12 Jahrgang. Mittwoch, 28 Dezember 1932 Nr. 302. Audi Belgien streicht das Budget zusammen Zu- ge- I Frankreichs Finanzminister kündigt energische Sparmaßnahmen an. Die überflüssigen Staatsbeamten sollen entlassen werden I Brüssel. 27. Dezember. Die Deputierlenkam» mer begann heute die Debatte' über' die Regie« rungsvorlage betreffend die S a n i e r u n g b 11 Finanzen. Jmanzminister Jaspar betont« di« Notwendigkeit eines gehörig ausgeglichenen Budgets, was nur durch bede u r« nde Erspa- runge n auf allen Gebieten der Staatsverwaltung erreicht werden kann. Abstriche werden nicht nur in den Militärausgaben, sondern auch tn der Sozialversicherung erfolgen. Trotzdem aber muß die Regierung einige neue Steuern einführen- Der Finanzminister erklärte weiters, daß die belgische Wahrung keineswegs bedroht ist;' fest garantiert für die Zukunft wird sie aber nur bann sein, wenn das künftige Budget ordentlich ausgeglichen ist. KrcdNgarantic an Oesterreich von der Pariser Kammer befürwortet. Paris, 27. Dezember. Der Finanzausschuß der Deputierlenkammer nahm mit. 12 gegen 8 Stimmen das Prinzip des Regierungsentwurfs an, das den Finanzminister ermächtigt, daß der französische Staat bei der Zeichnung der österreichischen Anleihe die Garantie für 100 Millionen Goldschilling übernimmt. Auch der Außenausschuß betraute nach einer empfehlenden Rede des Ministerpräsidenten Paul Boncour und des Unterstaatssekretärs im Außenministerium Pierre Cot seinen Berichterstatter, der Deputiertenkammer die Annahme der Vorlage zu empfehlen. Höllenmaschine zerreißt den Attentäter Belgrad, 27. Dezember. Am 25. d. M. explodierte um 21 Uhr 30 auf der Eisenbahnlinie Scv- gelija—Uesküb eine Höllenmaschine, durch welche Kabinettskrise in Bulgarien. Sofia, 27. Dezember.(Bulag.) Die heutige Sitzung des Sobranje wurde kurz nach der Eröffnung wegen eines wichtigen Ministerrates, welcher die von den agrarischen Ministern dem Kabinett Muschanow vorgelegten Forderungen studieren sollt«, unterbrochen. Di« agrarischen Minister verlangten eine bessere Vertretung der Agrarpartei in der Regierung. Nach der Sitzung des Ministerrates teilte Ministerpräsident Muschanow mit, daß di« drei agrarischen Minister demissionieren, was. die Demission des Ge sa mtkab i ne t tes zur Folge hatte. Ministerpräsident Mpschanow wird die Demission seines Kabinettes dem Könige morgen unterbreiten. Griechenland hat es gut! Athen, 27. Dezember. Die Regierung der Bereinigten Staaten hat dem Ansuchen Griechenlands nach Verlängerung des Moratoriums für bi« Kriegsschulden vis Eiwc des Jahres 1934 gestimmt. Fünf Millionen Schatzscheine werden ausgegehen. Nach langer Debatte nahm die Deputiertenkammer schließlich die ganze Regierungsvorlage betreffend das Budgetzwölftel für Jänner in der Höhe von 5292 Millionen Franken mit 524 gegen 53 Stimmen an. In diesem angenommenen Regierungscntwurf ist auch die Berechtigung zur Emission von Schatzscheinen im Betrage von fünf Milliarden enthalten. französische Sozialisten stimmen Mir das Budget. Namens der Sozialisten gab Deputierter B ra d« eine Erklärung ab, worin er sagte, daß die Sozialisten mit ihrer heutigen pro-Snmmen- abgabe nicht für das Gesa mtbudget st i m m e n, sondern der Regierung die Möglichkeit geben, wenigstens einen Monat zu leben. Die Sozialisten konstatieren übrigens, daß die jetzige Regierung ru a. an die Herabsetzung de r M i li t ära usgo bc n geschritten ist. Nur unter diesen BedrnguiMN stimmten die Sozialisten für das Budgetzwölftel. Ter sozialistische Klub hatte nach längerer .Debatte den Beschluß gefaßt, für das Budgetzwölftel zu stimmen. Da jedoch nach den Statuten der Partei di« Sozialisten über das Budget nicht abstimmen sollen, hat der Klub das Präsidium der Partei‘ um eine diesbezügliche Ermächtigung angesücht. Das Präsidium trat nun gestern abends zusammen und erklärte, daß eS ’.n dieser Angelegenheit nicht kompetent sei. Der Klub wird also für das Budget stimmen und le'nen Standpunkt auf dem nächsten Kongreß der Part«: begründen. Erst zahlen— dann verhandeln. Amerikas Standpunkt gegenüber Frankreich Washington, 27. Dezember.(Reuter.) Staatssekretär S t i m s o n erklärte heute Journalisten, die Regierung der Vereinigten Staaten werde aus der Forderung beharren, daß Frankreich vor Beginn von französisch-amerikanischen Beratungen über di« Schulde« di« Rat« bezahle» welch« es am 15. Dezember leisten sollte. Goldene Worte Roosevelts. Albany(New Zork), 26. Dezember.(Reuter.) Roosevelt und Norman Davis erörterten bei ihrer bereits gemeldeten Zusammenkunft die Abrüstungsfrage, die Weltwirtschaftskonferenz und di« Probleme der Tarifabändcrung, der Währungsstabilisierung und der Aufwertung des Silbers. Norman Davis erklärte nach Beendigung der Besprechung: Wir brauchen Abrüstung, um das Vertrauen wieder hrrzustellen, denn Ber, turnen bedeutet Kreditgewährung, und Kredit ist die treibende Straft des Handels. Er erklärte ferner, die Weltwirtschaftskonferenz werde hei ihrem Zusammentritt anfang nächsten Sommers nur dann wirksame Arbeit leisten können, wenn sich di« Hauptmächte über rhr Vorgehen geeinigt haben. Roosevelt soll, wie es lveiter heißt, in dieser Unterredung die These vertreten haben, das Gefühl der Sicherheit zwischen den Rationen werde in genau dem Raße zunphmen, in dem die Zahl der KliegSwertzr«^ vermindert werd«. Oer geiliichtele General hat sich unter salschem Namen verborgen. Moskau, 27. Dezember. Aus Tomsk wird ge meldet: Bei einem Rundgang durch die Unter künfte, in denen sich die internierten Soldaten der früheren Armee des Generals Supingwen befin den, erklärte einer der Internierten, indem er gleichzeitig Dokumente auf den Namen Ma.Su- mn vorzeigte, daß er in Wirklichkeit General M a Tschantschan sei und daß er" seinen wirk lichen Namen bei dem ersten Verhör der inter nierten Soldaten verheimlicht habe. Tq General Ma Tschantschan durch sein Verhalten die Sowjet behörden irreführte, beschloß das Sowjetkom mando, ihn zu bestrafen und von den übri-! gen Internierten zu isolieren.!kung Otto Strassers'Notiz nehmen? Paris, 27. Dezember. Die Deputtertenkam- mer behandelte seit früh den Gesetzentwurf über das Budgetzwölftel für Jänner. Die Debatte war sehr bewegt. Der.GenevaLberichterstatter Lamoureux legt« die Notwendigkeit der raschen Annahme dieser Vorlage bis zum 31. Dezencher dar. Finanzminister C h e r o n antwortete aus die verschiedenen Einwendungen hauptsächlich auf die des Führers der Rechten Louis Marin, der sofortige Aufklärungen der Regierung über die bevorstehenden Finanzreformen verlangte. Der Finanzminister erklärte, Latz die Regierung, di« erst seit einigen Tagen im Amte ist, kein« sofort wirksamen Mittel zur Beseitigung des einige Milliarden betragende« Budgetdefizi- tes vorbereiten könne. Er versprach, die betreffenden Vorschläge im Jänner zu machen. Die Regierung sei fest entschloss««, überall an ei« energisches Sparen zu schreiten. Alle Ausgabe« werden einer Revision unterzogen werden. Die Ausgaben werden stark zusammengestrichen; überflüssige Beamt« werden entlassen weü>ea und di« Ausnahme neuer Beamter wird«iugestellt. Di« Kammer lehnte hierauf mit 400 gegen 190 Stimmen den Antrag Louis Marins ab, daß die Ermächtigung der Regierung zur Ausgabe neuer Bons der Staatskassa von 5 Milliarden auf 2 Milliarden herabgesetzt werde. Bei einer, weiteren Abstimmung lehnte sie auch mit 349 gegen 235 Stimmen den Antrag des ehemaligen Finanzministers Flandin ab, diese Ermächtigung von fünf Milliarden auf vier Milliarden einzuschränken. Ein Nazi-Eemeopier gefunden. Dresden, 27. Dezember. In der Talsperre Malter wurde die in Säcke gehüllt« Leiche des seit dem 4. November vermißten Dresdener SA- Mannes Hentsch gefunden. «eine Versöhnung zwischen Hitler und Strasser. Berlin, 26. Dezember. Wie die„Welt am Morgen" erfährt, ist der Konflikt zwischen Hit ler und Gregor Strasser in den Einigungs verhandlungen, die in Berchtesgaden statt gefunden halben, nicht beigelegt worden. Es besteht auch keine Wahrscheinlichkeit für eine baldige Besserung des Konflikts. Otto Strasser wiederholt seine Behauptungen. Die„Schwarze Front", das Blatt Otto Strassers, teilt mit: Herr Dr. Frick verbreitet ein« Berich- > tigung der in der Nummer 15 der„Schwar zen Front" gegebenen Darstellung über die rühr» ' selige©jene in der Hitler-Fraktion. Die „Schwarze Front" verweigert die Aufnahme dieser Berichtigung, weil sie nachweislich, ün» wahr-ist. Sie wird im Gegenteil in vier auf- < einanderfolgendcn Nummern eine wörtliche Me- : derholung ihrer Darstellung aus der Folge 45 . bringen und die Hiller-Partei-zur gerichtlichen Klarstellung zwingen. Otto Strasser Wird auch„Der Tag" von dieser Bemer- ~* V j zweie Bombe gefunden. Pirimer sagt sich von Hitler los. Wien, 24. Dezentber.(Eig. Drahtb.) Di« von den ehemaligen Putschführern Dr. Pfrinter und Karl Ottomar geleiteten steiermärkischen Heimatschutzformationen haben Hifler «inen Scheidebrief geschrieben und den Pakt m i t der Nazi Partei, gelöst. Sie begründen diesen aufsehenerregenden Schritt mit der,Taktik .Hitlers und seiner österreichischen Unterführer. Deren Politik und Taten seien mit den öster reichischen Verhältnissen so unvereinbar, daß sich die Meiermärker nicht mehr an di« mit Hitler getroffenen Abmachungen verpflichtet fühle«. Mit anderen Worten: es find wieder einmal auf beiden Seiten alle Eide und Schwüre ge-...*- brachen worden und Hitlers Stern ist auch in l des September ans den Dezember verschob. E Oesterreich im Sinken, noch ehe er richtig auf gegangen war. Zweifellos hat bei der Absage der Steiermärker der Verrat der Nazipartei a n S ü d t i r o l und ihre erbärinliche Kriecherei vor Mussolini eine wichtige Rolle gespielt. Die p---■'*’" ger" Hitler schneller durchschaut als der deutsche Michel. - war eine Galgenfrist für den Landwirt, aber I leider eine verhängnisvolle." Ebenso scharf wie der agrarische Berfas-,| i ser über die vergangene Agrarpolitik SflSTÄ«-E. v-ich!««ich me» dk M-tzn-ch»-». -•", aus, welche dre Agrapier ebenso in Deutsch- 1 land wie bei uns in Anwendung bringen wol len, um der Landwirtschastskrise Herr zu wer den. Dazu gehört die sogenannte Autarkie, d. h. der Wünsch der Agrarier, alle Nahrungs- mrttel im Inland zu erzeugen und damit dir Ausfuhr von agrarischen Produkten zu, verhindern. Es sei unzweckmäßig, so meint der Verfasser,„nach allzu hermethischem Abschluß --_.-,,-_ TT?.-- vom Ausland zu rufen, der schließlich dock), der Attentäter, ein bnlgargcher Komitatsch«, ge-! soweit er unseren gesunden Jndustrieexporl tötet wurde. Rebe feiner Leiche wurde noch eine betrifft, von neuem ein wesentliches und«zero^e ?? sfür die LandwirtschaFt so schMichxs Sinken Arleiterno! ist Bauemtod. Unter den Trümmern der Weltwirtschaftskrise liegen nicht nur verkrachte Banken, stillstöhende Fabriken und Millionen Arbeitsloser sondern auch die ganze politische Oekonomie der Bourgeoisie und nicht zuletzt — die agrarische Wirtschaftspolitik von Jahrzehnten. Seitdem in den siebziger Jahren Äe Getreideeinfuhr aus den Vereinigten Staaten den europäischen Landwirten rmtmer größere Konkurrenz machte, sahen Großgrundbesitzer und die unter ihrer Führung befindlichen Bauern das Allheilmittel gegen die Agrarkrise in hohen Zöllen. Bismarck war es, der 1879 die Wendung vom Freihandel zum Schutzzoll in Deutschland vollzog, in Oesterreich wurde das bald nachgeahntt und bis zum Weltkriege stiegen die Getreidezölle von Jahrzehnt zu Jahrzehnt, zuletzt wurden sie im Zolltarif, der 1907 in Wirksamkeit trat, hinaufgc- setzt. Der Weltkrieg zwang zum völligen Mbau der Getveidezölle, kaum aber war die Nah- rungsmittelnot, welche durch den Krieg hervorgerufen war, vorüber, wurden 1925 Zölle auf Getreide wieder eingeführt. Bon diesen Getreidezöllen erhofften sich die Bauern hohe Getreidepreise und dadurch Sicherung ihrer Existenz. Die Weltkrise des Kapitalismus hat aber auch die höhen Getreidepreise trotz aller Zollmauern, die die Landwirtschaft in Europa errichtet hat, über den Haufen geworfen. Sie hat der ganzen Well die Erkenntnis einge- paull, daß die Preise'des Getreides in erster. Linie nicht von den Zöllen, sondern von dem Verhältnis zwischen Erzeugung und Verbrauch abhängig sind und daß die anarchische Produktion des Privatkapitalismus nicht nur zu einer Krise im Bereiche' der Industrie sondern auch in dem der Landwirtschaft führt, nicht nur die Arbeiter sondern auch die B a u e r n in Mitleidenschaft zieht. Diese Erkenntnis hat der Sozialismus schon vor Jahrzeh itten verbreitet und es ist ein Fortschritt, daß dies auch in den Kreisen, der Agrarier allmählich erkannt wird: In der Weihnachtsausgabe der„Frankfurter Zeitung" stellt in einem Artikel einer der führenden Männer der reichsdeutschen Agrarier, der ehemalige Reichsminister Schlange- Schöningen fest, daß die Heraufsetzung der Zölle und Preiserhöhungen wohl vor dem Krieg möglich waren, aber nicht jetzt.„Tas gab es allenfalls vor dem Kriege, als ein wohlhabendes Volk eine erzwungene Preiserhöhung ohne ernste Schwierigkeiten ertragen konnte. In dieser Zeit allgemeiner Verarmung ist das alles unmöglich geworden." Der Verfasser scheut nicht davor zurück, ein vernichtendes Urteil über die agrarische Politik der letzten Jahre zu fällen.