Mzelprelr 70 Heller. (Emschlietzkrch 5 Hellar Port« Erscheint mtt Ausnahme des Montag täglich früh. «vaiu», u. Denaalwag: vra, ll,«,kü»on«a 1»» Lrleph.! wigs. 31M». Jta«trrtah lad 3t Uj«, SMM*»onf«ttJomi»5734« 12 Jahrgang. Dienstag. 2v Dezember 1932 Rr 299. WnätzrKeitslrsblNött 6er biirMiliedsn I^ioKsv: pguivvncour Ministerpräsident Die Sozialisten lehnen eine Koalition ohne Erlttllunit ihres Programms ab Paris, IS. Dezember. Nach längeren, sehr energisch und umsichtig geführten Berhand- lungen hat der Senator Paul-Boneour, de» der Präsident der Republik nach dem Scheitern der vorhergehenden Versuche(Herriot, EhautempS) mit der Kabinettsbildung betraut hatte, in den Abendstunden des 18. Dezember seine Regierung gebildet. Um 22 Uhr stellte er bereits.die Mitglieder des Kabinetts im Palais Elysäe dem Präsident« Lebrun vor. Das Kabinett Paul-Boneour ist aus einer sraktionsmäßig womöglich noch engeren Basis zustandegekommen als die vorhergegangene Regierung Herriot. Im allgemeine« aber ist die Koalition, aus die Paul-Boneour sich wird stützen können, die gleich« wie die Herriots, was schon daraus hervorgeht, daß unter 2- Ministern und Unterstaatssekretären des neuen Kabinetts 19 aus dem alte» übernommen werde«, davon 15 in den alten.Ressorts. Boneour selbst gibt das Kriegsministerium an Da lad irr ab und übernimmt von Herriot das Präsidium und las Aeußere. Das derzeit wichtigste Restart, die Finanzen, wird Chsron leiten, der als ein guter Finanzfachmann gilt und bereits mehreremalc Finanzminister war. Anch sonst gehören einige bekannte Köpfe dem Kabinett an, so Painlev« und De Monzi«, Sorrent und Ehantemps. Rach den letzten Havas-Meldungen lautet die Ministerlifte: Vorsitz und Außenministerium: Paul-Boneour, unabhängiger Senator; Justiz und Varsitzcndcr-Stcllvertretep: Gar dey, radikaler Senator;/ Finanzen: ts Heron, unabhängiger Senator; Inneres: h a u t e in p s, radikaler Deputierter; Krieg: Da lädier, radikaler Deputierter; Marine: Leon Meher, radikaler Deputierter; Flugwesen: Painlev«, Deputierter, republik. Sozialist; Deffentliche Arbeiten: Georges Bonnet, radikaler Deputierter; Landwirtschaft: Q u e u i l l e, radikaler Deputierter; Pensionen: M i e l l e t, radikaler Deputierter; Arbeit tzpd soziale Fürsorge: Dal im irr,, radikaler Deputierter;.»«t**! Bolkserziehung: D c M o n Z i e, Deputierter, republik. Sozialist; Kolonien:-Albert Sarraut, radikaler Deputierter; Deffetztliches Gesundheitsweisen: Daniela«, Deputierter, republik. Linke; Händel: D u r a n v, radikaler Deputierter; Post, Telegraphen und Telephon: i blikanische Linke. Mik der Sicherheit des großen Talents, das sich in Frankreich noch immer durchzuzet» zen wußte,. geht Paul- B o n c o u r den Weg seiner Karriere. Dieser begabte, energische und geistvolle Advokat reiht sich würdig den erfolgreichsten Politikern der dritten Republik cm. Er ist wie sic alle gerade konsequent genug, innerhalb des Ideenkreises, der radikal demokratischen Politik zu bleiben wie Pri» and und'Ckenlence.au, aber nicht so konsequent, sein Schicksal mit dem einer Partei zu verbinden. Er ist bisher nicht in den Fehler M i l l e ran d s verfallen, der. nicht nur ein Renegat der Partei war, sondern auch sein Programm und seine Ideen völlig ins Gegenteil verkehrt« und seine Vergangenheit verraten hat, er wußte sich aber von Fraktionen, die ihm Fesseln auscrlegten, jeweils im geeigneten Augenblick zu trennen. Dor dem Kriege war.Paul- Boncour bür g tzr- licher Deputierter und als solcher M i n i st e r' für öffentliche Arbeiten. Den Krieg, machte er als Offizier mit. Tas Schlachten um Verdun bekehrte ihn zum Paziffsten und er schloß sich noch im Kriege der sozialistischen Partei an. Wie Herriot, Ivie Painstvä ustd in gewissem Sinne auch Priaich war Paul-Poncchr aber immer ein.Pazifist mit Vorbehalten und seine Bor- behalte hießen alle mir einem Wort; die „S i ch e r h e i t" F r a n k r e i ch s. Dazu kam eine fanatische Begeisterung für die alte demokratische Idee der a l l g e m e inen Wehrpflicht, die Boncour am konsequentesten in den Forderungen Je an Jaurhs zum Ausdruck gebraM sah. So entstand sefn Kom? plex, Frankreich.müsse sich durch ein Wehrgesetz, das die ganze Nation zur Arnwe mach, die Sicherheit verschiffen, die es benötigt, wobei er gerechterweise immer für die Bewilligung desselben Hocrcssystems auch für die Deutschen eintrat. Dieses politisch Bill» eines „Europa in Waffen" widersprach völlig den: Progratnrn der sozialistischen' Partei und' wenn- schott B o N c o u r für seine Koalitiottsbewit- schäft Anhänger in der Partei fand, wie Rena u del und Gr umbach, so stieß er mit seinen militärpolitischen Plänen uitd außenpolitischen Ansichten auf den schärfsten und einmütige» Widerstand der sozialistisch» Par- aurent-Eqnack, Deputierter, repu- tei.- Er vertrat in Genf als Deputierter Frankreichs im Völkerbund eine Politik, die von seiner Partei abgelehnt wurde, ei; war der parlamentarische Berichterstatter füt das Wehrgesetz, das die Partei bekämpfte. Dazu, kam, daß Paul-Boncour, einer der berühmtesten und gefürchtetsten Anwälte Frankreichs, auch als Advokat Geschäfte machte, die det Partei nicht passen konnten, so wenn er die montenegrinisch Prinzessin Milica, die ihren deutschen Heimatstaat auf eine Fürstenabfin- dung klagte, vor den internationalen Gerichten vertrat. Dennoch war dieser Mann der Man- datsnachfolger von Jean Jan-' r e s, deffen Wahlkreis er mit einer der größten und sichersten Mehrheiten behauptet«', den-. noch war er als Redner so beliebt, daß sich die Wahlkreise— wohlgemerkt nicht die Partei- führung, sondern die Vertrauensleute der Parteibewegung in den Kreisen— um ihn als Kandidaten rissen.' Ms Paul-Boncour eigenmächtig in den Senat übersiedelte, wär die Zeit für den Abschied doch gekommen. In aller Höflichkeit teilte Genosse F a u r« ihm mit, daß die Partei mit Bedauern die fraktionellen Beziehungen als gelöst betrachte. Boncours Ehrgeiz und Arbeitseifer brachte ihm bald das erstrebte Portefeuille; er wurde Kriegsminister im Kabinett Herriot. Ms solcher hat er an der Berstän-' digung mit Deutschland, an dem Zustandekommen der Gleichberechtigungsformel in Genf regen Anteil genommen. Nun ist er, über Nacht betraut und in wenigen Stunden mit der gestellten Aufgabe fertig geworden, in krisenhafter Stunde an die Spitze seines Landes getreten. Ob es ihm gelingen wird, den Weg aus der derzeitigen außenpolitischen Isolierung Frankreichs zu finden, zugleich das Budget ins Gleichgewicht zu brmgen und die wachsende Krisennot zu mildern, ist trotz der unbestrittenen Talente des neuen Mannes recht zweifelhaft. Wie immer das Experiment feines Minderhoitskäbinetts endet, er selbst sieht sich wohl noch nicht am. Ende der glänzenden Karriere, die ihm immer vorgesiAvebt hat.'Der Mann mit dom genialen KüNsllec- kopf und dem an- Robespierre erinnernden (Schluß auf Seil« 2) Mit tiefer Bewegung tverden heute Sozia-- listen aller Länder,' wird man überall dort,>vo heißen Herons das Kommen des Sozialismus ersehnt wird, wird man allüberall, wo Proletarier anr Kapitalismus leiden,.die schmerzliche Kunde vernehmen, daß einer der Pioniere des wissenschaftlichen Sozialismus, daß ein Patriarch der sozialistischen Internationale, daß Eduard Bernstein gestorben ist. Mil ihm ist ein Stück Geschichte, der, deutschen'und der internationalen Spzittldchshkra^ß^ sotpegt' dzess' iw. einem lebenden Menschen' verkörpert sÄn* kann, dahingegangen. Hat er doch,'noch Marx.'persönlich gekannt, mit ihm m Lvüdoü oifrig.Verkehr- gepflogen, hat er doch mit Engels einen jahrelangen Briefwechsel geführt, war er doch einer der Wortfüh- rer in der: hitzigen-Kämpfen um die Theorie der Arbeiterklaffenbewegung: eine hfftorjsche Per sönlichkeit, die sich aps der Geschichte des Sozialismus als einer geistigen Bewegung gar nicht tvegdenken läßt. Mag er in manchen seiner Schriften nicht ganz recht behalten haben, mögen die' Entwicklungstendenzen der kapitalistisclten Wirtschaft unbarmherzig über'.einige seiner Theorien hneweggeschritten sein, ja mag er historisch unrecht und sein großer Gegner, Karl Ka u t s k y, recht behalte^ haben— er war ein ganzer Pstmn, ein tapferer Mensch, ein Denker und Kämpfer, ein Mann der Wissenschaft wie. öm Monn der Tat, oin Wahrhoitssuchcr und Künder kommender Zeiten, der mit seiner ganzen Persönlichkeit, mit all den reichen Gaben seines Geistes den Arbeitern gehörte und kein anderes Lebensziel kannte, als der großen, heiligen Sache des Sozialismus zu dienen, am Bc- srerunaskanlps.' des Proiletariots teilztmehmen, seine Persönlichkeft auszukebem im Menftc der Idol der woltbefreienden Sozialdeinokratie. Eduard Bernstrin wurde am 6. Jännec 1850 als der siebente Sprößling eines Lokonw- tivführers iu. Berlin geboren. Er tvar ein schwächliches Kind und er erzählt uns in seiner vor acht Jahren erschienenen Selbstbiographie, daß nurn über ihn(der mehr als 83 Fahre alt' geworden ist) in feiner Jugend so ziemlich einer Meinung war, er habe kaum noch ein oder, zivei Fahre zu leben; als er 17 Jahre alt war, sagte ihm«in Bekannter geradewegs ins. Gesicht: „lKmard, Sie werden keine 20 Jahre alt". Aber in dem schwachen Körper wohnte fest frühester Jugend an ein starker Geist, dessen Ausbildung die Verhältnisse in der FauMie nicht ungünstig waren. Vater und Mutter waren intelligente Menschen, ein Onkel Journalist. Allerdings erlaubten ihm die materiellen Verhältnisse nicht einmal die Mttelschule zw.tbeenden', er wurde Bankbeamter, was er bis: zum Jahre 1878 verUnck.‘ Sein politisches Interesse wurde zum erstenmal erweckt in det Zeit des Preußischen Militärkonflikts 1862, als das liberale Bürgertum soinen.Kampf gegen die Militärvorlägent der preußischen Junker ausnahm. Aber"die' schwächliche Haltung, welche das Preußische Bürgertum gegenüber Bismarck oitmahm und vollends die ^Kapitulation dieses Bürgertums gegenüber dem neudeutfchen Kaiserreich nach dem Kriege von 1870-71 bewirkten Bernsteins Annäherung an die Sozialdemokratie, der er auch 1872, nachdem er Bebel in siner Versammlung sprechen gehört: hatte, beftwat. Kaum war er Partei- ittftglicd, stürzte et sich mit Feuereifer in die Agitation' und trat in Bersammlungen' aus. Freilich war er niemals ein Dollsrcdner.„Richtiger Volksredner" so sagt er von sich selbst,„bin ich freilich nie geworden. Zu eiuem solchen fehlte mir vor allein auf der Tribüne' die imnrc Ruhe und der nur bei solcher mögliche derbe Witz und draftisthe Vergleich. Neben dem Witz fehlte meinen Reden, wemrglcich sie nicht d.» Feuers errtbehrten, doch zumeist aatth der retho- rische Schmuck. Beides suchte ich drttch möglichste Sachlichkeit nmd Geineinverständlichkeit zu ersetzen rmd geh: mehr daraus ans, für Positive Aufgaben zu begeistern, als di: deni Persöisliche»! -ugewanidten. Leidenschaften anzustacheln. Auf diese Weife habe ich trotz jenes Mangels manche agitatorische Erfolge erzielt."- W i f se n schaf tl i ch tvaiidte sich Bernstent zu Beginn der siebziger Jahve deut damals sehr populären. Schristftcllcr Eugen Dühring zu, der.sich als liberalen Sozialisten bezeichnete. Erst unter d.m Einfluß von Friedrich Engels, der in seiner glanzvollen Sckzrift„.Herrn Eugen Dührings llmwälzung der Wissenschaft" den nn- klaren Aitschaimngeu Dührings die Klarheit des wissctrschaftlichen So^ialisnms,. cntgegenhielt, wurde Bernstein Martttst. 1878 wurde er Sckrc- 'tär ein?s jungen sosialiftilchen Privatgelehrtcn, Dr. Karl Höchberg, der eine sozialfftiscki« .HalbmoVatsschxift,.