Einzelpreis 70 Heller. (Einschließlich 6 Heller Porto) Sllchein« mit Ausnahme des Montag täglich früh.* oe daMo» u. 0iewaN»og: vcag u, or^s»ai,to»aa reieov-Miw>. st«». Äaetrrtalt. 36 31 Ugt): J3&M ♦ OomMamt:5T>m Sonntag, 11 Dezember 1S32 ttr. 292. 12 Labegang. Disastzeitverkürzano via Mi. Assen(|ahrgang 1931 wird bereits am 13. Jänner entlassen. Prag, 10. Dezember.(TRO.) Der Minister für Nationalverteidigung B. BradaL hat dieser Tage über den Termin der Entlassung des Jahr» ganges 1931 in die Reserve Beschluß gefaßt. Dir» ser Jahrgang wird aus dem aktiven Dienst bereits am 18. Jänner 1933, also zweieinhalb Monate vor dem normalen Termin, entlassen werde«. Aus begreiflichen Gründen wird der Mann» schäft dieses Jahrganges kein Weihnachtsurlaub mehr gewährt werden. Paris«* Kammerausscnasse iür die Bezahlung. Paris, 10. Dezember.(Havas.) Der Außenausschuß der Deputiertrnkammer hat einen Antrag angenommen, demzufolge die Rate aus di« Krieg: schulden an di« Bereinigten Staaten am 18. Dezember unter Berücksichtigung der Resolu» tion erfolgen soll, welch« heute früh di« aus Mitgliedrru des Anßenausschusses und des Finanzausschusses der Deputiertenkammer bestehend« Subkommisfion angenommen hat. Der Finanzausschuß der Deputiertrnkammer nahm den gleichen Antrag mit 25 gegen i Stimmen au. Ei« zweiter Antrag, der di« Nichtbezahlung am 18. Dezember empfahl, wurde a b g c l e h N t. Die zitiert« Resblptjvn spricht dil, Aysicht aus, daß Frankreich di«. unterzeichneten Auftrags- Verpflichtungen r e s p x 111« j c n m ü s f e und sich den Zahlungsverpflichtungen nicht entziehen könne. Ter Antrag verlangt aber die Beilegung des jetzigen Streitfalles auf internationalem schiedsgerichtli chem Wege und er« klärt, daß Frankreich die Bezahlung der Rate am 15. Dezember nicht in Erwägung ziehen könne, solange die Bereinigten Staaten von Amerika nicht dem Grundsatz der baldigen Einberufung einer internationalen Konferenz bripflichteN, welche die Schuldenfrage behandeln würde. Die der Regierung nahestehenden Kreis« sind der Ansicht, daß Herrwt in der Kammerdebatte am Montag auf dieser Basis ein« Mehrheit erzielen wird, insbesondere, wenn er die fest« Zu- sicherung gibt, daß die Rate am 15. Dezember die letzt« fein wird, und daß sie nicht auf das Konto des Mellon- Berenger Abkommens, sondern auf das Konto einer neuen Schuldenregelung mit deren Prinzip Amerika einverstanden ist, geleistN werden wird. In der Regierung nahestehenden Kreisen wird auch behauptet, daß Herriot rn diesem Sinne mit Washington verhandelt. Handelsvertrag Oesterreich-Ungarn perfeht Wien, 10. Dezember.(AN.) In d«n Besprechungen, die in der Nacht auf heute bis in die frühen Morgenstunden im Bundeskanzleramt« zwischen dem Bundeskanzler Dr. Dollfuß, Vizekanzler Winkler und Handelsminister Dx.Jäkon, eig einerseits und dem ungarischen Ackerbau, Minister von Kallay andererseits bei Hinzuziehung der beiderseitigen Referenten geführt wurden, ist eine Einigung in allen noch offenen Fragen Les österreichisch-ungarischen.Handelsvertrages erzielt worden. Die österreichisch-ungarischen Handelß- dertragsverhandlunaen sind damit beendet. Nach Fertigstellung der Textierung der zuletzt zustande- gekommcnen Vereinbarungen wird der neue österreichisch-ungarische-Handelsvertrag heute, abends im Bundeskanzleramt« paraphiert werden. Audi Frankreich gesteht höher« Kontingente zu. Wien, 10. Dezember. Die Verhandlungen des Scktipnschefs Dr. Schüller in Paris haben bereits insoweit zu konkreten Ergebnissen geführt, als man mit erhöhten französischen Einfuhrkontingenten für österreichisches Holz. österr«ichisch«n Hartkäse und österreichisches Obst rechnen kann. Die Verhandlungen dürften zu einer nicht unwesentlichen Erweiterung der bisherigen Abmachungen führen. bünkm-loktekonkoronz doch nicht resultatlos: j sich jedoch eine Deutschland die fünf Mächte sind heute Vormittag in der Form fortgesetzt worden, daß Macdonald di« technischen Experten der beteiligten Mächte um sich versammelt hat. Macdonald wollte in ihrer Anwesenheit eine Formel in der Gleichderech- tigungsfrage ausstellen, die nachmittags der Vollsitzung der Fünfmächte-Vertreter vorgelegt werden sollte. Am Nachmittag traten die Führer der fünf Delegationen zusammen, um noch einen letzten Versuch einer Einigung zu machen. Diese Sitzung war nach fünfstündiger Dauer erst um halb acht Uhr beendet. In ihrem Verlaufe hatte sich di« französische Delegation wiederholt telephonisch mit dem in Paris weilenden Ministerpräsidenten Herriot in Verbindung gesetzt. Das Resultat der fünfstündigen Konferenz war ein Kommuniques, in dem die erneute Befragung der Konferenz angekündigt.wird: „Die Besprechungen zwischen den Vertretern der süuf Mächte wurden den ganzen Tag hindurch fortgesetzt. Um halb acht Uhr erreichten sie einen Punkt, an den vereinbart wurde, daß di« Regierungen von Frankreich, Deutschland und Italien über die in Erörterung befindlichen Vorschläge befragt werden sollen." einaitdersehungen seien infolge des französischen Herriot-Formel wiederholt ans via Wiener Hltler-Partei— eine Agentur für reiche Juden Wenn ein Jude bezahlt, arbeitet Glcichbcrcchtlgungsformcl fertig? Rtidfirage an die Großmächte Dis heute mittags. Genf, 10. Dezember. Die Besprechungen der l ragssitzung Sinkende Sterne. Es ist anzunehmen, haß die Navioual- sozmlisten nicht nur aus Freundschaft zur Regierung Schleicher der Vertagung des Reichs tages zustimmten. Die Krise, in der sich diese Partei befindet, gibt ihren Führern alle Hände voll zu tun. Das Aufbegehren Gregor Strassers und der schüchterne Protest Feders sind Stationen auf dem Wege des Abstiegs, den die NSDAP, rascher als nran glauben durste, eingeschlagen hat. Auseinandersetzungen, im Reichstag, die die Ztmespaltigkert der nationalsozialistischen Bewegung aufzeigen, Abstimmungen, die Bekenntnisse zum Kapitalismus oder gegen ihn verlangen, könnten das Tempo dieses Abstiegs nur beschleunigen und die Krise, die vorläufig nur eine der Führerschaft iist, sehr leicht in eine Parteikrise verwandeln. Daß gerade Gregor Strasser, nach Hitler der einflußreichste Mann in der inrtio- tralsozialistischen Deutschen Arbeiterpartei, zum Sprecher der mit Hitlers Führung Unzufriedenen wurde, hat wohl seinen besonderen Grund in dem tiefen Einblick, den er als Or- gamsationsleiter der Partei in den tatsächlichen Zustand der nationÄsozialistischen Organisation tun konnte. Die Kassen, früher mit den Geldern der Industriellen wattiert, sind leer geworden. Der letzte Wahlkampf hat die restlichen Judasgroschen verschlungen, den diese zur Riede rrirlgung der Arbeiterbewegung geschaffene„Arbeiter"-Partci dereinst in reichem Maße bekommen hatte. Die Regierring Papen hat die Geschäfte derer, die Hitlers Freunde waren, viel besser und billiger besorgt als dessen SA; darum fließen die Zuwendungen der Kirdorst und Thyssen' nur noch spärlich und nur di« Zusage Hitlers an diese Herren, feinen wie immer gearteten Streik mehr zu un- terstützert, konnte das gänzliche Versiegen des Goldstroms aufhalten. Mer: eine ganze Landsknechtsarmee will Sold, sich würdevoll spreizende Führer und„Sachverständige" wollen Gehälter, die mächtige Organisationsmaschineri« will materiellen Betriebsstoff haben. So wird denn das Hindrängen Strassers zur Regierungsteilnahm«— von den Nationalsozialisten sonst als Futterkrippenpolitik bezeichnet— verständlich. Daß er besonders „seriös", besonders einsichtsvoll sei, rühmen ihm gewisse Blätter nach, di« sich den Nationalsozialismus wenigstens in der Verkörperung durch einige Führer bündnisfähig wünschen. Aber Gregor Strasser ist derselbe Mann, der sich„diesem System" gegenüber nicht einmal zum Halten eines Ehrenwortes verpflichtet fühlte und der, als der Sozialist in der Umgebung Hitlers bekannt, eigentlich allen Grund hätte, dem System, das Schleicher und die Seinen mit ihrem Namen und ihrem Handeln decken, besondere Fehde anzusagen. Der„Sozialist" Strasser als preußischer Ministerpräsident und Reichsminister im Schatten des Generals— das wäre doch«in ganz merkwürdiges und lehrreiches Bild; und doch begehrt Strasser auf, weil chm Hitler verbietet, sich und di« NSDAP Schleicher schon jetzt vollständig zu verschreiben. Die Sorge um die Organisation scheint jedoch nur einer der Beweggründe für Strassers Absage an Hitler zu sein. Der andere Grund ist wohl in der Per s o n Hitlers zu suchen, der die Führerroile, die ihm seine Unterläufe! andichteten, nun wirklich spielen will. Die von ihm gesprochenen• und geschriebenen Plattheiten wurden in Offenbarungen umgelogen; er selbst wurde, da er aus eige nem hinaufzusteigen nicht die. Fähigkeit hatte, von seiner Umgebung auf das Piedestal gcho ben, damit ihn das Volk besser sehe. Denn Leute, denen inan nachsagt, daß sie Retter der Nation seien, dürfen sich nicht in den Riede rungen der gewöhnlichen Sterblichen bewegen. Aber wenn sie einmal oben sitzen, dann wir ihnen vor ihrer Gottähnlichkeit um so metz- bange, je mehr sie fühlen, daß sie nur gehen chelt K- Bom Glanze ihres unverdienten der Parteiapparat für ihn. ein Schriftstück aus, das Namen und Adresse der nationalsozialistischen Ganleitung in Weimar enthält und gab ihr ein« Visitenkarte mit, die sie dem thüringischen Ministerpräsr- denten Fritz Sauckel überreichen nwge. Der Nazisekretär erklärt« wörtlich: „Mit diesem Schein—, Sie sehen da dr« Rundstampigl«— werden Sie überall di« Türen offen finden und alles erreichen, was Sie wollen." Und er sägte noch hinzu, daß Anspitz ohne weiteres auch in die thüringische Razipartei aufgenommen werden würde, wenn es ihm aus«in« größere Geldleistung nicht ankomme; in W««n würden dann die Aufnahmeformalitaten immerhin einig« Wochen dauern! Die Dam« teilte nun dem Gaugeschäftsführer mit, daß di« Wiener Gauleitung— in« von eben jenem Frauenfell» geführt wird— sofort nach der Rückgängigmachnng der Ausweisung 500 Schilling bekommen soll«. Was Auspitz der Nazipartei in Thüringen'zu zahlen habe, iverde die Dame, so sagte Schaffar, bei ihrem notwendigen.Besuch in Weinrar«fahren! Wir fügen noch hinzu, daß die„Arbeiter- Zeitung" sotvohl die von Schaffar geschriebene Adresse an die Gauleitung in Thüringen als auch die Visitenkarte Schaffar- im Faksimile veröffentlicht. Aus alldem geht also hervor, daß di« nationalsozialistische Partei Oesterreichs mit Juden Geschäfte macht, für Juden gegen reichliches Honorar Interventionen durchführt und dafür sorgt, daß auch nationalsozialistisch« Parteien anderswo Geld von Juden erhalten. Und in solchen Fällen werden di« Juden sogar in di, Hakenkrruzpartei ausge- nommeal Unter diesen Titeln veröffentlicht dir Wiener„Arbeiter-Zeitung" einen Bericht, der alles in den Schatten stellt, tvas man schon bisher von der geldbestimmten Gesinnungslosigkeit der Hakenkreuzler wußte; selbst Frauenfelds unentgeltliche Kur bei jüdischer Kost im Rothschild-Spital scheint da zur Episode zu werden. Es handelt sich um folgendes: Bor einigen Wochen traf in Wie« ein Kaufmann namens Theodor Auspitz ein, der als Jude von der Geschäftsführung eineS großen Metallwarenunternehmens in Thüringen abgesetzt und schließlich von der nattonal- sozialistischen Regierung sogar ausgewiesen wurde. In Wien nun lernte er eine Da ist« kennen, di« ihm bedeutete, daß sich die Geschichte in Thüringen sicher werde richten lassen, wenn Auspitz sich das nur etwas kosten ließe. Di« Dame wendete sich auch tatsächlich an den Geschäftsführer Erwin Schaffar im Wiener Hitlerhaus, der sich sehr entgegenkommend zeigt« und nur die ;,F ö r m l i ch k e i t" verlangte, daß Auspitz sein Judentum an den Nagel . hange. Di« Mitteilung der Dame, daß es sich um einen vermögenden Mann handle, der sicher etwas springen fieße, wurde von dem nationalsozialistischen Sekretär mit Freudc aufge- n o m m e n. Ein paar Tage später konnte dir Dame dem Gaugeschästsführer bereits mitteilen, daß Anfpitz inzwischen aus dem Judentum ausgetreten und in einer Wiener evangelisch«" Kirche getauft worden sei. Auf Grund der Vorlage des Tausdokumentes fertigte der. Nazi- führer im beschleunigten Tempo j die zwei deutschen Rückfragen über den Umfang der Gleichberechtigung und die Sicherheit sowie als neues Moment ein englischer R a h m e n e n t w ur f, der dr« Gleich- bcrechtigung—„nach Ansicht der anderen^ fügt das Wolffburo hinzu— in eienr für Deutsch- land befriedigenden Weise regeln sollte. Di« Aus- Widerstandes gegen jede über'hie hinaus gehende Präzisierung einen toten Punkt geraten. Schließlich kristallisiert« s Formulierung herans, die Möglichkeit geben soll, unter Zusicherung der Gleichberechtigung wieder zur Abrüstungskonferenz zurückzukehren. Dies« neue Formulierung wurde den Kabinetten in Berlin, Paris und Rom zur Stellungnahme unterbreitet. Bis zum Borliegen der Antworten der Regierungen, di« für Sonntag vormittags erwartet tverden, ist über den genauen Inhalt Stillschweigen vereinbart worden. Sollte von einer Seite eine negative Antwort erteilt werden; so wären damit weiter« Verhandlungen ! aussichtslos. Sonst würde die Konferenz zur Nach einer Wolff-MMuLg^.