„Zwölf Jahre hat man es getrieben und zwölf Jahre ist es immer weiter abwärts mit uns gegangen." Auch die Bevorschussung"der Ernte, wie man sie Heuer in Deutschlaiw versucht hat, ist ge- scheitert.„Jetzt erst zeigt sich,"’ so sagt Schlange-Schöningen,„daß man mit dieser Form der Erntemanipulation nichts lveiter erreicht hat, als daß man die Getreidebewegnng Seife 2 Mittwoch, 28. Dezember 1832 Nr. 308 hvmmmüsNscde Vertrauensleute feiten ihre eigene Presse. der Kaufkraft zur Folge hätte." Der reichs- deirtische Verfasser stellt dasselbe fest, was der Sektionschef der deutschen Sektion des Lan- deskulturrats von Böhmen, Andreas Meisner, in einer jüngst erschienenen Schrift über die Zoll- und Handelspolitik mit allem Nachdruck darlegt:„Tine hundertprozentige Selbstgenügsamkeit einzelner.Gebietsteile der zivilisierten Welt... ist... mit Rücksicht auf dir Erfordernisse des modernen Wirtschaftsbetriebes, wenn man die Kultur nicht um einige Jahrhunderte zurückschrauben will, einfach undenkbar." Sehen wir uns nun an, welche Maßnahmen der Führer der reichsdeutschen Agrarier vorschlägt, um der Agrarkrise entgegenzuarbeiten und den Bauern zu helfen. Er nennt dabei„eine planmäßige Wirtschaftsführung des Staates", also eine Abkehr von der rein privatkapitalistischen Politik, eine „erbere Verbindung zwischen Landwirtschaft und Verbraucher" und vor allem eine Stärkung der Kaufivaft der Jndustriebevölkerung. „Wenn man die Bewegung namentlich der Viehmärkte beobachtet", sagt Schlange-Schöningen,„so kann man von Woche zu Woche deutlicher feststellen, das Volk kauft nicht mehr, es kann nicht mehr kaufen." Darin sieht der veichsdeutsche Agrarier die entscheidende Ursache dafür, daß es den Bauern schlecht geht. Jahrelang«rachen die Agrarier eine arbeiterfeindliche Politik, sie sind Gegner jeder Arbeiterschuhgesetzgebung, sie stehen im Kampfe gegen den Mieterschutz an der Spitze, sie bekämpfen alle soziale Fürsorge, sie richten ihre Angriffe dagegen, daß bei uns die Arbeitslosen unterstützt werden. Nun sagt es ihnen einer ihrer Führer, daß, je mehr die Arbeiterklasse verelendet, desto mehr auch die Bauern in den Strudel der Krise hineingezogen werden und verarmen. Gerade di« Agrarier hätten ein Interesse daran, die Lebenslage der Arbeiter zu heben und sich damit Käufer für ihre Produkte zu schaffen. Deswegen muß man ihnen die Stimme eines der ihren entgegenhalten, der den Kem seiner Ausführun- gen in dem führenden bürgerlichen Blatt Deutschlands mit dem Titel kennzeichnet, den er seinem Artikel gibt:„Arbeitemot ist Bauerntod". Vie Krise in Amerika In der kommunistischen„Arbeiterzeitung" für Mähren und Schlesien war vor kurzem ein Artikel erschienen, in dem die sozialdemokratischen Mitglieder des Bezirks-Ueberwachungsausschusscs für Mährisch-Schönberg beschuldigt wurden,„in holder Eintracht mit dem hakemreuzle- rischen Sekretär Schmidt für den Entzug der staatlichen Lebensmittelkarten für eine Reihe von Arbeitslosen, die für den elenden Lohn, den ihnen die Firma zahlte, nicht arbeiten konnten", gestimmt zu haben. An diese Behauptung waren tiefsinnige Betrachtungen über die Verderbtheit der sozialdemokratisches! Führer geknüpft; sie wurden^wohlbestallte A u charbeiterführer" genannt, deren Absicht es sei, die Arbeiter zu Galeerensträflingen zu degradieren. Nun gab das kommunistische Mitglied des Ueberwachungsausschufses, das von den Sozialdemokraten wegen des infamen Artikels gestellt wurde, folgende Erklärung ab: EndeSgefertigter Josef Schwarzer, Mit« gled des Ueberwachungsausschufses des Bezirks-Ar« beits-VermittlungSamtes in Mähr.-Tchönbrrg, erkläre hiermit, daß die Anführungen und Beschuldigungen im kommunistischen Tabglatt„Arbeiter- Zeitung" für Mähren, Schlesien und die Slowakei, Nr. 282, unter der Uebrrschrist:„Mährisch-Schön- berger Stadtgemrindr gegen di« Hungerleider, Sozialdemokraten und Hakenkrenzler für Zwangsarbeit und Entzug der Hungerkarten" besonders gegen di« He-rrn Kittel, Köhler, Schmidt, jeder Grundlage entbehren, da dir Angaben rin« direkte Verdrehung der Tatsache« darstelle«. Prag, 27. Dezember. Unmittelbar nach den Feiertagen trat der Senat heule nachmittags wieder zusammen, um»och das restliche Arbeitspensum vor Jahresschluß aufzuavbeiten. Es handelt sich um die Vorlagen über, die Sparmaßnahme« im Pchen Jugend Wird nämlich betont, daß man den Gedanken der tschechoflolvakischen Einheit nicht übermäßig betonen dürfe. Man müsse dahin-streben, daß-er flowakische Flügel der Agrarpartei'elb- ständig werde. Sonst könnt« es geschehen, daß die Agrarpartei in der Slowakei in Gegensatz zu ihrer eigenen Jugend käme.„Wenn auch diese Gedanken", so fügen die„L'dovs Novinh" die'er Nachricht hinzu, ,^>ie Ansicht«i»es1§in;elnen sind,- sind sie doch aus Debatten uüd Auseinanderletzungen junger slowakischer Angehöriger der Agrarpartei hervorgegangen und bringen allo die Ueberzeugung ganzer Jugendgruppen zum Ausdruck. Es würde das bedeuten, daß der slowakische Flügel der Agrarpartei bald vor sehr ernste Lösungen dieser Dinge gestellt werden wird/- Genossen k ausgesetzt f ü t 9tt Verbreitung unserer Zeitung agitiere«. Setz» euch überall für uasere Parteipresse ein. An vaS Heim»eS Arbeiters gestört nie Arbeiterpresse. Darum, ^euosseuu.iSeaossinueu U|JSIU>ri Ms Referent über die Sparmaßnahmen betonte Dr. Kehak(Nat-Dem.), daß nur die Not- New Aork, im Dezember.(Eig. Dvahtb.) Wie vernichtend die Kris« in den Kreisen des amerikanischen Mittelstandes und.- der werktätigen Bevölkerung gehaust Wendigkeit, dar Budget un Gle,chgew,cht zu er- hat, wird aus einer jetzt veröffentlichten Zusam-' hatten, die Regierung schließlich veranlaßt Hatz von menstellung über den Stand der amerikanischen; den Staatsangestellten dieses Opfer zu fordern; da- Sparbanken ersichtlich. Danach ist die Zahl der durch werde aber andererseits wieder die Existenz Sparkonten in den letzten vier Jahren um dieses wichtigen Standes sichergestellt. Auch der 8,800.000 Dollar zurückgegangen, di« Spargut« zweit« Referent Panek(Nat.-Soz.) bewnte, daß haben um über vier Milliarden, wovon allein noch vor anderchalb Jahren niemand geahnt habe, 3.9 Milliarden auf die Jahr« 1931/32 entfallen,'daß es in diesem Ausmaß zum Zusammenbruch Die Gesamthöhe der Guthaben am 1. Juli 1932 der Wirtschaft in der ganzen Welt kommen werde, war um rund eine halbe Milliarde Dollar gerin- Bevor nicht auch eine Reihe politischer Frager als in 1926, was mit anderen Worten besagt, gen, wie Abrüstung, Reparationen, KriegS- daß alle Ersparnisse der Jahre 1925 schulden usw. gelöst sei, könne es nicht besser werden bis 1929, der größten jemals in Amerika ver- Bor diesen Tatsachen dürften auch die Staats- zeichneten Prosperitätsära, von der Wirt»'angcstellten nicht die Augen schließen; sie müßten schaftskrise verschlungen worden sittd.!einsehen, daß der Staat unter diesen Umständen sich Oer Senat berät sein restliches Arbeitspensum. Auch die Frage einer Investitlonsanleihe ventiliert. Die Kellnerin Molly. Roman von Han» Otto HeneL Copyright t« Fackelrelter-Derlaft. Berlin. Nachdruck verboten. Die Namen der beiden Kinder waren leider nicht bekannt unb der nun endlich einmal befragt« Brodecker verweigerte grundsätzlich in jedem Falle die Namensnennung seiner Modelle. Der Amtsarzt Sanitätsrat Dr. Fahselhold konnte aber nach den ihm vorgelegten Bildern auf Grund sicherer Merkmale feststellen, daß es sich um zwei Kinder unzweifelhaft weiblichen Geschlechts handelte. Weniger genau vermochte er ihr Alter anzugeben. Er schätzte es auf neun und elf Jahre. Mit so allgemeinen Angaben hätte die Poli- zei lange nach den beiden Mädchen suchen können, ohne sie zu finden. Darum klopfte sie ohne Besinnen an die einzige Türe, die schnellen Erfolg versprach, nämlich an di« Tür der Schule. Es hat damals in Schneidewald nicht an Leuten gefehlt, die deswegen der Polizei Mangel an Taktgefühl vorwarfen. Aber selbst ein Polizeifeind muß zugeben, daß die Polizer keineswegs ihre sämtlichen Machtmittel anwandte. So hätte zum Beispiel die Polizei, ohne gegen ihre Vorschriften zu verstoßen, alle Schulmädchen des Stadtbezirkes zu einer Nacktparade antreten lassen können. Daß dieses unterblieb, könnte als ein schöner Beweis für das beträchtlich entwickelte Feingefühl der Polizei angesehen werden. In seiner praktischen Auswirkung deckte es sich in diesem Falle mit dem pädagogischen Lehrsatz, daß man Kinder besser nicht auf Dinge hinweist, nach denen sie noch nicht selbst gefragt haben. Die Polizei also beschränkte sich darauf, die beiden Nacktphotographien in den alteren Mädchenklassen der Schneiderwalder Schulen herum zeigen zu lassen. Kinder sind aber nicht so Harm-, los wie bärtige Polizisten. Ein dichtes Gestrüpp von Vergewaltigungs- und Lustmordsabeln schoß' im Nu in den Schulen empor und wucherte in der leicht entzündbaren Kinderphantasie. Natür-! lich lag das nicht in der Absicht der Polizei, hatte aber zur Folge, daß schon noch zwei Tagen die Schwestern Male und Grete Haoenicht zweifelsfrei als die beiden photographierten Mädchen erkannt wurden. Infolgedessen geriet die 2. Gemeindeschule unversehens in einen schlechten Ruf. Male Habenicht, die schon die heilige Konfirmation empfangen hat, und ihre Schwester Grete, die bald vierzehn Jahre zählt«, wurden von der Polizei vernommen. Sie schienen unwissend, aber nach eindringlicher Belehrung durch drei Beamte hatten st« die Kenntnis von dem, was man unter Unzucht begriff, nicht mehr leugnen können. Man fand sie störrisch. Sie gaben ihre Aussagen nur zögernd ab. Ja, das sei doch schon fünf Jahre her. Damals habe dir Mutter sie selbst zu Brodecker gebracht, der durch Gymnastik und Massage ihre ererbten Rückqrawerkrüm- mungrn ändern sollte. Sie erinnerten sich ober auf das bestimmteste, daß Brodecker sie nur massiert und später mit ausdrücklicher Erlaubnis der Mutter auch photographiert habe. Häufig sei die Mutter babei gewesen, immer aber entweder Frau Brodecker oder Fräulein Marsdorf. Und wenn sie in den fünf Jahren auch manches vergessen hätten, das eine wüßten sie mit voller Gewißheit: der-Herr Brodecker fft ihnen nie unsittlich gekommen. Die Mutter bestätigte die Aussagen der.Kinder. Und danift hätte der Staatsanwalt das Der-; fahren einstellen müssen. Dr Schneise, der sich gelobt hatte, mit einer solchen Niederlage nicht länger in Schneidewald zu bleiben, erwog schon ein Gesuch um Versetzung. Da kam ihm unerwartet Hilfe von dem Vater der beiden Mädel en.' Herr Habenicht hatte zü seinem Verdruß , über Nach nt der Stadt eine Volkstümlichkeit ^erlangt, die ihm unerträglich imirde. Im Brief- ' markensammlerverein Gudendorfs", im Stenographenklub, in der„Sängergilde Tonhalle"— 1 überall schnitt man das ihm so unleidliche Thema an, und er ahnte mit Entsetzen, wie schwer seine Mädchen es später haben würden, in Schneidewald einen Ehemann zu bekommen, wenn nicht die Reinigung ihres Rufes gelang. In der Buchhalterei, die er als Abteilungsvorsteyer ehrenhaft verwaltete, untergrub das Getuschel über die Kinder sogar seine Machtstellung. Habenicht ging zur Polizei und macht« ihr Borwürfe. Durch das Herumzeigen der Bilder in den Schulen habe sie auf dem Skandal Brodecker einen Skandal Habenicht gemacht. Er nannte das geradezu den letzten Nagel zu seinem frühen Sarge. Der Kommissar, der die Vorwürfe Habenichts entgeqennahm, bewies die pflichtgemäße polizeiliche Nachsicht. Er legte dem aufgeregten Vater zuerst dar, wie die Polizei, die leider des einzelnen wegen die Obsorge über die Allgemeinheit nicht vernachlässigen darf, so taktvoll als möglich vorgegangen sei. Dann aber gab er ihm den Rat, von sich aus gegen Brodecker, trat eigentlichen Urheber der Aergernisses, Anzeige zu erstatten. Habenicht ließ sich überzeugen, daß dies der einzige Weg sei, den Leumund seiner Töchter anfzubeffern. Der Staatsanwalt empfing Habenichts schriftliche Anzeige, die von einer„Schändung" seiner Kinder sprach, mit innigstem Vergnügen. Endlich verlangte einer ausdrücklich die Straf- ; Verfolgung Brodeckers, weil er sich geschädigt fühlte. Brodecker mußte also schließlich doch auf der Anklagebank sitzen und ertrug die verurteilenden Blicke des„Vaterländischen Fvauenvereins", der fast ausschließlich die Oeffentlichkeit in der Gerichtsverhandlung verstellte, Bon dem Bewußtsein seiner Unschuld erfüllt, verkannt« Brodecker den Ernst der Situation und war sogar so unklug gewesen, sich einen jüdischen Anwalt zu nehmen. Obwohl es doch stadtbekannt war, daß der Gerichtsvorsitzende dem ,^8und für Herrschaft der germanischen Rasse" angehörte. Im öffentlichen Zeugenvechör blieb Grete Habenicht bei ihrer früheren Aussage. Sie konnte sich einfach nicht an unsittliche Berührungen durch Brodecker erinnern. Ebensotvenig wußte ihre Schwester Male etwas Besonderes auszusagen. Sie hatte sich zwar mittlerweile erinnert und sagte da auch, wie Brodecker beim Photographieren einmal scherzhaft ihr?