Siuzelpreis 70 Heller. (Einschließlich 5 Heller Porto 1— Erscheint mit Ausnahme des Montag täglich früh. s» dowv»«. Derwattueg: vrog u, ornäiaala»ao r»I,»d.: W195, 31M9.5ta<6trt6aft.(oB 31 ttst): ssasa ♦ Soffl<&etfanrt:575«« 12 Jahrgang. Sonntag, 20 November 1932 Nr. 274. sucht, ohne zu Bereinigten Staaten. / den Im die und gerieten kam i zu Teilueh- Proiesf der oreoBisdien Regierung. Erklärung Brauns im Landtag bevorstehend. Berlin, 18. November. Die preußische Stoats- regierung stellte in ihrer heutigen Staatsmim- storialsitzung einstimmig fest, daß die gestern auf Antrag der Reichsregievung erlassene Verarmung auf Grund von Ärt. 48, Abs. 2 der Reichsver- fassung dem Wortlaut und Geist der Entscheid düng des Sllratsgerichtshofes nicht entspricht. Ministerpräsident Braun wird in der ersten Vollsitzung des Landtages am Donnerstag, den 24. November zu der dadurch geschaffenen Sachlache Stellung nehmen. Prinz Auwi wallfahrt nach Mussolini««. Rom, 19. November. Der nationalsozialistische preußische Landtagsabgeordnete Prinz August Wilhelm hat gestern als Führer einer Nationalsozialistischen Abordnung am Denkmal für die Gefallenen Fafeisten in der Bolivkapell« des Palazzo Litorale, dem Sitze der sascistischen Partei, im Namen der nationalsozialistischen Partei Deutschlands sowie des Reichstagspräsidenten Goehring einen Kranz niedergelegt. Nach der Feier hielt August Wilhelm eine Huldigungsansprache an den italienischen Fascismus.. Dollfuß In Budapest. Direkte Wirtschaftsverhandlungen. Budapest, 18. November.(MTJ.) Der öfter-, reichische Bundeskanzler Dr. D o l l f u ß und Handelsminister Iakoncig treffen Sonntag Nachmittags' zu kurzem Aufenthalt in Budapest ein, um mit dem Ministerpräsidenten Gömbös und mit den Mitgliedern der ungarischen Regie rung m Angelegenheit der Regelung" der Ungarisch-österreichischen Handelsbeziehungen einen unmittelbaren Gedankenaustausch zu pfle gen. Der österreichische Bizekanzler Winkler weilt im Zusammenhänge mit den Handclsvertrags- Verhandlungen bekanntlich bereits seit zwei Tagen! Amtlich wird erklärt, daß di« Beratungen keines- in Budapest, I wcgs außenpolitischen Charakter tragen. Kekuflonsmorotorium in Vorbereitung. In der nächsten Woche Vorloge ans Parlament. Prag, 19. November. Wie das Justizministerium zu den Vorfällen in Polomka mit, teilt, wurde bereits Anfang Oktober eine Vorlage ausgearbeitet, durch welche den von der Wirtschaftskrise betroffenen Schuldnern gewisse Erleichterungen gewährt und gewisse Härten der heutigen Exekutionsordnung, namentlich für di« Slowakei und Karpathorutzland, befestigt werden sollen. I« dieser Vorlage wird unter anderem das niedrigst« zulässig« Angebot bei der Versteigerung von beweglichen Sachen wie von Immobilien grundlegend erhöht und die Vorschriften aufgehoben, di« es ermöglichen, daß «ine Liegenschaft unter dem gesetzlichen niedrigsten Angebot verkauft werde. Die Vorlage wurde am 19. Oktober aus» gegeben und ist Gegenstand des interministeriellen Verfahrens sowie der Beratungen der Jn- teressentrngruppen. Die vorbereitenden Arbeiten an der Vorlage werden mit größter Beschleunigung abgeschlossen werden, und man kann annehmen, daß sie schon in der nächsten Mache den gesetzgebenden- Körperschaften vorgelegt werden wird. einer der an die Ankurbelung glaubt. Paris, 19. November., Der^amerikanische Bankier J.-P. Morgan erklärte, wie„New Nork Harald" meldet, nach seiner Rückkehr aus Europa, er glaube fest an eine baldige Ankurbelung der wirtschaftlichen und industriellen s ein Hungermarsch aui Linz. Wilde Gerüchte über di« Sowjplrc-puÄik Oesterreich. Linz, 18. November.(Eigenbericht.) In Oberösterreich hatten die Kommunisten: heute unter größer Agitation-cftien-H U.'nge r mansch anaesetzt, der von der Regierung, mft ganz über» Msfig großen Gegenmaßiuchmen beantwortet wurde. Das ganze Land wurde in einen förmlichen Belagerungszustand versetzt, alle Garnisonen hatten Alarmbereitschaft. Einzelne kommunistische Trupps, die nach Linz zogen, dort in Konflikte mit der Polizei- Ces Zusammenstößen, bei denen auch eiitige .Mer verletzt und 87 verhaftet wurden. Die große Alarmbereitschaft hartr w i l d e st en Gerüchten Anlaß gegeben. Laufe des Tages hieß cs bereits, Hatz „Sowjetrepublik Oesterreich" proklamiert der Generalstreik in ganz Oesterreich ansgerufen sei. Diese Gerüchte wurden auch ins Ausland «meldet. Sie sind bloß daraüs zurückzuführen, daß durch einen Zufall die Wiener Zellingen nicht recht:eilig nach Lin; kamen. Di« Kommunisten planen überdies auch in den nächsten Tagen Hungermärsche zu veranstalten. Alle diese Peranstaltungen sollen jedoch Virboten werden. „Unmittelbar vor dem Zusammenbruch." Katastrophal« Lag« der österreichische» Stadt«. Wie», 19. November.(Eigenbericht.) Die heutige Tagung des österreichischen Städtebun- dcs ergab ein katastrophales Bild von der Lage dar österreichischen Gemeinden. Der Vizebürger- Meistar von Graz erklärt« rundweg, daß di« größten österreichischen Städte unmittelbar vor dem Zusammenbruch stehep. Es wurde ein« Resolution angenomtneN, in dür von der Regiermlg sofortige Hilfe verlangt wird, da die Gemeindeverwaltungen sturst nicht mehr die Verantwortung für das übernehmen könnten, was in der allernächsten Zeit bevorstoht. eine Berständigung hovbeizuführem selbst designierter Reichskanzler Al sein; als eine solche Mittelsperson wird Göring genannt. Der Verlaus der Beratungen wird aber mit einer gewissen Skepsis erwartet, da bis jetzt alle Armäherungsdersuchc zwischen den Na- tionalsozialfften und dem Zentrum auf große Schwierigkeiten gestoßen Md, wozu noch die Verhandlungen mit den DouEschnationalon treten, die mrs den letzten Wahlen gestärkt hervor- gingen und die bis jetzt keine Neigung zu irgend- webchen, Kompromissen zeigen und außerdem unverhohlen einer nichtparlame ntari- schen Regierung den Borzug geben. Für den Fall, daß di« Verhandlungen der politischen Parteien zu keinem Ergebnis führen sollte«, rechnet man damit, daß die Aussichten für den Kanzlerposten für General Schleicher steigen werde«. »er Chefredakteur des„Angriff gekündigt Ein Razi-Opfer für den„neuen Kurs". Den ersten Befähigungsnachweis für.ihre Regierungsreife häben die Hitler, Goering, Goebbels und Strasser bereits erbracht. Der Chefredakteur des Berliner Nariblattes, Dr. Lippert, ist gekündigt worden. Am 1. Jänner muß er das Lokal verlasft«. Offizieller Grniw:„Die.Haltung des„Angriff" während des Berliner Verkehr s ft re rks." Aus durchsichtigen Wahlzwecken waren bei diesem Streik die Nazis mrt den Kommunisten Arm in Arm gegangen. Es war im Grunde ein Kampf um die Wahl stimm en, gegen die Gewerkschaften und gegen die Sozialdemokratische Partei. Am Tage nach der Wahl wurde der Streik von den Drahtziehern abgebrochen, die Opfer lagen auf der Straße und sofort begann der„Angriff" nachzuwcrsen, daß Hitler und die Nazipartei die einzige Rettung vor der roten Flut und vor dem Bolschewismus feien. Als sichtbarer Beweis für künftiges gutes Wohlverhalten fliegt jetzt Lippert aus die Straße. Nazi-Regierung und Staatsbeamte! Dessau, 19. November.(Erg. Drahttch Im Dritten Reich von Anhalt hat die Nazi- Regierung den Beamten das WeihnachtS- geschenk angekündigt. Es steht ihnen frei zu wählen zwischen einer Gehaltskürzung und dem „Rollshstem". Wahrscheinlich nehmen die zwischen zwei Hebeln stehenden Beamten das Rollsystem an und erhalten dadurch in ach t M a- naten nur noch sieben Monatsgehälter, was ebenfalls eine Gehaltsknr- Die schwarze internationale. Wien, 19. November. Heute treten in Salzburg Vertreter der österreichischen christlich- soziÄen Partei mit Vertretern der bayrischen Volkspartei ju Unterredungen über beide Parteien betreffende gemeinsam« Angelegenheiten, zu- sammen. Art den Beratungen werden. österrei- ! chischcrseits auch' Bundeskanzler„Dr? Tollftiß, Justizminister Schuschnigg uni der Salzburger Landeshauptmann Dr. R e h r I,bah- ■ rischcrseits Ministerpräsident Held teilnehmen, jwcgs außenpolitischen Charakter tragen. Mm Nazi-Koinöiianteii wollen wieder einmal Ehibeit: iront spielen! Nichts ist so toll, widerwärtig und charal- tcrlos, als daß es sich bei den Hakenkreuzlertt nicht ereignen könnte! Gestern erschien ün„Teplitz- Schönauer Anzeiger" ein von M. K., also von dem jourmÄstischen„Führer" der deutschen Naiiionalsoziallisten, Herrn Max Karg, gezeichneter LeitiartAel, der die innere Gestn- nungÄlosigkeit, die chamäleoncrrtige Berivand lungsfähigkeft und die aufdämmevnde Erkenntnis der Nationalsozialisten von dem beginnen-' den Niederb-ruch ihrer Politik geradezu sensationell nachweist. Vor ein paar Jahren sind auch die sude- tendeuitschen Nazis mit Hitler ausgezogen, uns die politische Vorherrschaft innerhalb der Nation jenseits urtd diesseits der Grenzen zu erkämpfen und anzutreten. Seit Jahr und Tag wurde von ihnen cllles in Acht und Bann getan, beschimpft, als volksverräterisch, über lebt, äbsterbensveif und korrupt hingesteW, was nicht mit ins Hakenkveuzlerhorn blasen wollte. So wie sie glaubten, daß die Hitler- Welle allmählich ganz Deutschland«fassen würde, so träumten sie in Aussig und Dux von der Eroberung der gesamten Sudeten durch die NationälsoziMsten. Immer mehr cytfwnchetLU sie sich ihren lciblichcu Vätern, den angestaümnten deutschbürgerlichen Parteien, befehdeten sie hemmungslos—es schien, als ob unsere Nazis wirklich vormeiwtens sie würden von ihren einstigen Nährtmtxrrr nie.- nrals mehr auch nur ein Strick Brot, nehmen müsten! Und wer ihnen das Aaubte, der wird heute wie aus den Wolken fallen, wenn er erfährt, daß dieselben Nationalsozialisten bereits beginnen, sich lebhaft nach dem alten Stall zurückzusehnen, ja daß sie, just sie, schon wieder jenen Lieblingsschlager zu pfeifen an-. sangen, der seit anderthalb Jahrzehnten das Hauptftück des deutschbürgerlichen„Programms" bildet: Herr Kwvg flötet, sanft und kräftig zugleich, das Lied von der Ein'-, heitsfront! Er, der Schreibwart der Nazis, die ein paar Jahre lang, soweit ihnen der Kainpf gegen uns Zeit ließ, Deutschnationale und ChrisÜichfoziale und Landbiinbler als unfähig, unwürdig und verrottet begeiferten und besetzten, er, der Wortführer der Nationalsozia-' listen, die dem Sudetendeutschtum ihre Lehre als allein seligmachend hrnstellten,' dieser selbe Karg läßt sich jetzt Wer die sudetendeutschen Parteien und Menschen also vernehmen:' „Statt sich aber bi« Hände zu reichen und die Schultern zu bieten, balge« sie sich untereinander herum und streiten sich, wer jeder für sich allein am höchsten an diese« Mauer emparspringe» kann. Und immerfort kugeln sie durcheinander und machen einen Lärm, datz einer des ander«« Wort nicht versteht.. Na, wir hoben das Wort des Herrn Karg immer verstanden,, auch wenn er mit seinen« elenden Deutsch, das über die Verwestdüng des„sich" und des„einander" nichts weiß, ins Dritte Reich zu kommen' hoffte. Und wir verstehen ihn auch jetzt,"da ex. zur Abwechstrmg wieder einmal in E i n- heitsfront machen will. Di« Primadonna Hiller hat Engagementsschwierigkeiten, auch für die Herren Jung und Krebs hat sich die Szene einigermaßen verwande.lt. Die