^biftAiXur^sich lK-radrrdung eventueller Aenderungen nach einige unter den Bsratur^sgegenständen der Nachmlt-«Tage writergeheu. Frankreich stimmt zu! Genf, 10. Dezember. Der französische Vertreter in der Fünfmächtekonfereuz, Kriegsminister Paul Boueour, ist heute abend vom französischen Ministerpräsidenten Herriot auf Grund eines Ministerratsbeschlusses telephonisch ermächtigt worden, Macdonald zu erklären, daß die französische Regierung der heut« abends ausgearbeiteten Erklärung über die Wiederkehr Deutschlands zur Abrüstungskonferenz z« st i m m t. Paul Boneour hat seinen Auftrag bereits erledigt. Seite 2 Sonntag, 11. Dezember 1932 Jft. 292 Wieder ein Protogerow- Anhänger ermordet Sofia, 10. Dezember. In Philippopel ist der I Privatsekretär des dort wohnenden Millionärs w Kutoglu namens Angl Kentschew, ein Anhänger | der mazedonischen radikalen Gruppe Protoge- r rows, auf der Hauptstraße vor dem französischen | Konsulat von mehreren Personen durch Revolver- 1 schüfst getötet worden. Einer der Täter konnte l festgenommen werden. Er erklärte, daß er das « Urteil eines den Protogerov-,Anhängers feind- I lichen Kom tecs vollzogen habe; das Urteil sei I ihm vor 20 Tagen zugestellt worden. 17 jd Franz Hallen | üerk.n.fc.SaniMdns I 1 Ruhms geblendet, verlieren sie den Blick für J das Notwendige. Früher wurden die Toren, » die sich vermaßen, kurzsichtige Könige ar. den 1 Alltag zu erinnern, geköpft und gevierteilt, 1 auf daß buckelnde Günstlinge weiterhin das $ zu sagen vermochten, was dem Mächtigen » wohlgefiel. Nun schickt man die Mahner auf s Urlaub und verschreibt sich Leys, die bei Wein, F Weib und Gesang energisch werden und in | solch seligem Zustand ihre Befähigung, ß Deutschland zu erneuern, durch das Nieder- I schlagen eines sozialdemokratischen Parteifüh- k rers nachwiesen. Strasser hat immerhin mit | dem Kopfe gedacht; das machte ihn, wie 8 man sieht, nicht nur den politischen Gegnern, ß sondern auch dem Manne gefährlich, der die l Rolle einer Primadonna spielt, ohne eine zu | jein. Die Nachfolger Strassers denken nur ! noch mit den Muskeln und sie werden » darum von Hitler wohlgelitten sein. _ Es wird sich fürs erste nach außen hin I nicht allzuviel ändern. Die nationalsozialistische I Bewegung ist nicht aufgebaut auf einem Pro- 1 gramm, sondern auf den Glauben an den I Führer. Gläubige überzeugt man nicht, auch wenn man Strasser heißt und selbst einmal s angebetet wurde. Daß Gläubige in dem I Augenblick, da einst Mächtige zu ketzern be- ! ginnen, die Verbundenheit mit ihrer Religion « erst recht betonen und ihre Ergebenheit mit Zuhilfenahme drastischer Mittel äußern, ist I nichts besonderes und nichts Neues. Und Hit- | ler beherrscht noch immer den Apparat, der die Gläubigen beeinflußt. Er beherrscht ihn mit dem Namen und dem Nimbus zu denen ihm— welch eine Ironie!— die heute Verbannten verhalfen. Darum ist es irrig, zu meinen, es kündige die Kundgebung Strassers schon den Zerfall der nationalsozialistischen « Bewegung an. Meser Zerfall wird nicht aufzuhalten I sein und beschleunigt werden durch den endgültigen Entzug der Zuwendungen, die der Gemeinschaft der Hiliergläubigen bis nun aus kapitalistischen Kreisen zuflossen. Und sollte I man doch der Futterkrippe näherrücken und diese Katastrophe dadurch verhindern, dann wird die geistige und moralische doppelt wirksam werden. Der Nationalsozialismus wird immer mehr mit der politischen Wirklichkeit konfrontiert; und in dem gleichen Maße wird die Abwanderung seiner Wähler erfolgen, die am I' 6. November bereits in großem Umfange begann. Der Fall Strasser ist ein Ergebnis dieser Konfrontation. Damals hatten die Bolschewiki begonnen von sich hören zu lassen, die Gefangenen erklärt'» der Bevölkerung, sie und der Großfürst Emil wollten hier bleiben, um die. Leute und ihren Besitz vor d.csen Horden zu schützen, natürlich wäre cs Sache der Bevölkerung, die Truppen zu verproviantieren. Und so konnte man ab und zu eine Hühner'uppe oder ein Stück Wild ver- schmaustn. Emil wollte nichts umsonst haben, sondern stellte prompt Geldanweisungen aus: Der Kaiser von Rußland*ahle dem Ueberbringer dieses Scheines fünf Rubel. Oder kurz: Gut für ein Schwein. Emil. Da die Scheine mit einem runden Siegel, IV. Bataillon. Chefarzt, versehen waren, standen sie bei der vertrauensseligen Bevölkerung hoch im Kurse und ließen leben. So ging eine Weil« alles recht schön, bis eines Tages neue Sorgen kamen, und zwar in Gestalt eine« alten Ausgrabung, einer lebenden Mumie, wie sich die Soldaten ausdrückten. Diek« Mumie war Stabsarzt Wosiewiez. Der Mann harre vor langen Jahren in der wissenschaftlichen Welt dadurch Aufsehen erregt, daß er den Verlauf eines Kongresses beharrlich zu stören versuchte, indem er niemanden zu Worte kommen ließ, sondern verlangte, alle möchten ihm zuhören, denn er hätte eine große Entdeckung gemacht, ein sichere- Heilmittel gegen die Cholerakrankheit gefunden. Di« Wissenschaft schenkt«, nach seiner Ansicht wohl aus Neid und Indolenz, seinen Choleratropfen nicht die gebührende Beachtung. Vergebens rief er die Oeffent» lichkeir an. vergebens bat er um eine kleine, noch so bescheidene Lehrkanzel, vergebens strengte er Disziplinär- und Gerichtsverfahren gegen seine SchmM euch nicht mit fremd en Feder«! Sur Bor prache der nordbShml chen Bürgermeister beim MuMervröDente«. Die„Reichenberger Zeitung", die schon seit langem Herrn Kostka, den Bürgerin« ster Reichenbergs, beweihräuchert, hat sich„mannhaft" für die Arbeitslosen eingesetzt, indem sie einen ausführlichen Bericht über dst Konferenz der nordböhmrschen Bürgermeister und gleichzeitig einen Erguß des Kommunistei Häuptlings C a f o u r e k gegen die Sozialdemokratie veröffentlichte. Dies Bemühen um di« Arbeitslosen ergänzte sie durch einen von der gesamten sudetendeutsch«» Provinzpresse übernommenen Bericht über den Erfolg, welcher der von der Bürger- me'strrkonferenz gewählten Abordnung beim Ministerpräsidenten Malypetr beschicken war. Dieser Erfolg wäre al'o einer des Herrn K o st k a, der die Abordnung führte, desselben Mannes, der den Arbeitslohn seine Hilfsbereitschaft dadurch bewies, daß er in Reick enberg die Arbeitsdienstvsticht einführte? Ein Erfolg der bürgerlichen Parteien, die zwar noch keinen Finger für di« Milderung der Arbeitslwennot und am allerwenigsten für die hiezu notwendig« Mit- telbescka'fung rührten, dakür aber so tüchtige Bürgermeister in ihren Reihen baben? Welche Kerls! Da sitzen Sozialdemokraten schon jahrelang in der Regierung und erst vier Bürgermeister mit ihrem Kostka bringen den nordböhmischen Arbeitslosen ein Geschenk in der Form einer umfangreichen Sonderhilfe! In Wahrheit sind die Berichte der bürgerlichen Blätter über den Erfolg der Borsprachc Falschmeldungen; sie dichten den bürgerlichen Parteien, di« von die'en fünf Bürgermeistern repräsentiert wurden und der Abordnung selbst Verdienste an, die sie nicht haben. Es bedurfte der zähen Arbeit der Sozialdemokratie,«m den Ministerpräsidenten z« se'nen Zusagen zu bewegen. Sind die Mitglieder der Abordnung und die bürgerlichen Journalisten wirklich so einMig, zu glauben, daß der Ministerpräsident vor den fünf Bürgermeistern so erschrocken ist, daß er sich sofort besiegt gab? Nein, weder die fünf Herren, noch die bürgerlichen Zeitungen besitzen ein solches Maß von Einfältigkeit. Sie meinen nur, besonders schlau zu sein, wenn sie das Ergebnis eines erbitterten Ringen» der So'ialdemokratie, insbesondere aber der Arbeit des Fürsorgeministers, den bürgerlichen Parteien gutschreiben. Die haben angesichts ihrer Engstirnigkeit und ihres Kampfes gegen die sozialdemokratischen ArbeitÄosenforderun- gen solch eine Schützenhilfe sehr nötig. Sie spielen Schön-Kind, um di« Arbeitslosen über ihre Taten hnwegzutäuschen, sie schmücken sich nut fremden Federn, weil ihnen sozusagen keine eigenen zur Verfügung stehen. Was es hierzulande an Arbeitslosenfürsorge g'bt, das wurde der Bourgeo'fie v-n der Sozialdemokratie i« heißem Kampf« abgerun- gen. Mit der vom Ministerpräsidenten versprochenen Sonderhilfe für die deutschen Notstandsgebiet« verhält es sich u'cht anders. Diese Feststellung ist ebenso an die Adresse der Fälscher gerichtet, die sie aus begreiflichen Gründen nicht beachten werden, wie an die Arbeitslosen, die sie nicht unbeachtet lassen und das Täuschungsmanöver des Bürgertums richtig würdigen werden. iiiiiiiiniiiiiiiniiiiiiiiminmiuiniuiiiiiiiiiiiuiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiniiiniuinininiiiiiHiiimiiiiiiimniiii) Wie Nazi-Wahlsieg« von der Näh« ausschauen. Die„Zukunft" berichtet aus Ob erschlag bei Prachatitz: Ueber die vor kurzer Zeit durchgeführten Gemeindewahlen brachte das Naziblatt einen überschwenglichen Siegesbericht und teilte seinen gläubigen Lesern mit. daß die Nazis in Oberchlag sieben Mandate errungen haben. Dieser Siegesbericht ist eine plumpe Fälschung, die Nazis haben nicht sieben, sondern nur zwei Mandate bekommen. Sie, die rauhen Kämpfer, haben mildem Bundeder Landwirte eine gemeinsame List« eingebracht und es erhielt die ganze Liste nur sieben Mandate, wovon zwei auf die Nazis entfielen. Mit den sieben Mandaten wollten sie wahrscheinlich die Loser anderer Ort« oder ihre Parteileitung bluf- ftn.— Es entbehrt nicht eines gewissen Reizes hier zu erfahren, daß Hakenkrenzler und Land- bündler gemeinsame Kandidatenlisten aufltellen, obwohl sie sich in der Press« mit den saftigsten Argumenten bekämpfen. Steuern und Staatsbcamtengcitälter In Oldenburg. Was sich Nationalsozialisten erlauben. Versprechungen und Erfüllung stehen in dem von den Nazis beherrschten Oldenburg in kontradiktorischem Gegeirsatz. Während bekanntlich die Agitatoren dieser Partei der gläubigen Bevölkerung vor der Landtagswahl und bei der Machtergreifung vor allem weitgehende Ber- ringnmng der öffentlichen Lasten verprachen, wird dies« Last von Monat zu Monat schwerer. Bier Millionen Steuer-Rückstände zählt man bereits, und trotzdem hat die Regierung jetzt die Einführung einer— wahrscheinlich sechsprozentgen— Wohnungs- Nutzungssteuer dekretiert, die eine unerträgliche zusätzliche Belastung zu den Mieten darstellt. Aber mehr noch: Nachdem vor kurzem erst di« Beamtengehäl- ter um fünf Prozent herabgesetzt wurden, so daß zum Beispiel die Bezüge der olden, burgischen Beamten erheblich niedriger liegen, als di« Gehälter der preußischen Beam ten, soll di« Beamtenschaft neue Lasten dadurch auf sich nehmen, daß die Auszahlung der Gehälter bis zur schließlichen Nachzahlung ad 31. März verzögert wird. Durch solches„Roll-System" sollen zwei Dekadenzahlungen überhaupt eingespart und das Staatsbudget um 550.000 Reichsmark entlastet werde«. Um der Bevölkerung die neue Belastung schmackhafter zu machen, verkündet die Regierung gleichzeitig, daß die Erträge der Wohnung-Nutzungssteuer zur Durchführung eines oldenburgsschen ÄrbeitSbeschaffungsprogramms verwendet werden würden. Womit alio bewiesen ist. daß die Nationalsozialisten besonder« Ang:ftelltenfreunde sind und daß„Der Tag" zu seinen Anklagen gegen die„staatsangestelltenfeindliche" Sozialdemokratie besonders berechtigt ist. Dev sentommisson erschlagt den Export. Wie die Devisenkommission unseren Export sthädigt, darüber schreibt der Sekretär der tschechoslowakischen Gewerdschaflsvrr- einigung, Genosse Abgeordneter Tayerle im„Pravo lidu" folgendes: Ein halbes Jahr schon verlangt der Verband der Glasarbeiter, daß das Gesuch der Firma I n- Wald in Teplitz wegen eines Kompensationsgeschäftes, welche die Ausfuhr unseres Glases gegen die Einsuhr von Bananen möglich machen würde, überprust werde. Der Verband verlangt dies deswegen, um der weiteren Ausbreitung der Arbeitslosigkeit und der Entlassung einiger Hunderte Arbeiter entgegenzutreten, was von der Firma bereits angekündigt worden ist. Aber ständig stößt der Verband auf Einwände. Als ob die Einfuhr einiger Waggons Bananen'unsere ganze Volkswirtschaft bedrohen würde! Man muß doch berücksichtigen, daß die Einfuhr von Bananen nicht nur einen bestimmten wirtschaftlichen Vorteil, ein« bestimmte Einnahme des Staates bringen, aber besonders, daß die erweiterte Produktion der Glasfabrik sicherlich auch einen höheren Verbrauch unserer Kohl« und anderer Rohprodukte und wieder bestimmte Staatseinnahmen mit sich bringen wird, entweder in Form von Steuern oder anderen Gebühren, zum Beispiel Transportgebühren, welche die Firma natürlich bezahlen muß. Insbesondere aber wird es Arbeit für einige hundert Leute bringen, welche sich sonst an den Staat wenden müßten, damit dieser Arbeitslosenunterstützung zahle. Wir müssen daher alle Faktoren erwägen, welche hier in Betrachts kommen, und gerecht abwägen, wo der größere' Verlust ist. Geschieht dies nicht, dann kommt es zu sonderbaren Erscheinungen. Wir geben zehn Millionen Kronen für Jnvestitionsarbeiten und betrachten dies bei den gegenwärtigen wirtschaftlichen Verhältnissen des Staates als einen Erfolg. Auf der anderen Seite aber lehnen wir die Gelegenheit zur Beschäftigung ab, welche man mindestens doppelt so hoch werten könnte. Dabei würden wir auf diese Weise viele Arbeiter und Beamte beschäftigen, welche wir bei Straßenarbeiten nicht unterbringen können. Die Devisenkommission kann sicherlich für di« Durchführung des