Samstag, 26. November 1932 12 Jahrgang. Nr. 279. Sinzel-rek 70 Heller. (Einschließlich S Heller Porto! ■—«erscheint mit Ausnahme ves Montag tügltch früh. St/dam»» u. D«rwoNooa: Vraa ll, oertStluika I» ♦ r»I»vd.- 16793, 3i«w,»ochvedakl.(ob 21 I SMM*8HMMmat:9TM« Es kommt doch wieder ein Präsidialkabinett! Ernennung(Papens!) heute mittags. Berlin, 2g. November. Amtlich wird gemeldet: Der Herr Reichspräsident empfing heute um 17 Uhr den Führer des Zentrums, Herr« Prälaten Kaas, der ihm über sein« heutigen-Besprechungen mit den Vorsitzenden der Nationalsozialistische« deutsche« Arbeiterpartei, der Deutschuationalen Bolkspartei, der Bayrischen Bolkspartei und der Deutschen Bolkspartei über die etwa noch vorhandenen Möglichkeiten zur Bildung einer Not- und Arbeitsmrhrheit des Reichstages berichtete. Prälat Kaas hat in diesen Besprechungen an die Führer der genannten Parteien in erster Linse die Frage gerichtet, ob sic ebenso wie die Zentrumspartei bereit seien, sich an Beratungen über ein sachliches Rot- und Arbeits- programm für eine Mehrheitsregierung zu beteiligen. Eine Depnfatinn der loadumsllialer Bergarbeiter beim Präsidenten nosaruk. Prag, 25. November. Heute wurde«ine zweigliedrige Deputation der Joachimsthaler Bergarbeiter, bestehend aus den Arbeiter« Wenzel Müller und Josef Leger, unter Führung des Genossen Abgeordneten Pohl vom Präsidenten der Republik empfangen. Im Namen der Joachimsthaler Bergarbeiter dankt« die Deputation zunächst dem Herrn Präsidenten für di« Widmung von 3VV.VVV K zur Bekämpfung und Heilung der Joachimsthaler Bergkrankheit aus dem Jubiläumsfonds, und bracht« dann eine Reih« von Wünsche« in bezug auf di« Berbesierung der Lebens- und Gesund- heitsverhältnisse der Joachimsthaler Bergarbeiter zu« Ausdruck. Die Depntation überreicht« dem Präsidenten auch«ine diesbezüglich« schriftliche Vngabe. Der Präsident«ahm die Ausführungen der Mitglieder der Deputation mit sichtbar großem Interesse entgegen, informierte sich über Einzelheiten und versprach, darauf Einfluß zu nehmen, daß, was möglich sei, im Jnteresir der Erhaltung der Gesundheit und des Lebens der Joachimsthaler Bergarbeiter getan werd«. Kommunisten als Arbeiterverrater. Renn. Fs.Hcgrn.. di«. Gvzigldeirw^atie zn kämpfen gilt, verpiud-n sich die Kdmtnünisten auch mit dem reaktionärsten Bürgertum. Ta tun sic um so lieber, je eifriger sie ihre Einheitsfront- Schalmeien««tönen lassen-,•• So haben sie ani vergangenen Donnerstag bei der Neuwahl^des sächsischen Landtag S pr a s i d e n t e n dafür gesorgt, daß statt des bisherigen sozialdemokratischen Präsidenten Werkel der Deutschnatio- nale Eckardt gewählt wurde..Sie gaben nämlich-in der Stichwahl ihre Stimmen für den eigenen Kandidaten ab, wiederholten also das Spiel, das sie bei der Wahl des letzten Rcichs- tagspräsidiums zur Freude der Teutschnationalen und Nationalsozialisten getrieben hatten. Die Harzburger Front hat sich im sächsischen Landtag wieder zusammengesimden und in den Kommunisten einen Bundesgenossen bekommen.• Nicht weniger klassenverräterisch benahmen sich die Kommunisten am gleichen Tage im Teplitz,Schönauer Stadtparlament. Das hotte den Voranschlag zu beraten. Zur Bedeckung des beträchtlichen Abganges und zur Aufrechterhaltung de» sozialen Fürsorge durch die Stadtgemeinde wurde die Festsetzung der Gemeindeumlagen mit 350 Prozent vorgeschlagen. Dagegen kämpfte nur vor allem die Partei des Herrn Dr. Stradal— und Mt ihr stimmten di« Kommuni st en gegey die vor-? geschlagene Lösung, die nichts anderes bezweckte, Äs einen Teil der durch die Krise verursachten Ästen auf die Schultern der Besitzenden ab- zuwälzen. Hoover ranntet die Arbeitslosen. Washington I5. November.(Reuter.) Das Weiße Haus ist'stark bewacht, um Demonstrationen vorzubeugen, welche der kommunistische Verein in Baltimore organisiert hat und die in «inet Kundgebung von 400 Erwachsenen und Kindern bestehen. Es wurden drei Personen verhaftet, welche in das Weiße Haus einPtdringen und dem Präsidenten Hoover eine Petition zu überreichen versuchten, in welcher gegen di« Not der Kinder in den Arbeitstosen-Familien protestiert wird. Tie Polizei zerstreute die Demonstranten und die sich am Plätze vor dem Weißen Hause angesammelten Menschenmenge. Verhaftete Nazis. Königsberg, 25. November. Die Kriminalpolizei-beschlagnahmte heute früh das Auto des NSDAP- Gauleiters Koch und verhaftete den Chauffeur P h illipp. Die Beschlagnahme und di« Verhaftung sollen mit den Anschlägen in Königsberg am 1. August im Zusammenhänge stehen. Diese Frage ist von den Vorsitzenden der Bayrisch enBolksParte i und der D e u t- schen Volkspartei bejahend beantwortet worden. Der Vorsitzende der D e u t j ch n a r i o- itülcn Bolkspartei hat die Beteiligung an solchen Beratungen als im Widerspruch mir der Gesamthaltung seiner Partei stehet, n ich r zugesagt. Der Vorsitzende der R a t i o n a l s o z i a l k st ischen deutschen Arbeiterpartei erklärte, an sich entspreche die Feststellungder sachlichen Grundlagen für eine etwaige Mehrhcits- pegierung durchaus seinen Auffassungen. Auf Grund der Erfahrungen der vergangenen Tage und der Ueherzeugung, daß auch einem positiven Ergebnis dieser sachlichen Beratungen seitens. ein- flußreicher Stellen keine Folge gegeben würde, halte er eine Beteiligung seinerseits n ich t m c h r f ür v e r tr e tba r. Ans Grund dieser Feststellungen bat Prälat Kaas den Herrn Reichspräsidenten, von einer weiteren Fühlungnahme mit den Partei«« absehen z«. dürfe«. Der Herr Reichspräsident dankte dem Prälaten für seine Bemühungen. Mit dem Empfang des Prälaten Kaas sind die Bemühungen um«ine parlamentarische Mehrheitsbildung beendet. Es bleibt jetzt doch nur mehr die Möglichkeit der Bildung einer Präsidialregierung übrig. Das allgemeine Interesse konzentriert sich naturgemäß aus die Frage, w e r der neue Kanzler sei« wird. Dies« Entscheidung wird Samstag vormittags fallen. Eine Reih« stimmungsmäßiger Anzeichen lasten auf die Wahrscheinlichkeit schließen, daß der Reichspräsident erneut den bisherigen Reichskanzler von Papen beauftragen wird. Paris, 25. November. Wie der Washingtoner Korrespondent de»„Petit Parisi«»" meldet, weicht der Standpunkt des künftigen Präsidenten der Bereinigten Staate« Roosevelt in der Frage der Kriegsschulden von jenem Hoovers ab. Roosevelt hält zwar an der Notwendigkeit der Ratenzahlungen für die Kriegsschulden fest, ist aber bezüglich des Borgehens und der Bedingungen der künftigen Vereinbarung betreffend di« Regelung der Schulden und der Ratenzahlungen einer anderen Anschauung. Betreffs der am 15. Dezember fällige» Ratenzahlung für die Kriegsschulden wird eine neue Initiative der Vereinigten Staaten erst im Laufe der nächsten Woche nach der Rückkehr des Staatssekretärs S t i m s o n nach Washington und dem Einlangen der angekündigte« Antwort der britischen Regierung an di« amerikanische erwartet. London, 25. November.(Reuter.) In britischen parlamentarischen Kreisen wird erklärt, daß daS Lausanner Abkommen in Gefahr sei. Es, besteht kein Zweifel darüber, daß man sich, wenn eine befriedigende Regelung in der Kriegsschuldenfrage nicht getroffen würde, neuerdings der Re- paÄitions- und der europäischen Schüldenfrage werde zuwenden müssen, die die europäischen Schuldnerstaaten in Lausanne. bereits-cüs. bereinigst ansaheu. Obgleich nicht die geringste Ab--' Es bleibt dann noch die Frage nach der Auswechslung eiuiger Kabinettsmitglieder. Dieses Problem wird wahrscheinlich erst er aller Ruhe i« der ersten Hälfte der nächsten Woche gelöst werden. Im übrigen ist nicht anzunehmen, daß di« Umbildung des Kabinetts«inen so großen Umfang haben wird, wie es bisher von mancher Seite behauptet wnrde. Hitler hat nodi immer Zuversicht. Köln, 25. November. Der„Westdeutsche Beobachter" veröffentlicht einen Aufruf Adolf Hit-/ lers, worin er nach einer längeren Kritik am Kabinett Papen erklärt, man habe ihn nach Berlin berufen, um an der Behebung einer Regierungskrise mitzuwirken, und habe dabei doch nur das Kabinett Papen retten und ihm, Hitler, einen z w e i t e n» 13. A u g u st bereiten wollen. Obwohl der ihm übertragene Auftrag durch die daran geknüpften Bedingungen von vornherein rein unmöglichgemacht worden sei, habe er sich angesichts der Not des Volkes entschlossen, ein Angebot zu machen, das zugleich für die inneren Absichten aller hätte klärend sein können. Das Angebot sei abgelehnt worden. Er glaube, daß schon damit der WiIle.der Ratgeher des Reichs- p r ä s idente n' e r f ü I lt"erscheine. Was er am Abend des Wahltages schon erklärt habe, wiederhole er hiemit:„Dieses System mutz von Deutschland n'edergebrochen werden, wenn nicht die deutsche Nation an ihm zerbricht.".Der Aufruf schlieht mit der Erklärung, daß der K a m p f w e i t e r g e f ü tz r t sverde mit der Zuversicht, daß die NSDAP Sieger bleibe. Reichstag am 0. Dezember. Berlin, 25. November. Die erste Reichstagssitzung, die für den 6. Dezember nachmittags drei Uhr einberufcn wurde, wird vom nationalsozialistischen Abgeordneten General Litz mann als Alterspräsidenten geleitet werden. Die Nationalsozialisten werden zum Präsidenten den bisherigen Reichstagspräsidenten Goering, die Sozialdemokraten werden Loebe kandidieren. sicht besteht, eine gemeinsame Front gegen Amerika zu bilden, haben sich di« europäischen Mächte durch einen Konsultativpakt verpflichtet, sich gemeinsam über die Schritte zu informieren,, oie sie in den aus den Lausanner Abkommen sich ergebenden Fragen unternehmen werden. Vas unsolldarisdie Italien. Paris, 25. November. Di« Pariser Presse verurteilt das Borgehen der italienischen.Regierung, die, bekanntlich bereits ankündigte, daß sie am 15. Dezember d. I. ihre Schuldenrate an Amerika zahlen werde, Die französischen Zeitungen bezeichnen dieses Borgehen als unsolrdarisch und erinnern daran, daß sich auf der Reparationskonferenz in Lausanne gerade Italien stets für den Grundsatz der europäischen Solidarität ausgesprochen hat. Danneberg-Breitner. Wien, 25. November..(AN.) Der Wiener Gemeinderat hat den Rechnungsabschluß 1931 genehmigt und sodann die Wahl des Landtagsab geordneten Dr. Robert Daneberg zum städti schen Finanzreferenten an Stelle des zurückgetre tcnen Stadtrates. Hugo. Breitner vorge nommeu. Hitlers kalteFUße Nach der jüngsten Reichstagswahl lasen wir im„Tag"' die Schreckensbotschaft,• daß Hitler„entschlossener denn je vor den Toren" stehe. Me Ankündigung war allerdings nicht neu. Bor etwa Jahresfrist schon brüllten die Nazis im preußischen Landtag herum,; Hitler stehe vor den Toren»Berlins. Severing erwiderte damals gelassen, er möge doch eintreten, sonst,bekomme er kalte Füße. Wie nun die Nachrichten aus dein Reiche lauten, werden sich Hitler mid seine Mannen erst recht mit warmen Socken versorgen müssen. Ms an die Tore der Pracht sind sie gekommen. Ihre Entschlossenheit langt aber mir zum Dranßenstehn. i Denn, daß sie Kraft und den Mut hätten, dieses Tor mit Gewalt einzudrücken, glaubt heute niemand mehr, am allerwenigsten sie selber. In der Unterhaltung mit Hindenburg über die RegierrmgsbiNnftrg hat Hiller wieder einmal eine tragik-komische Rolle gespielt. Als Führer der stärksten parlamentarischen Partei verlangte er den Reichskanzlerposten. Er wurde ihm auch ontzeboten mit dem Auftrage, eine Mehrheit im Reichstage zu suchen. Die gleiche Berufung erhielt Herrmann Müller >nach dem Wahlsieg der Sozialdemokraten im Jahre 1928. Müller suchte und fand eine parlamentarische Mehrheit. Freilich mußte dann die Sozialdemokratie ihre Regievungsmacht mit anderen Parteien teilen, lvie es dem Volkswillen und der demokratischen Verfassung entsprach. Auf diesen Vorgang beriefen sich in den letzten Monaten immer wieder, die Nationalsozialisten. Im letzten Reichstagswahlkampfe antwortete« sie stets, auf den Voyvurf, Hitler habe mit den 13 Millionen Stimmen nichts anzusangen gewußt: M a n h a t ihn ja nicht an die Macht.herangelassen! Warum wurde Hitler von Hindenburg schlechter behandelt als Herrmann Müller? Das inbrünstige Flehen der Nazis nach demokratischer Regierungsbildung wurde rascher erhört, als ihnen lieb sein mochte. Papen muffte zurücktreten. Hindenburg berief Hitler und bot ihm dieselben