12 Jahrgang. Donnerstag, 24 November 1932 Nr. 277. Ergebnislose Verhandlungen m Bergbau. Fonsettunt im Arbeiten- mlnlsierium. Brüx, 23. November. Heute haben die Verhandlungen über di« Forderung der koalierte» Bergarbeiterverbänd« und der Jcdnota horniku wegen Verlängerung der Prager Vereinbarungen vom 14. April 1932 mit dem Verein für bergbauliche Interessen in Teplitz-Schönau begönne.,. Rach längerer Aussprach« stellten die Vertreter der Unternehmungen konkret« Abände- rungsanträgc, die sie als B e d i n g u n g für eine Verlängerung erklärten. Die Vertreter der Bergarbeiter erklärten, daß sie diese Vorschläge erst ihren verbände« unterbreiten und dies« hiezu Stellung nehme« «ätzten. Es wurde daher die Vertagung der Verhandlungen beschlossen und vereinbart, dieselben beim' Mini st«rium für Ssfent- liche Arbeiten fortzusetzen. Amerika besteht aut Bezahlung Höchstens Transier-Auischub Mr Ule Raten. Washington, 23. November Nach Aussprach« mit Roosevelt hat Präfident Hoover seine Anfichte« in der Schuldensrag« in einem längeren Exposee dargelegt. Darin spricht er sich gegen dir Streichung und auch gegen de« Aufschub der am 18. Dezember fälligen Kriegsschuldenrate aus, schlägt jedoch vor, die amerikanischen Delegierten auf der Abrüstung-- und Weltwirtschaftskonferenz zu bevollmächtigen, Verhandlungen mit den Schuldnerregierungen zu führe«. Diese Verhandlungen sollen sowohl die künftige Zahlungsfähigkeit der Schuldnerstaatest zum Gegenstand habe« wie auch dazu dienen, Mittel «nd Wege zu finde«, durch die die Zahlung erleichtert werde« kau«. Verwiese« wird i« diesem Zusammenhang« aus eine Verminderung der Rüstungs- ausgabe« als eines der möglichen Mittel, oder auf die Anbahnung«ineS lebhafteren Warenverkehres sowie sonstige Methoden, die jedoch die Lasten des amerikanischen Steuerzahlers nicht erhöhen dürfen. Falls ei« Transser unüberwindliche Schwierigkeiten machen sollt«, sieht das Expos« Hoovers als Notmatznahme die Deponierung der Ratenbetrage in den Schnldnerlän- d« r n zugunsten Amerikas vor. Hoover weist das Argument der Alliierte« zurück, datz das Lausanner Abkomme« etwas mit Amerika zu tun habe. Amerika erhalt« kein« Reparationen und könne daher nicht di« ausgefallenen Reparationszahlungen durch eine Streichung der Kriegsschuldenleistungen balancieren. Als feststehend« Auffassung wird betont, datz sich die Alliierten, anders als bei den Reparationen, bei de« Kriegsschulden freiwillig zur Rückzahlung verpflichteten und anerkannten, datz nur ein« tatsächliche Zahlungsunfähigkeit Grund zur Revision bieten könne. Trotzki im gastfreien Dänemark. Esbierg, 23. November. Ter Dampfer„A. P. Bernstorfs" mit Trotzki an Bord, traf ge«m 14 Uhr hier ein. Einem Vertreter de- Ritzau- Bureäus übergab Trotzki eine schriftliche Erklärung, in der er seiner darüber Aus druck gab, da-,gastfreie Dänemark zum-peilen Male in seinem Leben besuchen zu können, in dem er sich vor 25 Jähren anläßlich des. Internationalen Sozialistenkvygrestcr qusgehalten habe. Er komme auf Einladung der söriäwemoickätischen Studentenorganisation, um über die russische Revolution eine» Vortrag zu halten. Tas Ziel seines Vortrages sei, die geschichtlich« Gesetzmäßigkeit der russischen Revolution klarzulegen. Den Vortrag werde er in deutscher Sprache halten, da er drc dänische nicht beherrsche Um 14 Uhr 48 hat Trotzki die M'ise nach Kopenhagen angetrcten. * In Marseille ist es dem Sonderberichterstatter des-.Petit Journal" gelungen, mit Trotzki einige Worte zu wechseln. Neber feine Meinung von der Gegenwart befragt, antwortete Trotzki, es geb« in der Welt eine revolutionäre Situation und revolutionäre Parteien, die daraus keinen Nutzen zu ziehen müßten. Stalin hab« auf den Internationalismus verzichtet, obwohl gerade die Weltkrise dem Triumph dieses Gedankens günstig sei. Die sei Stalins großer historischer Fehler. ■ Thomas von Aquino habe den Satz ausgestellt, daß es nur einen einzigen Fehler Mbe, den man nicht verzeihen dürfe, nämlich die D u m m- h e i t. Dieses Fehlers beschuldigt Trotzki Stalin. Neurath sondiert Genf, 23. November. Ter deutsche Außenminister Freiherr von Neurach hatte am Mitt-' woch nachmittags tvährend der Ratssitzung ent: längere Besprechung mit dem englisebsn Außen-' Minister Simon in den Borräumen des Rats-' saäles. Bor der Ratssitzung suchte der qmeri-, konische Delegiert« Norman Davis den französischen Kriägsministcr Paul B o n c o u r aus. Ein Gerücht will wiffen, daß in der kommen-! den Woche eine gemeinsame Besprechung der Bertretn Deutschlands, Großbritanniens, Frankreichs, Italiens und Amerikas in Aussicht genommen sei. Nachspiel In ticni. Genf, 23.' November.(Erg. Drahtb.) Am Dienstag ist der Ä l a r m z u st a n d des Genfer Jnfänterie-Rägements 3 und des Landlvehr- Bataillons 103, der seit dem Blutbad vom 9: November verfügt• nxn, aufgehoben worden, r In der Zwischenzeit har der Untersuchung«-« richtrr, Dutzende von Teilnehmern an der am» fascistischen Demonstration verhaiten lasten. Mehr als fit) sehen zur Zeit im Gefängnis ihrer Aburteilung entgegen. Zum BundeSrichter sür den erst in einigen Wochen zu erwartende« Monstreprozeß wurde der Präsident des neue« Uant-'nalg^richts Du Pasou ier ernannt. Er ist Lbrrstleutnaat m der MLizarm«» Hitler will unbedingt Diktator sein Reichskanzler in einem parlamentarischen Kabinett seiner unwürdig. Berlin, 23. November. Di« Antwort Hitlers ans das gestrige Schreib«» des Staatssekretäre Meißner wurde erst am Abend um halb 7 Uhr durch de« Reichotaaspräsidentcn Göring de« Staatssekretär Meißner übergeben. Der Brief umfaßt siebeneinhalb Seiten. Neber den Inhalt des Schreibens teilt die Pressestelle der NSDAP mit, daß di« Antwort— unter eingehender Begründung— zum Ausdruck bring«, daß Hitler den ihm vom R«ichch>räsidente« übergebenen Auftrag einer kein parlamentarische« Lösung der Regierungskrise nicht übernehmen könne, weil er in Verbindung mit den gemachten Vorbehalten innerlich undurchführbar sei.„Angesichts der trostlosen Lage unseres Vaterlandes, der immer steigenden Rot und der Verpflichtung für jeden einzelnen Deutschen, sein Letztes zu tun, damit Volk und Reich nicht im Chaos versinken", habe Adolf Hitler dem Herrn Reichspräsidenten«inen klar umrissenen Vorschlag unterbreitet, durch den in kürzester fixierter Frist die Regierungskrise gelöst werden könne. Der Vorschlag schließe mit dem Versprechen Hitlers, bei seiner Annahme sowohl seine Person wie auch seine ganze Bewegung für die Lösung der Regierungskrise und damit„für di« Errettung des Vaterlandes einzusetzen. "Nach Mitteilungen von anderer Seile enthalten die ersten sechs Satten eine sehr ausführliche Auseinandersetzung/mit den Argumenten des gestrigen Briefes des StaatssÄretürs Meißner. Der eigentliche Vorschlag Hitlers ist in den letzten anderthalb Setten enthalten. Aus einer Reihe von Umständen läßt sich der sichere Schluß ziehen, daß er auf ein Präsidialkabinett unter HitterS Führung hinausläuft. Offenbar ist die Formulierung aber fo, daß der Vorschlag nicht als Hitlers letzte« Wort aufgefaßt werden kamt. Dafür spricht auch die Tatsache, daß Goering bei der Usberoeichung der Antwort ausdrücklich den Wunsch ausgesprochen hat, daß die Fäden zwischen dem Büro des Reichspräsidenten und Herrn Hitler nicht abgerissen, sondern die Verhandlungen unter allen Umständen fortgeführt werden möchten. Ebenso hat Goering dariun gebeten, Hitlers Vorschlag als solchen vorläufig geh c i m z u h al te n, damit die weiteren Verhandlungen nicht gestört iverden. Die weiteren Verhandlungen sollen nicht schriftlich, sondern mündlich in der Form fort- gcsetzt werden, daß eirtweder der Reichspräsident Adolf Hitler erneut empfängt, oder Staats- sekr.ttär Meißner di« Verbindung aufrechterhält. * In der Umgebung des Reichspräsidenten ist man jedoch v e r st i m m t über die Art, Ivie die Antwort-Hitlers in dem oben zitierten Komm»-! nigue der NKDAP bekanntgegeben wurde. Es wird darauf verwiesen, daß auch alle früheren Auntäg« zur Kabinettsbildung an ändere Persönlichkeiten vom Reichspräsidenten immer limitiert worden sind. Tas galt auch für Papen, dem seinerzeit die Bildung einer„Regierung der nationalen Konzentration" vorgeschrieben wurdet Auch unter Brüning seien derartige Aufträge, etwa„Kabinett ohne koalitionsmäßige Bindung" vorgckommen. '• Hitler habe in seiner Antwort seinerseits eine Art Verfahren für die weiteren Verhandlungen um die Kabinettsbildung vorgeschlagen, ohne übrigens bereits eine Mimsterliste aufzustellen. Di« Entscheidung über das Verfahren liege nun selbstverständlich einzig beim Reichspräsidenten. In politischen Kreisen nimmt< man an, daß er dem Wunsch, die Fäden in diesem Stadium nicht abreißen zu lasten, entsprechen wird. Die Entscheidung des Reichspräsidenten wird wahrscheinlich im Laufe des morgigen Donnerstag ergehen. Meldungen, daß morgen auch ein Empfang der Parteiführer durch Hindenburg stattfinden solle beruhen auf Kombinationen, die nicht zutreffen dürften. Ein Herzog bemüht sidi um di« Wiederansrichtung der Harzburger Front. Wie das Conti-Büro erfährt, hat Hitler jedoch am Abend mit anderen Führern der Harzburger Front oder anderen Parteiführern keine Fühlung mehr ausgenommen. Es ist aber anzunehmen, daß die vermittelnden Bemühungen des Herzogs von Coburg tveitergehen. Ter HerzogvonCoburg hat heute in der Tat die Vermittlungsaktion eingeleitet, von der schon gestern die Rede war. Er hat heute vormittag mit Hitler gesprochen, der sich einverstanden erklärt haben soll, im Laufe i^s Nachmittags oder Abends mit Hugeuberg zu verhandeln. Auch die'Führung des Stahlhelms soll in die von dem Herzog von Coburg angestrengte Kombination einbezogen werden. Es handelt sich also um den Versuch, die Harzburyer Front wieder herzustellen. Her Kampf nm den Gran Chaco Asuncion, 23. November.