„Die- Zukunft" ins Lehett-jpr- vufett hatte, um bös geistige Leben in der Sozialdemokratie zu fächern und zur. Vertiefung der soMlistischen Theorie beizntrtitznt.j Dieser Höchberg war ein cnißerordentlich aufopferungsvoller Manu. Er nahm sich der sozialdemokratischen Partei, über die dautals das BiSmarcksche Airsnahmegesetz verhängt wochs'n ivar. mit aller Kraft an und gab arm) einen Teil. der Geld- nrittal her, tun der in^Deutschland ihrer'preist beraubten Partei«in Organ im Ausland zu schaffen. Dre Leitung dieses Organs, des 187Ü ftt Zürich gegründeten„Sozialdemokrat", übernahm am 1. Jänner 1Ä1 Eduard Bechrstei». Was er in diesem Organ gelerstet hat, gehört der Geschichte an. Sein ynd einiger weniger anderer Berdienft war es, die deutsche Sozialdemokratie in den schiveren Fahren des Aus- nahmsgesetzes vor ciizem Rückfall in den Anarchismus beivahrt und betvirkt zu haben, d>rß die Partei auf dcü Terror von oben nicht init Attentaten urch Gewalttätigkeiten antwortete, sondern mit der ständig wachsenden Agitation und Aufklärung im Sinne des Marrzismns. Bis 1896, da das Sozialistengesetz auchörte—)888 WmDr Bernstein aus der Schwllz- ausgewieseu und mußte nach London übersiedeln—-h.'hielt Bernstein die Leitung des Blattes und hatte so einen maßgebenden Einfluß auf dtw Denken aller sozialdeinokratischen Bertrauenstnänner. Nach der Einstellung des„Sözialdemokrat" blieb Bernstein weiter in London, er konnte picht nach Deutschland zurückkehrm, weil er Wegen seiner journalistischen Tätigkeit- in der Zett der Ansnahmsgesetze verfolgt worden wäre. So wurde er ständiger Mitarbeiter der von Karl Kautsky geleiteten„Reuett Zeit" ttnd konitte sich iin Britischen Museum, m derselben Bibliothek, in der Karl Marx, durch, mehr-als drei Jahrzehnte studiert hatte, wisseitsck-aftlicher Arbeit widmen. Die Frucht dieser Arbeit war fein Werk„Sozialismus und Demokratie in d r großen englischen Revolution", in der er. die inateriatistische Geschichtsartffassnng auf die cna lische Revolution des 17. Jahrhunderts-aü- Wandte. Meichfalls in dieser Zeit erschürien die gesammelten Werke von Ferdinand Lassalse mft einer biographischen Ernleittmg, die dann später zit einer großen Lebcmsgeschichte des Begründers der deutschen Soziakdenwkralle verarbeitet wttrde. Das Ergebnis dieser Studien aber tvar attch. daß er.tu Gege.nsatz pl führendert Genossen d.-r dentscheu Sozialdemokratie geriet und.zunt Wortführer einer Richtmrg. wurde, die nicht nur iu der deutschen Sozialdemokratie.sondern' auch in anderen Ländern Geltung erlatigtc u>iü eilte internationale Erscheinung wurde. Es war dies der, sogenannte Revisionismus, mit. dem Eduard Bernsteins Name für immer verknüpft ist. - Die Ideen, die Bernsteiu damals vcrküti dcte, hatten ihren Grund m der dantails einst- senden AuffchwungSperwdc des Kapitalismus, Sie von den nemrzigör Jahveu an bis kNiipp vor dem Weltkrieg dauerte. Insbesondere T^tftsck)- Seite 2 Dienstag, 20. Dezember 1032 Nr. 299 land machte einen bedeutenden wirtschaftlichen Aufschwung durch, die Arbeiterlöhne stiegen, die Arbeiterorganisationen wuchsen, die Gewerkschaften errangen immer mehr Einfluß. Unter dem Eindruck dieser Tatsachen veröffentlichte Bernstein im Herbst 1896 in der„Neuen Zeit" eine Reihe von Aufsätzen, in denen er die Ansicht verfocht, daß die Ablösung des Kapitalismus durch den Sozialismus> nicht notwendigerweise in einer Katastrophe erfolgen muffe und daß der Sozialismus rm Wege allmählicher Entwicklung verwirklicht werden könne. Bernstein ging soweit, daß er in diesen Aufsätzen, di« er später(1899) in dem seinerzeit viel gelesenen Buche„Die Voraussetzungen des Sozialismus und die Aufgaben der Sozialdemokratie" zusammenfaßte, das Wort Prägte, das Ziel des Sozialismus svl nichts, die Bewegung alles.(Er selbst hat in seiner Lebensbeschreibung ein Bierteljahrhundert später zugegeben, daß dies« Ausdrucksweis« „schloff" und„ungenau" gewesen sei.) Die Auf- faffungen, die Bernstein da propagierte, zogen ihm. von einem Teil der Parteigenossen di« bef- tigsten Angriff« zu, einige gingen soweit, den Ausschluß Bernsteins aus der Partei zu fordern. Schließlich kam man überein, die ganze Angelegenheit einem Parteitag zu überweisen und in Stuttgart gab es 1898 zum erstenmal« ein« Bernstein-Debatte, an der allerdings Bernstein, der nicht nach Deutschland durste, nicht teilnahm. Insbesondere war es Karl K a u t s k y, der gegen Bernstein Stellung genommen hatte und Bernstein in der„Neuen Zeit" in einigen Aufsätzen antwortete, di« dann gleichfalls in Buchform erschienen sind. Die eigentliche Auseinandersetzung über den Revisionismus fand allerdings erst 1899 auf dem Parteitag in Hanno v e r statt, auf dem volle vier Tage über den Revisionismus gesprochen wurde, wobei August Bebel eine sechsstündig» Rede hielt. Der Parteitag endete mit der Annahme einer von Bebel beantragten Resolution, worin der Meinung Ausdruck gegeben wurde,-daß für die Partei kein Grund vorlrege, ihre Taktik zu ändern u.nd in der jeder Versuch zurückgewiesen wurde,„der darauf hinausgeht, ihre Stellung gegenüber der bestehenden Staats- und Gesellschaftsordnung... zu verschleiern..So war Bernstein mit seinen Auffassungen in der Partei nicht durchgedrungen, die deutsche Sozialdemokratie hielt am Marxismus unverrückbar fest. Allerdings war dadurch Bernstein nicht die Möglichkeit der Betätigung genommen. Als di« Anklage, die gegen Bernstein wegen seiner Tätigkeit in der Zeit des Sozialistengesetzes, erhoben wurde, nicht mehr erneuert wurde, kehrte er Anfang 1901 nach Deutschland zurück, wo er bald eine ausgebreitete Vortrags- und schriftstellerische Tätigkeit entfaltete. Allerdings hörten die wissenschaftlichen Fehden nicht auf, der L ü b e k- k e r Parteitag von 1901 beschäftigte sich wegen einer Schrift„Wie ist wissenschaftlicher Sozia- lisrmlS möglich?" neuerlich mit Bernstein und lehnte abermals— unter dem Einfluß Bebels und KautskhS— Bernsteins Anschauungen mit übetwältigender Mehrheit ab. Das hinderte Bernstein aber durchaus nicht sich politisch zu betätigen. 1902 wurde er im Wahlkreis Breslau zum Mitgliede des Deutschen Reichstages gewählt, was er mit Unterbrechungen bis zum Jahve 1928 blieb. Im Parlament beschäftigte er sich insbesondere mit wirtschaftlichen Fragen aber auch seine wiffenschaftliche Tätigkeit Hortnicht aus. 1906 bis 1908 erschien seine große dreibändige„Geschichte der Berliner Arbeiter- bewegung", er schrieb ein Buch über den „Streik", über die„Arbeiterbewegung" und gab knapp vor dem-Kriege den Briefwechsel von Karl Marx und Friedrich Engels heraus. Auch während des Weltkrieges hörte seine wiffenschaftliche Tätigkeit nicht auf, 1915 veröffentlichte er eine Abhandlung„Die Internationale der Arbeiterklasse und der europäische Krieg", die die Stellung der sozialistischen Parteien in den verschiedenen Ländern gegenüber dem Krieg behandelt. Ferner erschienen im Krieg die Sammelschrift„Sozialdemokratische Völkerpolitik" und schließlich das Buch„Bölker- recht und Völkerpolitik". Politisch geriet Bernstein im Kriege immer weiter nach links. Er. der Begründer des R.wisioniSmns, der einstige Wortführer des rechten Flügels der Partei, näherte ich im Krieg immer inehr seinem großen wis- enschaftlichen Gegner auS der Zeit der Revi- ionistondebatten, Karl Kautsky, und sand den Weg zur„Unabhängigen Sozialdemokratie". Nach der Beendigung des Krieges wurde er Beigeordneter im Reichsschatzamt und Mitglied der Sozia- lisierungskominifsion. Mit diesem Problem befaßte er sich sehr eingehend und schrieb darüber einige Schriften. Inzwischen war er auS der imab hängigen Sozialdemokratie wegen deren Nichtbeteiligung an der Regierung ausgetreten und wurde wilder Mitglied der Mehrheitssozial- demotratie, für di« er auch 1920 wieder in den wird, kein Diener des Kabinetts, sondern sein freiwilliger Bundesgenosse solange und keinen Augenblick darüber, als die Erhaltung des Kabinetts den Interessen der französischen Arbeiter und dem europäischen Frieden nützen wird. I Anschauung, sondern nur aus der Geschichte bekannt ist. Unsere Zeit hat sowohl für den wis- senschrftlichen Sozialismus als auch für die Arbeiterbewegung in der Praxis ganz andere lebenswichtige Probleme aufgeworfen, welche di« Aufmerksamkeit der Theoretiker und Praktiker der Arbeiterbewegung in Anspruch nehmen. An der Leidenschaft, die Wahrheit zu erforschen, wie sie Eduard B.rnstein beseelt hat, an seiner Opferfähigkeit für die Partei, an seiner Treue zur kämpfenden Arbeiterklasse werden auch wir Jüngeren, zur Lösung anderer Schicksalsprobleme der sozialistischen Arbeiterschast Berufenen uns ein Beispiel nehmen können. In der Geschichte des Sozialismus wird er zu den Großen gezählt werden. die litt« schaftsdeprrffion ist, als eine der Hauptursachen der Verbreitung dieser Depreflion bezeichnet werden. Angriff« der sogenannten„Exekutive der öffentlichen Angestellten" auf unser« Reihen. Di« Exekutive benützte di« entstandene Verwirrung vollkommen demagogisch und verteidigt dieselbe unter dem„unpolitischen Mantel" die Interessen der hohen und fascisti- schen Bürokratie, wobei sie direkt gegen die Arbeitslosen, denen sie das Recht auf die Unterstützung abspricht, vorgeht. Wir bedauern es, daß sich auch bestimmt« Kategorien von der Exekutive verleiten ließen, bei denen wir «inen größeren Fernblick und eine größere Solidarität gegenüber der Arbeiterschaft vorausgesetzt hätten. Wenn die französisch« Lehrerschaft korporativ Mitglied der französischen Gewerkschaftszentrale sei« und mit der Arbeiterschaft Hand in Hand gehen kann, dann können wir den Standpunkt der tschechoslowakischen Lehrerschaft beider Nationen nicht begreife«, welche sich dieser selbstverständlichen Pflicht entzieht«no nicht mit der übrigen Arbeiterschast in der gemeinschaftlichen Organisation, für di« Forderung einer gleichmäßigen Teilung der Arbeit und Entlohnung für dieselbe, für alle jene zu kämpfen, di« arbeiten wollen. Deshalb laden wir alle Angestelltenkreise zum gemeinsamen Kamps« und Novellierung des Gehaltsgesetzes 103/28 und der in Betracht kommenden Regierungs-Verordnungen, hinsichtlich der Wiederün- führung der automatischenDorrückung und einer gerechten Distribution der Persönlichen Auslagen, um das Gesetz über die Einführung der Vierzigstundenwoche, Verbot der Ueberzeitarbeit und strengste Ahndung derselben, ein. Die Konferenz appelliert an di« sozialistischen Parteien und deren Parlamentarischen Vertreter, in der weiteren Turchbehandlung der Novelle mit der gleichen Zähigkeit wie bisher bestrebt zu sein, im Sinne unserer Forderungen die Novelle zu verbessern, wobei wir densrlben für di« bisherig« Arbeit unser Vertrauen nen Menschen geschätzt. In dem Bericht heißt es weiter: Die Erhaltung dieser großen Ar«' losenmassen legt den staatlichen Finanzen ungeheure Ästen aus, wobei der Verlust an Löhne« jährlich'ausmacht. Die Arbeitslosen haben nicht ", Sic Möglichkeit, etwas zu verdienen, können also Handlungen ihren Organisationen entgegen- 1 auch nichts ausgeben. Aus diese Weis« muß gebracht haben und verurteilt sie gleichzeitig die Arbeitslosigkeit,» die die direkte Folg« der W Zum Kabinen PauhBoncoir. (Schluß von Seite 1) ProfA des Fanatikers seiner Sache, der jetzt aus dem Kriegsministeviüm in das Palais des Conseils und auf den£luer Altpensionisten eintrat. Die anwesenden Minister folgten mit Jn- lerefle die Darlegungen sämtlicher Redner und nahmen auch beide m längeren Ausführungen ;ur Sache Stellung. Ihre Ausführungen sanden starken Beifall der Konferenz. Di« St«llungnahm« und Beschlüsse hinsicht lich der Behandlung des Gesetzes über die Per sonalsparmaßnahmen wurden in einer Entschlie ßung zusammengefaßt, welche die einsttmmige Annahme der Konferenz fand. Mit Rücksicht aus »en unten wiedergegebenen Inhalt der Entschlie ßung kann in diesem Berichte sicherlich von de» auszugsweisen Wiedergabe der Ausführungen der einzelnen Redner abgesehen werden und sei nur angeführt, daß Genoffe Abg. T a y e r l e mit vol ler Genugtuung feststellen, daß die Staats- und öffentlichen Angestellten die äußerst schwere Lag- der übrigen Angestellten— und Arbeiterschaft zu. würdigen wissen und daß also unsere Ver bände der öffentlichen Angestellten mit den der sogenannten„Exekutive der ösfentlichen Angestell ten" nicht indentifiziert werden können. Nach dem Schlußwort« des Genoffen Nömee und Erläu» terung der Entschließung durch Genoffen Ceeh, konnte Genoffe Hlavaöek die sehr gut ver laufene Konferenz nach fünfstündiger Dauer, mit einem warmen Appell zu weiterer gemeinsamen Arbeit schließen. Die oberwähnte Entschließung hat folgenden Wortlaut: Di« am 18. Dezember 1932 in Prag tagende Reichskonserenz der Verbände der ösfentlichen Angestellten bei der gemeinsamen Landeszentrale „Ockdarovä sdruzeni ceskoslovenske“ und das„Kartell der Verbände der öffentlichen Ange stellten im deutschen Gewerkschaftsbund«" be schlossen folgende Kundgebung: Mit