Siuzelpreis 70 Heller. (Einschließlich S Heller Porto Erscheint mit Ausnahme de« Montag tllgUch früh. vt da««».»«rwowwgr vn»g u, i»» reikp».-»arv». ries«,«ochtreda«. la» A«hq- chvomckircka»»«»« 12 Jahrgang. Freitag, 30. Dezember 1932 Nr. 307. 1 an die Abstimmung. Zuerst lehnte die Kammer den Abänderunasantrag des Abgeordneten der Rechten Lome, Marrn mit 387 gegen 189 Stimmen ab und nahm die Regierungsvorlage an. Die Sozialisten und die Radikalen stimmten für die Regierung. Der Senat wird die Vorlage betreffend die österreichische Anleihe morgen vormittags behandeln. Paris, 29. Dezember.(Havas.) Di« Depu« tiertcnkammer hat den Gesetzentwurf betreffend die österreichisch« Anleihe mit 352 gegen 188" Stimmen angenommen. Die Regierung hatte die Vertrauensfrage gestellt. beraten wurde und fügte hinzu, daß es sich um ein ganzes organisiertes Hilfssystem für alle bedürftigen Staaten in. Mitteleuropa handelt. Die Kammer, ruft Herriot, würde ein« große. Verantwortung auf' sich nehmen, wenn sie diese Anleihe ablehnen würde, da Frankreich sie nicht nur Oesterreich, sondern auch dem Völkerbünde ablehnen würde. Um 19 Uhr ergriff Ministerpräsident Paul- Boncour das Wort. In einer kurzen Rede erklärte er, daß sich diese Anleihe von den gewöhnlichen anderen Anleihen unterscheidet, da sie eine Folge früherer Verpflichtungen und sogar auch der Fviedensverträge ist. Er appellierte an die Kammer, das Gesamttverk der wirtschaftlichen Erholung und des Friedens zu stärken; er fügte hinzu, daß die Regierung der der Abstimmung die Vertrauensfrage stellen werde. In der Diskussion, die in der gestrigen Sitzung des Auswärtigen Ausschusses des französischen Senates über die Regierungsvorlage betreffend die österreichische Anleihe geführt wurde, war von sämtlichen Rednern, wie di« Havas- Agentur berichtet, darauf hingewiesen worden, wie notwendig es für Frankreich sei, über die Politik Deutschlands und Italiens in der Anschlußfräge genau unterrichtet zu. sein, Auch wurde bekSnr,"dast^ma« Oesterreich', finarst zielte Garantien nur bewilligen könne, wenn man dafür entscheidende politisch« Garantien von L^sterreich eintausche.,. , Ministerpräsident Pauk-Borrepur erklärst, das politische Interesse an der. geplanten Anleihe bestehe ja gerade in der neuerlichen Best äti'gungderProtokolle von 1922 durch Oesterreich. Paris, 29. Dezember. Die sozialistische Kam-' merfraktion hat nach einstündiger ziemlich erregter Aussprache mit 40 gegen 9 Stimmen beschlossen, für den Gesetzentwurf zugunsten der österrei-» chischen Anleihe zu stimmen. Paris, 29. Dezember. Nach der Rede des Vorsitzenden der Regierung Paul Boncour und einigen weiteren kurzen Reden schritt die Kammer Wohin flochten Nazi-Fememörder? Nadi Plussolinien! Wie die„Frankfurter Zeitung" berichtet, halren sich die Schuldigen des Dresdner Llazi« Fememordes jetzt in Italien auf, wo sie sich anscheinend sehr sicher fühlen. Sie sollen nämlich von ihrem neuen Aufenthaltsort aus ihren obersten SA- Vorgesetzten und Brigadeführer, dem Landtagsabgeordneten Tr. Bennccke in Dresden, mit einer Postkarte begrüßt haben. Bei der Auslieferung, die nunmehr aktuell werden wird und in kürzester Frist beantragt werden dürfte, spielt di« Frage, ob es sich um ein politisches Verbrechen handelt, eine ge- wisse Rolle. Es ist zu bemerken, daß bis zur Stunde die Leitung der NSDAP, mes entrüstet b e st r e i t e t. Paris, 29. DeMcher. Der heutige Tag ist vom parlamentarischen Standpunkt ein„großer Tag". Am Programm steht der R.gierungsent- wurf über die Staatsgarantie für die österreichisch« Anleihe. Die Stimmung kann eher als ungünstig bezeichnet werden. Die Sozialisten werden für di« Vorlage- stimmen, die Radikalen sind in dieser Frage absolut uneinig. (Zahlreiche Blätter verzeichnen die Erklärung des Vorsitzenden des Ausschusses der Kammer Francois Albert, der erklärte, die Radikalen wußten nicht ob sie„für die Pest oder für die.CHo- l« r a" stimmen sMten, d. h. für oder gegen. Es scheint, daß sich diele Mitglieder der Linksgrup- pon und der Mitte der Stimme, etühalten werden. Tie Debatte über die Staatsgaranti« für die österreichische Anleihe eröffnete heute in der Depu- tiertenkammcr der Führer der Rechten, Louis Marin. Er führte an, daß zur Zeichnung weder der gegentvärtige Stand der französischen Finanzen, noch die Sicherheit, daß Oesterreich die Anleihe zurückzahlen werde, noch außenpolitische Gründe berechtigen Er erinnerst daran,. daß Oesterreich in den letzten Jahren mehrmals sein"Wort und seine Verpflichtungen nicht gehalten habe und das Lausanner Protokoll über die geplante Anleihe im österreichischen- Rationalrat nur mit einer Mehr-' hewwon eimr"Siinrine bei der- Oppoürion der Sozialisten aikgenömmen worden wer. Der Berichterstatter über die Regierungsvorlage, Tepukierter Lamo Ur cur- sagt-'in seiner sehr trvckeizen Rede, daß die' geplant«. Anleihe' vor allem als eineaugenblicklich^ Hilfe-«kN. Oesterreich zu betrachten sei, das sich in einer finanziellen und wirtschaftlichen Schwierigkeit befinden würde. Wenn Oesterreich jetzt diese finanzielle Unterstützung nicht erhalten würde, könnte es nicht seinen Zinsendienst für die Anleihe ans dem Jahr 1923 leisten, für die Frankreich und einige andere Staaten, darunter auch die Tschechosiowakci bürgten. Frankreich müßte in diesem Falle 75 Millionen Franken jährlich zahlen. Der Berichterstatter des Außenausschusses, Deputierter Viert oy ist der Ansicht, daß die Garantie, keinesfalls als Hilfe für Oesterreich angesehen werden bütf«; sondern als Teil der Gesamthilfe, welche Frankreich den übrigen Staaten in Mitteleuropa gewährte Niemand würde verstehen, daß Frankreich, welche Jahre hindurch eine edle Politik internationaler Solidarität betrieben hat,, gerade jetzt zurückweicht,' wo diese Hilfe am meisten nottut, und wo die übrigen großen Staaten der Anleihe für Oesterreich zustimmten. Der kommunistische Deputierte Peri spricht sich dagegen aus. Er meint, unter dem Beifalls auch auf den Bänken der Sozialisten und Radikalen, daß die Anleihe nicht zur Milderung der Not des österreichischen Volkes verwendet werden wird,' sondern für regicrungspolitische Zweck«,'.insbesondere zur weiteren Förderung des österreichischen Fascismus.• Der ehemalige Finanzmintster F l a n d i st erachtet es für u n m ö g l i ch, daß' das französische Parlament seine Zustimmung zu der Garantie für die österreichische Anleihe gebe, und erinnert die Radikalen und Sozialisten an ihre reserviert« Haltung bei der Bewilligung der Anleihe für die Tschechoslowakei. Flandin meint, daß Oesterreich zu viel brauch- und stellt als Musterbeispiel die verständige Staatswirtschaft der Tschechoslowakei hin, deren Budget das Budget Oestetreichs nicht überschreite. Ilerriot fflr österreichische Anleihe. Paris, 29. Dezember. Eine entschiedenere Stimmung brachte-in die Nachmittagssitzung der Kammer eine Rede Herriots. Ter geivescne Ministerpräsident übernahm die Aufgabe eines beredten und stellenweise pathetischen Verteidigers Oesterreichs. Er erinnerte daran, daß in'der letzten Gesetzgebung-Periode Anleihen ohne die Zustirn- muitg des Parlam-Uts gewährt wurden, w 1. B- 300 Millionen Francs an Ungarn. Er fügte hinzu, daß diese Anleihe bezüglich der Handelsoder Zollerleichterungen Frankreich kein« Gegenvorteile bracht«. Heust aber ist die Lage anders. Herriot schilderte, unter welchen Umständen in Lausanne die international« Hilf« für Oesterreich krsnrösische Kammer stimmt der österreichischen Anleihe^u. Ausgabe von Kassenscheinen in der Höhe von 5 Milliarden Franks vom Senat beschlossen. Paris, 29. Dezember. Der Senat behandelte in der Nachmittags- und Abendsitzung die Vorlage über das Budgetztvölfstl für Jänner. Der Generalberichterstatter für was Budget Roy legte den Standpunkt des Finanzausschusses des^Senates dar, der gegen Notanstihen ist und kategorisch ein« Politik der Ersparungen und einer wirklichen Sicherstellung des Gleichgewichtes ist. Finanzminister Chöron erklärte, daß diese Politik auch seine Politik sei und daß er im Jänner dem Parlamente genaue Anträge vorlegen werde. Jetzt aber beharre er darauf, Bons der Staatskasse in der Höhe von 5 Milliarden und nicht 3. Milliarden, wie es der Finanzausschuß des Senates vorschlägt,, zur Verfügung zu haben. Er fügte hinzu, daß er bei der Abstimmung hie Vertrauensfrage stellen werde. Paris, 29. Dezember.(.Havas.)-Der gestrige Antrag des Finanzausschusses des Senates auf Herabsetzung des Betrages pon 5 V^lliardcn auf 8'^sUlliardÄr für die' von der Rcgienmg gcfor- Wf' HeroUsi^e"'vE^KÄssettSuw^isiriiAn' hm große Aufmerksamkeit hervorgerufen. Finanzminister Chöron stellt« nämlich Mittwoch in der Kaminer gegenüber gleichlautenden Abänderungsanträgen zweimal die B d r t-r a ü e n sf rage. Er erklärte hiebei, er stelle sich gegen jedwede Herabsetzung des geforderten Betrages von 5 Milliarden. Di« Regierung wird daher genötigt sein, heute im Senate die Vertrauensfrage zu stellen. Paris, 29. Dezember.(Havas.) Der Senat genehmigte mit 242 gegen 6 Stimmen den gesamten Regierungentwurf über das Budgetzwölftel für den Monat Jänner(welcher Entwurf von der Kammer bereits angenommen worden ist) und entsprach außerdem dem Ersuchen der Regierung, Kassenbons für 5 Milliarden Francs ausgeben zu dürfen. Maßregelung eines sozial* (leinoKrat'sdien Pfarrers. Weimar, 29. Dezember. Wie die thüringische evangelische Pressekonferenz mitteilt, ist der Pfarrvikar.Dr. Wolf in Meuselwitz, well er sich in. zahlreichen sozialdemokratischen Brrsamm- I jungen betätigt hat, nach Blankenhain in Thürin- | gen strafversetzt worden. Er hat nunmehr erklärt, daß er aus dem thüringischen Kirchendienst ausscheiden werde. Genossin Dr Simsen ebenfalls I gemaßregelt. | Weimar, 29."Dezember. Tas thüringische iVolksbildungsmrnisterium hat Frau Dr. Simsen den Löhraufträg unter der Begründimg«irtzogen, daß sie als einzige Persönlichkeit, di« zur Landes^ Universität Jena in Beziehung stehe, di« von seiner Reihe den sicher Professoren veröffentlichte HrdMMi der ONtdien nelslbegOn$(lgiingsKlauscl im neuen deutsch-französischen Vertrag. Paris, 28. Dezember. Das Außenministerium hat heute abends die in Berlin unterzeichneten deutsch-französischen Verträge veröffentlicht. Es handelt sich einmal um das sogenannte Tevisenabkommen: Wenn di« Ausfuhr französi scher Waren nach Deutschland das deutscherseits normaler Weise für die Bezahlung französischer Waren festgesetzt« Devisenkontingent überschreitet, werden die Zahlungen, die darüber hinaus gehen, in Mark auf ein zu errichtendes Reichsbankkonto erfolgen. Diese Beträge werden zur Bezahlung deutscher Waren dienen, die nach Frankreich ausgeführt werden. Es erfolgt also kein Transfer. Ferner handelt es. sich um eisten Zusatz zuni Handelsvertrag vom August 1927. Das neu« Abkommen bietet die Möglichkeit, daß beiderseits die gegenwärtig konsolidierten Zollsätze m i r löt.ägiger Frist abgeändert werden können. Die Meistbegünstigungsklausel wird nicht mehr allgemein zur Anwendung kommen, son dern nur auf eine Liste von Produkten, die allerdings alle gegenseitigen Exportmöglichkeiten umfassen. Das Abkommen enthält dann eilt« Bestimmung, wonach die Meiftbegünstigungsklatrsel sich u. a. nicht erstreckt auf Währungsschuh maßnahmen, Sonderabmachungen gemäß den Empfehlungen der Konferenz von Stresa, und auf Vergünstigung g«n der künftigen mehrseitigen Abkommen, die. deur Völkerbund angezeigt werden und denen alle! Erklärung für den in Heidelberg gemaßregelten Staaten beitreten können. l Dr. Gumpel unterschrieben habe. ■■ ■ Verfehlte LchrcrpoiitiK. Einer unsachlichen Polemik der „Freien Schulzeitung“ zur Erwiderung. „Dar Gesotz über den Gehaltsadbau• wurde am 20. Dezember 1932 vom Parlamente«beschlossen. ES war vorauszu- schcn, daß eine vollständig« Ablehnung der . Regierungsvorlage nicht zu erreiche» sei» wird...* Aus einem Schreiben-es Zenlrajver- eines der deutschen Lehrerinnen in Böhmen. Vorwürfe schweigend. einzustecken, ist ge rminhin Sache-dessen, der sich schuldbewußt fühlt. Unser spiegelblankes Gewissen in Sachen der Schul- und Lehre vpolitik hat es erfordert, unlängst die von der Geschäftsleitung des Deutschen Lehverbundes gegen die Regierung« Parteien erhobenen Pvufchalvortvürfe vom Standpunkte der Sozialdemokratie aus nrit sachlichen und eindringlichen Argumenten zü- riickzuweisen. Wenn nun die ,-Freie Schulzeitung" darauf ausführlich reagiert, so ist die« im Interesse einer Klarstellung der Streitpunkt« nur zu begrüßen. Wenn sie aber gleich einleitend- meint, uns gebühre der„traurige Ruhm, der geschichtlich festgelegt zu wecken verdient, am Tage vor der Vorlage des Abhanges« tzes den deutschen Lehrern die Leviten zu lesey", dann bekennt sie damit selbst, daß nicht Sachlichkeit.syndevt Verqxgerttpg,.d^srusl.die,, Acker fuhrst. Die sozialdemokratische Parsti wird sich von niemandem verwehren lassen, ihre Politik.auch.vor der Lehrerschaft, zu. ver- trestn, für deren berechtigte Forderungen sie immer und. überall«mgetveten.ist.