentl. Versammlung der Lithographen am Donnerstag, den 23. Mörz. Abends 8'/2 tthr, in den„A rmlnhallen", Kommandantcnstratze 20. Tages. Ordnung: 1. Bericht über den Unteistiitzungsfonds Rescrent Kollege vlldelt. 2. Die Ausdehnung der Pttvatlithographie und die Folgen derselben. Res Kollege Tlsedetidürfer. 3. Freie Aussprache 4 Verschiedenes. Alle Lithographen werden hierdurch eingeladen und gebeten, pünttlich zu erscheinen Ter Bertraucnsinann: Chr. Titchendörler, Sophienstr. 19/20 Schönhauser Allee 103. Döglich Grotzes Bolksfest. Entree frei!( B. GBnzel, LolMiigerstr. 52. Lassalle, Marx zc. in Zigarrenspitzen, Pseifen, Nadeln, Brachen, Knöpfen, Büsten, Bildern u. tgl., sowie jede Drechslerwaare u. Repar.(Man vcrl. Preiskurant.) Raditzpntzer. Mittwoch, SS. März, Abends 8'/s Uhr, Lindenstr. lv«: Mitglieder- Versammlung. Tagesordnung: 1 Vortrag 2. Diskussion. 3. Verichicdenes. 252/6 Das Ettcheinen sämmtlicher Mitglieder ist erforderlich. G. Gollsrt, Vorsitzender. Znr SommerHai.on 1899. 1154C* Achtung! Murgarten mit Lnnbengllng. Vereine! Vollstand neu elng.(500 Pers. fassend). Elektr. Beleuchtung. rinrO.CÖlo Besitzer». A'tett, Sonnadencke£«.,1 flUIa-ddlC, 17. Weberstr. 17. Sonntage Tvtl. �ms f. aa 10 Jahre Garantie. Vollkommen schmerzlose» Zahn- /nfinR/ M Diaban I M. Plomben 1,50 M. Thellzahl.wBchentl.lM. kUIIIIU U Hl. zabnarxt Wolf, Ltlpzigerstr. 33. Sprechst. 9-7. Mum! Stockarbeiter. Dienstag, den S1. Mörz, bei 8teel»ert, AndreaSstratze Kl: WM" Mitglieder- Bersammlnng. Tages-Ordnung: I. Vortrag des Genossen»d. Hoffmann. 2. Diskussion.. 3. Berichterstattung über den Noasschen Streik. 4. Verschiedenes. 175/16 Ilm zahlreiches Erschemen bittet ver Voratanck. Jede Ohr zu reparkren und reinigen kostet bei uns unter Garantie des Gutgehcns nur 1 51k. SO Pf.(auster Bruch), kleine Reparaturen billiger. Silberne Zylinder-Remontoirs, aus 6 Steinen gehend, von 1» 5Ak. an. Rcgulateurc mit Schlagwerk, 14 Tage gehend, von 15 Mk. an. Nickel-Wecker, grobe schräge Fonn, von 1,79 Zlk. an. Dito in Holzgehänse 9 Mk. 70 Pf. Schwarzwälder Wanduhren von 3 Mk. an. E. ROlberl, 0. Andreasetrasse 63. X. StOlZ, N. Chausseestraiee 71. Deutscher Holzarbeiter-Verband. 79/1 Zahlstolle Berlin. Mittwoch. 82. M-irz. Abends 8'/. Uhr. bei Cohn. Beuthitrahe 80/81: Vertranensmänner-Versammlung für sämmtliche Bezirke nut Branchen. TageS-Ordnung: 1- Fortsetzung der Diskussion aus der letzte» Versammlung� Z Dte Streiks bei>vüdlor S Schwab, Eisholz etc. 3 Verbaudsangelegenheiten. mr* Jede Werlslatt mutz vertreten sein."Mg Bio«rtsvor�altnnU. Rixdorf. Deutscher Dolzurdetter-Uerbaud. Mitglieder-Nersammlnug woch, 88. März. Abend» 8'/- Uhr. bei Herrn KJ Herrn Klemhe, »Die Erhaltung 79/2 am Mittwoch, a-,, Bcrgftr. 137. Tages-Orduung! 