Befriedigung nehmen wtr zur Kennt nis, daß es d«n gemeinsamen Anstrengungen unserem Organisationen und namentlich der ge meinen Landeszentrale bei„Odborovä sdru* zeni ceskoslovenske“ mit der tatkräf tigen Unterstützung der sozialdemo kratische« Parteien und der Regie runggelungen ist, den Antrag des Finanz ministers aus den allgemeinen und linearen 15proz«ntigen Abbau der Gehalte und Pensionen abzuweh ren. Die Konferenz spricht gleichzeitig der ge meinsamen Landeszentrale und den sozialdemo kratische« Parteien für die Verteidigung der Interesse« der Privatangestellt««, welche gemäß der ursprünglichen Gesetzesnovelle in die bean tragt«« Abzüge einbezogen werden sollt««, die Anerkennung auS und quittiert dieselbe, daß es gelungen ist, d«n Grundsatz der Unan tastbarkeit der Kollektivverträge dieser Bediensteten zu schütze«, sie protestiert jedoch dagegen, daß»ich Vie Gehaltsabzüge auch aus die der im 8 212, Äbs. 1, des Gehaltsgesetzes 108/1926 angeführten Angestellten der öffent lich«« Korporation«« und Angestellten bezieh««, j und unseren Dank aussprcchcn. lieber 1 Million Arbeitslose In| Reichstag gewählt wurde, wo er sich abermals »allen. Darunter 240.000 Frauen. AuS Rom wird berichtet: Die Arbeitslosigkeit in Italien überschritt End« November«in« Million und betrug 1,038.757 gegenüber 956.357 End« Oktober. Hievon genossen 296.000«in« Unterstützung. Unter d«n Arbeitslosen befand«« sich 240.931 Frauen. Die größt« Arbeitslosigkeit herrscht in der B a u» und Metallindustrie, di« insgesamt 313.588 Arbeitslos« zählt. SA-Kaserne als Diebsnest. Hagen(Westfalen), 19. Dezember. Wie erst jetzt bekannt wird, ist m der Nacht zum Samstag eine polizeiliche Durchsuchung des SA-HeimeS in Volmarstein vorgenommen worden, da man in Erfahrung gebracht hatte, daß die Jnsaffen des Hermes zahlreiche Diebesfahrten ausgeführt haben. Bet der Durchsuchung wurden vier SA- Leute verhaftet. Bei einem von ihnen wurde eine geladene Mauserpistole vorgefunden. Die Verhafteten legten bereits ein umfassendes Geständnis ab. Sie gaben zwei Einbruchsdiebstähle zu, die sie in der vergangenen Woche verübt haben. Ferner gestanden sie, einen vorgetäuschten Raubübcr» fall auf die Kasse eines Geschäftes geplant zu habe», oer durch ihre Festnahme vereitelt wurde. Die Kassierin war mit den SA-Leuten im Bund«? Auf das Konto der SA-Leute gehen noch zahlreiche kleinere Diebstähle. Das SÄ-Heim wurde sofort aufgelöst. Weiter« Verhaftungen stehen noch bevor. mit wirtschaftlichen Fragen befaßte. Sein größ tes wissenschaftliches Werk nach dem Kriege war seine„Geschichte der deutschen Revolution". Im Reichstag war er bis 1928 tätig, bis ihn sein Alter zwang, sich von der aktiven Politik zu- rückzuziehen. In den letzten Jahren war inner halb der deutschen Sozialdemokratie Bernstein allgemein Gegenstand der Verehrung, alles schätzte in ihm den Patriarchen der deutschen Sozialdemokratie, der sich unvergängliche ge schichtliche Verdienste um di« deutsch« Arbeiter- beweWng erworben hatte. Sein Tod ruft die Erinnerung an eine Epoche der deutschen Arbeiterbewegung wach, die den Jüngeren unter uns nicht aus lebendiger| iiiiiiiiiitiiif)iiitiiiiiiiiiiitiiHiiiiiiiuiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiifiiiiiiiiiiiiiinitiii(iiiiiiiiiiiiiiiiiniiniiiiiifii{tiiiiiiiiiniiniifiiiiiiiitiiniiiiiiiniiniiiiniiiifiiiiiiifii]iiii!iiniiniiiiiiniiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiuiniiiijiriiiiinüin Die Aeichslonfereuz der Verbände der öffmtl'chrn Angestellten zum Regierungsanlrage für das Gesetz über die Ver^onaUparmaßnahme«. Wir anerkennen, daß die staatliche Wirtschaft' aber, daß ihve Durchführung^^ handelt sich ausgeglichen werden muß und daß das Destzit|vor allem um Verstaatlichung der eiMBTimi ch-n schädig,» ch-ru-g-ni sich^», Sauf, tetjmttafcrt bet würde. Wir protestieren jedoch«ntschieden gegen Moralisten von selbst ergeben werde, daß er das Bestreben, das Defizit durch die Herabsetzung aber letzt l«de Bindung ablehnen des Lebensniveaus der Bevölkerung, besonders müsse, um in der Zett wechselnder Situatto- aber durch die Kürzung der Gehalte der Staats-' nen Bewegungsfreiheit zu haben. Die Sozia- nnd öffentlichen Angestellten auszngleiche«, tnso-1 listen stehen, wie Blum sagt, auf dem entwert diese di« Existenzgkundlage nicht erreicht^ngesetzten Standpunkt, sie glauben, daß haben. Wir fordern«ntschieden, daß durch- gerade di« Krise die von ihnen L.7 JA«®Jvorgeschlagenen Maßnahmen stellung einer ordnungsgemäßen't* p, Steuerleistung und besonders, daß die siott fl mach«. S« behalten sich daher hohe« sowie arbeitslose« Einkom-!t hrerse11s BewegungSfret heit men getroffen werden.>vor. Sie werden Boncour nicht ohne Not stür- Di« Konferenz nimmt zur Kenntnis, daß';en, aber auch keine seiner Maßnahmen tole- die gemeinsam« Landeszentrale„Oädorovv rieten, die der Partei grundsätzlich unannehm- sdrnieni ceskoslovenske“ für di« Staats- bar erscheinen sollte. Die französische Bruderangestellten der niederen und mittleren Kate-' Partei verfolgt damit die Politik, mit der sie gorie« eintrat und die Befreiung von den Ab- Jahren hie besten Erfolge erzielt hat und -bwm« x i st««, m i n i m««««ter hoffen, daß sie auch ihrem früheren Mit- 9000 K der Pensionsgrundlage, durchsetzt«. Wir, aeoenüber die stärket bleiben SÄ'? 1 e£ hervorzubeb««, gjg daß die Gewerkschaftszentral« diesen unbestreit baren Erfolg als ungenügend erachtet. Unsere Forderung hinsichtlich des abzugsfrei«« Existenzminimums ist die Penüonsornndlao« von 12.600 K bei Ledigen und 16.200 K bei«er. heirateten. Die progressiven Abzüge von 9001 K bis 14.000 K erachten wir ebenfalls als ungenügend, nachdem die Gehalte, welche den letztgenannten Betrag überschreiten, linear mit einem Vrozentsatze gleich belastet und wir der Anficht sind, daß bei den höheren Bezügen auch ein höheres Abzugsprozent in Betracht kommen könnte. Gleichzeitig protestiere« wir dagegen, daß die Rovelle über die Personalsparmaßnahmen ,,„-,,«,... überflüssig mit Maßnahmen belastet wurde,' zeit als Mittel zur Milderung der Arbeitslosig- welche mit der Frage des Gleichgewichtes des leit. I« dem Bericht wird die derzeitige Zahl der Voranschlages nichts gemein haben. Besonders Arbeitslosen in der ganzen Welt auf 30 Millio- heben wir hervor, daß wir der B e r s ch i e»'—™*■—- a bang der Gleich stellung der Alt-Iweiter: Die Erhaltung'dieser großen ÄrbeitS- pensionisten der IV. Etappe nicht zu-"' stimm en.| Die Konferenz dankt d«n Mitgliedern der viel mehr als vier^Milliarde« Pfund Sterling eigen«» Organisation«« für das Vertrauen, wel- ches diese während der Zeit der schwierigen Ver-{ Das internationale Arbeitsamt für ArbeitsxpVverbiirznn^. London, 19. Dezember.(UR.) Ein als Zirkular an die Regierung«« versandter Bericht des Internat!ouale« Arbeitsamtes behandelt die Frag« der Herabsetzung der Arbeits- PeMhsrat und Amnestiegesetz Berlin, 19. Dezember.(Eigenbericht.) Der Aeltestenrat des Reichstages beschloß heute, morgen nochmals über die Anträge auf sofortige Einberufung des Reichstages zu verhandeln, weil die Einberufttng davon abhängig gemacht werden soll, ob der Reichsrat auf den bayrischen Protest hin sich gegen das kürzlich beschloffen« Amnc- stiegesetz stellt. Sollte der Reichsrat die notwen- i dige Zweidrittelmehrheit für die Ablehnung aufbringen, so würde der Aeltestenrat morgen die sofortige Reichstagseinberufuna beschließen, um diesen Einspruch wieder aufheben zu können. Da die Regrenrng keine Lust hat, bereits jetzt mit dem Reichstag in einen ernsten Konflikt zu .kommen, so macht sie alle Anstrengungen, um die Ländcrvertreter im Reichsrat für die Amnc- | st i e zu gewinnen. Nr. 299• Dienstag, 20. Dezember 1932 Seite 8 »WWlMWNM W Ml Prag, 19. Dezember. Das Abgeordnetenhaus ging heute nachmittag in die Debatte über die Staatsangestelltenvorlage ein, nachdem erst am Vormittag auch der Budgetausschutz sein« Zustimmung zu der vom sozialpolitische» Ausschuß festgelegten Form der Vorlage gegeben hatte. Das Referat erstattete für den sozialpolitischen Ausschuß der slowakische Agrarier Blaiek; für de» Budgetansschutz hatte sich tei« Referent gefunden, so haß der Vorsitzende des Ausschusses Tr. tzerny notgedrungen einspringen mußte. Abg. BlaLek bezeichnete die Borlage als ein Kompromiß zwischen den berechtigten Interessen der Staatsangestellten und der schwierigen Situation der Staatsfinanzen. Es sei allgemein bekannt, daß sich im Budget für 1933 ein ungedeckter Abgang von zweibisbreiMilliar- d e n zeigte, der einerseits durch Streichungen, andererseits durch Schaffung neuer Einnahnren beseitigt werden mutzte. Dabei konnten auch, die Staatsangestellten von Opfern nicht ganz verschont werden; doch hat die Vorlage nur den Charakter einer zeitlich begrenzten Rotstandsvorlage. Auch Dr. 6erny erklärte, daß ohne diese Vorlage die Erzielung de« Gleichgewichts im Staatshaushalt unmöglich sei; sie sei eine unausweichliche Folge des kritischen Standes der Staatsfinan^n und daher würden alle Äoalitionsparteien ohne jedweden Vorbehalt für sie stimmen. Die Debatte wurde von dem slowakischen Bolksparteiler Slusny eröffnet der die Vorlage sogar als verfassungswidrig bezeichnet« und die plötzlich entdeckte Liebe seiner Partei zu den Staatsangestellten in der unglauv- würdigsten Weis« schildert«. Natürlich kam er bei weitem noch nicht an die Staatsangestclltenfremidlichkett heran, die nachher der Kommunist Zapoteeky an den Tag legte. Wie zu erwarten, donnert« Zapoteeky fast ausschließlich gegen die Sozialdemokraten los, dir doch in Wirk lichkeit in den monatelangen Kämpfen innerhalb der Koalition nm die gerechte Anstellung der unausweichlich gewordenen Kürzung für die wzial schwäch, sten Kategorien herausgcschlagen haben, was bei dieser Zusammensetzung der Koalition nur irgendwie möglich war, während die Kommunisten außer mit dem Mundwerk für die Staatsangestellten nicht daS gering st e getan haben. Dabei jonglierte Zapoteeky mit Ziffern in einer Weise herum, daß man sich sachlich mit diesen faustdicken Verdrehungen schon überhaupt nicht mehr befassen kann. Er„errechnet" für die niedersten Kategorien Abzüge von 10-iS.lö. Prozent,.wobei er außer dem erhöhten Pensionsbeitrag natürlich auch dir Weihnachtszulage einrcchnet, mit der ja schon im vorigen Herbst angesichts der Kaffenlag- des Staates kaum ein Staatsangcstellter mehr gerechnet hat, die dann dir Sozialdemokraten für 1981 dann«wer doch noch wenigstens zum Teil für drc niedersten Kategorien gerettet haben. Peters(AWG.) verlangte ein« eigene Erklärung der Regierung zu dieser Vorlage. Auch aus seinen Ausführungen war allenthalb das Bestreben erficht lich, durch seine ostentative Beamtenfreundlichkeit, di« das Bürgertum aber nur dann zu äußern pflegt, wenn es sie nichts kostet, unter den von der Vorlage natürlich nicht entzückten Staatsangestellten Wähler für die AWG. zu gewinnen. Die Aussprache wurde schließlich aus morgen vormittag 9 Uhr vertagt. Lar dem AussdiuDberidit. Im Bericht des sozialpolit. Ausschusses, den der tschechische Agrarier Blase! erstattete, wird u. a. angeführt, daß sich der Ausschuß keineswegs der Tatsache verschloßen habe, daß die Gehälter der Staatsangestellten bei uns durchaus nicht hoch seien; der Ausschuß konnte jedoch an der Tatsache nicht borübergehen, daß der Stand der Staatsfinanzen es unanÄveichlich macht, daß auch die Staatsangestellten zu ihrer Festigung beitragen müßen. Der Bericht geht dann aus di« vorgenommenen Aenderungen, über die wir bereits ausführlich be- \ richtet hüben, näher«in. Hervorznhäben wäre aus dem Ausschußbericht namentlich di« Erläuterung zu 8 H. der den Pensionisten die Ausübung einer Erwerbstätigkeit verbietet, wenn diese den Interessen des Staates widerspricht oder die StandeSWürde verletzt, namentlich wenn der betreffende Pensionist dabei sein« frühere amtlich« Stellung(früher „Beschäftigung") ausnützen(früher:„anwenden") könnt«. Hiezu wird ausdrücklich erklärt, daß dies« Bestimmung sich nicht auf di« Tätigkeit von Pensionisten bezieht, die in BollSgeldanstalten, Gewerkschaf ton oder anderen Jnteressenorgairifationen beschäftigt sind, insoweit st« sich auf«in« solche Tätigkeit beschränkt, di« weder als gegen die Jnter- essen des Staates