Anzelpreis 70 Heller. (EinschUeßkich 5 Hell« Porto' 12 Sobrgang. Samstag 24. Dezember 1932 Re 303. Weihnaditsbeitraa ittr die Kinder Arbeitsloser. 5,250.000 K< vom ntnisierrat bewilligt. Prag, 23. Dezember. Auf Grund des Beschlusses der Regierung wird das Ministerium für sozial« Fürsorge auch in diesem Jahre eine einmalige Weihnachts-Unterstütznngsattwn für Kinder Arbeitsloser und in Kurzarbeit stehender Familienernährer, und zwar mit einem Aufwande von 5.25 Millionen X durchführen. Di« Aktion wird wie in den vergangenen Jahre« im Weg« der Bezirksbehörden und Gemeinden durchgeführt wer!*«. Das Ministerium für soziale Fürsorge hat bereits di« Zuteilungen für dir einzelnen Bezirke bestimmt und hat die erforderlichen Weisungen gegeben, damit der Beitrag den Kindern«och vor den Weihnachtsfeiertagen zuteil wird. Vas lausmgesmsn mit Ungarn. Budapest, 23. Dezember.(MTJ.) Wie über die Details der mit der Tschechoslowakei getroffenen Vereinbarungen mitae teilt wird, besteht das Wesen der ersten Vereinbarung darin, daß Ungarn aus dor Tschechoslowakei soviel Waren importiert, als dem Gegenwert des ungarischen landwirtschaftlichen Ex,Portes nach der Tschechoslowakei entspricht. Außerdem wurde es ermög- kicht, daß Ungarn die aus den bereits erfolgten t schechoslowa k i scheu Erzimport hotrührenden Schulden, deren Höhe noch 8 Millionen Kronen beträgt'/'durch Weizen-. Mgis- und Schweinelieferungen begleicht. Hm Sinne der zweiten Berembarung wird der Devisenbedarf,per Nach^der. Tatra fahrenden Kurgäste durch den Ex,Port verschiedener laiid- wittkchaftticher Produkte gedeckt. Es wurde vereinbart, daß Ungarn die Fracht-, gebühren für ungarische Waren, die durch die Tschechoslowakei in andere entferntere Länder trans-, portiert werden, durch den Export eines den Frachtpreisen entsprechenden Weizen kontingentes nach der Tschechoslowakei begleichen könne. Außerdem wurde vereinbart, daß das im Laufe des vergangenen Somiuers mit der tscheckoslowaki- schen Regierung abgeschlossene sogenannte Obst- provisoriuin'derart geregelt werde, daß der Gegenwert der nach Ungarn importierten Jndu- stricartikel jetzt durch nachträgliche- Lieferungen aus den ungarischen landwirtschaftlichen Ueberschüssen beglichen werde. Endlich wurde auch Borsorge getroffen, daß bis zur endgültigen Regelung des Worenverkehrrs zwischen beiden Ländern ein Teil des nächstjährigen Gaskohlenbedarfes Ungarns aus dem Preis von ungarischen Fettsckwcinen gedeckt werden kann. Die nun abgeschlossenen Vereinbarungen ermöglichen den Export von ungarischen laudwirt- schastlichen Produkten im Werte von beinahe 60 Millionen Kronen. Außer den bereits gemeldeten 28.000 Stück Fettschweinen, 1000 Stück Fleischschweinen, 1000 Schafen, 7000 Hektoliter Wein und 2100 Waggon Weizen können im Sinn« der Vereinbarung»ach der Tschechoslowakei eingeführt werden Eier, Butter, Fett,.Speck, Salami, Mais, Honig, Fische, Pilze und Paprika. Die Begleichung der aus den. Warenlieferungen entstehenden Zahlungen er- kolgt durch die beiden Rationalbanken twmiscüe Amnestie in Oesterreich. Wien, 23. Dezember.(Eigenbericht.) Der Ministerrat hat in seiner heutigen Sitzung eine große politische Weihnachrsamnestie für ganz Oesterreich erlassen. Unter di« Amnestie fallen alle politischen Vergehen und Verbrechen, so daß auch die Heimwehrleute, di« an d«m Putsch vom 18. September d«s Vorjahres beteiligt waren, durch die Amnestie befreit werden. Ebenso tperden durch die Amnestie di« sozialdemokratischen Schutzbündler' befreit, die wegen der Waffcnfundc im Ottakringer Arbeiterhcim angeklagt wurden. Polnische BlniM. Lemberg, 23. Dezember.(PAT.) Die beiden zum Tode verurteilten Teilnehmer an dem Ueber- fall auf das Postamt in Grodek, Danylyszyn und B i l a s, denen die Todesstrafe nicht erlassen wuch«, wurden heute früh im Hilf« des Gefängnisses hingerichtet. geregelt Volks- Die hauptsächlichsten Grundsätze der Por- ragez'übrr die Errichtung und, Erhaltung der Volks- und Bürgerschulen bestehen darin, daß der Sachaufwand von der Schulgemeinde, der Personalaufwand vom Staat getragen wich. Di« Lehrer aller'öffentlichen Volksschulen iverden Stäatsang e st«lTt«.' Schließlich wird dadurch auch di« Frage der konfessionellen 2ch ul«n in der Slowakei geregelt. Die Vorlage unterscheidet^notwendige" und„nicht notwendige" konfessionelle Schulen. Notwendig wird diejenige, welche als einzige in der Gemeinde besteht. Bestehen meh- rer« konfessionelle Schulen in einer Gemeinde, so wird nur diejenige als notwendig erklärt, welche in den letzten drei fahren einen Durchschnitt von nxnigstens 200 Schulern aufweist. Die sogenannten nicht notwendigen konfessionellen Schulen werden weiter als Privatschulen behandelt. Bei den sogenannten notwendigen Schulen kann Lehrer nur derjenige Iverden, der di« gleiche Konfession Hot, die kirchlichen Organisationen könne» Anträge auf Besetzung d«r Lehrstellen einbringen, ernannt werden die Lehrpersonen vom Staat. Der Minister erklärte schließlich, er sei sich In der anschließenden Debatte wurde der Minister gefragt, warum selbständige. Bezirksschulräte einer Nation nur in jenen Bezirken errichtet werden, in denen chie betreffende Nation mindestens 30 Prozent der Gesamtbevölkerung ausmach«, während im S pr achcn g materiellen Interesse. Allein nur die in der Industrie beschäf- ligte Arbeiterschaft war organisiert, aber auch eher wirtschaftlich, als politisch. Also auch sie ’j war Politisch nicht gut geschult, politisch n>ar | sie fast rechtlos und ihre Partei, die' sozial j demokratische, hatte vor der Revolution in» ! ungarischen Parlament nicht einen Vertreter. ! Tie Partei kämpfte daher immer nzit außer- ; parlamentarischen Rütteln.. So kam der Zusammenbruch int Oktober 1918 nach dem verlorenen Krieg, der Fcill des feudalen Regimes und die Macht gelangte in die Hände der Arbeiterschaft, die Bauernschaft und des radikalen Bürgertuins. Aber sie konnten diese Macht nicht ausnützen, die .Revolution führte die sofortige Agrarreform nicht durch, die Arbeiterschaft, gewohnt an außerparlamentarische Kampfniittel, ging in großen Masten zu den Kommunisten über und durchtränkt von den alten chauvinistischen, nationalistischen Schlagwörtern, verblendet von dem großen russischen Beispiel, machte sie den unglücklichen Versuch der ungarischen Räteregierung. Der Zusammenbruch der Räteregierung war blutig und blutig war die Rache der Gegenrevolution. Die Aristokratie mit der Großbourgeoisie zusammen hat ihre Positionen zurückerobert und um die Baueritschaft auch zu gewinnen, wurde eine Schciitagrar reform durchgeftrhrt. Aber auf dein Äehiete der politischen Rechte ist in den letzte it Jahrzehnten keine Aenderung eingetreten. An» genommen einige Großstädte, wählt das ungarische Volk noch heute unter Aufficht der Behörden offen seine Abgeordneten. Dir' Gegenrevolution übt ihre Macht durch die Brachialgewalt, durch die Bürokratie, durch den ganzen Staatsapparat. Aber der gegenrevolutionäre Kurs, wie alle fascistischen und Halbfascistischen Regiiues, kostet sehr viel Geld. Die Prätoriairerbauden, die Bürokratie, die„Unterstützer", die selbst j Unterstützung verlangen, verzehren viel mehr, als aus den Steuerzahlern herausritpresjen ist. Ungarn wurde sowieso, von der Weltkrise doppelt getroffen, da 58 Prozent der Bevöl kerung, welche von der Landwirlschaft lebten durch die katastrophalen Agrarpreise,' gan' vevarmi sind. Die schreckliche.Krise,' welch.' Seite 2 Samstag, 24. Dezember 1982 Str. 303 das und das richtungen;, die Aufforderung an die Postverwaltung, mög lichst bald die Paketpostgebühren herabzusetzen, da ihr durch die Vorlage für die Paketbeförderung ein Monopol eingeräumt wird; die Aufforderung an die Regierung, alle Vorbereitungen zur Konzentrierung aller Zweige des öffentlichen Verkehrs in einer einzigen ministeriellen Zentralstelle zu treffen; bei sonst gleichen Bringungen die Autokonzes sion' demjenigen zu verleihen, der Berufs- chauffeur mit hinreichender. Handwerks- und Fahrerpraxis ist; Bahn und Post sollen, falls sie eine Linie über nehmen, möglichst die Angestellten der aufgehobenen Privatlinie' übernehmen; endlich soll die Regierung mit größter Beschleu nigung Vorschriften ühcr' die zuständige Geschwin digkeit und über die VerkchrSjicherheit zu erlassen,| das ordentliche Budget aufnehmen. um de« überhand nehmenden Unglücksfällen vorzu- b engen. Arbeits-Resolution angenommen. Weiters wurde vom Plenum mit den Stimmen aller Koalitionspatteien.die Resolution übet die Einhaltung der Arbeitszeit, di«. gestern im Senat eine Kampfabstimmung zur Folge hatte, in einer etwas geänderten Fassung angenommen. Sie lautet nunmehr: „Die Regierung wird aufgefordert,' bei der Durchführung des Autobusgesetzes aus Gründen der Verkehrssicherheit auf geeignet« Weise Verletzungen des Gesetzes über die achtstündige Arbeitszeit hintanzuhalten." Damit war, nachdem auch noch die eingangs erwähnten zwei Vorlagen in beiden Lesungen angenommen worden waren, das dringliche Bor- wechnachtsprogramm des Parlaments erschöpft. Die restlichen Punkte der Tagesordnung wurden zurückgestellt, worauf der Vorsitzende unter den üblichen Feiertagswünschen um halb 3 Uhr nachmittags die Sitzung schloß. Die nächste Sitzung wird auf schriftlichem Wege, voraussichtlich gegen Mitte Jänner, einberufen werden. I Vorher wird allerdings schon der Budgetausschuß s kurz nach dem 6. Jänner die Beratungen über sich bemüht haben, bei diesem Attentat die Gelegenheit für Raub und Plünde- tu ng e njw schaffen, da zur Stunde des Ueber- falls im' Kassertsäal, in dem die Gasbomben explodierten, mehr als 15 Millionen henimlagen. den Franken, weil in den ersten Monaten des Jahres keine Steuern eingehen. Rach einer Privatmeldung borgten sich die vorangegangenen Regierungen im Lauf« des heurige« Jahres von der Staatskasse oder in Form von Bons oder durch direkte Anleihen im ganzen neun Milliarden Franke», so daß mit de» weiteren fünf Milliarden die laufenden Schulden 14 Milliarden betragen werden. Minister Cheron schätzt Defizit der letzten drei Jahr« 1930, 1931 1932 auf 17 Millarden Franken und Defizit der Bahnen aus 10 Milliarden. Parlamentarisches Vorweihnachts programm erledigt. Zusagen des Referenten bezüglich der Sfprachenkenntnis des Autobuspersonals. Prag, 23. Dezember. Das Abgeordnetenhaus leit, eventuell mit Hilfe einfacher automatischer Borbeschäftigte sich in der letzten Vorweihnachtssitzung zunächst mit der debattelosen Verlängerung der Frist zur Bezeichnung gemeinnütziger Elektrizi- tatsunternehmungen sowie mit der Verlängerung des provisorischen Automobilgesetzes und wendeie sich dann dem Hauptgegenstand der Tagesord nung, dem Autobusgesetz zu. Der Referent F i a l a erinnerte daran, daß die Vorlage viele Gegner hat. Es gehe aber nur darum, eine gewiss« Ordnung und Richtung in unser Ver kehrswesen hineinzubringen. Bei der Verhandlung der Vorlage im Senat seien beträchtlich« Ver besserungen zugunsten deren erfolgt, die sich über die Vorlage beschweren. Man dürfe aber nicht vergesien, daß die Vorlage auch eine Bedeckungsvor lag« sei. Die Eisenbahn garantiert für di« Sicherheit des Pasiagiers und der beförderten Last. ES ist nur logisch und gerecht, daß auch der private Per sonen- und Frachtentransport demselben Grundsatz unterworfen sei und daß er vor allem auch ebenso die Steuerpflichten dem Staate gegenüber erfülle wie di« Eisenbahn. ES ist ein unmöglicher Zustand, daß ein Bahn oder PostantobuS dem Staat au vorgeschrie benen Steuer» und Abgaben 13.000 K abführt, «in privater AutobuS im Durchschnitt aber nur 2000 K jährlich. Wenn dieser Zustand anhalten sollte, dann käme er einer direkten Enteignung der Bahnen gleich. Der zweite Referent Dr. R o s e k befaßt sich detailliert mit den Steuersätzen und den Bestim mungen Über die Ausgabe von Fahrkarten für Autobusse. In der Debatte marschierten gleich zu Be ginn hintereinander vier deutsche Oppo- sitionsredner auf, die die Folgen des Ge setzes in jeder möglichen Richtung in, düsteren Farben ausmalten. Den Protesten schloß sich Ststka(Komm.) an, der die Vorlage gleich falls in Bausch und Bogen ablehnte. Ein tsche chischer Gewerbeparteiler stellte di« Sache so dar, daß das Autogewerbe nunmehr überhaupt von der Bildfläche verschwinden und das Gesetz nur ein großes Leichenfeld vernichteter Existenzen hin ter sich lassen werde.