Rnzelpreir 70 Heüer. (Ebsschließkich S Heller Porto! 12 Jahrgang. Samstag, 19. November 1932 Nr. 273. Hindenburg verhandelt selbst Heute wird Hitler empfangen werden. Hödistcns Verlängerung des Moratoriums? Washington, 18. November. Präsident Hoover hat je drei hervorragende Mitglieder der republikanischen und der demokratischen Partei aus den Finanzausschüssen der beiden Hauser des Parlaments aufgefordert, mit ihm im Weißen Hause die Kriegsschuldenfrage zu besprechen. Gleichzeitig kündigt Hoover sein« Könftrenz mit Roosevelt für den 22. d..M. an. In unterrichteten Kreisen weist man darauf hin, daß in beiden Häusern des Kongresses eine starke Stimmung gegen die Forderungen der europäischen'Schnldnerstaaten vorliegt. Hoover dürfte nicht geneigt sein, sich in den letzten Monaten seiner Amtsführung noch in einen Konflikt mit dem Kongreß einzulassen. Er wird sich wahrscheinlich darauf beschränken, den Antrag der drei europäischen Mächte an das Parlament weiterzuleiten uyd ihm zu empfehlen, das Moratorium zu verlängern und den in den Schuldverträgen vorgesehenen Ausschuß zur Prüfung der Zahlungsfähigkeit jedes einzelnen Schuldners ein-' zusetzen. „Europa soll nur wieder zahlen!“ Galt Lake City, 18. November.§ moot, der Vorsitzende der Finanzkommission des Senats, erklärte üb«r die Kriegsschulden- Angelegenheit folgendes: „Tic Schuldnerregelung sollte mit feder Schuldncrnation getrennt getroffen werdest, und Uvar auf der Grundlage ihrer wirklichen Zahlungsfähigkeit." Smoots der stets g e gen die Streichuiw der Kriegsschulden war, begründete neuerdings seinen ablehn enden Standpunkt' mit dem Hinweis darauf. daß eine Streichung der Kriegsschulden eine Erholung der Lasten nach sich ziehen würde, die die amerikanischen Steuerzahler schon jetzt zu tragen haben. Smoot schloß seine Ausführungen mit den Worten:„Europa soll nur wieder zahlen!" Breslauer Universität bis 22. November geschlossen. Breslau, 18. November. Rektor und Senat der Breslauer Universität haben beschlossen, die Universität bis einschließlich Dienstag, den 22. November, geschlossen zu halten. Berlin, 18. November. Der Reichspräsident empfing, wie amtlich mitgeteilt wird, heute vormittag de» Führer der Deutschnationaleu Bolkspartei Geheimrat Hugenberg und heute nachmittag den Führer der Zentrumspartei Prälat Kaas sowie de« Führer der Deutsche« Bolkspartei Dingeldey zu Einzelbesprechungen über die politische Lage. lieber diesen amtlichen Bericht hinaus wird an den zuständigen Stellen keinerlei Mitteilung gemacht. Auch die Parteiführer sind gebeten worden, di« Besprechungen streng vertraulich Ai behandeln. Wie aber gestern bereit- gesagt wurde, haben die Empfänge von heute und morgen nur den Zweck, daß der Reichspräsident sich über die Auffassungen der in Frage kommeichen Parteien unterrichtet. Die Auffassung der De utschnatio- n a l« n ist bekannt. Ebenso hat das Zentrum seine Ansicht bereits in den Aufzeichnungen zu- sämmengefaßt, die Prälat KaaS dem Reichskanzler vor einigen Tagen übergeben hat. Danach kommt«S dem Zentrum in erster Linie darauf aq, daß eine Regierung geschaffen wird, die die Gewähr dafür bietet, daß keinerlei Ber- fassungsexperimente gemacht werden. Im Mittelpunkt der Auffassung der deutschen Bolkspartei.steht das.MirtschaflSprogramm, dessen wesentliche Teile nach dieser Ansicht aufrechterhalten werden müssen. Ebenso ist bekannt geworden, daß die Volkspartei großen Wert daraus. legt, daß die Reichsreform mit Preußen weiter durch geführt wird. Hiller ändert seine Taktik? Mit einiger Spannung sieht man nun dem morgigen Empfang H'i't l e rs entgegen, der heute mit seinem Stab in einem Sonderflugzeug nach Berlin geflogen ist. Die Nationalsozialisten haben offenbar di« Absicht, ihre Taktik diesmal sehr viel elastischer anzulegen als am 13. August. Sowohl in chren Kreisen, wie in denen des Zentrums, ist man sich Kar darüber, daß alle Anstrengungen gemacht werden müssen, wenn die ihnen vom Reichspräsidenten gegebene Chance der Bildung einer nationalen Konzentration ausgenutzt werden soll. Ob das gelingt, ist im Augenblick aber noch gar nicht zu übersehen. Wie aus nationalsozialistischen Kreisen verlautet, gedenkt Hitler ehrlich zu versuchen, zu einem'Einvernehmen mit dem Staatsoberhaupt« zu gelangen; er wolle hauptsächlich zwei Punkte hervorheben, von denen die Mitarbeit der vtatio- nalsozialisten an der Regierung abhängen würde: 1. Die Ausarbeitung eines präzisen Programms zur Arbeitsbeschaffung für Beschäftigungslose und 2. die bedingungslose Vernichtung der kommunistischen Bewegung. . In einer Reihe weiterer Punkte werde Hitler mit den Richllinien der bisherigen Regierungspolitik übereinstimmen, vor allem in außenpolitischen Fragen. Ungeklärt bleibt noch, wie sich die persönlichen Forderungen Hitlers gestalten werden, d. h. ob er auf seinem früheren Verlangen beharren werde, daß ihm das Kanzleramt' anvertraut weide. Was eine eventuelle Betrauung eines anderen nationalsozialistischen Führers mit dem Kariz-- lcramie anbelangt, so stelle sich in letzter Zeit Hitler mit aller Entschiedenheit gegen eine jolche Lösung. In politischen Kressen kann nian heute recht optimistische Stimmen hören, daneben stehen aber auch skeptische Urteile, die es für möglich halten, daß schließlich doch das Kabinett von Papen oder eine ähnliche Regierung am Ende -er gestern begonnenen Entwicklung stehen wird. Welche dieser Auffassung richtig sst, das wird sich kaum vor Mitte nächster Woche übersehen lassen. Sozialdemokratie ittr Auf hebung der Notverordnungen. Berlin, 18. November.. Die sozialdemokratische Reichstagsfraktion hielt am Freitag vormittag nochmals eine Sitzung ab, um zu der gestern abends entstandenen neuen Politischen Lage Stellung zu nehmen. Beschlüsse wurden nicht gefaßt, da die Fraktion dazu keinen Anlaß hatte. Dagegen wurde beschlossen, im Reichstag Anträge auf Aufhebung der Notverordnungen vom Juni über Maßnahmen Mr Arbeitslosenhilfe und der vom 4. und 5. September über die Belebung der Wirtschaft einzubringen. Weiter hat die Fraktion gegen die Verschleppung des von ihr«ingebrachten Volksbegehrens auf Aufhebung des sozialpolitischen Teiles der Notverordnung vom 4. September protestiert. Sthlägcrei io der Skupsditina. Belgrad, 18. November.(Avala.) Epischen dem Abgeordneten N i k i ä, dem Vorsitzenden der Parlamentsgrupp« der jugoslawischen Hlgrarpgr« tei, und dem slowenischen Abgeordneten C e r er, kam es heute vormittags während der Berhand- lungspause im Parlament zu einem' heftigen Wortwechsel, wobei Abgeordneter Cerer Nrkiö einen Schlag ins Gesicht versetzte. Einige Abgeordnete schritten ein und trennten die beiden. Horthus Hache an Karotyi. Budapest, 17. November. Die gesamte. Einrichtung des Prachtpalais des Grafen Michael K a r o l y i, das im Sinne des Konfiskationsgesetzes vom ungarischen Staate beschlagnahmt und dann von der Hauptstadt zu Museumszwecken übernommen worden war, soll nun versteigen werden. Zahlreiche Kunstschätze, Möbel usw. sollen zur Auktion gelangen, um den Platz für die neu zuerrichtestde hauptstädtische Gemäldegalerie freizumachen. Vic Junker diktieren weiter. Notverordnung Hindenburgs zur Regelung des Verhältnisses Preußen-Reich. Berlin, 18 November.(Eigenbericht.) Der Reichspräsident von Hindenburg hat heute zur Regelung der Verhältnisses zwischen dem Reichskommissär in Preußen und der Regierung Braun einen Erlaß veröffentlicht, dessen Inhalt gleichzeitig dem ReichSkommissär und dem preußischen Ministerpräsidenten Braun bekanntgc- geben wurde. Es werden— selbstverständlich wieder unter Berufung auf den§ 48 der Reichsverfassung— diktatorische Entscheidungen gefällt, u. a. über die Fragen der Zeichnungsvefugnis des Erlasses von Verordnungen, der Zustimmung zu Haushaltsüberschreitungen, der Beschaffung von Geldmitteln im Wege des Kredites, des Verkehrs mit den Rcichsbehörden, des Begnadigungsrechtes, der Teilnahme an den Parlamentssitzungen und der Unterrichtung der alten Regierung über die laufenden Angelegenheiten. Der Erlaß ist zweifellos von dem„abgetretenen" Junkerkabinett inspiriert und trägt in keinem einzigen Punkte den Forderunge« der Preußeuregierung Rechnung. Er versagt ihr im Gegenteil Befugnisse, die ihr«ach dem Wortlaut des Leipziger Urteilspruches zustehen. Aus dem Geiste und dem Wortlaut des Hindenburg-Erlasses geht hervor, daß di« Junker gär nicht daran denken, ihre Diktatur über Preußen zu beenden. Es sst bezeichnend, daß Hindenburg Herrn von Papen einen Tag nach dem Rücktritt des Reichskabinetts ausdrücklich als Reichskommissär sirr Preußen b e st ä t i g t und dem verfassungsmäßigen Kabinett Braun ein« Rolle zuweist, die der Verfassung widerspricht.— In der gestrigen Unterredung des Ministerpräsident Braun mit dem Reichskanzler, hat dieser übrigens kein Wort über den Erlaß Hindenburgs verlauten lassen, obzwar der Erlaß schon fertiggestellt war. Sdtarfe DeviseneiosdirinliongeD io Jugoslawien. Belgrad, 18. November. Der Finanzminister hat eine Verordnung erlassen, durch welche die Bestimmungen über den Valutaverkehr wesentlich verschärft werden. Die Ausfuhr von Devisen wird nunmehr in beschränktem Maße für di« im Ausland stuLierelwen Studenten, sofern« sie nur noch zwei Semester zu absolvieren haben, für Schwerkranke, die sich. keiner Kür im Jnlande unterziehe« können, und schließlich für Reisende gestattet. Alle anderen bisher erteilten Bewilligungen werden mit 15. Dezember d. I, eingestellt. Attentatsversudi gegen Popen? Berlin, 18. November. Wie sich erst heute durch«in« Verhandlung vor dem Schnellrichter im Polizeipräsidium herausstellte, hat sich am Dienstag ein auftegender Vorfall in der Reichskanzlei abgespielt. Ms gegen 14 Uhr der Portier gerade die Pförtnerloge verlassen hatte, um dem Staatssekretär Planck bei der Ausfahrt behilflich' zu sein, stürmte plötzlich eine Frau in die Reichskanzlei und lief die Treppen hinauf. Der Pfört- \ nei eilte ihr nach und konnte sie im zweiten Stockwerk festhalten. Als die Frau von dem Por- tier und einem Kriminalbeamten durchsuch: wurde, fand man bei ihr einen 28 Zentimeter langen Dolch. Heute hatte sie sich nun wegen unbefugten Waffentragens vor dem Schnellrichter.zu verantworten. Die Angeklagte, die verheiratet ist. und Buddo heißt, gab an, Mitglied der SPD.und ehemalige Funktionärin dieser Partei zu sein. Auf die Frage des Vorsitzenden nach dem Motiv ihres eigenartigen Eindringens in die Reichskanzlei erklärte die Angeklagte^ sie wollte unbedingt'den Reichskanzler von Papen, um ihn zur Aendernng sener Politik zu zwingen. Ter Schnellrichter erkannte auf drei Monate Gefängnis wc- gerr verbotenen Waffentragens. Papen ade? Die Pap«n-B arone haben uni Donnerstag ans ihrer Niederlage bei der Reichstagswcchl endlich die Konsequenzen gezogen. Sie find zurückgetreten! Wie die Göttin der Schönheit und Klugheit dem Haupte des Zeus, so ist am einem schönen Tag desletzten Ium Franz von Papen als Reichskanzler dem Herrcnklub entstiegen. Grüß Gott, tritt ein— jubelten die ostelbi- schen Junker und die Schlotbarone, Hugen- bevg und Hitler und alles, was feit Jahr und Tag die Reaktion und die Knebelung des Volkes erwartet und vorbereitet hatte. Die gottgewollte, autoritäre Staotsfühvung war da, und mit ihrer Geburtsanzeige verkündete ihr Führer Papen, daß jetzt die Zeit gekommen sei,„dein Wohlfahrtsstaat ein Ende zu bereiten". Die erste Notverordnung dieser von Volk und Parlament völlig unabhängigen Regie- rung schmälerte das jährliche Einkommen der Armen, der Arbeiter und der Arbeitslosen um 1.5 Milliarden Dtark. Es folgte die Salzsteuer und die Herabsetzung der Arbeitslosenunterstützung auf durchschnittlich neun Mark in der Woche und auf den juristischen Anspruch von sechs Wochen. Das war der erste Papenstveich. Der zweite war die„Ankurbelung der Wirtschaft". Zu diesem Zweck wurden noch gar nicht vorhandene Steuereinnah- men bis zum Jahre 1988 an die Reichen verschenkt. Dazu Subventionen über S u b v.e n tio neu an die Großgrundbesitzer und Großindustriellen, insgesaMs 3:3 Milliarden Mark. Aus dem„Wohlfahrtsstaat" der republikanischen und parlamentarischen Regierungen und Vorgänger des Herrn von Papen wurde der Wohlfahrtsstaat der Reichen. Die Autarkie und die Zölle kamen ins Blühen und zur Reife, derart, daß das deutsche Volk jährlich etwa 4 Mlliarderi Mark mehr an erhöhten Preisen für Lebensmittel den ostslbischen Produzenten in den Nimmersatten Rachen werfen muß. Die Politik der Autarkie führte zum Handelskrieg mit allen Abnehmerstaaten deutscher Industrieprodukte. Der deutsche Industrie-Export ist um 60 bis 70 Prozent feines früheren Umfangs und Wertes gefallen.. Brele Tausende von deutschen bürgerlichen Existenzen sind vernichtet und viele Hunderttaufende von Arbeitern liegen über das Maß der Wirtschaftskrise hinaus hungernd auf der Straße. Das sst das wirtschaftliche Ergebnis von fünf Monaten Papenherrschast, die ein Blatt wie die „Kölnische Zeitung" bereits am 7. Oktober 1932 als„A m o k l a u f" bezeichnete, der nnr „Scherben und Trümmer" hinterlasse. Ist es anders in der Außenpolitik? Selbst das kaiserliche Deutschland