Chancen, die er Herrmann Müller gewährt hatte. Doch siehe, der braune Obergötze fand plötzlich ein Haar in der Suppe. Reichskanzler hätte er ja gerne werden wollen, doch nicht mit Zustimmung des Reichstages, sondern von Gnaden Hindenburgs. Die Männer im braunen-Hauptquartier, das wiederuni in dem hochfeudalen Hotel Kaiserhof zu Berlin aufgeschlagen war— billiger tuts diese famose„Arbeiterpartei" einmal nicht— verlegten sich aufs Bitten. Ein rührendes Bvieferl nach dem andern sandten sie in die Reichskanzlei, Hindenburg möge doch so gut sein und Hitler Prösidialvöllniachk geben, also nrft der Befugnis ausstatten, gegen den Reichstag zu regieren und ihn gegebslwst- falls lvieder aufzulösen, weil das Heil des deutschen Volkes offenbar davon abhängt, alle zwei Monate Neuwahlen zu haben. Welch eine Gaukelei! Hitler ist ausgezogen, Parlamem und Demokratie auszurotten. Wein vor feinen geschwollenen Phrasen nicht graust, der kann es in seinem Buch„Mein Kampf" nachiesen. Zuerst rührte er die Trommel gegen das par- lamentarische System. Als dieses erschüttert war und ans dem breiten Rücken der Nazi- bewegung— so schrieb das Blatt des Herrn Göbbels wörtlich— Papen hinaufgeklet- tert war und sein hatbabsolutistisches System aufrichtete, war es Hitler auch nicht rechr. Meder wetterte er gegen„das System", diesmal gegen das undemokratische System der Papenheimer. Nazi- Präsident Gör i n q warf sich sogar zum Schützer der verfassungsmäßigen Rechte des Reichstages auf: Hindenburg wollte Hiller und Göring Gelegenheit ! bieten, das parlamentarische System zu retten und mit dem Reichstage zu regieren. Fetzt sind sie auf einmal für das autoritative System des Herrn van Papen... tiiiiiiitiiiiiuiiiiiiiiiiii!iiiiiiiiiiiiiiniiiiiiiiiiiiiiiiiiiiittiiiiiiiiiiiiiiiiiHiiiiiiiiiiiHiiii!iiiiitiiiiiii{iiiHiiiiniiiiiiiiiiiiuiiiiHiiniii(iiHiiiiiiiiiiiitiiiiiiiiiiiiiiniinHifiniiiiiiiiiiiiiiiniiiiiiiiiiiiii|iiiii!tiiniiiuiiuiiiiu Die Kriegsschulden an Amerika: Roosevelt gegen Hoover. Lausanner Abkommen in Gefahr. Seite 2 SamStag, 26. November 1832 Nr. 27» Die Geschichte wird den Führern des deutschen FasciSm-uS einstmals kindliche Einfalt nachrühmen. Auf legalem Wege wollten sie die Alleinherrschaft erobern. Bon Wahl zu Wahl spornten sie ihre Gefolgschaft mit der Verheißung an, daß nur mehr die letzten fünfzig Meter zum Ziel zurückzulegen ' seien. Diese fünfzig Meter dehnen sich aber wie«in Gummiband. Das deutsche Volk hat den Hakenkreuzler« die Mehrheit in fünf großen Wahlgängen versagt. Was ihnen der klare Bolkswill« verweigerte und was mit putschi- stifcher Gewalt zu gewinnen sie zu feig sind, fordern sie sozusagen als Gefälligkeit vom alten Hindenburg: die Alleinherrschaft in Deutschland. Es war allerschlechteste Komödie, die zuletzt in Berlin gespielt wurde. Während sich die Unterführer über die Antworten an den Reichspräsidenten die Köpfe zerbrachen, fuhr der„Führer" in großer Toilette und weißgepuderten Wangen in hoher Begleitung in die Oper, wohl um der Menge zu zeigen, daß er keine Sorgen habe. Ein leibhaftiger Herzog, der von Kobuvg, war hevbeigeeilt und wollte vermittelnd ein Regierungsbündnis Hitler- Hugenberg anbahnen. Alles für die Katz. Dem alten Herrn wurde daS Spiel zu dumm. Daß Mochtfrayen nicht durch Schreibebriefe gelöst werden können, hat Hindenburg— der tvahr- lich kein politisches Genie ist— unschwer begriffen und so ließ er Hiller fiir die seitenlangen Fleißaufgaben höflich danken und hrnzu- fügen, er könne es mit seinenr Eid und Gewissen nicht Vevantwotten, eine Parteidiktatur mit Hitler cm der Spitze einzusehen. Der HakenkreuzfafciSmus hat wieder eine schwere politische Niederlage erlitten und eine moralische dazu, die viel größer ist. Denn der einfache deutsche Staatsbürger wird sich sagen, daß eS mtt den Heilsrezepten der Ha- kenkreuzler nicht wett her sein muß, wenn sie die freie Konkurrenz mtt anderen Parteien scheuen. Wäre ihr Programm wirklich die einzige Rettung für Deutschland, dann hätten sie es auch in einer Koalitton durchsetzen können. Es ist aber so, wie ein fränkischer Sozialdemokrat dieser Tage auf unserer Böhmer- waldkonfevenz sagte, daß ein parlamen- tarisckeS Hitlerregime nicht einmal die Kontrolle des schlechtesten Parlaments aushallen würde. So bleibt den Nazifascisten nur die Wahl zwischen langsamem Abwirtschaften in hoffnungsloser Wartestellung, oder rapidem Verfall, wenn sie regieren sollen, ohne daß dem Volke zuvor di« Kelten einer fascistischen Diktatur angelegt sind. DaS nächste Ergebnis des feigen AuSkneffens Httlers vor her angebotenen Verantwortung wird sein, daß eine neue Papenregierung— mit oder ohne Pa- Pen— berufen wird. Durch die Tölpelei der Nazis gewinnt die junkerlich-schwermdustrielle, die offen monarchistische Konterrevolutton in Deutschland ein« willkommen« Verlängerung ihrer Herrschaftsdauer zugemessen, bis daS deutsche Volk einsehen lernt, daß eS die Papen und Schleicher nur los wird, wenn es zuvor die Hitler und Göbbels zum Teufel sagt. Zu den Blamierten des Berliner Kuhhandels gehören auch unsere Nazis. Denn der „Tag" hat kürzlich unter Berufung auf den verstorbenen Abgeordneten P a tz e I erklärt, daß den deutschen Httlevianern doch schließlich nichts übrig bleiben wird, als die Beteiligung an einer Koalitionsregierung. Er fügte noch die prophetisch klingenden Worte hinzu: „Cs wird natürlich im Reiche— wie vorher in Preuße«— keinesfalls zu einer „Machtübernahme" durst Hitler kommen. Derartige Hoffnungen— und Befürchtungen— müssen, wenn sie je gehegt wurden, fallen gelassen wer- d e n. Was aber nicht nur möglich, sondern sogar sehr wahrscheinlich ist, das ist di« führende Beteiligung der reichsdeutschen Nationalsozialisten an der Reichsregierung, sowohl wie an den Regierungen sämtlicher Bundesstaaten. Und damit wird hoffentlich das große Geschrei um den Nationalsozialismus ei« End« finde» und dieser in einer Periode ruhiger miiiiiiimiiiiiiiiiiiHHnuiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiuuuwuiiiuuuniiiiiiiiiiiuiuiuuiuiuiuiiiiiuiUNWWii Den Staatsbeamten icbi es sibledi — wo die Nazis regieren. Das Ländchen Anhalt wird seit' wenigen Monaten von einer Naziregierung verwaltet. Unmittelbar nach den Wahlen hat dies« Raziregie- runq den Beamten aus dem Weg« des sogenannten Rollshstems eine Gehaltskürzung von 12% Prozent auferlegt. Bisher erhielten di« anhalti- schen Staatsbeamten ihr Monatsgehalt im voraus. Die Regierung beabsichtigt nnn, die Zahlung derart zu gestalten, daß das Gehalt in der Zeit von acht Monaten so bezahlt Wirtz, daß innerhalb von acht Monaten ein Monatsgehalt c i n g e s p a r t wird. Damit wird aus der Barauszahlung ein« Nachzahlung. Di« Beamten erhalten im Laufe von zwölf Monaten nur elf Monatsgehälter. Das haben st« davr«, daß fle als Wähler wesentlich dazu beigetragen haben, di« Nazi an die Regierung zu bringen. Um diesen„Erfolg" der Hitlerregierung in Anhalt ganz z« würdigen, muß man wissen, mit welchen Versprechungen die sozialdemokratischdemokratisch« Regierung Deist-Weber bekämpft worden ist, die bis dahin ohne ein« besonder« Gehaltskürzung ausgekommen war. Nou immer Zeugenverh&r in lglan. Jglau, 25. November. Heute ist der 31. Verhandlungstag. Zeuge Ina. Neumann, Stellvertreter des Präsidialchefs im Eisenbahnministerium, schildert, wie ihm K r e y s a im Borjahre, es kann am 1. August gewesen sein, von einem Angebot Zamazals, im Betrage von einer Million Kronen erzählt und ihn um Rat befragt habe. Da der Zeuge kein Jurist fei, habe er ihn zum Ministerialrat Trnka geschickt. Ministerialrat T r nka.vom Eisenbahnministerium sagt«US, daß er Ministermkrat Krejfa kenn«.. Er wisse sich zu erinnern, daß ihm Ministerialrat Neumann am 1. August 1931, als Trnka selbst in der Angelegenheit der Mutöjo- vicer Kohle eindernommen wurde, erzählt habe, wie Krehsa zu ihm gekommen sei und erklärt habe, daß er beim Untersuchungsrichter und im Untersuchungsausschuß nichts von dem Angebot Zamazals erwähnt habe. Zeug« habe Kreysa vorgehalten, warum er das bei der Untersuchung nicht vorgebracht habe. Krehsa antwortet«, er habe nicht daran gedacht. Das zweitemal sprach Ministerialrat Trnka mit Kreysa Ende Mai. Krehsa fragte, ob er nach Jglau gerufen werden wird. Trnka sagte ihm, daß er bestimmt gerufen werde und hielt ihm vor, warum er seinen Rat nicht befolgt habe: er habe im Prager Prozeß wiederum Entwicklung Proben seines Könnens abzulegen vermögen." Es ist jetzt nicht nur möglich, sondern sehr wahrscheinlich, daß auch ohne führende Betei- ttguug der Hakenkreuzler an der Reichsregie- yrng.das Geschrei um den Nattonaft'oftatts- pms in absehbarer Zeit anfhören wird. Noch einige solcher Proben ihres Nichtkönnens und die"Geittralptette kann beginnen. Je kälter die Lüße Hitlers beim Anstellen um die von seinen Geldgebern kärglich bemessen.« Machtratton werden, desto mehr werden sich die Köpfe unserer Nazigläubigen abkühlen. Die Hoff- ming, daß jemals ein Gesandter Httlers auf dem Hvadschin vorfahren wird, möge ihr Ber- ftinder— den wir ans ritterlichen Gründen hier nicht nennen wollen— für immer und ewig begraben. IIIHHUUUH{iIiniUUlIUUIIUIUIIIUUIUIUIHHHIiiUlilllKlllinillllllllllllinillllllll!IIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIUD nichts über Zamazak ausgesagt. Am 29. Oktober d. Ji kam Kreysa neuerdings zu Trnka und erklärte, daß er die Sache nun melden müsse. Auf dttLrqge, warum er das nicht, schon bei Gericht getan habe, antwortete Kreysa, sein Advokat habe Ihm geraten, darüber nicht zu sprechen. Dem Zeugen wurde aufgetragen, diesen Fall bei Gericht zu melden, und so tu« er«S. Uever den vorgelegten Kaufvertrag sagt der Zeug« aus, daß es ein« Abschrift deS Vertrages sei. Er fügt hinzu, daß die Anmerkungen am Rande kein Mitglied des juristischen Referats geschrieben haben kann. Wenn die Unterschrift des Ministers echt wäre, würde dieses vom Minister und der anderen Partei unterzeichnete Dokument zur Lieferung verpflichten. Ministerialrat Dr. Brune, Personalvefe- rent und ehemaliger Untersuchungsrichter, kennt Krehsa vom Sehen, doch hatte er keine näheren Beziehungen zu ihm.. Der Zeuge sagt im wesentlichen das gleiche aus wie der vorher einvernommene Zeuge. Aue deutsche Hausherrenpartei? Zwischen den Deutschnationalcn und den Landbündlern ist in den letzten Tagen, infolge der Versuche des LandbundcS, eine Hausherrenpartei ins Leben zu rufen, ein Kampf entbrannt. Die„Sudetendeutsche Tageszeitung", welch« di« letzt« Stütz« ihrer Partei wanken sieht, zieht mit schwerstem Geschütz los und stellt nichts weniger als das End« des deutschen Volkstums in der Tschechoslowakei in Aussicht, wenn die Hausherren die deutsche Nationalpartti verlassen. Di« Sorgen der„Sudettndeutschen Tageszeitung" werden von jedem verstanden werden. Bezweifeln möchten Wir aber, daß di« deutschen Bauern es begreifen werden, wozu der Landbund, di« ständische Organisation der deutschen Landwirt«, diesen Ableger braucht. Es hat den Anfcheitk, daß unsere deutschen Agrarier ihren tschechischen Freunden alles, nachmachen müssen) ohne daraus Rücksicht zu nehmen,-'ob sie damit die Interessen der Landwirte fördern. Di« Erfahrun- qech welche das Bündnis mit der Arbeits- und Wirtschaftsgemeinschaft gebracht Hat, scheinen schon vergessen zn sein und ebensowenig hat man eine Lehre daraus gezogen, daß di« tschechischen Bauern, und vor allem di« kleinen Landwirt« und Häu'kler, immer schwerer daran tragen, daß die tschechische Agrarpartei sich weniger durch ihre Wünsche als durch die Forderungen eines kleinen Klüngels von Haushrrrenvertretern leiten läßt. Die fchtveren Kämpfe, ivelche sich in den letzten Monaten dort abgespielt haben, werden auch durch diese Gegensätze hervorgerufen. Der Landbund scheint jetzt ebenfalls aus dem Weg zu einem Bündnis zwischen den ausgesprochenen Besitze klassen auf dem Lande und in der Stadt zu fein. Lange wird diese Tatsache den deutschen.Kleinbauern, und Häusler nicht verborgen bleiben. 