Einzelpreis 70 Heller. (Einschließlich S Heller Porto) Rr 306. Donnerstag, 29. Dezember 1932 12 Jahrgang. 1 Erscheint mit Ausnahme des Montag täglich früh. »valUan n. DettvaMmg- vrogn,TttMtoala»s* ZtltpO.: 36795, vtachNwaN.(a» StUHr SSSaa^paßschecka»-«»»« NwsNmmaaL in Vans gegen die österreichisch« Anleihe. Pari«, 28. Dezember. Heute abends ist unter dem Vorsitz Paul-Boncours der Kabi- Nettsrat zusammeugetreten. Nach Schluß der Sitzung erklärte der Ministerpräsident den Jouv- nalisien, daß die Regierung bisher nicht entschlossen ist, ob sie in der Angelegenheit der österreichischen Anleihe die Vertrauensfrage stellen werde. Er fügte hinzu, daß er daran zweifle; die Regierung würde dies nur im Falle der äußersten Mtwendigkeit tun. In den Couloirs der Kammer herrschte abends der Eindruck, daß die Regierung einige Stimmen Mehrheit erhalten könnt«, wenn sie in der Frage der österreichischen Anleihe di« Vertrauensfrage stellen würde. Es ist ober nicht ausgeschlossen, daß di« Vorlage vertagt oder sogar abgelehüt werden wird. Die Frage der Gelvährung der Anleihe an Oesterreich begegnet auch in-der Presse sehr geringen Sympathien und ruft erhebliche Vorbehalte nicht nur in konservativen Kreisen, sondern auch uei der-Linken hervor. Die radikalen Blätter bezweifeln, daß die geplante Anleihe die letzte'ein würde. Uebereinstimmend mit der Rechtspresse geben sie der Meinung Ausdruck, daß es besser Ware, wenn Oesterreich zu wirklichen Streichung en und E i n s p a r n n g en im Budget greifen würde. Deutedi-franzdshdies WlrtsdiaftsaWommen. Paris, 28. D-rzember. l-Haygs,) TgS heut« vormittags in Berlin- unterzeichnet« Zu strtzab- kommen zum srauchsischcheutscheN Handelsver- tvaae aus dem Fahr« 1927 chird heute abends veröffentlicht werden.> Das Zi«I dieses Zusatzabkommens ist, ein gewisses Gleichgewicht im Handel zwischen den beiden Staaten herzustell«n, und zwar dadurch, daß in der Mvistbegünsti- aungskläusel Ausnahmen zugelassen sind und 72 konsolidierte Zollposten aufgehoben wurden, wobei aber der Zolltarif selbst nicht abgeände« ist. Außerdem, wird das französisch-deutsche Abkommen betreffend den Devisentransfer veröffentlicht werden. In der nächsten Zeil wird ein Abkommen abgeschlossen werden, dessen Ziel di« Hebung de» Touri st en Verkehres zwischen Frankreich urw Deutschland sein wird. Ehemaliger Defthsdertdits- praslöent gegen die Notverordnungspraxis. Berlin, 28. Dezember.(Tsch. P.-B.) In der „Deutschen Juristenzeitung" beschäftigt sich Reichsgerichispräsident a. D. Dr. Sima ns mit dem seit geraumer Zeit hervorgetretenen Wandel in der Stellung des Reichspräsidenten. Aus dem Filter der Verfassung", als der er neuerdings gern bezeichnet werde, sei«r zum Äieufarmer der Verfassung geworden. Alan brauche nur den Schriftenwechsel zwischen Hitler und dem Staatssekretär Dr. Meißner aufmerksam zu lesen, um die Richtung zu erkennen, in der die Präsidial, gewalt des Reiches sich heut« von der Weimarer Konstruktion zu entfernen strebe. Di« im Namen des Reichspräsidenten ausgestellten Forderungen gehen über die Verfassung hinaus. Das ganze Kabinett soll aus Männern seines persönlichen Vertrauens bestehen; kraft seiner Vertretung des Reiches nach Außen(Art. 45s will er den Außenminister, kraft seiner Eigenschaft als Oberbefehlshaber der Wehrmacht(Art. 47) den Reichswehrminister ohne Rücksicht auf den Reichstag ernennen und Eilten. Das ist aus den Bestimmungen der Berfassungsartikel. nicht. hcrzuleiken. Die Leitung der auswärtigen Politik und die Behandlung und Verwendung der Reichswehr hat in den Grundlinien weder der Reichspräsident noch der Fachminister, sondern der Reichskanzler zu bestimmen(Art. 56).„Ich halte die heutige Auslegung und Amvendung des Art. 48 nicht für verfästüngsmäßig." Auihehunß Her Goldwährung In Shdalrlka Pretoria, 28. Dezember.(Tsch. P.-B.) Die Reservebank ist der Verpflichtung zur Einlösung von Noten in Gold enthoben worden mit der Begründung, daß infolge der politischen Unsicherheit ungewöhnlich große Ankäufe Von Devisen und die Zurückziehung von Goldmünzen zu Hamsterzwecken vorgenommen morde» seien. Mesko auf sein Führerehrenwort(!) versichert, daß er die Krebs bei dem Parteiblatte anstülen und sie dadurch für den Entgang ihres Gehaltes schadlos halten-werde. Dieses Versprechen hat aber Zoltan Mesko nicht eingchalten. Aehnlich sagten auch die übrigen Kläger aus. Der Rechtshörcr Stephan Marffy hat am 24. November 1932 mit feiner Gattin gemeinsam Selbstmord verübt, weil die Partei das ihm verbindlich gegebene Zahlungsversprechen nicht eingchalten hatte. Dadurch war er zusammen mit seiner Frau- in bitterste Not geratest. Ta» Gericht vertagte nach dem. Zeugender- !hör die Verhandlung auf unbestimmte Zeit. Ihnen genügend bekannt, so daß ich ans di« einzelnen Phasen nicht«injugehen brauche. Mein «ahn-hat in dienstlicher Angelegenheit — in voller Dienstuuiform— im Mufti»®c seines Vorgesetzten, des später verschwundenen Sturmführers Schenk,— die elterliche Wohnung vor fünf Woche« verlasse«, abends gegen halb elf Uhr. Er ist seitdem nicht wieder zuriickgekehrt! Sie werden sich mein großes Herzeleid, meinen Kummer vorstellen könne«, wenn ich als Mutter«inen sechsundzwanzigjährigen guterzogenen Sohn plötzlich verliere! Mein Sohn hat als Zugehöriger der Dresdner Nachrichten-Abteilung jahrelang der Partei treu seinen Dienst geleistet! Aus diesem Grund« hätte ich erwartet, daß einmal irgendeiner der Borgesetzten meines Sohnes zu mir^kommen wär«, um mir Trost und irgendeinen Hoffnungsstrahl in mein H«rz zu legen!— Nichts ist von feiten der großen Partei geschehen!" Tie Mutter sagt noch, sie habe geglaubt, es bestünde Kameradschaft in der Partei— und sie meint nun,.in Dresden funktioniere der Apparat irgendwo nicht richtig, es. sei etwas nicht in Ordnung.(Zu gut, allzu gut hat der Hlpparat funk- tioitjert!) Aber dann bricht sic in die verzweifelten Worte. aus: denn-niemand in-der große» Partei, der ein fühlend Herz für meinen Jammer und meine« Schmerz hat? Sollte denn in der Partei alles Herzensgesühl erstorben sein?" Es ist erstorben! Mitgefühl mit einem wunden Muttcrherzen? Den rauhen Krieger Röhm rühren doch Weibertränen überhaupt nicht, höchstens das Geflenne eines Buhlbubcn. Und den großen Adolf interessieren mir die eigenen Tränen.«Ms Daß Hitler den Brief unbeantwortet ließ, ist selbstverständlich. Ter weiche und verweichlichte- Mann, der seine Minderwertigkeitskomplexe abreagiert durch schäumende Schwärmereien für Massengc metzel, die er für heldisch hält, wird doch nicht einer weinenden Mutter telegraphieren! Was anderes wäre es, wenn die Pg. Mörder schon im Gefängnis säßen! Dann vielleicht! Ja, dann käme vielleicht zu ihnen, nicht zur Mutter des Opfers, ein Telegramm: „Euere Freiheit ist mein« Ehre!" Werden dann auch die Führer der sudetendeutschen Hakenkreuzler telegraphieren? Zwei Verhaftungen. Dresden, 28. Dezember. Gegenüber lassungen einiger sächsischer Blätter im Haensch wird von zuständiger Stelle u. a. mit- gcteitt:„Die Staatsanwaltschaft hat unmittelbar nachdem ihr di« Akten zugegangen waren, mit Nachdruck di« Ermittlungen betrieben, Haftbefehl gegen die mutmaßlichen Täter erwirkt und S t e ck b riefe erlassen. Sie hat in Erfahrung gebracht, daß die Beschuldigten bald nach der Tat ins Ausland.geflüchtet waren und weiß seit längerer Zeit, wo diese sich im Ausland aufhalten. Seit der Auffindung der Leich« ist außer dem beschuldigten Bormann noch ein Bruder der Braut des flüchtigen Schenk, d«r 21 Jahr« alt« Mäschinen- schloff«r Eugen Beyer in Coßmannsdorf festgenommen worden. Di« Sektion der Leiche findet heute statt." primitivsten Bedürfnisse großer Massen zu erfüllen. Da durchforscht denn mich die Kirche ihre Apotheke nach Heilmitteln, nm dfin drohenden Verderben, das ist dem Verenden des Kapitalismus, vorzübeugeir und ihr« scheu werdenden Schäflein, die sich das Märckien von der sozialen Mission der Kirche cinreden ließen, an der Leine festznhalten. Aber ach, >vas die Bischöfe an R^epten aufbringen, das sind die alten Halbheiten und Unzülänglichkei- ten; Mixturen, mit denen sie an der Oberfläche des totkranken Organismus der kapitalistischen Wirtschaft herumkurieren nröchte», ohne den Sitz der Krankheit erkennen zu wällen. Immerhin wäre ein ernsthafter Kampf gegen den Wucher anerkennenswert; allerdings müßten die Bischöfe in ihrer nächsten Nähe damit anfangen. Doch damit hat es seine guten Wege. In Oesterreich ist wie auch anderswo der Bankzinsfuß so hoch, daß er einem an den Darlehensnehmern geübten Wucher gleich kommt, doch siehe da, Präsident der österreichischen Nationalbenhei1 gegen die Absichten nach Herabsetzung der Soldatenlöhn« aus und schließen uns hiebei der Berwcchrung an, die der Vertreter unseres Klubs Senator I o k I und die Vertreter des Abgeordnetenklubs Heeg er und Kremser gegen dies« Maßnahme eingelegt haben Wir setzen als selbstverständlich voraus, daß die Zusage, di« der Herr Finanzminister in seinem Exposs gemacht hat, auch eingehalten werden wird