■ Der Kriegsminister von Paraguay erklärte, daß seiner Schätzung nach etwa 1850 paraguayanische und etwa 3000 bolivianische Soldaten gefallen oder verwundet worden seien oder seit Ausbruch des kriegerischen Konfliktes vermißt werden. Mehr als 20.000 Mann bolivianischer und paragnayanischor Truppen bereiten sich im Abschnitte Saavedra zum Entscheidurtgskampf vor, der den langwierigen Streitfall beenden soll. Die Bolivianer haben vorübergehend den Ansturm der Pärägüähaner vorn' Westen' üufgehälteN. Die Fronten wurden aus beiden Seiten durch Reser- I vcu verstarb., SM dem Preiswudier der Kartelle! In der letzten Zeit sind wir Zeugen eines empörenden Vorganges. Während allgemein die Löhne und Verdienste der Arbeiter abgebaut werden, ist auf der anderen Seit« ein ständiges Steigen besonders der Lebens- mittekpreise zu verzeichnen. So ist nach den Berichten des ShaÄWchen Staatsanrtes im Oktober ein neuerlicher Anstieg der Lehens- iccktmrgskpsten Ml verzeichnen, und zwar bei einer fünfgliedrigen Arbeiterfamilie um 1.1 Prozeitt, bei einpr viergliedrigen Beamten- fcmrilie um 1 Prozent. Hauptsächlich wirkt hier die Preisverteuerung aller Arten von Fleisch und Selchereiwaren mit, ebenso jene von Schweinefett. So ist bei Rindfleisch eine Preissteigerung um 15 Prozent festzustellen, >ei Kalbfleisch sogar wn 20 Prozent! Die Preise für Selchfleisch, Wurst und Schweine- iett weisen eine Steigerung um 5 bis 8 Prozent aus. Der Durchschnitt der Lebenshaltungskosten einer fünfgliedrigen Arbeiterfamilie beträgt gegenwärtig 102.7 Prozent, d. h. die Preise sind bei uns in einer Pexiode des allgemeinen Preisverfalles auf den Weltmärkten mn 2.7 Prozent höher, als vor dem Kriege! Die Löhne und Gehälter müßten demzufolge mindestens das Siebenfache der Vorkriegslöhne betragen, sie erreichen. aber kamn das Fünffache. In diesen Ziffern zeigt sich das ganztz erschreckende Elend, dem wrr ausgesetzt.' sind',., und die fotckschw^tdnbe', perisievung des ganzen Volles. Da M'.Men- schen vor allem ihren Bedarf an Äbensiw.t- teln decken müssen, um nicht zu verhungern, und da sie einen beträchtlichen Teil ihrer Einnahmen für die Miete aufwenden müssen, um wenigstens ein Dach über dem Kopfe zu haben, bleichen chnen kerne Mittel für den Verbrauch von industriellen Konsumgütern, welcher demzufolge immer weiter zurückgehen muß, was sich naturgemäß in der Zeit der gegenseitigen Absperrungen von den Weltmärkten und des gehemmten Exportes für unsere gesamte Konsumgüterindustrie katastrophal auswrrken«ruß. Die gegenwärtigen Beherrscher des Win- schaftslebens stehen diesen x Erscheinungen machtlos gegenüber. Statt den Dingen auf den Grund zu gehen und dafür zu sorgen, daß ein Ausgleich zwischen Produktion und Absatz geschaffen wird, verengern sie durch ihre Wahittvitzige Preispolitik die Absatzmöglich keiten immer mehr. Es ist schon niehrfach darauf hingewiesen worden, daß unsere Jndu- strrekartelle geradezu eine Politik der Ausplünderung unserer Konsumenten betrerbcn. So stecht der Kokspreis trotz des riesigen Preissturzes, auf den Weltmärkten immer noch aus 205 Prozent des Porkviegspreises, ist also mehr als doppelt so hoch wie vor dem Kriege, jener von Kohle auf 163 Prozent, Während der Weltmarktpreis für Stabeisen 40 L beträgt-, muß unser Konsument 140 K bezahlen, für Tafelglas zahlen wir 1735' K, während der Weltmarktpreis 950 K beträgt. Da ist das Diktat des Kartells der Glühlam- penfabriken, die uns einen wucherischen Preis diktieren und selbst in dieser Zeit der Krise noch ihre Profite erhöhen. So wird berichtet, daß die Osram-A.-G. in Prag. ihren Reingewinn von 1,212.861 auf 1,409.203 Iy erhöht hat, was bei- einem Aktienkapital mm 12 Millionen nahezu• 12 Prozent ausmacht. Dabei weiß man, wie die Reingewinne zuge stutzt werden, um nur ja so wenig wie möglich zugeben und versteuern zu inüsten! Da ist das unerhörte Preisdiktat des Brauereikartells, das trotz aller Herabsetzungen der Rohstofspveise jede Preisverbilligung ebenso ablvhnt, wie es bei jedem Versuch einer Steueverhöhung auffchreit, daß die Brauereiindustrie vor dem Ruin stehe. Und ltun erfährt man, daß die Sntichower Brauerei ihren Reingewinn von 13.88 Mill. K auf 1LLZ Wst, L KWkA bcWUc mch Mchr- Seite r Donnerstag, 24. November 1932 Nr. 277 scheinlich eine Dividende von 65 Prozent bezahlen wird! Man kennt die Preispolitik unserer Zuckerbaron«, die heute Zucker um 57 Heller pro Kilo exportieren, wogegen der inländische Konsument fast zwölfmal so viel bezahlen muß, wobei auch bei allen Steuern noch für die Zuckerfabrikanten ein Vielfaches des Auslandspreises hevauskommt, so daß also der tschechoslowakische Konsument mit überhöhten Preisen das Pveisdumping des Zuckerkartells auf den Auslandsmärkten ermöglichen muß. Nicht anders geht es beim Spiritus. Doch damit kommen wir schon in die landwirtschaftlichen Sphären. Hier haben sich die Agrarier an das industrielle Vorbich gehalten und beginnen nun mit einer Preisgestaltung, die man nicht anders als gefährlich bezeichnen kann. Das Getreidesyndikat ermöglicht ihnen einen Preis, der annähernd dreimal so hoch ist wie der Weltmarktpreis. Nunmehr soll auch legalisiert werden, was man schon bisher durch die einseitige Handhabung der Devisenvorschriften ausgiebig besorgt hat: nämlich durch die Einfilhrdrosselung von Vieh eine Verknappung des Marktes und damit«inen unerhörten Preiswucher herbeizuführen. Dabei ist die tschechoslowakische Viehproduktion bei weitem nicht in der Lage, unseren Bedarf zu decken. Die agrarische Preispolitik wird freilich diesen Autarkiezustand schon herbeiführen können, indem nämlich infolge der unerhörten Preissteigerungen der Fleifchabsatz rapid im Sinken begriffen ist. So ist in den ersten neun Monaten dieses Jahves der Absatz von Schweinefleisch gegen das Vorjahr von 1,390.000 auf 1,290.000 Zentner, also um volle 100.000 Zentner, zurückgegangen, auf den Kopf der Bevölkerung umgerechnet von 9.40 Kg. auf 8.67 Kg. Demgegenüber ist zwar der Verbrauch von Rindfleisch von 8.56 Kg. auf 9.05 Kilogramm pro Kopf der Bevölkerung gestiegen, doch ist der Rückgang des Fleischverbrauches unverkennbar. Was bedeutet diese Preispolitik der industriellen und der agrarischen Kartelle? Nichts anderes als die Sicherung einer Profitrate auf Kosten der gesamten Bevölkerung! Die Herren, die sich so antisozialistisch gebärden, versuchen hier einen StaatskapitalrsnmS eigener Art einzuführen, indem ihnen der Staat und dessen Bevölkerung ohne Rücksicht auf Krise und Not einfach einen bestimmten Ertrag garantieren soll. Der Herr BradLa und mit ihm der rechte Flügel der Agrarpartei, die so lebhaft darnach gerufen haben, daß„iric Not in alle Haushaltungen" einziehe, die heifte mit dem Gedanken des Abbaus der sozialen Fürsorge im Staate spielen, sie mißbrauchen d-ie Staatsgewalt dazu, daß sie den Großgrundbesitzern uick> den Bank- und Industriekapitänen mühelos« Profite zuschanzt. Der Staat soll kein„Wohlfahrtsstaat" für die Armen, wohl aber für die Reichen sein. Das ist der Sinn der Politik der Restgutsbesitzer und ihrer Nachläffer. Dabei fit doch durch die bisherigen Erfahrungen klar erwiesen, daß eine wahnsinnige Zoll- und Absperrungspolftik niemandem im Staate nützen kann. Hock)schutzzölle und Jnr- porthindernisse sind nur der Ausdruck des Gefühles der eigenen Schwäche und der mangelnden Konkurrenzfähigkeit. Sie führen überall zu einem unerhörten Preisniveau, das in keinem Verhältnis zu der Kaufkraft der Bevölkerung steht. Die Tschechoslowakei stand einmal in dem Rufe, das billigste Land Europas zu sein; heute sind wir allmählich dabei, zum teuersten Lande zu werden. Noch vor gar nicht allzu langer Zeit war der Preisunterschied zwischen Deutschland und uns ein großer, indem in Deutschland ganz unmögliche Preise gefordert werden. Damals sind die Deutschen zu uns herübergekommen, um bei uns billig einzukaufen: fragt heute die Zollbeamten an unseren Grenzen, wie es jetzt aussieht! Ein kurzer Besuch rn Deutschland überzeugt jeden, daß dort besonders die Lebensmittel, aber auch die Jndustriearikel ganz wesentlich billiger siiw als bei uns, wobei das Lohnniveau trotz aller diktierten Llchnsenkun- gen immer noch über dem tschechoslowakischen steht! Kann man das als eine vernünftige und staatserhaltende Politik bezeichnen? Es ist glatte Bolschewisierung, was hier seitens der mächtigsten Regierungspartei unter verständnisvoller Duldung und sogar Unterstützung der Industriemagnaten durchgeführt wird. Die Herren verstehen sich sehr gut: laßt uns unsere Wucherprofite bei den Industriekartellen und wir lassen euch die Möglichkeit, das Volk durch eure Agrarkartelle auszuplündern. Das Volk wird die Zeche schon bezahlen. Es wird sie bezahlen, aber vielleicht etwas anders, als es sich die Herren heute vorstellen. Es ist einfach ein untrarchaver Gedanke, daß Hand in Hand mit den immer tiefer sinkenden Verdienstmöglichkeiten der Arbeitermassen nun auch noch die Preise