Anzelpreis 71 Heller. (Emschlleßkkch 8 Hell« Porto) 12 Jahrgang. ri»aMg Mittwoch, 21 Dezember 1932 — Nr 300. Die Sozialdemokratie zur Staatsangeslelltenvorlage Was wir durchzusetzen vermochten und was wir nicht verhindern konnten. Rede des Genossen Grünzner im Parlamentsplenum. i , veistem:: kemeÄvegs... t>i« La4 Len S^atsavgestellten Beztt^Äürzui»gin aichrleyt änMtellten ,selbst gelegen wäre, Ziffern in den Bor- »schlag«inzuftellen und darin Gehaltszahlungen ndrgnsehen, deren Leistung über die finan« )-Ieile Kraft des Staates hinausgeht. Das hätte nur dazu geführt, daß der Staat sich gezwungen gesehen hätte, seine Verpflichtungen in unbedeckten, papierenen Zahlungsmitteln ;ii erfüllen, so daß die Staatsangsftellten di« n o tu i» u e l l« Aufrechterhaltung ihrer Bezüge mit einer Zerrüttung der Währung und dadurch mit einer iwch weit schmerzlicheren Einbuße an ihrem Real.’ Einkommen bezahlt hätten. Gerade die Staatsangestelli«n sollten die Nor» wendigkeit des Budgetausgleichs, der allein ihnen die Wertbeständigkeit ihrer Bezüge zu gewährleisten vermag, am besten erkennen und damit die Notwendigkeit der jetzt getroffenen Maßnahmen verstehen! LiMsa»i»8<«« Letzen die Sozialdemokratie? Wir begreifen natürlich trotzdem, das; die Ltaatsangestclltcn mit der Minderung ihres(sinkaulmens unzufrieden sind. Unbegreiflich ist aber, woher gewisse Ureis« den Mut nehmen, diese verständliche Unzufriedenheit in Agitationsmaterial gegen die Sozialdemokratie umzumünzen! Gerade der zurückliegende Kampf um die Gestaltung des vorliegenden(Entwurfes zeigt doch mit aller Deutlichkeit, das; die Sozialdemokratie ihre Pflicht gegenüber den öffentliche« Angestellten voll erfüllt hat, so wie sie dies seit jeher getan hat., Wir wollen heute nicht an di« Kämpf« erinnern, welche die Sozialdemokratie schon im alten^Österreich für die materiell« und für di« dienstrechtliche Besserstellung der Staatsangastellten geführt hat. Wir wollen nicht davon sprechen, daß«S die Sozialdemokratie war, die den Lehrern di« Gleichstellung mit den Staatsaugestellten errungen hat. s Air wollen nur in aller Kürz« feststellen, daß das Gehaltsgesetz vom Jahre 1928, das dir großen Massen der Staatsangestellten materiell n;i ch t befriedigt und ihre dienstrechtliche Stellung wesentlich verschlechtert hat, von den bürgerlichen Parteien Hegen den Widerstand der Sozialdemokratie beschlossen wurde. erst nodi drei Krisen jähren! Aber mit allem Nachdruck müssen wir darauf verweise«, das; die Staatsangestellten es vor allem der Sozialdemokratie zu dauken haben, wenn sic durch drei Krisenjahre, die den Arbeitern und Angestellte» in der Privatwirtschaft Mastenarbeits- lostgkeit, Kurzarbeit und Lohndruck, eine sehr wesentliche Herabsetzung ihres Le- be»»shaltu«gs»iveäus gebracht hat, ihre Bezüge nicht nur ungeschmälert erhalten, sondern auch Berbefferungen erringeu konnten! Könnten wir nichts anderes feststellen, als daß wir drei Jahre hindurch den Abbau der Siaats- augestclltenbezüge verhindert halben, daß erst nach drei Jahren der schwersten wirtschaftlichen Erschütterungen, die auch den Haushalt des Staates auf das allcrschwerste in Mitleidenschaft gezogen haben, zu dieser Maßnahme geschritten wird, während in den umliegenden Staaten schon längst mit GehaltskürzuiiHen vorgegangen wurde, während die Staatsangestellten sich in Deutschland bereits einen dreimaligen. Gehaltsabbau. gefallen lassend mußten, so würde diese Tatsache allein genügen, um unsere Haltung durchaus zu rechtfertigen. Wir wollen ctber nicht nur auf das von den Kriegsfolgen und die Wirtschaffskrise besonders hart betroffene Deutschland verweisen. Hat doch selbst das heut« reichst« Laub Europa-, das kapitalsstark« Frankreich, den Abba« der Staatsangestelltenbezüg« nicht vermeiden könne». Prag, 20. Dezember. Das Abgeordneten- I wir doch foststelleu, daß es keinen Sinn gehabt hätte haus hat heute abends die Vorlage über dieSpar-1 und am allerwenigsten im Interesse der Staatsmaßnahmen im Personalbudget mit drei weiteren von der Koalition beantragten Verbesserungen, die eine Mindestgrenze für den Fall des Er löschens eines Pensionsanspruches bei Kumulie rung von Peltsionen vorsehen, angenommen. Vor her halten sich, ch fortgesetzter, fast neunstündiger! Debatte noch weiter« vierzehn Redner mit der Vorlage befaßt. Bon Koalitionsseite sprachen lediglich Genösse G r L n z n e r und die tschechi-' scheu Genössen Pik und Tayerle. Sehr wirkungsvoll war die Rede des Ge nossen Grünzner, der unter Beweis stellen konnte, daß die Sozialdemokratie' den Sparmaßnahmen erst zugestitnmt hat, als alle anderen gangbaren Möglichkeiten der'Budgetherabsetzung und der Schaffung, neuer Einnahmen erschöpft waren. Er erinnert« insbesondere daran, wie die Vorlage Ursprung l i ch ausgesehen hat und wie st« dank dem Einfluß der sozialistischen Koalitions parteien zugunsten der niedersten. Kategorien grundlegend abgeändert würde. Genosse Grünz- ner konnte auch einen klaren Nachweis darüber sührey, was dir Sozialdemokraten fest ihrem Regierungseitztrstt für die Staatsangestellten und namewlich auch für die Pensionisten trotz der Ungunst der Zeit, schon alles getan habe». Welche von den Oppositionsparteien, die heute mit der Vorlage wüsteste Demagogie betreiben, kann«wer ihre vorgespiegelte Staatsangtstelltenfreundlich- keit auch nur mit einer positiven Tat belegen? In seiner mit starkem Beifall anfgenom- menen Rede führte Genosse Griinzner qns: Die Stellungnahme unseres Klubs zu dem vorliegenden Entwürfe ist durch die unabwerslich« Notwendigkeit diktiert, für«inen budgetären Ab gang von zwei und einer halben Milliarde die Bedeckung zu schass«». Tie SoziaflKMÄratfe Schwere des'■'• OpsirS, durch die bean"agttn_ wird.. Sic hat deshalb quch„ darausbestanden und mit Erfolg darauf Mlanden, daß erst nach pöl- l lge'r" E r scho P f ü ug aller anderen Mög» l.i ch k e i k en^'sEohl durch Einschränkung Per such- lichen Ausgaben,'M auch durch Steigerung der Einnahmen des Staates die Wiedcrherstelluirg des durch.die.Krise zerstörten Weichq'wichtes im Staats haushalte zu erzielen, an di« Kürzung der Ataattz» angrstellieubLZÜg« geschritten werden darf.. Der Porauischtag für das Jahr 1933,.der. im Bereiche chcr. staatlichen Hohcilsverwaltungs und'. bei den staatlichen' Unternohmuirgen eine Einschränkung des sachlichen^lufwandrs um 900 Millionen.'ll pvr- stlchtz.tst vjJfa' V-'- r--.. der beste Beweis dafür, daß die größten Anstren gungen untornommen wurden, den Staatshaushalt ohne Beeinträchtigung der Bezüge seiner Ange stellten ins Gleichgewicht zu bringen, und di« Bsdeckuntz'Svorlaacn, die zum Teil-Hause bereits vorliegen.! zum Teil nach eiirgebracht werden sollen, ergänzen tz'sfen Beweis durch dic-äußer- st« n Anstrengungen, dem Staat«, di«.not wendigen Mitret zur Erfüllung seiner Aufgabe», also auch, zur Bezahlung seiner Augostelllen zu-ver schaffen.' «em anderer Ausweg. Wenn alle diese Maßnahmen nicht genügt haben, uuz di« katastrophalen Wirkungen der Kris« auf de» öffentlichen Haushalt wettzumachen, dann ist damit sicherlich der Beweis geliefert, daß ein fach kein anderer Ausweg übrig blieb,' als auch die Personalausgaben des Staates, die auch nach dem vorliegenden Staatsvoranschlag, der bereits die beabsichtigten Kürzungen in Anschlag bringt, 45 Prozent aller Berwaltuugsausgaben aus machen, vorübergehend, für die Zeit des außer ordentliche« finanziellen Notstandes, so herabzu setzen, paß das Gleichgewicht des Staatshaushaltes gewährleistet ist. Vie drohende inilation So wrmrstrebeud wir uns daher zu dem Schritt« eulschilicße«, den de». Staatsangestellten durch zwei Jahre eine Kürzung ihrer Bezüge auferleg:, müssen Wir haben also bei uns den Abbau verhindert, so lange«s überhaupt möglich war. Die Sozialdemokratie hat aber weit mehr getan: Es war eine ihrer ersten Forderungen, dir sie beim Eintritt in die Regierung erhob, daß den Altpensionist en die langersehnte Gleichstellung gewährt wird, und sie hat diese Forderung erfolgreich durchgefochten. Sie hat in einer Zeit, in der sich di« Lage der Staatsfinanzen bereits bedrohlich zu gestalten begann, den Staatsangestellte» den Weihnachtsbeitrag erkämpft und diesen Aeihnachtsbeitrag im Vorjahr«, obwohl der Staatshaushalt damals schon«in offensichtliches Pafsivum auswieS, wenigstens den schlechter bezahlten Kategorien zum Teil« gerettet. Die Sozialdemokratie kann sich auch das Brr« dienst daran zuschreiben, daß sie durch di« Re- fystemisieruug, die einen Aufwand von 80 Millionen K erforderte, das Unrecht des Gehaltsgesetzes wenigstens teilweise gntgcmacht hat. Das alles ist in einer Zeit geschehen, in der sich die Wirtschaftskrise geradezu von Tag zu Tag verschärft« und in der jede sozialpolitisch« Maßnahme, di« der- Staatskasse neu« Leistungen auferlegt«, naturgemäß auf dir allergrößten Schwierigkeiten stieß. Wo stehen die Staats- angestellten? Die Sozialdemokratie hat'sich bei dieser Stellungnahme zu den Staatsangostelltenproblrmen niemals' von parteipolitischen Motiven leiten lassen. Denn abgchöhen von boststnmten Kategorien, die ihre SchickialSvevbundenheit mit der geiämte'i Arb.eiievklasse frühzeitig erkannt und sich durch di« Eingliederung in freigaverkschafttiche Organisationen uuddurch ihr Bekenntnis zum Klassenkampf in der Front der arbeitenden Menschen eingereiht haben, ist die große Masse der Staatsangocstllten in ihrer übrrwiegenden Mehrheit den Interessen der Arbeiterklasse fremd,- ja vielfach feindselig g«genüber gestanden. An,»och im Kampf um ven Gehalts- abbau selbst, hat zumindest die offizielle Standcövertretung der Staatsangestellten fiir die Lage der Arbeiterklasse, für die weit grötzeren nnd schmerzlichen Opfer, welche die Krise den Angestellten und Arbeitern in der Privatwirtschaft anferlegl, wahrt,astig sehr geringes Verständnis bewiesen. Wo war die Exekutiv« der Staatsangestrllten, di« jetzt an di« demokratisch« Zusammenarbeit appellieren möchte, als. die Arbeiter mnd Angestellten in der Industrie um ihre sozialen Rechte und um ihre Lebenshaltung kämpften?. Di«!« sogenannt« Exekutive hat es«ich: für notwendig erachtet, sich mit den Dcflationstheorren des Herrn Dr. EngliS auseinanderFusetzen, sic hat' geschwiegen, als der Herr Dr. Preis bei: allgemeinen SOprozentigen Gehaltsabbau verlang:«, sie rührte sich auch nicht, als Herr Professor Brdl'ik | die These von der Herabsetzung aller Wirffchcrftskosten. propagier«.' Oder hat die Exekutive in ihrer Agitation auf die sozialen Rechte und auf die Lebensbedürfnisse der arbeitende« Menschen die mindeste Rückstcht genommen? Hat sic nicht verlangt, vast die Aufrechterhaltung ihres EinkommenSniveans mit der Zerstörung wichtiger sozialer Einrichtungen, mit dem Abbau Ser Arbeitslosenfürsorge, mit der teilweisen Streichnng der Renten der Kriegsopfer erkauft wird? ' Hat sie nicht die drückendsten Massensteuern gefordert, damit ihre Amprüche befriedigt werde»: können? Wär« es nicht verständlich, wenn die Arbeiters klasse.über, diese Haltung auf, das tiefst« er; bitt e.r t wäre? Wie soll die Vorlode ursprünglich ans? Die S»zialdeu»okratie hot sich dennoch in ihrer Haltung nicht beirren und von der Verteidigung (Schluß aus Seite 2) Phrasen anstatt lliltc. Würde uum einen hohen Preis dafür aussetzen, zu bcltwifen, bajj die kommunistische Politik irgendwo nicht zum schwersten Scho den der Arbeiterschaft ausgeschlagen, daß sie nicht die Reaktion gestärkt und. die Kräfte' der Arbeiterklasse im Kampfe gegen ihre Todfeiende gelähmt hat, einen Preis für. den. Beweis, daß die vielen Aktionen, die Streikbewegungen, die Roten Tage und Hungermärsche, die zu arrangieren die Kommunisten nicht müde werden, jemals den geringsten Erfolg gebracht haben, der Preis würde niemals zur Verteilung gelängen.- Das beirrt die Kommunisten nicht, sich unentwegt als die alleinlegiti- mierten Amvälte der Avbeiterschgft auszugc- ben, ihre öden Schlagworte und. ihr blöi^s Propagandageschrei nach Papageienart immer aufs neue zu wiederholen: und so lange die Unaufgeklärten näd die Dummen nicht alle werden, die sinnloses Parolengebimmel revolutionärem Handeln und Wollen gleichzusetzen bereit sind, werden sie ihr trauriges Geschäft der Gehivnvernebelung ihrer Anhänger zur Schadenfreude und zum Nutzen der Bourgeoisie fortsetzen. Ihrem Grundsatz, in der Sozialdemokratie den Hauptfeind zu eüb'licken und zu bekämpfen, sind sie natürlich auch jetzt während des harten Ringens um die Verteilung der aus dem Budgetabgang sich notwendigerweise ^rgebendep, Lgstey.treu, geblieben. Es, kommt ihnen auch hier nicht darauf an, sich ernsthaft dafür einzusetzen, die arbeitenden Heu schein vor Schaden zu bewahren oder doch wenigstens zu verhüten, was unter den gegebenen Brr- hältnissen möglich ist, sondern nur auf die Förderung ihres Parteigeschästes, was sie a:p besten dadurch zu erveichen glauben, wenn sie darauf losschimpfen. Wir haben vor einigen Tagen die lüchls- nutzige Demagogie angeprai^krt, die zur Zsi: von verschiedenen Parteien mit den Staat s- angestellten getrieben wird. Prmnpt sieht, die komnumistische Presse, welche die bürgerlichen Parteien mit der liebevollsten Schonung behandelt, darin'.ein„einziges Bekenntnis zu den: ungeheuerlichen Verbrechen", das an den StaatsangesteWen begangen werde. Den Kapitalismus und die bürgerlichen Parteien verantwortlich zu machen, daß in der: Strudel der Katastrophe numnehr an die Slaatsan- gestetlten hineingerissen werden, liegt deu Kam munisten durchaus ferne- sie erwählen ausschließlich die Sozialdemokratie zur' Zielscheibe ihrer Angriffe. Es sei eine„zynische Perhöh- :mng der Werktätigen", weil wir geschrieben haben, die Kürzung der Staatsangestellten- Gehalte sei schließlich auch ein Akt der Solidarität gegenüber den Massen der Erwerbslosen. Die Kommunisten, die sich nicht im geriugsleu mit der Verantwortung für das Schicksal der vom Kapitalisnrus auf die Straße geworfenen Hundevltausende beschwert fühlen,^ schreien, toben und heucheln Entrüstung darüber, daß den sozialistischen Parteien ein Defizit von zweieinhalb Milliarden im 2taatshausl>alt schon wegen der Erhaltung der Kaufkraft der Krone und nicht minder wegen der Ansrectu erhaltnng der Möglichkeit, die Arbei-sloüu wenigstens einigernlaßen vor den: schrecklichsteu Hunger zu bewahren, nicht ebenso gleichgültig ist wie ihnen. Sie negieren alles, zerbrechen sich über nicht den Kopf, mögen dabei. anÄ hie Erwerbslosen, deren sie sich nur erinnern, wenn sie sie als Staffage für ein«! ihrer„Aktionen" brauchen, glatt verhungern,-möge auch die Inflation hereinbrechen und den schwer er arbeiteten Lohn des Arbeiters.und.Angestellten noch hundertfach mehr entwerten, als- es sogar die schlimmste Lohn- und Gehaltsredü zierung zu bewirken imstmide wäre Und da bringen sie noch die- Fvechhett auf, sich auf offenen: Markte hinzustellon und z>: schreien Seht, wir allem sind zum Unterschied vöo den sozialistischen Parteien die wahren Ange stelltensioeunde, denn— nun was denn?