und daß di« Jnvestitionsarbeiten im breitesten Ausmaß« ermöglicht werden. Ebenso halten wir es für unsere Pflicht, auch dies« Gelegenheit dazu benützen, um die Regierung auf den in erschütterndem Maß« steigenden Notstand aufmerksam zu machen, der in den deutschen Gebieten Böhmens, Mährens und Schlesiens angesichts der vermehrten Arbeitslosigkeit wahrzunehmen ist. Wir verlangen. mit allem Nachdruck, daß dem Ministerium für soziale Fürsorge für die Zweck« der Arbeitslosenunterstützung all« jene Beträge zur Verfügung gestellt werden, die angesichts des unerhörten Notstandes dringend notwendig find. Wir haben schon wiederholt die Gelegenheit wahrgenommen, um di« Regierung auf die fürchterliche Lage aufmerksam zu machen, in der sich unsere Selbstverwaltungskörper befinden. Seither hat diese Prekäre Situation noch «in« wesentliche Verschärfung erfahren und wir sind der Auffassung, daß rs jetzt hoch an der Zeit ist, die seinerzeit von der Regierung eingesetzte Kommission unverzüglich einguberwfen, um über jene Maßnahmen zu beraten, di« geeignet wären, diesem unheilvollen Zustande zu steuern. Wir wollen auch di« Gelegenheit nicht vorübergehen lassen, ohne festzustellen, daß die Handelspolitik der Tschechoslowakei nicht die richtigen Wege gegangen ist und daß sich auch hier Autarkiebestrebuugeu in einem Maß« geltend gemacht haben, die der Wirtschaft unseres Staates schweren Schaden zuze- fügt haben und für die Zukunft groß« Gefahren in fich.beiden. Die Devisenvorschriften, die bei uns erlassen wurden, werden vielfach mit den Maßnahmen begründet, di« auch di« andern Staaten vorgekehrt haben. Die Erfahrungen, di« wir seit Bestand dich'er Devisenvorschriften gemacht haben, reichen zu der Erkenntnis hin, daß auf diesem Gebiet« unbedingt in der nächsten Zeit Wandel geschaffen werden muß. Wir haben sicher volles Verständnis dafür, daß dem Schutz unserer Wurmig Opfer gebracht werden müsse«; wir wissen sehr gut, daß eine Inflation ein Verhängnis, vor allem ein Verhängnis für die Arbeiter und Angestellten dieses Staates wär« und daß di« Devisenwirtschaft zum Teil auch dem Zwecke gedient hat, um unser« Währung vor dem Verfall zu schützen. Wir haben aber aus der andern Seit« gesehen, daß di« Devisenvorschriften, ganz besonders aber ihre praktische Handhabung, vielfach zur Lähmung unseres Handels geführt haben. lassen haben, durch ein wirksames Gesetz diesem Preiswucher zu steuern und die Kartelle unter Kontrolle zu setzen, obwohl die Christ- lichsozialen, die im Nationalrat die Mehrheit haben, die Macht dazu besitzen? Was jedoch die bischöfliche Kundgebung zu einem bloß salbadernden Traktat herabdrückt, bestimmt, über das wahre Wesen der Kirche und ihrer Repräsentanten Täuschungen zu erwecken, das ist, daß in der Kundgebung nur vom Preis- und Zinswucher die Rede ist, obwohl es doch noch ganz andere Arten und weit schlimmere Formen des Wuchers gibt. Wissen die Bischöfe nichts vom Lohnwucher, der gerade jetzt in der Zeit der Krise in höchster Blüte steht? Die Herren mögen sich einmal aus ihren Palästen herausbegeben und Umfrage halten unter jenen, die überhaupt noch Arbeit haben, deren Lohne mit dem, was ein Mensch als Minimum einer menschenwürdigen Existenz benötigt vergleichen! Sie werden dabei die Erfahrung machen, daß der Lohnwucher, der auch schon in„guten" Zeiten üppig gedeiht, fetzt zur fürchterlichsten Verelendung der Arbeiter und Angestelften führt und daß den Unternehmern die Wirtschaftskrise die Handhabe geboten hat, ihre Arbeitssklaven mit Löhnen und Gehalten abzufinden, welche für sie und ihre Familien die schwersten gesundheitlichen und kulturellen Gefahren mit sich bringen müssen. Die Kundgebung der Bischöfe wird vollends als Augenauswischerei dadurch entpuppt, daß sie nur gewisse üble Erscheinungen beseitigt oder gemildert sehen möchte, nicht aber die Ursache, aus der sie mit Naturnotwendigkeit fließen. Auch wenn die Bischöfe den Wucher in allen seinen Formen verdammten und im Geltungsbereich ihrer eigenen Umgebung für seine Eindämmung sorgen würden, was bisher keineswegs geschieht, es wäre doch nur eine Halbheit, ein Kampf mit Sittensprüchlein gegen Auswüchse der' kapitalistischen Gesellschaftsordnung, nicht aber gegen diese selbst, gegen die anzustürmen der Kirche auch jetzt noch nicht im entferntesten einfälft. Die Bischöfe sehen nicht ein, daß es ein Widerspruch schlimmster Art ist, den sogenannten Zinswucher zu verurteilen, an den Grund- laqep der kapitalistischen Ordnung und der privaten Profitwirtschoft aber nicht im geringsten rütteln zu wollen. Den Wucher beseitigen, den Kapitalismus jedoch bestehen zu lassen, das ist ein ebenso vergebliches Be,pinnen, als wenn man einen blutlechzenden Tiger durch gütliches Zureden von den Vorteilen des Genusses reiner Pflanzenkost überzeugen wollte. So bleibt die bischöfliche Kundgebung nur eine fromm« Predigt, an der sich einfältige klerikale Schäflein erbauen mögen, die sozialistische Arbeiterschaft aber weiß, daß nicht Sittensprüchlein di« Welt zur Gesundung führen können, sondern nur der Umbau der kapitalistischen Eigentumsordnung in ein für alle Menschen wohnliches Haus, in dem es keine Ausbeuter und keine Ausgebeuteten g eben wird. (Benoffen! Xraori M Irtn«deoe«9ttt Snn VarteiavreieHen! Die Kellnerin Molly, Roman von Hans Otto Honet, Copyright ft) Fackelreiter-verlag. Berlin. Nachdruck verboten. Den Ausschlag gab der Sanitätsrat Fahsel- hold, der als Sachverständiger fungierte. Er be- daure die Oesfentlichkeit der Verhandlung, die es ihm verwehre, charakteristische Fälle der Psycho- pathia sexualis mit den nackten deutschen Worten zu kennzeichnen. „Volksfrcmde Elemente haben das deuffche Volk mit undeutschen Perversionen vergiftet. Erne der schlimmsten Perversitäten ist die Sucht, den Körper, dem nach göttlichen, sittlichen und ärztlichen Gesetzen die Bekleidung gemäß ist, nackr zu photographieren. Diese aktive Betätigung könnte man wissenschaftlich«irren optischen Sadis- urus nennen. Ihm verwandt ist der passive Wunsch, sich nackt photographiert zu wünschen. Ich nenne diese Perversität den optischen Masochismus. Mit Staunen niußten wir erleben, daß in unserer Stadt, die berufen ist, deutsche Zucht und Sitte als Grenzwall gegen slawische Unkultur zu befestigen, sich nicht nur Frauen finden, die sich nackt der photographischen Linse hingeben, sondern sogar auch Kinder. Es ist nicht meine Aufgabe, den Verführer zu richten, der dem optischen Sadismus entgegenkam. Als sachverständiger Wissenschaftler aber muß ich sagen: Videant eonsules!" Das Gericht erkannte die Brauchbarkeit dieser wissenschaftlichen Beweisführung an und verurteilte Wilhelm Brodecker. Allerdings nicht zur zulässigen Höchststrafe von fünf Jahren Zucht-' Haus, die der Staatsanwalt beantragt hatte, sondern nur zu einem Jahre Gefängnis. Frau Brodecker mußte ohnmächtig aus dem Gerichtssaale getragen werden. Herr Ballers aber, .der sich die Verhandlung gegen seinen störri schen Mieter angesehen hatte, erregte Heiterkeit mtt seinem Witzwort«: Der alte Bollbart ist in den April geschickt worden. Das Urteil wurde nämlich am 1. April verkündigt, und zwar nach Vorschrift im Namen des Volkes. Deutschland, Deutschland über alles...! Das Hohenzollern-Gymnasium in der Bismarckstraße, ein uralter Bau, der in früheren Jahrhunderten als Kaserne gedient hotte, repräsentierte für Schneidewald das Sinnbild unvergänglicher Würde. Die altväterlich anmutende Fassade, verwittert und abgebröckelt, wird links und rechts von neueren Großbauten flankiert, dem architektonisch prunkvollen Justizgebäude und dem schmuckloseren, aber nicht weniger gediegenen Provinzialgefängnis. Die Republik hatte dem Gymnasium nicht von den Ueberlieferungen genommen, durch die es in der verflossenen Monarchie sein Ansehen errang. Die Korridore und Klassenzimmer, von Jahrhunderten dunkel überkrustet und von alteni Preußengeist« erfüllt, erlebten auf einmal einen Lärm, der ihnen ftemd geworden sein mußte, seitdem in ihnen nicht mehr die Rekruten wegen mangelhafter Vaterlandsliebe gestäupt oder durch Spießruten gesagt wurden. Der Sturm, der einen Augenblick die ehrwürdigen Traditionen des Gymnasiums erschütterte, ging von der Spitzenklasse, der Oberprima, aus und fand in der Stadt selbstverständlich den lebhaftesten Widerhall. Der Klassenlehrer der Oberprima hatte in Hinblick auf das nahende Geburtstagsfejt des greffen Feldmarichalls Hindenburg seinen Schülern aufgegeben, das Vaterlandslied austvendig zu lernen. Eine Formalität, denn er setzte als selbstverständlich voraus, daß jeder■ deutsche Schüler, der die hohe Schule besucht und später i in jene Stellungen aufrückt, die das Vaterland seinen getreuen und studie'-ftn Söhnen Vorbehalt, das Deutschlandlied auch ohne pflichtmäßigen Zwang kennt. iRemals hätte er daran gedacht, die Schüler abzufragen, ob sie das Lied auch wirklich auswendig beherrschen. Um so mehr erstaunte der Studienrat, als während der Pause sein intelligentester und gutartigster Schüler an ihn herantrat