1 Bortrag beS Herrn Augenarztes vr. Wurm über! der Sehkraft mit Demonstrationen. Gäste willioulmeu. Um zahlreiches Erscheinen ersucht --.. �... ,, m,, Die Ortsverwaltung. Die Werkstatt-Bertrauensmänner werden daraus aufmerksam gemacht, dah regelmäßig am l e y t e n D i e n st a g i m M o n a t die Ver- rrauensmänner-Siyung bei W i t t e n b e r g, Prinz Händler?, und Lesstng- stratzen-Ecke, stattfindet._® O Danksagung:. Für die zahlreichen Beweis« aust richtiger Theilnahme und dte reichen Kranzspenden bei der Beerdigung meines lieben Mannes, unseres Baters, Bruders und SohncS 2liZb Albert Keif sagen allen Verwandten, Freunden und Bekannten, sowie dem Chef, Herrn Bafchwitz, den Kollegen und dem kauf- niännischen Personal unseren tief- gefühltesten Dank. Die trauernden Hinterbliebenen. Emma Beif. nebst Kindern. Danksagung. Für die zahlreiche Betheiligung bei der Beerdigung meines lieben Mannes, des Bergolders Frans Iftark- mann, sagen wir Allen unseren tief gefühltesten Dank. 212Sb Wittwe Markmann nebst Kindern. Otts-Krankenkasse für die in den veechim, betrieben der Anwälte, Notare u. Gerichtsvollzieher, der Krankenkassen, Berufsgenossenschaften und Versicherungsanstalten beschäftigten Personen zu Berlin. Zu der am Dienstag, den 88. März 18SS. Abends Punkt 8 Uhr, in dem Katholischen VcrciuShause. Niederwallstr. II, Portal II, gr. Saal stattfindenden Ansserordcntllchen General- Versammlung werden hiermit die für das Jahr 1899 gewählten Herrn Vertreter ergebenst eingeladen. Tages- Ordnung: 1. Statutenänderungen. 2. Jnter- pellation und Anträge der Herren Bauer und Genossen. 3. Beschwerde des Mitgliedes Quölle gegen den Vorstand. 2121b Berlin, lö. März 1899. Der Verstand. B. Aster. Warne jeden meiner Frau etwas aus meinen Namen zu borgen, da ich für nichts aufkomme. Lllüb_ Karl Falklewlcz. Hiermit warne jedermann, meiner Frau Louise geb. Haase ctwaö aus meinen Namen zu borgen, da ich für keine Zahlung aufkomme. 12818* Pankow, den 20. März 1899. Otto Jahnke, Restaurateur, Heynstr. 31. rüt 3 Mark Reste, sehr grotz, zu Knabenanzügen, Reste zu Herrenanzügen, schöne Muster 7-10 M Für 12 M. ff. Cheviot- auch Kammgamreste, Paletot- und Hosenreste, so lange der Vorrath reicht im Riesenstosslager 14. Amsetlstr. 14, 1 Tr., _ Kein Lade».[228L* ZPiaidemoliratisilln Nlaiiloemn fiii Ätii 3. Derliiitr Reichslagg-Wadliirtig. Donnerstag, den 8». Mär,. Abends 8'/z Uhr. bei Hm« Brleaer. Wassrrthorstr.«8- �' Versammliiiig. TageS-Ordnung: Genossen Dr. Ratkowsky, 2. Diskusston. 1. Vortrag deS angelegenheiten. 3 Vereins� Gäste haben gutritt. 249/7 Regen Besuch erwartet Der Verstand. Achtung!-Mg Achtung! Soiialdemokratifchtt Verein für den 5. Berliner Reichstagg-Wahlkreis. Freitag, den 84. März, Abends 8 Uhr, im Saale der Btitsew'schen Brauerei am Prenzlauer Thor: ZW" Verfkltntniung.-HW Tages-Ordnung: 1. Die ärztlichen Ehrengerichte und dte Arbeiterklasse. Referent Genoffe Dr. Bern,. Weyl. 2 Diskussion. 3 Verschiedenes. Um zahlreiches und pünktliches Erscheinen ersucht 243/4_ Der Vorstand. Berllnerstr. 