war im August 1914 unter der Herrschaft des„gekrönten Narren von Doorn" nicht so isoliert, wie dos Deusschland des Herrn von Papen und der mit Hitlers Hilf« in die Niacht gekommenen Nazibarone. Wenn damals die kranke und morsche Türkei oder die bereit s halbverfaulte habsburgische Monarchie ihr Schicksal in die deussche Wagschale geworfen- hatten, heute im Handelskrieg und in den außenpolitischen Irrungen und Wirrungen ist auf dem weiten Erdenrund kein Freund und Gönner Deutschlands zu entdecken. Scherben und Trümmer, wohin wir sehen! . Zu Bergen türmen sie sich in der Innen Politik. Ws Herr von Papen seine autoritäre Staatsführung, die Vernichtung der Demokratie und des„Marxismus" verkündete, da hatte er wenigstens noch Beifall der gesanrten deutschen Reaktion einschließlich der Bräunen Häuser. Feierlich hatte ihm Hitler die Tolerierung versprochen. Als Gegengabe wurde das SA-Verbot aufgehoben, dursten sich die Httlerbanden mit neuen Tvcs sen schmücken und den Bürgerkrieg beginnen. Wenige Wochen später mußte derselbe Pape» gegen seine berühmten und vielgeliebten ,,nationalen und aufbauwilligen Kräfte" die Sorr Seit« 2 Samstag, 18. November 1882 Nr. 273 Deutsch-polnische Annäherung1 Warschau, 18. November. Außenminister Deck wird morgen am 19. November, nach Gens abreisen und sich unterwegs in Berlin aufhalten und. mit dem deutschen Außenminister N e u- rath Besprechungen abhalten, die sich sowohl auf die Angelegenheit der Polnisch-deutschen Beziehungen als auch auf das Abrustungsproblem beziehen werden. Die Warschauer Abendpresie legt der bevorstehenden Begegnung der beiden Außenminister große Bedeutung bei. iBniiiiiiilHiiniiiiiiiiiiniiiiiiiiiiiiiiiitiiifiiiiiiiiiiiiiiinniiiiititiiniiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiii dergerichte arbeiten lassen, die dem Vertrauen des Balkes rn die Justiz den schwersten Stoß versetzt haben. Was übrig geblieben war an Gefühl und Glaube an das Recht, wurde von der autoritären Regierung selbst verhöhnt. Die Art und Weise, wie dieser vieldeutige Staatsfiihrer und ehemalige Husarenleutnant im Preußenkonflikt das höchste deutsche Gericht behandelt hat, fiüdei in der deutschen Geschichte nicht ihresgleichen. Die Folge dieses 20. IM? Daß die Main» l i n i e drohend aufgerichtet worden ist und der Mann, der sich so laut als Nachfolger Bismarcks vorstellte, drauf und dran gewesen ist das Werk seines Vorgängers von Grund auf zu zerstören! Aber nicht nur das Werk Bismarcks! Dieses Kabinett der Barone ist im besten Zug, siebzig Jahve deutscher Geschichte so auszulöschen, als wären sie umsonst gelebt und alle Opfer und schmerzensreiche Erfahrungen nutzlos gewesen. Es ist diese autoritäre Staatsführung, die den deutschen Arboüer wiederum zu einem Bürger zweiten und dritten Grades erniedrigt und herabgesetzt hat. Mit salbungsvollen, schleimigen und sprachverdrehenden Redensarten, wurde der Kampf gegen die Parteien zum höchsten Staatsprinzip verkündet, als ob die Parteien nicht den Willen, das Wollen und die Wünsche des Volkes, seiner Klassen und seiner Schichten verkörpern würJn den Grenzbezirken des südwestlichen' Böhmens, also zwischen Tepl—Marienbad und Neubistritz wohnen rund 400.000 deutsche Menschen. Sie zu betreuen, ist Aufgabe unserer Kreisorganisation Pilsen—Budweis, die Wohl eines der ärmsten und schwierigsten Gebiete des sudetendeutschen Siedlungsbereiches zu bearbeiten hat. Einige Agrarbezirke im Süd- Egerland, ein langgestreckter Waldstreifen entlang des BöhmerwaldkammeS und in Südböhmen wieder ein größerer landwirtschaftlicher Distrikt, alles nur schütter durchsetzt mit einer schwachen und durch die Krise größtenteils vernichteten Industrie, verkehrsarm, ohne städtische Mittelpunkte, ist dieses Gebiet wirklich kem leichter Kampfboden für den Sozialismus. Die Jndustriearbeiterschaft bildet eine verschwindend« Minderheit. Im Bezirk Mvrienbad-Tepl gibt es überhaupt keine Fabrik. Der einzige Industriebetrieb des politischen Bezirkes Plan rst aufgelassen, die zwei Glasfabriken und der schwache Spatbergbau im Bezirk Bischofteinitz sind stillgelegt worden. Im Winterberger Gebiete wurde die Papierfabrik Franzenstal kassiert, die Glasfabrik Adolf eingestellt. In den politischen Bezirken Krumau und Kaplitz blieb nur ein größerer Papierbetrieb im Gange. Die Glasindustrie im deutschen Südzipfel des Bezirkes Wittingau durch Konzentration zerstört, oer Steinkohlenbergbau im Staab- Nürschaner Becken gewaltig zurückgegangen, die Dachauer Industrie bis auf die Tabakfabrik lahmgelegt, dazu Absatzstockung und Arbeitsschwund in den großen Forsten und nicht zuletzt das unlösbare Problem von rund 10.000 Wanderarbeitern, die früher in Deutschland und Deutschösterreich ihr Brot fanden— so stellt sich in groben Umrissen die wirtschaftliche und soziale Lage des südwestböhmischen Grenzlandes dar. Trotzdem ist es ein fester Stützpunkt der sozialdemokratischen Bewegung. Der Pilsner Wahlkreis mit einem sozialdemokratischen Anteil von 36 Prozent an den deutschen Stimmen marschiert dicht hinter den Jndustriewahlkreisen Karlsbad, Teplitz und Bodenbach. Auch die Organisationen haben sich in der Zeit schwerster Krise nicht nur gut gehalten, sondern teilweise noch prächtig entwickelt, wobei die Bei- tragsfroge bei der Armut der Bevölkerung ein schweres Hindernis der Massengewinnung bedeutet. Davon zeigt der vielseitige und ziffernreichc Bericht, den Kreissekretär Genosse K u p l e n t der am Sonntag in Mies stattfindenden Kreiskonferenz vorlegt. Di« Parteiorganisationen welche in die drei großen Distrikte Tachau, Staab and Krumau geteilt sind, weisen eine Bermelirunq der Lokalorganisationen von 171 auf 193, wwi« ein Ankäufen der Mitgliedschaft von 5693 auf 5773 aus. Gewachsen sind auch die freien Gewerkschaften von 267 auf 279 Ortsgruppen und von H3.983 auf 15.617 Mitglieder. Schöne Fort» den.„Gegen Parteiegoismus" heißt die hohe Papenphmfe, um an Stelle des Parlamentes die Dunkelkammer des Herrenklubs, an Stelle des Volkes eine Handvoll Großagrarier, Monarchisten und Bank- und Jndustrieritter zu setzen, denen der Staat als alleinige Domäne überlassen werden soll. Das ist es, was 90 Prozent des Volkes sowohl am 31. IM wie am 6. November klar erkannt und zum Ausdruck gebracht haben, und alles was Herr von Papen getan und geredet hat, war allein zu dem Zweck, diesen Willen des Volkes hinweg zudiskutieren und auszuradieven. Gegen dieses volksfeindliche und verächtliche Beginnen wendet sich heute der Zorn und die Empörung von 90 Prozent des Volkes und härtst zugleich einen Zündstoff, den niemand übersehen soll, der sich anmaßt den Namen eines Staatsmannes zu führen. Herr von Papen und seine Barone sind über jedes Gefühl des Volkes für Recht und Gesetz achtlos hinweggestiegen. Sie haben die Freiheit, die soziale und politische Gleichberechtigung der Arbeiterschaft wie einen Fetzen Papier behandelt. Sie haben die Beauftragten und Vertvariensmänner von acht Millionen sozialdemokratischer Wähler wie Verbrecher und Strafgefangene behandelt und damit ein Beispiel gegeben, von dessen Auswirkung und Unheil den Husarenleutnants und Korpsstudenten noch keine Ahnung gedämmert hat. Die autoritäre Regierung fühlt sich als berufener Hüter des Christentums und der Kultur. Der Erfolg: daß alle Schleusen finsterster ReaAion und Unkultur geöffnet sind und daß der Glaube an eine fortschreitende und sittlich gebundene Entwicklung täglich mehr vertrieben wird und dahin schwindet. „Trümmer und Scherben"— das ist das Fazit dieser Herrschaften der Barone. Darum mußten sie abtreten. Aber noch am Grabe pflanzen sie die Hoffnung auf, daß es für sie eine Wiederkehr gibt. Mögen st« sich nicht täuschen. Um diese Wiederkehr zu verhindern muß der deutschen Arbeiterklasse auch das letzte Mittel recht sein. schritte erzielte die noch im Aufbau begriffene Jugendbewegung, di« ihre Gruppenzahl von 17 auf 24 vermehrte und die Mitglieder- >hl von 524 auf 686 steigerte. Das Gebiet vcn Staab-MieS-Bischosteinitz ist die stärkste Hochburg der roten Landjugend. Unter den Kulturorganisationen marschieren die Turner nut 2523 Mitgliedern an der Spitze, ebenfalls einen Zuwachs von 200 verzeichnend, die Radfahrer weisen 388, di« Sänger 389 Mitglieder aus. Schwach ist die Freidenkerbewegung mit drei Ortsgruppen und 64 Mitgliedern. Die Kulturorganijationen beschränken sich zumeist auf di« wen'gen Jnduftrieort« und haben noch das große Problem der Eingliederung des Landpro- letariats zu lösen. Di« Kleinbanernbewegung hat in Südwestböhmen starke Positionen. Im Berichtsjahr 1931 vollzog sich ihr Dorniarsch durch Vermehrung der Ortsgruppen von 117 aus 136, durch Anwachsen der Mitgliedschaft von 2460 auf 2664. Ihr Einstuß auf die Landbevölkerung reicht aber weit über dies« Ziffern hinaus, denn der verhältnismäßig hohe Beitrag von drei Kronen erschwert di« Erfassung der ärmsten Häuslerschichten, bei denen Bargeld eine rare Sache ist. Ein mächtiges Bollwerk sind die Konfum- genoflrnschaftrn. Die Zahl der Verkaufsstellen vermehrte sich von 167 auf 178, die Mitgliedschaft Wuchs von 27.034 auf 28.839 Die genossenschaftlich« Er- faffung der Landbevölkerung ist in diesem Gebiet« wohl am weitesten fortgeschritten und«S ist' symbolisch, daß die höchsten Böhmerwaldörte Buchwald, Außengefild, Jnnerge- f i l d und Fillipshütte gut prosperierende Verkaufsstellen aufweisen. Das weltentlegene Buchers im südlichsten Grenzzipf«! Böhmens ist ebenso eine genossenschaftliche Borvostenstelluna wie die hochgelegene NotstandSgemeftzde P l 5 ß im Biichofteinitzcr Bezirke. Mitten in schwerster Krise Kisten die Genossenschaften des Böhmerwaldes ein Stück Aufbauarbeit, daS voll« An- rrknnung verdient. Auk die wohltätige Institution der„Arbeiterfürsorge" hat im Böhmerwald Emzug qebalkn und übt ihr« Wirksamkeit in 10 Bezirksverein«« aus. So dringt die bunte Vielfalt des proletarischen Organisationswefens unaufhaltsam in dieses arme G reu»land vor. Abgesehen von einigen kleineren Mittelpunkten müsien di« Menschen zu- meist dutzendweise in den Agrar- und Walddörfern gesammelt werden, um in unser« Bewegung eingegliedert ru werten, der die Gegner trotz ihrer wirtschaftlichen Uebermacht nichts Gleichwertiges entgegenzustellen vermögen Kom- mun'sten und Hakenkreutler haben trotz allen Bemühungen in dielem Gebiete bisher über ihre Bedeutungslosigkeit nicht hinauskommen können denn sie sind nicht imstande, sich mit den großen Praktischen Leistungen der sozialdemokratis Heu Bewegung m messen. Di« Sozialdemokratie ist und bleibt di« Partei der armen Böhmrrwald. Volks. TrSserlschr KoffinM»! Aus den Kreisen der sozialistischen Jugend wird uns geschrieben: Die kommunistischen Blätter beschäftigtem sich in dm letztem Tagen an leitender Steile mit dem Verhältnis der sozialdemokratischen Jugendlichen zur Partei und zur Führung des Sozialistischen Mtyrndveubandos. Sehr viele Mitglieder des Sozialistischem Jugendverbandes seien weder mit der Koalition spmitik, noch mit der „Stp.«kdruch-.und Spaltungspolitik der Partei- und Jugondfühver" einverstanden. In vielen Orten sei es zur„Verbrüderung" zwischen Jungsozialisten und Jungkommunisten gekommen. Diese Jungsozialisten seien allerdings ausgeschlossen worden und das biweise, daß das Hin- orängen der sozialistischen Jugend zur Einheitsfront nur von den sozialdemokratischen.Jugendführern gehemmt werde. Der sozialdemokratische Parteitag sei ein Verrat an der Jugend gewesen. Seit mehr als zwölf Jahren hören wir dieses Geseires der Bolschewiken. Einmal luden sie uns brieflich zur Herstellung der Einheitsfront ein, ein anderes Mal wollten sie sie„über die Köpfe der Führer hinweg" Herstellen, dann entdeckten sie wieder einmal„tiefe Gegensätze zwischen d.n Alten und den Jungen", immer jedoch waren sie sich darüber im Klaren, daß tue ge- samte sozialdemokratische Jugend eigentlich k o m m u n i st i s ch denkt und nur von ihren Führern gehindert werde, diese Gesinnung zu be tä tigen. Es rst doch sonderbar, daß der Sozialistische Jugendverband in den letzten zwölf Jahren, also just in der Zeit, da solche BehauptuiWem mit be- sotldovem Eifer im die Welt gesetzt wurden, sehr erfreulich gewachsen ist. Biele Tausende junger Arbeiter und Arveitermnon sind der soziotdomo- irakischen Jugemdbetvogung und damit der „Knute" der sozialdemokratischen Jugendsührer entwachsen: wie merkwürdig, daß sie inefe„Frcii- hoit" nicht zum sofortigen Anschluß an di« kont- munMfche Bewegung benutzten! V Die kommumstischen Behauptungen und du Folgerungen, die- die kommunistischen Blätter aus diesen Behauptungen ziehen, sind blühender Unsinn. Die sozialdemokratische Jugendbewegung bestimmt als ErziehungSo-vganifation nicht die Taktik der sozialdem akratisch en Partei; aber die Stimme der Jugend wird von ihr gehört und beachtet. Und soweit die in unserer Jugendbewegung stehenden Arbeiterinnen imd Arbeiter schon«in selbständiges politisches Urteil Haden, halten sie damit nicht hinter dem Berge. Ihnen widerfährt darob nicht das gleiche Schicksal, das jeden erwartet, der innerhalb der kommunistischen Bewegung eine eigene Meinung äußert: sie worden