« Nabel angetippt habe, um ihre Körperhaltung zu ändern. Aber niernals sei er unanständig oder gar unsittlich gewesen/ weder in Rede noch Tat. Ein Beisitzer wollte sich vergewissern, ob den Kindern der Begriff der Unsittlichkeit geläufig sei. Grete schwieg errötend und Male sagte verlegen aus, daß man sie auf der Polizei über„Schtveinerei" aufgeklärt habe. Der Staatsanwatt bezeichmete das Zeugnis der Mädchen als unerheblich, tveil KinderauS- sagen im allgemeinen nur mit Einschränkung zu verwerten.seien. Auch komme es nicht allein auf das Körperliche an. Für viel wichtiger halt« er, daß der Vater und gesetzliche Vertreter der Kinder, ein achtbarer Burger von Schneidewald, die sittliche Persönlichkeit seiner Schutzbefohlenen geschädigt fände. Das gesunde Rechtsempfinden der Oeffentlichkeit sähe in Brodecker einen Verwüster zarter Kinderseelen und würde es nicht verstehen, wenn eine durch Nacktphotographien bezeugte Wüstlingsgesinnung unbestraft davonkommen sollte. Hier erhob der Verteidiger Brodeckers den Einwand, daß die angebliche Unzüchtigkeit nur ein Vorurteil der öffentlichen Meinung und durchaus kein Tatbestandsmerkmal sei, wie einwandftei aus allen Zeugenaussagen bervorgehe. (Fortsetzung folgt.) 9?t. 305 Mittwoch, 28. Dezember 1932 Seite 8 im iß mott sagen, daß unsere Armee die Welt fei!** ein er» Die Lächerlichkeit Kurt Lenz, paffielt mit Sie teile dies als Beweis seiner llnglaubwürdigkett mit. Barcrle selbst schreibt dem Staatsanwalt mit dem Datum vom 23. Dezember einen Brief, in welchem er diesen ersucht, sein« Ehre mit Rücksicht aus die bei seiner letzten Einvernahme gegen ihn unternommenen Angriffe zu schützen. Er erinnert daran, daß er die BalounovL überhaupt nicht kennt- Er meint auch, daß Pley ihn mit einem anderen Thaufseur verwechselt, der sich bei ihm in der Tat betrank. In seiner Korrespondenz fand er einen Brief vom Hotelier Junger, worin ihn dieser zum Dienstantritt bei ihm auffordert. Er teilt mit, daß ihm Pley beim letzten Verhör im Gerichtswartesaal in Jglau vor Dr. Rr&tty und vor Junger mit Bracchialgewakt gedroht habe, so daß er das nächstemal einen Beschützer mitnehmen müßte. Die Verhandlung wurde um 15 Uhr 45 beendet. Wenn auch die oben erwähnten Schriften nicht einlaufen, wird Dr. Stibinger, wie er mitteilte, di« Parteien morgen um Stellung abschließender Anträge ersuchen. Demnach dürfte bereits morgen das Beweisverfahren abgeschlossen werden. Grund, warum zwischen den beiden Internationalen nicht«in Nichtangriffspakt abgeschloffen werden könnte. Vorläufig sagen wir auf ein Jahr mit der Bedingung, daß die Vereinbarung weiterläuft, wenn si« nicht von einer Seite gekündigt wird... Der Nichtangriffspakt, sagen wir der Pakt Bandervelde—Stalin, hatte den Vorteil, daß die politische Annäherung zwischen den Sowjets und andere» Staaten ergänzt werden sännt« durch eine gleichzeitige Annäherung der Arbeiter der zwei großen, Gruppen. Es Ware dies die gerechteste■ Lösung des Gedankens der Einheitsfront, welche aufhören würde,«in leeres Schlagwort zu sein und sich der Verwirklichung nähern könnte." Zum Schluß erinnert das„Pravo Lidu" in dem Artikel daran,-aß es im April 1933 zehn Jahre wir- feit der letzten Konferenz,- die zwi» 'chen Sozialdemokraten u>td Kommunisten stattgefunden hat. Es wär dies die Konferenz zwi- 'chen der Londoner, Wiener und Moskauer Internationale. Seit dieser Zeit hat sich manches geändert. Wenn damals die Zeit zu einer Einigung nicht reif war, ist es jetzt anders geworden, denn die Hoffnungen der Kommunisten auf Vernichtung der Sozialdemokratie, die damals, in den kommunistischen Reihen bestanden haben, haben sich nicht verwirklicht. Den kommunistischen Arbeitern kann von sozialdemokratischen Arbeitern di« Frage vorgelegt werden, warum Sowjetrußland solche Pakte mit kapitalistischen Staaten abschließt, während ein Pakt mit proletarischen Parteien, die auf dem Standpunkt des Klassenkampfes stehen, nicht möglich ist. Der Bcrstr^i’i tlen Engländern. London, 27. Dezember.. Aus Teheran hier eingetroffenen Berichten zufolge hat der Schah von Persien den Minister des kaiserlichen Hofes Teimor T a ch e wegen der„Irrtümer", die er bei den Verhandlungen im bekannten Streitfall wegen der Nastakonzeffion der Anglo-Perstan Oil Compagny begangen hat, feines Amtes enthoben., daß er seinen Versuch mehrmals wiederholt habe. niffe zu äußern! Das jüngste Gericht des Dritten Reiches wäre ihnen sicher. Aber nicht nur den Abgeordneten geht es so. Auch die übrigen„Dienststellen" üverden an die Kandare genommen. Sie hoben jede„Parteiamtliche Verlautbarung", di« grundsätzliche Fragen berühren, zur Genehmigung erst nach München einzureichen. Denn das bißchen politischer Verstand ist nach Hitlers unerforschlichem Ratschluß in dem dortigen Braunhaus aufgestapelt. Di« Redakteur« der Naziblätter müssen gleichfalls erst in München anfragen, wenn sie„Verlautbarungen grundsätzlichen Charakters" veröffentlichen wollen. Erklärungen an die Auslandspreff« dürfen nur vom„Führer" selbst oder mit seiner höchst- obrigkeitlichen Genehmigung gegeben werden. Interviews müssen schriftlich niedergelegt und osaflich approbiert sein. Schließlich aber— und das ist nach dem Streik bei der BVG. von besonderem Interesse— wird die Teilnahme an Streiks unter Kontrolle gestellt. Anträge zur Genehmigung der Teilnahme an Streiks oder Aussperrungen sind der„Zentral- kommiffion" zu unterbreiten.„Alle anläßlich von Streiks oder Aussperrungen beabsichtigten Veröffentlichungen ebenso. Entwürfe der vorzulegenden Veröffentlichungen sind dreifach auszufertigen. Das Nichterheben von Einspruch bedeutet weder die Uebernahme der rechtlichen Verantwortung, noch der Verantwortung für den sachlichen Inhalt durch den Vorsitzende» der PAK." Herr« Hitler kann es gelingen, durch solch mittelalterliche Zwangsmaßnahmen den Zusammenbruch der Bewegung etwas zu verzögern— aufhalten kann er ihn«ich t. Und sollte der neue Versuch Schleichers, Hitler in seine politischen Kombinationen einzubeziehen, diesmal gelingen, dann würde das nichts anderes bedeuten, als daß Hitler durch die Lage seiner Pattei gezwungen ist, das zu tun, um dessentwillcn Strasser gegangen ist. Aber auch eine Bundes- genoffenfchaft mit Schleicher vermöchte dem nationalsozialistischen Kadaver kein neues Leben mehr einzuhauchen, sondern höchstens zu verhindern, daß der Bankerott der Hitlerbewegun« schon bei Frühjahrs Neuwahlen sichtbar wird. Lin Nichtangriffspakt zwischen Sozialdemokratie und Kommunisten. Im 8-'tartik?l des..Vravo L'du" vom Weih« nachtStage beschäftigt sich Genosse Jaroslav Kou- öelka mit dem Verpättnis zw>fa,«n der Sozial demokratie und den Kommunisten. Er geht davon aus, daß Sowjetrußland in der letzten Zeit Nicht angriffspakte mit Polen und Frankreich abgeschlossen hat und nun daran geht, einen sol chen Pakt mit Rumänien abzuschließen. Diese Pakte beinhalten die Absichten der beiden Teile, einander gegenseitig nicht anzugreifen. Warum 'chlägt Sowjetrußland, so wird gefragt, nicht die- 'elbe Taktik, die es den kapitalistischen Staaten gegenüber befolgt, auch der internationalen Sozialdemokratie gegenüber ein? Diese Frage hat sich auch eine Sitzting des Vorstandes des Prager Metallarbciterverbandes vorgelegt, die am 17. Dezember getagt und zu einem Referat des Ge nossen Hampl ein« Entschließung angenommen hat, in der festgestellt Wird, daß Während die Sowjetrcgierung Nichtangriffspakte mit den kapi talistischen Staaten abschließt, verkündet die dritte International« den unversöhnlichen Kampf gegen di« Sozialdemokraie". Wenn aber die Sowiet- regierutig mit Staaten Pakte abschließt, die sie selbst als reaktionär ansieht, warum schließt sie dann nicht solch« Pakte ab innerhalb der inter nationalen Arbeiterbewegung und im Rahmen der internationalen Arbeiterklaffe?„Denn ein solcher Pakt müßt« nicht den Verzicht auf politi sche und soziale Anschauungen beinhalten, wie es im Litwinov-Pakt ist, denn die Sozialdemokratie ist«ine Partei der gleichen Endziele wie die dritte Internationale, di« sich von ihr nur in der Frag« der Methode, also in der Art des Kampfes und der Arbeit unterscheidet. Es gibt daher keinen iiiiiiiiiiuimniuiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiinuiiHiiiiiiiiiiiiuiiiiiiiiiiiiiiiniiiiiiiiiiiiiuiiiuiiuiiiiiniiiiiininiiiiiiiiniiiiiiiiiHiiiniiiiinniiiiiiiniiiiniiiiiinii»iinmiinin(mmniiiinimiintiniiiiniiiniiiun Die Nazipartei in Auflösung. Abgeordnete unter Kuratel. Herr Hitler liebt noch immer staicke Reden und, in der letzten Zeit wenigstens, auch starke Gesten innerhalb seiner Partei. Daß die SA.- Soldaten in allen deutschen Städten mit Sam melbüchsen durch die Straßen laufen, um bei Christen und Juden um milde Gaben zu betteln, ist, neben dem Abfall Strassers und anderer Füh rer, das sichtbarste äußer« Zeichen für die Pleite, in die di« stolze Hitt«rvelvegung durch das Talent ihres glorreichen Führers hineingeschliddert ist. In der Partei selbst wächst die Unzufrieden heit noch immer an. Die Treueschwüve, di« Hitler seinen Amtswaltern abnahm, unterstreichen erst die wahre Bedeutung der Maßnahmen, die er jetzt zur Reorganisierung seiner Partei traf; sie be stätigen nämlich das Wort Otto Strassers von d.n„Hündchen, die Herrchen brav um Bröl betteln". Neulich hat also Herr Hitler ein«„Politische Zentralkommiss.ion derNSDAP." be stellt, die mit diktatorischen Vollmachten ausgc- stattet'ft und jede Lebensregung in der Partei zu kontrollieren und alle Meinungsäußerungen„Un befugter" zu unterbinden hat. Eine solche Kommission, di« ihre Büros und ihre Angestellten hat, muß natürlich auch ettvas tun für ihr Geld. Deshalb hat sie jetzt— kraft höheren Auftrags— den volkserwählten Nazi- abgeordneten rin« Weihnachtsgabe brschert. Sämtlich« Abgeordneten der NSDAP, in de« Länderparlamente« und Kommunen werden durch einfach« Verfügung unter Kuratel gestellt! Alle diese Vertreter der alleinseligmachenden Lehre werden„verpflichtet", Anträge von grundsätzlicher Bedeutung vor der Ein reichung sowie die beabsichtigte Stellung nahme zu Anträgen grundsätzlicher Art anderer Parteien der Reichsleitung vor- z u l eg«n. Mit einem Wort: Die Abgeordneten mit den Treffenuniformen und dem echten Hakenkreuz werden für politisch unmündig erklärt und der„Reichsleitung" als dem Berufsvor mund, unterstellt. Wehe, wenn sie es wagen sollten, in„grundsätzlichen" Fragen eine eigene Meinung auf Grund ihrer besonderen Lokalkennt- 'imiiiimiiniimiiHtiiminiiiiiiHiiitiiniiuiiiiiiiiiiiiiiDiiiiiiiiiHiiiuiiitiiinniimiiiunnniiiiiiiiiiiiiiuiiiiiiiHimiHuiiiiitimmmiiiiHHuitiiHHiiiiiiiiiiniHmiiiiiiiiiiniiiiiiiHnuiniHitiiinimiiiuiuiiiiiHiiD Der Zende Valerie Kämpft um seinen Rui. Jglau, 27. Dezember. Die heutige Ver handlung im Stkchrny-Prozrß begann um 15 Uhr und war in nicht ganz einer Stunde beendet. Da di« Prozeßparteien keine neuen Anträge einbrachten, verlas Senatspräsident Dr. Stibinger die eingelaufenen Briese. u. a. teilt« das Gendarmerie-Bezirkskommändo Karlsbad mit, daß der Zeuge Josef Baierle in We heditz einen guten Leumund genieße und- ! trotzdem er gerne viel spreche— seinen Angaben Glauben geschenkt werden könne.— Da« Karlsbader Krankenhaus teilt bezüglich des Baierl« mit, daß dieser heuer dreimal wegen Oberschenkelbruchs in der Anstalt behandelt worden sei, jedoch keine ande ren Verletzungen hatte und daß sein psychischer ; Zustand vollkommewnormal sei Frau Josefa BalounovL aus Prag teilt t über Baierle mit, daß dieser im Jahre 1924 ver- uchr hat, voi. ihr für eine Lieferung von Mannes- -mannröhren für, P'ey>ur einen Betrag von 8019 st : eine Provision von etwa 1000 st berauszulöcken und Wo der Krieg starb. Paris, Ende Dezember 1332. In der Weihnachtsnummer der pazifistischen Zeitung„Jeune Rspublique" erzählt Georges G i l l e t eure merkwürdige Geschichte. In zweiten Teil(40. Kapitel) von Don Ouichott heißt es: Alle Menschen sollen in Frieden leben und essen, denn Gott scharf das Tageslicht für alle Menschen". Sancho Pansa, der treue Begleiter des Don Oünhote, regierte über die Insel Baratatta. Aber der Adel der Inselbewohner beschloß den Krieg gegen die Einwohner, der Nachbarinsel CarraSca. Dies« feien ein rachsüchtiges, grausames Volk, das ausgetilgt werden müsse, sagten die Leute' von Barataria, und die Leute in Ccrr- rasca hielten die andern für eingebildet und eifersüchtig auf ihren Reichtum. Vielleicht hatten beide unrecht, dachte Sancho Pansa, da auf beiden Inseln die Kaufleute nur noch schlechte Geschäfte machten und im Kampf um die fremden Absatzmärkte lagen. Sancho Pansa riet also den Einwohnern von Barataria stärkt vom Kriege ab:„Denn es gibt immer in jedem Krieg einen Befielen, es gibt aber nicht immer einen Sieger!"— „Das wäre ja gelacht!", schrie der Ober- befehlsbaber der Trüschen von Barataria,„der Herr Gouverneur zweifelt an unserer Armee?" „Aber Herr Kommandant, wollten Si« nicht erst noch vor kurzem eine Erhöhung der Mili- tättredite, da unsere Feinde stärker und besser ausgerüstet feien?"— ,Za, so spricht man im Ftteden, aber Krieg mus beste der 3, „Das Volk vertraut uns!", sagte dazu dicker Harr, von dem Sancho Pansa dann fuhr, daß er der Direkwr der„Zeitung von Barataria" sei, und ein Großgrundbesitzer fügt« hinzu:„Wir haben genug von den Leuten von Carrasca, sie greifen unsere Ehre an. Sie überschwemmen die Märkte mit ihren Produkten."— „Jetzt wollen wir aber auch einmal, erwiderte Sancho Pansa, ,Diejenigen um Rat fragen, die weder Kaufleute, noch Großgrundbesitzer, noch Kanonenlieferanten sind, und di« sich zum Kampf begeben müflen!" Da brach aber ein Tumult los, und man wollte den Gouverneur steinigen.