eine wahnwitzige Höhe erklimmen sollen, daß man sich Made die Zeit des größten Elerws aussucht, um «die Wucherwelle auf«inen Höhepunkt zu s treiben. I. B. Vorstandssitzung des internationalen tiewcrksdialtsbundes In Berlin. Internationaler Kongreß Ende Juli in Drossel. Der Vorstand des Internationalen Ge- werkschaftsbundes tagte am 17. und 18. November in Berlin unter dem Vorsitz von C i t r i n e- Gwßbritannien. Sämtliche Vofttands Mitglieder: Jacobs« n-Dämmark, I y u h a u x-Frank- reich, L e i p a r t-Deutschlaud, Merten s-Bel- gien, T a y e r l e-Tschechoflowakei und der Generalsekretär W. Schevenels sowie der Unter- sckvetär G. Stolz und Smit für die Angestell- ten-Jnternational« nahmen an der Sitzung teil. Der Vorstand beschäftigte sich mit der Stellung der Jnternationccken Gewerkschaftsbewegung zum Vertrage von Ouchh, durch den BÄgien-Luxenchurg und Holland einen bedeutsamen Vorstoß gegen den Hochprotektionismus unternommen haben. Der Bericht, den eine gemeinsame Konferenz, die unter dem Vorsitz der gewerkschaftlichen und politischen International« m Amsterdam tagte, vovgelegt hat, wurde gutgeheißen und dem Sekretariat die Vollmacht erteilt, dies« Fragen aufmerksam weiter zu verfolgen. Der Vorstand beschloß sodann, bereits im Frühjahr 1933, voraussichtlich im April, im Zusammenhang mit der Internationalen Arbeitskonferenz den Ausschuß des Internationalen Gewerkschaftsbundes ju gemeinsamer Tagung mit den Internationalen Bevufsfekvetvriaten einzuberufen. Er bestimmte weiter als Termin für den Kon- greß des Internationalen Gewerks chaftöbundes in Brüssel den 30. Juli bis 3. August 1933. Dieser Kongreß wird die„Sozialpolitischen Richtlinien des IGB." verabschieden— das Hauptinteresse wird sich jedoch auf die„Pl an w ir t scha ft l ich e n Forderungen deS IGB." konzentrieren. Der Entwurf dazu lag der Vorstandssttzung bereits vor und fand grundsätzliche Zustimmung. Der Vorstand wich im Dezember einen Expertenausschuß zur weiteren Besprechung und endgültigen Formulierung dieser„Forderungen" zusammenrufen. Auf dem Kongreß in Brüssel 1933 wird der International« Gewerkschaftsbund dies«„Planwirtschaftlichen Forderungen des IGB" der Oeffmtlichkeit zur Kenntnis bringen und den Forderungen der Arbeiterklasse zum Umbau der Wirtschaft größten Nachdruck verleihen. Die Arbeiten dieses Kongresses werden also ein besonders großes Interesse finden, Weil die Lösungen und Forderungen der Arbeiterklasse den Ergebnissen der Weltwirtschaftskonferenz gegenübergestellt werden. Weiter beschäftigte sich der Vorstand mit gewerkschaftlichen Fragen in Argentinien, Jugoslawien, Kanada und Griechenland.— Die Frage, ob eine besondere Arbeiterbildungs-Jn- ternationale geschaffen werden soll, wurde noch zurückgestellt, da die Antworten mehre«! Landes zentralen auf eine diesbezügliche Rundfrage erst abgewavtet werden sollen. Der Vorstand nKm auch einen eingehenden Bericht des An tikriegskomitees entgegen und erhob scharfe« Protest gegen di« angeblich«„Amnestien^ in Italien. Die Resolution des Borstand'es hat folgenden Wortlaut: ,D«r Vorstand des Internationalen Ge- werkschastsbundes warnt dre internationale Ar- beiteftchäft von der traurigen K omödi e, die soeben in Italien als Hohn auf die Gedanken- und Redefreiheit aufgefnhrt worden ist. Die von der Regierung Mussolinis scheinbar angoordnete Amnestie kann niemand täuschen. Die Gegner des fascsstischen Regimes, d. h. all« Demokraten, Sozialisten und Gewerkschafter, alle Revolutionäre, di« in tatkräftigster Weise gegen die, Diktatur auftreten, bleiben auch weiterhin im Gefängnis. Der Vorstand des Internationalen Gewerkschaftsbundes erhebt gegen die Parodie einer Amnestie, die nur den strafrechtlich Verurteilten zugute kommt und im übrigen eine noch rück- sichstloseve Vergewaltigung der Meinungssrei- heit ermöglicht, Anklage und überantwortet sie der Verachtung der Oeffentlich- keit." 2 Frans Heller: Der k. n. k. Sanittitsdlckus In der Nacht schlief er zwar, aber nicht so gut Nacht schlief er zwar, aber bei-weitem nicht jo gut wie auf der einsamen Straße, erst am Morgen, als die Gendarmen, die ihn im Traume geplagt hatten, nicht da waren und nicht kamen, begann er den Ereignissen gegenüber einen einigermaßen überlegenen Standpunkt zu gewinnen. Vor dem Hause wartete Toni, scheinbar in recht lustiger Laune, er schlug vor, über den Unsinn mit niemandem zu reden,- es könnte für beide Teil« dumm werden und trug Emil Waffenbrüderschaft an. Da das Siegesbewußtiein Emils kein gerade übermäßiges war, nahm er an. Damit war sein Aufstieg in der Bubenwelt vollkommen und er überdachte mit Genugtuung seinen Lebenswandel. Man konnte also auch auS dem lästigen Fett Kapital schlagen, man mußt« allo in ihm nicht unbedingt selbst ersticken, man konnte dieses Schicksal auf seinen Feind überwälzen, zu Ehren und Ansehen kommen und aus einem AuS- gestoßenen ein Auserwählter werden. Kurze Zeit nach dieiem Zwischenfall liefert« Emil Meltsch, Schüler der V. Klass«, keinem Lehrer folgenden Aufsatz ab: Was ich gern« werden möchte. Ich möchte gern« der Dick« im Zirkus werden. Derselbe sitzt in einem Käfig- und kann sich di« ebenfalls daselbst ausgestellten Raubtiere ganz umsonst betrachten. Nach der Vorstellung wurde ich mich mit diesen anfreunden und mit ihnen spielen, denn Tiere sind gutmütig und vernünftig. Ich würde eS auch so machen wie sie. wenn Kinder kämen, um mir Bretzeln zu bringen, wäre ich freundlich und würde mein Clown- ßostüm anziehen und sie belustigen, kämen aber Menschen und wollten mich necken, wie sie es auf der Straß« tun, könnt« ich sie mit Wasser begießen, wie der Elefant, sie aber könnten mir nichts machen, weil ich in dem Käfige geschützt wär«. Aber auch für Brot wäre ichAhr dankbar, daS Fleisch jedoch würde ich den wilden Tieren geben, besonders Zickelfleisch, welches ich zu Hause mehrmals täglich essen muß. denn mein Vater ist Rohhäutehändler und wir zahlen den Leuten für ein schweres Zickel zwei Kronen und erhalten von dem Fabrikanten, nachdem wir dasselbe aufgegessen haben, für di« Haut zwei Kronen und vierzig Heller, aber die anderen wollen keines mehr essen, nur ich muß. Wenn ich daher einmal Geld habe, kauf« ich mir dafür Brot. Wenn sich ü«r Dick« als dummer August umkleidet, bekommt er von dem anderen Ohrfeigen, welche icdoch nicht weh tun und außerdem bekommt er dafür Geld, wenn ich hingegen Ohrfeigen bekomm« tun sie weh und ich bekomme dafür kein Geld. Ich glaube, daß ich mich zu diesem Berufe eignen würde, zur Arbeit eign« ich mich nicht, w«il die Menschen einen Dicken nicht auS- stehen können und ich kann nichts dafür, ich hätte aber gerne«inen Beruf, damit ich meine Eltern, bis sie alt sein werden, unterstützen kann, aber nicht durch Essen von Zickelflrisch und anderem Fleisch, welches di« Fleischer bringen, da sie meinem Vater Geld'chuldig sind und auf dies« Weise nichts zahlen wollen. Mit diesem Aufsatz hatte Emil auch bei seinem Lehrer das Spiel gewonnen, denn der Lehrer war begeisterter Vegetarianer und der Widerwille des Jungen gegen Fleisch imponierte ihm gewaltig, er ließ sich Herrn Meltsch kommen, um mit ihm Rücksprache zu halten. Herr Meltsch versichert«, daß der Preis von zwei Kronen vierzig für ein Zlckekfell übertrieben hoch k«i und nur in Ausnahmsfällen gezahlt werde, glaubt« aber die Situation nicht anders retten zu können, als durch Bestellung von Privatstunden; zu seiner Frau aber sagt« er:„Wir haben einen blöden Sohn, zum Geschäft taugt er nicht, es bleibt nichts übrig, ich muß ihn studieren lassen." So kam Emil Meltsch ins Studium. Ein besonderer Pädagog« war Herr Meltsch nicht, was ja auch von einem Zickelfellhändler aus der Vorstadt kaum zu verlangen ist, aber wenn man seinen Sohn studieren läßt, muß man eS doch anders motivieren, als mit dessen Dummheit und GeschäftSuntüchtigkeit; Emil ging es zunächst darum, sich selbst zu beweisen, daß es mit diesen Eigenschaften bei ihm nicht so schlimm war. Kaum hatte er di« vielen, großen Schulbücher bekommen, begann er sie auch schon der Reihe nach preiswert an ein Antiquariat abzugeben. War sein Studium somit gleich vom Anfang an nicht brotlos zu nennen, so konnten die Fortschritte auf diese Art doch nur mäßige sein, wohl entlieh er, um über den Verlust der ver- klopften Bücher wenigstens teilweise hinwegzukommen. hie und da ein Exemplar aus der Schü- lerbibliotbek, doch war er gewissenhaft genug, diesen Büchern im weitesten Ausmaße die pflichtgemäße Schonung angedeihen zu lassen und nahm sie daher nur selten in die Hand, strolchte lieber in den Straßen der Vorstadt herum, wo ihn auch der Herr Stadtrat und der fremd« Pflastermeister angetrossen hatten. Schließlich wurde Herr Meltsch in die Schule beschi«den und einigte sich mit den Professoren, seinen Sohn gegen Ausfolgung eines gute^Ab- gangszeugnisses auS dem Studium wieder her- auszunebmen und zu einem tüchtigen Meister in dl« Lehre zu geben. Herr Meltsch hatte wirklich guten Willen, aber di« Sache war nun einmal verpaßt. Am Schluss« des Schuljahres versuchte er eS bei seinen Geschäftsfreunden, den Fleischern. „Wegen der paar Kronen, die Sie mir geborgt haben, werde ich mir von Ihnen noch lange nicht in die Karten schauen lassen, wer ! m«hr zahlt, bekommt die Haut." „So zahlen Sie mir das Geld zurück, das rurdribarc folgen der Wirtsdiaitskrise. In einem Berichte der„Warnsdorftr Volksstimme" wird das Ergebnis der schulärztlichen Untersuchungen der Schulen in Schluckens» für das Schuljahr 1931-32 wiedergegeben, das auf jeden Menschen, dem der Sinn für di« Bedeutung der Gesundheit unserer Jugend noch nicht abhanden gekommen ist, gerÄezu erschütternd wirken mutz. Bon 773 untersuchten Kinder« wnrden nur 191 Kinder, das find 13 Prozent gesund befunden, 300, d. f. 38.8 Prozent, waren unterernährt und leicht krank, 315, d. s. 40 Prozent, waren schwerer krank oder stark unterernährt und 57, d. s. 8.2 P r o z e n t, waren schwer krank und standen ständig unter Bewachung. Bei 203 Kindern wurde Blutarmut konstatiert und Zeichen der englischen Krankheit wurden bei 132 Kindern vorgefunden, also ganz abnormal hohe Ziffern. Wirbelsäulenverkrümmungen wurden bei 70 Kindern festgestellt und Kinder mit schlechter Haltung oder Rückenschwächling« gab«s 115. Trotz der guten Erfolge des orthopädischen Turnens und der grotzen Zahl von Kindern mit schlechter Haltung und Verkrümmungen mutz das orthopädische Turueu in diesem Jahre ausgelassen werden, weil die Gemeinde die Mittel für diese Einrichtung nicht mehr aufbringt. 