8in gelungener Betriebrau-fchuß. - I» der Preßburger. Kabelfabrik wurden vor einiger Zeit die Wahlen in den. Be- lriebsausschuß durchgeführt, wobei fünf Kommunisten und zwei Freigewerkschaftler gewählt wurden. Bei der Konstituierung wurde ein Kommunist zum Vorsitzenden gewählt. Kurze Zeit darauf teilte nun der BeirttbSausschuß der Firma nrit, daß er auf seine Funktionen verzichtet Da dies nach dem Gesetz nicht möglich ist, wollte die Firma wenigstens wissen, aus welchen schwer- iviggenden Gründen sich der Betriebsausschuß zU diesem Schritte entschlossen hafte. Und nun konnte man den gewundenen Erklärungen folgendes entnehmen: Die Kommunisten hatttn— wahrscheinlich absichtlich, um die Institution deS Betriebsansschusses in Mißkredtt zu bringen— ihre„besten" Leute kandidiert und den„allerbesten" zum Obmann wählen lassen. Nach kurzer Zeit sah man, daß es auf diese Weile nicht gehen werde Und so wollte-sich der B.-A. dem drohenden Debakle durch die Gesamtdemission entziehen. Er verlangt von der Firma nicht mehr und nicht weniger, als daß sie zur Kftnrtnis nehm«, daß wegen der absoluten Unfähigkeit der kommunistischen Mitglieder und des kommunistischen Obmanns eine Arbeit nicht möglich sei. Das beschließen die Kommunisten im BetriebSouS- > schuß selbst und attestieren sick solchermaßen vor dem Unternehmer ihre eigene Unfähigkeit. Das. war wohl noch während der bisherige« Geschichte des BettiebSauSschußwescns noch nicht da. Aber abgesehen von der persönlichen Einschätzung, welche sich die kommunistischen Mitglieder deS B.-A. auf dies« Weise bezeugen, muß grundsätzlich gesagt werden, daß es geradezu ein Verbrechen an den Interessen der Arbeiterschaft ist, in solch schweren Zeiten wie den heutigen die einzige Institution, welche den Arbeitern. noch einigermaßen in den Betrieben zur Verfügung steht, auf diese Weise in Mißkredit zu bringen und lächerlich zu machen. So stellen sich die Kowmuni- sten die wirksame Tätigkeit für die Interessen der Arbeittr vor! Schwere Betriebswahluiederlage der Hakenkreuzter. Dieser Tage wurden die Wahlen in de« Betriebsausschuß der Firma Mücke und Melder (Drahtflechtsabrik) in Freistadt in Schlesien durchgeführt. Wahlberechtigt waren 384, abgegeben wurden 296 Stimmen, davon wurden für. den International«n Metallarb e it« r- verband abgegeben 207 Stimmen, er erhielt 6- Mandate,. di« H a le mk r eu z l e r.. erhielten. 89 Stimmen- und S Mandate. Früher war der ganze Betriebsausschuß' von den Hakenkreuzler« beherrscht und es wurde eine gegen di« Arbeittr gerichtete Politik getrieben. Jetzt ist ein größer Umschwung zugunsten der freien Gewerkschaft eingetreten. Leiter fau t Euren Mintern Heu proletarift&en Mintertalenter ,-FreunvsGaft" „Da muß ich aber wirklich lachen, Herr Doktor als Soldat, nein, wenn ich mir das vorstelle, aber Sie können nicht genommen werden, habe die Ehre." Der zweit« meint«: ,Zch an Ihrer Stell« ginge gar nicht hin. genommen können Herr Doktor so nicht werden." Der dritt«:„Das möchte ich gerne sehen, wie di« lachen werden, bis-er Herr Doktor auf-er Waage stthen wird, aber brauchen kann man beim Militär solche Leute nicht, seien Sie froh, Herr Doktor!" Di« vi«len Reden wirkten auf Emil aufreizend, er dachte, wenn die mich nur assentieren wollten, damit di« Leute sehen wie albern sie reden. Solche Gedanken überkommen einen in dem ungewohnten Zustand der Nüchternheit. Denn diesmal hatte Emil nichts getrunken kein Respekt vor dem Militär war offenbar größer als vor. der Wissenschaft und das mit Recht! der Stabsarzt war entsetzt:„Das ist ein Kapitalschwein, waS sind Sie von Beruf?" „Mediziner." Der Stabsarzt lächelt« verlegen und wollt« die Sache wieder einrenken: „Ich hab« gehört daß die Mediziner jetzt kein Bier mehr trinken, stimmt daS?" „DaS weih ich nicht, ich trinke niemals Alkohol." „So. und der Banch kommt wohl vom So-«' Waffe», machen Sie sich keinen guten Tag aus mir!" i „Sodawasser trinke ich gerne." „Schon gut, aber brauchen können wir Sie trotzdem nicht." „Schade." „Ich habe Ihnen schon einmal gesagt, Sie sollen sich keinen guten Tag aus mir machen, sonst assentier« ich Sie wirklich." „Ach,-aS wäre schön!" ,^Jetzt habe ich genug. Tauglich, mäßige Fettleibigkeit. Abtreten! Der nächste!" So war die k. u. k. Armee um den Ein- iährig-Freiwilligen-Me-iziner Emil Melisch vermehrt. Schon der erste Befehl-es Zugsführers Hüthansel hatte nahezu unüberwindliche Schwie- rigkeittn:„Zivilmontur ablegen, Uniform an« ziehen, dann hinaus auf den Gang zum Herrn Leutnant." Der erste Teil, das Ausziehen, ging verhältnismäßig leicht, aber der zweitt! „Herr Zugsführer., worauf legen Sie mehr Wert, ich weiß nämlich nicht, wo ich mit der Uniform meine Scham bedecken soll, ob vorn« oder hinten, auf beides reicht es nicht."_ „WaS geht daS mich an, erzählen Sie das dem Herrn Stabsarzt, wenn er uns solche Sol- daten schickt so soll er unS auch die Uniformen ozu liefern." Der Leutnant wurde ungeduldig:„Zugs ührcr. warum bekomme ich keine Meldung?" „Es sind noch nicht alle fertig." Der Leutnant drängte:„Wieviele fehlen noch?" „Einer." „Braucht-er eine Kinderfrau oder was ist -'M für«in« Primaballerina, beraut mit ihm!" Nach einer Weil«:„Also, was ist mit dem Kerl, noch nicht fertig?" „Nein." „Dann soll er herauskommen wie er ist 'ofort!" Und Emil«rschien, über die Knie ging d-e Host nicht heraus, die leeren Röhren sthstist« er aus dem Boden wie wenn er keine Beine hätte mit-em Rock war-er rechte Unterarm be -eckt wobei der übrige Teil bei Kleidungsstückes, der seine Bestimmung nicht finden konnte, nach Art einer Einkaufstasche heran ttrhing.„Warum ziehen Sie sich nicht ordentlich an?" „Ich melde gehorsamst, es geht nicht." .„Es muß gehen, verstanden? Es muß gehen, also gebt es?". ..„ES geht schon, aber ich gehe nicht hinein." „Und warum nicht, geben Sie Antwort!" „Es besttht bis zu einem gewissen Grad« ein Mißverhältnis m der Größe.. „Sie sind auch«in Mißverhältnis! Zugsführer, Sie lassen den Mann so lange Lausichritt machen, bis er in di« Höfe hereinpaßt. Die anderen rücken mit mir aus!" ZngSführcr Hofhansel ließ die Trupp« abmarschieren und meintt dann:„Eigentlich, haben wir eS zusammen ganz gut getroffen, mit dem LanWritt werden wir schön, langsam sein, damit Sie nicht den Atem verlieren, jetzt holen wir unS den RegimentSschneider und gehen mit ihm in di«.Kantine und-dort können wir die Geschichte wegen dxr Montur besprechen, aber auf eines Mache ich Sie gleich ausmerk'äm. ich ttinke nur Pflinek." Emil war der Vorschlag sehr sympathisch und Hofhanscl sogt«:„Sie scheinen ja ein ganz umgänglicher Mensch zu sein." Der Regimentsschneider versprach, sich die Arbeit io ein» rüteilen. daß man noch ein paarmal zusammenkommen müßte, bevor Emil so weit adinstlett wäre,' um mtt den anderen äusrücken zu können. Der Leutnant war machtlos; erst erklärt« der Schneider keinen Stoff für-re einzusehenden Zwickel zu besitzen, dann hatte er'sein« Brill« -erschlagen, dann hottt er Postarbett, Wäsche Hügeln kür die Frau Oberst und so fort. Nach einer Woche aber gab-er Leutnant den Befehl Emil müsse in Zivilkleidern mit den anderen insrücken. War schon«in Soldat von dttsem Umfange leeigittt,-a- Interesse und die Heiterkeit des Publikum» zu erregen, wieviel mehr erst. ei« solcher, di« Front de- Militär- erweiternder Zivilonkel; in großen Scharen folgte das Volk der Truppe, man stritt, wer sein richtiger Hinttr- man>n wäre, denn sein Rücken deckt« zweieinhalb Soldaten;' manche hielten ihn für den Major einer südamerikanischen Macht, der kommandiert worden war, um di« Berhältniss« in unsere» Armee zu studieren, andere sagten, er sei der Würstelmann, der nach den neuesten Vorschriften nftlitärksch ausgebildet sein müsse, um der Truppe in den Krieg folgen zu könne«. Endlich war die Uniform festig geworden und man beschloß, vor dem Morgen der Em- klelduvg noch einen Abschied vom Zivil zu feier«. Der Korporal bei der Torwache meintt:„Ich stehe da, um meinen Dienst, aber nicht, um euch Schwierigkeiten zu machen, wenn er« Zivilist di« .Kaserne" verläßt, kann eS mir nur recht sein der hat in der Kaserne nichts zu suchen, aber ob er dann wieder heremkann, ist eine andere Frage." / Emil-genügte- es vorläufig einmal draußen zu. settt, anf- daS Wiederhereinkommen- legt« er kein GÄicht. Gegen Mitternacht meintt Hoftzansel, eS wäre Zeit auszutrinken und aufzubrechen, um bör Ablösung der Torwach« in der Kaserne zu sei«, allein davon wollte der. Schneider nichts wissen:„Das ist ein« Rücksichtslosigkeit gegen mich, ich habe die Arbeit mit der Uniform gehabt und jetzt, wo ich anfang« Durst zu bekommen, wollt chr gehen, geh» Zugssuhrer, wenn du Angst host, uns ist Furcht fremd, nicht tvahr, Herr Doktor?" „Meine Herren, für mich ist cS da schwer »litzurcöen, ich bin«in Soldat, ich habe geleryt zu folgen, ich weiß nur nicht wem, aber das eine muß ich sagen, hier gefällt«S mir besser als in der Kaserne." Hofhanscl.warf noch einen süchtigen Blick auf di« Gasthausuhr und überließ'eine Kumpine ihrem Schicksal! Bald darauf stürzte der Ober herein:„Rasch zahlen, mein« Herren, di« Garnison-Patrouille kommt." Der Regimentsschneider machte sich aus dem Staube, die große Eile zwang ihn, da» Ordnen-er Zeche Emil zu überlassen,-er als' Zivilist nichts zu fürchten hatte,(Fortsetzung folgt.). Wr. 279 Smnstag, 2«. November 1882 Seite 3 Die Opposition hol leimt reden! Die Front der Staaisbeamtcnrctter Prag, 25. November. Das Abgeordnetenhaus nahm heute zunächst das Grenz st atut mit Polen an und befaßte sich dann mit der Regierungsvorlage über die Einstellung der Wirksamkeit des Gesetzes vom Jahre 1930 über die W e i h n a ch t s z u l a g e an die aktiven Staatsangestellten urü> Lehrer. Der Referent Banöo erklärt«, daß die Vorlage zwar unpopulär, aber leider unbedingt notwendig sei. Ti« Staatseinnahmen sinken rasch und rapid; neue Einnahmsquellen zu erschließe», besteht keine Aussicht und der Staat darf daher nicht mehr ausgeben, als er einnimmt, wenn er nicht seine Grundlagen erschüttern will. Alle Bürger des Staates müten nach ihren Kräften die schweren Lasten der heutigen Zeit tragen Helsen. Der zweite Referent, Dr. N o s e k, wies darauf hin, daß sich bereits zur Zeit der Einführung der Zulage vor zwei Jahren die ersten Anzeichen der schtveren Krise bemerkbar machten und daß schon damals Zweifel ausgesprochen wurden, ob es möglich sein werde, die Errungenschaften der Vorlage zu behaupten. Schon vor einem Jahr mußte die Vorlage restringiert werden und heute muß die verantwortliche Regierungsmehrheit— sicher nicht aus bösem Willen— zur Sistierung der Vorlage greifen; es ist eine harte Notwendigkeit, die keinen anderen Ausweg kennt. Die Regierungsparteien begnügten sich mit diesen Darlegungen der Referenten. Die Vorlage bringt ja niemandem eine Ueberraschung, denn es gibt wohl kaum einen Staatsangestellten, der angesichts der seit langem bekannten Ebbe in den Staatskaffen noch ernsthaft mit der Auszahlung auch nur eines Teiles der Zulage gerechnet hätte. Es waren di« sozialistischen Parteien, auf deren Drängen die Zulage im Jahre 1930 noch eingeführt wurde, obschon damals ernste Krisenanzeichen sich zeigten. Es waren auch im Vorjahr wieder die sozialistischen Parteien, die es durchsetzten, daß wenigstens die unteren und mittleren Kategorien der Staatsangestellten die Zulage noch zur Hälfte ausbezahlt erhielten. Die katastrophale Verschlechterung der Staatsfinanzen hat Heuer ein ähnliches Vorgehen unmöglich gemacht. Die Sozialdemokraten müffen sich jetzt darauf konzentrieren, die kleinen Staatsangestellten wenigstens vor der geplanten Kürzung ihres regulären Gehaltes zu bewahren, die angesichts des unbedeckten Defizits in den höheren Kategorien wohl unvermeidlich' sein wird. Die Opposition hat natürlich kein« Sorgen, woher das Geld zur Auszahlung der Remuneration zu schaffen wäre. Die oppositionellen Redner setzten sich daher mit einem entsprechenden Kraft- und Phrasenaufwand gegen die Vorlage zur Währ. Erst vor kurzem ging eine Meldung durch die Presst, daß in Sowjet,Rußland über 100.000 Staatsangestellte abgebaut und kurzerhand auf die Landwirffchaft und Industrie aufgeteilt wurden. Unsere Kommunisten dagegen überboten sich heute in plumpen Anbiederungsversuchen an die Stoatsangestellten und protesti«rten gegen jeden Angriff auf die Gehälter. . Herr Simm(Nat.