Nazi-Könrödianten beginnen zu fürchten, daß, ihr Theater nicht zugkräftig genug bleiben werde und daß sie Schwierig feiten mit der Bezahlung der Kosten haben werden— und da suchen sie sich halt wieder dorthin zu retten, von wo sie gekommen sind: unter die warmen Fittiche der ungetarnt deutschbürgerlichen Parteien. Sie, die Naz», die ein paar Jährchen" Situation sowohl in Europa als auch in den wie im Fieber schrieen und tobten, sie wenden "■'~|{idj jetzt durch den Muftd des Herrn Karg Hitlers Aussichten steigen? Aussöhnung mit Hindenburg. Verhandlungen mit dem Zentrum im Gange Berlin, 19. Novmnber. Dor Reichspräsident hat honte um halb 12 Uhr Hitler empfangen. Kurz vor elf Uhr fuhr zunächst ReichstaMpräfi- dent Göring vor der RoichskonzM vor. Göring hielt sich jedoch nur eine knappe Brsr- tolstuilwe beim Staatssekretär Meißnar aus und kehrte dann in dm„Kaiserhos" zurück. Als kur; darauf Hiller vom„Kaiserhos" in die Reichs kanzlei fuhr, bavertetm ihm fome zahlreich er schienenen Anhänger ein« offenbar gut vorhevei-- tete Ovation, die sich bei seftrer Rückkehr wie derholte. Die Besprechung Hillers mit dem Reichs präsidenten dauerte etwas über Äne Stunde. Hiller erschien ohne Begleitung. Er sprach zu nächst mit Hindmiburg unter vier Augen; nach kurzer Zeit wurde Staatssekretär Meißner M- gozogon. Wie offiziös mitgeteilt wird, beschrankte sich die Unterredung auf eine Darlegung der gegenseitiMn Verhältnisse. Da di« Bespre- chnnge» noch nicht abg«schl»sj«n find, werden sitz in der nächsten Woche fortgesetzt werde«. Trotzdem über den Verlauf der Verhand lung voMommvnes StA schweigen bewahrt wich, sickert doch an die Oeffenllichkert die Mitteilung durch, daß der Meinungsaustausch ein herzlicher war und daß der„13. AllKrst", das ftt bor Tag, an weichem Hinden burg Hillers Fovdsvmrgen ablehnte, als über wunden anzusehen s«i. Hieraus wich vielfach der'Schluß güzoaen. daß die Aussichten zur Erreichung des Kanzler amtes für-Hiller in dem Kreis der Positiven Möglichkeiten gerückt sind. Man glaubt jetzt in unterrichteten Krei se«, datz die Fühlimgnahme zwischen der NSDAP und dem Zentrum in Gang komnit. Jedenfalls ist heute«ine grundsätzliche Verständigung darüber erfolgt, daß Ver handlungen stattfinden sollen. Obgleich gegen Abend em Termm noch nicht vereinbart war, hält man den'Beginn dieser Besprechungen schon für den morgigen Sonntag für nicht ausgeschlossen. Zu den Gerüchten, daß Hitler vielleicht in den nächsten Tagen den direkten Auftrag bekom men wövde, den Versuch zu einer Regierungs neubildung zu machen, wird in der WKHllm- straße nicht Stellung genommen. Man kann daraus Wohl schließen, daß erst einmal abgowar- tot Werden soll, wie sich die Dinge zwischen den beiden ParteMhrungan entwickeln, auf die es jetzt in erster Lime ankonrmt. Neben der Möglichkeit einer Beauftragung Adolf Hitlers ist auch werter das Projekt osftn, einen homo regius zu bernfen, eine Per sönlichkeit, die im Auftrage des Reichspräsiden-., tcn als ehrlicher Makler zwischen den Parteien jung von 12ü Prozent bedeutet. Seite 2 Sonntag, 20. November 1932 Nr. 274 Kreuzweg der Gemeinden und Bezirke. 584 Reidistagsniaiidate. Da- endgültige Ergebnis. Berlin, 19. November. Unter dem Vorsitz des stellvertretenden Reichswahlleiters fand heute die öffentliche Feststellung des Rcichswahlaus- schusies über das Ergebnis der letzten Reichstagswahl statt. Es erhielten nach Verrechnung der Kreis-, Verbands- und Reichswahlvorschläge die Nationalsozialisten 196, Sozialdemokraten 121, Kommunisten 190, Zentrum 71, Deutschnationale und deutsche Volkspartei 63, Bayrische Bolkspartei zusammen mit Wirtschaftspartei 20, Deutsche Staatspariei 2, Christlichsozialer Volks- dienst und hannoversche Partei zusammen 6, Deutsche Bauernpartei zusammen mit dem deutschen Landvolk 3, Württembergischer Bauern- und Wcingärtnerbund 2. Es sind insgesamt also 584 Abgeordnete gewählt. Gegenüber dem vorläufigen Ergebnis vom Tage der Wahl sind also noch zwei neue Mandate zu verzeichnen, von denen eines den Nationalsozialisten und eines dem Zentrum zugutekommt. gegen die„erhitzten Köpfe der vor der Mauer sich balgenden, deutschen Parteien", sie sehnen sich nach einer„er- nüchternden und beruhigenden Dusch e", sie lechzen nach einem„kühlenden Umschlag", sie erklären jetzt di«„s u- detendeutsche Politisiererei" als eine„nicht politisch, sondern auch medizinisch unheilbare Krankheit". Das ist nicht einmal so schlecht gesehen, nur daß uns eben die sudetendeutsche Spielart gerade des Nationalsozialismus immer als eines der auffälligsten und bösesten Symptome dieser Krankheit erschienen ist. Mit kalten Umschlägen und einer Dusche tvirds aber nicht gehen, die Krankheit sitzt tiefer, ist organischer Natur — man wird operieren müssen. Richtige Helden haben aber vor der Operation Angst. Sie versuchen es lieber mit wundertätiger Behandlung. Und deshalb lechzt der K a r g noch dem„W u n d e r der sudetendeutschen Einigkeit". Die wäre, meint er, das einzige Mittel gegen ,chas sudetendeutsche Abrutschen in vollkommene Ohnmacht und Hilflosigkeit"! Ist das nicht tM? Da glaubten wir immer, der Nationalsozialismus würde es allein, am besten: ganz allein, schaffen— und nun brauchen sie dazu die deutsche Einigkeit! Ist das nicht widerwärtig? Gestern noch haben sie sich als die zukünftigen Herren in den Sudetenlanden aufgespiett und heute winseln sie nach den geliebten Brüdern und Schwestern? Ist das nicht charakterlos? Das alles ist es wohl, aber es ist nicht überrascheich. Es ist vielmehr durchaus logisch. Es konnte gar nicht anders kommen. Wir kennen den Vogel ja noch aus jener Zeit, da er sich von der deutschen Bourgeoisie aufpäppeln ließ. Sie hat ihn flügge gemacht und wefl es nun denr Spatzen dank einer für Kleinfedervieh günstigen Atmosphäre gelang, ein bißchen höher hinaufzufliegen, als es sonst Spatzen vergönnt ist, bildete er.sich ein, es wären ihm Adlerflügel gewachsen und er könnte bis zu den Sternen fliegen. Aber ein einziger heftiger Windstoß genügt, um den Spatzen wieder zu Boden zu treiben. Nun hockt er verängstigt da und sehnt sich nach dem warmen Pferde stall zurück, in dem, wie er hofft, bestimmt wieder Atzung für ihn abfallen wird. Wählerisch fft er nicht— er wird schon mit dem zufrieden sein, waö eben in einem Pferdestall zu finden ist. Und zugleich hätte das den Vorteil, daß die Gefahr, in die eben ausgestellten Schlingen zu geraten, sich vermindern dürfte. Diese versuchte Flucht in den Schoß der mütterlichen Bourgeoisie, diese Furcht vor den schlechteren Zeiten, die Angst um den Lebensunterhalt,— das nennt der Herr Karg„gemeinsame Linie der Verteidigung". Und die gemeinsame deutsche Sache"— das ist das sudetendeutsche Familienleben, dem der Geliebte ausgerissen war, als er sich stark genug fühlte, sich einmal selber zu erhalten. Nun aber sind schlechte Zeiten— da ist man eben froh, wenn man wieder in sein altes Heim zurückdarf. Wir brauchen uns nicht den Kopf darüber zu zerbrechen, wie die alte Ernährerin das Pochen an die Tür beantworten wird. Schließlich hat nran ben Vogel, noch immer ganz gut brauchen können— vielleicht läßt man ihn tvieder ein, wenn's nicht allzuviel kostet. Das Familienidhll» das sich da unserer Phantasie zeigt, ist überwältigend. Was aber werden- die nicht unbeteiligten Zuschauer sagen, denen ja der Magen schon zu rotieren beginnt, wenn sie von dem dutzendmal verkrachten Einheitsfront-Theater nur hören? Und wie werden sie über den Spatzen denken, der bisher so frech, so überheblich, so gemein war— und der jetzt wieder so armselig zu piepsen beginnt? Gemeinden und Bezirke legen jetzt, bestimmt durch das Gesetz, die Voranschläge für das Jahr 1933 fest. Sie künden damit zu gleicher Zeit d« tiefe Not, in der sich die Selbstverwaltungskörper befinden. Schon nach dem Umsturz war es um die Finanzen der Gemeinden, und Bezirke schlimm bestellt, denn den durch die unglückselige KriegS- pvlitik verschuldeten Gemeinden, die überdies durch Jahrzehnte in der verantwortunaslosest-n Weise geführt wurden, fehlte« die Geldquellen um unsere Gemeindewesen der Zeit entsprechend auszubauen. Es gehörte viel Mut und Zähigkeit dazu, sie vor dem. Verfall aufzuhalten und nicht nur ihrem seinerzeitigen Stande nach zu stabilisieren, sondern einer Aufbauperiode zuzusuhren. Es ist dank der geradezu wunderbar selbsüo-sen Arbeit unserer sozialdemokratischen Funktionäre in Gemeinde und Bezirk möglich gewesen, in wenigen Jahren Werke von hohem sozialem Wert zu schaffen, eS war damit auch möglich, den Selbst- Verwaltungskörpern eine bis dahin unbekannte Stellung in der Organisation des Staates zu verschaffen. Das war in der Zeit der gewaltigen Erhebung der Menschen nach dem Weltkriege, als man sich mit fanatischem Eifer nach dem vierjährigen Zerstörungswerke, mit dem Aufbau der Welt beschäftigt«, als man gutpitnachen versuchte, was der Krieg schlecht und unbrauchbar gemacht hatte. ES war eine Zeit schwerer aber dankbarer Arbeit, eine Zeit herrlicher Erfolge. In diese Entwicklung drängt sich die wieder zur Macht und Einfluß gelangte Bürgerkaste. Sie fühlt ihre Profitrate gekürzt durch die Investitionen in Gemeinden und Bezirken, ofoleid sie den großen Wert der Aufbauarbeit nicht zu bestreiten wagt. Sie findet das Dort von der „Fürsorgeinflation", den Schlachtruf von der „Verschleppung der Steuergelder", sie organisiert einen Krieg gegen die Friedensarbeit in den Gemeinden und so unerklärlich es dem sittlich reifen Menschen auch scheinen mag, sie gewinnt ihn auch. Unter der Losung„sparen" siegen die Bürgerparteien in Wahllampfen über die klaffenbewußte Arbeiterschaft und erzwingen unter hartnäckigen Kämpfen einen andern Kurs der Politik in Staat und Gemeinde. Sie schassen di« Verwaltungsreform, das Gesetz zur Regelung der Finanzwirt- chaft in de« auwnomen Körperschaften und be- «itiaen damit zmn großen Teil die konstruktiven Kräfte, die in der Selbstverwaltung am Werke waren. Die Sozialdemokratie hat Menschen und Mittel für den Kampf gegen diese Anschläge, mobilisiert, sie hat auch vieles abgewehrt, aber die Auslieferung dtzr Bezirke an Staatsbureaukraten und die Drosselung dar Gemeindefinanzen konnte nicht abgewehrt werden. Der Kampf ging zwar — und geht auch heute noch weiter— aber die entsetzlichen Schäden, das gräßliche Elend, das mrch die vom Bürgerblock geschaffenen Schandgesetze angerichtet wurde, konnte nicht aufgehal- ten werden. Seit Jahren sehen wir nun den Kampf der Gemeinden um ihren Bestand, ein Kampf, der in heldenhafter Weise mefft von Menschen ausgefochten weiden muß, die an der reaktionären Entwicklung ganz unschuldig sinv Sie werden auch jetzt noch mit der Arbeit und auch mit der Verantwortung der Schuld anderer belastet. Aber das schlimmste bei dieser Entwicklung ist der finanzielle Stand der Gemeinde« und Bezirke, ist die Notlage, m der sich die Menschen innerhalb des Gemeindeverbandes befinden, ohne daß ihnen in entsprechender Weise geholfen werden könnte. Kaum vchchsn die normalen Einkünfte der Gemeinden aus, um die primitivsten Aufgaben zu erfüllen. Kaum ist man imstande, trotz Einführung aller