Sinzelvrek 70 Heller. (Einschließlich S Heller Porte' 12 Jahrgang. Dienstag. 22 November 1932 Nr 27S. cy die zählte Nach dem Herrenreiter die Primadonna. „Der innrer" läßt seine Gouvernante verhandeln Berlin, 21. November. Ueber den Stande punkt der nationalsozialistischen Partei zu der jetzigen Regierungskrise schreibt der heutig« „Angriff: Die umlaufenden Gerüchte, daß Adolf Hitler, um eine vom Vertrauen des Reichspräsidenten berufene Regierung der nationale« Konzentration zustande zu bringen, irgendwelche Verhandlungen mit anderen Partei« führt, sind, wie das Blatt weiter schreibt, unzutreffend. Dagegen hat Reichstagspräsident Göring, um Klarheit über di« Haltung der nationalen Parteien zu schaffen, am Sonntag die Führer dieser Parteien zn rein informatorischen Besprechungen eingeladen. Der Zweck dieser Aussprachen des Reichstag-Präsidenten Göring mit den nationalen Parteien war die Klärung folgender Fragen: 1. Wann soll der Reichstag einberufen werden? 2. Welche Haltung nehmen die Parteien gegenüber der geschäft-führenden Regierung von Papen ein? 8. Welch« Folgerungen ergeben sich daran» für»in gemeinsames Vorgehen? sofort- nach den- Räumen geleitet, in denen Hitler mst seinen Parteifreunden in dauernden Verhandlungen steht. Nach etwa einer halben Stunde verlieh Dr. S ch ach t, fast unbemerkt von der harrenden Menge, wieder das Hotel. Die Verhandlungen nahmen ihren Fortgang und werden, wie von unterrichteter Seite mitgeteilt wird, nicht vor halb 8 Uhr zum Abschluß gelangen! .^Inwiefern das Kabinett Papen, sei es auch in ümgebilderer Form, Aussichten auf Weiterbestand hätte, läßt sich bei dem heutigen Stand der Dinge nicht mit Gewißheit feststellen. „Seid fromm"- die Mahnung Goebbels.- Berlin, 21. November. Nachdem die ersten Verhandlungen im ,^kaiserhof" beendet waren» sammelten sich gegen 1 Uhr immer mehr Menschen auf dem WilhelmSplatz an, so daß die Polizei Mühe hatte, den Durchgangsverkehr aufrecht zu erhalten. Ass Dr. Goebbels das Hotel verließ, versprach er denk Rcviervorsteher, die Menge zu beschwichtigen und zum Nachhausegehen zu veranlassen. Dr. Goebbels forderte dann seine Parteigänger auf, sich nach-Hause zu begeben. Er führte dabei aus, daß der Führer die Bitte anS- spreche, den WilhelmSplatz zu räumen, um Komplikationen zu vermeiden. Die politischen Dinge lägen in der Schwebe und es muffe im Hotel >,Kaiscrhof" gewissenhaft und aufrecht gearbeitet werden. Zum Schluß richtete Dr. Goebbels an die SA-Führer die Aufforderung, dafür zu sorgen, daß binnen zehn Minuten der Wilhclmsplatz von den Parteiangehörigen geräumt werde. Unter stürmischen„Heil-Hitler"-Rufen fuhr dann Dr. Goebbels weiter und der Platz war in kurzer Zeit geräumt. Die holstelnsdien Nazi-Attentäter verurteilt. Reichstagsabgeordneter Mörder: sechseinhalb Jahre Zuchthaus. Altona, 21. November. Rach mehrtägiger Verhandlung fällte heut« das Sondergericht seine Entscheidung in dem Prozeß gegen di« wegen der schleswig-holsteinischen Handgranatenanschlage angeklagten Nationalsozialisten. Der Hauptangeklagt«, Standartenführer und Mitglied deS Reichs- tages Mörder, wurde zu sechseinhalb Jahren Zuchthaus verurteilt, der Angeklagte Grezrsch zu sechs Jahren Zuchthaus, Strathmannzu fünf Jahren und Plahm zu fünfeinhalb Jahren Zuchthaus. Acht Angeklagte erhielten 1« eineinhalb Jahre Zuchthaus, weitere zehn Angeklagte Gefängnisstrafen von ein bis neun Monaten. Elf Angeklagte wurden freigesprocheu. den Führern dieser beiden Parteien verhättdelt wird. Zur Konstruktion der gesamten Berhantzlun-, gen werden von nationalsozialistischer Seite fol-. gbnde Gesichtspunkte unterstrichen: Die Rätst>- nalsozialisten sind bereit, positiv die Aufgabe der Regierungsbildung in Angriff Pr nehmen, wenn- der Reichspräsident ihilen die Führung überträgt, d. h. Hitler den Auftrag erteilt. Dieter Äqftrag liegt bisher nicht vor und deshalb werden die Verhandlungen auch nicht von Adolf Hitler ge- fühtt. Vieunehr ist nach naftvuakfoMifnMdr Auftastung zunächst Reichstag-Präsident Goring der gegebene Mann. Zehn lahre WinsAattskrise—' Wird Hitler Reichskanzler!““f Der„Diktator“ sucht eine demokratische Mehrheit Berlin, 2t. November. Der Reichspräsident empfing heute vormittag Adolf Hitler. Ueber diese Besprechung wird folgende amtlich« Mitteilung herauSgegebe»: „Nachdem der Führer der Nationalsozialistischen Deutschen Arbeiterpartei dem Herrn Reichspräsidenten mit aller Bestimmtheit erklärt hat, das; seine Partei nnr in einer von ihm geführten Regierung mitarbeite« könne, hat der Herr Reichspräsident Herrn Hitler als den Führer de* stärksten Partei des Reichstages ersucht, festzustellen, ob und unter welchen Bedingungen eine von ihm geführte Regierung eine sichere, arbeitsfähige Mehrheit mit einheitlichen» Arbeitsprogramm im Reichstage finden würde. Herr Hitler erklärte, seine Antwort auf dieses Ersuchen dem Herrn Reichspräsidenten heute nachmittag schriftlich zu Übermitteln.- An He' Verhandlungen, die im Laufe des Sonntag.-"Nachmittags beim Reichstvgspräsi- dentett Göring stattgesuiwen haben, schloffen sich noch interne Besprechungen bei den Paliönal- sozialisten ün ,Mafferhof", wo auch Adoss Hitler wohnt, und im engeren Kreis« der Ze y t rums» führung. Bon unterrichteter Seit« erfährt das Conti-Büro, daß die Einladung Göring- zn Be sprechungen nicht nur auf das Z e n t r U m und die D e u ts Präsidialkabinctj weiter an der Macht bleiben müffe. Auf diese Version würden wenigstens einige Nachrichten über die Tätigkeit des zurückgetre- teuen Kanzlers Papen hindeuten. Gestern hatte, wie in informierten Kreisen versichert wird, von Papen eine sehr lange Unterredung mit dem Reichspräsidenten. Außerdem ioll von Papen an: Samstag den'ersten Sekretär des Schwerindu- strleverbandeS(Langnam-Verein) Dr. Schlenker telegraphisch zu sich eingeladen u»ü> ihm da s-W ix tschaftsministcrium für den Fall angeboren haben, daß ein Kabinett Papen zut Macht zurückkehren würde. ; Auch der ehemalige Rcichsbankpräsident Dr. Schacht, der bereits am Montag in den Mittagsstunden etwa über eine-Stunde an den internen Beratungen der Nationalsozialisten teilge nomuren hatte, erschien am Nachmittag, gegen 17.15 Uhr im Hotel^kaiserhof" um wurde Seite 2 Dienstag, 22. November 1982. Nr. 275. der vor ausgesprochenes Notjahr. der Welt und besonders den Kapitalismus üder- Hungernden allein verzeichnet wird, sondern das keinen Menschen mehr ruhig leben, keinen niehr froh weiden läßt. Wozu diese Auffrischung der Erinnerung? Um jedein in der Front der Sozial- demokvatie stehenden Menschen eindringlich klar zu machen: die Wirtschaftskrise, die uns seit einem Jahrzehnt, wenn wir die Periode des Krieges und der Nachkriegsjahre ausschalten, plagt und quält, wird auch im nächsten Jahrzehnt aller Wahrscheinlichkeit nicht abgelöst werden von einer guten Wirtschaftskonjunktur, ja sie wird innerhalb der bürgerlich-kapitalistischen Gesellschaftsform überhaupt nicht mehr verschwinden. Sieh die Tatsachen vor dir und rechne mit ihnen! Das heißt, richte dich auf den Kampf der nächsten Jahre ein, der um mehr geht, als um die Hilfeleistung für die Arbeitslosen, der von uns allen mehr verlangen wird, als den Parteibeitvag. Rüsten wir darum für den Kampf und die Auseinandersetzung mit der kapitalistischen Wett um eine neue Welt,, wenn wir nicht der Versklavung durch den Fascismus verfallen wollen! wesentliche Besserung der Wirtschaftslage. Im Gegenteil. Staaten, die bisher von der Ar- beitslosigkeft verschont geblieben waren, geraten nunmehr in den Strudel der Wirtschaftsnot. In England sind von 12 Millionen gegen. Arbeitslosigkeit Versicherten 1,610.000 arbeitslos. In Deutschland gibt es 1,395.000 Arbeitslose, in Polen 217.000, in Dänemark 61.000, ja sogar in Belgien sind 1.2 Prozent der bei den Arbeitslosenkassen Versicherten arbeitslos. Oesterreich weist 158.000, das Dritte Reich Mussolinis gegen 100.000 Arbeitslose aus. Auch Amerika wird im Reigen der unter der Wirtschaftskrise leidenden Staaten genannt, das Land der unbegrenzten Möglichkeiten zählt ein gewaltiges Arbeitslosenheer. Ernste Wirtschaftsführer aus dem bürgerlichen Lager beginnen von einer Wirt- Eschaftskatastrophe zu reden. In der Tschecho-. slowakei ist— wenigstens im deutschen Industriegebiet— der Arkeitslosenstvnd auf die Ziffer des JahreS 1925 beschränkt geblieben. Wie es im Jahre 1927 wirtschaftlich bei uns ausgesehen hat, darüber orientiert am besten die Interpellation, welche die Genossen Pohl, Dretl und Genossen rm November 1927 im Abgeordnetenhause eingebracht haben, um die Aufmerffamkeit der R^ierung und dsr Politiker auf die Notlage der Arbeiterschaft hrnzulenken, und sie sagen in dieser Interpellation u. a., daß„trotz der bemerkbaren Konjunktur der Wirtschaft die Zahl der Arbeitslosen wenig oder gar nicht zurückgeht, die Löhne einen besonderen Tiefstand aufweisen". Wenn heute von dieser Zeit gesprochen wird, dann hört man immer wieder, daß 1927 eine gute wirtschaftliche Konjunktur zu verzeichnen gewesen sei, deren Wiederkehr die Erfüllung unserer Wünsche mit sich bringen würde. Die Tatsache, daß selbst bei dem als sehr gut bezeichneten Wirtschaftsgange, die Arbeitslosigkeit wenig oder gar nicht abgenommen hat, daß weiter der Tiefstand der Löhne auch in der Zett der„guten Konjunktur" anhielt, beweist, daß es selbst nach einer jahrelang anhaltenden Krise eine wirkliche Konjunktur im Sinne früherer Wirtschaftsbezeichnungen nicht mehr gibt und geben kann, rnsolange die bestehende Wirtschaftsform aufrechterhalten wird. In Deutschland gab es wahrend dieser Konjunkturperiode 831.000 unterstützungsberechtigte Arbeitslose und bei uns wuvden 17 Prozent aller Textilarbeiter als arbeitslos bezeichnet. 1928 ist noch heutiger Anschauung eine gut beschäftigte'Periode gewesen. Trotzdem wissen wir, daß in derselben Zeit, von der man als einer Zett-guter Konjunktur spricht, im Jahresdurchschnitt 27 Prozent aller Textilarbeiter ohne Beschäftigung waren. Aber auch in andern Staaten sst ein Zustand, daß so wie früher in der Zeit der guten Konjunktur alle Maschinen in Betrieb gesetzt werden und alle Hände gebraucht werden, nicht zu verzeichnen. Wirtschaftskonjunttur mü Millionen Arbeitslosen auf der Welt, Wirtschaftskonjunkdur, bei der es„in den Fabriken immer noch wie auf Friedhöfen, aussieht", das ist das Kennzeichen der Wirtschaftskonjunktur von 1927—1928. Denn so eigenartig diese Konjunktur auch war, sie hält sich nur ganz kurz« Zett. Schon in der ersten Hälfte des Jahres 1929 kommen die Schreckensbotschaften aus den einzelnen bis dahin gut beschäftigten Industrien über verminderte Aufträge, über Kurz- arbett und Massenentlassungen der Arbeiter. Vom Beginn, Herbst bis November 1929, zählt man allein in der Textilindustrie 22.000 Arbettslose. Der Zuwachs an Arbeitslosen in anderen Industrien ist katastrophal, noch katastrophaler die Sttmmung jener, die da glaubten, mit der Besserung der Wirtschaft, die 1927 und 1928 zu verzeichnen war, sei das Uebel alle Gefahren für wunden worden. 1930 ist ein Hunger und Arbeitslosigkeit in allen Staaten der Welt sind seine besonderen Merkmale. Aber man glaubte nicht an den Bestand der aufs neue so heftig ausgebrochenen Wirtschaftskrise. Man tröstete sich damit:„Wir werden noch einige Monate wirtschaftlicher Depression zu ertragen haben." Am 11. Dezember 1930 stellt Genosse Dr. Czech in seinem Expose fest, daß in 376 Betrieben die Arbett ganz urü) in 993 teilweise eingestellt worden sei. Er sagte gleichzeitig, man müsse mtt mindestens 300.000 Arbeitslosen in unserem Staate rechnen und mit der doppelten Zahl von Kurzarbeitern. Seine Voraussage wurde von der Wirklichkeit übertroffen. Aber nicht nur hier, syndern vor allem in Deutschland und in Amerika setzte die Wirtschaftskrise so heftig ein, daß nieniand wußte, pb nicht unmittelbar nach dieser Krisenhoch- Zeit von einer der schrecklichsten Wirtschafls- flut, alle Ordnung zerstört werde. Die Mel- zerriittungen, die die Welt je durchzumacheni düngen über die Betriebsstillstände, die Ar- hatte. beitslosenziffern, die Konkurse und Wirt- Aber auch das Jahr 1926 bringt keine! schastsflandale überstürzten sich. Ein Hexensabbat brach an, der ini Winker 1930—1931 die Menschheit vor schwerste Prüfungen und den Kapitalismus auf eine harte Probe stellte. Dieser schreckliche Zustand der Welt änderte sich 1931 und 1932 nicht im gering sten. Im Sommer ein« kleine Entspannung, im Herbst Emporschnellen der Arbeitslosenziffer zur alten Höhe, das heißt bei uns an die 600.000, in Deutschland 5—6 Millionen, in England 2—3 Millionen, in der ganzen Wett das Anwachsen der Arbeitslosenarmee auf 30,000.000. Das heißt aber auch Hun ger, Elend und Qualen aller Art für diese Millionen, heißt wettere Entrechtung wehrlosen Masse der Arbetter mit alleli Mtt- teln des bürgerlichen Staates, heißt Empörung und Kampf gegen diesen Zustand des Massenelends auf der andern Seite. Ein geschichtlich bedeutsames Ringen hebt an, das im wesentlichen nicht um eine Besserstellung der tiiiiiiiiitminiiiiiiHiiiiiiiii»iiHiiHuiiiiiiniiiiiiiHiitHiHitiiuHHiHiHHiiiiinnnimNiiiiiiiimiUinniiiH!innuiiiiuHimniiiiii!iiiimHiiiinNRiiii»inimiiiii)Hmnninniiiiiiini!iiiinfflfflniiiininnnnuiiiin Das Krelsparlameni unserer Bfihmarwald-Verfrauensleule. Eine NassenKonierenz Im Zeichen internationaler Arbcfter- solidarttat.