-Soz.) erzählte auch nicht ein Sterbenswörtchen davon, wie seine Parteigenoffen in einzelnen deutschen Ländern, wo sie zur Macht gelangt sind, di« Beamtengehalte reduzieren, sondern verdammte die Vorlage und all« kommenden Abbaugesetze in Grund und Boden. Herr Greif (Christlichsoz.) war trotz aller Demagogie doch wenigstens so' weit ehrlich, daß er sich in einem Ad- änderungsantrag für Heuer mit der Streichung einverstanden erklären wollt«. Herr Schollichj (D. Rat.) stellte die Behauptung auf, durch ent-! sprechende Vorsorge könnten noch Reserven von fünf bis sechs Milliarden(!) aus den Steuer- e i n g ä n g e n der früheren Jahre vorhanden sei«. Dabei sind es doch gerade die wohlhabenden Staatsbürger seiner Richtung, mögen es nun Deuffche oder Tschechen sein, die vom Steuerzahlen n t e etwas gehalten haben, und ausschließlich die Bürgerkoalition war es, di« diesen Schichten geradezu einen Freibrief für Steuersabotage ausgestellt hat! Sogar die Theorie von der sinkenden Kaufkraft nrachte sich Herr Schc^- lich zu eigen. Wenn seine Herren Fabrikanten aber die Löhne mutwillig herabsetzen, nur um ihren privaten Profit noch weiter zu steigern, dann fft ihnen unseres Wiffens derselbe Herr Schollig noch niemals entgegengetreten. Bei der Abstimmung machten sich die Kommunisten durch allerhand höhnende Zwischenrufe patzig. Die Vorlage wurde in beiden Lesungen angenommen; sie wird am Montag nachmittags bereits im Senat aufgelegt und voraussichtlich Dienstag verabschiedet werden. Einige zweite Lesungen füllten die restliche Sitzung aus. Räch st e Sitzung Dienstag, den 29. November, um 3 Uhr nachmittags. Tagesordnung: Die unerledigten Punkte von heute. Lärm in der Pariser Kammer. Paris, 25. November. Tst Kammer hielt eine Nachtsitzung ab,'die bis vier Uhr früh dauerte und einen stürmischen Verlauf nahm. Schließlich wurde mit 485 gegen 18 Stimmen eine Tagesordnung der radikalen Partei angenommen, in der der Regierung das Vertrauen ausgesprochen wird, daß sie in den Fluggesellschaften Ordnung schaffen wird, besonders in der Aero- Postalc-Gestllschast, die unter staatlicher Aussicht di« Verbindung zwischen Frankreich und Südamerika herstellt. Eine Sonderkommiffion, bestehend aus Fachleuten in Finanr- und Flugfragen, wurde damit betraut, den effektiven Stand der in der Interpellation angeführten Angelegenheiten zu untersuchen. Wie bekommt die Soße letzte Feinheit? Eine wirklich schmackhafte Sofee darf nicht zu lang sein und nicht zu kurz, nicht währig, aber uiiiiiiiiiiiiiiiiiiuiiiiHiiniNuiniiiiiiiiiiiiiiiiiiuiiiiiiiiiiiuiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiuiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiuiiiiiiiiiuiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiniiiiiuiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiuiiiiiiiniiuiiiiiiiitiiiniiiiiaiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiniin Die Arbeit der Siebenerkommission: 923,7 Millionen Ahstridie in den Sadiraben. Davon 560 Millionen durch Einnahmenrüdtgang bei Post und Bahn absorbiert. Prag, 25. November. Der fiebengliedrige Ausschuß der koalierten Parteien, der vor einigen Wochen auf Wuusch der Regierung zur Reduzierung der Ausgabenseite des Budgets eingesetzt worden war, hielt heut« sein« Schlußsitzung ab, in der eine Ueberficht über die Anträge ausgearbeitet wurde, die die Herabsetzung der Ausgaben in der eigentlichen Staatsverwaltung sowie auch die Herabsetzung der Ausgaben bezw. die Erhöhung der Einnahmen bei den staatlichen Unternehmungen zum Gegenstand haben. Die Anträge aus Herabsetzung des Defizits auf dieser Grundlage erfassen Beträge von insgesamt 923 Millionen. Der siebettgliedrige Ausschuß, der sich aus dem Vorsitzenden Dr. L e r n y und den Mitgliedern Reme«, Bergmann, Dr. Nosek, Hackenberg, Dr. Hodaö und Windirsch zusammengesetzt hat, wie es in einem offiziellen Kommunique heißt, durch drei Wochen hindurch in permanenter Tagung sorgfältig di« einzelnen Budgetposten unter Mitarbeit der Fachreferenten durchgearbeitet; sein« in jeder Richtung durchdachten Anträge sind das Ergebnis dieser Beratungen. Der Ausschuß hat freilrch seine Aufmerksamkeit auch auf die großen Einnah mspo st en ausgedehnt, mit denen das Budget rechnet, und da wurde sichergestellt, daß man nach der Erklärung der zuständigen Refforts gegenüber dem ursprünglichen Budgetentwurf für das kommende Jahr im Eisenbahnmini st erium ein. weiteres Sinken der Einnahmen um 500 Millionen und im Postministerium um 60 Millionen erwarten muß. Dieser Umstand vergrößert allerdings das erwartete Defizit und macht nach Ansicht des Ausschusses die Durchführung weiterer Ersparungen in den Sachausgaben notwendig. Der Ausschuß schlägt daher der Regierung vor, über die Durchführung derartiger Abstriche selbst Beschlüsst zu fassen, und erklärt seine Bereitheit, bei den Verhandlungen über diese Abstriche mitzuarbeiten. Der Ausschuß hat sich in seinen Verhandlungen auf solche Sparanträge beschränkt, die im Budget selbst durchgeführt werden und sich infolgedessen schon ab 1. Jänner 1933 auswirken können. Er ist sich dessen bewußt, daß es notwendig sein wird, ungesäumt zu Verhandlungen über die Reorganisierung der Staatsverwaltung zu schreiten, die organisatorische Ersparungen verbürgen würde, die sich allerdings erst im Verlauf einer späteren Zeit auswirken würden. ch Wir veröffentlichen nachfolgend in einer 'tabellarischen Ueberficht die nach den einzelnen Ressorts spezialisierten Streichungen und sonstigen Aeyderungcn am nächstjährigen Budget. Alle Ziffern beziehen sich auf den allerdings noch nicht veröffentlichten Budgetentwurf füp 1933, der im Sommer des Jahres vom Finanzministerium ausgearbeitet wurde. a) Eigentliche Staatsverwaltung: Kap. Bezeichnung Herabsetzung Ausgaben Erhöhung der Herabsetzung Einnahmen Endresultat l Präsident der Republik.. 1,696.600 — 1,696.600 2 Gesetzgebende Körperschaften 1,185.000 ■—i — 1,185.000 3 Ministerratspräsidium... 4,707.200 — — 4,707.200 4 Aenßeres 14,916.200 — 14,916.200 5 Verteidigung...... 69,792.630 — ....—. 69,792.630 6 Inneres . 1 4,559.600 — 4,559.600 7 Justiz und Oberstes Gericht 9,472.400 — 9,472.400 8 Unifizierung 113.000 — — 113.000 9 Oberstes Mrwaltungegericht 411.300 ~r~ — 411.300 10 Schulwesen 52,828.000 — 52,828.000 11 Landwirtschaft..... 16,015.400 16,015.400 12 Staatsbodenamt 445.200 445.200 13 Handel 4,393.000' — 4,393.000 14 Öefsentliche Arbeiten... 116,725.400 116,725.400 i5 Post und Telegr 395.300 395.000 .— 16 Eisenbahnen 1.264.400 1,264.400 „>— 17 Sozial« Fürsorge.... 13,091.900 13,091.900 18 Volksverpflegung.... ' 656.400 656.400 19 Gesundheitswesen.... 6,066.900 6,066.900 20 Pcnsioueu — 21 Finanzministerium... 84,251.400 — 84351.400 22 Oberstes Kontrollamt... 65.000 — 65.000 Summ«.. 403,053.230 — 2,104.900 400,947.330 t») Staatliche Unternehmungen: Kap. Unternehmen Herabsetzung Erhöhung Herabsetzung der Ausgaben der Einnahmen«Ä'dSiffi Endresultat 1 Tabakregir...... 12,907.000 26-000.000 38,907.000 2 Staatslotteri« 39.000 89.000 3 Münzanstalt 342.800 —— 342.800 4« Post 60,262.800 240.000 60,502.800*) 4b Postsparkasse 2,502.000 305.000 2,807.000 5 Staatsbahnen..... 168,087.700 <7,553.000 — 104,74^.300 350.389.0tw**) 6 Wälder und Güter... 39,538.600 — 39,538.600 9 Berg- und Hütten-Betriebe 21,945.000 — — 21,945.000 10 Militärisch« Flugzeugfabrik 632.000 — __ 632.000 11 Militärische Waldunternrhmungen 5,855.000 — — 5,855.000 12 Staatl. Bäder 212.300 13 Staatsdruckereien: a) im Wirkungskreis des Mini- 212.300 sterratspräs.... 641.000 b) im Wirkungskreis des Ber — 641.000 digungs-Min.. 167.000 — 167.000 14 Amtszeitungen.... 565.000 — 73.200«= 491.800 15 Tschechosl. Preßbüro.. 267.400 — 267.400 Summe. 314,014.600 104,098.000 73.200 104,748.300 522,787.700 *) Hievon abzuziehen GO Millionen an Mindereinnahmen. **) Hievon abzuziehen 300 Millionen an Mindereinnahmen. Es ergibt sich daraus, daß in der eigentlichen Staatsverwaltung di« vom Siebenerausschuß durchgesührten Kürzungen eine« Betrag von 409,947.330 Kronen erreichen. I« Budget der staatliche« Unternehmungen ergeben di« vom Ausschuß durchgesührten Aeuderungen eine« Betrag vo« 522,787.700 Krone«. Allerdings wird diese Summe dadurch aufgezehrt, daß die Einnahmenschätzun- ge« für das nächst« Jahr im Postministerium 60 Millionen und im Eisenbahnministerium sogar um eine halb« Milliarde Kronen herabgesetzt werden müffen, da es sich auf Grund der bisherigen Ergebnisse des heurigen Jahres gezeigt hat, daß die ursprünglichen Einnahmeschatzungen V i«l zu hoch gegriffen sind. Dadurch ergibt sich im Endresultat, daß gegenüber dem Entwurf des Finanzministeriums das Budget der staatlichen Unternehmungen sich um 37,212.300. Kronen verschlechtert. Allerdings sind dann schon die großen Reserven für den Einnahmenrückgang in den beiden erwähnten Ministerien bereitgestellt. «al Hie Regierung zugestimmt? Der Siebenerausschuß hat diese Vorschläge sofort an die Regstrung weitergeleitet. Am Nachmittag sand bereits eine Sitzung des M i- ni ft errat es statt, in der, wie es in einem amtlichen Kommunique« heißt,„ber Ausgabenteil des Entwurfes des Staatsbudgets sowie der Entwurf für die Budgets der staatlichen Unternehmen für 1933 durchebraten und gebilligt" wurden. Nach diesem Kommunique« zu schließen, hat sich die im Interesse der Öffentlichkeit so dringend nötige Berichterstattung über die Arbeiten der Regierung auch unter dem neuen ! Ministerpräsidenten alles andere als gebessert. So haben es die Verfasser des heutigen Komuniquees schon nicht mehr für notwendig gehalten, auch nur in der leisesten Form auf die die Oeffentlichkeit heute doch ganz besonders interessiereiMe Frage einzugehen, ob di« Regierung sich den oben besprochenen Entwurf der (von ihr ausdrücklich gewünschten!) Siebenerkommission zu eigen gemacht hat, beziehungsweise ob und in welchem Umfang daran Aende- rungen oder Streichungen vorgenommen wurden. Durch eine solche„Berichterstattung" wird das Verständnis der Bevölkerung für die schwere und verantwortungsvolle Arbeit der Regierung sicher nicht gefördert werden! Der Minffterrat billigte ferner ine Maßnahmen für die weitere Durchführung der Unterstützungsaktion für die Arbeitslosen in der nächste« Zeit sauch hier fehlt jede weitere konkrete Angabe!) und beriet die angekündigte Exekutionsnovelle. eine amtliche Darstellung über die Schießerei vom Polomka. Prag, 25. November. Heute wurde im Abgeordnetenhaus« die schriftliche Antwort der Regierung auf die Interpellation der Koalitionsparteien über die Vorfälle in Polomka aufgelegt. Es heißt darin, daß die Forderung, die ain 12. November exekutiv eingetriebeu werden sollte, 804 K für gelieferte Nahrungsmittel betrug. Zur Feilbietung sollte der Hausameil der Anna Tolar gelangen, der vom Gemeindevorsteher a u s lediglich 505 K geschätzt wurde.(Die ursprünglichen Meldungen, daß es sich um ein Objekt im Wert von 28.000 K gehandelt habe, wären demnach stark übertrieben.) Die Exekkution wurde vereitelt, wobei der Exekutor durch Steinwürst vertrieben wurde. Als später die ersten Verhaftungen erfolgten, habe eine plainuäßige kommunistische Agitation eingesetzt. Am 16. November sei die Gen? darmeri«, die weitere Verhaftungen durchführen sollte, von einer bewaffneten Menge von etwa 100!) Leuten angefallen worden; die auf Alarmsignale herbeieilten und mit Sensen,.Dreschflegeln, Knütteln usw. bewaffnet waren. An einer anderen Stelle seien sechs Gendarnien, die den Zugang zum Ort absperrten, von etwa 500 Personen mit Steinen und Knütteln beworfen worden; die sechsmalige Aufforderung zum Auseinandergehen habe nichts genützt. Erst als die Situation für die Gendarmen a t a st r o p h al" wurde, hätten sic aus Kommando geschossen. Am Ort des Zusammenstoßes seien dicke Knüttel und bis anderthalb Kilo schwere Steine zurückgeblieben. Ter eine der beiden Toten hätte einen armdicken, 1.30 Meter langen Knüttel noch in der Hand gehalten Die sofort entsendete Untersuchungskommission habe erklärt, daß der Waffengebrauch nach dem Gesttz begründet war. Die Leut« in Polomka seien von der Natur aus reizbar und durch Alkoholgenuß noch leichter der Erregung zugänglich. Di« Arbeitslosigkeit, hätte es gewissenlosen Elementen erleichtert, eine verhältnismäßig unbedeutende Angelegenheit, wie eS eine Exekution wegen einer privat- rechtlichen Forderung sei, zu einer zügellosen Agitation auSzunützen. Die leichtgläubigen Leu'« seien von kommunistischen Agitatoren durch Meldungen aufgeputscht worden, daß die Leute in Karpchho- rußland straflos die Exekutoren vertreiben und daß es der Gendarmerie verboten fei zu schießen. Da bereits Ruhe erngetreten sei, werde die Gendarmerie in den nächsten Tagen abberusen tverden. Eine ganze Reihe von Personen wurde in Haft genommen, die der Anstiftung der Unruhen verdächtig sind. Ueber einen eventuellen Schadenersatz an die Hinterbliebenen der Getöteten werde nach dem Gesetz 187/1920 entschieden werden. Seite 4 SamStag, 26. Novemb«r1W2 Nr. 279 „Sein oder Nichtsein“ — Ist iiun nelir die fn.e •bet: „Die MalkUIer, die am Boden kriemen.