40. Volksgarten Wilniersbors Gasteinerstrasse. Gr.Tanzsaal, schön. Naturgart., 3 Kegelbahn., Kaffeeköche Jeden Sonntag: Großer Ball. etc. Freunden und Kollegen zur Nachricht, daß ich obiges Lokal übernommen habe. Ich stelle daffelbe, wie mein Vorgänger, Herr Klingenberg, dm ge- ehrten Vereinen tc. AM" auch Sonntags"Tfm zu Festlichkeiten zur Verfügung.- Für eine ff. Weisse, x�ites Balrisch Bier etc. werde ich stets Sorge tragen 1277L* Um geneigten Zuspruch bittet DmlK Witt©. Möbelverkauf Schütieustr. 8, Ecke Friedrichstratze. Wegen Ausgabe meines Möbcllager- Speichers sollen viele Einrichtungen neuer sowie gebrauchter Möbel ganz billig verkauft werden. Einrichtung 9& bis 300, hochelegante 400 bis 4000 Mark. Gekaufte Möbel können bis f>. April stehen, werden durch eigene Gespanne in die Wohnung gebracht, auch nach autzerhalb Auch gebe ich an sichere Leute aus Theilzahlung. 8 ophaftliffe auch In Rips. Damast. ErSpe, Phantasie. Gobelin und Plüsch spottbillig: sKI2L* IM" Frohen franko!"98 «iiisttWt"Ä'ÄE" Emil lefevre, SF 51 Pft.»rot 50 M. 4 B Albrecht's 1 Bäckerei» Wrangelstr S. Krau tstr lS. Falekeufteinstr. 88. Lausttzerstr. 8 Möbel Pankow."HW DM" Pankow. Den geehrten Vereinen, Gewerkschaften, sowie Freunden und Bekannten zur gest. Mittheilung, datz ich das Lokal des Herrn Krüger „Zum Schweizenhaus" in Vsnkon». Kaiser FriedrichSraße IS, übernommen habe. Empfehle dasselbe— Saal, 400 Perionen fassend, und grotzer Äonzertgarten, beide mit Theaterbübne verschen- zu Festlich- leiten und auch sonst geneigter Beachtung Kaffeekllche, ff. Weisse. Jeden Sonntag(auch am 2. u. Z.Osterfeiertag): Gr. Ball. Heinrich Klingenberg •staa Großer Möbelverkauf Oranienstraste 73. an der Kom- mandantenstrahe(früh Schützenstr 2), in meinem vier Etage» Hohen Fabrik- aebäude, grotzes Möbel-Spezialgeschäft für kleine und mittlere Wohnungs- Einrichtungen Brautleute, welche eine dauerhafte und billige Einrichtung kaufen wollen, bitte ich. ohne jeden Kaufzwang mein kolossales Lager vor Einlauj zu besichtigen Verlangen Sic mein Musterbuch gratis und franko. Durch grötzere Maffeneinkäuse und Ersparung der theuren Ladenmiethe bin ich im stände. hübsche und geschmackvolle Wohnungseinrichtungen schon für 100, 200, 300- 400 Mark, hochelegante von 300—5000 Mark zu ltefem. Fertig« Mnsierzimmer zur Ansicht Wohnungseinrichtungen aus Theilzahlung unter den koulantesten Bedingungen. 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Für den Jnseratentheil verantwortlich: Dh.«locke in Berlin. Druck und Verlag von Max Tading in Berlin. Nr. 68. 16. 