— wir sind gegn jode Kürzung und gegen je* Sanierung des Staatshaushaltes! Das ist eine Seite S Mittwoch, 21. Dezember 198k Nr. 300 Die Rede des Genossen Griinzner: Eine BllMe aus dem Dritten Reich Breslau, 19. Dezember. In Gör l i tz hat der nationalsozialistische Stadtobersekretär Frö- melt groß« Unterschlagungen begangen, die in der schlesischen Presse lebhaft besprochen wurden. Nach den bisherigen Feststellungen belaufen sich die Veruntreuungen zum Nachteil der städtischen Hospital-Verwaltung auf rund 57.000 Mark. Der„Erneuerer Deutschlands" hat den größten Teil der unterschlagenen Summen mit Frauen verjubelt. Das Landgericht Görlitz hat gegen Frömelt Untersuchungshaft angeordnet, di» «r aber zunächst nicht im Gerichtsgefängnis, sondern aufgrund eines Gerichtsbeschlusses in der Provinzmlheil- und Pflegeanstalt Bunzlau zur Beobachtung seines Geisteszustandes verbringt. Tapferkeit, die nichts kostet, nicht einmal ein bißchen Gehirnschmalz, die wie Angestelltenfreundlichkeit aussieht, die aber in Wahrheit am wenigsten dazu geeignet ist, das Interesse der Angestellten und noch tveniger das der armen Opfer der Krise zu schützen. Ja, sagen die Herren Kommunisten, erzählt uns doch nicht, daß die Senkung der Gehalt« notwendig ist, weil sonst für die Erwerbslosen nicht gesorgt werden könnte, sorgt vielmehr dafür, daß nicht für den Militarismus, für Polizei und Gendarmerie und infolge von Steuerrückständen der Unternehmer Milliarden verpulvert werden! Ja, sorgt dafür! Nur wir sollen dafür sorgen, warum nicht auch die Kommunisten? Was tun sie dazu? Sie erschöpfen ihre Kräfte in der unausgesetzten Hetze gegen das sozialistische Lager und tragen so zur Schwächung der Kampfkraft der sozialistischen Arbeiterschaft ebenso wie zur Stärkung der bürgerlichen Parteien bei, die gegen jede Herabsetzung der Militärlasten si»ch, die Schuld tragen an den Milliardenverlusten der Staatskasse durch die Steuerverweigerung der Kapitalistenklasse. Solange die Kommunisten die heutige, ihnen von Moskau vorgeschriebene Politik machen, die in ihnen Auswirkungen nur der Bourgeoisie hilft, sind die guten Ratschläge, die sie uns erteilen, nur leere Phrasen und erbärmliche Heuchelei. Die Arbeiterschaft könnte, tvenn die Einheitsfront den Kommunisten nicht bloß ein betrügerisches Manöver wäre, in der Offensive gegen die Kapitalistenklasse stehen, so ist sie in die Verteidigungsstellung gedrängt und auch in dieser Situation halten es die Kommunisten für die dringendste Aufgabe, di« von den wirklichen Verteidigern der Arbeiter- und Ange- stelltenvechte bezogenen Schützengräben täglich mit ihren Brand- und Stinkbomben zu bewerfen. Nach unserer ganzen Vergangenheit und unserer Gegenwartsarbeit brauchen wir nicht erst ausdrücklich zu versichern, daß wir die Gehaltsveduzierungen der Slvatsangestellten nicht leichtherzig hinnehmen, schon deshalb nicht, weil von ihr eine weitere Verschärfung der Krise droht und daß sie uns nur als eine — nicht durch unsere Schuld— cm Augenblick leider unvermeidliche Zwangsmaßnahme erscheint. Aber wägen wir gegenüber den Treibereien der kommunistischen Schreibtischhelden ab: wäre es nach ihnen gegangen, so hätten wir ebenso wie sie der Forderung des Finanzministers nach Herstellung des Gleichgewichts des aufs schwerste zerrütteten Staatshaushaltes ein starres Nein entgeqenstellen müssen. Wäre dadurch die Gehaltskürzung vermieden worden? Nur Narren können dies glauben. Sie wäre im Gegenteil ganz nach dem ersten Antrag des Finanzministers durchgeführt worden und die bürgerlichen Parteien, von den sozialistischen Parteien nicht mehr in der so» zialistenrein gewordenen Regierung gezwungen, neben fiskalischen auch sozialen Erwägungen Raum zu geben, hätten die Gelegenheit noch zu ganz anderen und bösavligeren Beutezügen auf die arbeitenden und arbeitslosen Massen ausgenützt. Aus tiefstem Verantwortlichkeit sgefühl und Pflichtbewusstsein aber verblieben die sozialistischen Parteien auf ihrem Platze und setzren in einem viele Wochen andauernden harten Ringen all« Kräfte ein, um wenigstens die schlimmsten Härten des unvermeidlich Gewordenen zu mildern. Daß ihnen dies gelang und in welchem Maße es ihnen gelang, können die Staatsangestellten an der Hand der ursprünglichen Abbaupläne imb der heutigen Gesetzesvorlage in barem Geld« nachrechnen., Was haben demgegenüber die Staatsan- gestellten den Kommunisten zu danken? Deren glorreiche Taktik und Politik har ihnen auch nicht einen Heller vor dem Zugriff des Finanzministers bewahrt! Ihre einzige Leistung in diesem fchiveren Kampf um die Lebensinteressen der Staatsangestellten waren Deklamationen, Phrasen und Schimpfereien auf die Sozialdemokraten. Wem danach von den Staatsan- gesteClten gelüsten sollte, die Kommunisten als Retter zu erwählen, der wäre um den Grad seiner Einsicht und Vernunft nicht zu bencideit. (Schluß von Seit« 1) der Angestelltenintereffe« nicht«-bringen lassen. Sie hat, als der Abbau unvermeidlich war, de« Vorschlägen des Finanzministers den härtesten Widerstand entgegengesetzt und die ursprünglichen Pläne zu Fall gebracht. Di« Staatsangestellten wisse« sehr gut, daß der Finanzminister einen löprozentige« linearen Abbau gefordert hat. Wenn statt dessen ein 8- bis Ibprozrntiger Abzug von der PenfionSgrundlage eintritt, der überdies«in wenn auch bescheidenes Minimum freiläßt, so kommt in dieser Differenz das Ergebnis unserer Anstrengungen denn doch deutlich zum Ausdruck! ES kommt deutlich zum Ausdruck in der Terminierung der Gehalts Maßnahmen auf zwei Jahr«, in der wesentlichen Milderungder Bestimmungenüberdie P« nsionist« n, in der restlosen Beseitigung aller Ausnahmsbestimmungen gegen die Frauen, in der Reduzierung aller Maßnahmen, di« gegen die autonomen Angestellten geplant waren, auf di« bloß« Wiederholung der Grundsätze des 8 212 des Besoldungsgesetzes vom Jahr- 1926. Aber noch bei den Verhandlungen im sazialpoli- tischen Ausschuß ist es uns gelungen, auch noch an der Regierungsvorlage Verbesserungen zu erzielen, von denen vor allem di« Anerkennung der Unverletzlichkeit der Arbeiter kollektivverträge von großer materieller, aber noch mehr von gründ'- sätzlicher Bedeutung ist. ist die bürgerliche staats* angestelltenfreundlldUfeit ernst zn nehmen? Wir sind fest überzeugt, vast die StaatS- angestellten aus Viesen Tatsachen erkennen werden, vast sie ihre wahren Freunde nicht bei den Parteien und Gruppe« zu suchen haben, welche Vie Erregung ver StaatSangestellten darüber, vast Vie Krise auch von ihnen schwere Opfer fordert, als billiges Agitationsmaterial anSnützen möchten, Vie aber überall vort, wo sie selbst mitzuentscheiven haben, ven Staatsangestellten aus das Uebelste mitspiele«. Wenn die bürgerlichen Parteien sich heute als Jntercssenveriveter der StaatSangestellten gebärden, aber gleichzeitig gegen den Mieterschutz Sturm laufen, dessen Zerstörung viele Tausende von Staatsangestellten auf das härteste treffen müßte, wenn sie gleichzeitig mit Angestelltenforderunyen' agitieren und alle Steuern verweigern, asto sticht einmal für di« Bedeckung der gekürzten Bezüge Sorge tragen wollen, so wird dieses Doppelspiel wahrhaftig keinen Denkenden täuschen. Wenn di« Christlichsozialen an der Regierungsvorlage die härtest« Kritik üben, so kön- icen sie damit weder die Beamtenpolitik der Republik Oesterreich und ebensowenig ihr« Wirksamkeit unter dem BürgeMock vergessen machen. Wenn bi« Ratisnalsozialisten die wildesten agitatorischen Kunststück« vollsühren, so müßte sie das bloße Wort„Karlsbad" zum Schweige« bring««, ganz abgesehen davon, daß in den deutschen Ländern, die von den Vorspielen des Dritten Reiches beglück! * Der tschechische Genosse Pik erklärte u. a., wenn wir schon die Pflicht auf uns nehmen, durch außerordentliche Maßnahmen den Staat in seiner schwierigen Situation zu stützen, so tun wir das in der Zuversicht, daß die Regierung alles zum Schutze der Interessen der breitesten Volksmaffen vorkehren und die erforderlichen Maßnahmen zur Hebung des Wirtschaftslebens treffen wird. Den Spar- und Sanierungsmaßnahmen müsse unbedingt eine Aktion zur Belebung des Arbeitsmarktes und der Erzeugung, zur Herabsetzung der Preise derLebenSbedürsnrfseundderRoh- st o f f e folgen. Es ist eine unbedingte Notwendigkeit, für die Frühjahrs- und Sommertagung eine Jnvestitionsanleihe zum Zwecke der Belebung des Arbeitsmarktes vorzubereiten, um das zu ersetzen, worum durch die Budgetabstriche und konstigen Maßnahmen das Wirtschaftsleben verkürzt wurde. Im weiteren Verlauf seiner Rede trat Genosse Pik dann auch für die endgültige Sanierung der Selbstverwaltungskörper ein. Sparer konstatierte Genosse T a y e r l e, daß eS den Bemühungen der sozialistischen Parteien gelungen'ei, aus der ursprünglichen Vorlage des Finanzminister» den Grundsatz der allgemeinen linearen Gehaltskürzung zu eliminieren und diejenigen ganz zu verschonen, die nicht einmal düs Existenzminimum gesichert haben. Er vertritt u. a. die Forderung der Staatsangestelltengewerk- ichaften nach Errichtung eines'«lbständigen P«n- sionssonds, der den in der Versicherung der Privatangestellten geltenden Grundsätzen entsprechen würde. e- Auf die„Argumente" der Opposition ein- zugehen, ob diese nun von Kommunisten oder von unseren deutschen Oppositionsparteien mit mehr oder weniger Schwung, immer aber sichtlich ohne innere Ueberzeugunst vorgetragen wurden, erübrigt sich bei dem Niveau, auf dem sich dies« Ausführungen heute befanden. sind, nur gewissen Parteigimstlingen glänzende Karrieren bereitet werden, während die übrigen Staatsangestellten einfach vogelfrei gemacht werden. Darum sinv wir ganz unbesorgt var- über, vast Vie Demagogie unserer Gegner an unserer ernsten«nv verantwortungS- bewustten Arbeit zuschanden werven must unv vast Vie Staatsangestellte« erkennen werven, vast sie Vie erfolgreiche Vertretung ihrer Interessen nur von ven Sozialvemo- kraten erwarten können. di« nicht aus parteiagiiatorischen Interessen, sondern in Erfüllung ihrer programmatisch e n G r u n d s ä tz e für die Angestellten eintreten, di« AngestelltenPÄitik nicht vom Standpunkte des propagandistischen Effektes betreiben, sondern vom Standpunkte der Interessenvertretung oller arbeitenden Menschen. Darum hoffen wir, daß gerade in der gegenwärtigen Kris« auch in den Reihen der Staatsangestellten die Erkenntnis reifen wird, daß sie nur im Verein mit der gesamten klassenbewußten Arbeiterschaft ihre Interessen besser als bisher zur Geltung bringen können. Vor allem aber müssen di« StaatSangestelltru erkennen, daß es die Krise der kapitalistischen Wirtschaft ist, di« ihnen jetzt ei« so schweres Opfer auferlegt. Die Krise der kapitalistischen Wirtschaft hat die Kaufkraft der'arbeitenden Massen zerstört und damit auch direkt und indirekt di« Einnahmen des Staates so vermindert, daß der Staat seinen Angestellten di« Bezüge nicht mehr ungeschmälert ausbezahlen kann. Und wenn heute die avbeitenden Menschen nicht stark ge'.ug sind, um kapitalistische Lösungen der Krisenprobleme zu verhindern, wenn sie sich mit Teilreformen bescheiden, mit Milderungen und nicht immer befriedigenden Milderungen des Loses der Krisenopfer zufrieden gelben müssen— liegt es nicht zu einem bedeutende» Teil auch daran, daß so viele Staatsangeftellte noch im bürgerlichen Lager stehen und damit d» Macht des Kapitals stärken? Müssen nicht alle, dir heut« an der Sozialdemokratie Kritik üben, fich vor allem selbst fragen, was sie dazu getan haben, um der Sozialdemokratie die Macht zu geben»»aß sie ihre Forderungen erfüllen kann? Die avbeitenden Menschen bilden die Mehr- h ei t der Bevölkerung, ihre Vertreter sind«ine Minderheit im Parlament. Wohl vermögen wir manche Härte zu mildern, manches sozial« Unrecht abzuwchren, manchen sozialen Fortschritt zu verwirklichen. Aber erst der Sozialismus wird allen avbeitenden Menschen, erst der Sozialismus wird auch den öffentlichen Angestellten eine auskömmlich« Existenz gewährleisten und sie gegen alle Krisen zu sichern vermögen. Erst im Sozialismus werde« die öffentliche« Angestellten die Befriedigung ihrer gerechte« Ansprüche finde« können. Damit müsse» sie gerade aus der gegenwärtigen Krise und gerade aus den Opfern, welche di« gegenwärtig« Kris« ihnen auferlegt, die Erkenntnis ziehen, daß sie nur im Kampf um die Verwirklichung des großen Zieles der Arbeiterkasse, im Kämpf um die Ueberwin- dnng der kapitalistischen Gesellschaftsordnung, im Kampf um den Sozialismus ihren wahr«» Interessen diene« können. Wen« sie diesen Weg beschreiten, werden sie dir Sozialdemokratie immer an ihrer Seite finde«.