gerichtet, noch als Verletzung der StandeSWürde zu betrachten ist. * Genosse DemeS Budgetreferent. Der Budgetausschuß des Abgeordnetenhauses hielt Montag abends noch eine Sitzung ab, in der Teplansky über das Budgetprovisorium referierte. Nach kurzer Debatte wurde das Provisorium genehmigt. Dann wurde die Zuteilung der Referate über das ordentliche Budget vorgenommen. Zum Gs- neralreserenten wurde diesmal der tschechische Genoß« Rem«8 gewählt. RemeZ, ein ausgezeichneter Fachmann in dieser schwierigen Materie, galt schon seit langem Äs der einzig«.mögliche Kandidat;, er hat das Referat jedoch erst über lange? Drängen der anderen Koalitionsparteien übernommen. Dann wurden auch noch die Referate über die anderen Budgetkapitel durchwegs an tschechische Koalitionsabgeordnete verteilt. Die umkamplfe Antobusvoriagc. Prag, 19. Dezember. Der Schwerpunkt der politischen Arbeiten des Senates liegt seit Tagen in den Verhandlungen des Siebenerausschußes, der sich mit dem neuen Autobusgesetz befaßt. Die Verhandlungen gestalten sich außerordentlich schwierig, da es fast keinen Paragraphen gibt, zu dem nicht von nationaldemokratischer oder anderer Seite Abänderungsanträgc gestellt würden, die von der Vorlage so gut wie gar nichts übrig lassen. Tie Vorlage hat einen doppelten Zweck: Sie soll durch Besteuerung des privaten Personen- und Lastauwbusverkehrs zur Deckung des Budgetgleichgewichtes ein« ziemlich Hohe Summe herbeischaffen, sie soll aber andererseits auch die Konkurrenzfähigkeit der Eisenbahnen gegenüber dem überhandnehmenden privaten Autobusverkehr wieder Herstellen, indem sie letzteren eine' der steuerlichen Belastung der Eisenbahnen Halbwegs entsprechende Steuer auf- «rlegt. Was von Seite des Fknanzmini-steriums in dieser Hinsicht angeführt wnd, ist keineswegs ohne weiteres zurückzmveifen. Demnach wird der größte Teil der heute schon bestehenden Fahrkartenstruer für Autobusse glatt unterschlagen Während ein staatlicher Autobus rund 13.000 Kronen au Fahrkartensteuer hereiubrmgt, erhält die Staatskasse von einem privaten Autobus im Durchschnit kaum zwei- «mhalbtousend Kronen Di« angebliche Ueberlegen- heit der privaten Konkurrenz über di« staatlichen Autobusse gehr vielfach darauf zurück, daß eben keine Steuern gezahlt.di« Angestellten miserabel bezahlt, der Achtstundentag nicht eingehalten wird, die Versicherung für Haftpflicht wegfällt usw. In den Verhandlungen des Ausschußes stellten sich vor allem die Nationaldcmokraten hinter diese Privilegien der„tüchtigen" Unternehmer. Namentlich die Beratungen über die Steuern(die §8 58 bis 70) mußten heute vollkommen ergebnislos abgebrochen werden. In diesem Stad'um beschäftigten sich am Abcird die politischen und Wirtschaftsminister mit der Sache. Nachher fanden sich als Vertreter der Regierung die Minister BechYNö und Trapl int Siebenerausschuß der Senats ein. Auch der Bud- geisiebenevauSschuß des Abgeordnetenhauses war Yiezu eingeladen worden; er schickte j«doch als Vertreter ledizfiich den Nationaldemokraten H a- daö, dessen Partei an dem Widerstand gegen die Regierungsvorlage ganz besonders beteiligt ist. Hodao wiederholte im wesentlichen di« bereit- bekannten Vorschläge feiner Partei. Dann replizierte in sehr wirkungsvoller Art Minieftr Be- chynö und später Dr. Trapl. Die Regierung beharrt darauf, daß di« Besteuerung des Autobusverkehres annähernd der der Bahnen angeglichen wird, um für beide Teile dieselben Konkur- renzbeüingungen herzustellen. Um 10 Uhr nachts wurde die Sitzung wieder unterbrochen, um den Nationaldemokraten Gelegenheit zu einer neuen internen Beratung zu geben. Im Plenum des Senates hielt heute nachmittags der Vorsitzende dem verstorbenen arart- schen Senator Sablik einen herzlichen Nachruf. Dann erledigte der Senat die drei Vorlagen über die Novellierung des Muster-, Marken- und Erfindungsschutzes, die den letzten internationalen Konventionen angepaßt werden. Außer den Referenten sprach lediglich der deutschen Nationalsozialist Wenzel zum Kapitel Erfinderschutz. Er machte sich dabei im tvescntlichen die Argumentation einer Denkschrift des Reichenberger Erfinder- schutzvcrbandes zu eigen und verlangte die Rückverweisung aller drei Vorlagen an den Ausschuß, was jedoch abgelehnt wurde. Dann wuÄ>e noch das Zusatzprotokoll zum dänischen Handelsvertrag genehmigt, das gewissen grönländischen Fischkonserven Zollbegünstigungen gewährt. Nach Erledigung zweiter Lesungen wurde die Novelle zur Exekutionsordnung mit 24stündiger Frist dem Berfassungsaysschuß zugewiesen. Die nächste Sitzung wurde auf morgen Dienstag 16 Uhr unberaumt. Tagesordnung: Novelle zur Umsatzsteuer, Erhöhung der Bergsteuern, zweit« Lesungen. Keine Remunerationen ffir Staatsangestellte. Wieder ein schöner Schlager weniger! Einige Blätter hatten in der Vorwoche die Nachricht gebracht, daß entgegen den sonst verfolgten Spartendenzen in den Ministerien doch wieder Remunerationen in beträchtlicher Höhe ausbezahlt würden. Im sozialpolitischen Ausschuß sollte sogar der Vertreter des Finanzministeriums dies ausdrücklich zugegeben haben. In der gestrigen Sitzung des Budgctausschusses erklärte jedoch Sektionschkf V l a s a k dezidiert, daß einer der ersten Beschlüße der neuen Regierung die Auszahlung von Remunerationen ausnahmslos untersagte; die betreffenden Budgetposten dürfen nicht verwendet tverden. Dieses Verbot werde auch konsequent durchgcsührt. * Die Meldung von der großen Remuneration hat auch in der deutschen Provinzpress« vielfach Veranlassuiig gegeben, gegen die Sozialdemokraten loszugehen, die derartige Dinge angeblich decken. Hoffentlich werden diese Zeitungen ihren Lesern dieses energische Dementie von Regierungsseite nicht etwa zufällig oder absichtlich unterschlagen! Segen die BerWrznng der Soloatenlöhnung wendet sich sehr scharf das sonntägige„Ccffe Slovo".„Das Ministerium für nationale Verteidigung", so schreibt das Blatt,„wird unliebsam überrascht fein, wenn«S erfährt, daß keine Koalitionspartei mit seiner Ansicht übereinstimmt, und die Mitglieder deS Wehrausschuffes des Abgeordnetenhauses fühlen sich geradezu verletzt, daß der Vertreter des Ministeriums für nationale Verteidigung ihnen gegenüber behauptet hat, daß di« Herabsetzung der Löhne der Antrag des Budgetsiebenerausschußes gewesen wäre, obzwar alle sieben Mitglieder dieses Komitees den Antrag deS Generals P e§ e k auf .Herabsetzung der Löhnung energisch abgelehnt haben. Soweit wir Gelegenheit hatten, mit Mitgliedern des Wehrausschuffes zu sprechen, haben alte das Vorgehen der Militärverwaltung als unzulässig bezeichnet und der Vorsitzende des Wehrausschußes, der nationalsozialistische Abae- odrnete David, hat schon für Dienstag ern« Beratung der der Koalition angehörenden Mitglieder des Ausschußes mit dem Minister für Nationalverteidigung einberufen, in der Minister Bradaö aufgefordert werden wird, über das Vorgehen seiner Beamten und Offiziere Aufklärung zu geben." Das Blatt erzählt dann weiter, daß das Ministerium für nationale Verteidigung die Absicht habe, ein Pauschal von 3 K monatlich für jeden Soldaten ernzuführen, damit er sich davon gewiße Proprietäten kaufen könn«. DaS sei aber nur ein Versprechen. Di« Herabsetzung der Löhnung würde nur 12 Millionen Kronen«inbringen, was für das Gleichgewicht des Staatshaushaltes nichts bedeutet. Die Herabsetzung der Löhnung wär« unsozial und am meisten würden jene Soldaten betroffen werden, die während der Dienstzeit kein anders Einkommen als eben ihre Löhnung haben. Es wird dann wieder dahin führen, daß die Soldaten vor den Kasernen ihr Kommisbrot verkaufen, und sie werden sich nicht einmal sattessen kön««n.„Der Soldat verliert beruflich genug, wenn er 18 oder IS Monate dem Staat dient. Man kann es deshalb nicht zulassen, daß er beim Militär noch körperlich verkiunmert." Ein Klaßenurteil. Freitag verurteilte, wie das Tsch. P.-B. meldet, das Kreisgericht in Chust den kommunistischen Senawr Iwan Lakoto zu 14 Monaten Gefängnis und zum Verlust des Wahlrechtes. Die Verurteilung erfolgte wegen Delikten auf Grund des Gesetzes zum Schutze der Republik, wegen Gewalttätigkeit gegen die Obrigkeit und wegen Aufforderung zum Aufruhr bei den bekannten Ereignissen im Juli 1931 bei den Reguliernngsarbeiten am Flusse Chustioe in Chust, wobei die Polizei von der Waffe Gebrauch machte und einige Arbeiter verwundet würden. Das Gericht verurteilte auch einige Arbeiter, die di« einschreitende Gendarmerie mit Steinen beworfen hätten, zu Gefängnisstrafen von 2 bis 6 Monaten. Lakata, der die Strafe nicht annahm und Berufung anmeldete, verbüßt gegenwärtig im Uöhoroder Gefängnis eine achtmonatige Kerkerstrafe wegen ähnlicher Delikte. „Tribüne“ Nummer 7 V der„IriM»«" ist soeben erschienen und enthält folgende Beiträge: Toni Sender(Berlin): Rach den Wahlen des 6. November. Emil Franzel: Zur Geschichte und zum Wesen des Bolschewismus. Joses Hofbauer: Der Parteitag. Wenzel Jaksch: Donauföderation oder europäische Union? Emil Strauß: Kris« und Mittelstand. L. Goldschmidt: Di« Unantastbarkeit des Men- schentebens. Willi Wanka: Schichalsfrage der Partei. Theodor Hartwig: Oekonomie und Ideologie. Bemerkungen.— Bücherschau. Bestellungen sind zu richten an die Vertrauensleute, Parteisekretäre, Schriftenabteilungen und Volksbuchhandlungen oder direkt an die Verwaltung der Tribüne", Prag IL. Nekazanka 18. Nazi-Dämmerung. Berlin, 19. Dezember.(Eigenbericht.) In der Stadt Ostritz bei Dresden fanden gestern Gemeindewahlen statt. Die Wahlen ergaben für die Sozialdemokratie«inen Stimmenzuwachs von 44 Prozent» für die Kommunisten von 17 Prozent, während die Nationalsozialisten gegenüber der letzten Reichstagswahl mehr als ein Viertel ihrer Stimmen einbützten. Das sinkende SdUU- der„Wed zur nadit." Hitlers Trommel hat ein Loch. Magdeburg, 18. Dezember, Vor Wer 4000 Amtsverwaltern der NSDAP des Gaues llllag- debura-Anhalt sprach heute Adolf Hitler in der Magdeburger Stadtballe. Er meinte, niemals werde er sich und die NSDAP für ein Linsengericht verkaufen. Di« Macht dürfe-er Nationalsozialismus nur dann übernehmen, wenn, er überzeugt sei, daß er sie auch halten könne. Wenn man einmal nach Berlin gehe, dürfe man nicht wieder herausgehen. Hitler erklärte, daß er kein anderes Lebensziel kenne, als daß die Bewegung siege. Wenn irgend einer das Ziel verlasse, so kümmere ihn das nicht. Er we»e bleiben, und wenn das«schiff zugrundegehe.- Goebbels will„rasen Essen, 18. Dezember. In der Amtswaltertagung des Gaues Essen der NÄDAP im Zirkus Hagerweck ergriff auch Göbbels das Wort, der u. a. ausführte, wenn man glaube, daß„die Heroen", die jetzt von der Bewegung fortgingen, berufen sein würden, das nationale deutsche Volk zum zweitenmal zu sammeln, so irr« man sich. Wenn der Nationalsozialismus zusammenbroche, komme der Bolschewismus. Die NSDAP mache keine Politik, um populär zu werden. Auf ihre momentane Unpopularität sei auch die letzte Wahlniederlage, di« er offen zugebe, zurückzuführen. Zum Schluß führte Dr. GöbbeiL noch aus,' daß es in der Zeit des Burgfriedens gelte, die Partei zu überholen, damit' sie am 2. Jänner, wenn der Startschuß ertöne, gleich wieder „in die Arena hineinrasen" könne. Ständiger Dreier-Rat der Belgrad, 19. Dezember. Heute um 19 Uhr wurde über die Konferenz der Kleinen Entente folgendes Kommunique veröffentlicht: * Die Konferenz der Minister des Aeußern der Kleinen Entente fand am 18. und 19i ds. statt. In abgehaltenen vier Sitzungen wurde die allgemeine politische Lage von dem Gesichtspunkte erörtert, wie sie durch die Entwicklung der lausenden Ereignisse die Aufmerksamkeit den ver- antwortlichen Ministern aufzwingt. Die drei Minister des Aeußern konnten neuerlich ihre volle Uebereinstimmung in allen Fragen ohne Ausnahme feststellen, und zwar nicht nur hinsichtlich ihrer Stellungnahme, die im gegenwärtigen Moment erfordert wird, sondern auch hinsichtlich der in der Zukunft zu fassenden Entschlüsse// Bei dieser Gelegenheit bildete das Abrüst u n g s p r o b l e m den Gegenstand eines besonderen Studiums, sowohl bezüglich der bisher erzielten Resultate, als auch bezüglich der bei der Wiederaufnahme der Arbeiten in Genf im Jänner 1933 einzunehmenden Haltung. Ebenso gelangten die drei Minister des Aeußern zu