- Genosse Dr. Czech tther polnische nnd soziale Aufgaben.- Ahg. Genosse Jaksch über unseren Kampf iflr das arme Döhmcrwaldvollt. Am Sonntag waren in der alten Bergstadt MieS di« Vertrauensleute der Kreisorganisation Pilsen-Budweis zu verantwortungsbewußter Beratung über die Schicksalsfragen der Arbeiterklasse versammelt. Kreisvertrauensmann Genosse Senator Stark konnte in seinen Eröffnungsworten an die 450 Konferenzteilnehmer begrüßen. Die Kreiskonferenz war fiir die Verhältnisse in den südwestböhmischen Grenzbezirken nicht nur eine Massentagung, sondern auch eine Beratung von durchaus internationalem Gepräge. Die tschechische Bruderpartei hatte den Genossen Senator Jng. Winter entsandt und aus Nürnberg war als Sendbote der sozialdemokratischen Partei in Franken, gleichzeitig auch mit einem Auftrag des Berliner Parteivorstandes, Reichstagsabgeordneter Genosse Hans Dill gekommen. Beide Genossen verstanden es, in beachtenswerten Worten die Situation der Arbeiterlasse, letzterer besonders den heroischen Kampf des deutschen Proletariats in seiner internationalen Bedeutung zu beleuchten. Während' der Begrüßungsansprache des Genossen Dill erschien Fürsorgeminister Genosse Dr. Czech, dem die Konferenz einen stürmisch-freudigen und nicht minder herzlichen Empfang bereite»«. In seinem Organisationsbericht konnte Kreissekretär Genosse K u p l e n t eine zufrieden- stellende Ergänzung des sehr einprägsam ausgearbeiteten Berichtsheftes vornehmen. Di« Parlamentswahlen rm Fahre 1929 sahen die Partei auf der ganzen Front im Vormarsch, bei den Gemeindewahlen 1931 konnten die eroberten Bastionen restlos erhalten, in einigen Fällen sogar noch ausgebaut werden. Die ärgste Krisenzeit haben wir bisher politisch gut überstanden. Auch auf anderen Gebieten der Bewegung waren die letzten Jahre eine Periode des Fortschritts und der Festigung. Nach dem kurzen Bericht der Kontrolle erhielt, wiederum stürmisch akklamiert, Genosse Dr. Czech das Wort zu seinem Referai über politische und soziale Aufgaben. Seine ersten Worte waren der Begrüßung und Würdigung sowohl der Notverhältnisse des Böhmerwaldvolkes als auch der ideologischen Einmütigkeit der Parteibewegung in diesem Gebiet und besonders der heroischen Leistungen aller Funktionäre und Vertrauensmänner der Partei in der Abwehr des Krisenanfturmes gewidmet. Sodann ging Genosse Dr. Czech zur Darstellung der internationalen politischen und wirtschaftlichen Situation über: Europa und darüber hinaus fast die ganze Welt befindet sich zur Zeit in einem politisch vulkanisierten und wirtschaftlich geradezu balkanisierten Zustand. Genosse Dr. Czech beschäftigte sich in diesem Zusammenhang mit den gescheiterten Versuchen zur Herbeiführung des wirtschaftlichen Wiederaufbaues Europas und o-r Befriedung der Welt. Er beleuchtete sodann die wachsenden zwischenstaatlichen Spannungen, die heute ein bedrohliches Ausmaß erreicht haben. Dies« stellen uns vor die schwierigsten Ausgaben. Dazu kommt das Scheitern der Abrüstungskonferenz, das immer deutlicher erkennbar wird. ES drängt sich in dieser Situation die Frag« auf, ob sich in den einzelnen Staaten und Völkern genügend Kräfte finden werden, um das System der allgemeinen Aufrüstung zu brechen. Der Fascismus hat in seinen alten Stamm ländern keinen Abbau erfahren. In Deutschland konnte durch die weitsichtige Politik der Sozialdemokratie zwar dem Hakenkreuzfascismus das Rückgrat gebrochen werden, doch müssen wir dort eine Abwanderung der Hitlerfascisten ins Lager die deutsche Arbeiterklasse steht nach wie einem gewaltigen Feind der proletarischen Freiheit gegenüber. 8s erwächst daraus dem Proletariat die Aufgabe, sich weiter i« Bereitschaft zu halten, entschlossen, nicht nur im Herze« zur Sozialdemokratie zu stehe«, sondern, wenn das notwendig wird, der Reaktion mit allen Mitteln des Kampfes zu begegne«. Nun unterzog Genosse Dr. Czech die wirtschaftlichen Verhältnisse einer eingehenden Analyse; er beleuchtete di« besonderen Begebenheiten in der Tschechoslowakei, wobei er scharfe Worte gegen die Versuche der Agrarparteien zugunsten einer einseitigen Rettung der Landwirtschaft fand. Gründlich setzte sich der Redner auch mit dem russischen Beispiel auseinander, um schließlich zu folgender grundsätzlichen Feststellung zu kommen: Eine Linderung des heutigen Wirt» schastsübels ist nur möglich dnrch di« Zusammenarbeit aller Völker und Staaten, die Befreiung aber von alle« Krisennöten ist»nzertrennbar verbunden mit der Beseitigung des Kapitalismus und der Errichtung der sozialistischen Gescll- schafts- und Wirtschaftsordnung. Daraus folgt, daß wir'nicht fatalistisch die Entwicklung abwarten dürfe«, sondern unseren täglichen Kampf mehr denn je unter Betonung unseres Endziels führen müssen. Einen großen Raum seiner Ausführungen nahm die Behandlung des Parteitags und seiner Beschlüsse ein. Alle Seiten der Koalitionspolitik erörterte Genosse Dr. Czech eingehend vor der Konferenz. Mit gleicher Ausführlichkeit behandelte er auch die Forderung nach der 40-Stunden- woche und schloß sodann sein umfassendes Referat mit einem eindrucksvollen Aufruf zur unermüdlichen Vvrwärtstreibung des Kampfes bis zur Erreichung unseres Endziels. Zum Kapitel„Unser Kampf für das arme Böhmerwaldvolk" referierte Abgeordneter.Genosse Jaksch, der in äußerst klarer Weise die Schicksalsfragen der Böhmerwaldbevölkerung aufrollte. Zunächst entwarf er das düstere Bild des großen Jndustriesterbens in den südwestböhnn- schen Grenzbezirken und geißelte in scharfen Worten die verbrecherische Unternehmerpolitik, die ihren Profitintereffen zuliebe oft mutwillig die Existenzgrundlagen kür tausende hochqualifizierte Arbeiter vernichtet. Aus diesen Erfahrungen erheben wir neuerdings verstärkt den Ruf nach einer gesetzlichen Betriebskontrolle, nach eilrem Betriebsstillegungs- und Kartellgesetz. Das Problem der Wanderarbeiter nimmt immer schärfere Formen an. Es ist ein Gebot der Stunde das Leben der Arbeitslosen zu retten, darum erheben wir die Forderung nach Fortsetzung der produktiven Arbeitslosensürsorge sowie Förderung des öffentlichen Jnvestitions- und Bauwesens. Genosse Jaksch behandelte sodann die Lebensfragen unserer Forstarbeiter und unterstrich in diesem Zusammenhang auch die Forderung nach Aende- rung des Forstgesetzes zur Freigabe der Waldfrüchtesammlung sür die arm« Bevölkerung. Auf dem Gebiete des Fremdenverkehrs zeigte er neue Aufgaben und besprach hierauf die Rolle der einzelnen Parteien in der Abwehr der Krisennöten. Wir können mit Berechtigung aussprechen, daß di« Sozialdemokratie die entscheidend« Trägerin des Kampfes gegen de« Krisenansturm war. Auf dem Gebiete der Bodenreform und unseres Kampfes um den Ausbau des Schulwesens konnte Genoss« Jaffch von schönen Erfolgen berichten. Es ist das ausschließliche Verdienst der Sozialdemokratie, daß nicht nur der Schulabbau verhindert, sondern auch viel zur-Förderung des der Junkerreaktion feststellen. Damit ist die Ge- i Schulwesens durchgesetzt werden konnte. Von I fahr eines Bürgerkrieges keineswegs gebannt und! einem Kampfruf an di« arbeitenden Frauen ging Eine Wahl-Niederlage der Bolschewiken. Deutsch-Brod, 20. November. Bei den Wahlen in der hiesigen Einkaufsgenossenschaft erzielten die Sozialdemokraten 645 und die Kommunisten 378 Stimmen. Vorher hatten die Kommunisten die absolute Mehrheit. Genosse Jaksch sodann zu einer allgemeinen Schlußbetrachtung über, die mit begeisternden Worten über di« Gewalt der sozialistischen Idee ausklang. Die kurze Debatte wurde von den Genossen Schaffarjch- Kosolup, Sacher- Nürschan und Lecher- Auschowitz bestritten Di« Kreiskonferenz faßte u. a. drei Entschließungen, in deren erster sich di« Delegierten hinter die Beschlüsse des Prager Parteitags stellen, die Notwendigkeit der Zusammenarbeit der sozialdemokratischen Parteien dieses Landes betonen und dem Fürsorgeminister Genossen Dr. Czech, den sozialdemokratischen' Parlamentariern des Gebietes und allen Funktionären sowie Amtswaltern der Partei den Dank aussprechen. Die zweite Entschließung nimmt zur Gehaltskürzung der öffentlichen Angestellten und Lehrer Stellung, appelliert an deren Solidarität mit den Krisenopfern und fordert sie zur Stärkung der sozialdemokratischen Kampfteihen auf. In der dritten Resolution sind dl« besonderen Forderungen im Lebensinteresse der Böhmerwaldbevölkerung fest- gehalteN. Zum Kreisvertrauensmann wurde wiederum Genosse Senator Stark einmütig gewählt. Selbsthilfe durch die Konsumgenossenschaften. Die arbeitenden Menschen haben nicht Zeit, darauf zu warten, daß irgendetwas geschieht, das sie aus ihrer wirtschaftlichen Eng: und Unfreiheit herausführen kann. Der Weg nach dem großen Ziel„Sozialismus" sst reich an mühevollem Aufstieg und jähem Absturz. Um jekn FuAreit Boden muß gekämpft werden, und zr- der hat sein Teil beizutragen, daß das Ganze vorwärts kommt. Die KoissumgenossenfchastSbewegung hat die Aufgabe, die breiten Massen des Volkes durch Selbsthilfe zu wirtschaftlicher Unabhängigkeit zu führen. Die planlos«, nur auf Gewinn gerichtete Profitwttt- schaft des Kapitalismus muß umgewandelt werden in eine soziale Gemeinwirtschaft, die jedem Menschen Antnl am Ertrag der menschlichen Arbett sichert. Wir können nicht darauf hoffen, daß die Nutznießer der kapitalistischen Profitwirtschaft chren Platz freiwillig räumen. Wir müssen den Wog selbst bereiten, der zu unfircm. Ziele führt. Die arbeitenden Familien können jeden Tag ihr Teil dazu tun. Durch den k o n s e-• quente» Einkauf i n den Verl ei-, lunasstellen der Konsumgenossenschaften, durch den Bezug der eigenerzeugten, Güter, sei eS nun Brot auS der Arbeiterbäckerci, Fleisch und Wurst aus der Genossenschafts- Fleischerei, seien es die vielen Erzeugnisse de: Ger-Betriebe— durch all das wird der Privatwirtschaft Einfluß um» Macht entzogen und Im gleiche« Berhättnrs der eigenen Wirtschaft zugefügt. Im Verbände deutscher Mrsschaftsgenossen- schaften sind 150 Aonsumgenosfinzchaftcn vereinigt, di« ein« MitAiederzahl von rund 240.000 Familien ausweisen. Im Berichtsjahr 1931/32 erzielten die Konftmlgenossenschaften einen Umsatz von rund 580 Millionen Kronen. Diese große Summe ist aus den vielen Keinen Einkäufen der Tausenden Genossenschaftsfamilien zustande gekommen. Tie Rückvergütung an die Genossenschaftsfamilien beträgt in diesenr Jähre über 16 Millionen Kronen. Diese Summe und wohl noch ein Bedeutendes darüber wäre in die tiefen Taschen des Privathandels geflossen, wenn es keine Genossenschaften gäbe. Es läßt sich nicht errechnen, wieviel den Mitgliederfamilien und allen Verbrauchern durch die Konsumgenossenschaften indirekt erspart wird. Bezeichnend sst die Tatsache, daß in allen Orten, wo genossenschaftliche Läden bestehen oder im Ausbreitungsgebiet einer genvs- senschaftlichen Bäckerei oder Fleischerei, die Presse aller Bedarfsgüter sich denen der Konsumgenossenschaften archassen müssen. Unsere Konsumgenossenschaften sind also die Preis« regier in chren Ausbreitungsgebieten geworden. Es liegt im Interesse aller schaffenden Menschen, sich den Konsumgenossenschaften