(Starker Beifall.) * Weitere Verbesserungen zugunsten der Pensionisten. Im Laufe des Tages wurde in einer Sitzung des zuständigen Siebenerausschusses noch eine wertvolle Verbesserung des§ 12 vorgenom- mcn. Noch nach der Ausschußfassung sollten, falls ein Pensionist im Genuß mehr als einer staatlichen Pension steht, alle Pensionsanfprüche bis auf einen verfallen. Durch einen Abänderungsantrag der Koalition wird der§ 12 nunmehr durch folgende Bestimmung ergänzt: „Durch das Erlöschen der Ruhegenüsse dürfen di« gesamten Ruhegenüsse nicht unter den Betrag von 12.000 Kronen jährlich sinken." Analog wird im 8 13 die Bestimmung ge- troffen, daß auch die Bersorgungsgenüss« der Hinterbliebenen eines Pensionisten aus zwei oder mehreren Pensionsansprüchen durch das Erlöschen der anderen Ruhegenüsse nicht unter 9000 Kronen jährlich sinken dirrfen. Hier wurden also im letzten Moment neuerdings gerade für die ärmsten Kategorien der Pensionisten, die eine große Einbuße hätten erleiden können,.eine wesentliche Verbesserung durchgesetzt. Eine drftte Aenderung besagt zu§ 15(Kürzung der Pension bis zur Hälfte bei ständigem Nebenerwerb, falls die Summe beider Bezüge 36.000 Kronen übersteigt), daß in diesem Falle bei Altpensionisten, deren Gleichstellung durch den 8 6, Absatz 4 bis Anfang 1935 hinausgeschoben wurde, die(höhere) Pensionsgrundlage nach dem Gleichstellungsgesetz maßgebend ist. Die Vorlade angenommen. Als bei der Abstimmung eine Paus« eingeschaltet wurde, in der das Präsidium die weiteren Dispositionen für die nächsten Vorlagen traf, und die neue Eröffnung der Sitzung sich etwas verspätete, gab es auf dem äußersten linken Flügel der Kammer, wo die Kommunisten, die Nazis und die Deutschnationalen sitzen, und in den Bänken der deutschen Christlichsozialen einen großen Radau, der sich später bei dem Schlußwort des Berichterstatters, beim Erscheinen des Ministerpräsidenten und bei der Abstimmung gelegentlich zu einem schwachen Pultdeckelkonzcrt verstärke, das den Veranstaltern sichtlich* eine kindische Freude bereitete. Zu den Regieführern dieses Theaters gehörte u. a. auch der Herr Krumpe, der fast nach jedem ihm besonders geistreich und zutreffend dünkenden Zwischenruf wie ein eitler Kinoheld stolz zur Journalistengalerie hinaufblickte, ob ihn nur ja alle gesehen und gebührend bewundert hätten. Sporkommisslon und Bndgetprovisorlnm. In einer zweiten Sitzung, die bis 9 Uhr abends dauert«, wurden dre beiden Vorlagen über die Spar- und Kontrollkommission sowie über das Budgetprovisorium in Verhandlung gezogen. Üeber die Sparkommission referierte Dr. S t r a n s k h, dem auch di« Autorschaft der wichtigsten Bestimmungen der ursprünglichen Vorlage zugeschrieben wird. Das Referat über das Budgetprovisorium erstattete T« plansky. Er erklärte u. a., es sei nicht möglich, das alte Budget zur Grundlage des Provisoriums zu nehmen, weil sich dadurch in den zwei Monaten ein Abgang von etwa 115 Millionen ergeben würde. In der gemeinsamen Debatte sprachen noch Dr. Stern(Komm.) über die Sparvorlage und Dr. Luschka und S z ü l l ö über das Budget- provisorium. Dann wurde di« weiten Aussprache auf morgen früh 9 Uhr vertagt. Nach den bisherigen Dispositionen soll dann Donnerstag die letzt« Sitzung vor Weihnachten stattfinden. »eine Mehrheit mr eine Soldkürzung. Prag, 20. Dqember. Im Parlament beschäftigte sich heute der tschechische Genosse Pik auch mit der vom Berteidigungsministerrum auf dem Umweg« über die Erläuterungen zum Budget angeschnitten« Frage der Kürmng des Sol- datensoides um 50 Heller täglich. Er lehnte diese Methoden, auf solche Weise zwölf Millwnen im Mflftärbudget zu ersparen» nachdrücklichst ab. Diese Maßnahm» würde eine Aenderung des Gesetzes oder wenigstens ein« Regierungsverordnung voraussetzen; nichts von beiden sei geschehen und deshalb s«i es unrichtig, im Budget bereits mit dieser Ersparnis zu rechnen. An den armen Soldaten zu sparen» die von zu Haus« keine Unterstützung zu erwarten haben, sei keinesfalls in Ordnung, zumal das Ministerium in seinem Budget viel« andere Sparmöglichkeiten finden könne. Eine Umfrage im Parlament hat überdies ergeben, daß nicht nur die Vertreter der beiden sozialdemokratischen Parteien und der tschechischen Nationalsozialisten, sondern selbst d i e er gen en Klubgenossen des Ministers Bradaö, wie uns ein hervorragendes MitFied des tschechischen Agrarklubs ausdrücklich versicherte, einer Soldverkürzung ablehnend gegenüberstehen. Unter diesen Umstünden wird es Minister Bradaö hoffentlich vcrnreiden,» durch eigenmächttge Massnahme« auf diesem Gebiet neuen Korrfliktsstoff heraufzubeschwören! Forderungen der tschechischen öelbftverva'tung. Der Verband der tschechoslowakischen Städte und Gemeinden hat eine Reihe von Aktionen im Interesse der notleidenden Selbstverwaltung unternommen. So wurde an den Finanzmmister Dr. T r a p l ein« Zuschrift gerichtet, in der nächsten Zeit möge der Beirat für die Selbst- Verwaltungsfinanzen einberufen werden. Die Mitglieder des Beirats wurden zu Beginn des heurigen Jahres ernannt, eine Sitzung hat jedoch bisher nicht stattgefunden. Der Finanzminister wird daher in dem Schreiben aufgefordert, den Beirat möglichst bald einzuberufen. In einer andern Zuschrift, adressiert an das Ministerium des Innern, wird gefordert, daß die Frage der Eintreibung von Gemeinde abgaben und Gebühren von Schuldnern, die außerhalb des Ortes wohnen, geregelt werde. Die Behörden lehnen «ine Exekution ab, was aber unrichtig ist, dew>r nach dem klaren Wortlaut des Gesetzes sind die Steuerämter verpflichtet, über Aufforderung der Gemeindeämter die Gemeindeabgaben einzusor- dern. Das Ministerium ist daher zu einem Eingreifen verpflichtet. An das Präsidium des Ministerrats, das Finanzministerium und die Ministerien für loziale Fürsorge und des Innern wurde eine Verwahrung gerichtet dagegen, daß das vorbereitete Regreßgesetz auch die Gemeinden treffe. Die Gemeinden haben nach dem Kriege Zinshäuser mit Kleinwohnungen gebaut, wo- durch sie zur Linderung der Wohnungsnot und Arbeitslosigkeit in hohem Maße beigetragen haben. Diese Bautätigkeit hat große Opfer ieitens der Gemeinden gefordert. Durch die Geltendmachung d«s Regreßrechtes gegenüber den Gemeinden würde die schwierige finanziell« Lage der Gemeinden noch verschlechtert werden. Schließlich wird der Verband der tschechischen Städte und Gem«inden der Regierung ein Memorandum überreichen, in dem? noch eine Reihe anderer Maßnahmen gefordert werden. Rr. 300 Mittwoch, 21. Dezember 1S32 Leit« 8 Hoover für Schuldenrevision. Eine Botschaft an den Kongreß.- Keine Schuldenstre’chung Washington, 19. Dezember. In einer Svn- derbotschaft an den Kongreß erinnerte Präsident Hoover an die Namen der Nationen, die gezahlt hätten, sowie diejenigen, die am 15. Dezember in Zahlungsverzug geraten seien, wobei er erklärt, in einigen Fallen sei di« Nichtzahlung ohne Zweifel auf Zahlungsunfähigkeit zuruckzusühren. Der Präsident geht sodann Mr Frage der europäischen Rüstungen über, durch die die Bereinigen Staaten gezwungen worden seien, zu ihrer Verteidigung höhere Ausgaben zu machen als vor dem Kriege. Hoover betont, daß die Bereinigten Staaten durch das Moratorium ein Opfer auf sich genommen hätten, das doppelt so groß sei, wie das gesamte Opfer irgend einer anderen Nation. Hoover weist sodann den Gedanken an «ine Annullierung der Schulde» zurück. Was de« gütlichen Vergleich betreff«, so müsse jedes neu« amerikanische Opfer durch deutlich« Bor. teil« ausgewogen werden. Enfhöllunaßn der„Arbeiter-Zeitung Ober die jüngste Nazi Aktion Wien, 20. Dezember. Die„Arbeiter-Zeitung" veröffentlicht heut« den nationalsozialistischen Aktionsplan für den Goldenen Sonntag in Wien, aus dm hervorgeht, daß die nationalsozialistische Aktion von langer Hand vorbereitet war. Ihr« Durchführung wurde gemeinsam von der Gauleitung, dem sogenannten„Amt für die Behandlung des Judentums", dem„Gewerbering" und der„Propagandaabteilung im Hitler- Haus" vorbereitet. Die Durchführung oblag der SS und der SA und den Betriebszellenorganisationen. Die Flugblätter, Streu- und Klebezettel mußten bis Samstags mittags in riesigen Mengen im Hitlerhaus bereit fein, ferner Flaschen mit Aetzsauren und GlaSrohrchen, die Tranengas und Stinkbomben enthielten. Diese chemischen Präparate hatte der„Technische Sturm" zu lie- WlklWkN UM UWllMlk» Wkl5 MW. Deutsches Amncstlegestiz tritt heute in Kraft. Berlin, 20. Dezember.(BDZ.) Der Reichsrat beschloß mit 44 gegen 19 Stimmen der Vertreter von Bayern, Württemberg, Baden und Brandenburg bei drei Stimmenthaltungen, gegen das Amnesti«ges«tz keinen Einspruch einzulegen. Die notwendige verfasiungsändernde Mehrheit ist also auch im Reichsrat für di« Amnestie zustandegekommen. Der Reichsrat nahm dann noch«ine Entschließung an, in der gru nd- iätzlich« Bedenken gegen die Amnestie zum luSdruck gebracht werden. D«r Reichspräsident hat das Gesetz bereits heute abends untcrlchrieben. ES wird am morgigen Tage im Gesetzesblatt erscheinen und damit in Kraft treten. Milderung der Notverordnung zur Erhaltung des inneren Friedens. Berlin, 20. Dezember. Der Reichspräsident hat heute ein« neu« Notverordnung zur Erhaltung des inneren Friedens erlassen, durch die wesentliche Teile des Republikschutzgesetzes und rin« ganze Reihe von Notverordnungen zur Sicherung von Ruhe und Ordnung ausgehÄen werden. Gleichzeitig mit dieser Verordnung wird im Reichsgesetzolatt«in« Verordnung über die Aufhebung der Sondergerichte erfolgen. Die sogenannte Burgfriedensverordnung des Reichspräsidenten bleibt dagegen bestehen, die bis MM 2. Jänner 1932 alle öffentlichen Versammlungen verbietet. Weiter ist noch hervorzuheben, daß auch alle Bestimmungen über di« amtlichen Auslagenachrichten in der Presse jetzt zum Fortfalle kommen. Naus delm staatsgcridit abgenützt Geschäftsordnung des Preußenlandtages besteht zurecht. Leipzig, 20. Dezember. In der auf Feststellung der Verfaffungswidrigkeit der vom letzten Landtag vorgenominenen Aendcrung des Paragraphen 20 oer Geschäftsordnung durch den preußischen Landtag gerichteten verfassungsrechtlichen Mage der nationalsozialistischen Fraktion des .Landtages gegen den preußischen Landtag'wurde heute vormittags vom Vorsitzenden des StaatS- aerichtshofes, Reichsgerichtspräsidenten Doktor Bumke folgende Entscheidung verkündet: D i e Anträge werden zuruckgewiesen. Durch di« Aenderung der Geschäftsordnung war, wie erinnerlich, festgelegt worden, daß der Ministerpräsident nur noch mit absoluter Mehrheit gewählt werden kann. Stäupung des Landtagspresidenten Kerrl durch den StaalSgerichtShos. Leipzig, 20 Dezember. In dem verfaffungS- rechtlichen Streit zwischen der sozialdemokratischen Fraktion im preußischen Landtag und dem Land» tagsprqsidcnten wegen Einberufung des preußischen Landtages wurde heute mittags vom Vorsitzenden des StaatsgcrichtshofeS Reichsgerichtspräsidenten Bumke folgende Entscheidung verkündet: Nach 17, Abs. 3, Satz 2 der preußischen Verfassung durfte der Präsident des preußischen Landtages aus das Verlangen der sozialdemokratischen Fraktion vom 3. August. 1932 den Landtag nicht erst zum 30. August 1932 einberufen. Die üitlerhrankhelt breitet sldi aus i Darmstadt, 19. Dezember. Der von Hitler „wegen Krankheit beurlaubte" Gauleiter der hessischen Landtagssraktion der Nazis und Führer Lenz, hat jetzt auch sein Landtagsmay- d a t niederlegen müssen. Selbst die in letzter Minute von Lenz gegen einig« sozialdemokratische Zeitungen angestrengten Beleidigungsklagen haben ihn vor der Hitler- krankheit nicht bewahren können. Auch«in Mitverfasser der Boxheimer Dokumente ist von ihr ergriffen worden, Hauptmann a. D. Jaster, Staatsleiter in Hessen. U«ber ihn hat der Gau- Uschla wegen alkoholischer und militärischer Ausschreitungen gegen SA-Mitglieder den Stab gebrochen. Der Hauptgrund der Entfernung des hessischen SA-Stabsleiters dürste jedoch darlnzu suchen sein, daß die Austritte aus der SA. achtmal so groß waren, als di« Neu-Aufnahmen. Auch der Führer der Darmstädter Standarte, Oberpostinspektor K l ä h n, ist wegc» parteischädigender Parteiführung a b g e s ä g t worden. Anstelle von Lenz wird der Bersasser der Boxheimer Dokumente, Dr. B e st, di« Führung der Nazifraktion im hessischen Landtag überneh- men. Lenz ist nach München kommandiert, z. b. B.: zur besonderen Verwendung auf dem dor- tigen großen Führerfriedhos. Vorläufig keine Soldlicrab Setzung in Oesterreich Wien, 20. Dezember.