Erscheint mit Ausnahme des Montag täglich früh. w R daMoi u. D«rW0»0IIg: vnig u, ZttkLroaka IS ♦ Xtle»®.: 30793. 31409. Jtü«treöatt(igimh>nc mit einer Reihe von Politcksrn zur Sondierung der innerpolitischen Lage ausgenommen. Es handelt sich dabei in evster Linie um die Tolerierung eines ÜmgebWÄe'n Kabinetts von Papen durch den Reichstag. Für heute nachmittags hatte Schleicher sogar den Vorsitzenden der fozia-ldemökratißchen Reichstagsfraktivn Breitscheid zu sich gebeten. Breitscheid hat ihm jedoch unzweideutig erklärt, daß die Sozialdemokraten kein wie immer geartetes PrasidiaKabinctt tolerieven werden, ab es nun von Papen, Schleicher ccher von wem immer geführt werde. Dar„Vorwärts"«Märt, als Ergebnis könne sestgestellt werden, daß ein« Aendrrung in der Haltung der sozialdemokratischen Partei nicht««getreten und auch nicht zu erwarte»^ist. Schleicher, dem nach dem Scheißern eines Kabinetts Papen wM selbst die Regierungsbildung znfallen würde, bemüht sich jetzt, eine Art Nich taugröfssPakt im Reichstag zustande- zubringen. Er will die Nazis dafür gewinnen, daß sie zustünmen, den Reichstag bis zum Feber oder s-ogar bis zum März zu vertagen. Als Gegenleistung trägt er ihnen di« schwarz-braune Koalition in Preußen an. Er bietet sich sogar an, das Reichskommissariat in Preußen aufzuheben. Es fanden auch bereits Besprechungen Zwischen dem Vorsitzenden der Zentrumsfraktion im preußischen Landtag Lauscher und den Rationalsozialisten statt. Da im preußischen Landtag bei der gegenwärtigen Zusammensetzung ein« Mehrheit be reits aus Mtionalsozialisten und Zentrum gebildet werden kann, würde eine Verständigung zwischen diesen beiden Parteien genügen, um sinen neuen Ministerpräsidenten in Preußen wcchlen zu Linnen, dem nach der Verfassung dann die Befugnis Atftändc, die übrigen Staatsminister' zu' ernennen. Man glaubt nun, daß die Nazis sich vielleicht doch für ei n e Tole'rie rüng entscheiden- werden,- da sie allen Anlaß haben, eine neu« Reichstagsauslösung zu fürchten, denn die letzte« EftmeindevertretungÄvah- len in einigen Orten Bremens haben am Sonntag wieder mit ganz entscheidenden neuerli- chen Rückschlägen der Nationalsozialisten geendet. Am Montag abends hatte der Reichswehrminister eine sehr lange Aussprach« mit dem Prälaten K a a s. Im Lause des Dienstag wird auch eine Besprechung mit zwei führenden Persönlichkeiten der NSDAP stattfinden. Erst dann wird der Reichswehrminister«inen abschließenden Urberblick über die Situation haben. Es ist in Aussicht genommen, daß daraus eine neue Konferenz beim Reichspräsidenten gleich der vom letzten Samstag folgt. Sie wird wahrscheinlich erst am Mittwoch möglich sein. Von ihr wird die Entscheidung des Reichspräsidenten abhängen, so daß also Mitte der Woche über die Persönlichkeit des neuen Reichskanzlers Klarheit zu erwarten ist. Bisher haben die Besprechungen des Rrichs- wehrministers sich offiziell«och auf der Basis eines neuen Kabinetts Papen bewegt. Rach Auffassung gut unterrichteter politischer Kreis« steht aber als wahrscheinlichste Lösung heute abends bereits ein Kabinett S ch l e i ch e r im Vordergrund. UliinilllllllilllHIliniHlllllllllllllllllllilllllllllllllllllllllllllHIIIHIIIIIliUllUlllllUJUUllllllUHIIIUIUIIIIIIMIUIliUlllllllHIUIIIilllllllHIIllUUlHIUlilllillllHHilimiliHIHIIliillUlltHllfillHilllUllltlHUUNIKIIUtnil antwort aus USA; Dezember Pate mufi gezahlt werden. Die Voraussetzung lUr weitere Verhandlungen. Prag, 28. November. Heut« wird di« Antwortnot« der Bereinigten Staaten auf die tsche- choslowakische Note in' der Angelegenheit der Kriegsschulden veröffentlicht. Die Note leugnet nicht, daß die Weltdepres- sivn die Stellung der Schuldner verschlechtert hat; man dürfe andererseits aber auch nicht übersehen, daß die Folgen der Depression auch das I amerikanische Volk schwer bedrücken. Der Präsi- s deut der Vereinigten Staaten sei der Ansicht, daß zum Zweck des Studiums der bcstehenden Verbindlichkeiten ein,Organismus gebildet! werden sollt«, wie- er zur Uehcrprüfung der Schulden aus dem Weltkriege als Beratungsorgan des Kongresses bereits früher bestand. Diese Kommission müßte die Frage mit jeder Regierung gesondert studieren. Der Präsident gedenke dem Kongreß vorzuschlagen, ein« Jnsti- tution zu schaffen, di« auf Grund der Anregun gen das ganze Problem einer Prüfung unterziehen würde. Was die Verschiebung der am 15. Dezember d. I. sättigen tschechoslowakischen Rate betrifft, heißt es wörtlich in der Rote, so fällt dies nicht in die Kompetenz der Regierung und es wurden uns keine Tatsachen unter, breitet, di« dem Kongreß zu günstiger Erledigung unterbreitet werden könnte«. Unsere Regierung und unser Volk messen zwecks Ein- haltung des ursprünglichen Abkommens der am 15. Dezember Migen Rate ein« solche Bedeutung bei, daß dieses Moment bei weitem jeden andere» Grund überragt, der für einen Aufschub sprechen würde. Durch diese Bezahlung würden sich nach meiner Ansicht die Aussichten aus weitere befriedigende Verhandlungen über die ganze Frage sehr steigern. | Belgisch redenI Es war in den neunziger Jahren. In Belgien und Oesterreich, wurde um das gleiche Wahlrecht gekämpft. Die herrschenden Klassen wollten dem Proletariat das gleiche Reckst nicht geben. Da griffen die belgischen Arbeiter zur Waffe des Generalstreiks. In Oesterreich löste das ungeheuren Jubel aus. Nun erklärten die österreichischen Arbeiter, auch sie müßten, um das gleiche Wahlrecht zu erringen, mit den herrschenden Klaffen der alten Monarchie belgisch reden.... Daran erinnert man sich jetzt, da ange sichts der Stärke der Reaktion in Mitteleuropa unsere belgischen Genossen einen glänzenden Wahlsieg errungen haben. Reben den Arbeitern Dänemarks weiden sie in den Kämpfen der nächsten Zeit dem gesamten internationalen Proletariat als leuchtendes Bei- spiel dienen. Mögen auch die Arbeiter der übrigen Länder Europas lernen, mit den herrschenden K l as se n be lgisch zu reden! Bis zum Jähre 1919 hatte in Belgien die katholische Partei die unbestrittene Mehrheit des Parlaments hinter sich. Seit dieser Zeit hat keine der drei großen Parteien, Katholiken, Liberale" und Sozialdemokraten, die. Mehrheit. Bei den Wahlen des Jahres 1923 konnte die sozialistische Partei die katholische überflügeln, bei den Wahlen von l929 jedoch wurde die katholische Partei wieder die größte. Seither stützte sich die Regierung aus eine Koalition der Katholiken und Liberalen. Aber schon, seit längerer Zeit kriselte^es inner- hctlb'ddr' Regiepüsig.mch die für die.'SoÄdlZ demvkrätie^siegreichen Gemeindetvahlen vom 6. Oktober dieses Jahves machten den weiteren Bestand der bisherigen Koalitionsregie rung unmöglich, es blieb nichts anderes übrig, als Neuwahlen auszuschreiben. Ihre Hauptursache haben die Regierungsschwierigkeiten auch in Belgien in der W i r t- schäftskrise, von der das kleine Land nicht verschont geblieben ist. Wie in der Tsche- choslotvakei äußert sich die Wirtschaftskrise auch in Belgien augenblicklich besonders. in der Krise der Staatsfinanzen. Das Budget weist ein Defizit Von zwei bis drei Milliarden belgischen Franken(ungefähr zwei bis drei 2)Milliarden Kö) aus und die Bedet- krrng dieses Defizfts bildet den Gegenstand schwerer Kämpft im öffentlichen Leben Belgiens. Die katholische Partei ist uneinig, die christlichen Gewerkschaften kämpfen gegen die Bestrebungen, die Lasten der Krise auf di« Schultern der arbeitenden Klaffen abzutvälzen und es ist schon zu einer gewissen Annäherung zwischen christlichen und sozialistischen Gewerk schaften In der Finanzfrage gekommen. Insbesondere der Vorstoß der liberalen und katholischen Unternehmer gegen die Arbeitslöhne und die belgische Sozialpolitik ist ans den Widerstand aller Gewerkschaften gestoßen. To ist die katholisch-liberale Koalition nicht imstande die Finanzkrise zu lösen. Sie hat Belgien auf den Weg der Airleihewirtschaft gedrängt, der aber auf die Darier nicht begangen werden kann. Eine zweite Schwierigkeit für die bürgerliche Koalition ist die Sprachenfragc in Belgien. De Bevölkerung des Landes zerfällt in zwei Volksstämme, die französischen Wallonen und dft den Holländern verwandten'Fla- men, von denen bis zum Weltkriege die Wallo ! nen die herrsclzendr Naiion gewesen sind, wahrend-seither die Flamen einen erbitterten ' Kampf uni ihre Gleichberechtigung führen. Die ! bürgerlichen Parteien stehen der nationalen i Frage hilflos gegenüber, während sich die So- szialisten beider Volksstämme auf das.Pro- j gramm der kulturellen Autonomie geeinigt haben. Die bürgerlichen Parteien haben in der Wahlkampagne sich aller Mittel bedien', uni die Partei der Arbeiter niederzuringen. Sie haben insbesondere die Sozialdemokratie ber i schuldigt, daß sie die, Währung, ruinieren I werde, wenn sie zur Herrschaft käme. Dagegen Seit« 2 Dienstag, 2-. November 1632' Nr. 281 haben die Sozialdemokraten alle Finanzskan- dale und Bankenzusammenbrüche der letzten Zeit vor der Bevölkerung enthüllt und in den Versammlungen ein unzweideutiges Bekenntnis für die Abrüstung abgegeben. Unter Führung Banderveldes wurde der Wahlkampf mit sozialistischer Grundsätzlichkeit geführt. Der revolutionäre Charakter der Sozialdemokratie wurde von dem Führer der Partei mit aller Deutlichkeit hervorgehoben und an dem Verfall der Wirtschaftskrise gezeigt, daß der Kapitalismus sich im Zusammenbruch befinde. Der außerordentliche Schwung, mit dem die Partei den Wahlkampf geführt hat, hat auch den wohlverdienten Sieg der Sozialdemokratie gebracht. Die Wahlen in Dänemark, wo die So- Mr haben schon einigemale auf das verdächtige