selbst in der Peripherie der Gemeindefinanzwirtschaft liegenden Geldquellen und ihrer vollständigen Ausbeutung, geschaffene Einrichtungen, di« zur Wohlfahrt aller da sind, zu erhalten. Mmr ist in den meisten Gemeinden längst nicht mehr imstande, die Verpflichtungen gegenüber dem ständig wachsenden Verkehr, der Fortentwicklung unserer Schulen, gegenüber den Obdachlosen und vor allem der Armen und der Arbeitslosen zu erfüllen. An den weiteren Ausbau sozialer Einrichtungen, an die Unterstützung kulturelle Bestvclbuugen ist nicht zu denken. Es steht zweifellos fest: di«Gemeinde befindet sich im Niedergänge. Und noch mehr: sie geht der Zahlungsunfähigkeit entgegen! Nur einige Ziffern aus den Voranschlägen von Gemeinden und Bezirken: Da ist die Gemeinde Bodenbach, eine der wirtschaftlich bedeutendsten Städte in. Böhmen. DaS Erfordernis dieser Gemeinde beträgt 13,929.000 X, der unbedeckte Abgang 3,700.000 X. Woher nimmt man die Deckung für diesen Abgang? Kürzen kann man kaum bei irgend einem Posten des Voranschlages, es sei denn, man findet den. traurigen Mut, von dem für die Arbeitslosen festgesetzten Betrage von 500 000 X Abstriche vorzunehmen. Niemand, der die Präzis und die Mittel des Ausgleichsfonds kennt, wird glauben, daß auch nur der dritte Teil dieses Abganges bestritten werden wird. Oder betrachten wir die Zahlen der Stadt Telsche«. Ein Erfordernis von 9,640.352 X. Es erscheint ziffernmäßig gedeckt. Allerdings hat diese Stadt mit Hunderten von Arbeitslosen, die lächerliche Summe von 7000 X zur Bestreitung der Nor und des Hungers unter den Arbeitslosen vorgesehen. Hat nur die dringendsten Aufgaben in Betracht gezogen, als der Voranschlag zusammengestellt wurde, die Stadtverwaltung erneuert nichts, schafft nichts, wendet sich der Abwärtsentwicklung zu. 50 Prozent des gesamten Erfordernisses der Stadt Letschen werden zur Tilgung des Schuldendienstes verwendet.- Da ist weiters die Gemeinde Dux. Erfordernis 5,207.787 X. Der unbedeckte Abgang beträgt 1,482.019 X. Für den'Schuldendienst dieser Stadt verwendet man 1,328.761 X, mehr als ein Viertel des Erfordernisses. Kaum kann man für die Arbeitslosen etwas tun!' Warnsdorf. Das Erfordernis beträgt 7,586.114 Kronen. Der unbedeckte Abgang 1,049.353 X. Will die Gemeinde die für sie lebenswichtigen Arbeiten und Investitionen durchführen, muß sie eine Anleihe von mehr als. zehn Millionen Kronen aufnehmen. Kami sie das nicht, dann wird die Not unter dem Heer der Arbeitslosen der Stadt Warnsdorf gräßlich werden. Aber auch dann ist der unbedeckte.Abgang nicht ausgeglichen. Die Gefahr, die Ausgaben für die soziale Fürsorge kürzen zu müssen, weicht das ganze Jahr nicht von den sozialdemokratischen Vertretern der Gemeinde. Wie sieht es in der führenden Stadt des Gras- litzer Elendsgebietes in Graslitz selbst aus? Das Erfordernis beschränkt sich auf den Betrag von 4,709.523 X, der unbedeckte Abgang beziffert sich auf die Summe von 1,617.367 X. Also mehr als der dritte Teil des Voranschlages ist unbedeckt. Wenn da keine Deckung gefunden werden kann, was bei dem derzeitigen Stand der Dinge zu erwarten ist, bleibt der Gemeinde fast nichts für ihre Wirtschaft. Deswegen nicht, weil 1,333.529 X für den Schuldendienst aufgewendet werden müffen, es bleibt also, wenn man den unbedeckten Abgang und den Betrag für den Schuldendienst von den zur Wirtschaft der Gemeinde brauchbaren Mitteln abzieht, nur die Summe von 1,758.627 X für di- Gemeindewirtschaft übrig. Tannwald will mit einem Erfordernis von 1,810 369 X auskommen. Dennoch entsteht ein unbedeckter Abgang von 383.534 X. Was haben hier die Arbeitslosen zu erwarten? Nichts, aber auch gar nichts, weil bei einem solchen Budget nur an die Erhaltung der Gemeinde gedacht werden kann. Die Stadt Trautenau braucht bei äußerster Sparsamkeit 7,959.827 X. ES bleibt ein unbedeckter Abgang in der Höhe von 662.522 X. Der Schuldendienst verschlingt nicht viel weniger als die Hälfte des Erfordernisses, nämlich 3,039.715 X. Für die Arbeitslosen wurde nicht ein Heller in den Voranschlag eingestellt, obzwar die Not unter den Trautenauer Arbeitslosen, von denen die meisten längst ausgesteuert sind, fürchterlich ist. Die Stadt Trauten»« sorgt auch durch einen außerordentlichen 'Voranschlag nicht für Arbeit und Brot. Günstiger, wenn auch nicht hinsichtlich der Finanzen, so doch in. Bezug auf Arbeit und Wirtschaft, erscheint Aussig. Das Erfordernis beträgt 39,351.143 X. Davon find allerdings fast 7 Millionen unbedeckt. Das außerordenlliche Erfordernis erfordert den Betrag von 44,501.269 X; durch Darlehen sollen dafür 27,791.269 X beschafft werden. Der Schuldendienst erfordert bei einem Schuldenstand von 193 Millionen 4,605,572 X. DaS sind 11 Prozent des Gesamterfordernisses. Für die Unterstützung der Arbeitslosen ist ein Betrag von 1,500.000 Kronen im Voranschlag enthalten. Weit wichtiger ist natürlich die produktive Arbeitslosenfürsorge, die durch die Realisierung deS außerordentlichen Voranschlages zur Auswirkung gelangen soll. Aber auch hier die große Sorge um die Bedeckung des Abganges, die Sorge um die Beschaffung der Darlehen zur Deckung des außerordentlichen Voranschlages. Und die Bezirke? Da ist Komata« mit einem Erfordernis von 10,173.921 X und einem unbedeckten Abgang von 3,700.000 X. Der Schulden, dienst allein verschlingt die Summe von 2,524.792 Kronen. Was bleibt da für die eigentliche Arbeit, wenn es nicht gelingt, den Abgang zu decken? Ein für den Bezirk Komotau ganz geringer Betrag, der kaum dazu ausreicht, die lebenswichtigen Aufgaben zu erfüllen. Der Bezirk Teplitz weist ein Erfordernis im Betrage von 8,317.000 X aus und einen unbedeck- ren Abgang von 2,655.000 X. Für die Arbeitslosen wurden 200.000, Kronen im Voranschläge untergebracht, aber welchen Kamps werden unsere Ge- nosien in der Teplitzer Bezirksvertretüng noch führen müffen, um bei dieser schrecklichen finanziellen Situation den Betrag für die Arbeitslosen zu erhalten?! Im Bezirk Saaz braucht man zur Bestreitung des Erfordernisses bei sehr großer Sparsamkeit 5,207.787 X. Es verbleibt dennoch ein unbedeckter Abgang von 1,402.502 X. Für die Produktive Ar- beitslosenfürsorge wurde der Betrag von 150.000 Kronen eingestellt, aber gesichert ist er absolut nicht. Es wird noch um ihn gekämpft werden müffen. So wie in den von uns garr; willkürlich herausgegriffenen Gemeinden und Bezirken die finanzielle Lage beschaffe» ist, so ungünstig oder — in den kleinen Gemeinden— noch weit ungünstiger ist sie überall. Die Gemeinden stehen vor dem finanziellen Zusammenbruch. Die Menschen, welche die Gemeinden führen und sie betreuen, als ab es ihr eigenes Gur wäre, iehen sich unüberwindlichen Aufgaben gegenüber. Werden sie aus ihrem Posten aushalten? Werden sie die Last rein menschlich weiter ertragen? Oder bricht das Sh st em eines Tages, wenn keine Hilfe kommt, zusammen? Nochist es Zeit zu schützen und zu retten! Doch nicht mehr lange! Der degradierte SS-Stabsdief. Wien, 19. November.(Eigenbericht.) Bei den österreichischen Nationalsozialisten hat sich in der letzten Zeit eine große Skandalaffäre ereignet. Di« morgige„Arbeiter-Zeitung" veröffentlicht eine Information, die ihr zuverlässig aus nationalsozialistischen Kreisen zugegangen ist. Darnach wurde am Staatsfeiertag der Führer der österreichischen SS-Abteilungen, Stabschef Turf er, angeblich vor den versammelten SS-Leuten degradiert und auf Befehl der Münchner Zentrale aus der Partei ausgeschlossen. Turser hatte versucht, gegen seine Führerkollegen zu intrigieren, und hatte in München erklärt, die österreichische Nazipartei stehe vor dem Zusarfimenbruch, wenn die deutsche Führung nicht eingreife. Dies kam den österreichische^ Führern zu Ohren nick» das Resultat war die gemeldete Ausschließung des SS-Führers aus der Partei. r«s«»g der Angeftell1en'3uge«d. Sonntag den 13. November, fand in seinem Verbanbshause in Reichenberg die diesjährige Haupl- jugendleitungs-Tagung des Allgemeinen Angestelltenverbandes statt. Die Tagung, die sich in erster Reihe mit den organisatorischen Fragen der Verbandsjugendbewegung befaßte, war' von Vertretern der Jugend aus allen Verbandsgebieten beschickt. Die erstatteten Berichte ließen einen deutlichen Aufschwung der freien Gewerkschaftsjugendbewegung erkennen. Das vergangene Jahr brachte eine Um-, bezw. Neuorganisierung in der Verwaltung und Führung der Verbands-Jugendabteilungen durch di« Schaffung von Jugend-Kreisgobieten und deren Leitungen. Durch diese organisatorische Umgestaltung und durch die unermüdliche Arbeit der Funktionäre war es möglich, eine Reihe von neuen Jugendgruppen, darunter in Neudek, Chodau, Schlaggenwald, Graskitz, Rumburg und Prag zu schaffen und in anderen Orten die Voraussetzungen zu deren Gründung zu erwirken. Eine ebenso kulturell hoch- zufchätzende Leistung wie organisatorischen- Erfolg bedeutet die nn April vergangenen JahreS durchgeführte eirUvöchige Internatsschule für jugendliche Funktionäre in Bad Liebwerda, aus der 36 geschulte und für die gewerkschaftliche Jugendarbeit begeisterte Jugendfunktionäre hervorgingen Zu wohl unvergeßlichen Erlebnissen wurden den Jugendlichen auch die im vergangenen Jahr veranstalteten Jugendtreffen. Außerdem seien auch größere Kreiskonferenzen und sonstige Kreisveranstaltungen genannt. Die Berichte der Hauptjugendleitung sowie der anderen Jugendvertreter spiegelten die wirtschaftliche Not der Angestelltenjugend in der jetzigen Zeit wider, die auch in der Berbanbsjugendarbeit als ge- wiffes Hemmnis empfunden werden mußte. Trotzdem war es möglich, nicht nur die Funktionärschule in Liebwerda auf Kosten des Verbandes und der Kreise zu beschicken, sondern den Jugendlichen auch die Beteiligung an der Erholungsaktion der Lan- deskommiflion für Kinderschutz und Jugendfürsorge und an verschiedenen Urlaubsfahrten und Jugendtreffen zu ermöglichen. Die außerordentliche reichhaltige Tätigkeit der Hauptjugendleitung auf orga- nifatorffchen, wie auch auf dem Gebiet des Jugendschutzes drückt sich insbesondere auch durch die Zahl der neugeworbenen Mitglieder aus. Für das kommende Arbeilsjahr beschloß hie Tagung Arbeitspläne von weittragender Bedeutung. Intensiv wird die Ausbildung von Jugendfunktionären in gebietsweise« Sonntagsschulen sowie auch in verbandsweiser Schulung in Jnternatform fortgesetzt. Die Erfaffung der älteren Jugend für die aktive Gewerkschaftsarbeit wird besonders in Angriff genommen werden und- in allen Gruppen zn schaffende Sportabteilungen werden die Vielgestaltigkeit der Gvuppenarbeit noch erhöhen. Der organisatorische Umbau wird weiter durchgeführt und durch eine ergänzende Geschäftsordnung für Pie Jugendabteilung geregelt. Statt das Berbands-Jugend- tageS werden im Jahre 1934 Landjugendtage für Böhmen und Mähren-Schlesien durchgeführt, während im Jahre 1933 besonders die Kreistreffen gepflegt werden sollen. Einen besonderen Teil der Beratung nahm die Erörterung der Jugendschutzfrage ein. Anträge der Hauptjugendleitung betreffs Einbringung eine- Gesetzesantrages über die gesetzliche Weiterverwendung von Lehrlingen nach der Aussehre durch mindestens ein Jahr sowie Vorschläge zur gesetzlichen Neuregelung des Fortbildungsschulwesens wurden angenommen. Im besonderen beschäftigte sich die Tagung auch mit der Fürsorge für die arbeitslose Jugend und beschloß, Hilfsaktionen für die eigenen stellenlosen Mitglieder einzuleiten und sich auch an der öffentlichen Aktion.Fugendhilfe" nach bestem Können zu beteiligen. Nach der Erledigung der vorliegenden Anträge schloß der -Haupffugendleiter Müller(Reichenberg) die arbeitsreiche, nn Zeichen der wirtschaftlichen Not der Angestelltenjugend, aber auch deren geschloffenen Kampfwillen stehende Tagung. Die Fa'cistenverhaftungeu. Die Polizeikorrespondenz meide:. Durch die Erhebungen über die ungesetzliche Tätigkeit der Jugendorganisation der Fa sc ist en wurden weitere Umstände sicherge- stellt, auf Grund deren eine Anzahl von Haue durchsuchungen bei den verdächtigen Personcr vorgenommen wurden, durchwegs Funktionör. der Jugendorganisation, welche bei der Polizeidirektion einem genauen Verhör unterzogen wurden. Acht Personen werden wegen Verdachts strafbarer Handlungen nach dem Schuygesetz in die Haft des Kreisstrafgerichtes überführt werden. Die Untersuchung wird weitergeführt. Nr. 274 Sonntag, 20. November 1932 Seite 3 Genossen und Genossinnen! — Ende.