mit der Bitte, vom Lernen und Singen des Deutschlandliedes befreit zu iverden. Wie jede Bitte, wollte der Studienrat auch diese grundsätzlich abschlagen, hieft es dann aber für pädagogisch richtiger, etwas näher aus den merkwürdigen Wunsch einzugehen. Warum der Schüler ausgerechnet das hohe Lied des Vaterlandes nicht mitsingen wolle? Der Oberprimaner vermutete Wohlwollen hinter der Frage des Lehrers und antwortete freimütig. Alle Raffen und Völker der Erde hätten doch gleiche Berechtigung, wie ja auch die christliche Religion befiehlt, alle Menschen ohne Unterschied mit duldsamer Liebe zu umfangen. Es ginge darum gegen sein Gewissen, wenn er singen müßte: Deutschland, Deutschland über alles! Getreu den Lehren, die er im Religionsunterricht der Schule empfangen habe, könne er das eine Land Deutschland nicht mehr liebe» als andere Länder, auch wenn das nur gedankenlos und mit den Äppen geschehen sollte. Deutschland könne ja nur dann über den anderen stehen, wenn die sich eine Zurücksetzung oder gar Unterdrückung gefallen lassen. Der Lehrer verwies den Schüler auf die Weltgeschichte, aus der man leicht die Friedensliebe Deutschlands ersehen könne. Umdroht von Erbfeinden, habe es um des lieben Friedens willen immer mehr nachgegeben, als die Selbstachtung zuließ. „Deutschland, Deutschland über alles, über alles in der Welt!" Hier sei keineswegs die Absicht kundgegeben, daß Deutschland über die anderen Böller herrschen wolle. Nur um die Feststellung einer Tatsache handle es sich. Es sei doch nicht zu bestreften, daß Wir fetzen also mit Bestimmtheit voraus, daß die Regierung schon in der allernächste« Zeit fich mit der Frage beschästigen wird, ob und wie die Deviscnvorschristeu gemildert werden solle», wenn deren dolle Beseitigung nicht im Bereich« der Möglichkeit gelegen sein sollt«. Bei allen übrigen Maßnahmen, die bi« Regierung zur Beseitigung des Defizits und zur Herbeiführung des Gleichgewichtes im Staatshaushalte ergreifen wir-, wir- st« zweifellos an der Tatsache nicht vorüber gehen können und dürfen, daß«in« weiter« Belastung der minderbemittelten Bevölkerung völlig anSgeschlossr» ist und vor allem di« Vermögenden und Besitzende» mit zur Tragung der Lasten entsprechend heran gezogen werde» mässe». Die Aufgaben der Sparkommission. Wir haben fest jcher den Standpunkt vertreten, daß«ine parlamentarische Kommission mit der Aufgabe betraut werden sollte, die ganze staatlich« Administrativ« zu kontrollieren. Wir begrüßen also-en Entwurf über die Spavkonmtission, der uns heute vovgetegt wird, wen» wir auch zum Ausdruck bringen müssen, daß wir mit einzelnen Bestimmungen des Entwurfes nicht ganz einverstanden sind. Wir wollen vor allem eine Mitarbeit der Opposition in-er Ersparnis- und Kontroll- kommsssion gewährleistet wissen. Die Ersparnis- und Kontrollkommission wir- unserer Auflassung nach ihrer Aufgabe nur-ann gerecht werden, wenn man ihr möglichst freie Hand beläßt, wenn man ihr die Möglichkeit gibt, sich mit allen Zweigen der Staatsverwaltung eingehend zu beschäftigen und überall-ort Wandel zu schaffen, wo es di« Sachlage erheischt. Wir rechnen auch zuverlässig damit,-atz die Ersparnis- und Kontrollkommission Anregungen gaben wird, wie«ine Verbilligung der Administrative herbeigeführt werden kann. Die Kommission wird sich vor allem mit dem Kapitel der Staatslieferuug«» beschäftige» und ihr Bestrebe» dahin richten müssen, in der bisherig«« Praxis und den bisherigen Methoden der Vergabe von Staatslieserungen«inen grundlegende« Wandel herbeizuführen. Was nun-en formellen Vorgang anbe- rangt, der bei der Beratung dieses Entwurfes beobachtet wurde, so halten wir den Borwurf für nicht unberechtigt,-aß zu den Vorberatungen dieses Eni» wuvfes die Vertreter des Senates hätten herangezogen werden müssen, da es sich nm eine Körpcr- lchast handelt, die von beiden Kammern de Nationalversammlung eingesetzt werden soll. Zum Gehaltsabhau. Und nun zur letzten und wohl bedeutungsvollsn Vorlage, die uns heut« zur Beratung vorgelegr wurde. Wir stelle« fest, daß di« s^ialdemokratisck t Partei sich jederzeit gegen Lohn- und Gehaltsabbau eingesetzt hat. Sie hat auch ihren Einfluß so weit wie möglich geltend gemacht, um den Abbau zu verhinder», und, da fich dies unter dem Zwange der Verhältnisse als unmöglich erwiesen ha«, wenigstens weitgehend« Milderungen und Verbesserungen des ursprünglichen Planes durch- zusetzeu. Der Sprecher unseres Mgeordnetenklubs Grünzner hatte Gelegenheit, bei der Verchand- lung dieses Gegenstandes im Abgeordnetenhaus den Standpunkt der Partei zum Ausdruck zu bringen. Wir schließen uns seinen Ausführungen vollinhaltlich an.(Beifall.) * Nach Schluß der Abstimmung, der auch Ministerpräsident M a l y p e t r und mehrere Minister beiwohnten, hielt der Vorsitzende Dr. Soukup eine Ansprache, in der er mit Befrie- digung konstatiert«, daß die Arbeitsmöglichkeiten I zum Beispiel die Franzosen unzüchtig, die Briten herrschsüchtig, die Russen schmutzig und nihilistisch, die Amerikaner geldgierig, di« Asiaten faul, di« Neger dumm seien. Wie hoch Deutschland kulturell stehe, könne man schon daraus ersehen, daß es die besten Lehrer, das tapferste Militär, die findigste Polizei und überdies den höchsten Seifenverbrauch von allen Völkern der Welt austveise. Kein verantwortlich fühlender Deutscher wolle mft diesen Vorzügen die Herrschaft Deutschlands über den Erdball geltend machen, aber diese Vorzüge erhöhen Deutschkind naturgemäß über andere Nationen.' Diese Erklärungen, fteimütiger als sie für einen Gymnasiallehrer und kaiserlichen Reserveoffizier zulässig sind, verfehlten ihre Absicht auf den Schüler. Er bat, ihm trotzdem das Singen, eines Liedes, das seiner Heber zeugung nicht entspreche, zu erlassen, und der Lehrer sagte mißmutig zu. Als der Primaner nach dem Klassenzimmer zurückgegangen war, erholte sich der Ordinarius von der Ueberrumpelung, und es kamen ihm Bedenken wegen seiner Nachsicht, die im Schulreglement keine Stütze findet. Er eilte zum Rektor, um sich Rat zu holen. Der Rektor rückte die Brille in die Stirn, um Erschrecken und Empörung ungehemmt seinen Augen entsteigen zu lassen. „Aber, Herr Kollege, sind Sie denn blind? Dieser junge Mensch ist ein räudiges Schaf, ein vom Liberalismus Besessener, ein Aufsässiger, ein Bolschewik! Sie verschwenden Ihre Güte, ivenn Sie ihm das hingchen lassen. Das Denffchland- lied, dos unsere Tapferen nnt siegreichen Fahnen durch die halbe Welt trugen, will das Herrchen nicht singen? Ein hoffnungsvoller Jüngling für- ivahr! Vielleicht werden Sie ihm morgen erlauben, die Marseillaise zu singen, oder sozialistische Flugblätter ans dem Schulhof zu verteilen. (Fortsetzung folgt.) Rr. 3G6 Donnerstag, 29. Dezember 1932 -eite 3 Nach Abfeuern von etwa 20 Gewehrschüssen ergriffen die Angreifer die Flucht, verfolgt vom Publikum. Einer von chnen konnte noch am Platze verhaftet werden, einem anderen gelang es, auf den Boulevard des Zar-Befreiers zu entkommen. Dort wurde er jedoch gestellt. Als er sich von einer großen Menschenmenge umgeben sah, begann er neuerlich zu schießen und schleuderte unter die Menge und Journalisten eine Bombe. Zum Glück sprang ein beherzter Mann binzu und riß aus der Bombe die Zündschnur. Er verhinderte so ein großes Blutvergießen, das die explodierende Bombe unter der dichten Volksmenge angerichtet hätte. In diesem Augenblick feuerte ein Gendarm einen Schuß gegen, den Täter ab und verletzte ihn schwer. Die Bilanz dieses neuen Zusammenstoßes zwischen den feindlichen makedonischen Gruppen sind also einToterund siebenSchwerverletzte. wird da geklagt, daß den Steuerbehörden dos Recht zur Vornahme von Haussuchungen und Leibesvisitationen zuerkannt wird und daß sogar die Steuerschuldner eingekerkert werden sollen. Dadurch sollen di« Schuldgefängnisse des Mittelalters wieder ihre Auferstehung feiern. Um zu beweisen, daß dies« kommunistische Auffasiung richtig ist, beruft sich Herr Reimann einerseits auf di« Handeskammerzentrale, welche in einem Be- ichluß festgestellt hat, cs geh«„nicht an, den Finanzämtern eine Machtvollkommenheit anzuvertrauen". Außerdem wird das„Prager Tagblatt" zitiert, das geschrieben hat, daß dem Spitzelwesen und Denunziantentum Tür und Tor geöffnet wird. Wir wundern uns sehr, daß sich der„Vorwärts" gegen Hausdurchsuchungen und Leibesvisitationen wendet. Wenn es den Steuerbehörden einfallen sollte, bei Proletariern Hausdurchsuchungen zu halten, so werden sie weder in der Schublade noch in der Tasche der Proletarier etwas finden. Dagegen ist es möglich, bei den Kapitalisten etwas zu finden. Warum wehrt sich die kommunistische Preffe dagegen? Welche Interessen vertritt da der Herr Reimann? Lacher, der Ue-ernat!oualift. Unter den Stimmen, welche sich ten zu entziehen und in die Hände der Lehrer und Bürger zu geben... Wie sich der Entwurf heute darstellt, ist er nur ein Versuchsballon, der uns allerdings in guter Richtung zu fliegen scheint." Herr Bacher will anscheinend der Arbeits- und Wirtschaftsgemeinschaft dadurch auf die Fuß- helfen, daß er die Hakenkreuzlrr im Nationalis- . mus übertreffen will! Sofia, 28. Dezember. Als heute vorntittags der Vorsitzende des Sobranje M a l i n o w in das königliche Palais berufen wurde, um seine Ansicht über die mögliche Lösung der Regierungskrise vorzubringen, kam es vor dem Gebäude zu einem Zusammenstoß zwischen zwei feindlichen makedonischen Gruppen. Die Anhänger Prologe r o w S unternahmen einen Angriff auf die Freunde Michajlows, wobei der Direktor des Blattes„Makedonia", Simeo Jevtimow, bekannt durch seine Beziehungen zur Fraktion Michajlows, gemeinsam mit seinen beiden Freunden durch zwei als Jäger verkleidete Pro- togerow-Leute verletzt wurden. Auch ein Beamter des Kriegsministeriums, der den Platz vor dem königlichen Palais überschritt, sowie drei weitere Paffanten wurden gleichfalls verletzt. Ein zwischen die Streitende« sich stürzender Polizist wurde durch einen Gewehrschuß getütet. StftbrnO-Prozco. Plaidoyer des Staatsanwaltes. Jglau, 28. Dezember.