Kompensationsgeschäftes der Firma Bedingungen stellen, durch welche sichergestellt werden konnte, daß auch die Versprechungen erfüllt werden, welche die Firma gibt, und daß es zu keinen weiteren Entlassungen von Arbeitern kommt. Sie kann aber nicht einfach ablehnen. Uebrigens wird es notwendig sein, das ganze Devisenverfahren einer Revision zu unterziehen, denn man geht nicht konsequent vor. Ost macht man die Erhaltung oder die Erweiterung von Arbeitsgelegenheiten unmittelbar unmöglich. Dafür scheint es, daß die Devisenkommission üb«rsieht, daß auch die Staatsverwaltung oder ander« öffentliche Organ« aus dem Ausland viel überflüssige Dinge einführen! Denn der Herr Chevelier und andere Pseudokünstlerische Kapazitäten führen von hier bedeutende Summen weg, ohne daß sie im geringsten zu weiterer oder besserer Beschäftigung unserer Leute beitragen. Man kann nicht einfach ausländischen Waren die Grenzen verschließen, wenn wir selbst mit dem Auslande rechnen und ihm unsere Waren anbieten müssen. Auch wenn wir den Schwerpunkt unserer wirtschaftlichen Existenz im inländischen Verbrauch ansehen, dürfen wir nicht engstirnig di« ausländische Einfuhr einschränken, insbesondere dann nicht, wenn ein anderes Vorgehen zur Erhöhung unserer heimischen Produktion und unserer Ausfuhr führen würde. Vorgesetzten und gegen die medizinischen Zeitschriften an, die der Menschheit seine Entdeckung vorenthalten wollten. Schließlich räumte man ihm in einer Mili- tärnervenheilanftalt ein kleines Zimmer ein und gestattete ihm. es sich als Laboratorium für seine wissenschaftliche Forschung einzurichten. Unermüdlich hatte er dort durch viele Jahre bei Tag und Nacht gearbeitet, b's der Andrang von Kriegsneurotikern und Platzmangel seine Entfernung auch aus dieser Wirkungsstätte erforderten. Nun bedrängte er m unzähligen Eingaben und Gesuchen die Militärverwaltung/ man solle ihn doch reaktivieren, er hätte alle ehrgeizigen Pläne aufgegeben, er wolle nur treu seinem Kaiser und d-m Vaterlands dienen. Man wollte lange nichts von ihm wissen, schließlich sollte aber auch seine Stunde kommen. Ein wegen seiner pazifistischen Gesinnung schlecht angeschriebener, wiederholt im Avancement übergangener RegimenrSarzt, namens PavliLek, wurde mit der unangenehmen Aufgabe betraut, den Geisteszustand deS Gcsuchstellers zu überprüfen und ihm gegebenenfalls gleich nahezulegcn, die Gesuche nicht mehr zu wiederholen, da man ihn als Geisteskranken nicht brauchen könne. PavliLek unterzog sich der Ausgabe nur sehr ungern, indem er Einwendungen machte, nach dem Dienstveglement müsse der Ranghöhere auch der Gescheitere sein, ihm, einem Regim-ntsarzt komme es daher nicht zu, den Verstand eines Stabsarztes zu beurteilen. Demgegenüber wurde höheren Ortes versichert, daß man gerade ihn. Regimentsarzt PavliLek als besonderen Fachmann auf dem Gebiete der Nervenkrankheiten schätze und daher ihn mit der Mission betraut hätte. PavliLek hatte den Stabsarzt geduldig angehört und sagte dann:„Ihnen geschieht Unrecht, es beziehen weit größere Idioten, die überdies nicht so harmlos sind, wie Sie, die erhöhten Kriegsgebühren und AktivitätSzulagen, warum sollte man gerade Ihnen die Wohl'aten des vaterländischen Krieges vorenthalten?" Was bedeuteten Wosiewiez noch Beleidigungen, hier eröffneten sich verheißungsvoll allerhand Hoffnungen; mit Freudentränen in den Augen fragte er:„Also, Sie nehmen mich'?" „Aber ja, auf einen Narren mehr oder weniger kommt es uns bei der k. u. k. Armee nicht an." Wosiewiez wurde also für Kriegsdauer reaktiviert und gleich zur Bekämpfung der Choleraepidemie nach dem Osten enffandt. Der Druck Jahrzehnte währenden GramS und Unrechtes war mit dem ersten Glückshauch spurlos weggeblasen, voll jugendlichem Enthusiasmus, im Bewußtsein seiner hohen Aufgabe, schneidig und heiter trat Dr. Wosiewiez die Reise an. Am frühen Morgen hielt sein Wagen vor der Cholerakolonie Emils an. Jovial mit einem Finger salutierend erwDerte er den Gruß des beim Eingang stehenden Postens, der ihn warnte einzutreten. Wosiewiez lachte:„Ich soll mich wohl vor der Cholera fürchten, lieber Freund, mir macht dir Cholera nichts mehr." „Es ist nicht wegen der Cholera, aber wir haben einen sehr bissigen Hund, der ist nämlich zu Haus« zum Bewachen der Sachen." „Und wo sind die Cholerakranken?" „Die sind heut« alle auf der Jagd, aber wenn Sie so ungefähr eine Stunde tvarten wollen, dann dürften die Köche-zurückkommen." Wosiewiez war entsetzt:„Also jetzt möchte ich wirklich gerne wissen, wer von uns verrückt ist! Menschenskind, haben Sie das schon einmal gehört, Cholerakranke läßt man auf die JaK gehen? Führen Sie mich zum Chefarzt!" »Haben wir nicht.", ,,So, so, also Sie haben keinen Chefarzt?" „Nein, brauchen wir nicht, erstens kurieren wir uns meistens mit Rum." „DaS merke ich!" „Und zweitens, wozu ist Emil da?" „Wer ist Emil?" „Unser Anführer Herr Emil Meltsch." „So weit ist es also mit der einstmals so glorreichen österreichischen Armee gekommen?" „Die österveichrsche Armee ist nicht hier, die ist in Italien, mit der haben wir nichts zu tun." „Also zu welcher Armee gehört Ihr?" „Zu gar keiner, wir sind die Emil-Bande, uns wollt« man nicht dabei haben, uns kann nichts passieren, wir sind keine Deserteure, uns hot man abgestoßen, jetzt sollen sie sehen, wie sie ohne uns fertig werden. Wir brauchen sie nicht, wir brauchen keinen Menschen." Wosiewiez konnte sich nicht dreinfinden, e. entsandte seinen Stab in den nahen Wald, um die Cholerakranken zu suchen. Dieser Stab bestand aus einem Offiziersdiener, der ununterbrochen über die Expedition rmonnierte, einem Sanitätsgefreiten, der eine riesige Flasche trug, eben die besagten Choleratrapfcn, und einer Krankenschwester Sarsaparilla. Der blaue Schleier am Hütchen und ein großes schtvarzcS Kreutz am Halse verrieten ihre Zugehörigkeit zum weiblichen Geschlecht. Kaum war der Wagen mit den dreien fortgcsahren, überlegre sich Wosiewiez die Sache und bekam einen Hobsuchtsanfall, er zog seinen Revolver und wollte jeden erschießen, der ihm in den Weg käme, zum Glück aber nahm er die Richtung nicht gegen den Poste», sondern rannte dem davonsausenden Wagen nach, wilde Flüche ausstoßend. Der Putzfleck drängte den Sanilätsgesreiten, sich weder um den alten Idioten, noch um die Flasche mit den wunderwirkenden Tropfen zu kümmern, sondern tüchtig auf die Gäule cinzuhauen, damit man. seine Ruhc hätte. Die Flasche hielt auch wirklich den Transport nicht aus, bei dem nächsten Abschlag ging sie in tausend Scherben. Im Walde wurde besonders Schwelle! Sarsaparilla von den Soldaten freudigst begrüß! und in Emvfang genommen:„Du bist zwar em schieches Luder, aber du sollst auch deine Freud« haben. .(Fortsetzung folgt.) Nr. 292 Sonntag, 11. Dezember 1932, Seite 3 Schwere zetten rar den Osaf. Strasser offiziell hinausgeworlen. Angst vor den folgen. Hitler sammelt theatralische Treusdiwiirc. „MseinWderletzung" mt dem Sozialismus. Der nationalsozialistische„Tag" hat jede Woche wenigstens zweimal das Bedürfnis, sich mit dem marxistischen Sozialismus auseinander- zu'etzen. Er fürchtet anscheinend, daß die „jüdische Lehre" der Gefolgschaft des Herrn Jung einmal sehr gefährlich werden könnte und darum versucht das Grubenhundeblatt immer wieder, seine Leser davor zu warnen. Tas tut„Der Tag" aber so ungeschickt, daß er wenn auch unbewußt— für den wissenschaftlichen Sozialismus nur Propaganda macht. In der Folge vom 6. Dezember beispielsweise möchte er den Dummen, die nicht alle werden, einreden, daß es nur einen nationalen, niemals aber einen internationalen Sozialismus geben dürfe. Der" internationale Sozialismus, so behauptet er, müsse versagen, und es werden dafür folgende Gründe ins Treffen geführt: „Der Stillstand und Rückgang der.uferlosen kapitalistischen Spekulatiönswirtschaft, oie Entwicklung eines eigennationalen Kapitalismus in neuen Industrieländern, die dauernde Verschiedenheit der Wirtschaftsstufen, die Unterschiede in den Lebens- und Kulturbedürsnisien der Arbeiter je nach Volkszugehörigkeit, das Versagen der Sozialdemokratie im ersten Kapitalslande der Erde, in den Vereinigten Staaten, die Abhängigkeit vieler Industrien vom fernen internationalen Kapital" und schließlich„die Gefährlichkeit eines Nebeneinanders von sozialistischen und kapitali- stischen Wirtschaftszweigen." Ueber diese„Abgründe", so meint„Der Tag", könne keine Internationale hinwegkommen. Nach dieser„Argumentation" ist also der internationale Sozialismus zunächst deshalb„unmöglich", weil die uferlose kapitalistische Spekulatiönswirtschaft infolge der Krise einen Rückgang erfahren haben soll. Damit wird doch eigentlich nur gesagt, daß der Kapitalismus nicht mehr richtig„funktioniert" und das ist doch eher ein Argument gegen ihn als gegen den Sozialismus. Wenn weiter gesagt wird, daß sich ein eigennotionaler Kapitalismus entwickelt, der aber, wie später zugegeben wird, vom fernen internationalen Kapitalismus abhängig ist, so weiß man überhaupt nicht, warum das gegen den Sozialismus sprechen soll. Der internationale' Kapitalismus kann von der Arbeiterklasse dann doch erst recht nur international mit Erfolg bekämpft werten. Und wenn die dauernde Verschiedenheit der Wirtschaftsstufen und die Unterschiede in der Lebenshaltung der Arbeiterklasse in den einzelnen Ländern ein Hindernis für die Entwicklung zum Sozialismus sein sollen, dann versteht man nicht, wieso der Kapitalismus existieren kann, dem es doch auch noch nicht gelungen ist. die Welt in jeder Hinsicht zu uniformieren. Mit welchem Recht nimmt ferner„Der Tag" an, daß die sozialistische Idee in den Vereinigten Staaten sich niemals durchsetzen wird? Er soll es abwarten und er wird es früher erleben, als ihm lieb ist. Und schließlich: Ein Nebeneinander von sozialistischen und kapitalistischen Wirtschaftszweigen soll gefährlich sein. Gewiß, es fragt sich nur, für wen? Für den Sozialismus doch nicht, fondern höchstens für den Kapitalismus, der gegen eine solche Konkurrenz" zuletzt unterliegen muß. Di« Hakenkreuzler sollten ihre Versuche lieber aufgeben, den internationalen Sozialismus„geistig" zu überwinden, denn an dieser„Aufgabe" sind schon gescheitere Leute gescheitert. Der Kapitalismus selbst ist ja der beste Wegbereiter des Sozialismus und dieser wird kommen, wenn die Arbeiter der ganzen Welt einmal erkennen werden, daß ihr Platz im Marxistischen Lager ist. Otto Strassers Erzählungen. Im Sommer 1930 hatte Dr. Otto Strasser, der Führer der Nazi-Opposition und Bruder Gregor Strassers, einen schweren Konflikt m:t dem Oberosaf, weil er zu der Ueberzeugung gelangt war, daß Hitler seinen„Sozialismus" längst vollkommen Preisgegeben hatte. Es kam zu einer Unterredung zwischen Straffer und Hitler, über die Strasier sorgfältige Aufzeichnungen gemacht hat. Jetzt,- nach der Plötzlichen„Beurlaubung" Gregor Strassers durch Hitler— nicht etwa durch den Reichstagspräsidenten oder durch den Reichstag!— gewinnen die Aufzeichnungen Otto Strassers wieder aktuelles Jnterefse. Einige seiner Angaben sollen hier angeführt werden. Hitler verlangte von Otto Strasser unbedingte Unterwerfung, genau so wie er sie von feiner ganzen Umgebung verlange:„Sie sehen Mi« Ihr Bruder sich dieser Disziplin unterwirft auch wenn er nicht immer meiner Meinung ist. Ich frage Sie-etzt, ob Sie sich dieser Disziplin ebenfalls unterwerfen wollen oder nicht."— Darauf hat Dr. Otto Strasier geantwortet Hitler solle sich nicht verführen lasien durch die Kreaturen um ihn herum. Wörtlich:„Me wenige von diesen Mitarbeitern sind rein geistig in der Lag«, ein eigenes Urteil zu haben, wie wenige erst haben den Charakter, dieses Urteil g» äußern, wenn es von dem Ihrigen abweicht. Oder glauben Sie z. B., mein Bruder (Gregor Strasier) würde so brav Diszipl'n üben, wenn er nicht wirtschaftlich durch sein Mandat von Ihnen abhängig wäre?" Wenn Gregor Strasser in neuerer Zeit trotz diesen Behauptungen seines Bruders gewagt hat, eine andere Stellung einzunehmen als Hitler, so darf daraus geschlossen werden, daß entweder Gregor Strasier jn bessere Verhältnisse gekommen ist. oder daß ihm die Politik Hitlers Und seiner näheren Umgebung einfach u n e r. täglich geworden war. Berlin, 10. Dezember. Daß an den „böswilligen Gerüchten", von denen di« erste parteioffizielle Meldung über Gregor Strassers angeblichen Krankenurlaub so verächtlich gespro. chen hat, doch allerhand wahr sein muß, beweist am besten eine Verfügung Hitlers, di« der»^völkisch« Beobachter" in seiner heutigen Ausgabe an erster Stelle abdruckt. Demnach verordnet der Osaf wörtlich: 1. Ich übernehme bis auf weiteres vom heu tigen Tage an die Leitung der politischen Organisation selbst.. 