— * wie kommt Jedem ArbeNerkinde eine WelhnadrtsircBde! Unterstützt die Hilfsaktion der Kinderfreunde! Das Statistische Staatsamt beginnt nunmehr mit der Veröffentlichung der de f i n i t i- ven Ergebnisse der Volkszählung von 1930. Das erste Stück dieser Publikation enthält eine Statistik über den Stand und die Bewegung der Nationalitäten im Lande Böhmen, die bis auf das Jahr 1880 zurückgreift und an Hand dieses Vergleichsmaterials die MöKichke.t bietet, die nationalen Entwicklungstendenzen über einen Zeitraum von 50 Iah-, ren zu verfolgen. Aus dieser Betrachtung ergeben sich höchst bemerkenswerte und für das Deutschtum recht ernst« Feststellungen. Ei» Rütkbliek. Das Land Böhmen zählt zum 1. Dezember 1930(ohne Einrechnung der Ausländer) 7,014.559 Einwohner. Im Jahre 1880 waren es 5,535.375. so daß di« Bevölkerungszahl in fünfzig Jahren um 1,479.184 gestiegen ist. Auf die Deutschen entfallen 2,270.943 Seelen(32.38 Prozent), auf di« Tschechen 4,713.366(67.19 Prozent). Die Bevölkerungszunahme vollzog sich in den einzelnen zehnjährigen Volks-ählungsabschnitten nicht gleichmäßig. Zwischen 1880—90 betrug der PeWNtuale Zuwachs auf tschechischer Seite 4.89 Prozent gegenüber 5.85 Prozent bei den Deutschen. Auch im folgenden Jahrzehnt war der deutsche Zuwachs größer als der tschechische (8.30 gegen 7.83 Prozent). Mit der Jahrhundertwende ändert sich dieses Verhältnis zu ungun» sten der Deutschen. Im Jahrzehnt 1900—1910 beträgt der tschechische Zuivachs bereits 7.89 gegen 5.71 Prozent auf deutscher Seite. Geradezu katastrophal wirken die Ziffern der Zahlung von 1921, die über die Auswirkungen der„Großen Zeit" Aufschluß geben. Während sich die Zahl der tschechischen Landesbewohwer trotz dem Weltkrieg um 138.704 Personen vermehrt, sinkt die Zahl der Deutschen um 303.691. Di« Tschechen verzeichnen nur eine Verringerung des Zuwachses, der in dieser Zeit auf 3.27 Prozent her- absinkt. Bei den Deutschen verkehrt sich aber der Zuwachs in eine furchtbare Abnahme. Die Verringerung der Deutschen mn 303.691 Menschen bedeutet ein Ab sinken der deutichenj Bevölkerungszahl um 12.30 Prozent! In diesen Ziffern spiegeln sich die unge- heueren Blutopfer und wirtschaftliche Not der deutschen Gebiete zur Zeit des„Stahlbades". Auch in der letzten Periode(1921—1930) Feuergeiecht an der Grenze. Belgrad, 19. November.(Avala.) Drei Gruppen bulgarischer KoMitatschis zu je fünf Mann versuchten in der Macht auf heute di« jugoslawische Grenze im Abschnitte von Carevo Äle zu überschreiten. Di« jugoslawische Grenzwache verdrängte di« Angreifer, di« das Feuer eröffneten und außerdem di« jugoslawischen Grenzwächter mit Handgranaten zu bewerfen begannen. An der Stelle des Zusammenstoßes wurden drei nicht krepierte Handgranaten bulgarischen Svstems gefunden. Die jugoslawischen Grenzämter verlangen die Zusammenstellung einer gemischten Untersuchungskommission, die den Zwischensall an Ort und Stell« untersuchen soll. Bedenkliche Zahlen. Die lade des Deutschtums in Böhmen im Lichte der Statistik. Gilgi lächelt— ein armes Lächeln, das ihr Gesicht mitten durchreißt.„Kannst sicher sein, Pit, ich tu' das. wozu ich am wenigsten Mut Abrtistungshesprechungen. Genf, 19. November. Der tschechoslowakische Außenmmister Dr. Benes, der gestern abends in Genf angekommen war, hatte henke vornrittag eine längere Beratung mit dem Vorsitzenden der Abrüstungskonferenz Henderson, weiters mit dem Generalsekretär des Völkerbundrates Drummond und dem belgischen Delegierten B o u r q u i n über die weiteren Arbeiten der Abrüstungskonferenz. Am Montag treten in Genf di« Mitglieder des engeren Büros der Konferenz zu einer Beratung zusammen. in der das Vorgehen der Konferenz ang."ht: ocr neuen Situation sowie das Datum der Sitzung des Hauptausjchusses bestimmt werden wird. Gekauguisstraseu für Resolutionen zu den Duxer Vorfällen. Aus Brüx wird uns geschrieben: Vor einem Strafsenate des Brüxer Kreisgerichtes hatten sich gestern die Gemeinderäte Anton Müller und Josef Rauer aus Wiese sowie der Gemeindevorsteher Karl Thür uno der Gemeinderat Franz Schönpflug aus Hammer wegen des Vergehens noch§ 14, Zahl 5 des Schutzgesehes zu verantworten. Ihnen wurde zur Last gelegt, in ihren Gemeinderatssitzungen Protestresolutionen gegen die bekannten Vorfälle beim Duxer Turnfest zur Annahme beantragt zu haben, in welchen der Anklage zufolge in verhetzender Weise die Republik und eine Nation geschmäht und der allgemein« Friede in der Republik bedroht wurde«. Die Angeklagten erklärten, keine Schmähung der Republik oder einer Nation im Sinne gehabt zu haben, die Verteidiger verwiesen darauf, daß die besagte Resolution in den Zeitungen„Tag" und „Deutsche Volkszeitung" veröffentlicht worden waren. Der Gerichtshof erklärte die Angeklagten im Sinne der Anklage für schuldig und verurteilte sie zu acht Tagen Arrest, bedingt auf drei Jahre.- T agesneuigkeiten ■ hartes Urteil eines Militär- verichtes Siebe« Monate Kerker wegen einer unbedachten Acutzerung. Am 22. September stand vor dem Militär- divisionsgericht i« Preßburg der Soldat Emil Misti« und zwar deswegen, weil er am 10. September 1932 bei der Befehlsausgabe der dritten Rotte des Infanterieregiments 7 in Neutra statt des gewohnten ,^dar" wörtlich gesagt hat:„Panove dnes /.üdny zdar"(Meine Herren, heute kein„Heil"). Wegen dieser Bemerkung wurde der Mann vom Militärgericht in Pretzburg zu sieben Monaten Kerker verurteilt, und zwar, wie es in dem Urteil heißt, als einer aufrührerischen Tat schuldig und wegen d«s Verbrechens der Meuterei nach Paragraph 159 b und nach Paragraph 161 und 92 des Militärstrafgesetzes. Verschärft wird ihm die ste- benmonatig« Haft durch Fasten jede Woche einmal, hartes Lager an den Fasttagen und durch Einzelhaft für den ganzen dritten und den letzten Monat der Straf«. Die Strafe ist unbedingt. So hart hat das Gericht einer Armee geurteilt, in dereq Kasernen überall der Ausspruch des Präsidenten Masaryk hängt„Unsere Soldaten müsien immer die Grundsätze wahrer Menschlichkeit kennen und üben". Tas Gericht hat diesem Grundsatz wahrer Menschlichkeit, die den Auffassungen des Präsidenten der Republik entspricht, geradezu ins Gesicht geschlagen. Unglüüs-Chrontt. Metz, 19. November. Ein mit Arbeitern besetzter Straßenbahnwagen sprang bei der Fahrt aus dem Geleise und rannte mit großer Wucht gegen eine Mauer. Zwei Personen wurden durch den Zusammenprall getötet, 30 verletzt. eittfe von um bleibt die deutsche ZuwachSziffer weit hinter der tschechischen zurück(4.50 gegen 7.54 Prozent). Bolksbeweg««g und Bevölteruugsdruck. Freilich ist festzustellen, daß die Bevölkerung Böhmens als Ganzes betrachtet(ohne Rücksicht auf die nätionale Gruppierung), überhaupt die Zuwachsziffer der Vorkriegszeit nicht mehr .erreicht. Der Gesamtzuwachs beträgt nach der letzten Zählung 6.66 Prozent gegenüber 7.06 (für das Jahrzehnt 1900—1910) und 8.06(für die Periode 1890—1900). Aber di« Abnahme des Bevölkerungszuwachses ist«ms deutscher Se'ie mehr als dreimal so groß als auf tschechischer. Eine Rolle bei Bewertung der tschechischen Zuwachsziffer spielt allerdings di« Unterbindung der Emigratron aus dem tschechische» Südböhmen nach Wien und O e st e r» reich überhaupt, die vor dem Umsturz in dre Wagschale fiel, ferner der stetige Zufluß flowa- kischer Elemente aus dem Osten der Republik. Beides trägt zur Erhöhung der tschechischen Ziffer bei(die Statistik kennt nur eine„tschechoslowakische" Nationalität). Bei den Deutschen liegt die Sache umgekehrt. Hier ist di« Emigration in di« angrenzenden Staaten verhältnismäßig hoch, wäö- rend daS Sudetendeutschtum über kein Reservoir verfügt, aus dem ihm neues Blut zufließen könnte. Dazu die Verschiedenheit der sozialen Struktur, der starke Anteil des bäuerlichen Elementes auf tschechischer Seite gegenüber dem Vorwiegen der industriell und städtisch orientierten Schichten im deutschen Gebiet. Die Folge dieser Umstände ist ein Expansionsbedürfnis auf tschechischer Seite, das fernen politischen Niederschlag in der Minderheitenfrage findet. Rein ziffernmäßig ist festzustellen, daß die tschechischen Minderheiten im Vormarsch begriffen sind. Don dem unaufhörlichen Zufluß aus den inneren Gebieten in die deutschen Bezirke zeugt die Tatsache, daß das tschechisch« Element in den Grenzgebieten einen perzentuellen Zuwachs aufweist, welcher den der rein tschechischen Bezirke um ein Viel- übertrifft. Besonders der Saazckr Bezirk g: eine außerordentliche Zunahme des tschechischen(bäuerlichen) Elementes. Trotzdem ist eS bisher noch gelungen, alle 99 Gerichtsbezirke, die über eine 20prozentige deutsche Minderheit verfügen, im Laufe der letzten Zählungsperiode noch zu halten. Dr. Bq. Paris, 19. November. Unweit von H y ö r e z in der Nähe von Toulon in Südfrankreich st ü r z t e gestern abends«in Militär- hydroavionins Meer. Drei Unteroffi- zieve sanden hiebei den Tod. zinthen brauche ich zu denken, und ein Dust trennt mir die Einheit meiner Lippen... zuckendes, sengendes Licht über Weißen Kissen— ein dunkler Kopf— dein Mund— deck' nicht die Lider über deine Augen— geliebter Schmerz — du— ich— wir— verfluchte Qual— gewünschte Qual— helfe mir Gott— ich will nicht— aber ich verbrenne in Sehnsucht nach dir... meine Nägel in deinem Fleisch— deine Zähne, die meine Lippen bluten machen— soll die Welt darüber sterben— Menschen, Menschen, Menschen sterben— du, du, du— helfe mir Gott —„Pitt, ich muß nach Hause..." „D-Zug Köln—Berlin ist dein Zuhause..." „Martin ist mein Zuhause." „Schäm dich doch— du!" „Ich hab verlernt, mich zu schämen."— Er packt sie am Arm— ist ein braver Zunge, der Pit— arme, klein« Gilgi, wärst ja verloren allein. Falte brav und fromm die Hände und sag' Danke schön, weil ,man dir hilft— kleiner Mensch. Mensch sein, heißt für dich Mensch sein und Frau sein und Arbeiter sein und alles, alles sein. Biel verlangt? Wird von jedem nur das verlangt, was er geben kann. Wehe, wenn er'8 nicht gibt.