- Niemand hat jedoch das Privileg, von ihr zu fordern, daß sie ungerech t Borwürfe unerwidert lasse. Und wenn die Geschäftsleitung des Deutschen Lehrerbundes nunmehr eine Antwort, die ausschließlich ihrer Stellungnahme zugedacht war, als einen Angriff aus die gesamst deutsche Lehrerschaft hinzustellen bemüht ist, so-ist dies eine Methode der Auseinandersetzung, die nicht nur organisierten Sozialdemokraten ass der Leitung einer großen Berufsorganisation u n- w ü r d i g erscheinen Wick. Mr haben Zweifel ausgesprochen, ob die von der Geschäftsleitung des Deutschen Lehrerbundes gewählte Vorgangsweise mit der stets betonten politischen Neutralität dieser Organisation in Einklang zu bringen ist. Diese Ztvei- fel sind durch die Antwort der„Freien Schul- zeitung" noch bestärkt worden. Denn sie begründet den wahrhaft diffamierenden Borwurf, die Sozialdemokraten hätten als. Regierungspartei ihr Wohlwollen gegenüber den Festbesoldeten nur in„Redensarten" bekundet, wie folgt: „Schon bn folgenden antzre 1831/ als mail die Wechnachtszulage verkürzte, brauchte man wieder Redensart«n, daß diese Kürzung nur vor- überychend sei und nur ans«in Jahr dauern soll Oder waren das vi«ll«icht keine Redensarten, als man ausgerechnet am 30. dlovember 1982, am Tage vor dem Anfälle der Zulage, die Weih nächst- znlage ganz strich? Im-derbst 1902 wurden allent- . halben von Staatsbeamten und Lehrerri Protest Versammlungen gegen den Wbau durchges.ührt. In diesen Versammlungen sprachen auch sozialdemokratische Redner und sozialdemokratische Parlamentarier. Waren es nicht Redensart? n, wenn z. B. de: Abgeordnete Kaufmann.in Kp» motmi erklärte, daß er und seine Partei gegen den Abbau stimmen werden? Waren es" nicht Redensarten, wenn di« deutsch« sozialdenro kvatische Arbeiterpartei aus eine Anfrage dc-r Deutschen Lehverbundes vom 27. Oktober 1928 äußert«, daß sie die Forderungen der Lehstrschafi anerkenne? Waren es nicht Redensarten, wenn der Klub der Abgeordneten der deutschen sozialdemokratischen Arbeiterparsti auf eine An frage des Deutschen Lehrarbundes vorn 18. Fed:•' 1832 antwortete: ,chaß der Standpunk unseres Klubs zu Ihren Besoldung - fragen sich in keiner Weis« gründe-.. hat, wir haben angenommen, daß dieser Sta>- punkt hinlänglich bekannt ist. Es wäre allerdi,- notwendig, daß auch alle anderen Parteien«itz.’ Abbau von Löhnen und Gehältern crngegei! ' trästn." Braucht man nach ander« Belege für Seite 2 Freitag, 30. Dezember 1932. Skr. 307. die Behauptung, daß die Regierungsparteien, und dazu gehört die deutsche Sozialdemokratie, in Redensarten ihr Wohlwollen für die Festbesoldeten des Staates bekundet haben?" . Kurz vorher räumt die„Schulzeitung" übrigens ein, daß die Gewährung der Weihnachtszulage vor zwei Jahren ein Verdienst der Regierungssozialisten war. Wir fragen nen: Könnte der ärgste politische Gegner den hier finngemäß erhobenen Vorwurf ausdenken, die Regierungssozialisten hätten die Weihnachtszulage zuerst durchgekämpst, um sie nachher mit Redensarten wieder abzubauen und die Gehälter dazu? Wenn sozialdemokratische Abgeordnete gegen den Gehaltsabbau öffentlich Stellung genommen haben, wenn der sozialdemokratische Parlamentsklub wahrheitsgemäß erklärte, daß sich sein bekannter S-'and- punkt in den Besoldungsfragen nicht geändert habe— beides allerdings zu einer Zeit, wo die schwindelnde Höhe des Budgetdefizits noch nicht bekannt war— kann man daraus eine Verpflichtung ableiten, daß ohne jede Rücksicht auf die katastrophale Verschlechterung der Situation eine Schichte der Bevölkerung um jeden Preis von den Folgen der Krise verschont werden müsse? Hat die Geschäftsleitung des Lehrerbundes nie davon gehört, daß es in der Politik manchmal Zwangslagen gibt, wo man einen Teil des Errungenen wieder pveisgeben muß, um nicht mehr zu verlieren? Daß eine Zwangslage da war und ist, möge eine andere„Redensart" bekräftigen, die unseren Diskussionspartnern vielleicht beweiskräftiger Ringen wird. Der deutsche Nationalsozialist G a h e r erklärte kürzlich im Parlament, man könne von einem ausgeglichenen Budget nicht sprechen, weil das Volkseinkommen um 40 Prozent gesunken sei, während die Staatsansgaben nur um elf Prozent gekürzt wurden. Ohne auf die gefährlichen Konsequenzen dieser Theorie einzugehen, die der nationalsozialistische Finanzreserent der Stadt Karlsbad ausgiebigst gezogen hat, seien diese Ziffern nur vermerkt, um darzutun, daß die Hauptlast der Krise bisher von den in der privatwirtschaftlichen Zone lebenden Menschen getragen wurde. Die drei Krisenjahre waren ausgefüllt von einer ununterbrochenen Abbauaktion gegen die Arbeiter und Privatangestellten. Daß dieser Abbau bis zu dreißig und fünfzig Prozent des Einkommens, ja bis zur Massenvernichtung von Existenzen gegangen ist, braucht man doch hoffentlich nicht mehr mit neuen Details zu belegen. Mit dem Argument, daß einer weiteren Kaustraftschwächung gesteuert werden müsse, haben gerade die sozialdemokratischen Parteien die öffentlichen Angestellten durch drei schwere Jahre vor dem Krisenschickfal der übrigen Bevölkerungsschichten mit Erfolg bewahrt. Wenn nun die Führung des Lehrerbundes diese Argumention übernimmt und daraus einen Anklagepunkt gegen die Sozialdemokratie abzuleiten sucht, müssen wir sie doch einladen, der Oeffentlich- keit mitzuteilen, auf welche Weise die 600 Millionen Gehaltsersparnis hätten aufgebracht werden sollen. Wäre— so fragen wir— das Finanz- und Ersparungsprogramm der sogenannten„Exekutive" jener Lösung vorzuziehen gewesen, die zuletzt von den Regierungsparteien getroffen wurde? Die„Freie Schulzei- ! tung" mißt uns freigiebig das„Verdienst" zu,„in die Front der Lohn- und Gehaltsempfänger durch einseitigen Abbau von Bezügen eine Bresche" gelegt zu haben. War es also zur Festigung' der Front der Lohn- und Gehaltsempfänger gedacht, wenn die„Exekutive" eine Beidreifachung der Fleischsteuer forderte,«ine B i« r- steuererhöhung um 20 Heller pro Liter, wenn sie eine Sonderbesteue- rung der Konsumvereine mit 100 Millionen jährlich verlangte, um mehr also, als sämtliche Banken und Aktiengesellschaften an besonderer Erwerbsteuer bezahlen? Durch solche Belastung der seit drei Fuhren einseitig Abgebauten wäre wohl der Gerechtigkeit Ge- nüge geschehen? Obwohl die Milveranlwor- tung des Lehrerbundes an diesen unsozialen und jeden Solidaritätsgefühlen baren Anträgen Wohl kaum bestritten werden dürfte, haben wir dieses Kapitel bisher sehr zurückhaltend behandelt, um nicht noch mehr Verbitterung in die Bevölkerung hineinzutragen. Die„Freie Schulzeitung" lohnt uns diese Generosität, indem sie behauptet, der erste Abwehrartikel der sozialdemokratischen Presse hätte nur den Zweck gehabt,„Mißverständnis zwischen die Hand- und Kopfarbeiter zu tragen, den Unwillen der Arbeiterschaft gegen die angeblich besser situierte Beamtenschaft zu erregen". Wir buchen diese Unterstellung als neuen Beweis der politischen„Unparteilichkeit" der Führung des'Lehrerbundes. Dre„Freie Schulzeitung" will den Hinweis auf das traurige Schicksal der Arbeitslosen nur bedingt gelten lassen. Soziale Gründe— meint sie— wären für den Abbau nicht angeführt worden. Niemand habe an die Solidarität der Lehrer mit den Arbeitslosen appelliert. Uebrigens habe die Lehrerschaft durch eine Bundesspende von 60.000 Kronen für Kinder Arbeitsloser, durch Einzelleistungen und Mitwirkung an Schulausspeisungen für die Arbeitslosen das Menschenmöglichste getan. Wir Sozialdemokraten wissen menschliche Hilfsbereitschaft wohl zu schätzen und erkennen die größte wie die geringste Leistung für die Arbeitslosen gerne an. Es geht aber nicht an, das Arbeitslosenproblem auf das Gebiet der persönlichen Wohltätigkeit zu verschieben. Wollte die Führung des Lehrerbundes ernsthaft zu dem Bedeckungsproblem Stellung nehmen, dann müßte sie wohl zugeben, daß zu einer Milliarde neuer Steuern weitere sechshundert Millionen kaum aufzubringen wären, daß aber auch bei einer weiteren Einsparung dieses Betrages bei den gegebenen Machtverhältnifsen unweigerlich die Leistungen des Staates an di« Arbeitslosen und Kriegsinvaliden geschmälert würden. Daß solche Bestrebungen da waren und heute noch vorhanden sind, kann doch niemandem verborgen bleiben, der Zeitungen liest. Daß für die Kürzung des Militarismus um 600 Millionen im tschechischen Volke keine Mehrheit zu finden ist, dürften ja die Beratungen in der„Exekutive" llargestellt haben. Daß den durch sie vertretenen Schichten die ersterwähnte Variante sympathischer erschien, beweisen die Ersparungsvorschläge der„Exekutive". Beim Handels- und Ackerbauministerium wollte sie nur einen Bruchteil dessen ersparen, was nachher die Agrarier und Ratio-' naldemokraten selber zugestanden, beim Fürsorge- und Schulministerium weit mehr, als die ärgsten Reaktionäre später durchsetzten. In diesem Punkte steht die Politik der Führung des Lehrerbundes nicht nur im Widerspruche zu gewichtigen Volksinteressen, sondern auch im Gegensatz zu den Interessen der Lehrerschaft selbst. Die„Freie Schulzeitung" beklagt es, daß in den Reihen der Lehrerschaft schon die Arberls- losigkeit bemerkbar werde und daß der Berufsorganisation daraus Kosten erwachsen. Im Zusammenhang damit wäre die Erwägung anzustellen, um wieviel die Zahl der arbeitslosen Lehrer größer wäre, wenn die so hart angefeindeten Sozialdemokraten di« Herabsetzung der Kinderzahl an den Volks- und Bürgerschulen nicht durchgekämpst hätten und wenn beispielsweise in diesem schrecklichen Krisenjahre im Lande Böhmen allein nicht über zweihundert neue deutsche Parallelklassen errungen worden wären. Schließlich sollte nicht unbedacht bleiben, wieviel deutsche Lehrer noch ums Brot konnnen könnten, wenn der Justamentstandpuickt der„Exekutive" gesiegt hätte und die ganze Wucht des Sparzwanges auf di« Fürsorge- und Schulausgaben abgewälzt worden wäre. Es gibt Hunderte von Betrieben im Lande, wo die Arbeiter lieber nur drei Tage in der Woche arbeiten, ehe sie ihre Kollegen aufs Pflaster fliegen lassen. Die„Freie Schulzeitung" beruft sich schließlich daraus, daß auch eine ganze Reihe fveigewerkschastlicher Organisationen und Fachblätter gegen den Abbau schärfstens Stellung genommen haben und fragt, ob dies der sozialdemokratischen Parieipresse entgangen sei. Beileibe nicht! Nur liegt ein fundamentaler Unterschied vor, zwischen diesen Kundgebungen und den Ausfällen der Führung des Lehrerbundes. Die freigewerkschaft- Kohlenattion Mr die Arbeitslosen. Die staatlichen Gruben haben bisher 500 Waggons zu je zehn Tonnen Kohle für die all- meine Hilfsaktion für die Arbeitslosen gewidmet; außerdem erhielten die Gemeinden im nordwestböhmischen Kohlenrevier, in denen Angestellte der Staatsgruben wohnen, 100 Waggons Braunkohle zur Verteilung an die Arbeitslosen. Ueber Anregung des Ministers für öffentliche Arbeiten verpflichteten sich die größeren Firmen des nord- westböhmischen Braunkohlenreviers, für denselben Zweck 750 Waggons Kohle zur Verfügung zu stellen; mit chrer Lieferung wurde bereits be- gönnen. Außerdem widmen die Staatsgruben aus dem Ostrauer Revier 150 Woggons Steinkohle und die Firmen des Ostrau-Karwiner Reviers ebenfalls eine größere Zahl von Waggons Kohle zur Unterstützung der Arbeitslosen. Für diese Kohle wird die Staatskasse die Steuern und Abgaben refundieren. Die Aufteilung auf die einzelnen Bezirke und Gemeinden besorgt das Ernährungsministerium unter Mitwirkung der Ministerien für Inneres und soziale Fürsorge. Ausführlichere Daten über diese Hilfsaktion werden später mitgeteilt werden. lich organisierten Postler, Eisenbahner und öffentlichen Angestellten haben ein weit größeres moralisches Recht zur Kritik auch an den Handlungen der Sozialdemokratie, weil sie dies« Parterinacht mit aufbauen und erhalten helfen, die sie bei ihren Jnteresfenkämpfen in Anspruch nehmen. Keine freigewerkschast- liche Berufsorganisation hat die Schuld nur bei den Regierungsparteien gesucht, jede hat sich auch mft dem Wirtschaftssystem auseinandergeseht, welches di« Abbaumaßnahmen erzwungen hat. Keine freigewerkschaftliche Organisation hat die Regierungsparteien in Bausch und Bogen verdammt, jede hat llug unterschieden zwischen den Parteien, die auch in der Regierung ihre Sache leidenschaftlich führten und jenen Faktoren, di««inen linaren Abbau von 15 bis 20 Prozent anstrebten. Keine freigewerkschaftliche Organisation hat unerwähnt gelassen, daß der gemilderte und gestaffelte Abbau ein Verdienst der sozialdemokratischen Parteien sei, keine hat sich zu der unsinnigen Behauptung verstiegen, daß' die Pläne des Frnanzministers„widerspruchslos" gedeckt und durchgeführt wurden. Und schließlich: Jede freigewerkschaftliche Organisationsführung war gewissenhaft genug, ihren betroffenen Mitgliedern die Wahrheit zu sagen, daß sie durch eine Geldentwertung weit schlimmer betroffen würden und daß die Abwehr der Inflation ein wenigstens annäherndes Gleichgewicht im Staatshaushalt zur ersten Voraussetzung hat. Dies« Feststellungen machen wir nicht, um die Geschäftsleitung des deutschen Lehrerbundes um gut Wetter zu bitten, sondern um die objektiv denkende Lehrerschaft zu überzeugen, daß es nicht in ihrem Interesse liegt, den Groll über den Abbau an die falsche Adresse zu lenken und dadurch gerade jene Partei zu schwächen, die in der Vergangenheit der beste Helfer der Lehrerschaft war und die auch in Zukunft ihr einziger Freund sein wird. Vie Berwaltrmgsratftellen der Parlamentär er. Prag, 29. Dezember. In einer gemeinsamen Sitzung der Präsidien beider Kammern wurde heute über di« bisherigen Ergebnisse der vor längerer Zeit in Angrift genommenen Aktion zur Klarstellung der Vereinbarlichkeit des Abgeordneten- oder Senatorenmandates mit Berwal- tungsratsstellen in Banken und Versicherungsgesellschaften Bericht erstattet. Es wurden die angeforde'rten Gutachten der kompetenten Instanzen über den Charakter einzelner Banken und Versicherungsgesellschaften zur Verlesung gebracht; die noch ausständigen Antworten sollen urgiert werden. Di« Jnkompatibilitätsausschüfle beider Häuser sind schon daran, ihre Arbeiten insoweit abzuschließen, als sie genaue Richtlinien ausarbeiten und ihre Beschlüsse-dann den Präsidien der beiden Häuser vorlegen werden. Das ganze Material wird schon in nächster Zeit verarbeitet werden, um so di« Voraussetzungen für die Beurteilung dieser Frage und endlich auch für die individuelle Entscheidung der Präsidien der Kammern darüber zu schassen, ob di« Betätigung von Parlamentariern m Verwal- tungsraten mit dem Jnkompatibilitätsgeietz vereinbar sei, bzw. welche Konsequenzen aus diesen Feststellungen gezogen werden sollen. 