an- zuschliehen und deren Einrichtungen zu fördern. Sie helfen sich dadurch unmittelbar selber, denn sie erhalten fiir ihre Einkaufskronen preiswerte, gute urw vollgewichttge Bedarfsgüter. Sie nehmen noch Maßgabe ihres Einkaufes tell an den Ersparnissen der konsumgenosscnschaft- lichen Wirsschaft, denn sie erhalten auf ihre Einkaufskronen ihre Rückvergütung. In demokratischer Wesse werden die verantwarssichen Funktionäre der Bewegung gewählt und die Wirsschafssichen Angelegenheiten geregelt, so daß jedes Mitglied mitbestimmt, welchen Weg die Genossenschaft zu gehen hat. Wolle« wir Sozialisten«nd wollen di« schaffende« Menschen überhaupt, daß der Sozialismus nach Kräften gefördert werde, dann genügt nicht ei« bloßes Lippenbekenntnis, dann heißt es durch die Tat jede» Tag praktisch zu erweise«, daß der Kapitalismus und all« seine Einrichtungen bekämpft und die aemeinwirt« schaftlichen Unternehmungen der Verbraucher, die Konsumgenossenschaften, gefördert werden. Nr. 275. Dienstag, 22. November 1932. Seit« 3 Mitatß äsrldiierstattofig der bürgerlichen Presse. Das„Prager Montagsblatt" und der „Teplitz-Schönauer Anzeiger" brachten gestern Bericht«, in denen behauptet wird, daß im Bru;er Braunkohlenrevier unter dem Einfluß kommunistischer Agitation die Streitlust wachs«. Demgegenüber muß festgestellt werden, daß die Bergarbeiter und selbst die kommunistischen gegenüber der Streikhetze der Kommunisten ablehnend ein. gestellt sind. Die Bergarbeiter Nordwestböhmens haben noch genug von dem letzten kommunistischen Streikputsch, der ihnen große Lohnverluste ver« «rsachte. Di« Bergarbeiter durchschauen die Demagogie der Kommunisten, die sonderbarerweise jetzt die Verlängerung des Kollektivvertrages und des im Frühjahr von den koalierten Verbänden, abgeschlossenen Uebereinkommens verlangen, obzwar sie sowohl den Kollektivvertrag als auch das Prager Abkommen seinerzeit als einen„schweren Verrat an den Bergarbeitern bezeichnet hatten. Die koalierten Verbände der Bergarbeiter haben, um eine Verlängerung des Abkommens vom Frühjahr dieses Jahres herbeizuführen, bereits Verhandlungen mit den Unternehmern eingeleitet, von denen zu erhoffen ist, daß sie ein günstiges Ergebnis zeitigen. Die Mitgliedschaft der koalierten Verbände hat bereit« auf großen Konferenzen zur Situation im nordwestböhmischen Braunkohlenrevier Stellung genommen und zwischen ihren Forderungen und den Forderungen der Kommunisten einen klaren Trennungsstrich gezogen. Di« koalierten Verbände haben mit den Forderungen der Kommunisten nichts zu tun und lehnen jede gemeinsam: Sacke mit den Kommunisten ab. Es steht den Kommunisten natürlich frei, mit den Unternehmern wegen der Erfüllung ihrer Forderungen zu verhandeln. Der Standpunkt der bürgerlichen Presse gegenüber der kommunistischen Streikhetze scheint diesmal der gleiche zu sein, wie im Frühjahr. Bezeichnend für die Sympathie, die die Kommunisten bei der bürgerlichen Presse genießen, ist die rm „Prager Montagsblatt" und die im„Teplitz- Schönauer Anzeiger" enthaltene Behauptung, daß die kommunistischen Forderungen Wohl nur agitatorische Ziel« verfolgen, daß es zwar begreiflich, dessenungeachtet aber bedauerlich(!) fei, wenn die anderen Organisationen gemeinsame Verhandlungen mit den Kommunisten abgelehnt haben. Das hindert« den„Teplitz-Schönouer Anzer- ger" allerdings nicht, erst vor wenigen Tagen eine Notiz aus den Kreisen der Bergbanunternehmcr zu bringen, in welchem selbst dem Verlangen der koalierten Verbände auf Verlängerung des Prager Abkommens die Berechtigung abge, sprachen wird! Di« Bergarbe.fterschaft NordwestböhmenS hat keine Lust, sich von den Kommunisten und von der bürgerlichen Presse wieder in einen Putsch Hetzen zu lassen und den Unternehmern dadurch zu einem billigen Erfolg in ihrem Kampfe um die Beseitigung des Kollektivvertrages der Bergarbeiter zu verhelfen! VlShovsKQ gestorben. Prag, 21. November. Gestern um 23 Uhr starb in seiner Wohnung in Prag II, der ehemalige Nationalverteidigungsminister und gewesen« Präsident des staatlichen Bodenamles Abg. Dr. Karl Biökovskx. Dr. Viökovsk- erkrankte anfangs November an einer Grippe, aus der, ch allmählich eine Lungen- und ein« Herzhomtentzündung entwickelte. Freitag trat eine Darmlähmung ein, di« schließlich zum Tode führt«. Dr. Bizkovfk- wurde 1888 in Schüttrnhosen geboren. Rach Absolvierung der juristischen Studien war er durch mehr als 20 Jahre bei der böhmischen Sektion des Prager Landeskulturrates als Sekretär, Rat uni Oberrat tätig. Er betätigte sich auch politisch in d«r Agrarpartei und wurde zunächst Landtagsabgsordneter; 1811 wurde er in den Reichs rat gewählt. Im Krieg wurde er zum Präsidenten der Kriegsgetreideverkehrsanstalt ernannt. Di« Zurückhaltung großer Gelreidemengen gegen Kriegsente und damit di« buchstäbliche Aushungerung der deutschen Notstandsgebiete war jum großen Tein sein Werk. Nach dem Umsturz wurde«r Präsident des neu errichteten Bodenamtes. Di« unheilvolle Tätigkeit, die dies«« Amt unter seiner tatkräftigen Leitung in den deutschen Gebi«t«n entfaltet«, ist noch in all zu guter Erinnerung, als daß man sich ausführlicher darüber zu verbreitern braucht«. Nach seiner Pensionierung ließ er sich im Jahre 1925 wieder ins Parlament wählen. Im dritr«n Kabinett övehla war Bizkovskv vom Dezember 1925 bis März 1926 Justizminister, Im Dezember 1929 wurde er unter der jetzigen Koalition Nachfolger Udrgali im Berteidigungsministerium; in diesem Amr har er den Standpunkt d«r Generale d«s Ministerium« fast immer restlos und ohne viel eigene Meinung verir«:«n. Bei der letzten Kabinettsrekonstruktion trat er, der schon schwer krank war, zurück, um Platz für Bradaä uich damit eigentlich fiir Hodna zu machen. Tschechische Genossenschaften gegen neue Lchensmlitelsieuern. Prag. 20. Novbr. In Prag fgnd heute ein« Vorstandssitzung des Zentralyerbandes der tschechoslowakischen Genossenschaften statt. Vorsitzender Lustig erstattete einen ausführlichen Bericht über di« wirtschaftliche und finanzielle Lage und betonte den Prötest der Konsumenten gegen die geplanten Zölle auf wichtige Nahrungsmittel. Er lehnte das Verlangen der Exekutive der Staatsbeamten nach Einführung neuer Abgaben für Fleisch und B i e r ab und stellte sich besonders gegen die geplanten steuerlichen Maßnahmen gegen Konsums und Genossenschaften. Die wirtschaftlich« Situation verschlechtere sich und die Genossenschaften müssen für die nächst Zeit alle Maßnahmen treffen. Der Vorstand wurde mit einer Reihe von Interventionen bei der Regierung beauftragt, besonders hinsichtlich der Z o l l- erhöhung. Es wurde einmütig beschlossen, die kommunistische„Böel a" in Prag aus dem Rahmen der Verbandsorganisation auszuschließen. Senator Lokota verhaltet Uxhorod, 21. November. Sonntag veranstaltete der kommunistisch« Senator Ivan Lakata in der Gemeinde S t a v n e im Bezirke B e l k y Berezny eine nicht bewilligte Versammlung. Eine Gcndarmeriepatrouille der lokalen Gendarmeriestation zerstreute die Versammlungsteilnehmer. Hiebei griff der kommunistische Senator Lakata die Gendarmen an und weigerte sich, sich ihnen zu legitimieren. Er wurde verhaftet und in das Gefängnis der Staatsanwaltschaft in ULHorod überführt. Vereiteltes Attentat aut uerriot. Aufgerissene Schienen/ Autonomisten als nitleragcnten? a r is, 21. November. Gestern kurz nach, kon auf den vorbei marschierenden Zug geworfen werden sollen, m dem auch Herriot ging. Der dortige Präfekt habe jedoch alle verdächtigen Fremden, die sich damals in Vannes zeigten, verhaften lassen, und so den Anschlag verhindert. 5 Uhr früh explodierte« auf der Strecke Paris— Nantes unwert der Stadt Angers im Km. 375 heim Bahnhof Jngrandes einige Bombe«, die di« Schienen in der Lang« von einigen Metern in di« Luft warfen. Der Streckenwärter, dessen Häuschen sich etwa ein Kilometer von der Stell« entfernt b«- findet, an der sich das Attentat ereignet«, sowie di« Bewohner des nahen Dorfes» di« di« Detonationen hörten, verständigten sofort die beiden nächste« Stationen, so daß der fällige Zug Paris— Nantes, der kurz darauf di« Stell« passieren sollte» noch rechtzeitig zum Stehen gebracht werden konnte. Die Täter rechneten damit, daß in diesem Zug der Ministerpräsident Herriot sein werde, der nach Nantes reist«. Tatsächlich befand sich Herriot in dem aufgehaltenen Zug, der dann mit einer Verspätung von 50 Minuten ohne Unfall sein« Fahrt fortsetzc« konnte. Bisher wurde lediglich festgestellt, daß gegen 4 Uhr früh i« der Nähe des Tatortes ein Automobil gesehen worden ist, nach dem nun eifrig geforscht wird. Ein Agent Hitlers hat di« Automobilisten anfgehetzt? Herriot äußerte sich in Nantes, daß es sich hei dem Anschlag um einen neuen Gewaltakt einer kleinen Gruppe bretonischer Aulonomiften handelte, der ausdrücklich gegen ihn gerichtet war. Herriot erinnerte an den vor wenigen Monaten erfolgten Anschlag der Autonvnristen in Rennes, dem eine die Vereinigung der Bretagne mit Frankreich versinnbildendes Denkmal zum Opfer gefallen ist. Herriot behauptete, weiter, daß dies« autonomistischen Kreise Propagandagelder von einem gewisse« Körber,«mem Deutsche«, erhalten hätten, der allgemein als Agent Hitlers in Frankreich gelte. Bereits in Vannes, erklärte Herriot, hätte ein Attentat auf ihn verübt werden sollen, und zwar hätten zwei Bomben von einem Bak- , Der von Herriot genannte Korber ist ein deutscher Journalist, der in Paris wohnt« und dort Korrespondent des„Völkischen Beobachters" und anderer deutscher Rechtsblätter war. Bon Beruf soll er eigentlich Paswr sein. In den letzten Tagen wurde er von der Pariser Polizei jedoch au 8- gewiesen. Nur eine Demonstration? Die letzten Berichte übe« das Eisenbahnattentat schein«« jedoch eher dafür zu sprechen, daß die Täter ke»« Attentat auf den Zug Herriots verüben wollten, sondern daß es sich eher um ein« Einschüchterungsmanifestation handelte. In einer Entfernung von etwa 100 Metern von der Stelle, an der di« Tynamitbomben niedergelegt waren, waren auf beiden Seiten der Streck« Lampen mit rote» Lichtern aufgestellt, welch« den fahrenden Zug auf die Gefahr aufmerksam machen sollten. Die„Große Jungfrau.“ Die Polizei hat in den Kreisen der bretonischen Autonomisten noch am Sonntag mehrere Verhaftungen vorgenommen. Der„Populaire" spricht von sieben Verhafteten, die sämtlich einer bretonischen Geheimgesellschaft angehören. Unter ihnen befindet sich eine junge Studentin, die den Beinamen„Die große Jungfrau" führt und von der auch schon im Zusammenhang mit dem Attentat auf das Denkmal in Rennes di« Rede war. Ueber das Ergebnis der Untersuchung ist ■ jedoch bisher nichts bekannt geworden. Herriot kehrte um Mitternacht aus Nantes nach Paris zurück und wurde auf dem Bahnhof, außer von Mitgliedern der Regierung von einer großen Menschenmenge erwartet. Vor dem Bahnhof wurden.Herriot begeistert« Ovationen gebracht. 0iiiiiiiiniiiinniiiiiimiiiiiiiiiiin!Hiiiminiiiii!iiinHininniniiiiiiiiiiiiiiiiHiiinnnuNniniiiiiiNiiuiiiniiiiimiiHnnuiimniiiiiiininmiiiiiiiiniiiiiiiiiiiiiiiiiifiinniiiHiiiiiniiniiiiiniiHiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiniin Japans politische„Moral“ vor dem VölherbunOrat Was ist der Kelloggpakt wert? Genf, 21. November. Die seit September unterbrochene 69. Tagung des Völkerbundrates ist heute wieder ausgenommen worden. De« Hauptgegenftand der Verhandlungen des Rates bildet der Bericht der Lyttonkommis- sion über das mandschurische Problem. Der Rat soll auf Grund dieses Berichtes Vorschläge für die außerordentlich« Bolkerbund- tagung ausarbeiten, die in den nächsten Tagen zusammentreten wird. Der japanische Delegierte machte di« Gesichtspunkte der japanischen Chinapolitik geltend. Besonderes Gewicht legt« er diesmal darauf, daß das japanische Vorgehen„keineswegs einzigartig in der Geschichte" dastehe. Verantwortlich seien China und die unabhängig^ Regierung Tschangsuenliang. Die Ereignisse seien ihre Tat und nicht diejenige Japans. Japan habe weder die Völkerbundsatzung noch den Neunmächtevertrag noch den Kelloggpakt verletzt. Der chinesische Delegiert« kritisierte die heutige Erklärung des japanischen Delegierten, der die Sachlage so dargestellt habe, als ob Japan wie ein mildes Lamm sich im Rachen des chinesischen Ungetüms befinde. Selbst wenn alles richtig wäre, was Japan an Klagen über den Zustand in China vorgebracht habe, so müsse man sich immer noch fragen, ob di« planmäßig« bewaffnete Intervention Japans gerechtfertigt war. Wenn die Berechtigung dieser Intervention in den Kelloggpakt hin- erninterpretiert werden könne, so sei dieser Plan kaum wert, aufrecht erhalten zu werden. Die chinesisch« Regierung glaube aber, daß es nicht ihr« Aufgabe, sondern diej.nige des Völkerbundes sei, den Kelloggpakt und die anderen Verträge zu interpretieren. Anschluß der Tschechoslowakei an die Schuldner-Einheitsfront. Washington, 21. November.