(AN.) Der Ausschuß des Bundesrates Hai mit den Stimmen der Sozialdemokraten und der Nationalsozialisten gegen die Stimmen der Christlichsozial«« beschlossen, die Beratung der sogenannten^ Heeresgebühren- novellc, welche den Sold für die neugewonbenen Soldaten herabsetzt, bis zum 1. Feber 1933 tu vertagen. Bericht der Ratioualbank. Der Bankrat der Tschechoslowakischen Nationalbank hielt am 20. d. M. seine ordentliche Monatssitzung ab. Dem vorgebrachten Geschäftsberichte entnehmen wir: In der Weltwirtschaft werden-die Verhandlungen zur Schaffung der Voraussetzungen für ein Uebereinkommen in den wichtigsten politischen Problemen, hauptsächlich jedoch über die Regelung-er internationalen Schulden und über die Abrustungsfragen, fortgesetzt. Di« Schwierigkeiten des internationalen Handels wurden in diesem Zeitabschnitt vorübergehend durch das Schwanken einiger Währungen, hauptsächlich des englischen. Pfundes, v e r- stärkt. Die Weltgeldmärkte sind weiter flüssig, an den Effektenbörsen schwankte die Entwicklung auf dem resistenten Niveau des letzten Monats. Die Preise der an den Weltbörsen gehandelten Rohstoffe beginnen sich wiederum zu stabili- fieren. Di« Wirtschaftsentwicklung^ in der Tschechoslowakei verlief in den letzten Wochen im ganzen parallel mit der Weltentwicklung, wobei eine zunehmende Beruhigung und Erhöhung des Vertrauens— die mit dem Fortschreit«» der Arbeiten der Regierung und der Parlamentsfaktoren zusammenhangt— konstatiert werden kann. Dir Folgen der Zahlungsschwierigkeiten in den mittel- und osteuropäischen Staaren und di« Aus- fuhrerschwerniffe nach diesen Ländern beeinflussen die tschechoslowakische Volkswirtschaft verhältnismäßig mehr als die Wirtschaft der westeuropäischen Staaten, mit einer im übrigen analogen Wirtschaftsstruktur. Der geringe hauptsächlich saisonmäßige Geldbedarf und der gesunkene Bedarf der öffentlichen Hand unterstützen die allmähliche Erhöhung, der Flüssigkeit des Geldmarktes. Dazu trug auch die erfolgreiche Beeu- Am 16. Dezember d. I. hat daS Oberste Ver- waltungSgericht mit Zl. 16833/32 entschieden, daß die Sistierung^ der Beschlüsse in den Bezirksvertretungen in Tetscheu, Teplitz-Schöna», Brüx und Falkenau a. E., die auf die Erwerbung der Mitgliedschaft beim Verbände abzielten, als gesetzwidrig aufzuheben sind. Mit diesem Beschluss« des Obersten Berwal- tungsgerichtes ist der Weg für di« Bezirke wieder frei gemacht worden, die Mitgliedschaft beim Verbände zu erwerben. Di« den Beschluß der Be- C'“ rertretungen aus Erwerbung dieser Mitglied- fistierendde Behörde hatte sich aus den Standpunkt gestellt, daß dir Bezirke keine Mitgliedschaft bei einem Verband« erwerben dürfen. Das Oberst« Berwoltungsgrricht erklärt, daß die Bezirk« grundsätzlich rechtsfähig seien, Mitglieder eines Vereines zu werden. Landesbchördc und Innenministerium stellen sich Weiter auf den Standpunkt, daß die Wirksam-, Man müsse den Nationen, die ihren Verpflichtungen gegen die USA nachzukommen versucht hätten, das Recht zugestehen, um Erörterung dieser Fragen nachzusuchen. Der Präsident faßt seine in der Botschaft dargelegt« Ansicht zum Schluß in folgenden fünf Punkten zusammen: 1. Wir müssen uns mit de« ernstesten Prob- blem befassen. 2. Es ist von größte, Wichtigkeit, daß sofort vorbereitend« Maßnahme» ergriffe« werden. 3. Ein geeigneter Organismus für die Be. Handlung dieser Frag« muß geschaffen werden. 4. Einig« Vertreter des zu schaffend«« Organismus sollten sofort ausgewählt werden zur Vorbereitung der WeltwirtschaftSkonfe. renz, ferner um Ansichten über die Schuldenfrag« mit einige» Ratio««« auszutan» scheu und anderen Ration«» Ratschläge über die von ihnen«inzunehmende Haltung zu geben. 8. Die Erörterungen über di« Schulden- und die Weltwirtschaftskonferenz können nicht vor dem 4. März n. I. beendet werden. fern, dem auch Studenten der chemischen Fakultät angehören. Ein« starke Polizeiabteilung begab sich heut« vormittag in Automobilen in das Braun«-Haus in der Hirschengaffe im sechsten Bezirk, besetzte alle Ausgänge und nahm in allen Räumen wie auch in den Kellern und am Boden eine neue strenge Durchsuchung vor. Desgleichen stellte sie das Telephon unter Kontrolle. Bei der Durchsuchung wurden zehn anwesende Mitglieder der Hitler-Sturmabteilungen verhaftet Der Staatsanwalt verfügt« heut« di« Beschlagnahm« einer in den Abendstunden erschienenen Extraausgabe des nationalsozialistischen Kampfruf, die sich mit den heutigen Haussuchungen im Wiener„Braunen Haus", sowie mit den Vorfällen bei Gernegroß befaßte und für morgen einen„Spaziergang" der Nationalsozialisten auf der Mariahilferstraße ankün- digte. digunq d«r Arbeiten des Budgetausschusses für den Ausgleich des Staatsvoranschlages für das Jahr 1933 bei, worauf der Markt der Staats- schuldobligationen durch ein« Erholung der Kurse reagierte. Der Kapitalmarkt leidet ständig unter einer ungenügenden Bereitschaft für la«Mistige Kredit«; die Entwicklung des Einlagengeschäftes befriedigt bisher nicht, obwohl eine Besserung festgestellt werden konnte; di« Erleichterung nach der Ernte arbeitet sich nur stellenweise durch. Di« Prager Börse wirs bei geringem Geschäfte eine bedeutend widerstandsfähige Tendenz.auf, haupt- sächlich infolge der günstigen technischen Position des Marktes. Das Niveau der Großhandelspreise zeigte zum 1. Dezember nur gennge Aenderun- gen. Die kleinen Verschiebungen des Indexes der empfindlichen Preis« decken sich mit der Bewegung der Weltpreise. In der Landwirtschaft trat die saisonmäßige Ruhe ein. Der Stand der Wintersaaten utrd der Futtermittel ist vorläufig befriedigend. In der Jndustriebeschäftigung kamen keine wesentlicheren Aenderüngen zum Vorschein. Die Saisonvoraussehungen, welche vor allem durch das Ende der Bausaison und durch«inen kleineren Umfang der landwirtschaftlichen Kampagneindustrie gegeben sind, verursachen einen bedeutenden Zuwachs der Arbeitslosigkeit, deren genaue Statistik allerdings auf große Schwierigkeiten stößt. Im Außenhandel kamen im November di« anhaltenden Absatzschwierigkeiten in einem Rückgänge des Umsatzes, analog wi« in derselben Zeit des Vorjahres, zum Vorschein. Die Fcrtigwarenein- fuhr sank auf ihr Septemberniveau. Sonst gab es vom wirtschaftlichen Standpunkte aus keine Aenderüngen gegenüber dem Stande des Vormonats. Der Kurs der tschechoslowakischen Krone behielt seine stabile Entwicklung bei. keit der Bezirksvertretungen nur auf die inneren Angelegenheiten des Bezirkes beschränkt seien und als solche Angelegenheiten nicht die gemeinsamen Interessen und die Vorteile mehrerer Bezirke angesehen werden können. Das Oberste Berwal- tungsgericht hat diese Schlußfolgerung als logisch verfehlt angesehen, weil aus dein§ 75 dcS Or- ganisationSgefetzrs hervorgeht, Saß sich mehrere Bezirksvertretungen zur Durchführung gemeinsamer Einrichtungen oder Maßnahmen»«reinigen können und daß solche Vereinigungen und die von ihnen erfüllten Aufgaben nicht als andere als inner« Angelegenheiten des Bezirkes angesehen werden können. Angelegenheiten eines Bezirkes, welche mit denen anderer Bezirke übereinstimmend sind, sind auch innere Angelegenheiten des Bezirkes Die belangten Behörden befanden sich in einem Rechtsirrtum, weshalb deren Entscheidungen unter Hinweis auf§ 7 des BGH.-GesetzeS als gesetzwidrig aufzuheben waren. Anläßlich der Weihnachtsfeiertage erscheint unsere WeihnachtS-AuSgabe am Sonntag, de» 25. Dezember zur gewohnten Stunde. Dir Ausgabe vom Dienstag, dr» 27. Dezember entfällt. Di« nächste Rümmer erscheint wieder am Mittwoch, de» 28. Dezember. Di« Verwaltung. Mc Aenderüngen am AnloDusgcsctz. Herabsetzung der Autosteuern. Dafür soll der Brennstoffpreis um 25 statt«m 20 Heller erhöht werden. Prag, 20. Dezember. In der Frage der Abänderung des AutobusgesetzeS fanden heule den ganzen Tag über Beratungen im Eisen- bahn Ministerium statt, an denen sich auch die Ausschußrefermten des Senats sowie die Abgeordneten R e m e S und H o d a ö beteiligten. Hiebei wurde hauptsächlich ein AbändevmgS- antrag auf seine Auswirkungen überprüft, den der tschechische Genosse Jng. Winter rn der gestrigen Nachtsitzung des Siebenerausschusses gestellt hatte und der auf ein« gewiss« Herabsetzung d«r neue« Steuersätze für di« gewerbsmäßig« Personen- und Lastenbeförderung und ein« dementsprechend« Erhöhung des Brennstoffpreises hrnausläuft, um dm frnanzioklen Effekt der Vorlage nicht zu gefährden. Am Abend trat im Senat der Siebenerausschuß erneut zusammen, um die Schlußredaktion der Vorlage auf Grund dieser neuen Ver- einbarungm vorzunehmen. Gegen Mitternacht waren die Beratungm bis zum 8 63 fortgeschritten. Di« vorgenommenen Aenderüngen sind meist geringerer Natur und betreffen unbedeutende technische Umstilifieruügen. Di« sprachlichen Bestimmungen des 8 12, gegen die die deutschen Regierungsparteien schärfsten Protest«Hoben hatten, sollen u m stilisiert werden; der authentische neue Text, wi« er in den Ministerberatungen festgelegt wurde, lag aber noch nicht vor. Ein neuer Konflikt ergab sich daraus, daß die Sozialdemokraten di« Aufnahm« einer Bestimmung forderten, daß die Nichteinhaltung der achtstündigen Arbeitszeit durch den Unternehmer —«ine in dieser Branche ganz geläufige Erscheinung— im Wiederholungsfälle nach ztveimaliger Bestrafung des Unternehmers mit dem Entzug der Konzession bedroht werden soll. Hier stellten sich Nationaldemokraten und Tschechischklerikale ganz offen hinter di« Unternehmer, so daß diese Angelegenheit schließlich den politischen Ministern abgetreten werden mußte. Die Verkehrssteuer für den geiverbsmäßigen Personentransport durch Personenkraftwagen(8 63) soll für Wagen mit einem Zylinderinhalt bis zu einem Liter von 1000 auf 800, für Wagen Von 1 bis 2 Liter ans 1200(bisher 1500) herabgesetzt und für Wage« über zwei Liter auf 1800(bisher 1500) Kronen festgesetzt werden. Dagegen soll die beabsichtigte Verdoppelung dieser Sätze für inländische Wagen, vre den Rayon der Gemeind« überschreiten, entfallen und die Tagessteuer für ausländische Wagen von 8 ans 4 Kronen herabgesetzt werden. Nm den finanziellen Effekt. der Vorlage nicht z« gefährden, soll in der noch nicht«in. gebrachten Vorlage über die Erhöhung des Preises der Benzin- Spiritus• Brennstoffmischung eine Preiserhöhung von 25 Hellern statt der ursprünglich beabsichtigten 20 Heller pro Liter vorgenommen werden. Bei Blattschluß dauert die Sitzung des Ausschusses noch an. Dmsatzsteuernovelle vom Senat genehmigt. In einer dreistündigen Sitzung erledigte der Senat in den späten Nachmittagsstunden die Novelle zum Umsatzsteuergesetz, die die Befreiung der kleinen Unternehmer mit einem Gesamtumsatz bis zu 15.000 K jährlich von den im Frühjahr beschlossenen Zuschlägen aufhebt. Der Referent erklärte, daß die Preise in den Geschäften, die angeblich keinen' solchen Jahresumsatz aufwiesen, genau dieselben waren wie in den Geschäften, die die vollen Zuschläge trogen mußten. Die Vorlage soll 70 Millionen einbringen. In der Debatte sprachen sechs Redner, worauf die Vorlage in beiden Lesungen angenommen wurde. Ebenso wurde auch die Vorlage über die E r h ö h u n g d e r B e r g st e u e r n in der Fassung des Abgeordnetenhauses genehmigt. Nächste Sitzung morgen üm 5 Uhr nachmittags. Auf der Tagesordnung steht u. a. die Exekutionsnovelle. Belauernngszustand in Argentinien. Buenos Aires, 20. Dezember. Die Regierung hat über ganz Argentinien den Belagerungszustand verhängt. Die Zahl der bei den Verschwörern beschlagnahmten Bomben beträgt etwa 4000. Ferner wurden 20 Gewehre der brasilianischen Armee, die von den Aufständischen von Sao Paulo stammen, beschlagnahmt. Ak Wilk Dürfen Hit MWW Heim Moont Der»Men SelWkMllniMliiW«men. Seite 4 Mittwoch, S1. Dezember 1939 Nr. 306 10 Millionen Pfund als Nachtragskredit für die englische« Arbeitslosen. London, 20. Dezember.(Reuter.) Die Debatte über den Stand der Arbeitslosigkeit endete gestern im Unterhaus« nut einem Sieg der Regierung. Das.Haus nahm mit 216 gegen 31 Stimmen einen Antrag an, daß ein Nachtragskredit im Betrage von 19 Millionen Pfund Sterling für die Arbeitslosenfürsorge beschafft werde. Während der Debatte über die Arbeitslosenfrage verursachte ei'n Mann auf der Tribüne großes Aufsehen, als er lärmend dagegen prote- stiert«, daß das Parlament eine Deputation von Arbeitslosen nicht empfangen habe. Der Mani- festant wurde von der Parlamentswache von der Tribüne entfernt. Versagen des Völkerbundes Im Mandschurei Koni Uhl. Gens, 20. Dezember. Der Neunzehnerausschuß der außerordentlichen Bölkerbundvcrsamm- lung hot heute vormittags beschlossen, die Beratungen über den chinesisch-japanischen Konflikt bis ettva Mitte des nächsten Monats, spätestens 16. Jänner, zu vertagen. Tie Dokumente über die Verhandlungen sollen vorläufig nicht veröffentlicht tverden. Die Versuche, den Konflikt mit Hilfe eines Völkerbundverfahrens zu beenden, haben bisher zu keinem Ergebnis geführt. Schwierigkeiten bestehen auch hinsichtlich des Lytton-Berichtes, dessen rechtliche Anwendung besonders kleinere Mächte verlangen. Di« Verhandlungen sind vorläufig festgefahren. heue Zeugen im StribrnQ-ProzeO Jglau, 20.. Dezember. Der 12. Prozeßtag wurde mit dem Verlesen einiger Briefe begonnen, darunter eines Briefes von dem Eisenbahnbediensteten Block, der sich zu erinnern glaubt, daß Sichrovsky, Pley und Stpidrny gemeinsam auf Jagden fuhren, und daß sich' Abge ordueter Myslivec gewundert habe, daß ein sozialistischer Minister in bisse Gesellschaft geht. Staatsanwalt Tr. Martanko teilte hierauf mit, daß sich zwei neue Zengen angemeldet und eingefunden hätten, di« darüber aussagen wollen, daß Stki- brny und Sichrovsky einander kannten. Das Gericht.ließ die beiden unerwarteten Zeugen zu. Ter Besitzer einer Autowerkstätte, Josef Baierle aus Karlsbad, sagt aus, daß er in den Jahren 1923-—21 bei Pley im Pariere« Chauffeur war. Er kennt beide Angeklagte, denn sie fuhren nach Karan« auf Jagden. Baierle pflegte Pley, in das Hotel de Saxe und ins Eisenbahn.ininistcriüm zu fahren, und Stfibrny im Barietee mit dem Auto abzuholcn, wo er auch manchmal Sichrovsky sah. Einmal reinigte er den Wagen und da trat der Portier Rozhon an ihn Hera» und sagte ihn, er sollt auf den Dilsvubahnhof fahren I'bibrny und Sichrovsky stiegen in' den Wagen ein und. Rozhon grüßte:„Hochachtung,.Herr Sichrovsky" Beide Herren versäumten jedoch den Zug und hielten dem Chauffeur vor, daß er zu langsam gefahren sei., Ans diesem Grund« nrerkte sich Baierle diesen Vorfall.' Später sah Zeuge Sichrovsky mehrere- male im',Hotel de Sax«, von ivo er die ganze dortige Grsellschaft kennt. Auf die Frage des Borsitzenden, ob der Zeug« die beiden Angeklagten außer bei dem erwähnten Vorfall noch anderswo gesehen habe, erklärt Baierle nach einer Weile des Nachdenkens, er sei sich dessen ganz gewiß, daß er beide.an ihrem reservierten Tisch gesehen hab«. Der Zeuge erzählte darüber, daß er die beiden Angeklagten gesehen habe, im Cast Weber in Fischern bei