2. Ich ernenne zu meinem Stabsleiter für die politische Organisation den bisherigen Reichsinspektor II Ley. 3. Am Mittwoch, den 14. Dezember 1932, gebe ich die neuen Richtlinien und Anordnungen betreffend den' Aufruf vom 6. November 1932 zur Herstellung einer erhöhten Schlagkraft der Bewegung bekannt. Das heißt also, daß Gregor Strasier, einst der erste Mann in der Partei nach Hitler, hinausfliegt und einem Herrn Ley Platz machen mutz, der der Oeffentlichkeit nur von dem seinerzeit mit besonderer Roheit ansgeführten An- schlag auf den Sozialdemokraten Otto Wels unrühmlich bekannt ist. Tatz es den Herr«« im Braunen Haus momentan nicht sonderlich zu Mute ist, beweist der Umstand, dah der„Führet jetzt an allen Ecken und Enden von seinen Untergebenen, die ihm doch eigentlich ganz selbstverständlich in aNen Lebenslagen zu blindem Gehorsam verpflichtet sein sollten,„Vertrauenskundgebungen" einsammelt und sich ihre nie zu erschütternd« Treu« zu ihm mit den feierlichste« Schwüren bestätigen lätzt. So macht der„völkische Beobachter"«in« solch« bestellte Kundgebung der bayrischen Gauleiter und Landesinspektoren der Partei groß auf. Ein ganz besonderes Theater mutz aber die vertrauenskundgebung gewesen sein, die am Freitag abends von den hakenkreuzlerischen Reichstagsabgeordneten für ihren Osas in Szene gesetzt wurde. Nach einer offiziellen Meldung hat dort zunächst Dr. Frick dem Osaf das G-löbnis unwandelbarer Treue der gesamten Vor einigen Tagen war Trotzki in Kopenhagen, um dort einen Vortrag zu halten. Er fuhr, aus der Türkei— seinem Exil— per Bahn und Schiff nach Dänemark, wobei er mit Recht und Selbstverständlichkeit auf Viehwagen und Zwischendeck verzichtete und im Expreß ein CaupS und am Schiff eine Kajüte benützte. Darob speien die Kommunisten, denen der Vortrag— oder besser gesagt— die Wahrheit, die Trotzki in Kopenhagen vortrug, Gift und Galle und da sic an geistigen Argumenten Mangel haben, schimpfen sie in der ödesten Weise über den Mann, ohne den Rußland heute wahrscheinlich schon eine Beute der Kapitalisten wäre, die den Arbeitern blutig heimzahlen würden, was ihnen genommen und angetan wurde. Lesen wir doch nur«inen kleinen Ausschnitt aus dem Erguß des„Vorwärts": „Der ehemalige BoKskommissär Trotzki, der sich auch jetzt als Revolutionär reinsten Wassers hinstellt, fuhr von Konstantinopel nach Kopenhagen mit demselben Aufwand, wie bi« großen" Staatsmänner der kapitalistischen Länder, er wurde wie diese von einer ungeheuren Reklame der ganzen kapitalistischen und sozialdemokratischen Presse begleitet. Sein Empfang durch die sozialdemokratischen Behörden in Dänemark ähnelt aus ein Haar den offiziellen Besuchen des blutigen russischen Zaren in den Hauptstädten der„demokratischen" westeuropäischen Länder. Dieselben Absperrungsmaßnahmen wie damals, dasselbe Massenaufgebot von Polizei, um den„hohen" Besuch wegen befürchteter Belästigungen seitens des„gemeinen Volkes" zu schützen. Herr Trotzki, der mit einem großen Gefolge kam, hatte auf dem Dampfer fünf Kajüten zur Verfügung gehabt. In Esbjerg hatte di« sozialdemokratische„Arbeiterregierung"«inen ganzen Salonwagen für ihn reservieren lasien Jn diesem Salonwagen fuhr er— der„permanente Revolutionär"— hinter heruntergelassenen Vorhängen durch das Land, als ob ihm die Blicke der Massen unangenehm wären. Er empfing auch keinen Arbeiter, um sich mit ihm etwas über die wachsende Not der 290.900 Erwerbslosen zu unterhalten." Unglücksölig erweise bringt di«„Wiener Freie Preffe" am 4. Dezember, also fast zur gleichen Zeit, da unseren Kommunisten über den Kleinbürger Trotzki herfallen,«inen Ausschnitt über das Leben eine? hundertprozentigen Revolutionärs und'ein: ebenso gesinnten und han-I delnden Gattin. Da heißt es: t „Großer Euipfang bei Sir John Simon.! Fraktion abgelegt, worauf„ER" höchstpersönlich eine schwungvoll« Rede„An Mein Volk" von Stapel ließ, die darin ausklang,„daß die Krast und Stärke der NSDAP in erster Linie in der Treue liege, im Zusammenhalt auf Lebe« und Tod, woran alle Angriffe zerschell«» müssen". Daraufhin geriet offenbar di« ganze Fraktion in die denkbar höchste Ekstase und Hitler mutzte— fast wie der amerikanisch« Präsident — an di« zweihundert treudeutsche Händedrücke austeilen. Zumindest meldet dieselbe parteioffizielle Quelle über diese« historischen Augenblick weiters: „Die gesamte Fraktion umringte darauf spontan den Führer und brachte ihm außerordentliche stürinische Ovationen dar. Jedes einzeln« Mitglied empfand das Bedürfnis, dem Führeer auch noch persönlich das Gelöbnis der Treue in die Hand abzulegen. Darüber hinaus gab diq Reichstagsfraktion auch noch formell die einmütige Erklärung ab. daß sie geschlossen hinter ihrem Führer Adolf Hitler stehe." Die Opposition regt sich. Daß die Herrschaften derartig theatralisch aufgezogen« Rütli-Schwüre in Szene setzen, zeigt wohl am deutlichsten, wie mies es ihnen momentan ist. In Wirklichkeit erscheint es Irotz all dieser Ergebenheitsversicherungen als sicher, daß keineswegs alle nationalsozialistischen Organisationen hinter der Zentralleitung der Partei stehen. Bezeichnend ist in dieser Hinsicht der Kommentar des natwnalsozialistischen Organs in Königsberg, der„P r e u tz i s ch e n Z e i- tung", die schreibt, wenn sich Strasser zu seinem Schritt entschlossen habe, dann sei dieser gewiß auf das sorgfältigste überlegt. Das Blatt nimmt sich dann indirekt des abtretenden Funktionärs der Partei an. Auch in den nationalsozialistische« Fraktionen im Reichstag und im preußischen Landtag besteht keine solche Einmütigkeit mit der Hit- lerschen Führung, wie dies die Kundgebungen dartun. Bor Annahme der Kundgebungen wurden nämlich in den Fraktionen Anträge eingebracht, dahingehend, die Motiv« des Urlaubes Strassers zu prüfen, was eine Art Vertrauensvotum einiger Abgeordneter für Straffer war. Diese Anträge wurden natürlich abgelehnt und dann Resolutionen angenommen, in' denen. Hitler di« Treu« bekundet wird. Ein festliches Bild. Ramsch M a c d o n a l d ist von einem Kreis schöner Frauen umgeben unführt seine Tochter am Arm. Es wimmelt von Ministern und Botschaftern, von Generalen und Gesandten. Das Konzert ist zu Ende. Neben mir wird russisch gesprochen. Der bolschewiksche Volkskommtssär Lunatscharfli ist von einer internationalen Gesellschaft von Exzellenzen und Würdenträgern umringt, die angeregt mit-hm plaudern. Die Sowjetdelcgation, bestehend aus den Herren Longowoi, Umanski, Schewzhoff und Stein, ist um«ine elegante Dam« in weißem Abendkleid artig bemüht. Ter radikal« Kommunist Umanski trägt galant das Abendrap« der wunderschönen Frau. Ich erkenne Na- talia Alexandrowna und begrüße sie mit einem Handkuß. Natalia Alexandrowna ist die Gattin des Volkskommissärs Lunatscharfli. Es ist die schön«, elegant« Frau jencs Sowjetführers, dem viele Jahr« das Bildungswesen in der Sowjetunion unterstand und der jetzt neben Litwinow der zweit« Delegiert« Sowjetrußlands auf der Abrüstungskonferenz ist. Frau Lunatscharski ist eine gefeiert« Schauspielerin und gilt als die grande datne der Sowjetrepublik. Frau Lunatscharski war oft in Berlin.und ist in den Salons der Reichshauptstadt sehr beliebt. Frau v. Raumer, die Tochter Elisabeth v. Hey- kings und Enkelin der Bettina, ist mit ihr besonders befreundet. Tie kleinen Tees, di« Natalia Al«xandrowna in Bristol gab, galten als ungemein apart. Frau Lunatscharfli, die betörend schöne Bolschewikin von verführerischer Eleganz, liefert« in jenen Tagen den dankbarsten Gesprächsstoff für die Berliner Gesellschaft. Sie führt in Moskau als Gattin des Volkskommissärs einen künstlerisch-literar sch-politischen Salon und empfängt jeden Freütag nachmittag. Diplomaten und Künstler, Kommissäre und Publizisten gehen«in und aus. Graf Brockdorfs-Rantzau und Jean Her bette waren Stammgäste aber auch Staniflawski und Katschalow, Gladkow und Alelisei Tolstoi kamen gern hin. Ihr Salon sit sehr en vögue, besonders wenn prominente Ausländer in Moskau auf Besuch sind. Man konnte Henry Barbusse und Klemperer, den früheren Reichskanzler Wirth, den französischen Minister de M o n z i e und viel« andere prominent« Persönlichkeiten dort treffen." Der„Vorwärts" möge nun sagen, ob Lunatscharsky sich bei diesem Fest mit Arbeitslosen unterhalten hat und ob er hier für die Weltrevolution Propaganda inacht«. Was ist Landesverrat? Der„Benkov" ist das Blatt der größten tschechoslowakischen Partei. Das verpflichtet, weshalb er sich ausgesucht dumm benimmt. Jetzt ist der„Benkov" um die„Erziehung" u»iser«r tjchcchischen Genossen bemüht. Im Leitartikel hat er ihnen die ganze VeiÄerbtheit der deutschen Svzialdemokraten vor Augen geführt, die sich angeblich darin äußert, daß der Vorsitzende der SPD., Wels, Landesverrat begangen habe und sich jetzt bestrebe, durch die Abwehr dieser Anschuldigung bei den Nationalisten Gefallen zu finden. Wels lvar nämlich in den Tagen, da der finanzielle Zusammenbruch Deutschlands drohte, m London. Im Einvernehmen mit Brüning hatte er es unternommen, Henderson— di« Arbeiterpartei regierte danials in England— für ein finanzielles Entgegenkommen an Deutschland zu gewinnen. Nationalistische Blätter haben nun die Behauptung aufgetischt, Wels habe bei dieser’ Gelegenheit die englischen Genossen ersucht, die Zustimmung zur Hilfeleistung an Deutschland von der Einstellung des Baues des Panzerkreuzers abhängig zu machen. Die Redakteure dieser Blätter wurden von Wels geklagt. — und sie behaupten j«tzt, daß sie Wels gar nicht den Borwurf des Landesverrats machen wollten und schreiben, es sei„ganz uninteressant", was Wels mit Henderson über den Panzerkreuzer 8 gesprochen habe. Das ist der Tatbestand. Und der„Benkov" folgert daraus, daß W«lS, dessen Partei nach außen hin die Regierung Brüning als nationalistisch und fascistisch bekämpft habe, dieser Regierung doch verbunden geivesen sei und jetzt, durch die Zurückweisung des Vorwurfs, er habe Landesverrat begangen, um die Gunst und Absolution-des deutschen Nationalismus buhle. Die deutsche Sozialdemokratie gebe sich nur international, sie sei in Wahrheit nationalistisch und militaristisch. Wie sich diese patriotische Gesinnung der deutschen Sozialdemokratie mit dem vom„Ben- kov" festgestellten Landesverrat ihres Vorsitzenden zusammenreimt, ist ein Geheimnis der „Venkov"-Redaktion, die ja wissen muß, welche? Maß von Leitartikeldummheit sie ihren Lesern zutrauen darf.(Die nebenbei gesagt, auch wissen dürften, daß die Regienrng Brüning von den Sozialdemokraten aus den Gründen toi-« ri« rt wurde, eine Tolerierung, welche die Regierung Papen dann rechtfertigte.) DaS Wesentliche an der ganzen Angelegenheit ist, daß der„Benkov" di« tschechischen Sozialdemokraten mahnt, diesen verderbten deutschen Genossen einerseits nicht zu trauen, da sie dem deutschen Nationalismus verbunden seien und es andererseits ihnen gleichzutün, also die Gesinnung zu pflegen, die er der reichsdeutschen Sozialdemokratie und ihrem landesverräterischen Vorsitzenden andichtet. Man muß sagen, daß der„Benkov" Niveau hat—«in sehr trefes nämlich. Vom moralischen soll nicht di« Red« sein; aber auch unmoralische oder amoralische Gazetten Pflegen sonst etwas mehr G e i st zu entwickeln. Viel- leicht hängt das damit zusammen, daß sie nicht alle der Partei des Ministerpräsidenten zuzurechnen sind. Wir verraten dem„Benkov", daß er noch öfter Gelegenheit haben wird— ob in der Bundesgenossenschaft mit deutschnationalen Journalisten oder ohne sie— der Sozialdemokratie Landesverrat nachzusagen. Die bürgerliche Preffe ist dazu stets bereit. Landesverrat wird nämlich immer d«r Sozialdemokratie der eigenen Nation nachgesagt, während man die Sozialdemokratie' anderer Nationen als vaterlandS- und nationstreu hinstellt. So alt dies« Method« ist, so dumm ist sie. Die internationalen Beziehungen der Sozialdemokratie werden nicht dazu unterhalten, daß sie der Bourgeoisie der eigenen Nation zur Freude gereichen, und rö' das Ausnützen dieser Beziehungen im Interesse der Nation ist, das dem der kapitalistischen Clique gewöhnlich entgegengesetzt ist, das worden die Sozialdemokraten jeder Nation s e l b st beurteilen. Wenn das Bekenntnis zur Internationale und zum Kampfe gegen den Krieg und sein« Förderer Landesverrat ist, dann vekennen wir unS mit Stolz zu ihm. Me meine Entente tagt nächst« Woche in Belgrad. Belgrad,. 10. Dezember.