306 Kinder hatten schlechte Zähn«, aber nur in den wenigsten Fällen konnte» die Kinder der Heilung zugeführt werden, offenbar, weil die Eltern das Geld für die Zahnbehandlung nicht aufbracht««. Die Einführung des sogenannten Bonner Systems soll jetzt ein« Besserung bringen. De« Ge- sundheiisstand der Kinder im allgemeinen aber zu heben, dafür gibt«S vorläufig bei der steigende« Arbeitslosigkeit wohl kaum«in Mittel, hier kann nur gut« und reichliche Kost helfe«. Woher aber soll diese komme»? Man hat vielfach nicht mehr soviel, um den Kindern noch genügend Brot und Kartoffeln geben zu können, woher gar Milch, Butter«nd Fleisch nehmen? Dazu ist leider keine Möglichkeit vorhanden, trotzdem die Bauer« nicht wissen, wohin fie mit ihren Produkten sollen. Es ist einfach schrecklich, bei diesem Ueber- flnß unser« Kinder verhungern zu schn! Und dennoch finden so viel« Arbeiter nicht den Weg znr Sozialdemokratie, der einzigen Partei, die dem Hunger«nserer Kinder und der Arbeitslosigkeit ein Ende bereiten wird! Kiw'MMMI beim tommuniMen SentraltaiHitee. Die Polizei hat es wiederum für nötig gehalten, ein« großangelegte Aktion gegen die Kommunistische Parteizentrale durchzuführen und den Bolschewiken so Agitationsstoff zu liefern. Diese Aktion, wurde am vergangenen Dienstag durchgeführt. Gegen hundert Polizisten besetzten das H«im der Kommunisten in Prag- Karlin, sicherten sofort alle Telepbonlcitungcn und veranstalteten dann eine gründliche Haussuchung, durch die vor allem Material über den verbotenen Verein„Proletarische Solidarität", den Nachfolger der„Internationalen Arbeiterhilfe", zutage gefördert werden sollte. Tas Ergebnis scheint nach den vorliegenden Berichten sehr mager zu sein. Es wurden u. a. Sammellisten aus dem nordwestböhmischen Bergarbeiter- Streikputsch beschlagnahmt. Zwei Redaktionsräum« des„Rude Pravo" wurden versiegelt, da die in ihnen beschäftigten Redalleure abwesend waren und die Schlüssel mitgenommen hatten. ich Ihnen gegeben habe, damit Sie Vieh kaufen und mir di« Haut bringen können." ,/Dazu habe ich jetzt keine Zeit, sind Sie gekommen, um Geld zu holen oder um Ihren Jungen in dl« Lehre zu bringen, na also, dann gehen Sie wieder!" Der zweite war gemütlicher:„Meltsch, sprechen wir ehrlich, wenn der Junge etwas.wert wär«, würdest du ihn doch selbst behalten." „WaS willst du damit sagen?" „WaS werde ich damit Großartiges sagen wollen? Daß der Junge ein Eies ist." „Hätte ich ihn da, studier lassen? Schau dir das Zeugnis an!" „Es tut mir leid, aber ein studierter Esel ist auch ein Vieh, nichts für ungut, Meltsch, wir sind so gut wie zuvor." Dann versuchten sie es bei einem Schuster. Der Meister war nicht abgeneigt:„Der Junge hat wenigstens etwas zuzusetzen, das ist ein Vorteil bei der Meisterin, komm, Alte schau dir unseren neuen Lehrbuben an!" „No, das könnte mir noch fehlen, fönitf« ch waS zusammenkochen, um w ein Ungelüm zu futtern,>a Herr, geben Sie monatlich hundertzwanzig Gulden zur Kost, dann nehme ich den Knaben." „Soviel Geld haben Sie in Ihrem Leben noch nicht beisammen gesehen. Sie sind verrückt!" „Einer von uns beiden, lassen Sie den Jungen nur weiter studieren— auf Dickus!" Der Schmerz der gemeinsam erlittenen Unbill ließ die Bande des Blutes erstarken, Herr Meltsch führte seinen Sprössling ins Wirtshaus, um ihm zu Zeigen, wie man einen Kummer erläuft. Emil erwies sich ungemein gelehrig und meinte:„Eigentlich sollten wir der Bande zeigen, was wir imstande sind, wenn du willst, werde ich wirllich meinen Doktor machen.".Herr Meltsch war begeistert:„Dann kannst du saufen, bis du tot liegen bleibst, ich zahl« alles." (Fortsetzung folgt.) Mr. 277 Donnerstag. 24. November 1932 Seite 3 »Momente de§ Sranens. roncrnnnen Im Czernowitzer Poiizelgeiängnts.— Ein nadthen wird temartert.- Abscheuliche sadistische Szenen. Das Juaendproblem im lichte der Ciriaci-Presse. Der Leitartikel der„Deutschen Preise"(Ci-. riari-Watt) vom 22. November, beschäftigt sich mit den Ausführungen des Genoffen Dr. Franzel zum Jugendproblem, die einen Hauptpunkt unseres Prager Parteitage- gebildet haben. Das Referat des Genoffen Franzel sei der Versuch gewesen, die Erschaffung eine- sozialistischen Homunculus, eine- in der Retorte erzeugten Sozialisten zu propagieren. Da- wird aus keinem anderen Grunde behauptet, al» weil da- Referat die marxistisch« Schulung der Jugend als den Ausgangspurckt jeder Wtrbe-Arbeit bezeichnet und auch gefordert hat, daß die Jugend organisatorisch Machst Erfahrungen sammle und daß man ihr Pl diesem Zweck bestimmt« Wirkungsgebiet« einräum«, di« Genosse Fvanztt Dersuch-laboratorien der Organisation genannt hat. Das christlichsozial« Blatt verrät nicht, wie«r in seiner Partei mit der Schulung der Jugend gehalten wird, ob man dort auf vi« Erprobung verzichtet und di« jungen Menschen gleich an- Steuer letzt. Weiter habe da- Referat zwar von der fasci« stischen Jugend gesprochen, diesen Begriff aber nicht genau abgogrenzt. Wenn der Leitartikler der„Deutschen Presse" die inzwischen ja al- Broschüre vorliegende Red« noch einmal lesen wird, dann wird selbst er. d«r ohne Zweifel besser theologisch al- soziologisch denken kann, begreifen, was w,r unter taseistischer Jugend verstehen. Bei uns ati jedenfalls darüber keine Zweifel und icherheiten. Endlich aber meint der Jug«ndfachmann der klerikalen Zeitung, habe das Referat gezeigt, daß wir uns nicht geistig auseinanderseyen können: Daß sich der Marxismus mit Andersdenken- den geistig nicht auSeinandersetzen kann, beweist auch die Art, wie Dr. Franzel die katholische Jugend für seine Partei gewinnen will. Er will dieser Jugend wri-machen, daß die Kirche da« Menschheit-ideal in jahrtausendealter Entwicklung an die Interessen der herrschenden Klasse aller Zetten verraten habe. Wenn da- ein geschulter Marxist sagt, dann wiffen wir nicht, wie tief wir die Naivität des gewöhnlichen ParteiagitatorS ansetzen sollen. Zumindest müßte der Historiker Franzel von den soziale» Enzykliken Leo XHI- und Piu» XI. etwa-.wissen. Auch davon könnte er etwas wissen, daß die Sozialpolitik des IS. Jahrhundert» wesentlich von Katholiken beeinflußt wurde, als die Sozialisten sich noch in tönenden Manifesten au-gaben. Wenn Tr. Franzel schließlich meint, dir Katholiken können ganz gut in der sozialdemokratischen Partei mittun, man werde chre„religiösen und Gefühlsanschauungen" nicht antasten, so vergißt er eine wichtige Sach«, daß er für Katholiken keine Trennung zwischen Religion und Kirch« gibt. Man kann die Katholiken nicht bei der Religion locken und gleichzeitig die Kirche beschimpfen. Aber diese Ding« wird«in geschulter Marxist wahrscheinlich nie verstehen. Deshalb lehnt die katholische Jugend den Marxt-mu- entschieden ab. Zunächst müßt« da der gegnerisch« Leitartikler wiffen, daß für den marxistischen Soziali- ten die zitterten Enzykliken nur ein Beweis dafür ind, daß di« Kirche die soziale Frage lediglich au »er Oberfläche zu berühren wünscht, daß diese von den Christlichsozial«» io gern zitierten Bullen unserer Ansicht nach einen schwächlichen Versuch darstellen, die Arbeiter mit der kapitalistischen klntbeutung zu versöhnen und den Kapitalisten ein wenig Vorsicht beizubringen. Dort wo ein Priester auch nur ein paar Schritt« weitergegangen ist und ein« wirklich soziale(auch lange dicht sozialistische) Stellungnahme versucht hat, Kurde ihm der Maulkorb umgehängt(Ude!) oder es geschah ihm noch schlimmeres. Di« »Deutsche Preffe" weiß ja am besten, wie«8 mit dem Fall KordaL stand. Man soll im Haus« des Gehängt«» nicht vom Strick-reden, aber vielleicht erinnert man sich im Haus« der„D. Pr." doch daran, daß ihr«igeuer versuch, wider den Stachel des Kapitalismus zu löken, mit einer Erbärmlichen Kapitulation vor dem Herr» Run. iius, dem unverfälschten Sachwalter der Besitz» interessen, geendet hat. Und un» sind, auch wenn bir keine Historiker sind, doch einige Dinge in sehr gutem Gedächtnis, di« man in der„D. Pr." vergessen zu haben scheint, so zum Beispiel die «usföhnung der Kirche mit dem Faseis mu», das Bündnis d«r österreichischen Klerikalen mit den Heimwehrbanditen, den Wiener Großbanken und Industriellen, die, ganze Politik Seipels und nicht zuletzt die unseres Bürgerblock-. Wir„locken" im übrigen