7 Die Kellnerin Molly. Roman von Han» Otto Henel. Copyright by Iackrlreilcr-Derlag, Berlin. Nachdruck verboten. Keine Entschuldigung, Herr Kollege, renken Sie die Sache ein. Ich lasse unsere Schule nicht verseuchen. Schmachvoll breitet sich der tückische Geist der ZweisÄsucht und der Jnternationalität in unserem Vaterland« aus, aber vor unserer Schule möge er Halt machen. Sie steht Gott sei Dank noch unter dem Zeichen der Hohenzollern, und wenn draußen der Pöbel dreist behauptet, daß Deutschland eine Republik ist. Ich dulde keinen Baterlandsverrat in meiner Schule." Der Klassenlehrer der Oberprima verließ den Rektor mit rotem Kopfe. Eine Entschuldigung kam ihm gar nicht in den Sinn, denn alles, was der Rektor sagte, war auch seine Ueberzeugung. Unbeareiflicherweise war ihm das dem Schüler gegenüber nicht eingefallen. In Heller Wut raste er nach dem Klassenzimmer. Seine Stimme scheuchte wie eine einschlagende Bombe die Klasse empor. „Nie hätte ich geglaubt, daß in der Oberprima eines deutschen Gymnasiums solches Lum- pentum möglich ist!" Die Klasse erstarrte in Schrecken. Lumpen? Einige buchen sich in die Bänke. War der Diebstahl der Prüfungsthemen entdeckt worden? Hatte man den Klassenersten beim Bordellbespch erwischt? Der Studienrat hieb fast das Katheder entzwei. „Muß nlan ihn dulden, die'en Landesverräter, diesen vaterlandslosen Gesellen?" Di« Klasse atmet« auf: Es war also nicht so schlimm. Und doch viel böser. Auch nicht der Schüler mit dem unruhigsten Gewisse»« hätte jetzt an der Stelle jenes Burschen sein mögen, der mit zusaminengepreßten Lippen bleich auf der ersten Bank saß, während der Studienrat ihn mit stammenden Blicken brandmarkt«. Wie ein Feuerwerk entzischten die Worte dem entrüstungbebenden Munde des Lehrers, glitten am ausgestreckten Zeigefinger entlang und prasselten auf den Schuldigen hernieder. „Schaut ihn an! So steht einer aus, der sein Vaterland mit Füßen tritt, der sein eigenes Nest beschmutzt, einer, der vielleicht einmal als bolschewistischer Bombenlchmeißer ein unrühmliche- Eirde findet. Er weigert sich, das hehre Vaterlandslied zu singen. Dieser Weichling dünkt sich erhaben über„Deutschland über alles". Er weigert sich, den greisen Feldherrn mit dem Liede aller Deutschen zu ehren, Hindenburg, der Deutschland im Weltkriege von Sieg zu Sieg geführt hat, für den Millionen Deutsche freudig ihr Blui veraoffen haben." Die Stimme des Lehrers schnappte über. Ein entarteter, angefaulter Sproß dieser ehrwürdigen Scbule sei das, angekränkelt vom stecken Gewaltgeist« der Völkerverlöhnung und Völkergleichheit. Weniger ein Narr, sondern mehr ein Verbrecher. „Ich frage di« Oberprima ausdrücklich, ob sie mit den verwerklichen Gedankengängen einer so beispiellosen Verkommenheit ettvas gemein hat oder haben will." Ein unbeschreiblicher Tumult tobte auf. Die Jünglinge überboten ihren Lehrer an Entrüstung, besonders auf den Hinteren Bänken. Sieg- mund Rosenblüth, der Klassenletzt«, bedauerte unter dem Beifallsgebrüll aller, daß leider die Hochachtung vor der Schuldrsziplin verbiete, nach Gebühr auf der Stelle mit dem Landesverräter abzurechnen. Das Polenschwein— der Angegriffene hieß Slotschewer— sei der Schand- Pfahl im Fleische des Hohenzollernghmnasiums und verdiene, einen Denkzettel zu erhalten. Die Ehrenpflicht zur urdeutschen Fenre sei in der deutschen Jugend Gott fei Dank noch nicht vergessen. Das möge der Landesverräter sich gesagt stin lassen. Die Nachbarn rückten so weit als möglich von dem bleichen Slotschewer-ab. Der sagte nicht ein Wort, starrte nur hilflos auf den Lehrer, von dem er dies« herbe Verurteilung vielleicht nicht erwartet hatte. Dem Studienrat gewährte es sichtliche Befriedigung, daß die Klaffe sich einmütig seiner Empörung anschloß, und er sang stäftig mit, als sich aus dem allgemeinen Wirrwarr schließlich ohne Befehl das Deutschlandlied löste und in lauter Trutzigkeit die edelsten Güter des Vaterlandes pries: Einigkeit und Recht und Freiheit sind des GlückeS Unterpfand, blüh im Glanze dieses Glückes, blühe, deutsches Vaterland! Und als ob die Jünglinge hätten beweisen wollen, wie sehr der gute Deutsche seine Leidenschaften ohne weiteres zu bändigen vermag, sobald die Disziplin es verlangt, legte der Lärm sich augenblicklich, als der Studienrat von der deutschen Vaterlandsliebe zur altgriechischen Sprachlehre überging. Als Slotschewer in der großen Frühstückspause auf dem Schulhofe erschien, war sein Abweichen von den Ueberlieferungen des Hohenzol- lern-Gymnasiums schon in allen Schulstuben be- kamü geworden. Die Klaffe« der Jüngeren, die selbst dem Abtrünnigen gegenüber die Unterordnungspflicht nicht vergehn, di« sie dem Oberprimaner schulden, ließen ihn stillschweigend durch die Gasst chrer feindseligen Blicke Spießruten laufen. Die Aelteren brauchten sich auf diese ausschließlich m'mische Bestrafung nicht zu beschränken. Slotschewer lehnte an einem Baume. Die Gelassenheit, nm der er in sein Frühstücksbrot biß, war bestimmt nur vorgetäuscht, denn um chn herum drängten sich Hunderte von deutschen Jünglingen. Das Kreuz des ,^Funn Deutscher, ein Mensch mit scharf nationaler Gesinnung". Gewiß war Seliger sich seiner Zugehörigkeit zum deutschen Volke bewußt. Aber er war nie ein Nationalist, er war frei von jeder feindlichen Gesinnung gcgcn andere Nationen, seine Liebe zur eigenen Nation stand in vollstem Einklänge zu seiner internationalen Gesinnung,— was za schließlich sür Sozialdemokraten eine Selbstverständlichkeit ist. Aber Internationalismus bedeutet doch wahrlich nicht freiwillige Unterordnung des eigenen Volkes unter den Willen eines anderen! Internationalismus ist doch nicht gleichbedeutend mit Nationslosigkeit! Sondern: Forderung der Gleichberechtigung für alle Nationen und Gleichschätzung aller Nationen, Verständigung zwischen den Böllern anstatt der Entscheinung durch die Gewalt, auf die sich in seiner Unterredung RaLln berief! Das ist so charakteristisch für den Nationalismus: er will über andere herrschen. Und wenn der andere stch nicht beherrschen lassen will, sondern für sich die Gleichberechtigung verlangt, wird er flugs zum„Nationalisten" und„Rebellen" erklärt! Es ist die alte Geschichte, die alte Erfahrung, die der tschechische Nationalismus aufs neue bestätigt: der Nationalismus will herrschen, und will, daß die anderen sich„loyal" beherrschen lassen. Wir wissen, daß die Formen, in denen sich dieser Herrschäftswillc des tschechischen Nationalismus äußert, die einzig mögliche Form des tschechischen Imperialismus ist, der wie jeder Imperialismus ökonomisch begründet ist, so daß cs sich bei der Aufrechterhaltung dieser uneingeschränkten Macht um ein Klafseninteresie der tschechischen Bourgeoisie und um ökonomische Interessen tschechischer Intellektueller und Kleinbürger handelt. Wir erfüllen aber nicht etwa eine Pflicht gegenüber der deutschen Arbeiterklasse, sondern eine wahrhaft internationale Pflicht, wenn wir dem tschechischen Nationalismus gegenüber für die nationale Gleichberechtigung kämpfen. Wie schwer, wie ungemein schwer es ist, auch nur Teilerfolge zu erzielen, das zeigt die- scharfe Ablehnung der Vorschläge Dsvers über di« Reform der Schulverwaltung durch die tschechische Presse. Den Deutschen und den Magyaren soll ein gewisser Einfluß auf die Verwaltung ihres eigenen Schulwesens eingeräumt werden—: und schon beginnt der Nationalismus zu toben! Es ist, als wollte er den Deutschen und Magyaren mit aller Eindringlichkeit sagen: Wir verhandeln nicht einmal mit Staatsbürgern anderer Nationalität, wir verhandeln nicht darüber, daß den Wünschen der Minderheiten ein wenig entsprochen werde! Sie haben sich einfach zu fügen und„loyal" zu sein! Es ist, als wollte der tschechische Nationalismus den Deutschen und Magyaren mit aller Eindringlichkeit sagen, daß es für sie keine Zukunftshoffnungen gibt. Will er das wirklich? OMiMMmniifflMnHntmifflnnnmiiinHnraiiiiiunawnmnHttuminiumumninuiuHminiiniiiiiiiiiiiiiiiiiniiiiiiiiniiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiuiiHiiiiiiiiiiiHiifiiiiiiiiiiiiiiiiiiiHiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiii Pakt mit kapitalistischen Staaten: Ja. Pakt mit Sozialdemokraten: Nein. Der gesamten proletarischen Oeffentlichieit wird der Schwindel, den die Kommunisten mit der Parole der» Einheitsfront aufführen, immer mehr offenbar. Sie rufen in Versammlungen und in ihrer Press« nach der Einheitsfront, sie fabri- zievon in ihren Redaktionen Zustimmungskundgebungen angeblich sozialdemokratischer Arbeiter, sie verlangen das Zusammengehen der Arbeiter der verschiedenen Richtungen in den Tagesfragen. Aber wie von sozialdemokratischer Seite nur e i n Wort ertönt, daß man bereit sei, in gewissen proletarischen Fragen mit den Kommunisten zusammenzugehen, rennen di« Kommunisten von ihrer eigenen Parole weg und erklären, mit der Sozialdemokratie sei ein Zusammengehen unmöglich. Einen Beweis für diese Auffassung liefert wieder das Verhalten der Kommunisten in den letzten Tagen. Wir haben bereits berichtet, daß der tschechische sozialdemokratische Genosse Koudelka in der Weihnachtsnummer des„Pravo Lidu" den Kommunisten den Vorschlag eines Nichtangriffspaktes mit der Sozialdemokratie gemacht hat. Er hat diesen Vorschlag damit begründet, daß die Kommunisten bei allen grundsätzlichen Erwägungen einen solchen Pakt abschließen können, nachdem ja Sowjetrußland mit kapitalistischen Staaten — zuletzt mit Frankreich und Polen— einen solchen Pakt ohne jede Bedingung abgeschlossen haben. Wir haben an diese Nachricht die Aufforderung an sozialdemokratische Arbeiter geknüpft, die kommunistischen Arbeiter in den Betrieben zu fragen, warum ei« solcher Pakt nicht möglich sei. Das„Rude Pravo" und der.^vorwärts" suche« sich««««m di« Ablehnung des von Genossen Koudelka vorgeschlagene« Paktes mit alle« möglichen Argumente« herum- zudrücken. Bor allem wird vom ,Fiude Pravo" festgestellt, daß die Nichtangriffspakte mit den kapitalistischen Staaten den Zweck haben, einen Krieg, d. h. eine schwere Katastrophe für die Menschheit zu verhindern. Wir erlauben uns nun, an die Kommunisten die Frage zu stellen, ob die Spaltung des Proletariats keine Katastrophe für die Menschheit ist? Wo'wäre es zu einer solchen Stärke des Fascis- mus in Europa gekommen, wo zu einer solchen Menge von Kriegsgefahr, die in Europa herrscht, wenn das Proletariat noch so stark wäre wie 1918, nxpm es eben nicht gespalten worden wäre? immniitiinifimiuniniimiifflniiiiuiiiiiiitiiuiuiiniiiiiiiuuuiuiuiuiuiiHiiiiiiiimiiiiiiuuuuiiuiuii Bor dem Abschluß des TMbrn^ Prozesses. Die Angeklagte« verteidigen sich. Jglau, 29. Dezember. Heute erhielt der Angeklagte Sichrovsky das Wort zu seiner Verteidigungsrede. Er erklärte, daß der ganze gegen ihn geführt« Prozeß ungerecht sei. Räben ihm sitze ein Mann des 28. Oktober(Stkibrny) und ihn verteidig« der Sichn des zweiten großen Mannes dieses Staates (Dr. Rasin). Er habe sich niemals mit PÄitik beschäftigt und niemals erwartet, daß in seinem Alter auf seine Kosten eine derartige Streitfrage ausgetragen werde. Er erklärt, bei Stkibrnys Popularität und bei feinem(Sichrovskys) Bekanntenkreis hätten sich sofort Hunderte von Leuten gefunden, die bezeugt hätten, daß sie sich beide kennen, wenn dies tatsächlich der Fall wäre. Er hätte diesbezüglich eine Verfolgung wegen falscher Zeugenaussage nichr riskieren können. Diese einfache Ueberlegung beweise die Absurdität der ganzen Anklage. Stkibrny habe er nicht gekannt, ein Interesse an einem Vor« teil Stkibrnys am Waggongefchäft habe er nicht gehabt. Er habe di« rein« Wahrheit gesprochen und hab« an der Verwirklichung der Waggonliefenurg keinen Einfluß gehabt. Seine Provision hab« bloß ;w«i«iichalb Prozent betragen und sei keineswegs außerordentlich hoch gewesen. Er lehnt di« Anschuldl- gungen der Anklage ab und schwört. Stkibrny nicht gekannt zu hoben. Er fühl« sich unschuldig und lege mit Vertrauen in di« Gerechtigiei: kein Schicksal in di« Hände des Gerichtes. Rach hm sprach sein Verteidiger Dr. L e r- v« n y. Er erklärte, daß Dr. Stransky nicht bedacht babe, wie dieser Prozeß die ganze tschechische Lessent- lichkeit erregen werd«. Es seien große Geldbeträge aufgebracht und Prozesse gefichrt worden, um Stkibrny aus dem politischen Leben zu beseitigen Ten Referenten des Untersuchungsausschusses Kou- delta nannr« er einen Jnquisitionsrichter, Dr. Stransky einen Dem rzianten. Der Beweis, daß beide AngeklagtOi einander gekannt hätten^.sei nicht gelungen. Darauf war aber die ganze Anklage auf« Lag« nicht im Zusammengehen der Prole- tarier aller Länder eine stärkere Bürgschaft für die Aufrechterhaltung des