(Avala.) Di« Außenminister d«r Staaten der Kleinen Entente werden vom 16. bis 18. Dezember l. I. in Belgrad Beratungen abhalten. Die Vertreter der Kleinen Entente werden sich mit allen internationalen Frag«« befassen, die ihr« Länder betreffen und die Gegenstand der Beratungen der seit der letzten Konferenz der Kleinen Entente abgehaltenen verschiedenen internationalen Konferenzen war«n. Englisdi-perslsdier Konflikt. London, 10. Dezember. Die britische Regle» rung.hat sich entschlossen, einen Kreuzer und zwer Torpedobootzerstörer, die zur indischen Flotte gehören, in den persische» Meerbusen zur Wahrung der Interessen der britischen Untertanen zu entsenden. Bekanntlich ist zwischen der englisch-persischen Petroleumgesellschaft und der persischen Regierung ein Konflikt ausgebrochen. Eine notwendige Gegenüberstellung. Seite 4 Sonntag, 11. Dezember isrrs Nr. 292 Verhaftete Schmuggler. T agesnemgheiten 23 Tote in einem amerikanischen Kohlen- vergwerk. Harle»(Kentucky), 10. Dezember. Bei einer Explosion in einem hiesigen Kohlenbergwerk wurden zwölf Weitz« und elf Neger getötet. AutounMü in der SloMkei. Zwei Tote, vier Schwerverletzte. Pretzburg, 10. Dezember. Die Staats. bahndirektion in Pretzburg teilt mit: Freitag, den 9. Dezember l. I. stietz der Personenzug Nr. 403 zwischen den Stationen VilaS—Krivan—Detva beim Uebergang in Kilometer 202,26 gegen einen Lastkraftwagen, der mit Marktfieranten besetzt war. Bei dem Zusammenstotz wurden zwei Per« sonen getötet und vier weitere schwer verlebt. Der StreckeNUbrrgang ist ordnungsgemätz mit Bahnschranken versehen, die vor dem Herannahen des Personenzuges zeitgerecht und in der vorgeschriebenen Weise heruntergelassen wurde». Durch die Untersuchung au Ort und Stelle konnte festge- ftellt werden, datz das obgenannte Automobil vor den Schranken nicht Halt gemacht hat, sondern sie durchschlagen hat und knapp vor die Lokomotive des genannten ZugeS Rr. 403 gekommen war. Auf der Stelle getötet wurden der Lenker und Besitzer des Wagens, Ludwig Steiner, und die H a n d«l s- frau Aranka Berger aus Leviee. Schwerverletzt wurden die beiden Levicer Kaufleute Josef Kurt und Josef Berger sowie der Kaufmann Zoltan Berger aus Komarno. Der Gottschewer PejkoviL, der mitsuhr, blieb unverletzt. Drei Todes stelle in Sachsen! Torgan, 10. Dezember. Das Schwurgericht verurteilte den Schmiedegeselleu Bernd und den Arbeiter Pietzschke wegen Mordes und die Witwe Thieme wegen Anstiftung zum Mord« zum Tode. Fra« Thieme hatte di« Angeklagten Bernd und Pietzschke veranlaßt, ihren Sohn Otto, mit dem sie sehr oft harte Auseinandersetzungen hatte, zu beseitige«. Am 8. Jun» d. I. hatten die beiden den jungen Thieme in den frühe« Morgenstunden nach einem Teich gelockt, wo Bernd dann auf Thieme vier Schüsse abgab und ihm autzerdem«och mehrere Schlüge mit dem Gewehrkolben versetzt«. Darauf warfen sie die Leiche in den Teich. Ein Pastor als Sprengftoff'AttentAer. Waldenburg, 10. Dezember. Gegen den Gast wirt Franke in Kynau ist Wegei» dringenden Verdachtes der Begünstigung, gegen den Pastor Fuchs in Dittmannsdorf wegen Verdachtes der Beihilfe zum Sprengstoffdiebstahl und wegen Verdunkelungsgefahr vom Amtsgericht in Waldenburg Haftbefehl erlassen worden. Das evangelische Konsistorium hat die vorläufige Dienstenthebung des Pastors Fuchs verfügt. ttlne Mutter wirft ihre drei kleinen Kinder in den Kanal! A l t e n e s s e n, 10. Dezember. In ihrer Verzweiflung über zerrüttet« Familienverhältnisse warf ein« Mutter ihre drei Kinder im Alter von fünf, sechs und sieben Jahren in den Kanal. Die Kinder ertranken, di« Mutter wurde verhaftet. Der Nlmburger kexnalmSrdrr verhaftet. Der Verbrecher schildert an der Mordstelle feine Tat. N i m b u r g, 10. Dezember. Nach sechstägigen Bemühungen gelang es gestern der Gendarmerie, den Lustmord an dem 9jähr gen Miroslav Mareeek aufzuklären. Wie wir vor einigen Tagen berichteten, wurde vor einer Woche die furchtbar verstümmelte Leiche des Kindes einige Schritte vom Häuschen seiner Eltern entfernt, gefunden. Unter dem Verdachte, den Mord begangen zu haben, waren in den letzten Tagen zwei Personen verhaftet worden, die wegen ihrer abnormalen sexuellen Veranlagung bekannt waren. Der Verdacht erwies sich jedoch als falsch, nachdem ein dritter Verhafteter, der 37jährige Bäckergehilfe Jaroslav Sedlüöek nach einem stundenlangen Verhör durch die Gendarmerie ein v o l l e 8 G e st ä n d n i s ablegte. Am Orte der Tat, wohin er zu einem neuen Verhör gebracht wurde, schilderte Sedlüöek, wie er den Mord begangen hat. Am 8. Dezember hielt er sich in der Nähe des Dorftciches in Jispice auf, wo er einige Kinder beobachtete, die am Ufer spielten. Als der kleine M a r e L«k allein blieb, lockte er ihn zu sich, indem er ihm Zuckerzeug versprach. Da ihm aber der Ort für die Verübung der Tat nicht geeignet schien führte er den Knaben weiter fort und hielt ihn durch ständige Versprechungen solange hin, bis es zu dunkeln, begann. Als sie eine verlaffene Stelle erreicht hätten, bekam der Junge Angst und wollte nach Hause. Sedlüöek hielt ihn aber trotz seinem Sträuben fest, warf ihn zu Boden und ermordete ihn auf besttalische Weise. Das Verhör mit dem Mörder wird fortgesetzt, um alle Umstände klarzulegen. Bekannt- lich wurde vor einigen Monaten auf ähnliche Weise ein Mord an einem Kind begangen, ohne Wie uns aus W e i P e r t gemeldet wird, wären dort in den letzten Tagen mehrfach Verhaftungen von Paschern ju verzeichnen, ein Umstand, d«r auf die nahe Weihnachtszeit zurückzuführen ist. So wurden an einem Tage zwei Leute aus Ehristofhammer, die einige Nahrungs- und Gcbraüchsgegenständ« unverzollt über die Grenze zu bringen versucht hatten, festgenommen uiiü in die Hast des Weiperter Bezirksgerichtes eingeliefert, und einen Tag darauf kam es gleichfalls in Christofhamnier zu einer weiteren Verhaftung. Nachdem die Schmuggelware zum größte» Teil aufgebracht und beschlagnahmt werden kottnte, würden die Verhafteten nach ihrer Einvernahme wieder auf freien Fuß gesetzt, wenngleich das Verfahren gegen sie weiterläuft. Ein ebenfalls dieser Tage beim Schmuggeln betretener Einwohner von Bärenstein wurde, nachdem die von ihm mit Pascherware zu beliefernde Firma sich bereit erklärt hatte, die Zollgebühr und die entfallende Strafe zu bezahlen, aus der Untersuchungshaft entlassen. Im allgemeinen ist n der letzten Zeit eine verschärfte Ueberwachung daß es bisher gelungen wäre, den Täter zu entdecken. Man vermutete nach Bekanntwerden des Nimburger Verbrechens, daß beide Morde von ein und derselben Person verübt wurden. Bagage. Dieser starke Ausdruck erscheint uns eigentlich noch als zu schwach, um jene Menschen zu kennzeichnen, die als Hakenkreuzführer die braune Pest nicht nur in das politische Leben, sondern überhaupt in allen Wandel tragen. Wir veröffentlichen an anderer Stelle dar der Wiener„Arbeiter-Zeitung" nacherzählte Geschichte von dem jüdischen Kaufmann Au spitz, den die Thüringer Nazis austzewiesen, ihre Wiener Spezis jetzt über dorthin zurückbringen, nachdem er die Taufe genommen und Schillinge gegeben hat. Für Geld kann man also bei den Hakenkreuz- ern alles richten! Und damit beweisen sie eine„Berjubung", die kaum zu überbieten ist. Ja für Geld kann sogar ein Jude national- ozialistisches Parteimitglied werden, woran »eispielsweife dem Kaufmann Auspitz nur in- oserne etwas liegen dürfte, als er sich mit dem Krrteibüchel eben Toleranz erkaufen kann. Wenn einer zahlt, dann findet er bei den Nazis in Wien und Weimar und überall die Türen offen. Wir dachten immer,„in der Rass« liege die Schweinerei" und die Nationalsozialisten würden deshalb einen J»rden nicht weniger hassen, weil er mit der Taufe den Zugarrg zu einer christlichen Kirche sich verschafft hat. Nun sind wir eines Besferen belehrt: di« Raffe kann durch bloße„Förmlichkeit" weggewischt werden— vorausgesetzt natürlich, daß man für diese Förmlichkeit nicht nur die vörgeschriebenen Gebühren, sondern auch und vor allem seinen Obolus an die Osafs entrichtet. Da gäbe es also— wenn alle Juden Geld hätten— ein großartiges Mittel, den nationalsozialistischen Antisemilis- mus aus der Welt zu schaffen: alle Juden müßten sich taufen lassen, dafür ein paar hundert oder tausend Kronen an die Braunen Häuser entrichten und dann ständen ihnen dort»sicht nur alle Türen offen, sondern die Judenfvage wäre eben damit überhaupt gelöst. Die Hakenkreuzler haben Glück, daß das nicht geht, denn dann wäre ihnen ja der haupt- ächliche Boden ihrer Bolksbeglückung entzogen. Aber schließlich dürften die Geschichten mit dem Frauenfeld im Rothschild-Spital und jetzt mit Auspitz auch das ihre dazu tun, um vielen Anständigen, die sich zu der Bagage verlaufen haben, die Augen zu öffnen. Es kracht ja auch sonst schon feste im Gebälk. Di« Mitglieder der Regierung empfangen wegen ihrer Beteiligung an Beratungen über dringliche Regierungsarbeiten vom 12. bis 17. Dezember keine Besuche. Das schtvere Explosionsunglück in dem Premnitzer I. G. Farbenwerk hat jetzt nachträglich noch ein Todesopfer gefordert. Der Wcrksarbeiter Hinz ist seinen schweren Verletzungen erlegen. Interessante Rckdio-Ausstellung in Wie«. Im Wiener Meffepalast wurde Samstag eine von„Radio Wien" veranstaltete Ausstellung eröffnet, die den Werdegang der Radiotechnik von den ersten Versuchen des Physikers Hertz bis zu den Ultrakurzwellen u»»d der Radioröhre des östGreichischen Physikers Robert von Lieben zeigt. In der historischen Abteilung der Ausstellung ist u. a. eine Sende- und Empfangsanlage zu sehen, die im Jahre 1894. zwei Jahr« vor Marconi, vom Rathausturm zum Turm der Votivkirche für drahtlose Sendungen benützt wurde. Auch das Modell des neuen österreichischen Groß-Senders am Bisamberg mit seinen 1400?8-Motoren ist zu sehen. Kein Jägerlatein! Im Eberswalder Forst bei München erschoß ein Jäger statt eines Hirsches. den er auf dem Korn zu haben glaubte, ein — Kamel. Das Tier war durchziehenden Gauk lern davonaekauien. Im Bombenlegerprozeß in Osterode beantragte der Staatsanwalt gegen acht Angeklagte Zuchthausstrafen von einem bis zu sechseinhalb Jahren. aller Grenzübergänge im Obererzgebirge zu konstatieren; es hängt dies mit dem bevorstehenden Weihnachtsfest zusammen, da insbesondere Spielzeug(Puppen, Baukästen, Schnitzereien usw.) in d?n Geschäftslagen jeweils der Grenze bedeutend billiger abgegeben werden. Zahlreiche Arbeitslose diesseits der Grenze, insbesondere Familienväter versuchen, einerseits von der Not und anderseits von der Absicht getrieben, auch ihren Angehörige», eine bescheidene Weihnachtsfreude zu bereiten, einige Kronen dadurch zu verdienen, daß sie billige Kleinigkeiten über die Grenze bringen und hier Weiterverkäufen. In den meisten Fällen steht der Verdienst aus diesen„Geschäften" nicht für den weiten Weg und für die Gefahr, in die sich der s Schmuggler in jederi. einzelnen Falle begibt. Daß trotzdem das Pascherwesen eher zu- als abnimmt, wirft ein bezeichnendes Licht auf di« Not in den erzgebirgischen Grenzgemeiriden, i« denen in vielen Familien der Hunger daheim ist, seit die Familsenerhalter ihren früheren Arbeitsplatz in Sachsen verloren haben. Rückflug Bertrams. In einigen Tagen beabsichtigt der längere Zeit in der Wüste verschollen getvesene Australienflieger Hans Bertram nach Europa zurückzufliegen. Der Pilot will den Apparat benutzen, mit dem er seinerzeit fern jeder menschlichen Siedlung an der nordwestaustralischen Küste landete. Der Bar ist los! In Gerasdorf(Niederösterreich) wurde eine Passantin von einem Bären angefallen und durch Prankerchiebe schwer verletzt; Das Tier, das kurz zuvor aus einem Wanderzirkus entwichen war, wurde niedergeschoffen. Stermitz lebt. Nach einer Meldung aus U n- ter-Drauburg befindet sich der nach Jugoslawien verschleppte Arbeiter Stermitz im dortigen Gerichtsgefängnis, wo er bereits mehreren Verhören unterzogen wurde. Ueber sein Befinde»» wird nichts bekannt, doch verlautet, daß Stermitz mehrfach verletzt fft. Kurpark-Hotel und Strandkino in Ahlbeck eingeäschert. Im Kurpark-Hotel in der Dünenstraße in Ahlbeck brach am Freitag abend Feuer aus, das sich sehr schnell auf das anliegende Strandkino ausbreitete. Obwohl die«inheimische Feuerwehr rasch zur Stelle war, brannte das Hotel bis auf einen Seitenteil nieder. Das Itrandkino wurde völlig«ingeäschert; nur«in geringer Teil der Möbel konnte gerettet werden. Die Ursache des Brandes ist noch unbekannt. Das Hotel hatte rund 20 Betten. Line internationale Konferenz von Delegierten der serologische» Institut« findet oben im Staatlichen Gsiundheitsilsititut der 6SR. in Prag unter Teilnahme Dänemarks, Jugoslawiens, Polens, der Tschechostwvakei und eirreS Mitgliedes der Hygiene- sektion des Völkerbundes aus Genf statt. Es ist dies di« erste Konferenz dieser Art, zu der Dozent Dr. B. Feierabend vom Staatlichen Gesund- heitsinftitul der SDR. die Anregung gegeben hat. Di« Konferenz befaßt sich neben reinen Fachfragen auch mit d«m praktischen Problem der zweckmäßigen Gestaltung und Teilung der Serenerzeugung und der Vakzine« in/den beteiligten Staaten. Sie einigte sich auf die gemeinsame Erzeugung einiger toichtig«r Serumpräparate, die keiner der genannten Staaten wegen des beschränkten Absatzes und der kostspieligen Regie für sich allein erzeugen ' könnte. Ermäßigte Halbjahreskarte» für organisierte Provisionsreisende und-Vertreter. Der Bund der Vertret«: utzd Reifenden, Sitz Teplitz-Schönau(Fachgruppe des Allgemeinen Angestellten- Verbandes Reichenderg) teilt mit, daß er Bestellungen für die 50prozentig«n Halbjahreskarten(1. Jänner bis 30. Juni 1933) schon jetzt übernimmt. Solche sind zu richten an'den genannten Bund, Teplitz-Schönau, Eichwalder Straße 39. Veränderungen gegenüber den jetzr gültigen Halbjahreskarten«siolgen nicht. Enthaftung in einer Brandstiftnngsafsäre. Aus B-Wiesenthal wird uns berichtet: Unter dem Verdacht, dritte Pesioncn veranlaßt zu haben, wiederholt. in seinem Besitz Feuer zu leg«», war der Besitzer der Eise»»Möbelfabrik Heinrich in B.