(Reuter.) Der tschechoslowakische Gesandte überreicht« heute dem Staatssekretär Stimson eine Not«, in der das Ersuchen der europäischen Mächte nach einem Moratorium und Ucberprüfung der Kriegsschuldenfrage nachdrücklichst unterstützt wird. Amerikas neues Darloment. Erst jetzt ist die endgültige Mandatsverteilung bekannt, die sich für beide Häuser des amerikanischen Parlaments aus den Wahlen vom 8. November ergibt: Abgeordnetenhaus: Demokraten 314(bisher 214) Republikaner 116(bisher 218) .Landarbeiter 5(bisher 1) Senat: Demokraten.... 59(bisher 39) Republikaner..... 36(bisher 56) Landarbeiter 1(bisher 1) Roosevelt in Washington. Paris, 21. November.„New Jork Herald" zufolge wird die Ankunft des neugewählten Präsidenten Roosevelt in Washington morgen erwartet. Roosevelt wird mit Hoover über die Schuldenfrage konferieren. Er wird sich bis Mittwoch nachmittag in Washington aufhalten. An den Beratungen wird auch der Vizepräsident Carner teilnehmen. Wahlen in Katalonien. Barcelona, 21. November. In Katala- ni«n fanden gestern die Gahlen in di« Nationalversammlung statt. Die extreme Linke hatte einen Aufruf erlassen, in welchem zur Boykottierung der Wahlen aufgefordert wurde; deshalb war di« Wahlbeteiligung verhältnismäßig gering. Die Anhänger des Obersten Maria werden. im katalanischen Parlamente von insgesamt 85 Mandaten 67 Sitze einnehmen. Von den restlichen 18 Mandaten erhalten die katalanische Liga 12, die Republikaner drei Mandate. Die Zuteilung der letzten drei Mandate ist noch unbestimmt. In einigen Städten kam es zwischen politischen Gegnern zu Zusammenstößen, bei denen insgesamt 12 Personen verletzt wurden. Dolmen mobilisiert sieben Jahrgänge. La Paz, 20.-November. Die Reserven der Jahrgänge 1923 bis 1929 der bolivianischen Armee sind zu den Fahnen gerufen worden, um die Feindseligkeiten gegen Paraguay in Gran Chaco fortzusetzen. Ms der Arbelter-Tnrn- and Sportbewegung. Erstes internationales Tischtenms-Turmep im Arbeitersport. Der Atus hat das erste international« Turnier im Tischtennis, das zu de« noch jungen Spielen im Arbeitersport gehört, organisiert. Drei Verbände beteiligten sich am 12. und 13. November daran: Österreich, DLN.-P rag und Atus-A u s s i g. Die Spiele fanden im Heim des Deutschen Arbeiterturnvereines in Prag statt. Eine i» der SASJ. erst im Werden befindliche Sparte trat zum erstenmal damit in Erscheinung. Di« Spiele selbst zeigten di« Oesterreicher als routinierte, überlegen« Spieler. Sie waren gegen den Atus mit 11:5 siegreich und gewannen knapp aber sicher gegen di« DTÄ. mit 9:7. Diese Spiele werden sicher mit beitragen, diesem Zweig der Spielbewegüng weitere Anhänger zuzuführen. Eine große Vcrsammlungsaktion der Funktionäre des Atus. In den Monaten Okwber und November fanden in allen Bezirken des Organisationsgebietes Versammlungen der Bezirks» und Vereinsfunktionäre statt. In jeder Versammlung sprach ein Vertreter des Bundesvorstandes über das Thema: „Bund und Krise" sowie„Jugend und F a s c i s m u s". Es wurden alle aktuellen Probleme der Organisationsarbeit zur Diskussion gestellt und di« nächsten Arbeiten der Funktionäre festgelegt. Bis jetzt fanden 48 Versammlungen mit einer Teilnahme von ungefähr 1600 Funktionären statt. Zu gleicher Zeit laufen im Anschluß an«in« zentrale Schule für Äugendfunktionäre im Arbeitersport Begirksfchulen, die nach einem von der Zentrale vorgeschriebenen Programm in jedem Bezirk veranstaltet werden müssen. Sowletrnffland hestenert Oie Kleinhauern? MsoSs kau, 21. November. Das Zentralexekutivkomitee und der Bolkskommissarenrat der Sowjetunion veröffentlichen einen Beschluß über ein« einmalige Besteuerung der kleine« Bauernwirtschaften. Die Steuer beträgt mindestens 15 Rubel. Für die Kulaken wirtschafte« ist di« doppelt« Landwirtschaftssteuer festgesetzt. Unter gewissen Bedingungen ist Steuerfreiheit zulässig. Die einmalige Landwirtschaftssteuer mutz bw 31. Dezember d. I. entrichtet werden. 75 Prozent fallen dem Staatsbudget zu, 10 Prozent dem Landesbudget und 15 Prozent den Bezirksbudgets. Versperrt oder unversperrt? Die geheimnisvolle Tür in dem Klein- landwirte-Gebäude. Jglau, 21. November. Im Jglauer Prozeß wurde eine Mitteilung des Justizministeriums verlesen, daß der Zeuge Franz Stejskal für den 29. November vorgsladen wurde. Die Beamten des Ministerratspräsidiums wurden über jene Sitzung des Ministervates, in der es zu" dem Zusammenstoß zwischen Engliö und Stribrny wogen der Waggonbestellungen kam, der Schweigepflicht nicht entbunden. Hieraus wurden der Gastwirt Karl S t o l a k i k, der Chauffeur Fran; Kosina und di« Beamtin Marie HliüLkovL einveriwmme», welche über die Verhältnisse in der Landwirtschaftlichen Bereinigung aussagten. Der Zeuge Kolbaba sagt aus, daß die Tür, die im Gebäude der Kleinlandwirtevereinigung direkt von der Stiege in das■ Direktionszimmer führte(durch die der Zeuge E 8 n e r einmal Sichrov- sky direkt zu Stkibrny gehen gesehen haben will), nicht geschloffen war. Ob sie benutzt wurde, wisse er allerdings nicht. Einmal sei durch die Tür eine vertrauliche Unterredung abgehorcht worden und da habe es geheißen, man müsse die Tür verbarrikadieren. Büchergestelle und alte Gewehre, von denen die Rede war, seien aber erst nach der kritischen Zeit dorthin gekommen. Eine ander« Zeugin, die Frau eines früheren Angestellten, behauptet« dagegen, daß di« Tür verstellt war; ihr Mann hätte die Tür mit Nägeln zugeschlagen. Sie behauptet auch, die einfache Frequenz sei schon rm Juli 1920 eingeführt worden und das Telephon daher ab 14 Uhr in die Portierloge umgeschaltet gewesen. Kolbaba hatte dagegen angegeben, daß die einfache Frequenz erst nachher, im Herbst 1920, eingeführt worden sei. Daß die besagte Tür ständig versperrt war, besagt auch Oberrechnungsrat 6a p; dahinter hätten sich alte Sachen befunden. Ueber die einmalige oder doppelte Frequenz gehen auch weitere Zeugenaussagen auseinander. Eine weitere Uhrrngeschichte wird durch den Polizeiinspektor Bernard ans Prag ausgetischt: Bor etwa fünf Jahren habe ihn einmal Ser Oberpolizeirat Knotek ins Büro gerufen, da ihm Stkibrny telephoniert habe, daß er von Sichrov- skF eine ihm zur Reparatur gegebene Uhr nicht erhalten könne, welche Sichrovshf angeblich in dir Uhrenwerkstätte Stejskals gegeben habe, der sie inzwischen versetzt habe. Der Zeuge habe den Pfandschein genommen, die Uhr auSgelöst, sie zur Direktion gebracht und schließlich in der Wohnung des Ministers abgegeben. Zur Klärung dieser' Angelegenheit, an die sich Stkibrny nur dunkel evinEt, wurde die Ladung weiterer acht Zeugen beantragt. Seite 4 Dienstag, 22. November 1932. Nr. 275. vwwmalensSsilw vcrsdilcbf Devisen. In Gmiind verhaftet. Wien, 19. November. In der Eisenbahnstation Gmünd wurde von österreichischen Zollbeamten eine Dame unter dem Verdacht des Vakutcnschmuggels angehalten. Die Dame wurde zur AusweiSleistung angehalten, und cS stellte sich heraus, daß sie die Frau des Presseattaches der polnischen Gesandtschaft in Wie», Dr. Par- «es war. Mau fand bei ihr in einem Gürtel versteckt, den sie unter ihrer Wäsche am bloßen Leib« trug, Valuten und Schilling im Gesamtwert von 170.900 Schilling. Vor allem wurden größere Bestände von tschechischen Kronen, Dollars, holländische Gulden und österreichischen Schillingen sichergestellt. Frau Dr. Parnes gab die Erklärung ab, die Absicht gehabt zu haben, über Prag nach Warschau zu fahren. Weshalb sie diesen großen Umweg machen wollte, konnte sie nicht aufklären. Die Frau hat diese Route schon wiederholt zurückgelegt, so daß diese oftmaligen Reisen den Grenzkontrollorganen auffielen. Donnerstag wies sie nun einen neuen Reisepaß vor. Dadurch machte sie sich doppelt verdächtig, denn der Greirzkontrolleur nahm an, sie habe sich nur zu dem Zweck in den Besitz des neuen Passes gesetzt, damit die vielen Stempel, die ihre oftmalig« Aus- und Einreise bescheint, gen, nicht auffielen. Der Leiter der Wiener polnischen Gesandtschaft wurde von dem Vorfall verständigt. Man nimmt an, daß die Angelegenheit auch auf die Stellung ihres Mannes eine baldige Rückwirkung ausübmi werde. In der Durchtmhunaszelle machte die Frau den Versuch, die Kontrollbeamtin zu"bestechen; sie bot ihr 10.000 Schilling für den Fall an, daß sie über die aufgefundcnen Valuten keine Mel- dung erstatten werde. «HniHHiHiuniiiiiiiuunniiiHmiHnminiiiuiHiiiiiniiiiiiiiiiiiiiiiiiinniiiiiuHiiiiitmuiiuiitniHiüiiiiiHiHnniHniiUMfflniHiiimHHMninnHnimHiiHiiftttiiuuiiaiiHinnuHiMiiHiiiniiuiiinnHUHiHHiiH Häwsr Ernst Stenzl aus Wünschen von nie- dovgehercher Kohle am Kopf so schwer verletzt, daß er wenige Almuten daraus staub. Stenzl war Familienvater. T agesneuigkeiten Mallentod im Lastauto. Elf Faseisten getötet, vierzig verwundet. Rom, 21. November. Bei Furbara wurde gestern abend«in Lastkraftwagen, auf dem sich 52 junge Faseisten befanden, die von einem Besuch der Ausstellung über die fascistisch« Revolution aus Tarquinia zurückkehrte», bei einer Bahnüberquerung vom Zuge erfaßt. Elf Personen wurden getötet und alle anderen, davon einige schwer, verletzt. Schlaganfall während der General' Versammlung. Der Präsident der Smichower Aktienbrauerei plötzlich gestorben. Prag, 21. November. Gestern sand di« Generalversammlung der Smichower Aktienbrauerei statt, welche einen äußerst erregten Verlaus nahm. Der Sprecher der oppositionellen Grupp« griff den Präsidenten der Gesellschaft, Karl Dimmer, heftig an, worüber sich dieser so aufregte, daß er eine« Schlaganfall erlitt und binnen wenigen Minuten starb. Der Vorstoß gegen den Präsidenten Dimmer ging von dem Aktionär L a m b l aus. welcher seit einigen Jahren die Stelle eines Derwaltungs- rätes oder Revisors anstrebt. Der Rechtsanwalt Lambls, Dr. Brune, der im Namen der oppositionellen Aktionäre sprach, griff den Präsidenten in schärfster Weise persönlich an und verlangte, daß dieser den Vorsitz niederlege, da gegen ihn ein Strafverfahren wegen einer Uebertrerung und gegen seinen Sohn ein M e i n e l d s v e r f a h r e n schwebe. In seiner Antwort erklärt« der Vertreter D i m- m e r s, Dr. Spurny, daß es sich bei der Ueber- tretung um eine Eh re nb ele id i g u n gs- klag« und bei dem Meineidsverfahren um eine bereits zusammengebrcchene Denunziation der geschiedenen Frau Dr. Dimmers handle. Während der Rede des nächsten Mehrheitsvertreters, erlitt Präsident Dimmer einen Schlaganfall. Obwohl fünf Aerzte sich augen- blicklrch um ihn bemühten, war keine Rettung mehr möglich. Die Generalversammlung wurde in Abwesercheit der oppositionellen Gruppe in aller' Eile beendet. Geständnis Dr. Mayer's. Sg«r, 21. November. Der ehemalige Di- striktsarzt von Tschernoschin, Dr. Mayer, hat nach Bekanntgabe seiner Begnadigung zu lebenslänglichem Kerker«in volles Geständnis abgelegt. Er erklärt, feine Frau während eines Streites, welcher in einH- gemenge ausartet«, in höchster Erregung nie- dergeschoffen zu haben. Durch dieses Geständnis Dr. MayerS wurde zwar«ine neue Sachlage geschaffen, doch ist es bisher unbestimmt, ob der Prozeß noch einmal ausgenommen werden wird. Die Amnestie in Polen. Aus Warschau wird uns berichtet: Durch das Dekret über die Amnestie, das beim Inkrafttreten des neuen Strafgesetzes verkündet wurde, wurden in Polen etwa 20 Prozent der Sträflinge entlassen. Uuglülk in einer Kirche. Warschau, 20. November. In der Warschauer Heiligen Kreuzkirche, einer der größten Kirchen der Stadt, die an der Hauptverkehrsstraße steht, ist heut« vormittag während der Andacht im Presbyterium der steinerne Fußboden ein gebrochen. 