identischen Beschlüssen über das Programm der Ostreparationen, und der Kriegsschulden. Eiitschlossen, die Politik des Friedens und der Freundschaft mit allen Nationen ohne Unterschied, die durch zwölf Jahre mit Erfolg betrieben wurde, auch in Zukunft zu verfolgen, sind die drei Minister des Aeußern der Kleinen Entente zu der Ueberzeu- gung gelangt, daß das allgemeine Interesse in der Gegenwart eine immer engere Aktion der drei Staaten der Kleinen Entente in allen Politischen und wirtschaftlichen Kleinen Entente. Fragen sowie ausdauernde und ununterbrochene Arbeit hinsichtlich der Organisation des Friedens in Mitteleuropa erfordert. Die Minister des Aeußern der Kleinen Entente erachten des weitern, daß es zur erfolgreichen Erzielung ihrer erweiterten Mission notwendig ist, die Organisation der Kleinen Entente den gegenwärtigen Anforderungen entsprechend auszuge st alten. Zu diesem Zweck habe» sie beschlossen, die Organisation der Kleine» Entente durch eine Ergänzung ihrer Statuten zu vervollkommnen. Es wurde ei» aus den drei Minister» des Aeußern zusammengesetzter R a t der Kleine« Entente als ständiges Organ zur Wahrung der Interesse» der drei Staaten geschaffen. Dieser Rat wird regelmäßig wenigstens dreimal im Jahr zusammentreten und die laufenden Fragen der auswärtigen Politik gleichzeitig mit den Fragen erörtern, die im be- sondern die drei Staate« in ihren gegenseitigen Beziehungen interessiere«. Ebenso wird ei« ständiges Sekretariat der Kleine« Entente errichtet, und zwar zur Vorbereitung der Arbeiten des Rates, zur ständigen Verfolgung der Zusammenarbeit der drei Staaten der Kleine» Entente ans politischem und wirtschaftlichem Gebiet sowohl untereinander sowie mit den Staaten von Mitteleuropa sowie zur Bereitstellung des Materials der allgemeinen auswärtige» und Wirtschaftspolitik. Das nächste Zusammentreffen des Rates der Kleinen Entente wird im Feber 1933 in Genf erfolgen. Seite 4 Dienstag, 20. Dezember 1832 Nr. 299 151 VNenfGen erfroren. Größte KStteweAe tn^loröamerita. Paris, 19. Dezember. Tie Blatter melde» aus New?>ork, datz in den Bereinigten Staaten die Welle großer Fröste anhült. In New Jork fällt seit 36 Stunden dichter Schnee. 1 6.000 Arbeitslose sind damit beschäf tigt, den Schnee beiseite zu schaffen. Nach Meldungen aus verschiedenen Teilen der Bereinigten Staaten kamen 151 Personen durch Erfrieren ums Leben. Tagesneuigkeiten Grudemm UM in Z editz. Am Montag ereignete sich um halb 9 Uhr vormittags auf der Fischer-Zeche rn Zied- lich ein schweres Grubenunglück. Ter Bergarbeiter Andreas Mos aus T h e u s s a u wurde durch «in zentnerschwer hereinbrechendes Kohlenstück zu Bode« geschlagen und tonnte erst»ach längeren Bemühungen t o t unter dem Kohlenstück hervorgezogen werden. Sein mit ihm arbeitender Kollege Josef Wachal erlitt eine schwere Fußverletzung, konnte aber in häusliche Pflege übergeben werden.' Ter verunglückte Bergarbeiter Mos war verheiratet und Bater von vier Kind e rn.—. Ein Rekrut Wetzt leinen Gesretten nieder! Kascha», 19. Dezember.(Tsch. P.-B.) In der Kaserne der technischen Rott« des 11. Gebirgsregiments in Bardtzjov schoß der Rekrut Anton Drobniak mit feinem Dienstgewehr den Gefreit en Kreisa in den Kopf. Drobniak stammt aus Bardöjov. Den Militärdienst trat er am 1. Oktober d. I, an. Er ist als gewalttätiger Mensch bekannt. Seinerzeit war er in einer Korrektionsan- st a l t und mußte seither wegen seines Verhaltens «inigemale be st rast werden. Beim Militär war fein unmittelbarer Vorgesetzter Gefreiter Kreisa, der in der letzten Zeit gezwungen war, ihn w i e d e r u m zur B e st r a f u n g anzumelden. Drobniak wollte sich rächen. Am letzten Freitag besucht« der Soldat einig« Gasthäuser und lauerte dann dem Gefreiten Kreisa auf, der von einer Vorstellung im Militärkiuo heimkehreu sollte. Als der Gefreite das Zimmer betrat, wurde er von Drobniak mit den Worten empfangen:„Was denken Sie, Herr Gefreiter, werden wir jetzt miteinander abrechnen?" Zugleich feuerte er gegen ihn aus unmittelbarer Nähe einen Schuß ab. Der schwer verwundete Kreisa wurde in das Krankenhaus in BardLiov gebracht, wo er m i t d e m T o d e ringt. Drobniak wurde verhaftet und in das Militärgefängnis abgeführt. Sollmtenseldltmord. Urhorod, 19. Dezember. Das Tsch. P.-B. meldet:„Samstag nachmittags erschoß sich der Soldat des 19. Infanterieregiments in Mnkaeevo Josef B i n s, der aus Böhmen stammt. In einem hinterlassenen Brief« gibt der Selbstmörder als Motiv seiner Tat.Lebensüberdruß an."— Dieses Motiv ist„glaubhaft." Es soll, dem Vernehmen nach, bei jedem Selbstmörder vorhanden sein. Ludwm Renn in Unter uchung wegen Hochverrats! Berlin, 19. Dezember. Vom Untersuchungsrichter des Reichsgerichts ist gegen den tommuuistischen Schriftsteller Ludwig Renn und de» gleichfalls inhaftierten Erwin Otto eine Untersuchung wegen Vorbereitung zum Hochverrat eröffnet worden. Danach ist Wohl anzunehmen, daß die Renn zur Last gelegten Straftaten nicht unter die vom Reichstag beschlossene Amnestie fallen. Mer des AutomoMlsmus. Aus Kutten berg wird uns geschrieben: Am 16, Dezember abends stieß ein P er son en- automobil, das von dem Kaufmann Alois Poskoöil aus Tschaslau gelenkt wurde, auf einen Wagen des Josef Vesely aus Zbraslav. Durch den Zusaininenstoß wurde der M a s ch i n i st Viktor T o ringer aus Malin getötet. Ulm, 19. Dezember. Ein großer Omnibus, in dem sich 26 Personen aus verschiedenen Ortschaften des Oberamtes Kulm befanden, stieß auf der Fahrt von Langenau nach Blaubeuren auf der Heidenheimer Landstraße geizen einen Baum und stürzte in den Straßengraben. Der Wagen wurde schtver beschädigt, die 26 Jnsaf- sen erlitten zum Teil schwere Verletzungen. Sie wurden in ein Krankenhaus nach Ulni eingeliefert, wo sechs von ihnen noch liegen. Der Führer des Kraftwagens wurde wegen Trunkenheit in Haft genommen. Glatz, 19. Dezember. In der. Rächt zum Montag ereignete sich in der Nähe von Bad Altheide ein folgenschweres Autounglück. Eine Fußballmannschaft, die in Altheide ein Spiel ausgetrogen hatte, fuhr mit einem Lastwagen nach Glotz zurück. Aus noch nicht geklärter Ursache fuhr das mit 18 Personen besetzte Auto gegen einen Baum und wurde schwer beschädigt. Ein Insasse erlitt eine tödliche Kopfverletzung: fünf Insassen wurden schwer, iedoch nicht lebensgefährlich, verletzt. 8m Verdacht, die Gattin ermordet zu haben. Verhaftung eines Beamten in Preloue. Pardubitz, 18. Dezember. Bei Kolin wurde gestern aus der Elbe die 40jährige Marie DuSkovä aus Prelouö aufgefischt. Sie wurde längere Zeit vermißt und sogar durch de« Rundfunk gesucht. Wegen verschiedener verdächtiger Umstände hat nach eingehender Untersuchung di« Gendarmerie in Prelouö den Gatten der Ertrunkenen, den 31jährigen Privatbeamten Emanuel Du8ek aus Prelouö, verhaftet. Knem Stubenmädchen die Rase abgeschuitten. Budapest, 18. D^mber. Der 33jährige Rdaschinenschlosser Kaspar Kovacs geriet heute nachts mit dem 25jährigen Stubenmädchen Elisabeth Jrrhafz in der Honvebgasse im 5. Bezirk in Streit, in dessen Verlauf Kovacs sein Federmesser zog und dem Mädchen di« Ras« vollständig abschnitt. Auf di« Hilferufe der Verletzten eilte Polizei herbei, die den Täter festnahm und das Mädchen ins Spital überführen ließ. Die Kultur des Dritten Reiths Aktion der Wiener Nazis gegen jüdisch« Geschäftsleute. Wien, 18. Dezember. Gruppen der Nationalsozialisten veranstalteten in der Nacht auf gestern Manifestationen auf der Mariahilferstraße und in den umliegenden Gaffen, wobei ste auf die Fensterscheiben und die Firmenschilder jüdischer Geschäfte mit Aetzstoffen Hakenkreuze und judenfeindliche Beschimpfungen, insbesondere die Parole:„Bei Juden nicht kaufen!" aufmalten.. Der so ungefähr hundert Geschäftsleuten zu gefügte Schade wird auf mehr als 50.000 Schilling beziffert. Weil es sich um eine organisierte Mion handelte, fährt« die Polizei am Abend Suchungen in den Bezirkssekretariaten und in anderen, natio- nalsozialistisihen Lokalitäten im 6. und 7. Bezirk durch, bei deüen zwei der Teilnahme an'oer Mion verdächtige Personen verhaftet wurden. Am heutigen„Goldenen Sonntag", als in den Nachmittagsstunden. das Warenhaus Gerngroß, das größte Warenhaus' Wiens, nahezu überfüllt war, stiegen ganz plötzlich gleichzeitig an mehreren Stellen von Tränengas herrührende Gase auf. die vor allem bei Frauen und Kindern die größte Verwirrung, hervorriefen. Alles drängte in allergrößter Aufregung den Ausgängen Lustmord au eiuer Dreijährigen. Borna bei Leipzig, 18. Dezember. In der Näh« von Görnitz bei Borna wurde am Sonntag Morgen di« Leich« des drei Jahre alten Töchterchens eines Arbeiters aus Görnitz von den eigenen Angehörigen aus der an dem Ort vorbeifließenden Pleiße gezogen. Das Kind war am Tag« vorher von zu Hanse fortgelause» und einem Unbekannten in di« Hände Befalle», der ein Sittlichkeitsver» rechen an ihm verübt, das Kind dann erwürgt«nd di« Leich« in di« Pleiße geworfen hatte. Es handelt sich um einen etwa 20 Jahre alten Burschen, der sich bettelnd in der Umgebung von Görnitz hrrumtreibt. Er konnte bisher nicht ergriffen werdkH. Das edle FutzbaWlel- Trier, 19. Dezember. Bei einem Fußballspiel bei Manderscheid in der Eifel stieß am Sonntag ein 22jähriger junger Mann namens Klas aus Oberöfflingen(Kreis Wittlich) mit einem anderen Spieler so unglücklich zusammen, daß Klas beim Sturz das Genick brach und sofort starb. Das Fußballspiel wurde sofort abgebrochen. Gelber Fieber in Peru forderte schon 300 Men chenovler. Lima, 18. Dezember.(Reuter.) Unter indianischen Landwirten im Lares- tal bei Cunra wütet ein« unbekannte Epidemie, wahrscheinlich das gelb« Fieber. Di« Epidemie hat bereits 300 Menschenopfer gefordert. Selbstmord-Epidemie durch Krisenuot Wien, 19. Dezember. In Favoriten hat sich in der Rächt zum Sonntag ein« neue Elendstragödie ereignet. Im Haus« Erlachgasse 79 hat sich ein Ehepaar wegen drückender Notlage mit Leuchtgas vergiftet. Beide Eheleute wurden tot anfgefunde«. Es handelt sich um de« 64 Jahre alten Rentner Brünner und sein« Gattin Agnes. Es wird auch für Millionäre ungemütlich. Mehr als ern Jahrzehnt schmuggelten die Reichen Europas ihr meist unrecht erworbenes Geld in das Land der volltveriigen Valuta, nach der Schweiz. Seit dem Gemetzel in Genf wissen sie, daß es auch in der Eidgenossenschaft hungernde und unzufriedene Arbeiter gibt, die den Kampf gegen die bürgerliche Gesellschaft genau so hartnäckig führen, wie die Arbeiter irgend eines andern Staates. Seit diesen Tagen fürchten sie um ihr Gold und sie schleppen es an eine andere Matte, die zurzeit sicherer zu sein scheint als die Alpenrepublik. So wurden allein in der ersten Woche des Dezember mehr als 36 Millionen Franken an Devisen von der Notenbank angefordert, die den Weg in eine andere Bank eines anderen Staates genommen haben. Vielleicht nach Holland, vielleicht nach Dänemark, jedenfalls aber in ein Land, in dem von Unruhen bisher nichts zu merken ist. Eine schlimme Zeit für die Geldleute, di« mit ihrem Mammon von einem Laich in das andere getrieben werden. Nirgends können sie ihre Beute vor den rechtmäßigen Besitzern in Sicherheit bringen, überall droht ihr das Verhängnis. Ob sie dauernd zu retten sein wird, bezweifeln wir; einmal wird sie an keiner Stelle mehr Aufnahme finden! Zwei Menschen in einem Auto verbrannt. Auf der Strecke M e i ß e n—Rode ran geriet ein .Kraftwagen beim Ueberholen von Radfahrern auf anscheinend vereister Straße ins Schleudern, stürzte um und geriet in Brand. Dabei sind der Oberinspektor Lenke und Direktor Pokorny von der Reichsbahn Dresden verbrannt. zu, so daß nur nrit der größten Mühe eine Panik vermieden werden konnte. Eine Glasscheibe wurde zertrümmert. Eine Frau erlitt unbedeutende Verletzungen. Nachdem die Räume durch die Feuerwehr entlüftet worden waren, konnte der Geschäftsbetrieb nach viertelstündiger Unter- brechung wieder fortgesetzt werden. Im Zusammenhänge init den Vorfällen wurden 32 Personen polizeilich angehalten. * Die Wiener Polizei hat im Braunen Haus eine gründliche Haussuchung vorgenommen, deren Ergebnis nicht bekannt ist. Nachmittags wurde der Führer der Wiener Nazis Stadtrat Frauenfeld zur Polizei vorgeladen. Dort ließ er seine SA-Leute im Stich und erklärte, daß