-Wiesenchat dieser Tage durch di« Gendarmerie verhaftet und dsm Bezirksgerichte in Joachimschal übesitellt worden. Nunmehr wurde aber Heinrich aus der Untersuchungshaft entlassen, während die Erhobun- gen fortgesetzt werben, da das über der Angelegenheit lagernde Dunkel bislang noch nicht geklärt werden könnt«. Umsatzsteuer der Provisionsreiseuden,-Vertreter nud-Agenten. Vom Bundder Vertreter und R eisenden, T e p l t tz-S ch ö n a u(Fachgruppe bcS Allgemeinen Angestellten-Berbandes Reichenberg) wird mirgererlt: Obwohl der 8 6 des Umsatz- steuergsietzes vom Jahre 1930 ganz deutlich besagt, „daß jene Personen(darunter sind zweifellos auch Provisionsvertreter genreint) nicht als Unternehmer gelten, die nach dem Gesetze betreffend die Pensionsversicherung der Privatangestellten in höheren Diensten versichert sind, und zwar, in Ansehung der Tätigkeit, welche die Grundlage für diese Versiche- rungslpstrcht bAdet", wird von den Sreueradministra- tior-en auch solchen Provisionsreisenden,-Vertretern und-Agenten, welche pensionsversichert sind, dre lsmsatzsteuer für di« Provision noch immer vorgc- schrieben. Di« Steuerverwaltungen schreiben sogar auch von den von den Firmen an die Vertreter rückvergüteten Spesen die Umsatzsteuer vor, so daß die Provisionsvertreter für Barauslagen wie Porti, Telegramme, Telephon- und Reisäosten, die von ihnen bis zur Abrechnung für ihre Firmen ausge- legt werden, statt dafür Zinsen zu erhalten, noch Steuer bezahlen sollen. Persönliche Borsprachen bei SonntagsrQdtfalirt-Karteii gelten iQr die ganzen Feiertage. Die Staatsbahnen verlängern die Gültigkeit der ermäßigten Sonntagsrückfahrtkarten für die Weihnachts- und Neujahrszeit in folgender Weise: Für die Hiniahrt gelten die Karten vom 22. bis einschließlich 26. Dezember, vom 30. Dezember bis einschließlich 1. Jänner und vom 5. Jänner bis einschließlich 8. Jänner. Für die»üdtiavri gelten alle diese Karten vom 23. Dezember bis einschließlich 9. Jänner, an welchem Tage die Rückfahrt spätestens um 12 Uhr mittag angetreten werden muß. Dieselben Begünstigungen gelten auch für die ermäßigten Sonntagskarten im direkten tsche- choflowakisch-deutschen Verkehr. den verschiedenen Steuerverwaltungen und in Prag vermochten bis nun die betreffenden Referenten noch .nicht von der Unrichtigkeit dieser Vorschreibunge« zu überzeugen. Rekurs« bleiben jahrelang unerledigt, di« vorgsschrisben« Steuer wird gemahnt, Exekutionen werden geführt und die Vertreter und Reisenden, deren Einkommen in vielen Fällen kaum zum nackten Lebe» reicht, werden förmlich zur Verzweiflung getrieben. Deshalb setzen die organisierten Reisenden und Vertreter ihre Bemühungen fort, um diesem Zustande ein Ende zu bereiten und die richtige Anwendung der Gesetzesbestimmungen zu erreichen, daß pensionSversicherle Provisionsvertreter nicht umisatzsteuerpflichtig sind. Dir Milchpantschrrei. Das Wucheramt in Prag hat im November insgesamt 3824 Revisionen des Preises und der Qualität von Milch und 136 Revisionen von Butter vorgenommcn. Zn 135 Fällen wurde Strafanzeige erstattet; davon entfallen 36 auf zu hohe Preise, 80 auf Verfälschungen und 19 auf andere Delikte. Von 98 der staatlichen Lebensmittelversuchsanstalt ringesendeten Milchproben waren in 70 Fällen die Milch abgeschöpft und gewäsiert(10 bis 34 Prozent), in 7 Fällen um 22. bis 60 Prozent entrahmt, in 13 Fällen lag der Verdacht auf Verwässerung bzw. Entrahmung vor. Nur in 8 Fällen wurde gegen die Milchproben kein Einwand erhoben. .Luchtbulle Hitler." Um den„röhniischcn Einfluß" in der Hitlerpartei zurückzudrängen, ind die Nazis der Insel Föhr zp dem Entschluß gekommen, ihren besten Zuchtbullen„Hitler" zu taufen. In Nummer 144 der„Führer Zeitung" erschien jetzt ein Inserat, in dem bekanntgegebcn wird, daß die beiden angekauften Bullen„Hitler" und„Robin" zum Decken bereitstehcn. Wenn jetzt das nationalsozialistische weibliche Rindvieh nichi vor Wonne grunzt, ist Hitlern nicht mehr zu he!'«»». Ein Meteor erreichte die Erde. Unweit der Stadt Gualeguay ist ein gewaltiger Meteor n& dergegangen. Er fiel auf eine Mühle, die zusam- menstürzte. Der Sturz dieses Meteors war vow Donnergetöse begleitet, das man viele Meilen weit hören konnte. Der Meteor drang 6 Fuß tief in den Erdboden ein. Verletzt wurde n»emand. Mörder gefaßt? Im Norden Berlins wurde Mittwoch der bereits langg-ftuchte Einbrecher Fritz Müller festgenommen, der der Polst«' kürzlich telephonisch seine Absicht zum Selbstmord ankündigte. Wie die Polizei ermittelt hat, gehörte er zum Kreis der Freunde des kürzlich ermordete» Generalagenten Basiert. Er wurde daher sofort der Mordkommission zugeführt. Dort bestritt^Müller aber, von her Mordtat etwas zu wisien. Da seine ziemlich genauen Angaben über seinen BeMeib in der Mordnacht noch nicht völlig nachgeprüft werden konnten» blipb der Einbrecher bis auf tveiteres.zur .Verfügung der Mordkommission. Vom Rundtunk Empfehlenswertes ans den Programmen- Montag: Prag: 18.25 Deutsche Sendung. 19.20 „Dalibor", Oper von Smetana.— Brünn: 20.00 Schallplatten. 21.40 Klavierkonzert.— Berlin: 20.00 „Der Ruft, Dichtung von Hermann Wilhelm» Musik von Knauer.■*— Breslau: 6.35 Symphoniekonzert- 19.30 Kanarienvögel singen.— Mühlacker: 12,00 Konzert.— Hamburg: 11.30 Schloßkonzert Hannover- — Königsberg: 15.50„Der Wotuhu", Märchenhörspiel. 16.30 Unterhaltungskonzert.— Langenberg: 7.05—8.00 Schallplatte«. 20.55 Worüber Böller lachen: Oesterreich.— München: 21.30 Kammermusik.— Wien: 11.30 Konzert. 17.00 Konzert. 22.16 Orchestevkonzert.— Stockholm: 20.00„Die Macht des Schicksals", Oper von Verdi.— Budapest: 19.40 Symphouiekonzert. Dienstag: Prag: 18.25 Deutsche Sendung. 20-50 Streichquartett.— Königswusterhausen: 12.00 Schallplatte».— Berlin: 14.00 Robert Schumann(Schallplatte»). 20.00„Die Operilprobc', Oper von Lortzing- — Breslau: 16.45 Schallplatte». 21.45 Sonate für Klarinette.— Frankfurt-Mühlacker: 19.30 Unterhaltungskonzert. 20.30 Bollstümliches Opernkonzcrl. 22.20 Kammermusik.— Hamburg: 21.10 Von Hä» del-bis Verdi. 22.30 Spät-Konzert.— Königsberg 11.30 Orchestevkonzert. 19.25 Bach-Klavierjuiten." Langenberg: 12.00 Schallplatte». 20.00 Abendkonzett — Leipzig: 12.00 Schallplatten. ,13.15 Zigeuner Wir- len(Schallplatten). 20.00 Robert Schumann-Stund^ 21.50 Unterhaltungskonzert.— München: 21.10 Or> chestevkongert.— Wien: 12.40 Schallplatte»(Maria Nemeth). 20.15 Violoncellovorträge. 20.50 Bunter Abend.- Budapest: 21.30 Klavierkonzert. Sonntag, 11. Dezember 1982 Nr. 292„Sozialdemokrat" REPARATUREN nehmen vir nur bis znm 15. Dezember an. Wir ersuchen daher unsere Kunden, die Schuhe zur Reparatur so bald wie möglich zu bringen. Später gebrachte Schuhe reparieren wir e rst n a ch dem Fest Seite 5 «VS Verhaftung eines Schwerverbrechers dkt Protznitz. In diesen Tagen wurde in Pkeniyslovace bei Protznitz der 21 Jahre alte landwirtschaftliche Arbeiter Heinrich Hrabal, der wegen Raubes verfolgt wird, verhaftet. In diesen Tagen wurde in Premyslovice bei einem Bauer in Bicov bei Prestöjovice beschäftigt. Eines Tages im Monate September kam Hrabal in das G a st h a u s des Franz Bläha, wo in diesem Augenblick nur die Wirtschafterin des Gastwirtes Marie NezvalovL anwesend war. Hrabal zahlte und entfernte sich. Als nach einiger Zeit die NezvalovL auf den Hof hin- aucg'ng, wurde sie von einem maskierten Mann überfallen, der sie mit dem Revolver in der Hand anfforderie, ihm das Geld auszuliefern. Der Wirtschafterin gelang es jedoch, die Tür vor dem Räuber noch rechtzeitig zuzuschlagen und den Riegel vorzuschieben. Sie erkannte in dem maskierten Räuber Hrabal. Die Gendarmerie nahm sofort die Nachforschungen nach dem Täter auf, doch blieb Hrabal verschwunden. Donnerstag, den 8. ds. M. brachte die Gendarmerie in Erfahrung, dah Hrabal nach Premyslovice zurückgekehrt sei. Freitag früh stellte sich beim Hause Hrabals der Stabsgendarmeriewachtmeister Josef Brzobohaty ein und forderte ihn auf, mit iym zur Gendarmeriestation zu kommen. Hrabal zog einen scharf geladenen Revolvbr und gab einige Schüsse auf den Gendarmen ab. Dieser konnte dem Projektil rechtzeitig durch eine schnelle Bewegung ausweichen, so daß die Kugel an seinem Helm vorbeiflog. Der zweite Schuß versagte und der dritte blieb st e ck e n. Der Gendarm stürzt« sich auf den Räuber und es gelang ihm, ihn zu entwaffnen, zu fesseln und dem Kreisgerichte in Konice zu übergeben. Die Polizei stellte fest, daß Hrabal nach dem mißglückten Raubversuch insgeheim die Grenze mit seiner Geliebten Marie KratochvilovL überschritt und nach Oesterreich geflüchtet war. Bor einer Woche gelang es ihnen wieder, die Grenze bei Lundenburg zu überschreiten. Freitag vormittags verhaftete die Gendarmerie auch die KratochvilovL. Bei der Untersuchung in Konice leugnete Hrabal seine Tat. Auch über die Frage, tvas er in Oesterreich getan habe, verweigert« er jede. Auskunft. Die Reichspost erwägt Maßnahmen gegen Raubattentate. Im Anschluß an den jüngsten Geldbriefträgermord in Frankfurt a. M. haben verschieden« westdeutsche Blätter di« Forderung ausgesprochen, im Interesse des gefährdeten Personals die. Geldzustcllung überhaupt abzu schaffen und dir Geldempfänger durch Benachrichtigungszettel aufrufordern, die ankommenden Geldsendungen im Postamt selbst abzuholen. Die Vorfälle der letzten Zeit haben auch das Reichspostministcrium veranlaßt, die Frage der Abschaffung der Geldzustellung erneut zu prüfen. Bevor das Ministerium über diese in das Wirtschaftsleben tief ein- schneidende, joden einzelnen angehende Frag« endgültige Beschlüsse faßt, hat es die Oberpostdirektionen angewiesen, die zuständigen Handels-, Gewerbe- und Jndustrievertretungen zur Stellungnahme aufzufordern und sich auch selbst über di« Abschaffung der Geldzustellung zu äußern. Ohne Rücksicht, ob das-Ergebnis dieser Ermittlungen nach der einen oder anderen Richtung geht, ist nian in den Kreisen der Reichspost und anderer Geldinstitute der Auffassung, daß ein, wirksam« Bekämpfung der hier erwähnten Verbrechen auch dadurch möglich tväre. daß der Ueberrall auf Geldbriefträger, Kaffenboten, Schaltcrbcamte u. ä. mit GeldtranKPort und G-ldausgabe betraute Personen besonders st r e n g b e st r a f t und di« gefällten Urteile rücksichtslos v o l l st r e ck t würden. Die Biersteuer in Amerika. Die„Nassen" begründen ihre Forderung nach Zulassung des Bieres vor allem mit dem Ertrag der Biersteuer, durch die dem Staat an 754.0lXi.000 Dollars zufließen sollen. Die Steuer soll 40 Cents für eine Gallone(d. s. 3.75 Liter), für ein Faß 12.40 Doll, betragen(ein Faß hat 1.18 Hektoliter). Die Steuer betrüge 410 Lö. also wst das Zehnfache unser«: Biersteuer. Die Befürchtung, daß diese Steuer von der Masse der Arbeiter aufgebracht werden muß, deren Familien heute Not leiden, ist durchaus berechtigt, denn schon vor Einführung des Alkoholverbotes wurden 90 Prozent der Alkoholsteuern durch Bierkonsum in den Arbciterkneipen(Salvos) hereingebracht. Karriere einer Idee. Zur Gesäumte des deutsdien fasclsmus. Es war eine dankbare Aufgabe, di« Gc- schicht« der gewaltigen politischen Umschichtung im deutschen Volke, die mit dem Entstehen und der Entwicklung des Nationalsozialismus zusammenfällt, zu schreiben. Konrad Heiden hat sich ihr unter Zugrundelegung eines reichen und zum großen Teil neuen Quellenmaterials unterzogen und hat ein Buch geschrieben(„Geschichte des Nationalsozialismus. Die Karriere einer Idee." Rowohlt-Verlag, Berlin W 50), das zur Zeit als das b«ste und gründlichste seiner Art genannt werden kann. Konrad Heiden ist kein Marxist, womit ein gewisser Mangel des Buches aufgezeigt erscheint, er geht aber ost, vielleicht unbewußt, von marxistischen Gedankengängen aus und er besitzt eine ungewöhnliche Sachkenntnis des äußeren Geschehens wie er auch versteht, ebenso die Tricks wie manche tieferen Ursachen des rapiden Wachstums des deutschen Fascismus aufzudecken. Die Nationalsozialistische Deutsche Arbeiterpartei(NSDAP) beginnt in Deutschland im Jahre 1919, also zur Zeit der ärgsten Wirren und des einsetzenden wirtschaftlichen und geistigen Niederbruchs, ihr selbstänoiges Leben. Der Gründer ist nicht Adolf Hitler, sondern der Werkzeugschlosser A n t o n Drexler, ein Mann mit Viertelbildung, ebenso wie Hitler von antimarxistischem Haß erfüllt, voll naivem Selbstvertrauen und der Neigung, alle Lesefrücht« für reine Erkenntnisse zu halten. Trotz feines^Antimarxis- mus hat Drexler so etwas wie«ine antikapitalistische Gesinnung und er erblickt Deutschlands Rettung vor dem internationalen Großkapital im deutschen Sozialismus, natürlich in jenem, wie er sich in seinem Kopf« malt. Schon von Drexler datiert der Versuch, das national« Interesse mit dem Arbeiterinteresse gleichzusetzen. Im Grunde genommen ist Drexler nichts anderes als ein ergrimmter Kleinbürger, der Repräsentant jener Schichte, die später das Hauptreservöir der Bewegung bildete. Hitler versteht es bald nach seinem Eintritt in die Partei dank sein«r besseren und skrupelloseren Rednergabe, Drexl«r zu verdrängen, sich durch das ihm von General von Epp zur Verfügung gestellte Geld im„Völkischen Beobachter" eine publizistische Tribüne zu.sichern, die nun fortan ausgiebigst zur Verherrlichung und Verhimmelung des Führers ausgenutzt wird. Die Errichtung und der Zusammenbruch der bayrischen Räterepublik schuf für den Aufstieg der Bewegung gute Voraussetzungen, doch was ihr vorerst an Anhängern aus der Mässe des sozial aufgewühlten Volkes zuströmt, sind Intellektuelle, Kleinbürger, Soldaten und Offiziere der Reichswehr. Charakteristisch war damals und ist es geblieben: die Programmlosigkeit der Partei. Wohl hat Hitler mit Feder und Drexler das bekannte Programm der 25 Punkte ausgearbeitet, aber es wurde nie ernst genommen, es ist eine wirre Sammlung von revolutionären und gegenrevolutionären ein starrer Guß hätte auch dem Wesen der Bewegung vollständig widersprochen. Treffend sagt Konrad Heiden von der Zeit, in der sich der Aufstieg des Nationalsozialismus vollzog, es sei in ihr wichtiger gut Haffen als richtig zu denken. Den Lebensweg Hitlers bezeichnet der Verfasser als dunkel, wobei er sich auf dessen Autobiographie stützt, die viel« wenig schmeichelhaften Züge Hitlers vorsichtig, aber eben doch deutlich genug erkennen läßt. Große Rosinen im Kopfe will er an der Wiener Akademie Maler werden,, hat aber keine Begabung und läßt sich, verbummelt, von seiner armen Mutter aushalten. Da er nichts ist, und nichts kann, wird er, als ihn die Not dazu drängt, Gelegenheitsarbeiter, sondert sich aber sorgfältig von seinen Schicksalsgenossen ab, die er im Innersten haßt und verachtet, stets nur von dem Gedanken erfüllt, kein„Proletarier", sondern„Besseres" zu werden. Später wird er Architekturzeichner, im Kriege Soldat, nach dem Kriege soll er gelegentlich davon gesprochen haben, Mitglied der Mehrheitssozialdemokratie zu werden, sicher, wie der Autor sagt, mehr aus Taktik als aus Grundsatz. Politisiert wurde er wie so viele andere erst durch den Krieg. Sein Charakterbild sieht nach Konrad Heiden so aus:„Er ist eitel bis zum Wahnwitz. Eitelkeit an sich ziert und schändet nicht; es kommt darauf an, worauf einer eitel ist.