Karlsbad, wobei Jaroslav Maschek zugegen war. Die Nachricht hierüber gelangte auch der Polizei zu Gehör und gleich darauf Linien in der Nacht zwei Herren aus Prag zu ihm, von denen sich der eine'als Sektsonschcs und der zweite als Staatsanwalt vorst«llten. Berd« Herren ver- langten, daß Baierle sofort mit ihnen nach Prag fahre: Der Zeuge konnte aber diesem Wunsche nicht entsprechen, da er nach einen schtveren Automobilunfall krank war. Er machte, sich erst gestern auf den Weg nach Jglau Der zweite Zeuge, der Selcher Jaroslav Mache! aus Fischern bei Karlsbad.' kennt diei Angeklagten überhaupt nicht Auf«iue Anfrage Tr. Lernys teilte er mit, Baierle habe ihm irgendeine kleine Photographie von einer Jagd auf dem Keilberg gezeigt, doch habe er gesagt, daß Sichrovsky nicht darauf sei. sondern ein Herr Hausner, d«n er näher beschreibt. Bei der Konfrontierung der beiden erklärte Baierle, «r habe ursprünglich angenommen. Laß aus der Photographie, die er auf dem Keiiberg gemacht habc, auch Sichrovsky sei. Später habe er aber festgestellr, daß Sichrovsky dort nicht war Znm Schluß der Verhandlung stellte Verteidiger Dr. Raöin den Antrag, daß Gustav Pley, Hotelier Junger? und Dr. Oberchor noch einmal verhört werden.. Weiter sollen Portier Rozhon, Dr. Kratky, Dr. Pudiml'ö und sämtliche Mitglieder der Gesellschaft, von der der Zeuge Baierle sprach, verhört werden. Außerdem soll die erwähnte Photographie beschafft, di« Krankheiksgesch'cht« des Zeugen Baierle angefordert und ängefragi weiden, ob Baierle bei dem Unfall nicht ein« Gehirnerschütterung erlitt. Weiters soll auf kürzestem Wege auch das früher« Dienstpersonal der Haushaltungen der beiden Angeklagten verhört werden. Staatsanwalt Tr. Marianko forderte die erwähnte Photographie bereits telegraphisch an und rrsuchte um die Akten über Baierle, der in Jglau bleibt, um mit verschiedenen Personen konfrontiert zu werden. Lungenentzündung in 89 Städten insgesamt 807 Personen. I« den Staaten des Mittelwestens und des Oste» ist die Sterblichkeitszisfer bei den Grippeerkrankungen nur ganz wenig gestiegen. Grippe in Amerika. rrodesfiMe in einer Woeye. Washington, 20. Dezember. Rach i starben dem Berichte zufolge an Grippe und einem Berichte des Gesundheitsamtes der V«r-"'-'"^'us''* einigten Staaten sind di« S übst aatcn der Union von einer Grippewelle ergriffe» worden, die den Umfang einer Epidemie erreicht«. In der mit dem 3. Dezember abschließenden Woche niHiUiinHiHnfflnunHi)nnHiniinituiiininiiiHiHn!NiiiiiiiiimiimnmuHniiHnnnniiHiiiiHiimniiniiHiiwiininH(iiHini!iniiiniiiiiiiiiiiniinuiinnniiHniHiiiiiuiiminiminii>miwHiiiHHm(niiniiitn T agesneuigkeiten Selbstmord aus Furcht vor Entlassung. In Neudorf a. d. Biela schied, wie uns aus Görkau berichtet wird, unter tragischen Umständen der 19jährige Arbeiter Franz Pommer mrs dem Leben. Pommer war auf dem Hedwig- ! Schachte in Neudorf beim Ablairfen lassen der Hunde beschäftigt. Ohne fein Berschulden stürzte ein solcher Hund ans ein Lastautomobil, wobei dieses stark beschädigt wurde. Der Arbeiter war über diesen Zwischenfall so sehr erregt, daß er aus Angst vor Entlassung und einem eventnÄlen Lohnabzug zur Wiedergutmachung des Schadens sentem Leben freiwillig ein Ende macht«, indem er sich crhängir. Pommer war verheiratet und Pater zweier Kinder. MttttSrftugzeag stürzt auf ein Wohnhaus. Di« Flieg«r tot— zehn Person«« verletzt. Paris, 20. Dezember. Ucber dem Pariser ! Borort Antony ist heute mittag«in Militärflugzeug auf ein Wohnhaus niedergestürzt. Beide Insassen des Flugzeuges waren auf der Stell« tot. Außerdem wurden etwa zehn Personen verletzt. Ser Tod im Schacht. Gestern früh gegen 3 Uhr ereignete sich auf dem Adolf Ernst-Schacht der Brücher Kohlenwerke in Schönfeld ein schwerer Unfall, der zwei Menschenleben forderte. Bei ihrer Arbeit im Plan wurden zwei Bergleute, Eduard Lang aus Schönfeld und Wünsch aus Karbitz, verschüttet. In mühevoller Arbeft konnten die beiden geborgen werden. Als ober das sogleich herbeigeholte Sanitätsauto herbeigckommen war, waren inzwischen die beiden Bergleute ihren Verletzungen erlegen. Den Hinterbliebenen wendet sich die allgemeine Teilmchmc zu.'Die Untersuchung ist im Gange. Die Geliebte ertrantt. Aus Preßburg wird gemeldet: Bei der Gemeind.' Neded nmrde die Leiche eines jungen Mädchens aus dem Wasser gezogen. Am Hals der Leiche, die Verletzungen aufwies, war ein mit Tand gefüllter«xid angebracht. Die Gendarmerie verhaftete denechischer Abstaimnung sind.' Für eine Partei, die sich zur Günthersckwn Rassetheorie bekennt, kann diese Tatsache nicht gerade von werbender Wirkung sein und darum sind die Nazi eifrig bemüht, solche Leute entsprechend anfzunorden, damit die Oesfentlichkeit nicht erfahre, wer heute int braunen Hemd herumläuft. Die Aufnordung geschieht auf höchst einfache Weise: Die nicht ganz Reinrassigen ändern ihre Na- nten und aus einem Suchanek wird danit beispielsweise ein Suchenwirth, in dem man hernach kaum mehr einen„Bohm" vermutet. Etwas umständlicher gelang die„rassisch« Veredelung" bei dem Pg. K u s i L k a, küssen Borfahren aus der Moldaugegend noch Wien seinerzeft eingewandert siitd.(Ein Bruder des Genannten ist heute noch Mitglied des tschechischen„Sokol".) Besagter Kusiäka machte in der Nazipartei rasch Karriere, lveil er ein gutes Mundwerk hat und schließlich wurde er gar zum hakenkreuzlerischen Landespressechef ernannt. Bis dahin änderte er zweimal den Namen.' Lange Zeit hieß er Pg. Raimund(das ist der Borname, der zum Familiennamen„erhoben" wurde), später aber wurde er H a i n.tz genannt, weil nran nämlich inzwischen dahinter gekommen war, daß der Kusieka als früherer Angestellter eines j ü- bischen Leopoldstädter Kaufmannes mehrere tausend Schilling unterschlagen hat. In dem Hamtz, so kalkulierten die Nazi, wird wohl niemand den Dieb Kusieka vermuten. Die „Arbeiter-Zeitung" hat aber den Schwindel aufgedeckt und es wird nun den Hakenkreuz- lern nichts anderes übrig bleiben, als den Mann noch einmal umzutaufen. Hoffentlich gelingt es den Nazis mit der Zeit, den diebischen Kuficla- Raimund Hain tz rassisch so zü veredeln, daß er sich neben dem Pg. Frauenfeld, der sich bei koscherer Kost zum Antisemiten wandelte, nicht zu schämen braucht. Was exportiert wird. Wie in der Tschecho- sivwcckei so werden auch in Oesterreich jetzt die Einrichtungen stillgelegter Betriebe dem Ausland zum Berkaus angeboten, ttm eine möglichst vorteilhafte Liquidierung der Betriebe zu erreichen. So teilt die bürgerliche Presse in diesen Tagen mit, daß sich nun in Oesterreich ausländische Unterhändler aufhalten, die hauptsächlich für Palästina und die Türkei ganze Maschinenparks aufkaufen, um die Produktion in die früheren Absatzgebiete der österrcichischen Industrie zu'verpflanzen. Ein großer Teil der Bürften- industrie ist bereits in die eben genannten Länder verschoben worden und damit auch der bisherige Absatz verloren gegangen. Zurück bleiben nur di« Arbeiter, die ehedem an den Maschinen gestanden sind. Mit diesem Vorgänge wird gleich- zertig das geradezu kindisch« Gerede widerlegt, als ob di« bestehende Wirtschaftskrise nur von vorübergehender Dauer wäre. Denn wenn di« Maschinen in Erdteile gebracht tverden, die vordem Absatzgebiet unserer oder der österreichischen Industrie gebildet haben, dann doch jedenfalls nur deshalb, weil man dort Waren herstellen will» die mm: früher importieren mußt«. Es käim für Branchen, die äbgcwandert sind, keine Konjunktur mehr geben, und wem das noch nicht genügt, dem muß cinleuchten, daß in leeren Fa- briksräumen nicht mehr produziert werden kann. Der Unternehmer versucht für sich zu rettens lvas noch zu retten ist, er verpulvert die Substanz, die ihm Reichtum und seinen Sklaveir Brot brachte und sorgt so für seine Person. Ten Arbeitern aber bleibt wie immer das Nachsehen und die Hoffnungslosigkeit. „Beitrag" zur Tezemberrate. Die Blätter melden: Die amerikanische Botschaft in Paris erhielt am Montag zahlreiche Briese mit einem Batbetvag von je 12 Francs, deren Absender in. verschiedenen Gegenden Frankreichs wohnen. In den Briefen heißt es: Wir stimmen der Aktion 1 der Abgeordnetenkammer nicht zu, die die Zahlung der Tezeniberrate an Amerika abaelehnt hat. Wollen sie diesen Betrag entgegennehmen, der dem auf jeden französischen Bürger entfalleichen Anteil an der Dezemberrate entspricht." Die Botschaft sandte diese Beträge an jeden Adressaten gesondert, mit einem vom amerikanischen Botschafter Edge eigenhändig unter- zeichneten Dankschreiben zurück. Einbruch auf dem Prager Graben. In der Nacht von Montag auf Dienstag brachen Kassenschränker bei der Firma Busch auf dem Graben in Prag ein. Sie krochen auf die Pawlat- schen, stiegen von dort in das neben den Bureauräumen gelegen« Klosett und brachen hier die Wand durch. So gelangten sie in den Raum, wo zwei Kassen standen. Sie fanden einen Schlüsselbund, der zu beiden Kassen paßte. Nachdem sie jedoch die eine Kasse geöfftret und in ihr 60.000 Kronen in Banknoten gefunden hatten, verzkchteten sie darauf, sich um die zweite Vom Rundfunk Empfehlenswertes aus verr Programme«. Donnerstag. Prag: 645 Gymnastik, 11.00 Schallplatten, 15.30 Konzert, 17.20 Kinder musizieren, 18.25 Deutsch« Sendung: Jng. Teuschert: Landwirtschaft, 19.20 Konzert, 20.10^anosik", sloivok. Tragödie, 2225 Zeitgenössische Musik.— Brünn: 18.25 Deutsche Sendung: Der liebe Gott zieht durch di« Welt, Hörspiel.— Breslau: 20.30 Weihnachtsmusik.— Mühlacker: 21.40 Klarinetten-Kammermusik.— Hamburg: 19.30 Klavierkonzert.— Königsberg: 19.00 Sieder zur Gitarre.— Langenberg: 19.30„Holzschuh im Himmel", Hörspiel. München: 19.30: Orchesterkonzert.— Wien: 19.25 Alte Meister, 20.05 Im Zeichen des Winters. Kasse zu bemühen, in welcher ein annähernd gleich höher Betrag war, öffneten einige Schubladen, in denen sie nichts fanden, und verließen sodanm das Bureau auf demselben. Wege, auf dem sie es betreten hatten. Die Polizei fahndet nach den Einbrechern. Betriebseinstellung der Schönpriesener Zuckerraffinerie. Wie wir erfahren, hat di« Zuckerraffinerie in Schönpriesen ihren Betrieb vorübergehend eingestellt. Es werven über 600 Arbeiter entlassen, so daß die Arbeits- losenziffer in Aussig vor Weihnachten stark ansteigen wird. Freispruch in einem Gattenmordprozetz. Aus Ungvar wird berichtet: Das Kreisgericht in Chust hat den Landwirt Elek Sipos aus einer Gemeinde bei Berehovo, der wegen Ermordung seiner Ehefrau angeklagt war, freigesprochen. Der Freispruch erfolgte wegen Mangels a n B c w e i s e u. Die Anklam wurde ursprünglich aus Grimd der Aussage der Schwiegermutter Sipos erhoben, die,«Märte, gesehen zu haben, als Sipos, auf dem Tisch stehend, seine auf einen: Haken im Deckenbalken erhängte Frau abknüpfte. Der Untersuchung, gelang cs nicht, klarzustelleu, ob ein Mord oder Selbstmord vorliegt, da die Zeugeiraussagen uird der ärztliche Befund einander widersprachen. Der Staatsanwalt legte Nichtigkeitsbeschwerde ein. Sipos wurde in Freiheit gesetzt. Unglücksfall oder Selbstmord. Aus dem Bahnübergang unweit von Rimavsk» Sobota wurde ein etwa 40jähriger Mann vom Zuge überfahren urw war auf der Stelle, tot. Di« Untersuchung soll ergeben, ob es sich um einen Unglückssall oder um Selbstmord handelt.' Ein einträgliches Geschäft. Die Soeieia Ricuperi Maritimi Sorima in Genua, die sich mit der Hebung gesunkener Schisse und ihrer Ladung aus der Meerestiefe befaßt, wird für das nächste Jahr eine hundertprozentige Dividend« auszahlen.' Wegen unheilbarer Krankheit in den Tod gegangen. Aus Karlsbad wird uns gemeldet: Durch einen Schuß ins Herz hat sich hier im Sause Sangerberg" der Arbeiter Padua«nt keibt. Der Unglückliche, der seit langer Zeit an einer unheilbaren Krankheit gelitten hatte, war Vater von sechs zum Teil noch nicht schirlpflichtigen Kindern. Rußland braucht Ingenieure. Bis zum 30. November l. I. fiiti) 136 österreichische Ingenieure nach Rußland ausgewandert, während im Vorjahr« bis zu diesem Zeitpunkte nur 17 Ingenieure von russische:: Fabriken etrgagiert wurdet^ so daß sich die Zahl der nach Rußland ausivandernden österreichische:: Ingenieure veracht facht hät. Hingegen hat sich die Zahl der von Rußland gesuchten qualifizierten Arbeiter um ea. 50 Prozent verminder t.*, Amtliche Zeitschrift der Arb«jt«r-Unfall-Ber- ficherungs-Änstalt«» in Prag und Brünn. Bom Jänner 1938 an werden die Arbeiler-Unfall-Porsiche- rungSanstalten in Prag und Brünn in vierteljährlicher Folge ein« amtlich« Zeitschrift für Unfallversicherung der Arbeiter herausgeben unter dem Titel: „Tie Unfall-Persichcrung". Amtliche Zeitschrift der Arbeiter-Unfall-Persicherungs-Anstalten in Prag und Brünn. Benzin aus Salpeter. Der in Samiago 2c Chile tätige W>«mider Swoboda,«in früherer wster- reichischer^ Fliegerofsizier, entdeckt« in gemeinsamer Arbeit mit einem chilenischen Kollegen ein Verfahren zur Gewinnung eines volbvertigen Benzin-Ersatzes aus Salpeter. Das neue Salpeter- Benzin soll nnr halb so viel wie Original-Benzin kosten. Wie die Aüge des Lu;erner iZisenbahnungl'icks zugenchtei wurden. Unser Bild von den dein: Luzerner Eisenbahnunglück völlig zerstörten Wagen gibt eine Vorstellung von der Gewalt des Zusaunnensloßes der beiden Züge rm Guctsch- Tunnel. Nr. 300 Mittwoch, 21. Dezember 1932 Seite 5 Der Kaufmann vernachläs- nieder. 8he. Gatten seiner wieder eine Sanladerer, nachdem es schon vorher Streitigkeiten wegen der Za h l u ng s ve r p f l i ch- j tung« n gekommen war, di« Sanladerer für seine j Verwandten übernommen hatte.‘...... Landwirt von feinen Angehörigen blutig ge-! schlagen. 