— Einen Monat später waren die Schiffe der beiden Inseln draußen im Meer, aber die Matrosen hatten keine Lust, sich zu schlage». Da ging Sancho Pansa eines Abends, als wieder alle Lichter aus Furcht vor einem Fliegerangriff auf der Insel ausgelöscht waren, heimlich von seinem Palast zu dem Großgrundbesitzer und sagte ihm:„Endlich habe ich Nachrichten vom Kriegsschauplatz. Sie sind schlecht. Das Schiff „Der Unbesiegbare" ist in die Hände der Feind« gefallen".—„Um Gottes willen, auf ihm sind meine beiden Söhne!", sagte der Großgrundbesitzer,„sind sie etwa tot?"'—„Nein, Gefan- gen«. Aber Sie müssen, wenn Sie sie wiederhaben wollen» den Leuten von Carrasca, da diese Sie für den Krieg verantwortlich machen, all ihr Hab und Gut überliefern und das Eiche des Krieges erklären."—„Das mache ich dann gerne!"—„Sprechen Sie nur leise", erwiderte Sancho,„man könnt« Si« sonst für einen Defaitisten hÄten."— Sancho Pansa verließ oen Mann und ging in der gleichen Nacht zu allen andern Mitgliedern des Rates, und erzählte ihnen das gleiche. Zwei Wochen später erklärte der Großgrundbesitzer bei der nächsten Sitzung des Adelsrats: „Warum sind wir eigentlich in den Krieg gezogen? Gibt man uns etwa unsere Söhne wieder? Ersetzt man uns ein verlorenes Schiff? Ja, es geht um di« Ehre. Aber was ist ehrenwerter, einen Menschen, der uns schadete, zu töten, oder ihm die Hand zu geben? Ich habe mir di« Sache überlegt: hören wir mit dem Krieg auf, und rufen wir unser« letzten Schiffe heim: Die Leut« von Carrasca sind Menschen wie wir, wir müssen mit ihnen Frieden schließen und sie besser kennen lernen, damit der Krieg auf ewig verschwinde". Der Redner war gang überrascht zu sehen, daß seine Myrte allgemeine Billigung sanden. Darauf sprach Sancho Pansa:„Meine Herren, eine große Neuigkeit! Der Krieg hat gar nicht stattgefunden! Ich habe die Kriegserklärung (lär nicht weitevgegeben und unsere Schiffe ein- ach auf einen Spaziergang geschickt."— Man hielt den Gouverneur für verrückt:„Dann sind also unsere Söhne gar nicht in Gefangenschaft und unser Land gehört uns noch nach wie vor?" Aber die Wut über das Spick des Gouverneurs wich plötzlich der Freude, erst wollten sie den Gouverneur verprügeln, jetzt aber sagte dieser ihnen;„Eines Tages wollten Sie in den Krieg ziehen und da wurden Sie arm. Jetzt aber ist Friede und Sie behalten ihr Hab und Gut. Wer also muß verprügelt werden, Sie oder ich?" Und so liest man noch heute, auf dem Sockel eines Denkmals auf der Insel Bara- taria.:.„Hier starb der Krieg. hat ihn getötet". Mann und ging in der gleichen Nacht zu allen «ich«. Dr- Sobotka der neu« böhmisch« Landespräsident. niiiiiiiri)iii)iii]|i|iii!ifjiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiihliiiiniiniiifiiiiiiiiii!iijiiiiiiiiiif|iiiiniiiiiiiiinHniiiiniiii Laudrsjugrndtag 1933. Im nächsten Jahr« findet der Landesjugelldtag für Böhmen im Sommer in Bodenbach statt.- Unser« Bildungsarbeit. Im Dezember wird in allen Gruppen über das Thema„Die Nazi— Todfeind« der Arbeiterjugend" gesprochen. Außerdem lausen noch in allen Kreisen Fnnktionävschulen, die sich mit der sozialpolitischen Arbeit, der modernen Jugendwerbung, der Ausgestaltung der Heimabende und der Schaffung von Roten Scharen befassen. Wir marschieren in Südböhmen. Anfang Te- yttnfoct fanden in den Orten Buchen bei Neuhaus, Erdweis, Adamsfreiheit, Albern und N e u b i st r i tz Jugendvevsannnlungen statt, in denen Genosse Josef Weis aus Teplitz-Schönau über„Ter Kampf der Jugend" sprach. Besonders gut waren die Versammlungen in Buchen(dort nahmen auch Jugendliche aus Brunn teil), Adamsfreiheit, Neu- bistritz und Albern. Gruppen konnten bereits in Erdweis und jn Buchen gegründet werden. Weitere Gründungen stehen bevor. Prächtige Versammlungen in Schlesien. In der Zeit vom 3. bis 11.' Dczc-mbcr fanden in Neutit- ichein. Za uch.trl, Stiebnig, Troppa u, Fulnek, Wagstadt, Oderberg, Mähr.« Ostrau, Würbe nt Hal, Spachendorf und B« n n i s ch Versammlungen mit dem Thema„Ter Kampf der Jugend um Arbeit und Freiheit statt. Alle Versammlungen mit Ausnahme der in Neu- litschrin waren öffentlich; es sprach in ihnen Genosse Rudolf Geißler aus Teplitz-Schönau. Den stärk- sten Besuch wirsen di«, Versammlungen' in Stiebnig, Wagstadt, M.-Ostrau, Wüvbentha! und Spachendorf auf. Dir Nazi und Kommunisten hatten nur„Beobachtungsposten" entsandt und ergriffen ni«.das Wort. Di« Versammlungsakrion hatte«inen guten Erfolg und war eine glänzende Widerlegung der Mär von der rebellierenden und aussterbenden SI. Aus der sozialpolitischen Arbeit. In den Spren» gelbeiräten für die arbeitend« Jugend bei den Ge» wertbeinspüktoraten herrscht überall dort, wo wir maßgebenden Einfluß haben,«in« rege Tätigkeit. Unsere Bcsttebungen gehen auf di« möglichst« Vereinheitlichung der Arbeit im ganzen Staat« hinaus. So wurden in den letzten Sitzungen überall die Forderungen nach der vollständigen Sonntagsruhe für Jugendliche und der Bchaltspflicht(Verpflichtung der Messt««, dir Ausgelernten auf«in« bestimmte Zeit Weiterzlibehalten und als Gehilfen zu entlohnen) in allen Beiräten durchdiskutiert und entsprechende Anträge an den Zentrakbeirat im Minsstenum für soziale Fürsorye weitergeleitet. Außerdem nahmen die sozialdeinokratsschen Mitglieder der Beiräte für Fortbildungsschulfragen, der Hilf« für di« arbeitslose Jugend und zur praktischen Arbeit Stellung. Wir bekomme« ein Funktionärblatt. Der Verba ndsvorstand hat di« Herausgabe eines Funktionärblattes gemeinsam mit den Kinderfreunden beschlossen und als Zeit des Erscheinens Anfang 1933 festgesetzt. Di« Schulungsarbeit im Kreis Teplitz-Daaz. In fünf Bezirksorganisationen fanden sechs Spreirgel- schulen statt und«s nahmen an 15 Unterrichtstagen 316 Funktionär« teil. Außerdem fanden vier Be- zirksschulen statt, an denen an neun Unterrichtstagen 268 Funktionär« teilnahmen. In den restlichen zwei Bezitten werden die Schulen noch gegenwärtig durchgeführt. Freundschaft! Da» Berbandssekretarlat. Arbeitersnortler werden besdiossen. Berlin, 27. Dezember. Auf emen mut' 48 Angehörigen des Arbeitersportvereines„Fichte" besetzten Lastkraftwagen, der sich auf der Rück- fabrt von Eberswalde nach Braunschweig befand, wurden in der Nacht zmn Dienstag in Zehlendorf aus der Dunkelheit mehrere Schüsse abgegeben. Zwei Insassen sowie der Führer des Wagens erhielt«! Unterschenkelschüsse. Die Schützen sind entkommen. Eingreifen Columbiens In den dran Choco Konflikt? Paris, 25. Dezember. HavaS berichtet auS Santiago: Nach einer Meldung aus Lima hat die Ankündigung, daß Columbien eine militärische Expedition nach dem Chaeo entsenden wolle, große Erregung auSgelöst. In offiziellen Kreisen hofft man, daß die brasilianische Regierung dieser Expedition den Durchzug durch ihr Gebiet nicht erlauben werd«. Seit« 4 Mittwoch, 28. Dezember 1932 Nr. 308 Tagesneuigkeiten Wetter verschärft dar Wirtschajtselend. Dort, wo die Industrie den Hemmungen der Natur begegnet, weit Bergland weites Gebiet vom Verkehr und den Menschen trennt, wo der Boden trotz harter Arbeit einen geringen Ertrag abwirft, dort, wo kurz gesagt dem Verbrauch der Menschen nicht der gleiche Gewinn durch die Produktion gegenübcrstand, schuf rn normaler Zeit die Fremdenindnstrie den wirtschaftlichen Ausgleich. Das gilt in ilnserem Staate für einig« Gebiete mit hoher Bevölkerungszifser. So vor allent für das Erz-, Jser- und Riesengcbirge. Der Fremdenzustrom war hier für das Leven der Menschen entscheidend. Die Jahre von 1920 bis 1926 brachten einen ungeheuren Aufschwung des Fremdenverkehrs, der einesteils durch die wirtschaftlichen Verhältnisse und die erweiterten Kulturansprüchc bedingt, andcrnteils der Erweiterung des Urlaubes und des Sportes zu verdanken war. Damit setzte ab«r auch ein Bau- und Modernisierungsfieber in den Berggebieten, besonders im Riesengrbirge ein, als ob es gälte, sich für die Aufnahme von Reise- und Sportlustigen ganz Mitteleuropas einznrichten. Gewaltige Kapitalien wurden in mondänen Hotels und komfortablen Bauden investiert. Das ganze Gebirge hat sich bis über die Ohren verschuldet und es hätte vieler guter Jahre bedurft, wenn dies: Lasten hätten abgestoßcn werden sollen. Dazu kam cs aber nicht. Die Wirtschaftskrise brach über die Welt herein und nicht nur diese, sondern auch dazu die Erschwerungen im Grenzverkehr und im Verkehr des Geldes. Das Ausland blieb weg und damit ein gutes Drittel der Fremden, die aus Deutschland in die Tschechoslowakei kamen und hier ihr Geld ließen. So war es bereits im Jahre 1930, so war es 1931 und auch 1932. Zu den Krisen- und Balutenclcnd kam noch das schlechte für den Fremdenverkehr ganz ungeeignete Wetter, das weder im Winter noch im Sommer ein normales Geschäft der Fremdenindustrie zuließ. Aber immer noch hofften die interessierten Kreis« auf Besserung. Es scheint, als ob sich in dieser Zeit alles gegen den Aufschwung der Wirtschaft verschworen hätte. Nach dem schlechten Sommer des Jahres 1932 kommt nun ein Winter, der alle Aussichten auf eine Wiedergutmachung der bisher zu verzeichnenden Schäden in der Fremdenindustrie zunichte macht. Es gibt keinen Schnee, ja nicht einmal schönes klares Wetter, wie es der Naturfreund für Gebirgswanderungen braucht. Die Hauptsaison des Winters ist vorläufig schlecht ausgefallen. Kein Schnee zu Weihnachten, das heißt keine Fremde im Gebirge, heißt ein verdorbenes Weihnachtsgeschäft, heißt keine Aussichten auf ein gutes Neu« jayrsgeschäst. Während in früheren Jahren Hunderte ihre WeihnachtS- und Neujahrsferien in Gebirge verbrachten, bleiben sie jetzt in der Stadt, wer! es hier bei nebligem Wetter angenehmer ist, als im Gebirge ohne Sonne und Schnee.. Hunderttausende Kronen werden so dem armen Gebirgsland entzogen, das Elend ins Endlose vermehrt. Es hungern noch mehr Proleten, denn in der Frem- denindustrie sind tausende Menschen beschäftigt, die man entläßt, wenn der erwartete Fremdenzustrom infolge des schlechten Wetters ausbleibt. Dann kommt das Heer der Kellner, der Hausdiener, der Stubenmädchen und der Köche, der Musiker und Portiers zurück in die Jndustrieorte und Städte, um sich den Bataillonen der Arbeitslosen anzugliedern. Deshalb ist für uns der Ausfall von Sonnenschein und Schnee nicht allein eine Frage der Wcihnachtsfreude und des Sportes, sondern eine Frage der Wirtschaft und der Arbeitslosigkeit. Deshalb denken wir bei der Meldung über schlechtes Wetter nicht nur an die versunkenen Träume der Naturschwärmer und der Sportler, sondern an die hungernden P r o- l e t en, für die der Sonnenschein und Schnee Brot und Arbeit bedeutet. 8ht ftillgelegler Schacht in Nammen Der„Bohemia"-Scha cht bei Modlan steht seit gestern in Flammen. Der Schacht brennt zwar noch untertags; es ist aber anzunehmen, daß auch der hölzerne Förderturm und die Schachtanlagen ein Raub der Flammen werden dürften, da der Schacht nicht mehr imstande ist, und ein Rettungs- und Löschdienst erst organisiert werden mutz. Der Schacht gehört der Firma I. Waigner in Prag, die vor. einiger Zeit in Konkurs gegangen ist. In der letzten Zeit hat sich um den Schacht fast selbst niemand gekümmert. Es war nicht einmal ein geregelter Wachdienst organisiert. In dem sich selbst überlassenen Schacht entstand nunmehr ein Feuer, über dessen Ausdehnung aber nichts genauer zu erfahren sein wird. Man sieht als einziges Zeichen des Feuers mächtige Rauchsäulen aus dem Boden kommen. Die Schachtanlage selbst ist eine Gründung der letzten Jahre, stand aber die letzte Zeit still. In der ersten Hälfte des Monats November wurden an einem einzigen Tage 5 Waggons gefördert. Strychnin- wesen eines Geschenks. Lundenburg, 27. Dezember. Am Hl. Abend entstanden in der Familie des Mechanikers der Bala-Fabrik in Zliu, Josef Hanych, dessen Familie m Lundenburg, Masorykplatz, wohnt Streitigkeiten wegen eines Geschenkes, das vir Gattin Hanychs an ihre Schwiegereltern abgesandt hatte. Diese im ganze nichtige Ursache gab Anlaß zu andauernden Streitigkeiten, die zwischen den Erdvebev. Selbstmorde und llnglückssäste. Auch ein„Weihnachts"«Bericht. 54 Lerkardetter oerlchüttst! Moweaqua(Illinois), 25. Dezember. (Reuter.) In einer Kohlengrube kam es 700 Fuß unter der Erde zu einer Explosion. 54 Arbeiter wurden verschüttet. Bis jetzt wurden 39 Leichen geborgen. Es besteht wenig Hoffnung, daß die restlichen iu der Grube eingeschlossenen Arbeiter gerettet werde« können. Erdbeben in Edina. London, 27. Dezember. Montag zeitig morgens verzeichneten die Seismographen der hiesigen Erdbebenwarte Erderschütterungen, die langer als zwei Stunden andauerten. Man nimmt an, daß das Erdbeben in einer Entfernung von 7300 Kilometer vor sich gegangen ist. Sein Herd lag entweder in der Mongolei oder i« Weftindien. Aus Kalkutta kommt die Nachricht, daß die Bewohner des nordöstlichen Assam durch Erderschütterungen beunruhigt werden» die sich bereits seit einigen Tagen immer wiederholen. Insbesondere am gestrigen Tage waren di« Erderschütterungen sehr stark. Schweres Rode Unglück in Brünn. Eine Tote und zwei Schwerverletzte. Brünn, 27. Dezember. Heule um 17 Uhr 15 ereignete sich in Brunn beim Rodeln ein Unglück, bei dem eine Person getötet und zwei weitere schwer verletzt wurden. Ein vom„Gelben Berg" rum Ältbrünner Brauhaus mit drei Personen besetzter Rodelschlitten stieß in heftigster Fahrt a n eine Mauer. Der Anprall war so heftig, daß der den Schlitten lenkenden, etwa 36jahrigen Frau, deren Identität bisher nicht festgestellt werden konnte, infolge des Anpralls d erSchädelzertrüm- m e r t wurde. Sie erlitt ferner mehrfach« Brüche und schwere innere Verletzungen. Sie war auf der Stelle tot. Der zweit« Insasse, ein etwa 50jähriger Mann, bei welchem eine auf den Namen Anton Sandholz aus Prag VIJI, RonkovL 333, lautende Legitimation gestrichen wurde, erlitt Rippenbräche, Rißwunden, eine Gehirnerschütterung sowie weitere Verletzungen. Der dritte Insasse des Schlittens,«n zwölfjähriger Knabe, wurde gleichfalls schwer verletzt und hat bisher das Bewußtsein noch nicht erlangt. An der Unglücksstelle traf sofort das Rettungskorps des Roten Kreuzes ein und schaffte Sandholz in das Landeskrankenhaus, den Knaben in das Krnderspital. Bei der toten Frau fand man eine Legitimation des Prager Sokol, die auf den Namen August V a ü e k lautete. Es scheint, daß alle drei verunglückte« Personen nur zu Besuch in Brünn weilen. krschoffen, vergiftet, verbrannt. I» Brün« hat sich am Samstag in der .Nähe des sogenannten Preußensriedhofes die 26jährige Friseuse Marie Cibulkovä erschossen.