„Was ich sage und tue, gehört der Geschichte an"— dies Wort aus einer früheren Periode seines Aufstiegs steht haarscharf auf der Grenze zwischen schöpferischem Selbstbewußtsein und albernheit... Für öffentliches Auftreten in „staatsmännischer" Haltung hat er sich eine Pose erdacht, di« sichtlich Napeleons gekreuzte Arme ersetzen soll... Sein Antlitz ist für di« Anhänger eine Verlegenheit, für die Gegner eine Schadenfreude. Keine Beschönigung hist darüber hinweg, daß es ein nichtssagendes Gesicht ist.. Der Münchener Rassehygieniker von Gruber hat es als schlechte Rasse erklärt und eingehend begründet... Daß Hitler nicht so aussieht wie die großen Männer auf den Gedenktalern, sagt nichts gegen ihn;, wohl aber, daß er so spricht, wie sie in den Lesebüchern. Wie weit Hitler ein medizinisches Problem ist, ist vorläufig noch ein Geheimnis seiner Aerzte. Wer ihn häufig sah, dem konnten aber die pathologischen Züge nicht entgehen." In elf Kapiteln erzählt das Buch spannend die Geschichte der Partei, von ihren Anfängen ausgehend, von ihren verschiedenen Wandlungen, von den Redekünsten, mit denen Hitler zu brillieren versteht, von seinen Förderern und Geldgebern, vom Münchener Novemberputsch, von der Gründung der SA, von Hitlers Unterführern, von den Intrigen in der Partei und von den Ursachen des Aufstieges der Bewegung. Der erst« Teil des Buches, der sich bis zum Kampf an der Münchener Feldherrnhalle erstreckt, läßt kaum eine Lücke der Darstellung offen, der zweite Teil, insbesondere die letzten zwei Jahre umfassend, bedarf wohl noch mancher Ergänzung. Das zwölfte Kapitel benennt der Autor„Ein Nachruf" und er meint, mit dem 14. September 1930 habe die eigentliche Geschichte der NSDAP ihr Ende gefunden, denn was dann beginne, das sei ein Abschnitt der deutschen Politik, in dem Hitlers Partei die Hauptrolle spielt und dessen Behandlung einem späteren Werke Vorbehalten werden müsse. In den letzten Jahren habe die Bewegung eine Art der Entwicklung genommen, die durchaus nicht in der Absicht Hitlers, des Hitlers der ersten Jahre der Bewegung, gelegen ist:„Wenn er sich jetzt umsah, sah er hinter sich das fahle Heer der Millionen, die viel mehr nach Brot hungerten als nach Freiheit; die Gewinn von ihm haben wollten, mochte es auch der Raub am Nebenmann sein; die von ihm zugleich höhere Zölle und niedrigere Lebensmittelpreise, größer« Renten und kleinere Steuern, bessere Dividenden und bessere Löhne erwarteten. ,.. Die NSDAP war keine Partei der Auserlesenen geworden, sondern des „großen Haufens"... So erheben sich Zweifel, ob dem Nationalsozialismus gelingen werde, was dem Fascismus zunächst gelang: die Bildung eines Regimes, d. h. einer Staatsmacht, die von den bestimmenden Kräften der Nation getragen würdeAuf: ihrem bedenklichen Pfad hat die; Partei sich- schließlich, sä. verstiegen,daß^fi« unbe« dingt zum Mpfel gelangen oher ein-?n tiefen Fall tun muß." Irr Paragraph des Frauenmords. Der Kampf um das Abdreiöungsaeseiz in Dänemark. Kopenhagen, Anfang Dezember.(Eig. Ber.) Seit fünf Jahren dient die sozialdemokrazi- sche Regierung in Dänemark dem Fortschritt. Es ist deshalb kein Zufall, wenn jetzt in diesem Lande daran gegangen wird, das Gesetz gegen die Abtreibung(§ 193 des dänischen Strafgesetzbuches) vom Standpunkt der Menschlichkeit aus zu revidieren. Nach dem alten dänischen Strafgesetz wurde ein« Frau, die ihre Frucht abtrieb, bis zu acht Jahren Strafarbeit verurteilt; dasselbe Strafmaß galt für der Beihilfe schuldigen Personen. Nach dem am 1. Jänner 1933 in Kraft tretenden neuen Strafgesetz ist die Höchststrafe für Abtreibungen Gefängnis bis zu Wei Jahren; bei mildernden Umständen kann aus Freispruch erkannt werden; Wird die Straftat erst zwei Jahre nach ihrer Verübung aufgedeckt, so. erfolgt keine Anklageerhebung. Beihilfe wird mit Gefängnis bis zu acht Jahren.betraft. Es ist dabei zu bedenken, daß Strafarbeit ein« Art verschärfter Gefängnisstrafe ist. Seit längerer Zeit wurde um den dänischen ,,§ 218", eben jenen jetzt so wesentlich geänderten § 193, heftig aestritten. Der Kampf begann damit, daß das Kopenhagener Schöffengericht einige Arbeitslosenfrauen, die gegen das Gesetz verstoßen hatten, freisprach, trotzdem der Beweis der Gesetzübertretung klar erbracht worden war. Auch die Aerzte- wurden freigesprochen. Der Vorsitzende des Schöffengerichts, ein Kopenhagener Sozialdemokrat, sagte in der Begründung:„Das Gesetz ist dazu da, Menschen zu schützen. Dieses Gesetz aber hat mehr Menschen unglücklich gemacht als geschützt. Deshalb können wir nicht mehr auf Grund des§ 193 schuldig sprechen." Andere Gericht« verkündeten ähnliche liberale Urteile. Die Konservativen liefen Sturm gegen diesen„Kulturbolschewismus". Sogar die Kirche wurde in Bewegung gesetzt. Man forderte Abschaffung der Schöffengericht«, weil sie ein Staatsgesetz verleugnet hätten. Ein konservativer Prediger nannte sogar di« Schöffen„Begünstiger des Menschenmordes". Die Kampagne der Konservativen blieb nicht unbeantwortet. Zunächst bildeten Kopenhagener Juristen, Mediziner, Bolkshygieniker und Politiker einen„Kanrpfverband gegen den 8 193". Die dänische Sozialdemokratie nahm regen Anteil im Kampf gegen die kulturelle Reaktion, die gegen die Volksgerichte wütete. In einer Versammlung beantwortete ein bekannter Kopenhagener. Arzt die Angriffe der Kirche. Und in einer anderen Versammlung ergriff der Chefarzt der dänischen Polizei, Dr. Friis-Möller, das Wort für die Ab- schaffung des Abtreibungsgesetzes! Dr. Friis- Äöller nannte das Gesetz ,chen Paragraphen des Frauenmordes". Er legte der Qeffentlichkeit eine furchtbare Statistik vor, die klar bewies, wieviel Opfer dieses Gesetz jährlich allein in Dänemark forderte. Er fragte, warum man das ungeborene Kind schütze, während man das geborne hungern lasse. Wenn di« dänische Regierung nicht für die Arbcitslosenkinder sorgen würde, so könnten sie vor den Augen der Konservativen verhungern Es sei dringende Aufgabe des Staates, die menschliche Gesundheit durch eine Regulierung und staatliche Beaufsichtigung der Abtreibungen zu schützen. Es sei Ausgabe: des Staates, den Bürger vor einem unverständlichen Gesetz zu schützen durch Abschaffung des Gesetzes! Bei allen diesen Versammlungen waren Vertreter der dänischen Regierung zugegen. An den Diskussionen beteiligten sich häufig' sozialdemokratische Minister. Wenn auch durch das neue Strafgesetz dem Willen des' Volkes weitgeheiw Ausdruck gegeben wird, so ist nicht anzunehtnen. daß der soziale Kampf um das Abtreibungsproblem so rasch wieder eingestellt werden wird Volkswirtschaft und Sozialpolitik Sie Sanierung der„Deutschen Bottsbant" in Leitmeritz. Bom Verband der Bank- und Spas» lassenbeamten wird mitgeteilt: Unter dieser Kopfnote erschien in der„Leit- meritzer Zeitung" vom 30. November 1932 eine Notiz, die von der gesamten maßgebenden Press« übernommen wurde und welche einen Bericht über die am 28. November l. I. in Tetschen ab» gehaltene Sitzung des Hauptausschusses des Ein« tegerschutzverbandes der Deutschen Volksbank enthielt. In diesem Berichte wurde u. a. behauptet, „daß dev Bankbetrieb sm letzten Halbjahre mit eineinhalb'Millionen Krotten passiv war und dies keine Ursache in der hohen Regie und dem unkündbaren Beamtenvertrage habe. Da. dieser Bericht den Tatsachen nicht entspricht und den Eindruck erwecken muß, als ob die durch das Moratorium schwer betroffene und in chrer Existenz bedrohte Beamtenschaft für die Lage der Bant kein Verstäirdnis aufgebracht habe, stellen wir als Verband der Bank- und Sparkassenbeamten in der Tschechoslowakischen Republik, der die Beamtender träge mit der Deutschen Bolksbank. abgeschlossen hat, folgendes fest: 1. Zu Beginn des Moratoriums betrug die Gehalteregie insgesamt 1,481.000 X und ist zuni 15. November 1932 auf zirka 835.000 K exklusive sozialer Lasten gesunken. Der Beamtenstan- ist auf 45 Beamte zurückgcgangen.. Allein im Jahre 1932 wurden 15 Beamte pensioniert bezw. abgebaut. Diese Senkung der Regie, die u. a. auch durch Reduzierung der Gesamtbezüge der Beamtenschaft erzielt wurde, kam im Wege von Ver- hanblutwen zustande. 2. Die heutigen Durchschnittsbezügc der Beamtenschaft, die sich in Anbetracht der Lage der Bank in diesem Jahre mit der Stundung des tourlichen Avanceinems einverstanden erklärt« und damit der Bankleitung ein neuerliches Entgegenkommen'bewiesen hat, stehen knapp über 16.000 L jährlich, wobei nicht übersehen werden darf, daß zwei Drittel der Beamtenschaft verheiratet sind. 3. Nm der Bankleitung noch weiter entgegen- zukommen, hat sich die Beamtewchaft bereit erklärt, einer weiteren Senkung der Regie im Wege der Ausschreibung eines freiwilligen Abbaues im Sinne der Dienstpragmatik zuzustimmen, ohne daß die Bankleitung bisher auf diesen Vorschlag cingogangen wäre. 4. Wir halten bei der allgemein tristen Lage der Bank jedwelchen tendenziösen und unwahren Bericht nicht nur der Beamtenschaft wegen, sondern auch der Lage der Bairk halber für schädlich. das Seim des klasienbenmtzlen■ ^Arbeiters gehör! d. Aenkralorgan. I der Deutschen soziatdcmokr..Arbeiterpartei R -»Sozialdemokrat"—> Kötw braucht SäL CiuMssuMtoW£nhü(tataAU£ tose IWstoffe enthält uianoScto wutoirtMichmMuhÄWM-m. Seite« Sonntag, 11. Dezember 1932 Nr. NS PRAÜER ZEITCMO, Kunst und Wissen Der Niesende Holländer. Daß gerade diese, in den letzten Jahren bei unS meiftgefpielte, durch Berschlampung fast schon zum Ueberdruß gewordene Wagner-Oper dringend einer Erneuerung in jeder Hinsicht bedurft«, steht außer Zweifel; und weil dies nunmehr in so interessanter und wirkungsvoller Weise geschah, soll hier nur nebenbei, aber dennoch die Frage aufgeworfen werden, warum dies« Erneuerung nicht vorerst an dem seit Jahren vermißten„L o h« n g r r n" oder doch bei dem ebenfalls längst fälligen„Tannhäuser" unternommen wurde. Sollte man etwa spät zu der Erkenntnis gelangt sein, daß sich unter den verfügbaren„Stars" kein Lohengrin und keine Ortrud, kein Landgraf und kein König Heinrich befindet? Jedoch freuen wir uns vorderhand des neuen, gestern erstaufg«führten„Holländer". Seine szenische Reformation, unter der im Ganzen wie in Einzelheiten stark fühlbaren Regie Renato Mordos und mit fesselnden Bühnenbildern nach den Entwürfen von Trapp(Wiesbaden) gibt der -alten Ballade ein modernes Gewand: gespensti-sch wirkende Projektionen des Hollämdevschiffes, statt der Spinnräder«inen Webstuhl, an dem Frauen nicht mehr in der Tracht von anno dazumal, sondern iu einer unserem Jahrhundert genäherten Kleidung sitzen, wie denn auch di« Matrosen nicht mehr an die brannten'Operngestalten, sondern mehr an Seeleute von heute erinnern. Und di« Senta könnte in ihrem Kleid statt ins Meer direkt ins Kaffeehaus gehen, ohne besonders aufzufallen. Die Entroman- tisierung, di« auf dies« Art erreicht ist, wird einigermaßen wettgemacht durch das vollkommene trag^che Düster, das auch über die Spinnstube ausgcbreitet ist; di« Tragödie ist geblieben, ist vielleicht an sich noch überzeugender geworden, aber die Romantik ist dabei leider zum Teufel gegangen. Wer das nicht bedauert, der wird sich wohl auch damit abfinden, ja es gutheißen, daß ganz harmonisch sich auch das musikalische Bild ähnlich verrückte: Opernchef Szell steigert es, schon in der Ouvertüre, prachtvoll dramatisch, arbeitet übrigens gewisse Einzelheiten liebevollst heraus; aber der balladeske Charakter wird von einem mehr militanten verdrängt. Dennoch bleibt natürlich der„Holländer" auch in dieser Gestalt Geist vom Geiste Wagners, da ja die letzte Entscheidung doch von den Stimmen gefällt wird, wenn so fast durchgängig überzeugend wie in dieser Vorstellung, doch von keiner Regie- und Kapellmeisterkunst aus ihrer natürlichen Linie verdrängt' werden können.