Friedens, als in dem Nichtangriffspakt mit reaktionären Regierungen? Wünschen die Staatsmänner des bolschewistischen Rußland die Zusammenarbeit mit den reaktionären Regierungen kapitalistischer Staaten oder mit klassenbewußten sozialdemokratischen Proletariern? Das„Rude Pravo" erklärt, ein Pakt mit der Sozialdemokratie hätte gewiss« Bedingungen zur Voraussetzung und es zählt gewisse innerpolitische Forderungen auf, die zur gemeinsamen Forderung beider Parteien erhoben werden müssen. Es ist merktrmrdig, daß sich die Kommuni st en an derartige Bedingungen nicht erinnert haben, als sie mit dem reaktionären Polen einen Nichtangriffspakt ab schlossen. Den Kapitalisten stellen sie keine Bedingungen, der Sozialdemokratie ja, weil sie eben die Zusammenarbeit mit den kapitalistischen Staaten wollen, mit den sozialdemokratischen Proletariern aber ablehnen. Dabei rufen es di« Kommunisten fortwährend in alle Welt hinaus, daß die kapitalistischen Staaten eine bewaffnete Intervention gegen Sowjetrußland durchzuführen die Absicht haben. Mit ausgesprochenen Konterrevolutionären, welche am liebsten mit Waffengewalt in Rußland einmarschieren möchten, werden also Nichtangriffspakte abgeschlossen, nicht aber mit der Sozialdemokratie, die seit dem Hamburger Kongreß auf allen internationalen Konferenzen ihrer Sympathie für Sowjetrußland Ausdruck gegeben hat und die sich zuletzt in den Beschlüssen vom Mai 1932 gegen Japan und für Sowjetrußland ausgesprochen hat. Tas„Rude Pravo" erklärt auch, daß ein Nichtangriffspakt mit der Sozialdemokratie unmoralisch wäre. Damit verläßt das kommunistische Organ den Standpunkt des Klassenkampfes. Wenn«in Nichtangriffspakt mit Kapitalisten moralisch ist, muß es auch ein solcher mit sozialdemokratischen Proletariern sei«. Die Kommunisten sind aber so tief gesunken, daß ihnen das Zusammengehen mit einer reaktionären Bourgeoisie moralischer erscheint, als das mit klaffenbewußten Proletariern, die sür die Aufrichtung der sozialistischen Gesellschaft mit allem Ernst und aller Leidenschaft, mit Energie und Opfermut kämpfen! IIIUIIUIIlUIIHinilllllllllHItllllllllllllHIlHimillllllUillliniUllUUlUIIIHillUUllllllllUlUUllUUlllllUIlU gebaut. Zum Schluß beantragt«r die Freisprechung seines Klienten. Nachmittag ergriff unter allgemeiner Aufmerksamkeit im überfüllten Schwurgerichtssaal der Angeklagte Stkibrnh das Wort. Er reagierte zunächst auf die Ausführungen des Staatsanwaltes, der den ursprünglichen Standpunkt der Klage geändert habe, daß er den Kaufvertrag keineswegs am 28., sondern am 21. Juli 1920 unterzeichnet hatte. Er wehrt sich gegen die BehauPMng, daß er einen' deutschen „Kaufvertrag" unterzeichnet hätte. Den Hinweis darauf, daß er Sichrovsky durch Vermittlung Pleys kennen solle, erachte er für unlogisch sowie auch daß Sichrovsky in der Kleinlandwirtevereinigung zu ihm durtb eine Geheimtür gekommen sei. Bezüglich des Verzeichnisses aller angeblichen Unwahrheiten, di« er gesagt höbe, und seiner Anpassung an die Zeugenaussagen erklärt Stkibrny, daß jedem das Gedächtnis versagen könne. Er sprach davon, wie Pergler seines Mandates entkleidet wurde, von der Wahl des Untersuchungsausschusses und der Atmosphäre, in welcher die Untersuchung geführt wurde. Betreffs des Waggonvertrages erklärt Stkibrny, er liege vielleicht bei der Firma Arons u. Walter und er glaube, daß er den definitiven Vertrag überhaupt nicht unterfertigt habe. Wenn er ihn unterzeichnet härte, hätte die Firma sicherlich nicht 5000 Mark, höchstens 1000 bis 2000 Mark pro Waggon nachgelassen. Als Vater der Idee, die Waggons im Auslande zu kaufen, bezeichnet er Dr. Burger. Hinsichtlich des Preises der Waggons erklärte er, daß sie für ein Viertel des Preises gekauft wurden und er könne nicht dafür, daß das Bankamt mit teuer gekauften Mark gezahlt habe. Er rekonstruierte von neuem die Angelegenheit des WaggonkaufabschlusseS, wobei Sichrovsky mit Burger verhandelte, das Eingreifen Dr. Oberthor, die Aktion Lustigs und erklärte, daß die Zeugenschaft. Schiffs, welcher sich persönlicher Verhandlungen mit ihm rühmte, erfunden sei. Er erklärt, daß in diesem Sumps von Kettengeschäften es einem gewissen Teil der tschechoslowakischen Oefscntlichkeit eine Freude bereitet habe, einen oppositionellen Minister und Abgeordneten zu tnerglsdie Schritte gegen die Mazedonier? lieber 300 Verhaftungen in Sofia. Sofia, 29. Dezember. Die Polizei traf Maßnahmen, um di« Stadt von allen gefährlichen Elementen zu befreien. In diesem Zusammenhang« wurden mehr als 300 Personen aus beiden makedonische« Lagern verhaftet. waschen. Er erklärt, es gebe keine einzige Sache, für die m sich schämen müßt«, denn jedes geschriebene und gedruckte hier vorgebrachte Wort diene seiner Rehabilitierung. Jglau sollte ihn um sein Abgeordnetenmandat bringen. In seinem ganzen Leben habe er keinen unehrlichen Heller genommen und erklärt, daß der Verlauf des dreimonatigen Prozesses, der mit ruhigen Nerven für ihn schließe, ihm die Pflicht auferlege, an der Spitze der Opposition mit oder ohne Abgeordnetenmandat zu verbleiben. Seine Rede dauerte eineinhalb Stunden. Um halb 6 Uhr ergriff Verteidiger Dr. Raiin das Wort. Der Angeklagte Stkibrny, habe mst seinem, Dr. Rasins, Vater und mit drei anderen Männern den staatlichen Umsturz durchgeführt. In dem Prozesse habe es sich ihm, Dr. RaSins, und dem Angeklagten Stkibrny um die Erforschung der Wahrheit im weitesten Umfange gehandelt. Eine Zeugenaussage Stkibrnys sei de facto überhaupt nicht erfolgt, weil Stkibrny vom Amtsgeheimnis nicht entbunden wurde. Ein Beamter könne nicht verhört werden, wenn er nicht des Amtseides enthoben wurde und müsse es wahren, selbst wenn er aussagen wollte. Da Stkibrny im Falle Dyma von der Verpflichtung, das Amtsgeheimnis zu wahren, nicht befreit wurde, sei seine frühere Aussage ungültig und könne daher auch nicht die Grundlage irgendeines Verfahrens bilden. Rach einem historischen Ueberblick über den Prozeß unterzog Dr. Ra8in die Arbeit des Untersuchungsausschusses einer eingehenden Kritik. Der Verteidiger schloß sein Plädoyer mit einer Schilde- rung der politischen Und wirtschaftlichen Lqge zur Zeit des Waggonbedarfes. Die Verhandlung wurde sodanx auf Freitag, 9 Uhr vormittags, vertagt. Keine Bierverteuerung. Gastwirte und Brauereien trage« die Erhöhung der Umsatzsteuer. Prag, 29. Dezember. Der Zentralverband der Brauereien und der Arbeitsausschuß der Gastwirtezentralorganisationen gehen bekannt: „Ab 1. Immer 1933 wurde das Bier mit einer weiteren Steuer von 5 K pro Hektoliter belastet. Obzwar sowohl Brauereien als auch Gastwirte durch den Ausstoßrückgang schwer betroffen sind und obwohl sie bereits im Mai 1932 im Interesse der Konsumenten und des Staates die damalige Erhöhung der Umsatzsteuer im Betrage von ungefähr 4 K pro Hektoliter auf sich genommen haben, entschlossen sie sich deimoch mit Rücksicht auf die dringenden sinoivzieilen Bedürfnisse des Staates und auf die allgemeine wirtschaftliche Depression, um dem Bier konsumierenden Publikum soweit als möglich endgegenzukomnien, auch dies« Steuererhöhung nicht auf die Kvtrsu- manten abzuwälzen, und einigten sich über die Verteilung dieser neuen Last zwischen Brane- reion und Gastwirte. Der Bierpreis im Gasthause wird somit vom neuen Jahre an nicht erhöht." * Durch eine Verordnung des Finanzministeriums wird ab 1. Jänner 1933 das Umsatzpauschale für Bier, das bisher nach Prozenten bemessen wurde, durch einen festen Betrag erseht werden, und zwar bei Schankbier mit 16.40 K pro Hektoliter, bei Lagerbier mit 17.50, bei Pilsner mit 18.90, bei Pilsner Lagerbier mit 21.75 und bei Spezialbier mit 21.50 K pro Hektoliter. Das neue Berwaltimgslollegium der Staatsbahueu. Prag, 29. Dezember. Im BerwaltnngSkolle- gium der sschechvflowakischen Staatsbahnen wurden mit Gültigfeit vom 1. Jänner 1933 einige Aendermrgen durchgeführt. Der bisherige Vorsitzende deS Derwaltungskollegiums Regierungs- rat Ing. Smilauer hat vor kurzer Zeit seine Funktion niedergelegt. Zum neuen Vorsitzenden wurde SektionSchef Dr. I. Üiha ernannt. Das DerwaltungÄollegium ist nach den erfolgten Aenderumgen folgendermaßen zusammengesetzt: Vorsitzendev Dr. kiha; stellvertretender Vorsitzender Jug. Otta; Mitglieder: Dr. No. Dottty, Vorstand der Rechtsabteitung, Dr. Ka- menirky, Vorstand des Finanzdepartements, I. Paul, Vorstand der kommerziellen Abteilung, Ing. Hanisch, Vorstand des Baudepartements, Ing. Klatovfl^, Stellvertreter des Vorsitzenden des Maschinendepartements, Ing. Hüla, Vorstand des Verkehrsdepartements, Ing. Jbl, Vorstand der Zentrakverwaltung dos Automobilverkehrs der tschechoslowakischen Staatsbahnen, I. Kafka, Vertreter des Finanzministeriums, und die nichtamtlichen Mitglieder: Dr. Hotywetz. Dr. Hexner und der Sekretär der Union der Eisen bahmmgestellten Römer. Vertreter der Mitglieder sind: Dr. Geißler, Dr. Lermük, Kocmrrok, Ing. Hauer, Ina. Fasse, Ing. Erben, Ing. Tiima, Dr. HorLk, Dr. PospM, Dr. Havelka und Sekretär Plot. Seite 4 Freitag 30 Dezember 1932. At. 307. Tagesneuigkeiten Eine Gemeinde durch Erdbeben zerstört. 27 Tote, 50 verwundete. Mexiko City, 29. Dezember.(Reuter.) Verspätet einlangenden Berichten zufolge wurde die Gemeinde T o m a t l a n in der Provinz Ja- liske am 19. Dezember durch ein Erdbeben zerstört. Bei diesem Beben wurden 27 Personen getötet und 50 verwundet. 13 Todesopfer einer Schlagwetterexplosion in Ungarn. B o n h h a d(nordöstlich von Fünfkirchen), 29. Dezember.(MTJ.) In einer Grube bei Ragymanyoj ereignete sich gestern ein« katastrophale Schlagwetterexplosion. Dreizehn Bergleute wurden getötet, einer lebensgefährlich verwundet. Di« Ursache der Katastrophe konnte bisher noch nicht sichergrstellt werden. zehn Hafenarbeiter ertrunken. Wellington(Neuseeland), 29. Dezember. Am Mittwoch abends erfolgte am Eingang des Binnenhafens ein Zusammenstoß zwischen einem Dampfer und einem Motorboot, auf dem 31 Arbeiter aus dem Außenhafen zurückkehrten. Das Motorboot sank. 21 Arbeiter wurden gerettet, die übrigen 10 sind wahrscheinlich ertrunken. Motorradunglulk mit zwei Todesopfer«. Man meldet uns aus Saaz: Auf der Straße bei Klapy im Raudnitzer Bezirk fuhr ein in raschem Tempo befindlicher Motorradler aus Tschentschitz einen aus der Straße gehenden Briefträger an und riß ihn zu Boden, wobei der Beamte so schwere Verletzungen erlitt, daß er kurz darauf verstarb. Aus Verzweif- lung über das Unglück beging der Urheber, ein verheirateter Mann und Vater zweier Kinder, Selbstmord durch Erschießen. zweier Todesopfer des Brünner Rodelungiücks. Das schwere Rodelunglück in Brünn hat bereits ein zweites Opfer gefordert. Der schwer verletzt« Fabrikant Sandholz ist in der Nacht auf Astern in der Brünner Landeskrankenanstalt verschieden. Im Lauf« des Mittwoch war Sandholz einige Mal« aus seiner Bewußtlosigkeit erwacht und man hoffte schon, ihn retten zu können, als gestern eine Verschlechterung eintrat, was den Tod zur Folge hatte. Der klein« Sohn der getöteten Frau Furych, der bei dem Unglück gleichfalls schwer verletzt wurde, lag in den gestrigen Abendstunden noch in tiefer Bewußtlosigkeit. Sein Zustand ist nach wie vor außerordentlich bedenklich. Auf der Hochzeitsreise lm Flugzeug verbrannt. Paris, 29. Dezember. Nach einer Blättermeldung aus Madrid stürzte gestern das P o st- flugzeng Barcelona—Toulouse in der Provinz Lerida brennend ab. An Bord befand sich der Pilot und zwei Hochzeitsreisend«. Der Pilot und die junge Frau verbrannten, der Ehemann wurde schwer verletzt. Grippe-Spidemie in Nordamerika. New Zork, 29. Dezember.(Reuter.) In den Bereinigten Staaten wütet zur Zeit, ähnlich wie in Großbritannien, eine Grippe-Epidemie. Die amtlichen Sanitätsorgane melden aus 35 Staaten 43.997 Grippefälle, doch entspricht etwa ein Achtel dieser Zahl dem wirklichen Stand der Erkrankungen. In der Stadt New Aork allein sind 10.000 Grippefälle zur Anmeldung gebracht worden. 132.800 Sleuerlrager in USA erhalten 3 Milliarden Ke zurückerstattet. Washington, 29. Dezember. Die Staatskassa entsprach den Ansuchen von 132.055 Steuerträgern, die gegen die Steuervorschreibungen für das Jahr 1932 Rekurs erhoben hatten. Die Staatskasse zahlt« diesen Steuerzahlern im ganzen 86,583.564 Dollars zurück(das sind annähernd etwa 3 Milliarden Xö). Bei dieser Rückerstattung von Steuergeldern wurde von der Staatskasse die Praxis gehandhabt, daß von jeden bezahlten 18 Dollars stets ein Dollar rückerstattet wurde. Der höchste Betrag wurde der Bostoner United Fruit rückerstattet, und zwar 2,960.000 Dollars. Unter den Steuerträgern, denen ansehnliche Beträge retourniert wurden, befindet sich u. a. der Botschafter der Vereinigten Staaten in London, Mellon, dem 7869 Dollars zurückgegeb«n wurden, tvei- ter der bekannte Filmschauspieler Douglas Fairbanks, der 72.000 Dollars erhielt, der bekannte Filmliebling Ramon Novarro, welcher einen Betrag von 7604 Dollars bekam, der Filmschaujpieler Conrad Nagel, welcher 1000 Dollars erhielt und Ober st Lindberg, >rm 1243 Dollars rückerstattet wurden. einer . 13,553.958 X . 15,412.451 K . 