widjt aus der Bewegung entfernt, weil sie eine Meinung hat. Ader unsere Jugendbewegung steht hinter d e r' f öziäldotn akratischen Pari«ß, to«ft■ Jugendfreih eit bei ihr ätn besten geborgen ist. w eil diese Par-' tei die notleidende Jugend nicht mit Phrasen füttert, sondern ihr wirklich zu Helsen b«strebt ist. Allerdings: wenn ein Mitglied des Sozialistischen Jlrgondvepbandes, das von den Kommunisten owgeschmuggelt oder betört wurde, daran geht, die Einheit der sozialistischen Jugend- bewogung zu untergraben und wenn es ihre Satzungen und Beschlüsse nicht achkt, dann wird es aus der Organisation entfernt. Das soll auch bei den Kommunisten schon vorgckommcn sein, und zwar sehr oft. Nur beruhen dort dk Beschlüsse nicht auf der fielen WillenSbildung der Mitglieder, sondern auf der Willkür der Führer. Und das ist die Erklärung für di« Mß:r» folge der Kommunisten bei der Einheitsfrontwerbung unter unserer Jugend: Die Führer unserer Jugendbewegung sind von den Mitgliedern gewählt, sie sind di« Vertrauensleute der Mitglieder. Dieses Band dos Vertrauens erweist sich als stärker denn das Keifen und Hetzen der Kommunsstcn. Und so wird es bleiben, mögen sich die Bolschewik» noch so eifrig bemühen, das Bollwerk zu zerstören, das dk arbeitende Fugend im Sozia- listtfchm Jugendverbaud hat. Direkte Steuern 1813 und 1S3V Das„Prävo Lidu" enthält einen Vergleich der Steuervorschreibungen in Böhmen im Jahre 1913 und im Jahve 1933. Daraus geht hervor, daß die Grundsteuer im Jahve 1913 23.30 Prozent jener Steuern ansgcmacht hat, die umlagepflichtig waren und daher für unsere Selbstverwaltungskörper in Betracht kommen. Im Jahre 1933 betrug dk Grundsteuer nur noch 13.60 Prozent dieser Steuern. Bei den HauMassen- steuer war das Verhältnis 1913 3.50 Prozent, 1933 3.80 Prozent. Bei der Erwerbsteuer 12.80 und 21.50, bei der besonderen Erwerbssteuer 28 und 24.40 Prozent, bei der Rentensteuer 0.80 und 1.80 Prozent, bei der Steuer von höheren Dienstbezügen 0.80 und 2.80 Prozent, bei der Hauszinssteuer 30.80 und. 32.10 Prozent. Wie man si^ht, ist der Anteil der Grundsteuer bedeutend herabgesunken. Sehr lehrreich ist auch ein Vergleich zwischen den: Steuerertrag Oesterreichs im Jahre 1913 und der Tschechoslowakischen Republik im Jahre 1930. Die Real steuern(Grundsteuer, Hausklassen- und Hauszinssteuer) brachten im Jahve 1913 179 Millionen 650.766.91 Ks, das sind 42.07 Prozent aller direkten Steuern. In der Tschechoflowaki- schen Republik brachte dk Grundsteuer 105 Millionen 590.901.97 Ke oder 5.95 Prozent, die Hauszins steuer 110,044.330.96 Di oder 6.20 Prozent ein, dk Hausklassenfteuer 18,695.775.38 Kronen oder 1.60 Prozent, zusammen also brachten dk Realsteuern 234,331.014.31& oder 13.75 Prozent ein. Die besondere Erwerbsteuer brachte im alten Oesterreich 90,597:928.23 oder 21 Prozent in der Republik 119,369.850.45. oder 6.70 Prozent ein, dk allgemeüre Erw«rbsteuer 1913 37,011.317.67 oder 8.60 Prozent, in der Rcpn- W 108,444.221*85 Ke oder 6.10 Prozent, die Rentensklzor 13,548.296.85 ober 3.10 Prozent, in her Republik 114,442.481.60 oder 6.45 Prozent, die Steirer aus höheren Dienstbezugm 4^564.137.14 od. 1.70 Prozent, 1930 9,314.961.90 oder 9.50 Prozent, dk Tantiemensteuer in der Republik 11,246.374.75 oder 0.60 Prozent, die Einkommensteuer im alten Oesterreich 101 Mil- ljönen 769.900.18 oder 23.53 Prozent, in der Republik 1161,350.028.07 oder 65.90 Prozent. Diese Steuern brachten also im alten Oesterreich 427,142.498.— Friede ns krönen ein, im der Republik 1758,489.929.93 Ks. Wie man sieht also d i e direkten Steuern nicht valorisiert. SK brachten etwa viermal so viel ein, Äs im alten Oesterreich, während das Verhältnis der Ke zur Friedenskrone wk 1 zu 7 ist. Den größten Ertrag bildet davon dk Einkommensteuer, welch« dk Arbeiter und Angestellten in viel größerem Maße tragen, als es im alten Oesterreich je der Fall gewesen ist. Stfibrnf-Prozeß. Jglau, 18. November. Da sich dk Zeugen der 27. BerhandlungstageS erst gegen Mittag einfanden, wurden dk ersten Stunden der Verlesung des Akte»Materials gewidmet. Sektionsrat Dr. Mikyska, Vertreter des Sekretär- des Abgeordnetenhauses, gab an, er habe vyr dem Untersuchungsausschuß di« Aussagen von 70 Zeugen schriftlich zu verzeichnen gehabt. Auf ein« Anfrage des Vorsitzenden erklärte er, daß dem Abg Stkibrny das Faszikelmaterial über jene echt Punkte zur Einsichtnahme übergeben wurde, in denr« Stkibrny beschuldigt wird, doch wisse sich Zeugnicht zu erinnern, ob ihm dos«ganze Material gegeben wurde. Alle emvernouimenen Zeugen seien vom Berichterstatter Koudelka sorgfältig belehrt worden. Sektionsrat Dr. Sochr, Dolmetsch des Abgeordnetenhauses, war bei den Einvernahmen deS Untersuchungsausschusses ebenfalls Protokollführer. Auf«in« Anfrage des Vorsitzenden erinnert sich der Zeuge, der ParlamentSangesteklt« Koh out habe ihm mitgeteilt, daß ihn Stkibrny einmal nach dessen p o l i t i s ch e r Zugehörigkeit gefiagt habe, worauf Kohaut geantwortethaben soll:„Herr Abgeordneter, ich muß hkr für alle sein." Der Zeuge schildert weiter eingehend, in welcher Werse S t k i b r n y die Fafzckek mit dem Material zur Einsichtnahme gegeben wurden. Beratung fafeMcher Fugend- führet.- Prag, 18. November. Nachdem gestern zwei Mitglieder der faseistischen Jugendorganisation v e r h a stet worden waren, nahm heute früh di« Prager Polizei«in« Reih« von Hausdurchsuchungen vor, woraus sie sieben Funktionäre der faseistischen Jugend verhaftete, darunter auch den Bruder GajdaS. Ei« amtlicher Bericht über diese Maßnahmen wurde noch nicht ausgegeben. Msshttsch-schlefisÄer Landesansschutz. Brünn, 18. November. In der heutigen Sitzung des mährisch-schlesischen Landesausschns- seS wurden- di« Anleihen verschiedener Bezirk« und Gemeinden genehmigt. Es wurde beschlossen, mehreren Bezirken für Straßen bauten Unterstützungen zu bewilligen. Auch der Bau der Straße Äilowitz—Adamsthcck wurde bewilligt, er wird aus Landesmitteln unterstützt worden. Durchberaten wurden ferner di« Vorschläge des neuen Straßengesetzes. Biß Sihva wsMsanter&rediiiDa im neuen Stramt der Sdivelz. Zur Zeit tagt in Zürich dk nativnalrätliche Stvafvechtskommiision. SK nahm erneut Stellung zum Delikt der Abtreibung. DK neuen Beschlüsse der Kommission sind bä»outend einsichtsvoller und fortschritüicher. ausgefallen als.die frühere» und die das Ständevates..SK bestimmen, daß eine Schwongerfchaftsunkrbrechung aus medizinischen Gründen dann statthaft ist, wenn die Gesundheit oder das Loben der Mutter durch die Schwangerschaft gefährdet sind. DK Schwangsrschaftsunterbvechung muß von einem Ärzte Vovgsnommen werden. Em zweiter Arzt muß vorgängig als Gutachter zugezogen worden sein. Im NotfM« darf ein emzelner Arzt dk Unkrvvechmig vornehmen, jedoch hat er in dk- sem Falle Anzeige an dk Behörde zu erstatten. Diese Anzeige ist kein Tatbestand, sondern lediglich Oidivungsvorschrift. Der NotstlrrwsparagvapY ist in dem neuen Beschlüssen der Komnnfsion bestätigt worden. Bei eugenischer, juristischer oder sozialer Indikation kann der Richter nach fieism Ermessen dk Strafe mildern. * El« Ausschuß zur Untersuchung der Abtrei« bungSfrage in Dänemark. Der Kopenhagener „Sveial-Demokraten" vom 9. November 1932 berichtet, daß der dänische Justizminister, veranlaßt durch die lebhaften Erörterungen der Ab- tveibungssrage, einen neunzehnglkorigen Ausschuß für d« Untersuchung der Frage der tell- weisen Frcigaibe der Abtreibung und der Aufklärung über di« Verhütung der unerwünschten Schwangerschaft eingesetzt hat. Die Sozialdemokratie im Böhmerwald, vnverdroffene Aasbauarbelt im Krlseusturm. Nr. 273 Samstag. 19. November 1932 Seite 3 betrifft das Gesetz Die Abgaben im bisher einer Regie- Vorlage bringt ein« Abgabe» für Schürsrechte und Grubenmaß«, Grubenbesitzer trifft, Prag, 18. November. Der Tagesordnung I kommen«! und veralteter Vorschriften— nach wurden heute im Abgeordnetenhause die I Wicht getan,'als es di« Zustimmung zu der haftet, als er wider dem Verbote bei dem Leichen- begätlgnis des erschossenen Pillar öffentlich sprechen wollte. Das Leichenbegängnis des erschossenen Pohorelec, das' vorher in Poiomba statt- änd, ging in voller Ruhe vor sich. Der verhaftete Abgeordnete Vallo wurde dem Kreisgericht in Brezno eingeliefert. die ausschließlich und«ine Mehreinnahme von fast vier Millionen Kronen bringen soll. Di« bisherige Abgabe für Schürfrecht« wird von 24 auf 40, die Abgabe von Grubenmaßen von 40 auf 100 X jährlich pro Einheit(4.51 Ha.) erhöht. Diese neuen Sätze können durch Regierungsverordnung um weitere 50 Prozent erhöht werden. Im Gegensatz zu der bisherigen Praxis wird ausdrücklich festgesetzt, daß di«s« Abgaben weder herabgesetzt noch ganz nachgelassen werden dürfen. Bei einem Zahlungsverzug können die Schürfrecht« bzw. die Förderungsberechtigung eingezogen werden. "Der Motivenbericht weist darauf hin, daß di«' ordentlichen Einnahmen der Bergämter, die Zentrale gar nicht gerechnet, nur vier Mllionen betrugen, während die Ausgaben um fast anderthalb Millionen größer sind. Die beiden erwähnten Abgaben sollen aber zumindest die durch die Staatsaufsicht über die Gruben der Staatskasie verursachten Auslagen voll decken. Im Vergleich zu den sonstigen Regieauslagen, mit denen jeder Bergwerksbesitzer rechnen muß, sind die Abgaben auch nach der Erhöhung so gering, daß auch der Wegfall der bisherigen Ermäßigungen und einzeln« weitere Verschärfungen gegenüber dem jetzigen Stand voll gerechtfertigt sind. seine ....,,. Ver steigerung gab. Tas Vorgehen derer, di« mit sülchen Mitteln die Zahlung einer Zechschuld durchsetzen wollten, sei allerdings aus das schärfst« zu»er- dämmen. Der Bezirk, in dem das Unglück geschah, ist vollkommen dem Alkohol verfallen. Im Jahr« 1930 wurden dort in 31 Gemeinden um 27 Millionen Kronen alkoholische Getränke vertrunken! Davon entfällt ein beträchtlicher Teil gerade auf Polomka. Aks letzter Redner erinnert« der tschechische Genosie Kondelta vorerst in einer Randbemerkung den Kommunisten Zapotocky daran, daß nach einer Machtergreifung di« Kommunisten nach russischem Muster wohl zu allererst den gesamten staät- lichen Machtapparat zerschlagen und die Angestellten bis auf den letzten Mann hinauswerfen würden. Das wären aber dieselben Leute, di« heute Zapotocky in eiver Brandrede selbst vor der geringsten Kürzung des Gehaltes unter allen Umständen bewahrt wissen wollte. Auf Polomka übergehend, fordert Koudelka stvengste Untersuchung der Ursachen dieser unglückseligen Ereignisse; di« Regierung müsse alle Maßnahmen treffen, damit sich derartige Vorfälle nicht wiederholen. Ueberhaupt müsse man der Frage der Entschuldung des bäuerlichen Kleinbesitzes größte Aufmerksamkeit widmen. Ein schwerer Mangel ist es, daß bei Exekutionen die kleineren und mittleren Bauerngüter meist tief unter dem wahren Wert zugeschlagen würden. In diesem Zusammenhang weist der Redner darauf hin, daß das Justizministerium schon im Mai d. I. einen Gesetzentwurf ausgearbeitet hat, der für solche Fälle ei» Moratorium vorficht. Unter wiederholten Zwischenrufen von agrarischer Seite stellt Koudelka weiter fest, daß es die tschechischen Agrarier waren, die sich im interministeriellen Verfahren gegen diese Vorlage stellten, weil st« befürchteten, daß dadurch ein landwirtschaftlicher Kredit überhaupt unmöglich gemacht würde. In dem«rwähnteu Entwurf sollt« bei Feilbietungen das niedrigst« zulässige Angebot entsprechend erhöht und«in Zuschlag des zu versteigernden Objekts unter dieser Grenze verhindert werden. Diese Feststellungen gingen den tschechischen Agrariern arg wider den Strich. MaKata meldete sich daher zu einer sachlichen Bemerkung und verlas eine geharnischte Erklärung seines Klubs, worin di« Behauptungen Koudelkas glattweg in Abrede gestellt werden. Als Alibi brachte Masata einen agrarischen > Antrag aus dem Dezember 1931 vor, in dem ebenfalls ein« Art exekutionsmoratorium gefordert worden sei. Genosse Koudelka reagiert darauf mit der erneuten Feststellung, daß er sein« Behauptungen aufrecht erhall« und dem Haus in der nächsten Sitzung diesbezüglich näheres Tatsachenmaterial vorlegen werd«. Neue Regierungsvorlagen. Besteuerung der Kohlenbarone. Prag, 17. November. Die Regierung hat heut« im Parlament drei Regierungsvorlagen eingebracht, die sofort den Ausschüssen mit Frist bis Mittwoch zugewiefen wurden und bereits am nächsten Donnerstag im Plenum zer Verhandlung gelangen sollen. Zwei davon sind bloß« Verlängerungen von Gesetzen, die mit Ende des Jahres Mausen. Es soll das Gesetz über die Abgaben von Amtshandlungen in Verwaltungssachen, das im letzten Jahre der Staatskasie 40 Millionen eingebracht hat, bis Ende 1985 verlängert werden. einzelnen festzusetzen, bleibt wie rungsverordnung überlassen. Die zzveite Verlängerung über di« Gebühreuerleichterungen bei Fusionen usw. von Unternehmungen. Die Frage, ob derartig« Fusionen vom Gebührenstandpunkt aus dauernd favorisiert werde» sollen, könne, wi« der Motivenbericht erklärt, erst dann gelöst werden, bis sich di« wirtschaftlichen Verhältnisie wieder geklärt haben. Eine öritte Erhöhung der Nach Auname der nominell zur Verhandlung stehenden Vorlagen vertage sich das Haus auf nächsten Donnerstag, den 22. November, 11. Uhr vormittags. » Oer Abgeordnete Vallo verhaftet. Preßburg, 18. November. Ter kommunistische Abgeordnete Vallo wurde heute vor- Vom Rundfunk Empfehlenswertes ans den Programmen. Sonntag. Prag. 6.15: Gymnastik, 9.40: Lieder, 11:' Orchesterkonzert, 15: Die verkaufte Braut, Oper von Smetana, 18: Deutschc Sendung: Deutsche Akademie für Musik und darstellende Kunst, 20.15: Blasmusik, 21.35: Chodische Volkslieder, 22.20: Jazzmusik.