— Dabei waren es ja gerade gewerbeparteiliche' Eisenbahnminister, unter deren Aera das Automobilwesen ungeregelt und ungezügelt in die Höhe schoß. Daß die Her ren N a j m a n und M l ö och jeden Versuch, hier regelnd eistzuWiftn, solalM'es noch Zeit- war, aus parteitaktischen Gründen unterkreßen, muß sich jetzt natürlich bitter rächen. Und dann trauen sich dies« Leute, die Schuld von sich auf die Sozia listen abzuwälzen. Im Schlußwort erklärt« der Referent Dr. Nosek ausdrücklich, es werd« nach 8 12 nur eine solch«. Sprachenkenntnis gefordert werden, die den tatsächlichen Bedürfnissen der Praxis entspricht. Nach Ablehnung verschiedener Anträge auf Uebergang zur Tagesordnung, bezw. Rückverwei sung an den Ausschuß wurde die Vorlage in bei den Lesungen in der Fassuna des Senats ange nommen, ebenso die sechs im Ausschußbericht ab gedruckten Resolutionen. Dies« Resolutionen ver langen u. a.: Die baldige Regelung der Kontrolle über die Einhaltung der vorgeschriebenen HöchstgeschwiNdig- Muer Trancngasanschlag in Wien. Demonstration oder mißgittdtter Raubversudi? .. Wien, 23. Dezember.(Eigenbericht.) In der Wiener Postsparkasse, und zwar im Haupt gebäude, wurde haute vormittags ei« ganz un gewöhnliches Attentat verübt. Zur Zeit.glß das GebäDe voll von Menschen wgr^s eMomerien dort einige Tränengasbomben.'Es ent stand, eine unbeschreibliche Panik, die noch da-- durch vergrößert wurde, daß die automatischen Türe», die bei einem Uebersall sich sofort schlie ßen, die erschreckten Leute nicht aus dem Hause ließen. Die Polizei hat sofort umfassende Erhebun gen mMstellt. Sie behauptet, bis zur Stunde noch kerne Spur von den Tälern zu haben. Es spricht, aber alles dafür, daß auch dieser An schlag ebenso wie der auf das Warenhaus Gern- groß am Goldenen Sonntag vom Braunen Haus aus arrangiert und von Haken- kreuzlern durchgeführt wurde. .Da kaum einzusehcn ist, welche politischen Motive für einen Üeberfall auf die Postsparkasse vorliegeu könnten, scheint es, daß die Banditen „Nodi weniger zsigestanden..“ Keine völkerrechtliche Neutralität Österreichs. Wien, 23. Dezember. Das amtliche öfter-' reichische Pveßbüro(Amtlich« Nachrichtenstelle) meldet: Vereinzelte Blätter brachten die Meldung, Nach der die Einführung des Milizsystems in Oesterreich durch das Zugeständnis der völkerrechtlichen Neutralität erkauft wurde. Wie hiezu amtlich festgestellt wird, wurden von keiner Seite derartige Forderungen nach der Neutralität Oesterreichs gestellt, ebenso wenig wurde irgendein anderes politisches Zugeständnis verlangt und uoch weniger zugestanden. Vas Nllliardendeilzlt Frankreichs. Der neue finanzmlnlster findet leere Kassen. Paris, 23. Dezember. Das amtliche Kom munikee, das über die heutige Darlegung des Finanzmmisters Cheron im Finanzausschuß der Depunettenkammer ausgegöbm wurde, besagt, daß ar, bei seinem Amtsantritt am 20. Dezember- in der Staatskasse 212 Millionen Franken Bargeld und eine Bewilligung zur Emission einer Anleihe vorfand, so daß die Regierung gegen drei Milliarden Franken hat, die für die Verpflichtungen am Jahresschluß ganügen. Um jedoch den weiteren Gang der Staatsverwaltung garantieren zu können, verlangt der Finanz minister die Ermächtigung zur Ausschreibung von Bons in der Höhe von fünf Milliar- imJuli 1931 in ganz Mitteleuropa eine starke Ausbreitung fand, hat den repräsen- tatrven Mann der Gegenrevolution, den Grafen Bethlen, nach zehnjähriger Ministerpräsidentschaft gesttirzt. Er war sicherlich der talentierteste, klassenbewußteste, aber gleichzeitig der verhaßteste Vertreter seiner Klasse und des Regimes. Seit seinem Sturz lvankt ständig das Regime zwischen einer versöhnlichen, nachgiebigen Politik und der Politik„der starken Hand". Der Nachfolger von Bethlen, Graf Julius Karolyi hat versucht, der furchtbaren Korruption in der Bürokräfte ein Ende zu bereiten, das Staatsbudget irgendwie ins Gleichgewicht zu bringen und hat sogar hie und da eine gewisse Annäherung zu der soziäldamokraftfchen Partei gezeigt/ Aber die Not der Arbeiterschaft und Bauernschaft wuchs so sehr, die Unzufriedenen strömten in die Organisationen der oppositionellen Landwirtepartei und fozialdemokraftschen Partei, daß man sich zu fürchten begann. Nicht einmal Terror, Standrecht und Galgen für politische Delikte haben geholfen. So hat die Gegenrevolution den alten Grafen Karolyi fallen gelassen und als letzter Versuch kam der gewesene rechtsradikale Führer, General und Kriegsminister, der peinliche Freund des Reichsverwesers Horthy, Julius G ö m- bös, an die Reihe. Unter Gömbös werden die oppositionellen hauptsächlich die sozialdemokratischen— Organisationen am Lande mit Brachialgewalt unterdrückt. Zeitungsverbote und Zensur schüchtern die Presse ein. Gömbös versucht durch unaufhörliche Agitation die verbrauchten chauvinistischen, irredenftsftschen, fascisftschen Phrasen wieder aufzuwärmen und zu verbreiten. Sein Vorbild ist Mussolini, den er am Tage seines Regierungsantrittes durch ein huldvolles Telegramm begrüßte und einige Wochen spater auch besuchte. Sein außenpolitisches Ideal: Bündnis mit Italien und Wiederherstellung des alten Großungarn. Sein innenpoliftscher Traum: fascisftsches Ungarn ohne Parlament, ohne Parteien, ohne Arbeiterbewegung, ohne Opposition, unter seiner Führung. Fascismus machen kann man nur auf Kosten der Arbeiterschaft, auf Kosten der sozialen Errungenschaften. In Ungarn hat die Arbeiterschaft keine sozialen Errungenschaften, hat keine Arbeitslose n u n t e r st ü tz u n g. Auf wessen Kosten will Gömbös Fascismus machen?' Dreizehn Jahre war in Ungarn Fascismus, die Schlagwörter sind verbraucht, der verzweifelte letzte Versuch der Gegenrevolufton ist wohl aussichtslos. Das Bürgertum in Ungarn ist heute verarmt, die mittlere und Kleinbauernschaft proletarisiert, gegen wirtschaftliche Kräfte kann man mit Phrasen, mit Injektionen durch schöne Redensarten nicht kämpfen. Es wäre an der Zeit, daß man mit all diesen Versuchen aufhört und statt der Experimente der Diktatur, die wirtschaftliche Organisierung des Landes beginnt. Dies verlangt nicht nur das Interesse des ungarischen Volkes, sondern auch der Gedanke der friedlichen Zusammenarbeit Mitteleuropas. I. N. Die Kellnerin Molly. Roman von Hans Otto Henel. Copyright by gackelretter-Derlap. Berlin. Nachdruck verboten. Wenn die Frauen wüßten, was du auf diesen Zetteln, in diestn Mappen an Wahrheiten stehen hast, würden sie dich darum bestürmen. Gib sie ihnen!". Und mit der anspornenden Berechnung der liebenden Lebensgefährtin setzte sie nach einem Weilchen hinzu: „Wie stolz könnte ich auf dich sein, wenn du als ein Reformator der Frauenkultur berühmt würdest." . Der Funke zündete. Ohne Säumen und mit ameisenhaftem Fleiß begann Herr Brodecker die Grundlagen fitt ein System der Frauenleibcskultur„auszumitteln", eine Bezeichnung, die er mit dem Stolze des Privatgelehrten gern auf seine Untersuchung-« anwandte. Die praktischen Vorbereitungen für die Formulierung seiner reformatorischen Bestrebungen bereiteten ihm wenig Schwierigkeiten. Kamen doch in seine Badeanstalt tägl'ch einige Dutzend weiblicher Personen. Sie waren ihm Material, wutt>en planmäßig Modelle zu einem neuen Typ des beseelten Frauenkörpers. BrodeckerS üb:r- zeugende Beredftamkeit, unterstützt von der schwärmerischen Beistimmung seiner Gattin, besiegte die anfänglich vorhandene Befangenheit und bestimmte ball) manche Besucherin der Bäder, sich die Meinungen deS Reformators nicht nur anzuhören, sondern sie auch an sich erprob?» zu lasten. Sie machten nun gymnastische Uebungen nach feinen Anweisungen, ließen Körpermessungen vornehmen und die ausgeklügelten Nahrvor- schviften über sich ergehen. Selbstverständlich sprachen sich Brodeckers reformatorische Absichten sehr schnell in Schneidewald herum. Man rechnete ihm«men Sparren mehr an, aber das tat'seinen Bemühungen keinen Abbruch. Im Gegenteil klopfte manche Dame höflich beim Bademeister an, um in den Kreis der bevorzugten Schönheitsanfängerinnen ausgenommen zu werden. Aber nur wenige hatten Glück. Brodecker wählte streng und wies nicht nur die arg verfetteten oder llapperdürren zurück. DaS erregte Verstimmung, besonders unter den reiferen Damen. Frau Stadtrat Butterlerch, di« mit ihren einhundertzwölf Kilo sich als vollschlank bezeichnete, bildete den Mittelpunkt aller mißvergnügten Damen, die von Brodecker gewogen und zu schwer befunden worden waren. Früher eine treue Kundin der Brodeckerschen Entfettungsbäder, besuchte sie nach der Abweisung die Badeanstalt nicht mehr, blieb aber gut unterrichtet über alles, was dort vorging. Brodecker sagte sich, daß die von ihm geplante Schrift über sein System der weiblichen Körperkultur bedeutend an Zugkraft gewönne, wenn er die graue Theorie durch Abbildungen verdeutlichen könnte. Der bildliche Anreiz schien ihm wünschenswert, ja notwendig. Anfangs getraute er sich nicht, seine Probierdamen um die Erlaubnis zu bitten, sie photographieren zu dürfen. Seine Frau» bester als er in den Wandelgängen der weiblichen Seelen bekannt, verlachte chn wegen dieser Scheu, und um das von ihn ersehnte Werk der Reformation nicht scheitern zu lasten, tat sie von sich aus die ersten Schritte den Damen gegenüber. Anfänglich brachte der sonst gar nicht schüchterne Bademeister nur schwer den notwendigen Mut auf, bald aber fand er die Frage und den Erfolg selbstverständlich. Denn alle befragten Frauen und Mädchen waren vernünftig genug, sich nicht zu zieren. All« ließen sich bereitwillig nackt photographieren, zumal der wistenfchaftliche Zweck des Bildes von vornherein betont wurde, i Und zweifellos war es wirklich harmlos, wenn der bejahrte Brodecker in Gegenwatt seiner Frau und des Fräuleins Marsdorf, der Hilfskraft der Frauenabteilung des Bades, bestimmte Uebungs- bewegungen öder Körperverhältnisse seiner Modelle durch die photographische Kamera festhielt. Rur- im„Vaterländischen Frauenverein"; dem Frau Stadtrat Butterlerch präsidierte, rümpfte man die Nasen darüber. Hier hätte man in Brodeckers Reformversuchen gern eine Verletzung her deutschen Frauenwürde gesehen. Doch verbot sich das vorläufig, da die Gemahlin des zweiten Bürgermeisters zu den Modellen des FrauenreformatvrS gehörte,'und diese