di« Katholiken nicht bei ihrer Religion, sondern wir erklären, daß der Ääübige Christ, wenn er sich zum Gedanken des Klaffenkampfes durchringt, bei deni allein wir ihn packen wollen, in unseren Reihen Platz hat und sonst denken und fühlen mag, wie er will. Und wir sind überzeugt, daß wir aus den Reihen der katholischen Jugend, die den Marxismus iunt großen Teil nur ablehnt, weil sie kein« Ahnung von ihm hat, noch viele Mitkämpfer für den sozialistischen Gedanken gewinnen werden, denen der Zwiespalt von Christentum und Mam- Uwndienst unerträglich geworden ist. DaS Organ der sozialdemokratischen Partei in Czernowitz, Ser„Vorwärts" vom 18. November, berichtet unter der Ueberschrift„Ein Dokument de» Grauens" von der Marterung des Mädchens Polia Bascauteanu. In dem Bericht erzählt das Mädchen, daß«S am 23. Oktober um halb II Uhr abends in seiner Wohnung verhaftet wurde, und fährt fort: „Gleich zu Anfang wnrd« ich zu Boden geworfen, mit Füßen getreten, von einer Wand zur anderen, von einem Schrank zum andere« gestoßen, wobei mir gleichzeitig ganze Haar» büschel aus dem Kopf gerissen wurde«. Si« verlangten von«rir, ich solle angeben, wo sich die Maschine von Matrizen befinde... Dies« Prozedur dauerte so lange, bis ich in Ohnmacht fiel... Sowie ich wieder Lebenszeichen zeigt«, wurde ich mit den Händen über di« Füße gebunden urck dazwischen wurde ein Stoa geschoben. Ich wurde aus zwei Sessel« mifgehängt. Di« Schuh« wurde« mir«>-gezogen und hierauf begann man mich auf Rucken, Gesäß und nackt« Fußsohlen mit Bambusrohr, Holz, und GummKnuttel« zu schlage«. Da ich alle fünf Minuten immer wieder in Ohnmacht fiel, wurde ich mit Wasser angeschüttet und gleich d«ramf weiter geschlagen. Einmal hörte ich einen der mich bearbeitenden Menschen sagen: Schlagt sie nicht mehr weiter, denn sie spürt nichts. Alle Stucke, dre man verwendete,»rächen der Reihe nach. Ein Agent stand dauernd bei meinem Kopf und r i ß mich fortwährend an den Haaren, da ich zu röcheln begonnen hatte und sie mich dadurch bä Besinnung erhalt«« wollten. Dies« Tor- turen wiederholten sich fünf Nächte. Da ich zu keinem Geständnis zu bewegen war, ist man auf di« Id«« gekomm««, und zwar wurde dieser Vorschlag von Rottenb«rg— dem einzigen, den ich von allen Agenten dem Rame« nach kenn«— gemacht, mir ein Stück hei» ßes Eise» i» di« Scheid« einzusühren. Das wnrd« aber«icht gemacht, anstatt deffen wurde» Radel» in di« durch da» viele Schlage» verursachten Wunden gestochen, insbesondere i« di« Waden und ins Gesäß. Sobald man mit dem Stecken der iliadeln aufhörte, begannen andere, emer dorne, der andere rückwärts stehend, mich mit Stocken in die Brust und in den Rücken zu schlagen, so daß ich glaubte^ daß mir alle Knochen gebrochen seien. Gleichzeitig hat ein anderer mich mit den Füßen ins Gesäß geschlagen bis ich ohnmächtig wnrd«. Schließlich wurde mir ei« Stock mit bestialischer Wucht iu di« Geschlechts» teile Mestoße». Dann wurden mir die Hände nach rückwärts gebunden und ich wurde dann wie ein Ball von einer Hand in die ander« geworfen. An beiden Seiten standen Agenten, die mich auffingen. Einmal fiel ich dabei zu Boden» und ich erinnere mich, daß, al» ich zum Bewußtsein kam, ich«inen über mich mit«iner großen Nadel gebeugt sah, mit d«r er mich gestochen hatte. Offenbar, um mich zum Bewußtsein zurückzubringen. Als ich a«S einer solche« Ohnmacht erwachte, spürte ich etwa» Weiches in meinem Mund«, und als ich hinsah, sah ich, daß cs«in männlich«» Glied war, da- der Vetressende sofort zurückzog, sobald er merkte, daß ich wickxr bei Bewußtsein war... Die ganze Zeit, während ich bei der Polizei war, war ich im Hungerstreik. Di« Agenten riefen mir zu: Töten werden wir dich nicht, aber halbtot werden wir dich schla- g« n. Ein Schatten wirst du werden." * Der„Vorwärts" berichtet, daß sich der sozial' demokratische Abgeordnete Dr. Raoateanu telegraphisch an den Innenminister gewendet und Sühne für diese Bestialitäten gefordert habe. In der Nummer vom 16. November setzt der vorwärts" seine Veröffentlichungen über di« bestialischen Folterungen fort, und verlangt di« strengste Bestrafung-er Täter. Trotzdem werden aber weiter Häftlinge in dieser vom„Vorwärt»" geschilderten Art gemartert. Und Europa schweigt) gestern«inen sehr ausführlich begründeten Be- ftrnd und ei« Gutachten, wonach di« beide« Beschuldig» ten die ihm«« zur Last gelegt« Tat in vorüber, gehender Si«ne»v«rwirrnng begangen haben, weshalb fie nach dem Gesetz für ihr« Strafhandlung«icht verantwortlich sei« können. Rach Vorlage der Akte» an die Staatsanwaltschaft und deren Prüfung wurde da» Strafverfahren gegen di« Beschuldigt«« voll» kommen eingestellt. Di« beide« Fra««« wurden heut« vormittag au» der Untersuchungshaft entlaffen und auf freien Fuß gesetzt. Mit Hilfe des Verteidigers Dr. Pippich wurden sie in einem Auto in die Wohnung ihrer Mutter und darauf sofort ngch Prag ge- bracht. Ihr geistiger und körperlicher Zustmrd ist so kläglich, daß sie längere Zeit in einer entspreche,rden Anstalt gepflegt werden müssen. Sowohl Frau Pochobradska als auch Frau Dr. Klafter erlitten einen vollkommenen Nervenzusammenbruch. Das Strafverfahren wird vollkommen eingestellt, weshalb eine Schwurgc- richtSverhamdluna nicht stattfindct. * Wir werden zu diesem bisher Wohl ziemlich vereinzelt dastehenden Entschluß der Staatsan- wallschaft, vorübergehende Sinnesverwirrung als entscheidenden Grund zur Einstellung eines Verfahrens zu benützen, noch ausführlicher von prinzipiellen Gesichtspunkten aus Stellung ! nehmen. litärverwaltung mit Rücksicht auf di« Einführung dar 1-monatigen Dienstzeit eine Neuregelung der Ausbildung in der A r m ee und ein'ge organisatorische Aenderun- gen in Erwägung ziehe. Die Meldungen Wer die beabsichtigte Aufhebung einiger Truppenkörper seien übertrieben. Er werde dem Ausschuß zu gelegener Zeit diesbezüglich Bericht erstatten. Der Landesau-schuß für Böhmen hat in seiner gestrigen Ätzung außer einer Reihe laufender Angelegenheiten 71 Gemeind,'budgetj behandelt, 128 Gemeinden di« Einhebung verschiedener Abgaben und Gebühren bewilligt, Bau- und Maschinenarbeiten In den Landesinstituien für 457.000 K und für Regulierung»- und Meliorationsarbeiten Lan- deSbeiträge in der Höh« von 2,626.000 Kronen bewillig'. Ferner wurde beschlossen, den nichtautar- kischen Bez rkcn ein« Dotation von 4ä00 000 Kronen zur Verbesserung der BezirkSstrahen und Brücken zu verle'len, und zwar gemäß der Länge der Straßen und mit verhältnismäßiger Aufbefferung für jene Bezirke, in denen die Bezirksstrahen durch Elemen- tarereign sse beschädig! wurden. An alle Bezirhsorganlsatloncn nnd Srtirlltenablellundcn Wir machen darauf aufmerksam, daß der von uns angegebene Termin für di« Rücksendung von Arbeiter-Jahrbüchepn am 20. November abgelaufen ist. Wir würden ausnahmsweise kleiner« Posten von gut erhaltenen Jahrbücher« bis zum 3V. November zurücknehmen, da«och immer Bestellungen bei uns einlaufen. Rach dem 30. November werden wir aber keinerlei Rücksendungen mchr anerkennen und auf der Bezahlung der gesamten Lieferung bestehen. Zentralstelle für das Bilduugswesen Prag H., Rektzanka 18. Trotz Krise nnd Not- sorgt Wien lür die mindernden, die Obdachlosen nnd die Kinder. Der neu« Finanzreferent der Stadt Wien Genosse Danneberg hat am letzten Samstag in einer Pressekonferenz über den Voranschlag der Gemeinde Wien für das Jahr 1933 vorgetragen und vor allem darauf hirpgewiesen, daß auch i« Wien«in starker Rückgang aller Ein- nohmsquellen zu verzeichnen ist, d. h., daß, da man nicht mehr ausgeben könne als man einnehme, gespart tverden müsse. So ist die Für- sorgeabgabe von 68.8 auf 85 Millionen Schilling gesunken, auch die Bierabgabe ist um einig« Millionen geringer geworden al- sie in den vergangene» Jahren war. Trotzdem wird an dem Grundsatz, den Hungernden Brot, den Obdachlosen ein Heim und den Kindern eine gute Schul« zu geben, nicht gerüttelt. Die Ausgaben für Fürsorgezwecke werden amh rm Jahre 1933 fast 91 Millionen Schilling betragen, aas ist di« gleiche Summe» die man in Wien in den vergangenen Jahren für Wohlfahrtszwecke aufwendet«. Für neue Wohnungen werden 50 Millionen Schilling Verwendung finden, d. h. die im Bau befindlichen 4500 Wohnungen weichen fertiggestellt und im nächsten Jahre wird mit dem Bau von 4000 Wohnungen begonnen werden. 'In gleich großzügiger Weis« wie bisher wird auch für die Schulen gesorgt. 