12 Personen sind in die vier Meter tiefer liegende Gruft hinuntergcstürzt und haben schwere Verletzungen davongetragen. Es entstand eine P a n i k. Nur dem energischen Zureden des Geistlichen, der zur Ruhe mahnte, ist es zuzufchrc>ben, daß eine weitere Ausbreitung der Katastrophe vermieden werden konnte. Slowakisches Kulturbild. Bei den Erhebungen über die Ursachen des letzten Blutvergießens in der Slowakei wurde unter anderem festgestellt, daß die Forderung, derentwegen ein Anwesen um ungefähr drei Prozentj 'des wahren Wertes verkauft worden ist, aus Trinkschulden resultiert; und weiterj wurde festgestellt, daß im betrefftnden Bezistk, der wegen feiner Armut berüchtigt ist, jährlich siebenundzwanzig Millionen in Alkohol mngesetzt werden. Wer diese«lenden Landstriche der Ostslowakei, ihre entsetzliche Not urü) Armut kennt, wer werß, daß fünf-bare Kronen für diese geplagten und ausgepreßten Menschen ein seltenes Vermögen tmrstellen, wird Wer diese Feststellung entsetzt sein. Es muß immer wieder öffentlich hekanntgetzeben werden, daß die in diesen Ge- geiwen unumschränkt herrschenden. Agrarier dm Tmfel.Alkohol in unerträglicher Weise zum Ausbau ihrer Machtpositionen ausnützvn. Im Landesamt in Preß- bürg gibt es ein« Spezialkommiffion zur Unterdrückung des Alkoholismus; diese Kommission hat alles Material festgeftellt, veranstaltet sogenannte Werbewochen für die Ab- stinenzbewsgung, Hot aber keine vollziehende Gewalt, ilnfeve Gesetze erlauben es nicht, den unqualifizierbarm Praktiken der von den agrarisch, beherrschten Bezirksämtern eingesetzten Schankwirte Widerstand zu leisten. Der Handel mit Alkohol ist auf Grund der Schank- wnzefsion erlaubt; sogar denaturierter Spiritus wird z. B. im Oravst al gegm die polnische Grenze hin und in der B r ch o- vi n a-verkauft; und um diese Segnung zu er- werbm,'braucht der Dorfbewohner kein Geld, alles wird ihm bevertwilligst gepumpt und im geeigiieten Moment läßt man ihm den Schuldschein unterschreiben, der hundert und mehr Prozent Zinsm für den Gläubiger sichern soll. Niemand nnnmt sich der ausgehungerten Bauern an, deren.letzte„Freude" eben jener Alkohol ist, der ihnen' in gewissenloser Weise kredenzt wird. Es ist. ein Zustand, der an die längst vergangenen Vernichtungskämpfe weißer Eroberer im amerikanischen Westen erinnert. lind die Folgen? Alles geschieht im Namen des Gesetzes; der Bauer hat unterschrieben, also muß er zahlen; er kann nicht zahlen, also muß die Exekution durchgeführt werden; sein letztes Gut wird geschätzt und um einen Bettel verkauft. Diese Bauern verstehen oftmals überhaupt nicht, was die dortigen tschechischen Gewalthaber ihnm in einer frem- drn Sprache zudiktieren; von diesen naiven Menschen kann man nicht verlangen, daß sie sich in den Fallstricken der Exekutionsordnung auskennen; sie sind vollkommen mittellos, sie finden keine Rechtshilfe, niemand nimmt sich ihrer an und deshalb erscheint ihnen die Beamtenschaft, die als Vollstreckerin unbarmherziger Kvpitalsgesetze handelt, als der Feind, den sie tätlich bekämpfen müssen. Wundert man sich ernstlich darüber? Des Bauern der dortigen Gegend einzige Kraft ist in seinen Armen; sonst Hai er nichts, um sich gegen die intellektuelle llebermacht der Herrschenden zu wehren. Und nicht früher wird in diesen entlegenen Gegenden Ruhe werden, bis nicht sozialer Geist in der Vertvaltung des Landes erzwungen wird, bis man den Mittellosen nicht Mittel zur Selbsttvehr verschaffen wird. Singvögel als Opfer der Tevisensperre. 350 Singvögel sind ein Opfer der Grenzschwierigkeiten geworden. Ein Transport von 350 Singvögeln ging von Triest aus an eine Reichenberger Firma über dir tschechoslowakische Grenz«. Lod im Schacht. Brüx, 21. November. Auf dem SaMnia- Wegen der Depisenbeschränkung wurde die Einfuhr in die Tschechoslowakei verweigert; die Singvögel wurden an die österreichische Grenze zu- rückgeschickt. Die Bahn verständigte Absender»nd vrux, Li. t'covemoer. Aus oem aww Empfänger von der Nichtannahme und ersuchte Schacht in Triebschitz wurde heute der 28jährige, nm weillre Bersiigung. Inzwischen waren aber'.. die Tiere, die in einem Magazin aufbewahrt wurden, bereits zum größten Teil verhungert. Den Rest setzte man rasch in Freiheit. Di« Tiere hatten aber nicht mehr die Kraft, Futter zu suchen, und man fand sie am andern Morgen in der Nähe des Magazins verendet. Der Erzberg stillgelegt. Am 19. November wurden 350 Bergleute vierzehntägig gekündigt, j Damit endigt am 2. Dezember das Dienstverhältnis der letzten noch beschäftigten Erzbergarbeiter. Die Direktion der Alpinen Montangesellschaft erklärt in einer Kundmachung, daß die Stillegung des Crzbergs voraussichtlich bis zum nächste» Frühjahr dauern werde. Die Schöne Helena vor Gericht. Armer Offenbach; nicht nur die Großanfmachung von Reinhardt, sondern auch das Prager Arbeitsgericht mußtest du über dein Werk ergehen lasten. Aber so ist mm einmal diese Zeit, di« immer wieder überrascht. Da wollte die tschechische„Bella O P e r e t a", die führende Bühne dieses Genres, als schöne Helena die Schauspielerin N. Gayer engagieren; alles war be- geistert, sogar der Verlobte hatte nichts dagegen. Dann kam der Text in die schönen Hände der jungen Dame: und was in Berlin allgemein den Bürgern gefallen hat, das wurde vom Komponisten Jeremiaä, Dirigenten des Radiojournals, und tschechischen Modernisten,'nicht für gut befunden. Der Text einiger Szenen, besonders jener im Badezimmer der schönen Griechin, seien unsittlich und kein Verlobter könne sich so etwas bieten lasten. Es ist eben nicht immer leicht, modern zu sein: Herrn JeremiaS geht dieses Metier beim Notenschreiben besser. Und da er gänj strikt seiner Auserwählten die Uebernahme der schon übernommenen Rolle verbot, konnte sich am Samstag das Arbeitsgericht schmunzeln- in ein halbes. Dutzend reizvoller Photographien vertiefen, die als Beweis« der Unsittlichkeit von der Beklagten und als Beweis der Sittlichheit von der klagenden Direktion vorgelegt wurden. Die Zeugen der Operette gaben an, daß es in dieser Wanne gar nicht so unsittlich zuging, wie wieder die Gegenzeugen im Brustton der Ueberzcugung betonten. Und nach reiflicher Erwägung hat das Gericht salomonisch entschieden, daß zwar die Unsittlichkeit nicht erwiesen sei, daß aber die Be- klagte deshalb nicht verurteilt werden kann, weil kein schriftliches Uebereinkommen vorliegt; womit noch erichts beendet ist, denn die beleidige Operettendirektion» die doch niemals Unsittlichkeit protegieren würde, hat die Berufung eingelegt, so daß bmd auch das Prager Kreisgericht wird über die Bilder gebeugt eine Stunde Schmunzelns ernten Krrnen... Ein^berühmter" Hochstapler in Bodenbach. Die erst letzt bekannt wird, hielt sich der von Berlin steckbrieflich verfolgte Cafetier Erban m der vötketzten Woche in Bodenbach, seiner Vaterstadt, auf. Er spielte an demselben Tage, an hem die Frühblätter von Berlin die Nachricht über den Steckbrief gegen ihn brachten, in seinem Stammcass„Wien", 15 Schritte vom Bahnhof entfernt, Billard, da er leidenschaftlicher Billardspieler und ebenso leidenschaftlicher Sportler ist. In seiner Begleitung befand sich seine Geliebte, die sogenannte„schwarze Nelli", ein Anssiger Mädchen. Noch in derselben Nacht wurde das Polizeiamt" anaerufen und ihm Mitteilung gewacht, daß Erban sich in dem Cafs aufhalt«; doch wap es bereits zu spät. Der Flüchtling hatte offenbar das im Cafä anftiegende Berliner Blatt gelesen, war sofort mit dem Mädchen verduftet »nd konnte nicht mehr aufgefunden werden. Erhan stammt aus kleinsten Berhältu'ssen in Bodenbach. Seine Mutter, eine ehrenwerte Frau betreibt auch heute noch ein kleines Geschäft. Schulkollegen schildern den Berliner Al Caponc als unerhörten Luftikus in der Schule, der in seinen Zeugnissen böse Noten im Betragen heim- brachte. In der Kriegszeit wurde er Schieber, in der Inflation aber erzielte er auf eine gefährliche dunkü: Art ein Riesenvermögen, das ihm zun: Ankauf großer Objekte verhalf. In Bodenbach Ivar und ist er noch heut« angesehen: wer ihn kannte, fuhr zu ihm nach Berlin, wurde wie ein Fürst ausgenommen und konnte von ihm Unter- Die Reise des Verbannten. Trotzki In Italien. Rom, 20 November. An Bord d« Dampfers„Prags", der der Gesellschaft Lloyd Trieftin» gehört, traf in Neapel Trotzki ei», beste« türkischer Patz auf de» Namen Sedoff Effendi lautet. I» feiner Begleitung befinde« sich auch zwei Privatdetektiv«, eia amerikanischer Jour«» list und ei« Wiener. Trotzki wurde ei« Aufenthalt von 24 Stunden bewilligt. Anfangs weigerte sich Trotzki, an Land zu gehen«nb blieb in der Kabine. Er lehnt« auch die Interviews ab, um bi« er von zahlreich«« Journalisten ersucht wurde. Erst nachmittag besuchte er mit seiner Gattin Pompeji. Abends reift« er nach Kopenhagen weiter, wo sich fein« Gattin einer Operation unterziehen wird. iUWIMNMIWWWWMWWWMMWMMWMWMWWs stützungen in jeder Höhe haben. Alles beugte sich vor der scheinbaren Größe des Mannes, Re Heimat staunte ihn an, und man bewundert« fei« Glück. Natürlich ist der Fall für die Grenzstadt Bodenbach eine Sensation. Ein anßerordentlich heftiger Wollenbruch, der von schweren Hagelschauern begleitet war, hat weite StrÄen Landes in Columbien in kürzester Zeit unter Wasser gesetzt. Mindestens zehn Menschen sind in den Fluten umgekomme« und zwanzig haben schwere Verletzungen erlittest. Die Tochter Heinrich Sklarz verhaftet. Im Auftrage der Staatsanwaltschaft Berlin wurde am Samstag die Tochter des verschwundenen Kaufmannes Heinrich Sklarz festgenommen, weil der Verdacht Rsteht, daß die 25 Jahre alte Paula Sklarz Urkunden beseitigt hat, die ihre» Vater belasten konnten. Drei bulgarische Komitatschis drangen Samstag abeno» unweit der Gemeinde Refanö bei Bosilegrad auf jugoslawischesGcbiet «in und überfielen eine Wachabteilung der Zivilgarde, die sie jedoch in der Richtung gegen die Grenze zurücktrieb. Die Grenzwache verfolgte die Komitatschi. Bei dem Kampfe, der sich hierauf entwickelte, schleuderten die Komitatschi etwa 15 Bomben, worauf sie unter dem Feuerschutz der bulgarische« Grenzwache auf bulgarisches Gebiet zuruckkchrten. Ein Mann der jugoslawischen Grenzwache wurde verletzt. Erdstöße. Im Rheinland und in W e ft- fal« n wurde Sonntag nachts ein heftiger Erdstoß in vielen Städten verspürt, der etwa 2 bis 30 Sekunden dauerte. Schaden wurde nicht verursacht.»Die Instrumente der Erdbebenwarte auk dem Kleinen Feldberg(Taunuss kämen irrst nach vier Minuten zur Ruhe. Die Erdstöße in Düsseldorf verliefen vom Westen nach Osten und. waren von'' einem dumpfen Rollen begleitet. Im Stadtteil Derendorf traten in verschiedenen Gast„ statten Lichtstörnstgen auf. Dl« Erschütterungen waren von einer Stärke, wie sie in Düsscl- darf in den letzten Jahrzehnten nicht festgestr" worden waren. 8 M llionen Schaden! Wie nunmehr sestgestcll: wurde, beträgt der durch die Manipulationen des Düsseldorfer Bankiers Schäfer der dortigen DT'- Bank zugefügte Schaden 5 Millionen Mark. Vom Rundfunk Empfehlenswertes aus den Programmen- Mittwoch. Prag 6.15 Gymnastik. 11.00 Schallplatte«. 15.50 tzieser, 17.10: Marionettentheater, 18.25 Deutsche Sendung: Arbeiters»«!: Wöhrle: Aus dem iwveröffentlichten Roman: Der Kelch. 20.00 Philhar- manisches Konzert. 22.15 Jazzmusik.-- Brün« 16,10 Orchesterkonzert, 18.25 Deutsch« Sendung: Mcirer: Schlechtes und gutes Deutsch.— Berlin: 22.15 Orchqterkonzert— Breslau: 17.10 Kammermusik.— Hamburg: 17.35 Märchenbilder.• 19.90 Tanzlieder.— Königsberg: 19.00 Finnischs Musst. Langenberg: 20.00 Leicht« Musik.— Leipzig: 20.00 „Tausend und«in König", Komödie.— München: 19.45 Ehorgesang.