*' So ganz verkästen hat„Der Tag" den Hitler nicht. Er tat seinerzeit nur so— aus bestimmten, hier nicht näher zu erörternden Gründen— und heute ist seine Gesinnungsgemeinschaft mit Hitlern schon wieder hergestcllt. Heute? Gestern war sie es, da immer noch Aussicht bestand, daß Hitler Kanzler wird. Vielleicht ist er für den„Tag" heute schon wieder die Primadonna, so daß also sein dritter von uns vorausgesagte Verrat an Hitler schon fällig geworden wäre. Gestern— jä, gestern ging es nach dem „Tag"(siehe Leitartikel) um„Sein oder Nichtsein": wird Hitler Kanzler sein, wird er es nicht fein? Und das deutsche Volk sah vergnügt einem Blindekuh-Spiel zu, das man in der Demokratie noch nie zu sehen gekriegt hat: es sah den„Führer" eingeklemmt zwischen Machthunger und Angst, es sah ihn, den Kühnen, Großen, ratlos im Kreise seiner Ratgeber, sah, wie er von den Strasser, Goebbeles und Frick als Fangball in die Reichskanzlei und von dort zurückgeworfen wurde. Und„Der Tasi", den Er- eigniflen immer um vierundzwanzrg Stunden nachstürmend, freut sich in der Freitag-Ausgabe noch zimmer besten, daß„die große nationalsozialistische Bewegung ihren Führer und die in ihr schlummernden gewaltitzen Kräfte positiv zum Aufbau Deutschlands zur Verfügung stellt". (Bisher geschah das negativ, wie auch der in diesen Tagen bekanntgcwordene Urteilsspruch im Oldenburger Bombenwerferprozeß beweist, der einen Nazi-ReichStagsabgeordneten wegen schweren Verbrechens auf einige Jahre ins Zuchthaus schickt.)„Das ist die große, geschichtliche Bedeutung und die gewaltige Wendung in den letzten Tagen/" ES sollte alles gut werden in Deutschland, denn:„Das große Aktivum dieser Tage ist das wieoerhergestellte Vertrauen zwischen Hindenburg und Hiller." Ei, gehst denn nicht! Der„Tag"- Redaktion wird heute rot vor den Augen geworden sein, als sie dir Nachrichten der anderen Blätter mit ihrem eigenen Leitartikel verglich; sie ist in dem Bestreben, dem nebbich angehenden Kaiizler Wieder hinten hineinzukriechen, halt ein bißchen zu weit gegangen und muß in der nächsten Ausgabe des Grubenhundeblattes das gerade Gegenteil berichten, sie, die so großzügig war, auf die Form, in der Hitler zur Macht kommt, keinen Wert zu legen, weil ihr nur„maßgebend ist, ob der Führer der größten politischen Bewegung Deutschlands überhaupt zur Führung der Reichsgeschicke kommt." Man sieht in den Spalten deS»Tag" geradezu das tief ergriffene Herz seiner Redakteure schlagen, da sie von der„großen geschichtlichen Stunde" schreiben, die»Bedeutung und Wert weit über den Tag hinaus" hat— und nun doch nur im„Tag" erfüllt ward. ES hat allerdings Leute gegeben, die dem Spiel Hitler—Hindenburg mit geringeren Blähungen in Herz und Bauch zusahen, als der „Tag", der darob also über sie richtete: Nur die politischen Maikäfer, die immer am Boden kriechen und stets auf der Suche nach Futter stich, können diese Bedeutung und Wendung nicht erkennen, weil sie nicht entwicklungsgeschichtlich zu denken vermögen und blind Und taub vor lauter„Parteiintevesse" sind. Da hat„Der Tag" selbst den— sicherlich nicht rassereinen— Busch Lügen gestraft, der einmal behauptete, daß„jeoer weiß, waS so ein Maikäfer für ein Bogel sei" und so den nicht Naturkundigen immerhin die Vorstellung vermittelte, daß die Maikäfer fliegen.„Der Tag" meint vielleicht die Engerlinge, die zwar blind und taub sind, aber nicht„am" Boden, sondern in ihm kriechen. Aber wir schreiben November und bei dem kurzen Gedächtnis der„Tag"»Redakteure ist es kein Wunder, daß ihnen die Lebensweise der Maikäfer unbekannt ist, die nicht„am" Boden, sondern, um in der Sprach« des„Tag" zu reden, „am" Bäumen leben, und, wenn st« in der abendlichen Dämmerung fliegen, auch summen —, und zwar ein viel verständlicheres Deutsch als die„Tag"-Redakt«ure schreiben. Aber die politischen Maikäfer, die für die geschichtliche Größe Hitlers blind sind und seine verpaßten Gelegenheiten beim richtigen Namen nennen, sind nicht so harmlos, wie sie scheinen. Sie sind es, die das Fehlschlagen der Hitherschen Bemühungen verschuldet haben. Was kann selbst ein Hitler tun, wenn„allerlei dunfl« Mächte, bei denen Juden und Freimaurer die Hauptrolle spielen, ununterbrochen am Werk« sind, um den Weg des nationalsozialistischen Führer» zur Führung der Reichspolitik zu verstellen und mit Fußangeln zu belegen"? Sein oder Nichtsein— da« war gestern die Frage; heute jedoch nicht mehr. Heute hat sich dem großen Trommler— wielange wird das Fell noch halten?— der Trompeter gesellt, der die zwar schöne, aber wehmütige Melodie spielt: „Behüt dich Gott, es wär' so schön gewesen, behüt, dich Gott, es hat nicht sollen sein." Sein oder Nichtsein? Nun,„Der Tag" ist noch immer. Er ist nun sogar autark geworden in der Fabrikation von Grubenhunden; jeder Artikel, den er über Hitler schreibt ist ein Pracht- Mmplar, das laut und fröhlich bellt. Tagesneuigkeiten Siccarv will zwei Ameri'aner in die tzttaiojMre schicken, weil ihm selber dort zu kalt ist. Brüffel, 25. November. Professor August Piccavd, der den Rekord im Fluge in die Stratosphäre erreichte, wird im Jänner 1933 nach den Vereinigten Staaten reisen, um ztvei amerikanische Forscher, deren Namen bisher geheim bleiben, in alle Fragen, die den Stratosphärenflug mit dem Ballon betreffen, einzuweihen und mit ihnen die entsprechenden Vorbereitungen zu einem neuen Ballonflug zu treffen. Professor Picvard selbst wird aber an dem Fluge nicht terl- nchmen, da er, wie er erklärte, die schreckliche Kälte, die in der Stratosphäre herrsche, nicht ertragen könne. Der neue Persuchsballon in die Stratosphäre wird im Jahre 1934 im Gebiete der Hudsonbay vorgeführt werden. AmollSufer tötet sechs Personen. Seattle(Staat Washington), 25. November. Ein P h i l i p p i n e lief m den' Straßen der Stadt Amok und stach eine große Anzahl von Passanten nieder. Insgesamt wurden sechs Personen getötet und mehr als zwölf verwundet, bevor der Rasende ergriffen und kampfunfähig gemacht werden konnte. verficherungrschwindler vor Gericht. Don 148 Angeklagten, die sich vor dem erweiterten Schöffengericht zu Oppeln wegen Versicherungsbetruges zu verantworten hatten, wurden 54 mit Geldstrafen bis zu 50 Mark, 6 zu Gefängnisstrafen verurteilt. Die übrigen Angeklagten wurden freigesprochen. Die Verurteilten, durchweg Keine Leute aus Popelau und Chroschütz(im nordwestlichen Teil des Oppelner Landkreises) haben sich künstlich Krankheiten beigebracht, um von Versicherungsgesellschaften Krankengelder beziehen zu können. Die Betrügereien liegen bereits mehrere Jahre zurück. Die Summen, um die die Gesellschaften, zumeist Zeitschriftenverstcherunaen, geschädigt wurden, schwanken bei den einzelnen Angeklagten jeweils zwischen 40 und 880 Mark. 180 Personen hatten sich bereits in Einzelverfahren zu verantworten. Die Methode des Betruges; Einige der Angeklagten schmierten auf künstlich wund geriebene Körperstellen eine für Pferde bestimmte Hautsalbe, die auf dem menschlichen Körper gesähAich aussehende Ausschläge hervorruft. Auf Grund dieser„Erkrankungen" ließen sich die Versicherten Unfallrenten und Krankengelder auszahlen; andere Angeklagte erfanden Stürze vom Fahrrad oder von der Treppe. Die Väter des Betrugsgedankens waren die Versicherungswerber. Sie verdienten reichlich an den sich häufenden Versicherungsabschlüssen, außerdem durch den Verkauf der Pferdesalbe, die begreiflicherweise reißenden Absatz fand. Einem mitangeklagten Arzt m d einem Heilkundigen wurde zur Last gelegt, daß sie massenhaft Krankheitsbescheinigungen ausstellten. ohne jemals die„Erkrankten" und„Verunglückten" gesehen zu haben. Die Milde des Gerichts erklärt sich wohl damit, daß das Moment der Verführung bei den meisten der Angeklagten sehr groß gewesen ist. ,Hch".„Der Führer",„Die Hoffnung Deutschlands",„Die Zuversicht von Millionen"— das sind einige■ der Lobhudeleien an Hitler, die in der nationalsozialistifchen Presse Tao um Tag zu lesen sind. Gottbegnadet scheint Hitler den vielen Nachläufern des Nationalsozialismus;. den Onkeln und Tanten beim Kaffeeklatsch und in der guten Stube, den Jungfrauen, die ihm bei seinen„Siegeszügen durch Deutschland" Blumen überreichen, den SA-Leuten, die unter seiner Füh- rung in den Himmel des Dritten Reiches kommen wollen. Nicht mehr die Demokratie soll gelten, deren Hauptmerkmal der Kuhhandel sei, sondern der kraftvolle Wille des Einzelnen, der da kommt, sieht Und entscheidet. Nicht Köpfe sollen das Volk führen, sondern der eine Kopf. Und wer die Aeußerungen des Herrn Hitler liest, wird sagen müffen, daß wenigstens die Art ihrer Stilisierung sein „Gottesgnadentum" offenbart. In dem letzten Schreiben an den Staatssekretär Meißner beginnt jeder Satz mit dem Wörtchen„I ch". Siehe, welch ein Mensch!— Und doch, ist dieser Brief nichts anderes als das Ergebnis langwieriger Beratungen, die Hitler mit seinen Parteifreunden tage- und nächtelang im Hotel „Kaiserhof" abhielt. Der göttlich« Führer verachtet also mit nichten auf den Rat seiner Freunde, im Gegenteil: er kann ohne ihn nichtS anfangen; seine Aufgabe innerhalb der nationalsozialistischen Bewegung ist es jedoch, das, was seine Klique erarbeitete, als seinen Willen, seinen Entschluß zu verkünden, auf daß die Masse an ihn, den „Führer", glaube.„Ich"— das ist Anmaßung aus agitatorischen Gründen, das fft ein Wörtchen, hinter dem sich das Hitlersche Nichts verbirgt und die Tatsache, daß nicht einmal innerhalb der fascistischen Bewegung der eine Kops regiert, sondern eben einige Köpfe. Das „Ich",„Der Führer"— das ist ein Sch w i n- d e l, für jene^rechnet, die immer etwas zum Anbeten brauchen. Wucherpreise in den Bahnhofsrestaurationen. Man.empört sich mit Recht darüber, daß die Preise der Lebensmittel in dieser Zeit dcs göwal- ngsten Warenüb:rschusies im Steigen begriffen sind. Diese Preissteigerungen und die damit ver- bundene. Ausplünderung dos Volkes sind aber im Dechältnis geringfügig gegenüber den wahrhaften Wucherpreisen, die man heute noch viel- stuh in den Bahnhofsrestaurationen findet. So kostet beispielsweise am Buffet des Bahnhofes in Aussig eine„Schinkensemmel" drei Krott e tt. Um diese drei Kronen bekommt man eine altbackene Semmel, auf welcher pro forma ein Nein.wenig Butter aufgeschmiert fft, während zwischen den beiden Semmelhälsten eine dünne Schöbe Schinken liegt. Die Herstellungskosten dieser Semmel betragen gewiß nicht einmal eine KroNe: es wird also mit einem Profit von mindestens 200 Prozent, eher aber noch mehr, ge- arbeitet. Während man heute schon um vier oder fünf Kronen ein warmes Mittagessen bekommt, getraut sich ein Bahnhofsrestaurateur, von den Reisenden, die daraus angewiesen sind, sich während der Fahrt eine Kleinigkeit zum Essen zu kaufen, solche Schandpreise. Dabei fft diese Pveirpoüttk auch vom geschäftlichen Standpunkt so. ziemlich dos dümmste, was man sich vorstellen kann, weil sich ein Reisender vielleicht einmal, aber.kein zweitesmal mehr anschmiert, nachdem or beim Solcher um denselben Preis beinahe zehn Deka Schinken bekommt. Die Staotsbcchniürektionen haben ja gegenüber den Pächtern der Bahnhofswirtschaften bestimmte Kontrollbefugnisse hinsichtlich der Preisgestaltung. Sie sollten sich nicht nur auf die Üeber- prüfung der Speisekarten beschränken(auch hier sind die Preffe meist in gar keinem Verhältnis zu jenen, wie sie heute schon in den Gastivlrt- schcfften üblich sind), sondern auch den Buffetpreisen