20,396.968 K die Ge- hi«r ein errichten Außerdem louM« auch nie mit Genauigkeit die.Zeit der Geburt und des Todes Jesu fixiert werden- Hierüber existiert bloß die beiläufige Angab«»zur Zeit des H«rodes" und auch das Alter Christi von 33 Jahren ist absolut kein historisches und wird in den heiligen Büchern auch nicht angeführt. Daraus ergab sich, daß die einzelnen Forscher entweder das Jahr 29, 30 oder 33 der Aera vulgans als das Todesjahr Jesu angaben. Infolge dieser historischen Unsicherheit und wegen des Umstandes, daß das Mysterium der Auferstehung alljährlich öo ipso gefeiert wurde, sprach« sich dse maßgebenden, Kreise allgemein dahin aus, das 1900- jährige Jubiläum nicht zu feiern. Es hat daher überrascht, daß der Papst aus rein religiösen und sicherlich auch aus wirtschaftlichen Grülwen der gegenwärtigen Zeit das außerordentliche Heilige Jahr proklamiert hat, wobei er der historische» Unsicherheit teilweise dadurch Rechnung trug, daß er das Jubiläunrsjahr auch noch auf einen Teil deS Jahres 1934 ausgedehnt hat. Empfehlenswerte- aus ven Programmen. Samstag. Prag: 6.15 Gymnastik, 11.00 Schallplatte», 18.25 Deutsche Sendung: Silvesterfunk, 19.00 „Die verkaufte Braut", Oper von Smetana, 20.40 Silvester-Kabarett, 22.25 Operette, 23.55 Mitternachtsszene.— Brünn: 12.30 Orchesterkonzert, 18.25 Deutsche Sendung: Bunte Silvesterstunde.--- Berlin: 18.00 Lieder.— Mühlacker: 17.30 Mandolinenkonzert.— Königsberg: 15.45 Orchesterkonzert. — Langenberg: 23.45 Kammermusik— Leipzig: 17.00 Das Spiel vom deutschen Bettelmann, Rundfunkdichtung.— München: 12.00 Gigli singt, Furtwängler dirigiert.— Wien: 16.20 Chorvorträge, 20.00 Tempo der Zeit, Sinfonieorchester, 22.00 Wir schalten auf 1933, 1.00 Tanzmusik. frei den Selbstmord fcststellte, di« Anzeige. O. hat die Tat aus Schwermut über«ine Erkrankung verübt. Eine gelähmte Fra« fällt auf den Ofen und verbrennt. Die gelähmte Frau des Gastwirtes Gyurikovskh in Sillein fiel in Abwesenheit ihres Mannes aus ihrem Krankensesscl heraus und auf den daneben befindlichen Ofen. Bald standen ihre Kleider in Hellen Flammen. Ehe Hilf« herbeigerufeü werden konnte, war die Frau bereits verkohlt. Drei maskierte Räuber drangen in der Nacht zum Donnerstag in das Besitztum des Gutsbesitzers Schulze-Wedding bei Münster ein. Der'Gutsherr wurde von den Räubern durch einen Schuß getötet. 197.000 Francs der Wiener Wirtschaftspolizei verfallen. Wien, 29. Dezember. Die Wirtschaftspolizei hat auf Grund mehrfacher Einvernahmen in Angelegenheit des Valutenschmuggels der Juweliersgattin Zipper festgeftellt, daß ein Balutaschmuggel nach Polen geplant war. Fran Zipper gab an, daß der im Schmuggelkoffer verborgene Betrag von 197.000 französischen Franken Eigentum der Züricher Juwelenhandelsfirma Frisch u. Co. sei, die diesen Betrag vor einiger Zeit dem Gatten der Angehaltenen Leo Zipper ins Depot übergeben habe. Gisela Zipper wollte nun über Auftrag ihres Gatten Leo Zipper diesen Betrag an die Firma Frisch nach Zürich zurücksenden und dies sei infolge der bestehenden Valutabestimmungen in Oesterreich nicht anders möglich gewesen, als daß sie die Valuten nach Polen schmuggelte, von wo es ein Leichtes gewesen wäre, den Betrag in französischer Währung an die Schweizer Firma zu überweisen. Leo Zipper, der bisher noch nicht nach Wien zurückgekehrt ist, konnte daher noch nicht einvernommen werden. Die Strafamtshandlung ist eingeleitet worden. Die Wirtschaftspolizei hat nach Abschluß der bisherigen Erhebungen auf Grund des vorliegenden Tatbestandes über die Juweliersgattin Zipper eine Geldstrafe von 12.000 Schilling, im Nichteinbringungsfalle von drei Monaten Gefängnis verhängt. Die beschlagnahmte Summ« wurde für verfallen erklärt. Innsbruck, 29. Dezember. Die Tiroler MarktgemeindeJenbach ist derart verschuldet, daß ihr Gemeindebesitz, vor allem aber das neue große Schulhaus, versteigert werden müssen. Die Versteigerung des Schnlhaujes ist für den 9. Feber 1933 angesetzt. Es heißt, daß sich für das große Schulhaus, das für Jenbach viel zu groß und auch zu kostspielig ist, m e i n de Wien interessiert, die modernes Erholungshei m will. d. t xMAWWW gaben des gelehrten Mönches Dionysius Exi- g u u s, so daß das erste Jahr der Aera vulgaris das Jahr 754' war. Die Nachfolger des Mönchs Dionysius überzeugten sich aber, daß dieser insofern einen Fehler beging, als er beim Zählen der Iahre 2 bis 6 Iahrc zu wenig rechnete. Allah ist groß- heißt aber jetzt „Tanari". Jstambul, 29. Dezember. Heute wurden viele Muezzin(Gebetsverkünder) mit Gefängnis bestraft, da sie sich weigerten, nach den neuen Vorschriften bei den religiösen Zeremonien Allah mit dem türkischen Namen „T a n n r i" anzurufen. Mustafa Kemal ordnete an, daß mit Beginn des Ramazan(der großen türkischen Fastenzeit,-er neunte Monat im arabischen Kalender) die Gebete und die Gebetsaufforderungen in türkischer Sprache und nicht mehr, wie bisher üblich, arabisch, zu vollziehen sind. Die Muezzin zeigten großen Unwillen darüber, daß sie nach dieser neuesten Verordnung nunmehr türkisch lernen müssen. jedwede hi st arische Grundlage Sie behaupten nämlich, daß Christus 1900 Jahren starb, denn erst im Jahre 516 der jetzigen die Jahre der Geburt Christi zu zählen, i. am 25. Dezember des Jahres 733 imch An- Eine Fremdenlegion der Arbeit? An und für sich ist gegen Auswanderung aus einem Lebensmnm, der überfüllt ist, nichts einzuwenden. Wenn aber die skodawerkc(Schneider & Creuzot, Rüstungskonzern, Paris und überall)— unsere jungen Menschen zwecks „Montage von Maschinen" in die z. B. französischen Kolonialgebiete der nordafrikanischen Länder verschieben, so wäre einzuwenden: in der Jugend— noch dazu in den Entwicklungsjahren dieser Nachkrwgs- und Kriegsjugend der Elendszeit der Erde— ist das Klima jener Länder nur für Spaziergänger nicht sehr gefährlich, für arbeitende, schwer arbeitende Europäer des Nordens'— wozu„Mitteleuropa" klimatologisch gehört— in der Regel vernichtend. Fieber bleibt nie aus, und seine Folgekränkherten,(für Nieren, Leber, Magen, Herz) sind mindestens lebenskraftverringernd, in sehr vielen Fällen tödlich. Vielleicht befassen sich unsere zuständigen Stellen des Näheren mit jenen„Montage-Arbeiten", die für kurze Zeit in jenen Ländern getan, diskutabel wären. Aber, für Monate, Jahre ist jenes Klima nur für abgehärtete, zähe, erwachsene Menschen quasi geeignet— wenn dies« ein kürzeres Leben bei höherem(?) Lohn dem Jnlandslohn und Elend vorziehen. Verbandstag der Privatangestellten. Wie wir der Allgemeinen Angestelltenzeitung(Reichenberg) entnehmen, findet der ordentliche Bcr- bandstag des Allgemeinen Angcstelltenverbandes (Reichenberg) Ostern 1933, und zwar Samstag, den 15., und Sonntag, den 16. April, in Karlsbad statt. Die neue Glühbirnenstener. Neber die gestrigen Ministerberatungen erfährt das Abendblatt des„öeflö Slovo", daß u. a. die Steuer auf Glühbirnen behandelt wurde, die 10 Millionen einbringen soll. Die Steuer wird bei den kleinsten Glühbirnen für die Taschenlampen mit 20 Aus Rom wird berichtet: Di« vom Papste am Weihnachtstage erfolgte Prccklamierung des„Außerordentlichen Heiligen Jahres" in Erinnerung an den vor 1900 Jahren erfolgten Tod Jesu hat in hiesigen Kurienkreisen sowie in der katholischen Welt überhaupt ein gewisies Befremden hcrvorgeruscn. da sachkundige Kreise der Ansicht sind, daß der Fe i e r mangl?. nicht genau vor man begann Zeitrechnung Vorn Rundfunk Das Aaviowejen im Staatsvoranschlag für 1933. Im Voranschlag für das Jahr 1933 sind als Ertrag des tschechoslowakischen Rundfunrwesens 154 Millionen Kronen eingesetzt, denen Ausgaben (in der Höhe von 18,900.000 Kronen gegenuber- stehen. Diese 18,900.000 X stellen den 35prozen- tigen Anteil an den Bruttoeinnahmen aus dem tschechoflowakischen Rundfunk dar, welcher der Gesellschaft„Radiojournal" als Entschädigung für die Berwaltungs- und Regieauslagen, die mit der Besorgung des Programms des Radiodienstes verbunden sind, bewilligt wurde. Im Voranschläge für das Jahr 1932 waren als Bruttoeinnahmen 43,200.000 X vorgesehen, das Plus für das Jahr 1933 beträgt demnach 10,800.000 X. Die Ausgaben für 1933 sind gegenüber dem Voranschläge für 1932 um ! 2,700.000 X niedriger gehalten. Der Reingewinn, der für das Jahr 1932 mit 35,100.000 X errechnet wird, ist im Vergleiche zum Voranschlag« für 1932 um 13,500.00 X höher. Als Grundlage für die Errechnung der Bruttoeinnahmen tburd« ein Stand von 450.000 zahlenden Radiokonzessionären angenommen. Der Gesamtstand der zahlenden Radiokonzessionäre betrug am 1. Jänner 1929 236.952, am 1. Jänner 1930 266.333 (plus 29.381 Personen), am 1. Jänner 1931 313.392(plus 47.059 Personen), am 1. Jänner 1932 382.156(plus 68.764 Personen), am 1. Dezember 1932 456.621(hievon 3021 nichtzahlende Personen). Die Reineinnahmen aus den Radiogebühren betrugen: für das Jahr 1929.. für das Jahr 1930.. für das Jahr 1931.. Investitionen werden im Jahre 1933 nur in sehr geringem Ausmaße durchgeführt werden. Der Jnoestitionsvoranschlag enthält einen Betrag von 500.000 X für den Neubau eines Gebäudes für ein Radiöstudio, in welchem auch ein Teil der Postdirektion untergebracht ist, und weiter einen Betrag von 70.000 X für einen Zubau. zur Sendestation in Brünn-Kumrowitz. Für dje Rekonstruktion der radiotelegraphischen Zentrql- empfangsstation in Prag sind 3 Millionen X in den Voranschlag für 1933 eingesetzt, der Verbesserung der Radiozentrale im Hauptpostgebäude werden 500.000 X gewidmet. Für die Anschaffung von verschiedenen Jnventargegenständen für radiotelegraphische und Rundsunkstationen werden 600.000 X bereitaestellt. Schließlich ist noch ein Betrag von 400.000 X zur Anschaffung von Apparaten zur Kontrolle des Rundfunks und für das akustische Laboratorium im Voranschlag« für 1933 vorgesehen.(PR.) Kerschbaum er eine Versteigerung vorzuneh- meu hatte. Als Hubmann in Begleitung des Bürgermeisters vor dem Hause Kerschbaumers erschien, war es von einer Anzahl von ortsansässigen Bauern besetzt, die mit Stöcken und Prügeln bewaffnet waren. Plötzlich stürzten sich die Bauern auf den Exekutionsbeamten und den Ortsvorsteher, die beide'blutig geprügelt und schließlich in das Haus eingesperrt wurden. Als die beiden mit schwerer Mühe ins Freie gelangten, wurden sie neuerdings angefallen, mit Fußtritten traktiert und mit Latten und Stöcken geschlagen. Auch mehrere Stein« wurden gegen die beiden Amtsorgane geschleudert. Die Uebersallenen, die schwer mißhandelt wurden, wurden schließlich von der Gendarmerie befreit, die mehrere Landwirte verhaftete. Die Exekution konnte nicht mehr durchgeführt werden. :-c*. Blutige Versteigerung in steirischen Gemeinde. Graz, 29. Dezember. Gestern vormittag erschien der Gerichtsvollzieher Franz Hubmann in der Ortschaft Rechberg, wo er bei dem Landwirt Hellern beginnen und nach der Wattzahl anst.'i- gen. Bei o00 Watt-Lampen soll die Steuer bereits 10 K ausmachen; sür je weitere 100.Watt soll ein Zuschlag von X 2.50 cingehoben werden. Unter Brandstiftungsverdacht. Im vergangenen Sommer war in der Eisenmöbel- sabrik Heinrich in Böhm.-Wiefen- k h a l bei Weipert ein Brand ausgebrochen, welchem das gesamt« Gebäude zum Opfer fiel. Der Besitzer baute die Fabrik neuerlich auf, doch wurde im heurigen Spätherbste mehrfach versucht, das Gebäude in Brand zu stecken, so daß sich der Verdacht, schon das erste Feuer sei gelegt worden, immer mehr verstärkte, um so mehr, als dem Besitzer Drohbriefe geschickt und mehrfach auch Fenster des Gebäudes durch Steinwürfe zertrümmert wurden. Schließlich wurde ein junger Arbeiter namens Höll als der Brandstiftung dringend verdächtig verhaftet und dem. Bezirksgerichte Joachimsthal eingeliefert. Bei seiner Einvernahme gab er erst an, von einem Arbeitskollegen namens Schmidt zur Brandlegung veranlaßt worden zu sein, worauf auch Schmidt festgenommen und dem Gerichte überstellt wurde. Später änderte Höll seine Aussage und beschuldigte den Besitzer der Fabrik Heinrich dahingehend, daß er behauptete, von Heinrich 100 X dafür erhalten zu haben, daß er Feuer gelegt habe. Auf Grund dieser Aussage wurde Heinrich ebenfalls verhaftet und dem Gerichte eingeliefert, obwohl er jede Schuld entschieden in Abrede stellte. Bei der fortgesetzten Untersuchung wiederrief Höll Plötzlich seine Beschuldi gung, so daß Heinrich auf freien Fuß gesetzt Witwe, da auch di« Egerer Staatsanwaltschaft keinen Grund zu einem Einschreiten gegen Heinrich gegeben sah. Di« Affäre hat im Kreise Wei- Pert-Joachimsthal erhebliches Aufsehen hervor^ gerufen. Gegen Höll wird das Verfahren nicht nur wegen Brandstiftung durchqeführt, sondern auch wegen Verleumdung und Irreführung der Behörde eingeleitet werden. Interessant ist übri gens, daß er, nachdem er seine ursprügliche Beschuldigung gegen Heinrich widerrufen hatte, wenige Tage nach der Enthaftung Heinrichs neuerlich behauptete, von dem Fabrikbesitzer zur Brandlegung angeftiftet worden zu sein. Gräßliches Jagdunglück. Dienstag ereignete sich bei einer Kreisjagd in Langendorf (Mähren) ein entsetzliches Unglück. Als nämlich der Jagdteilnehmer Josef Groß sein Gewehr, auf einen aufgescheuchten Hasen in Anschlag bringen wollte, kam er bei der hastigen Bewegung mit dein Gewehrzüngel in Berührung, beide Schüsse gingen los und die ganze Ladung der Gewehrlaufe traf den als Treiber beschäftigten Häusler Josef Thrämer aus Langendorf in den Unterkiefer, der vollständig zertrümmert wurde. Auch die Zunge wurde zerrissen. Der Mann liegt in hoffnungslosem Zustand im Steinberger Krankenhaus. In der Wohnung der Mutter erhängt. Wie uns aus S a a z gemeldet wird, hat der 32jährige verheiratete Gartner Johann O. in der Wohnung seiner Mutter Selbstmord durch Erhängen begangen. Die Mutter land kurz vor 4 Uhr morgens«ihren Sohn in' einem Zimmer tot auf, schnitt den Strick, an dem er