— Brünn.' 10.20: Schallplatte», 17.40: Violinkonzert, 18: Deutsch« Sendung: Wagner- Verdi-Stunde. 21.15: Ursprung der Trampem bewegung— Berlin. 15.45: Orchesterkmrzert, 21.05: Nord und Süd begegnen sich.— Breslau: 15.40: Alte deutsche Lieder und Arien.— Mühlacker: 16: Kammermusik, 17: Requiem von Verdi.— Hamburg. 17.15: Harfenkonzert.— Königsberg: 20.55: Musik für Cello.— Leipzig: 11.30: Bach-Kantaic. 17.45: Der Fremde, Hörspiel.- München: 20: Der Tod.— Wien: 15.30: Reger, 20.05: Meister der Wiener Operette. sind, will ich airstrengen und brauchen müssen — müssen..." Pit begreift nicht ganz— ,Za, aber der Mann?" „Ja. siehst du, Pit, auch wenn das Kind nicht wär'— ich müßt' fort von ihm— um meinetwillen und um seinetwillen. Ich kann nicht arbeiten, Pit— mit ihm zusammen. Ich hab's ja versucht und gesehen und erlebt, wie's geht. Ick liebe ihn zu sehr— so in jeder Beziehung, um» wenn ich ihn nur seh', dann ist mir alles andere gleichgültig, ganz tief, tief gleichgültig. Ich kann mir»och so viel Mühe geben, daß«s anders sein soll— nutzt alles nichts. Und flehst du, Pit, ich muß arbeiten und Ordnung haben... er hat nicht so viel Geld, daß ich davon mitleben könnte— abgesehen davon, daß ich's auch nicht gern wollte, wenn er genug hätte. Und er gibt so viel aus mit mir— und auf einmal ist das bißchen Vermögen zu Ende, und dann stehen wir beide da und wissen nicht weiter. Und er ist gar nicht gewöhnt, für Geld zu arbeiten. Er versteht nichts davon. Und weißt du, em Mensch kann sich wohl von sich aus ändern— aber einen andern ändern wollen, heißt sich und ihm nur das Leben schwer machen. Er hat mich Wohl wirklich lieb fetzt und würd' sich vielleicht umstellen— mir zuliebe. Aber ganz abgesehen von der äußeren Schwierigkeit— auch sonst ist das furchtbar schwer. Ja, wenn er das später ganz unbeeinflußt und ganz langsam und allmählich und vor allem ganz, ganz freiwillig tut— dann— ja, dann... Aber jetzt! Durch das Kind— plötzlich und gezwungen! Und ich würd' immer nervöser und angstvoller und immer, immer kraftloser und wär' nur noch auf ihn angewiesen... ach, Pit— aus meiner schönen Liebe soll nicht so'n Strindberg-Droma werden..." „Und du willst ganz allein mit dem Kind. Oh, du' hast Mut!" (Schluß folgt.) Der HandcdrucK von Boicn. Durch eine Reihe deutscher Blätter ist ein Bild gogangan, das im„Popolo d'Jtvlia" über die Fchoistenfeier cnn Bozener Siegesdenkmal veröffentlicht wordon ist. Das Bild zeigt den Führer einer uniformierten Natioavailsozivlfften-Abtei- luug, wie er vor dem Bozener Siegesdenkmal dem Fascistenherzog von Piftoja die Hand drückt.. Dies Bild beweist nicht nur dir nationale Würdelosigkeit van Hitlers SA,'sondern noch ein anderes! Dieser uniformierte SS- Führer istwie das Bild deuttlich ausweist, niemand anderes als der flüchtige Standartenführer der pfälzischen SA und SS, Theodor Eicke, der wegen Spreugftoffveirbrechen zu zwei Jahren Zuchthaus verurteilt worden fft! Er hatte 80 hochexplosible Sprongstaffbomben hergestellt. Wenige Tage nach feiner Verurteilung wurde er angeblich wegan Haftunfähigkeit aus der Haft entlassen. Er fft fluchtig geworden und seitdem für die Justiz unauffindbar. Dieser Bombenverbrecher, der, sich in Deuffchland einer Zuchthausstrafe durch di« Flucht entzogen hat— das war der offizielle Abgesandte Hitlers bei der Fasci- stenfrier am Bozener Siegesdenlmäl. Ms Eicke seinerzeit verhaftet wurde, ließ die ÄlSDAP erklären, daß die in die Bombenaffärc verwickelten Parteigenossen selbstverständlich aus der Partei artsgeschlosseir seien. Was darunter zu verstehen war, fft jetzt enthüllt. Ter aatgMich Ausgeschlossene hat den foscistffchen Behörden vor beul Siegesdenkmal in Bozen die persönlichen Grüße Hitlers übermittelt! Zufall ab— und tausend Ringe hätten da letzten Endes nicht mehr geholfen... Schuld sind ganz andere Dinge, aber nicht du... Und wenn du jetzt o anfängst— na, dann kann Wohl bald nichts mehr auf der Erde geschehen, ohne daß du dich 'chuldig daran fühlst..." Schütteln und schlagen möchte man das klein«, tote, graue Häufchen Elend, damit wieder Leben hineinkommt, damit's wieder der gerade, straffschultrige, energievolle kleine Mensch Wird... Gilgi bewegt sich kaum—. hört ganz weit, weit fort Pit sprechen... Gedanke« wandern... „Pit, du sorgst unter allen Umständen dafür, daß ich nach Berlin fahre heut' abend?"* „Natürlich. Tu' ich." Pit ist zu allem bereit. Es ist ganz gut, wenn sie forffährt— nur— „Warum willst du denn überhaupt nach Berlin?" Ja, warum! Gilgi sieht Pit an— als wenn der's wüßte! Warum will sie eigentlich fort? Martin! Aber in einer halben Stunde kann ich bei ihm sein... ,Ma rum, Pit? Ja... Weitz schon, Pit, weiß schon." Sie zieht ihn«eben sich. Ihre Augen sind blickvoller, ihre Hände lebendiger — ganz klar sieht sie den Weg....„Pit. ich kriege ein Kind. Ich macht' es gern haben. Es ist doch «in großes Glück, daß ich grad' van dem einzigen Mann, den ich wirklich liebe, ein Kind haben werd'. Ist auch eine große Verantwortung— und das ist gut. Alle, alle Kräfte, die in mir .. nur lveil ich dich liebe. Hab' keine, Angst— um mich nicht. Muß alles so sein, hab'\ Vertrauen zu mir— Du— etwas ist geschehen,< ich kann nicht mehr lachen, lange nicht mehr. So,' wie ich jetzt bin, würd' ich nur Last für dich sein und dich mit traurig machen.,.. vielteichr: hättest du mich dann nicht mehr lieb... vor: nichts hab' ich mehr Angst. Vergiß mich nicht l bitt«."■'*/- s Der Name verweint sich in schlingernder' Linie. Sie legt den Zettel mitten auf den Eßzimmertisch— Hyazinthen— weiße Hyazinthen 1 m schwarze Basen. Mein süßes Leben— ewig trage ich dich in meinem Blut. Das goldene Feuer... Kniet vor dem Diwan, die kleine Gilgi, legt den Kopf in die Kisien— di« goldrote Seide— Farbe deiner Lebenslieb«— du und wieder nur du... hab' keine Träne für andre— Tränen verzischen ungeweint in Liebe zu dir... du hast mich geschaffen— ich bete dich an— deine goldrote Farbe— ich will kein Grau in ihr— für dich nicht, für mich nicht... der Koffer wird schwer sein... Gilgi steht auf. Blind versunken die Augen, verkrümmt den Mund, erfahlt die Haut... und man geht, geht— man weint nicht, man stirbt nicht— man geht mit dem Koffer— man fährt... Gefrorene Welt. Warum tut man sich weh— so sehr? Man ist ein blutiger Fetzen Fleisch, von Haut verhüllt... ach, mein Kopf— wer sticht die Nadeln hinein— lieber Gott, denkst du, mein Kopf ist ein Nadelkissen... „Pit", sagt Gilgi und tritt in sein Zimmer „Pit, daß du da bist! Gott sei Dank! Du mußt mir helfen, daß ich heut« abend mit dem Zug nach Berlin fahre..." Still sitzen sie nebeneinander, die beiden Kinder. Sehr lange, sehr ruhig hält Pit Gllgis matte, kleine Hand— schenkt ihr, was eben zu schenken fft— ein bißchen menschliches Mitatmen. Sehr wenig. Sehr viel. Und gleichgültig verstehende Wände umschließen zwei Leine wenige Menschen. Ein Tropfen Weh im Raum— ein Tropfen nach innen geweintes Nichts im Raum— ein Tropfen^erlittenes Atmen im Raum— ein Trovfen fuße, junge Ueberslüssig- kcit im Raum. Uno draußen so viel! Nazi-Leute Verprügeln Kommunisten— Kommunisten verprügeln Nazis— alle haben recht--- weil alle glauben, sie haben recht. Furchtbar viel Zeirun- gen schreiben rechts und links— und rechts und links ist nicht mitten hinein. Und die Welt hält sich den Bauch vor Lachen— pinselt mir nur eure Gesinnungsfarben ins Gesicht— ein einziger, winziger Regentropfen wäscht sie ab... mit mir könnt ihr's ja machen— na ja— so viel sinnvoll-sinnloses Rumgelärme— und eine kleine Wolke öffnet den Mund und spuckt euch ins dumme Ungesicht— so ganz nebenbei. Passiert sehr viel auf der Welt und geschieht nichts — eben weil viel paffiert— heftig zur Erde geschriener Sophismus, der widerprallt— verschluckt euch man nicht... pasiiert sehr viel draußen... Und die Sonne verliebt sich mal wieder in die Erde— küßt so allerhand buntes, grünes, blumiges Spielzeug aus ihr heraus... liebt sich wärmer und heißer am eigenen Spiel — und in der Abendausgabe vom Stadtanzeiger wird heute eine klein« Notiz stehen— unbeteiligt bedauernd und feststellend... vier Menschen an Gas gestorben... Steht nicht auf der ersten Seite, die Notiz, und ist nicht sehr lang— paffiert ja so oft so etwas und geht eigentlich keinem sonderlich viel an... Und tonlos und stockend erzählt Gilgi dem Freund, was heute abend in der Zeitung stehen wird, erzählt noch ein bißchen darüber hinaus... Sie will Pit ansehen, über ihr Blick fließt leer und weit an ihm herunter— ist ganz unfähig. Gegenständliches einzufangen... „Was für«in Mensch ist man denn, Pit! Glaubst du, ich könnte jetzt traurig sein— glaubst du, ich könnte eine Träne weinen— weil das geschehen ist...ja, ich weiß cs, aber ich weiß es auch nicht— es dringt nicht in mich hinein— nur daß ich da schuld habe, Pit— die Schuld— aber— ich versteh' das alles nicht..." Stumm sinkt sie in sich zusammen— ein graues Häufchen Elend. Pit wird's ganz unheimlich zumute. Lebt die denn noch? Wenn sie heulte urü) jammerte! Aber die ist schon zu gar nichts mehr fähig... Und eben noch ehrlich ergriffen von dem traurigen Berzweiflungsgeschehen da hinten in der kleinen Dachkammer— packt ihn jetzt verbiffene, sinnlose Wut— nie hat er Lchendc so gehaßt wie diese armen Toten. Das Mädel hat man mir kaputt gemacht, das lebendige Mädel.?. „Du— Gilgi!" Er steht vor ihr, das rostrote Haar fällt ihm hartsträhnig ins weiße Gesicht dos Mädel— das mir|o viel wert ist... „Du, Gilgi— guatsch nicht von Schuld— wenn einer sowas tut, dann ist er am Ende was hast du denn damit zu tun? Daß du statt gestern abend heut' morgen hingegaligen bist! Mach' dich nicht lächerlich bekomm' nicht den Märtyrerwahn, du dumme Gans. Glaubst du, von dir hinge Tod und Leben ab— bist du so widerlich größenwahnsinnig? Ich sage dir, die hatten keine Spur von Lebensfähigkeit mehr, die. hingen von jedem Parlamcntsdcbattc Ober Polomka. Die ganze Gegend unglaublidi alkoliolverseudit. Wer hat den Enwurl des Justizministeriums sabotiert? Prag, 18. November. Der Tagesordnung I nach wurden heute im Abgeordnetenhaufe diel ziemlich uninteressanten Vorlagen und Konven tionen über den Schutz des gewerblichen Eigentums verhandelt. Trotzdem meldeten sich nicht weniger als neun Redner zu Worte. Aber kein einziger von ihnen sprach auch nur ein Wort zur Sache selbst; fast sämtliche Redner beschäftigten sich viämehr eingehend mit den blutigen Vorfällen in der Slowakei, die am Msttwoch zwei Todesopfer gefordert haben. So war, auch ohne daß eine formelle Regierungs erklärung über diese Ereignisse erstattet worden wäre, sofort eine Debatte im Gang, in der sogar, was nicht so oft vorzukommen pflegt, zu Wieder holtenmalen einzelne Redner auf die Ausführun- gen ihrer Vorredner lebhaft reagierten. Noch nach Schluß der Debatte legten nicht weniger als vier Redner in Form von sachlichen Bemerkungen gegen Aeußerungen ihrer Vorredner Verwährung ein. Daß die Stellungnahme der verschiedenen Redner zu den bedauernswerten Vorfällen in Polomka durchwegs objektiv gewesen wäre, kann man leider nicht behaupten. Neben berechtigten Beschwerden über di« Behandlung der slowaki- I scheu Bevölkerung durch staatliche Behörden be kam man— vor allem von kommunfftischer Seite— Reden zu hören, die offensichtlich nur darauf angelegt waren, jetzt erst recht Oel ins Feuer zu gießen und nur ja mit den Toten noch ein unsauberes politisches Geschäft zu machen. Um unkonfiszierbaren Lesestoff für die kommu nistischen Matter zu haben, wechselten einander gleich drei Kommunisten auf der Rednertribüne ab, um im Namen des„revolutionären Prole tariats" von dieser Stell« aus hohle Phrasen und sinnlos« Drohungen gleich dutzenderwei.se von sich zu geben. Außer den Herren Rednern selber wird sich aber kaum noch jemand an diesem Phrasen» gedresch«, dem jeder real« Rückhalt fehlt, begeistern! Von sozialdemokratischer Seite konnte da gegen mit einer gewiffen Genugtuung darauf ver wiesen werden, daß die Sozialdemokraten nicht nur längst einen Gesetzentwurf eingebracht habe», der die Klagbarkeit von Zechschulden unmöglich. machen will, sondern daß auch längst ein Gesetz entwurf des sozialdemokratischen Just i Ministers dem interministeriellen Verfahren unterbreitet wurde, der auf den Notstand, in den viele kleine Besitzer durch die Krise unverschuldet geraten sind, gebührend Rücksicht nimmt und derartige Zwangsversteigerungen, wie sie in Polomka vor- , gekommen sind, wie mehr hätte Vorkommen lassen. ’ Es war nicht unsere Schuld, daß diese ' Entwürfe noch nicht in die Tat umgesetzt werden 1 konnten. Hoffentlich werden wenigstens jetzt nach J den traurigen Eiffahrungen von Polomka endlich ' auch in dieftr Richtung durchgreiftnde Maßnah- ' men raschest getroffen werden. Zwei oppositionell« Slowaken Nagten di« Regie-, rung an, daß vierzehn Jähr« hindurch für di« Slo- - wakei nichts getan worden sei und man ihr« War- I nungen nicht gehört habe; von deutscher oppositio neller Seite sprach Dr. facher(MAG.), der tief« Gelegenheit benützte, um gegen Härten bei Steuer exekution«» zu protestieren. Von Koalitionsseit« sprach Polivka(Nat.