Verhalten der Vertreter bürgerlicher Parteien zur ArbettÄosenfrstge hingewiejen und haben dargestellt, daß di« Zeichen bürgerlichen Parteien, deren Repräsentanten jetzt ein« Konferenz nach der anderen einberufen, um über die ArbeitÄosennot zu reden und über Maßnahmen zur Bekämpfung dieser Not zu beraten, baß diese gleichen Parteien jahrzehntelang die grimmigsten Feinde der Arbeiterschaft gewesen sind, die jede soziale Forderung, ser sie wirtschaftlicher oder politischer Natur mit den brutalsten Mitteln abgelehnt haben, ja, die noch vor wenigen Jahren in der Zeit des Bürgerblockregimes di« Gesetze schufen und verteidigten, die zu der gegenwärtigen furchtbaren fmanziellen Situation in Gemeinden und Bezirken geführt haben. Wir müssen auch heut«, nachdem wir in der bürgerlichen Presse und vor allem in der ,Fieichenberger Zeitung" den Bericht über di« Konferenz der Vertreter der deutschen Gemeinden von Trautenau bis Tetschen, di« Samstag, den 88. November in Reichende« stattgefunden hat, gelesen haben, das gleiche Urten über diese verdächtige Freundschaft deS Bürgertums gegenüber den Arbeitslosen fällen. Noch mehr, wir werden durch die Wiedergabe der Verhandlungen dieser Konfevenz in der„Reichenberger Zeitung" dem Organ der Industrie und deS Handels in unserer bisherigen Meinung noch verstärkt, wenn wir klar aussprechen-. die Arbeitslosen find zu all diesen Konferenzen nur der Vorwand, der Siu« und Zweck der Beratungen und Beschlüsse und deren groß ausgemachte Wiedergabe in der bürgerlichen Presse, ist der Kampf gegen di« Sozialdemokratie im allgemeinen, ein« Attacke gegen den sozialdemokratischen Fürsorgeminister im besonderen. Es ist außerdem noch der Versuch, die Arbeitsdienstpflicht auf breitester Basis zu propagieren. Di« Arbeiterschaft kennt di« gleichen Leute, mögen sie Kostka, Günzel oder Cafourek oder anders heißen, es sind di« typischen Vertreter des reaktionären Bürgertums, es sind di« Leute, deren oberstes Ziel von jeher der Kampf gegen die Sozialdemokratie gewesen ist und si« haben sich nicht geändert. Nur die Methode ist der Zeit angepaßt worden. Auf einmal entdecken diese Leut«, daß es den Arbeitslosen furchtbar schlecht geht, auf einmal wissen sie, daß diese Hunger leiden, daß sie Schulden machen müssen, um leben zu können, daß sie zu Haufen in einem Bett lie-> sind, zkaldemokratie 70.000 neue Stimmen gewonnen hat, die Wahlen in Belgien, wo die Partei mit einem erheblichen Stimmen- und Mandatsgewinn das Schlachtfeld verlassen hat, zeigen, daß die Behauptungen der Bürgerlichen, Ha- kenkreuzler und Kommunisten, die Sozialdemokratie sei überall im Rückgang begriffen, unrichtig sind. Wohl ist die Sozialdemokratie in manchen Ländern augenblicklich in die Verteidigung gedrängt, aber in anderen Ländern trägt sie ihren Angriff weit in das bürgerliche Lager vor. Es ist der Tag nicht weit, wo auch die Arbeiter der anderen Länder ihren dänischen und belgischen Klassengenossen folgen und einen tiefen Einbruch in die Reihen unserer Gegner vollziehen werden. gen und im Falle der Krankheit hilflos bleiben. Wir Sozialdemokraten haben all das schon vor Jahren und Jahrzehnten gewußt und bei jeder Gelegenheit ausgesprochen. Si« aber, sie redete« jeweils nur da«« von der Rot der Arbeiter, wenn sie glaubten, aus dieser Rot politisches Kapital schlagen z« könne«. War denn nicht auch in de« Jahren 1925 und 1927«in Arbeitslosenheer in diesem Staate zu verzeichnen? Haben nicht auch damals die Arbeitslosen Hunger gelitten? Warrn si« Nicht auch damals dem gleichen Wohnungselend auSge- liefert wie heut« und sich selbst überlassen,"wenn st« krank waren? Aber die Vertreter der christlichsozialen Partei, der Wirtschaftsgemeinschaft, der Gewerbe- und Nationalpartei, sie haben von dem ArbettSlosenelend nicht geschrieben. Damals bär- t«n sie wider ihr eigenes Blut sündigen müssen, wenn sie di« Verhältnisse ausgezeigt hätten. Sir schwiegen also. Sie übergingen das Elend. Heute aber, wo man di« deutschen Sozialdemokraten, die einzig« deutsch« Partei» die man jetzt und für di« Zukunft fürchtet, verantwortlich zu machen glaubt für di« Sünden der kapitalistischen Gesellschaft. heut« reden sie aufreizender oft als die Kommunisten, über di« wir uns übrigens nicht besonders auslassrn müssen, wenn wir das hören, was sie gelegentlich anderer und der letzten Konferenz der Gemeindevertreter zu sagen hatten. S»e haben früher schon erklärt, daß ihr Kampf der- Entlarvung der Sozialdemokratie dient. Wir kennen sie und unsere Arbeiter wissen ihr Verhalten gewiß richttq einzuschätzen. Uns geht es vor allem darum, einmal ohn« Umschweife auszusprechen, daß wir nicht an die Arbeiterfreundlichkeit deS Bürgertums glauben, sondern daß d i e s« Arbeiterfreundlichkeil einem pol», tischen Demagogentum ärgster Art entspringt und nichts anderes zum Ziele hat als di« Beschmutzung der deutschen sozialdemokratischeu Partei, als die Verdächtigung ihrer ersten Führer. Da werfen sie mit Zahlen herum, di« offenbar von niemand noch kontrolliert worden sind, da erzählen sie nur, daß die Arbeitslosenziffern in den letzten Monaten gestiegen sind, hüten sich aber auch zu sagen, daß in der letzten Zeit die Beträge, di« sich unsere Genossen in harter Auseinandersetzung mit den bürgerlichen Vertretern in der Regierung erkämpften, ebenfalls gestiegen Kein Wort wurde davon gesagt, daß der Bezirk Reichenbcrg, von dem Herr Cafourek m der„Reichenberger Zeitung" in so rührenden Tönen schreibt, 440.000 Kronen im August, aber 500.000 Kronen im Oktober erhalten hat, nichts davon, daß man für Dcutsch-Gabel den Betrag für di« Ernährungsaktion von 90.000 Kronen im August auf 123.000 im Oktober, für den Bezirk Tetschen von 360.000 Kronen auf 395.000 Kronen, im Bezirk Böhm.-Leipa von 458.000 Kronen auf 480.000 Kronen gesteigert hat. TaS darf man nicht aussprechen, sondern man darf nur weiter verdächtigen und sagen:„dieser allgemeine Notschrei, welcher in Form einer Eingabe an das Ministerium für soziale Fürsorge weiter gebildet wurde, ist wohl„ordnungshalber" dortselbst registriert worden und wanderte zu den übrigen Resolutionen und Entschließungen aus dem hungernden Nordböhmen". Gibt es ein« großer« Gemeinheit, als zu behaupten, Genosse Tr. Czech nehm« di« Berichte über die Not und das Elend gleichgültig entgegen und leg« sie ab, als ob nichts geschehen wäre. Zur gleichen Zeit, da die Vertreter der Wirtschaftsgemeinschaft und der Nationalpartei, di« Vertreter der deutschen Gewerbepartei über die Unzulänglichkeit der sozialen Fürsorge reden und schreiben, da wird im internen Kreise ihrer Organisationen über den Abbau der sozialen Fürsorge auf der ganzen Linie beraten und gelegent- lich auch geschrieben. Abbau der Lasten, di« ihnen angeblich die Sozialversicherung bringt, Abbau des Mieterschutzes ustv. Ja noch mehr! In den gleichen Konferenzen, in denen sie die Not der Arbeitslosen in allen Farben zu schildern versuchen, verlangen sie di« restlos« Versklavung dieser Arbeitslosen durch ihre Forderung nach Einführung der Arbeitsdienstpflicht. Solange sie die Dienstpflicht mit der Fürsorge für die Arbeitslosen im Zusammenhang bringen, bleibt der Charakter dieseer Arbeiterfreundlichkeit gewahrt. WaS sie wollen ist uns und muß jedem Arbeiter und Arbeitslosen klar werden: auf- Dle Vemofratle und das Deutschtum tu der Tschechoslowakei. Di«„Bohemia" gegen die fascistischen Bestrebungen der Hakenkreuzler. Wir hoben schon einig« Mal« darauf hingswiesen, war für«in Unsinn eS ist, wenn unsere heimischen Hakenkreuzler gegen die Demokratie auftreten, weil ein FasciS- muS in der Tschechoslowakei nur«in tschechischer Fascismus sein könnt«, der für die Sudetendeutschen das denkbar größt« Nebel wäre, Auch die„Bohemia" ist nun, und zwar in ihrem Leitartikel vom letzten Sonntag, darauf gekommen, daß gerade die Deutschen in der Tschechoslowakei di« Demokrat!« schätzen und für ihre Erhaltung kämpfen müssen. Das Blatt schreibt nämlich: Denn WaS bedeutet in der Tschechoslowakei der Kampf gegen die wenigen wirklich demokratischen Rudimente, di« hier noch vorhanden sind, und die schrankenlose Begeisterung für ein anderes System, das doch nur ein« Diktatur oder bestenfalls«ine verschleiert« Diktatur sein kann? Wie würde«in Fascismus in der Tschechoflowa- kei aussehen und wie würde er sich auf die Deutschen auswirken? Meinen di« Nationalsozialisten vielleicht, man würde ausgerechnet einem Deutschen die diktatorischen Gewalten in di« Hand drücken und ihn bitten, gütigst di« Burgzimmer nffimiHuiaiiifiniiniiniiuoHiiHirinHiiiiiiNinnnmiiiiHiiiiiiiiuiiiiiiiiiutiiiiniiininiiiiiiiiiiiimnnuniiuiiiiHninniiimiiiiiuniiuiiiiiiiHiiiiiiiiiiiiiiiiiiiniiiiiiiiiiiDiiiiiiiiiniiiiiiiiiiiHitiiiiiuiiinHininn Unter falscher Flagge! Bürgerlich* Kommunistischer Mißbrauch der Arbeitsloscnnot 6 Cranz Heller: Der II u. k. SanitälsdickDS Stellte er eine Frage, so hatte er niemals die Geduld, dl« Antwort abzuwarten, sondern beantwortet« sie selbst— Selbststreiter. »Wo sind die anderen Freiwilligen? Unser« Menage schmeckt den Herrschaften nicht, ei, ei» feine Soldaten sind das! Ja, im Krieg werden sie auch inS Gasthaus gehen, ja, aber Sie sind vernünftig, Sie ziehen gewöhnlich« Menage vor, das ist militärisch und WaS mrlitärisch ist ist vkrnünstig, alles andere ist Blödsinn, aber das sehen Sie nicht«in. was? Ja, aber sich dick fressen an unserer Menage, das paßt Ihnen, was? Ein angehender Militärarzt muß wissen wie der Soldat verpflegt wird, das brauchen S>'e mir nicht erzählen, das weiß ich selbst, verstanden? Bon Ihnen lasse ich mir nichts weis- machen." „Ich habe doch nichts gesagt." „Das ist eine frech« Antwort. Sie müssen wissen, daß Sie hier nichts zu sagen haben, wenigstens mir nicht, verstanden, na also, wie heißen Sie?" Da Emil dieser Fremdling nicht ganz geheuer vorkam, hüllt« er sich in Schweigen. „Mo Sie wollen mir Ihren Namen nicht verraten?" „Ich macht« schon, aber ich trau« mich nicht." „Versteh«, verstehe, Sie kennen mich nicht und wollen keine militärischen Geheimnisse verraten, aber Sie müssen mich kennen, verstanden? Ich bin Hauptmann Weigner, merken Sie sich daö! Wie heiße ich?" „Herr Hauptmann Weigner." „Reden Si« nicht so Viel, daS weiß ich früher als Sie, aber Ihren Namen werde ich mir notieren. So, Emil Meltsch, dar genügt, dahätten Sie gleich sagen können, statt mich durch Mr« unnütze Vielrederei auszuhalten! So jetzt Den Si« weiter, dos Essen ist Ihm» kalt ge- wovden, WaS, gehen Sie ins Gasthaus, kauftn Sie sich ein anderes, vorwärts! Ach so, Si« haben kein Geld. Und das können Sie nicht fugen? Ich borge Ihnen, da nehmen Sie, das ist Kameradschaft." „Geld hätte ich selbst." „Na also, vorwärts."