(Tsch. P.-B.) Zu Beginn des 46sten Verhandlungstages teilt der Vorsitzende mit, daß er das Beweisverfahren abschließe und forderte den Staatsanwalt auf, das Wort zu ergreifen. Hierauf erhebt sich um 9 Uhr 15 Min. der Staatsanwalt Mari a n k o zu seiner Rede, die den ganzen Tag andauern wird. Er verwies auf die prinzipiellen Fragen aus dem Dyma-Prozeß, ob sich die Angeklagten gekannt haben. Er befaßte sich sodann mit dem Untersuchungsausschuß, mit dessen Rechtsgrundlage, mit den Zeugenverhören, der Richtigkeit der stenographischen Protokolle, mit den Aussagen der Abgeordneten Stefane!, SpaSek und Koudelka und mit der Abstimmung im Ausschußplenum. Hierauf unterzog er die einzelnen .inkriminierten Aussprüche Sichrovflys einer Kritik und erklärte, Sichrovsky habe ausdrücklich verschwiegen, daß er der Vermittlerin: Waggongeschäft war und bezeichnete dessen Aussprüche in dieser Richtung als falsch. Er sei der Meimmg. daß es der öffentlichen Anklage nicht nur objektiv, sondern auch subjektiv gelungen ist, di« bewußte Unwahrheit und falsche Aussage Sichrovsky» zu beweisen. Hieraus wandte sich der Staatsanwalt dem Angeklagten Stkibrny zu und verwies auf die Punkte, deren er beschuldmt ist. Zunächst behandelte er den bekannten„Waggon-Kaufver- trag", die Waggonbestellung überhaupt und beschäftigte sich detailliert mit der Frage, ob es notwendig gewesen sei, die Waggons in Deutschland zu bestellen. Nach Unterbrechung beschäftigte sich der Staatsanwalt mit weiteren Beweisen, aus denen hervorgeht, daß der Angeklagte Sttibrny in die Waggonangelegenheit eingegriffen habe. Auf Grund der schriftlichen Dokument« erklärte der Staatsanwalt, daß Stkibrny den Vorgang bei dem Waggonkauf für sich günstiger dargestellt habe, als es tatsächlich war, und daß er mit der Angelegenheit in den Ministerrat erst dann kam, als sich die Oeffentlichkeit für die Angelegenheit zu interessieren begann. Im weiteren beschäftigte sich der Staatsanwalt mit den Aussagen des Jng. Krejsa, des Ina. Zama- zal, des L«vituS und mit der Person des Jng. Halik, der sich während seiner Amtstätigkeit bei der Bahn Millionen ersparte und der das verdächtige Memorandum erstattet haben soll, das in der Kanzlei Dr. SamalS überhaupt nicht übergeben wurde. Schließlich verwies der Staatsanwalt auf das Einschreiten Dr. Oberthors gegen die Waggonbestellung und auf die Ermäßigung um 30 Millionen, die von Stkibrny verlangt wurde, die aber in Wirklichkeit nur 11.5 Millionen betrug, obwohl dann die Provision der Vermittler noch-26 Millionen außer der Bankenprovision auSmachte. Im weiteren verwies Dr. Marianko darauf, wie Sttibrny bestrebt war, seine Behauptungen den Zeugenaussagen anzupassen. Schließlich ging der Staatsanwalt zum letzten Punkt der Anklage über, daß die Angeklagten einander kannten. Durch das Ergebnis des umfangreichen BeweiSverfahtxns sei diese Frag« positiv beantwortet worden. Di« beiden Angeklagten erklären aber hartnäckig, einander nicht gekannt zu haben. Beide verkehrten aber mehr als 25 Jahre mit P l e t)„ dessen Person in dieser Angelegenheit nicht' übersehen werden darf und dessen Unternehmungen beide Angeklagten besuchten. An Hand eines umfangreichen Verzeichnisses führte der Staatsanwalt sodann an, wo der Angeklagte Stkibrny die Unwahrheit gesprochen habe. Um 19 Uhr 15 beendete der Staatsanwalt seine Rede mit dem Antrag, daß die beiden An- geklägten im Sinne der Anklage verurteilt werden und daß der Verlust des Wahlrechtes ausgesprochen werde. Morgen um 9 Uhr wird die Verhandlung fortgesetzt. Es werden der Angeklagte Sichrovsky und nach ihm sein Verteidiger Dr. 6er» veny sprechen. Am Nachmittag wird der Angeklagte Stkibrny und dann der Verteidiger Dr. R a 8 i n sprechen, der seine Rede morgen wahrscheinlich nicht be P. C- zu den Vorlagen Stellung nimmt. Auch er ist der Ansicht(sowie die„Nürodni Listy"), daß. die Zett zu Schulreformen nicht geeignet fei.„Die GesetzeSvorschlägc", so schreibt er,„die Dorer bekanntgea.ben hat. sind ein Versuch, die Massen über den wirklichen Charakter des bestehenden Regimes zu täuschen, die Aufmcrksanikeit der Arbeiterschaft von den brennenden politischen und nationalen Fragen abzulcnken— haben aber gleichzeitig mit einer Lösung der nationalen Frage nicht das mindeste zu ttm." Weder die nationalistischen Rationaldcmo- kraten noch die„internationalen" Kommunisten werben der Bevölkerung einzuredcn imstande sein, daß man jetzt nicht Schulreformen machen könne, weil die wirtschaftlichen Verhältnisse schlecht sind. Mit diesen Vorschlägen werden nicht„die Maffen über d.n wirklichen Charakter des bestchettdcn R«gintes gctpus.bt werden," wie Herr Reimann sagt, aber die gleiche Argumen- tation von Nationalisten und Koniniunisten Werden die Massen über die objektiv- reaktionäre Haltung der kom- munistischen Partei aufklären. zum Do.rerschen Tchulge'etzentwurf äußern, ist die d«r „Bohrmia" vom gestrigen Tage besonders b«mer- kenswert. Unter dem Tit«l„Bon Autonomie weit entfernt" schreibt nämlich Abgeordneter Dr. Bacher:„Di« vom Schulminister Dr. Dorer angekündigten Entwürfe einer Schulreform sind'». von den, was sich die Deutschen unter einer tut-“ tu rollen Selbstverwaltung vorstollen, sehr weit entfernt." Er kommt dann dgrauf;n sprechen, daß die tschechischen Nationalsten ob der Geletzent? würse aufgeregt sind,„aber die Aufregung ist überflüssig", so meint Dr. Bacher,„denn Wa8 der Dereri'che Entwurf in'dieser Hinsicht bietet, ist überaus dürftig". Wie wenig sachlich diele Kritik des Vertreters der ArbeitS- und Wirl'chattsm'Me'nichast st lehrt am besten das was Herr Max Karg• int haken- kreuzlerischen„Tag" zu den Vorlagen de» Ichul- ministers lagt:„Es bandelt sich m Wesens um eine Befreiung der Schule von der politischen Bürokratie einerseits und den Ver'uch einer natio nalen Trennung der Schulverwaltung anderer- seits, wenigstens wweit sie das Volks, und Vür- «rschulwe'en berr'sstDer Plan de» Unter- richtSministers ist ohne Zweifel in der Tendenz( Hausern und Heilanstalten verhandeln." des Senates in der letzten Zeit^hlreicher waren, gut, die Schule den Händen der politischen Beam- Der Senat wolle in Hinkunft nicht nur mit der*—•-•■“*"»*"-- k:* k Regierung, sondern auch mit dem Parlament engeren Kontakt bollen. Dr. Soukup gab der Ucberzeugung Ausdruck, daß di« Regierung systematisch und entschlossen alles durchführen werde, was das Ttaatsintereffe kategorisch verlangt, und daß wir in dem Kampfe um di« Erhaltung unserer Währung siegen wer den. Wir kämpfen auch darum, erklärte Soukup, daß die öffentlichen Lasten gerecht und proportio- nell aufgeteilt werden, wir kämpfen u m A r b e i t und Brot für alle Schichten der Bevölkerung. Ferien rar Regierung und Noilonshersammionl Der Senat vertagte sich hierauf voraussicht lich bis Mitt« Jänner, bezw. bis zur Vorlage der angekündigten Gesetzen Mir rs«, die die allge mein« Herabsetzung des Zinsfußes und der Preis« gewiffer wichtiger Produkt«, wie Kohle, Eilst» uisw. einleiten sollen. Nach dem morgigen Ministerrat tritt auch für die Mitglieder der Regierung eine längere Arbeitspause ein, di« voraussichtlich bis zum 9. Jänner andauern wird..