— Wien: 1650 Schubert-Stund« 6iitm«nHMHHiimmwiiiiiiiiiiiiiHniininiinniiiiiHiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiniiiiiiiimiiiiiiiiiniiiiiiuiiiiiiiiiuHiuiuRiiiunmuiiiiiiiNiiiniiuiiiiiMiiiitiii!imi!HtiiiiiiiinininiiiiiniimiiniimmiiiHiinnwinifnH Lösung des Rätsels um Rosemarie Ute Mutter wegen Mordversuchs an ihrem Kinde verhaltet Wir berichteten in den letzte« Tage«, daß in Berlin auf den Schienen einer Vorortebahn die sechsjährige Rosemarie Boddin bewußtlos ausgesunden und mit schweren Verletzungen in das Krankonhans eingeliefert wurde. Tagelang schwebt« es zwischen Tod und Lebe«; nun befindet das Kind aus dem Weg« der Besserung. Jn- !wischen hat das furchtbare Verbrechen ferne urchtbare Aufklärung gesunden: an dem Mädchen wurde von ferner eigenen Mutter ein Mordversuch begangen. Da dos Kind nur mit einem Mantel und c.iuem dünnen.Hemdchen bkleidet war, vermutete jnan, daß das Mädchen einem Sittlichkeitsverbrechen zum Opfer gefallen war. In dieser Richtung gingen zunächst auch die Nachforschungen der Mordkommission. Die kleine Rosemarie. Boddin selbst konnte nicht befragt werden; sie war die ersten Tage völlig bewußtlos und ist auch heute noch nicht vernehmungsfähig. Als Rdsentarie-die Besinnung wieder erlangte, legte sie eine schreckliche Angst vor der Mutter an den Täg und jammerte immer wieder di« Pflegerin an:„Mutti nicht kommen!" Bei einer plötzlichen Durchsuchung der Wohnung des Ehepaares Boddin sand man in einer Sofaritze versteckt die beiden goldenen Ohrringe der Kleinen, die von der Mutter als geraubt angegeben werdest waren. Auch einige verschwundene Kleidungsstücke des Kindes wurden aus Verstecken hervorgeholt. Frau Boddin, die sofort auf das Polizeipräsidium gebracht wurde, leugnete Zunächst, legte aber nach einem sechsstündtgen Ber- bor unter der Wucht der Beweise schließlich ein G e st ä« d n i s ab. Allerdings sucht« sie den Sachverhalt so darzustellen, daß sie selbst lebensüberdrüssig gewesen sei und mit dem Kinde de» Tod suchen wollte. Sie habe, nachdem sie Rosemarie ans die Schienen geworfen hatte, selvst nachspringen wollen, dann aber nicht mehr de» Mut dazu gehabt. Die Kriminalpolizei hält auch diese Darstellung für erlogen und ist überzeugt' daß es Frau BoÄin lediglich um den B e r s r ch e- rungsbetrag zu tun war. Dem Ehepaar Boddin, das von Wohlfahrtsunterstützungen lebt« ging es sehr schlecht. Di« Frau trieb sich viel umher und sucht« Mannerbekanntschaften. Andererseits verlegte sie sich auf Bettelei und di« lleirtt Rosemarie mußte ost auf Höfe» s in g e n. Da auf die Weise jedvch nicht genug Geld hereinkam, entschloß sich die Mutter dieser furchtbaren Tat, um di« Versicherungssumme von 4000 Mark zu erhalten. Dienstag, 22. November 1932. sexe» Sir. 275. Schkotzen von Hührrereiergrötze. Naboom Sprnit(Transvaal), 21. November.(Reuter.) In der Umgebung von Naboont Sprint wütete gestern ein schrecklicher von Ha- gelschlag begleiteter Sturm. Nach dem Gewitter Wurden Schloßen von Hühnereigröße gefunden, die sich 12 Zoll tief in die Erde eingebohrt hatten. Durch den Hagel wurden 400 Ochsen, 2000 Lämmer und ettva 30 Ziegen erschlagen. Im Zug bestohlen? Die Gendarmerie in Taus teilte der Pilsener Polizei mit, daß am Montag vormittags der Werkleiter der Prager Firma Brnzenz 8troS, Franz Svoboda, auf einer Eifenvahnfahrt von Prag nach Taus in einem Handkoffer 15.000 Ke in bar mit sich führte und daß ihm, als er während des Zugsaufenthaltes in Pilsen auf dem dortigen Bahnsteig weilte, der Koffer mitsamt dem Gelde abhanden gekommen fei. ES haichelte sich um Hundertkronenscheine/ Svoboda bemerkte den Diebstahl erst in Taus. Sein Verdacht richtet sich gegen zwei Männer, nach denen die Gendarmerie sowie die Polizei fochndet. Aus unglücklicher Lieb«. In einem Walde bei Kascha» wurden am Montag zwei Leichen, und zwar die eines Rottmeisters und die einer jungen Fran, aufgefunden. Eine amtliche Kom- «nisiion identifizierte in den Toten den 41 jährigen verheirateten Rottmoister Zimmermann Und die 37jährige Gastwirtstochter Jolana Strauß, beide aus RoLnava. Es wurde frstge- stellt, daß Zimmermann zuerst die Strauß erschoß und sich dann durch einen Kopfschuß tötete. Nach den Aufzeichnungen in dem bei der Strauß Vorgefundenen Notizbuch wurde sesigestellt, daß die beiden freiwillig aus unglücklicher Liebe aus dem Leben scheiden. Ein blutiges Wildererdrama hat sich an der Grenze zwischen Oberösterreich und Steiermark abgespielt. Am Hochkogel im Toten Gebirge stellten zwei Jäger zwei wildernde Brüder, nahmen ihnen die Gewehr« weg, fesselten ihre Hande mit Stricken und führten sie zum Gendarmerieposten nach Alt-Aussee. Während der Eskorte gelang es einem der Wilderer, einen Revolver zu ziehen und blitzschnell auf die beiden Jäger fünf Schüsse abzugeben. Einer der Jäger wurde lebensgefährlich, der andere schwer verletzt. Trotzdem gelang es, di« beiden Wilderer der Gendarmerie einzuliefern. Einer der Jäger wäre von einer Kugel ins Herz aetroffen worden, wenn diese nicht an seinem Feldstecher ab» geprallt wäre. Furchtbarer Selbstmordversuch. Die 37jährig« Theresia Soukup hat Montag abends in ihrer Wohnung m Pilsen Selbstmord versucht. Sie entkleidete sich vollständig, begoß.sich Mit Pettv- leum und zündet« sich an. DaS Feuer am Körper der. Soukup wurde von Mietern des Hauses gelöscht. Die Soukup wurde ins Krankenhaus übergeführt, wo ihr Zustand als hoffnungslos angesehen wird. Dir Pilotin Amy Johnfton hat ihren Plan, im Flugzeug von Kapstadt nach London zurückzukehren, aufgegeben. Sie hat beschloffen, ihr Flugzeug dem 19jährigen Südafrikaner Viktor Smith zur Verfügung zu stellen, der auf dem Fluge von Kap- stadt nach London den von Amy Johnfton erzielten Rekord brechen will. Smich wird jedoch seit seinem Start in Duale nach Gao vermißt— Gestern ist in London di« überraschende Nachricht eingetroffen, daß Victor Smich gesund und wohlbehalten in der Nähe der Stadt Jyuma, 150 Meilen südwestlich von Gao, wo er ein« Notlandung vornehmen mußte, aufgefunden wurde. Die römische« Ausgrabungen. Nach einer in diesen Tagen vom Leiter der Ausgrabungen deS Forum Romanum Professor B a r t o l i gemachten Konstatierung— auf Grund von Ausgrabungen der Japans Frauen als Reserve-Armee. Japanisch« Schülerinnen werden von einem Offizier in d«r Anlegung von Gasmasken unterrichtet. Japan, das von einer reaktionären Militärkafte beherrscht« Land im Fernen Osten, geht jetzt dazu über, auch sein« weibliche Jugend militärisch auSzübilden. Viele Tausende junger Mädchen haben sich zu den Hebungen gemeldet, die in besonderen Lagern abgehalten werden. letzten Wochen— ist es sichergestellt, daß in der allernächsten Zeit in völliger Integrität die sogenannte Curia SenatuS aus den Zeiten Diokletians hergcstellt sein wird. Profesior Bartoli ineint, daß di« Aula erhalten blieb, auch nachdem di« Hadrian-Kirche auf ihr aufgebaut und als schola cantorum bis zum Mittelalter benützt wurde und' als der Senat Roms im 12. Jahrhundert ins Kapitol«inzog.'Heute steht die großartige Fasiade gänzlich da, nachdem alle Kunstöffnungen, die auf ihr später durchgeführt wurden, verschlossen wurden. Di« Jnnenarbeiten dürften ehestens beendet werden. Gesunken. Auf der Reede von Toulon.sank ein französisches Marinewasserflugzeug. 3 Offiziere ertranken. Explosion. In Penrith(England) kam es bei einem Tunnelbau zu einer Explosionskatastrophe. Neun Arbeiter«v»rdep'schwer Yerletzt... Teüfelsaustreibung I9ß2. In Roßdorfs(Oben- wall») wurden mehrere Personen wegen Mißhandlung einer Epileptikerin verhaftet. Die Festgenom- menen sind sämtlich Mitglieder der sogenannten „ZionSgemeinde", di« in Roßdorf neben einem Bethaus«in modern eingerichtetes Erholungsheim, für seelisch Erkrankte besitzt. Die Roßdorfer Zionisten pflegen nun seit längerer Zeit besonders merkwürdige Behandlungsmethoden anzuwenden. Sie sind »er Meinung, daß nur sie, die Brüder und Schwestern der Zionsgemrinde, rein und sündeulos seien, während sie alle übrigen Menschen für vom Teufel besessen halten. Sie bemühen sich, ihren Opfern unter allerlei mittelalterlichen Hokuspokus und verschiedenen körperlichen Prozeduren den Teufel auS- zutreiben. Ein 20jährige S, oft an epileptischen Anfällen leidendes Mädchen, das sich gegen die TeufelauStrelbung wehrte, wurde in der Wohüung feiner Eltern von Mitgliedern der ZionSgemeinde überwältigt und von der eigenen Mutter so fürchterlich mißhandelt, daß es unter schweren Verletzungen zusammenbrach. Spiel mit dem Tode. Eine Anekdote von Manfred Sturmann. Der Marquis de Röchet, Pair von Frankreich und ehemaliger Vertrauter des Röntg«, hatte drei Jahrzehnte hindurch mit seinen boshaften Stretchen und Kapriolen Hof und. Gesellschaft von Paris in Atem gehalten und es schließlich so weit getrieben, daß ihn keiner mehr emp- ftttg. Er, der ehedem der Meistbeneidete gewesen, eine glänzende Erscheinung der Salons, und die Fäden aller Intrigen beherrscht hafte wie ein Marionettenspieler die feiner Puppen, lebte als Sechzigjähriger völlig einsam- in feinem Landhaus vor Paris. Er beschäftigte sich damit — man raunte.es sich ängstlich zu—, seine Memoiren zu schreibens die nach seinem Tode in Druck^gegeben werden, sollten. We.r.. nls.- ZHst. aenoss^HochM.eine Mllc ip dpx HeMHM as- splelt-hockte, sah dem, Erscheinen dieser Erm- nerungen mit Bangen entgegen und' wünschte sich im Geheimen von diesem sonderbaren Marquis überlebt zu wetzen: fast jeden hatte er in eine unmögliche Situation gebracht— manche von den Schönen Frankreichs in den Armen gehalten. Röchet war ein großer Spötter, er würde auch ein ehrlicher Ehromst sein. Kurz, man hatte allen Grund, diese Memoiren zu'fürchten,, und darum wünschten dem Marquis alle, die es anging, ein langes Leben. Wie erschreckt also war man, als plötzlich die Kunde von'seinem Tode nach Paris drang. Waren auch Rochcts letzte Jahre einsam— sein Begräbnis wurde eine Sensation ersten Ranges. Ein Pair hat Anspruch, mit Pomp zu Grabe getragen zu werden— selbst wenn er ein Enfant terrible gewesen ist. So auch hier: unübersehbar war die Reihe der Wagen, die am Begräbnistag mm Hause RochetS hinausfuhren. Wer einen Namen hatte in Paris, ließ anspannen, um dein Toten in kostbarer Trauerkleidung die letzte Gefolgschaft zu leisten. Kette Md Sammer. Deine Fäuste sind schwielig, zerrissen und hart, weil du den Hammer schwingst. Dein Weg durchs Lebe« ist felsig und rauh, miid wurdest du, als du ihn gingst. Und eine Kette schleifst du wohl nach. Der Schweiß trieft dir von der Stirn; Staub flattert auf— du schreitest hindurch: Bo» ferne glänzt dir ein Firn. Dir scheint, als ob du zerbrechen solltest, versinke« in Schmutz und in Rot. ES spritzt der Sumpf dir um dein«» Fuß, doch d« fühlst nicht Staub und nicht Kot. Allzeit trugst du de« Hammer zur Hand, soweit du durchs Lebe» gingst. Vergiß nicht, wenn dir«in Hindernis droh: daß du ihn ermattet noch schwingst. Dann sprühe» Funken ans seinem Stahl. Schlag zu, schlag zu, daß«S klingt! Dann zuckt durch di« Rächt«in freudiges Glühn und deine Kett« zerspringt. Hans Honheiser. In der großen Hall« des Hauses war der Sarg aufgebahrt, feierlich knisterten die Kerzen» die m mächtigen Kandelabern zu Häupten und Füßen des Toten brannten. Die schwarzgetvan- oete Dienerschaft hatte Mühe, die zur Trauerfeier über alles Erwarten zahlreich Erschienenen zu Placieren. Es schimmerten die Uniformen, es funkelten di« Orden, es rauschken die schwarzen Roben der Damen. Immer wieder öffneten sich die Türen, neue Trauergäst« trafen ein, und die Fülle des Hauses wurde geradezu beängstigend. Man wartete auf das Erscheinen der Geistlichkeit und benützte die kleine Weile, um sich flüsternd über den Toten zu unterhalten und die reizendsten Anekdötchen weiterzugeben. Es war, als hätten sich diese Leute hier weniger dazu versammelt, um einen Verstorbenen auf dem letzten Wege zu geleiten— es lag ihnen sehr daran, sich gemeimatn seiner Sonderbarkeit zu erinnern und vielleicht noch dies oder jenes über ihn zu erfahren. Sie wollten an einem gesellschaftlichen Ereignis teilnehmen und nicht zuletzt, an eine»' Modenschau. Da hörte man Schritte. Augenblickltch wurde es still. Doch wer. beschreibt das Entsetzen der Versammelten, als jetzt nicht etwa der Geistliche zu dem Sarge tritt, sondern leibhaftig der Marquis de Röchet, aufrecht und lebensfroh wie je, mit liebenswürdigem Lächeln vor seinen Gästen, die ihn zu begraben, vorhatten, sich verneigend. .:„Es freut mich,? begann Rocktet mit kräs- tiger^Stimm«,„Sie-bei mir zu sehen, sagt mir doch.-Ihre Anwesenheit) daß Sis Mich nicht vergessen haben.