„Ich darf wcht." „Wex sagt das, wer? Wenn Ihnen Hauptmann Weigner einen Passierschein ausstellt, dürfen Sie bis zum Kaiser von China, da ist er, vorwärts!" Der mit der Truppe zurückgekehrte Leutnant war wütend, Emil nicht vorgefunden zu haben, dabei aber ahnte er noch nicht einmal die Zusammenhänge! Hätte er Emil in Gemütlichkeit bei dem zweiten Mittagessen gewußt, wäre er außerstande gewesen, seine eigene Mahlzeit zu genießen, so aber ließ er sichs schmecken in der Vorfreude, sich den Delinquenten am nächsten Tage gehörig auszuborgen. Allein auch das sollte ihm nicht gelingen, denn über Befehl des Regimentskommandanten, dem Hauptmann Weigner von dem wackeren, freiwillig Mann- schaftskost essenden Soldaten erzählt hatte, mußte er dem verhaßten Dickus drei Tage dienst- und stationSftei geben. Emil direkt nach den Ursachen der Sympathien des Regimentskommandanten zu fragen, wollte der Leutnant nicht, das wäre erstens eine unnötige Auszeichnung gewesen und zweitens sollte sich der dicke Kerl ja nicht einbilden, so etwas würde ihm imponieren. Emil selbst tat in der Richtung sehr geheimnisvoll und ließ nur ab und zu etwas in dem Sinne verlauten, als hätte er di« Tochter des Regimentskommandanten von einer gefährlichen Krankheit geheilt. Da- mochte stimmen oder auch nicht, jedenfalls behandelte ihn in der Folgezeit der Leutnant nach dem Leitspruch: Tu du mir nichts und ich tu dir auch nichts. Am Stammtisch wurde Emil sehr bewundert; nach so kurzer Dienstzeit schon Urlaub, meine Herren, das bedeutet Karriere, wenn das so weitergeht, ist er in drei Wochen Stabsarzt, denn ein« Charge hat er schon heute, nur aus Bescheidenheit, damit sich die anderen nicht kränken, trägt er die Sterne in der Tasche, im Portemonnaie. Aber der alte Meltsch traute der Situation nicht ganz und in der Befürchtung von Scherereien wegen des Verbergens eines Deserteurs begab er sich in die Kaserne, um die Zusammenhänge des unerwarteten Urlaubs zu erfahren. Dort hörte er von Zugssührer Hofhansel die Geschichte von der wunderbaren Heilung der Tochter des Regimentskommandanten; abends berichtete er am Stammtisch und seither wurde Emil als höheres Wesen betrachtet und verehrt. < Pünktlich fünf Minuten vor der Zeit rückte er ein und wurde von Zugsführer Hofhansel gleich, zu dem Assistenzarzt geführt:„Der Freiwillige Meltsch hat wieder einmal seine Abstinenzerscheinungen." Der Assistenzarzt verordnete wieder sein bewährtes Rezept, fünf Tage Kommodschuh und eine Flasche Rum aus der Kantine und Emil lebte sich auf diese Art nicht allzu schwer in der Kaserne wieder ein, zumal die militärische Ausbildung der angehenden Feldchiruraerr so ziemlich beendet war und die fachuche Schulung begonnen batte. Eigentlich sollte sie von dem alten Stabsarzt besorgt werden, der indessen immer gerade beruflich verhindert war und den Unterricht Hofhansel überlassen mußte. „Habt— aaacht! Wir nehmen durch di« Belehrung über erste Hilfe bei Unglücksfällen und plötzlichen Erkrankungen. Also au« müssen aufpassen, denn auf das, was Sie davon auf der Universität gelernt haben, können Sie sich nicht verlaffen, das ist Theorie, die kann stimmen oder auch nicht, wir brauchen Praxis, das heißt, wie eS gemacht wird, ich glaube, ich spreche verständ! peitschen di« Gemüter, um die Arbeiter unter der geistigen Führung der Kommunisten zum Aufstand wider die sozialdemokratische Partei ju führen. Zum Ausstand und damit auch zum Anschläge gegen die Partei, di« dos Burgertum bedroht. Niederwerfung der Sozialdemokratie, Beseitigung des sozialdemokratischen Fürsorgeminister, das»st für sie das Ziel bei der Kampagne um di« Arbeitslose«. Sie bereiten sich auf politische Kämpfe vor und so wie es immer gewesen ist, so ist es auch heute. Bei politischen Auseinandersetzungen, da legen sie das Kleid des Arbeiter- und Menschen- fveundes an. Ta werden sie zu Anklägern— nicht der bürgerlichen Gesellschaftsform, die den Hunger und das Elend hervorgebracht hat, sondern der Partei, die das Elend zu beseitigen versucht. Deshalb sagen wir in Anbetracht dieser offenkundigen demagogischen Kampsesweise des Bürgertums und«r Kommunisten zu unseren Arbeitslosen: „Seht euch eure Freund« gut an, forscht »ach, was sie gestern noch gegen euch im Schild« führte«. Ihr seid tausendmal von dem gleichen Bürgertum belogen und betrogen worden. Hütet euch, ihnen nochmals zum Opfer zu fallen! Sagt ihm: wenn ihr uns helfen wollt, dann unterstützt di« Forderungen unzerer Partei! Nicht in Konfeven-en, sondern an den zuständigen Stellen, in denen ihr mitentscheidend seid, ganz gleich, ob in Staat oder Gemeinde. Di« Sprach«, die ihr führt, di« ist jene der Faseisten in Italien, vor dem Marsch auf Rom. Si« ist jen« der Nationalsozialisten in Deutschland, di« vor Arbeiterfreundlichkeit triefen und dennoch di« reaktionärsten Schrittmacher des Kapitalismus sind. Wir erkenn«« euch trotz eurer Maskierung und wisse» um was es geht. Ihr werdet auch mtt dem Mittel der politischen Demagogie» d«n Kampf, den wir in dieser Zeit um die Arbeitslose« führen, nicht gewinnen! auf dem Hradschin zu beziehen? So einfältig ist denn doch wohl auch der jüngste Volkssportmann nicht, daß er sich etwas derartiges einreden ließe. Ein tschechifcher Diktator aber würde angesichts der herschenden Tendenzen jedenfalls bestrebt fein, den fchärfften und draufgängerischen Nationalismus zu fördern, um ferne Gewalt darauf stützen und damit ausbauen zu können. Die Aufreizung der nationalen Instinkte hat sich ja noch imrner als die leichteste und verhältnismäßig billigst« Methode erwiesen, die Instinkte der Massen zu gewinnen, seit der religiöse Fanatismus sein Durchschlagsvermögen und sein Anziehungskraft eingebüßt bat. Ein tschechischer Fascismus würde wohl nicht- anderes bedeuten, als daß das Parlament vollständig ausgeschaltet und daß damit auch di« letzten Möglichkeiten, auf einer Tribüne von der Autorität der gesetzgebenden Körperschaften für di« Rechte des Volkes einzutreten, mit einem Federstrich ausgelöscht würde»». Die übrigen Selbstverwaltungskörper, wie Land, Bezirk und Gemeinde, würden wohl sehr bald nachfolgen. Daß die Presse nichts zu lachen hätte und daß jede nationalgerichtete BersammluntzStätigkeit zur Aufklärung der deutschen Volksmassen aufhören würde, bedarf ebenfalls nicht erst einer langatmigen Erläuterung. Und wie es etwa mit dem Widerstand eines Volkes seit der Erfindung des Maschinengewehrs bestellt ist, solange die bewaffnet« Macht ein Werkzeug in der Hand des Diktators ist, dürfte auch in nationalsozialistische Kreisen nnicht unbekannt sei»». lich, nicht? Na also, wenn Sie gebildete Leut« sein wollen, müsse« Sie mich verstehen, aber deswegen darf sich niemand auf seine Bildung etwas einbilden, denn voriges Jahr haben wir einen Erfrorenen gefunden und ein Einjährig- Freiwilliger-Mediziner hat nicht einmal verstanden, chm die Stiefel auszuziehen, also was nützt die ganze Intelligenz, wenn man sie nicht antvenden kann. Also, erste Hilfe bei Unglücksfällen und plötzlichen Erkrankungen. Heute nehmen wir durch das erste Kapitel. Das erst« Kapitel heißt: unsere Vorgesetzten. Man schreibt sie genau unter einander, anoefangen von dem kleinsten, das ist der Kameradschaftskommandant, bis hinauf zu dem höchsten^ das ist der Armee- obcrkommandant, wissen muffen Sie di« Na»nen aber nur bis zum Divisionskommandanten. Also schreiben Sie nur nach: Unser Kameradschaftskommandant heißt Herr Gefteiter Wenzel Czavek. So, und jetzt frische Zeile und das geht so weiter bis zum Divisionskommandanten. Versteht es jemand nicht, oder hat jemand dazu eine Frage? Der soll sich melden, also, Meltfch, was wollen Sie wissen?' „Melde gehorsamst, Herr Zugsführer, wie lange könnte das beiläufig dauern, bis es unser Kameradschaftskommandant. Herr Gefreiter Wen zel Czapek, bis zum Divisionskommandanten bringt?" „Setzen Sie sich, das geht nicht, und wei jemand, warum es nicht geht, der soll sich melde»' Also Melffch!" „Melde gehorsanfft, Herr Zuasführer^stren genommen müßte es gehen, weil be»m Militk alles gehen muß." „Das ist wahr, aber Divisionskommandai kann der Gefteite Czapek niemals werden, w« er nicht die Kriegsschule besucht hat. Divisionkommandant kann nicht e»n»nal ich werden. Alst gehen wir weiter! Was wollen Sie, Meltsch?" (Fortsetzung solgr.) Nr. 281 Dienstag, 29. November 1982 Seile 3 Lar Ber.agea der politische« Kathoiirirmur. Anläßlich der Bemühungen, zu einer Zusammenarbeit zwischen den tschechischen und deutschen Klerikalen