5“"' ihn der Sohn durch zwei Schüsse er gehört hatte, wie Trojan jagte:„Jetzt ist er da, jetzt schieße ich ihn nieder!" Darauf seien die Schüsse gefallen. Tie Gattin des Angeklagten und ihr Freund belasten ihn sehr schiver, doch stellte sich heraus, daß Frau Dvoracek einig« Zeit nach der Trennung die eheliche Gemeinschaft nnt ihrem Manne wieder ausgenommen hatte, dabei aber ohne sein Wissen ihr Verhältnis mit Trojan aufrechterhielt. Dvoracek wurde freigesprochen, umsomehr, als das Gericht annahm, daß die Richtigkeit der Zeugenaussagen wegen der ausgesprochenen Feindseligkeit der Frau und ihres Liebhabers angezweiseli werden müssen. luerst um tlunderNausende gebracht dann als Mörder denunziert. Der reiche Kaufmann und seine Freundinnen. Da» ßnde einer Der Liebhader schießt auf den Freundin. Aus Görkau wird uns berichtet: Im November vorigen Jahres kam es hier zu einem Eifersuchtsdrama, das lang« Zeit hindurch das Tagesgespräch im Orte und in der Umgebung blieb. T«r pensionierte Bergmann August Dvoracek führte kein« glücklich« Ehe, wenngleich er nicht ganz unschuldig daran war, daß sein« Frau das gemeinsam« Leben mit ihm aufgcgeben hatte. Da der Bergmann keine ander« Wohnmöglichkeit hatte, verblieb er trotzdem im Hause seiner Frau,, in. welchem. auch der Oekonomiebeamte Paul Trojan wohnt«. Mit Trojan knüpfte Frau Dvoracek«in Verhältnis an, das dem Manne nicht verborgen bleiben konnte. Da er mit großer Liebe an seinen Kindern hing, ging ihm die Trennung von seiner Familie sehr nah«, und er ließ sich deshalb mehrfach zu Drohungen gegen seine Frau und Trojan hinreißen, doch kam es zu einem Zusammenstoß erst in der Nacht zum ll. November. In dieser Nacht hielt sich Trojan bei Frau Dvoracek auf. Dvoracek bewaffnete sich mit einer Axt, drang in die Wohnung seiner Frgn«in und drohte, er werde alle töten. Trajan, der vor Ta» Verhältnis war natürlich nicht billig. Man ", machte Autotouren inK Gebirge, besuchte kostspielige Nachtlokal« u. dgl. mehr, was nun einmal zu einem„besseren" Verhältnis gehört. Diese Spesen sind schließlich bei solchen Anlässen einzukalkulieren. Aber die junge Frau wußte aus der vorteilhaften Freundschaft noch ganz ander« Vorteile zu ziehen. Sie begann, nach der Anklage, bei ihm Darlehen aufzunehmen, wobei sie vorspiegelte, daß sie nach einem reichen früheren Freund eine Million erben werde. Um diese Vorspiegelung künftigen Reichtums noch glaubhafter, zu machen, erzählt« sie ihrem Freund, sie sei im Besitz einer Bersicherungspolizze gleichfalls im Werte einer Million. So glaubte der Kaufmann tatsächlich an ein« reell« Grundlage ihres Kreditbedürfnisses und blecht« im Laufe der Zeit,, nach s«in«r Berechnung, cm die 4 00.000 Kronen. Di« ganze Sache endet« mit einer Strafanzeige des ernüchterten Freundes gegen sein« Exgeliebte, in welcher Anzeige behauptet wird, der«rwähnte Betrag sei ihm durch die fälschlichen und betrüge- r'schen Vorspiegelungen herausgelockt worden. Ties ist der an sich nicht ungewöhnliche Sachverhalt, um den sich die heutige Verhandlung dreht. Aeuß«rst ungewöhnlich aber ist das. was sich vorher abgespielt hat und vernrutlich Sache eines besonderen Verfahrens sein wird. Eines schönen Tages wurde nämlich der Kaufmann durch Detektivs aus seiner Wohnung geholt. Es war ein« anonyme Anzeige eingelaufen, e r sei der seit drei Jahren vergeblich gesuchte„Mörder von Böenor", dem di« Prostituierte I a n o t a zum Opfer gefallen'war und der trotz fieberhafter Nachforschung nicht entdeckt zu werden vermocht«. Ter Kaufmann verbracht« einig« ungemütliche Tage auf-der„C lyr ka" (der vierten Abteilung, der Kriminalabteilung der Polizeidirektion), ehe er der aufklärungssüchtigen Polizei sein Alibi nachzuweisen vermocht«. Diese Denunziation war von der Holub ausgegangen, di« sich auf diese Weise dafür zu revanchieren gedacht«, daß der spendable Freund zu seiner Frau zurückgekehrt war. Aber das ist eine Sache für sich, di« heute nicht zur Verhandlung steht. Der Verdacht des Kaufmannes richtet« sich aber anfänglich gegen eine ganz andere Person. Einige Tage vorher hatte ihn eine andere seiner G e l e- genheitsfreundinncn, 2 ofinka,«in kleines Strichmädel, das sich in eine bürgerlich« Existenz retten wollt«, gebeten, ihr zur Eröffnung eines kleinen Ladens di« ihr fehlenden 12.000 Kronen vorzustrecken. 18.000 hatte sie selbst.— wie froh wär« ich, wenn Du mich aus diesem Sumpf ziehen wolltest, heißt es in dem Brief. Aber dies« Transaktion schien dem Geschäftsmann nicht zu behagen. Jedenfalls legte er den Brief unerledigt ad acta. Gegen di« 2 o f i n k a also richtet« sich der Verdacht des Denunzierten, obwohl ihr Brief mit der demütigen Wendung geschlossen hatte:„ auch wenn Du mir nicht hilfst, werde ich es Dir nicht übel nehmen. Im voraus küsse ich Dir die Hände—.—* Später stellte sich der wahre Sachverhalt heraus und. so steht nun der erste Teil dieser komplizierten Sache zur Verhandlung: die Betrugsanklag« wegen der herausgelockten 400.000. Der Beweis der behaupteten Summ« ist nicht ganz einfach, weil wohl manches auf Rechnung gemeinsamer Freuden und Vergnügungen zu setzen sst. Die Angeklagte behaupt«^ es hänhlx.'sich um Geschäft«:' Als Zeugin,.dafür/, daß der Harrpt» zeuge nicht der Mann danach sei, leichtsinnig Geld herzugeben, hatte die Angeklagte ihre ehemalige Konkurrentin 2 o f i n k a mitgebracht. Diese sagte derart aus, daß der Staatsanwalt' erklärte, sich die Verfolgung dieser Zeugin wegen des Verbrechens der falschen Zeugenaussage vorzubehalten. Sicher ist, daß hohe Beträge in die Hand der Angeklagteri wanderten; es liegen Wechsel vor, die darauf Hinweisen, daß irgendwie scheinbar« Sicherstellung gegeben werden sollte. Schließlich wurde diese appetitliche Sache, von der man ja noch manches hören wird, zur Ladung von Zeugen vertagt. Windmühlenflugzeug abgestürzt. Auf dem Flugplatz Billacoublay bei Paris stürzte am Montag nachmittags der französisch« Flieger Martin bei einem Probeflug mit einem Windmühlenflugzeug ab und verunglückte tödlich. Die! dem Manne mir der Axt Angst harte, griff zum Revolver und feuerte zwei Schüsse gegen Dvoracek ab, der an d«r Hand und in di« Brust getroffen wurde. Er mußte ins Krankenhaus gebracht werden. ' Trojan stellt« sich der Gendarmerie, wurde aber auf freiem Fuße belassen. Dagegen wurde gegen Dvo racek di« Anklage wegen Hausfriedensbruches erhoben. über die nunmehr die Verhandlung beim Brüxer Kreisgericht durchgeführt wurde. Der Be klagt« erklärt«, er habe mit der Hack« nur deshalb in die Tür zum Zimmer seiner Frau geschlagen, weil er wußte, daß Trojan bewaffnet war und weil iiiiinHiiiimiiiuiiiiiiiiimniiiniiiuiiHUiiHiiiuiuiimuiiiiuiiiKifiiiiiiuiiniHiiiiiiiifiiiiiiiiiiiiHiiiiiiinuiiiiiiiimiHiiiiiiiiiiiiiiiiHiiiiiiiiiiiiiiiuiHittiiiiiHiiHiiiiiuuiimntHiflniiinnHnNiiiiinnuNHinnHn ausender weiter keine Rolle spielen, I wenn eine hübsche Freundin im Spiel ist und die ! anmaßenden Hungcrieider von Angestcll:«n, bi« ja ; bekanntlich durch unersättlich« Lohnforderungen die Prosperität der Chefs zu bedrohen pflegen. Es handelt sich also vorläufig um eine B e- irugsanklage gegen die 83jährige fesche und Sanladere» zu 11 Jahren Zuchthaus, feint Schwester, oviefine H o l u b, ein« junge^rau, dre durch Marie zu 2 Jahren, 6 Monaten Gefängnis und wahrere i>ahr« em intimes Verhältnis deren früheren Geliebten Jodlbauer zu einem Jahr einem hiesigen reichen Kaufmann unterhalten Gefängnis. Die Mutter der verurteilten Ge-! waren verheirate t, über das schwister wurde wegen Mangels an Beweisen frei.! Zeuierr weiter nicht. Der Kaufmann vernachlap gesprochen. Die Angeklagten hatten im August d. I.;'0 tc ,ei” c rrrau, ohne sich weiter darum zu küm- ° Auseinandersetzung mit dem alten Ern. ob es ihr recht war oder n cht, und der nachdem es schon vorher öfter za Gatte seiner Freundin den chm dies« übrigens als --- Bruder vorgestellt hatte, Pflegt« diskret zu ver- schwinden wenn das Schlafzimmer seiner Frau zu TabK wurde^der! anderen als zu ehelichen Zwecken gebraucht wurde. «MAV ttAltirllA MtÄi ftlfTlA(IDam *| viiivii i^vii v i u i< u v* i' M_ Als er sich zur Wehr setzte, streckt«'‘y** siandesgcmaß, BettiebsstMand bei Der Firma A Haase in Tranlenau. 650 Arbeiter betroffen! Wie das„Trautenauer Echo" erfahren hat, hat die Firma Haase in Trautenau ihre Arbeiter gekündigt und wird ihren Betrieb am 22. Dezember auf unbestimmte Zeit einstellen. Bon dieser neuerlichen Betriebsstillegung werden abermals 650 Arbeiter und Arbeiterinnen betroffen. Wenn man zu dieser Ziffer die Zahl der mitbetroffenen Familienangehörigen hinzurechner, kann man erst ermessen, welch ein Weihnachtsgeschenk der Kapitalismus Hunderten und aber Hunderten von Arbeiter» wieder gebracht hat. _ Prag 20. Dezember. Ein einzigartiger Fall ^tast'ro'ph/'ist darauf zürüUufü'hren' daß sich'wurde heute vor dem Sena! des OGR Kap/an plötzlich«In Flügel des Propellers loSlöste, wo- verhandelt. Er spielt, wie schon aus den Ziffern durch.SaS Flugzeug absackte. des in Frage stehenden Betrages hervorgehr, in den U.S„.a! Kreisen der„g u t c n G e s e l l s ch a f t", wo die Strauss'. Wie aii o n t c Carlo gemeldet:®" b 5 11 wird,"hat der Sohn des bekannten Operetten-| iücnn.° ,n? nd,n im Sp el st und d e komponisten Oskar Strauß dort einenSelbst-! vungcriewer oon Angcsictt en, dre ja Mordversuch begangen. Sein Z u st a n d soll■ b°kannU-.ch^rchuncyattl.ch« L°h'sord«rungeu d,e sehr ernst svftt~ v' i Nraivrricat hrr Cbeks ru bedrobeu vrlcaen Den Vater erschossen. Das Schwurgericht tu Passau verurteilt« den Landwirtssohn Franz bckimnüüelLcbcMckikcn rom Balkan. Der Balkan mit seinen zahlreichen Landern und Grenzen ist geradezu ein paradiesisches Gefilde für Schmuggler großen und kleinen Stils. Der Schmuggel blüht hier wie nirgends in der Welt, zumal da ihn die verschiedenen Staaten durch ihre unsinnige Schutzzollpolitik und ihren übertriebenen Jndustrieprotektionismus direkt fördern. Di« vielen Schmuggelaffären bilden schon eine tagtäglich erscheinende Sonderrubrik der meisten Blätter, di« übrigens von den Leserq besonders andächtig studiert wird. Denn diese Meldungen sind vielfach eine recht lehrreiche Lektion für Fortgeschrittene wie Anfänger... Oft aber finden sich da auch reizvolle Geschichtchen, die lesenswerter als irgendein mazedonischer Fememord oder Zwischenfall, an der beffarabisch- russischen Grenze sind. Der Schmuggel auf dem Balkan spielt sich durchweg noch in Patriarchalischen Formen ab. Hier rasen kein« Hanzerautos mit bewaffneten Schmugglern— wie z. B. an der deutsch-hollän- dischen Grenze— durch die Grenzzonen: hier spielen sich noch keine stundenlangen Feuerkämpfe zwischen venvcgenen Schmugglerbanden und Grenzwächtern ab, Solche rabiaten Methoden wären auf hem Balkan ein Ding der Unmöglichkeit, wo die Grenzen mit Stacheldrahtverhauen, Schützengräben und verschlossenen Barrieren gesichert sind und nicht nur von Zollwächtern, sondern auch i kriegsmäßig ausgerüsteten' Militärabteilungen bewacht»verden. Die meisten Grenzübergänge des Balkan sind wie Kriegsstelluns^n befestigt. Da fehlen selbst Wolfsgruben, elektrische Hochspannungen und andre schöne Kriegserinne- .rungen nicht. Wehe jedem Schmuggler, der da mit Gewalt oder heimlich durchdringen wollte! Er würde ohne Gnade und ohne Anruf wie ein Komitattchi behandelt werden, denn dielen Grenztvächtern sitzt die Kugel nur allzu locker. Bei der ewigen Langweile der Posten wird gern ein kleines Schützenfest au» Merflchensleisch veranstaltet, wobei leicht eine Beförderung oder ein Lrdensblech herausspringen kann... Einen ge waltsamen Durchbruch der Grenzen mit Panzerwagen würde auch schon der unglaubliche Zustand der Grenzstraßen vereiteln, die meistens mit voller! Absicht vernachlässigt werden. Selbst ein stabiler Krastlvagen könnte sich hier höchstens ein 5 Krlo- meter-„TemPo" erlauben. Eine reizende Schmugglergeschichte spielte sich kürzlich an der rumänischen Grenzstation Jimbölia ab. Den dortigen Zollbehörden war von„Vertrauensleuten" hinterbracht worden, daß sich im Oriem-Expreß Schmuggler befänden, die eine beträchtliche Anzahl Seidenballen nach Rumänien einschmuggeln wollten. Als der Zug einlief, stürzte sich eine Legion Zollwächter auf die einzelnen Abteile und durchsuchte sie mit peinlicher Gründlichkeit. Vergebens! Man fand nichts und fluchte schon auf die unzuverlässigen „Vertrauensleute", als ein ganz Heller Zöllner auf den Einfall kam- doch auch das Abteil des Finanzministers Popovici zu untersuchen, der mit dem gleichen Zuge aus dem Auslande heimkehrte. Exzellenz brummte zunächst, als er aus seinem Mittagsschläfchen aufgescheucht wurde. Doch wie konnte er die Bitt« seiner pflichteifrigen Beamten abschlagen!— Donnerwetter, die Ueberraschung war groß. Unter den Polstern und Sitzen entdeckte man gegen 70 Kilc^ramm schwerster französischer Seide. Die Zollwächter waren peinlich berührt, und noch mehr die Exzellenz, die fassungslos ihre Unschuld beteuerte. Doch zur Ehre des Ministers wurde festgestellt— und warum sollen, wir uns dieser Feststellung nicht anschließsn?