- Doz.),-er sich später noch einural gegen den Vor wurf des Renegatentums verlvahren mußte. Er stellte fest, daß es sich in Polomka um«in planmäßiges Borgehen eines bewaffneten Haufens gegen die Gendarmen gehandelt habe. Das Bezirks- amt habe nur— wenn auch auf Grund unvoll-j mittags in der Gemeinde Baruch bei Brezno der Seite 4 Samstag, 19. November 1932 Nr. 273 Tagesneuigkeiten einer Schorle Munition wird oer chenlt! In der Zeit, da der Staat sich in Geldnöten befindet und allerorts gespart werden soll, bar das Ministerium für nationale Verteidigung noch genüg Geld, um— scharfe Munition zu verschenken. Mit Erlaß des Ministeriums für nationale Verteidigung Nr. 17.223 II/3 wurden dem Verband der Offiziere, und zwar umsonst, 1200 Stück scharfe Jnfanteriegeschofse vom 7.92 Millimetern Durchschnitt, Muster 23,. überlassen. Interessant daran ist, daß aus Staatsmitteln bezahlte Müsti- rion verschenkt wird und daß überhaupt von der Militärverwaltung irgend jemandem scharfe Munition zum Geschenk gemacht wird. Ist das ein Einzclfall oder ist es üblich, raß>das Ministerium für nationale Verteidigung derartige gefährliche Geschenke macht? und verantwortet sich dahin, daß er infolge zerrütteter Familienverhältniffe mehr Geld auszugeben veranlaßt war, als ihm auf Grund seiner Bezüge zur Verfügung stand. Nach durchgeführter Verhandlung wurde Salzer gemäß der Anklage schuldig gesprochen und zu zehn Monaten Kerker, verschärft durch eine Faste monatlich, und zum Ersatz der veruntreuten Beträge verurteilt. Die Strafe wurde bedingt mit einer Bewährungsfrist von fiinf Jahren ausgesprochen. Die bedingte Verurteilung wurde zuerkannt, weil Salzer ein reumütiges Geständnis abgelegt hatte, bisher wohlverhalten war und einen Teil des Schadens bereits gutgemacht hat. Mit Rücksicht darauf, daß er Besitzer eines Hauses in Weipert ist, oas mit 120.000 K bewertet wird, ist anzunehmen, daß die Sparkassa vollen Ersatz für die Schadcnssumme erhalten wird. Ei« x-efästrlicher Verbrecher von einem Gendarme« erschaffen. Mähr.-Ostran, 18. November. Bei seinem nächtlichen Dienstgang überraschte der Gendarmeriewachtmeister PospiSil zwei Männer, die in das Hotel Skalka in Kunäice eindrangen. Einer derselben bedrohte den Wachtmeister mit einem Messer. Der Gendarmeriewachtmeister gab in Notwehr einen Schuß auf den ihn bedrohenden Mann ab, der ihn auf der Stelle tötete. Sein Kompli^ konnte währenddem flüchten. In dem Erschossenen wurde Josef Janik aus Mistel, ein gefährlicher Verbrecher, agnosziert. Er ist ein Bruder des Räubers Leopold Janik, der vor kurzer Zeit in der Slowakei ebenfalls von einem Gendarmen erschoffen wurde. Amy MoÜison hat Pech. Benguella(Portugiesisch Ostafrika), 18. No vember.(Reuter.) Das Glück war der britischen Pilotin Amy Johnson-Mollison auf ihrem Re kordflug von England nach Kapstadt nicht hold. Als sie am Morgen des vierten Flugtages 4700 Meilen bereits zurückgelcgt und einen beträcht- 17 Mann"reduziert worden."Von diesen soll noch lichen Borsprung gegenüber der Rekordzeit ihres Gatten hatte, die zu verbessern sie sich vorgenom men hatte, wurde sie plötzlich gewahr, daß der Motor des Flugzeuges schlecht funktioniere, stellte sich heraus, daß der Oelkompreffor defekt i tierung der Pumpenanlage im TT--:;"-. 7.4 Vtzulanden, um einem Motordefekt vorzubeugen,\ inotau wurde bereits begonnen. Blutige Präger Chronik. Gattenmord und Selbstmord— Schüsse aus einen Arzt. Gestern morgens schoß in der Familienkolonie beim Eden-Park der zwsmnddreißigjäh- vige Schlosser Franz 6 i h a k seine vievunddvoi- ßigjährigc Gattin nieder und beging dann sofort Selbstmord. Fron öihak stach kurz darauf. Die beiden Gatten hatten eine unglückliche Ehe geführt: die Frau, die übrigens tuberkulös war, hatte den gemeinsamem Haushalt angegeben gehabt und war gestern nur zurückgekehrt, um ihre Sachen zu holen. Bei dieser Gelegenheit kam es wieder zu einer AuSsinondevsetzung, die eben mit Mach und Selbstmord endete. Tags vorher gab es eine aufregende Schio- ßerei vor dem Allgemeinen Krankenhaus. Der ehemalige Chauffeur Karl M a u- renc gab drei Schüsse auf den Arzt Dr. Josef Cisarz ab, ohne ihn aber zu verletzen. Maurenr hatte vor zwei Jahren einen schweren Unfall erlitten, mutzte an einem Bem operiert werden, dos dennoch verkürzt blieb. Seit dieser Zeit schmiedete Maurenc Rachepläne, do er sich ernbildete, der Arzt, der ihn operierte oder behandelte, sei an seiner Verkrüppelung schuld. Der Arzt erinnert sich gar nicht mehr an den Fall, Weitz auch nicht, ob, er damals als Assistent Professor Jiraseks wirklich diesen Fall behandelte. Der Täter hatte das Attentat schon seit Wochen vorbereitet und gab nach seiner Ver- haftung beim Verhör zu, daß er die Tat schon Montag begangen hätte, wenn es ihm möglich gewesen wäre. Er bebau re, daß die Schüffe den Arzt nicht getötet hätten! Die täglichen Mer der W.rtschasts- ttlse. Wie ums aus Postelberg berichtet wird, hat sich in der Ortschaft Jmling der 49jährige Kleinlandwirt Franz Spiara in einem Stall seiner Wirtschaft erhängt. Spina befand sich seit längerer Zc« in mißlichen Dermögens- verhÄtniffen und hatte wiÄerkwlt Selbstmordabsichten geäußert, da er keine Möglichkeit Besserung seiner tristen Lage sah. Acht Jahre Kerker- »eil er fein-elmroehrler ist. Innsbruck, 18. November. Das Schwurgericht in Innsbruck fällte gestern das Urteil über den Höttmger Maurer Zonta, der sich wegen Totschlags an dem nationalsozialistischen SA- Mann Sylvester Franck uno wegen schwerer I Körperverletzung, begangen an dem SA- Mann Hellmuth Cora bei der bekannten blutigen Höt- tinger Saalschlacht vom 27. Mai 1932 zu ver-} antworten hatte. Das Schwurgericht bejahte die Frage auf Totschlag an Franck mit 11 Stimmen Ja, gegen VermittlungssteHe für Ausfuhr von Waffen. Es ist bekannt, daß die Tschechoslowakei einen ausgedehnten Waffenhandel betreibt und daß insbesondere von hier aus Waffen nach dem nahen und fernen Osten, nach der Türkei und Ostasien verkauft werden. Der Vermittler für diesen ausgedehnten Waffenhandel soll ein Major Baumann sein, der in den Diensten der Legiobank steht. Die Waffen werden nach Prag gebracht und in der Zeniskä zbrojnice in StkeSovice verpackt, wobei insbesondere vorsichtig darauf geachtet ! wird, daß kein Stück Zeitungspapier hinein- § kommt, damit niemand merkt, von wo die Waffen kommen. Ob diese Waffen wirklich alle nach der Türkei, Persien und China gebracht oder ob sie nicht auf dem Wege dahin abgefangen und in ein anderes Land gebracht werden, das nicht gerade in den freundschaft- s lichsten Beziehungen zur Tschechoslowakei steht, weiß man nicht. Es kann nämlich in einem künftigen Krieg tschechoslowakischen Soldaten dasselbe geschehen, was deutschen Soldaten auf den Schlachtfeldern Frankreichs und Belgiens geschehen ist: daß sie mit Kanonen und Munition begrüßt werden, welche im eigenen Lande hergestellt worden sind. So bereitet sich schon heute das tschechoslowakische Rüstungskapital darauf vor, aus dem Blut tschechoslowakischer Soldaten Profite zu erzielen. Wieder ein Schacht ausgelassen. In Pri- jkschapl bet Komotau wird der tm Besitze der j Komotauer Mannesmann-Röhrenwerke befind- I liche„Segen G o,t t e s- Sch a cht" aufgelassen und noch vor Weihnachten gänzlich st i l l- gelegt werden. Die Belegschaft ist bereits aus “—...“' s M') fein Teil in den Ruhestand verfitzt werden, wäh- ! rend die übrigen vom„Juliusschacht" in Komo- -tau übernommen werden, der gleichfalls Eigen- Es tum der Mannesmannwerke ist. Mit der Abmon- l„S.tgen Gottessei. Die Fliegerin sah sich deshalb gezwungen, i Schachte" und mit ihrem Abtransport nach Ko- ein» Stimme Nein. Der schweren Körperver» leAng wurde er einstimmig für schuldig befunden. Einstimmig wurde von den Geschworenen auch die Frage wegen Vergehens gegen das Antiterrorgesetz beantwortet. Zonta wurde zu acht Jahren schweren Kerkers verurteilt. Der Verteidiger des Angeklagten meldete di« Nichtigkeitsbe-1 schwerd« und Berufung an. Zehn Monate Kerker für den Weiperter Der judanten Salzer. BrüI, 18. November. Vor einem Strafsenat des Brüxer Kreisgerichtes hatte sich gestern der 31jahrige Beamte Albert Salzer aus Weipert, Buchhalter der Städtischen Sparkassa in Weipert, wegen des Verbrechens des Betruges und der Deruntreuung zu verantworten. Der Ankkage- schrift zufolge hatte der Beschuldigte als Buch halter, beziehungsweise als Liquidator und Ber- waller der deponierten Einlagebücher aus vier dieser Bücher in der Zeit vom Feber 1931 bis Juni 1932 die Einlagen, insgesamt 23.400 K, behoben und veruntreut; ferner veruntreute er einen Betrag von 44.631 K, was er durch Aus stellung falscher Einlagsbüchel und durch Fäl schung der EinlagenkontiS in echten Bücheln er möglichte. Der Beschuldigte gestand wohl in der Voruntersuchung, als auch in der Hauptverhand lung seine Verfehlungen in vollem Umfange zu tnntiuiiiiiiiiiiiiiniiiiiiiuiiiiiiiiiuiuiiiiiuuuiiiHiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiitiiiiiinHiiiiiiiniiiuuiiiiiiiiHiuiiiiiiiiiiiniiiiiiiiiHHniiiiimHiniuiiuiiiiHmtuiiiunniiiiniiiiiuiiuiHnimimiuiniminmimmiiHmnnm und ging in der Nähe von Benguella, 1700 Meilen vor Kapstadt, nieder. Sie nahm sofort die Reparatur der beschädigten Oelpumpe in Angriff und sprach di« Hoffnung aus, in einigen Stunden wieder starten zu können, mußte aber mit Be dauern zugeben, daß die Hoffnung, den Rekord des Kapitän Millison zu brechen, nur sehr ge ring sei. Nach einem neunstündigen Aufenthalte in der Stadt Benguella startete die Fliegerin zum Weiterfluge nach Kapstadt, wo sie um 13 Uhr 80 Greenwicher Zeit landete. Der Fliegerin wurde von der erschienenen Menschenmenge ein begeisterter Empfang bereitet. Amy Johnson verließ den Flugplatz in Lympne in England am 14. November knasch vor dem Morgengrauen und har bei ihrem Fluge nach Kapstadt den bisherigen Rekord ihres Gatten I. A. Mollison um elf Stunden geschlagen. Ein strenger Winter? Wie uns aus dem Erzgebirge berichtet wird, sind in den höheren Lagen große Scharen des sogenannten Seidenschwanzes eingezogen, eines schönen, nordischen Bogvls, dar allgemein als der Vorbote strenger Winter angesehen wird. Ein aufrechter Geistlicher geswrben. In den letzten Tagen wurde in Zürich-Wiedikon ein Priester zu Grabe getragen, dem die Lehre des Christentums mehr gewesen ist, als die Verteidigung der bestehenden Gesellschaftsordnung und die Erziehung zur Duldung und Ergebenheit. Der Mann stand auf der Kanzel, um jahrein, jahraus Wahrheit zu verkünden und das Recht zu verteidigen, sammelte er die Jungen, um sie von der Große und Erhabenheit deS Sozialismus zu überzeugen. Karl Arbenz, so der Name des Pfarrers, der Sohn eines Kantonalbankdirektors, suchte die Pfarrstelle in dem Arbeiterquartier Wiedikon, weil ihm seine Ueberzeugung höher stand, als persönliche Vorteile und die Gunst der frommen, aber auch reichen Bürger, di« den roten Prediger nie leiden konnten. Er aber schert« sich den Teufel darum, warb in begeisterten Worten und diucch die Tat für den Sozialismus. Als er währeno des Weltkrieges als Feldprediger Militärdienst tun sollte, lehnt« er ab, ohne an die' Folgen und das Gegeifer der Bürgerlichen zu denken. Er kämpfte gegen alle Priester, die eine Uniform anlegten, well nach seiner Meinung der Kriegsdienst mit der Würde eines Geistlichen unvereinbar ist. Selten noch ist einem Geistlichen soviel Liebe und Anerkennung für, seine Tätigkeit geworden, wie dem Sozialisten Karl Arbenz, der seine Bestimmung im Kampf gegen di« bürgerliche Welt sah. Ein guter Fang. Die Brünner Polizei verhaftete am Donnerstag den 83jährigen Musiker Leopold Hanak und den 24jährigen Zuckerbäcker Johann Gleich, beide ohne Beschäfttgung, bei denen anläßlich einer Hausdurchsuchung eine Menge Uhren, Juwelen und andere aus Diebstählen stammerwe Sachen gefunden wurden^ Unter diesen Sachen befanden sich auch Gegenstände aus dem Einbruch bei dem Juwelier Boz- oeck^, wobei vor einer Woche Gegenstände im Gesamtwert« von über 34.000 K gestohlen wurden. Lastauto stürzt 24 Meter tief. Ein Lastkraftwagen, der für das LandeSamt Salzburg Hol; führte, durchbrach»wischen Abtenau und Anna- berg infolge Versagens der Steuerung das Straßengeländer und stürzte 24 Meter ttef ab. Der Wagen wurde vollkommen zertrümmert. Von den Mitfahrern wurde ein Arbeiter getötet, zwei Angestellte des LandeSamtes wurden schwer verletzt. Der Chauffeur kam ohne Verletzungen davon. Ermordet. Der Gutsbesitzer Arthur Müller aus Doberzeit bei Dresden wurde in der Nacht zum Freitag mit zertrümmertem Schädel tot auf- gefunoen. Der Tat verdächtig rst ein