76 Millionen Schilling werden für da» Schulwesen ausgewendet, das macht pro Schulkind 467 Schilling oder ein Fünftel des Ausgabenbudgets der Gemeinde. Trotz der großen Finanznot der Stadt Wien werden zwei neue Kindergartenabteilungen, ein« weitere Schulzahnklinik und eine neu« Mütterberatungsstelle errichtet werden. Für den Bau der Reichsbrücke leistet die Gemeinde Wien einen Beitrag von zirka 6.5 Millionen Schilling und für den Ankauf des Kahlenberg-, der bekanntlich von der Verkehrs- kommiffion erworben wurde, werden im Jahre 1933 1.2 Millionen Schilling ausgegeben. Weiter werden neue Sommerbäder errichtet und vor allem wird die Elektrifizierung oer Straßenbeleuchtung fortgesetzt. Dies« gewaltige soziale Arbeit inmitten der furchtbaren Wirtschaftskrise kann die Gemeinde Wien nur leisten, weil sie so gut wi« keine Schulden hat. Erst jetzt zeigt sich, wie klug die Finanzpolitik Breitners war, der die Gemeinde Wien vor der Schuldenlast bewahrt hat, so daß man heute noch«inen Großteil der Einnahmen für soziale, kulturelle und produktiv« Zweck« ausgeben kann. Frontsoldat Hitler: Vlenehn Tage Schützengraben! Wie lange war Hitler im Schützen- graben? Das war das Beweisthema, das dem Schriftleiter der sozialdemolratischen„Schwäbischen Volkszeitung^ in einem Beleidigungsprozeß gegen den Schriftleiter des Augsburger Naziblattes gestellt war. Entgegen der von dem Braunen Haus in München und von deni Beklagten in Wort und Schrift verbreiteten Mär, Hitler sei stets im vordersten Graben gewesen, wurde vor Gericht von einem Regimentskameraden des Oborosaf eidlich bekundet, daß Hitler ganze 14 Tag« in der vordersten Linie gewesen ist. Darnach kam er zurück in den Druckposten einer Regimentsordonnanz und blieb es. Auf Grund dieser Feststellung wurde der beklagt« Naziredakteur wegen Beleidigung der sozialdemokratischen Schriftleiter Georg Simon und Josef Felder verurteilt. Er muß 60 Mark Geldstrafe bezahlen, alle Unkosten tragen und das Urteil auf seine Kosten veröffentlichen lassen. Hitlers Ehrenbürger-Urkunden gefülscht. Frankfurt, a. M., 21. November. Ein neuer Nazischwindel ist geplatzt. Diesmal sind es di«„Ehrenbürgerbriefe" für Adolf Hitler. Als er beim letzten Wahlvimpf in Limburg a. Lahm redete, wurde» ihm»eben Blumengebinden auch di« Ehrenbürgerschaft von. sechzehn Gemeinden des Uutertaunuskreifes vom Nazikreisleiter von Kothen überreicht. Eine von den Behörden veranstaltete Untersuchung über diese Angelegenheit hatte bis jetzt das Ergebnis, daß den Bürgermeistern und Gemeindevcr- tretern von sechs diese» Gemeinden eine an Hitler verliehene Ehrenbürgerschaft völlig unbekannt ist. Die Rundfrage bei den übrigen Gemeinden ist noch nicht abgeschlossen. Selbstverwaltung Kataloniens eintritt und 69 des von m-gesamt 87 Sitzen erhielt. Die Wahlen in Katalonien haben einen über- lvästigenden Sieg der Partei des regierenden Dbemen Maria ergeben, der für wcnrstgedend« »iiifnnnniiHnMinnmimiiiiiimmiminiiiiHiiiiuHnimnnHmHnHimfflfmHHiiinnimmmiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiniiiiiniiinimiiiiiiiniiiiiiinnninimnmHnmRmnRiiBiiniinnfliHffiiffnHiiiiniiiiniiin Einstellung des Verfahrens Heden Fran Dr. Klalter-Salus nnd iure Schwester. Chrudim, 23. November.(LPB.) Dor Fall der Dr. Klafter-Salus und der Frau Pocho- bradska hat heute ein« überraschende Wendung erfahren. Nach einer gründlichen ärztlichen Analyse des Gesundheitszustandes der Beschuldigten durch die Gerich t-sachverständigen Dr. Musil und Dr. PodrouLek aus Chrudim wurden die Akten vorgestern der Staatsanwaltschaft zum Antrag Vovgolegt. Nach dem Verlauf der Untersuchung hat der Untersuchungsrichter aus Grund der Aussagen der einvernommenen Zeugen(Primarius Dr. Snofxck, Dr. Svoboda, ferner Dr. Bachner, der ständige Arzt der Familie Salus, die Aerz- tin Dr. Klimova aus Podiebrady, ein« intime Freundin der Dr. Klafter), ferner auf Grund des Materials, in dem festgestellt wird, wie die Tat geschah, und auf Grund des Verhörs mit Dr. Klafter, den: Gatten der einen Beschuldigten, und einigen anderen beteiligten Personen es für notwendig gehalten, di« Akten der Staatsanwaltschaft vorzulegen, damit dies« ex osso prüf«, ob die Strafhand- lnng überhaupt von einer zurechnungsfähigen Person verübt wurde. Der Staatsanwalt ordnete sofort die ärztliche Untersuchung durch die zuständigen Ge- richtssachverstäiÄigen des Kreisgerichtes in Chrudim an. Diese erstatteten auf Grund des gewichtigen Materials und der persönlich vorgenommenen gründlichen ärztlichen Untersuchung ns: Chlprodont Agrarischer Angriff auf alle Löhne und Oehäller. Di« tschechischen und deutschen Agrarier hielten am Mittwoch eine gemeinsame Beratung ah, in der u. a. über di« Novellierung der Sozialversicherung verhandelt wurde. Wie es in deni ausgcgebencn Kommunique« heißt, wurde mit besonderem Nachdruck betont, daß die Re- | gierung in ihrer Wirtschaftspolitik in entschiedener Form darauf hinarbeiteu müsse, das Gleichgewicht ztvischen den Preisen der Agrarprodukte und den Produktionskosten herzustellen. Man müffe auch di« öffentlichen Lasten sowie alle Bezüge abbaurn, die durch die verschiedenen Tarife geregelt sind. Eine grundlegende Herabsetzung des Zinsfußes müffe im B rordnungÄvege erfolgen. Weiter vcrlan«n die Agrarier di« Sicherung der landwirtschaftlichen und gewerblichen Unternehmungen gegen die Härten des ExckutionS- verfahrenS. »riß,k W M orgamsa orisdis Aenderwen an. Prag, 23 Nr utber. Im WehrauS^chuß Abaeordneie>>.hauieS ercklärte V rtln>>igunaz' Bradaö auf ein« Anfrage, daß die Mi- Seite 4 Donnerstag, 24. November 1932 Nr. 277 Tggesneatgheilen Eenosie Theodor Hartwig- ein Sechziger. Heute vollendet Genosse Pros. Theodor Hartwig sein sechzigstes Lebensjahr. Nicht nur die Freidenkerbewegung, für die Hartwig vor allem wirkte und wirkt, sondern auch die anderen Organisationen des Proletariats stellen sich mit den herzlichsten Glückwünschen ein, der Hoffnung Ausdruck gel end, daß Genosse Hartwig noch recht lange gesund und arbeitsfähig bleibe. Auch den Lesern des„Sozialdenwkrat" ist Genosse Hartwig durch zahlreiche Beiträge bekannt, in denen er natur- und gciellschaftswissenschaft- liche Fragen behandelte, dabei immer seine glänzende marxistische Schulung und pädagogische Begabung offenbarend. Genosse Hartwig ist gegenwärtig Präsident der Internationalen Fret- denker-Union.■■'•‘' * Genosse Theodor Hartwig, derzeit Sekretär der Internationalen Freidenker- Union, wurde am 28. November 1872 in Wien geboren. In ärmlichen Verhältnissen ausgewachsen, war er genötigt, seinen Mitschülern Privatunterricht zu erteilen, nm di« Mittel für sein Studium auszubringen. Als Student betätigte er sich in der sozialistischen Bewegung, was zur Folge hatte, daß ir wahrend seiner Mttitär- dienstzeit als„Sozi" entsprechend drangsaliert wurde. Auch. für seine Lehramtstätigkeit war es keine Empfehlung, daß er in proletarischen Kreisen verletzric und es war nur aus den damals bestchen- don Lehvermairgol zurückzusuyren, daß Gen. Hartwig als Supplent, Berweichuyg fand, ehe er noch seins Lichramtsprüfung abgelegt hatte. Hingegen mutzte er lange warten,«he er definitiv angeftelll wurde. Bom Jahre 1905 angefangen betätigte sich Gen. Hartwig ut der SchulreformbewegMig und wurde Redakteur der„Pädagogischen Zeit"(Beilage der linksbüigevlichen Wiener Tageszeitung„Dre Zeit"), wobei er Gelsgenyeit fand, di«„pädagogischen" Maßnahme» des Unterrichtsministeriums einer entsprechenden Kritik zu unterziehen. Aber er v e rs chon ie dabei auch nicht d:e reaktionär eilige- stellte' Lehrerschaft. Diese berief eine Protestver- lammlung ein, um gegen die Schulreform Stellung zu nehmen; eine wiWommene Gelegenheit für das Ministerium, um Gen. Hartwig strafweise nach Brünn ßu versetzen. Das war im Jahre 1908 und so wurde Hartwig Staatsbürger der nachmaligen Tschechoslowakei. Hier nahm er Fühlung mit den Freidenkern, deren Orgaiiisation verboten worden war. Nach dem llm- stun wurde di« Freidenkevbewcgung reorganisiert. Balo darauf erfolgte deren Proletavisierung und Hartwig übernahm die Obmannstelle der Ortsgruppe Brsinn. Als eifriger Mitarbeiter der Freidemerzeit- schriften und'Verfasser von Aaitatwnsbroschnrem wurde Hartwig bald so bekannt, daß er bei der Gründung, der International« proletarischer Freidenker 192s zu ihrem ersten Boriitzenden gewählt wurde. Im Jahre 1929 übernahm er di« Redaktion deS „Atheist. Nach der Spaltung der I. P. F.(Kongreß in Bodenbach 1930) übernahm Hartwig das S«re- taviat der I. P. F., nach den: Berliner Kongvetz 1881 jenes der neu gegründeten Internationalen Freidenker-Union, deren Sitz nach Prag verlegt wurde Bon seinen Agitattonsschrrften durfte am belamttesken sein di« bereits in zweiter Auflage er- schiersene Arbeit„Jesus oder Karl Marx?" (Perlstg R. Cerny, Wien), die auch in andere Sprachen"'übersetzt wurde. Weite Verbreitung hat auch das volkstümlich gehalten« Büchlein„Soziologie und Sozialismus"(Jena, Urantavenlag) gefunden. Gen. Hartwig ist kein Fanatiker der Freidenker- beweaung. Bekannt ist sein Ausspruch:„Wir prvle- tarischdn Freidenker sind und wollen nichts anderes fein als di« Schrittmacher des Sozialismus. Darum müsse» wir unsere Agitation stets den höherem Interessen des prol«tari)chen Klasienkampfes unter- ordnen. Wir dürfen kein« Treunungsmauer zwischen unk und den gläubigen Arbeitern errichten. Der gläubig« Prolet ist unser Bruder und der ungläubige Kapitalist ist unser Feind. In diesem Sinn« kämpfen wir nur den ideologischen• Barrikaden der proletarischen Klassensvonl" Brand im voUdeletzteu Kino. Madrid, 23. Rovember. Im hiesige» Musikpalast brach gestern während einer Kinovorstellung Feuer aus. Dir Flammen griffen auf di« Biihne über. Der Borhang geriet in Brand, ebenso di« Orgeln. Di« Zuschauer konnte« de« Saal««versehrt verlassen. Di« Flammen wnrde« von der Feuerwehr in zweistündiger Tätigkeit gelöscht. Der Sachschaden ist ziemlich bedeutend. Die Orgel« i« Werte von 129.000 Peseten find vernichtet. Ein Feuerwehrmann wurde leicht, ei« Polizist schwer verletzt. Bon Gattin und Kindern ermordet. In HostiaÜov bei Wsetin verschwand am 3. Oktober der 70jährigc Stanislaus Kovar. Sein« 60jährige Gattin Marie und die beiden Kinder, der 26 Jahre alte Sohn Johann und die 20jährige Tochter Marie gaben an, daß er in die Fremde gegangen sei, um Arbeit zu suchen. Nun wurde in. einem Wald