Dame war gesellschaftlich einflußreich. DaS Versprechen, von jeder Platte nur einen einzigen Abzug herzustellen und d'.e Platte dann zu vernichten, hielt der Bademeister mit der Gewissenhaftigkeit des Ehrenmannes. Rach mehrjährigem Experimentieren und Photographieren glaubte Brodecker genügend bildlichen und gedanklichen Stoff beisammen zu haben, um an die endgültige Zusammenstellung steines Lebenswerkes gehen zu können. In seinem Schreibtische lagen an die hundert Mappen mit Notizen, Schriftsätzen und Photographien, bereit, sich zum geschlossenen Buche zu fugen. Schon zog Brodecker Erkundigungen wegen der Drucklegung des Büches ein, ließ Satzberechnungen ausitellen, berechnete Papierpreise, nahm Fühlung mit dem Buchhandel. Verhängnisvolle Sorglosigkeit des geistigen Menschen! Da war ein Werk herangewachsen, das nach der festen Ueberzeugung des Autors für die Frauenwelt umwälzend wirken mußte, und dieser Autor beging die Torhett, sich mit seinem Hauswirte,- einem GeschäftSmenschen, zu entzweien. Kriminalwachtmeister Pubilke mußte bi? Hand auf Brodeckers Lebensarbeit legen und zwei Schutzleute trugen sie gebündelt und verschnürt davon. Herr Ballert aber stand hinter der Gardine des Zimmers, in dem er sonst die Miete einzunehmen pflegte, und schaute händereibend hinterher. Am Tage der Haussuchung bei Brodecker wurde die Badeanstalt noch stark besucht, denn viele Leute hofften ihre Neugier zu befriedigen. Da Brodecker aber kein Wort zu feiner Rechtfertigung verlauten ließ, und nicht einmal auf hie Polizei schimpfte, nahm man das als ein Geständnis seiner Schuld. Und darum ließ sich am nächsten Tage kein Mensch mehr an der Käste blicken. Die Schneidewalder entschlossen sich, Wer attf. Reinigung zu verzichten, als bei einem Verdächtigen zu baden. Dem unglücklichen Besitzer'blieb nichts sicheres übrig, als das Bad einstweilen zu schließen. Die Damen vom„Vaterländischen Franei,- verein" wollen nach dem berühmten Vorbild das Capitol retten. Um die geschlossene Badeanstalt raunte die Neügier. Am hellen Tage blieben die Frauen in Gruppen von zweien und dreien stehen und tuschelten über das„Sündennest". In den Dämmerstunden malten besonders kühne Jungen mit Kreide eindeutige Inschriften an die Fensterläden und nachts, wenn die Bürger aus dem Skatklub oder Gesangverein kamen, benähten sie die Hauswand, um zu zeigen, wie sehr sie„den Puff" verachteten. Brodeckers fühlten die allgemeine Verfemung durch die Mauern dringen, wenn sie auch nicht viel davon sahen, weil sie sich kaum auf die Straße getrauten. Leer die Badeanstalt, leer der Schreibtisch— der Bademeister hatte die beiden Pole seines Lebens verloren und versuchte dumpsgrübelnd die Geschehnisse in seiner Weltanschauung untcrzubringen. Aber sie ließest sich nicht so einfach in sein System einfügen. .(Fortsetzung folgt.) 9lt. 303 SamStag, 24. Dezember 1032 S«t« 3 H zur„HÄ- Qlf. Hun-derttcu- IIII iffen sterben.«II Die Verwaltung. % * Die Logen Oes„lag 23. gegeben hab«. Es müsse zwar, wenn kein« Mitgift gegeben sei, die Quittung gefälscht sein. Wenn die Quittung gefälscht sei, müsse die Forderung deswegen aber nicht unbegründet sein. Ms weiterer Verdachtsmoment fei das Verhalten des Angeklagten in dem ganzen Verfahren angegeben worden, das für seine Schuld spreche. Dieses Verhalten sei War eigenartig, aber das Gericht halte dadurch den Nachweis einer Schuld für ,richt erbracht. Der neue Hinijahrplan Unter dein Vorsitz des ehemaligen Präsidenten der Kommunistischen Internationale Bucharin wurde in Moskau.die Konferenz zur Vorbereitung des Fünffahrplans eröffnet. „Der Tag", der sich zur Abwechflung wieder einmal zu Hitler bekennt, erzählt von „Lügen um Hitler und die NSDAP", die von marxistischen Blättern veröffentlicht würden. Er veröffentlicht«ine Erklärung der Primadonna, die alles dementiert und fragt, ob di« Blätter so anständig sein werden,„nach dieser eindeutigen Klärung des Sachverhalts" ihre schäbigen Lügen richtigzustellen. Da müßten wir allerdings ebenso hitlergläu- big sein wie„Der Tag". Aber wir glauben nur, daß ein Großmaul auch lügt. Und seine Artverwandtschaft mit dem„Tag" bestimmt uns dazu, den Sachverhalt„richtigzustellen", indem wir chn ergänzen. Es wird für die Nazis ja ein leichtes sein, Herrn Otto Strasser vor Gericht zu be-! weisen, daß er gelogen hat— oder sollten sie es vorziehen, sich auf Aeußerungen ihrer Lügen-j „abwehr"stelle zu beschränken? Strasser, 0er„treulose Hund“.— r und seine neueste niUerlreunOsdiaft Bernsteins letzter Weg. Am Donnerstag-Nachmittag nahm die Sozialdemokratische Partei Abschied von Eduard Bernstein. Unendlich groß war die Zahl der Kränze, die„dem treuen Mitarbeiter", dem„Lehrer und Vorkämpfer", dem„Patriarchen der Sozialdemokratie",„unserem Kameraden", dem„Sreiter für Bolksrecht und Freiheit" bei seiner Beisetzung im Krematorium Wilmersdorf-Berlin gewidmet wurden. Die Halle vermochte die Zahl der Trauergäste nicht zu fasten. Weihevolle Musik leitete die Trauerfeier ein. Dei Gedächtnisrede hielt Friedrich Stampfer. Im Nümen der Sozialistischen Arbeiterinternationale und der niederländischen Sozialdemokratie sprach V l i e g e n Worte des Abschieds. Im Namen der Leitung der„Sozialistischen Monatshefte" würdigte Kampfmchcr das sozial schöpferische Wirken Bernsteins. Grumbach- Paris dankte dem Toten im Namen der französischen Sozialisten. Wieder erklang Trauermusik. Die Fahnen Karo sreigesprochen. Berlin, 23. Dezember. Das Landgericht sprach heute nach sechsmonatiger Verhandlung des Prozesses gegen Geheimrat Caro den Angeklagten frei. Dem Nebenkläger werden die Kosten des Verfahrens und die dem Angeklagten erwachsenen Koste« auferlogt. In dem Prozeß handelte es sich um die Streifrage, ob Caro seiner Tochter eine M i t- aift in Höhe von 400.000 mitgegeben hat. Während Caro dies nach wie vor behauptete, tand Jgn. Petsche! auf dem gegenteiligen Stand- ,unkt und erblickte in den diesbezüglichen Foxe derungen Caros den versuchten Betrug. Die Abgabe der angeblich falschen eidesstattlichen Versicherung wurde darin erblickt, daß Caro in ihr erklärt hatte, daß er die 400.000 Mark Mit- gift seiner Tochter gegeben hatte. ch- In der Begründung des Freispruches im Caro- Pelschek-Prozeß wird gesagt, daß das Gericht alle Verdachtsmomente erwogen habe, aber zu der lieber, zeugung gekommen sei, daß nicht imchgewieseu ist, daß der Angeklagte di« Mitgift(400.00V Mark) nichi zwei lebensgefährlich: auch eine Zivilperson trug senkten sich, der Sarg verschwand, die Sozialisten Verletzungen davon. Fünf Personen wurden fest-. der Welt hatten von einem ihrer Besten Abschied genommen. j genommen. Roosevelt berichtigt. Er war für vorläufige Prüfung. Washington, 23. Dezember..(Rvuter.) Roosevelt hielt heute eine Rebe, in der er sagte, er sei durch die kürzliche Erklärung des Weißen Hauses, daß er angeblich die Zusammenarbeit mit Hoover bei der Lösung der schwebenden außenpolitischen Probleme abgelehnt habe, sehr überrascht gewesen.„Ich habe vielmehr", erklärte Roosevelt,„Hoover mit aller Deutlichkeit vorgeschlagen, seine Vertreter auszuwählen, die eine vorläufige Prüfung vornehmen sollen, und habe hiebei, gefordert, daß mir über den Fortgang dieser vorläufigen Prüfung Bericht estattet werde. Außerdem habe ich mich auch erbötig gemacht, mich bis zum 4. März 1933 zu Beratungen mit Hoover bereit zu halten. Ich hoffe immer noch, daß meine praktischen Vorschläge und mein bestimmt ausgesprochenes Angebot zu einer Zirsammenarbeit angenommen werden. sie wollte, ein Sanatorium und einen Arzt gefunden. Die Proletarierin, für die es leider noch nicht einmal di« öffentliche Heilanstalt gibt, geht in ihrer 9!ot zu irgend einer Winkel- hebanime. Nicht durch die Einführung der sozialen Indikation wurde die Schwangerschaftsunterbrechung zu einem Geschäfte, sondern heute ist s i e e s! Heute läßt der Arzt sich sein Risiko bezahlen, und von zahlungsfähigen Patienten sehr gut bezahlen! Die Frau, die nicht zahlen kann, die proletarische Frau, wandert ins Siechtum oder in den Tod— oder in Siechtum und Kerker- Wie das Gesetz und wie der Klerikalis- mus es wollen. Denn das alles wissen ja di« Klerikalen sehr gut! Sie wisten ganz genau, daß es leider, leider ganz vergeblich ist, der verzweifelnden proletarischen Frau warnend zu sagen, die Schwangerschaftsunterbrechung sei immer gefährlich, wenn sie nicht vom Arzte vorgenominen wird! Ins! Die soziale Indikation. Im Kampf um die soziale Indikation Weichen diejenige, die gegen sie sind, den entscheidenden Tatsachen aus. Auch das Gutachten der deutschen medizinischen Fakultät, so beachtenswert manche seiner Bemerkungen zur chen diejenigen, die gegen sie sind, den entscheiden- medizinischen Judikation ist, argumentiert daneben, wenn es sagt: Die Schwangerschaftsunterbrechung ist absolut kein harmloser, völlig gefahrloser Eingriff, wie dies vielfach, namen.lich im Laienpüblikum, behauptet wird. Vielmehr sind alle Gynäkologen der übereinstimmenden Ansicht, daß jeder, auch der nach den Regeln der ärztlichen Kunst ausgeführte Aborms für die Gesundheit der Frau ein gewisses Gefahrenmoment beinhaltet, und daß dies ganz besonders vom gehäuften Abortus gilt. Sie(die Fakultät) kann daher der Freigabe des Abortus nur für jene Fälle zustimmen, in welchen kein anderes Mittel zur Beseitigung der Ursache, aus welcher die Berechtigung zur Unterbrechung der Schwangerschaft abgeleitet wird, besteht. Die Freigabe des Abortus aus wirtschaftlichen Gründen läßt aber ein« Häufung der Schwangerschaftsunterbrechung bei einer Frau befürch en.— Die Fakultät regt in chrem, Gutachten die Einleitung einer großzügigen sozialen Fürsorge für wirtschaftlich schwache Schwangere und Wöchnerinnen an. Wirtschaftlich schwach siiü> jetzt und werden noch sehr geraume Zeit sein bei uns allein viele hunderttausend Familien, viele hunderttausend einzeln«. Ist ein« so umfassende sozial« Fürsorge, daß diesen Familien und daß diesen vielen, einzelnen nicht mehr um die Ernährung der Kircher zu bangen braucht, in einer kapitalistischen Gesellschaft überhaupt möglich? Denen aber, für die jeder„Kindersegen" zu ein«r Katastrophe wird, auseinandersetzen, daß der Abortus keineswegs«ine harmlose Sache ist, heißt tauben Obren predigen. Schließlich weiß ja auch jeder menschenfreundliche Arzt, jeder Politiker, der für die Anerkennung der'sozialen Indikation kämpft, daß di« Schwangerschaftsunterbrechung keine Spielerei ist, und keiner von ihnen hat je verkündet: Laßt euch unerwünschte Kinder abtreiben! Denn lewer ist nicht das die Frage: Unterbvechung der Schwangerschaft oder nicht?, in welchem Falle die Antwort häufig nicht schwer wäre, sondern die Frage ist in der übergroßen Mehrzahl aller Falle die: „Sachgemäße oder kurpfuscherische Schwangerschaftsunterbrechung?" Und. deshalb kann die Frage auch so gestellt werden: „Bestimmte Gefährdung der Gesundheit oder wahrscheinliche Gefahrlosigkeit?" Und wer die sozial« Indikation ablehnt, bejaht di« kurpfuscherische Unterbrechung und di« unvermeidliche Gefährdung der Gesundheit und des Lebens! Auch die„Deutsche Presse", wütend über eine menschlich-verständnisvolle Stellungnahme des Vereines deutscher Aerzte für die soziale Indikation, tritt für die zweite, für die uni menschliche, für die grausame, mörderische Antwort ein, für die Ablehnung der sozialen Indikation und der Schwangerschaftsunterbrechung überhaupt. Selbstverständlich! Wann wäre je der Klerikalismus auf der Seite wirklicher Menschlichkeit gestanden? Für die dogmatisch Gebundenen gibt es nicht die Stimme der Menschlichkeit, gibt es nicht die Sprache der Sozialstatistik, gibt es nur das Dogma, dem sie, wie altheidnische Völker ihren Göttern, die lebenden Menschen opfern. „Propaganda für die Freigabe des Kindesmordes" nennt die„Deutsche Preste" den Kampf für die sozial« Indikation. Darüber, ob di« Werdelide Frucht schon in den ersten Wochen „beseelt" ist oder nicht, kann man mit Klerikalen nicht streiten. Wohl aber darf man feststellen, daß das eine ganz nette„christliche" Verschiebung ist, einen vier oder sechs Wochen alten Fötus einem lebenden Kinde gleichzustellen, also von Kindesmord zu sprechen. Und das ist schon mehr als Schieben aus ein anderes Geleise, das ist schon mit einem Worte zu bezeichnen, das der Benennung einer— im christlichen Sinne—„Sünde" gleich kommt, wenn gesagt wird, daß im Aerzteverein aus der Frage der. sozialen Judikation eine Sache des Geschäftes gemacht wurde, weil verlangt wurde, daß die Schwangerschaftsunterbrechung nicht nur in öffentlichen Heilanstalten, sondern auch in Sanatorien durchgeführt werden dürfe. „Wahrscheinlich soll es dann", versucht die‘ „Deutsche Preste" zu„höhnen", eine„soziale" I Indikation erster, zweiter und dritter Klasse i geben!