— daß er keine blasse Ahnung von dem Gaunerstreich der Schmuggler hatte, di« ihm da ein KuckuckSei ins Abteil gelegt hatten. Diese gerissenen Brüder hatten sich in recht balkanischer Schlauheit und Logik gedacht, daß so ein Finanzminister vom Balkan, der den kleinen Schlüssel Sm großen Gcldschrank des Staates in der estentaschs trägt, es nicht notwendig hat, zu schmuggeln. Kein Zollbeamter würde es zudem wagen, das Abteil seines Vorgesetzten zu durchwühlen. Doch die Gauner hatten diesmal daneben gedacht... Der Herr Minister ließ es sich natürlich nicht nehmen, den findigen Zöllner eigenhändig zu belohnen. Es n>ar im Mai dieses Jahres im Personen-> zuge Bukarest—Giurgiu—Donauhafen. In einem | Abteil 2. Klasse saß eine Dame, deren Benehmen ! immer nervöser wurde, je mehr sich der Zug der Grenzstation näherte. Der ihr gegenüber sitzende -Herr, der sie schon lange prüfend beobachtet batte, knüpfte schließlich ein Gespräch mit ihr an und erkundigte sich teilnehmend nach dem Grunde ihrer auffälligen Unruhe. Nach einigem Zögern gestand die Frau, daß sie eine stattliche Anzahl Meter kostbarer Seidenspitzen in Bukarest erstanden habe und sie nach Bulgarien schmuggeln wolle, wo di« gleichen Spitzen wegen des Prohi- bitivzolles überhaupt- nicht zu haben seien. Ter freundliche Herr beruhigt« sie und versicherte, ihr auf der bulgarischen Grenzstation Rustschuck beizustehen, wo er alle Zollbeamten persönlich kenne usw., usw- Die verängstigte Gelegenheitsschmugglerin atmete befreit auf, denn sie wußte, daß ihre bulgarischen Landsleute da drüben am anderen Donauufer nicht spassen. Als der kleine Fluß- daiirpfer an der bulgarischen Zollstelle anlegte und die Frau frohen Mutes die Landungsbrücke hinauf in die Höhle, der Zoll-Lötven schritt, stockte ihr plötzlich der Atem: Der Kavalier, der ihr seine Hilfe versprochen hatte, drängte sich an, einen Zöllner heran und erklärte ihm laut und vernehmlich, daß diese Dame da Seidenspitzen en gros durchschmuggeln wolle. Im Nu waren die Koffer der Frau durchstöbert, und als nichts gefunden wurde, mußte sie sich einer Leibesvisitation unterziehen. Das Resultat war: 50 Meter feinster Spitzen, die kunstgerecht um den Körper gewickelt waren. Die Schmuggelware wurde beschlagnahmt, und nach Erlegung einer Zollstrafr von 800ty Lewa konnte die Frau ungehindert den Zug nach Sofia besteigen. Kaum hatte sie Platz genommen, als auch der Denunziant in das Abteil trat und sich häuslich einrichtete. Zähneknirschend ob dieser Frechheit funkelte sie den Mann an, der mit. zufriedenem Lächeln da saß. Kaum hatte sich der Zug in Bewegung gesetzt, als die Wut der Frau in einer wilden Schrmpskano- nade zum Ausbruch kam. Ihr lächelndes Gegenüber schwieg, bis schließlich die Erzürnte aufhörte und krampfhaft zu weinen begann.„Ihr Schaden betragt insgesamt 22.000 Lewa?" ließ sich jetzt der Mann vernehmen.„Hier haben Sic vte gekränkte Polizei. Ein Wiener Gericht führte einen iuteressanten Beleidigungsprozcß für— di« Polizei. AngellagI war ein ausgesteuerter Arbeitsloser. Ein Wachmann hatte ihn beim Baden im Donaukanal außerhalb einer geschlossenen Badeanstalt ertappt. Tas Baden sollt« der A-;me ausbaden. Aus die Strafverfügung, die ihm zudiktiert wurde) erwiderte er, daß er kein Geld habe, sich ein Bad in einer geschlossenen Badeanstalt zu leisten. Zu verhungern sei ihm gnö digst erlaubt/ das wäre ihm bekannt; aber was alles verboten sei, das, könne er nicht wissen. Im übrigen würde er der Wiener Polizei mehr'Takt, Höflichkeit und MenschenkenMnis anraten. Als die Polizei die ihr angetane Schmach, daß man von ihr Takt, Höflichkeit und Menschenkenntnis verlange, erfuhr, stellte ste Strafantrag wegen Beleidigung. Was den Takt' anbelangt, so genügt.ihr ivohl, wenn ihre Leute lernen, tm Takt zu marschieren. Höflichkeit hält sie nicht bei Ausgesteuerten, sondern nur bei Hochbesteuerten für nötig; wer nicht arbeitet, soll auch nicht das Gnadenbrot der polizeilichen Freundlichkeit essen. Und Menschenkenntnis? Was braucht die Polizei Menschenkenntnis? Es genügt ihr, wenn sie genug Gesetzeskenntnis besitzt, um einem armen Teufel Fallen zu stellen. Man sage nicht, daß die Wiener Polizei in ihrer Kleinlichkeit nicht großzügig sei! Es wäre ja immerhin auch denkbar gewesen, daß sie deswegen geklagt hätte, weil sich bei ihr ein armer Mann beklagt. Es wäre vorstellbar, daß sie nicht" in ihrem Hunger nach Ehrfurcht gekränkt ist, sondern weil ihr ein Arbeitsloser begreiflich macht, haß ihn. nach Brot hungert. Aber dieser Borwurf rührt sie nicht. Sie interessiert die Unordnung in der Welt, sofern sie sich beispielsweise darin bemerkbar macht, daß»in Arbeitsloser außerhalb einer geschlossenen Badeanstalt badet. Di« Unordnung in der Verteilung der Nahrung ist nicht ihr Ressort. In dem alten Eggerschen„See- und Ritterlexikon" aus dem Jahre 1756 sicht, daß die Polizeiordnung alle Verordnungen und Anstalten umfaßt,„welche die Nahrungsgeschäfte so einrichten, daß dadurch alle Glicher der Staates gute Nahrung und Bequemlichkeit finden." Es ist wirklich eine sehr alte Polizeiordnung. Mit derselben Begeisterung, mit der die hohe Obrigkeit sonst bei der Schuriglung ihrer Untertanen an dem alten Zopf hängt, mit dem sie sich selbst, wi« weiland Münchhansen, aus dem Sumpf unserer Zeit zieht, hat sie die sittliche Ausgabe, zu der sie sich einmal bekannte, vergessen... Aber damit mir kein Geschichtskenner an den Wagen, fährt, was übrigens verkehrspolizeilich verboten ist: es nmß freilich zugegeben werden, daß die Polizei auch früher schon bisweilen ihre Meinung über ihre Ausgabe gewechselt hat. In Nummer 131 der„Bossischen Zeitung" aus dem Jähre.1776 ist zu lesen, haß ein. Notttit in iw der französischen Stadt Rocroy ans-fünf Jähr«^inS-Gefängnis geworfen wurde, weil er vor einem Polizeimajor nicht rasch genug den Hut gezogen habe. Allerdings war diese harte Strafe nur deshalb möglich,.'weil der Herr Polizeimajor sich selbst als eine Art Sondergericht aufmachte und die Sache dem ordentlichen Richter zu entziehen wußte. Unser Wiener Arbeitsloser kann also von Glück reden, daß seine gekränkte Polizei sich nicht nach dem französischen Vorbild richtete. Er kam vor einen im wahren Sinn des Wortes ordentlichen Richter mit Herz, Verstand und anderen unpolizeilichen Eigenschaften: er sprach den Angeklagten frei. Erich Gottgetrrn. diese Summ«! Der Schaden ist gering; dadurch, daß ich die Aufmerksamkeit, des Zollbeamten von mir auf Sie ablenkte, vermochte ich 5 Kilogramm Goldmünzen über die Grenze zu schmusWeln, ohne sie deklarieren nnd zum Zwangskurs abliofern zu müssen. Mein Gewinn ist groß genug, um Ihren kleinen Schaden zil ersetzen." Sprach's, griff nach seinem Koffer und verschrvand im Gewühle des Bahnhofes, in. den der Zug eben eiugelau- ken Ivar... Auf einer kleinen"griechischest Grenzstation fiel es eines Sonntags dem Zöllner auf, daß die vom Derwandtenbesuch ans dem nähen bulgarischen Dorfe heimkehrenden Bäuerinnen vielfach „Kinder" auf dem Arni trügen, die er am Morgen gar nicht gesehen hatte. Bei näherem Zu- ichaucn entpuppten sich die„Säuglinge" als niedliche kleine Ferkel, die sanft,, in Babykleidchen gehüllt, in lieffteui Schlafe lagen. Was batten die schlauen Bäuerinnen gemacht? Die von den Bulgaren billig erstandenen Schweinchen ivaren mrt scharfem Pflaumenschnaps und Opiumtropfeu gründlich betäubt worden, um sie ohne'Quietsche» rei, als„Wickelkinder", über die böse Grenzlinie schaffen zu können. Wie die Untersuchung ergab, liaben die Bauern diesen gerissenen Trick schon seit langem angewandt. Großes Pech hatte im vorigen Wimer ein bulgarischer Kaufmann aus Petritsch, der mit sei- rieni Gespann häufig nach der griechischen Grenzstadt Dennr-Hiffar hinübekfährt, sei es zu Geschäftszwecken, sei«s, um sich drüben an dein ebenso billigen wie feuriden Metaxawein zu laben. Als ihm einmal der köitliche Metaxa zu Hut geschmeckt hatte, entschloß er sül), einige Fläschchen mit nach Hause zu nehmen. Doch wie über die. Grenze schaffen? Da kam er auf den genialen Einfall, seine beiden Fußivärmsiaschen mit dem edlen Naß bis zum Rande zu füllen. Gesagt, getan. Die. Grenzkontrolle verlief. glatt. Doch als er im nächsten Gasthause eingrkehrt war, um etwas zuni„Aufwärmen" zu trinken— er fror schauerliche denn die Wärmflaschen waren leider kalt—, überraschte ihn sein Ktltscher mit der Mitteilung, daß er den erkalteten Jnl-alt der Würmflaschen ansgegossen rmd durch kochendes Wasser ersetzt habe... Seite k Mittwoch, 21. Dezember 1932 Nr. 300 PRAGER Die^Soziale Indikation" im Aerzte- verein. Wie ja vorauszusehen war und bekannt wurde, führte die Unterhaltung der deutschen Aerzte über den famosen Abtreibungsparagraf phen zu langen Diskussionen, die vor allen! durch di« unangreifbaren»UV erschütternden Feststellungen des Dozenten Dr. Hecht Licht und sachliches Interesse erhielten. Der vorliegende Entwurf, der ja längst bekannt ist, wurde schließlich infolge des einmütigen Vorgehens der jüngeren und sozialistischen Aerzte, unterstützt von einem Teile der älteren angenommen— mit einigen Abänderungen, welche die soziale Indikation dort einschränken, wo sie übertrieben erscheint, dort aber erweitern, wo es längst notwendig wurde. Interessant ist— und selbstverständlich, da ja die Sozialdemokratie von einem Geiste durchdrungen ist— daß die letztgültigen Entschließungen des Deutschen AcrztevereinS sich genau mit den Forderungen her österreichischen Sozialdemokratie decken, die im„Sozialdemokrat" in der Sonntaanuminer veröffentlicht wurden- Beinahe wie«in Witz»nutet an, daß em älterer Prager Mediziner einen Zusatz zum ersten Absatz durchsetzte.(Abtreibungen lediglich in öffentlichen-Heilanstalten.) Der Zusatz: auch in Privatheilanstalten desto. Sanatorien. Die Begründung? Bitte: es kämen für die Abtreibung bezw. sozial« Indikation auch die Frauen des Bürgerstandcs in Frage. Und denen könne man nicht zumuten, mit^dcn anderen Frauen zusam- men in den öffentlichen Krankenhäusern zu liegen. Zu begrüßen ist der Mut der sozialistischen oder der auch nur sozial eingestellten Aerzte, mit dein sie nicht nur auf der sozialen Indikation (und den entsprechenden Aenderungen im Strafgesetz) bestanden, sondern auch forderten, daß mit t^r medizinischen Heuchelei Schluß gemacht wüfibe. Nach der eingeholten Meinung anwesender Teilnehmer an der Diskussion besteht aber vorläufig keine übergroße Aussicht, daß die deutsche Aerztesck-aft mit ihren sözial-empfindcnden Barni- lxrztgkeitsforderungen durchdringt. Leider sträubt sich die tschechische Aerzteschaft desto, deren Organisation zum großen Teile gegen die soziale Indikation. K. B. Kunst und Wissen Von der Prager Deutschen MulU- attvemie.~ Die Prager Tc ursche Mysilalsdewik, hi« finan- ziell so schwer zu kämpfen hat, daß ihr Fortbestand ernstlich gefährdet ist! har bisher nichts uuversilchr gelassen, um di« zu ihrer Erhaltung nöligen Geldmittel aufzutreiben. Leider waren di« bisherigen Eic. gcbnifjc ganz unzureichend. Nun wendet sich die Prager Deutsche Musikakademi« neuerdings an die deutsche Oefsentlichkeit mir der Bitte um Hilfe in sozusagen letzter Stunde. Es besteht in Prag ein eigener Verein„Deutsche Musikakademie", der sich die Unterstützung und Erhaltung der Prager deutschen Musikhochschule zur Aufgabe gesetzt hat. Die MusikakadeUne bittet all« wahren Musikfreunde, diesem Verein beizutreten, um durch eine möglichst große Anzahl seiner Mitglieder«inen entsprechenden materiellen Rückhalt zu finden. Der Mitgliedsbeitrag ist verhältnismäßig! gering(80 Kronen jährlich), so daß auch weniger Bemittelte in der Lage sind, ihr Noiopfcr zur Erhaltung der einzigen sudetendcutschen höheren Musiklehranstalt zu bringen.— Am Montag hatte die Deutsche Musikakademi« einen ihrer vorbildlichen öffentlichen Musis- obende veranstaltet, um neuerdings Zeugnis zu geben von der ernsten künstlerischen Arbeit, di« sie allen materiellen Nölen zum Trotz leistet. Das Kon- Abkürzungen und vie das Volk sie liest Durch nichts wird die Phantasie des Volkes jo sehr angeregt, wie durch Dinge, die es nicht versteht, oder nicht verstehen will. Dafür sind die vielen Umdeutungen, die die bekannten Abkür» zlmgen längerer Bezeichnungen erfahren haben, ein gutes Beispiel. So Weitz zwar jeder"Deutsche, daß die vier Buchstaben D. R. G M., die man häufig auf Hosenknöpfen und ähnlichen Gebrauchsgegenständen findet, Deutsches Reichs-Gebrauchs-Mu st er heißen sollen, aber es gibt Wohl niemanden, der sie sich nicht zuerst als Der Räuber geht mopsen gedeutet hätte, während die Buchstaben G. m. b. H. von Kennern als Gannov mit beiden Händen gedeutet werden. Harmlosere Gemüter geben sich auch mit der Deutung Gehste mit, biste hin, zufrieden. Auf die gleiche Art ist aus der Ufa die Universität für Erwerbslose geworden, während die Abkürzung E. H.(Erwerbs losen-Hilfe) allgemein als e w i g e H i l f e gelesen wird. Zahllos sind die, Deutungen, die die Buchstaben D. K. W. gesunden haben. Der Kunde weint, das Krankenhaus wartet oder ZEITUNG. zert wär als Max Reger-Abend eingerichtet worden, brachte also durchwegs Werke dieses hochbedeutenden und noch immer nicht genug anerkannten deutschen Tonsetzers im Programm: zweihändige und vierhändig« Klavierstücke, Biolinkompositionen, Kompositionen für Gesang und Kammermusikwerk« im ensemblemäßigen Sinne größeren und kleineren Stiles. Nm die Ausführung der gediegenen und reichen Vortragsordnung hatten sich erfolgreich bemüht! Di« Pianistinnen und Pianisten Hilde Weiß, Gerta R e fe k, Ernst Hirsche und Wla- dimir, Lerny, die Geigerinnen und Geiger Herta Müller, Wladimir Avramoff, Norbert Hofmann und Oscar Riedl, der Flötist Peter B r ö mf e, der Biolaspieler Wünsch und schließ-' lich di« Sängerinnen Martha Pilz und Mathilde Schier. Das Konzert war ausnahmsweise recht gut besucht, was der materiell bedrängten' Musik- akadcmi« sehr zu gönnen war. E. I. Wochenspirlplan des Reuen Deutsche« Theaters. Mittwoch, halb 8 Uhr:„H o k u s P o k u s", Donnerstag„Di« Entführung aus dem Serail."— Freitag:'geschlossen Samstag: geschlossen.-Sonntag, nachmittags: Jngendvorstellung: ,^S m Weiße n Rößl"; abends:„Hoffmanns Erzählun- f c n".— Montag, nachmittags: Jugendvorstellung: Dreimal Offenbach"; abends:„Wenn die 'seinen Veilchen blühn". Wochenspielpla« der Kleinen Bühn«. Mittwoch,'? Uhr: Jugendvorstellung:„Essig uni Oe l" Donnerstag, 8 Uhr:„Bargeld lacht' --- Freitag, 8 Uhr:„B argeld la ch t"(Kultürver- banosfreundc).-- Samstag: Geschloffen— Sonntag/ nachmittags:„Bargeld lacht": abends: „Der Geisterzug".