- Schießerei vor dem Sofioter Königspalast. Zwischen zwei feindlichen Gruppen von Mazedoniern. Woher die Kommunisten ihre Weisheit haben! Aus dem„Prager Tagblatt" und der Handel-kammerzentrale. Wir berichten an anderer Stelle darüber, daß sich in der kommunistischen Preffe Herr Paul Reimann mit den Gesetzentwürfen des Schul- ministeriumS beschäftigt. Es geschieht dies in einem Leitartikel, dessen Ueberschrift„Dörers Schulautonomi« und die Werktätigen" lautet. In diesem Artikel befaßt sich Herr Reimanrr u. a. auch damit, daß— die Steuerbehörden augen blicklich die Steuern rücksichtslos eintreiben. Es muiiiiiuiiiiiiiniHiiiiiiniiiiiiiiiiinniuniiniiiiiiiiiinnuiiiiiniiiiitiiiiiiiiniiiiiniiinHiiiniuiiiiHiiiiuiiniiimiiinHniuHiiiiiiiiiiiiiinHiniiiHiiiininiiiiHnninniiiiiiiiiniiiiiimimiiiHiHiiiiiiHiiiiiiiiiiiiiiin Jieilfürsorge für Arbeitslose und ihre Familien. Vorwiegend aut private Opierwilligkeit auigebaat. Prag, 28. Dezember. Das Problem der> Heilsürsorg« für ausgesteuerte Arbeitslose tvar bereits wiederholt Gegenstand von Enqueten der beteiligten Ministerien und der Vertreter der Aerzteorgan'isalionen, der Krankenversicherungs anstalten und der verschiedenen freiwilligen humanitären und charitativen Fürsorgeorgani sationen. Es handelt sich darum, für die aus gesteuerten Arbeitslosen und ihrer Familien im Falle der Erkrankung wenigstens die ärztliche Behandlung und die Beistellung der Medikament« zu sichern; dabei kommt natürlich der Frage der Beschaffung der Mittel für diese Aktion entscheidende Bedeu tung zu. Angesichts des Umstandes, daß die zur Verfügung stehenden öffenllichen Mittel schon für die bisherigen Hilfsaktionen kaum hinreichen, war an eine größere Subventionierung ans staatlichen Budgetmitteln von vornherein nicht zu denken. Diese Hilfsaktion soll daher in der Hauptsache auf freiwillige und möglichst Unentgeltliche Mitarbeit der A«rzte, der öffent lichen Krankenhäuser und der Krankenverstche- rungsanstalten sowie aus Beiträge der Gemein den, deren Armensürsorge durch die Aktion wenigstens tettweise entlastet wird, und endlich auf das Erträgnis von Sammlungen, Subskrip tionen usw. aufyebaut sein; die Medikament« sollen von den Apotheken zu möglichst niedrigen Preisen geliefert werden. Ein vielversprechender Anfang wurde mit dieser Aktion bereit» im Teplitzer Bezirk gemacht; die dort erworbenen Erfahrungen wurden im Fürsorgeministerium, das die Zen tralstelle für diese Aktion darstellt, entsprechend berücksichtigt. Der heutigen Enquete im Fürsorgemini sterium konnten bereits gewisse Richtlinien und ein Orgauisationsstatut vorgelegt werden, die das Fürsorgeministerium ausgear beitet und den politischen Behörden mit der Wei sung zugeschickt hat, darnach in jedem politischen Bezirk ein„Bezirks- komitee für die Heilfürsorge für Arbeitslos« und deren Familienangehörige" derart zu kon stituieren, daß di« Aktion bereits ab 15. Jän ner 1983, also noch in der für die Arbeitslosen schlimmsten Winterszeit, wirksam werd«« könnt«. Zur Hilfe und Mitarbeit sollen nicht nur die breiteste Oeffentlichkeit, sondern auch alle Ein zelpersonen und Vereinigungen herangezogen werden, deren Berus und Aufgaben die wirksame Unterstützung dieser Aktion ermöglichen. Die B^irkSkomitees, in di« daS Schwer gewicht der ganzen Aktion verlegt, wird, sind insbesondere berufen, bei d«r Organisation des kostenlosen ärztlichen Dienstes mitzuwirken, di« Kranken einer bestimmten Heilbehandlung zu überweisen. Vorsorge für«ventuelle häuslich« ärztlich« Behandlung zu treffen, die kostenlose Aussolgung der notwendigen Heilmitt«! zu orga- ' nisieren und— nicht in letzter Linie—? für die Aufbringung Von Geldmitteln im W«ge der privat«« Wohltätigkeit, durch Subventionen, Sammlungen usw. zu sor- ! gen. Das Komitee wählt Unterausschüsse für I Finanzen und die eigentliche Heilfürsorge. Zu den ersten Aufgaben der neu geschaffenen '>'ezirk«komiteeS gehören insbesondere die Sicher« - stillung d«S ärztlichen Dienstes für die ambulante > Behandlung sowie der erforderlichen Ordinations räume, die Organisierung der sreiwilligen Mit- nrbeit der lokalen Aerzte. Krankenversicherungs anstalt««, sozialärztl'chcn Beratungsstellen sowie der finanziellen Mittel. Zur Durchführung dieser Aktion wird außer dem beim Fürsorgeministerium«in Zentral- (betrat errichtet. Ausgabe des ZentralbeirateS wird eS sein, mit den maßgebenden Faktoren zweck» Unterstützung der Aktion' in Verbindung zu treten, die Richtlinien für die Heilfürsorge auSzuarbeitrn und auf deren Durchführung in den einzelnen Bezirken zu achten. Auch soll der Beirat mit dem Gesundheitsministerium die Frage der an'bnlanter Heilfürsorge für den oben bezeichneten PersünenkreiS in den Kranken- Der erkrankte Arbeitslose, der diese Aktion in Anspruch nimmt, hat nachzuweisen, daß er im ArbeitslosenverhAtniS stand und gegenwärtig arbeitslos ist. Heimarbeiter sollen sich mit einer Bestätigung des Gemeindeamtes ausweis««, daß sie kein« selbständigen Gewerbetreibenden sind. Die Anweisungen an den Arzt sind von der Gemeinde bezw. der Amtsstelle für ArbeitS- losenfürsvrg« auSzustellen. In den Richtlinien wird jedoch ausdrücklich betont, daß beim Abverlangen dieser Nachweise liberal Vorzug e h« n ist, besonders wenn eS sich um den Fall erster Hilfe handelt. •■ 4* In der heutigen Enquete im Fürsorgeministerium entspann sich nach dem einleitenden Referat ein« längere Debatte, in der von verschiedenen Seiten daraus hingcwieseu wurde, daß Umfang, Jnteiksitäi und Tauer der Arbeitslosigkeit derartig sind, daß man allein mit charitativen Mitteln, wie sie hier in Aussicht genommen sind, die gestellt« Ausgabe nicht voll wird erfüllen können; eS wird sich in erster Linie darum handeln, zunächst nach Möglichkeit Abhilfe zu schasten. Im großen und ganzen stimmte die Enquete den vorgelegten Richtlinien zu. Alle Redner erllarten, Saß sie zur Zusammenarbeit auf dieser Basis bereit seien und alles daransetzen werden, um di« Anregungen des Ministeriums nach Möglichkett in die Tat umzusetzen. Es wurde auch verlangt, daß man die ganze Aktion nicht allzu straff zentralisieren, sondern den Bezirkskomitees mit Rücksicht auf die großen Unterschied«, die zwischen der Großstadt und d«n Industrie- und Landbezirken gerade bezüglich der Arbeitslosigkeit bestehen, möglichste Freiheit einräumen soll«. Auch diesbezüglich machte Minister Genoss« Dr. C z e ch sn seinem Schlußwort bestimmte Zusicherungen. nniiiiiiiiiimniniiimiiinninuiiiiiniiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiitiiiiHiiiiiiimiiiiiiiiiiiiiHiiiiiiiniiiiiiiiiin Juda verreüe- Juda erwache... Der jüdisch-zionistische Wehrverba n d,„Brit-Trnmpledor" hat eine Anzahl «hemaliger deutscher Offiziere als Instrukteure e i n a e st e l l t. Unter ihnen befinden sich, nach den Mitteilungen des Berliner „Politischen Pressedienstes", Offizier«, di« bisher der SA. als Unt«rführ«r angeh ort haben. Der ,>Br!t-TruinPledor" ist ein m Palästina bestehender jüdisch-nationalistischer Wehrverband, der die jüdisch« Jugend Palästinas gegen di« Araber„ertüchtigt", Deutschland haben die setzt im„Trumpledor" instruier«nden SA.-Offi- zieve ihre Nazijünglinge gegen die Juden gedrillt. Deutschland erwache— Jrcha verrecket Jetzt lehren dieselben SA.-Leute in I e r u* iaIem d«n Schlachtruf:„Juda erwache!" Seite 4 DormerStag, 29. Dezember 1832 Nr. 806 T agesneuigkeiten Zwei Kinder im Bett»ernannt Berlin, 27. Dezember. Di« Wohnlaube des Arbeiters Ehelebcn in der Kolonie Katzenstein, Landsberger Chaussee, geriet heute gegen 22 Uhr in Brand. Als die Feuerwehr eintras, war es nicht m karte gelöst hatte. Bei seinem Verhör« nannte er die Anschriften zweier Diänner und so konnten noch in derselben Nacht das Fahndungskommando und di« Gendarmeriepoften von Bensen und Steinschönau den Franz G ö r n« r und Heinrich Lerche aus Parchen-Scholten verhaften. Bei letzteren wurden auch Münzwerkzeug« beschlagnahmt. Insgesamt sind gegen 70 falsche Zehnlronenstücke ausgegeben worden. Ein Goldmacher vor Gericht. Am Freitag wurde in Paris der Prozeß gegen den polnischen Ingenieur Dunikowsti wegen Bertrauensmißbrauches und Betrugs begonnen. Tunikowski, der einer bekannten polnischen Chemikerfamilie entstammt, nahm sowohl von Einzelpersonen als auch von verschiedenen Gesellschaften große, in die Millionen gehende Summen entgegen und versprach dafür, auf chemischem Weg« aus Quarz Gold zu gewinnen. Bor einigen Monaten erteilte das Gericht die Bewilligung dazu, daß Dunikowfki an Hand eures vor einer dreigliedri- gen Sachverständigenkommission durchgeführten Experimentes den Wahrheitsbeweis erbring«. Dunl- lowski hat damals sein Experiment nicht abgeschlossen, sondern erKärt, daß er nicht geneigt sein Geheimnis Sachverständigen preiszugelbe», die für«im Konturrenzgruppe arbeiten. Alle drei Kom- missionsmitglicder erklären aber nun, daß di« Versuche, Dunikowffis überhaupt keim« wissene'chaft- lichen Charakter haben, und daß«s sich um nichts anderes als um«inen Betrug Handl«. Ausgabe von Jahres- und Halbjahrrskartru. Die Staatsbahndirektion in Prag meldet, daß für die Ausgabe der Karten folgende Amtsstunden fest- ! gesetzt wurden: vom 2. bis 5. Jänner 8 bis 12 und 14’ bis 17 Uhr; am 7. Jänner 8 bis 18 Uhr; vom' 9. bis 18. Jänner 8 bis 12 und 14 bis 17 Uhr; am 14. Jänner 8 bis 13 Uhr; ab 16. bis Ende des MonatS 8 bis 13 Uhr.(An Sonn- und Feiertagen wird nicht amtiert, an Samstagen immer nur von 8 bis 12 Uhr.)