Mann, mtt dem Müller heimlich Geschäfte machte, nachdem er sein Gut verkauft hatte. Betrügerischer Advokat. Am Freitag wurde in Graz der 43jährige Advokat Dr. Friedrich P r i e g e r, der eine ausgedehnte Klientel hatte, wegen Betrügereien und Veruntreuungen verhaftet. Bei dem Verhör gab er die Betrügereien und Veruntreuungen zu..Nach der bisherigen Schätzung hat er über eine halb« Million Schilling seinen Klienten veruntreut. . Unsinnige Rekordsucht. Nach einer Meldung des„Hamburger Fremdenblattes" ist die junge Hamburger Sportlerin Müller, die vor etwa einer Woche den Verstich unternahm, den Aermel- kanal mit einem Klepper-Boot zu durchqueren, und die seit ihrer Abfahrt von Calais vermißt wurde, durch den in Dünkirchen stationierten Hamburger Schleppdampfer„Fairplay" aus sch w ererS eenotgereitet und nach Dünkirchen gebracht worden. Doppelselbstmord auf der Rax. Der Wiener Architekt Jng. Karl Haybäck und seine Gattin haben am Donnerstag auf der Rax einen Dop- pelselbstmord verübt. Ähre Leichen wurden unterhalb der Höllenthal-Aussicht aufgefunden. Sie 'waren mit Riemen zusammengebunden und wiesen Schuß Verletzungen m den Schläfen auf. Zwei leere Fläschchen, die vorgefunden wurden, lassen vermuten, daß das Ehepaar zuvor noch Gist genommen hat. ES wurden auch mehrere verfchloffene Abschiedsbriefe vorgefunden, doch ist über die Ursache das Dop- pcLselbstmordes bisher noch nichts bekannt. Duell in der Unterwelt. Freitag früh entstand im XVI. Wiener Bezirk Mischen Franz Kopeckh und Friedrich Berger, die in der Wiener Unterwelt eine führende Rolle spielten, ein Streit, in deffen Verlauf beide Revolver zogen und das Feuer eröffneten. Kopeckh wurde zuerst getroffen, stürzte bewußtlos zu Boden und starb in einigem Minuten, während Berger bloß zwei leichtere Verletzungen erlitt und nach der ersten HUfeleistung in die Haft abge- 'ührt wurde. Die beiden Verbrecher hatten schon rinige schwere Kerkerstrafen hinter sich. In der letzten Zeit hatten sie wiederholt Raubzüge in die österreichische Provinz und nach der Schweiz unternommen. Hinrichtung als Weihnachtsgeschenk. Donnerstag wurden in New Jork vier junge Leute »um Tode auf dem elektrischen Stuhl« wegen Mordes an einem Polizisten verurteilt, der sie mit einer Strafe von zwanzig Dollars belegen wollt«. Die jungen Leute sollen an den Weihnachtsfeiertagen hingerichtet iverden. Di« Minderheiten in Ungarn. Laut Ergebnis der Volkszählung vom Jahre 1930 gibt«s gegenwärtig in Ungarn rund 4 79.000 Deutsche, 10 5.0 0 0 S l 0 w a k e n, 28.000 Kroaten, 16.000 Rumänen, 7000 Serben. Die Zahl der Deutschen ist um rund 73.000, die der Slowaken um 32.000, die der Serben um 10.000, die der Kroaten um 9000 und di« der Rumänen um. 8000 zurückgegangen. iiiiniKiiuiniHHunniiiiiiiuniiiiiiiiiiniiHmmnramimmiiiiiiiiiiimniiiHiiimininiiniiinniiiuiiiiiniiiiiuiuiiHiiiiiiiiiiuiiiiiiiiiiiiuuiiiiiiuinmiiiuiiimiiiiiuiiiiuuiiiimiiUHiiiimiuHiiiiiuuiiiiiiHiiw Acht Jahre schweren Kerkers für den Defraudanten Bojar. Pilsen, 17. November.(Eigenberichts In der heutigen Verhandlung gegen den ehemaligen Rat Bojar aus MieS erfolgte zunächst die Einvernahme des Müllers K u L e r a, der Mitglied des ehemaligen Bezirksausschusses war.. Seine Aussage ist charakteristisch für die Zustände, die in der Bezirksverwaltung herrschen. Bom Vorsitzenden befragt, wie die Wechselanleihen zustande kamen, erzählte er gemütlich: Eines Tages schickte Bojar einen Diener mit einem Wechsel zu mir und ließ mich um die Unterschrift ersuchen. Vorsitzender: Einen Wechsel unterschreibt man doch nicht so rasch! Haben Sie vorher geprüft, ob die Anleihe notwendig war und welchem Zweck sie dienen sollte? Was haben Sie gemacht? Zeuge: Ich habe halt den Wechsel unterschrieben,(Heiterkeit.) Er erklärte unschuldsvoll, er habe sich um die Anleihe nicht weiter gekümmert, Bojar habe alles allein gemacht und auch allein über di« Aufnahme der Anleihe verhandelt. Die Sachverständigen bemerken, daß Bojar immer vor einer Revision eine Anleihe abschloß, um das Manko in der Kassa zu decken. Bojar wußte genau, wann die Revision stattfinden wird, denn diese erfolgte immer nur dann, wenn Bojar darum ansuchte. Drr Vorsitzende bringt hierauf eine ganze Reihe von Schriftstücken und Gerichtsakten zur Verlesung, darunter auch eine gegen Bojar von seiner Frau und seinen Schwägern eingebrochte Klage, auch ihr« rechtzeitig grundbücherlich sichergestellten Forderungen von etwa 80.000 K8. Es ist merkwürdig, daß Dr. Lamel, der Anwalt Bojars, gleichzeitig seine Verwandten gegen ibn vertrat und daß sich der Angeklagte in diesem Prozeß immer kontumazieren ließ, io daß seine Angehörigen Erekution führten. An der Bersteigerung beteiligten sich hauptlächlich seine Verwandten; fein Schwager, Jng. Müller, erwarb auf diesem Wege die Billa Bojar für 117.000 Kronen. Der Staatsanwalt erklärte, das Berhalten BofarS in diesem Prozesse begründe den Verdacht, daß er sich seines Vermögens zugunsten seiner Verwandte« entäußert habe. Dr Lamel klagt Boiar auf M 000 kkk. die er gleichfalls im Grundbuch hatte sicherstellen lallen. Nach burchgeführlem Beweisverfahren erstatteten die Buchsachverständigen ein ausführliches Gutachten, das zu dem Ergebnis kommt, daß der Angeklagte in allen Punkten der Anklage schuldig sei und den Bezirk Staab um 350.000 Ke geschädigt habe. Der Bezirk hat noch einen weiteren Schaden im Betrage von 400.000 Kronen erlitten, doch ist dieser Betrag nicht geklagt, da sich die Schuld des Angeklagten in diesem Falle nicht nachweisen ließ. Im ganzen sei der Bezirk um 2,000.000 Lö geschädigt worden. Die Sachverständigen erklären, daß alle vom Bezirk auf Betreiben Bojars aufgenommene und von diesem veruntreute Anleihen ganz überflüssig waren, da der Bezirk damals über genügend« Geldmittel verfügte, was sich schon daraus ergibt, daß das Fehlen der veruntreuten Gelder nicht bemerkt wurde. Der Staatsanwalt, der Vertreter des Bezirkes Mies und der Verteidiger hielten kurze Plädoyers, Der Staatsanwalt schloß seine Replik unter lautem Beifall des Auditoriums mit der Aufforderung an die Geschworenen, nicht zuzu« lassen, daß sich das populäre Wort bewahrheite, daß man die großen Diebe laufen lasse und die kleinen hänge. Der Vorsitzende ersuchte um Ruhe und drichte mit der Räumung des Saales.^ Auch Bojar sprach einige Worte. Er erklärte, er habe mit Ausnahme seiner Familie niemandem wissentlich ein Unrecht getan. Bei diesen Worten zitterte seine Stimme, er hatte Mühe, die Tränen zurückzuhalten. Schon bei seiner Eheschließung habe er gewußt, was los sei, doch wäre es ihm nicht möglich gewesen, die veruntreuten Geltwr, wie es sein bester Wille war, zurückzuzahlen. Er bereue, was er getan, und erwarte seine Strafe als gerechte Buße seiner Schuld. Die Geschworenen beantworteten nach kurzen Beratungen die ihnen vorgelegten fragen auf Veruntreuung mit zwölf Summen Ja. Die Frage, ob Bojar unter niedrigen und unehrenhaften Motiven gehandelt habe, wurde auch mit zwölf Stimmen bejaht. Der Gerichtshof fällte auf Grund dieses Verdiktes folgendes Urteil: Bojar wird wegen Veruntreuung zu acht Jahren schweren Kerkers, verschärft mit einvierteljährigem harten Lager, sowie zum Verlust des Wahlrechtes verurteilt. Ferner wird er zum Ersatz des dem Bezirke Mies verursachten Schadens im Betrage von 1,352.225.94 Ke verurteilt. Die Untersuchungshaft wird in di« Straf: miteingerechnet. Bojar, der bis zur Rechtskraft des Urteils seinen halben Gehalt bezieht, erbittet sich Bedcnk- reit. Nr. 273 Samstag,. 18. November 1832 L Das ,,Sozialinstitut bet Tschcchoflowaki- schen Republik" veranstaltete Donnerstag, int Bor- trygssaale des Fürsorgeministeriüms einen ganz außerordentlich interessanten Vortrag. Auf.Vortragspult stand der Direktor des'„Gesell» schasts- und W.trkschafkSmufenms" in Wien, Genosse Dr. Otto Neurath, der erfolgreiche Vorkämpfer der'Bild Pädagogik, Der Vortrag, dem auch Minister Genosse Dr. C z e ch beiwohnte, demonstrierte dies« Methode an Hand eines Spezialgebietes, nämlich der Statist i k, ohne sich jedoch auf dieses«ine Gebiet zu beschränken. Was gezeigt werden sollte— und darin liegt di« Bedeutung dieses Vortrages—, ist die Tatsache, daß es möglich ist, durch das Bild, also auf optischem Wege die verschiedensten Kenntnisse zu vermitteln, deren Mitteilung, ans dem Wege des Maries sich wogen Schwierigkeit des. Lehrstoffes oder anderer pädagogischer Schwierigkeiten Hindernisse entgegenstellen. Hier liegt die ganz außerordentlich« sozialpädagogische B ed eu t u ng di ese r Me th ode. Der Vortragende ging von der Tatsache aus, daß ersichrungsgemäß di« soziale Schulungs- arbeit(Abendkurse u. dgl.), Pie mit den ü b- lichen Schulmethoden betrieben wibd, häufig zu Enttäuschungen führt. Der schulmäßig nicht gebildete Schüler ringt mit der Verarbeitung deS vor getragenen Stoffes. Vermag er diesen Stoff nicht zu bewältigen, so verfällt er entweder einem unbegründeten Minderwertigkeitsgefühl, oder setzt sich mit einen« Achselzucken über die ganze Arbeit hinweg. Diese Erfahrungen führten auf die Suche nach neuen, geeignetere« Lehrmethoden der Sozialpädagogik. SUS' solche hat sich die Bildpädagogik bewährt, die das Bild, die" zeichnerische Darstellung, in den Vordergrund stellt., Di« Erfahrung hat gezeigt, daß eS möglich ist, nicht Gebildete auf diesem Wege mit den so- ztalen und wissenschaftlichen.Grundbegriffen mit sonst nie erreichter Leichtigkeit iwb Verläßlichkeit vertraut zu machen.. Zu-berückfich- sichtigen ist di« Tatsache, daß das optische Gerächt n i s des' nicht Gebildeten viel besser ist, als das des Intellektuellen. Der.bildliche Eindruck wird schärfer ausgenommen und hastet besser in seinem Bavußtsein.’.- Vorbedingung für den Erfolg ist freilich tän-.ge-, eignetrs Bildmaterial. Das LehrbAdl muß von jeder überflüssigen Zutat, von jedem Ornament absehen. Nur das Wesentliche, nur hach was die sich von der oberen und verfüh- ihren bereits erworbenen guten Der Pf.) Am An Erdölsunden bei'Zistersdors hat der Prozessor der Technischen Hochschule Dr.-Hermann S udia, der jetzt, den Fund umenucht hat, eine Erilärung abgegeben, wonach die Bohrung einen äußerst günstigen Erfolg zu versprechen scheint. -Zur Zeit strömt Erdgas, gemischt mit. einem - ichweren Erdöl, bis zu einem Druck von 37 Atmosphären anS. Angesichts deS Gasüberdrucks ist zur Zeit ein sicheres Urteil über die Ergiebigkeit der Quelle nicht zu geben. Derzest kann nach Angabe 'der Bohrlcitung eine Menge von etwa 40 0 0 Kg. inzehn Minuten.abgelassen werden. Sofern die weiteren' Bohrungen die Tatsache eines ausgedehnteren Oelfeldes bestätigen sollten, wäre der Fund von großer v olkswirischaftli ehe r Bedeutung. Das Oel scheint ein sogenanntes schweres Oel zu sein und ist auf jeden Fall binzinarm. Uebcr-seine Verarbeitungsmoglichieit, bezw. über die daraus gewinnbaren hochwertigen Produkte ist erst nach sorgfältiger Untersuchung, also frühestens nach zwei Wochen, ei« Urteil möglich. Rundfunk in der Polareinsamkeit. Die polnische Kommission für das Polar-Jahr 1932/33 hat besondere Rundfunksendungen aus Warschau für die polnische Polarexpedition, die soeben auf der B ä r e n- I n s e l wellt, organisiert. Der Dirck, or der meteorologischen Anstalt in Warschau erhielt in diesen Tagen ein Radiogramm, in dem die Teilnehmer an der polnischen Polarexpedition bekannt gegeben, daß st« die Rumdfunkgespräch« sehr gut verstehen, die ihnen gesendet wurden. Sir erklärten, daß diese radiotelegraphische Verbindung ihnen in ihren Arbeiten, die sie inmitten der ungeheuren Pölareinsamkeit durchführen, eine starke durch das Auge des Schülers aufgenommeu werden soll, darf dargestellt sein. In amüsanter Art demonstrierte Dr. Neurath die Entgleisungen der bisher üblichen bildlichen Darstellungen statistischer Art und stellt« diesen die klaren, einprägsamen und schnell aufzunehmenden Bilder der„Wiener Schule" gegenüber. Das Bildzeichen kann aber international normiert, nicht nur zu einem internationalen Lehrbehelf, sondern auch zu einem bedeutungsvollen Faktor des täglichen Gebrauches werden, z. B. an Stell« vielsprachiger Aufschriften in internationalen Zügen die entsprechenden internationalen Zeichen. Die bildliche Darstellung ist— im Gegensatz zur Sprache— nicht emotionell, gefühlsbetont. Das, Bild kann objektiv Probleme veranschaulichen, die im Mittelpunkt erbitterter Diskussion stehen, kann also Tatsachen vermittln, denen der Betreffend« auch bei sachlichster mündlicher Darstellung irgendwie' voreingenommen gegenüberstünde, denen er sich, bewußt oder unbewußt, zu verschließen geneigt ist. So kann diese Methode, in internationalem Maßstab einheitlich organisiert, einmal groß« Aufgaben lösen. Der Vortragende verwies auch auf die Rolle, die die Bildpädagogik im Analpha« bentpr.oblem zu spielen vermag. Ein großer Teil der Menschheit sind Analphabeten in dem Sinn, daß sie keine Weltsprache lesen können und damit- hinter der sozialen Geistesenk- wicklung der Menschheit zurückbleiben. Hier kann di« Bildpädagogit eingreif«», kann diesen Masten Kenntnis^ vermitteln, Zusammenhänge erklären und mithelfen,' eine lange Gristeßentwickluirg