— Montag, nachmittags: „Ich habe«inen Engel geheiratet';, abends:„Der Geisterzug". Siiort' Spiel- KBrnerpflene zwanzig Gendarmen bei einem Mshvlkey'SPiel. In Wien fand vor einigen Tagen ein Eis« Hockeyspiel zwischen deui Sportklub Mödling und Halo ah, dem jüdischen Sportklub, statt, und zwar ging es in diesem Spiel um den Ausstieg in die erste Klasse des bürgerlichen Verbandes. Möd« ling genießt die Freundschaft der Nazi. Di« erklärten, schon, viele Tag« vor dem Spiel, daß di« Juden das Match auf keinen Fall gewinnen dürfen, ,,und. wenn man sie blutsg srrügeln M u ß"! Zum Spiel.fanden sich aste MiPinger Nazi ein,. Aus Grein' Auftveten konnte. ryan Wießen, daß'sie ferne Minute gezögert hätten, sich auf die Mannschaft der Hakoah zu stürzen, wenn di« in Bor» teil gekommen wäre. Di« Nazi waren nicht allein. Das Spielfeld umstanden zwanzig Gendar» men und.«in halbes Dutzend Stadtpoli« ; i st e n. Sie brauchten jedoch nicht einzugreifen, da di« Mannschaft der Hakoah unter dem Druck der Verhältnisse so schlecht spielte, daß ihr Erfolge versagt blieben. Di« allseits erwartete Rauferei blieb also aus. Man weiß jetzt, wie di« Hakenkreuzsport« !er zu ihren Siegen kommen. Fürchten sie, daß sie geschlagen werden, so drohen sie mit dem Messer, mit dem sie ja wahrlich bester umgehen, können als mit Sportgeräten. Ein« österreichisch« Fußballmannschaft— Kreismeister von Südbayern. Di« Fußballmannschaft des Arbeiter-Turn- und Sportrereines 8 u st e n a u>n Vorarlberg beteiligt sich an der Meisterschaft des Kreises Südbayern, da sie in Boravlbevg keine Gelegenheit hat, an größeren Wettkämpfen teilzunehmen. Nachdem sie die Meistertitel der Kreis« Bodensee und Allgäu gewonnen hat, trat sie in den Kampf um die Meisterschaft des Kreises Südbayern und siegt« am Sonntag, im Entscheidungsspiel gegen den deutscher Kinderwagen sind die bekanntesten, die ohne Zweifel kein Lob für die Fabrikate der Firma, die ihre Fahrzeuge unter diesen Buchstaben laufen läßt, bedeuten. Beim B. M. W. Wagen dagegen wendet sich der Volkswitz gegen den Käufer, indem er aus diesen Buchstaben den sicher oft zutreffenden Satz: B e« zahlt mit Wechseln herausliest. Aewer als über die Automarken ist das Volk über die Abkürzungen der verschiedenen Eisenbahngesellschaften hergefallen. So wurde die Abkürzung K. B. St. E für Königlich- Bayrische Staats-Eisenbahn gedeutet als Komm Bauer, steig ein, wahrend dje Abkürzung K. P E. B.(Königlich-Preußische Eisenbahn-Verwaltung) als Kein Pollack erhält Vorschuß gelesen wurde. Die Abkürzung O. T. E.(Oppeln-Tarnowitzer Eisenbahn),liest man: O traurige Erfindung. Dre Recht e-Oder-Ufer-Eisenb ahn mutz cs sich gefallen lasten, daß man chre Kennbuchstaben R. 2. IX. E. in Reichtum oben, unten Elend umdeutet, während man die Abkürzung O. E. der Oldenburger Eisenbahn sicherlich nicht ohue Grund m Ohne Eile umdeutete. Dagegen muh die Bezeichnung Frankfurter Ochsentreibergefell- schäft, die man aus den Buchstaben F. O- T. G. herauslas, zumindest eine arge Uebertrei- bung genannt werden denn die Frankfurt Sportklub Stern Augsburg mit 2:1. Der Sieg berechtigt die Lustenauer, an den Hauptspislen um di« BeAiands- und die Bundesmeisterschaft Deutschlands teilzunehmen. VfK. Siidwest Leipzig wieder Meister. Im sonntägigen Entscheidungsspiel siegte VfK. Südwest über Grotzzschocher knapp aber doch verdient mit 4:8 (3:8). In der ersten Halbzeit führte Großzschocher schott 3:1, doch brachte Südwests Läuferreihe di« eigenen Stürmer gut in Front, so daß der Ausgleich bis zur Pause geschafft werden könnt«. Nach Wie- deransldß ist Südwest War stark überlegen, kann sich aber gegen di« vielbeinige Verteidigung nicht recht durchsetzen. Kurz vor Schluß fiel dann durch einen Elfmeter wegen Hand das siegbringend« Tor. Wiener Arbeiterfußball. Liga: Postunion gegen Zentralveoein 4:2(2:0).— Freundschaftsspiele: Gaswerk St. Beit gegen Phönix Schwechat 2:2(1:1), RudolfShügel gegen Liesing 6:8(2:2), Columbia gegen Floridsdorf(Liga) 5:1(0:1), E- Wcrke gegen Ostbahn Simmering(Liga) 5:2(2:2), Nord-Wien(Liga) gegen Hochstädt 6:3(0: 2), Auto gegen Helios Brigittenau 1:0(0:0), Juventus gegen Phönizia 6:4(6:0), Landstraßer Sportfreund« gegen Gaswerk Simmering 2:2(1:1), Viktoria 10 gegen FC. 38 3:2(1:1). Der Film Bon der Filmzen,ur. In, den letzten Monaten hat man nicht viel von der segensreichen Tätigkeit jenes Fünferkollegiums im Innenministerium gehört, das sich erste Instanz der Filmzensur nennt und deren wichtigstes Mitglied«ine sagenhafte Dame aus Erziehungskreisen ist, die am meisten dann zu Wort kommt, wenn es um Frauen geht, die ahnen lassen, wie so«in Mensch gebaut ist. Der Grund dieses wohltuenden Schweigens ist darin zu sehen, daß di« Devisenzuteilüngsbeamten di« Rolle des Kultur- maulkorbverteilerS übernonrmen hatten und durch geeignete Maßnahmen die Interessen des Staates so förderten^ daß heut« die meisten Kinos mangels geeigneter Programm« mit dem Pleitegeier kämpfen müssen. Trotzdem hat sich das Zensurhäufchen im November noch rühren dürfen und verboten, daß im Film„Der Rastelbinder" vom Hausierer Wolf Pfefefrkorn das obszöne Wort„P f a r r r r l d b e n" gebraucht werde; man muß das Dekorum immer wahren/ auch bet Herrn Pfefferkorn; wir dürfen auch»ficht wisten, daß der rumänische Kronprinz beliebter ist als sein Vater und daß ein waschechter Magyar weint, nachdem er sein Liebel gesungen hat: denn, er hat sich eben nicht nach seinem Budapest zu sehnen, denn dies«„Buda-Pest" darf hier nicht geduldet’ werden; auch das ist eine Maßnahme im Jntexxsse her geistigen Zrolktzgesundheit. Richt er? laubt ist auch die gefährliche Sentenz/ daß wir uns vor der Korruption zy WftlwÄAvr(wobei„Wir" die Revolutionären Matrosen im Panzerkreuzer Potemkin sind), oder die Mitteilung, daß es im alten Oesterreich während des Krieges zu Revolten gekommen ist^ die sich gegen die Soldatenausbeutung richteten. So gehts eben weiter urit der Kulturförderuirg: man verbietet in Wochenschauen Kaiserlieder, über- nimmt aber dis Kaiserzensur und verschärft sie; man verbietet alles, was an Habsburgerdenkmälern existiert(wogegen natürlich nichts einzuwenden ist) und erstirbt in Hochachtung vor den gekrönten Häuptern fascistischer Staaten; man statuiert Geistesfreiheit und konstruiert kompliziertest« Maulkorbsysteme zwecks Verdummung des Bolles, erklärt alles für gefährlich, was nicht in den offiziell verpönten. aber umso inn'ger übernommenen Kram von Autorität und Feschalten am Gegebenen paßt Zur Zeit, da di« ärgsten Militärschwänke, verdumm- testen Operetten und Sexualpropagandaschundfiluv-' hcreittgelassen werden, bemüht sich der heimische Verleiher vergeblich um die„Erlaubnis", eine D r e i. g r'o s ch e n o p e r«inführen zu dürfen oder gar den Film des proletarischen Kinderproblems„Der Weg ins Leben"! W. Lg. Offenbacher Trambahn-Gesellschaft, die die erste Straßeichahn zwischen Frankfurt und Offenbach betrieb, fuhr ihre Ochsen und trieb sie nicht, wie ein schlagfertiger Schaffner, den man mit der vorgenannten Aus- lcguira foppen wollte, einmal gesagt haben wll. Schlimmer ist es der Französischen Eiicn- bahngesellschaft, die die Strecke Paris-Lyo»'.- Mediteranne betrieb, ergangen, denn nachdem einige Unglücke auf dieser Strecke vorgekommen, deutete das Volk die Abkürzung P. L. M. als: Pour la mort! Zum Tode! Organisationen, vor allem solche, die sich nicht alltägliche Ziele gesteckt haben, müsten ebenfalls erfahren, daß das Volk wenig Neigung verspürt, Aokürzungen so zu lesen, wie sie gemeint sind und so hat sich der Guttempler-Orden, dessen Mitglieder sich nach den Buchstaben, die auf dem Abzeichen der Organisation stehen, Ihogete- her nennen, längst damit abgefunden, daß man aus den gleichen Buchstaben das bezeichnend« In Ordnung gebrachter Trunkenbold herausliest. Da I und O auch als Eins und Null zu lesen sind, wird die gleiche Buch stabenfolge auch als 1 0 G l a s tä g l i ch gedeutet, womit sicher keine Milch gemeint ist. Das stolze I. R.(Imperator Rex), das Wilhelm der Zweite unter seinen Namest setzte, wurde vom Volke als Immer reisefertig gebeutst. Literatur Die Gefährten." Roman von Anna Seghers. Verlag Gustav Kiepcnhcuer, Berlin. 319 Seiten. Es ist das zweite Werk dieser jungen glänzenden Erzählerin. Ihr erster Roman„Aufstand der Fischer von St. Barbara", das mit dem KleistpreiS bedacht wurde, hat vor einigen Jahren wohlverdiente Beachtung gesundem„Die Gefährten" wird man nicht gut einen Roman nennen können. Was das Buch enthält, das fit die Schilderung der Schicksal« von Revolutionären in der Zeit seit dem Kriege in den verschiedensten Ländern. Eine ergreifende Symphonie des Leidens und Sterbens dieser Menschen, zugleich»ine Verherrlichung ihres Heldenmutes, ihrer Entschlossenheit und ihres Äämpsertums. Märtyrer der Gegenrevolution aus dep verschiedensten Ländern ziehen an uns vorüber. Die Gestalten, welche die Dichterin vor uns handelnd hinstellt,.stammen aus Ungar», aus Polen, aus Italien, aus Bulgarien und aus China, Arbeiter, Bauern, Studenten, che- malige Offiziere und Hochschullchrer, di« an der Revolution teilgenommen hatten und die von der weiß- gardistischen Bestie gemartert, getötet oder ins Exil getrieben werden. Die Autorin hat dem Studium der revolutionären Vorgänge ebenso wie dem Leben und den Leiden derer, di« in ihrem Vordergrund« sich betätigt haben, viel Sorgfalt zugewendet, sie keimt die Unmenschlichkeiten der weißgar- distischen Schlächter, die sie in Ungarn nach dem Siege über die Revolution verübt haben, ebenso wie das Los der revolutionären. Kämpfer nach dem fasci- stischen Staatsstreich in Italien und nach dem Pil- sudski-Umsturz, und sie weiß um ihr Lebe« im Exil. Es ist nicht irgendeine Parteigesinnung, die Anna Seghers in diesen Kämpsergestalten verherrlicht, sondern die Auflehnung und den Kampf gegen die bürgerliche Welt schlechthin. Beginnt man zu lesen, so ist es Unmöglich, sich von dem Buch« loszureißen. Es.sind Stellen darin von elementarer Wucht und unerhörter Sprachkraft, über die nur ein« Dichterin verfügt..— r. „Dir Süudrrin." Roman von Claire Spencer. F. G. Speidelsche Verlagsbuchhandlung, Wien. In Claire Spencer, der schottischen Dichterin, I«rnt man an diesem reifen und erschütternden Buche eine Erzählerin von hohen Qualitäten kennen. Effie Gallows, die„Sünderin", ist ein schönes, junges Weib, die Schönste weit und breit. Jenen, die in sie verliebt sind— und das sind viele 4- erscheinen andere Frauen im Vergleich mit ihr armseliger Abfall. Die Mehrzahl der Männer, die sie liebten, „kamen aus den Reihen der Tollkühnen oder der blinden Schwächlinge her", denn die andern Erkannten in ihr eine Naturgewalt, die sie niemals zu besiegen hoffen durften." So wird diese Effie Gallows geschlldert, deren Geschichte hier erzählt wird. Unter den Männern, die um sie werben, erwählt sie Ernest Weir, einen verträumte», sanften Burschen, obwohl sie wenig für ihn fühlt und man allgemein weiß, daß andere, vi«l prächtigere Burschen Um sie werben.'Die MuttelErnest Weirs durchschaut bas Ge^imnis. Als Effie Gallows sich entschließt, Ernest Weirs Frau zu werden, trägt sie bereit« ein Kind unter dem.Herzen. Unter ihren Verehrern war einer, der ihr« Sinne zu entstammen gewußt hat, doch stellt es sich heraus, daß er der Verlobte einer Anderen ist. Um ihre„Sünde" zu verbergen, entschließt sie sich zu-rascher Heirat mit dem ihr gleichgültigen Ernest Weir. Bei einer Jahrmarktsrauferei wird dieser getötet. Sie kennt den Namen des Alörders, doch sie verschweigt ihn. Der Haß gegen sie wird im Dorfe immer stärker. Als das schwächliche Kind, das sie zur Welt bringt, nach wenigen Wochen stirbt, hält man sie für dessen Mörderin und sie wird von den Dorsleuten schließlich gesteinigt. Sie stirbt an den schweren Verletzungen, die sie hiebei erleidet. Auf jeder Sette des Buches bewährt sich die Autorin als.‘ eine vedeutendc Menschengestalterin, und sic schreibt in einer Sprach«, die ebenso von edelster Form wie von eindringlichster Bildhaftigkeit ist. Wer das Buch liest, wird dies nicht nur einmal tu». Es' ist für jede Bibliothick ein werwoller Besitz.’.— r. Verbreitet sie Arbeitersrelle. Auch der nicht gerade bescheidene. Spruch: Alles Erdreich i st O est e r re ich untertan, der sich aus den fünf Pokalen A. E. I. O. U. ergibt, müßte sich eine Umdeutung gefallen lassen. Schon der Turnvater Jahn deutete chn ko: Allerlei Erdreich ist Oe st erreich« Unglück, was sicher mehr als ein Wortspiel war. . Natürlich mußte auch die Kirche sich mancherlei Umdeutungen der von ihr gebrauchtet Abkürzungen gefallen lasten, zumal es sich hier meist um lateinische Worte handelte, die das Volk, selbst wenn es sie richtig gelesen hätte, nicht verstanden hätte. Das bekannte I. H. S., das man auf den Kultgeoenständen der Kirche sieht, wird als Jan Hal Schnaps gedeutet und lm Münsterland nennt man die schweren Steinkrüge, auf denen die Töpfer ein I. H. S. malen, ebenso. Aus dem S I., dem Zeichen der Gesellschaft Jesu, wurde das bezeichnende Schlaue Jungens, während die Abkürzung der Bezeichnung* P a te r fidel ns animarum fidei fidclium, was heißen soll: Treuer Vater der im Glauben treuen Seelen, was aber kein Mensch versteht, ungeändert zu dem deutschen Wort Pfaff geworden ist, das also nicht, wie häufig angenommen wird, von dem'mittelhochdeutschen Pfaffo(Vater) stammt. Erich Grisar. AtllklttHc. SÜ flfrieh leit— IblfttHhllt Hitkitt-»tbaTttn D« Um« St tank vra«— tn<.Statt*■ tii AetNtta»«t Oxchdruck. 9m«— MN»«• MMStttotdid). Ottt volik, «»• Hjß Heii.. ngsmark.'.»frankatur wurde von der Host. U. Leiegraphcnd'reklton»u Lrlah Nr IS.BÜU/VIJ'VJÖO bewilligt- Veiagsbco ngungev Le« Zustellung tut dau- jdct bei Bezug durch die Bost monatlich Kl»6. viertel jährlich Ke 48^| M W,-,«aMlätzlN M Mi,—,— NubM teol teil»tüttztz bttc^Att, 9a ÄtzMt driisnachiatz,- HüdftcUun«»»» IRunuftnpten«rfot«<