—Frei Mord— die bürgerliche Frau! des sozialistischen Parteisekretärs wird sich ihr Kind in einer„Privatheilanstalt" abnehmen lasten, für die übrigen Proletarierinnen genügt< die öffentliche Anstatt..." „Nun, die sozialdemokratischen Parteisekre-' täte haben erstens keine„bürgerlichen" Frauen, zweitens kein Einkommen, das ihnen die Unter-> bringung ihrer Frauen in Sanawrien gestatten- würde, und drittens ist bis zu ihnen doch schon die Kenntnis empfängnisverhütender Maßnahmen gedrungen, von denen, obwohl sie auch in! gut-christlichen Kreisen benützt werden, die jlleri- kalen doch auch nichts wissen wollen... Aber wie recht haben sie mit ihrer erst-, zweit, und drittklassigen Indikation! Sie besteht nämlich!. Sie ist ganz und gar«ine Frage dej Besitzes. Noch jede Bürgerdanr« hat, wenn M Ml unö MWlteiire! Anläßlich der WeihnachtSseiertage erscheint unsere Neihnachts-Ausgabe am Sonntag, den 25. Dezember und ist sräh um 8 Uhr in allen Seien kämen, wenn es die soziale Indikation gäbe! „Opfer fallen hier, Aber Menschenopfer unerhört!" Weder Lamm noch Stier, Wi« lange sollen Sie noch fallen? Leere fallen alle Warnungen! Die Frau, die in so großer Verzweiflung ist, daß sie auch den Tod nicht mehr fürchtet, geht ja doch zur„HÄ ferin"! Hunderttausend« tun es. f* sende werden siech, viele Tausende müssen sterben. „Weil das Gesetz es befahl." '„Mord frei"— er ist frei! Er wütet; ungeheuer, er fällt immer wieder zahllose i Frauen. Jetzt, unter der Herrschaft des mör-! dorischen Paragraphen 144, für dessen Auftecht-! erhaltung' sich die Klerikalen mit so grausamem Eifer einsetzen. Ihr Dogmatismus ist es, der Hunderttau-■ iimij mm* w uq« iu witvn, sende Frauen in Siechtum und Tod treibt— Dir Ausgabe vom Dienstag, den 27. Dezember ent« und mehr Lebenden den Tod bringt, als Un- fällt. Di« nächste Nummer erscheint wieder am geborene nicht ans Licht einer sehr trüben Welt Mittwoch, den 28. Dezember zur gewohnten Stund«, kämen. Monn es die iniinfe QnXifntinn njihot In der neuesten am Donnerstag erschienenen Ausgabe des Berliner Nazi-Oppositionsblattes, bekräftigt Otto Strasser„trotz und wegen der an ihn aus dem Hitlrrlager gekommenen Mord androhungen" seine Enthüllungen über di« Zustände in der Hitlerpartei und über die Ur sachen der„Ausbootung" Gregor Strassers. Gegenüber allen von den Braunen Häusern gegebenen Dementis hält Otto Strasser seine von uns wiedergegebene Darstellung aufrecht. Er habe. von vornherein mit der bekannten Dementier maschine Hitlers gerechnet. Sie habe auch jetzt wieder prompt funktioniert. Es bleibe also nichts übrig, als den Wahrheitsbeweis anzutre- ten, und Otto Straffer bietet sich an, seine Be hauptungen in einem Monstreprozeß vor Gericht eidlich zu erhärten. Er fordert Hitler auf, ihm drese Gelegenheit zu geben und er werde beweisen: L Die Tatsache der Millionenschul- de« der Hitlerpartei, der Razipreffe und der Raziunternehmungen. Dabei dürfe sich niemand täuschen lasse«, wen« die meisten dieser Unter nehmungen aus eine« Privatuame« no tariell eingetragen find, wie z. B.'das Braune Hans in Breslau, bei dem als Käufer der Gau leiter Brückner fungierte. Offiziell hafte er zwar für die noch rückstuädige Summe von 100.000 Mark, deren Monatsraten von 10.000 Mark ins Stottern geraten feie». I« Wahrheit feie« dies aber Schulden der Razipartei. 2. Otto Straffer behauptet«och einmal di« Drohung Schleichers, der SA die Fiuauzierungsquellen zu verstopfe«, falls Hitler „die Anlauffrist" dem Kanzlergeneral verwei gere. Hier habe auch Schleicher dementiert. Straffer rüst aber Göring als Zeugen an! Ihm gegenüber sei Schleichers Drohung gefallen. Der Kanzler habe dabei drohend auf die hinter ihm stehenden Wirtschaftskreise ge deutet, woraus wieder einmal klar ersichtlich sei, wer die„sozialistische Arbeiterpartei" des Herr« Hitler fumuziere. Di« Schwerindu strie, die Großagrarier und di« Groß banken! Daß die Drohung Schleichers wahr sei, beweist nach Otto Straßer allein die gegen wärtig« politische Haltung der Razipartei«nd ihre Tolerierungspolitik. Die Hitlerpartei hat dem Kabinett Schleicher„die Anlausfrist" gege ben!" Keine Propagandalüge wisch« diese Tat sache fort! Um aber Hitler zu zeigen, wie gut wir über die Vorgänge in seiner Partei und in seinen Fraktionen informiert sind", schildert Strasser in einem neuen Artikel„die Hündchen- S j e n c" und den Treuschwur der Reichstags- raktion für Hitler nach dem„Krankheitsurlaub" Strassers wie folgt: „Rach kurzer, gemütvoller" Ansprache Hitlers, der mit träuenerstickter Stimme aus rief:„Daß er mir das autnn konnte! Gerade jetzt! Das hätt' ich nie für möglich gehalten!—" UIHlllllllllllllllliyillllHlllllllllilUIIIHilllHIIIII(lltllllllUIIII!IUIIINIIIBnilllHllimiilllllllllllUIIIIHIilUIIIIIIHIIIIIIIIIHnillllUllllUIHinUlllllllllllllllllllllinHniHlinilllRllllilHIIIIIHUUIHIIIUIINUIIIHttlllllU Eine Polizei, die nldit gleich schient London, 23. Dezember. Bei einer Arbeitslosenkundgebung in Glasgow kam es gestern nachmittag zu schweren Ausschreitungen. Mehrere Geheimpolizisten, di« sich unter der Menge befanden, wurden erkannt und angegriffen. Uniformierte Schutzleute zu Fuß und zu Pferd« kamen ihnen zu Hilfe und gingen mit dem G u m m i k n ü p p e l gegen di« Menge vor. Insgesamt wurden 14 Beamte verletzt, davon Auslieferungszwang und Verteilung in der Sowjetunion. Die schweren Sorgen der Sowjetregierung um die Ernährung der hungernden Maffen in den Städten und Industriegebiet ten haben zu einer Uinstellungdes Ablieferungszwanges und der Verteilung geführt. In zwei von' Stalin und Molotow unterzeichneten Notverordnungen wird di« Ablieferung von Milch und der Milchproduktion neu geregelt. Das bisherige Vertragssystem zwischen Staat und Landwirtschaft ist aufgehoben. Es wird ersetzt durch sine vom Staat bestimmt« Ablieferungsziffer für jede vorhandene Kuh. Auch die Preise sind staatlich festgesetzt. Einzelbauern haben durchschnittlich 25 Prozent mehr Ertrag abzuliefern als die Kollektivgüter, wobei die verschiedenen Gegenden und Voraussetzungen für Vieh und Produktion berücksichtigt werden. Die Verpflegung der Städte und Industriezentren soll die Naturalabgabe zugrunde gelegt werden. Die zweite Verordnung gilt der Verte i- lung der Lebens mittel. Das Kartensystem wird dahin geändert, daß die Fabriksleitungen die Verteilung für die Arbeiter übernehmen, um gleichzeitig bester auf die Arbeitsdisziplin«inwrken zu können. Beide Verordnungen sind eine Verschärfung des zwangswirtschaftlichen Kurses. Ausdrücklich wird die Bevölkerung von dem Optimismus gewarnt, daß di« Berpflegungskontingente vergrößert würden. Das Gegenteil sei der Fall. sank der gute Schauspieler zöllig gebrochen" auf eine« Stuhl— und weinte. Und vor ihm staub Göring, mit beide« Hände« die Hand des Führers greifend und die Tränlein liefen ihm über die dicken Backen. Daneben schluchzend Herr Brückner und — Krokodilstränen, seid gelobt— Dr. Goebbels mit weißem Taschentuch. In zweiter Reihe Herr Bernhard Kuß, von einem Weinkrampf geschüttelt und Herr Heines, wüste Drohungen gegen Straffer ausstoßeud. Im Hintergrund horte man Streichers sonore Stimme:„Der treulose Hund, der Straffer! Unserem Führer solches Leidzuzufügen." Und dazwischen drängte und schob sich die Schar der erstaunten, empörte«, verdatterte», ratlosen Mannen, von denen nur Reveutlow mit seinem mokanten Gesicht und Kausmann und Koch mit ihren roten Köpfen auffielen." Otto Straffer schließt seinen Artikel mit den Worten:„So— und wenn es Herrn Hitler oder Herrn Dr. Goebbels gelüstet, den Wahrheitsbeweis für die genaue Wiedergabe dieses Bildes zu hören— dann stehen wir ihm vor Gericht mit der Zeugenaussage von etwa 35 Mitgliedern der Reichstagsfraktion zur' Verfügung!" . Keine, Schmierenkomödie könnte eine solche Szen erfinden, kein Maler je einen solchen Oel- druck, wie chn hier die Helden des Dritten Reiches stellen. Die„rauhen Kämpfer", die Männer aus der Nacht der langen Mester, die Galgenbauer und Hanfseildreher, die Erretter des deutschen Volkes weinend um ihren wie ein Klageweib zusammengebrochenen und heulenden großen„Führet und Oberosaf Adolf. Daneben Mephisto, Joseph Goebbels,„der klumpfüssige Verräter", die tröffelnde Nase in Has weiße Schnupftuch haltend: wenn die Helden längst vermodert sein werden, dies Bild wird bleiben! „An den Wassern Babylons" ivar nichts dagegen. Seite 4 SamStag, 24. Dezember 1982 Nr. 303 Morgen Sonntag erscheint zum erstenmal: CB»a«naii(,(ke far eiabi ,«d rag taMMMWl ßfiKk«) MO Drvife« oaO VartlkMilBR «Vorwyta-» CMWMMWWi Mm InMH* Yuiati i,iUcho> l*dak- lavr: rrui Kudern«- Sinnlich« I« Wien V. Recht« WluMh w-» f|Üt dar Jlaolaa W«cH' l» Ut TMhMbMtovikaü Prag 4 N«u>uki 10 Po»tahGM»«W«tz» M»*« TMkccV.Unw«*c|; EmMlMtnelai U 1—. NMh Jm U e—: Mr m« OiirnMilKlii Ripub| Reichenberg ein Schadenfeuer auögebrochen. Das Feuer fand in den großen Holzvorräten reichliche Nahrung. Vernichtet wurden fast sämtliche auf dem Bauplatz lagernden Baumaterialien und di« gesamt« Kanzleieinrichtung. Der Schaden wird auf 50.000 X beziffert und ist durch Versicherung gedeckt. Raubüberfall. Freitag um 4 Uhr früh überfielen zwei bisher nicht festgestellt« Räuber im Gasthaus„U KLüü" in der Falkensttiner Gasse in Brünn die B. Tihelkovü, fesselten sie und raubten einige Flaschen Likör und etwas Salami, worauf sie die Flucht ergriffen. Verteidiger Dr. Weitz. Der frühere Berliner Polizeivizepräsident Dr. Bernhard W e i ß, der sich nach seiner Versetzung in den einsiweiligen Ruhestand hoi den Berliner Landgerichten als Rechtsanwalt niedergelassen bat, gab Donnerstag vormittag in Moabit fein Debüt als Verteidiger ab. Als der neue Rechtsanwalt, der währens seiner Amtstätigkeit unzählige Mal« in Moabit als Zeuge und Nebenkläger aufgetreten war, im Anwaltszimmer erschien, wurde er von seinen Kollegen aus das Lebhafteste begrüßt. Jules Vernes Traume werden erfüllt. Das neue italienische U-Boot„Bragadino" wurde nach AuSprobierung der italienischen Marine übernommen. Bei den Versuchsfahrten konnte das U-Boot eine Tiefe von 101 Meter erreichen. Der Krieg im Frieden. In der Artillerieschule von Nettuno, nahe bei Rom, ereignete sich am Freitag beim Füllen von Munition eine Explosion, die fünf Soldaten das Leben kostete. Polizeichef al» Schmuggler! In dem polnisch-deutschen Grenzort Lifla verhafteten Beamte der politischen Polizei den Kommandanten der dort stationierten Grenzpolizei Lesniewski, außerdem einige Aerzt« des Krankenhauses in Rawicz. Die Verhafteten sollen große Mengen Rauschgift auS Deutschland nach Polen geschmuggelt haben; außerdem soll LeSmewski in einen umfangreichen Getreideschmuggel verwickelt sein. Zeh« verkohlte Leichen. Unweit von Piotr- kow(Polen) wurden in einein abgebrannten Schober zehn verkohlte Leichen gefunden. Es handelt sich um junge Landstreicher, die die NÄhte regelmäßig unter freiem Himmel verbrachten und von der Polizei gesucht wurden. Der Brand des Schobers ist Wohl darauf zurück- züführen, paß einer der Landstreicher mft der brennenden Zigarette im Mund eingeschlafen ist. 14 Personen verbrannt. Bei einem Brand in Tokio kamen 14 Personen ums Leben, vier wurden schwer verletzt. 