abzukürzen, dies« Masten zu sozialem Bewußtsein zu erwecken und reif zu machen für Aufgaben der Zukunft. An einer Reihe von Bildern demonstrierte dann der Vortragende seine Ausführungen. ES war ekne erstaunliche, ein« kostbar« Auswahl, Lehrbilder aus allen Wissensgebieten(Statistik,-Anthropologie, Geographie, Technik,' Soziäkwistenschaft). Er wies nach, daß dies« Methode auf allen Gebiete,: gleichmäßig anwendbar, und eindrucksvoll ist.' Manche dieser Darstellungen waren einfach bewundernswert. Reicher' Beifall lohnte den Vortragenden. Der Vortrag hatte den Zweck, uns in der 6SR. mit den Bestrebungen der„Wiener Schule" bekannt ju machet:. Sie hat bereits internationale Erfolge änfzmveistn. Wir wünschen Genossen Dr. N eu• r a th itnd seiner Idee weiterhin und auch bei uns Verständnis und voll« Würdigung. Tw- Bg- sien sind, um den Fiskus zu betrügen," so ist dem nur hinzuzusiigen, daß für die breiten Masten aber ein derartiger Anschauungsunterricht auch von großem Nutzen ist. Sollte vielleicht noch bekannt werden, nachdem in diesen Steuerhinterzieh nngSskandal auch Generale verwickelt sind, daß auf den Kriegsschulen Europas Unterricht in verschleierten Bankentransaktionen erteilt wird für Zeiten, da das Vaterland aller Kräfte zu seiner Rettung d.barf, so wird das Bild des bürgerlichen Patriotismus zur vollendeten Satire gestaltet seins Der Igel. Ein Geisteskranker„verhaftet seine« früheren Vorgesetzten. Ter geisteskranke frühere Kriminalbeamte Jendrewski versuchte am Donnerstag abend, wie die„B..Z." meldet, in Köslin den Regierungspräsidenten Cronan zu verhaften. Er ließ sich in der Privatwohnung des Regierungspräsidenten melden, erklärte, er sei der Vizepräsident und drang in das Zimmer Cronans ein. Dort erklärt« er dem Regierungspräsidenten, der am Kaffeetisch saß:„Ich habe den Auftrag, Sie zu verhaften." Er behauptete, der Regierungspräsident habe Spritschmuggeleien begangen. Als Jendrewski merkte, daß der Regierungspräsident inzwischen einen Beamten herangerufen hatte,' ergriff er die Flucht und per» suchte, über di« Dächer zu entkommen. Er wurde jedoch schon auf dem Boden deS Hauses festge« nommen. Hauseinsturz— sieben Tot«. In der Stadt Palermo stürzte ein altes Haus ein. In.feinen Trümmern fanden i sieben Bewohner den Tod. Fünf weitere wurden verletzt. Zwei Leichen kaffer. Im Fundbüro des Hau.pt» bahnhofs von Neapel wurden zwei Koffer abgegeben, von denen der ei««'den Rumpf einer weihlichen Körpers und seinen, von ihm abgetrennten Kpps, der ander« die Gliedmaßen enthielt.'Das' Gesicht des KopseS war durch Beilhiebe vollkommen.unkenntlich gemacht. Die Koffer war-n in einem von Turin kommenden Züge stehengeblieben. Urlaubern und Erholungsbedürsligen das Beste preiswert zu bieten- hat sie auch für daS Jahr 1933 nutz das Bestrebe»''' Ruf weilerhin zu festigen und ausziibreitrn. Prospekt kann ge-en Einsendung von 2 K(30 von. der Urv-.Reisekanzlci in Bodenbach a.' E., Grüben 1088, bezogen werden. Zn Erdölsunden bei'Zistersdorf hat Erfüllung der ideellen Aufgabe veranstaltet, allen I moralische Stärkung biete. iiii{iitiniiiiiiiiiiiiiitiiiiiiitiiiiiiiiiiitiiiiiiitiiiiiiiiiiiNiiiiiiiiiiiiinijiiininiiiiiiiniNiiiiH|iiiiiiiHiiniiiiiinniiiiiiiiiiniiifliiiiiitiiitiiiiiniiii!iiunininiiiiin]iiiiiiiiniiiiii]iniiniiniiitiiiiiiüiinKiiniiiniiiiiinin BiMatW als Mittel sozialer Austtärung. Gin iuterefsauler Bortrag des Genosse« Dr. Otto Neurath. Raste Trockenheit. Die amerikanischem Föderal- Zollbehörden teilten mit, daß..int'Falle I einer Aufhebung der Prohibition in Amylika bi« ! ganze amerikanische Ration ziemlich lang Mit den ! vefchlagnahmten alkoholischen Getränke« aus- j kommen würde. Die beschlagnahmten" Atkoholi- i kas befinden sich zur Zeit in den Lagerhäusern der Zollbehörden. Es sei zwar bekannt,.daß der größte Teil der beschlagnahmten alkoholischen Ge-' tränke sowie des Reinspiritus von den Zollbeamten sofort an Ort und Stelle vernichte^ oder ins Meer geschüttet wurde; trotzdem befinden sich gegenwärtig in den Vereinigten Staaten Weinvorräte, die, annähernden Schätzungen zufolge; mindestens ein Jahr hinreichen würden, um den Anforderungen der gesamten Bevölkerung der Bereinigten Staaten zu genügen. Liküxe und starke Branntweine überhaupt gebe es jedoch bloß soviel, daß sie etwa drei Wochen den Bedarf decken würden. Am allerwenigsten wurde.Bier beschlagnahmt, das den Konsum der Vereinigten Staaten bloß für di« Dauer von fünf Tagen decken würde. Der Uro-Rriseprosprlt für 1933 ist erschienen und will mit seiner reichen Auswahl von- Preiswerten und schönen ErholungsaufrMhatten und gut zusammengestellten Urlaubsreifen- allen, ein Helfer in Rersefragen sein In seiner geschmackvollen Ausstattung steht er seinen Borgängern nicht nach und bietet wohl bei der Fülle der angeboteneu billigen Aufenthalts- und Reisemöglichkeiten im. Jo- und Ausland- für jeden Auskunftsfuchenden etwas Passendes. Da die Uro di« einzige deutschböhmische Reiseorganisation ist, sie auf gemeinnütziger Grundlage beruht, ihr« Reisen und ErholpngS- aufenchalte ohne Gewinn ab sichten Kur. zur Iveal uns WlrUlchkett. Gerade zur rechten Zeit ist in Frankreich ein Steuerhinterzichungsskandal in der Kammer zur Sprache gekommen. Die Versuche,,.-:« Patriotischen Ideale wieder zu Ehren zu bringen, w.rden durch Kapitalschiebungen namhafter bürgerlicher Patrioten prachtvoll illustriert. Während der französischen Inflationszeit haben, wie der sozialiftiscl-c Abgeordnete Albe r t i n mitteilt, hohe Beamt«, General e, zwei Bischöfe, der Bischof von'Orleans, die Gebrüder Peugeots der Direktor des Matin Sapin, der Parfümfabrikant Co th, und viel« ander e ihr G eld nach der Schweiz verschoben und es bis auf den heutigen Tag dort liegen lassen, ohne die in Frankreich gesetzliche achtzehnprozentige'. Kapitalertragsteuer zu zahlen. Fein! So sehen sie aus, die Herren Patrioten, welche zunächst einmal den Krieg le- b e n d ubertaucht haben, ein Umstand, der bei! der hervorragenden Stellung der an diesem Skandal Beteiligten kein bloßer Zufall sein muß. Sie haben also bereits einmal die Gelegenheit, dem Vaterland zu dienen, durch die Tat nicht hundertprozentig wahrgenommen und sich aus patriotischen Gründen, wahrscheinlich mit hoch- pkozentigcn Rüstungs- und sonstigen Gewinnen begnügt. Als das Vaterland zum zweiten- m a l an die großen Patrioten appellierte, von welchen gewiß jeder seinen Kranz vor dem Grabmal des unbekannten Soldaten mit der üblichen heuchlerischen Pose der Ergriffenheit niedergelegt hat, waren sic wiederum nicht bereit, mit hundert Prozent an der Leidenszeit des Vaterlandes teiizunehmen, und begnügten sich mit den achtzehn Prozent Ersparnis, di« ihnen die Kapitalschiebung brachte, nebst den Zinsen des in die Schweiz verschobenen Geldes. Marr kann also ruhig die Feststellung machen, daß diese Patrioten, wenn sie vor die Aufgabe gestellt waren, ihr Leben und ihr Gut dem Wohl des Vaterlands zu opfern, sich der Erfüllung dieser Pflicht aus«raen- nützigen Motiven entzogen habest. Ihr Patriotismus, vor dem sie sich noch jedesmal sti hüten wußten, wenn er an sie heranzutreten drohte, ist eben nicht für s i e da, sondern nur für die Dummen, den vaterländischen Phraseuren Zehntausend immer wieder führen rcn lasten. Wenn Albertin sagt:„Nichts ,■ ,, ist für We breiten Massen des französischen Volkes mehr entmutigend, als zu sehen, wie die Führer der öffentlichen Meinung an den Opfermut der Patrioten appellieren, insgeheim aber die ärg- Srite st Jupiter, der Lichtgott ist Pate der Batterie JUPITER-PA LABA. E* erhellt die Nacht zum Tage und schützt vor den Gefahren der Finsternis: die gute, billige Batterie JUPITER- Volkswirtschaft und Sozialpolitik Streiks und Aussperrungen im SUoder 1832. Wie daS Statistische Staatsamt mittöklt, gab es im Oktober 1932 36(im September 33) Streiks; hievon waren 33(27) Einzel- und 3(6) Gruppenstreiks in 47(68) Betrieben. Die betroffenen Betrieb« beschäftigten 3640(8404) Arbcitnehiner, von denen 2965(2175) streikten und 144(72).infolge Streiks feierten. Di« Streikenden versäumten 21.584 (11.851) Arbeitstage und verloren an Lohn 702.419 (354.909) Kronen. Di« infolge Streiks Feiernden versäumten 514(1318) Arbeitstage und verloren an Lohn 38.697(28.460) Kronen. Im ganzen also betrug der Verlust an Arbeitszeit bei Streik 22.09k (13.169) Arbeitstage und an Lohn 741.116(383.369) Kronen. In Bezug auf di« Gewerbetlassen enrsalten 45 Streiks auf das Baugewerbe>2398 von den Streikenden versäumt« Arbeitstage), 4 Streiks aus die Bekleidungsindustrie(5328), 8 Streiks auf di« Holzindustrie(224), je zwei Streiks auf dir Stein- und Erd e n i ndu st r i e 11205», auf di« Glasindustrie< 15561. an! die Metallverarbeitung(1.985) nud auf die M a s ch i n e n i n d u st r i e(5223), se ein Streik'auf die L a n d- und Forstwirtschaft(132), auf die Lederindustrie(90>, auf das Tapez:er- gew e rb«(570), aus die Papi e r i»d u st r i e (420), auf die N a h r u n g S- und G e n u ß m i t- telindustrie(91) und auf di« chemische Industrie(2352). Forderungen der Streikenden waren folgende: Bei 9 Streiks Nichtkürznng der Löhne (7734), bei 13 Streiks ein« Lohnerhöhung (5167), bei 3 Streik» waren sonstige Lohnforderungen(2806), bei 2 Streiks wurde R: ch te n t l a s° su n g von Arbeitnehmern gefordert(4664), bei einem Streik betraf die Forderung den Kollektiv vertrag(350), bei einem Streik die Arbeitszeit(2801, bei-' einem Streik waren sonstig« verschiedene Forderungen(583) und bei sechs Streiks sind die Forderungen noch unbekannt geblieben. Das Ergebnis der Streiks für di« Arbeitnehmer war in vier Fällen ein voller Erfolg (904), in 18 Fällen ein Teilerfolg(14.244),.in drei Fällen ein Mißer fö l g(472) und in 11 Fällen ist• der Erfolg noch unbekannt geblieben (5964)."' Aussperrungen gab es-!m Oktober drei Ein zelanSsperrungen: Sie betrafen drei Betriebe, mit 1540 Arbeitnehmern,' von denen 583' auSgefperrt würden. Dieselben versäumten 9216 Arbeitstage und verloren.an Lohn 330.217' K. In einem Falle wurde. Nichtkürzung des Lohns gefordert nutz in zwei Fällen eine Lohnerhöhung. Der Erfolg wat irr zwei Fällen ein Teilerfolg unb in einem Falle ist derselbe' noch unbekamst. 7 i Eine Qualitätslampe wie die Osram- Lampe mit gezogenem von besonderer Steife gibt Ihnen grosse Lichtmenge für ihr Der moderne Mensch braucht grosse Lichtmengen. Kaufen daher Sio Osram-Lampen wie so viele Millionen Lichtverbraucher. Indem Sie»billige« Lampen kaufen. DI« Lampe ist die billigste für Sie, die das meiste Licht gibt für die von Ihnen bezahlte Elektrizität. Eine sogenannte»billige* Lampe stellt sich im Gebrauch für Sie meist erheblich teurer, weil sie bei gleichem Stromverbrauch weniger Licht gibt. Draht Geld. auch Sie können nicht an.Gicht Aftaren Sette 6 „Sozialdemokrat" Samstag, 19. November 1932 Nr. 273 9.- Warme, bequeme Hausschuhe. Für Damen KL 12-, für Herren KL 15.* Gr. 19-26 KL 19.-, Gr. 27-34 KL 29.- Kinder-Meltonschuhe mit Ledersohle. „Generalstiefel"- Ganzgummistiefel. Gr. 27-34 KL 29.-. 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Mit schlagender Klarheit und umfassender Sachkenntnis verfolgte Genosse Rosen- seid die Geschichte des Films von seinen Anfängen bei Lumisre in Paris über die Jahrmarkts- und Schaubudenentwicklung, die erste» Filmfabriken (Svenska in Stockholm, Palladium in Kopenhagen, Pathä in PariS) bis zu den ungeheuren Konzernen Amerikas, der Vormachtstellung der Ufa. Der Film ist in seinen Uranfängen bereits in die Hände der Kapitalisten gekommen; was ihnen bei der Malerei, der Dichtkunst, der Musik«gentlich bis heute noch nicht vollkommen gelungen ist, konnte beim Film nicht verhitrdert werden, der als Produkt dex Technik eben den Kapitalsgesetzen von allem Anfang an unterworfen wurde, weil er als Unter» Haltungsware auf den Markt gekommen ist. Wenn wir feststellen, daß der Film in den siebenunddreißig Jahren seines Seins eine der stärksten Industrien geworden'ist, in Amerika an dritter Stelle steht, dann ist alle» gesagt: diese Macht, di« täglich in scchzigtausend Kinos zu über zwanzig Millionen Menschen spricht, ist eines der wirksamsten Mittel zur Beherrschung der Massen, zum Schutz des herrschenden Systems, wenn eben dieser selbe Film nichts anderes tut, als. dir ihn fabriksmäßig erzeugenden Machtsaktoren des Lebens zu verherrlichen... Und wie diese Verherrlichung nun heul« raffiniert durchgeführt wird, wir der Film jedem wahren Leben fernsteht und die Lügenmärchen der hetrschen den Klasse, mit denen di« breitesten Massen gefangen werden sollen, als allgemein gültige Wahrheiten auftischt, das wußte Genosse Rosenfeld in ganz eigenartiger Klarheit und mit durchschlagender Satire des Menschen, der mit Humor an die Uebermachl des Gegners herangeht, darzulegen. Bon ihm stammt die Erkenntnis vom Wurrschtroum des arbeitenden Menschen, der im Film als Wirklichkeit und erstrebenswertes Ziel dargestellt wird; und seine Beispiele:„Glückszylinder",„Privat-- felretärin" und„Der Kongreß tanzt" waren gut awsgewählt. An jedem Detail der harmlosen Spielfilme, die mit raffinierten Mitteln so. gemacht sind, daß sie den Menschen