— Am Heiligen Abend vergiftete sich die Ibiährige Anna Kleinods aus HulvLky bei Mährisch- Ostrau wegen unglücklicher Liebe mit Lysol. Gleichfalls mit Lysol vergiftete sich die KellnerS- gattin Anna Noväkovä.— In der Nacht zum ersten Feiertag ist in Memel das Ehepaar Barkows ky in seinem Schlafzimmer verbrannt. Die Eheleute hatten wahrscheinlich beim Schlafengehen im Bett« geraucht.— Ein schweres Unglück hat sich am Sonntag im VI. Wiener Bezirke ereignet. Der 81 Jahre alte Posamentierer Neher wurde in seinem Kabinett mit Verbrennungen am Rücken, am Bauche und an den Füßen tot aufgefundcn. Neher dürfte von Unwohlsein befallen worden sein, wobei er zu Boden fiel. Wahrscheinlich fingen seine Kleider Feuer, und er ist, da er sich nicht mehr erheben konnte, bei lebendigem Leibe verbrannt. Msenbrand in Barcelona. Barcelona, 26. Dezember. Ein gewaltiger Warenhausblock i« der Rambla-Straße ist am Heiligen Abend durch ein Grotzfeuer vollständig vernichtet worden. Von den sieben Gebäude», die ei« Raub der Flammen wurden, stehen nur noch die Fassaden in zwei Straßen. Bei den Löscharbeiten wurden sechs Personen verletzt. Die Folgen der Katastrophe lassen sich heute noch gar nicht übersehen. Es heißt, daß der Schaden durch di« Versicherungssumme nicht gedeckt ist und so nicht nur die 400 Angestellten des Warenhauses, sondern auch«tlva 8000 Lieferanten i« Mitleidenschaft gezogen werden. Man vermutet, daß das Feuer durch eine« elektrische« Funken von einer elektrischen Kindereisenbahn, die im vorderen Trakt des Gebäudes am Boulevard vorgeführt wurde, entstanden ist. Bier Todesopfer eines Verkehrsunsalls. Chemnitz, 26. Dezember. Am zweiten Weih- nachtsfeiertag nachmittags gegen 13.30 Uhr ereignete sich' in der Chemnitzer Straße im nahen Limbach ein schwerer Unfall. Das Auto eines Limbacher Fabrikanten, das von diesem selbst gesteuert wurde, geriet in einer langgestreckten Kurve auf den Fußsteig und überfuhr einen Mann, eine Frau und zwei Knaben. Der Mann und einer der Knaben starben bald nach der Ein- iieferung ins Krankenhaus, die Frau und der andere Knabe erlagen im Laufe des Nachmittags ihren Verletzungen. Schwere» Unglück in Witkowitz. Mährisch-Ostrau, 25. Dezember. In dem n«uen Stahlwerk der Witkowiher Eisenwerke stürzte gestern nachmittags der 29jährige Schlosser Jaroslav K o v a l s k- von einem fahrbaren Kran, den er gerade reparierte, aus einer Höhe von 14 Metern auf die Schienen herab und brach das Rückgrat. Er wurde in das Betriebsspital gebracht. Shriftfest mit Bombe«. Saalfeld, 26. Dezember. Am Heiligen Abend gegen 11 Uhr nachts wurde gegen die Wohnung des. Pfarrers Fischer eine Bombe mit Salzsäirre und Karbid geworfen, di« mit lautem Getöse explodierte und im Zimmer große Verwüstungen anrichtete. Verletzt wurde niemand. Eine Zweite Aetzbombe gleicher Art wurde nach der über der Pfarrwohnung gelegenen Wohnung eines Polizeiinspektors geworftn, prallte aber am Fensterkreuz ab und explodierte auf der Straße. Drei Wohnhäuser abgebrannt. Stuttgart, 27. Dezember. In Ditz im Oberamt Balingen brannten am heiligen Abend drei Wohnhäuser und zwei Scheunen nieder. Fünf Familien find obdachlos geworden. Ehegatten, von denen bekannt war, daß sie bisher im allerbesten Einvernehmen gelebt hatten, immer schärfere Formen annahmen und am 25. Dezember vormittags ihren Höhepunkt erreichten, als Hanych in größter Erregung in ein Glas Wasser Strychnin tat, um das Glas dann zu leeren. Seine Gattin entwandt-Hanych das Glas aus der Hand und trank cs bis auf den Grund leer. Der Mann tat, als er sah, was geschehen war, neuerdings Strychnin in das mit Wasser gefüllte Glas und trank es aus. Hierauf rief er seine Schwiegermutter Josepha Touöek, die den Arzt MUDr. Laniöek herbeiholte. Ehe noch der Arzt eintraf, war die Gattin Hanychs bereits tot. Hanych selbst wurde in schwerer Bewußtlosigkeit ins Allgemeine Krankenhaus nach Feldsberg gebracht. Der Arzt ordnete die Obduktion der Leiche der Frau Hanych an. Der Vorfall hat in der Stadt große Erregung hervorgerufen. Zwei Morde in Sofia. Sofia, 37. Dezember. Am zweiten Weihnachtsfeiertag hat sich vor dem Kriegsministe- s rium abermals ein politischer Mord abgespielt. Ein Anhänger der extremen Mazedoniergruppe Mihajlows hat einen Mann der Gegenpartei erschossen. Der Täter wurde festgenommen. Er gab an, daß er den Mord auf Befehl des„Revolutionären Gerichtshofes" von Saloniki" ausgeführt habe.— Am gleichen Tage ereignete sich eine zweite Bluttat. Anläßlich einer harmlosen Unterhaltung in einer angesehenen Bürgerfamilie, an der auch der Kavallerieleutnant Simi- l o n o f f teilnahm, wurde er von einem Advokaten namens D i m i t r o f f wegen des großen Lärms, deü die lustige Gesellschaft vollfuhrte, zur Verantwortung gezogen. Es kam zu einem Wortwechsel, in dessen Verlauf der Leutnant mit seinem Säbel den Advokaten schwer verletzte. Der Leutnant wurde verhaftet, aber in den Morgenstunden wieder freigelassen. Unmittelbar darauf begegnete ihm der Bruder des verwundeten Advokaten, der gleichfalls Offizier ist. Dieser gab nach kurzem Wortwechsel auf den Leutnant Si- milonoff mehrere Schüsse ab, die ihn sofort töteten, Der Mörder übergab dann einem des Weges kommenden Oberleutnant seinen Revolver und meldete sich bei seiner vorgesetzten Behörde. Die Serngroß'Heiden gefaßt. Wien, 27. Dezember. In Weyer in Oberösterreich wurde der nationalsozialistische Student der Wiener Technischen Hochschule Josef G r ö- del verhaftet und nach Wien gebracht. Grödel ist einer der Hauptbeteiligten an dem Gasangriff nn Warenhaus Gerngroß, nach dessen Verübung er aus Wien flüchtet«, nm sich in Oberösterreich aufzuhalten. In seiner Wiener Wohnung wurde ein« Hallsdurchsuchung vorgenommen, wobei festgestellt wurde, daß die Phiolen, die das Tränengas enthielten, in dieser Wohnung verwahrt worden sind. Die Polizei ist auch der Anschauung, daß Grödel die Phiolen selbst erzeugt hat. Grödel hat bereits«i» Teilgeständnis abgelegt. Die Ekbemündnng in dichtem Rebel Hamburg, 27. Dezeniber. Tie Elbemündung und di« deutsch« Bucht liegen seit drei Tagen in dichtem Nebel. Der große Schiffsverkehr, der stets zu Weihnachten herrscht, da die Reedereien die Fahrzeuge über die Feiertage nicht in den Häfen liegen lassen wollen, erlitt eine katastrophale Unterbrechmrg. 150 Schiffe mußte vor Anker gehen und liegen zum Teil noch still. Heute vormittags wurde von den Feuerschiften anhaltender Nebel gemeldet. In Hamburg erlebte man in den Feiertagen das seltene Schauspiel, daß tauscirde von Wildenten gemeinsam mit den heimischen Mövcn auf der Alster eingenebelt auf Wetteränderung warten. „Durch keinen Mitzton gestört". Das ist die Ueberschrift eines Berichtes, der in einem angesehenen bürgerlichen Blatt über den Verlauf der Weihnachtsfciertage im Reich erschien. Jo, man ist bescheiden geworden in Deutschland! Wenn einmal keine Bomben Vom Rtmdhmk Empfehlenswerter aus den Programme«. Donnerstag. Prag: 6.15: Gymnastik. 11: Schallplatte«. 15-30: Slowakische LiÄer. 1825: Deutsche Sendung: Dr. Moucha: Neue Bücher. 30: Konzert.— Bräun: 17.20: Kinder musizieren. 1825: Deutsche Seu- dung:„Ruf übers Eis", Hörspiel. 19.35: Schram- mÄmusik. 21:„Hannel«s Himmelftchrt" von G. Hauptmann.— Preßburg: 12.30; Orchesterkongert. 19.35: Klavierkonzert.— Berlin: 15.35: Heitere Lieder. 16.30: Kammermusik. 1935: Orchesterkonzert.— Hamburg: 22.20: Tange von 1900 bis 1922.— Königsberg: 19: Zither-Trio. 20: Orchesterkonzert.— Langenberg: 20:„Der PantoffcÜheld", Oper von Tschaikowsky.— Leipzig: 16: Küichlernach- wuchS.— München: 2030: Winterhilfe 1983.— Wien: 19.40: Jazz ans zwei Klavieren. 3035: Orchcsterkonzert. «MIMiMWWWMMWWWMWMMMIWWMNM! explodieren und kern Fememord verübt wurde, ist man schon in Festftiinmung— in den bürgerlichen Redaktionen nämlich. Daß rm Deuifchen Reich so nebenher mehr als sechs Millionen Arbeitslose gezählt werden, wiegt nicht allzuschwer; ihr Da-Sein ist ein Mißton, der jedoch ihr Dasein ausfüllt und so spricht man nicht davon. Man rst„guten Willens", „der Menschheit ein Wohlergehen" vorzutäu- schen, denn man soll nicht deuteln an dem, was geschrieben ist. in der Heiligen Schrift. Bis auf die sechs Millionen Arbeitslosen in Deutschland und aitf di« vielen Millionen anderswo, bis auf die unabsehbaren Armeen hungernder und frierender Kinder und ver- zweifelnder Jugend war also an diesen Weihnachtslagen alles in Butter. Sogar die Kanonen im Gran Choco schwiegen, denn man hatte, um Christus zu ehren, einen Weih- nachts-WaffensMstand abgeschlossen. Jetzt rst ober der graue Alltag wieder hier und die Weihnachtslichter verlöscht. Da donnern die Kanonen wieder und Christus ist vergessen. Da sind auch die Arbeitslosen wieder sichtbar und bringen einen Mißton in die Gesellschaft, der von den bürgerlichen Blättern sehr übel vermerkt wird. Die werden weiterhin schreiben von der Zweckmäßigkeit dieser besten aller Wellen— wenn nicht die Prolaten dafür sorgen, daß der Menschheft anstelle der verlöschten Weihnachlskcrzcn das Licht der sozialistischen Erkenntnis aufgehl. Verhaftet« Kindesmörderin. Samstag abends wurde in B r ü n n die 19jährige Arbeiterin Marie Platenikova aus Sillein verhaftet, bi« am gleichen Tage in einem Hotel ihr acht Tage altes Töchterchen Sonja ermordet hätte? n Sie gestand »ti« Tat ein. Neues Postgebäudc in Jglau. Auf dem Iglauer Hauptbahnhofe wurde Montag, den 26. d. M., das neue Postgebäude der Oeffentlichkeit übergeben, das mit einem Aufwand von einer Million Kronen errichtet worden ist. Bereit- am gestrige« Nachmittag wurde in den neuen Amt-- räumlichkeit«n amtiert. Zusammenstoß auf dem Chemnitzer Bahnhof. Bei dem Zusammenstoß zweier leer fahrender Lokomotiven auf dem Chemnitzer Hauptbahnhof wurden ein Führer und ein Heizer schwer verletzt. Verhaftet« Falschmünzer. Die Kriminalpolizei in Kasi«l verhaftete Samstag zwei junge Leut« im Alter von 19 Jahren, die in ihrer Wohnung eine Falschmünzerwerkstätle betrieben hatten. Sie haben eingestanden, daß sie in_ der letzten Zeit insgesamt etwa 4000 falsche Fünfzig-Reichspftn- mgstücke hergestellt haben, die sie zum größten Teil in Süddeutschland abietzen konnten. Schlußcht des Braniker Mordes. Johann KolinskY, einer der beiden Brüder, die am 10. März 1922 in Branik bei Prag di« dreigliedrige Familie des Uhrmachers Josef Lede c k y meuchlings ermordet und außer Juwelen 26.000 K Bargeld geraubt hatten, ist am Heiligen Abend in der Männerstrafanstalt in Bory gestorben. Die beiden Brüder, welche der Tqt überführt wurden und dann gestanden, wurden am 8. Juli 1922 zum Tode verurteilt. Der ältere von ihnen, Josef Kolinfly, wurde in Prag hingerichtet. Johann Kolinsky wurde die Strafe in lebenslänglichen schweren Kerker umgewandelt. In den letzten Jahren litt Josef Kolinsky infolge fort- geschrittcner Tuberkulose an Knochenschwund und an einem Herftehler.«» Die Wiener Zeituugsflaute. Vor kurzem verlautete, daß die„Neue Freie Presse" verkauft worden sei. Nun liegen auch Nachrichten über jenes Blatt vor, das den Schmock nach der kriminellen Seite erweiterte und sich an sogenannten Kulturträgern durch das Ueberxelchen goldener Ringe schadlos hielt: das„Reue Wiener Journal".— Wie die„Arbeiter- Zeitung" mltteilt, hat sich Lippowitz von der finanziellen Haftung für sein Blatt zurückgezogen, ! indem er sich im Handelsregister als Persönlich haftender Gesellschafter lösch«» und als Kommanditist eintragen ließ, als der er nur noch mit einem geringen Betrag für das Unternehmen haftet. Außerdem sucht Lippowitz einen Käufer für das„Neue Wiener Journal". Es ist für„nur" 10 Millionen Mark ausgeboten.