82 Personen werden vermißt. Eine Reihe von Häusern wurde zerstört. Der unvollkommene Hellseher. Vor dem Einzelrichter des Amtsgerichts Berlin-Mitte wurde am Donnerstag ein« Klage verhandelt, die der bekannte Hellseher Erik Jahn Ha- aussen gegen den veranrrvortlichen Redakteur einer Vermiet Tageszeitung angestrengt hatte. Nach längeren Debatten nahm der Antragsteller di« Klage zurück.— Hanussen war in der beklagten Tageszeitung einer gewissen Mitschuld an dem Tode des Fürsten Lobkowicz, der be> dem Frühjahrs-Autorennen auf der Berliner AvuS- Bahn ums Leben kam, bezichtigt worden. Hanus- stn hatte nämlich vor Beginn des Rennens erklärt, daß der für das Rennen festgesetzte Tag für den Fürsten Lobkowicz kritisch sei. Die beklagte Zeitung wollte nun erfahren haben, daß der Rennfahrer, dem diese Aeußerung HanussenS zu Ohren gekommen sein soll, durch die Voraussage nervös und unsicher geworden sei. Nachdem vor Gericht der inkriminierte Artikel, in dem der Vom Rundfunk Empfehlenswertes ans ven Programmen. Sonntag. Prag: 7.30 Konzert, 11.00 Matinee. 17.15 Weih- nachtSlieder. 18.00 Deutsch« Sendung: Deutsche Weihnacht. 19-25„Der Kuß", Oper von Smetana. 22.20 Tschechische Jazzmusik.— Brünn: Deutsch« Sendung: Lieder. 19.00 RüKchr der Liebe. — Berlin: 19.00 Brahms: Klavierquartett.—« Breslau: 18.50„Der Rosenkavalier", Oper von Richard Strauß.— Hamburg: 12.05 Sinfoniakonzert. 17.30 Domchor.— Königsberg: 19.40 Stund« junger Autoren.— Langenberg: 20.00 Weihnachtskonzert. — Leipzig: 11.80 Bach-Kantat«.— München: 18.05 „Lohengrin".— Wien: 11.30 Sinsoniekougevt. 15.30 Kammermusik. Ein zweiter Prager Rundfunkkongretz? Bei der Madrider Konferenz soll in verschiedenen wichtigen Fragen eine Einigung zustande gekommen sein. Die Beschlüsse treten unmittelbar nach der Genehmigung durch die betreffenden Staaten in Kraft. Für den Rundfunk sind allerdings die Ergebnisse monatelanger Konferenzen recht kläglich. Die ausländische Funkpveffe schreibt sogar von einem Bankerott der Madrider Konferenz. Es schien ziemlich schwierig gewesen zu sein, die anwesenden Delegierten davon zu überzeugen, daß der Rundfunk mehr ist, als eine„öffentliche Lustbarkeit".-— In der Wellenlängrnfraae erklärte Amerika und Japan, kein Interesse zu haben. Mit großer Mehrheit wurde beschlossen^ die europäische Wellenlängenregelung den europäischen Landern selbst zu überlassen.— Für Mai oder Juni 1933 soll in Prag eine Tagung des Weltrundfunkverbandes einberufen werden, an der auch Vertreter der einzelnen Regierungen offiziell teilnehmen werden. Dies« Tagung wird sich dann mit der Wellenlängenverteilung, der Sendestärke und der Ueberwachung der einmal getroffenen Regelungen befassen. Di« verringerten Einkünfte d«s Radiojournals. Die Rundfunkgebühren der Radiohörer werden bei uns vom Postministerium eingehoben. Von den so eingelaufenen Summen erhält das Radiojournal 50 Prozent. Bei einer Anzahl von 480,000 Rund- funkhörern erhielt daher die Sendegesellfchafi bisher monatlich 2,150.000 K. Nun wurde diese Quote von der Parlaments-Sparkommission auf 3b Prozent herabgesetzt Nimmt man also für das nächste Jahr als Grundlge 460.000 Ruudfunthörer, bedeutet dir», daß die SerwegeseMchaft ab 1. Jänner 1938 monatlich 1,610.000 I! erhalten wird. Diese Summ« ent» spricht dem Stande jener Zeit, als das Radiojouruai bei 50prozentigem Anteil von 322.000 Rundfunkhörern Gebühren einhob.— Obwohl für die Ber- Waldung der Sendegesellschaft diese krasse Herabsetzung ihrer Einkünfte sehr fühlbar sein wird, ist auch die künftige Höhe ihrer Einnahmen ganz, annehmbar und kann durchaus ein« befriedigende Verbesserung des Programmes gewährleisten.(PR.) in der Tat sehr umstrittene.Hellseher Hanussen „Schwindler, Nepper und Betrüger" genannt wurde, zur Verlesung gebracht worden war, erklärte der beklagte Redakteur zum allgemeinen Erstaunen:„Ich bin für den Artikel uverhaupt nicht verantwortlich. Wir überreichen dem Gericht ein vollständiges Exemplar des in Frage kommenden Blattes ans dem hervorgeht, daß jemand anders verantwortlich zeichnete." Hanus- sens Anwalt:„Wir haben von dieser Nummer kein ganzes Exemplar mehr bekommen und deshalb nicht feststellen können, wer der verantwortliche Redakteur war." Verteidiger:„Wir haben absichtlich die Klage aaufen lassen, denn wenn Hanussen wirklich hellsehen könnte, müßte er doch auch wissen, daß nicht der Angeklagte der verantwortliche Redakteur ist."(Große Heiterkeit.) Juwelendiebstähle. In einer der belebtesten Geschäftsstraßen Hannovers warf am Donnerstag mittag ein unbekannter Täter das Schaufenster eines Juweliers mit einem Stein ein und entwendete aus der Fensterauslage eine große Tafel mit 48 Brillantringen im Werte von 20.000 Mark. Der Einbrecher sprang unbehelligt in einen bereitsteh-nden Wagin und sauste im schnellsten Tempo davon. Aus der Billa eines Berliner Großkaufmanns stahlen Banditen eine Holzkassette, dir für 50.000 Mark Schmucksachen enthielt. Auch hier sind die Verbrecher entkommen. 13.000 neue Parteimitglieder in Wien. Im November hat die Wiener Sozialdemokratie eine große Werbeaktion durchgeführt, deren Ziel die Gewinnung von 10.000 neuen Parteimitgliedern sein sollte. Wie nun die„Arbeiter-Zeitung" mitteilt, ist es gelungen, 13.087 neue Parteimitglieder zu werben, also das Ziel weit zu überschreiten. Bon den neuen Mitgliedern sind 6182 Männer und 6905 Frauen. DaS großartige Ergebnis der Werbeaktion in einer Stadt, in der vier Fünftel aller männlichen und zwei Fünftel aller weiblichen sozialdemokratischen Wähler Parteimitglieder sind, zeugt von der Schlagkraft der Organisation und der Werbekraft des Roten Wien. Weiteres Ansteigen der sozialistische« Stimmenzahl in den Verinigten Staaten. Der;,New Leader", das in New Jork erscheinende offizielle Organ der Sozialistischen Partei in den Vereinigten Staaten, berichtet, daß die amtlichen Ergebnisse der Präsidentschaftswahlen, die langsam bekanntgegeben werden, eine ständige Erhöhung der Gesamtzahl der sozialistischen Stimmen zeigen. Bis jetzt beträgt die offizielle Gesamtstimmenzahl der Sozialistischen Partes 874.331, wobei aus Texas noch keine Meldungen vorliegen und in vielen anderen Staaten die Stimmenzahlung noch nicht beendet ist. Das endgültige Ergebnis wird daher sihr wahrscheinlich etwa 900.000 Stimmen betragen gegenüber 267.420 im Jahre 1928. Samstag, 24. Dezember 1932 Nr. 303 „Sozialdemokrat" Seite 5 öffentliches Gesuud- ganzen Repu- für bedürftige Kin- Tschechoslowakischen die nie das leuchtende Wasser, anzusehen. Da entdeckte man, das; zwei Gruppen von Infusorien die Er- reger des Leuchtens sind. Ein großes, wie eine Qualle anzusehendes, das man auf lateinisch das„Nachtlichtchen"(Noctiluca) nannte, und.winzige, die in Schalen stecken und drei und vier Hörnchen ausstrecken. Dazu Medusen, Salpen, Ichwimtnpolhpen und Nacktschnecken, die alle von ihren Nervencndzcllen aus erstrahlen in einem Oxydationslicht, das an den Lebensvorgang gebunden ist. Ein Geheimnis bleibt freilich immer noch: tvarum leuchtet es, wenn Sauerstoff sich rasch umsetzt? Aber dieses Rätsel ist nicht größer oder kleiner als das des aufflammenden Zündholzes. Und so bekommt doch wieder dis Napoleonfrage Gewicht und Sinn. Durch richtiges Beobachten und Denken kann man zwar das Welträtsel ein gutes Stück zurückschieben— zuletzt breitet sich aber doch wieder das große Dunkel. Und darin glitzern wie Leuchtpünktchen die Fragen... Die eine Hypothese sagt uns nichts und die andern auch nicht. Reden für uns kann nur der Kreis, den wir aufnehmen können mit den Sinnen und mit dem Denken. Immer fahren unsre Schiffe unter einem Sternenhimmel und über einer Tiefe, und die Sterne oben und unten tauschen zitterndes Licht. Das ist alles... Dr. R. Francs. Neues, deutsches Finanzinstitut. Unter hem Namen.„Deutsches Finanzieruilgsinstitut A.-G." wird in den nächsten Tagen«in unternehmen ins Leben gerufen tverden, daß der Förderung des gewerblichen Bankkredites dienen soll und die Anf- gabe hat, die Fortführung solcher Kredits sowie ihre Umwandlung in Aktien und ähnliche Beteiligungen zu erleichtern. Das Grundkapital beträgt 30 Millionen Reichsmark. 10 Millionen.entfallen auf Vorzugsaktien, die durch die Golddiskontbank, die Akzept- und Garantiebank und die Bank für deutsche Judustrieobligationcn übernommen werden. Das Institut wird von Banken und Bankfir- inen Aktien und sonstige Geschäftsanteile gewerblicher Unternehmungen sowie mittel- und langfristige Forderungen gegen solche unter der, Bedingung übernehmen, daß die betreffenden Unternehmungen saniert sind. Die Bank hat dafür ein- züstehcn, daß die von ihr eingelieferten Wert« einen Zins-, beziehungsweise. Dividendencrtrag von mindestens 4 Prozent, auf die Gesamtsumme des Kaufpreises berechnet, erbringen. doch Warum, weshalb - ,Bör einem Jahre starb Ihre Fran Was sich eine auslMsffie Firma gegenüber tsOieOioslowahisdicn Arbeitern erlaubt Di« Wald- und HolzverWertungs- A.