das Loben ersetzen, über das Loben falsch informieren sollen, wußte der Redner nachzuweisen, daß der Kern der Handlung, der Tendenz zutiefst reaktionär ist und die Verdummung der. Masse unter dem Roklameschlagtvort vom Publikumsgeschmack als einziges ZiÄ hat. Und je größer die Technik wird, desto seltener werden die Künstler, die kraft des jeder Kunst innewohnende» Gesetzes zur Welt und ihren Erscheinungen Stellung nehmen wollen. Diese Stellungnahme, die zuerst im stummen Film von Lubitsch, Mautitz, Stiller, Chaplin und der Nielsen um das Jahr 1813 gezeigt wurde, verlangt vom Publikum Denk, arbeit; und da der Film sich an Müde, Abg«. arbeitete wendet, die eben nicht denken wollen, wurde der Angriff des BetdummungskapitalS eben so erleichtert. Gedanken wurden als politisch auS dem Film verdammt, mit der Terminologie de- DürgertumS zu sprechen, ist nur das Positive des Urteils über di« Welt unpolitisch, jedes I-reden nach Aenderung ist Politik, dir mit Kunst nichts zu tun hat und deshalb bekämpft werden muß Wer dazu bekennt sich die Produktion d«s Kapitalismus nicht etwa offen, wie die Rusten, deren bolschewistische Tendenz. schon aus dem ersten Bild spricht, dies« Tiefenwirkung auf die Mastenpsyche wird nicht zugegeben, sie'wird vertuscht unter ästhetischen Prinzipien, di« sich di« Kapitalisten von ihren geistigen Dienern in Form von unabhängigen Kritiken und. Wistenschaften erkaufen. Und deshalb Lärmen fast alle Film« auf ein Schema gebracht werden: 1. der brave Mann muß ja nicht arbeit«», di« Ordnung gibt ihm das Glück der Karriere: 2. dazu bekommt er Wohnung und Kleider: 3. durch Fleiß kommt er hinauf, ins Edle, Große, das aus den Filmvillen und Filmbädern spricht. Es gibt nur individuellen Ehrgeiz und persönliche Sorgen «S gibt im Film kein Klastenbewußtfein: wozu auch, wenn«s ohn« den Klaffen kampf gut geht? Das ist der Sinn des heutige» Films, in Wochenschauen wie Dramen und Operetten. Und wenn die Arbeiterschaft sich dieses Wesenskernes bewußt geworden ist, dann muß sie eben dem Film in seine. heutigen Form mit Mißtrauen entgegentreten, muß die äußerlich oft•reizvolle Hülle durchschauen und das Werk um feines abscheulichen Kerns ablehnen; und muß ihren Film selbst bauen, mit den wenigen Außenseitern, wie Pabst, Lubitsch, Claire, in di« sogar das Kapital Gelder investiert, weil sie Geschäft« versprechen.... W. L. Vorträge des Sozialen Instituts. Das Soziale Institut veranstaltet in der nächsten Woche im Vortragssaal des Ministeriums für soziale Fürsorge stets nm halb acht Uhr zwei Vorträge und zwar spricht Donnerstag, den 24. November 1932 der Gesandte der Tschechoslowakischen Republik in Wien Zdonök F i e r l i n» ger Wer das Thema„Die historische Bedeutung der russischen Revolution"(tschechisch) und Freitag, den 25. November 1932 dar Direktor der Internationalen Kanzlei gegen den Alkoho- lismus in Lausanne R. H e r c o d über das Thema„Die Krise der amerikanischen Prohibition"(doutsch und französisch). Die Staatsbahndir«ktto« in Prag fertigt zusammen mit dem Reisebüro Dedok einen Sonder- ausflugszug von Prag nach Wien in den Tagen vom 2. bis 3. Dezember ab. Abfahrt von Prag- Wilsottbahnhof am 2. Dezember um 28 Uhr, Rückkehr nach Prag am 5. Dezember um 6 Uhr früh. Der Preis beträgt pro Person 299 K inklusive beide Fahrten, Logis in einem erstklassigen Hotel, Autocarrundfahrt durch die österreichische Hauptstadt, Unfallversicherung ustv. Tas eingehende Programm ist beim Schalter Rr. 13 auf dem Masaryk- bohnhofe oder bei den BetckaufKstellen des öcbol erhältlich, wo. auch. Anmeüiüngen erfolgen können. Angabe 30 K. Personen, die in Wie» aus Verpflegung nicht reflektieren, werden die entsprechenden Beträge abgezogen. Außerhalb Prags wohnende Interessenten erhalten gegen Vorweisung ihrer Anmeldung ober der Fahrkarte eine 33prozentige Ermäßigung ab Wohnortstation bis zur Station des Reiseantrittes und retour. Der Termin für die Anmeldungen endet am 22. November. vUttelUmz aa» dv» PMUm». Sorgfältig« Kontrolle während der Erzeugung ist die Garantie für di« Vervollkommnung, Qualitätsverbesserung des Erzeugnisses. Bewunderungswert sind in dieser Hinsicht die Laborawrien der Fabrik Päla A.-G-, wo unter ständiger KoMrolle täglich 6000 Batterien und-Elemente in einzelnen Serien erzeugt werden. Durch diese ständig« strenge Kontrolle hat di« Fabrik eine Uebersicht über die Leistungsfähigkeit ihrer Erzeug niste, welch« sie so vervollkommnen konnte, daß die heutige Produktion durchschnittlich um eine Stunde und auch mehr länger aushält als di« frühere. ES wird mit Recht behauptet, daß die Palabo«in« lange Lebensdauer hat. 1787 Billig« Belruchtung nur durch gut« Lampen. Bei den Gesamttosten der elektrischen Beleuchtung, dir sich aus den Kosten für di« Glühlampen und den Stromkosten zusammensetzen. machen die Strom, kosten den weit überwiegenden Teil aus. Deshalb wird di« Beleuchtung um so billiger, je bester dir Glühlampe ist, denn mit besteren Lampen erhielt man diz gewünschte Beleuchtungsstärke bei gerin- gereut Leistungsaufwand als mit weniger guten Lampen. Wer dadurch sparen will, daß er billige und desHalb schlechtere Lampen kauft, ist also auf falschem Wkge, weil die Stromkosten um weit mehr steigen werden, als der an den Lampen ersparte Ertrag puSmacht Kaufen Sie OSram-Lampen, so haben Sie die Gewähr dafür, daß diese Lampen die Lichtausbeut« und Lebensdauer haben, dir in Rücksicht' auf die Gesamttosten der Beleuchtung am günstigsten sind. 1719. O-—. Kunst und Wissen Arbeitrrvorstrlluug„Dir drei Musketier«". Ope- rettenrcvue, am Sonntag, den 27 No vember.' um halb 3 Ubr nachmittags im Reuen Deünchen Theater. Karten täglich bei Optiker Deutsch, Graben, Palais Koruna. „Falstaff" von Verdi. Dirigent Botto, zum ersten Male Freitag dieser Woche. „Die Jungfern von BischosSberg" gehen als Ensemble^Gastspiel des Dresdener Staatstheaters Samstag in Szene(3. Abend des Hauptmann-ZykluS). Wochenspielplan des Reuen Deutsche« Theaters. Samstag, 3.30 Uhr:„Äabale und Lieh«" (Schillerfeier); 7.30 Uhr:„Figaros Hochzeit". — Sotrntag, 2.30 Uhr:„Dreimal Offenbach"; 7.30 Uhr:„Othello"(D 1).— Monsag, 7.30 Uhr:„Der Zigeunerbaron'(B. B.)—■ Dienstag, 7.30 Uhr:„Der Zigeunerbaron" (B. V.)— Mittwoch, 7.30 Uhr:„Othello"(Bl). — Donnerstag, 7.30 Uhr:„Ich habe einen Engel geheiratet"(C 1).— Freitag, 7.30 Uhr:„Falstaff"(D 1).— Samstag, 7.30 Uhr: Hauptmayn-Zyklus Hl: Ensemblegastspiel des Dresdner StadttheatevS:„Die Jungfrau vom Bischofsberg".— Sonntag, 2.30 Uhr: Arbeitervorstellung:„Die drei Musketiere"; ,7.30 Uhr: Gast spiel Kern-Roswaenge:„Rigoletto"(A. A.) Wochenspielplan der Kleine« Bühne. Samstag, 8 Uhr:„Weekend".— Sonntag, 2.30 Uhr: Gastspiel Kramer-Glöckner:„Sturm im Wasserglas"; 8 Uhr:„Coeur Bub".— Montag, 8 Uhr:„II. Stock, Tür 19'(Bankbeamten I). — Dienstag, 8 Uhr:„Dreimal Offenbach". — Mittwoch, 8 Uhr:.Sitte, erhören Sie meinen Mann"(Bankbeamten H).— Donnerstag, 7.30 Uhr:„Essig und Oel"(Erstauffüh- runa).— Freitag, 8 Uhr:„l l. Stock, Tür 19" (Kultürvepbandsfreunde).— Samstag, 8 Uhr: Essig und Oel".— Sonntag, 3 Uhr:„Weekend"; 8 Uhr:„Essig und Oel". Geriditssaal Freispruch im Karolineuthaler Gattenmordprozeß. Alle Schuldfragen verneint. Prag, 18. November. In der heute fortgesetzten Verhandlung gegen den,Gattynmörder KabiLek wurde«ine Reche weiterer Zeugen einvernommen, deren Aussagen sich um das Eheleben der KabiLeks drehte» und den Zweck hatten, die seelische Berfastung des Angeklagten aus dem Milieu dieser Ehe heraus zu beleuchten. Die Aussagen lauteten verschieden. Im ganzen steht fest, daß die Ehe nicht glücklich war. Inwieweit die Frau tatsächlich schuld an den Zerwürfnisten und fortwährenden Streitigkeiten trägt, ist nicht klar zu ersehen. Die Mehrzahl der Einvernommenen stellen chr jedoch ein gutes Zeugnis auS. Jedenfalls ist be! der heutigen Verhandlung kein Beweis»für eine tatsächliche Untreue der Frau erbracht worden. Di« Gerichtsärzte erklärten in ihrem Gutachten den Angeklagten für geistig normal und schloffen auch«ine momentane Geistesverwirrung im Augenblick der Tat auS Allgemeines Mitgefühl erweckte die alte Mutter deS Angeklagten, di« gleichfalls als Leumundzeugin einvernommen wurde. Sie lobte mit tränenerstickter Stimme ihren Sohn, der immer„ihr guter Junge' gewesen sei. Beim Abgehen trat sie auf die An, klagebank zu und wollte den Angeklagten zum Abschied umarmen. Der Aufseher trat aber zwt'chen Mutter und Sohn. Dann wurden di« Polizekprotokolle verlese», aus denen hervorgeht, daß sich KabiLek nach|«iner Verhaftung auf der Polizei voll zu seiner Tat bekannt hat und auch keinerlei Reue äußerte. Später hat er allerdings diese Auslage geändert und erklärt, daß er sich an ulchlt mehr ernnnern könne. Die Plädoyers, die nach der Mittagspause begannen, nahmen infolge der fast po ei stündigen, sehr temperamentvollen und pathetischen Verteidigungsrede des Verteidigers geraume Zeit in Anspruch. so daß sich di« Geschworenen erst um 7 Uhr abends zur Beratung zurückzogen Der Gerichtshof hatte ihnen außer der Hauptfrage auf das Verbrechen des Mordes noch eine Even- tu a l f r a g e auf Totschlag vorgelegt, nebst den üblichen Zusatzfragen auf U n e h r e n h a f t i g k«i t der Motive. Die Beratung der Geschworenen dauerte nur etwa eine Viertelstunde. Di« Mordfrage wurde mit«tun gegen drei Stimmen verneint, di« Frag« auf Totschlag nur mit sieben Stimmen bejaht, so daß die«rsorder- lichc Achtstimmenmehrheit nicht erreicht wurde und di« Frag« als verneint zu betrachten ist. D«r Gerichtshof fällt» demnach einen Freispruch, rb- Aus der Partei Jugendbewegung. Freie Bereiniguug sozialistischer Akademiker— AI. Wanderung, Sonntag, 9 Uhr vormittags Endstation der Ker, Baumgarten. Centralbank der deutschen Sparkassen in der Gechoslovakischen Republik. HuptinsMlt: Prag H., Bredauersasse 14. Ztreigniederlaiinsgen: Aussig, Brünn, Eger. Jägemdort. Reichenberg, Ö. Teschen, Trautenau. Troppau. Dia Dank dar deutschen Sparanstalten und tu? Gemeinden. Proletarische Singgemeiude, Prag. Gründende Generalversammlung. Sonntag, den 20.- November, findet um halb 10 Uhr vormittags in Heines Restaurant, Weinberge, Fochova, die gründende Generalversammlung einer neuen deutschen proletarischen Kulturorganisation in Prag statt,- der proletarischen Singgemeiude. Alle Genossinnen und Genossen, di« em Interesse an der Pflege volkstümlicher Gesangeskunst haben und überhaupt Freunde proletarischer Kulturbestrebungen sind, werden eingeladen, zu dieser Versammlung zu kommen. Eingeleitet wird die Versammlung mit einem Vortrag des Genossen Edwin Ianetschek über di« Bedeutung und den kulturellen Wert proletarischer Gesangspflege. Die Proponenten. Sport- Spiel* Köraerpfleae Eine ougenehm« Reiterung für Skifahrer hat die Leitung der tschechoslowakischen Staatsbahneu mit sofortiger Gültigkeit eingesührt, und zwar werden probeweise in den Staionen Prag-Wilsön- bahnhof und Moldau Ski-Aufbewahrung-stellen errichtet. Die Aufbewahrungsgebühr beträgt für ein Paar Ski(mit und ohne Stöcke) für die Zeit von fünf' Tagen bis zu einer Woche 2.50 K(von Sonntag zu Sonntag), für eine kürzere Zeit für den ersten Kalendertag 1 K, für jeden weiteren Tag 50 Heller. Skifahrer, di« nach Beendigung ihrer Skitour di« Zugsrucksahrt in den Stationen Eichwald, Klostergrab, Oss«g g- Riesenberg airtreien, können in diesen Stationen ihre Ski übergeben, welche die Bahn nach Moldau befördert und dort ausbewahrt. Bei Antritt einer neuerlichen Skitour werden die Ski in dieser Station gegen Entrichtung der AufdewahrungS- gebührt sowie des Manipulationszuschlages von 1 K für ein Paar Ski ausgefolgt. Weder Profi noch Amatture im DFB. Di« Amateurkommission des DFB. hat deu Beschluß gefaßt, den Gautagungen den Antrag vorzulegen, den Unterschied zwischen Amateuren und Profis nach italienischen Muster anfzuhebe«. Ferner soll öS den Vereinen erlaubt sein, mit den Spielern Verträge privatrechtlicher Natur abzuschkießen. Ans einem bürgerlichen Spielbericht:„Die auf- gepflanzten Bajonette der Sottntag im Zuschauerraum des DSK.-Platzes patrouillierenden Geudar- merieabteilung redeten»ine eindringliche Sprache/ — Dem Leser wollen wir noch mitteilen, daß unter diesem„Zeichen" das Gablonzer„Derby" BSK—' DSK. por sich ging..» Vereinsnadiriditen e Ortsgruppe Prag. Sonntag, den 20. November, 9 Uhr, Endstation der Iler- und 23er-Ekektrischen in Pod- baba; führt Winternitz. Sonntag, den "27. November, 9 Uhr, Endstation der 5er-Elektrischen in Hloubktin; führt Kapu- lchinsky. Die richtige Brille Optiker Deutsch Prag 1L, Prikopy, Palais Koruna. fcetaa Satter. Sltgftick taak— Cktfstbstttst ■Ma,— S>« ÄeuLiigSmartrnfrcntatnr wutbr ui bet Poft. U. tatbjafeue 1U SA—>«MUStns M Utz,—. Mlhtlvi Steine C,'Beramvarrtichn»rtafteat Dr«mit 6 11 o t». vra,- Druck„Stere*-«•<» für z-u-ny."’Wn'J«rftft' A-»e« Druck»rmnrwonNch On» reli«raphc>i!»relri»a nur Erlab Rr 13 800/VII 1fl80»«willig'- Bezugtbr-»gingen Bei Znftellun, in» San»»der bei«e,ug aurch«u Kofi-nonaeuch Kc.6»iernl jährlich ilä — Jas«»« rasch« Im, tächs»iüM ch» äjuua fiuiSaaSua,— Mächirsaa, a»a Ma*ailu*M«i«St au» dal chjajuchaa, kl üsMwaMdsa, SÄ