— Wenn das Jnseratengeschäst fällt, fällt die ,Kultur" nach... Di« Frequenz aus den österreichische« Bundesbahnen in den Weihnachtsfeiertagen war heuer um etwa 1 Prozent geringer als voriges Jahr. In den WeihnachtStagen sind etwa 200.000 Personen in Wien eingetroften und 250.000 ans Wien abgereist. Str. SOS Mittwoch, 28. Dezember 1932 Seite 5 Einheitspreisgeschäft« in Deuschland ver- boten. In-er nächsten Nummer-es Reichs« anzeigers wir- eine Derottmung veröffentlicht, die die bisher nur für Sädte mit weniger als 100.000 Einwohnern geltende Sperre der Errichtung von Einheitspreisgeschäften auf a lle Städte auÄehnt. Damit gilt in Deutschland das Verbot der Errichtung von Einheitspreisgeschäften ohne räumliche Einschränkung bis 1. April 1934. Anlaß hiezu gaben die Klagen des gewerblichen Mittelstandes scher den Wettbewerb der Einheitspreisgeschäfte. Bombe gegen den ägyptische» König. Im Garten-er staatlichen Ingenieurschule tn-er Kairoer Vorstadt Giza wurde am 26. Dezember kurz vor einem offiziellen Besuche-eL Königs Fuad eine Bombe entdeckt, deren Zündung jedoch nicht in Brand gefetzt war. Weihnachten in Amerika. Während-es Weih- nachtsfestes haben in den Bereinigten Staaten 31! Personen infolge von Unfällen den Tod gefunden und 566 Personen Verletzungen erlitten. Zum größten Teil handelt«S sich um Opfer von Autounfällen; elf Personen sind ertrunken, acht wurden bei Eifenbahnunfällen getötet und zehn Personen kamen bei Bränden ums Leben. Eine aus fünf Personen bestehende Familie starb nach dem Genüsse eines Kuchens, in den versehentlich Insektenpulver eingebacken worden war. In New Dork starben 6 Personen nach dem Genuß von Alkohol. Zn einer ganzen Reihe von Morden und Mordüberfällen kam es bei Streitigkeiten. So erstach z. B. in Chicago ein 17jäh- riger Knabe bei einem häuslichen Streit« seinen Vater mit einem Schlächtermesser. ^Rekord". Die amerikanischen Organisationen zur Bekämpfung des Lynchunwesen S verweisen mit Genugtuung auf die Tatsache, daß im Berichtsjahr 1932 nur sechs Lhnchmorde in USA. zu verzeichnen waren. Davon entfielen vier auf den Süden des Landes. Diese Ziffer stellt einen Niedrigkeitsrekord für mehr als ein halbes Jahrhundert dar, in welchem rund 4780 Menschenleben dem Lynchmord zum Opfer fielen. Allein die Durch- schnittszifser der Lynchopfer in den letzten vierzig Jahren war 100. Die Hoffnung auf ein lynchloses Amerika scheint nicht ungerechtfertigt. Schiffszusammenstoß. Im Nord-Ostseekanal stießen Dienstag vormittags der finnische Dampfer„Ester Thou>«n" und der Schoner ,^fupiter" zusammen. Jupiter, der«ine Zwi^bÄadung an Bord hatte, echielt schweren Backbordseitenscha- den und lief voll Wasser. Der Verkehr im Kanal ist nicht gestört. Waffenfund« i« Holland. Bon der Polizei sind i» den letzten Wochen— wie bereits gemeldet— in mehreren Privatwohnungen und Geschäftshäusern Waffensertdungen beschlagnahmt worden, die im Emzelfallie auf 25 bis 100 Revolvern und dazugehöriger Munition bestanden. Alle diese Sendungen stammen aus Belgien und sollten, wie di« Polizei annimmt, nach Deutschland geschmuggelt werden. Opfer d«r Arbeit. In Stendal(Aktmark) wurde ein 41 Jahre alter Eisenbahner bei Ran- gierarbciten zwischen zwei Puffern zu Tode gedrückt. Er hinterläßt Frau und zwei schulpflichtige Kinder. Erweiterung der äußersten Aufgabesrist von Wochcnendtelegramme«: Wochrnendtelegramme nach den überseeischen Ländern(um 78 ProzeM verbilligt gegenüber den gewöhnlichen Telegrammen) konnten bisher bloß bis Samstag 18 Uhr aufgegeben, werden. Die soeben erschienene Folge des„Bsstnik ministerswa post"(„Anzeiger des Postministeriums'') verlängert dies« äußerste Frist bis SamStag 24 Uhr. Wochenendtelegramme sind für derartige telegraphische Mittellungen noch Ucbersee geeignet, die, eine Verschiebung der Einhändigung biS zum nächsten Montag nach ihrer Aufgabe zulassen.' t . M ♦ Heimweg... Leute kehren von der Weihnachtsmette zurück. Halb erstarrte Kinder jammern in gleicher Stunde im Schlafe in den Waggonkolonien und Bretterbuden der Notsiedlungen an der Peripherie. Halb erfroren« Dien- schen krümmen sich auf Parkbäuken, in Erdhöhlen und Kanälen. O a o t t g e w o l l t e O r d n u n g! Mit diesen Eindrücken in der Seele entfalte dann die Journale und lies die hundertmal aufgewärmte bürgerliche Rührsuppe vom „Frieden den Menschen, di« gut«» Willens sind." Bg. Späkabend des 24. Dezember. Ehe wir aufbrechen, tun wir schnell noch einen Blick in die um halb 9 Uhr herausgckommenen Marge n V l ä t t e r, die die geistige Nahrung unserer Spießbürger bilden. Die Titelseite zieren schlechte Reproduktionen schlechter bethlehemitischer Darstellungen. Daneben wird^ein Leitartikel verzapft, der Menschen, die guten r' gewärmt« Suppe, die nur leider schon so al sich mit Grausen-wendet. Uri- das will viel „Wir brauchen Manismus in Amerika!“ .,„. Die Präsidentenwahlen haben unserer ame- gestoßenen und Enterbten. Tritt ein, tritt ohne nkanischeu Brudcrparter eine goto iss« Enttäu- Sorgen ein! Hier wird dir kein Haar gekrümmt.! schung gebracht. Zwar hat der sozialsttische Kau- Hier stößt du nicht auf besoffene Aggressivität: bidat Norm arm Thomas seine Stimmenzahl asozialer Parasiten, hier ist die zähneknirschende; verdoppelt, sie blieb aber weit hinter den Vor- oder ohnmächtig resignierende Verzweiflung zu i aussagen sogar der bürgerlichen Presse zurück. Hause. Hier nächtigen Menschen, die ohne SchuldI^unt Teil ist das aus den plebiszitären Cyarak- aus der Gesellschaft ausgestoßen sind, di« nicht aus, ter der Präsidentenwahlen in Amerika zuruckzu- dem Betrieb effektvoll ausgemachten Bettels reiche; sichren, der für eine dritte Partei überaus un- Einnahmen schöpfen,-nein Menschen, die sichmit! günstig ist, zum Teil aber auf die allgemeine« ....-------~---. Amerika überhaupt verhindern. Darüber hinaus weist Harley Gibson in der New Iorker “' I„N c w Lead er" vom 19. die nachteilige Wirkuvg des kon» wegen nähern wir uns einem dunklen Gebäude- fusen amerikanifchen Sozialismus hin, dem Reproduktionen schlechter bethlehemitischer Darstellungen. Daneben wird ein Leitartikel verzapft, meist gestimmt auf das Motiv vom„Frieden der Menschen, die guten Willens s i n d". ES ist die alte schmalzige, hundertfach ausgewärmte Suppe, die nur leider schon so abgestanden ist, daß auch der anspruchsloseste Leser sich mit Grausen-wendet. Und das will viel besagen...! Der öff«ntliche WeihnachtSbaum auf dem Altstädter Ring leuchtet von weißen, roten, blauen Lichtern. Der Lautsprecher, der darunter aufgestellt ist und die Passanten zur Wohltätigkeit ermuntern soll, krächzt irgendetwas, vermutlich Stimmungsvolles. Verlorene Liebesmüh! Das Sammelergebnis war Heuer ausgesprochen schlecht. Wohl weniger, weil das soziale Mitgefühl der sozial schwachen Schichten versagt hatte. Aber die größeren Banknoten hatten sich Heuer spärlich eingestellt. Krise ist Krise. Wenn schon der Börsianer der Frau Gemahlin den Persianer nicht ab schlagen kann, spart er wenigstens am Konto»,Wohl- tätigkeit" ein, was ihm sicherlich kein billig Denkender verübeln wird. Es ist eben die Logik dieser herrlichen kapitalistischen Welt. * Wir nähern unS-er Peripherie und treten im Vorübergehen in ein kleines Gästhaus ei», wo im Auftrag irgendeines Vereines oder einer son- stigen Humanitären Stelle„w ü r h i g e Arme", gespeist werden. Wir gönnen diesen Armen von! ganzenr Herzen die Fischsuppe, den gebackenen Karpfen mit Kartoffelsalat und da- Stück Strudel nebst der Tüte Aepfel und Nüsse..Hätte man nur nicht das peinlich« Empfinden, daß jedem dieser armen Schlucker irgendein« unsichtbare Fratze über die Schulter auf den Teller schaut, um dann mit Behagen den Schmerbauch zurechtzurücken: „Bin ich nicht«in Wohltäter, bin ich nicht ein guter Mensch?^ Jawohl, Herr Wohltäter, vor vierzehn Tagen haben Sie zwar hundert oder mehr Arbeiter auf- Pflaster geworfen, aber ihr Gewissen ist durch die humanitäre Massenobfütterung hier wohl beruhigt. Da- Lobes in den Journalen können Sie sicher sein.(Dieses Lob haben wir inzwischen bereits in allen Variationen schlucken müssen.) ist, das sind arme Teufel, die anderen sind„za k Z e f t e m"(Hinter-em Geschäft her, d. h. dem Bettelgeschäft). Ein Blick in-i« von rotem Ziegelstaub zentimeterhoch bedeckten Gänge rund um den Brennofen. Ein alter Mann lehnt an der Wand, plappert etwas vor sich hin und weint—. Seitwärts liegen in tiefem Schlaf ein Mann und eine Frau, fest umarmt. Ei» blasser Junge(höchstens 18 Jahr«), seufzt im Schlafs Und weiterhin im rötlichen Zwielicht noch ein« Reihe halbkenntlicher Gestalten, eingepackt in Zeitungen und herabgerissenem Plakatpapier, rße Einige Schritte weiter und einig« Schritt« abwärts. Wir stehen vor einem Strohschober. Markerschütterndes Husten klingt auS der Tiefe des gut maskierten Einjchlupfloches: „Wer ist da?" fragt eine Stimme zwischen zwei erstickenden Hustenanfällen. Ms sich ihr Inhaber vergewissert hat, daß der späte Besuch nicht vom Pollzeikommissariat geschickt ist, kriecht er hervot. -Halb erfroren.„Das Stroh wärmt nicht mehr. Es ist schon zu sehr zerdrückt." illein— kriech nicht in das Innere dieses improvisierten Nachtquar- i tierS! Dort wimmelt es von Läusen. Begnüge dich, mit der Taschenlampe hineinzuleuchten. Du siehst immer noch genug. Einen Mann mit zerzausten und verfilztem Haar und Bart, halb auf der Seite liegend, mit blau angelaufenem Gesicht,! .Santms, meint der neben mir stehende, Repräsentant dieser„Herberge" lakonisch. Es istl ein kleiner buckliger Tuberkulöser sichtlich im letzten'Stadium.„Santus"— das bedeutet B reu n spi r i tu s, verdünnt mit Wasser und' mit Zucker versetzt, das letzte Labsal dieser Verlorenen. Hinter dem„Santusük" noch einigc dunkle Körper...-Genug! Ich habe einiges zum Essen mitgebracht und gebe es dem tuberkulösen Krüppel, der sich eben wieder in einem Hustenanfall krümmt. Nur einer Bitte gegenüber muß ich taub bleiben: der Bitt« um Zigaretten und Streichhölzer. Morgen früh soll er sie in einer bestimmten Kantine abholen. Denn ich will die Verantwortung dafür nicht übernehmen, daß wieder einmal ei» Strohschober in Flammen aufgeht und in der Asche verkohlte mcrrschlich« Gebeine gefunden weichen. Dieser flammenden Schändlichen einer mörderischen Gesellschaftsordnung waren schon zu viele.' «Selige, fröhliche Weihnachtszeit Reportage aus der Weihnachtrnacht. Das öffentliche Nachtasyl hat schwächeren Belag. Die Berufsbcttl« i heute, ., er sind, größtenteils ausgeblieben. Ihrer wartet heute! ein vorzügliches Geschäft. Wiewohl heute im Asyl ein außerordentliches Abendbrot verabreicht wird, nicht nur die herkömmliche Suppe. Ein wenig weiter stoßen wir auf«ine Wärme st ube. Die Wärmestube ist heute ausnahmsweise die ganze Nacht geöffnet. Das bedeutet! ein Weihnachtsgeschenk an die Aus-! AuS diesen Paradiesen der„würdigen" Armen gelangen wir, je mehr wir uns den äußersten Grenzbezirken der Stadt nähern, in di« Bereiche-er„unwürdige n". Wir gehen ein in die Sphäre, wo sich Elend und Verkommenheit zu einer unlöslichen Einheit verschwister». Eine Bretterbude steht am Wege. Sie bezeichnet sich hochtrabend als„K a n t i n e". Gläser sind unbekannter Luxus. Man trinkt auS der Flasche. DaS Lokal ist von menschlichen Ausdünstungen erfüllt. Di« Luft zum Schneiden. Das große Wort führt ein besoffener Zuhälter, der seine„Schutzbefohlenen" draußen in der kalten, nebligen und kotigen Nacht „arbeiten" läßt. Sie erscheinen pünktlich und liefern ihm den Verdienst ab. Einige Berufs- b e t t l e r zählen den Tagesverdienst und wechseln das Kleingeld beim Kantineur in Papier um. Sie sind zufrieden! Für uns aber wird es Zeit zu verschwinden. Böse Blicke heften sich auf uns. Hinter unserem Rücken geht es schon los:„Z a- tracenej pacholek"(^Verfluchter Lump"). Wir zahlen und der Wirt deckt den Rückzug. tigkeit, ja die Unentbehrlichkeit einer sozialistischen Theorie. Er versucht die Ursachen der bis- ln'rigen Unpopularität des Marxismus in Amerika aufzudecken. Erstens wurde der Marxismus auch von seinen amerikanischen Anhängern oft mißverstanden, entstellt, vulgarisiert ungleichzeitig von den einflußreichen bürgerlichen Krittlern absichtlich diskreditiert. Ztveitens hielten viel« Sozialensren den Marxisnrus für„un- niodern": was könne inan von einem armen deutschen Juden, der in der Mitte des vorigen Jahrhunderts im Exil in London.sein« Theorie»! entwickelte, jetzt für die Gegentvartskäinpfe in . Amerika lernen? Drittens habe di« fast urumter- > brachen« wirtschaftliche Prosperität in Amerika eher dem FordiSmus als dem Marxismus recht ! gegeben. Jetzt aber haben sich die Verhältnisse in den Bereinigten Staaten von Grund auf geändert. Der ivirtschaftliche Zusammenbruch, das steigende Arbeiterelemd, die katastrophale Entwurzelung der Mittelschichten haben die Geister auch in dei» Vereinigten Staaten den Ideen des Marxisurus, der sich nicht nur für Europa, sondern auch für Amerika als Theorie glänzend bewährt habe, zugänglicher gemacht. Jetzt erst inüsse die marxistische Propaganda in Amerika cinsetzen! Ebenso wie im 18. Jahrhundert die ^französische,« Aufflärung-den Ausstieg der Bour- igeoisie uM, die.bürgerliche Revpsychoii vorberei- ^tete,»nüss« jeöt die Verbreitung der marxistischen Ideen die Machtergreifung durch das Proletariat und die Aufrichtung der sozialistischen (Gesellschaft vorberejten. Man»Nüsse endlich auch in, Amerika erkenne»», daß Aktion ohne Theorie ebenso wirkungslos fei. wie Theorie ohne Aktion. Ter Umfall Diacdvnalds sei ein Beiveis dafür: >es war kein persönlicher Verrat, sondern eine logische Folge der rein opportunistischen, grund- | katzloßen Politik der Lobour-Party, die den Marxismus bisher verwarf und einen, kurzsichtig:»» „Gradual ism»»s" an seiner Stelle als Ersatz- theorie aufstellte. Änierika brauche aber jetzt den Marxismus. Die sozialistische Intelligenz sei in theoretischer Hinsicht konfus und rabiat, die Arbeiterbewegung, sei gemessen an der europäischen, langsam und, rückständig: „Blinde tverden von Blinden geführt." Nicht die schwerfällige»narxistische Ausdruckstveise, die den breiten Massen frenid sei, foudrrn die Grundsätze, ter revolutionäre Geist des Mar- rism»»s»nüßten mit aller Energie in die Massen getragen werden. „........ ße ften Grenzbczirken der Stadt nähern, in di« B reiche der„unwürdige n". Wir gehen ei ihrer Not verkriechen, wie«in verwundetes Tier.| Ursachen, die das Gedeihen des Sozialismus in Gewesen« Arbeiter...!“~ * Stadt und Vorstadt bleibt hinter uns zurück.■ PÜrtLizeitschrist Wir sind auf freiem Feld. Auf glitschigen Feld- November auf komplex, einer Ziegelei. Der Hefter empfängt! immer noch eine klare und feste marxistische uns:„No— heut«»st es schwach.» Was heute da Grundlage fehle. Der Verfasser betont die Wich- Sie Hat sich verspätet... Von Albert Acremant. Frau Divertin machte sich zum Ausdehen bereit und sagte zu ihrein Ma»»n.„Die Schnei-, derin hat mich zur Anprobe bestellt. In einer Stunde bin ich wieder zu Hause/' Inzwischen war cs aber halb fünf gewor den, und sie hätte längst zurück»ein müten. Jetzt 'chlug es schon sechs. „Sechs Uhr!" Der Gatte sprach diese zwei Won« ungedul dig vor sich hin und zuckte die Achseln:„Es ist immer dasselbe bei den Weibsbildern! Pünktlich. keit ist ihnen ein unbekannter Begriff. Heute wollten wir die Gastone's bosuchen. Das wird nun ausgeschlossen»ein. Ein Jammer!" Er dachte rnit Verachtung an sein« Frau. daß sie so gänzlich unfähig war, die Zeit zu berechnen, und im gleichen Augenblick hob sich seine Brust in einem stolzen Gefühl, weil er selbst sich erhaben über diese Schrväch« dünkt«. Gefiel«r sich doch darin, bei einer Verabredung'c»gar stets fünf Minuten zu früh zur Srelle zu kein. halb sieben Uhr indessen wich seine hoch mütige Nachsicht dem Zorn. Äkit geballten Fäu sten rannte er im Büro auf und ab: „Nein, nein, sie mißbraucht mein« Güt«, sic macht sich lustig über mich..." Und er fügte hinzu,, dev^ er besaß viel Phantasie, und seine Er.tpfindunaen ließen ihn leicht in? Extrem gehen: „Ah, aber das geht nicht ko fort!»Seit kur- zem nimmmt sie nt'v g.eenüber Gewohnheit«« an die von krossester. Rücksichtslosigkeit zeugen und mir durchaus nicht Passen. Das»nuß unbedingt arrders tverden!., Er hörte nicht auf, daS Zimmer mit lange»» Schritten zu durchmessen und»veiler zu»neditie- ren: ,^Jch bin»vahrkcheinlich zu nett zu ihr ge- »vesen. Nie schlug ich ihr et»va§ ab. Daraufhin glaubt sie, übertreiben zu dürfen. Aber sie irrt sich. Zunächst werde ich»hr nicht»nehr gestatten, ohne mich ihre Ausgänge zu macheil. Außerdem bekonimt sic den Ring nicht, den ich ihr als Geburtstagsgeschenk veriprach... Sie»nuß ihr« Strafe haben. Mag sie doch heulen..." Die Zeiger der Uhr schritten in ihrem Gang uilentwegi vor.' Um sieben kam-Herr Divertin zu der Erkenntnis. daß alle diese Phrasen ihn nicht zu beruhigen vermochten. Er ging ans Telephon urrd riek bei der Schneder»»» an: ,Lst meine Frau bei Ihnen?" „Die gnädige Fra»»»uar einige Minuten » ist aber schon länge fort!" „Hat sie Ihnen nicht z»»fällig gesagt, wo sie 'on ,'ihnen auS binzugehen beabsichtigte?" „Allerdings. Sie entschuldigte ihr kurzes Ble'ben im Atelier damit, daß sic von ihrem Gatten erwartet wurde, mit dem zusammen sie Freunde bc-'uchen wollte, so erzählte sie..." Herr Divertin sah ein, daß keine Wut nicht nrehr berechtigt»var. Unruhe lastete plötzlich 'chwer auf ihm. Es war ein Viertel acht. Jeder »veiß. wie der Großstadtverkehr heutzutage schwierig ist. Die riesige»» Lasttraftwagen und die Kolosse von Antobnss.'n'ähren mit den^axis um Weite,»int»>v«nn inan das Trottoir verläßt st man nicht sicher, daß solch ein Ungehcuc: einem nicht den Schädel zermalmt. Ob etn>a gar di« arrne kleine Frau das Opfer eines Unfalls geworden ist? . Seufzend ließ Herr Divertin sich in einen Sessel fallen. Den Kopf in den Händen, überließ er sich, schwarzen Gedanken. Deutlich stand ihm di« Katastrophe vor Augen. „Wie oft habe ich ihr doch gesagt, im Hand- räsck)chen ihre Ildresse zu tragen. Sie glaubte nie an daS Unglück. Möglich, daß sie einen Ohn- nrachtsanfall erlitt und in ein Krankenhaus transportiert wurde. Mack kann mich erst benachrichtigen,»venn sie das»öewußtsein wiedererlangt haben wird. Hoffentlich peinige»» sie nicht zu heftige Schinerzen. Mit dreiundzlvanzig Jahren! nur ein«»l Arm oder ein Bein zu haben, das»vära furchtbar!... Ich sehe fi« vor mir, wie ich ihr das erste Mal begegnete! Sie hatte ein rasa Kleid an... Nein, ein blaues! Oder»var es doch rosa?... Nein, das rosa trug sie am nächste»» Tag, als»vir uns wicdersahen. An» ersten Tag»var sie ganz in weiß gekleidet... Wie hübsch sie darin»var!... Es»var im Augenblick um mich geschehen... Ich wurde sofort Mitglied ihres Terrnisklubs und ließ n»ich ihr vorstellen. Wir haben zusammen gespielt. Ich»var der bessere Partner, aber ich verstand es, das Spiel so zu arrangieren, daß sie sich im Vorteil befand. Wie sie vor Freude strahlte! Wer weiß? Ohne diese kleine List»vürde sie»nich vielleicht nicht geheiratet haben. Ich brauchte nicht viel« Worte zu machen, ihr meine Liebe.zu gestehen.„Von Herzen gern ivill ich Ihre Frau werden!"»var ihre rasche Antivort gewesen. Damals ahnte ich Glicht, daß»»'er Glück nur von so kurzer Dauer i.in würde. Ich frage mich, ob ich sie auch genug geliebt hab«. Ich empfind« Gewissensbisse,»iwil ich bodaure,»na.nchmal ungeduldig gege.n sie gewesen zu sein. Sie schien mutwillig, aber»in Grunde»var sie die Güte selbst. Ich hätte über ihre Phantastereien lächeln,»nich nicht darüber ereifern.sollen... Sie wünschte>ich sosehr einer» Ring... Wenn sie nur wiederkehrt, werde ich ihr nicht nur diesen Ring scheicken, sonder»» noch' ein Arnrband dazu, alles,»vas sie sich ersehnt! Ihre geringsten Wünsche werden mir heilig sei»» ... Mein Gott,»nein Gott, ich flehe dich an, gib sie mir wieder, üenn ohne sic würde mir das Da- icin unmöglich sein!... Es ist zehn Minnt«»» vor acht! G'b sie mir rvieder, Vater im Himiirel, und ich schwöre, nur noch Worte der Zärtlichkeit und der Milde für sic zu haben!.. Das Mädchen meldete, daß das Essen bereit »växe, als die Tür geöffnet wurde und Frau Divertin erschien: „Verzeih, Liebster, ich hab« mich ein wenig verspätet! Gerade als ich von der Schneiderin kam, traf ich Simone, die mich in eip Geschäft führte, wo man fabelhaft preiswert einkaust. Aber das Geschäft»var sehr»veit entfernt. Ich brauchte genau«in« halbe Stunde für den Heim- weg. Du wirst sogleich iehen.»vas ich alle- erstanden habe.. Aber ihr Mann hörte nicht mehr. Da seine Frau heil und gesund war, vergaß er alle schonen Vorsätze und fing an, sie böse auszuschelten: „Du wußtest-och, daß ich auf dich»varterc, du leichtsinniges Weib, du Närrin, du! Du irrst dich,»venn du incinst, ich werde»nir dein« Rücksichtslosigkeiten noch weiter gefallen lassen!"(Fortsetzung sieh« oben!) Sette 6 Mittwoch, SS. Dezember 1832 Nr. 305 PKAfiEK ZEITBIIft Eonder-AuSflugSzüge. Die Staatsbahndirektion Prag wird für die Tage vom 5. Äs 8. Jänner 1933 «inen Sonder-Ausflugszug nach Nieder-Linde--' wiese im Gesenke abfertigen. Der Gesamtpreis belauft sich auf 198 K. Anmeldungen an der Kassa Nr. 13 auf dem Masaryk-Bahnhof. Anzahlung 50 K. — Außartdem wird die StaatSbahndiroktion Prag für die Tage vom 7. bis 10. Jänner 1933 einen Sonder-AuSflugSzug in di« Hohe Tatra ab- ftrtigen. Der Fahrpreis beträgt ab Prag 503 K, ab Bvhm.-Trübau 490 K und ab Prerau 475 L. Im Preise sind inbegriffen: di« Fahrt, Verköstigung, i Wohnung, Begleitung und Unfallversicherung. Die Teilnehmer werden di« Hohe Tatra im Winterkleid« sehen. Anmeldungen an der Kassa Nr. 13 auf dem! Masaryk-Bahnhof, wo auch näher« Informationen! erhältlich sind. Anzahlung 100 K. An der Freien Schule der politischen Wissenschafte« in Prag findet di« Inskription für das Wintertrimester 1933 vom 27. Dezynlber bis 7. Jänner(9—12, 15—18 Uhr) im Sekretariat der Schule in Prag I., Ovocny trh 3, statt. Geriditssaal Sin unmenschlicher Raufbold. Prag. 27. Dezember. Raufbold« sind vor dem Strafgericht leider leine ungewöhnliche Erischei- nng, sondern zählen im Gegenteil zu den alltäglichen Fällen, die im einzelnen zu verzeichnen sich kaum verlohnt. Zuwoii-en ereignen sich aber auch in diesem „Fach" Fäll«, die bei Gericht Aufmerksamkeit erregen. Eine solche Sach« wurde heute vor dem Senat des OGR. Hraba verhandelt. Angeklagt war ein gewisser Wenzel Maeäk aus Po dl es in bei Schlan, der am 0. November in einer dortigen Gastwirtschaft Händel suchte und fand, die zu schweren Folgen führen sollte. Er vempelt««inen nichtsahnenden Dischgenassen mit den Worten an:„Glotz mich nicht an, sonst hau' ich dir eine herunter." Dieser Drohung ließ er unverzüglich die Tat fotzen, noch ehe der Angerempelt« Zeit gefunden hatte, sich von seiner Verblüffung zu erholen. Ihm wallte begreiflicherweise das Blut auf und er gab dem Angreifer die Ohrfeige zurück. Dieser griff sofort zum Messer und stürzt« sich auf den Waffenlosen. Die Verwundungen des Angefallenen sind nach dem ärztlichen Befund wahrhaft fürchterlich. Di« Stiche waren gegen Kopf und Gesicht feines Gegners gerichtet und der«rstc Messerstich, ohcr vielmehr--schnitt schlitzt« di«sem das Gesicht in her Länge von 11 Zentimetern auf, durchschnitt di« Rase, beide Lippen und das Kinu, wobei noch ein ZaH'n ausg^chlagdn würde. Der zweit« und dritte Stoß traft« den Scheitel und verursachten Schnittwunden bis zu 6 Zentimeter Länge. Der vierte Stich war gegen die Schläfe gerichtet und mit solcher Wucht geführt, daß die Messerspitze im Schläfenbein a b b r a ch. E war ein« lange Kur und ein« gefährliche Schade- anatiori Notwendig, um dem Ueberfalleneu das L«ben zu retten. Dank seiner starken Natur überstand er nach langem Krarckenlager di« schweren Verwundungen. Da er wegen derartiger Dinge schon mehrfach vorbestraft ist, wurde der Angeklagte zu einer schweren und verschärften Kerkerstrafe in der Dauer von acht Monaten, natürlich unbedingt, verurteilt. Der Staatsanwalt meldete Berufung wegen zu geringen Strafausmaßes an. rb Kunst und Wissen Hoffmanns Erzählungen. Wir müssen sicher dankbar dafür sein, daß matt Jacques Offenbachs phantastischer Oper „Hoffmanns Erzählungen"«in« musikalische N« u ei n st u d i e r u n g und gleichzeitig auch eine völlige Neuinszenierung zuteil w«rden ließ. Denn dieses Werk enthält so große musikalische Werte, daß seine Wiederaufnahme in den Spirlplan des Theaters also im doppelten Sinuc gerechtfertigt erscheint. Offenbachs verschwenderisches Musikgeni« offenbart sich auch in dieser Oper, di« die einzige des großen französischen Operetteniklassikers geblieben ist; unversiegbar strömt d«r melodisch« Quell, in immer wieder neuen und reizvollen Einfällen kommt die vhychmische Originalität und Vielseitigkeit des Tondichters zum Ausdruck«, immer und überall fesselt die klangschöne und stimmungsfördernde Instrumentation. Dor allem also um der Musik willen freuten wir uns der Neueinstudierung der Oper „Hoffnianns Erzählung«»", um so mehr als Prof. Georg Sz6kl der richtige Mann am Pulte ist, die rhythmischen Köstlichkeiten tus Werkes überzeugend zur Geltung zu bring«». Rhythmische Straffheit und Lebendigkeit zeichneten auch in erster Lini« di« musikalisch« Erneuerung der Oper aus, die am ersten Weihnachtsfeiertage dem Publikum des Prager Deutschen Theaters beschert worden war. Nicht, so sehr aber vermocht« es Szsll, den pyantastisch- gcheinmisvollen uiid dämonischen Zug der Oper fest- zuhalten. Und in dem Bestreben, starke dramatische Akzent« zu erzielen, tat«r dynamisch ost des Güten gar zu viel, nicht zum Vorteil der Sänger, nicht immer auch zum Vorteil der Klarheit des Klangbildes. Die Neuinszenierung des Werkes hatte Prof. Emil P i r ch a n besorgt. Doch gelang es auch ihm nicht, den phantastisch-dämonischen Charakter der Oper überzeugend in der szenischen Gestaltung zu treffen. Der Olhmpia-Wt beispielsweise war«her Winterlager der Rote» Falle«, FriesbauSeu im Rlesengebirge. Di« Roten Falle« find im Wnterlager gut eiugelangt. Skilaofen war bisher bei wenig, aber gutem Schnee möglich. Die ersten drei . Tage hatte« wir Sonnenschein, Montag tvar bitweise starker Rebel. Der Weihnachtsabend vereinigte die Roten Fallen in«iuer Wichte», eindrucksvolle« Feier. Sonntag unternahm e.ne Gropp« Roter Falle««ine Wanderung über den Hochwiesenberg und di« Wiesenbaude zur Riesenbaud«.