di« verweste Leiche des Mannes gefunden'. Der Kopf war zerschmettert. Nach dem Verhör mit den Angehörigen stellte es sich heraus, daß an dem Morde alle drei Mitglieder der Familie Anteil hatten. Sie wurden verhaftet und dem Bezirksgerichte in Bhstrih übergeben. Sie ind bereits geständig. Die Schilderungen des Mordes geben ein geradezu erschütterndes Bild einer Familientragödie. Mutter und Tochter lachten beim Verhör, als ihnen vorgeworfen wurde, datz sie den Tod des Alten nicht angezeigt hatten. Sie erklärten, daß sie der Meinung gewesen wären, daß in den Bergen den Toten Wähler sein werde, als auf dem Friedhof, da sie dort für die Beerdigung hätten zahlen müssen. Siu vorgelauschter Raubübersall. Pardubitz, 23. November. I« der Nacht auf gestern wurde ein Einbruch in der Wohnung des JnkassisteN Joses Bror im hiesigen Villenviertel gemeldet. Beim Polizeiverhör gab die Gattin Bros' an, als sie über einem Buche etwa um 22 Uhr in dem Zimmer, in dem ihre drei Kinder schliefen, eingeMafen sei, fei sie tmrch ein Geräusch geweckt worden. In diesem Augenblicks habe sie eine unbekannte vermummte Frau mit einen« Narkotikum betäubt, so daß sie gleich das Bewußtsein verlor. Als ihr Mann ans dem Kino kam, gelang es ihm erst nach längerer Zett, sie wieder zu Bewußtsein zu bringen. Sie stellten dann fest, daß 11.000 K geraubt worden seien. Die Wohnung und die Zimmer seien in der größten Unordnung gewesen. Bei der vom Polizeichef Dr. Vopalka vorgenommenen Untersuchung kain man auf verschiedene verdächtige Umstände. Die Eheleute leugneten zwar, doch gelang es der Polizei M beweisen, daß der Raubübersall von den Eheleuten fingiert wurde. Viertausend zeugen in einem Preßprozeß- Prag. 33. November. Die kommunistische Konsumgenossenschaft„Böel a" Hal das „Pravo Lidu" geklagt, weil in einem Artikel darauf hingewiesen wurde, daß die politisierende Leitung der ,^Böela" die sozealdemokrat:. s ch« n Mitglieder der Genossenschaft hinaus- gedrängt habe. Diese Praxis der Kommunisten ist schließlich nichts Neues. Gleichwohl fühlte sich die„Väela" beleidigt und klagte die Redaktion unseres Bruderblattes. Bei der ersten Verhandlung über diese Presse- klage bot die gesagte Redaktion den Wahrheitsbeweis an. Daß dieses Beweisversahren auf breiter Basis aufgebaut ist, beweist der Umstand, daß 4000 Personen als Zeugen nominiert wurden. Das Schöffengericht beriet über den Beweisantrag und beschloß, vorläufig an zweihundert Zeugen zuzulassen. Daraus wurde die Sache vertagt. ßine Löwiu gibt den Dom-teurkopf Ächt frei- Warschau, 23. November. Bei der Vorführung einer dressierten Löwengruppe kam es gestern abends m einem hier gastierenden Zirkus zu einem blutigen Borfall. Der Dompteur krönte allabendlich seinen Dresiurakt damit, daß er seinen Kops in den geöffneten Rachen einer Löwin legte. Zu seiner ungeheuren Bestürzung bemerkte er plötzlich, daß ihn die Löwin nicht loslietz und mit den Zähnen fest- hielt. Schließlich gelang es ihm, mit größter Geistesgegenwart, sich zu befreien. Er trieb noch die Tiere in den Käsig und fiel dann schwer- verletzt in Ohnmacht. Di« Zuschauer hielten den ganzen Vorfall für einen neuen sensationellen Trick. Der VnKifltt wirb znm Angeklagten Paris, 23. November. Der mit der Untersuchung der Fliegeraffäre betraut« Richter hat heute den Direktor der Gesellschaft Aeropostale Bouilloux-Lafont verhaften lassen, der bekanntlich die ganze Affäre durch ein« fälschliche Bestechungsbefchuldtgung gegen den Sektionschef des Finanzministeriums CHamier und den Industriellen Weiler hervorgerufen hat. Der Untersuchungsrichter gelangte auf Grund eines gründlichen Studiums der verschiedenen in den gefälschten Dokumenten enthaltenen Angaben zu der Ueberzeugung, daß sie einzig Direktor Bouilloux-Lafont kennen konnte. Außerdem werden Bouilloux-Lafont und dessen Vater, welcher der Vorsitzende des Berwaltungsrates der„Aero- postale" ist, wegen schlechter Wirtschaftsführung dieser Gesellschaft zur Verantwortung gezogen werden. Di« Wahrheit i n Sowjetrußland ist etwas Selteneres und Kostbareres geworden, als die Wahrhett über Sowjetrußland. Denn während Journalisten und Bolkswirtschaftler und Feuilletonisten nach mehr oder weniger hastiger, aber von den Behöben gut organisierter Durchreisung des Staates breit und ausführlich über das Land Stalins erzählen und so die von Stalins Beauftvagten selbst gelieferten Berichte der konnmimstischen Presse korrigierend oder bestätigend ergänzen, und während die Sozialdemokratie sich ernsthaft bemüht, auf Grund amtlicher russischer Wixtschaftsnachrichten zu gültigem Urteil über das bolschewistische Experiment zu gelangen, während also überall über Rußland gesprochen und geschrieben und diskutiert wird und sich so allmählich die Meimrngen klären, gibt es in Rußland nur eine Meinung über alles ausländische Geschehen, und diese eine Meinung wird amtlich geliefert, allen Zeitungen von„Taß" zugestellt und diese Meinung ist— zumeist falsch, ist eine Lüge, aber eine nicht leicht durchschaubare und korrigierbare, denn andere als diese amtliche Nachrichten- quellen gibt es nicht. Ein Beispiel für die Berichterstattung der„Taß": Sie meldete am 14. November:„Herr von Papen hat die So- zraDemokvaten Wels und Brertscheid zu sich geladen. Die Sozialdemokraten haben natürlich die Einladung mit größter Bereit w i lligkeit angenommen".— Sie haben natürlich nicht, die Sozialdemokratie hat mit einem Briefe geantwortet, der von dem zartnervigen Herrn von Papen sogar als Beleidigung empfunden wurde.... aber mit größter Bereitwilligkeit hat„Taß" die Dtöglichkeit, den täglichen Lügen über die Sozialdemokratie eine neue hinzuzufügen, ergriffen. So wird ein Volk von vielen Millionen, so wird die russische Arbeiterschaft über Wesen und Taten der europäischen Sozialdemokratie-unterrichtet! Es ist bei uns nicht anders.-Kommunist sein, das heißt, sich täglich anlügen zu' lassen.— Ging der Weg des Sozialismus, ehe es dessen kommunistische Spielart gab» von der Utopie zur Wissenschaft, so führt der Bolschewismus von der Wissen- schaft und damtt von der Wahrheit zur Lüge! Verführung unter Zusage der Ehe. Wie uns uns Brüx gemeldet wird, beschäftigt die dortige Gendarmerie zur Zeit ein Fall' von Heiratsschwindel. Danach war auf Grund eines Zei- tuttgsinserates ein junges Mädchen aus Brüx mit einem Manne bekannt geworden, der sich ihm g> genüber Äs Kaufmann Oppenheimer ausgab und der Vertrauensseligen erklärte, daß er in den b sten Verhältnissen lebe, weshalb sie an seiner Seit« bestimmt das häusliche Glück finden werde, nach dem sie sich sehne. Er stattete nach einiger Zeit den Giern des Mädchens einen Besuch ab, Petz sich bewirten und hielt förmlich um die Hand oer Mlgen Dam« an. Wenige Tage nachher bestellte er seine ,^8raur" nach Teplitz und bewog sie unter Hinweis auf di« nahe bevorstehende Heirat, ihm zu Willen zu sein. Nunmehr hat das Mädchen in Erfahrung gebracht, daß der„Bräutigam" verheiratet, vermögens- und stellenlos ist ünd dj« Komödie nur ai dem Zwecke in Szene gesetzt hatte, um das Mädchen besitzen zu können. Tie Betrogene hat daraufhin die Strafanzeige erstattet. Eine Brandstifterin. Aus B ö h m.- B u d- w e i s wird gemeldet: Dienstag wurde in 6akov hie 30jährige Anna M a t 0 u§ k 0 v ä ans Tüso- vic«(B«irk Prachatitz), die wegen Brandstiftung steckbrieflich verfolgt wird und schon mehrfach vorbestvaft^ist, verhaftet, Vor zehn Tagen versuchte di« WatouskovL in einem Holzbau des Veit Hemer in Brloh bei Kalsching Feuer zu legen. Sie begoß den Fußboden mit Petroleum und steckte zwilchen di« Bretter Kienspäne. Der Ausbruch des Feuers wurde nur durch einen Zufall verhindert. Nach diesem Brandlegungsversuch verbarg sich die MatouÄovL im Böhm.-Bud- weiser Gebiete, wo sie unter verschiedenen Ranren austrat. Selbstmordversuch einer Verzweifelten. Wie uns aus Saaz berichtet wird, hat dort die in Wien geborene, von ihrem Mann geschiedene Frau Klara Margarethe K 0 l b c r, die aller Mrt- wl entblößt ist, einen Selbstmordversuch unter- nommen, indem sie Lysol trank. Sie wurde ins Krankenhaus gebracht. Ei« Liebespaar sucht den Tod. Am Dienstag nm 9 Uhr abends horte ein Polizist bei seinem Dienstgang in den„Holeöodiöky" in Prag- Lieben Pier Schüsse. Bald kam ihm ein« jung« Frau entgeaengelausen, die aus einer Wunde nn Gesicht blutete. Sie sagte-ihm, daß sie von ihrem Geliebten angeschoflen worden sei. Dann kehrte er zu dem Ort, wo er sie gefunden hatte, zurück und fand dort einen jungen Menschen liegen, der'in der rechten Hand einen Trommelrevolver hielt und aus einer Schußwunde in der rechten Schläfe blutete. Im Krankerchaus wurden in den beiden Besetzten der 23jährige arbeitslose Bäckcrgehilse Alexander P a v 10 i ö aus Spodilov urä> in dem Mädchen die 19jährige Hausgehilfin RuLena T 0 m e k aus Lieven iden- tifiziert. Ahnungslos« Kinder müssen mit in de« Tod. In Wren spielten sich Mittwoch zwei Familiendramen ab, die sechs Menschenleben forderten. In der Kolon« am Laarbevg hat sich die Private Rosa Karnik mit ihren beiden Kindern im Alter von vier ünd zwölf Jahren durch Leuchtgas vergiftet. Sie verübte den Selbstmord rrrsolge schwerer Kvarckheit und nahm die beiden Kinder mit, damit diese nicht verwaist seien. Im 11. Bezirk wurden in einem Gemeindehaus« vormittags die 57jährige Rosa Bucht und ihre beiden Enkelinnen im Älter von zwei und drei Jahven unter den Anzeichen