ihre Aufmerksamkeit widmsn. jb. Kein höherer Ertrag durch di« Erhöhung der Tabakpreis«. Di« Tabakregie hat mit der Preiserhöhung schlechte Erfahrungen gemacht, da trotz der höheren Preise der Ertrag nicht gestiegen, fft. So werden die Gesamteinnahmen der Tabakregie vom Jänner bis September mit 1616 Millionen K angegeben, daS ist ungefähr gleich hoch wie im Vorfahre. Gegenüber dem Präliminare bleiben die Einnahmen mit 269 Millionen im Rückstände. An den Staat führte die Tabakregie vom Jänner bis September insgesamt 956 Millionen ab, däs ist uM 60 Millionen weniger als im Vorjahre, und um 124.0 Millionen, d. i. um 12 Prozent, weniger als im Präliminare vorgesehen war. Raubmord. In Olvenstedt bei Magdeburg wurde Donnerstag früh die 67 Jahre alt«Frau Dürre in ihrer Wohnung ermordet ausgesunden. Die Mörder halben die Wohnung durchsucht und verschiedene Behälter zerbrochen. Di« Bergungsarbeiten auf dem Delbrück- Schacht in Oberschlesien, auf welchem.eine Streck« von etwa 80 Meter Länge zu Bruch gegangen ist, werden nun auch von der westlichen Seite aus fortgesetzt, wo man schneller vorankommt. Bon den viel E inge sch lass e neu wurden nicht mehr Klopfzeichen gehört. Im Zusammenhang mit deu Unruhen in Gens vom 9. November wurden zahlreiche „unerwünschte" Ausländer in den letzten Tagen ausgewiesen, Teures Gold. Auf dem Londoner Markte erreichte am Freitag der Goldpreis das höchste Niveau, das er je aufzuweisen hatte, nämlich 127 Schilling 8 Pence pro Unze. Eine Schwarzbrennerei auSgehsben. Die ZollfahndungSstelle in Düsseldorf hat festgestellt, daß in einer von einem Brennereipächter aus Köln in Hilden betriebenen Brennerei se:t etwa sechs Jahren im größten Umfange schwarzgebrannt Worten ist. Es wurden stets doppelt uttd dreimal soviel Getreide eingemaischt, als angemeldet worden war. Der mehrerzielt« Branntwein wurde auf raffinierte Weise heimlich abgeleitet. Die Menge des verschobenen Alkohols wird äuf etwä 200.000 Liter veranschlagt. Die Brentterei wurde geschlossen, die Einrichtung und die Spritvorräte wurden beschlagnahmt.- S-l.-Uniformen mit Krankenkassageldern bezahlt. Aus Braunschweig wird berichtet: Der SA.- Führer Bunge yat als Angestellter eiffer Landkrankenkafse 18.008 Mark unterschlagen. Die Beiträge der Mitglieder mußten, um diesen Verlust auSzuglet- chen, von 4% auf 7 Prozent erhöht werden. Der Vorstand der Krankenkasie stellte gegen Bunge Strafantrag. Das Verfahren gegen den Spitzbuben ist jetzt jedoch auf Grund des braunschweigischen Amnestiegesetzes eingestellt worden, weil Bunge das Gew angeblich für politische Zwecke verbraucht hat. Der Betrüger behauptet nämlich, das gestohlene Geld zum Kauf von SA.-Uniformen für die SA.-Schule in Kreisenden verwandt zu haben. Die Staatsanwaltschaft legte inzwischen gegen den Einstellungsbeschluß Beschwerde ein. Das Braunschweigische Oberlandesgericht wies die Beschwerde der Staatsanwaltschaft jedoch zurück, so daß Bunge außer Verfolgung bleibt. Das braunschweigische Amnestiegesetz ist so ungeheuerlich einseitig, daß Reichsbannerleute, die mit einer Hundepeitsche in der Hand gefaßt worden sitrd, nicht amnestiert werden, während SA.-Spitzvuben frei auSgehen. „Austreibung des Satans." In Roßdorf im Odenwald besteht eine Zionsgemelnd«, die übe: ein Bethaus und ein Erholungsheim für seelische Kranke verfügt Gewisse Methoden der hier ausgeübteN Krankrnheilüng und des GesundbetenS haben das öffentliche Interesse«auf sich gelenkt. Nach Ansicht der Sektierer sind allein die'Schwestern und Brüder der Zionsgemeinde reine und sündenfreie Menschen, währen- sie in allen Nichtmitgliedern der Sekte vom Vom Rundfunk Empfehlenswertes aus ven Programme«. Sonntag. Prag: S.15 Gymnastik, 11.00 Konzert, 15.3Q Konzert, 18.00 Deutsche Sendung: Böhmer- wald-Heimatabend, 19.00 Musikal. Tcnkwürdigkeiten aus dem Strahower Kloster, 21.00 Konzert, 22.20 Jazzmusik.— Brünn: 16.00 Orchefterkonzert, 18.00 Deutsch« Sendung: Orchefterkonzert.— Preßburg: 17.45 Orchesterkonzert. 20.00 Blasmusik.— Berlin: 18.15 Beethoven, 20.00„Drei alte Schachteln,"— vresla«: 20.00 Volkskonzert.— Mühlacker: 14.20 Musik mit Harfe.— Hamburg: 15.00 Bruckners „Te betrat".— Königsberg: 18.00 Ostpreußisch« Volkslieder.— Langenberg: 20.00 Volkskonzert.— Leipzig: 15.00 Das Gewandhausquartett spielt.— München: 18.35 Lieder, 20.00 Wagner-Liszt-Abend. — Wien: 15.30 Kammermusik, 18.35: Haydn, 22.20 Tanzmusik. Satan besessene Menschen sehen. Leiterin der Sekte ist eine Frau, deren neunzehnjährig« Tochter an epileptischen Anfällen leidet. Die Mutter und andere Sektemnitglieder haben dieses Mädchen nun schwer mißhandelt, um den Satan aus ihm herauszutreiben und den Widerstand des Mädchens gegen die Aufnahme in die Sekte zu brechen. Im Zusammenwirken mit anderen Sektenmitgliedern hat di« Mutter ihre Tochter so schwer geprügelt, daß sie blutend zusammenbrach. Die.Hauptschuldigen sind von der Staatsanwaltschaft in Untersuchungshaft genommen worden, darunter auch die Mutter des Mädchens, die allerdings wegen einer schweren Herzkrankheit nach ihrer Verhaftung wieder auf freien Fuß gesetzt wurde. Erft« Internationale JngendherbergS-Konferen». In der Zeit vom 19. bis 22. Oktober 1932 traten Vertreter verschiedener Jugenicherbergsorganisatio- neu aus«lf Ländern in Amsterdam zur ersten internationalen Konferenz zusammen. Die Konferenz beschloß eine Reihe von Empfehlungen an die nationalen Organisationen, um das Iugendwandern über die Grenzen der eigenen Staaten hinaus möglichst zu erleichtern. Einstimmig wurden einig« Resolutionen gefaßt, in denen die Bevölkerung zur weiteren Unterstützung des Iugendherbergswerkes aufgefordert wurde und die Regierungen und öffentliche» Körperschaften ersucht werden, das Jugendherbergswerk auch während der Krise zu fördern und zu unterstützen. Vertreten Warrn die Jugendherberg»- organisationen von Deutschland, Holland, England, Irland, Frankreich, Schweiz, Polen, Norwegen, Dänemark, und der Verband für deutsche Jugendherbergen ,in der Tschechoslowakei mit dem Sitz« in Aussig. Begünstigungen für Winteesportler. Wir machen aufmerksam, daß bet der in einigen Blättern erschienenen Notiz ein Irrtum unterlaufen ist insofern, als der Arbeiter-Turnverein als begünstigter Verband angeführt wird. Richtig soll es lauten: „Verband für Arbeiter-Winter-Touristik, Sitz Prag." Der Touristenverein„Die Naturfreunde", di« tschechischen Arbeiter-Touristen, der Arbeiter-Turn» und Sportverband Aussig, und der tschechische Arbeiter- Turnverein gehören diesem Verbände au. Die Mit- Aiever dieser Verbände müßen sich auf den Bahne« mit einer Mitgliedskarte des obgenannten Verbandes für A. W. T. ausweisen.— Nähere« bei den Ortsgruppen der Naturfreunde Steigender Mineralwasserverbrauch. In de« letzten zehn Jahren ist der Verbrauch an Mineralwasser von 9 Millionen Liter im Jahre 1921 auf 25,116.200 Liter im Jahre 1980 gestiegen. Da die Ausfuhr unbedeutend ist, ist die erfreuliche Zunahme fast ganz auf das Konto des Inlandsverbrauches zu buchen. Die Preise sind durch die Konkurrenz auch endlich billiger geworden; man bekommt schon ein gutes Mineralwasier, wie z. B. Klösterle, für 2.40 Kronen die Is/a-LiterFlasche. also billiger als Bier. Leider werden ober In den Bahnhofrestaurants noch immer Phantasiepreise flit eine kleine Flasche„Gießhubler" berechnet. Der Verbrauch an Sodawasser ist von 12.720.380 Liter im Jahre 1921 auf 32 567.851 Liter im Jahre 1980 und von Limonaden von 17,177.197 Liter auf 28,720.380 Liter gestiegen. Die Zentralheizung in den Katakomben. Die Untersuchung in der Angelegenheit der Einsturzkatastrophe in der Kreuzkirche in Warschau ergab, daß di« Katastrophe durch Unvorsichtigkeit einer Baufirma hervorgerufen wurde, die in den Katakomben der Kirche eine Zentralheizung installierte und cS unterlaßen hatte, den Kirchenboden entsprechend zu stützen Eine geprüfte Krankenpslegeriu Pflegt einen Gorilla. Die beiden Lieblinge deS Londoner ZooS, da? Gorilla-Paar Mok und Moina, sind krank. Tat gefährliche Winterwetter bedroht diese zarten Geschöpfe. Aber während Moirta, da» Weibchen, nur eine schlimme Erkältung hat, leidet Mok an einer Lungenentzündung, die eine große Gefahr bedeutet. Ma« hat einen Teil de» Käfig» in ein Krankenzimmer verwandelt und hier wird der Affe gepflegt wie ein Mensch, der sich's leisten kann. In Tücher eingehüllt liegt er auf einem Bett, atmet warme Dämpfe ein und nimnrt seine Medizin in regelmäßigen Zwischenräumen. Ein Sauerstoff-Apparat steht zur Hand, wenn es notwendig sein sollte, ihm Sauerstoff zuzuführen. Der berühmte Kranke befindet sich nicht nur unter ständiger ärztlicher Aufsicht, sondern er wird Tag und Nacht von einer geprüften Krankenschwester gepflegt. Mehrere Schwestern wechseln in diesem Dienst bei ihm ab. Unter- dessen hockt die hustende Moina hinter dem Drahtgitter, das ihren Aufenthalt von dem Krankenzimmer trennt, und blickt mit ihren dunklen Augen ängstlich und mitleidig auf den Gefährten und seine sonderbare Umgebung. Wir viele kranke Menschen, denen nicht geholfen wird, werden denken: in dieser kapitalistischen Welt muß man ein Affe sein! Nr. 279 Samstag, 26. November 1932 »eue s die Brauindnstrir nicht die geringste Belastung Mehr ertrage, wenn man nicht wolle,• ddß ste zugrunde gehe. Was immer von uns cm materiellem Gut verlangt wird, sagen sie, es könnp nur gegeben werden, wenn es auf die Biertrinker- umgeschlagen werden kann. Aber die veröffentlichten Geschäftsberichte machen uns mit einer anderen Sprache bekannt. Da ist die.Snii- chowcr Brauerei. Außer der^Dividende von 1300 Xä wird ein Bonus von 200 XL pro Aktie verteilt.- Das läßt auf einen glänzenden Stand des Unternehmens schließen, der weit besser sein muß, als die Ziffern der Bilanz dartun. Die Erste Prager Bürgerliche Brauerei I erzielte einen Reingewinn von 3,122.602 XL/ Soviel wird nämlich ausaewiesen. Pro Aktie wird eine Dividende von 2M XL ausbezahlt. Aul neue Rechnung kann noch der Betrag von 300.981 XL vorgetragen werden. Ter BierauSstoß im Geschäftsjahr 1931/32 war um 5867.Hektoliter größer, als.im Jahre vorher. Tie" Weinberger Brauerei weist einen Reingewinn -von 587.473 XL aus. Rach Auszahlung der Tantiemen an die Verwaltungsräte erhalten die Akrionäre eine 7>-pro;entige Dividende. Dabei, 'ist noch zu berücksichtigen, daß 700.000 Xc für Investitionen verwendet wurden. Bei einem verhältnismäßig kleinen Betrieb eine Riesenfumm«. Der Ausstoß dieser Brauerei war im letzten Geschäftsjahr um 600 Hektoliter größer als rin Jahre vorher. Wie man aus diesen kurzen Beispielen schon schließen kann, geht es den Bierbrauereiaktionären wirklich nicht schlecht. Aber ste werden trotzdem weiter jammern und alle Lasten auf die Biertrinker abwälzen, denn der Profit ist heilig und darf nicht geschmälert werden.» Der Weibsteufel. Anna Vtileh vor den Geschworenen.— Das Netz zieht sich zusammen. Alte Manlen einer jungen Fran. „Spinnlietz" aus dem Jahre 1982.;'* Wenn doch mein Mann zehnmal so viel Gehalt bekämt>.. Dann wären wir Wohl reicher noch-als«in Banfier! Wir hätten eine. Wohnung, eine ganz bequeme. Wir hätte« einen kleine»„großen" Sohns den- nehme ich jedes Jahr zur Ferienzeit mit an die Lee, Und wenn mein Mann auch nur— das ist nicht zu verachten!; ei« höherer Beamter wär mit niedriger Pension.. Die Hausbewohner möcht ich sehn: ob di« wohl lachten, wenn wir dann öfters einmal eine Reise machten? Dir Hälfte des Gehaltes, glaub ich, reicht« sogar schon! Als Lehrer könnte er es auch zu etwas bringen. Das ist doch«in Berns, den man bei«ns noch schätzt! vielleicht wird er in unser« Heimatsort versetzt! And wen» wir das Gehalt in Raten auch empfingen: wir hätten wenigstens rin Drittrl mehr als jetzt- Wir hätten alles, was das Herz zur Zeit vermißt. Was wir nicht hätte», wären Sorgen. Wir btauchten uns nicht mehr die Zeitung borge«.— So aber, weil mein Mann onr Angestellter ist, frag ich«ich jeden Tag:„Was koch ich morgen?" Ich will mich aber nicht versündigen; wer weiß, wielangr bleibt es so! Ich wäre, wenn ich ehrlich sein soll, ja schon sroh: «an würde ihm nicht kündigen am Ultimo. Herbert Hippel. MmstAM und Sozialpolitik Arbettnehmergewerkfchafter? im Jahre 1831. Laut Mitteilung des Statistischen Staatsamtes gab es nach dem Stande vom 31. Dezember 1931 im ganzen 626 Arbeitnehmergewerkschaften mit 1,821.