-G., Basel hat es verstanden, seinerzeit im östlichsten Teil der Republik, in Karpathorußland, riesige Waldungen zu erwerben, die sie nun. mit ihrer„Exploitation Kuönire" zugunsten des schweizerischen Kapitals ausbeutet. Sie besitz: dort ein großes Sägewerk, das einige hundert Arbeiter beschäftigt. Meist handelt es sich um arme, unwissende Ruthenen, die weder des Lesen» noch des Schreibens mächtig sind. Diese im Sägewerk wie auch bei den eigentlichen Waldarbeilen verwendeten Leute stellen naturgemäß ein glänzendes Ausbeutungsmaterial dar, dessen sich di« Firma auch ausgiebig bedient. Die Löhne sind schandbar und betragen für Hilfsarbeiter 75 Heller bis Kc 1.20 die Stunde, die Sägereiarbciter bringen es bis auf Lö 2.50 di« Stunde, doch gibt cS auch viele, die um Kß 1.50 und Ke 1.70 arbeiten müssen. Gleichwohl wurden in den vergangenen Wochen auch noch diese Schandlöhne um 40 Prozent herabgesetzt, ohne daß man mit den Arbeitern verhandelt hätte und es wurden auch Arbeiter entlassen, die im Betriebe verkrüppelt worden such. Man spricht sehr ost von Karpatho- rußland und von der Ostslowakei in unserer Presse. Hier hat man ein Schulbeispiel, wie durch Unternehmerwillkür und furchtbare Ausnützung der' Unwissenheit der Arbeiter diese der Verzweiflung nahegeführt werden. Dann treten die bewährten Gendarmeriekarabiner in' Tätigkeit unto die Schuld wird wieder einchal auf die„Hetzer" geschoben. Es wäre wesentlich wichtiger, wenn die Behörden rechtzeitig dafür sorgen würden, daß auch in Karpathorußland menschenwürdige Zustände eingeführt werden! Die genannte Firma hält sich an keinerlei gesetzlich« Bestimmungen. So wird vor allem das Gesetz über die Arbeitszeit konsequent übertreten. Eine Anzeige beim Ministerium für soziale Fürsorge bewirkte das Eingreifen des zuständigen l^e- werbeinspektoratcs. Nach zweimaliger Intervention wurde dann endlich«in Gendarmerieposten vor daS Sägewerk gestellt, um die Einhaltung der Arbeitszeit zu kontrollieren. Solange der Posten dort stand, ging eS auch, kaum aber wurde er abgezogen, als auch schon die alten Unsitten wieder eittrisscn. Di« Arbeiter müllen oft 14 und sogar 18 Stunden arbeiten, die Beamten werden ebenfalls zu unbezahlter Uederzeitarbeil gezwungen und wer aufzumucken wagt, der wird einfach hinausgeworfen. Die Arbeiterschaft bemüht, sich schon längere Zeit um die Schaffung eines Be- triebsaüsschufscs, doch versteht auch das di« Firma mit den Mitteln des brutalsten Terrors;n verhindern. Dabei ist diese ausländische Firma, die Mil- lioncngewinne für das schweizerische Kapital her- auswirtfchaftet und die Geseke der tschechoslowakischen Republik konsequent übertritt, gerne bereit, alle möglichen Interventionen zu ihren Gunsten durchführen zu lassen.. So wurde für sie interveniert, damit sie eine Durchrechnung der Lokalbahntarife Kuönice—Perehovo, auf die -Hauptstrecke erhält, was ihr ein paar hunderttausend Kronen erspart hat, sie erhielt einen Sondertarif für den Holzexport nach England usw. Wir glauben, daß es Pflicht der Verantwortlichen Behörden ist, hier nach dem Rechten zu sehen und die Firma ganz energisch aufmerksam zn machen, daß auch für die schweizerischen Kapitalisten unsere Gesetze gelten und von ihnen eingehalten werden müssen. Sonst wird man doch wohl Mittel and Wege finden, um auch diesen Herrschaften zu. beweisen/daß man ohne ihre Ans« plünderungsmethöden, die der Schwei; wahrlich wenig Ansehen,bringen, fertig werden kann. jb. Vergaßen Sie auf die Geschenke? Wir haben dieselben für Sie vorbereitet! Besuchen Sie uns in unserer Verkaufsstelle. Der Photograph auf dem Dache. Die Verurteilung erfolgte, trotzdem die Staatsanwaltschaft im Besitz von drei. Photographien war, die eindeutig die Schuld der Arbeiterführer widerlegten. Sie waren vom Dach eines Gebäudes ausgenommen, das einundeinviertel Meile vom Tatort entfernt liegt. Auf den Photos sieht man Mooneh und seine Frau die Demonstra- tion beobachten, man sieht unten auf der Straße hen Zug— und außerdem eine Uhr, die auf 1 Uhr 58, 2 Ähr 1 und 2 Uhr 4 Minuten steht. Mooney konnte also nicht der Täter sein. Eine Welle internationaler Proteste ging kurz nach dem Urteil durch die Welt. Ihr Höhepunkt war ein« große Demonstration russischer Arbeiter vor der amerikanischen Botschaft im damaligen Petrograd. Sie veranlaßte den Präsidenten Wilson, eine Untersuchungskommission zur Nachprüfung des Falles einzusetzen, die vorsichtig die Bedenklichkeit der Rolle der Justiz in diesem Prozeß charakterisierte. Vom dunklen Hintergrund des Verfahrens hebt sich die Gestalt des mutigen, aufrechten Gerichtsvorsitzenden, Richter Griffith, ab. Er führte den Prozeß, ohne zu wisien, was gespielt wurde. Das Belastungsmaterial wurde ihm fix und fertig von Fickert geliefert. Zu spät erfuhr Griffith di« Wahrheit.„Der Mooneh-Fall", erklärte Griftith später öffentlich, ist eine der schniutzigsten Affären, die jentals zu verzeichnen waren, und ich bin empört, daß rnein Gerichtshof für ein so schimpf- liches Stück Arbeit mißbraucht worden ist." Staatsanwalt Brennan, der gegen Billings die Anklage vertrag, brach zusammen, als er Wahrheit erfuhr, und erklärte:„Ich werde wieder Staatsamvalt sein." Das versteckte Diktaphon. Der Oberste Kalifornische Gerichtshof lehnt« 1918 die Wiederaufnahme ab."Da entsandte. Präsident Wilson den Generaldirektor für Arbeitsbeschaffung, Densmore, in geheimer Mission, nach San Francisco, um die. Rolle des Staatsanwalts Fickert zu klären. Densmore ließ in Fickerts Büro ein verborgenes Diktaphon einbauen, das jedes Gespräch registriert«. Densmore stellte fest: Fickert stand in ständiger Verbindung mit Personen und Interessengruppen solchen Charakters, daß er unmöglich einen Prozeß dieser Art unparteiisch^ und ehrlich durchführen konnte... Er und seine Mit- helfer haben mit Fälschungen gearbeitet../. Es besteht der Eindruck, daß das ganze Mooneh-Bil- lings-Berfahren auf Befehl strupelloser ünterneh- mergruppen eingeleitet worden ist...." Vorwürfe gegen Deutschland. Mooney und Billings sitzen noch immer im Zuchthaus. Alle Wiederaufnahmeversuche sind gescheitert. Man weiß noch immer nicht, wer der eigentliche Attentäter tvar! Aber di« eidesstali- liche Erklärung des 1927 verstorbenen amerikanischen Journalisten H. Spink erregte die amerikanische Oeftentlichleit ungeheuer. Spink schließt aus eigenen Erlebnisien, daß der deutsche Spionagedienst das Attentat bestellt habe. Dieser ungeheuerliche Vorwurf, den die deutschen Behörden endlich entkräften sollten, wurde am 6. Juni : 1932 von der Stockholmer Zeitung„Folkets Dag- blad" wiederholt. Sie schreibt:„Dieses Bombenattentat wurde von deutschen Spionagekreisen äüsgeführt, die unter Leitung des damaligen Militärattaches von Papen standen.(Er ist allerdings schon 1915 aus Amerika ausgewiesen worden. D. Red.) Man ftt sich heut« darüber einig, daß Papen einer von den wenigen ist, di« detaillierte Auskunft üb«r das Attentat geben und«in einziges Wort das Tor des Zuchthaus«» für Mooney-Billings öffnen können." Ela. Schmuggler—«in gefährlicher Beruf. Aus der Gemeinde Truskieniki an der Polnisch-litauischen Grenp? wird gemeldet, daß die litauische Grenzwache Schmuggler beschossen habe, die auf einem Kahn Waren nach Polen schafften. Einer der Schmuggler, der verletzt wurde, ertrank. Zweien gelang cs, schwimmend die polnisch« Sefte zu erreichen, wo sie von polnischen Grcnzbeamtcn festgenommen wurden. Grete Blaha begnadigt. Wie di« österreichische Amtliche Nachrichtenstelle autentisch erfährt, ist die im Juni d. I. im Zusammenhang mit dem Prozeß gegen Bovon« vom Sondergerichtshof;um Schutze des Staates in Rom zu 30 Jahren Kerker verurteilt« österreichische Staatsangehörige Grete Blaha vom König von Italien begnadigt worden. Zuchthausstrafe» für Kommunisten. Daß Reichsgericht in Leipzig verurteilt« drei Kommunisten, die am Pfingstsonntag d. I. aus einem am Rheinabhang bei Koblenz gelcgcnen Tonbaustollen 132 Sprengpatronen, 78 Sprengkapseln und 50 Meter Zündschnur entwendet hatten, zu Zuchthausstrafen von IX bis zu 3 Jahren. Und was ist mit einer Sammlung für di« deutsch« Jugendfürsorge? Di« böhmische Landeskom- mWon für Jugendfürsorge in Böhmen in Prag teilt mit, daß da- Prager Radiojonrnal am 22. T«zem- ber den Betrag von 37.731.75 K abg«liefert habe, den es bis 17. d. M in einer Sammelaktion unter den Runidfnnkhörern a ü s der b l i k zur Weihnachtsbescherung der arbeitsloser Eltern der Republik aufgebracht hat. Hilf« des Ministeriums für heitSwesrn und Körpererziehung bei Brkämpsung der Diphteritisepidemiea. Gegenüber den verflossenen Jahren trat zu Beginn d.» heurigen Schuljahres iene ungewöhnliche Erhöhung der Zahl d«r Diphtr- ritiserkrankungnl ein. Besonders das nordwestliche Gebiet von Böhmen und daS Land Mähren Schlesien wurden von starken Epidemien betroffen. Weil nun die von vieler Krankheit heimgesuchten Gegenden bsloitder« Maßnahmen echcilchen und vor allem darauf hingearbeitet werden muß, raß durch Anwendung des Serums gegen die Diph*«rie und, di« dadurch heworgcrufen« kurzfristige Immunisierung.. die Widerstandskraft gegen die Erkrankung erhöht werde widmete das Gesuntdheitsminist-rium den Landesbehörden für diesen Zweck 100.000 K di« der Ausbreitung der Epidemie entsprechend aufgeteilt werden. Heiteres. Wörtlich genommen. Ter Toktor komm Herrn Macpherson.„Guten Tag ich muß Si« nun eitmial selbst aufsuchen." weswegen?"~'* Ich habe si« damals behandelt, und Sie haben mir in die Hand verfprockxm Sie würden meine Siech bezahlen, gleichgüing ob ich Ihr« Gattin Heist oder mnbringc."—„Tas stimmt."— Warum zahlen Si« dann nicht?"—„1 Ihnen eine Gegenfrage stellen: Haben Frau geheilt?'—„Nein•—„Haben Frau nmgobrachi?"„Erlauben Sie „Ra also— was wollen 2: ««g e n l l i ch?" „Nun allo!' Für die nationalistisch-reaktionäre£ Ta mrttz ich* lichte» war es„selbstverständlich", daß als Sic meine! Sie mein«! ' mal!"'— I i« dann. kreuzen durcheinander. Es sind Salpen; wenn man sie herausfischt, sind's häßlich schleimig anzu sehende gloshell« Tönnchen, aber mit der wunder baren Fähigkeit, von den Geschlechtsorganen aus zu leuchten. Große Quallen segeln daher; sie sind anjusohen wie lila, rosa, gelbe Glasdostn, die phosphoreszieren. Und nun hebt auch das milchige frühen an. Das Kielwasser glänzt wie ein Leüchtspringbrunnen. Breite Bänder von zittern den, hüpfenden Silberfunken; dos ftt die Bahn der Fische in diesem Leuchtmeer. Und als gar erst ein« sanfte Brise den Spiegel in^tausend Wellchen zerbricht, da funkeln in jeder einZelneen C'oldpunkte auf. Dieses ganze Silber, Gold und Edelgeschmeide,«in Sternenhimmel von unten her, rollt durcheinander, wirft sich gegenseitig stillen Glanz zu und funkelt hinauf mit ebenso stummen Fragen, wie die Sternennacht da her unter. Unbegriffen wenigstens damals, als Napoleon hier fuhr. Um jene Zeit hielt man das Meer leuchten für Elektrizität des Waflers; ganz Weise schrieben, das Salz leuchte in bunten Färbe«. Man war nicht in Verlegenheit mit Meinungen und Hypothesen, ebensowenig wie über die „Macht, die das alles gemocht." Aber man braucht« auch dies« Hypothesen nicht, als man sich endlich entschloß, einmal un voreingenommen das Märchen, in diesem Falle (fiiiiiiiiiiiiiiiiiitiiiimiiitiiiiiuiiiiiii!iiitiinniiiiinmiiiii!iiiiiii{!ii)niitni{iiiiiiiiiiimifiniiiiiiiiii{iiiuiifiiiiun{iiiiiii{iiiiiiiiiiiiiiiiNiiiinuiiEiiitiiiiiiiiiiinifiifiiiiiiiiiiiiiiiiiiiuiiiiiiiiiiijtiiüiiiiiijiiiuiutiiii{i Die Bomve von Gan F. anzreieo. Das Justizverbrechen an Tom Mooneh und Warren Billings.— 16 Jahre unschuldig im Zuchthaus!