hing, ab, um so die Spuren des Freitodes zu verwischen und erstattete sodann bei der Polizei, die indessen einwand- iiiiniiiiHiiiiiiiiHiiiiiiiHiiiiiiuiiiiiiDiiiiitiiiiiiiuiiiiiiiHiiiiiHUiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiuiiniiiniiuiiiiiiuiiiiiiiiiiniimiiiKiiiiiiiiiiiiiiiniHnniiiHiiuiuiiiinnnniiüiiuiiiiiiiiiiiiiiifiniuHiumHiflnwiniHimna Wann ist Christas gestorben? An„Heiliges Zahr" ohne jedwede historische Grundlage Nr. 307. Freitag, SO. Dezember 1-32. Seite 5 Nazisöule geborsten. Di« Strafkammer m Sondershausen verurteilte den Justizober- sekretär Rudolf Wolfram ivegen Amtsunterschlagung und Beseitigung von Testamentsurkunden in 14 Fällen zu zwei Jahren Zuchthaus und Aberkennung der bürgerlichen Ehrenrechte für zwei Jahre. Wolfram war ein eifriger N a z i m a n n. Sargplünderer verhastet. Donnnerstag. den 24. Dezember, gegen Abend wurde von der Gendarmerie in Pardubioe und SviÄov der 40jäh- rrge Franz Martin ergriffen, der wegen Beraubung von Gräbern und wegen Diebstählen auf denr Friedhöfe in Parduibice steckbrieflich verfolgt wurde. Seine Komplizen. di« Lebensgefährtin Mari« Nesvor und ihr Sohu Zdenok, wurden gestern von der Polizei in Pardubice verhaftet. Martin leugnet, doch wurde die ganze Gesellschaft durch eine Monge bei ihr gefundener Sachen überführt. Sie raubten systematisch Wert- gcgenftände aus den Grübern Mvf dem Friedhof, aus dem Kolumbarium und aus dem Krematorium in Pardubice. Di« Nachrichten einiger Blär- ter, daß sie auch die Leichen in den Sargen im Kvomowrium beraubt hüben, entsprechen nicht der Tatsache, da di« strenge Kontrolle im Krematorium in Pardubice Diebstähle ganz umnög- kich macht. Martin ist ein gefährlicher Berufsverbrecher, der im ganzen 15 Jahre Kerker verbüßt hat und bewaffnet zu sein pflegt. Streik der Bauern. Mehrere tausend Bauern in der Umgebung der französischen Stadt Tours haben sich entschlossen, keine Düngemittel mehr zu kaufen, bevor die Mindestpreise für Getreide nicht bedeutend heraufgcfetzt worden sind. Biscaya—Mittrlmeer. Die französische ,/Senatsgruppe für den Großschisfahrwkanal Bis- eaya—Mittelmeer" hat den ihr vorgelegten Bauvorschlag positiv begutachtet. Die Verwirklichung des Vorschlags würde bei 13.5 Milliarden Francs Kosten 173.000 Arbeitern für sechs Jahre Arbeit geben. Die Senatsgruppe hofft, daß dem Parlament bald ein entsprechender Gesetzentwurf, der die Realisierung des Projektes herbeiführt, vorgelegt werden kann. Freuden des Dritten Reiches. DaS von der Nazir«gierung dem thüringischen Volke überreichte Weihnachtsgeschenk war eine Schlachtsteuer, di« eine neue Belastung der Konsumenten bedeutet. Damit wenigstens die Beamten eirie Christfreude erhielten, wurde angeordnet, daß am dritten Weihnachtstage zur Ersparung der Heizkosten alle Staatsämter geschlossen bleiben. Mehr brachte die ganze Naziwcisheit nicht zutage. Fenerwehr-Nnglück. Die Motorspritze de- Freiwilligen Feuerwehr in S t o ck a ch(am Bodensee) geriet Donnerstag vormittags auf dem Wege zu einer Brandstätte in Mühlingen ,jusolge- Glatteises ins Gleiten- und stürzte in einen Bach. Ein Mitglied der Wehr wurde auf der Stelle getötet; fünf Feuerwehrleute mußten mit Arm-, Beinbrüchen und inneren Verletzungen" ins Krankenhaus eingeliefert werden. Bei dem Brand- in Mühlingen wurden die Scheune, die Stallungen und daS Sägewerk eines Landwirtes eingcäschert Vas achte Weltwunder. In New Pork wurde mit festlichen und revueartigen Darbietungen, bei denen u. a. die deutsche Sängerin Vera Schwarz und der Tänzer Harald Kreutzberg vonder Berliner Staatsoper mitwirktcn, das 6200 Sitzplätze fassende Roxy-Theater und das ungefähr gleich große R o x y- K i n ö cingeweiht. Bewe Theater bilden einen Bestandteil von ^Radio-City"— jener„©tadt in der Stad t", die die Rockefeller Midtown Corporation zwischen der fünften und sechsten Avenue, von der 48, bis zur 51. Straße errichten läßt. Drei gewaltige Gebäudeeinheiten sollen außer den jetzt fertiggestellten Riesentheatern das größte Büro Haus der Welt mit zweieinhalb Millionen Quadratfuß vermietbaren Raumes, ein R iefen-Klub Haus und einen Neubau der Metropolitan- Oper enthalten. Es soll in„Radio-City" auch keine kahlen Dächer mehr geben, sondern mehrere übereinander gelagerte Dachgärten, deren große Rasenflächen mit Baumen, Büschen, ! Statuen, Springbrunnen und sogar einer N a ch- ^bildung des Niagarafalls geschmückt iverden sollen. In der Verwirklichung dieser Pläne sehen Enthusiasten„das achte Weltwunder." Der schwimmende Flugplatz. Die Deutsche Lufthansa beabsichtigt durch die Verankerung des zum Flugstützpunkt umgebauten Dampfers„Westfalen" Die Bekämpfung-er 3 Warum Höhenklima?— Die Pionierarbeit der Von Dr.< Der Krebs und di« Todesfäll«, di« infolge einer Krebserkrankung eintreten, haben zwar rem Uhlenmäßig die Tuberkulose teilweise erreicht, teilweise überholt, die Lungentuberkulose bleibt aber nach wie vor ein Gespenst, das Siechtum und Tod verbreitend umgeht. Dem planmäßigen Aufbau der Tuberkulosebekämpfung, wie sie nach dem Krieg international durchgeführt wurde, ist es zu verdanken, daß diese Krankheit nicht ins Uferlos« gewachsen ist und noch mehr Opfer gefordert hat als bisher. Zahlreiche Heilanstalten für Tuberkulöse nehmen sich heute der Erkrankten an. In leichten Fällen vermag«in verhältnismäßig kurzer Kuraufenthalt in inländischen Anstalten genügen, bei fortgeschrittener Erkrankung aber bedarf es eines Aufenthaltes in dem in der ganzen Kulturwelt bekannten Davos. Di« Lungenleidenden aller Länder eilen Jahr für Jahr in großer Anzahl an diesen Ort, um dort Heilung und Genesung zu suchen und zu finden. Schon sehr früh hat man in wissenschaftlichen Untersuchungen festgestellt, worauf diese Heilerfolge eigewlich beruhen. Dr. Burkhart von der Basler Poliklinik hat darüber bereits im Jahr 1905 eine genaue Statistik ausgestellt. D«r Gelehrt« hat damals gefunden, daß drei Jahre nach einer Kur in DavoS von einer Anzahl von ihm beobachteter Lungenkranker fast 100 Prozent mehr erwerbsfähig geworden waren, als von einer gleichen Anzahl, di« keine Heimstättenkur durchgemacht hatten. Nach einer weiteren Zählung betrug die Todeszahl der in Davos Behandelten nach dreijähriger Beobachtungszeit beinahe nur den dritten Teil der sonstigen Falle. Diese kleine Statistik zeigt ungefähr ein Bild, das man als allgemeingültig bezeichnen darf. Die Wissenschaft weiß, daß im Höhenklima von Davos ein stark verminderter Luftdruck herrscht, der mühelosere und intensivere Atmung gestattet. Außerdem strahlt die Sonne bedeutend längere Zeit und viel kräftiger als im Tiefland und enthalt ferner besonders viele der heilbringenden kurzwelligen ultravioletten Strahlen. Di« Höhenluft ist ferner außerordentlich trocken und macht dadurch die Winterkälte weniger fühlbar. Genaue Blutuntersuchungen haben ergeben, daß der lebenswichtige Blutfarbstoff sich in der Höhe bedeutend rascher vermehrt. Di« Höhenluft enthält fast gar kein« Krankheitskeime. Durch die schon erwähnte Lufttrockenheit ist es auch im Winter möglich, lang ausgedehnte Liegekuren im Freien durchzuführen, ohne daß der Patient sich erkältet. Gerade dies« Freiluftturen sind ja von hervorragender Wichtigkeit. Der ganze Körper versuchsweise die Einrichtung eines Flugverkehrs zwischen Europa und Südamerika. Die „Westfalen" soll etwa auf halbem Wege im Atlantische»Ozean stationiert werden. Die Lufthansa wird die bei Tiefseeankerun- gcir hes Marinevermessungsschiffes„Meteor" gemachten Erfahrungen verwerten. Auch bei 5000 Meter Tiefe und bei Windstärke 5 und 6 genügten fiir den„Meteor" zwei kleine Anker von je 100 Kilogramm Gewicht. Fiir eine derartige Verankerung waren 6000 Meter Trosse nötig, weil etwa 1000 Meter Trosse auf dem Meeresboden lagen und durch ihr« Reibung am Grunde die Unbeweglichkeit des Schiffes herbeiführten. Im ganzen war das Ankerseil des „Meteors" bei einem Gewicht von über fünf Tonnen 7500 Meter lang. Es lassen sich ohne weiteres auch noch stärkere Stahltroffan Herstellen. Zur Entlastung des Ankergeschirrs muß auf einer„schwimmenden Insel" bei starkem Sturm die Antriebsmaschine in Anspruch ge- ncnnmen werden. Tuberkulose im Winter. Heilstätten.— Auch seelisch« Regeneration. f. Fischer. ruht sich viele Stunden am Tage aus, di« Atmung geschieht mühelos, di« Ruhe läßt den ganzen Lun- genapparat besser durchbluten, zumal die staubfreie Luft besonders gering« Anforderungen und Reizungen an die Bronchien stellt. Es gelangen nämlich durch die Reinheit der Atmosphäre nur ganz gering« Kohlensäuremengen ins Blut. Ferner erzielen die Freiluftkuren eine bedeutende Abhärtung gegen spätere Lufttemperaturschwankun- gen. Diese Abhärtung kommt dem Patienten auch für die Zeit nach Beendigung der Kur zugute. Die Kranken lernen in den Heilstätten außerdem auch die Vorteile einer allgemeinen-hygienischen Lebenswerse kennen, sie lernen vorsichtig mit ihrem gefährlichen Auswurf umzugehen und dadurch auch ihre Umgebung zu schützen. Wir müssen uns aber darüber klar sein, daß es unm^lich ist, ganz allgemein gültige Regeln für die Verschickung in di« Höhenluftkurori« aufzustellen und daß durchaus nicht all« Lungenkranken dort hingehören. Schwer Lungentuberkulöse, deren Herz schon so weit angegriffen ist, daß ft« dauernd einen Puls von über 120 Schlägen haben, Patienten mit geschwüriger Kehlkopftuberkulose cder Tuberkulose des Darms uns des Bauchfells gehören keinesfalls an besonders hoch gelegene Orte. Derartig E.' nkte baben in den zahlreichen Sanatorien von Davos nichts zu suchen, sie bil- ,öeü also auch keine Gefahr für die übrigen Pa- ticuten, wie denn überbauvt die sanitären und t>aienischen Maßnahmeti^^.Knrltadt ein« Ansteckung untereinander absolut' verhindern. Beweis dafür ist der Gesundheitszustand der ansässigen Bevölkerung, bei der di« Zahl der Tuberkulose-Erkrankungen tief unter den Ziffern sogar ähnlich gelegener Orte liegt. Neben den reinen Heilmethoden wirkt der schön« Hochgebirgsort vor alle« Dingen auch durch seine landschaftlichen Reize in tiefgreifender Weis« aus die Heilmchenden. Niemand hat das besser geschildert als der grocke Jean Jacques Rousseau, der einmal sagte:„Auf hohen Bergen atmet man freier und fühlt sich körperlich leichter, wie geistig fröhlicher; mir ist, als ob die Gedanken selbst einen Anflug von Größe und Erhabenheit annehmen, mit den Gegenständen, über die unser Blick schweifte, in Eimlang stehen; als ob man, sobald man sich über die Wohnstätte der Sterblichen erhebt, alle nieder» irdischen Gefühle zurückläßt und als ob die Seele, je mehr man sich der ätherischen Region nähert, etwas von der sich stets gleichbleibenden Reinheit derselben annimmt." Allah am den Uppen. Von W. M. Doroschewitsch. Eines Tages würde Allah seines ewigen Amtes müde. Er stieg von seinem Thron hinab, verließ seinen Palast, trat auf die Erde und verwandelte sich in einen gewöhnlichen Sterblichen. Er badete jeden Morgen im Fluffc, schlief des Nachts im Gras« und nährt« sich von Beeren, die er im Walde vorfand. So vergingen viele Tage. Die Vögel sangen indesien, di« Fische plätscherten im Wasier, die Blumen blühten, kurz, die Welt tat so, als ob gar nichts von BedSutüng vorgefallen tväre. Allah lächelte und dacht«:„Die Welt habe ich Vortrefflich erschaffen; sie hat ihre seit Urzeiten angewiesenen Bahnen, von denen sie nicht mehr abweichen wird. Wie geht es aber den Menschen ohne mich? Die Fische sind dumm, die Vögel «Smalls, wie lebt aber der Men'ch, das vcrnunst- bcgabte Wesen, seitdem ich von meinen Höhen nicht mehr ans ihn blicke— besser oder schlechter?" Sinnend durchwanderte Allah Felder. Fluren und Harne, bis er endlich in die große Stadt Bagdad kam. „Run also, wie ich sehe, steht'dies« Stadt noch immer auf demselben Fleck", dachte Allah. Die Stadt befand sich tatsächlich noch auf derselben Stelle wie früher; Sie Esel und die Kamele brüllten und die Menschen gingen ihrer Beschäftigung nach. „Alles recht chon". dacht« Allah,„nur höre ich niemanden meinen Namen rufen." Gern'hätte er wissen wollen, wovon die Leute sprachen. Er ging allo weiter, bis er auf den Marktvlatz kam.