zu gelangen, wo- für sich der Abt von Braunau unlängst in einem Interview ausgesprochen har, schreiben die„Lidovö Noviny" über die Politck der deutschen Chriftlichsqialen: Der nationale Radikalismus dieser Partei, der sie auch in einen Konflikt mit der kirchlichen Autorität brachte, kst der Mantel, welcher gewisse wirtschaftliche Interessen verbirgt. Den größten Einfluß auf die Politik dieser Partei übt der durch di« Bodenreform betroffen« hohe Adel aus, genau so wie die hohe deutsch« Geistlichkeit, welch« der Republik bisher nicht auf den Geschmack gekommen ist. Der steigende Einfluß des Abtes Helm«r auf dies« Politik der Parte« ist ein Beweis, daß di« Partei mehr di« Jnteresien deS ehemaligen Adels und der hohen Geistlichkeit beachtet als di« Interessen der breiten Wählerschichten. Di« GewerkichaftSorganifatronen der deutschen christlichsozialen Partei haben keinen Einfluß auf di« Politik der Partei, obzwar sie einen ziemlich starken Faktor darstellen. Als Borbild dient der Partei mehr die Politik der Christlichsozialen in Oesterreich als der des Zentrums in Deutschland. Ihr Kampf gegen di« deutsche Sozialdemokratie weist keine großen Erfolge auf; die Agitation gegen den Bund der deutschen Landlvirt« geht auch nicht gut... Dies« Schwierigkeiten sucht die Partei durch den nationalen Radikalismus zu überwinden, hoffend, daß sie etwas von der nationalen Welle auffängt, welche durch untere deutschen Gebiete geht... Der deutsche Katholizismus hat auf einem sehr wichtigen Gebiete versagt. Es war ein Katholizismus dazu vorherbestimmt, für die Zusammenarbeit zwischen Tschechen und Deutschen im allgemeinen und Zwischen den katholischen Parteien im besonderen einzutreten. Aber die politischen katholischen Parteien haben nicht Nur keinen gemeinsamen Block zu schaffen gewußt, sondern sie haben mcht einmal ruhig« Formen des Zusammenlebens gefutcken. „AevolutlonSres fiiinrei'en." Ei« Urteil über di« Tätigkeit der Siebener-Kommission. Wir haben dieser Tage das anerkennende Urteil wiedergegeben, welches di« „Böhemia" der Arbeit der siebengliedrigen Budgetkommifston der Koalitionspavteien gewidmet hat. Nachstehend verzeichnen wir noch di« interessanten Aeußerungen des Chefredakteurs des„lüestä Slovo" K. Z. Klima, der unter dem obigen Titel schreibt: „Welchen Gewinn würde es für die StaatS- wirtschaft bedeuten, wenn schon in normalen Zeiten das Parlament zu dieser zweckmäßigen Kontrolle und Mitarbeit zugelaflcn würde! Jetzt hat es sich gezeigt, daß selbst die drakonischesten sachlichen Ersparnisse nicht genügen und daß die Finanzkrise ohn" E-parungen an den Personal- auSgaben nicht zu lösen ist. Stellen wir diesem Ergebnis der parlamentarischen ErsparungS- Am Samstag, den 26. Noveniber d. I., (o&en sich in der Volkshalle des Rcichendergrr Rathauses rund 250 Bürgermeister, Gemeindevorsteher und Gemeinderäte versammelt, um über das wichtigste Problem der Gegenwart, d i e Arbeitslosenfürsorge, zu beraten. f’ Bürgermeister Czirnich(Haida) eröffnet« die Versammlung. Er betonte in seiner Begrüßungsansprache, daß die Not di« Vertreter der Geblet« Nordböhmens zusammengeführt habe und daß di« Not zu sprechen habe. Er lehnte eS vor allem ab, aus dieser Bersammlung ein politisches Schauspiel zu machen. Dieser Wink galt ohne Zweifel den sehr zahlreich anweseiwen wmmunistrschcn Vertretern, die es auch tatsächlich in der folgenden Aussprache versuchten, ein« wüste, sinnlose Hetze zu drehen und absichtlich die Bersammlung in ein Chaos zu führen versuchten. Bürgermeister Senator Kostka(Reichenberg) erklärte, daß alle Gebiet« unter derselben Not leiden. Er berichtet« über einzelne Notstände und entwickelt« seine Ansichten zur Linderung. Der Vorsitzende Bürgermeister Czirnich ergänzt den Bericht Kostkas. Er erzählt«, daß bei der letzten Besprechung mit dem neuen Ministerpräsidenten Malypetr dieser die Zusage Wachte, daß für die Arbeitslosen Kartoffeln und Kohle herbeigeschafft werden soll. Mehr als unerfreulich gestaltete sich di« Vorsprache beim Füianzmimster T r a p l, der verlangte, daß dir Izech-Karten«och sparsamer verteilt werden sollen. Czirnich schilderte dann di« traurige Lage der Glasindustrie des Haidaer-Steinschön^uer Gebietes. Stadtrat G ü n z e l(Zwickau) fuhrt« in seinen Feststellungen aus, daß das Gebiet «hückau und Deutsch-Gabel schon seit dem Jabre 1924 unter der Krise leidet. Viel« Arbeiter, die früher im Reichenberger Gebiet« besthäftigt waren, sind arbeitslos zurückgekehrt. Es gibt diele Arbeiter, die nicht einmal ein Versicherungsbuch haben, da sie sei» dem Jahre 1929 kein« arbeitsversicherungspflichtige Beschäftigung hatten. Er kam dann auf di« Auflösung des Hilfsausschusses durch den Rat DyskoLil zu sprechen, die durch«m Memorandum erfolgt«. Er forderte, an einem Tage für die Forderungen der Arbeitslosenfürsorge zu demonstrieren, «ach ihm sprach der kommunistisch« Abgeordnet« Höhn«!. Er Wendel sich«egen di« Pfändungen Und fordert zinsenfrei« Darlehen für d-e Gemeinden. Zum Schluß seiner Ausführungen forderte er die Anwesenden auf, zusammen mit den Arbeitslosen große Demonstrationen durchzu- siihren. Bizebürgermeistec Cafoure!(Mafsers- dorf), Kommunist, gab einen Berrcht Wer di« Verhältnisse im Reichenberoer Gebiet« und schildert die Lebenshaltung der Arbeitslosen. Auch er fordert di« Anwesenden auf, daß sich die Gemeinden am 5. Dezember den Reichenberger Arbeitslosen zur Seit« stellen und überall große Demonstrationen durchfuhren. , Nach dieser letzten Forderung setzt eine d'üsta' Auseinandersetzung zwischen Mu bürgerlichen und kommunistischen Vertretern siu. Der Vorsitzende bewnt abermals, daß diese Versammlung nicht als politisches Schauspiel geplant war. Nachdem sich der Tumult gelegt hatte, er- tzrifs Bizebürgermeister Gen. Keßler(Boden- dach) das Wort und stellte den Antrag, daß ein sMisgliedriges Komitee gewählt werden solle, daS «ine den Verhältnissen entsprechende Resolution Mlsarbeiten und der Versammlung Vorlegers soll. Auf die kommunistische Hetzrede spielend, dehnte er, daß hier verantwortungsbewußt« Män- Mr zusammengekommen seien und daß eS nicht Deckmäßig wäre, diese Bersammlung in e nem Tumult untergehen zu lallen. DaS wurden die Arbeiter nicht verstehen. Gen. Keßler berichtete m>er die ArbeitSlosenfürforgetätigkeit der Stadt Kadenbach. Bis letzt konnte noch immer aus städtischen M'tteln wirksame Abhilfe geschaffen mrrd-n, während im nächsten Jahr« sich auch Adenbach in die Reihe der schwergetroffeneu Mdte stellen wird. Er wendet sich gegen die Mstonierung der Chaudoir-Werke mit der KriLik A--G. in Prag, wodurch die bisher von der erst- Mannten Firma zahlbaren Steuern nicht mehr «r Stadt Bodenbach zufließen, sondern der ?wdt Prag zukommen werden. Die Bürokratie A diesem Staate hat kein Verständnis für die «itneinden im deutschen Gebiete. Sie verzögert Knotig die BoranschlagSerledigungen. Keßler i Aldert vor allem em Mietermoratorium für dw Arbeitslosen, da nichts geeigneter ist, die Be- Alterung zu mobilisieren als wenn Arbeitslose s SJ ihren Wohnungen geworfen werden und da- der Kälte und Schutzlosigkeit verfallen sind. ! 7k kam aus die Ausführungen Hlinka» in Prag sprechen, denen er entgegenstellte, daß eS mchr Dtwendia sei, zwischen Slowaken und Deut- !^"künstliche Gegensätze zu erzeugen» da wir e Not in Karpathorußland sehr gut kennen und Mr fordern, daß auch dasselbe Verständnis dem f Asichen Gebiete entgegengebracht wird. Wir imstande sein, einen Notschrei zu ^^rmulirreu und müflen verhüten, daß aus k^tschböhmen kein große» Rochau wird. Der ^"krag des Gen. Kegler wird angenommen. NH». Im weiteren sprachen noch Vertreter ver- Vv^dener Gemeinden, vor allem Kommunisten, »7 Iwar keine Vorschläge für die Be- r-v/S.ung der geschilderten Ber» ’»i»'•* brachten, aber desto mehr .^.Forderung stellten, daß alle Bür- e mrcister, an der Spitze die Arbeitslosen, am I Dezember demonstrieren sollen. E» kam meh Nordböhmens Hilferuf Versammlung der Bürgermeister Nordböhmens In Reichenberg reremale zu stürmischen Gegensätzlichkeiten, wodurch der ruhige Verlauf der Bersammlung oft bedroht war. Den Kommunisten war es anscheinend darum zu tun, auch hier das übliche Gezeter an den Tag zu legen, daS zwar viel Aufsehen macht, aber den Arbeitslosen sicherlich nicht helfen kann. Die vorgelegte Entschließung hat folgerrden Wortlaut: Rotschrei der deutsche« Städte und Gemeinde« Nordböhmens. Di« am 26. November 1932 in Reichenberg versammelten rund 250 Bürgermeister, Gemeindevorsteher und Referenten für Ar- beitslosenfürsorg« für das Gebiet von Tet» scheu bis Trautenau habe» di« Ausführungen der einzelnen Vertreter aus diesen schweren notleidenden Gebiete« verfolgt und find in nachfolgenden Beratungen zu dem Entschluß gekommen, folgende Forderungen als Notschrei an die Regierungsstelle«, sowie an di« gesamt« Oeffentlichkeit z« richten. Ei« harter Winter steht vor der Tür und laßt für unsere Gebiete das schlimmst« befürchte«. In alle« Gemeinde» ist di« gleichgroße Rot unter der arbeitslosen Bevölkerung: kein« Nahrung, keine Kleidung und kein Heizmaterial. Wer zahlt die Mietzinse? ES droht unS Hungersnot» der der größte Teil der ArbeitS- losen unbedingt zum Opfer fallen mutz. Daher fordern wir: 1. Für die Durchführung von Notstandsarbeiten find de» Gemeinden und Bezirken zinsfreie Jnvestitionskredite beizustellen, die bereits laufenden Ansuchen um Zuschüsse und Darlehen für solch« Arbeite« fi«d sofort zu erledige«. 