„Nimm dich zusammen, Gilgi!" Sie sieht chn an— blind, verständnislos — seufzt müde: ,Ja, du hast recht." Stumm sitzt sie wieder neben ihm. ... vor der Lokomotive liegt'n« klein«, gelbe Apfelsine... Eine winzige Freude zuckt auf— Sekundenblitz: man wird wieder dazu gehören— gewünschtem Zwang erarbeiteter Tage, in dem eingereiht sein in Pflicht und geschaffenem Räderwerk— man wird wieder geschützt sein m gewollten Gesetz eigenen Schaffens vor der Lokomotive liegt'ne... ah, man wird wieder dazugehören. Man gehört ja in. das Allgemeingefüge, man ist nicht geschaffen, außen zu stehn — man glaubt nun mal zutiefft an die Verpflichtung junger, gesunder Hände... Zischend und dampfend setzt sich die Lokomotive in Bewegung. Nur einen Augenblick lang freies Geleise— dann von weitem zwei Lichter, die näher kommen— näher... Gedrängter, gespannter wächst Unruhe sich bewegender Menschen. Dichter und wesenhafter wird Geräusch... „Einsteigen," sagt Pit und zieht Gilgi hoch. Einen Augenblick schwankt sie— ein dünües, zitterndes, kleines Nichts im Riesengewölbe von Stein, Glas und Eisen... Erschrocken faßt Pit ihren Arm—„Keine Angst, Pit, ich werde nicht ohnmächtig— mir hilft man nicht mit so'ner kleinen Narkose, muß alles bei lebendigem Leib« durchmachen..." Sie reicht noch einmal aus dem heruntergelassenen Fenster Pit die Hand— will was wie Danke schön sagen— bringt kein Wort mehr hervor— vor der Lokomotive liegt'ne kleine, gelbe Apfelsine... Krampft die Hände über der Brust zusammen... Martin, einmal wirst du doch wieder bei mir sein— muß man ja glauben — hält's sonst nicht aus— oh, ich weiß, daß ich dich eines Tages haben werde— für immer... Phantasie— Flucht vor der Wirklichkeit? Flucht in bessere Wirklichkeit?... vor der Lokomotive liegt.... „Leb' wohl, Gilgi— leb' wohl!" Pit läuft neben dem fahrenden Zug.„Leb' wohl, leb' wohl", ruft er mit unfester, kirchlicher Stimme. Lieber Pit", sagt Gllgi leise und müht sich für ihn um ein letztes, kleines Lächeln, das halb gelingt. 41 politische Gefangene im Hungerstreik. BreSlau, 19. November.(Eig. Drahtb^) In der Strafanstalt Groß-Strehlitz(Oberschlesien) verbüßen zur Zeit 42 politische Gefangene längere Festungsstrafen.. Einundvierzig oieser in der Meyrzahl kommunistischen Gefangenen befinden sich seit einigen Tagen im Hungerstreik. Während die Gefangenen bis Donnerstag flüssige Nahrung in Form von ge- üßtem Milchkaffee zu sich nahmen, verweigerten sie am Freitag jedes Annehmen von Nahrung. Bei mehreren Gefangenen ist der Kräfteverfall schon so weit fortgeschritten, daß ihre Ueberführung ins Krankenhaus angeordnet werden mußte. Der Streik steht• unter kommunistischer Führung. Der einzige Palermo, 19. November. Unwert der Stadt Arenella stürzte gestern abend ein Haus e i n. Elf Personen wurden unter den Trümmern begraben, von denen sechs nurmehr als Leichen und fünf in schwer verletztem Zustande geborgen werden konnten. * brauche. Ich hab' keine Angst— so für mich allein— ich bring' mich durch und das Kind auch. Und Pit", immer klarer werden Gjlgis Augen, „sehr sinnvoll das alles, Pit— ohne das Kind, ohne dieses ganz starke Muß wär's schwerer gewesen. Keinen Schutz hält' ich gehabt— und so allein— irgendein Mann vielleicht— auch ohne Liebe— nur eben... du weißt ja schon, Pit— ich kenn' mich doch. Aber ich will keinen andern, Weil ich ja doch nur Martin lieb hab«. Und wenn ich dann später ein« Existenz habe— ganz fest— und das Kind— Pit. glaubst du nicht auch, er Würde dann zu mir kommen und stolz und froh sein, und alles würde gut? Ach das liegt noch weit. Erst mal das Schwer«. Du siehst aber ein, Pit, daß ich fahren muß? Und wenn ich fortlaufen will— zurück— dann wirst du mich mit Gewalt zum Zug bringen, nicht wahr?" Pit nickt.„Kannst dich drauf verlassen. Aber du wirst Schwierigkeiten haben, Gilgi." „Gott sei Dank, Pit! Ich sehn« mich krank danach, endlich mal wi«der Schwierigkeiten zu überwinden." „Aber das Kind. Gilgi! Ist ja immer»och so'ne Sache— ein Kind ohne Vater!" „Will dir waS sagen, Pit, es gibt so viel Ehen, wo Vater nach Mutter sich widerlich zanken — na, do hat's ein Kind, das nur'ne Muttex hat, immer noch bester. Wenn das Kind gesund ist und wenn ich's ernähren kann— alles andere ist mir vorläufig egal. Ich bin ja nun mal furchtbar unmorisch, Pit. Mir fehlt da«rn Sinn— bar unmoralisch, Pit. Mir fehlt da ein Sinn— Loch. Warum em uneheliches Kind was Unmoralisches sein soll, versteh ich einfach nicht. Un- Pit— ein Gutes: mein« Selbstsicherheit in diesem Punkt ist derart unerschütterlich, daß sie.sich auch auf andere überträgt." „Ja, aber— wirst du denn Arbeit finden?" „Olga wird mir helfen. Ich kann ja alles Mögliche. Pit— ich bin wirklich tüchtig. Und ich habe einen sehr starken Willen. Ich habe sehr viele gesehen, die Arbeit suchten und nicht fanden— die meisten aber, die wollten nur halb, denen war schon alles egal. Da ist eine ganze Menge, denen ich überlegen bin, weil ich mehr und stärker will. Spekulation ä la baiste— traurig— aber ist ja n«' mal so." „Aber, wenn du krank würdest... so eine Geburt..." ,Mrank werden! Was soll ich daran denken. Ich bin fhr gesund und hab' tausendmal di« Chance, gesund zu bleiben. Natürlich kann ich krank werden, kann auch von'nem Auto überfahren werden oder aus'nem Fahrstuhl fallen ... Mit solchen Möglichkeiten rechne ich nicht— das nimmt nur die Kraft." Sie steht vor ihm— straffer die Schultern, klarer die Augen. Pit sieht sie an— da hat er sie, wo er sie haben wollte. Di« schafft's, der riecht man an, daß sitz's schafft. Die weiß, was sie will, di« bleibt bestehen. Wird noch verflucht schwere Stunden haben— arme Kleine— hat noch Berge von Schmerz und Dunkel zu überwißen— wird's überwinden.'„Ach, Gilgi, verflucht lieb hab' ich dich— darf ich dir einen Kuß geben— es ist einer von denen, die du dir ruhig geben lasten kannst." „Gib mir man mehrere, wenn's dir Spaß macht." Zugiger Bahnsteig. Kalt-schwarzes Eisen von Lokomotiven und dunstiges Grau von Steinen und Staub. Auf einem großen Koffer sitzen nebeneinander Gilgi und Pit. Müde starrt Gilgi vor sich hin. Kluge, gerade Glerse— eine große, schwarze Lokomotive— sinnvoll zusammengefugtes Metall. Kleine Räder, große Räder— alles ineinander gehörig. Eine kleine Apfelsine ist den Bahnsteig hinuntergerollt, liegt unglücklich dumm und unzweckmäßig zwischen den geraden, glatten, klugen Schienen. Hastende Geräusche füllen die Lust. Fester faßt Gilgi Pits Hand. Zittert ein bißchen in frierendem Alleirffein. Fühlt die feuchte, dunkle Abendkühle durch das dünne Kleidringen... Sicht, wie der große Zeiger der Bahnsteiguhr mit einem Ruck in die nächste I Minute fällt. Heiß und würgend knäult| sich Weinenwollen int Hals. Dir vielen eisernen Räder... vor der Lokomotive liegt 'ne kleine, gelbe Apfelsine die kleine Apfelsine denn dahin... eine dumme, klein« Melodie, die sich im Kopf fcstsummt... vor der Lokomotive... Vielleicht sehe ich Martin nie wieder... sie schlägt die Hände vors Gesicht —„laß mich, Pit— laß mich"— vergräbt den Kopf in den Armen—„ich bitte dich, Pit — man muß sich auch allein lasten können..." Wenn ich ihn nie wiedersehe... ach, warum darf man nicht nur Fratl sein— nur, nur nur! Ist denn der Tag wichtiger als die Nacht— warum wird man in Nächte und Tage geteilt. Warum das Gesetz der Nacht im Blut— der ewig verlangende Schoß— in tausend Stücke bin ich geteilt— mein Verstand sagt ja zu Ordnung und Tag und Helle. Und meine Hände sind ratlos und wiffen nicht, wohin sie gehören— Meine Schenkel, meine Km« warten... nur Hya Seite 4 Sonntag, 20. November 1932 Nr. 274 Politische Gefangene, der sich an der Aktion nicht beteiligt, ist Nationalsozialist. Die llngediMgen. Die erste Bierbrauerei in USA angemeldet! Dover(Staat Delaware), 19. November. Gestern wurde hier zur Eintragung in das Handelsregister das belegte Gesuch der e r st e n Bierbrauerei- Gesellschaft vorge.legt, die nach den letzten Wahlen gemäß den Gesetzen von Delaware gegründet wurde. Die Gesellschaft will helles und dunkles Bier und andere Gc- tränkearten erzeugen. Das Grundkapital der Gesellschaft beträgt eine Million Dollar. -»> Dnudesexekutive gegen Bundesstaaten? Washington, 19. November. Der Direktor der Prohibitionspolizei Amcs W. Woodoocl erklärte, di« Prohibitionsagenten seien bereit, in die Länder, die die Prohibitionsvor- fchristen durch lokale Gesetze abschaffen würden, einzurücken und deren genaue Einhaltung unter Verantwortung des Bundes zn erzwingen. W o o d o o ck ist aber der Ansicht, daß diese Maßnahme nicht notwendig sein wird. Bomben in Barcelona. Barcelona, 19. November. Vor einem Möbelgeschäft explodierten gestern abends zwei Bomben. 14 Personen, darunter zwei Polizeibeamte, wurde» verletzt. Die Täter sirrd unbekannt geblieben. Nach einer Version soll es sich um einen Racheakt streikender Tischler handeln, nach einer anderen soll es sich um di« Tat linksgerichteter Elemente, die am Vorabende der katalanischen Wahlen Unruhen Hervorrufen wicklen, handeln. Mysteriöser Tod zweier Generalkonsul«. Sa« Francisco, 19. November. Der Generalkonsul der Republik Honduras Dr. Josä a Membreno wurde gestern in einem hiesigen Hotel tot aufgefunden; neben ihm lag in bewußtlosem Zustand der Generalkonsul der Republik Panama, Adolf Aleman. Im Hotelzimmer wurde eine halbleere Whisky«- Flasche gefunden, die von der Polizei beschlagnahmt wurde und deren Inhalt behördlich untersucht werden wird. Ehlorvergiftung durch ein gebrochenes Ventil. Tilsit, 19. November. Auf dem Anschlußgleis der hiesigen Zellstoffabrik stieß heute nachmittag ein mit Chlor beladener Wagen gegen einen unbenutzt stehenden fahrbaren Kran. Infolge des Anpralls wurde ein Ventil des Chlorwagens abgebrochen. Durch die entweichenden Gase sind von dem Betriebspersonal der Fabrik sowie der Besatzung einiger aus dem Memelstrom liegender Fahrzeuge 23 Personen, darunter zwei schwer, an Vergiftungserscheinungen erkrankt. Alkoholgegnerische Gesetze und Vorschriften werden besonders mißachtet. Nicht nur in Amerika, sondern auch, wie man immer wieder beobachten kann, bei uns. In der Slowakei gilt ein aus dem Jahre Ern LoSesrrrteil in HSrag. Gettsvte nngesehossen rsnv erOroffelt Prag, 19. November. Heute wurde der vierte Mordprozeß dieser Schwurgerichtssession verhandelt, in welchem der 21jährige Hilfsarbeiter Josef MatouZek aus Roztokh bei K r i v o k l a t h(Pürglitz) unter der Anklage stand, an seiner um 6 Jahre älteren Geliebten Marie Topinka einen Raubmord begangen zu haben. Zum Raubmord wurde die Tat dadurch qualifiziert, daß der Mörder nach vollbrachter Untat sich einige Wertsachen und Geld angeeignet hat, die seinem Opfer gehört hatten. Ob die räuberische Absicht mit ein M o t i v zu der Bluttat gebildet hat, ist nicht sicher. Marie Topinka hatte um des Täters willen ihre Eltern verlaffen, da diese von einer Bekanntschaft mit Matousek, der einen Übeln Leumund besaß, nichts wissen wollten. Sie arbeitete in einer Fabrik und unterstützte mit dem kärglichen Lohn(120 X pro Woche) noch ihren arbeitslosen Geliebten. Die