-292 Mitgliedern. 359 Gewerkschaften waren in 15 Zentralen zusammengeschlossen, 267 waren ohne Gewerkschaftszenträle. Gegenüber dem Jahre 1930 ist eine neue Zentrale, die Ltrodastavvvaks nstksdl rameot- »aneakö, hittzugekommem"-- Die Reihenfolge der Gewerkschaftszenttalen nach der Mitgliederzahl ist folgende: Gemeinsame Landesgewerkschaftszentrale, Od.borove s dr uz en i eeskosloven» s k e mit 682.523 Mitgliedern, Oesko^Iovenskä obec dölnieki mit 288.061, Centräla Rudy eh odborü— Zentrale der Roten Gewerkschaften mit 180.498, Republlkänskö listredi zamSst* nanecke mit 99.199, Odb.orove listredi„Ösl. svaz ürednlckyeh a zrfzeneekych organisaci* mit 93.408, Verband deutscher Gewerkschaften mit 71.587, R-isskü odborovä rada kresfaiiskych organisäei mit 55.632, Närodni sdruzeni od« borovych organisaci mir 34.505, CeskosltP Venskä fisskä vseodborovä Komise-Xres.f soeiälni mit 33.331, Verband der christlichen Gewerkschaften mit 29.427, 3d r uzen io slovon» k>kyod odoorov^ost organlzaoii mit 26.058,- Reichsvereinigung der deutschen Gewerkschaften mit 14.732, Vysokoskolsky svar mit 11.744, Verband der deutschen Staatsangcstellten-Ver» Einigungen mit 6810, Stfedostavovske listredi zamest-naneeke mit 1651 Mitgliedern. Die Gewerkschaften ohne Zentrale hatten 292.126 Mitglieder. Rach dett einzelnen Ländern entfallen von der Gesamtzahl der gewerkschaftlich organisierten Arbeitnehmer auf Böhmen 465 Gewerkschaften mit 1,142.741 Mitgliedern, auf Mähren-Schlesien 117 Gewerkschaften mit 476.308 Mitgliedern, auf die Slowake: 38 Gewerkschaften Mit 179.748 Mitgliedern und auf Kcrrpäthorußland 6 Gewerkschaften mit 29.505 Mitgliedern. Nach der Volkszugehörigkeit waren von den organisierten Arbeitnehmern 1,265.750 tschechy- siowanscher, 9986 russischer, 6894 polnischer,^ 513.814 deutscher, 28.328 ntadjarischer und 1520 sonstiger Volkszugehörigkeit. Bon den Gewerkschaften waren 178 Arbeiter; bzw..vorwiegend Arbertergewcrkschaften, 448 Beamten- bzw. vorwiegend Beamten- und Angesktll- tengewerkschaften. Die" Gesamtzahl der von den Gewerkschaften heraüsgeaebene» Zeitschriften betrug 369, davon erschienen im Jahre' 1931 21 wöchentlich in einer Gesamtauflagezahl der letzten Nummer von 345.074, 6 dreimal monatlich mit einer Auflage von 75.840, 109 vierzehntägig mit einer Auflage von 710.872, 204 monatlich mit einer Auflage von 588.970, und unregelmäßig 29 mit, einer Auflage von 81.050. Den Brauereien gehr es trotz der Krise gut. In der Zeit der Wirtschaftskrise ist es. Regel geworden, zu jammern, selbst dann, wenn cö nichts zu-jammern und zu klagen gibt. Diesen Grnudsatz haben sich di« Unternehmer ohne Ausnahme zueigen gemacht, die sich sagen, wenn es nicht hilfsi schaden kann eS auf keinen Fall, also jammern wir, damit niemand auf den Einfall komme, cs gehe uns gut, denn dieser Einfall könnte unter Umständen unangenehme Folgen für uns haben. Unter den Industriellen, die am meisten über die schlechte Geschäftslage und die Unrentabilität ihrer Unternehmen geredet und auch geschrieben haben, figurieren die Bierbrauer an erster Stelle. So oft nur leise angedeutet wurde, daß der Bierindustrie neue Lasten übertragen werden sollen, meldeten sich die Vertreter dieser Wirtschaftsgruppe, um nachzuweisen, daß Prag, 26. November. Heute nahm das Beweisverfahren seinen Fortgang. Da wir«s mit einem, freilich stark fundierten, Ändizienprozeß zu tun haben, kommt dem Kamps um den Schuldbeweis, der jetzt ausgefochien wird, die höchst« Bedeutung zu. Di« Situation ist so,, daß die Angeklagte behauptet, ihren Mann zum letztenmal« am Morgen des Karsamstag gsiehen;n haben, als er sich in den Dienst begab. Er sei weder an diesem Tage noch in der Nacht auf den Ostersonntag heimgekommen und sie sei Sonntag früh nach Ä kr n a gefahren. Dieser B-ehauptuug widerspricht nun eine Reih« von Tatsachen. Zunächst wurde bei Auffindung der Leiche ain Dienstag nach Ostern(29. März) festgestellt, daß der Tod vor mindestens- zwei Tagen eingetreten sein müsse, also zu einer Zeit, da die Angeklagte nach eigenen Angaben in der Wohnung weilte, wo di« Bluttat sich ereignete. Ferner wurden«ine Reihe von BlutspUr« n an Wäsche,. Wänden und Möbeln festgestellt, von denen die Angeklagte behauptet, daß sie teils", auf das angebliche Nasenbluten ihres Mannes am Fr-eitag-, abeich zurmkgehen, teils auf ihre in. dies« Zeit fallend« Menstrualblutung. Dies« Erklärung ist nicht befriedigend. Insbesondere wurde ein S ch l a f i. rott der Angeklagten aufgefunden, dessen A«rm'el a ns gestreift waren. Dieser Schlafrock zeigte 'onst nirgends einen Blutfleck. Als man ab«r die aufgekrempelten Acrmel heruntrrlietz, fand man starke Blutspuren, ohne daß di« Angeklagte rin« Erklärung über deren Herkunft geben konnte. Endlich traten in der- heutigen Vormittagsver- handlung acht Z«ugen auf, deren Aussagen mit der Behauptung der Angeklagten, daß ihr Mann am Samstag überhaupt nicht nach Haus« gekommen sei, in Widerspruch stehen. So Ist zeugenmäßig fest- gestellt, daß der Ermordete seiner Schwester Emilie gegenüber seiner Freud« AuSdrpck gegeben hat, daß seine Frau nach Jirna fahren und er endlich einen ruhigen Tag haben werde. Ferner wurde heute durch Zeugenaussagen erwiesen, daß Viilek sich am Abend des Karsamstag in einem Selcherladen. auf! dem Heimweg für 1.60 X Preßwurst gekauft hat (der arme T«uftl lebt« fast nur von Brot, und Wurst). Die Aussagen der zu dieser Zeit in der Gegend des Mordhauses Dienst tuenden P o I i-z e i- Patrouille wir auch der Hausbewohner ergaben mit Sicherheit, daß- zwischen halb elf und elf Uhr jemand das Homs betreten hat, wobei durch Aussage der Polizisten festgestellt, ist,, daß diese Person«in Mann in Postunifsrm war und leicht hinkte(was auf VLl«k zutrifft). Ueberdies hat einer der Polizisten in.der Leiche den fraglichen Heimkehrer erkannt. Auch ist- festgestellt, daß kein anderer. Bewohörer-!^s Hauses in der kritischen Nacht um diese Zeit hcim- gekehrt Ist, wobei, zu bemerken'Ifo Haß c8 sich, um ein kleines Siedlungshaus handelt, wo sich diese Erhebungen ohne Schwierigkeiten, durchführen i-sscn...••■* Die Angeklagte revanchiert« sich für st Le bc- sasiendc. Aussage sofort mit allerlei zum. Großteil „Artzeitrmarkt." . Die. Werkskanzlei eines größeren Hüttenbetriebes. Der Betriebsleiter sitzt beim Schreibtisch, zwei Schritte hinter ihm steht ein Alaun in abgetragenen Kleidern, ein Arbeiter. Etwas be- fangen beobachtet dieser, wie der vor ihm Sitzende die vorgelegten Personaldokumente mustert. „Ihr Alter?" „28 Jahre."' „Beruf?" „Schlosier." .„Wo haben Sie zuletzt gearbeitet?".. ,^Jn der Brünner Maschinenfabrik." Rein mechanisch sind Fragen und Antworten, erfolgt. Beide Männer genügen nur einem alten Schema damit. Der Frager hat alle Personaldaten vor sich in den Papieren stehen und auch der Arbeiter weiß das, aber dieses Frage-' und Antwortspiel gehört zu jeder Personalaufnahme, es wird ja auch der Arbeiter daran erinnert, daß er nur zu reden hat, wenn, er gefragt wirb Und das ist unerläßlich für die Sicherung der Autyrität. Der' Betriebsleiter schweigt einen Augenblick und schaut in die vor ihm liegenden Papiers legt sie sorgfältig zusammen— und dreht sich plötzlich um, dem hinter ihm Stehenden ins Gesicht sehend. „So— und zu welchem Stundenlohn?" Der Arbeiter war Men Bewegungen des lächerlichen und cnrpörenden Angriffen auf die Zeugen. Hand in Haiid mit diesen direkten Ändi» zien läuft die Entwicklung der indirekten Jndizie nkette. Der Charakter dieser Frau ist heute schon vollkommen klargelegi. Kalt, berechnend, egoistisch, vollkommen gefühllos, dabei von hemmungslosester Geilheit, und zu allem fähig, ebenso skrupellos wie raffiniert— so präsentiert sich dies« Frau, wenn man ihr bisheriges Leben betrachtet. In dieser Richtung gab die heutig« Einvernahme des Amtsarztes Tr. T a m p i e r wichtige Aufschlüsse. Sie kam zu ihm mit der Beschwerde, von ihrem Mann mit Tripper angesteckt worden zu sein und im weiteren Verlauf« stellte sie ihn gls i r r s i n n i g hin. Anton Välek, der nach Aussage der Aerzte tatsächlich ein(völlig harmloser) Psychopath war, wurde auf ihre Veranlassung durch di« Polizei zur Beobachtung seines Geisteszustandes der Irrenanstalt übergeben. Dr. Tampier erklärt« als Zeuge, ste habe dabei mit dem ärztlichen Zeugnis operiert, das«r auf ihre Dar- stellung hin ausgestellt hatte, und zwar in einer Weise, daß der Arzt ihr Strafanzeige wegen Mißbrauch des amtsärztlichen Zeugnisses androhte. Die bodenlose Raffiniertheit und kalt« Bcrech- siung dieses Weihes tritt am deutlichsten bei der Einvernahme des Psychiaters Dr. Kkivohla.vy zutage. Ihr Ziel war die Beseitigung des lästig gewotdeuen alten und untüchtigen Gatten gewesen. Sie mußt« aber, erkennen, daß sie sich in einem Punkt verrechnet hatte. Denn infolge dieser pshchia- trischcn Untersuchung wurd« ihr Galt«, der bisher den Dienst im Eisenbahnpostwagen(Ambulanz) versehen hatte, von diesem verantwortungsvollen und anstrengenden Posten enthoben und dem Manipulaiionsdienst zugeteilt. Damit verlor er aber auch die Zulagen, die er beim Ambulanzdienst bezogen hatte. Daraufhin beniühte sie sich-(nachdem sie ihrem Gatten selbst die Psychiatrie-rung aufgehalst Halterin Zeugnis für seine völlige geistige Gesundheit zu erhalten, um die Zulasie zu. r«tten. Auf dies« mam- monistische' Spekulation beruft sie. sich nun als De- weis ihrer großen Liebe für ihrs« Mann, den sie unter allen Umständen habe aus dem Irrenhaus „erlösen" wollen— freilich erst, nachdem sie sah, daß die beabsichtigte Beseitigung auch für sie finanziell« Nacht ei!« haben müßte.". Wesentlich zur Beurteilung dieser Angeklagten, di« übrigens Rum soff wie«in Matrose.und Ihre zwanzig„Sport" pro Tag raucht«, ist die Art, wie sie sich über ihren Gatten aussprach. Ihren Freunden gegenüber nannte ste ihn den ,^>8dek" (Breis), an dem ihr nur sein« Pensionsberechtigung imponierte. Wie Dr. T a m p-i e r bekundet«, hat sie die Jntervenierung ihres Gatten vor allem durch ihre"angebliche Angst vor den Gewalttätigkeit«» des angeblich. Geistesgestörten begründet. Was ste nicht hinderte,' dem Arzt zu erklären: „Ach wa», ich hau' ihm«ine herunter und er. purzelt wie ein Kegel." "'Zur AbrundUng des Bildes ist noch fesizusteklen, daß sie sich in letzter Zeit vor der Mordtat sprg- fitltig erkundigte, wer im Fall« des Ab- Amsfragers mit den Augen gefolgt. BKyschuoll komm! ihr« zum Bewußtsein, daß der Mann dieser Fräge einen' besonderen Wert beimessen muß, von der Aufnahme seiner Antwort hängt eö auch ab, ob mit dem heutigen Tage die vielmonatige Zeit des Suchens, de« Umherirrens ein Ende gefunden hat oder nicht. Einen Moment zögert er noch, doch da schnarrt schon wieder die Stimme des Beamten und enthebt ihn einer Antwort. „Wir zahlen Ihnen bei dieser Arbeit 8 Kronen pro Stunde, mehr können wir nicht geben. Wenn Sic damit einverstanden sind, so können Sie morgen anfangen." Der Mann wandte sich eben so unvermittelt wie vorher wieder um, für ihn war die Sache erledigt, mochte der Arbeiter annehmen oder nicht. Der hatte vor allem gehört, daß er arbeiten könne, fieberhaft sah er fest Wochen dieser Möglichkeit entgegen, dann aber traf ihn wie ein Keulenschlag die Erkenntnis der tatsächlichen Situation; um diesen Preis sollte er arbeiten? Das Doppelte hatte er' früher verdient, war eS nicht schändlich, sich nm Viesen Lohn zu verkaufen? ES war gemein von der Firma, einen solchen Schundlohn anzubicten, aber sic konnte^eß tlln auf Grund der katastrophalen ArbcilÄong- keit die den Unternehmern ein unerschöpfliches Reservoir von billigen Arbeitskräften zur Verfügung stellte. Aber sie zwang auch niemand, um lebens Püleks d i«..