— Gleichzeitig wird bekannt gegeben, daß die Ausgabe dieser Karten nur aus dem Masarykbahnhof, 1. Stock, oberhalb der Restauration 2. Klasse, Eingang von der Hybernskk, erfolgt und daß persönlich bestellte Karten womöglich sofort, eventuell in einigen Stunden, bei besonders zahlreichen Bestellungen spätestens aber am nächstfolgenden Tage ohne jegliche Nebengebühren erfolgt. Schriftliche Bestellungen aus der Provinz können entweder durch VermitUung des dem Besteller nächsten Stationsamtes oder direkt bei der obgenannten Ausgabestelle erfolgen; sie werden von dem nächsten StationSamt ausgehändigt. bis 200.000 Franken haben, und 30 mit 200.000 bis 300.000 Franken, ja es gibt sogar 24 nur mehr als 300.000 Franken Jahre^inkonnnen. Die letztgenannten 24 verdienen" zusammen 14.6 Millionen Franken oder im Durchschnitt 600.000 Franken per Jahr. Einige Hundert nehmen also von der Wirtschaft wahnsinnig« Summen, einige Tausend schöpfen überreichlich und die anderen, die Hunderttausend« müssen mit dem Rest oder mit gar nichts vorlieb nehmen. So ist es in der Schweiz, so ist es in der Tschechoslowakei, so ist es in Deutschland, so ist es überall. Und da gibt es noch immer Menschen, die fragen: warum Not, warum Hunger? Berhaftetr Falschmünzer. In Nisderebersdors zahlten bei einigen^Gastwirten zwei Männer mit 100 fest, so beträgt die Verhältniszahl der Lohnkosten in der Tschechoslowakei bloß 66, in Belgien hingegen 104, in Frankreich 101, im Saargebiet 100 und in Holland 90. Di« Lohnkosten pro ab- satzfähige Tonne Kohle samt sozialen Lasten sind daher in der Tschechoslowakei um ein ganzes Drittel niedriger als in den meisten übrigen Kohlenländern. Angesichts dieser Tatsachen werden es die Unternehmer nicht wagen können, von der Berechtigung eines Lohnabbaues auch nur zu sprechen. Aber auch im Verhältnis zum Kohlenst r e i s sind die Lohnkosten sehr gering. Auf dem staatlichen Hedwig-Schacht in Seestadt! z. B. betragen die Lohnkosten bei einem Kohlenpreis ab Schacht von-7.80 K und bei einem Verkaufspreis von 22 bis 23 K pro Meterzentner in Prag bloß 88 Heller. Auf dem Barbara-Schacht in Katzendorf beträgt der Kohlenpreis ab Schacht für Mittel-II-Kohle 9.96 K, der Lohnanteil bloß 3.11 K. Auf dem Adolf-Marie-Schacht in Katzendorf beträgt der Kohlenpreis ab Schacht für Mittel-II-Kohl« 10.72 K, der Lohnanteil bloß 2.62 K. Der Lohnanteil beträgt im allgemeinen auf allen Gruben nur mehr einen geringen Bruchteil des Kohlenpreises, so daß selbst von einer empfindlichen Herabsetzung der Löhne eine Verbilligung der Kohle nicht zu erwarten wäre. Einer Forderung der Unternehmer nach Lohnabbau werden sich daher die Bergarbeiter mit allen'Kräften zur Wehr sehen, da ihr jede Berechtigung fehlt und die Bergarbeiter eine Verschlechterung ihrer Lebenshaltung nicht ertragen. mit fest, so beträgt die Verhältniszahl der Lohn- Ile Lohnkosten im Kohlenbergbau. In der Tschechoslowakei um ein Drittel niedriger als anderswo. Ueber die Lohnfrag« in unserem Kohlenberg- bau führte Genosse Pohl auf der Reichstonfe- renz der Bergarbeiter am 1. Dezember aus, daß die L o h n k o st e n eine ständig sinkende, die L e i st u n g hingegen eine ständig steigende Tendenz ausweis«, das heißt, daß der Anteil des Arbeitslohnes an dem Produkt stets geringer und die Lohnkosten im Verhältnis zum Kohlenpreis immer kleiner und von immer untergeordneter Bedeutung werden. Dennoch sind die Unternehmer immerzu bestrebt, di« Löhne noch weiter herabzudrücken und die Leistung noch mehr zu steigern. Im Vergleich zu den wichtigsten kohleproduzierenden Ländern sind die Lohnkosten im rschecho- uowakischen Kohlenbergbau ganz besonders Niedrig. Nach den Erhebungen des Internationalen Arbeitsamtes betragen die Loh n^k ost en einschließlich der sozialen f fähiger Kohle in: England.... Deutschland... Frankreich.... Belgien..... Holland..... Tschechoslowakei.. Setzt man di« Lohnkosten in Der Narr als Impresario. Keinem ernsten I bis 100.000, 125, die ein Einkommen von 100.000 Menschen- würde es heute einfallen, sich des! annnnn r'~—*--*■—-----—---— größenwahnsinnigen Holzsägers von Doorn zu i erinnern, hätte nicht ein dem ehemaligen Rede-! kaiser Geistesverwandter in romantischer Weise s versucht, in den Schloßgarten von Toorn einzu dringen. Längst schon galt Wilhelm als voll- ständia erledigte Gestalt, seine Rolle übernahmen> seine Söhne, die seiner Sucht aufzufalleu und sich 1 zu blamieren, in nichts nachsteheu. Aber da ein geistesschwacher Tropf in seinen Garten drang, hat die Schmockpresse Stoff für ellenlange Ab handlungen über das Leben und Treiben des früheren deutschen Kaisers, der Deutschland in soi schmachvoller Weise verließ und heute auf Kosten\ des deutschen Volkes das Lebens eines Per- i schwenders führt. Bilder aller Art tauchen auf,' di« den abgetackelten Hohenzollern wieder populär. machen Men. Bilder mit und ohne Hermine,' Zchnkronechtucken, von denen em Gastwirt dw Echt- Bilder aus längst vergangenen Tagen, die freilich! v^l^»ochtragllch anKveqe.t« mW em«>tück der mehr grotesk wirken als ernste Gefühl« hervor-! über^o. Hur wurde e,ne gut gelun- rufen. Was ist der Mann, den man dem Publi-; festgestellt Die sofort erngeleiteten kum neuerlich ins Gedächtnis zu prägen der-! ergaben, daß Kver Manner mit den sucht? Nichts anderes als ein eitler Ätarr,. der i^p.fckaten gezahlt hatten. Tie werteren Nachsor- sich von einem zweiten Narren der Welt, bevor! am Bahnhofe tu Bensen führten im Zug« er dauernd von der Bildfläche verschwillt, noch 1^'^^erpa Bech^mngves Josef Kuh- ch-l«, W«-----«•***»«Wen.;»«.*5™"*<£«“ES Lasten Pro Tonn« absatz- . 14.8 Goldfranken . 11.2 . 14.4 . 14.8 . 12.2 9.42 tieven ließ. Sewjetpäss«. Eine jetzt herausgegckbenr Moskauer Regierungsverordnung schreibt zwecks besserer Registrierung der Bevölkerung in- den Städten, ArbeitersiediunFM und Neubauten die Einführung eines einheitlichen P a ß s y st e m s in der ganzen Sowjetunion vor. In der Verordnung wird darauf hingewiesen, daß alle Bürger der Sowjetunion von ihrem 16. Lebensjahre ab, die ständig in Städten und Arbeitersiedlungen leben und im Transportwesen, auf Sowjetgütern und Neubauten arbeiten, verpflichtet sind, Pässe zu haben, die in diesen Orten das einzige Dokument sind, das die Persönlichkeit des Besitzers beglaubige. Zur unmittelbaren Leitung der Einführung Maßnahmen des Paßsystems und zur allgemeinen Leitung der Arbeiter- und Bauernmiliz verordnete die Regierung die Schaffung einer Hauptverwaltung der Arbeiter- und Bauernmiliz bei der Bereinigten politischen Staatsverwaltung. Zum Chef dieser Hauptverwaltung lvurde Prokowjew ernannt. Schweizerisch« Millionäre. Nach einem Ar^ tikel des„Volksrecht", Zürich, zählt man gegenwärtig in der Schweiz schätzungsweise 2000 Millionär«. Das sind also Leut«, di« mindestens ein Einkommen von 1,000.000 Schweizer Franken (6.5 Millionen K6) besitzen. In der Stadt Zürich allein befinden sich 400 Millionäre, die zusammen über«in Vermögen von mehr als einer Milliarde Franken(6.500,000.000 K5) verfügen. In der Umgebung von Zürich aber dürften sich noch einige hundert Millionäre auchalten, weil dir ganz reichen Leute vnd besonders jene, die sich aus Gründen der. Sicherheit in der Schweiz angesiedelt haben, nicht in der Stadt Zürich, sondern am Zürichsee ihre Besitzungen haben. In Basel Stadt gibt es an die 500 Ganz- und Halbmillionäre, mit einem einbekannten Vermögen von zusammen 650 Millionen. Das sind 45 Prozent des Gesamtvermögens in der Stadt Bafel. Menschen mit mehr als 100.000 Franken Einkommen zählt man in der Schweiz gegen 6000. In Zürich sind 300 Steuerpflichtige mit einem Einkommen von über 100.000 Franken und jene, die zwischen 50.000 und 100.000 Franken„verdienen", zählen über 400. Bon 71.000 Einkonr- mensempfängern des Kantons Basel-Stadt haben 53.000 weniger als 5000 Franken im Jahr Einkommen, daS find also drei Viertel aller Einkommensbezieher, dagegen sind 817, die zwischen 25.000 und 50.000 Franken erhalten, AL von 50 Skikurse. „Beuge Unfällen durch Schulung vor." Aus dieser richtigen Erwägung heraus veranstaltet der Tönristenverein„Die Naturfreunde', Bezirk Aussig, am Neujahrstage beim Naturfreundehaus Nollen-dorf j« einen Skikürs für Anfänger, Fortgeschrittene und Kinder, verbunden rnrt stigymnastischen' Hebungen. Die Kurs« sind allgemein zugänglich und kostenlos; es wird lediglich ein« Einschreibgebühr von 1.50 K für Mitglieder und 3 K für Nichtmitglieder eingehoben. Vorherige sofortige Meldung erforderlich an Herbert I u g«l, Aussig, Marktplatz 11 .- weiteren Worte-es Dichters Laweniel. Thea R e i m a u u. Seite 8 Donnerstag, SS. DezemSer 1932 Nr. L-.6 PBAOEH ZEIHJMG. Die Heimkehr der Haidaer Fürsorgeünder. Im„Nordböhmifchen Bolksboten" finden wir die nachstehende Zuschrift ans Haida, die auch in Prag Interesse finden und Freude auslösen wird: Haida.