-Hätte ich Sie als Lebender zu mir geladen— niemand wäre erschienen. Und da ich den Wunsch hatte, alle diese vertrauten Gesichter noch einmal bei mir zu sehen, rief ich Sie als Toter her, und Sie kamen alle, ein schöner Beweis der Achtung, die Sie einem toten Manne zollen. Ich hoffe, Sie werde» mir die Enttäuschung verzeihen! Ich lebe, bei Gott, und ich bin des Lebens froh. Darf ich Sie eiickaden, auf meine Gesundheit zu trinken?"— Die Gäste, soweit sie Humor hatten, machten gute Miene zum bösen Spiel und. folgten der Einladung. Jene, welche beleidigt waren, und die es wurmte, wieder einmal einem Streiche Rochcts zum Opfer gefallen zu sein, rollten allerdings erbost in ihren Kutschen davon. Aber niemand spielt ungestraft mit dem Tode: Als der Marquis ein Jahr später wirklich starb, hüteten sich die ganz Schlauen, noch, nrals auf den Leim zu gehen, und man trug de» Pair von Frankreich unter auffallend geringer Beteiligung zu Grabe. Zweimal Karlsbad. Im Verlag Der Bücherkreis G. m. b. H., Berlin 81V 61, erschien soeben der Frauenroman„Herz in Flammen* von Berta Srlinger(Preis 4.30 Mk.). Ein Frauenleben, eng verknüpft mit der Arbeiterbewegung, von der Vorkriegszeit bis zum Ausbruch des Weltkrieges wird erzählt. Wie die tragende Figur des Romans die Welt steht, das möge die nachsolgende Episode zeigen: Im Untergeschoß deS Hotels lagen die Küche «nd die Zurichte- und Auftvafchräume. Auf einem Aufwaschtisch war Kaffeetafel für die Mädel. WaS für eins Dienstmädelkaffeetafel! Karlsbader Kaffee in Karlsbader Porzellan und Karlsbader Gebäck dazu. Freilich, es war ja nur eine ganz "llliae Kanne, und der Schnauz fehlte, und der Henkel war nur noch ein Stumpen. Und der Kaffee war dünn, er war sehr dünn: aber er war ja auch zum dritten Male ausgegossen, und daS kann keiner ohne Schaden vertragen. Und das "rot war schwarz und grob und pampig und zog sich zwischen den Zähnen und quietschte schier 'm bißl, so als ob man in weichen Radiergunimi beißt. Bozena konnte den Kaffee nicht.trinken und daS Brot nicht. essen. Ihr war web und übel. Aber es blieb ihr nicht Zeit, groß daran zu denken; es blieb ihr nicht einmal Zeit, ein Arbefts- lleid anzuziehcn. Schon stand sie oben im obersten Stock und schwang den Klopfer, daß aller Staub 'ntsctzt von dannen wich'und schlug die klein kvinztgeu Spinnentierlein rot. Endlich war es neun und Zeit zum Nachtmahl. Es gab wieder Kaffee und daS tältschige Brot. Bozena hatte noch keinen Feierabend. Äc wollte etwas Lohn haben und mußt« dafür in ihrer Freizeit bei der Küchenarbcit helfen. Für di« Stubenmädel gabs keinen Lohn. Sie kamen meistens im März, putzten und säuberten das ganze Haus und bereiteten alles für di« frenrden Gäste. Dafür hatten sie Essen und Obdach. In der Fremdenzeit mußten sie dann schaun, an dem vlätschernden Bächlein, dem sparsamen Gerinnsel der Trinkgelder ihr Bccherlein zu füllen. Gclangs ihnen nicht, so war's halt ihr eigenes Pech! Bozena klapperte mit Tellern und Schüsseln in dem warmen, fettigen Wasser. Hätte sie Nur die Speisereste nicht sehen brauchen, so übel wie ihr war. Und hätte sie nur nicht sehen brauchen, wie der Koch die Fleischstückc von den Tellern in eine große Kasserolle tat.„Tas gibt ein Gorrlasch für uns," tuschelte ihr dcr Küchenjunge zu. Sie schüttelte sich vor Ekel. Es wurde halb elf, eS wurde elf. Sie klapperten mit Tellern und Schüsseln im, kauen, fettigen Wasser. Der Zeiger ging auf zwölf, da kam die Anna:„Koinm, ich zeig dir, wo du schlafen sollst." Sie stiegen eine Treppe hinunter und kamen zu den Waschräumen: Waschküchen, Mangelstuben, Bügelstuben. Sie stiegen noch eine Treppe hinunter und standen mtn drei Stockwerke tief im Leib der Erde, vor den Schlafkammern der Mädchen. Nebenan waren die Kohlenkeller. — Drei Kammern, lang und schmal. In jeder standen vier Betten und in jedem Bette sollten zwei Mädchen schlafen. Bor den kleinen Fenstern war die Erde ellenbreit ausgeschachtet. An hellen Tagen, die droben auf Erden alles in Glanz tauchten, fiel da ein graue» Licht herein.\ Die Fenster öffnen,— das wagten die Mädel nicht. Da draußen trieben feist« Ratten ihr We^en. Ein Glühlicht gab unsicheren Schein.„Sich, hier schlafen wir zwei", die Anna deutete auf ein Bett. Es lag noch so, wie sie es am Morgen ver- laffeti. Und Bozena wagte nicht'hinzusehen und sah es nur zu gut: die Bezüge waren seit Zeiten nicht mehr gewaschen. Sie setzte sichvas kaufen, wenn ich Geld verdien", sagte sie. Bozena riß ihre Hemden aus dem wohlgepackten Korb, die Schwester Marscha so fein genäht und gestickt hatte:„Komm, nimm so lang von meinen." Nun lag sie im Bett, Zanz mrf der Kant«, »m nicht zu nah an den Schmutz und an den fremden Körper zu kommen. Und da war nicht nur Schmutz, da war auch alles voll Ungeziefer. 4)ie Mädchen atmeten tief, schliefen den Schlaf ihrer Müdigkeit. Bozena starrt« ins Dunkel der Nacht, ihre Augen brannten, und ihr Herz war schwer von verhaltenen Tränen. Am Morgen ging Bozena zu der Verwalterin.„Sie weiß es wohl gar Nicht, wie eS bei uns do ansschaut", hatte das einfältig« Herz gedacht, und nun wollte sie sich seines Bettzeug j holen und freie Zeit, um die Kammer zu säubern. Die Gestrenge sah das Mädel nur an und kugelte die Eulenauaen um und um und vergaß ihre Würde: ,,Da drunten, da drunt ists grab so, wies für eich.Dreckschlampen paßt." ...*,..' Plaudernd, nickend, lächelnd gehen die Menschen in den Straßen der Bäderstadt. Sic neigen sich bewundernd vor schölten Frauen, neigen sich begehrend vor funkelnden Steinen, vor rotem, gleißendem Golde, neigen sich, hoffärtig-knechtisch, vor Rang und leeren Ahitenaesichtern. Lachendbsintlenchtende Blumen, an den Promenaden und stille, wissende, alt« Bäum«. Reiner, keiner, zarter Dust, wie die Blutenknospen ihn hauchen, und süßlich-faulige Parfiims, der Geruch des Blutes und des Lasters um die Dirnen und Damen. — Heute ist der erftc Mai, Und durch die Straßen rollen Gümmiradler, schöne, schlanke Pferde im silbernen Geschirr, auf dem Bock Stöcke von Holz mit Leder überzogen, im betreßten Gewände der Dienstbarkeit, im Wagen die Noblesse. Noch nicht die allerfeinste, die läßt noch warten. Den Sprudelhallen zu drangen sich die Gaffer. Bozena ist unter denen, die gaffen. Sic hat ein paar Stunden frei und ist ans Sonnenlicht gekrochen. Vie steht da, benommen und ein wenig irr und wirr, und plötzlich weiß sie es: hier hat sie nichts zu suchen.„Heute ist der erst« Mai, und in den Städten und Dörfern im Land gehen sie mit der herzblutroten Nelke geschmückt, die ihre Brüder sind," Sie wendet sich heimwärts. Bitterer Zorn schüttelt sie. und Schmerz und Ekel. Ihr ist, als sek si« bestohlen- worden.^ Der eitle Reichtum, der alle Tage feiern darf, hat sie nm ihr einziges Fest betrogen. Sette 6 Dienstag, 22. November 1932. Air. xry. PHAfiEB lEITClWi. M!MWe©inoaemeinöe in Prag. Ncugründung eines Arbeiter-Gesangvereins. Sonntag vormittags fand im Heine-Restaurant in der Fochova die konstituierende Versammlung der'„Proletarischen Siliggemeirche in Prag" statt, eröffnet vorn Genossen Tr. Strauß als dem Sprecher-er Proponenten. Den Anstakt der Versammlung und.damit der Tätigkeit dieser neuen deutschen proletarischen Organisation in Prag bildet« ein Vortrag des Genossen Han et. j ch e k, der sich mit den Aufgaben und Zielen des Arbeiter-Gesangvereins befaßte'und bereits in sehr dankenswerter Weise das unmittelbare unweitere Programm, der Singgemeinde umriß. Nach dem beifällig aüfgenoinmenen Vortrag würden von der Versammlung die Statuten genehmigt und sofort beschlossen, daß die Singgemeindc sich dem Deutschen Arbeiter-Sängerbund in der Tschechoslowakei als Mitglied anschließe. Die hieraus dnrchgeführten F u n k- tivnärwahlcn ergaben einstimmig: Ob- manu D r. G a t t« r m a n n, Stellvertreter Hollmann, Schriftführer Hammerschmidt, Zahlmeister' Brückl, Beisitzer Goldschmidt und Czcck, Ersatzmänner' Ferby und Hoftnann, Revisoren Friedmann und Siegl; am Chormei sie r wurde Genoss« Janet schek bestellt. In einer Wschselrede, die von dem starken Interesse der Versammlungsteilnehmer an der neuen Organisation und ihrer zu entfaltenden Tätigkeit zeugt«, wurden gleich dringlichste Fragen der Propaganda und der Administrative behandelt. Mit herzlichem Dank wurde von der Bersammlung ferner zur Kenntnis genomnten, daß der aufgelöste Gesangverein„Gutenberg" nicht nur den Hauptstock seiner Mitglieder ip die Proletarische Singgemeinde überführt und ihr sein Archiv übergibt,, sondern daß der Klub deutscher Buchdrucker, dem neuen Arbeiter-Gesangverein in jeder Hinsicht, so vor allem in der wichtigen Frage des Vereinslokals, unterstützen werd«. Nach Schluß der hoffnungsvoll verlaufenen Bersammlung trat der Ausschuß sofort zu seiner eksten Besprechung zu- C* men, unter dem Borsitz des Obmanns Dr. lbert Gatterntann, an dessen Adresse(Sntichov, Zborovska 48, Telephon 44622) all« Anfragen und etwaige Beitrittsmeldungen zu richten sind. Die gesamte deutsche proletarische Oeffent- lichkeit Prags wird gewiß diese Gründung einer Proletarischen Singgemeinde mit Freuden zur Kenntnis nehmen; nicht nur weil damit die Basis deutscher sozialistischer Arbeit auf Prager Boden erweitert wurde, sondern auch deshalb, weil cs sich hier. um di« Schaffung einer Organisation handelt, deren Alangel bisher als klaffend« Lück« in den Möglichkeiten deutscher sozialdemkoratischer Kulturarbeit auf Prager Boden empfunden wurde. Dies« nun erschlossen« Möglichkeit sozia- listisch-künstlerischer Betätigung, der Freude am Chorgesang, des wirkungsvollen und notwendigen Mitarbeitens an der Durchgeistigung und Durch- seelung klassenbewußter Arbeit durch das Mittel der Kttnst wird zweifellos von vielen Freunden und Freundinnen wertvoller volksmäßiger Chorkunst beachtet und ausgenützt werden. Jedenfalls ist zu hoffen, daß all« übrigen deutschen proletarischen Kulturorganisationen in Prag ebenso wie die Partei diesem neuen Zweig alle Aufmerksamkeit schenken werden. Wir selber geben der Proletarischen Singgemeinde, über deren Erstehen wir uns außerordentlich freuen, die Versicherung zum Geleite, daß auch wir ihr alles gebührende Interesse entgegenbringen wolle»,« um ihr bei ihrem Aufbau und Ausbau zu helfen. Bevölkerungsbewegung i« Prag im IM 1932. Nach der soeben erschienenen neuen Numm«r der Monatsbericht« des Statistischen Amtes der Haupt- stabt Prag wurden im Monate Juli l. 2. 1016 Ehen geschlossen. Die Zahl der Lebendgeborenen betrüg 818, die Zahl der Verstorbenen 715(hievon starten an Tuberkulose 99, an Krebs 199, durch Selbstmord 16 Personen. Der Geburtenüberschuß betrug 103 bezw. auf 1000 Einwohner 1.3. Nach Prag zugezogen sind 7682 Personen, aus Prag abgcwandert 12.004 Personen. An Besuchern zählte Prag 181.261 Personen, hievon waren 133.804 aus der Tschechoslowakei, 17.487 aus dem Auslande(Wirkung des Sokolkongresses; dl« Besucherzahl im Juli 1931 betrug nur 53.731 Personen). Dir Ttaatsbahndirrktion Prag wird für die Tage vom 8. bis 11. Dezember einen Sonder- ausflugSzug in das Riesengebirg« ab- fertigen. Der Preis beträgt 215 K pro Perlon. Besitzt werdea folgende Bauden: Koliner Baude, Sokolbaude, Geiergückc und Spindlermühle. 