— was Weitz Herr von Papen? £«„Feuerwalzen" dieser. Zeugen wiA und wie wundervoll- sie haben einen-Daum ur daß für die„Aufklärung" des Falles große Sum- Rkmeichoqeiftar^n auiblitzender Perlen umge- men ausgesetzt waren. Zeugen, die nicht«egen S.Ein7L!g« Schlang« kommt in Windun-, Mooney und Billings auSfagten, wurden wieder gen gekrochen; dort schlängelt noch eine; viele j heimgeschickt. \ SPD. Ein« 84jährige Frau reiste über den Ozean nach Europa, um den Gerechtigkeitssinn der Oeftentlichkeit aufzurütteln: Mrs. Mooney, die Mutter des seit 16 Jähren in einem amerikanischen Zuchthaus sitzenden Tom Mooneh, eines Arbeiterführers/ der das Opfer eines ungeheuerlichen Justizverbrechens wurde, vergleichbar nur dem Fall Saeco und Banzetti. Bei ihrem Besuch in Berlin gab Mrs. Mooneh folgende, durch weitere Erhebungen bestätigte Darstellung der Er- eignifle: Zehn Tote— 40 Verletzte. Am 22. Juli 1916 veranstaltete-die Handelskammer von San Francisco eine Demonstration der Unternehmerschaft für den Eintritt Amerikas in den Krieg gegen Deutschland. Unter den Arbeiterorganisationen war gegen diese Demonstra- tion agitiert worden. Um 2 Uhr 1 Minute explodierte an der Ecke der Stuart- und Marketstraße, die der Zug gerade paftierte, eine Bonrbe, die 10 Personen tötete und 40 verletzt«. Für die nationalistisch-reaktionäre Rätsel ves MeersttMeus Wir fuhren gerade am kretischen Olymp vorüber. Noch sehe ich ihn vor mir, schneebedeckt, eine Mischurig, von Blauduft■ und Abendrosa, I emporragend äüs einer Dunstrvolte. die über dem griechischen Mesre liegt, als wär« das eine Groß-s stadt voll Menschen. Gewitterschwül geht der Abend zur Röste. Das Meer wie geschmvlzerres Blei. Aber auch nicht eine Welle-über dem dunk len Ultramarin,- auß«r denen, die die Schraube aufwirft im langen, weißen, perlenden Mestvrft-i ser. Fterne blinken auf, dies«' schönen südlichen i Sterne, das Diadem des Orion, gerade;ü unfe-! ren Häuptcrn. War es nicht vielleicht ebewan- die-s ser Stelle im.M«ere, da.Napoleon auf der Urbör- fahrt nach AeghPten zu den Gelehrten, die Keser sonderbare General zur Eroberung des Nillandes" mitgenommen, hätte, sagte, aydem er csilf'lüe. Sterne deutete.„Und die da? Der hat'-hie K- macht?" Es war. nicht an dieser Stelle, aber es war Antwort auf diese Frage, als ihm L a p l a c e, der große Astronom, kalt und stolz auf ähnliche Fragen erwiderte:„Sire, ich brauche diese Hypothese nicht." An solche alten und ewig neuen Dinge denkt man träumend, erschlafft von einem derart unge-- wohnten warmen Winterabmd. Ganz leise gluck-.! send schlägt das'Mter melodisch an'unser gutes! Schiff— ganz im Rhythmus und in de/ Melo die von„Meeresstille und glückliche Fahrt."•-] Aber ist dort nicht ein Ster« i« dieser mynd- j losen Nacht ins Wasser gefallen? Er schwimmt ja> noch. Mit grünlichem Feuer. Und noch, da, boxt, j überall blitzen grüne Funken auf. Meeresleuchten, im Süden. Ganz anders als in der heimischen! Nordsee. Nicht bloß das sanfte, milchige Glimmen| iffcV&kr’ift’ä 1 ein^Tbeater"mir^zehntausend vernommen wurde, sowie ein Homosexuelln, der )efsent- Tärer nur die beiden Gewerkschaftsführer Mooney und Billings in Frage kommen konnten. Gewerkschaftsführer— das war damals gleichbedeutend mit Anarchist und Bombenwerfer^ und die interessiert«» Kreise warteten schon länge auf die Gelegenheit, di« beiden Sozialisten unschädlich zu machen. Billings wurde zu lebenslänglichem Zuchthaus verurteilt und später zu 15 Jahren Zuchthaus begnadigt. Mooney wurde zum Tode verurteilt und später zu lebenslänglichem Zuchthaus begnadigt. Tas Gerichtsverfahren, das mit diesem Spruch endete, hat in der Geschichte der Rechtssprechung nicht seinesgleichen an Verleumdung, Bestechung, Korruption und Willkür. „Nichtsdestoweniger....." Erst Jahre später lichtete sich das Dunkel, da5 über diesem heispiellosen Verfahren schwebte. Sofort nach der Explosion wurde mit einer Feuerspritze alles Beweismaterial- weggewaschen. Der Bezirksstaatsanwalt Fickert leitete die Untersuchungen. Ein beteiligter Polizeikommisiar na- iriens Draper legte spater folgendes Geständnis ab:„Zuerst glaubten wir, Mooney: tonnte es getan haben... Als wir den Fall weitzr^ entwickelten, stellten wir fest, daß er nicht'als Täter in Frage kant. Nichtsdestoweniger bauten wir den Fall Weiler um ihn herum auf...* Der Hauptbelastungszeuge war ein Viehhärtd- ler Oxmän aus Oregon, der behauptete, Mooney unniittelbar nach der Explosion am Tatort gesehen zu haben. Als gegen Oxman 1917 ein Memeids- verfahren eingeleitet werden'mußte, stellte es sich heraus, daß er zur Zeit der Explosion gar nicht in Jan Francisco, sondern in Woodlond(Cal.) ge- wesen war und daß er schon früher eigen Meineid > geschworen hatte. Als weiterer Zeuge trat ein ! arbeitsloser Kellner auf. Später gab er zu,-Moo- ! ney und Billings zum erstenmal im Gefängnis gesehen zu haben, und 1921 widerrief er seine Aussage gegen die beiden vor aller Oeffentlichkeil. Zwei weitere Hauptzeugen gegen die Gewerk- schastler waren eine Prostituierte, die allerdings und die'einzelnen Goldpunkde und Silberbänder während des Prozeftes„umfiel" und nicht weiter Seite 6 SamStag, 24. Dezember 1932 At. M PRAGER ZEITUNG Literatur MttteUungen ans oem Puülttum. Geriditssaal schärfsten Vereinsnadiriditen Kunst und Wissen 17 öti (Oesterreich) 3.60, ner(Deutschland) chinen(Finnland) Parse(Dänemark) Überall erhältlichi (Die gesperrt gedruckten Filme können empfohlen werden.) Die Grippe in Rordböhm«» nimmt ernste Formen an. Schutz vor Grippe und Halsentzündungen bieten> die bewährten Panslavin-Pastillen. In Wllen, wo Gliederschmerzen und Fieber festgestellt werden, ist Bettruhe dringend geboten. Man Nimmt dann am besten in heißem Tee 2—i Aspirin- Tabletten über den Tag verteilt. In keinem Falle darf es versäumt werden, den Arzt zu rufen. 1740 Genosse«! traoct»et Jeter oeleoratttt Oaer VorteiavAeleyen I Centralbank der deutschen Sparkassen in dar Gechoslwakischen Republik Hauptanstalt: Prag H, Bredauergasse 14. Zweigniederlassungen Aoarif, BrOan, Sgrr. Jlgeradorf. Reiehenbwg, 6. TeMben. Ttanünau. Troppan. M« Bank dar deutschen Sparanstatten und r«? Gemeinden. Verhandlungen über den freiwilligen Abbau bereits in der nächsten Zeit stattsinden sollen. Die Verhandlungen über die Rcgiefragen wurden auf Anfang nächsten Jahres verschoben. Die weitgehenden Abbauplane der Anglo-Pragabank, welche nicht nur zwangsweise Kündigungen ausgesprochen hat, sondern auch einen durchgreifenden Gehaltsabbau vornehmen wollte, sind durch diese vorläufigen Vereinbarungen durchkreuzt worden und alle Angestelltenfraqen werden erst Anfang nächsten Jahres Gegenstand von Verhandlungen zwischen der Bankleitung und Organisation sein. Scheckheft für die Kleine Biihne— das Weih- nachts- und NeujcchrSgescherrk. 12 Schecks in geschmackvollem Loderelui. Gültig bereits ab 26. Dezember. Preise schon von 120 kl an. Silvester-Nachtvorstellungen: Neues Thea- t«r: 10.30 Uhr: Silvester in der Wunher-Bar.— Kleine Bühne: 10.30 Uhr Susannens Geheimnis— Silvesterbollett— Brüderlein fein! Auch bei diesen besonderen Veranstaltungen bleiben die löprogentigen Amveisungen gültig. Vorverkauf für Abonnenten ab heute, allgemeiner Vorverkauf ab Montag. Spielplan des Neuen Deutschen Theaters. Sams tag: Geschlossen.— Sonntag, nachm: Jugendvor- stellung:„Im weißen Rößl": abends:„Hoffmanns Erzählungen."— Montag nachm.: Ortsgruppe Prag. Montag, den 26. Dezember, Abfahrt 8.38 Uhr vom Smichover Bahnhof nach Do-bkichovice. Wanderung Skalka. Führer S k r n a d. Borläu'ige Bereiubaruug t« der Anglobank. Nach der in der Zentralbank der Deutschen Sparkassen und in der Deutschen Agrar- und Jn- dustrialbank erfolgten Einigung zwischen den beiden Bankleitungen und der mit dem Bankbeamtenverband erfolgten Einigung, haben nunmehr auch die in der Anglo-Pragabank geführten Verhandlungen zu einem vorläufigen Ergebnis ge- nicht fach, wie das persongenügt _..*„.M Vorzugs> ftellung zu genießen. Das führt dazu, daß ein Assistenzarzt entgegen den Bestimmungen der Klinik, wenn es seine Privatangelegenheiten erfordern, die Klinik um. sechs Uhr für die Patienten zusperren kann, obzwar der Dienst auf der Klinik bis sieben Uhr abends dauert. Das führt weiter dazu, daß auf der Klinik jede Ordnung vermißt wich. Es ist nahezu ein Skandal,-aß hier nicht eine einzige geschulte Schwester Dienst versieht, sondern daß den Aerzten selbst bei schtveren Operationen kaum der Schule entwachsene Mädchen zur Seite stehen, die sich hier auf die Stellung als Pri- vatpflegerinnen vorbereiten oder aus einer Laune heraus für kurze Zeit auf die Klinik gekommen sind. Das führt natürlicher Weise zu Nachlässigkeiten und einem Ton, der sonst auf einer Klinik unmöglich wär«. Führt dazu, daß selbst oft die kleinsten Handreichungen nur äußerst wKerwilsig erfolgen. Kurz gesagt, die derzeit bestehenden Verhältnisse auf der zahnärztlichen Klinik erfordern eine gründliche Remedur. Die Patienten, die in die Klinik kommen, sehen und spüren schließlich auch, was hier vorgeht, so daß der Ruf dieser Klinik bedroht erscheint. Deshalb müssen die entscheidenden Stellen dem derzeitigen Zustande der Zahnklinik ein schnelles Ende bereite«, müssen den Methoden des Herrn Dr. Wagner entgege»wirken, indem sie für dir «hesie Besetzung der vakanten Leiter stelle dieser Klinik Vorsorge treffen. Müssen dafür sorgen, daß die Aerzte den Regeln der Klinik und dem geltenden akademischen Recht entsprechend behandelt werden, daß jede Art der Freunderlwirtschaft aufhört und das Vertrauen der Kranken zur Anstalt gehoben wird. Daß mit einem Wort gesagt der gute Ruf der Klinik wiederhergestellt und geschützt wird. Viertes Bundcsschießen der deutschen Arbeiterschützen. Der deutsche Arbeirer-Schützenbund hat durch Frrnschießeu sein« neuen Meister im Mannschaftskampf festgostellt. Meister der Ä-Klass« wurden auf 20er Ringscheibe, Grotztaliüer, Entfernung 175 Meter: Großauheim bei Hanau, 723 Ringes Kleinkaliver, Entfernung 50 Meter: Karls- ruhc-Knietingen 824 Ringe; Bolzen, Entfernung 8 Meter: Stammheim in Hessen, 889 Ringe; Klein- talkber für Frauen, Entfernung 50 Meter: Rheinau bei Mannheim, 401 Ringe; Pistolenschießen, 10er Ringscheibe, Entfernung 25 Meter: Knielingen, 395 Ringe;,. Zimmerstutzen, 10er Ringscheibe». Entfer- nung 10 Meter: Wolfenbüttel, 789 Ringe; Zim- menftutzen für Krauen, Entfernung 10 Meter: München-Dachau, 491 Ringe. Eine neue Askö-Bestleistuug im Stemmen. Dem Tiroler Arbeitersportler Strobl vom Ardeiter- achletenklub Wörgl gelang es, eine neue BestleisMng im Stemmen für das Mittel-B-Gewicht aufzuftel. len. Er erreichte im einarmig rechts Stoßen, unfrei, eine Leistung von 112.5 Kilogramm. Die alt« Bestleistung wurde seit dem Jahr« 1927 von dem Wiener Schuster mit 111.5 Kilogramm gehalten. Weitspringcn wurden die zehn Besten: Wagner(Deutschland) 7.09 Meter, Olsen(Norwegen) 6.97, Geiger(Deutschland) 6 94, Petersen(Norwegen) 6.92, Keck(Deutschland) 6.90, Perg(Norwegen) 6.94, Paananen(Finnland) 6.77, Kartu(Finnlaich) 6.76, Bley(Deutschland) 6.70, Eckert(Deutschland 6.70 Meter. Ti« Bosten im Hochsprung stich: Grogg(Schweden) 1.85 Meter, Helgesen(Norwegen) 1.84, Johannson(Finnland) 1.83, Fuorie Finnland) 1.83, Wilde(Deutschland) 1.82, Lethinen (Finnland) 1.81, Riihla(Finnland) 1.80, Jäger iDeutschland) 1.79, Kern(Tschechoslowakei, Aussiger Verband) 1.79, Wagner(Teutfchland) 1.79 Meter. Das Stabhochspringen ergab folgend« Liste: Hubert(Oesterreich) 3.65 Meter, Kristoffers an(Finnland) 3.60,. Petevlik Herteliüs(Finnland) 3.60, Hütt- 3.55, Lain«(Finnland) 3.50, Le- 3.50, Vieonen(Finnland) 8.50, 3.50 Ale ter. Sie besten Leichtathleten der SASI. In der Liste der zehn besten 1v.00ü-Meter-Läuser in dieser Saison findet man nur finnisch« Namen. Weder Deutschland itoch Oesterreich konnten einen Platz erobern. Die Liste: Ekholm 32:27.4 Mi«., Peltemäki 32:33, Oksa 32:44.8, Perkonoja 32:55.7, Harju(Olympiasieger) 32:59, Bochas 33:08.7, Saarinen 33:35.1, Karlstörm 33:41, Mur- ivssaari 33:45.2. Haavifto 33:542 Minuten. Im ist dLit Ce. W-glric» r««»— S»«(«ebo11«■ t Wildel» Nied»»,- Beealktw-rtttche, K-daNe-r Dr Em« S,,«,» Pm»- Druck:.Kola- kir Zeiumg- m» Buchdr-L vrae— N» de» Druck—»»t^nrib, r>!» Hel», — Dir gelruueemart-ulr-ok-nir wur»«»«»»er Boft- ,. r«re«ravdendrieili»>»u Srlud Nr lL.aoo/viiassg dewuliai-«»ULsbedmaün-eu. Sei Luftelliui, iu» tz-us-der de! B-«ue durch di« uwuuuich E« uierieir-drlich Uck«L—, pridlützn, U es,—, aum«*P( Ü M»—«— SiafaoaU werde» Imu Dckru ditUas derichne», Sch ekt-ttl Piriti-uchrutz— Nückrl'lluil« d»u MuuuIIrwt«» tttuldl«u d«! Muleuduu, de, SieWurmurle». Vie richtige Brille Optiker Deutsch Prag 11., Prikopy, Palais Koruna. Filme Id Prager LimtsDlemaosero bis einschließlich Donnerstag, den 29. Dezember 1932. Wron-Urania:„Unter falscher Flagge." Adria: „Anton äpelec— der Scharfschütze. Alfa:„Bring sie lebend heim!" BerLnek:„Maria Draga." Flora: „Maria Draga." Gaumont:„Die oder keine." Hollywood:„Die oder keine" Hvizda:„Amon Lpetec— der Scharfschütze." Kapitol:„Mit einem Lied auf den Lippen und Liebe im Herzen." Kiuema, B.