einer Louchtgasvergiftung tot ausgefunden. Es zeigte sich, daß die Bucht in SÄbstmordabsicht den Vie staatsanwaltliihe Massage des„Prager Tagölatt“ hat geholfen! Schnell ist das Kulturblatt der deutsche« Bourgeoisie durch den Zugriff des Staats awvÄts„öcfürtber" geworden. Die kräftige Massage, me er dem„Prager Taghlatt" verab- reicht hat, führt« immerhin dazu, daß in den Anzeigen, die der Mittwoch-Ausgabe noch' ver- blÄben sind, nicht mehr„lungc, gut ausgebildete Kräfte(bei der Kirche)", und nicht mehr „neue, erstklassige" angepriesen werden. Auch die Ankündigung der seltsamen„französischen Ersrischungsfeife", die i««ineur MassagesaM verwendet wird, wurde unterlassen Sollten es einige Ünternehmungen vorge- zogen haben, aus das Einrücken der Inserate überhaupt Ku verzichten, weil sic meinen» die Ankündigung sei wertlos, wenn es ihnen nicht mehr gestattet sei» soll, das frische Fleisch ihrer Sklavinnen deutlich genug anzubieteu? To deutlich, daß der Jnseraterttext schon der pornogra- phischen Literatur zuzurechnen ist. In- der M i t t w 0 ch-Ausgabe des„Prager Tagblatt" sind nur 22 Anzeigen gegen 36 am Dienstag enthalten Um die restlichen Inserenten muß nut gekämpft werden; die Hunderttausende Kronen, die sic noch abwerfen, können immerhin zum Ausputzen des sozusagen kulturellen Teils der edlerr Zeitung verwendet werden; zur Br- zckhlnng der Honorare etwa für Thomas Manu, Samuel Sänger, Theodor Les' s i n g und anderer höchst ehrenwerter Kulturträger, di« vom Hinterteil der Zeittrng, di« mit ihrer Mitarbeit beehren, keine Ahnutg zu halben scheinen! Hahn der Gasleitung öffnete, nachdem sie vorher die Enkelinnen im Zimmer eingesperrt hatte. Sie verübte die Tat infolge von Zw>' stigkeiten ihrer Tochter, der Mutttt der beiden Kinder, mit ihrem Gatten. Es bestand die Befürchtung, daß diese DiffevenstU zur Scheidung fuhren würden. Aus Angst, da? sie sich.infolge der Scheidung von ihren Enkelinnen würde trennen umssen, verübte die Buch' ihre Tat. Arbeitertod. AuS Marburg(Lahn) wirb gemeldet: Beim Bau einer Autoumgehungsstraßt wurde durch eine unzeitig explodierende Sprengpatrone ein Arbeiter getötet und drei schwer verletzt. Beim Baumfällen tödlich verunglückt. Ä»s El bog en wird uns berichtet: Beim Fallen mehrerer großer Bäume bei der Parze llanfabr» „Epiag" geriet der 36jährige Arbeiter D i t t r: 4 unter einen stürzenden Baum und wurde, von ib? zu Boden gerissen, wobei der Verunglückt« schwere Verletzungen davontrug, daß er wen'gt Stunden nach dem Unfall verHied. Krakatao in Tätigkeit. Mts Batavia Meldungen eingetroffen, wonach der Vulkan Krakatao neuerlich in Tätigkeit getreten ist und regelmäßigen Intervallen Lava auszuwerfe» beginnt. Amerikanische Art, aus sich aufmerksam machen. Der Brückenwachter,«t,«"! Wahltag« den Sonderzug Hoovers W Winnemucca(Nevada) angeholten hatik< indem er die Signale auf„HÄt" stellte und übtt di« Gründe seines Verhaltens bisher keinen Ausschluß gab, gestand nunmehr, daß er den Vorfall nur hervorgerufen habe, um die Aufmerksam!^ der Oeffsntiichkeit auf sich zu lenken.- Di«■* Dynamitpatronen, di« tn der Umgebung!** Ortes, wo sich der Vorfall abspielt«, ausgefunM wurden, will der Brückenwächter sich auS ein« 111 verlassenen Bergwerk geholt haben. Das Kind am Ufer... Das Schwurgeriö)! beim Landgericht HI Berlin verurteilte die jährige.Hausangestellte Ida Otto zu einem I 6 Monaten Gefängnis. Die Angeklogte hat«u> 11. Oktober v. I. ihr zwei Wochen altes am Ufer des märkischen Lehnitz-Sees so nieder^'' legt, daß es ertrank. Die medizinischen Saöfv'^ ständigen bekundeten, datz di« Angeklagte seit t* 1 Geburt ihres unehelichen Kindes in.«>w»s dauernden AffektMstand gelebt habe; die Tat nicht mit Ueberlegung ausgeführt. Die BM«< ansnahme bestätigte dre Gutachten. Die ungläa- liche Mutter ist mit dem neugeborenen Kind i'®' los durch die Straßen von Berlin geirrt, W" schließlich auf dem Stettiner Bahnhof«ine Fabr- kärte nach Lehnitz löste. Woran Sowjetrutzlaiw schuld sei» soll.™ Fran deS Obersten Raymond Robinson erklärt- !daß der Gedächtnisschwund, an dem Oberst in der letzten Zeit litt und von dem er 0 wie gemeldet, Montag erholte, di« Folge der'ch"»' liehen Leiden sind, di« der Oberst ein ganzes hindurch in Sowjttrutzland ertragen muhte, wo(t zü Kriegsende als Vermittler zwischen den Vck' einigte» Staaten und dem bolschewistischen Rcgi^ wirkt«. Vom Rtmdhmk Empfehlenswertes au» den Programm««- Freitag: Prag: 8.15 Gymnastik. 11: Schallplatten. Schallplatte«. 18.26: Deutsch« Sendung Edwin Janetschek: Musikalische Zeitgeschichte. IVN- Kabavett. 20.36: Bokdan-Stnnde. 21: Blasmu"' — Brünn: 18.26: Deutsche Sendung: 3°i>' musik. 21.30: Orchesterkonzert.— Pretzburg: 16.10- Orchesterkonzert. 20.35: Operetten-Abend.— versi"- 15.36: Beethoven. 21.15: Sinfonie-Konzen. Breslau: 21.10: Eichendorfs.— Hamburg: l?' Fayott-Kon-ert.— Königsberg: 20.15: Die Romain trker.— Leipzig: 21.10: Unterhaltungskonzert." München: 21:„Der Schauspieldirektor", komis^ Oper tum Mozart.— Wie«: 22L0: Barmusik. Nr. 277 Donnerstag, 24. November 1932 Seite 5 Winterzirkus am Belvedere, b. wasserturm^SSnBSSSK^ ZIRKUS ALBERTY tr,n 5J WUHCI w» H A Gl ENBECKS, Hamburg. Bas Zirkusprogramm der Sensationen. Beste Raubtierdressuren— Schönste Pferde— Aufsehenerregende artistische Leistungen— Einzig In seiner Art. Das Haus ist angenehm durchwärmt— Auto* und Fahrrad wachen im Zirkus. rigiicb 2 Vorstellungen nachmittags 3 Uhr. abends 0 Uhr. I Unsere Preise: Von Ki 5.— bk~8.— Tierschau ab 10 Uhr vorm. geöffnet ITierschau: Kd 2— für Kinder, KL 8.— für Erwachsene. Kinder zahlen auch abends an Werktagen u. an Sonntag* I Erwachsene und Kinder zahlen werktags aill allen Sitz- Nachmittagen halbe Preise auf Sitzplätzen.| platzen nadi mittags halbe Preise. Kartenvorverkanl an der Zirlmskassa ab Id Uhr vorm., Tet 70107, bei Imhlarevd. Palais„Korona M, Tel. 274tt7, 8tLA«. Na kOftlkH“, Tel. LMLi,„Valdeh“, Tel. bOO77. 179ü Um jedem den Besuch zu ennögl chen, verlegten wir den Beginn der Abendvorstellung auf 0 Uhr. »W»»W»M»M»»M»MWWMWW»BM»WW>BV»«UBIBB»UW»»SWWMWMW»VWWWWMMW» „Der Blaubart von Lin». (Sin sßevenfoMer Arauenmörder vor GerreHi. Dor Greis, der Mantel und der Tod. Tragödie an der sächsisch- tschechoslowakischen Grenze. (Nachdrua verboten.) An bet sächsisch-tschechoslowakischen Grenze wurde dieser Tage ein 7l jähriger Arbeiter aus dem deutschhöhmischen Orte Prehnitz beim Versuch, mit einem nichtverzollten alten Mantel die Grenze zu überschreiten, von einem tschechische« Zollbeamten erschossen. - Im Obererzgebirge kommt der Uebergang vom Herbst zum Winter schnell, viel zu schnell, für die armen Gebirgler, Häusler und Heimarbeiter, die damit von neuer Sorge belastet werden: Denn zu dem Hunger gesellt sich die Kälte, di« Unbarmherzigkeit des eisig über die Kämme fegenden Wintersturms. Die Leute haben sich in den arbeitslosen Sommermonaten Klaubholz aus den Wäldern geholt— heimlich, weil sie die von den Forstverwaltungen vorgeschriebenen Erlaubnisschein« nicht bezahlen können—, aber wie lange reichen sie denn zu, dies« bescheidenen Borräte an Reisig und Wurzeln? Aber nicht nur in-den Stuben ist Kälte um die Armen des Gebirges; wenn sie vor die Türen treten, so erschauern sie unter dem eisigen Hauch, dem sie fast ungeschützt ausgesetzt sind, denn die wenigsten von ihnen sind noch im Besitze eines Mantels, eines Ueberrocks, erwärmender Kleidung. Die Not hat ihnen alles genommen: den Glauben und das bißchen Besitz, Betten, Kästen und Kleider sind, wenn sie nicht weggepfändet wurden, ins Leihhaus oder zum Altwarenhändler gewandert— und so stehen und gehen sie nun, die armen Teufel, frierend und zitternd in fadenscheinigem Schuhwerk zwischen den traurigen Häuschen ihrer Heimat herum, wandern in den Wald nach Klaubholz oder machen Betteltouren in die Umgebung... Der Anton H a b r e ch t in Preßnitz, dem alten Musikerstädtchen, hat, weil er den kommenden Winter und die Kälte fürchtet, vor vielen Tagen an einen Verwandten in Sachsen einen Brief geschrieben, in unbeholfenen Worten hat er darin von seiner Armut und von der Furcht vor der nahenden Kälte erzählt. Wenn er wenigstens einen Mantel hätte... einen recht dicken Mantel, damit er nicht so frieren braucht«... Und gerade am ersten Novembertage bringt ihm der Postbote ein Schreiben aus Sachsen, einen Brief von einem Verwandten, und darin liest der Alte, daß er einen Mantel haben solle, einen alten zwar, aber immerhin einen, mit dem er sich schützen könnte vor der ärgsten Kält«, mit dem er seinen frierenden, alten Leib bedecken könnte.... Mit dem Bries in der Hand, keucht der Greis zu seinem Nachbar, dem Tischler Dohlrab:„Du, Joses, i Welt wird doch eines Tages unser rocrden! Lest diesen starken, von Leidenschaft erfüllten Frauenroman! Hrruiigederr eUgfrtek t«ib— Cbeftetatttac. Wilhelm'n 11 k■ f t- LcranlworUichrr Stebattenv Dr«mV S11■■ k, Prag.— Druck„skull' A-A für geitung- and Buchdruck. Prag— Für den Druck»erankworilich. Ott» BoNs. Mru«.-•£it Hritungdmarlrntramatur wurde»oa der Post-». Delegrapheadireuiou«U«rloh sir t3.800/VII'Ki30 bewillig,— Bezugibcd ngunge» Bel Zustellung md Haut-der der Be»ug durch dl« Pust nronalllch tu 16.-«ierleljährlrch Li 6^, daitsatzrig— ich,-, ga»t,agng Li Uds— gase»« wuldr» laiu L«is tziülgst buuchn«, tta äftcitn Eiujchalluageu Preltnachwi— MckpeUurq du» Piaautlitpte»«rjolgi bei Erujeahuug du, Retourwurl««.