2. Jlfiln je ilcs„öotiüiirts" Kerl« KÄsM Sitnöiij, 21. Wz 1899. Märzverfammlungen in Berlin. Wie in früheren Jahren, so hatten auch in diesem Jahre unsere Parteigenossen eine Anzahl von Versammlungen einberufen, um die Erinnerung an die Känipfe des Jahres 1848 zu Pflegen, der Volks- Helden zu gedenken, ivelche ihr Leben für die Freiheit geopfert. Eine tiefernste Stimmung beherrschte die Kundgebung, deren Theilnehmer getragen waren von dem Gedanken: Mitstreiter zu sein in den Reihen des klassenbewußten Proletariats, welches be- rufen ist, das von jenen Freihcitshclden der Märzkänipfe be- gonncne Werk zu vollenden und unter dem Banner der Sozial- demokratie der Freiheit und Gerechtigkeit zum Siege zu verhelfen. Die Genossen des dritten Berliner Reichstags- Wahlkreises fanden sich zahlreich im Apollo-Saal in der Sebastianstraße ein. Nicht nur alle Sitzplätze waren besetzt, auch in den Vorräumen, den Nebenräumen drängten sich die Erschienenen Kopf an Kopf. Als der Reichstags-Abgeordnete des Kreises, Rechts- anwalt Wolfgang Heine seme Rede begann, lauschten sie an- dächtig seinem kraftvollen Vortrag. Er schilderte den achtzehnten März als den Tag, der die genaue Scheidung zwischen dem ab- soluten System von der konstitutionellen Regierung darstelle, der darum ewig eine Revolution bedeuten werde. Daran könnte» alle Geschichtsverdrehungen nichts ändern. Die großen Gegensätze von vor und nach dem achtzehnten März bewiesen ja schon, was dieser Tag auf sich habe. Damals hätten nur die wenigen Literaten sich politisch intercjsirt Heute aber nehmen die gewaltigen Schaaren des Proletariats theil an der Politik. So sei denn der 18. März immer als der Geburtstag der politischen Bethätigung des Volkes, als der Geburtstag der Verfassung und als Geburtstag der sozialen Demokratie zu feiern. Der mehrmals von zustimmendem Beifall unterbrochene Vortrag fand begeisterte Aufnahme. Eine Diskussion wurde für überflüssig gehalten. Als sich'die Versammelten zu Ehren der Gefallenen des 18. März von den Plätzen erhoben, verbreitete sich eine stille, ein- drucksvolle Feierlichkeit. Und auch das darauf folgende dreifache Hoch auf die Sozialdemokratie, mit dem die Festvcrsammlung aus- einander ging, erbrauste ergreifend in seiner vielhundertstimmigen Wucht. Der v ierte W ahlkreis hielt seine Märzversammlung am Sonntag im„Elysium" in der Landsberger Allee ab. Genosse Adolph Hoffmann hielt eine von lebhaftem Beifall begleitete eindrucksvolle Rede, die in einer Aufmunterung zum geistigen Kampfe für die Ziele des klassenbewußten Proletariats ausklang. Daran knüpfte sich eine von anarchistischer Seite hervorgerufene Debatte. in der zwei Vertreter dieser Richtung ihre baltloscn Ideen aus- einandersetzten, vom Referenten aber unter stürmischem Beifall der Versammlung treffend widerlegt wurden. Im fünften Wahlkreis füllten die Parteigenossen und -Genossinnen den Saal der Königstadt- Brauerei bis auf den letzten Platz. In stimmungsvoller Weise leitete der Gesangverein„Lorbeer" mit einigen Gesangspiecen die Feier ein, worauf Robert Schmidt, anknüpfend an die Ereignisse in letzter Zeit, in kritischer Weise die Art, wie man das Andenken der Märzgefallenen verun- glimpfen