beiden bewohnten nach dem Zerwürfnis mit den Eltern des Mädchens als Untermieter gemeinsam ein Zimmer in Roz- toky. Am 16. Juli d. I. fanden die Hausbewohner in diesem Zimmer Vie Leiche der Topinka, welche halbnackt im Bette lag. Ueber den Körper war eine rote Decke gebreitet. Die Mordkommission stellte eine Schußwunde über dem linken Auge fest, die von einer kleinkalibrigen Waffe geringer Durchschlagskraft herzurühren schien. Außerdem war der Hals der Toten mit einem Tuch fest umwickelt und zeigte Stranyulationsmarken. Die Obduktion ergab Tod durch Erstickung. Auf dem Bett, in welchem die Leiche aufge- funden worden war, hatte der Mörder ein Schreiben hinterlassen, worin er Selb st mord ankündigte. Das war aber nur ein Trick gewesen. Er fuhr vielmehr mit der Bahn nach Beraun und wanderte von hier zu Fuß in die Slowakei, wo er im Dorfe M o 8« n k o eine andere Geliebte hatte. Er wußte zwar unterwegs den Gendarmen aus dem Weg zu gehen, in in Moöenko aber nahm man den steckbrieflich verfolgten Mörder fest. Er vcrsuckte sich damit herauszureden, daß er in einem Streit ohne böse Absicht! mit seiner Flobertpistole auf seine Geliebte gezielt habe und hiebei sei z u f ä l l i g der Schuß losgegangen und die Topinka in den Kopf getroffen. Sie sei aber nicht tot gewesen und da habe er „um sie von ihre« Leide« z« erlöse«" sein« Geliebt« erdrosselt. Die Geschworenen bejahten die Schuldfrage auf Mord einstimmig, worauf der Schwurgerichtshof des OGR. Mike« den Angeklagten zum Tode verurteilte. ein QM drei Jahren einen Gesetzentwurf betreffs Un- StaatSsekr^ärS für Flugwesen und der Königklagbarkeit von Zechschulden ausarbeiten las-1 befanden r-»..«s unter den Glückwunschtelegrammen auch ,,> u. a. von ArNalie Earhardt und von dem französischen Rekordflieger Costes. Die Einzelheiten über den Flug 1883 stammendes Gesetz, das die Klagbarkeit von Zechschulden auf ein Mindestmaß beschränkt, Gesetz, das den Bauern, den Arbeiter vor dem Ruin schützen sollte. Desto mehr muß man sich wundern, daß das Landesamt in Preßburg anscheinend keine Kenntnis von diesem Gesetz hat, denn sonst hätte es weder die Klage des Gastwirts in P o l o m k a, noch eine Exekution für ein« Folgerung aus Zech- schulden zulassen dürfen. Beides ist nach dem in der Slowakei geltenden Gesetz u n z u l ä s- sig. Uebertreten werden auch die Verbote des Alkoholausschanks bei den Wahlen, die Sperr st undevor- s ch r i f t e n, obwohl sie keineswegs den heutigen Notzuständen entsprechen, ferner die Lex Höllischer, welche laut§ 7 DB, in allen Lokalen, wo alkoholische Getränke verabreicht werden,„an auffallender Stelle durch eine gut leserliche Kundmachung zur Kenntnis" gebracht werden soll. SBefcet in den Automaten noch in den unzähligen Gaststätten Prags findet sich eine solche Kundmachung. Uebertreten werden die L e t t- sätze über Konzessionserteilung vom 7. Oktober bis 7. November wurden m Prag 67 neu« Ausschankkonzessionen erteilt, trotz aller Proteste. Die Zentralstelle der deut" schen Enthaltsamkeitsvereinigungen in der Tschechoslowakischen Republik hat bereits vor je« und vor zwei Jahvm hat unsere Partei, s^che von Flyern mit M-lMamem so ine sich als einzige immer wieder für em- 1~--■- schränkende Maßnahmen gegen den Moholis- w mus einsetzt, dem Parlament einen solchen zeige»"den ungewöhnlichen Mut der Fliegerim Gesetzentwurf überreicht. Hoffentlich bringen die Vorgänge in der Slowakei eine raschere Behandlung des Antrages zuwege. Minister für soziale Fürsorge Dr. Tzech empfängt Dienstag, den 22. d. keine Besuche. Die Krise«nd die Ladenpöchter. Aus Weipert wird uns gemeldet: In den Kreise« der Geschäftsleute i« Weipert, die Läden in Miete innehaben, wird mit Rücksicht darauf, daß der Umsatz gegenüber de« früheren Jahren außerordentlich stark zurückgegangen ist, und der frühere sehr beachtliche kleine Grenzverkehr gleichfalls bedeutende Einbußen zu verzeichnen hat, eine Aktion vorbereitet, die darauf abzielt, eine He rabsetzungder bisher geltenden Mietpreise für Geschäftsläden von den Hausbesitzern herbeizuführen. In mehrere« Besprechungen, die von Geschäftsleuten aller Branchen besucht waren, wurde nach eingehender Beratung des Gegenstandes beschlossen, unter Hinweis auf die gegenwärtige chwierige Lage der Ladeninhaber und mit be anderer Berücksichtigung des Charakters der Grenzstadt eine bis zu 50 Prozent abgestufte Ermäßigung, bzw. Herabsetzung der bisher eingehobenen Mietpreise durchzüsttzen zu versuchen. Der in dieser Angelegenheit vorbereitete Kollektivschritt dürste schon in den nächsten Tagen erfolgen. Amy Mollifo« wird beglückwünscht. Die britisch« Fliegerin Amy Molli fon erhalt nach Beendigung ihres Fluges London—Kapstadt in Kapstadt Glückwunschtelegramme auS der ganzen Welt. Unter ihnen befanden sich als erste Glückwünsche des Königs von England, des britischen Amy Johnson wurde während ihres Fluges von einem Tropen-Gewitter überrascht, das sie er- solgreich überstehen konnte. Dazu kam noch eine Störung in der Oelpumpe, so daß sie im Herzen Afrikas zu einer Notlandung gezwungen war. Sie behob den Schaden mit improvisierten Werkzeug. Die Zeit, d. i. vier Tage, sechs Stunde» und 53 Minuten, die sie erzielte, wäre besser ge« wesen, wenn sie nicht gezwungen gewesen wäre, nach Gao zurückzukehren, als sie nach einem über ein« Stunde währenden Fluge über der Wüste bemerkte, daß ihre Be^nbehalter schlecht angefüllt worden waren und nur soviel Benzin enthielten, daß sie gerade noch genug Betriebsstoff hatte, um zurückzukehren und ihren Vorrat in den Behältern zu ergänzen. Trotzdem sie während der ganzen Zeit ihres Fluges nur fünf Stunden schlief, beendete sie den Flug tti guter Kondition, schlief aber nachher vierzehneinhalb Stunden ununterbrochen. Tödlicher Unfall durch ein unbeleuchtetes Auw. Gestern nach sechs Uhr abends fuhr der Chauffeur Adalbert DoleLal mit einem Autobus durch die Palacky-Straße in Prag- W-rscho- witz und stieß bei der dortigen Tranckascrne plötzlich aus ein leeres Lastauto, das der Chauffeur Josef Hrbek unbeleuchtet st ehe« gelassen hatte. Bei dem Zusammenstoß wurde ein Soldat das Infanterieregiments Nr. 28, dessen Name noch nicht ermittelt ist, so schwer verletzt, daß er nach der Ueberführung ins Gar- rrisouSsPitol verstarb. Außerdem erlitten noch ! zwei Personen leichtere Verletzungen. Der schuld- tragende Chauffeur wurde verhaftet. Der dritte Leichenwff«... Auf dem Fundbüro des Hauptbcchnhofes in Rom wurde ein Kosstr geöffnet, der einen üblen Geruch ausströmte. Das Gepäckstück enthielt die Teil« eines weiblichen Körpers, die in Mei anderen Koffern, di« am Vortage unter den gleichen Umständen im Neapel geöffnet worden waren, sthlten. Don den Urhebern des Verbrechen? fehlt noch jede Spur. Vom Rtmdhmk Empfehlenswertes aus ven Programme«. Montag: Prag: 6.15: Gymnastik. 11: Schallplatte«. 15.38: VioloncellchDorträge. 17.30: Kinderfunk: Deutsche Sendung: Reichenberger: Wir wollen helfen. 19.20: Klavierkonzert. 21: Orchesterkonzert. — Bräun: 15.30 Klavierkonzert. 18.25: Deutsche Sendung: Dr. Schönfeld: Der Okkultismus.— Mähr.-Ostrau: 12.30: Orchesterkvnzert. 18.80: Deutsche Sendung: Maria Stona liest an« eigenen Werken.— Berlin: 19.10: Chorgesänge.— Breslau: 21: Mandolinenkonzert.— Mühlacker: 19.30: Unbekannte Lieder von Schubart.— Hamburg: 19.30: Zwischen Abend und Morgen?— Königsberg: 19.05: Liederstunde.— Langender-: 21.15: Worüber Böller lachen.— München: 16.20- Arien Don* Pueeini. 20.05: Symphomekonzcrt:— Wien: 1925:„Der Bettler Namenlos", Oper von Heger, Dienstag: Prag: 6.15: Gymnastik. 11: Schallplatte». 15.90: Klavierkonzert. 18.25: Deutsche Sendung: Dr. Wolff: Die Kumst der Rede. 20.80: Beethoven' Biolinsonaten. 21: Konzert. 21.15: Blasmusik.— Brünn: 1220: Orchesterlonzert. 15.30: Cymbalvör» träge. 18.25: Deutsch« Sendung: Landwirtschaft.-a Berlin: 20: Klassische Motetten.— Breslau: 16.10: Äugend musiziert.— Mühlacker: 20: Lieder und Duette.— Königsberg: 16: Orchesterkonzert. 19.30: Heiteres auS dem Tierreich.— Sangen berg: 17: Kammermusik.— Wien: 19.30: Borträg» auf zwei Klavieren. Dtr rrOhkapMaUsmas. Die völlige Zerrüttung der kapitalistischen Wirtschaft macht di« Köpf« der Menschen auch in Deutschland immer empfänglicher für den wissen- schaftlichen Sozialismus. So wie die ökonomischen Lehren des Marxismus immer mehr in das menschliche Bewußtsein eindringen,>'o wird auch der Wahrheitsgehalt der materialistischen Geschichtsauffassung immer mehr erkannt. Selbst in den großen repräsentativen Geschichtswerken muß man die wirtschaftlich-sozialen Grundlagen des geschichtlichen Geschehens immer mehr berücksichtigen, wie dies in der großen mit allen Mitteln moderner Buchtechnik ousgeftatteten Propyläen-Weltgeschichte geschieht.*) Der neueste Band diese- Werkes heißt„Tas Zeitalter der Gotik und Renaissance" und behandelt hie Geschichte Europas von etwa 1250 bis 1509, di« Zeit, in der die feudale Gesellschafts- ordnüng ihren Höhepunkt überschreitet und in ihrem Innern die ersten Zellen bürgerlichen Lebens entstehen. Den entscheidenden Anstoß erhielt die europäische Gesellschaft im 13. Jahrhundert durch di« Ausdehnung der Warenproduktion, die an Stell« der Produktion für den eigenen Gebrauch trat. Bor allem haben die Kreuzzüge das noch im tiefsten Feu-aliSmuS steckende Abendland in Verbindung mit dem Morgenland gebracht, welches«ine wett höhere gewerblich« Kultur aufwies. Das Bedürfnis noch den Waren des Orients, das zuerst in den herrschenden Klassen Europas auftaucht, wird von italienischen Kaufleuten befriedigt, welche die ersten Träger eineS Fernhandels werden, und fast ga»; Europa mit den Produkten der Levante und des Orients versorgen(S. 16). Die italienischen Kaufleute werden so zn Bahnbrechern des Großhandels überhaupt, der dann auch im Abendland hergestellt« gewerbliche Waren allüberall ab- setzt, wie es die Nürnberger Kaufleute getan haben, di« bis nach Konstantinopel im Osten und Spanien im Westen vordrangen(S. 340). *2 Erschienen rm zlroxtzläen-Verlag, Berlin, In diesem Fernhandel sind nun die gro- ßen Vermögen entstanden, di« das Wirtschaftsleben befruchtet und auch die Produktion umgestaltet haben. Das im Handel entstandene Kapital greift nun auch auf di« Erzeugung über und ermöglicht erst so die Entstehung g rö-. ßerer gewerblicher Betriebe. Insbesondere war es der Erzhandel, der großzügig und international organisiert wurde und von wo aus insbesondere die süddeutschen Handelsherren, in erster Linie die Fugger m Augsburg, m den Erzbergbau selbst eindrangen und größere Betriebe schufen, in denen auch ein zahlreicheres Bergwerksproletariat entstand. ,Mir hören von vergleichsweise bedeutenden Arbeitermasten, die siäy in den großen BerEvcrksdistrik-s ten etwa Tirols und Ungarns, oder Sachsens und Böhmens znsamnienfanden. Und diese Derg- ardeitex hoben schon früh wichtige Eigenarten des modernen Proletariats ausgebildet. Da ist die Unsicherheit der Exiscenz bedingt durch nicht selten auftretende„soziale Arbeitslosigkeit". Eind Grube ersäuft, oder Feuer zerstört das mühsam geschaffene Werk der Stollen und Schacht«. Ein Bergwerk erscheint nicht mehr lohnend. Hunderte verlieren zu gleicher Zeit Arbeit und Brot. Da ist schon die Nomaden Hastigkeit. Wenn das Proletariat des 19. und 20. Jahrhunderts in besonderer Weise dadurch mitcharaktcrisiert ist, daß ihm die Seßhafti^eit fehlt, daß es der Konjunktur nachzieht, so hat auch hier unsere Zeit nur etwas vergrößert und intensiviert, was w'r im Keime schon im Leben des Bergarbeiters des 15. und des beginnenden 16. Jahrhunderts finden." Ebenso gemahnt an später« hochkapitalistische Zeiten di« Entstehung von Gesellschaften mehrerer Kapitalisten zum Betrieb eines Unternehmens, die Monopolisierung des ungarischen Kupferhandels durch die Fugger und das Börstn« spiel mit Wertpapieren, besten Anfänge ebenfalls in die letzten Jahrhunderte bei Mittelalters'zurückreichen. Von noch nachhaltigeren Folgen allerdings war bas Einbringen des im Handel entstandenen Kapitals in die Textilerzeugung, der Mastenbebarf an Bekleidung begann in den ent- steherchen Texliluranusakluren gedeckt zu werden. Di« Erzeugnisse Lieser Textilunternehmungcn wuiden in die ganze Welt verkauft, Italien und Flandern waven die Mtttelpunkte dieses Welthandels mit Textilien. Bedcütjam für die uns geschilderte Zeit ist aber auch die Entstehung eines Kreditsystems. Da das Kapital, welches für Handel und Gewerbe erforderlich war, wuchs, wurde das Bedürfnis nach sofort greifbarem Geldkapital groß und das Geldverleihgeschäft gedieh. Di« ersten Bankgeschäfte entstanden in Italien. Es waren iusbcwnder« Kirche und Papsttum, welche di« Entstehung eines ausgebildeten, weit- verzweigten Bankgeschäfts begünstigten.