(Die Heimkehr d c r F ü r- sorgekinder) aus Prag war ein Ereignis. Dienstag, den 20. Dezember, war die Ankunft angesagt. Die Ntern der Kinder mit andern Fvomrven und Bekannten aus allen den Tör- fvm der Umgebung hatten sich rechtzeitig ein- gefunden und warteten nun mit großer Sehnsucht auf den um halb sieben Uhr cintreffenden Zug. Ohne Verspätung traf er ein und schon sah man durch die hÄlevleuchtetcn Fenster die freudigen Kindergesichter und hört« die jubelnden Kinderstinrmen, die, als sie die Heimat spürten, nicht nrehr zu bändigen waren. Das war ejn Lachen und Weinen beiderseits, als die Kleinen nicht nur wohlgenährt, sondern auch wohl gekleidet und mit Paketen beladen, die auf reiche Beschenkung schließen ließen, aus dem Zuge stiegen, das war ein Umarmen, ein Küssen, als die Eltern nach fünfwöchentlicher Trennung ihre Kinder wieder sahen und di« Kinder ihre Eltern. Die Präger Luft hat den Kindern gut getan, aber noch mehr die glänzende Verpflegung bei den Pflegeeltern, dw alles aufge- botcn haben, um den Kindern das Leben angenehm zu machen. Ein Akt schönster Solidarität hat sich da abgespielt, als ein glänzendes Zeugnis des Mitgefühls, das sich dä für die notler- dendc Glasarbeiterschaft des! Haidaer Gebietes zeigte. Für Eltern und Kinder wird dieser große .Humanitätsakt em Ereignis bleiben. Den Prager Genossen gebührt der beste Dank für ihr großes Werk, das sie den Kindern der Glas- «nbeiter gegenüber getan haben. * Die Prager Genossinnen und Genossen, welche die Haidaer Kinder betreut und liebgewonnen haben, freuen sich außerordentlich, daß cs den Kindern in Prag aut gefallen hat und daß auch den arbeitslosen Eltern damit— wenn auch nur ein wenig— geholfen wurde. Geriditssaal Heiratsschwindler von heute. Prag, 28. Dezember. Wer die romantische Vorstellung hegen sollte, daß der Typ des erfolgreichen Heiratsschwindlers durch dämonisch« Don-Juan- blestalten repräsentiert wird, irrt sich gröblichst. Wir loben in. ejnrr nüchternen Welt und dl« Unter- nchmer dieses unsauberen, aber einträglichen Gewerbes appellieren keineswegs an di« weibliche Sehnsucht nach der großen Liebe, sondern an das weibliche Bersorgungsbedürfnis. Ausi'hmeir bestätigen eben nur die Regel. Wer diesen Umstand im Auge bchäli, wird sich nicht darüber wundern, wenn unter der Airklage des Heiratsschwindels Leut« vor Gericht erscheinen, die auch nicht im allermindesten der landläufigen Vorstellung eines Verführers und Herzensbrechers entsprechen. Heute erscheinen zwei solcher Typen vor verschiedenen Strafsenaten des hiesigen Kreis, gerichtes. Der eine Angeklagte ist 46 Jahre alt und schielt in geradezu phantastischer Weise. Der andere zählt 39 Lenz« uird ist gleichfalls ein Mensch höchst widerlichen Aussehens. Dennoch haben beide Kavalier« viele tankende Kronen von vertrauensseligen„Bräuten" herauSgelockt. Es waren Menschenkenner und wußten, welcher Schlüssel die weiblichen Herzen heutzutage öffnet. Beide manövrierten ihren Opfern gegenüber mit der Vorspiegelung, sie feien Staatsbeamte„unter Pension". Dieses Zauberwort wirkte Wunder. Willig gaben die leichtgläubigen Frauen ihre letzten Groschen her, um den Her kranke Slempelbrnder. SPD. Beim Aufstehen tat ihm schon der -eib weh, doch er sagte sich, das wäre weiter nichts als das lästige Gefühl des Hungers- Man hatte ihm von Kindheit an eingeprägt, daß man sich in solchen Fällen ruhig der Hand des Höheren überlassen solle. In der Kinderstube war das der Vater getvesen, in der Schule der Liebe Gott. Wer aber würde ihm nun helfen? Als er sich im Arbeitsamt noch schlechter fühlte, fragte er einen andern Wartenden, was cr tun falle. Dieser antwortete ruhigen Gewissens, er wisse einen Arzt, mit dem er befreundet sei, der kuriere alles mit Psychoanalyse. Das letzte Wort konnte sich unser Stempelbruder nicht merken, doch den Namen und die Zldreffc des Arztes merkte er sich nnd ging hin. Dieser Arzt sah ihm minutenlang in die Augen und erkundigte sich nach seinen ersten Liebeserlebnissen und den erotischen Eigenarteit seines Vaters. Darauf erhielt er kein« Antwort. ^Junger Mann", fuhr der Arzt eifriger fort, „toi« es scheint, sind Sie nicht verheiratet? Wie .,. Eine Freundin haben Sie auch nicht? Wie ... Also, Ihr Fall ist sonnenklar! Sie brauchen ein« Frau! Jawohl! Eine nette, hübsche, heitere Frau! Wie?" Den» Stempelbruder tat der Leib so weh, daß er vorzog, sich zu verabschieden und geraden ,^>ensionsberechtigten" Bräutigam nur ja festz uh alten. Solche Prozesse erfordern ein umfangreiches Beweisversaihren, da der betvcsfend« Bräutigam stets mit der bequemen Ausrede auswartet, es Handl« sich um„fr e i w i l l i g e Geschenke" und über solch« Zuwendungen natürlich fast nie schriftliche Abmachungen getroffen werden. So wurden auch die heutigen zwei Fälle vertagt. Bemerkenswert ist mir, daß die diversen her eingelegten ,^Bräute" aus dem Korridor vor dem Gerichtssaal große Lust bezeigten, sich gegeirseitig in die Haare zu fahren, ich. Exekution. Prag, Dezember. Eine Angeklagte und zwei Zeugen. Tie Slarklage lautet auf versuchte Ereku- tionsvereitelung, gefährliche Drohung und versuchte Beveiteluirg einer Amtshandlung. Auf der Anklagebank sitzt ein armseliges Geschöpf,«in altes Weiblein in Kopftuch und armseliger, oft geflickter, aber sehr sauberer Kleidung. Ein kleines, abgezehrtes, hungri. gcs und veräuMgtes Gesicht blickt unter dem grauen Kopftuch hervor. Was die Hauptzeugen betrifft, deren Amtshandlung vereitelt und die„g«fährlich bedroht wurden, so erscheint zunächst ein Herr, der amtlich« Würde im Gesicht und einen fterfen Hut in der Haiw trägt. Der Herr Exekutor.— Der zweit« Zeuge aber ist ein Gendarmeriewachl- meister, ein„Melvsch wie«in Berg", wie man im Tschechischen sagt, ein Mann von unheimlichen körperlichen Dimensionen, neben dem di« Angeklagte verschwindet, wie eine SchroKugel neben einem Fußball. Man bedauert unwillkürlich, daß es nicht möglich ist, solche Gerichtsszenen photographisch festzuhalten. Solch« Momentbilder würden ungeahnte Effekte erzielen. Der Sachverhalt ist einfach: Man wollte in dem kleinen, ölenden Haus der Angeklagten eine Pfändung vornehmen. Sie geriet außer sich und wehrte sich, wober sie mit Schimpfreden nicht sparte. Unter diesen Schimpfreden waren auch„gefährliche Drohungen". Nun— so schnappte eben die Justizmaschineri««in und das weitere ergab sich dann ganz von selbst bis zum Schlußpmckt: drei Monat« schwer«» Kerkers bÄsingt aus«in Jahr. Kunst und Wissen »Sn den Logen wird serviert Aus-er Kanzlei des Neue« Deutsche« Theaters erhalten wir u. a. folgend«,.zu veröffentlichende Mitteilung: " Tas Theater als Bar. Silvester sMa chlv sr st-eÄ lltng— Nen«s Theater— Die Wunbev-Bär— Tanzparkett auf der Bühne— Internationale Attrak» t ton en und die elften Mitglieder des Ensembles wirken mit.— In den Loge« wird serviert. Z iv i l e P r« i s«.— Bars in de« Paükrtt. Umgängen und auf der Bühn«— die gemütlich«, stimmungsvolle Silvesterfeier vereinigt Bühne und Publikum— Preise von... Das repräsenlative sudetendeutsche Theater —„als Bar"! Weder vorgefühlte Silvesterlaun«,'noch die geschäftliche Spekulation auf sie können das entschuldigen; könnten es nie, am allerwenigsten aber auf dem Tiefpunkt einer Kris«, von der die in den Logen beim Champagner reden werden, während die draußen an ihr verhungern und erfrieren. Mit weniger Gefühl und Geschmack kann ein Haus, das Goethe, Beechoven und Mozart geweiht ist, das W a g n e r-Jahr nicht über die Schwelle treten lassen. Arbeitervorstellung:„Figaros Hochzeit", di« reizend« Mozart-Oper, ucueiustudiert und neuinszeniert, am Sonntag, den 8. Jänner, um halb Wogs zu einem Arzte zu laufen, der„praktischer Arzt" sein wollt«. Auf dem Postamt sah er im Tclephonbuch nach, fand einen Arzt in der Nähe und ging hin. Dieser Arzt, ein noch junger Mann mit einem hübschen, glatten Gesicht und in einem flotten Leinenkittel, begrüßte unfern Stempelbruder mit lauter Fröhlichkeit und lächelt« dabei so freundlich, als lernte man sich nicht im Sprechzimmer, sondern auf einem Balle kennen. Kaum hotte sich der Kranke ausgekleidct, da sprach der Arzt schon von„Drüsenerschcinungen, Gallen- sieingefahr und angegriffenem Lungenflügel". Demgegenüber behauptete der Stempelbruder, er habe fern Leben lang mit der Galle nichts;» tun gehabt, und seine Lunge sei kerngesund.„Macht nichts, mein Lieber!" sagte lächelnd der Arzt, „allzir gute Gesundheit ist rneistens ein Zeichen iür einen schlechten Arzt! Ihre Gesundheit ist Einbildung! Leben Sie einig« Zeit streirg diät, machen Sie ein« kleine Höhensonnenknr bei mir. dann eine Gallenstcinkur in Karlsbad, und im Winter gehen Sie nach Davos." „Und Si« meinen, die Krankenkasse wird \.iö alles bezahlen?" fragte der Stempelbruder. Darauf sah der Arzt aus wie ein in di« Höl8t gerutschter Engel und ließ sich mit böser Stimnre also vernehmen:„Passen Sie gefälligst auf! Der Kassenarzt wohnt eine Treppe höher! Ber- stariden?!" 3 Uhr nachmittags im Neuen Deutschen Theater. Karten täglich von 8—2 und 4—6 Uhr bei Optiker Deutsch,-als Koruna. Spielplan des Neuen Deutschen Theater-. Donnerstag, halb 8 Uhr:„Vor Sonnenuntergang"(C 1). Freilag, halb 8 Uhr:„Wenn die kleinen Veilchen blühen"(D 2).— Samstag, 7 Uhr: o k u s p o k u s"(C 2);- havb 11 Uhr: .Silvester kn der Wunderbar"(AA). Spielplan in der Kleine« Bühne. Donnerstag, 8 Uhr:^LargLld lacht" Freitag, 8 Uhr: i -Der G e i st e r z u g"(Kulturvevbandsfreunde).—! Samstag, 7 Uhr:„Dreimal Offfenbach"; halb 11 Uhr:„Susannens Geheimnis", Silvester-Ballett, ,,Brüderlein fein". Spar?