möchte, geißelte, um dann eingehend die wirthschaftlichen und politischen Zustände jener Zeit zu schildern, die der großen Volksbewegung den Hintergrund gaben. Mit einem begeistert auf- genommenen Hoch aus die Sozialdemokratie fand die imposante Vcr- sammlung ihren Abschluß. Im sechsten Wahlkreis hatte man in verschiedenen Stadt- gegenden fünf Versammlungen veranstaltet. Im„K ö s l i n e r Hof" fand sich eine zahlreiche, aus Männern und Frauen bestehende Volksmenge ein, die den Saal vollständig füllte. Ein von einem Arbeiter-Gesang-Verein vorgetragenes Frei- heitslicd eröffnete die Feier, dann hielt Genosse Pfannkuch eine mit lebhaftem Beifall ausgenomniene Rede und mit einem noch- maligen Gesangsvortrage fand die Versammlung einen stimmungs- vollen Abschluß. In Weimann's Volksgarten, auf dem Gesundbrunnen, schilderte Genosse Kune rt in wirkungsvoller Darstellung die März- kämpfe und die Aufgaben des modernen Proletariats, welches allein die Kraft und Fähigkeit besitzt, die finsteren Pläne der Reaktion zu Schanden zu machen. Lebhafter Beifall wurde dem Redner ge- spendet. Vor Mierke's Volks garten in der Schönhauser Allee war ein starkes Aufgebot von Polizeimannschaften zur Stelle, für die es natürlich durchaus nichts zu thun gab. Die Versammlung nahm mit lebhaftem Beifall den Vortrag des Genossen Paul Hirsch entgegen, der insbesondere die Feigheit des seine revolutionäre Ver- gaugenheit verleugnenden Biirgcrthums treffend darstellte. In N ü m a n n' s S a a l, in der Brunnenstraße, nahmen die erschienenen Proletarier und Proletarierinnen mit regem Interesse die lebendigen Schilderungen entgegen, in denen Genosse Georg Wagner die Revolutionstage in Frankreich und Deutschland besprach. In der K r o n e n b r a u e r e i war die Versammlung, die unter dem Vorsitz des Genossen Pfarr tagte, gleichfalls sehr gut besucht. Das Referat hatte hier der Rcichst'ags-Äbgeordnete Fr. Z u b e i l übernonimen, der in seinem l'/s stündigen Vortrage, vielfach durch stürmischen Beifall unterbrochen, die Bedeutung der Märztage für das gcsammte Proletariat schilderte. Eingeleitet und beendet wurde die Feier durch einige wohl gelungene und dem Tage entsprechende Vorträge eines Gesangvereins. Mit einem begeisternden Hoch auf die Sozialdemokratie fand die Versammlung einen würdigen Abschluß. Nicht erlaubt wurde die von den Anarchisten zum An- denken an die Märzgefallenen einberufene Volksversammlung. Als sich die Anarchisten' am Sonntag Vormittag am Louisenstädtischen Konzerthaus einfanden, stand ein Schutzmann vor dem Eingang deS Lokals. Er hielt schützend seine Anne vor und sagte:„Der Zutritt ist nicht gestattet." So erinnerte auch die Polizei daran, daß nicht Alles, was an jenen Tagen ausgesäet, gereift ist und daß noch Vieles zu thnn übrig geblieben ist. Für de» Jnlialt der Inserate überniiiimt die Redaktion dem Publikum gegenüber keinerlei _ Bcrniiiwortung._ Tlzcntev. Dienstag, den 21. März. Opernhans. Regina oder: Die Ma- rodeurs. Anfang 7V- Uhr. Schanspielhans. Die Quitzows. Anfang l'/j Uhr. Deutsches. Die Hochzeit der Sobelde. Hierauf: Der Abenteurer. An- fang 7Vj Uhr. Lessing. Die Frage an daS Schicksal. Hierauf: Die Erziehung zur Ehe. Aniang 7t/, Uhr. Berliner. Zaza. Anfang?