„Die vielfachen Aufgaben, die das um sich greifende päpstliche Finanzsystem besonders feit dem 13. Jahrhundert stellte, waren ohne reiche Kaufleut« nicht zu lösen. Di« mannigfachen Geldüberweisungen aus der ganzen Christenheit nach Rom, Darlehen aus diese Abgaben hin, solche und Lyn- liche Aufgabenkreise, wie sie das Papsttum und die Weltkirche stellte, haben am meisten dazu beigetragen, daß aus der italienischen Kauf- mannLwelt als Oberschicht ein mächtiges, internationales Bankiertum herauswachsen konnte." Jnsbesorrdere die Medici in Florenz und die Fugger in Augsburg haben den Papste» mit Darlehen und Vorschüssen ausgeholfen und es ist ja aus der Geschichte der Reformation bekannt, daß gleich hinter dem Ablaßprediger der Gehilfe des Bankiers ging, um die Büchse zu leeren, wenn die Frommen ihr Geld hineingetan hatten und so aller Sünden(vergangener und zukünftiger) los und ledig zu sein. Allein der Zehnt, der in Deutschland erhoben wurde, betrug im 14. J'hrhunderr 300.000 Gulden, der der ge- 'antten Kirche etwa 1.5 Millionen, was nach dem heutigen Geldwert ungefähr einer halben Milliarde K« gleichkommt. Die Folgen dieser ganzen ökonomischen Entwicklung waren sozial und kulturell hochbedcur- 'am. Sie haben eine neue Klasse, die Bewohner der Städte, die Bürger zu Reichtum, An'ehen und Macht cmporgeführt. Die Stabte haben sich \ allmählich von der Mach: der feudalen Grundherren befreit und Selbstverwaltung erlangt. An die Stelle der Rechtlosigkeit des städtischen Unjcr- ttrnen gegenüber dem adeligen Stadtherren trat seine Freiheit von feudalem Druck und feudaler Willkür, es drang der Grundsatz durch: Stadtluft inacht frei.„Der Begriff der persönlichen Unfreiheit verschwand in den Mauern der Städte; die ungezählten Abhängigkeitsverhältnisse des Platte» Landes, kurz, di« Gesellschaftsordnung der Feudalität war durchbrochen und über« wunden. Das war die Tat des Bürgertums, und eS hat einen tiefen Sinn, wenn von dem Bür» gcrtum der Städte her später die Bezeichnung des rechten Verhältnistes des einzelnen zu seinem Staat ausgeht: Staatsbürger nicht Untertans (S. 288.) Aber auch die geistigen Folgen dieser Wirt' schaftsentwickluna waren epochemachend. Nicht nur regte« sich die Zweifel an dem ganzen idecn logischen Gebäude der Feudalität, der Kirche, „im Innern des Menschen begannen sich Zweifel und Kämpfe abzuspielen, die dem Mittekllter durchaus fremd gewesen waren"— di« feudalen Höfe und Kirche hörten auf, alleinige Träger oelstiger Kultur zu sein, immer mehr tvar-er Fortschritt der Kultur an das städtische Bürger« rum gebunden, da- die unsterblichen Werke d«r Renaissance, die erst auf Grundlage der bürger' lichen Entwicklung möglich war, geschaffen Hat- Alle große Kultur wurde seither„mit den Städten und ihren Menschenanhaufungen vek' Kunden"(S. XXIV). Di« kulturelle Entwick' lung ruhte von nun an auf den Schulter» des bürgerlichen Laientums—„auS sozialen Bersch iebunge» war auch oie kul' turelle Veränderung hervorgegangen", so kann man es in der Einleitung des besprochenen Werkes lesen. Die wenigen Andeuttrngen über di« Gründ' gedanken dieser Geschichte der Gotik und Renaissance werden genügen, um festzustellen, da? weit über die Kreise der Sozialisten hinaus dir Erkenntnis von dem tiefen Wahrheitsgehalt marxistischer Geschichtsausfaffnng dringt. wie das Proletariat politisch immer mehr vorbringt, so erobert sich auch seine Geschichtsauffan lüng immer mehr den Platz, auf dem die bürgerliche Wissenschaft Schritt für Schritt zurückweicht.. Zmil Strauß. Nr. 274. Sonntag, 20. November 1932 Seite 5 Pietätlose Gcsdilditcn von grosen Toten, von ErMi Orlsar. „W- imh MMm wrMe." „Nur hereinspaziert, meine Herrschaften! Hier sehen Sie den unfehlbaren, einfachsten und wirksamsten, billigsten Schutz gegen alle Gefahren der Bombardierung im zukünftigen Kriege." So etwa war der Ton Patriotischer- Pariser Tageszeitungen, als sie vor kurzem eine Schaustellung besonderer Art im Anvalidenhotel ankünoigten. Tort, in einem der Hofe des Prachtbaus, welcher um das Rapoleongrab errichtet ist, wurden die neucrfundenen gas- und splittersicheren Unterstände gezeigt: eine überaus notwendige und humane Erfindung! Denn der Zukunftskrieg ist doch unvermeidlich, nicht wahr? Und er.bringt doch dank den Fortschritten der Kriegstechnik die Bombardierung und Vergasung der Großstädte mit sich? Da ist es doch nur ein Gebot kluger Voraussicht, rechtzeitig vorzusorgen? Nun Wohl, in allen Staaten, wo man dieses Gebot der modernen Zeit richtig begriffen hat, sinken heute bereits Vorkehrungen für den Luft- fckutz im künftigen Kriege statt. AU der Spitze scheint im Augenblick Frankreich zu marschieren. In Paris hat sich eine Bereinigung unter dem Titel„L’Oeuvre des abris”(„Schutzwerk") gebildet, und sie hat die erhabene Aufgabe ent- sprechend großzügig in Angriff genommen. Sie will die Massenherstellung solcher Unterstände organisieren. Der Chirurg Doktor M a r c i l l e hat einen höchst Praktischen Unterstand erfunden «nd auch bereits seine Herstellung rationalisiert. Eine große Glocke von zylindrischer Form, oben spitz endend, wird aus Betonguß hergestellt. Zwölf Personen können in ihr Aufenthalt finden. Die Wände sollen stark genug sein, um gegen jeden Durchschlag von Bombensplittern zu sichern. Der Luftabschluß gegen außen ist ein vollständiger, weder Luft noch rin Giftgas kann eindringen. Die Erneuerung der Atemlust erfolgt im Innern auf chemischem Weg; ein Ventilator hält die Luft im Umlauf, ein Absorbtionsapparat reinigt sie von den Aus- atmungsgasen und ein Sauerstoffapparat ersetzt den Verbrauch. Die Zeitdauer, welche die Menschen darin ohne Unterbrechung zubringen können, hängt nur von der Menge der lufterneuernden Chemikalien und sonstigen Vorräte ab. Die Herstellung der Glocken erfolgt in großen Serien, der Preis soll verhältnismäßig niedrig sein und und nur etwa 200 X je Person betragen. Die Erzeugung erfolgt durch Guß und dauert nur wenige Stunden. Richt zu ersehen ist aus den Berichten, wo all die Unterstände Platz finden sollen, in welcher Weise sie vor schweren Bomben schützen(denn die schwersten schlagen Betonwände von 4.5 Meter durch, eine Dicke, die hier nicht entfernt erreicht sein kann), ferner ob di« Unterstände auch gegen die Glühhitze des„Feuersturms" unfehlbar schützen, nämlich der Feuersäule, welche durch die Wirkung tausender kleiner Brandbomben in- der angegriffenen Stadt erzeugt werden sollst Wir wollen' nur hoffen, daß di« Massenherstellung einer bewährten großen Rüstungsfirma anvertraut wird. Denn so wie die Erzeugung der Schiffsgeschütze und der gegen sie verwendeten Panzerplatten logischerweis« in den gleichen Konzern gehört, so doch auch die der Gasbomben und der gegen sie schützenden Unterstände? Es liegt doch nur im Interesse der Bevölkerung, welche von Nachrichten über neue mörderische Kriegsmethoden, auch gegen das friedliche Hinterland, aufgeschreckt wurde, daß man nun Schutzmittel erzeugt, welche ihr Hoffnung geben, im Glücksfalle den Zukunstskrieg vielleicht überleben zu können. Wer sich sein kindliches Gemüt bewahrt hat und den Herren glaubt, daß sowohl die Rüstungen als di« Schutzvorkehrungen nur für die Sicherheit der Bevölkerung da sind, der braucht bloß die Steuern für Rüstungen aufzubringen und dann auch noch für Unterstände, Gasmasken u. dgl. einen Test seines Einkommens herzugeben. Er bekommt dafür die Versicherung, daß, wenn einmal unter Mitwirkung der gleichen Herren«in Krieg entfacht wird, einige Aussicht besteht, daß er sein Leben behält; sclbsts wenns so schlimm kommen sollte, daß sein Heim zu Trümmern und Asche wird. E. Als Napoleon starb, entnahm man dem Leichnam des großen Corsen das Herz, um es nach Frankreich zu bringen, wo es heute noch, getrennt vom Körper Napoleons, der 19 Jahre später im Jnvaiidendom seine letzte Ruhestätte fand, aufbewahrt wird. Als der Arzt, der die Einbalsamierung Napoleons vornahm, nach kurzer Abwesenheit zurückkam, sah er eine Ratte, die gerade dabei war, das Herz Napoleons Wegzuschleppen. Nur der Zufall verhinderte also, daß das Herz Napoleons von einer Ratte gefressen wurde. Auch die Leiche Valentinas, der als schönster Schauspieler Amerikas galt, wurde einbalsamiert. Und während di« Zeitungen darüber' berichteten, wieviel Hüte und Hemden, Kragenknöpfe und«Liebesbriefe man im Nachlaß des Künstler vorgefunden hatte, defilierten wochenlang die Anhänger Valentinos an dem Schaufechter vorüber, in dem man die Leiche des Künstlers ausgestellt hatte. Geradezu unheimlich ist die Geschichte, die mit dem Schauspieler Kainz nach seinem Tode passiert fft. Der Hofschauspieler Treßler wollte dem Toten die Totenmaske abnehmen und machte dabei Wohl Fehler. Jedenfalls konnte er, als der Gips sich verhärtet hatte, die Maske nicht losbekommen..stJn feiner; Derzweistung packte er, wie er selbst erzählt hat, den Toten am Hintcrkopf und begann zu ziehen und zu reißen. Ganze Büschel.Haare hatte er dem Toten bereits ausgerifesn, seiner Bildstatistik nach„Wiener Methode" überzeugend. Der Kapitalismus muß zur Wirtschaftskrise führen. Je organisierter der Kapitalismus ist, desto schwerer ist die Krise. Währenddes Krieges bestand in' allen Staaten;* Amerika-an.-der: Fritze, eine gewillc'" Planwirtschaft.