(Gerade verkailfte ein Händler einem sungen Bai'ernbiir'chen e>n Pferd. „Ich schwöre bei Allah", ries der Händler „daß dieses Pferd jung ist, ist kaum zwei oder drei Jahre her, daß eS die Welt erblickt hat. Schau nur, was für ein feuriges Tier das ist. Ich schwör« bei Allah, daß du auf diesem Pferde jeden Ritter beim Wettrennen überholen kannst: Es ist ein junges Pferd, ganz ohne Makel, ohne die Spur eineS Makels, ich schwör« es bei Allah!" „Und betrügst du mich nicht?" fragte der Bauer. „Wie dumm du doch bist!" rief der Händler, die Arme gegen den Himmel erhebend,„nein, wie kann man nur so dumm sein. Wollte ich dich betrügen, wie könnte ich da bei Allah schwören? Glaubst du, ich möchte eines Pferdes wegen Mein Seelenheil verlieren?" Der Bauernbursch nahm das Pferd und bezahlte es mit klingendem Geld. Allah wartete, bis der Kauf abgeschlossen war, dann trat er an den Händler heran: „Heda, guter Mann, was habt Ihr bei Allah geschworen, wo cS doch keinen mehr gibt?" Der Händler tat die Goldstücke in seinen Beutel, schüttelte ihn, daß die Moneten hell erklangen. und erwidert« pfiffig: „Ich weiß, daß es keinen Allah mehr gibt; 'ätte aber der Buvche obne meinen Schwur den 'taul gekauft? Jeder sieht doch, daß daS Pferd alt und schwach ist und an den Hufen Geschwüre hat." Allah lochte und ging weiter. Als«r so weiter ging, erblickte er den chm bekannten armen Husiein, der auf dem Rücken einen ungeheuren Balken schleppt«. Hinter Hussein schritt sein Dienstgeber Ibrahim. Der unglücklich« Husiein wankte unter der schweren Last bei jedem Schritt, der Schweiß floß ihm- in Strömen von der Stirn und die Augen traten ihm schauerlich aus den Höhlen. Ibrahim aber ging nterher und brummt«; „Husiein, Husiein, fürchtest du nicht Allah? Tu willst Balken tragen und hast es noch nicht gelernt, dich schnell zu bewegen. Wenn du weiter so langsam machst, wirst du nicht zwei Balken an Ort und Stelle schaffen. Das ist nicht recht von dir, Husiein. Du darfft nicht dein« Seele der Gefahr ewiger Verdammnis so aussetzen. Bedenk«, Allah sieht alles und zürnt dir jetzt, weil du deine Arbeit so faul verrichtest. O Husiein, ich muß dir nochmals sagen, daß Allah dir sehr zürnt." Allah gab Ibrahim einen bedeutungsvollen Ellbogenstoß, führte ihn beiseite und fragte: „Warum rufst du Senn Allah fast bei jedem Schritt? Es gibt doch seit einigen Wochen keinen Allah mehr." „O mein lieber Herr", gab er zur Antwort, „das weiß ich recht wohl, aber was soll ich tun? Wie kann ich diesen Menschen auf andere Weise dazu bewegen, den Balken schneller zu tragen? Wer soll denn di« vielen Balken, die noch heut« fortzuschaffen sind, wegtragen? Soll ich einen zweiten Arbeiter aufnehmen? Das wär« doch mein Verlust. Soll ich ihn schlagen? Er ist viel kräftiger als ich, er könnte mich umbr:ngen. Allah ist der- stärkste von uns allen, ich schrecke also Husiein mit Allah." Allah schüttelte-en Kopf und ging weiter. Ilcberall. wohin er kam, hörte er nur seinen Namen: Allah, Allah, großer Allah! Der Tag neigte sich dem Ende zu, lange Schatten fielen auf die Erde hernieder. Auf dem dunklen Firmament erschimmerte di« weiße Silhouette des Minaretts, von desien Spitze die Stimm« deS Muezzins erklang. „Allah ist groß! Allah ist groß!" Allah grüßte den Muezzin und fragte: „Also auch du rusit Allah an, obwohl du ganz gut weißt, daß es keinen Allah mehr gibt?" Prozeß seit 28« Jahren. Ein Pariser Wasserträger fordert di« Herausgabe von 40 Millionen Goldsrauke»!— Der Stammgast im JustiPmlast. Paris, Ende Dezenvber.(Eig. Ber.) Die Pariser Oeffentlichkeit beschäftigt sich seit langem mit einem Progeß, der in seiner Art einzig ist: als Beklagte treten auf: Napoleon, der Staat Preußen und die Republik Frankreich; Kläger rst... oin armer Pariier Wasserträger. Und ,da streiten sich die Len»' herum" schon an die Wv Jahre! Das Ganze mutet wie eir»e von boshafter Phantasie erdichtet« Grotesk« an. Gegen die Miet« des siebzehnten Jahrhunderts wanderte der Franzose Jean T i 6 r i aus Frankreich nach Italien aus und ließ sich in Venedig nieder. Das Glück war ihm hold;, er häufte in zwei Jahrzehnten ein großes Bermögen an. Als er im Jähre 1676 starb, hinterließ er Werte in der Höhe'von 40 Millionen Göldfranken in Goldbarren, Palästen und Ländereien. Gleich nach dem Tod« Jean TiSris ersuchte die französische Regierung im Auftrag der französischen Verwandten des Verschiedenen die Be Hörden in Venedig um die Herausgabe deS Geldes. Aus formellen Gründen— anscheinend war es den pfiffigen Venezianern gelungen, einen Fchler an der Fassung des Testamentes herauszutüfteln— wurde das Gesuch Frankreichs abgeschlagen. Die Franzosen erhoben Klag«. Dieser Prozeß allein währte nicht weniger als hmrdert Jahre, ohne daß es zu einem Ergebnis gekommen wäre. Napoleon macht« dann den Strich unter den ersten Akt dieser Tragikomödie. Bei seinem Einbruch in Italien beschlagnahmte er die heißnmstrittenen Millionen des TiSri und verwandte sie für di« Aufrüstung seines Heeres. Nach Napoleons Niederlage und Verbannung wandten sich die Nachkommen des venezianischen Tisri an die damals eben erst restaurierte französische Regierung und verlangten ihr Geld. Aber die Regierung ließ antworten, daß sie nicht einseh«, wie- so sie für die Schulden des„verbrecherischen" Napoleon aufzukommen hätte... So lief der Prozeß weitere Jahrzehnte. Nach dem dcuÄch-srartzösischen Krieg im Jahre 1871 versuchte die preußische Regierung von den da- mals lebenden Nachkommen Tieris ihre Rechte aut die Erbschaft abgetreten zu bekommen. Anscheinend hoffte sie, über triftigere Gründ« zu verfügen als die rechtmäßigen Kläger. Tie Twris jedoch, durch fanatischen Patriotismus geblendet, weigerten sich, daS immerhin ansehnlich« Angebot Preußens anznneh- men. Der Prozeß ging weiter. Die Erben hofften immer noch zu ihrem Recht zu kommen Dann wurde den Tieris ein mächtiger Schlag versetzt. In Frankreich wurde ein Verjährungsgesetz erlasien. Nach diesem Gesetz verfallen'amtliche Evbschaftsmisprüche, falls ihnen aus irgend einem Grunde 30 Jahre lang nicht staiigegeben wurde/ automatisch dem Staatssäckel. Somit niüßte allo dieser Erbschaftsprozeß von Rechtswegen als abgeschlossen betrachte: werden. Aber die Tiöri sind zäh. Sie gaben nicht nach; sie verpulverten ihr letztes Vermögen in diesem aussichtslosen Kamps. Jetzt leb: in Paris der letzte der Tiöri. Er ist bettelarm und ernährt sich knapp durch Wasiertragen in jenen Gegenden, die noch keine Wasserleitung haben.. Dieser greise Mann ist ein. würdiger Erbe seiner hartnäckigen Familie. Immer wieder versucht er, sich in Kanzleien der Anwälte und in Wohnungen einflußreicher Personen Eintritt zu. verschaffen. Er ist in den Strasten von Paris eine bekannte Persönlichkeit geworden. Viele Lieder sind auf ihn gedichtet, viele Witze über ihn gemacht worden. Das alles stört ihn nicht. Er ist von seinem Recht hc-lessen. Man sieht ihn ost auf den Treppen des Äustizpalasles übernachten. Er glaubt felsenfest daran, daß einmal der Tag kommen wird, an dem der Letzte der Tiöri S'eaer bleibt in diesem geschichtlichen, ungleichen Kamps... C. L. „Sprich leiser", rieftder Muezzin,„sprich leiser, Unglücksmensch! Wenn jemand das hörte, tväre es zu Ende mit meinem Airsehen. Niemand käme in die Moschee, niemand brächte«in« Opfer- gcrbe, wenn es bekannt würde, daß es keinen Allah mehr gibt." Allahs Gesicht verfinsterte sich, er richtete die Augen gen Himmel und schtvebte, zu einer Feuersäul« verwandelt, in die Höhe, ohne den Muezzin, der vor Angst auf dem Bechen lag, toeiter zu beachten. Er kehrte in seinen Palast' zurück, setzte sich auf den Thron und begann wieder auf die Erde hinabzuschauen. Aber kein Lächeln vergoldete mehr stin Antlitz; traurig blickten die Augen des Ewigen in di« irdüche Ferne. Plötzlich erschien, zittern- vor Schreck, ein rechtgläubiges Seelchen vor Allah und bat um Einlaß in das Paradies. „Sprich, was hast du Gutes tvährenü deiner Erdenlaufbahn getan?" fragte Allah. ,Lch habe, o großer Allah, stets deinen Namen gerufen." Allah machte«ine unwillig« Bewegung. „Und was weiter?" „Alles, was ich tat, tat ich in deinen Namen." „Schon recht,«her tvas hast du sonst noch Gutes getan?" „Ich ernzahnte alle,-ich stets zu lobpreisen und deinen Nanwn bei jeder Gelegenheit auf den Lippen zu haben" ,,Da hat sich die. Mühe verlohnt" lachte ironiich der mächtige Allah. Die Seel« zitterte noch immer wie im Fieber. „Du stehst, daß es nicht gut um dich bestellt ist", sagte Allah und tvendct« sich ab, während ein pechschwarzer Teufel das Seelchen bei de» Füßen pickte, nm eS in die Hölle fortzuschleppen. So schrecklich zürnt« Allal) den Menschen.. Autorisierte Uebevsetzung aus dem Rnssislhe». Leite 6 Freitag, 30. Dezember 1932. Nr. S.7. PltAftEft ZEiTUMG. Eine Weihnachtsfeier avi der Deutschen Ktinil. Am Spätnachmittag lieg«» di« anderen Kliniken im magischen Dunkel— die Eingangstüren der Deutschen Klinik sind von Tannengrün umrahmt. Inmitten eine Kerzen-Ampel, die innige Feierlichkeit leuchtet. In jedem Zimmer der Landes- gebäranstalt ein Weihuachtidaum und für jede Patientin« ein Teller mit Feiertagsgebäck. Außerdem der eine größere Saal zur blonderen Feier des Festes der sozialen, unterschiedslosen, weltlichen Menschenliebe geschmückt. Aus großem Tisch die Geschenke für di« den Dienst mitverseheirden Schwangeren; für die Goburtsassistenrinncn, sogar für die! Aerzte, von denen fast alle— bis auf zwei Assi' stenten und dem provisorischen Leiter Prof. Dr. Schenk— ohne Gehalt arbeiten.(Für die Demonstratoren zahlte die Regierung das gesetzlich unan- gveifbare Stipendium(!) von monatlich 150 8(!) noch immer nicht aus— seit Monaten. Künftighin können nur reiche Leute Geburts-Aerzte werden— wenn sie... wollen...) Seit Jahren sind di« deutschen Kliniken die einzigen, wo es eine Feier mit Geschenken gibt. Und seit vielen Jahren ist aus d«r Deutschen Klinik der Gebäranstalt die erst« Schulhebamme, die Geburts-Assistentin aufopfernd— man sagt mir: auch mit eigenem Gelde— tätig, Geschenke an die Aermsten unter den Armen, an die jungen, sehr oft„ledigen", werdenden und seienden Mütter, die Feier überhaupt zu ermöglichen Nennen wir doch ruhig den Namen dieser Proletarierin der Anstellung, dieser Millionärin d«m Herzen nach' Frau Zweckel. Wochenlang ging sie sammeln, also... betteln.für ander«. Pros. Schenk samt Frau laten ebenfalls etwas dazu, die deutschen Weihnachten der Deutschen Klinik zu ermöglichen., Baby-Ausstattungen, Frücht« und Süßigkeiten, ein besonderer Baum für die Arbeitenden, ein Nachtmahl, wie es auch ausnahmsweise die sonst stiefmütterlich bedachten Aerzte(und die Aerztin) Hatten- Fischsuppe, Karpfen etc. Die Wöchnerinnen bekamen von der Direktion allerdings nur„Fischsuppe" und den üblichen Reisbrei... Im großen Saale versammelten sich di« arbeitenden Frauen, di« Aerztin, die Aerzte, Prof. Schenk samt Frau, die Geburtsassistentinnen. Frau Zweckel glückwünschte für alle anderen, in jedem Zimmer sprach sür'dlle«ine Patientin...(Es war«inausnahmereicher Tag, der 24. Dezember 1932: Vierzehn neue Gebärerinnen.)— Das Grammophon spielt in das Leuchten der Baumkerzeu hinein das alte, süße Lied von der Geburt des ersten Großen unserer Zeitrechnung, der nur Brüder und Schwestern unter den Menschen kannte. In das stille Nacht" hinein aus dem nebenan liegenden Kreiß-Saal ein letzter Gebäcschrei dex erlösten.Mütter und der erste Schrei des neuen Menschen, von dem wir.Haffen wollen, daß er, ein vom Joch des Huirgers, der Kälte und Not Erlöster, in eine erlöst« Zeit hineinwächst, in welcher zweitausend Jahr« Christentum der Lehre Praxis des Alltags geworden sind: Sozialism-s der Tat, jenseits Konfessionen.— Tat, wie si.,—enigstens e-nmal im Jahre durch die allmütterliche£.be einer schlichten Frau des Boltes und ihrer vorstehenden Heiser aus der Deutschen Klinik zur Feier wird. Wo immer man die, zum allergrößten Teile slawische Bevölkerung über Kliniken u. ä. sprechen hört, di« Patientinnen hier, die Besucher im Warleraum— immer hört man das Lob der deutschen Kliniken, di« all«, aber auch alle bevorzugen. Wer d«r Weihnachtsfeier auf der Deutschen Klinik beiwohnte— di« meisten Aerzte sind jung und sGialistisch—, wird si« in dankbarer Erinnerung behalten! Maria R«imann-Jronfide. „Glück" in einem Prager Autobus. Ein Leser schreibt uns: Am 27. d. Mts., gegen Abend, fuhr ich von der Aulobusstation unterhalb des Heims der„Lchrannä mätek a kojcncü" mit dem Autobus zur Endstation der 14er Elektrischen in Är«. Knapp Vor der Station erhol« ich mich zum Aussteigen; der Autobus machte einen plötzlichen Ruck, ich wurde mit dem Ellenbogen in die merkwürdig, dünne Fei stcischeib« geschlerdert, es geschahen aber! nur dem Winterrock ein paar Schnitte. Ter Kondukteur forderte Legitimation und notierte die Adresse zwecks Bezahlung der Glasscheibe. Der (— noch dazu Schuld tragende!) Fahrer(Chans« feur) wollte einen Polizisten holen. Der einfichts-’ vollere und weniger gewissenlose Kondukteur lehnte das ab.