>/, Uhr. Residenz. Der Schlafwagen- Kon- trolleur. Borher: Zum Einsiedler. Anfang 7t/, Uhr. Neues. Der Hexenmeister. Anfang 7'/, Uhr. Metropol. Die kleinen Michu's. Hier- auf: Di« Engelsjäger. Anfang ?>/, Uhr. Schiller. Don Juan und Faust. An- fang 8 Uhr. Westen. Die lustigen Weiber von Windsor. Ansang 7'/, Uhr. Sentral. Die Puppe. Ans. 7»/, Uhr. Dhalia. Der Rcgtstrator aus Reisen. Anfang?'/, Uhr. Lnisen. Kean oder: Genie und Leidenschast. Ansang 8 Uhr. Belle-Sllltance. Nathan der jWeise. Ansang 8 Uhr. Ostend. Der Brandstifter. Anfang 8 Uhr. Friedrich. Wilhelittstüdlische«. Fuhrmann Henschel. Anfang 8 Uhr. Mlcxanderplah. Die Konfektioneuse. Anfang 8 Uhr. Wiener Volks< Dheater. Un- schuldig. Anfang 7 Uhr. »pollo. Spezialitäten-Borflellung. Ansang 7t/, Uhr. Urania. Tanbcnftraste 48— 4g. Naturkundliche Ausstellung. Täglich geöffnet von 10 Uhr Vor- mittags ab. Eintritt 50 Pf. Abends 8 Uhr:„DaS Land der Fjorde". Operntelephon. Jnvalidenstraste 57/««. Täglich AbendS von b— 10 Uhr: Sternwarte. Reichshallen. Stettiner Sänger. Ansang 7 Uhr. Feen-Palast. Spezialitäten- Bor- stellung. Passage> Panoptikum. Lpeziali- täten-Borftellung. Crntvnl Thvakev Direktion: loee Ferenczy. Die Dnppe(La Ponpee) Operette in 3 Akten und einem Vorspiel von Sturz csi nnd Ordonneau. Musik von Ed. Audran. Morgen und folgende Tage: Die Pnppe<1.» Poupse). Sonntag, Nachm. 3 Uhr, zu halben Prellen: Ider�Iigvniisr'Imi-oii. Operette in 3 Akten v. Joh. Straub. Metropol-Tdsater. Behrcnstr. 55/57. Dir. Rieh. Schultz. Heute, Dienstag: Die kleinen Michu's. Operette in 3 Akten v. A. Meffagc. Hierauf: Die Engelsjäger. Ballet in 14 Bildern von H. Regel und I. Bayer. Morgen Mittwoch und folgende Tage: Der Wilde Meier. (Berlmer Baudeville) und Die Ettgelsjäger. Ilnsnis Tnnbcnstrassc 48/40. Im Theater: Das Land der Fjorde. Im Hörsaal: Dr. Kaan:„Moderne Küche". Invalidenstr. 57/68: Tagl. Sternwarte. Nachmittags täglich 5—10 Uhr. Thalia-Theater. Dresdenerstr. 72/73. Gastspiel Emil Thomas Der Registriltor aus Reisen. Poffe m. Ges. in 7 Bildern(3 Alt.) von A. L'Arronge und G. v. Moser. Musik von R. Bial. Ans. 7-/, Uhr. Morgen: Dieselbe Vorstellung. W SilMer-Tlieater «Wallner. Theaters. Dienstag, Abends 8Uhr: Don Juan und Fanst. Tragödie in 4 Akten v. Ch. D. Grabbe. Mittwoch, Abends 8Uhr, Don Juan und Faust. Donnerstag, Abends 8 Uhr: Don Juan und Faust. Kniseu-Theater 34. Reichenbergerstraste 34. Dienstag, Abends 8 Uhr: Memt oder Cenie und Leidenschast. Lustspiel in 5 Akten nach dem Fran- Zöllschen des Alexander Dumas(Vater) von Ludwig Bamay. Mittwoch: Das denilillfte iaupt oder: Der lange Israel. Sonnabend Nachmittag 3 Uhr: «6. Schüler- Vorstellung zu besonders ermäsiigten Preisen: Das 5täthchen von Heilbronn. M-Karl Weiß-Theater. Gr. Frankfurterstraste 13«. Abends 7»/, Uhr: Der Brandstifter. Sensationelles Ausstattungsstück niit Gesang in 5 Akten von G. Okonkowsky. Musik von L. Fall. Im Tunnel von SV, Uhr an Frei- Konzert. Mittwoch: Dieselbe Vorstellung. Donnerstag: Schlimme Saat. Schauspiel in 4 Akten v. Bischer. I» Vorbereitung: Die Bulgaria. Grobes Ausstattungsstück mit Gesang (Wahrheit u. Dichtung) in 10 Bilder« von IRCIIS 'IS USCH Dienstag, den 21. März 1899: Fllte-Ahcnd. .A: PERSIEN. Ueberle Troupe. Dir. Busch und Burkhardt- Foottit als Schulreiter. Die Amerikaneri» Mib Verls. Mr. Altred Leon, Jockey. Die Clowns niit ihren besten Spähen. Mittwoch, den 22. März, Abends ?V, Uhr: Pcrslen. Am 5. Zlpril: Schluß der Saison. Passalle-Panoplieiinl. 9 Uhr früh bis 10 Uhr Abends. Mlttw., Sonnabd., Sonntag 4 Uhr; Kinder- Vorstellung Die Kreuzfahrep. Großes Ballet von SOO künstlichen Menschen Castan's™ Panopticnm. Jtal. Sänger- u. Tänzer-Gesellsch. „Santa Lucia". Die berühmten„lebenden Bilder". Neu! Oreyfus-Esterhazy. Reichshallen. Täglich: Stettmer Sänger (Mensel. Pietro. Britton. Steidl, Krone. Röhl. Schneide? und Schräder.) GrostartigeZ Programm. Unter Anderem: Britton ai. Pauken-Schulze der Stolz vom Regiment. Anfang» Uhr.— Entree SO Pf., Vorverkauf 40 Pf., Num. Balkon 75Pf., Balkonloge iMk., Orchester- Loge 1,50 Mk., Fremden-Loge 2 Mk. Tageskasse von 11—1. Jeden Freitag: Neues Programm. Alcazar- Theater Dresden erstr.52/S3.Clty-Passage. Direktion: Richard Winkler. Dienstag, 21. März 1899: Abschieds-Benefiz für den beliebten Humoristen kudoik Schauss. Neu! Neu! Neu! Dandel und Mandel. Charakterbild mir Gesang von A. Anno. Neu! Neu! Neu! !0e!' ParadebuniDiier. Humoristische Solostudie von R. Schaust. Kassenöffnung SV, Uhr. Anfang der Vorstellung 7»/, Uhr. Numerirter Platz 75 Pf. s reservirtor Platz 50, Entree 30 Pf. Apollo-Theater, Das beste Programm der Saison Wallno& Mertens Gurtis& Gordon Scheherazade The 5 Julians 3 Yoscarys Segommer Freedgy Sidley Barma Sato elc. Vorverkauf täglich Im Theater u. beim „KUnstlerdank", Unter den Linden 69. Anianjg 7Vz Uhr. Wiener Volks-Theater Oranienstraste 52(Moritzplatz). Allabendlich 8'/, Uhr:„Unschuldige Volksstllck in 4 Bildern von Leopold Fricdr. Weist. Von 7 Uhr an: Humo- ristische und ernste Gcsangsvorträge. W. Noack's Theater Brnnncnstr. 16. Jeden Sonntag, Dienstag und Donnerstag: Thcater-Vorstclluttg. Der liebe Onkel. Schwank i>l 4 Akten von Rudolf Kneisel. Vorstellung- Tliilzkl'liilzlljtil. Feen-Palast- Theater Burgstr. 23. Burgstr. 33. Kolossaler Lacherfolg über die Gesangsposse Fridolin Piefke: Dir. Winkler. Großer Jubel. Stürm. Beifall. Verglssmelnnicht, Quartett. — Plfitzlarella.— Nanon.