* Spiel ♦ MMmi Zle CuropameisteMa t der Arbeiter- SMbalWeler. Deutschland gegen Pole« 4:1(1:1). Das dritte Spiel der Arbeiter-Fußballspieler .un die Europameisterschaft gehört der Geschichte an. Am zweiten Weihnachtsfeiertag beglückte es di« Leipziger Arbeitersportlerschafr und deren An- hänger. Deutschland spielte gegen Polen, vorweg gesagt: Ueberlegcn mit 4:1 ll: 1). Sieben Ecken für Deutschland gegen keine der Polen, zeugten neben den Torerfolgen von Deutschlands lieber- legeicheit. Wenn Deutschland auch überlegen gewann, so war die polnische Mannschaft durchaus nicht schlecht. Nur am Zusammenspiel mangelte es. Sie pflegte das Jnnenspiel und vergaß ihr« gute« Flügelstürmer. Da kommt man aber bei so guter Verteidigung nicht durch. Das Flügelspiel zieht die Verteidigung auseinander, schafft Luft vor dem Tore, so daß sicher« Schüsse angebracht werden können. Daran ließ es die deutsche Mannschaft nicht fehlen und Polen verdankt nun seiner guten Verteidigung die verhältnismäßig knappe Niederlage. Es ist wahrlich..keine Schande für so Äeiire Verbände, gegen den starken Bruder zu verlieren. Im Gegentell spricht das bis zum Schluß durchaus offene Spiel für die verhältnismäßige'Spielstärke dieser Länder. Mehr als 16.000 Zuschauer sahen bei herrlich- ftent Wetter«in herzerfreuendes Spiel und brausen- der BÄfall belohnte oftmals die beiderseitigen überraschenden Leistungen. Und das ist das Große an den Spielen der Avbeiterfußballer aller Länder: die über jeden Tadel erhaben« Brüderlichkeit aller Spie- ler, die im Spielgegner trotz entschlossenem Spiele in erster Lins« den Klasseugenossen sehen und ihn als solchen behandeln. Dar ist di« Weltanschauung des wahren völkerverbindenden Sozialismus. Die hsbt die Spiele der Arbeitersportler turmhoch über di« der bürgerlichen Verbände. Da stehen di« Unterlegenen den Siegern in keiner Weis« nach. Da fällt-kein höieS Wort, da gibts keinen Widerspruch gegen: die Entscheidungen des Schiedsrichters, da gibt es nut ganz vereinzelte Strafstöße und keine kaputt, geschlagenen Spieler. Rempeln sich wirklich einmal zwei Spieler unabsichtlich an, dann geben sie sich di« Hände als Freunde. Und darin hat auch die polnische Mannschaft sich als echt würdig im wahren Arbeitersport erwiesen. Die einzelnen Spieler zu besprechen, überlassen wir den Verbände«. Die deutsche Mannschaft war aus einem Guss« mit Ausnahme des Linksaußen, der zwar ein guter Könner ist, aber sehr selbstsüchtig spielte. Er wurde allerdings als kleiner Spieler durch den großen, robusten rechten Läufer Polens 'charf abgedeckt und behindert. Die polnische Mannschaft muß noch besser zu- sammenspielen lernen und vor allem das Flügelspiel mehr pflegen. Der in erster Halbzeit gut« Torwart durfte in zweiter Halbzeit nicht die Flint« ins Kor« werfen. Sein Ersatz war schwächer als er. Schiedsrichter Genosse Repa(Tschechoslowakei). R. K. * Belgien gegen Holland 3:2(2:2). Am ersten Feiertag fand das erste Spiel des westeuropäischen Spielverbandes um di« Europa- Der Kassenarzt war ein älterer Junggeselle, der, sichtlich wenig befreundet mit der Welt, 'chlecht und recht weiterlebte und sich für all« Fäll« em« bequeme Stimmwalze eingerichtet hatte:„Ziehen Sie sich aus!— Umdrehen!■— Atmen!— Hin legen!— Aufstehen!— Anziehen! — Sic können gehen!" Während nun unser Stempelbruder unter zunehmenden Bauchschmerzen die ikebungen alle durchführt«, gewann der Arzt den Eindruck daß dieser Mann ganz gesund lei, nur ein wenig nervös und unruhig.„Biel 'pazieren gehen und tüchtig essen!" verordnete der Arzt, und unser Stempelbruder floh mit höhni- lchein Gelächter ins Freie. Ihm tat der Lech weh, weiter nichts, doch nach Ansicht der Aerzte war er teils geschlechtlich unbefriedigt, teils gollensteinlejdend, teils lungen- krank und-teils kerngesund, nur ein wenig nervös! Er ging noch ein Stück weiter. Dann empfand er mit letzter Deutlichkeit, daß ihn nur der Hunger Plagte. Aber w i e et ibn Plagte! Als der Stempelbruder an einer Brezelbude vorbeiging, brach er zusammen, fiel der Länge nach hin nnd wurde ohnmächtig. „Starrkrampf!^ schrie eine vorübcrgohetrde Dante und winkte dem Schupomann. Quatschen Se doch nich!" sagte di« Budenfrau.„Hunger hat er, weiter nilcht!" Und in der Tat brachten ihn ein paar Brezeln wieder aitf die Beine. Maxim. h Die Unzufriedene § h & Das Wochenblatt der Fran kostet mt 60 Reiht ß Redaktion und Verwaltung, Prag II., Nekazanka 18. nteisterschaft. im Fußball in Lok er en bei Ant werpen vor 1500 Zuschauern statt,«in guter Besuch in Anbetracht der verhältnismäßig schwachen Arbeirersportbenxgung. Die Bürgerlichen hatten«in großes Gegenspiel ausgezogen. Die Holländer wurden aus dem Bahnhof« vvn einer tausendköpfigen Menge einstimmig mit dem nun internationale« Gruße„Freiheit" jubelnd begrüßt. Internationaler Spielbetrieb. Weihnachten weilten Gäste aus der Schweiz■ und Holland 1« Deutschland. Es spielten: Fußball: Fr. Sportfreunde Bottrop gegen Den Haag 4:3. Bon dem hartnäckigen Ringen zeugt, daß sämtliche Tor« erst in den letzten 15 Minuten fielen. Spontver- einigung Essen gegen Den Haag 8:1, Fr. Sptvgg. Schwenningen gegen AHK. Zürich 6:2, Fr. Sptvgg. Schramberg gegen AFK. Zürich 3:2.— Hand- bal 1: Köln Mühlheim gegen Lüttich-Seraing 10:6. Ein Heer von Spieler«. Der deutsche Arbeiter- Turn- und Sportbund hat«ine Uobersicht über sejn« Spiekbew,-''ng im vorigen Jahre herausgegeben. Er hätte— die Fußballspieler nicht mitgerechnet— nicht weniger als 83.934 Spieler, Spielerinnen, Jugendliche und Kinder. Bon den 8055-Mannschaft ten entfallen 5892 auf das Handballspiel, 2105 auf Fausthall, 93 auf' Schlagball, 190 auf Raffball, 323 auf Trommelball und 40'auf Hockey. Tennis wurde in 15 Kreisen von 3356 Spielern nnd Spielerinnen gespielt. Gemeinsame Arbeit der Turner mit den Fußballern. In Nieder ö st erreich wurde kürzlich ein« Arbeitsgemeinschaft der Turner mit den Fußballern angeregt. Tiefe Arbeitsgemeinschaft soll bereits in der nächsten Zeit zusanrmerstreien Ein Abkommen zwischen Turnern und Fußballern hätte besonders für bi« kleinen Ortschästen große Bedeutung. Man will in jenen Orten, in denen bereits ein Verein der beiden Bewegungen beftcht, keinen zweiten Berein mehr ins Leben rufen. Di« Ar-eitsgem«Inschaft will auch Richtlinien für.den freiwilligen Arbeitsdienst bei Sportplatz bauten ausarbeiten. Literatur Neue Reelam Bücher Än Reclams ü niv« rsal-B ibkioth ek sind ne« erschienen:. Dr. h. c. Ragnar Berg:„Die Rährsalze." Gemein Verständliche Darstellung des Miueralstofstvechsels. Raclams Univeusal-BMiothek Nr. 7191. Geh. 35 Pf., geb. 7H Pf. Ueber Säuren und Basen, über Kalk zuflchr, Aufbauftoff« usw. ist unendlich diel gc- schrieben worden. Ragnar Berg, der Gelehrte von internationalem Ruf auf dem Gebiete des Mineräl- stofstvechsels, stellt hier in einer leicht lesbaren Plauderei di« Ergebnisse seiner langjährigen Forschungen zusammen. Damit ist ein Standardwerk geschaffen. Der außergewöhnliche Wert eines solchen Buches kommt dem Arzt, aber auch dem Laien zugute und gibt wichtige Winke zur richtigen, nicht einseitigen Ernährungsweise. John Galsworthh:„Die Erst«« und di« Letzt««." Erzählung. Deutsch von Leon Schalit. Raclams Univevsäl-Bibljothek Nr. 7190. Geh. 35 Pf., geb. 7p Pf. In der Novelle„Die Ersten und die Letzten", di« jetzt in Reclams Universal-Bibliothck erschien, erreicht die Erzählungskunst John Galsworthys, des berühmten Verfassers der„Foffyte Saga", einen ihrer Höhepunkte. Sie ist eine der veifften, charakteristischsten Schöpfungen des englischen Dichters, die ihn von zahlreichen Seiten offenbart. Gerade in der schlichten Darstellung der straff geführten Handlung— kein überflüssiges Wort ist darin zu finden — wirkt di« Erzählung so niederschmetternd und gleichzeitig erhebend. Franz Werfel:„DaS Geheimnis des Saverio." Novelle. Reclams Universal-Bibliochek Nr. 7184. Geh. 35 Pf., geb. 75 Pf. Di« Novelle„Das Geheimnis des Saverio" von Franz Werfel, eine der besten nrwellistischen Leistungen des großen Dichters,»x- scheint soeben in geschmackvoller, billiger Ausgabe in Reclams Universal-Bibliothek. We läßt die Eigenart, abgründfg« Tiefe und unerhörte seelische Intensität Werfels in der Darstellung eines geheimnisvollen, tief erregenden Falles erleben, m dessen Mittelpunkt ein genialer Maler-Fälscher steht. Di« Nov«ll« stellt einen Gipfelpunkt im Schaffen des Dichters und in unserer zeitgenöfsifchen Literatur dar und wird von Tausenden- mit• tiefster Anteilnahme ausgenommen werden. Sm Deutseyem Hau« Ora0enl6 Großer Silvester-Rommel Original Wiener und Gaerlünder<3c&rammei. eilt. Cteefriek tut-(befttHHtit«Jittelm ültlitt- SeMittwortnfttt SeSaheut St«aB ettaik. Pt-,- Dt»«„Xtta*■-« fäi SNNm»«•*“** t’**,»» Dnvt MMMtontli«. Ott» NolU, it Zrlluag-markrnlran-katur wurde von der Poft-» relearaphendirekno» aut Erlaß Si 1Ä.8WVH 163V bewillig» VezugSbc^ ngungcn Vei Zustellung ins Hau» oder bei Hezug durch btt Voll mouattrch M lk.- vierteljährlich ED tzüslähn« M 96,—, eauzi-tzki, itt uy,—,— i»Uij»Miss 6a ifttm U»»tch»ü»»6«»— SiückstUU!«,»»» Kniultnott» nstslgi«n wi btt SteMUBcxtas