2lbfa.hr t von Prag am 8. Dezember etwa um 4 Uhr frAH, Rückkehr am 11. Dezember um 22 Uhr. Anmeldungen an der Kassa Nr. 13 auf dem Masarykbahnhof. Anzahlung 80 K. Arbeiter-Ti»rn- und Sportverein Prag. Mittwoch, den 30. November, halb 8 Uhr abend«, ordentlich« Generalversammlung im Hotel„M o« o p o l"(gegenüber Aukunftsseit« des MasarhkbahnhoseS). Di« Mitglieder werden um vollzähliges nnd pünktliches Erscheinen ersucht. Die Leitung. Geriditssaal Lor dem geübten Morsprozeb dieses Jahres. Prag, 21. November. Donnerstag beginnt der für drei Tage berechnet« Mordprozeß V ä 1«1, der den Höhepunkt des ganzen laufenden G«richts- jahreS darstellt. Angeklagt ist«ine Frau, die ihre» Matten unter bestialischen Umständen abgeschlachtet hat. Es handelt sich um einen Prozeß, der in di« Annalr« der Kriminalistik als Sonderfall eingehen dürft«. Dieser Fall beschließt zugleich die letzte SchwurgerichtSperiode dieses Jahres. * Heut« verhandelte das Schwurgericht in geheimer Verhandlung eine Anklage wegen Notzucht. Angeklagt waren der 22jährige Franz 6erny und der^jährige Wenzel 0 ermäk, denen die Anklage zur Last legt, am 6. Juni d. I. beim Dorfe Malä DobrL bei Kladno auf der Heimkehr von einer Tanzunterha l- lung«in Mädchen mit Gewalt mißbraucht zu haben. Beide Angeklagten wurden auf Grund des Erkenntnisses des Gcschworenenkollegiums zu je einem Jahr schweren Kerkers verurteilt. Sine„tzrzieherku", die für die ZwangsarbeitsanstM reif ist. Prag, 21. November. Tanja S c t y ch o w s k a, ein« russische Emigrantin, 29 Jahre alt, steht wieder einmal wegen Diebstahls vo» Gericht: Tas Strafregister besagt, daß sie wegen des gleiche» Deliktes bereits fünf Vorstrafen hinter sich hat. Daß es sich dabei nicht um Kleinigkeiten handelte,, beweisen die zugemessenen Strafen, unter d?pensich Kerkerstrafen von einem und von zwei Jahren befinden. Diese Angeklagte hatte es wohl nicht nötig, sich auf die kriminelle schiesi Eben« zu begeben. Manche Stellenlose hätte sich beglückwünscht, bei der Stellen« Freie Setetaignng soz Akademiker. Donnerstag, 24. November, halb 29 Uhr, Prof. Dr. Ludwig Wahr mund-Gedenkfeier. Ort: Klementinum, Hörsaal k(Eingang Karlova). suche von solchem Glück begünstig!.zu sei», wie dies« Emigrantin. Mess Frau sand Anstellung als St« zi e h e r i». Mer diese Stellungen- waven- für sie nur Gelegenheiten, sich auf andere Art Geld zu ver- schaffen. Kurzum: st« stahl, was sich stehlen ließ. Diesmal Ware« es Schmucksachen und Bargeld inl Gesamtwerte von etwa 6000 K. Aus der Verlesung der früheren Akten kamen noch verschiedene andere Dinge zum Vorschein, die dieser„Erzieherin" ein übles Zeugnis auSstellen. So hat sie auf dem Friedhof einer Frau die Geldtasche geklaut u. dgl. Das Sonderbare ist nur, daß die Vorstrafen ihr bei der Stellungssuche nicht das mindeste geschadet haben, während doch sonst die kleinste und unverfänglichste Vorstrafe hin- leicht, um den manuellen oder geistigen Arbeiter in den Augen der Herren Dienstgeber zu disqualifizieren. Run ja— es war eben eine russische Emigrantin, die bei den Herren Patrioten eine Vorzugsstellung einnimmt vor plebejischen„Volks- genossen". Der Senat des OGR. Mräzek teilt« diese Meinung nicht. Er verurteilte die Angeklagte zu achtzehn Monaten schweren Kerkers und sprach die Zulässigkeit ihrer Inter- „Fiinf vou der Jazzband." Wann immer wir einen- Film von Erich Engel sehen, werden wir angenehm überrascht. Bor allem gehl es hier ohne Provokation des Verstandes und der Vernunft; den Leuten fällt nichts vom vollen Himmel der Gesellschaft fin den aufnahmebereiten Schoß; sie sind nicht' fleißig und für die Zufallskarriere dankbar; sie singen sogar nicht, trotzdem st« in Bars sitzen und auch lieben, ja nicht einmal in dunkler Mit.ernacht packt sic des Films bekannt« Sangeslust. Bier Jungens brauchen zu ihrer Jazznummer ein« Attraktion; und da die heutige Woll wenig aufs Können gibt—. die Technik ihrer Schlager ist ausgezeichnet— muß es eine Zirkusnummer sein. Sie erwählen die kleine Jeny Jugo, um sie als Abschluß und Sensation in di« Pauke fallen zu lassen. Etwas jkriminalverwicklung gibt der leichten Geschichte Spannung und erinnert verteufelt anLupuPicks letzten Film„Gassenhauer", der als weiteres PluS noch recht gute Musik gebracht hat. Aber Engel, der Meister des Detailhumors, komrpt auch ohne sie aus, sein« Atelierbtlder find nicht einen Moment fad, die vier Jungens S t e p a n e k, Goth, Klippel und Bogdt spielen forsch und ungeziert. Jenny Jugo ist bis zur Trun- kenheitsszene reizend und Theo Shall zeigt ein herrliches Gebiß. Man vdrläßt das Kino in angenehmer Stimmung und hofft, daß sich solche Pro- duktion etwas breiter machen wird: allerdings mit Sport- Spiel* Köroerpflene Dir Tisch-Tenuis-Mannschast des Atus Prag konnte in der Vorwoche im Ligameisterschaftsspiel gegen DTJ. I—V leicht und sicher mit 7:2 gewinnen. „Der Weltrekordier Lodoumegue— Arbeitersportler." Unter diesem Titel melden bürgerliche Sportbläyer, daß Ladoumegu«, der vom bürgerlich- frauzüsischen Leichtathletikverband lebenslänglich gesperrt wurde, zum französischen Arbeitersporwerband übergetreten sei,„wo er mit offenen Armen empfangen wurde". Bürgerlicher Sport. In der Profi-Meisterschaft wurde am Sonntag di« Herbstrunde beendet. Sparta sicherte sich den Titel eines Herbstmeisters, trotzdem sie gegen Viktoria. 2i-kov nur 2:2(1:2) spielte. Bei Sparta versagte, wie schon in den letzten Spielen, der Sturm; Viktoria spielt« sehr aufopfernd.— B o- hemians schlugen den Teplitzer FK. mit 5:3(2:3), obwohl zu Anfang nach kurzer Zeit die Teplitzer schon mit 3:0 in Führung lagen.— Slavig' besiegte SK. Nachod mit 6:1(3:1) und die Pilsener Viktoria verlor in Kladno gegen: SK. 2:0(1:0).— In Pilsen trennten sich S K. und S K. L i b e ö mit 2:2(1:2).— In der zweiten Liga hat öechie Karlin seine führend« Stellung durch einen 6:1 Sieg über Meteor VUl gesichert; Nwselstv SK. schlug SK. Lideüice 5:4(3:1), 6AFC. gegen 6cchi« VIII 0: 8(3: t), SK. Rakonitz gegen Slavoj LiLov 8:0. TFT. gegen Sportbrüder 6:0(2:9). Eine zahme Angelegenheit. Die Sportbrüder hielten nur eine halb« Stunde stand, dann trat die Uoberlegen- heit des DFC., trotzdem alle Schwächen noch nicht überwunden sind, klar zutage. Sonstig« Ergebnisse. B u d w«i s: DFC. gegen SK. Bicrbös 2:1-(1:0), öäft. gegen Linzer AL. 6; 0(tz: 0).— Karlsbad-. KFK. gegen DSB- Zwodau 7:1(5:0).— Komotan: gegen FK. Sobörten 3:1(2:0).— Kaaden: DSV. Saaz gegen DFK. 1:0(0:0)!— Brüx: DTK- gegen Schwalbe 4:2(1:0).— Nestomitz: SpVg. Bodenbach gegen DFK. 7:0(4:0).— Gablonz: BSK. gegen DSV. B.-Leipa 6:0(3:0), DTK- gegen SK- Grottau 6:1(3:0).— Reichen, berg: RSK. gegen DFK. 4:4(2:2).— W a r n s- dors: WFR. gegen DSV. Trautenau 5:0(4:0). — B rsi rt n: DSV. gegen DSK. Brno 4:4(3:1). — Troppau: Ratibor 03 geg. DSV. 5:4(4:1). -- P r e ß b u r g: Donaustadt gegen Ligeti 3:0 (0:0).*— Budape ft: Ferencvaros gegen Ujpest 3:3.(2: 3), Hungaria gegen Budai 1:0(1:0).— Wien: Vienna geg. Flor. AC. 3:2(1:1), Austria gegen Rapid 2:0(0:0), Admira gegen Hakoah 1:0(0:0), Wacker gegen Liberias 2:1(1:0).,— Münch«»:: Bayern gegen Teutonia, 0,:-0, 1860 gegen, Wgcker. Ar4r'-.s- Niir n 6$ M. gegen Germania 1:i. Fürth: SpBg. geg. VfR. 1:1. Mitteilung aus Dem Publitmu. Sorgfältige Kontrolle während der Erzeugung. In der Nummer unleres Blattes vom 19. November. veröffentlichten wir unter obigem Titel eine M tteilung, di« leicht so aufgesaßt werde» könnt«, daß die Päla-Werke im Schlan täglich nur 6000 Batterien erzeugen. Die Mitteilung war jedoch so zu verstehen, daß 6000 verschiedene Batterien und Elemente in eigenen Laboratorien, welch« die Ptzlä- Werke eigens zu diesem Zwecke errichteten, unter ständiger Kontrolle sieben, darunter auch solche, die bereits vor zwei, ja sogar drei Jahren erzeugt l wurdcht. Diese Batterien werden in regelmäßigen Abständen belastet und gemessen, so daß ihre Lei. ' stungSfiihigkeit und Dauerhaftigkeit genauest verfolgt wird. Dank diesir, unter unsiren Verhältnissen ! gewiß e'nzigartigen Einrichtung, erreichten die PÄa- Batterien eine so hervorragende Qualität, daß di« tägliche Erzeugungsmenge heute einige zehntau- I send« Stück übersteigt 1787 besserer Ideologie und ohne alt« Filme nach- zuähmen. „Jonny raubt Europa." Diese„Europa" ist weder ein« Frau, noch«in Symbol, sondern ein schönes Rennpferd; und der dazugehörige Hund „Greif" kohlrabenschwarz. Jonny selbst verliert alles, und in solcher Lage ist es klar, daß man di« schöne und noch reichere Amerikanerin und eine Reise an die blau« Riviera erringt. Das geht mit Hilf« der treuen Tiere ganz leicht und ist ja allgemein üblich; außerdem gibt es noch eine böse Bande, die dem guten Rennpserd um keinen Preis, dieser Weltselbst di« schöne Ursula genügt nicht— den Start gestatten will und so kann Harry Piel wieder einmal zeigen, was so ein mittelloser Tgu- 'endsassa alles trifft. Da vieles an der herrlichen Reviers gedreht ist, wirkt der Film recht gut, die ichmiss-ge Synchronmusik ist diesmal recht gelungen und die ganze Naivität' hat ein auf guter Routine rußendes Tempo. Der wahr« Star ist der schwarze Herr Hund, dessen Leistung einfach begeistert;.erfolgreich machen ihm die treuen und klugen Augen des Pferdes Konkurrenz; weniger gelingt dies der blonden Hary Holm und ihrem Gatten Harry Piel, deren unbegabte Schahlonen-Fratze ehrlich langweilt. Vornehm und tadellos wie immer sehen wir Alfred Abel. Das Publikum nimmt diesen Reißer dankbar auf, womit noch nicht viel gesagt ist. nrerung in der ZwangSarbeitsanstalt nach verbüßter Straf« aus. rb. Kino von heute. w Kinderfreunde Vrag. Mittwoch, den 23. November 1932, um 3 Uhr, Kindernachmittag, verbunden mit einer Kinderjause nnd Vorführung einiger schöner Filme. Funktionäre, Achtung! Dienstag, den 22. November 1932, im„Sozialdemokrat" nm halb 7 Uhr abends wichtige AnSschußsitzung. Eishockey. I» Prag trafen am Samstag LTC. und.Berliner. Schlittschuhklub aufeinander und gewannen die Prager mit 3:1(2:0, 0:1, 1:0). Die Berliner kamen direkt vom Zug auss Eis. Am Sonntag fand ein Städtespiel Prag- Berlin statt, das unentschieden 1:1(1:0, 0:0, 0:1) endete und die Berliner in besserer Verfassung zeigte als am Vortag.-— Paris: Städtespiel London gegen st>aris 2:1(0:0, 1:0, 1.: 1).. Erst ist mau begeistert, daun pfeift mau aus ihn- Nämlich auf Tilden, dem bekannten amerikanischen Tennis-Profi, der derzeit Europa mit seiner „Kuns»-' beehrt. In Malmö war.der Ches der Tilden^Truppe nicht in„Form", spielt« bmids- miserahel und„kritisierte" den Schiedsrichter. TaS enttäuschte Publlkum pfiff daraufhin den„Star' regelrecht aus. Kunst und Wissen Arbeitervorstcllung„Dir drei Musketier«", Op<- ceuenrevue, am Sonntag, den 27. No vember,’ um halb 3 Uhr nachmittags im Neuen Deutschen Theater.. Karten täglich bei Opfiker Deutsch, Graben, Palais Korupa. Herbert Janssen,.Heldenbariton der Berliner S.täatspper und der Bayreuther Festspiel«, singt Mittwoch den Jago im Othello". Gesamtgastspiel des Dresdner Itaatstheaters: „Tie Jungfern von Bischofsberg'(Gerhart Hauptmann-ZykluS III) mit Antonia Dietrich, Stella,‘ David, Walther Kottenkamp, Erich Pont», L»is Rainer, Felix Steinbock etc. Regie: Georg Kicsau. Außer Abonnement. Vorverkauf hat begonnen. • Montag: IL Philharmonisches Konzert. Solist: Arthur Schnabel. Um den von zahlreichen Abonnenten geäußerten Wünschen Rechnung-;u tragen,- ist die Direktion bereit,. Gutscheine aller Serien' auch für das II. Philharmonische Konzert gelten zu, ,lassin. Es wird aber dringendst um baldigen Umtausch der Karten ersucht. Vorverkauf hqt beaoync», Wochenspielplan des Neue» Deutsch« Theaters. Diepstgg, 7L0 Uhr:„Der Zigeunerbaron* (B. B.)— Mittwoch, 7.30 Uhrt„Othello"(B l), s— Donnerstag, 7.30 Uhr:„Ich habe ein«« Engel geheiratet"(C 1).— Freitag, 7.30 Uhr:»Falstaff"(D 1).— Samstag, 7.30 Uhr: .Hauptmann-Zvklus III: Ensemblegastspiel. des Dresdner Stadllheaters:„Die Jungfern vom V i s ch o f s b e r g".— Sonntag, 2.30 Uhr: Arbeitervorstellung:„Die drei Musketiere"; 7.30 Uhr: Gastspiel Kern-Roswaenge:„R i g o l e t t ö"(A, A.)- Wochrnspielplan der Kleinen Bühne. Heule, Dienstag, 8 Uhr:„Dreimal Offenbach" —s Mittwoch, 8 Uhr:„Bitte,. erhören Sr« meinen Mann"(Bankbeamten II).— Douners- >:ag, 7.30 Uhr:„Essig und Oel"(Erstaufführung).— Freitag, 8 Uhr:„It. Stock, Tür 19" (Kulturperbairdsfreunde).—. Samstag. 8 Uhr: »Essig und Oel".— Sonntag, 3 Uhr:„Weekend'; 8 Uhr:„Essig und Oel". Aus der Partei Jugendbewegung. Sozialistische Jugend. Heut« 3. Schulungsabend. 1. Kurs im Heim der S. I. I(Fügnerplatz), 2. Kurs im Heim der S. I. II(Odborpvy dum).. 2. I. Prag— Kreisleitung. Mittwoch, Verein deutscher Arbeiter, pünktlich. um halb 7 Uhr. Rote Falken, Prag. Heute, 6 Uhr, Verein deutscher Arbeiter, Basteln! Schein, Nähzeug, Klebstoff mitnchmen! Freie Bereinigung soz. Akademiker— S. I. H> Heute, Genoss« Rehwald, Seminar„D i e W i r t- schäft seit dem Kriege". u dar tzelm des klaffevbevmhlev Arbeiters gehört-. Aevtralorgmi. Deutschen sozlaldemokr. Arbeiterpartei „Sozialdemokrat"— 99 20 Pftnn /f Die größte illustrierfe Wocftenscftri/b frMfteint feden fonntafi Üftera» erMHtlielk Iworlliche, Nedaktear Dr Ems 6»st«« E»gch«üin>gt» Preitnachiatz.— Küchüllung»»» Mannjtupre, ilkosg, m»»«I Einsenbnn, ba Rrtaurnisrf«», H« r»»» geb« r. Piagjr-.-» r,,»- Sh e t r r. Dilhel» Mtetznee- v»».— Du Zeiiunggsarteniraakatn, wurde»o» d«, Bost. ,. r«Iearavh«udireklim>«ti tzaidjuhrig IU»Utti-Hrig K« U8,—, gui-uat« werden Ust