er mit den Urhebern des Anschlages in keiner Beziehung stehe. Es ist aber bereits erwiesen, daß die ganze Aktion vom Br-aunen Haus ausgegan- 8en ist. Tränengasbomben auch in Mainz- Mainz, 19. De^mber. In drei hiesigen Warenhäusern wurden am gestrigen Goldenen Sonntag Tränengasanschläge verübt, die den Geschäftsbetrieb vorübergehend empfindlich störten. Die Kriminalpolizei nahm mehrere Verdächtige fest. Die Nachforschungen sind noch nicht abgc- schlosien. Soldatentod. Am 14. d. M. erlag der Soldat Jmrich Blaho des Artillerie-Reg. Nr. 3 einem tödlichen Unfall. Der Genannte fuhr mit einer Ladung aus dem bei Kamaik gelegenen Palde. Plötzlich scheuten die Pferde, der Wagen kippte um und Blaho erlitt dabei einen Schabe l- brnch, welcher den sofortigen Tod zur Folge hatte. Dei Fall wird weiter untersucht. Odysseus i« Karpathorutzland. Aus Ung- var wird berichtet: Nach 16 Jahren ist der Kriegsgefangene Iwan Koubeü, der im Jahre 1916 in Galizien in Gefangenschaft geriet und nach Sibirien transportiert wurde, wo er bis zum Jahre 1930 in Ale- xantzrowka bei Omst als Knecht bei einem ^deutschen Bauer arbeitete, in seiner Hei- Imatsgemeindc Pasrka im Bezirk Svalava zu- jrückgekehrt. Die genannte Ottschaft Ale- xandrowka ist eine von deutschen Kolonisten und Kriegsgefangenen bewohnte Siedlung. KoubeL hat dann auch noch an verschiedenen anderen Orten gearbeitet, bis er schließlich die Bewilligung erhielt, die Sowjetunion zu vettasscn. In seiner Vatepstadt wurde der Zurückgekehrte von niemandem außer von einem einzigen Nachbarn erkannt. Nach seiner Rückkehr verlieren sein« Gattin und feine Kinder die Witwen- und Waisenrente, von denen sie ihren Unterhalt bestritten. Kouben erklärte deshalb, er wolle sein kleines Besitztum Vom Rundfunk Empfehlenswertes aus ve« Programmen. Mittwoch: Prag: 6.15: Gymnastik. 11: Schallplatte«. 15..30: Tschechische und russische Romanzen und Lieder. 17: Marionettentheater. 18.25: Deutsch« Sendung: Arbeiterin«!: Dr. Walter Lustig: Soziales Recht. 19-20: Kabarett. 20.35: Opcrnarien und Lieder. A: Orchesterkonzert. 22.1»: Tanzmusik.— Brünn: 15.30: Klavierkonzert. 16.10: Orchosterkonzert. 18.25: D« u t« sch« Sendung: Jurdttsch: Reue Bücher.— Preßburg: 12.30: Orchesterkoryert. 2036: Klavierkonzert.— Berlin: 15.35: Flöte und Klavier.— Breslau: 17j5O: Violinmuistk.— Königsberg: 16.30: Orchester!onzert.— Leipzig: 20: Franz Lifzt.— München: 19.36: Abend der Humoristen. gerecht unter feine Kinder Vorteilen und irgendwohin in die weite Welt ziehen. Der ehemalig« Senats-Vizepräsident Trvka gestorben. Ntontag früh verschied in einem Sanatorium in P r a g der ehemalige Vizepräsident des Senates Emanuel B. Tröka. Wie wir erfahren, wurde er Sonntag in seiner Wohnung vom Schlage gerührt und noch abends in das Sanatorium überführt. Das zweit« Zugsunglück in der Schweiz. Wie zu dem Eisenbahnunglück bei Oe r l 11 o n ergänzend berichtet wird, sind dabei der Hei ze r des Personenzuges und zwei Reisende ums Leben gekommen. Die drei Toten sind schweizerischer Staatsangehörigkeit. Schwer verletzt wurde» vier Personen, leicht verletzt 15. Der verunglückte Zug war mit großer Geschwindigkeit auf die allein stehende Dampflokomotive aufaesahren, da offenbar die Einfahrt in den Bahnhof versehentlich frei gegeben war. Der Zusammenprall war so heftig, daß die Koppelung riß und die elektrische Lokomotive des Unglückszuges den Hinteren Teil der Dampflokomotive eindrückte. Bei dem Personenzug bohrte sich ein Wagen dritter Klasse in den Schnellzug. Kurz nach dem Zusammenprall fuhr ein Rangierzug gegen die beiden zur Seite gedrückten Wagen, richtete aber keinen großen Schaden an. Der Führer der alleinstehenden Dampflokomotive konnte im letzten Augenblick abspringen, der Heizer wurde mit dem Fuß eingeklemmt, konnte sich nicht mehr befreien und verbrannte. Das erst« Winteropfer bei uns. Wie uns aus Karlsbad berichtet wird, vergnügte sich in der Nähe des alten Sportplatzes beim Bahnhofe in Altrohlau eine Schar Kinder an einer z^- gefror en en Grube, auf deren Eisfläche sie Steine und Holzer warfen. Da das Eis tragfähig schien, rutscht« nach einem Anläufe der zehnjährige Walter Glaser über di« glatte Fläche, brach aber plötzlich ein. Er versank vor den Augen seiner entsetzten Spielkameraden, die ihm leine Hilfe bringen konnten. Erst nach mehrstündigem Suchen war es möglich, die Leiche des Knaben zu finden und zu bergen. Riesige Unterschlagung. Der Vorstand der Kreiskommunalk ass« in Düren, Matthias Wefang, hat sich bei feiner Auf- sichtsbehörde bezichtsgt, in den letzten Jahren 142.000 Mark unterschlagen zu haben.. In einem Brief an den Lamwat erklärte Wefang, durch verfehlte Spekulation«» zu diesem Schritt veranlaßt worden sein. Der ungetreue Beamte ist verhaftet und dem Amtsgericht zugeführt worden. Billige Weihnachtstelrgrammr. Die Zentral- Teleg r a p he nsta t i on in Prag teilt mit: In der Wcihnachts- und Neujahrszeit, und zwar bis 6. Jänner 1933 können Glückwunschtelegramme zu einem verbilligten Tarif(50 bis 66 Progent Nachlaß) auch ins Ausland gesandt werben. Diese Telegramme dürfen jedoch nur in offenem Text, und zwar in französischer Sprache oder in der Sprache des Aufgabe- byw Bestimmungslandes abgefatzl sein und dürfen nur einen Weih nachts- oder Neujahrsglückwunsch enthalten. Diese Telegramme werden mit dem bezahlenden Dienstzeichen XLT versehen. Ein Scheckfiilfcher. Der 20jährige unterstandslose Kaufmann Alfred G ö r n e r ans Unter-Maxdorf im Bezirk Gablonz in Böhmen wurde wegen Scheckfälschungen von der Wirtschaftspolizei in Wien dem Landesgericht dort erngeliosert. Die Schadenssumme dürft« mehrere tausend Schilling betragen. Ausgabe der Jahreskarten. Di« Staatsbahn- direktio-n in Prag teilt mtt, daß sie die Ausgabe der Jahres» und HalbjahreÄarten vollständig in eigener Regie durchfuhrt. Die Ausgabestelle für diese Karten befindet sich am Masaryk-Bahnhos, erster Stock, über der Restauration 2. Klasse. Eiw gang von der, Hybernska ulice. Gleichzeitig wird bemerkt, daß die Ausgabe der oben genannten Karten so weit eS möglich ist sogleich, eventuell in einigen Stunden erfolgt. Bei besonders zahlreichen Bestellungen erfolgt di« Ausgabe spätestens am nächsten Tage. 142 Minute« Bahnfahrt Berlin-Hamburg. Probefahrt des neuen Schnelltriebwagens- Hamburg, 19. Dezember. Fahrplanmäßig pünktlich um 10 Uhr 22 Minuten traf am Montag vormittag der zu einer ersten Probefahrt auf der Perltn Hamburger Strecke eingesetzte neue Schnelltriebwagen der Berliner Reichsbahn auf dem Hamburger Hauptbahnhos ein. Der neue Schnelltriebwagen wird in Zukunft die Entfernung zwischen der Reichshaupt, stadt und dem großen Hafen Deutschlands in 142 Minuten bewältigen. Zum Empfang des ZugeS hatten sich große Mengen von Schaulustigen ans dem Hamburger Hauptbahnhos eingefunden. Tic an den Schienen-Zeppelin erinnernde schnittig« Form des blaugelben mit Maibachmotoren ausgerüsteten Triebwagens erregte allgemeine Bewunderung. Der Zug wird am Montag nachmittag von Hamburg nach Berlin zurncksahren. Nr. 299 Dienstag, 20. Dezember 1932 Zeit« 5 Ein Denkmal für den Erbauer des Eiffelturmes. Am hundertsten Geburtstage des französischen Ingenieurs Eissel wurde an seinem Haupt-! wen, dem Pariser Eiffelturm(im Hintergrund' sichtbar), eine Büste enthüllt, di« Wir hier wiedergeben. Chauffeur-Mord in Köln. Auf der Landstraße Köln—Frechen wurde der Kraftfahrer Derkum aus Köln erschossen aufgefunden. Die Leiche, die drei Schüsse aufwies, lag etwa 60 Meter von dem Kraftwagen entfernt. Derkum hatte in der vergangenen Nacht mit einem 35 bis 40 Jahre alten Fahrgast, der voin.Hauptbahnhof gckonnnen war, eine Fahrt nach Marsdorf angc- treten. Der Regierungspräsident hat eine Belohnung von 500 Mark für die Ermittlung des Mörders ausgesetzt. Ter bekannte politisch« Schriftsteller Karl Friedrich Rowack ist in der Nacht zum Sonntag in Berlin an Herzschwäche gestorben. Nvwack wurde am 1. Jänner 1882 in Wien geboren, wo er auch das Gymnasium besuchte. Später studierte er an den Universitäten Wien, Heidelberg und Leipzig. Von seinen vorwiegend politischen Schriften sind bekannt„Der Weg zur Katastrophe",»Der Sturz der Mittelniächte" und „Versailles. Zwei Schiffe in Flammen. Im Hafen von Le Havre geriet ein französisches Ta nk- boot, das 1800 Gallons Brennstoff geladen hatte, aus nach unbekannter Ursache in Branh. Das Ferier griff schnell auf einen danebeuliegen-" den Leichter über. Beide Schiffe gelten als verloren. Bei den Löscharbeiten erlitten zwei Personen so schtvere Brandwunden, daß sie im.Krankenhaus starben. Und drei wettere Personen werden vermißt; sie sind anscheinend ertrunken. Ein neuer Flugplatz in Charkow. In Charkow wurde«in neuer Flughafen errichte!, der nach den modernsten, Grundsätzen ausgcstattet ist. Ter Flnghaken besitzt eine große Empfangshalle mit besonderen Räumen für di« Passagier«, Werkstätten für Flugzeugreparaturen und zahlreiche Laboratorien..(Charkow ist ein Kreuzungspunkt wichtiger Fluglinien, wie Moskau—Tiflis und der europäischen Linie, di« nach Persien führt.) Juwelier und Diebin. Beamte der Berliner Kriminalpolizei verhafteten die wegen Taschendiebstahls wiederholt vorbestraft« 36jährige Frau Gertrud Syling. Di« Festgeuommcne har im März dieses Jahres in der Berliner Untergrundbahn«in« junge Schauspielerin ihrer Handtasche beraubt. Tie Tasche enthielt 70V Mark Bargeld und Jmvelen im Werte von etwa 25.000 Mark. Die Nachforschungen der Polizei blieben seinerzeit vergeblich. Die Täterin verriet sich nunmehr, als sie einem Juwelier in Berlin-W«inen der geraubten Brillanten zum Kauf anbot. Der Juwelier empfand einen Gegensatz Mischen der Kostbarkeit des Steines und der Erscheinung der„nur wenig feudal austreteirden" Fremden. Er ließ di« Dame von Polizeibeamten fostnehmen und— sah sich nicht getäuscht. Die Diebin legt« ein Teilgeständnis ab. Das geraubt« Gelb hat sie inzwischen verbraucht. Ein Teil der Jmvelen wird noch gesucht. llat Mussolini gestohlen? Professor Gaetano Salvemini< der augenblicklich an der Universität von Pale»n den Bereinigten Staaten Vorlesungen hält, ist durch einen „Gnadenakt" Mussolinis wieder in den, Besitz feiner Staatsbürgerschaft gelangt, die ihm derselbe Mussolini auf Grund eines Ausnahmegesetzes im Jahre 1926 abgesprochen hatte. Der bekannte Antifascist darf also nunmehr ruhig die italienische Grenze überschreiten, wo ihn die fasci- stischen Gefängnisse brüderlich aufzunehmen bereit sind. Ta ihn amerikanische Blätter als einstigen Intimus von Mussolini bezeichnet haben, stellt Salvemim diesen- Anwurf in einer amerikanischen, Zeitung mit folgenden Worten richtig: Ich bin nie ein Intimus von Mussolini gewesen und Habs den FaseismuS von seinem Ent- stehen an bekämpft. Als ich im Jahre 1920 Abgeordneter war, habe ich gegen Mussolini di« Beschuldigung erhöhen, eine halbe Millian 8ir« gestohlen zu haben. Er fordert« mich darauf züm Duell. 