— Im Lager herrscht mvstergiltige Ordnung. Heiser und Rote Fallen bilden«ine prächtig« Gemeinschaft. Di« Verpflegung ist gut, die Unterkunft warm und gcmiitl ch. Di« Rückkehr der Rot«» Falk«« wird, im„Sozialdemokrat" brkanutgegebe«. der Repräsentationsraum eines Antomaten-SpeziaL- goschäft«s als die mystisch-phantastische Wunderwerkstätte eines physikalischen Sonderlings, der Ginlietta- Akt wieder in seiner übertriebenen und überdimensionalen Barockmanier«rinnert« eher an«inen exotischen Tempel als an ein venotianisches Luxuspalais. Auch Renato Mordos Regieführung begnügte sich mehr mit lebendigen und teilweise buntbewegten Szeneubildern als mit betont Phantastischen und geheimnisvollen. Bei der Wahl der ausführenden Solisten der Oper war man nicht allzu glücklich gewesen; namentlich die Frauenrollen waren nicht eben mustergültig besetzt. Dazu waltet« noch Mißgeschick, daß an Stelle Frl. Käthe Walters Frau Juki« Nessy- Bächcr di« Olympia übernommen hatte, für die sie'weder stimmlich und gesangstechnisch noch darstellerisch reichte. Aber auch Frau Anny Helm ist keine Giulietta im italienischen Sinne mit weicher, biegsamer Stimme und verführerischer körperlicher Geschmeidigkeit. Frl. Traute Rohn« bringt für die Antonia nur die schöne mädchenhafte Erscheinung und rührende Anmut der Darstellung mit, während sie gesanglich infolge allzu starken Forcierens der Stimme Unbehagen verursacht. Unter den Herren ychr Hagen in her vierfachen Roll« des bösen Dämons der weitaus beste, trotzdem di« Partie ihm hövbar unbequem liegt und«r auch darstell«rnch nicht däuwnffch genug wirkt. Joses R i a v e c ist ein stimmlich bedeutender Hoffmann, läßt aber oft— gesanglich und schauspielerisch— die erforderliche NoWesft vermisftn. Sehr gut, schön im Ton und lebendig in der Darstellung, war der Niklaus Fran S i l t e n s und in klein«ren Rollen bewährten sich Ä« Hurxen Bandlet, Hatiemer, Hölzlkn, Hotter spwft Frau Liudermann. Sehr exakt klangen die Chöre, ausgezeichnet spielt« das Orchester. Das Theater war nahezu ausverkauft, der Beifall aber nicht allzu begeistert. E. J. OprrettendLmmerung. Der Niedergang der Operette, ihr« Degenerierung als Kunstgattung konnte kaum besser aufgezetzt werden, als durch die am zweiten Weihnachtsfeiertage er st aufgeführt« Operette ,M en n die kleinen Veilchen blühen..", deren Textbuch Bruno Hardt-Warden nach einem angeblich fröhlichen Spiel„Als ich noch im Flügelkleide" geschrieben, und dessen Musik Robert Stolz komponiert hat. Wenn man die harmloftn Streich« eines Couleurstudent«», ftine Jugendtollheiten mit dem biederen Ehrende als Handlung gelten lasse« will, hat auch diese Operette so etwas wie eine Handlung; aber sie wird durch Unwahrscheinlich- leiten und Albernheiten unerträglich gemacht. Auch der platt« und durchaus unoriginelle Dialog dieser sentimental-naiven S udentenoperettc von vorgestern berührt peinlich; Ebenso wie di« mit dem musikalischen Rhythmus auf dem Kriegsfüße stehender Lieder- und Schlagertexte. Zu dieser Operette ans Großvaters Zeiten hat Robert Stolz in bewußtem Anachronismus eine mit alten Studentenliedern durchsp'ckte moderne Schlagermusik fabriziert, dir aber nicht einmal originell im rhythmk- lchen Sinne ist, melodisch dürftig llingt und In der Instrumentation ganz unzweckmäßig auftrumpst. Daß gerade der Hauptschlager, nach dem die Ope- rett« ganz willkürlich getauft wurde, vollständig daneben qekungen ist und weder rhythimsches Rückgrad noch melodischen Schwung besitzt, sei nur als besonderes Beispiel künstlerischer Unproduktivität des Komponisten angeführt. Man konnte ihm übrigens kein« deutlichere Beweisführung seiner schöpferischen Unzulängl'chkeit geben als mit der als Zwischenaktmusik gespielten Ouvertüre zur Operette „Flotte Bursche" des alten S u p p ä Das Prager Deutsche Theater wollt« offenbar mit der Aufführung dieses Werkes der ungebührlich lang vernachlässigten Operette als an unserem Theater immer erfolgreich gepflegten Kunstgenres wieder einmal zu ihrem Rechte verhelfen. Aber es zeigte sich, daß d'e Operette bei uns auch im reproduktiven Sinne degeneriert ist, weil wir anscheinend nicht einmal mehr über jene fingkundigrn und stimmbegabten Künstler verfügen, die dem an- sprvchs'olen modernen Schlagercouplet gewachsen sind. Mehr als ein Dutzend Künstlerinnen und Künstler war auig'boten worden der Operette zum Siege zu verhelfen, der sich aber nicht reckt einstellen woll'e; wir nennen in Mürdtzung ehrlichen Bemühens die Damen A n d e r g a st, B e i l k e, Hagen, Lord, Reichlin, Rohne, Schö nauer und Warnholz sowie die Herren Bauer, T''itet, Dudek, Frey, Libal und Richling. Als umsichtiger, geschmackvoller und auf flottes Tempo bedachter Operettenregisieur bewährt« sich Bruno Harprecht, als rhythmisch ausgezeichneter, dynamisch aber allzu lauter musikalischer Leiter Paul K o m l o s. Richt unerwähnt bleiben darf die vorzügliche Leistung des Orchesters, dar an beiden Weihnachtsfeiertagen nachmittags und abends mit unermüdlichem Fleiße spielt«. a. z. Der Geisterzug, den die Kleine Bühne zu Weih nachten vor ihrem vollbesetzten Haus gespenstig vor übergleiten ließ, ist einer jener Reißer, wie sie jetzt häufig in tatsächlicher oder vermeintlicher Ermange. lung wirklich guter heiterer Stücke herausgebracht werden. Dieses Spiel von Arnold Ridley ist ein brauchbares Gemisch von amerikanisch-groteskem Humor, gespenstiger Gruseligkeit und spannender Kriminalistik, so daß die Zuschauer sich nicht langweilen»nd sogar manches Lachen eher krampfhaft und ängstlich llingt als befreiend-heiter. Die Regie Renaw M o r d o s hat jedenfalls alles getan, pm die Phantastischen Erlebnisse einer bunten Reise- gesellschaft im- düsteren Wartesaal einer einsamen Umsteigstation so schaurig und spannend wie möglich vorzuführcn. Die Darstellung war ganz ausgezeichnet. An. erster Stelle stand die hervorragende Leistung der Frau Meller, die eine Wahnsinnige glaubhaft wahr vorführt«, chr ebenbürtig waren die Heroen Götz und Taub nick Frl. Behrens. Das übrige Ensemble, besonders die Damen Ondra und Holm und. die Heroen Rösner und Ströhl^n, Hot durchwegs Gutes. Der banale AuSgang der spannenden Angelegenheit s«i loyaler Weise nicht verraten. P. Spielplan des Reuen deutsch«» Theaters. Mittwoch, halb 8 Uhr:„Hoffmanns Erzählungen" (B 2).— Donnerstag, halb 8 Uhr:„Bor Sonnen» n t e r g a n g"(C 1).— Freitag, halb 8 Uhr: „Wenn di« kleinen Veilchen blühen" (D 2)^— SamStag, 7 Uhr:„Hokuspokus" (C 2); halb 11 Uhr:„Silvester in der Wunderbar"(AA). Spiclplan i» der Kleine» Bühne. Mittwoch, 8 Uhr: ,Lch habe einen Engel geheiratet"(Bankbeamten II).— Donnerstag, 8 Uhr: „Bargeld lacht".— Freitag, 8 Uhr:„Der Geisterzug"(Kulturverbandsfreund«)— Samstag, 7 Uhr:„Dreimal Offenbach"; halb 11 Uhr:„Susannens Geheimnis", Silvester-Ballett,„Brüderlein fein". Sport' Spiel* MmvW Die Berussspielerfrage in Deutschland wurde auf der letzten Bovstandssitzung des deutschen Aibeiter-Turn- und Sporsbundes eingehend behandel und findet seinen Ausdruck in fotzender Entschließung; „Der Bundestag des Deutsche« FußballbundeS im Oktober in Wiesbaden hat sich statt mit der Not der vielen Tausenden seiner Vereine mit einem Statut für Berufsspiel befaßt. Der Vorstand des DFB. hat von seinem Bundestag di« Vollmacht erhalten, zur geeigneten Zeit das Berufsfußballspiel zu organisieren. Inzwischen haben einige geschäfls- rüchtige Herren in Süddeutschland, di« dem DFB. sehr nohestehen und Führerstellen im DFB. hatte», eine A.-G. für Berufssport gegründet. Die Führer deS DFB. überhäufen die Gründer des Profcfsional- veobandeS mit Borwürfen. Sie llagen sich der nicht ausstleibenden Spiel«rzichungen schon jetzt an. Der Bundesvorstand des Avbeiter-Turn« und Sportbundes«. V. hat in Erkenntnis dieser Vorgänge di« Spitzenvereine des DFB. schon immer als versteckte Berufsspiel«rver«ine betrachtet, obgleich die bürgerlichen Führer das adgustreiten versuchen. Durch Versprechung von Arbeit und Gell», besonders in der herrschenden Notzeit, find Spieler^der Avbeit«rsportl«r ins bürgerliche Lager gedrängt worden. Diese Gepflogenheiten entsprechen nicht dem Liebhabcrsport. Der DFB. löst di« Frag« am sichersten, wenn er sich selbst zur Profitorganisation erklärt. Für alle Werktätigen, die ihren Sport aus Liebhaberei und zur Gasundung ihres Körpers betreiben, ist der DFB. nicht die richtige Organisation. Er ist ftine» Zielen aus der Gründerzeit untreu geworden. Jeder Fußballspieler, der ftine» Sport nicht dem Geschäft einer Führergruppe zur Verfügung stellen will, wird dem DFB. die Gefolgschaft verfageu und sich dem einigen Fußballbund der Amateure, dem Arbeiter-Turn- und Sportbund e. B., anschließen.' Vürgerlicher Sport. Tschechoslowakisch« Manuschaste» im Ausland. Ter Prager D F C. spielt« am Sonntag in Kassel gegen«in« Auswahlmannschaft und gewann knapp 2:1(0:1) und besiegt« Montag in Chemnitz den dortigen Ballspielklub mit 3:0(2:0).— Slavia siegte Sonntag in Rennes 3:2(0:2) und Montag in Paris gegen«in Stadtteam 3:1(1:0).— SK Nachod gewann Sonntag in Beziers 6:0 und Montag in NimeS 5:1.— S K. 2 i d e n i c« spielte au beiden Tagen in Bordeaux 6:0 und 5:1.— Viktoria 2 irkov gastiert derzeit in Afrika und besiegte an beiden Tagen«in Answahkteam 4:1 und .3:0.— S Ä. Kladno spielte auf Malta mit SoMozY(Ungarn) 2:2. Sonstig« Ergebnisse. S a.a z: DSB. gegen Sp.- Bgg. Bodenbach 3:0(2:0).— K a rl sba d: KFK gegen DDB. Drahowitz 10:2(Sonntag) und gegen Schwalbe Brüx 8:0(Montag).— Teplitz: TFK Profi gegen SpVgg. Bodenbach 10:1(4:1), Montag.— D ux: TFK. Profi, gegen DSK. 3:0(0:0). —, Zittau: Warnsdorfcr FK. gegen BSC. 4:1 An unsere Postbezieher! Der heutigen Nummer liegt«i« Erlagschein zur Bezahlung der BerugSgebühr bei. Wir mache» besonders darauf aufmerksam, daß di« Einzahlung unter demselben Nam«» geleistet werde« muß,««ter welchem der Versand der Zeitungen erfolgt. Die Bezugsgebühr ist am Kopf des Blattes ersichtlich und ist stet- im vorhiuei« zu entrichte«. Der Abonnementbeitrag muß spätestens bis zum 15. eines jede« Monates i» unserem Besitze fei«. Wir ersuche» Sie, dies zu berücksichtig««, damit k«i«e Unterbrechung i« der Zustellung des Blattes eintritt. Di« Verwaltung. (4:0).— Freiberg: Sportfreunde gegen TAK. Komotau 6:1. Oesterreichs Fußballer im Ausla«d. Am ersten Wechnachtstag: A u st r i a geg. SV. Wiesbaden 1:3 (1:0). Sportklub gegen Tennis-Borussia Berlin 4:1(3:0). WAC. gegen Stadtteam Düren 6:0(2:0). Wacker gegen SB. Völklingen 3:1 (1:0). Nicholson in Beuchen gegen«ine Gaumannschaft 3:2(1:1). Rapid siegt« in der Schwei; gegen FC. Bellizona mit 14:1. Vienna schlug in Luxemburg eine Auswahlmannschaft mit 5:2(2:0). Admira schlug in Lustenau den dortigen FC.?:2.— Die Spiele am Montag: WAC. schlug die Kölner Stadtelf 5:3. Vienna besiegte das Team von Saarbrücken 3:0. Nicholson spialie in Liqgnitz gegen das Auswahlteam von Süd- ostdeutschland 3:3 A u st r i a gewann gegen SB. Waldhof 5:1- Sportklub spielte mit Ring Dresden 2:2. Wack«r schlug den 1. FC. Idar knapp 2:1. Ungarns Auslandsspiele. U j P«st schlug Sonntag und Montag, den FC. Barcelona mit 4:0 bzw. 3:1.— Ferencvaros verlor Sonntag gegen Genua 96 mit 1:3 und gewann Montag in Marseille gegen Olhmpiqu« mit 4:2.—Hungaria wurde am ersten Tage in Mailand von Amibrosiana 5:6 geschlagen und spielt« Montag gegen Genua 96 1:1.— Bocstay siegte in Padua 2:0 und. in Regina 3:2.— 3. Bezirk spielt« Sonntag mit Catarzano 2:2 und schlug Montag Bari 2:0.— Kispest siegte Sonntag geg. AS. Brestoift 2:0. Eishockey. Spindlermühl«: DEHG. Prag gegen Sparta Prag 0:2(Sonntag) und 1:2(Montag!.— Troppau: EV. gegen Cottage Wien 8:1. — Proßuitz: Hakocch Wien gegen SK. 2: 2.— Brünn: Haloah Wien gegen Kral. Pole 3:0.— Paris: Städtespiel Paris(Kanadier-Team) gegen London,4:3.Zür ich: LTC. Prag gegen Züricher Team 0:3.— Berlin: Edmonton Superiors gegen SchÄÄchuhllub 4:0'(Sonntag) und 1:1 'Mo«tog>).— Gablonz: E8. gegen EB. Görlitz 2:1.— Partenkirchen:€5C. Rießerfte geg. Preußen-Berliu 11:0. Aus der Partei Jugendbewegung. S. I. L Heute um 8 Uhr im Heim am Fügnovplatz Jugendversammlung. Vertrauensmänner und Ausschußmitglieder um 7 Uhr gestellt sein! Vereinsnadiridtten Siüggemeiud« Prag. Nächste Singstunde Freitag, den 30. Dezember, um 8 Uhr a-bends in-er Typograficka Koftdq, Smeöky 27, linke Stiege, 4 Stock. Alle Sangesfreudigen werde» zur'Teilnahme eingeladen. Um auch den Frauen dic Teilnahme an-en Singstunden zu ermöglichen, ist die Aufstellung eines gemischten Chores geplani. Wir Litten die Interessenten, ihre AnmÄdungen umgehend dem Genossen Hammerschmidt, Gec-Berband, Prag(I, Fügnerovo näm. 4, Telephon 51351, zu üdermtttÄn. Filme In Prager Limbiiemaisern bis einschließlich Donnerstag, de» 29. D«z«mb«r 1932. Wrau-Urania:„Unter falscher Flagge." Adria: „Anton Speiet— der Scharfschütze. Alfa:„Bring sie lebend heim!" BerLuek:„Maria Draga." Flöca: „Maria Draga." Gaunront:„Die oder keme." Hollywood:„Die oder keine" HvÄda:„Anton Spewc— der Scharfschütze." Kapitol:„Mit einem Lied auf den Lippen und Liebe im Herzen." Kiuema, B.-Th.: Aktualitäten, Reportagen, Lustspiele; halb 1 bis halb 8. Koruna:„Das Schiff der Selbstmörder." Metro:„Ein Mann mit Herz." Llympir:„Der Pomvfüneberer." Passage:^öiebe auf den ersten Ton." Praha:„Das Schlffder Selbstmörder." Radio: vergessen« Patrioten." 2kant:„Das Haus au der Grenze." Svktozor:„Ein Mann mit Herz." Alma: „Gitta hat ihr Herz entdeckt." Avion:„Süd-Expreß." Bajkal:„Gitta hat ihr Herz entdeckt" Favorst: „Moritz macht in Glück." Konvikt:„Bergessenc Patrioten." Lido:„Maria Draga." Louvre: ,,G i l g i, ein« von uns." Maeeska:„Gitta hat chr Herz entdeckt." PrrSty«:„Mein Herz ist noch:«dig." Roxy:„GiIgi, eine von uns." Baldek:„Vergessene Patrioten" Academia:„Tas Lied einer Nacht." Belvedere:„Unter falscher Flagge." Befeda: „Marokko" Carlton:„Vergessene Patrioten." Jll«- sion:„Vergessene Patrwten." Sport-Smichow:„Vor der Matura." U Bejvodu:„Viktoria und chr Husar." »tiiilgtllt etetftu* tut- kd«l"»«k>e»r Mlv-Im«<«I«««-«kr-mw-n»««*»«■*’ dir,»» tz«,- trat.„Set«*■*• ffc ■IM,«» Dir Atiti'ngtmorleilftankatui«urüe oou>rt Poft- L Zetegraplivn0 tre ttton mit Trief«r lS.BtlO/y 11/19S0 bewillig! ngungtn Sei guitdlunj in« d«u»«Mt tg.pX"« durch hst Aoß — güt Oee Dr»T(«WKtMttHA: Ott* Lew. menattid) KC tS.—. eirrtrljLdrlich U T»j«>chiur, kn KttmtnetlOk