(Aber der graziöse, anheimelnde Spinnchor wird nach Text und Musik durch den Wegfall der Spinnräder zum Unding!),. Herr PröhaSka, im Monolog des Holländers zuerst leise enttäuschend, wuchs im zweiten Akt zu leidenvoll erlösungshoffender Größe, plastisch im gesanglichen wie darstellerischen Ausdruck, höchst geschmackvoll und weich beseelt im Bnrl-'g. Frau Helm, deren Senta schon gelegentlich iy Engagementsgastspiels m dieser Partie eingehend besprochen wurde, hatte diesmal einen weit glücklicheren Abend und erzielte, trotz konventioneller Darstellung, durch kulturvollen Gesang und mit leuchtkräftiger Höhe einen starken Erfolg. Sehr stimmschön auch der Erik des Herrn Fischer, der allerdings diese Partie zu wild und impulsiv angeht. Den Steuermann sang frisch Herr H altem er, für die kleine Partie der Mary hatte man ganz unverständlicher Weise Frau Schultz-Dornburg aus Berlin herstrapeziert; auch wenn die erste Altistin auf Urlaub und die zweite krank ist, haben wir ja immer noch eine dritte und vierte Dame dieses Fachs im Hause— welches Theater kann sich das noch leisten?— und jede der beiden Letztgenannten hätte die Sache mindestens ebenso gut gemacht. Und unter Daland von früher, ist trotz aller notwendigen Einwände in jeder Hinsicht respektabler als Herr H ö l z l i n, der Bassist ohne Saft. Besonderes Lob verdienen die Chöre, insbesondere die Damen, die den Refrain zur Ballade ungewöhnlich zart und vornehm brachten. 8. G. Hans Walter Süßkind, Klavierabend, 14. Dezember, 20 Uhr, Produktenbörse. Auf dem Programm: Schumann, Strawinsky, Bartok, Debussy und Erstaufführungen von Mossolov: Sonate op. 11, Mil- haud: Trois Rag-Caprices. Karten in den bekannten Borverkaufsftellen. Wochcnspielplan des Reuen deutschen Theaters. Sonntag, halb 3 Uhr:„Der Biberpelz"(Ar- beitervorstellung); Gastspiel Hansi Riese. — Halb 8 Uhr:„F a l st a f f.“— Montag, halb 8 Uhr, Festvorstellung der deutschdemokratischen Freiheitspartei.— Dienstag, halb 8 Uhr:„Vor Sonnenuntergang."— Mittwoch, halb 8 Uhr: „Der fliegend« Holländer."— Tonners- tag, halb 8 Uhr:„Die drei Musketiere."— Freitag, halb 8 Uhr:„Elisabeth von England."— Samstag, halb 8 Uhr, zum ersten Mal: „Hokuspokus." Wochenspielplan der Kleinen Bühne. Sonntag, 3 Uhr:„Essig und Oel."— 8 Uhr: Gastspiel Hansi Riese„Sturm im Wasserglas."— Montag, 8 Uhr: ,Zch habe«inen Engel geheiratet."— Dienstag, halb 8 Uhr: Ensemblegastspiel Tilla Durieux„Der Schalten."— Mittwoch, 8 Uhr:„Essig und Oel."— Donnerstag, 8 Uhr: Bargeld lacht."— Freitag, halb 8 Uhr:„Ich habe einen Engel geheiratet'(KulturyevbandsfreuNde).— Samstag h Uhr:„Dreimal Offenbach." Ktnverfreunve Prag, Dienstag, den 13. Dezember, 6 Uhr abends im„Sozialdemokrat wichtige Ausschußsitzung. Literatur Joe Lederer:„Bring mich heim". Roman. Universitas, Deutsche Berlags-A.-G., Berlin. Pappe i M. 4.50, Leinen M. 5.50. Joe Lederers Romane I leiteten di« inzwychcn so populär gewordene„Rückkehr zur neuen Herzlichkeit" ein. Roch aber har Nie- mand die Innigkeit und»en Zauber von Joe Lederers Büchern, erreicht. Sie ist die Einz.ge, die in unserer zerrissenen Zeit Kraft und Sammlung für den wahrhaften Roman der Liebe findet. Das beweist auch dieses n«u« Buch. Jeannine ist mit ihrem Freund in Jratien unterwegs: sie genießen die alten schönen Sräore und die herrlich« Landschaft. Sie ist bereit, jeder Lockung des Herzens zu folgen, sich dem Abenteuer hinzugeben. Doch sie ist nicht glücklich dabei; in Wirklichkeit flicht sie vor ihrer Jugendliebe, die sie nicht überwunden hat, und dies« Liore bricht auch wieder mit eleinentarer Kraft durch, als ihr Geliebter ihr endgültig entgleitet. Jetzt aber ist es zu spät, Jeannine«rkenut, daß sic verzichten mutz; in tiefstem Schmerz findet sie di« Kraft zur Entsagung. Und iu diesem Schmerz nimmt sie auch zum erstenmal den Mann ernst, der sie wirklich aufrichtig liebt, der ihr k«in bequemes, genußreiches Loben, aber eine wirkliche Heimat schaffen kann. Sie, die bisher jedem Abenteuer bereitwillig nachjagte, erkennt den Wert einer echten menschlichen Beziehung Die Vagabundin des Herzens findet heim.— Der Zauber und die Gefülhlsstärke, di« bisher den tragischen Untergang von Joe Lederers Frauengestalten so erschütternd machten, kommen in dem glücklichen Ausgang dieses Romanes zur schönsten Entfaltung. Coudenhove-Kalergi: Revolution durch Technik. Paneurolpa-Verlag, Wien—Leipzig—Berlin.— Bei aller Achtung vor dem Verfassrr muß man das Büchlein als einen Fehlgriff bezeichnen. Coudenhove erwartet alles Heil der Menschheit nicht von sozialen Reformen, sondern von der Technik, obwohl gerade heut« bei aller Entwicklung der Technik Millionen von Menschen hungern. Uebcr di« treibenden Kräfte der sozialgeschichtilichen Entwicklung ist sich der Autor nicht klar, seine Verkennung der Frauenfrage ruft Erstaunen hervor. Uober diesen Grundcharakter des Büchleins können geistvolle Bemerkungen und lebhafter Stil nicht hinwegtäufchen. E. St. „Das war das Ende." Von Breft-Litowsk bis Versailles. Von Brnno Bre-hnu--Verlag R. Piper u. Co.;. München. In„Apis und'Este" hat Bruno Brehm ein« temperamentvolle Darstellung ,'en«r Ereignisie und Ursachen gegeben, die den Aus- ' bruch der furchtbaren Katastrophe des Weltkrieges ,ur Folge hatten, in dem vorliegenden Buche schildert er das Ende des Weltkrieges. Die Zeilspann« von den FriedensverharMungen in Breft-Litowfk bis zur Unlerfertignng des Versailler Fricdensdiktats, dieses verhängnisvollen Dokumentes, das über die Welt namenloses Elend und ungeheure Wirren gebracht hat, faßt er in ein« Reihe von Bildern zusammen, in lebensvoller, packender Weise läßt er das Geschehen wie in einem Film vor uns abrollen Der Dichter schreibt nicht eigentliche Geschichte, aber er wahrt di« geschichtliche Treu« trotz aller dichterischen Zutaten. Es ist Geschichte durch ein Temperament gesehen. Manchmal verleitet ihn dieses Temperament dazu, da und dort di« Farben stärker aufzutragen, auch di« geführten Gespräche sind er- dichtet, immerhin w'rd man zugeftehen, daß die handelnden Personen nichts Unwahrscheinliches sagen, daß sie, so wie es berichtet wird, hätten sprechen können und von ein paar Verzeichnungen abgesehen, ist ü«r Wahrheit nirgends Gewalt angetan. Anerkrn- nenstvert ist die tiefe, warme Menschlichkeit, die aus dem Buche zu uns spricht. Eine große Anzahl Per- sonen, darunter Hindenburg, Clemenceau, der Zar, General Hoffman, Joffe, Trotzki. Lenin Churchill, Fache und Wilson werden an der Hand ihres Den- Srsoüslnt pünktlich jeden Freitag mit großem Europaprog ramm Bezugspreis vierteljährl. Kc 18.10 Zu bestellen beim Postamt Funkhörerarhalten eine Probenummer kostenlos Volksfunk-Verlag G.m.b.H. Berlin SW68, Lindenstraße 3 ' kens und Handelns charakterisiert. Mit einem ge- wissen kritffckcu Sinn kann das Buch eine geistige Bereicherung acdenten.—r. Der Streik. Gerade in heutiger Zeit erscheint es besonders wertvoll, die jünger« Generation auf die-ersten Anfänge der deutschen Arbeiterbewegung aufmerksam zu machen. Es ist deshalb zu begrüben, daß die Büchergild« Gutenberg«inen Roman herausgebracht hat—„Ter Streik" von Rudolf Daumann, in Leinen 25 Kß—, der von der ersten Erhebung der oberschlcsischen Bergleute und vom ersten Erwachen der proletarischen Solidarität erzählt. Die Bergleute von ehedem genossen allerhand Privilegien und Freiheiten, sie nannten sich„königliche Bergmänner" und waren stolz auf ihren Stand und ihre Uniform. Der Kapitalismus räum!« mit diesen Vorrechten und diesem Standesbcwußtsein aus und machte aus den privilegierten Aobcitern rechtlose Proletarier. Anfangs begriffen die Bergleute gar nicht recht, daß sie in di« proletarische Schicht hinadgestvßen waren. Erst die immer mehr verschlechterten Löhne, das Antreibersystem und di« damit verbundenen Grubenkatastrophen öffneten ihnen di« Augen. In ihrer Hilfslosig- keii liefen diese Proletarier religiösen Sekten in die Hände, weil dort gegen di« Reichen geweitert und ihnen ein« höllische Vergeltung angedroht wurde. Andere wieder ließen sich von den Hirsch-Dunckerschen Versprechungen an der Rase herumführen, und erst allmählich kamen sie in Berührung mit marxistischen und sozialistischen Ideen. Dieses erste Aufflammen einer proletarischen Rebellion geschah unter romantischen und theatralischen Begleiterscheinungen, aus denen sich allmählich das neue Klasienbewußrsein und«in neuer Kampfwill« herausschälen mußt«. Daumann hat die damaligen Vorgänge genau studiert, und er hat sich auch in die Empfindungen und Eigenschaften der Menschen von damals hineinversenkt. Die führenden Personen dieses Romans wachsen dem Leser schnell ans H«rz, denn er erkennt m ihnen die Vorkämpfer der heutigen proletarischen Bewegung, di« opferbereiten Vorläufer dieser Sache, nm di« heut« wieder mit allen Mitteln gerungen wird. Dieses Buch ersetzt eine weitschweifige Geschichtsdarstellung! Filme in Prager LiAlspleihamern bis einschließlich Donnerstag, den 15. Dezember 1933. Wran-Urania:„Almenrausch." Alfa:„Die Herrin von Atlantis." Berünek:„Hasen der Liebe." Fönix:„Hasenklein kann nicht dafür." Flora:„Hölzerne Kreuze." Gaumont:„Kiki." Hollywood: „Das Millionen-Testament." Hvszda:„D a s s a n— das achte Weltwunder." Julis:„An allem ist die. Liebe schuld." Kapitol:„Der Feind im Blut." „Pariser Kolonialausstellnna." Kmema, V.-Th.: „Aktualit., Reports Groteske." Koruna:„Knall und Fall." Pat und Patachon. Kotva:„Der Liedersan- ger." K. HaSler.' Lurerua:„Ter Liebersänger." Hasler. Metro:„Ter Liedersänger" Hasler. Olympir: „Hasenklein kann nicht dafür." Praha:„Das Mil- liönen-Testament." Radio:„Hafen der Liebe." Skaut: „Das Blaue vom Himmel." Svötozor:„Kiki." Alma: „Der Draufgänger." Avion:„G t l g'i, eine von uns." Baikal:„Jonny stiehlt Europa." Konvikt: .Kantor Ideal." Lido:„Jonny stehlt Europa." Louvre:„Knall und Fall." Hersts«:„Die Blutsau ger." Roxy:„Hölzerne Kreuze" Valdek. „Hölzerne Kreuze." Aeademia:„Frau Lehmanns Töchter." Belvedere:„Der Glöckner von R otre Dam e." Beseda:„Harold— Schuhe— Wolkenkratzer." Carlton:„K riß." Illusion:„Hölzerne Kreuze." Sport:„Zigeuner-Symphonie." Zvon: „Mephisto." •I* (Die gesperrt gedruckten Filme können empfohlen werden.) Bezirksoraanisatien Prag der Deutschen sozialdem. Arbeiterpartei Donnerstag, den 15. Dezember, acht Uhr abends im Gewerkschaftshaus, Bergstein Partek'BerfammlUng Referat des Gen. Dr. Robert Wiener Rach dem Parteitag nie volitische Lage. Die Bezirksvertretung. Aus der Partei Sektion der sozialdemokratisch«» Bankbeamten. Montag, den 12. Dezember, um 18 Uhr im Cafö „Monopol"(gegenüber dem Masaryk-Bahnhof) wichtige Sitzung, zu der das Erscheinen aller Mitglieder erbeten wird. Arbeitsgmieinschaft— Kurs I. Dienstag referiert um 8 Uhr in der„Gec" Genoss« B 8 lina über„G ew e rk scha ft s w es« n". Jugendbewegung. Frei« Vereinigung soz. Akademiker. Mittwoch. 14. Dezember, 8 Uhr im Heim:„Unsere Stellung zum Kommunismus?' Referent Genosse' Dr. R. Wiener. kliae'wnlien der„Urania" Wochenprogramm: Heute, 10 Uhr: Photoausflng. Führung: Dr. Libora. Treffpunkt: Kloster Sirahow. Heute, halb 11 Uhr: Demänova. Kulturfilm. Montag, 8K Uhr:„Demänova", Kulturfilm Tropfstringebilde. Der groß« Dom. Di« Tropfsteinsonne. Tie Schatzkammer ufw. Dienstag, ab 7 Uhr: Uranta-Radiobun». Bastelkurse. Klubabend. Beratungsstelle ufw. Mittwoch, 3 Uhr: Kindernachmittag:„Frau Holl e". Einheitspreis. Kinder 2, Erwachsene 3 lie. Zugunsten unserer Aktion für die Notleidenden im Erzgebirge. Mittwoch, halb 7 Uhr:„Die Kun st des Schenkens" Caroline Schönau. Mittwoch, 8 Uhr:„Erziehungsnotwendigkeiten und Erziehungsschwierig- kerten", Oberlehrer Scholz. 4. Vortrag:.„Unser Kind". Donnerstag, 7 Uhr:„Angewandte Gvaphologre". I. Meloun. Donnerstag, 3 Uhr:„Magie, Astrologie, Alchimie und Aufklärung". Pros. Dr. R- Z i l ch e r t.(statt DienStag, 13.). Donnerstag, 8 Uhr: W a n de rb u ird Kosmos. Ortt Tewrfches Hans Freitag, L Uhr:„Jiuuland, das Land der tausend Seen". Im Bilde, in Dichtung und Melodie. Redakteur I. Reismann. 30 Lichtbilder. Rezitation und Schallplatten. Samstag, 3 Uhr:„Ein arm«s Mädel". Heimischer Tonfilm. Dazu alle Sprachkurse der„Urania-Volkshochschule". Konzert Milstein. Vortrag Dr. Schürer, ermäßigt« Karten. Karten zu allen Veranstaltungen, Mitgliedsanmeldungen und Mitgliedskarten- Enreuerung(Jahreskarte 18, Familien-Zusatzkarte 3 Kc) täglich Urania-Kasse: halb 10, halb 1 und 3 bis 7 Uhr. Telephon 26321. * Wran-Ura«ia-Kino. Das herrlisch« Alpenbild„Almenrausch", Premiere im W r a n-U r a n i a-K i n o. Elga Brink. Ch. Willy Kaiser. Aus dem Gebiet des„Wilden Kaisers". Kleine Preis«: 2—6 Ks. Heute 2, 4, 6, 8H Uhr. DAS BESTE GESCHENK vom Modenhaus WOLF& SCHLEIM Damen- u. Herren-Kleiderstoffe PRAG Seide und Weißwaren. t79ä Ryttfskä 2«. 6et«Ri|tkir. Siegfried T« Ub— Cb rfredatre»» Wilhelm ftttftBtt- Äeranrworilicher Redakteur Dr Earck T11 0■ fc. Prag- Druck„Äota* L S für Zeitung- and Buchdruck Brog— Für de» Druck«erannvurtlich Ott» volik, WMG. Dir Zeituug-markcnfrankaNir«urde von der Poft- o. Delegrophenorrekirou mir Lrlaß Nr!8 8