3$ nahm die Forderung an unter der Bedingung, vaß er vorher den Beweis erbrächt«, daß er das Geld nicht unter schlagen habe und ein chrlicher Mensch war. Natürlicherweise hat das Duell nie statdgesunden. Das war die einzige„Intimität", die sch je mir Mussolini gehabt habe. Nach der Veröffentlichung dieses Briefes ist dem Professor Salvemini zu raten, von seiner wiedcrgeschenkten Staatsbürgerschaft nicht allzu ausgiebigen Gebrauch zu machen. Durch ein Gitterfenster betrachtet, ist auch die schönste Heimat nicht mehr schön. Volkswirtsciiaft und Sozialpolitik Bertragsoerhandlunsten in der nordwestbShmifchen Lederindustrie Wie bereits kurz mitgeteilt, kündigten di« Lederiudustriellcn den Lohnteil des Vertrages und forderten einen löprozentigen Lohnabbau. Am 16. Dezember fanden rn Teplitz die ersten Verhandlungen zwecks Neuabschluß eines Vertrages statt. Zu denselben hatte auch der kommunistische Lederarbeiterverband seinen Sekretär Spitz entsendet, trotzdem der Verband kein Vertragskontrahent ist. Da es die Vertreter der freien Gewerkschaften ablehnten, mit den Kommunisten einen gemeinsamen Vertrag abzuschließen, so mußte-Herr Spitz aus Prag das Verhandlungslokal verlassen. Zuvor wollte er ein« lange Erklärung abgeben, er kam' aber nicht dazu, nachdem die Arbeiter keine Lust hatten, sich seine Weisheit anzuhören. Die Vertreter der Lederarbeiter erklärten, daß es der Arbeiterschaft ganz unmöglich sei, einem weiteren Lohnabbau ihre Zustimmung zu geben, nachdem die Berdienstmöglichkeiten ohnehin solche sind, daß die Arbeiter kaum mehr leben können. Sie schlugen eine Vertragsverlängerung aus mindestens drei Monate vor. Hiezu hatten die Vertreter der Unternehmer keine Vollmachten. Die Verhandlungen wurden vertagt und sollen im Monat Immer 1933 wei- tergcfuhrt werden. tags" durch nichts in der Welt zwingen ließe. Obering. Simon versicherte uns immer wieder, daß das Ganze jetzt schon ein wahres„Kinderspiel" sei. Wenn ich mir auch recht gut vorstellen kann, wie außerordentlich beschwerlich und gesahrvoll der e^'te Einstieg in dieses Jahrtausende lang von keines Menschen Fuß betretene Höhlensystem gewesen sein muß, so muß ich doch sagen, daß es für uns Neulinge auch diesmal kein Kinderspiel war. Die KWeuforschmgen in der Mazocha. Sin„Aueflug" in Vie von Prof. Ablolon neuentdeckten Höhlen. Bon Fritz P e r l s e e. Ehe ich darangehe, über meinen„Ausflug" in die neuentdeckten Höhlen in der Mazocha zu erzählen, wird es notwendig sein, ein wenig zurückzugreifen und daran zu erinnern, was im März des Jabres 1929 im Mazochagebiet unternommen wurde. Die Punkwa wurde damals— der„Volksfreund" hat darüber seinerzeit auch ausführlich berichtet— durch Sprengung in ein neues Bett geleitet und das Niveau des Baches um etwa 6 Meter gesenkt. Man grub einen großen Tunnel, in den eine Sperrkchleuse eingebaut wurde, die den Wafserstand der Punkwa zu regulieren hatte. Die Krengung gelang außerordentlich gut, und ich erinnere mich noch des Moments, wo die Punkwa plötzlich ihren früheren Laus verließ und, vorerst ein wenig schüchtern, dann aber um so energischer von ihrem neuen Bett Besitz ergriff. Bon dieser Umleitung der Punkwa versprach sich der bekannte Höhlenforscher Prof. Abjolon und seine Mitarbeiter sehr viel. Nun mußte aber eine Ruhepause in den Forschungsarbeiten eintreten, die diverser Ursachen halber notwendig war. Diese Ereignisse, die damals viel Aufsehen erregten, wurden langsam wieder vergessen, bis vor ungefähr vier Wochen die Oeffentlichkeit von der Nachricht überrascht wurde, daß es Prof. Ab- solon und seinen Mitarbeitern gelungen sei, in der Mazocha neue Höhlen zu entdecken. Mit einem Male war das Interesse für das Mazochagebiet wieder erwacht und trotz der kalten Jahreszeit pilgerten viele Ausflügler zu den Punkwa- höhlcn, ohne allerdings von den Neuentdeckungen vorläufig etwas zu sehen, denn der Zugang zu diesen Höhlen ist noch alles eher, denn ein bequemer Spaziergang. In der vergangenen Woche ersuchte ich, nun Prof. Abkvlon, mir die Besichtigung der Höhlen zu ermöglichen, was in der bereitwilligsten Weise zugesagt wurde. Er selbst war verhindert, dre Führung zu übernehmen, und wies mich daher an seinen langjährigen Mitarbeiter Obering. Simon, der sich auch in liebenswürdigster Weise zur Verfügung stellte. Am vergangenen Sonntag früh fuhr ich mit Obering. Simon und zwei Bekannten ourch die herrliche Winterland- jchaft-— es hatte am Tage vorher ausgiebig geschneit— zur Mazocha. Die herrliche Fahrt wurde nur dadurch ein wenig getrübt, daß unsere einzige Schneekette am Autorad, die sich schon vorher in nicht gerade angenehmer Weise bemerkbar gemacht hatte, plötzlich riß, und wir sie entfernen mußten und dadurch auf der vereisten Straße nur verhältnismäßig langsam vor- wärtskamen. Aber schließlich gelangten wir doch an Ort und Stelle, und nachdem wir uns mit festen Schuhen, Monteuranzügen und Azethlin- laternen entsprechend adjustiert hatten, begaben wir uns unter Führung von Obering. Simon und dem Mitarbeiter Prof. Absolons, S u ch a- n e k, ans Werk. Vorerst wurde die Pumpstation im Wasserdom der«eiten Punkwahöhlc besichtigt. Obgleich Sonntag war. standen die Pumpen in Betrieb, da eben eine Filmaufnahme gemacht wurde. Das Pumpwerk besteht aus zwei Sigmund- Pumpen, die vdm Elektrizitätswerk Blansko betrieben werden. Bon den Pumpen wird der in der Höhle befindliche Teich ausgepumpt, wodurch das Niveau des Wassers um 7-Meter gesenkt wird und die Höhlen trockengelegt werden. Da aber der Teich viel tiefer ist, werden jetzt auch Unterwasferpumpen in Tätigkeit gesetzt werden. Nachdem wir uns von der außerordentlichen Leistungsfähigkeit dieser Pumpen überzeugt hatten, begaben wir uns in die alten Punkwahöhlen, um von dort aus den Mazocha- grund zu erreichen, wo sich der Zugang zu den neuentdcckten Höhlen befindet. Auch wenn man die Schönheiten dieser Hohlen bereits kennt, so ist man doch immer wieder von den prachtvollen Tropfsteingebilden überrascht und kann immer wieder etwas Neues sehen. So wurden wir z. B. auf eine ganz eigenartige und schier unglaubliche Erscheinung aufmerksam gemacht: An den Stellen der Wände, an denen elektrische Glühbirnen anmontiert sind, dort wo es nie vorher Leben gab, bilden sich nun infolge der durch die Glühbirnen erzeugten Wärme zarte, grüne Moose! Durch den Chaösdom, den türkischen Friedhof usw. gelangten wir auf den Grund der Mazocha. Schon hier konnten wir beträchtliche Veränderungen wqhrneMen. Vergeblich suchte ich den einen der beiden Seen, die ich von früheren Ausflügen her kannte. Schutt und Geröll dort! wo früher Wasser war! Auch der zweite See beginnt allmählich zu verschwinden, sein Wasserspiegel senkt sich immer tiefer hinab. Die Schleuse hat hier ihr Werk getan. Etwa 5 Meter über dem Wasserspiegel finden wir einen Höhleneingang vor, rn den wir hineinsehen. Auch hier Geröll, Wasserlöcher und narbige Kalkwände. Und einige Meter tiefer unten das Grundwasser. Unsere Führer versichern uns, daß hier rn der Richtung gegen Sloup zu, noch große Entdeckungen zu erwarten sind. Bis erst die Pumpen ihr Werk vollbracht haben werden und.das Grundwasser verschwunden sein wird, dann werden hier die Forschungsarbeiten in Angriff genommen werden. Am Grund der Mazocha trafen wir auch zwei Arbeiter, die sich, obgleich sie eben aus den Höhlen herauskamen, gleich bereit erklärten, um bei unserem Einstieg behilflich zu sein. Nachdem der Führer Sucha- nek noch geschildert hatte, welch überwältigendes Bild sich den Augen bietet, wenn man nachts aus den Höhlen in den vom Mond überglänzten Mazochagrund kommt, wandten wir uns nach rechts zum Eingang in die sogenannte Erich- Grotte, von wo, aus unser Einstieg in die— wie uns von unseren Führern versichert wurde — vor uns, außer von den Forschern selbst, von keinem anderen Menschen betretenen neuen Höhlen beginnen sollte. Nun wurde es ernst! Daß die. Sache nicht ganz.lcicht und gefahrlos sein wird, darauf deu- teteN^schon die Worte des Führers Suchonek hin, der betonte, daß keinerlei Garantie übernommen werden könne und jeder den Einstieg auf eigene. Gefahr unternehmen müsse. Tie Neugier verdrängte aber jedes andere Gefühl, und, mit Spannung den kommenden Dingen entgegensehend, traten wir unseren Abstieg ms Reich der Finsternis an. Als erster ging— oder vielmehr kroch— Suchanck, dann kamen wir und die Arbeiter, während Obering. Simon den Abschluß bildete. Schon der Beginn unserer „Reise" ließ erkennen, daß die Sache ein wenig beschwerlich werden dürfte. lieber primitive Holzleitern kletterten wir. vorsichtig Fuß um Fuß in die Sprossen stemmend— jedes Abgleiten hätte hier nicht nur die eine Person, sondern alle in die schwerste Gefahr gebracht— in die Tiefe, dorthin, wo die Forscher den Lauf der Punkwa verfolgen und ihr aktives Flußbett zur Gänze finden wollen. Hier wurde es immer wärmer. Während draußen eine Temperatur von minus 9 Grad herrschte, hatten wir hier .plus 8 Grad zu verzeichnen, also ein Temperaturunterschied von 17 Grad! Es ist also kein Wunder, wenn uns die Schweißtropfen von der Stirn liefen, schienen ja selbst die Kalkwände hier zu schwitzen. Unsere Azetylinlateriien beleuchteten überall nasse und schlüpfrige Wände, Geröll, Sand- und Lehmbänke, über die wir, stellenweise am Bäuche kriechend und stellenweise mit Körperverkrümmungen, zu denen ich mich„ober- Nach einem ungefähr 10 Minuten währenden Abstieg gelangten wir zu einem sogenannten„Schwimmsyphon", das ist ein kleiner Teich, der bei der Entdeckung damals von dem Mitarbeiter Prof. Msolons, Jng. DiviLek, bei nur 6 Grad Celsius durchschwommen wurde. Jetzt lag bereits ein Brett über dem Teich, auf dem wir nun, immer nur einer, hinüberturnten. Nun wurde es aber erst recht ungemütlich! Konnten wir früher wenigstens auf halbwegs trockenem Boden dahinkriechen, so mußten wir jetzt ein Meer von Schlamm durchqueren, um schließlich zum aktiven Flußbett der Punkwa zu gelangen. Eine große Wasferarotte bildet den Abschluß dieses neuentdeckton Schachtes, der nur durch mehrere unterirdische Sprengungen frei- geleat werden konnte. Hier machte sich auch die durch dieses Sprengungen veifchlechterte Luft in unangenehmer-Welse HmHbä'r/'so bäß ich mich entschloß, den Rückweg asizutreten,' während die anderen noch einige Kamine erkletterten, die neue Tropfsteinhöhlen beherbergen. In einem dieser Kamine wurden Fledermäüfe angetroffen! Rätselhaft, wie diese Lebewesen in das unterirdische Reich kamen. Auch an diesen Stellen hoffen die Forscher, noch große Entdeckungen machen zu können. Während die anderen noch in den Kaminen umherkletterten, trat ich mit einem Arbeiter den Rückweg an, der mir einige Details über die schwierigen, oft mit Lebensgefahr verbundenen Arbeiten erzählte. Am gefährlichsten waren natürlich die Sprengarbeiten in der Tiefe, die die größte Umsicht erforderten. Diese Arbeiten wur- den meist in achtstündiger Arbeitszeit ausgeführt, ohne daß die Arbeiter während dieser Zeit die Höhlen verließen. Auch ihre Mahlzeiten nahmen sie in den unterirdischen Gewölben ein, in der von den Sprengungen-und den Azetylinlampen verunreinigten dicken Luft. Kein Wunder, daß sich bei allen Beteiligten Kompsschmerzen ein^ stellten, die meist nur durch kalte Umschläge ge- f lindert werden konnten. Und doch wurden diese Arbeiten mit b«- ! wundernswerter Exaktheit und in unglaublich kurzer Zeit durchgeführt. Freude am Werk hat hier Ware Wunder getan. Jeder einzelne, von Prof. AbsoloU angefangen bis zum einfachen Arbeiter, stellte sich voll nnd ganz in den Dienst der Sache, um sie zu erfolgreichem Abschluß zu bringen. Ter Rückweg verging im Gespräch mit meinem Begleiter wesentlich rascher als der Einstieg Ich war mit den Gefahren der Schächte schon weit mehr vertraut und fühlte mich schon viel heimischer. Dennoch war ich froh, als ich wieder das Tageslicht erblickte nnd, wenn auch ein wenig müde, so doch heil und gesund bei der Hütte des Höhlenwarts Suchanek einlangte. Beim warmen Ofen erwartete ich die Rückkehr meiner Gefährten, die auch bald nach mir eintrafen. In der Hütte streiften wit die mit Schlamm und Lehm bedeckten Schuhe und Kleider ab, wuschen im Schnee die Hände und nach kurzem, aber herzlichen Abschied von unseren Führern traten wir die Rückfahrt an,'die uns, die wir noch ganz unter dem Eindruck des eben Erlebten stanoen, rasch verging. Während der Fahrt machte sich auch die Ermüdung bereits ein wenig geltend. Nur Obering. Simon, der übrigens, trotz seiner nicht mehr jungen Jahre, mit bewundernswerter Leichtigkeit in den Höhlen herumgeklettert war, schien es zu bedauern, daß der Ausflug zu Ende war. Am Schlüsse meiner Ausführungen möchte ich noch dem Wunsche Ausdruck verleihen, daß es den kühnen Forschern gelingen möge, ihre Pläne zu verwirklichen und das an Schönheiten so reiche Höhlengebiet der Mazocha zur Gänze zu erschließen. Seite 6 Dienstag, 20. Dezember 1932 Ar. 298 PRAGER ZE1IVNG. „De r G«ist« rzu g".