2. Sofortig« Einführung einer allgemeinen Arbeitslosenunterstützung, weil fich das Genter System mit Rücksicht ans den Umfang der Arbeitslosigkeit als nicht zureichend erwiese« hat, erhöhte und regelmäßige Zuteilung von staatlichen Lebensmittelkarten und Milchkarte« für di« Arbeitslose« sowie sofortig« Bezahlung dieser Karten. 3. Einreihung der durch di« bestehende Kris« erwerbslos gewordenen Gewerbe- und Handelstreibenden i« dies« Unterstützungsaktion. 4. Krankenversicherung der Arbeitslose« und der durch di« Krise erwerbslos gewordenen Gewerbe- nnd Handelstreibenden und kleine» Landwirte auf Koste« des Staates sowie Beistelluug von Aerzte» und Medikamenten. 5. Sofortig« Inangriffnahme einer durchgreifenden Winterhilfe in Form von Bekleidung, Heizungsaktion, sowie ausreichend« Durchführung der Kartoffelzutei- lnngen. 6. Staatliche MietzinShilf«, um di« Arbeitslosen vor der Delogierung zu schützen. 7. Einstellung aller Steuerexekutionen gegen Gewerbe- und Handelstreibrnde sowie Landwirte, wenn hiedurch ihr« Lebensexistenz gefährdet ist. 8. Wir nehme» in energischer Form gegen die Verlegung der Industrien oder deren Sitze aus dem deutschen Gebiete und gegen die- Konzentrierung derselbe« im tschechischen Gebiete Stellung, weil dadurch die Gemeinden in ihren Einnahmen erheblich geschmälert werden und die Zahl der Ar- bertSlosen dadurch vergrößert w»rd. 9. Wir fordern di« Beseitigung des Ge- meindesinanzgesetzes und der Verwaltungsreform, weil durch dies« beiden Gesetz« di« Gemeinden am schwersten geschädigt und sie zum Ruin gbracht haben. 10. Wir fordern die sofortig« Aenderung der vollständig verfehlten Zoll- und Handelspolitik. Die Parlamentarier aller Parteien werden ersucht, dies« Forderungen mit allem Nachdruck zu vertreten. Sollten diese Forderungen nicht der entsprechenden Lösung zugeführt werden, so müßten die Gemeindevertreter die Verantwortung für die unabsehbaren Folgen ablehnen. Diese Entschließung soll in kürzester Zeit durch eine Deputation, der Bürgermeister Kostka- Reichenberg, Vizebürgermeister Priebsch- Gablonz, Bürgermeister Czirnich-Haida, Bürgermeister S.egel-Trautenau und Bürgermeister Lein- weber-Tetschen angehören, den zuständigen Regierungsstellen überreicht werden. aktion jenen begrabenen Plan gegenüber, mit dem di« Finanzburokratie gekommen ist, so müssen wir dem so oft unterschätzten Parlament zuer- kennen, daß cs in kritischem Augenblick gezeigt hat, wie notwendig und daß es keine bloße Dekoration und kein kostspieliger Luxus ist, wenn die andern Faktoren mit ihm richtig umgehen und es zur Arbeit zulafsen. 1 ES ist dies aber schließlich auch ein Erfolg der Regierung Malypetr, der das erfüllt, was er in seiner programmatischen Erllärung versprochen hat, daß er sich nämlich um ein« bessere Zusammenarbeit mit dem Parlament bemühen werde und der daS auch bald nach seinem Amtsantritt durch di« Tat erwiesen hat. Vorläufig bat sich der neuangetreten« Weg im Interesse der Staatsfinanzen bewährt, aber wir zweifeln nicht, daß durch di« Verbreiterung einer solchen loyalen Zusammenarbeit der Regierung mit den gesetzgebenden Körperschaften ein Erfolg für alle Zweige der Staatsverwaltung sich ergeben würde, nicht zu reden davon, daß damit vor der ganzen Bevölkerug das demokratische Parlament rehabilitiert wird." Ein sonderbarer Sozialist scheint der uns übrigens sonst unbekannte ehemalige Abgeordnete des japanischen Parlaments Bunji Suzuki zu sein, der wie wir gemeldet haben, dieser Tage in der Tschechoflowakei weilte. Der Genannte hat nun der„Prager Presse" ein Interview gegeben, in dem er sonderbare Auffassungen verbreitet: Die japanische Arbeiterschaft bedauert sehr, daß Japan gezwungen wurde, mit militärischer Gewalt in der Mandschurei einzugreifen. Es war aber dazu durch die Tatsache bewogen, daß in China keine Regierung besteht, die die Kontrolle über das gesamte Land in den Händen hätte, und daß Mo niemcmd chmesrscherseötS den bestehenden Verträgen zur Achtung verhelsen konnte Japan hat seine Armee nach der Mandschurei entsandt, um di« Verträge durchzusühren. Die Arbeiterschaft Japans ist gegen jede Gewalt, aber in dem konkreten Fall« der Mandschurei gab es kein anderes Mittel Das mandschurisch« Problem hängt eng mit dem japanischen Populationsproblem zusammen. Japans Bevölkerung steigt in jedem Jahre um neu« 800.000 bis 900.000 Menschen, und Japan, ein kleines, bergiges Land, kann für sie weder Platz noch Ernährung schaffen. Die ja- panische Einwanderung nach Amerika und nach Australien ist verhindert. Wohin sollen di« Leute gehen, die in Japan keine Ernährung finden? Der Herr Suzuki mag ein guter japanischer Patriot sein, aber sozialistisch und sozialdemokratisch find seine Aeußerungen nicht. Das, was der japanische Besucher der Tschechoflowakei gesagt hat, steht in striktem Gegensatz zu der Ueberzeu- gung der Sozialistischen Internationale, di« erst jüngst in einer Entschließung das japanische Vorgehen in der Mandschurei verurteilt hat. So wie es Suzuki tut, kann jeder Imperialismus und jeder Angriffskrieg verteidigt werden. Wenn der ehemalige Abgeordnete des japanischen Parlaments vielleicht zu dem Zwecke.in die Tschechoslowakei gekommen ist, um für das Vorgehen der japanischen Regierung Stimmung zu machen, wird er keine besonderen Erfolge hierzulande erzielt haben. Die„Anheltsfronttattik". Der Herr Gottwald, der Gottöberste der KP6, Hot mit seinem Signal zur Bildung der proletarischen Einheitsfront bisher nur den einen Erfolg gehabt, daß in seiner eigenen Partei eine arge Berwirrungentftanden ist. Es hat zahlreiche kommunistische Arbeiter gegeben, di« gemeint haben, daß es der Leitung der KP6 wirklich darum gehe, den Bruderkampf in den Reihen der Arbeiterschaft zu liquidieren und dies« Arbeiter waren daher bemüht, zu einer ehrlichen Verständigung mit den sozialdemokratischen Klassenkampfgenossen zu kommen. Das paßte aber dem Politbüro, dem daS ganze Einheitsfrontmanöver ja nur Mittel gu dem Zwecke ist, die Sozialdemokratie zu schwächen, nicht in den Kram und deshalb sah sich jetzt die kommunistisch« Presse genötigt, der Mitgliedschaft der KP6 in der Frag« der Einheitsfronttaktik nochmals genauere Weisungen zu geben. Da setzt nun z. B. die»^Internationale"(in der Nummer vom 27. November) den kommunistischen Arbeitern neuerdings— und diesmal mit aller Offenherzigkeit— auseinander, wie die Einheitsfront in Wirklichkeit gedacht ist. Was wir immer erklärt haben, wird jetzt ohne- weiters zugegeben: Das ganze Gerade von der Einheitsfront ist nur ein Lockmittel, um sozialdemokratische Arbeiter zur kommunistischen Partei und zur roten Gewerkschaft zu bringen. Dieses Ziel wird, so hofft die„Jnternatwnale", am ehesten dadurch erreicht werden, wenn man die Sozialdemokratie und deren Führer— dabei ist auch vor den„unteren Funktionären der reformistischen Parteien und Gewerkschaften" nicht halt zu machen— unaufhörlich beschimpft und verleumdet. Es ist gut, daß die kommunistische Presse damit selbst den EinheitSfrontschwindel entlarvt hat. Unsere Genossen wissen nun, was die Kommunisten mit ihrer Einheitsfrontparole beabsichtigen und sie werden sich darnach verhalten. Sin züchtiger Ien'or. Der Karlsbader Zensor hat die Samstag- Ausgabe des Karlsbader„Vollswille" beschlagnahmt wegen der Wiedergabe der Greuelszenen, die sich vor kurzem in einem rumänischen Gefängnis ereigneten. Der„Sozialdemokrat" und seine Kopfblätter haben diese Darstellung in der die grauenhaste Mißhandlung eines verhafteten Mädchens geschildert wird, anstandslos bringen können; selbst in unseren rumänischen Parteiblättern ist der Bericht erschienen, ohne daß die Behörde eingeschritten wäre. Im Czernowitzer „Volkswille" wurde er, der nichts anderes enthält als den Wortlaut eines Protokolles ohne jede Einschränkung abgedruckt. Ob der Karlsbader Zensor im Hinblick auf die Bundesgenossenschaft der Tschechoflowakei mit Rumänien oder aus sozusagen sittlichen Gründen gehandelt hat, ist vollkommen gleichgültig; er wollte jedenfalls verhindern, daß über di« unglaubliche Mißhandlung einer wehrlosen Frau die Wahrheit berichtet wird und hat sich darum strafbar gemacht vor dem Gewissen der europäischen Menschheit. Das gibt es noch, wenn auch sehr selten Zensoren daran teilhaben. Sine Kundgebung der Sozialverficheruugsangeftellten gegen den Gehaltsabbau. „Die Zentralexekutwe»der Gewerkschastsorga- nisationen der Sozialversicherungsangestellten, die sämtliche Gewerkschaftsorganisationen der Angestellten der Sozialversicherungsanstalten in der Tschechoslowakischen Republik vereinigt, verhandelte den Entwurf über die Personalsparmaßnahmen des Ministeriums der Finanzen, welcher in den verflossenen Tagen Gegenständ von Berichten in den Tageszeitungen gewesen war und verwahrt sich auf das Entschiedenste gegen di« Bestrebungen, die Wirksamkeit der erwähnten Sparmaßnahmen auf die Angestrllten der Sozialversiche- rungsanstalten auszudehn«». Wir erachten den Entwurf des Finanzministeriums für äußerst tendenziös und ungerecht, insofern er sich bemüht, di« Kategorie der Angestellten der Sozialversicherungsanstalten einzubeziehen, deren gute Rechte durch Kollektivverträge und Jndividualverträge garantiert sind, sowie auch durch Dienstordnungen, die von den zuständigen Ministerien genehmigt sind. Diese Verträge sollen aufgehoben werden, trotzdem dies« Gehälter in keiner Richtung die Staatskasse irgendwie belasten, um deren Sanierung es sich eigentlich handelt, trotzdem die Sozialversicherungsanstalten autonome Körperschaften sind,, unabhängig von der Staatsunterstützung. Insofern es sich um die Finanzkrise handelt, in welcher sich gegenwärtig infolge des unzulänglichen Gesetzes die Krankenversicherungsänstalten