-.W itwe n p e n s i on be- zicheu werde, ob sie oder Püleks geschiedene Frau. Und als si« sisigestelsi hatte, daß sie die Begünstigte sei, war nach den Worten der Anklageschrift „das Schicksal Püleks besiegelt". Aufmarsch der Liebhaber. Nach einer Reihe weniger bedeutender Zeugen, oirter ihnen der Detektiv Kinkor, der di« V«r- haftung der Angeklagten' vornahm, und ihrem Schwager Rudolf Prochüzk.a, der sich der Aussage entschlug, traten die früheren Geliebten der Anna BLlek Und ihrer Schwester auf. Der Zeug« Kardaä schilderte ste als streitsüchtig und zänkisch. Zeuge E l I a 8 hat sie im- Kasfchaus kennen gelernt, wo si« ihn zur Anbahnung der Bekanntschaft animierte. Zeuge F i d r m u c, der mit ihrer Schwester Johanna Prochüzka ein Verhältnis unterhielt, weiß von Schmausereien im Haustz Püleks zu berichten, di« in krassem Gegensatz zu der erbärmlichen Ko st stehen, di« der Ermordete vorgesetzt bekam. Der Zeuge H l ü v k a«rzählt von Trink«reicn, wobei die Angeklagte Rum in großen Ouantitäten. genoß und in der Alkohollaune sich gewalttätig benahm. Dann traten wieder einig« Zeugen auf, di« über Nebenunrstände auSiagtcn. Vorgesetzte und Kollegen des Toten berichteten über sein« Lebensumstände. Ander« Zeugen, Nachbarn und sriihere Hausherren berichteten über den unaufhörlichen Streit und Zank bei dem Ehepaar Bälek, der seit jeher an der Tagesordnung war. Hierauf setzt sich die Einvernahnw der Liebhaber mit der Vernehmung des Zeugen Kvas- n i ü k a fort, der nach dem rätsÄhaften Tod ihres ersten Gatten ihr erster ständiger Liebhaber war. Di« Bekanntschaft dauert« zwei Monate. Sein« Aussag« war neutral. Sein Nachfolger, war der Zeuge KardyS, der ein Jghr mit Anna Pülck zusammenlebt«. Diesem Liebhaber geschah es, daß er eines Abends heimkam und. sehen Mußte, wie «kn nur mit Unterhose» bekleidete» fremder Mann aus dem Schlafzimmer' seiner Lebensgefährtin kam, sich gemächlich arcklcidet« und fortging. Es war einer der zahllosen Seikensprünge sein«r'lieben Gefährtin. Dann, folgt« der Zeuge Kafka, der ihr letzter ständiger Geliebter vor ihrer Heirat mit B 4 l r k war. Sie gab ihm den 'Laufpaß mit der Begründung:„Du bist jung Und der alte Kerl hat Pension." Ihr aller«rst«r Freund Pleöinger, mit dem sie noch zu Lebzelten ihres ersten Gatt«n ein Berbältnis unterhielt, berichtet über dies««rst« unglückliche Eh«, über den mysteriösen Tod des Mares und den unheimlichen Triumphbrief, den sie ihm;w«i Tage nach dem Tod ihres Gatten schrieb Und der die Worte enthält:„... ihm habe ich hinübergeholfen, weil ich dich lieb habe." Er brach darauf das Verhältnis ab. Staatsanwalt Dr. Urban teilt hierauf unter großer Bewegung im-Auditorium Mit, daß«r in Erfahrung gebracht habe, daß di« Ang«klagte sich zu «in«r Zrllengenassin in Pankraz dahin g«änß«rt habe, ihr« Sache stehe gut,' am Sonntag werd« ste stei sei» und dann loerde sie es sich gut gehen lassen. Die Avölfjährigc Tochter der Angeklagten berichtet ülxr di« tristen Familienvcrhältniss« der Büleks. Än einem Zimmer schliefen außer dem Ehepaar Bälek auch di« S ch w e st e r der Ange, klagten mit ihrem Li«chhab«r und das 12jährige Mädchen. Als Entlastungszeugin trat sodann Äohanna Prochüzka auf, die ihren Mann verlassen hatte und zu den Bcklels gczogeu war, wo sie auch mit ihrem Geliebten F i d r m u c zusammentraf. Ähre Aussagen waren sihr zurückhaltend. Sie war eS auch, welch« di«, Leiche Pül«ks auffand und die Polizei verständigte. An die,Vorgänge an den kritischen Tagen '»klärt stc.sich nicht mehr zu erinnern. Dies« Zeugin befindet sich übrigens, in D o.r n n t e r su ch u n g wegen Porschnbleistung., Ähr gehört das große Küchennwsser, mit dem. der Mord verübt wurde. Ilm 7 Uhr abends wurde, die Verhandlung vertagt. DaS Urteil wird morgen nachts Erwartet.••• ,rb. diesen Lohn zu arbeiten, wir find ja keine Barbaren, wir leben ja im Zeitalter der Demokratie und jeder hat die Freiheit, nach eigener Fasson zn verhungern. Der Arbeiter wollte schon entrüstet adlehnen, alS ihm«infiel, mit welch ängstlicher Besorgnis seine Frau das Ergebnis der heutigen Arbeitssuche erwartete. Er dachte daran, daß sein Kredit im Kaufladen schon erschöpft war und er fortwährend gedrängt wurde, die aufgelaufene Schuld zu bezahlen, er mußte auch daran denken, wie fadenscheinig das gute Röckchen seines Kindes schon geworden war. Erst gestern hatte eS gefragt, warum eS denn nicht auch einmal ein neues Klecdchen bekomme, wie andere Kinder— und er hatte aus diese Frage keine Antwort gewußt. In wenigen Sekunden zogen diese Bilder vor seinen Augen vorüber. Bilder des Elends, des Hungers, der Rot „Na, wollen Sie oder nicht?" Der Arbeiter fuhr zusammen und beeilte sich, zu versichern, daß er bestens danke und die Arbeit morgen antreten werde. .„Also, um 7 Uhr früh beim Werkmeister melden, Guten Tag." Der Herr Betriehslcfier zündete sich etwas nervös eine Zigarre an und blickte in die Zeitung, Rubrik: Börsennachrichten... Hinter ihm wurde eine Tür sachte geschlossen. Martin Grill. Seite 6 Samstag, 28 November 1832 Nr. 27» PRAGER Gedenkfeier für Prozessor Wahrmund. Die„Freie Bereinigung sozialistischer Akademiker veranstaltete Donnerstag abends im Klementinum eine einfache, aber eindrucksvolle Gedenkfeier für Prof. Dr. Ludwig Wahrmund. Die sozialistischen Studenten erfüllten damit x eine Pflicht, welcher nachzukommen die Universität bisher verabsäumt hatte. Nach einem Cello-Bortrag des Genossen Horschitz und einleitenden Worten des Genossen Heller sprach ühcr den„Fall Wahrmund und den Kampf um die Freiheit des Geistes" Genosse Dr. Franzel. Ein Cello-Vortrag schloß die Feier, an welcher die Angehörigen Prof. Wahrmunds, ferner die Üniverfitatsprosessoren Kraus, We>.ß und W i n tern i tz und die Vertreter der„Lese- und Redehalle" teilnghmen. Elternabend Prag VII., am Montag, den 28. November 1932, 20 Uhr, Mesiepalais(Franz. Restaurant— großer Saal). Vortrag Dozent Dr. Ernst Singer: Hygiene und Schule. (Lichtbilder.) Kunst und Wissen Essig und Sei. Den Herren Siegfried Geyer, Paul Frank und Robert Kätscher(dem Musiker) kann als den Autoren dieses jetzt in der Kleinen Bühne«rstaufgeführten „Märchens von heute aus Men" di« Anerkennung nicht versagt werden, daß sie vom Unterhaltungs- Theater wie von dessen Publikum allerhand verstehen. Zeugnis davon legt weniger die Leistung, als der wirklich, ganz groß« Erfolg der Prager Premiere ab. Das Amüsement äußert« sich in lebhaftester und lachlustiger Stimmung und im vielen Hervorrufen der Mitwirkerchen. Wir gönnen dem Deutschen Theater das voraussichtlich« Geschäft, umsomehr dieses„Märchen" nirgends mit dem Anspruch hervortritt, zu irgend welch«! Kunstkategorie gezählt, sondern eben nur als«in« vergnügliche Angelegenheit hingenomnren zu werde». Tas auf allerleichteste Kost eingestellt« Publikum bekommt hier-, ohne sich nach geschätztem Filmschmarrn zurücksehnen zu müssen, alles, was er begehrt: das arme Mädel, das einen schwerreichen Burschen zum Mann« gewinnt, sämtliche Ausschwitzungen der Stimmungen, die vom Weaner Gmüat leben: Men», Wein, und Liedseligkeit, den sogenannten reschen Humor und dazu den Einfall, das alles einmal nicht in Strauß- oder Schubert-Milieu, sondern von einem Greislerladen aus zu genießen. Wiener Raunzerei und Herzhaftigkeit-Werden geschickt vermischt oder einander gegenübergestellt und außerdem kann das Publikum nach Belieben sich entweder für jene „Tendenzen" entscheiden, di« durch Lueger-Reminiszenzen vermittelt werden, oder für freiere Auffassung, mit denen die Berfasser an das rote Wien erinnern, ohne es zu nennen. In ihren Mitteln sind di« Herren nicht wählerisch: nicht nur Essig nnd Oel, sonder» auch die Preßwurst und das Schuasterlabl werden in d«n Mittelpunkt der Handlung gerückt und all das mit«irrer Musik garniert, di« zwischen Song und Schmalz, zwischen Duliöh und süaßem Schluchzer bußerst geschickt, aber manchmal unfreiwillig komisch balanziert. Nach beliebter, aber verwerflicher Methode werden wiederum kleine Kinder, und gleich fünf!, auf di« Bühne geschleppt, und das Publikum lacht sich fast zu Tode über di« abwechselnde, aber immer peinlich« Hilflosigkeit oder Couragiertheit der Kleinen; eine Art Prostitution, die nur burch Besserung des Geschmacks zu beseitigen wäre. Di« positiven Ursachen des Erfolgs liegen in der Schlichtheit der Charaktere, In der immerhin sauberen Gesinnung, soweit davon die Rede sein kann, in vielen lästigen Einfällen und in der gelungenen szenischen Aufmachung buchförmiger Kulissen, die deyt „Märchen" einen originellen und aparten Rahme« geben; ferner in den reproduktiven Leistungen, die durchaus lobenswert sind. Herr Stadler batte für einheitliche.Stimmung und für flotten Ablauf gesorgt und durfte dafür(übriaens auch für eine gut> gespielt« Charge) ebenso herzlichen Beifall entgegennehmen wie Herr Kotulan*»"Kllattun"sck«f (Pardon!: Maschinerie-Direktor!).(Warum die Regie aber di« frei und modern erzogenen Mäderln einmal soldatisch mit Säbeln aufmarlch-eren ließ, ist un- ersindlich.) Die Hauptfigur des Greislers stellte Herr Dörner mit stellenweise wirkungsvoller, aber ein wenig gesuchter Charakterisierungskunst und mit einem im Gesang gemütvollen W«nertum, das freilich ni- weilen im Dialekt weniger auf Hernals als auf die Leovoldstadt hinrnweisen i ek in den durchaus ant belebten kleinen Rollen ttn‘«r anderem säerr R'rbNna und Frau Sommer' Vortretspck, auch die S'rai-on' sänaer und i>’t Kinder, bei welch festeren mir ab-r die Namensnennung nicht aus der Feder w'll LG. Die reaktian?-re bat lick» wieder ein Hufgrenstückchen aeleiktet: Sie bat- die vam Braaer Deutsch en Theater als li-terarilch- Eondervarltellung geplante Auifübrn.nq „Ktankheit der Jugend" von sderdroand Bruckner, hem bekannten Berkalker der..Ber- ZEBTIJMCg. BIRIIIRMIJR IlgaaaMSMB——B—B— brecher" und der„Elisabeth von England", ver- bolen, was um so toller ist, als das jetzt verbotene Stück schon im Jahre 1823 im tschechischen Intimen Theater auf der Prager Kleinseite gespielt wurde! Bemerkswert ist, daß diese reaktionäre Zensurpraxis auch außerhalb der Staatsgrenzen, so in der B e r- l i n e r Presse, festgestellt wird, worauf wiederum das„Pravo Lidu" hinweist, das sich in einer scharfen Notiz gegen den Rückschritt wendet, der in solchen Zensurmaßnahmen zum Ausdruck kommt. Das tschechische Bruderblatt, das in so anerkennenswerter Weise die Freiheit auch des deutschen Theaters verteidigt, gibt dem Wunsche Ausdruck, daß endlich das„reaktionäre Nest" der Prager Theaterzensur gesäubert werden möge. Arbeitervorstellung„Die drei Musketiere", Ope- cetlenrevue, am Sonntag, den 27. November, um halb 3 Uhr nachmittags im Neuen Deutschen Theater. Karten täglich bei Optiker Deutsch, Graben, PalafS Koruna. Herbert Janssen von der Berliner Staat oper hatte als Jago bei einem Gastspiel im Deutschen Theater starken Erfolg. Herr Janssen verfügt sicher und wirkungsvoll über eine voluminöse, klangschöne, dramatischen wie lyrischen Ausdrucks fähige Stimme, deren Durchschlagskraft i in der Höhe besonders dem Credo zugute kam, währen eine(in Berlin-anscheinend geschätzte) Hellfär- bigkeit und Unergiebigkeit in der Tiefe die Baßfiguren des Racheduetts nicht zur Geltung kommest ließ. Trotz dieser Einwände ist eine bedeutende gesamtkünstlerische Leistung festzustellen, mitgefördctt durch die Prachtvolle Erscheinung dieses Jago und seiire-- stets rege und immer festeliwe Darstellungskunst, wobei freilich wiederum im.Mimischen zuweilen filmisch des Güten zu viel getan wird. l. g. Sitsenstück am Rationaltheater. Bon Marcel Pagnol nnd Paul Nivoix hat man nicht so viel Kühnheit erwartet, äls sie in ihrem Stuck „Schiebung mit Ruhm" zeigen. Es handell sich hier darum, die Pseudomoral der Nachkriegszeit und die ost lächerliche Verherrlichung der Tapferkeitsmärchen anzuprangern.. Der alte Bachelet, besten Sohn scheinbar als Held stirbt, kann täglich mit Tränen das Holdenmärchen in den Schullosebüchern lesen, kann sich täglich ergötzen daran, wie sein Kind„den Feind" geschlagen hat; er macht Karriere mit dem Tod seines Kindes, wird Vereinsmeier, auch Politiker aller, die das Vaterland national wieder aufrichten wollen, und der klein« Provinzbeamte und Renntner kommt just auf den Ministerstuhl, da fein Kiiw, geistig gestört und vom Feld der Ehre vernichtet, heimkehrt und dem ganzen Spuk ein Ende bereiten will. Aber in unseren Zeiten siegt nicht die Moral; der Junge muß unter fteuwem Namen in die weite WÄt, und jener alte Grandel, der diese» ganzen Schwindel verabscheut,. den Hurra-Pa» triotiSmüs. durchschaut, bleibt«ist Sonderling, den der- erfolgreiche BaterlandsfrÄnd