— Montag, nachmittags: ch haste«inen Engel geheiratet'; abends:„Der Geisterzug". „Tolveuer Sonntag." Seit den Tagen des Sokolkongresses sah man so viel Menschen wie äm vergangenen Sonntag nicht mehr In der Stadt Prag. Schon in den Vormi'- tagsstunden durchzogen Menschenströme die Straßen der inneren Stadt, Weihnachseinkäufer, die teils ans den Bororten der Hauptstadt, teils aus der Provinz kamen, um zu kaufen und noch mehr, um zu schauen. Nächmittpgr wurden die Straßen zu schmal, um allen das ungehemmte, Vorwärts ichreiten ZU ermöglichen. An einzelnen Stellen des Wenzelsptätzes"war das Gedränge geradezu lebcns- gefährlich, fmd die Berkehrspolijisten waren um ihr« Aufgabe nicht;>i beneiden. So wie auf den Straßen, so ähnlich war es auch in vielen Geschäften,— allerdings nicht in allen Tic Passage des Bata-Pälais war den ganzen Tag' über verstopft, die Aufzüge vermocht«« die Käufer nicht zu fassen, und hier worin es die Verkäufer und noch mehr di« Berkäuferimlcn, die Oiervcn und Kraft bis zum letzten Rest anspannen mußten, um nicht zu versagen. Ebenso stark war auch der Andrang in den Eiichcirsgcschäft«», obzwar hier jedenfalls mehr besichtigt als gekauft wurde. Reben diesen waren es die Läden, in denen Spielzeug, Kleiderstoffe, Wäsche, Lederwaren verkauft werden, vor denen sich die Massen stauten, aber auch die Parfümerien erfreuten sich rin«? lebhaften Besuches. An diesem einzigen Tage wurde sicher mehr verkauft, als man sonst oft nur„in, Wochen astznsetzen pflegt. Außer dem Absatz in den Kaufhäusern blühte der Straßenhandel. Am Karlsplatz, beim Brückl und an anderen Stellen befanden sich.unzählige Buden, in denen man alle denkbaren Waren feilhielt. Hier wickelte sich das Geschäft etwas lauter stnd vielfach etwas humorvoller ab— wenn man Galgenhumor lustig findet— al« in den rationalisierten Verkaufsräumen der großen Häuser, aber auch hier dürften die Umsätze recht bedeutend gewesen fein- die man am goldenen Sonntag erzielte. Um die Spielzcughändler, deren es ein« ganze Masse gab, drängten sich Haufen von Menschen. Es war aber auch staunenswert, was man hier für zehn Kronen bekam; ein ganzes Mufikalienlager, mit dem eine Musikkapelle für ein paar Stunden ausgerüstet werden kann,— länger wird wohl ein Instrument für einige Heller nicht lebensfähig sein. Zwischen den Bud«» standen di« Letzten der Kaufmanns-- zunft, die Straßeuhändler, deren Warenlager oft rn den Taschen des zerrissenen Rockes untcrgcbracht war. Unter ihnen sehr viel Kinder, von denen einige kaum das schulpflichtige Zllter erreicht haben dürften. Das Bild der Straßen wäre unvollständig gewesen, hätten nicht die Bettler der Großstadt di« Wege umsäumt. Vielleicht war auch ihr Geschäft an diesem Tage besser«ls-sonst. Man sah viel deuilichcr als zu ändern Zeiten das Gesicht unserer Welt/ Man sah»eit ausgebreitet den Reichtum und die Pracht, di« den Menschen zu Gebote steht, sah die pelzbekleideten, mit Paketen behängen«», zufriedenen Gestalten durch di« Straßen ziehen und sah halbverhungerte Elendsgebilde mit heißen Augen vor den großen Auslagen stehen, denen nichts von Schönheit und dem Reichtum der Welt bleibt, als di« unstillbare Sehnsucht nach einem kleinen Anteil an ihm. Sah den grauen Zug der Krüppel und. der Ausgestoßenen, di« die Hände emporstreckten, damit auch sie den Brosamen empfangen, der aus der Schüssel des Reichen fallen soll. Sie bekamen ihn jedoch meist von denen, die auf der Vorstufe zum Bettlertum sind.— den Arbeitern und den Angestellten, sti« weit>n«hr Gefühl für Armut, und Rot habrn, als di« Uebersättigtcn. Alles war an diesem Tage da, nur eines fehlte ihm; ein anderer Titel, er müßte heißen: der Sonntag»er Satten. Geriditssaal Mit der Schere gegen den Geliebten. Das End« d«s Zusammenlebens. Prag, IS. Dezemder. Wegen schwcrer Kör- perverletzung war heut« di« 88jährige Ludmilla V. vor dem Senat d«S OGR. 8 u d o m a angeklagt. Diese Tat setzte den Schlußpunk! unter ein Zusamnrenleben, welches für beide Teile zu einer Wahren Hölle auf Erden geworden war. Di« Frau, die weit älter aussieht als sie ist und deren Aeußeves verrät, daß ji« keinen leichte» Existenzkampf auszufechten hat, hatt« vor zwei Jahren di« Bekanntschaft eines ukrainischen Emigranten Maxim H. gemacht und mit ilM seither in gemeinsamer» Haushalt gelebt. Di« Lebensgemeinschaft wurde indessen nach kurzer Zeit sehr unglücklich. Di« unansehnkiche und veriblühte Frau konnte den Mann um so weniger fesseln, als-sie ihm ständig durch Eifersuchtsszene» das Leben verleidet«. Außerdem war«s den beiden nicht leicht, ihr materielles Auslangen zu fin> den. Der Emigrant, der sich als Schriftsteller bezeichnet, soll sich bereits früher bei den häufigen Auseinandersetzungen t o h und gewalttätig gegen die Angeklagte benommen habe». Im Spätsonnner ,d. I. kam es einer Abends zu einem besonders heftigen Auftritt, der damit cnVeite, daß Ludmilla V. eine Schere«rgriff und sie ihrem Geliebten dreimal hintereinander in dl« Brust st i e ß. Die Verletzungen waren schwer; rnsbesondere d«r letzt« Stich hatte die Lunge verletzt, so daß der Verwundete lang« Zeit im Spital Herdringen mußte. Bei der heutigen Verhandlung bekannt« sich di« Angeklagte zu der Tat, verteidigt« sich jedoch mit Notwehr, da der Verletzte im Verlauf des heftigen Streites aus sie loSgeschläge n Hade,, und zwar besonders gegen Kopf und Gesicht/ Der Hauptzeuge hielt sich bei seiner Aussage sehr zurück. DaS töricht erachtete also di« Verantwortung der Angel tagten als glaubwürdig und sprach fr« frei..Si« verließ Hastig, und ohne ihren ehemaligen Freund anzusehen, den Gerichtssaal. rd. UngewShnttches Glück eines Wotznungsdiebes. In ztvei Monate» an 60.000 K Beut«. Prag, 19. Dezember. Karl ZSzvorka hak sich ganz auf Wohnungsdiebstahl spezialisiert, einer riskanten und nicht immer rentablen Diebsbranche. Er hat dabei«in ganz-außerordentliches Glück gehabt. I». den Monaten September-Oktober iolgten sein« Unt«rnehznung1(7:1). Eishockey. Prag: LTC. gegen Oxford Univtzr- sity am^Samstag 5:2 und Sonntag 1:0.— G ab- l o it ji Eislausverein gegen Gauteam Prag 3:3.— Eger: DEHG. Nürnberg gegen Eislaufverein 4:1. — Paris: Ein französisches Auswahlteam(bei dem aber fünf in Paris lebende Kanadier mitspielstn) >'chlug Edmonton Superiors(Kanada) 3:0(0:0, '3:0, 0:0); das Spiel war reich an Tumulten.— Kattowitz: Polnisch-Oberschlesien geg. Preußisch- Oberschlesien 4:1. Neuer Frauru-Weltrekord im Brustschwimm«». In A m st.e r d a m verbesserte. die holländische Schwimmerin Frl. Kastejn im 400 Meter-Brustschwimmen ihren im April mtt 6:38.4 Min. ausgestellten Weltrekord auf 6:31.4 Min. Der Film Liebe auf den ersten Ton Man hat dieses Sujet als Kammermusik schon im stummen Film geschen; mit Henny Porten, die bedeutend sympathischer, einfacher und natürlicher war als ihr« redende Rivalin Lee Perry; damals war es überhaupt noch gut, da mußte der Tenor(Carl I ö ck e») noch nicht singen und die kleine Waldmüller nicht in Bild und Ton neckisch sein. Hier geht es um eine nette, kleine Fürstin, dis natürlich Adele Äandrock als Wauwautänte hat, die sich soooo ist den Tenor verliebt: der hat aber Frau und Kind, also heiratet sie den Prinzen, den uns Johannes Riemann ganz sympathisch hinlegt. Der Film könnte etwas Satire geben, könnte Menschen von Fleisch und Blut zeigen, die sich aber dann über ihre Filmsorgen lustig machen müßten. Daß dem nicht so ist, muß der Grund dafür sein, daß dieser Film, vou Karl Fröhlich gedreht, keinen Anklang findet. Fürsten können sehr schön sein: aber wir glauben nicht recht daran, daß sie allein Sie Abreise der Haidaer Ander findet heute, Dienstag, mittag statt. Die Kinder treffen am Wilsonbahnhos um viertel 2 Uhr mittag im Wartesaal zweiter Klasse zusammen. Bezirksvereinigung Ardcitcrfürsorge Prag. unsre Sehnsucht darstellen; Frauen mögen un- widerstohlich sein, aber das allein kann uns nicht überzeugen, wenn wir ihre Darstellerinnen eben immer wieder in gleicher Pose entdecken. Diesmal gibts nicht einmal gute Musik zu hören, der Hauptschlager von der Liebe ist ein unerträglich süßlicher- Tango, dessen geschmackloser Text so ziemlich unerreicht dasteht; es ist bedauerlich,, daß sich Karl Fröh sich dem Ungeschmacksdiktat der Produktion beugt. Stadt aus de« Watte«. Im Prager Buriankino, läuft ein Zehn- Minutenfilm über- New Jork; er wurde von den Operateuren des Foxdienstes■ gedreht und von einem jungen Wiener Studenten zusammcngestellt und ist di« erste wahre Reportage üher die größte Stadt Amerikas. Menschen im Luxus und Mensche» im Dreck; Nachtlokale und- Wohnungen in Kanälen; Technik der Neuzeit und Menschen, die dadurch versklavt werden; Hitze des Asphalts und Kühle der Luxusviertel; überfüllte Läden und überfüllte Demonstrationen Arbeitsloser; Gummiknüppel reitender Polizisten gegen Arbeiter und ihr« Höflichkeit gegen die Äutobesitzer; rasendes Tempo des Verkehrs und arme Menschen, die darunter ver- nnytet werden: das ist in großen Zügen der Inhalt dieses Films, der so packt, wie«in großes Drama. Was an dieser Stelle ost und oft von Wochenberichten verlangt wurde, ist hier erfüllt: di Wahrheit der Schilderung des Lebens. W. Lg. Aus der Partei Parteischule— Abendkurs l. Der nächst« Kui ,ib-:-nd findet nicht heute, sondern erst am 10. Jänm 1033 statt. Fugendbewegung. T. I. l.-Bcrtrauensmänncr! Mittwoch um 7 Uhr im Heim am Fügnerplatz Zusammenkunft. SJ.!. Mittwoch, 8 Uhr abends, in uns« r«;n Heim am Fügnerplatz Gruppenabend. S. I. III. Mittwoch, den 21-, um halb9 Uhr Ausschußsitzung im Liga-'Heim. Rot« Falken, Prag. Levellerkamerad schäft. Heute abends im Verein deutscher Arbeiter von 6—7 Uhr Zusammenkunft.: Literatur Angestelltenkalender 1933. Der vom Allgemeinen AngestÄllenverband, Sitz Reichenberg, Turnerstraß« 27, herausgegebene Angestelltenkalenber für 1933 ist sotzben erschienen. Der Inhalt ist diesmal- ungemein reichhaltig und außerordentlich zweckmäßig und der Kalender wird jedem Angestellten wertvolle Dienste leisten. Anßer dem Kalendarium befindel sich darin eine Uedevsicht über das Bereinsgesetz, über Entschädigung aus Anlaß von Berufskrankheiten, Richtlinien für di« Heilfürsorge, Unpfändbarkeit der Stellenlosenunterstützung, Einkommensteuer, gesetzlicher 5-Uhr-Ladenschluß am Weihnachtsabend, Merkblatt für GehÄsemvaihlen, und sonst viel« andere nützliche Angaben, di« den Angestelllenkalender zu einem für jeden Angestellten unentbehrlichen Handbuch machen Der Preis des schön ausgestattet«», rot eingebundenen Kalenders beträgt nur K 7.50. Der Kalender kann jedem Angestellten auf das wärmst« anempflchlen werden.- S. „Der Schwartenhals" von Robert Schlag (im Jlf-Verlag, Dresden) bereichert ersteulichevweije die Reihe der Bücher, die die Vorvergangenheit und dir Vergangenheit des WeLdkriegs und das. Nachher in ihrer ganzen abscheulichen Nacktheit aufzuzeigcn versuchen. Ter Autor, ein Deutsch-Oesterr«icher im Bottrieassinn, hat sein sehr lesenswertes, sowftbio graphisches Buch ,chrn Giftmischern und Zutreivern der Kriegs- und Friedenspakte in flammender Tc- vction gewidmet"—■ eine etwas befremdliche Widmung, di« dann weiter(^Jch heiße Schlag. Wann kann ich euch treffe n?) ins Banale, Kafseshaus-. witzige umdiegt. So ist leider vielfach auch und eben nicht immer zum Nutzen des Buches der Ton der Erzählung selber: derb, burschikos, oftmals opdinär, ohne daß solche Porträttreue- immer künstlerisch« Notwendigkeit wär«. Aber man liest über all«das hinweg, liest immer gerne Wetter, weil das Büch Voll Kraft, und Humor, voll Wahrheitsliebe ist, weil cs kämpferisch ist gcgen Militarismus und Merika- lismus, gegen Schulreaktion, gegen all« Gefellschafts- lüg«. sDer Held des Buches findet keinen Weg aus dem Chaos; wohl hält er auf den Irrwegen ein, zn denen ihn die Seclenverlassenheit der NachkriegSzei: geführt haf; aber er wendet sich nicht zum Kampfe geht nicht auf in den Aufgaben der Allgemeinheit, sonder» rettet sich und denkt im übrigen an Resigna tion, an Weltflucht. Also Aufbau-Arbeit ist hier geistig nicht geleistet. Dennoch ist mancher Baustein zur Stell« geschastt, mit viel G«chick und Mut, und deswegen kann auch dieses Buch als ein Buch gegen den Krieg empfohlen werden. l. g. Wer nicht ständig Inserien wird vergessen l Krawatten in gwsler Auswahl „Btgo", Cotzema 9. WU 'Jung von tftanufUiptcH»nfilgr aui ing Wt AetourrnarkM» i‘“*1/.'„'.F'~**• t’*•• t'*•’ OUW» Stet»ft- Bet«nnwTt»4et MebaRtut D» 6tt««k. VrM- Druck.Stow'«-• wi Settnna- an»«uchdruck »“4-— Sw gettuM4in«rt8nt««nratin WUIM von btt Poft-«. rel«>rapheu»ireNtm mtt Ertad Rl 13.8UWV11II9S0 dkwmtot— BctnaMeo Ngungen Bei Zustellung in» Haut öder sei Be«>'<> durch die tzü»ia»ri« 04,«»»»latztt, 64«ch.-,—»ud«» 1»« t«i> diüM d««chnM. B« ijttta«MMUU4UI SuUnatbla«.- Mckst'f—•— — gär km Druck«erannporilich Otto Pol», monoUtch Kd 18. nterieüöhrltch K4 tst,—,