befinden, haben die Angestellten dieser Anstalten, trotzdem sie die Krise nicht verschuldet haben, schon im August dieses Jahres freiwillige Opfer zum Vorteile dieser Anstalten, welchen sie dienen, gebracht, und zwar ineinemprogressiven Gehaltsabbau von 4 bis 10 Prozent, was ein Geschenk an die Krankenversicherungsanstalten von mehr als 6,000.000 K jährlich bedeutet. Wir erachten somit den Inhalt des Entwurfes über die Sparmaßnahmen für eine augenscheinliche Ungerechtigkeit, die imstande ist, mit ihrem rücksichtslosen Vorgehen den geltenden Rechtszustand zu verletzen, zahlreiche Verwirrungen hervorzurufen, unzählige Rechtsschritte heraufzubeschwören und überhaupt den Glauben an die Arbeit und an die Gerechtigkeit in diesem Staate sehr tief zu untergraben." Seite 4 Nr. 281 Dienstag, LS. November 1932 Eger, 28. Novcmhcr. Der Gendarmerie in der Stadt Schönbach ist es gelungen, eine Falfchmünzerwerkstätte, in der tschechoslowakische Ein- und Fünf-Kronenstücke sowie auch reichsdcutsche Mark-Stücke hergestellt wurden, auszuheben. Es ist nicht ausgeschlossen, daß es sich hier um den Herstellungsort der falschen Markstücke, besonders der falschen Fünf-Markstücke handelt, die seit einiger Zeit im Grenzgebiet in Umlauf gesetzt lvurden. In die Wohnung des Angestellten in Schönbach Gustav Gerstenecker und feiner Frau Mathilde wurden bei F einer Hausdurchsuchung Metalle, Metallabfälle und mißlungene Münzen sowie eine Anzahl von Stanzen gefunden und beschlagnahmt. In die Angelegenheit sind auch ein gewisser Rudolf H a m m e r l und eine gewesene Marie Meinlschmidt aus Graslitz verwickelt. Die Meinlschmidt war sch>n früher einmal im Verdacht gestanden, in Graslitz falsches Geld iu Umlauf gebracht zu haben. Tagesnetiigfeetfen Mißglückter Raubüberfall in Brünn Brünn, 27. November. Gestern gegen sieben Uhr abends erschien in der Trafik der A. Rosul- kova am Brückl in Brünn ein unbekannter junger Mann. Die Trafikantin war zu dieser Zeit allein im Laden. Der Unbekannte zog einen Revolver, den er gegen die Tafrikantin richtete und wollte sich der Schublade mit dem Geld bemächtigen. Die überfallene Trafikantin rief um Hilfe, worauf chre Mutter, die in der neben dem Laden gelegenen Küche weilte, herbeilief. AlS di« Mutter den unbekannten jungen Mann mit dem auf ihre Tochter gerichteten Revolver sah, lief sie wieder in die Küche zurück, versperrt« die zur Trafik führende Tür und eilte durch eine andere Tür auf die Gasse, wo sie Alarm schlug. Der Räuber ergriff nun di« Flucht. Er wurde verfolgt, doch gelang es ihm zu entkommen. bin Mensch wurde zerstückelt? Grausiger Fischzug aus der Donau. Wien, 27. November. Nachdem in den letzten Tagen am Donauüfer ein Menschenarm ausge- funoen worden war, wurde gestern Abend von Fischern in der Einmündung des Donaukanals am linken Donauufer wieder ein Leichenteil, und zwar ein ganzer menschlicher Oberschenkel aus dem Wasser gezogen. Es zeigte sich, daß der Oberschenkel im Hüftgelenk und in der Kniegelenkkapsel glatt durchgeschnitten ist. Ob der früher gefunden« Arm und der Oberschenkel von ein und derselben Person herrühren und ob sie von einer Frau oder einem Manne herstammen, konnte noch nicht festgestellt werden. Heute wurden am linken Donauufer im Gemeindegebiet Eckartsau noch weitere Leichenteil« gefunden, und zwar ein« menschliche Lung« und Eingeweide, die ebenfalls von Menschen herrühren dürften. Nach diesen Funden hat sich der Verdacht, daß ein Mensch ermordet und zerstückelt wurde, noch mehr verstärkt.■ Di« Erhebungen werden fortgesetzt. ßntgleisung ans einer Seilschwebebahn Freiburg, 26. Oktober. Auf der nach dem Schauinsland führenden Seilschwebebahn ist Samstag abend ein« Kabine entgleist und abgestürzt. Von den Insassen wurde der Schaffner und ein Tourist getötet. Ein zweiter Tourist erlitt lebensgefährliche Verletzungen. Ter schwerverletzte Insasse ist ein in London wohnender Vertreter eines Freiburger chemischen Laboratoriums, her sich seit einigen Tagen in Freiburg geschäftlich aufhält. Er ist britischer Staatsangehöriger, heißt Wilhelm K ü h l e n t a l und stammt aus Tanten am Rhein. Sein Zustand ist sehr ernst. Sein Begleiter, der bei dem Unfall getötet wurde, ist ein Freiburger Chemiker. Tas Unglück ereignete sich aus der Fahrt zur Tal- statron. Di« Untersuchung hat ergeben, daß das Unglück auf ein Versehen des tödlich verunglückten Schaffners zurückznsührcn ist. Die Kabine ist etwa drei Meter tief abgcstürzt. Technisch« oder Konstruktionssehler der Bahn liegen nicht vor. „Sin schlechter Scherz." Schüler als Bombenleger. Neustettin, 27. November. Mehrere Schüler des Hedwig- Gymnasiums, di« von einem Vereinsvergnügen nach Hause gingen, versuchten in der Nacht zum Sonntag vor dem Hause' eines Lehrers einen selbst hergcstellt^n Sprengkörper zur Entzündung zu bringen. Di« Explosion erfolgte aber voreilig in der Hand eines Schülers, des 18jährigen Gymnasiasten Meinrat M e i x. Der Schüler wurde furchtbar zugerichtet. J Die lmke Hand wurde ihm abgerissen. Ein Teil der Ladung ging ihm ins Gesicht, wodurch Augen und Gehör stark in Mitleidenschaft gezogen wurden. In hoffnungslosem Zustande wurde der Verletzte ins Krankenhaus gebracht. Die anderen Schüler kainen mit dem Schrecken davon. Ilach' den polizeilichen Ermittlungen war lediglich ein schlechter Scher; der Schüler beabsichtigt. Sie hatten ihrem Klassenlehrer einen Schrecken einjagen wollen. Die falschen Münzen wurden aus Blei und Zinn hergestellt. Die eigentliche Werkstatt befindet sich in einem Wald bei Leibitschgrund in einem Felsenskeller, der, von Sträuchern verdeckt, sich den Blicken der Vorübergehenden verbirgt. Auch dies« Werkstatt würde entdeckt und daselbst zahlreiches Material aufgefunden. Die ganz« Angelegenheit spielt auch nach Sachsen, u. zw. nach Markneu- kirch und nach Erlbach hinüber. Dort sind die sächsischen Sicherheitsbehörden bemüht, die in Böhnien ausgefundene Spur weiter zu verfolgen. Gerstenecker ist österreichischer Staatsangehöriger und wurde zusammen mit seiner Frau, mir Rudolf Hammerl und mit Marie Meinlschmidt verhaftet und dem Bezirksgericht noch W'ldstein übergeben. Die Nachforschungen werden fortgesetzt und dürsten noch überraschende Ergebnisse zeitigen. Verhaftung Ludwig Renns. Berlin, 28. November. Der Schriftsteller Arnold Vieth von Golssenau genannt Ludwig Renn(„Der Krieg"), der bei der Durchsuchung der Marxistischen Arbeiterschule in der Schickler- straße festgenommen war, wurde heute dem Ber- nehmungsrichter unter der Beschuldigung vorgeführt, Umsturzpläne in Aufzeichnungen und Schriften verbreitet zu haben. Gegen chn wurde Haftbefehl wegen Vorbereitung zum Hochverrat erlassen. Dom A«qe getötet. Pardubitz, 27. November. Gestern abends ging der Streckentvächter Franz M a ch a ö aus PkelauL auf der Eisenbahnstrecke zwischen Pke- louö und der Haltestelle Baly zwischen den Geleisen. Als er hinter sich den herannahenden Schnellzug Pardubitz—Prag hörte, sprang er auf das Nebengeleise, wo ihn aber der Motorzug der Strecke Prelouv—Choltice erfaßte und tötete. Erdstötze in Holland. Amsterdam, 28. November. In verschiedenen Orten der Provinzen Limburg und Nordbrabant wurden wieder Erdstöße wahrgenommen. Besonders stark waren die Stöße in der Stadt Herzogenbusch zu verspüren. Eine Mauer mit Freske« übersiedelt Neapel. Einen in seiner Art bisher einzig dastehenden Transport einer von wertvollen Fresken bedeckten Mauer wurde in der Kirche Donna Regina in Neapel durchgeführt. Die Mauer zeigt in einzigartigem Stil Szenerien aus dem Leben des Heiligen Franziskus; sie stammt aus der zweiten Halste däs XVI. Jahrhundert-, wiegt 60 Tonnen und ist 60 Quadratmeter groß. Die Szenen sind«in Werk des berühmten Malers Francesco Solimeno. Bei der Rekonstruktion mußte die ganze Wand mit den Fresken, die isoliert stand, zurückverschoben werden. Nach Vorbereitungen, die viele Monat« dauerten, wurde die Wand verpackt und mittels Stahlkabeln wie aus einer Bühne an ihren Bestimmungsort gebracht. Nur ein Scherz? In Neustettin platzte eine Bombe. Nicht zeitgerecht, so daß der „Scherz", dem sie dienerb sollte, nicht ausgeführt werden konnte. Dafiir verletzte sie einen der„Scherzenden" tödlich. Tie Veranstalter des„Scherzes" waren Ghninasiasten und die Bombe war einem ihrer Lehrer zugedacht, den sie aus dem Schlafe stören sollte.— Wem fällt nicht, wenn er diese Nachricht liest, die Parallele ein, die sich vor einigen Monaten in Schlesien zutrug? Dort wollte ein SA- Mann eine Bombe gegen einen sozialdemokratischen Redakteur werfen; sie platzte in seiner Hand und tötete ihn.— Es ist immer die gleiche Geistigkeit, ob nun SA-Leute zu Bomben greisen, um politische Gegner zu töten oder Gymnasiasten, um ihren Lehrer zu erschreckeit; die Vorfälle zeigen die beispiellose Verrohung der deutschen Jugend, an der deren Erzieher zweifellos einen beträchtlichen Anteil haben. ! Der Nazigkaube hielt Einzug an den deutschen Universitäten; der deutsche Oberlehrer, der sich vor dem Kriege seinen Schülern gegenüber als Stellvertreter Wilhelms aufspielte, ist leider noch nicht seligen Angedenkens, sondern gibt sich als Diener Hitlers und predigt die - Revancheidee. Soeben geht ein Bild durch die Blätter, das zeigt, wie ein deuffcher Professor seinen Schülern mit Hilfe von Zinnsoldaten eine Schlacht erklärt.