-Th.: Aktualitäten, Reportagen, Lustspiele; halb 1 bss halst 8 Koruna: ,Zws Schiff der Selbstmörder." Metro:„Ein Mann mit Herz." Olympic:„Ter Pompfüneberer." Passage:„Liebe aus den erstem Ton." Praha:„Das Schiff der Selbstmörder." Radio: „Vergessene Patrioten." Skaut:„Das Haus an der Grenze." Svetozor:„Ein Mann mi» Herz." Alma: „Gitta hat ihr Herz entdeckt." Avion:„Sud-Expreß." Bajkal:„Gitta hat chr Herz entdeckt" Favorit: „Moritz macht iü Glück." Konvikt:„Vergessene Patrioten." Lido:„Maria Draga." Louvre:„G i l g>, eine von uns." MaceSka:„Gitta hat ihr Herz entdeckt." PerSthn:„Mein Herz ist noch tedig," Roxh:„Gilgi, eine von uns." Baldek:„V«r- gessene Patrioten." Academia:„Das Lied einer Nacht." Belvedere:„Unter falscher Flagge." Beseda: „Marokko" Carlton:„Vergessene Patrioten." Illusion:„Vergessens Patrioten." Sport-Smichow:„B o r der Matura." U Vejvodu:„Viktoria und ihr Husar." Jugendpovstellung:„Dreimal Offenbach"; abends:„Wenn die Veilchen blüh.«."' Spielplan der Kleinen Bühne. Samstag: Geschloffen.— Sonntag, nachm.: Bargeld l a ch t"; abends:„Der Geisterzug."— Montag, nachm.: „Ich habe«inen Engel geheiratet"; abeiws:„Der G« ist«rzug." Im Dezember-Heft der„Sozialistischen Bildung", herausgegeben vom Reichsausschuß für sozia- listischc Bildungsarbeit, Berlin. 81V. 68, Lindenstr. 3, werben Richtlinien für die soziakpädagogitsche Gestaltung des freiwilligen Arbeitsdienstes veröfstntlicht, die von der Reichsarbeitsgemeinschaft„Sozialer Diettst", in der alle Spitzenorganisationen der sozialistischen Arbeiterbewegung vereinigt sind, ausgearbeitet wurden. Diese Richtlinien!.'ziehen sich sowohl aus di« Schulung und Freizeitgestaltung iit den Lagern, wie auch auf die Ausbildung der Leiter und Helfer des freiwilligen Arbeitsdienstes. Ferner enthält die Nummer u. a. einen Aufsatz von O. Uhlig „Jugend ohne Berus" und eine ausführliche Kurfus- di»Position von Dr. E. Fränkel„Die Staatskrife und der Kampf um Len Staat". Die monatlich erscheinende„Sozialistische Bildung" mit ihren Beilagen üch e rwa r t e" und„Sozialistische Erziehung" ist zum Preis« von 1.50 Mark pro Vierteljahr, durch die Post oder den Verlag I. H. W. Dietz Nachsg., Berlin SW. 68, Lindenstraße 3, zu beziehen. Einzelnummern kosten 75 Psg. Ter Verlag stellt Probemimmern gern zur Verfügung. „Schicksal Maschine." Roman von Stefan Pollatschek. Saturn-Verlag, Wien. In seinem Erstlingsbuche„Dr. med. Berghof ord. von 2—4 Uhr", das im Aerztemilieu abspielt, hat sich der Verfasser als ein ausgezeichneter Gestalter und scharfer Beobachter sozialer Mißstände bewährt, und mit vollem Rechte hat, dieses fesselnde und tiesschürfende Buch viele Leser gefunden. Auch in seinem neuesten Werke „Schicksal Maschine" verleugnet der Autor nicht den Arzt: mit der Sonde untersucht er die heutige, durch Geld und materielle Interessen korrumpierte Zeit, schildert die Verheerungen, welche die Maschine, di« Entwicklung der Technik unter der. Herrschaft des Kapitalismus anrichtet und er stellt die Diagnose: „Der Sturmzeichen gibt es viele in unseren Tagen, — kein Zweifel, die Welt unserer Väter, di« Welt unserer Jugend, unserer Generation geht in Trümmer.-Wir leben und sehen nichts und die Menschen, di« helfen könnten, verfchließen ihre Ohren, Hirne und Herzen. Sie haben. Augen, und sehen nicht, Ohren und hören nicht, Hirne und denken nicht, Herzen Und fühlen nicht. Wohlan, die Flut wird komme» und wird sie verschlingen, sie und uns, damit Platz werde für... wofür, wofür?" Stefan Pollatschek wirft in dem Buche die Frage auf, ob die Maschine Werkzeug des Menschen sein soll, um sein Wohlergehen zu fördern, oder ob er wie jetzt ewig chr Sklave bleiben soll Er sieht das Maschinenungeheuer drohend über die Zeit stehen, sieht den kapitalistischen Irrsinn, der darin besteht, daß jede neue Erfindung anstatt das Los der arbeitenden Menschen zu erleichtern, sie arbeitslos macht und weiß, daß daran nicht die Schuld der Technik beizumessen ist, sondern der heutigen Gesellschaftsordnung. In dem Roman läßt der Autor einen früheren Nutznießer dieser Gesellschaftsordnung zum Sozia- sisten werden, der mit den Arbeitern für eine Ordnung, in der die Maschine allen Menschen Nutzen bringen soll, käntpst. Der Weg dahin gehl durch Blut und Tränen, aber:„Der Tag bricht an, der Äantpf begiimt!" Man würde fehlgehen, wollte man in dem Roman nur ein gesinnungStüchtigrs Buch sehen. Es ist vor allem ein gedankentiefes Werk, das sich auch durch sprachliche Gestaltung und fesselnde Erzählungskunst auszeichnel.— r,. Bonder Prager deutschen zahniirztlichenj**“ W gekündigten Angestellten w«r- «Iden Ende dieses Jahres nur diejenigen pensioniert mlliu»| werden, di« mit ihrer Pensionierung einverstan- Unhaltbare Zustände.! den waren. Die übrigen, die gekündigt, bezw. Aus Gründen, di« nicht näher bezerchnet M werken müssen, d^rf der Kanrpf um tat«o°uf dre, Mo- staub und tat Ausbau der Rutschen Lchran-!"^Verschoben worden, wota dre Qrgamsations- stalten nicht nur eilt mit dein Einsatz politischer] J; cr^ baß^ l' e§"ur? tRe ,. te<^ nl fä| Mittel geführter Karnpf bleiben, sondern ebenso!?^"ahm«set und daß sic auch werterhrn darauf wichtig oder vielleicht noch wlästiger ist für die-> vehÄtveu, daß drese Kündigungen, als den Knieses Ringen der Gei st mW die M e t h 0 d e in i rungsbedlngun«n zuwtderlaufend ungültig seren all diesen Anstalten. Daher ist es ein gutes i be|agt d.« zwt^r der BanAettung und Recht der Oeffentlichkeit, die mit seltener Tat-! den Organisattonen gctroffene De^rNbarung, iwß kraft für das deutsche Schulwesen emtritt, Kri tik zu üben, wenn fcftgeftellt wird, daß die Er folg« der einen Seite, von Mängeln an einzel nen Instituten beeinträchtigt und bedroht wer den. Diese M ä n g e l, um nicht einen schärferen Ausdruck zu gebrauchen, sind ziveifellos ander d c u tsch e n za h n ä r z tl iche n Klinik in Prag su verzeichnen. Hier machen sich allmäh lich Zustäiido geltend, die den Ruf dicser, in der ^Heilbehandlung der ntoderncn Zeil so wichtigen Klinik stark gefährden. Seit Anfang November ist die Klinik ohne ordentlichen Leiter. Sie un tersteht jetzt provisorisch dein Professor für Ohren- und NoienheÄkuiide A m c r s b a ch, einem gewiß tüchtigen Arzt,. der aber gar nicht die Zeit'aufbringt, stich um die Führung der zahnärztlichen Klinik zu kümmern, also deren eigentliche Führung dem provisorisch zum ärzt lichen Leiter der Klinik bestimmten Assistenz ärzte Dr. Wagner übevlässen muß. Nun mag auch Herr Dr. Wahrer ein tüchtiger Arzt sein, aber ob er die Befähigung besitzt, eine Anstalt von der Bedeutung der Prager Klinik für Zcchnhcilkunde zu führen, ist eine andere Sache. Denn der Leiter der Klinik hat nicht nur dre Verantwortung für Hunderte von Menschen zu Übernehmen, die Patienten der Anstalt smd, sondern er ist auch der Chef für eine große Anzahl junger Aerzte, die hier ihre Ausbildung für ihren so wichtigen mrd Hoheit Beruf genie ßen. Dazu scheint der pr0vis0rische Lei- ter der Klinik nicht alle Voraussetzungen zu besitzen, vor allem deshalb nicht, weil er selbst ex st vier Jahre auf dem Gebiete der Zahnheilkuude tätig ist und deshalb schon gar nicht genügend fachliche Autorität be sitzt, um eine Klinik zu leiten. Dazu kommt iwch, daß er, trotz akademischer Funktion, vielfach akademisches Recht und akademische Freiheit mtßMierstehen scheint. Auf der Klinik herrscht die unglaublichste Unfreiheit. Das Recht der Aerzte, bei irgend einer Frage, die nach Doktor Wagner nächsthöhere Instanz in Anspruch zp nehmen, wird mitt'ihm als Vörletzung!wr-Diszi plin gewertet«nd unter Üntständen geahitdef'. Diese Tätsäche allein fvrdcktt zum Widerspruch heraus! Aus der Klinik entscheiden heute mänftischc Kenntnisse, ebensowenig Dienstaltcr Vorrechte bringt, sondern liche Freundschaft allein hier für einen Arzt, um eine srellung zu s' Wenn sich Polizisteu nicht erteuneu... Prag, 23. Dezember. Wenn sich ei« gewöhnlicher Untertan«in«m Diener der hohen Obrigkeit widersetzt, so begeht«r das Verbrechen der öffentlichen Gewalttätigkeit und hat nach dem Buchstaben des Gesetzes eine schwere Kerkerftrafe von sechs Monaten bis zu einem Jahr zu gewärtigen. Zwar gehvn die Gerichte regelmäßig unter Anwendung des außerordentlichen Mllderungsrechtrs mit gelinderen Strafen vor. Nichtsdestmvenigcr pflegt der hohe Gerichtshof in solchen Fällen die Stirne krauS zu ziehen und dem rebellischen Untertan mit vernichtenden Blicken zu betrachten. Wer die freche Hand gegen eine sogenannte Amtsperson«rhebt, rüttelt oben an den Fundamenten der öffentlichen Ruhe und Sicherheit'. Dies tst wenigstens die Meinung eines 130 Jahre alten Straf gesetzes, das in der Zeit des finstersten Absolutismus entstanden ist und mit dem man eine demokratische Gegenwart immer noch beglückt. Nun begab sich vor dem hiesigen Kreisgericht der heiter« Fall, daß em Hüter der öffentlichen Ordnung, Ruhe und Sicherheit einen Kollegen in lästerlicher Art verhaute. Der Täter ist Geheimpolizist und seine Frau hat eine Autöbuskonzes- iion. In seiner Freizeit versieht der Herr Detektiv Chauffeurdienste auf dieser Autobuslinie. Ein« Tages nun saß der Detektiv-Chauffeur auf Fahrgäste wartend behaglich auf seinem Lenkersitz und raucht««ine Zigarette. Em Wach mann kam des Weges und macht« ihn aufmerksam, daß das Rauchen im Autobus verboten sei. Es kam zu einem Meinnngsaustausch, der von seitvit des Chauffeur-Detektivs in ziemlich grober und ungehobelter Art geführt wurde, so daß der uniformierte Kollege sich veranlaßt sah, zu„amts- handel n". Er bestieg den Autobus und zückte den amtlichen Bleistift, um amtlich den respektlosen Untertan zu notieren. DaS gelang ihm aber nicht. Der Detektiv fühlt« sich, so sehr„außer Dienst", daß er den Wachmann nicht nur gröblich beschimpft«, sondern auch tüchstg verprügelt«, ihm den H«lm ein« schlug und schließlich aus dem Autobus hinauswarf Es wurde eine Anklage daraus. Bor Gericht meint« der angeklagt« Geheimpolizist, es habe sich nur um eine„kollegiale" Auseinandersetzung gehandelt. Aber di« blauen Flecke und der eingedroschenr Helm des Wachmannes waren nuy einmal nicht wegzuleugnen. Das Gericht erkannte- also den Gewalttäter für schuldig und ver- urteAte ihn zu drei Monaten schweren K«r k e f s, freilich bedingt auf zwei Jahre, rb.