~ Jetzt" erleben- Lnr:' In Brasilien werden ungeheure Mengen Kaffee ins Meer geschüttet, Kanada verheizt Getreide, in den Baumwollgebieten wird mehr als ein Drittel der Ernte zerstört, in England werden Klavier« verbrannt. Ja, selb st die Produktionsmittel werden zerstört. In Deutschland werden große Fabriks- und Werftanlagen zu Schrott verwandelt, Maschinen vernichtet, die man in Rußland mit den Händen aus der Erde kratzen würde. Drei Viertel aller Hochöfen der Welt sind ausgeblasen. Wir leben augenblicklich in einer Situation, wo objektiv und relativ mehr Massen-' Zerstörungen stattfinden als in allen Krisen des 19. Jahrhunderts. Wenn wir noch eine Krise erleben sollten, so wird dies«, dies zeigte Genosie Reurach an feinest Bildstatistiken, noch stärker und schrecklicher werden, als di« heutige. Das kann schon heute an vielen, ;. B. an der Gummicrzeugung, nachgcwiesen werden. In Amsterdam hat der Vortragende Amerikanern das Bild der Welt so dargestellt: Ein Marm sitzt auf einem Pulverfaß, raucht eine Zigarette. Er wirft sie links in das Pulverfaß, geht in die Luft. Der Mann wird geheilt, jetzt sich wieder aufs Pulverfaß, wirft di« Zigarette aber setzt rechts ins Pulverfaß. Fliegt wieder in die Luft, wird wieder geheilt und fragt sich: links ifts nicht recht, rechts ist's nicht recht, was ist recht? Antwort: Man rauche auf einem Pulverfaß keine Zigaretten.— Unsere kapitalistische Ordnung ist das Pulverfaß, aus dem wir alle sitze». Sind die Löhn« hoch-- Konkurs, sind sie niedrig— Konkurs. Schutzzoll bedeutet Krise und Konkurs. Freihandel— Massen- ciufuhiz. B kanadischen Getreides, Hungersnot unserer- einheimischen Bauern, Es gibt nur ein Schwanken zwischen Krepieren auf di« eine oder ander« Art. Das verstehen heute viele: wird es aber nur ein wenig besser, so glauben viel«, auch unserer Genossen, daß es mit dem Kapitalismus vielleicht doch ginge. Das ist falsch. In uns muß unauslöschlicher Haß gegen den Kapitalismus leben. Wer diesen Haß nicht aufbringt, der soll nicht sagen, daß er ein. revolutionärer Sozialist ist. Unsere Sache ist es nicht,. der kapitalistischen Ordnung helfend beizuspringen, das ist Sach« der. Kapitalisten. Di« Arbeiterbewegung kann wohl in der Krise für di« Arbeiter einzelne Dinge günstiger beeinflussen, sie kann aber nicht die Krise auS- 'halten Das ist«in Unterschied. Es ist wichtig, daß die. sozialen Errungenschaften erhalten bleiben. Ein Arbeiter mit noch so kleiner Krisenunterstützung ist wesentlich kampffähiger, als einer ohne Unter- stützung Die Arbeiterklasie muß, um kampffähig zu bleiben im Kapitalismus ununterbrochen ihr« eigen« Macht kennen lernen, sie muß in Teilerfolgen ihre Macht steigern, um-en Kapitalismus zu . stürzen. Neuratb zeigt« an seinen Bildstatistiken, daß die Produk- der heutigen Welt mit den heutigen Mitteln bei geringerer Arbeitszeit di« Welt in ein Paradies verwandeln könnten. Alles hängt nur von der Organisation ab. Auf der Erde könnten weitaus mehr Menschen leben, wenn man nur die vor- handcnen technischen Hilfsmittel ausnützen würde. Dies zeigt der Vortragende beispielsweise an der Aukoerzeugung der Welt. Ein Arbeiter in Amerika erMgt zehnmal mehr Automobile als ein europäischer Arbeiter. Die Getreidezufuhr wäre nur nach Europa notwendig: alle anderen Gebiete können sich selbst versorgen. Auch die Berkehrsfrage ist gelöst Wir verfügen schon jetzt über alle Verkehrsmittel. Allein die sti l l g e l e g t e Handelstonnage würde ausreichen, pro Familie allen Menschen hundert« Kilogramm Waren zuzuführen. Wirklich bedeutsam« organisierte Arbeitermasien sibt es nur in USA., Europa und SSSR.; dort werden die Entscheidungen über die Zukunft der Welt gefällt. Denn man kann nicht Menschen organisieren, damit sie Maschinen bauen, ohne damit auch di« Arbeiter zu organisieren. Der Kapitalismus-ist sein eigener Totengräber, Zum Schluß faßte Genosse Neurath seinen mit zroßem Interesse aufgenommenen Vortrag nochmals zusammen: Die kapitalistische Wirtschaftsordnung ist etwas, an was wir in keiner Weise glauben können, die keiner Berbesierung fähig ist. Doch bieten sich auch innerhalb der kapitalistischen Ordnung für die organisierte Arbeiterklasie Möglichkeiten Vorbereitungen zu treffen, eine neue Wirt- ''chäftsordstung aufzubauen. Adolf Adler. Kunst und Wissen Arbeitervorstellung„Die drei Musketier«", Ope- cettenrevue, am Sonntag, den 27. November, um halb 3 Uhr nachmittags im Neuen Deutschen Theater. Karten täglich bei Optiker Deutsch, Graben, Palais Koruna. Wochenspielplan des Neuen Deutschen Theaters. Sonntag, 2.30 Uhr:„Drei m a lOffenba ch"; 7.30 Uhr:„Othello"(D 1).- Montag 7.30 Uhr:„Der Zigeunerbaron'(B. V.)— Dienstag, 7P0 Uhr:„Der Zigeunerbaron" (B. B.) Mittwoch, 7.30 Uhr: Othello"(BI). — Donnerstag, 7L0 Uhr:„Ich habe einen Engxl-geheiratet"(C 1).— Freitag, 7.30 Uhr:„Falstaff"(D 1).— Samstag, 7.30 Uhr: Haüptmäün-Zhklus III: Ensemblegastspiel des Dresdner Stadtth«at«rs:„Tic Jungfern vom Bi schofsberg".— Sonntag, 2.30 Uhr: Arbeitervorstellung:„Die drei Musketiere"; 7.30 Uhr: Gast spiel Aern^Roswaeng«:„Rigoletto"(A. A.) Wochenspielplan der Kleinen Bühne. Sonntag, 2MUhr:GastspielKramer-Glöckper:„Sturm, im W«ffe-r-rla s";-8 Uhr:„En« u r Bu b".Montag, 8 Uhr:„H. Stock, Tür 19"(Bankbeamten 1). — DienStag, 8 Uhr:„Dreimal Offenbach". — Mittwoch, 8 Uhr:„Bitte, erhören Sie meinen Mann"(Bankbeamten ll).— DonnerS- :ag, 7.30 Uhr:„Essig und Oel"(Erstaufführung).— Freitag, 8 Uhr:„II. Stock, Tür 19" (Kulturverba ndsfrtunde).— Samstag, 8 Uhr: „Essig und Oel".— Sonntag, 3 Uhr:„Week- enb';' 8 Uhr:„Essig und Oel". Sport* Solei»KörnerpTlefle Sie Begünstigungen Mr Wintersportler an» den Sisenvayuen. Das Eisenbahnministerium hat mit Erlaß Nr? 45.077-111 3 den Wintersporwerbänden di« Begünstigungen für ermäßigt« Fahrt wiederum ringeräumt und Zwar beginnend mit 15. Ztovember und endigend mit 30. April 1933. Der Verband für Ar beiter-Winter-Touristik, Sitz Prag(Svaz pro dülnickou zimai turietiku, sidlo Praha) hat gleichen AnteU; dem Verbände gehören die Natur- fv e u nd e, der Atus, der Svaz dölniekych turistu und die DTJ. als Mitglieder an.—- Di« Mitglieder dieser genannten Verbände, welche die ermäßigten Fahrkarten(Relationskarten) benützen wollen, Müssen ab Heuer sich mit einer Mitgliedskarte des Verbandes für AWT. ausweisen: diese muß mrt einem Lichtbild uick> den Beitragsmarken sowie Bahnmarken und Abstempelung versehen sein.— Di« Kontrollmarken 1931-32 gelten noch für eie Monate November und Dezember 1932; ab Jänner 1933 müssen also neue Legitimationen mit, der Marke 1983 für Wintersport, vorgewiesen werden.— Diese Kontrollmarken haben lediglich für die Zeit bis April und wiederum ab November—Dezember 1933 Gültixsteit. Fahrtunterbrechungen auf Relatronskarten werden nicht anerkannt.— Neue Relationen sind Heuer bei entsprechender Begründung erreichbar. Dem Ansuchen des Verbandes um Aufhebung der Kontrollmarken und weitgehenderen Begünstigungen für Sportkr gegenüber den Benützern der Sonntagsrückfahrkarten wurde leider nicht entsprochen. Arbeiter-Winter-Touristik. Das 3. intern. Treffen der Arbeiter-Winter-Tourislen. welches im Vorjahre nicht statrsinden konnte, wird zu Weihnachten aus der Königshöhe abge- HÄten. Alle Bezirke und' Gauleitungen der Naturfreunde haben Vorbereitungen für den Winter ge- troffen; es w«rden Kurs« abgrhalten und wipter- sportliche Veranstaltungen auf den Gelände» rings der Naturfreunde-HDtten im Randgebirge. »«»«MHI Kinder freunde Vrag. Mittwoch, den 23. November 1932, um 3 Uhr, Kinder nächst« it tag, verbunden mit einer Kinderjause und Vorführung einiger schöner Film«. Funktionär«, Achtung! Dienstag, den 22. November 1932, i«„Sozialdemokrat" um halb 7 Uhr abends Wichts Ausschußsitzung. »<»><»><»> n» Vereinsnadiriditen Die„Freie Bereinigung soz. Akademiker" veranstaltet gemeinsam mir der Soz. Jugend Prags(Gr. III.) während der Weihnachtsferien(22. D^ember 1932 bis 2. Jänner 1933) ein Winterlager aus den Friesbauden im Riesengebirg«.' Die Friesbauden liegen auf einer großen, rings von Wald umgebenen Wiest in ca. 1200 Meter Seehöhe mit sehr gutem Skigelände und Gelegenheit zu prächtigen Wanderungen. Wir laden alle Genosie» und Freunde unserer Bewegung«in, teilzunehmen an unserem Lager, das Anfängern wie Fortgeschrittenen gleich gut« Sportgelegenheit bietet. Skikurse für Anfänger, Geländespiele, Fuchsjagden, Abfahrts- und Slalom- laufe, kleiner und größer« Skitouren in die Herr« liche Umgebung werden uns tagsüber erfreuen,, di« Abende füllen wir mit ernsten und heiteren Ber- anstaltungen und Vorträgen. Für die ganze Dauer des Lqgers steht uns eine große Baude mit acht Räumen zur alleinigen Verfügung. Studenten, Mittelschüler' und Arbeiterjugend, beteiligt euch an unserem Lager, verbringen wir gemeinsam die Weihnachtstage im Gebirge. Jnter- .essenten, fordert Rundschreiben mit den' genauen Angaben an.(Bahnstation Hohenelbe, von dort ca. vier Stunden Aufstieg durch schön« Wälder.) Sämtliche Anmeldungen ibis 10. Dezember) und Anfragen an Genossen Raimund Wil- lim-ek, Prag I., Bartolomöjstü IS, Odborovy dum- — Die Lagerleitung. Mitteilungen der„Urania“ Woche nprog ramm vom 20. bis öS. November 1SSL Sonntag, halb 11 Uhr.-„Menschen im B u s ch". Ton-Kulturfilm. Sonntag, ab S Uhr vorn».: III.„Deutsche F U nka u s st« l l u n g." Allgemein zugänglich- Schluß 7 Uhr abends. Montag, 8 Uhr:„Angewandt« Graphologie." MitLich-bildern und Experimenten. Wisth S ch o h f e 16. Montag, 8K Uhr:„W« uschen im Busch.§ Kulturfilm.. Das Leben im Urwaldc in engster Naturverbundenheil., Dienstag, 5 Uhr:„U r a n i a- R a d i o b a st«l- kur s«." Anschließend Klubabend. DienStag, 8 Uhr:„Platonische Liebe." Dr. Karl W o l l f. Dramaturg der Sächsischen Staats.Heater, Dresden, Mittwoch, 3 Uhr: Herrliche Tierbilder. „Bon wenig bekann.en Tieren" usw. Dazu:„Di« schön« Melusin e." Frlmmärchen. Doppelprogramm. Mittwoch, halb 7 Uhr:„M ü n ch« u" mit Licht- b'ldern. Prof. Dr. R. Messer.— Halb7 Uhr: „B»fett und Abendgesellschaft e n." Earo- line Schönau.— 7 Uhr:-„D-ev i s e n k u r s e." Nachrichten über Verkehrswesen usw. Dir. Dr. F- Gellner.— 8 Uhr: PhotokurS. Dr. Libora. Mittwoch, 8 Uhr: ,^kind, Eltern, Schule, Leben". Oberlehrer Alfred Scholz. Erster Vortrag in der Reihe„D a s K i nd". Pädagogische und medizinische Fragen in 6 Borträgen. Dounrrstag, 8 Uhr:„G e i st und Seele des heutigen Rußlands." Essad-Bey, der Verfasser einer Reihe bemerkenswerter Bücher, u.«• einer viel beachteten Biographie Stalins. Freitag, 8 Uhr:„Der große Altar i ra Berliner P e r g a m on-- Mus e u m", mit Lichtbildern. Univ.-Prof. Dr. K. A. Neugebauer von den Staatlichen Museen, Berlin. Samstag, 3 Uhr:„Der Katzensteg." Historischer Film. Mit Jack Trevor, Lissy Arna. Dazu alle Sprach- und praktischen Kurse der „Uran'a-Volkshochschule". Ermäßigte Konzertkarten: H e r l i n g e r, Horowitz. Milstein. Mitgliedskarten: Jahreskarte 18, Familien-An- schlußkarte 3 K. Täglich: Urania-Kinokasse, Halb 10 bis halbl und 3 bis 7 Uhr. Telephon: 26321. * Wran-Nrania-Kino. „Aorck." Der deutsche Elitefilm mit den besten deutschen Schauspielern: Werner K r au ß, Rudolf Forster, Theodor Loos, Grete Mosheim usw- Alleinige Premiere: Wrau-Urania-Kino. Verfangen Sie In jeder Verkaufsstelle des Konsumvereines SELCHWAREN der Hrma HEGNER A Cie.. PILSEN Selchwaren der Pa. HEGNER• 0*. PILSEN. SIND DIE ALLERBESTEN I gtt««