— Alfredo Truppe. Helma Mlhee. Ernst Sprecher. Gust. Schmidt. Ada und Victor. Helene Voss. Lebende Photographien. Auf.?:/, Uhr. Sonnt. 6 Uhr. Billct-Vorv. Vorm. v. 11-1 Uhr. Donnerstag, den 23. März: Benefiz für die beliebte Soubrette Holene Voss. fflähr's Theater Oranien> Strasse 24. Täglich: Die W iililh dm Cliilke. Lustspiel in 4 Akten v. F. A. Sauer. NM- ktzpSnlulltiltvu."MS BonS haben Gültigkeit. Sonntags Ansang 6 Uhr. Gircus Benz-Riesen-Tunnel. Direktton: J. M. Hütt. MM- Täglich:-VQ Grotzes Konzert der Haustapelle unter Leitung des Musikdirektors Herrn Otto Görner und SpeMlMcil-MstekW unier Regie des Humoristen Gustav Kluck. Anfang Wochentags 7 Uhr, Sonntags - 5 Uhr. Jeden Sonnabend nach der Vorstellung: T nnzlrvänzchen. ilniTzs' Festsäle (Ostbahn-Park) 71 Rüdcrsdorfcr Strasse 71, am Küstriner Platz. Heute, Dienstag, den 21. März: Letzter Abend in der Saison der feit 1886 bestehenden Rorddeutschen Sänger. Ab 30. Mai im Konzertgarten: Jeden Dienstag: Humorist. Abend Wedding-Park Müller- Strasse 178. Norddeutsclie Sängrer. Blegler, Wolf, Hohenberg etc. Entree 20 Pf., BorzügSbillets 15 Pf. C oncertlians f,cii>Bi£crstr. Mo. 48. Täglich- Hoffrnann's Quartettu.Hurnoristen Neu: Hoffmann als Pnhnnaim Henschel. Die letzte Vorstellung im Concerthaus vor Abbruch desselben findet statt am Sonntag, d. 23. Aprii. Gebrüder Richter- Theater 87 XiOtbringer-Strasoe 87. Novität! Novität! Vtttev und Sohn. BolkSstück mit Gesang in 4 Akten von Wilhelm Richter. Heinrich Muffig.. W. Richter. Vorher: Wie Henken Sie MM Posse in 1 Akt von Carl Beck. Anfg.: Wochent. 8 Uhr. Sonnt. 7:/. Uhr. Uum feldrv zu urnrhen nehme man 1 Originalst. Eeichel's Echte Jamaioa-Ilum-Basis für 75 Pf., 1 Liter Weingeist (Spiritus vini) zu 1,40 Mk. und 1 Liter Wasser. Die Mischung crgiebt einen feine» kräftigen Rum von dem wundervollen Aroma«. Geschmack des Janiaica- Rums, da meine Jumulea- Rum- Itasis dieselben eigenartige» Vorzüge und Merkmale in Natur besiüt. Der daraus bereitete Rum ist im Berhältnift eine naturgetreue Wiedergabe des echten Jamaica- Rums nnd eignet sich Vorzugs- weife zur Thee- u. Grogbereitung. Echt nur in Originalflaschen mit meinem Namcnszug und einzig und allein nur direkt bei llttn Rpinhpl berliw, UHU nuiüliei, Eisenbahnstr. 4. Fernspr. IV 3190. Auf je K Flaschen eine siebente gratis. Bei 12 Flaschen austerdem franko Deutschland. Ber- kanfsftellen nirgends! 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Auch von allen infolge der bevorstehenden April-Umzüge eintretenden Wohnungs-Veränderungcn beliebe man der Redaction bis zu genanntem Termin Mittheilung zu machen.— Der Nachtrag wird allen Käufern der Haupt-Ausgabe unentgeltlich verabfolgt. August Scherl. SZithimg d. 3. Masse 200. Kal.Pmch. Lotterie. Llehwi»»om 20. Mir,>809, uormittaaZ. lRl» die«tnrniiu über|G0 Mar! sind dm l-tt-ff-nde, «Ummern in Parenlhese deizelüet. 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