— Ist es ein Wunder, daß da die Bombenideologie unter der studierenden Jugend gedeiht, unter derselben Ju- gend, die vereinst die Erziehung des Nachwuchses übernehmen wird? Ist es ein Wunder, daß die Jugend Bonrben als Scherzarttkel betrachtet und sie gegen jene verwendet, die die Bombengesinnung in ihr weckten? Es sollte ein Scherz sein, aber das Spiel der deutschen Jugend mit. Bomben und Revolvern fft grauenvoller Ernst. Wird die Bombe, di« den Lehrer aus dem Schlafe reißen sollte, das deutsche Voll zum geistigen Erwachen bringen und vor ckllem jene, die für die Erziebnng der deutschen Jugend verantwortlich sind? Mit dem Autobus iu den Winter. Zu Weihnachten, am 25. und 26. Dezember fuhrt der Touristenverein„Die Naturfreunde", Sitz Aussig, bei genügender Beteiligung einen Sonder-Autobus von Aussig nach Reichenberg auf die„Kö- r.igshöhe" zum Naturfreundehaus. Daselbst findet bei günstigen Schneevcrhältnissen das dritte internationale Winter- Touristen- Treffen statt. Die Reisekosten betragen 78 X für Klappsitze und 93 X für Polstersitze. In den Reisekosten sind einbezogen: Fahrt ab Aussig und zurück, zwei Mittagessen, 1 Nachtmahl, Nächtigung-Matratzen- lager(Betten gegen geringen Aufschlag von 4 X), und Unfallversicherung. Mit der Anmeldung, die spätestens zum 8. Dezember zu tätigen ist, ist eine Anzahlung von 50 X, bzw. 65 X zu leisten. Aus- kiinfte, Anmeldungen und Prospekte durch die Geschäftsstelle des Touristenvereines„Die Naturfreunde" Aussig, Marktplatz 11. Eine Stadt mutz ihr Rathaus verkaufen. Angesichts der schwierigen Lage der Gemeinde, die einen Schrstdenstand von fast zweieinhalb Millionen Schilling auszmveisen hat, wurde in einer vertraulichen Sitzung des Gemeinderates Lien;(Osttirol) der Verkauf des hundertjährigen Rathauses beschlossen. Auch ein Teil der Kaserne soll feilgeboten Wewen. Aus dem Erlös hofft man, einen Teil der cnrfgelaufenen Zinsen begleichen zu können. Richt nur ei« Mord... Gegen den Aiann der Sängerin Gertrud Bindernagel sst neue Anklage erhoben worden, u. zw. wegen Bedrohung seines Kindes und wegen Körperverletzung an seiner Schwägerin. Bon einer Lawine verschüttet. Am 24. November sind, wie jetzt bekannt wird, bei Haggen im Sellrain(Tirol) der Sohn des Hüttenpach- ters der Pfeis-Hütte Franz Naurauter und sein Kollege Fkrtz Hiebel, die eine Skitour von der Gubener Hütte im Sellrain unternahmen, unterhalb der Pforzheimer Hütte von einer Lawine verschüttet worden. Hiebel konnte sich selbst herausarbeiten, erlitt aber Erfrierungen an den Füßen. Neurauter fand den Tod. Bar« unterstützt die Marchregulierung. Der Chef der Baka-Werke A.-G., Johann Baxa, widmete zu Händen des Landespräsidenten Oerny einen Betrag von einer Million lls für das Land Mähren-Schlesien mit der Bestimmung, daß dieser Betrag für Regulationsarbeiten der March verwendet werden soll. Getötete Steuereintreiber. In Portugiesisch- Guinea sind ein Korporal und sechs eingeborene Soldaten bei der Eintreibung von Steuern von der eingeborenen Bevölkerung angegriffen worden^ Der Korporal und drei Mann sollen erschlagen, zwei Mann verletzt worden sein. Das Spiel mit de« Schußwaffe«. Ein Reichswehrsoldat führte in Berlin auf einer Straßenbahnfahrt einem Begleiter eine Pistole vor. Plötzlich ging ein Schutz los. Der Breiter wurde in der Magenqegend verletzt. Der ReichSwshvsoldat versuch^!, die Waffe gegen sich selbst zu richten, wurde jedoch daran gehindert. Einlvanderung nach Argentinien eingeschränkt. Am 1. Jänner des Jahres 1933 tritt in Argentinien das Gesetz in Wirksamkeit, das die Einwanderung in dieses Land erheblich einschränkt. Bon dem Gesetz werden Angehörige aller Nationen betroffen. Eine„unvorsichtige-- Selbstmörderin. In der Marimiliansstraße in München verübte Sonntag nachts die Hausangestellte eines Professors Selbstmord mit Leuchtgas. Da die Tür zum Nebenzimmer, in dem der 13jährige Sohn des Professors schlief, nicht geschloffen war, ist da§ Gas auch in den Nebenraum gedrungen und hat den Tod des Knaben herbeigesührt. Mit dem Motorrad verbrannt. Ein Motorradfahrer aus Wehrheim im Taunus fuhr bei Frankfurt a. M. in voller Fahrt gegen eine Dreschmaschine. Bei dem Aufprall wurde der Benzintank des Rades zertrümmert. Der Inhalt In der nationalsozialistisch ver- tvalteten Stadtgemeinde Brmx haben zahlreiche Korruptionsaffären in den letzten Wochen das Interesse der Bevölkerung tvachge rufen. Kaum daß die Affäre beim- Berkaus des Kommenda- gart.ns ein wenig in Vergessenheit geraten ist, lvurdc eine neue Affäre enchüllt, und zwar handelt es sich diesmal um das Brüxer Krematorium, wo von einzelnen dort beschäftigten Ange- stellten ein.Handel mit Särgen begonnen wurde, der für die Beteiligten vielleicht einmal ein ganz schwunghaftes Geschäft hätte werden können. Der Borgang, um den ss sich hier handelt, ist geradezu unglaublich und beleuchtet die Erstände in der Brüxer Stadtverwaltung blitzartig. Bei einer im Jahre 1928 erfolgten Einäscherung wurde die Leiche im Metallsarg eingeäschert, während der hölzerne Ueberfangsarg nicht verbrannt wurde. Auf eine Anfrage des Feuerbestottungsveriins„Flämme", wurde die Aliskunft erterlt, daß der hölzerne Sarg zu F.euerholz zerhackt wurde! Später wieder soll ein schwarzlackierter Metallsarg, der bei den Trauerfeierlichkeiten noch zu sehen war, nicht mit den Flammen übergeben worden sein. Es konnte bisher noch nicht einwandfrei sestaestcllt werden, ob auch noch weitere solche Falle zu verzeichnen sind. Immerhin hat sich di« Gendarmerie auf Grund ihrer Erhebungen schon dafür entschlossen, den Beamten Fischer zu verhaften. Die Verwaltung des Krematoriums hat die Zurückbehaltung des Metallsarges damit begründet, daß noch den bestehenden Borschristen solche Metallsärge nicht verbrannt werden Vom Rtmdhmh Empfehlenswertes aus Den Programme»- Mittwoch: Prag. 6.15: Gymnastik, 18.25: Deutsche Sendung: Arbeiteffunk. Blasak: Noti« Erzgebirge, 20:Philharmonisches Konzert, 22.15: Jazzmusik.— Brünn: 18.25: Deutsche Sendung: 18.25: Jurditsch: Aus dem Reiche der mährischen Heimatsbilder.— Berlin. 15.35: Heitert Koloraturgesänge.— Breslau. 17.35: Biolinroma«- zen.— Hamburg. 19.30: Drei Kurzgeschichten.— Langenberg. 20: Meister ihres Fachs.— Leipzig 19.30: Francois Aubert.— München: 1926: Chorgesang, 20: Bunter Abend.— Wien. 15.45: Finnische Musik, 19.05: Die heilige Elisabeth, Ballt- oratoriüm des Tanks ging in Flammen auf. Da der Fahrer unter das Motorrad geraten war, verbrannte ei. Sein Beifahrer, der vom Rad heruntergeWHss det wurde, kam mit dem Leben davon. Mord und Selbstmord. In dem Or« OkoliLna bei Lipt. Sv. Mikulas(Slowakei) unterhielt Ondrej P e v e ö k a ein Liebesverhältnis mit seiner Cousine Elisabeth Konvitova. Als er wahrnahm, daß die Mutter der Konvitova dieses Verhältnis zu lösen bemüht war, lud er sie zu einer Unterredung ein, wobei er sie mit dr» Revolverschüssen tötete. Hierauf nahm er sich selbst das Leben. Die neuentdeckte« Höhlen in der Slowakei. Wie der„Slovensky Bychod" meldet, hat del Archäologe Dr. B ö h m in SSealeihnw des Sekretärs bet archäologischen Schule Dr. Kan- dhba die erste Forschungsexpedition in di« Domicahöhlen, das jogmannte„Teuftlt- loch", unternommen. Nach einem anstrengend^ Vordringen einige Hunderte Meter wett ins Innere der.Höhle wurde ffftyestellt, daß auch diese Höhlen von ungewöhnlicher Naiurschönheit für die wissenschaftliche Erforschung der Domica eine groß« Bedeutung besitzen. Bisher wurden in der Domica rund 250.000 Gefäß-Scherben sowie andere wertvolle Gegenstände gefunden« die in elf Fässern im Gewicht von ungefähr 10 Meterzentnern aufbewahrt wurden. Tanernhotel abgebrannt. Am Samstag vfi drei Viertel vier Uhr früh brach im.Hom ^Schaidberg" unterhalb der Tauernhöhr ein Brand aus. Wegen des ein Meter höhen Schmrs konnte nur die Feuerwehr von Tweng mit Raupenschleppern zum Bra ndplatz gelangen. T«r Pächter des Hitels, Sportlehrer, W i r n s per- a c r wurde im Schlaf vom Brand überrasch!- «eine Kinder konnten nur mit knapper Not gerettet werden. Das Hotel fft bis auf die Mauern nicdergebrannt. Nächtlicher Raubüberfall. Als der Uhrmacher Adolf Hübner aus Alt-Harzdorf in der Nacht aus Montag aus dem Gasthaufe hsdn- kehrte, wurde er in der Nähe feiner WohirM von zwei unbekannten Männern überfallen, ,D Boden geschlagen und durch vier Messi cstA schwer verletzt. Die Täter konnten verhaft» und in der Person des 25jährigen Josef Pärchen und des 26jährigen Franz Piech sichevgö stellt werden. Beide leugneten anfangs, konnte« ccher MieUich durch d« Blntspvitzer an chre« Kleidern überführt werden. Der schwerverKtzst Hübner wurde ins Reichenberger Krankenhow überführt. Neues Todesopfer des Segelfluges. U Hirzenhain verunglückte am Sonntag nach! mittags aus dem Segelfluggelände der ,Hirzenhainer Höhe der Flugschüler Biber, ein Bruder des bekannten Segelfliegers. Der Flieger haüs bereits einen wohlgelungenen Flug beendet, all bei der Landung das Flugzeug aus etwa 50 Dff tern Höh« abstürzte und in Trümmer ging. her konnte zwar noch lebend geborgen werden« verstarb aber auf dem Transport zum Krankenhaus. dürfen. Wenn das wirklich zutvifst, dann hättA sie eben aus andere Weise verwichtet, ober nW noch einmal zum Verkauf angeba- t e n werden dürfen. ES ist deshalb ju begrüW- wenn der Stadtrat und di« Staatsanwmitschsst sich entschlossen, diese Skandalaffäre, die einer unglaublichen Pietätlosigkeit der BeteSA' ten zeugt, gründlich zu untersuchen. Zu dieser Affäre kommt ober«och ei»* zweite. Eine Firma aus Wqgstädtl wand? sich in einem Schreiben an den Brüxer DrE sten Seidl, in welchem mitgeteilt wird, W der Leiter des Krematoriums Fischer von Provision für die Lieferung v»* Särgen verlangt und auch erhalten Hobe.:■« Diese neuen Affären sind nicht nur chav^ teristisch für den Geist, der in den letzten ZM ren in der Brüxer Stadtverwaltung PlatzgqAkv sen Hot, sondern auch deshalb sehr bedmreckA weil dieser Skandal von den Gegnern Wr Feuerbfftattung zu einer wüsten Hetze gegA sie benützt wird. Wir hoffen deshalb, daß Angelegenheit rasch und gründlich tersrzcht wird und die Schuldigen rückfich»- los zur Verantwortung und Rechenschaft gezogen werden. Im übrigen wird sich die sozialdemokratist^ Partei es noch mehr angelegen sein lassen,«E Säuberung der städtischen V e k/ waltung von korrupten Elementen zu betrüben. Es fft interessant, daß sich gerade der neuen Verwaltung der Gemeinde Mw solche Affären entwickeln konnten. Offenbar V das der Anfang vom Dritten Reich... Ein neuer Skandal In Brüx. «r. 281 Dienstag, SS. November 1832 Seite S e Selbstmord hinter der Bühn«. Im Saale der Bürgerlichen Porfchußkasie in P r c l o u ö fand Sonntag«in« Theatervorstellung statt. Als nach dem ersten Akt der Vorhang herabgelasson worden war, kracht« plötzlich ein Schuß. In der Garderobe hinter der Bühne wurde der 30 Jahre alte Beamte der landwirtschaftlichen Genossenschaft in Pkelouö, Franz KoLeny, der bei der Vorstellung als Musiker mikwirkte, mit einer Schußwunde to' ausgefunden Di« Ursache der Tat war unglückliche Liebe. Waffen im Arbeitslager. Im Arbeitslager Kühlenhof bei Hardt nahm die Polizei eine Durch- suchung nach Waffen vor. Unter den Betten versteckt wurden 15 als Totschläger hergerichtete Knüppel, 2 Dolche, 1 Flobertbüchse und 7 Schuß Munition für Armeerevolver beschlagnahmt. Tas Lager beherbergt 70 Dienstfreiwillige, die zumeist aus Düsseldorf stammen. Dee Papageienpatz. Ans den Docks von New Aork erregt« kürzlich ein Papagei mit feinem wohl eingelernten Ruf:„Ich habe einen richtigen Paß" große Heiterkeit. Das Tier sprach die Wahrheit, denn jeder per Bahn, Schiff oder Flugzeug in Amerika eintreffend« Bogel hat einen regelrechten Kaß zu besitzen, den sich die Zollstell« und ein Angestellter des Biologischen Instituts sehr genau ansehen. Es werden auf diese Weise täglich mehr als 1000 Vogelpässe geprüft. Da di« Einreisegebühr mindestens 50 Cents beträgt und da für wertvolle Tier« sogar 20 Prozent ihres Wertes erhoben wird, kann Amerika jährlich durch Vögel 250.000 Dollar einnehmen. Am häufigsten sind Pässe für Kanarienvögä, denn von ihnen kommen ungefähr jährlich 75.000 aus dem Harz nach Amerika. Australien liefert pro Jahr etwa 50.000 Papageien und Kakadus. Um die Weihnachtszeit ist der Reiseverkehr am stärksten. Natürlich wird mit allen Mitteln versucht, di« strengen amerikanischen Bestimmungen zu umgehen, und er gelingt nicht selten, einen auf der schwarzen Liste stehenden Vogel im letzten Augenblick am„Betreten" amerikanischen Bodens zu hindern. Parnes entlasse«. Der polnische Gesandte in Wicn hat das Bertragsveryältnis der polnischenGesandtschaft mit Professor ParneS, d. der Bürgermeister des Herrn Alfred Abel ist vornehm, gesetzt, unternehmend, aber ohne Sexappeal! Man denke, selbst die Hedy K i e s l e r muß sich nicht doppelt schminken und die Haare verschneiden; so wie sie gewachsen ist, acht es auch und sie beschenkt keinen armen kleinen Mann mit einer. Karriere. Lassen wir darum diese Geschichte des Wachsens einer kapitalistischen Stadt, einer vornehmen Gesellschaft mit gerechter Freude an uns vorüberziehen; denken wir nicht besonders nachdrücklich daran, daß man auch ohne Surrealismus in Souperaufnahmen recht Gutes leisten kann, oc- wundern wir lieber die meisterhafte Mllieuschilde- rung Granovski», di« tadellose Musik Karol Rathausens, die trefflichen Sonas von K ä st n e r und entdecken wir in diesem photographisch einzigartigen Werk, ganz gleich hinter ddm Wirb.l der äußeren Erscheinungen den tiefen kritischen Kern eines großen negatwen Geistes.„Die Koffer des Herrn O. F." sind ein Kultur- dokument bleibenden Wertes. Walter i u st i g Arbeiter-Tirrn- unv Sportverein Prag. Mittwoch, den 3V. November, halb 8 Uhr abends, ordentliche Senttalttetfammltttts int Hotel„M onopol"(gegenüber Ankunftssette des Masarykbahuhofes). Di« Mitglieder werden um vollzähliges und Pünktliches Erscheinen ersucht. Die Leitung. OMMMMMMMMMWWWWWWM Vienna Wien 2:1(0:0), Ferenedaros gegen Sö- mogy 7:2(2:0).— Wien: Rapid gegen WAC 5:4(4:2), Sportllub gegen Hakoah 6:0(3:0), Wacker gegen SpVg. Linz-Urfahr 6:3(4:0).— Nürnberg: 1. FC. gegen SpBg. Fürch 1:0.— München: Bayern gegen 1860 2: 2.— Berlin: West-Deutschlatw gegen Berlin 4:2(1:1).— Lille: Sparta Prag gegen Olympique 4:2(1:1). — Mailand: Italien gegen Ungarn 4:2(2:1). Eishockey. In Prag konnte der L T C. am Samstqg wie auch am Sonntag gegen den Wiener Eislaufverein keinen Steg erringen, obzwar reichlich Gelegenheit dazu war. Beide Spiele eicheten 1:1.— Paris: Berliner Schlittschuhclub gegen Stade Francais 6:3.— In Glasgow besiegte ine kanadische Eishockeymannschaft Edmonton Superiors eine schottische Auswahlmannschaft ohne Anstrengung mit 8:1. Literatur Walter Schiff:„Die Planwirtschaft und ihr« ökonomischen Hauptprobleme." Carl Heymanns Verlag Berlin, 1932.— Diese verdienstvoll« und beachtenswerte Schrift ist ein uneingeschränktes Bekenntnis des Verfassers, der Professor an der Wiener Universität ist, zur sozialistischen Planwirtschaft, dabei ein Muster objektiver, ruhiger wissenschaftlicher, von politischen Leidenschaften freier Darstellung. Di« Untersuchung ist klar und einfach, dennoch mit logischer Treffsicherheit durchgeführt, das Ziel ist, rin« konkret« Vorstellung von der Planwirtschaft zu schaffen. Es werden Produktion und Konsum, Kapitalsakkumulatton, die Einkommensverteilung, Geld, Löhtte und Preise in der Planwirtschaft untersucht, die Frag« ob Arbeitszwang oder Avbeitssrei- heit behandelt. Zum Schluffe legt der Verfasser dar, daß«r nicht eine neu« Utopie aufstellen, sondern «in Wirffchaftssystem wissenschaftlich durchleuchten wollt«,„deffen Verwirklichung mit Wahrscheinlichkett vorauszusehen ist; denn dieses Wirtschaftssystem ist das heiß angestrebte Ziel eines großen Teiles der Bevölkerung; und auch di« immanenten Entwick- lüngstendenzen des kapitalistischen Wirtschaftsfystepts führen dahin, wie Marz; gezeigt hat". Es ist erfreulich/daß sich«in Wwner Universitätslehrer zum Sozialismus bekennt und einen wertvollen wissen- schafllichen Beitrag zum Aufbau und zu den Mc choden der Planwirtschaft aeliescrt bat. E. St. Evren Ktern: Kris« a nezamestnanost.(Krise und Arbeitslosigkeit) 1982 Lin Praha. Genosse Ziern, der auch vielen deuffchen Genossen bekannte Generalsekretär der Sozialversicherungsanstalt, hat eine Reche seiner Zeitungsartikel zu einer Broschüre über die Wirffchaftskrisr vereinigt, in der er im Sim« einer proletarischen Wirtschaftspolitik jene Maßnahmen bespricht, die notwendig sind, um die Wirkungen der Krise und Arbeitslosigkeit in der Tschechoslowakei zu mildern. Er befaßt sich mit den Kartellen und Zöllen, welche die Preise hinaustreiben und damit die Nachfrage einschränken, wie dies auch die Lohnherabsetzungen durch die Unternehmer bewirken. Der Auwr empfiehlt Reorganisation dir Arbeitsvermittlung, den Notfonds für die Arbeitslosen, Arbeitslosenversicherung, öffentliche Arbeiten, Arbeitszeitverkürzung und vor allem einen Wirtschaftsplan. Di« Broschüre des Genossen Stent, der ein agiler literarischer Perfechter einer sozialpolitisch orientierten Wirtschaftspolitik ist, ist lebendig geschrieben' und es fft ihr weiteste Verbreitung im tschechischen Boll zu wünschen. E. Sk. Johanna Böhm:„Das Hans der alleinstehenden Fronen." Roman. 304 Sott«». Leinen 6 M Rotapfel- Verlag, Erlenbach-Zürich und Leipzig. Hier schreibt eine Frau den Roman ihrer einsamen Schwestern. Der Wandel in unserer ganzen Lebrns- ordmrng hat di« alleinstehende Frau tiefer vereinsamt, als sie je war. Alle Menschen trifft es heut«, daß der Beruf Kamps geworden fft und daß der Zusammenhalt der Familie sich auflöst. Darum geht es auch alle andern Menschen an, was di« alleinstehende Frau unter diesem Zustand unserer Welt leidet. Johanna Böhm hat von ihnen ihren Raman geschrieben, von den Berufstätigen und. Suchenden, den Tüchtigen und llutergehenden, di« doch alle das gleiche Leid tragen: das unerfüllte Verlangen nach Liebe, nach Glück, nach einem Kind und nach einem Sinn für ihr Leben. Zu wenig Glück und Heißhunger nach Glück fft ihr Schicksal. Die Frauen in den freien Berufen sind darin nicht attders als di« kleinen Büromädchen. Auch di« Haupcheldrn macht die Wandlung durch vom gofühlsfoindlichen Arbettsmenschen, der stolz fft auf sein Alleinsein, zur Liebe und Glück suchenden Frau. Ihr als der Starken und Tapferen bleibt doch ein Weg offen in di« Zukunft. Wir kennen all« dies« Frauen rings um uns her; unv eben als etwas Bekanntes, aber vielleicht nicht genug Schachtes prägen sie sich uns in der heftigen Zeichnungsweis« dieses Buch«S ins Gemüt. niiüiiiiiiiiniiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiitiiiiiiiiiiiiiiiiiiiniiiiiiuiiiiiiiniiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiuiiiiiiiiiiiiiitHiiiii:- verbreitet die Arbeitrrsresse. titilttitt. SieafTH» taab- C b< f tt k< 11 e■ t Vilbel»,«lefcntt- in»•• tbi» Z«ii^»gim«l!-ntiankal», Butbe m» twt Poft. a. Xtlc(t«»bcnkinhiaa atu taBiabt« U SS,—, vniätz«, u uv,-,— 3>4raut ambea lau Betaattwttlttb««ebsftm Dr«ml Ott« ab, Pro,- Sn«:.Jtata* Hh 8-wm«-«• Pra,- MV de» Dra« ama»«««*; Ott» Ball». Sitak Rr 13.800/v n/1930 bewilligt- ÖeingSbebingungett. Bei Zustellung te* Haus ober bet Be^ug durch btt Post Monatlich Kfc 16.—. viertel sährlich U 48.—, teil diüitzst Bei öftett* CiaiMtrase« Preiguschlag.— Siücksteüang WB SteaftapttB erfolgt ma hei Ciafenbtutg der Äewnnnetten. Kino von heute.