— Tie Brutalität des Anfahrens, Haltens di« kein« Rüchsicht auf Publikum wie Maschinen nimmt, ist in Prag, sattsam bekannt. Es.kam zu geuügend viele» Gerichtsaffären. Mache» wir die Sache so: di« Elektrischen Unternehmungen bezahlen den Rock und■ der Geschädigte und Gefährdete das Fenster. Tie. Fahrer etr. kann nur eine seelische Sozialisierung oder, das Landesgerich: „ändern". Gerirfifesaaf Au Kampf um die Wafserlei'ung. Di« Starrköpfigkeit der Besitzenden und ihr« Folgen. Prag, 29. Dezcniibe-r. Eine nicht alltägliche Anklage w«gen Hausfri«d«nsbru ches und Er- pressung wurde heut« vor dem Senat des LGR. Kvapil verhandelt. Auf der Anklagebank saßen acht Angeklagte, womit die Zahl d«r Beteiligten aber keineswegs erschöpft ist. An der Sache, welche Anlaß zu dieser Verhandlung gab, waren gut und gern 200 Personen beteiligt und die acht auf der Aicklagebank hatten oben nur das Pech, daß sie erwischt wurden. Dieser sonderbar« Fall spielt in einer Marktgemeind« in der Nähe von Prag. Die besagt« Gemeind« hatte-en Bau einer Wasserleitung beschlossen, was den Wünschen und Bedürfnissen der Bevölkerung, die größtenteils aus Arbeitern besteht, entsprach. Dieses Projekt mißstet jedoch einigen reichen Großgrundbesitzern, di« sich darüber entsetzten, daß der Bau möglicherweise«in« Erhöhung der Gemeinde- umlagen mit sich bringen würd« und daß sich ihr Geldbeutel etwas weiter werde öffnen müssen, um den proletarischen Hungerleidern gesundes Wasser zu beschaffen. Di«se Herren hatten natürlich kein Interesse an dem Projekt, denn jeder von ihnen hatte auf seinem Hof einen Brunnen und gutes Wasser in Hülle und Füll«. Die anderen mochten eben Zusehen. In her GemrinLästub« gab es heftige Auseinandersetzungen zwischen der k o m m u n i st c- scheu Mehrheit und der agrarischen Opposition. Zu«in«m positiven Resultat gelangte man ab«r nicht. Vielmehr überreichten di« drei Großbauern David, 8 ima und B l a s ii k einen Rekurs gegen-den Beschluß der Gemeindevertretung, der di« Durchführung des Projektes beiraf, so daß die Sache auf di« lange Bank geschoben war und damit auch die Hoffnung vieler Arbeitsloser, bei dem Bau Arbeit zu finden. Di« Erbitterung gegen die drei- Beschwerdeführer war allgemein. Am 27. April d. I. explodierte dieser Groll der Bevölkerung. Gegen acht Uhr abends versammelte sich ein etwa 200 Mann zählender Haufen vor dem Hof des Großbauern David, der die Seck« der Agitation gegen das Wass«rleituitgsprojekt gewesen war. Schließlich drang die Menge in das Gchöft urrd ihre Führer V y d r a und K u b i s t a stellten dem Bauer 1?» Ultimatum, binnen fünf Minutenfeine Unterschrift auf der Rekurseingabe schriftlich zurückzuziehen. Er weigerte sich und die Folge war, daß man ihm das elektrische Licht ausschaltete, einen Stiefel auszog und allerhand schöne Dinge sagte. In ganz ähnlicher Weise erzwang sich die aufgebrachte Menge von den andern beiden Bauern, di« den Rekurs unterschrieben hatten den Widerruf der Eingabe. Die Folgen blieben nicht aus. Die Staatsanwaltschaft erblickte in dem— alles in allem jo ziemlich harmlosen— Vorgang den Tatbestand der eingangs genannten Verbrechen und erhob Anklage gegen acht Führer dieser erschrecklichen ungefährlichen Rebellion. Die Verhandlung dauertc den ganzen Vormittag und war reich an Zwischen -fällen. Der Verteidiger hielt eS für angezeigt, den Gerichtshof zu Wiederholtenmalen als v o r e i n- genommen abzulehnen und so mußte Kreis- gerichtspräfident Linhart selbst in diesen Prozeß eingreifen. Di« Einrede der Verteidigung hinsichtlich der Voreingenommenheit des Senates wurde obgcwiclen und schließlich gelangte-er Gerichtshof gegen zwei Uhr zur Urteilsfällung. All« Angeklagten wurden schuldig erkannt. Drei Angeklagte wurden zu jeachtMdn a t e n schweren Kerkers verurteilt, einer erhielt sechs Monote. di« restlichen vier-Mann je drei Monat«. Bon diesen Letzteren wurde drei Angeklagten eine zweijährige Bewährungsfrist zugebilligt. Alle anderen Strafen sind unbedingt. rb. Kunst und Wissen Sonntag nachmittags um 2.30 Uhr findet«in« Aufführung von Gerhart Hauptmanns„Vor Sonnenaufgang" statt. Diese Vorstellung findet zu ganz kleinen Preisen statt. Galeriesitze von K 3 bis 9, Parkettsitze 12 und 14, teuerster Platz 16 K. Vorverkauf hat begonnen. Spirlplan des Neuen Deutschen Theaters. Freitag, halb 8 Uhr:„Wenn die kleinen Veilchen blühe n"(® 2).— Samstag, 7 Uhr: „Hokuspokus"(C 2); halb 11 Uhr:„Silvester in der Wunderbar"(AA). Spirlplan der Kleinen Bühne. Freitag, 8 Uhr: „De r Ge i st e rz u g"(Kulturverbandsfreunde).— Samstag, 7 Uhr:„Dreimal Offfenbach"; halb 11 Uhr:„Susannens Geheimnis", Silvester-Ballett,„Brüd«rlein fein". Krebs hat Tuberkulose eingeholt. Wi« groß die Not durch Ärebserkrarckungen in der jüngsten Zeit besonders in Deutschland ist, beweist die Zahl von fast 70.000 Menschen, davon 30.000. Männer und über 38.000 Frauen, die iöl Jahre 1929 an Krebs gestorben sind.'Die Zahl der an Krebs Gestorbenen übertrifft bereits die der an Tuberkulose Verstorbenen um 10.000 Fälle im Jahre. Dabei ist allerdings zu beachten, daß dre Zunahme der Todesfälle an Krebs, die in den sstachkriegsjahren konstatiert wird, im steigenden Durchschnittsalter der Bevölkerung begründet ist. Die Schwierigkeit der Krebsbekämpfung liegt vor allem darin, daß di« Frühdiagnose bei Krebserkrankungen der inneren Organe außerordentlich erschwert ist. Daraus ergibt sich der große Wert der von Röntgenfpezialisten geleiteten Spezialinstitut«. Neben der Röntgendiagnostik führen diese Institute auch die pathologisch-anatomische sowie die chemische Untersuchung durch. Für die Träger der Sozialversicherung entsteht deshalb die außerordentlich wichtige Forderung, diagnostische Institute zu schaffen, die eine exakte Frühdiagno- stik ermöglichen. Es ist heute für den praktischen Dankbare Tiere. Der anhängliche Tiger.— Das Gedächtnis eines Elefanten.— Ein Löw« rettet feine» Herrn. Bon Karl Singer. Hunde haben sich in vielen und verschiedenen Fällen als Lebensretter betätigt, aber auch manches wilde Tier hat durch fern Verhalten seinem Herrn und Meister das Leben gerettet. In früheren Zeiten waren die Methoden der Tierbändiger, die sie anwandten, um Tieren Kunststücke beizubringen, nicht sehr„menschlich", damals mag also auch die Anhänglichkeit der Tiere an ihre Peiniger nicht- besonders groß gewesen sein. Aber die Zeit hat darin crnen grundlegenden Wandel geschaffen, und die meisten Tierbändiger pon heute lieben ihre Tiere wie ihr« Freunde und werden meist von ihnen im gleichen Maße wiedergeliebt. Von einem Tiger erzählt man sich eine Geschichte, die deutlich seine große Anhänglichkeit an seinen Herrn beweist. Dieser trat mit seinen wilden Tieren in einem Zirkus in Irland auf. Eine Löwin sollte durch einen Reifen springen, aber das Tier war bockig und lief immer wieder seitwärts vorbei, statt hindurchzuspringen. Der Tierbändiger wußte aus Erfahrung, daß er jede Gewalt über die Löwin verlieren würde, wenn er ihr diesmal ihren Willen ließe; er mutzte sie also immer von neuem auffordern, den Sprung zu machen. Plötzlich kauerte das Tier sich nieder und setzte zum Sprung an, mit böse funkelnden Augen. Im gleichest Augenblick aber schoß ein geschmeidiger Körper wie' ein Pfeil durch die Luft auf die Löwin zu. Die beiden Tiere prallten im Sprung zusammen und wälzten sich diger verließ schleunigst den Käfig; die beiden Tiere mußten durch den Wärter getrennt werden. Der Tiger hatte seinem Herrn das Leben gerettet, denn er hatte deutlich beobachtet, wie vöse die Augen des wütenden Tieres funkelten und daß es nur zum Sprung ansetzte, um dem Bändiger an die Kehle zu fahren. Die Schnelligkeit des Tigers hakte das Unglück verhütet. Ein Elefant bewahrte seinen Herrn davor, von einem Tlger zerrissen zu werden. Der Tigex hatte den Mann angegriffen, in diesem Augenblick aber trat der Elefant hinzu und stellte seine mächtigen vier Säulenbeine so auf, daß der Dompteur hinter ihnen Schutz finden konnte, bis Hilfe herbeigehvlt, und der Tiger unschädlich gemacht wurde. Daß die Elefanten unglaublich treu und anhänglich sind, wissen alle, die mit ihnen umgehen. Wenn ihnen etwas Gutes aetan wird, bleiben sie dem Betreffenden immer dankbar, wie sie aber auch umgekehrt Unrecht niemals vergessen. Ein Elefant eines Wanderzirkus erkrankte eines Tages an heftigen Magenkrämpfen, so daß der Tierarzt gerufen werden mußte. Er untersuchte das Tier und behandelte es, so daß es bald wieder gesund war. Als der Zirkus nach vier Jahren durch dieselbe Stadt zog,— die Elefanten wurden im Zuge hindurchgeführt, trat dieser Elefant plötzlich aus den Reihen und ging auf einen Mann zu, der auf dem Bürgersteig stand und den Zug betrachtete. Mit dem Rüssel begann er ihn zu liebkosen; es war derselbe Tierarzt, der ihn vor vier Jahren gesund gemacht hatte. Einem wunderschönen Löwen verdankt der weltberühmte Tierbändiger Togare sein Leben. Er kaufte eines Tages aus emer spanischen Me i nagerie einen besonders schönen und klugen neuen Herrn gewöhnte. Togare verbrachte zwei Stunden täglich damit, diesem Löwen Kunststücke bcizubringen. Die erste Vorführung des Tieres war ein Triumph für Togare. Als die Dressurnummer zu Ende war und der Löwe hinausgeführt werden sollte, kam noch das Glanzstück. Togare bückte sich wie zufällig nach einem Mantel, den er vor der Nummer abgelegt hatte. In diesem Augenblick sprang der Löwe auf ihn los und warf sich über ihn. Laut brüllend wälzte er sich mit dem schreienden Tierbändiger am Boden, das Publikum war wie gelähmt und wartete mit Spannung, wie die Sache ablaufen würde. Schließlich aber löste sich Togare unbeschädigt aus den Klauen des Löwen, rußte chn auf dre Nase und entfernte sich unter beispiellosem Beifall mit dem Tier. In Togares Tiergruppe befand sich ein Tiger, dessen Temperament nicht allzu zuverlässig war. Dieser Tiger war im gleichen Käfig wie der Lieblingslöwe. Da die beiden Tiere gut miteinander auskamen, wurden eines Tages noch ein paar junge Löwen in den Käfig gesetzt. Der Tiger kümmerte sich zunächst nicht um sie, bis das eine Junge auf chn zukam, chn mit der Tatze beklopfte und mit ihm spielen wollte. Da sprang er rasend auf, packte das Löwenjunge und schüttelte eS wütend. Togare bemerkte den Zwischenfall, und da er für das Leben des kleinen Löwen fürchtete, eilte er in den Käfig und schlug dem Tiger mit der Hand auf das Maul, bis er das Löwenjunge losließ. Da aber stürzte sich der wütende Tiger auf Togare und schlug chn zu Boden. In diesem Augenblick kam der Lieblingslöwe seinem Herrn zu Hilfe. Er stürzte sich auf den Tiger und drängte ihn mit seiner gewaltigen Kraft in eine Ecke des KäfigS ab, so daß Togare sich in Sichxr- dann brüllend und beißend am Boden. Der Bän-' Löwen, der sich überraschend schnell an seinen' heit bringen konnte. Arzt unmöglich, all di« Methoden zu beherrschen und die teuren Apparate zu besitzen, die für die Frühdiagnostik des Krebses notwendig sind. Deshalb muß im Rahnien der Sozialversicherung ein Mcldezwang für Krcbsverdächtigc eingeführt werden. Dieser Meldedienst muß einer Zentrale zugeleitet werden, die sich mit allen diesen Meldungen von Kreb^verdächtigen befaßt. Der Verband der Berliner Krankenkassen Hai einen solchen Meldedienst bereits eingeführt. In Uebereinstiminung init den Lebensversicherungsanstalten und den Aerzten Berlins wich dieser Meldchienst für Krebsvcrdächtige von dem Chefarzt, Dr. Bendix, geleitet. In der kurzen Zeit vom Feber bis zum 31. Juli 1932 wuchen 1585 Akeldungen erstattet. Hiervon entfallen allein 539 Fälle in das Gebiet der Gynäkologie, 34 Pro- ;ent aller Fälle also waren Unterleibskrebs der Frau. Die Kranken werden angel«it«t, die Be- handlung bis zur vollständigen Heilung durchzu- sühren, welche frühestens nach fünfiähriger Beobachtung ausgesprochen werden kann. Die Vielgestaltigkeit des Krebses crfochert auch eine Vie^estaltigkeit der zu seiner Bekämpfung bestimmten Institute. Wichtig ist, Laß durch ausgedehnte Propaganda die zur Behandlung geeigneten Institute zur Kenntnis des PublikumD gebracht werden. Das Stockholmer urw Pariser Muster der Zentralkrebsinftitute ist also nicht un- bchingt di« günstigste Lösung dieses Problems. Vielmehr sollten durch Kommissionen regionär di« geeigneten Institute festgestellt werden, denen auch di« fachliche Fortbildung der Aerzte obliegen soll. Jeder Berliner Krankenkaffenarzt erhalt zum Beispiel ein Merkblatt über die Frühdiagnose des Krebses. Aber damit allein ist es heute nicht getan. Di« praktischen Erfahrungen haben gezeigt, daß in Zukunft eine vorangehende und naä)gcbende Fürsorge notwendig sein wird, solange noch iminer die Gleichgültigkeit der Kranken besteht und jo lange die frühzeitige Erkennung des Krebses medizinisch noch auf so schwachen Füßen steht. Prominente Aerzte sind der Ansicht, daß man mit dieser Methode der Krebsbekämpfung heute bereits den richtigen Weg beschritten hat. Wie es in Deutschland gelungen ist, die tuberkulös« Sterblichkeit immer mehr von ihren hohen Ziffern herunterzudrücken, so wird es auch mit vereinten Kräften gelingen, die Krebsnot erfolgreich zu bekämpfen und die Zahl der an Krebs Verstorbenen sowie di« Zahl der Krebserkrankungen überhaupt erheblich zu vermindern. Notwendig ist allerdings, daß den krebsbekämpfenden Stellen nicht die staatlichen Mittel entzogen werden. Es ist«ine gefährliche Kurzsichtigkeit, bei der Pflege der Volksgesundheit Ersparnisse machen zu wollen. Ein solches Verfahren wird sich bitter -vivjtz slligostuo uhi inj rsjsiq uusm'usSupchnbisq rächen."" Dr.'D. L. Vereinsnadiriditen Allgemeiner Angestellten verband. Reichender-, Ortsgr. Prag U., Fügtterovo näm. 4„GEC". Amtsstunden: täglich von 5—6 und Samstag von 1—2 Uhr. Mitgliederversammlung mit Bortrag am 5. Jänner 1933, Donnerstag, halb 8 Uhr abends, im Handwerkerheim, Smeöky, Kleiner Saal. Nach Erledigung geschäftlicher Angelegenheiten hält G«n. Reismann einen Lichtbilder-Bottrag über Schweden, Land und Leute, mit besonderer Hervorhebung des Handels und der Industrie dieses Landes.— Gäste aus befreundeten Organisationen haben um halb 9 Uhr Zutritt zu diesem Bortrag. Winterhilfe. Aus den bisher eingelaufenen Beträgen wurden arbeitslosen Mitgliedern Kohle, Bekl«!dungsgeg«nstände, Lebensmittel und Bargeld beigestellt. Di« Aktion wird selbstredend weitergeführt. AugestelltenbÄl am 4. Feber 1933, Samstag, im H e i n«s a a l. Eintrittskarten im Bor- verkauf sind in den Amtsstunden zu beziehen und weiters auch im Verein deutscher Arbeiter am Tage der Bücherausgabe. I KINO-PROGRAMM; 1 vom P. Dezember 1932 bis 4. Jänner 1983.] Wran-Urania-Kino fiRiiees deutscnc'(Ino Priis. i e> M DOLLY HAIS In „Sctampolo“ mit Ludwig Dich) uod Paul Hörbiger. Wo verkehren wir? | talt„trniflMiar, Praa, 6ra6ea] lIDOVt»1)1*1 (Gen. Wiataelm OpntrnQI Konzert. PRAG» «ttdltilir. eKtftK» litb- tbtltiHlttii Wchtlm Xfliiii. SeunttiMttltfrt«ekaftut Dr Cartl«!««»».- Dr-e.Stets* sir SeNim»«9 ewjbm* Bmj- för»m»m«»«»«twottlt*. Ott» Im« Die Lrkuuasrnarkrntraakattrr wurde V0N der Poft» N. Lrlearapbeudirenw» Mtt Erlab Nr l3.800/VHi188Ü dewtllißl— VeMftsvedlnguuse». Bei Zustellung ins Paus oder bet Bezug durch btt Pop«vaatltch Le w.—. vierirllLyrttch 8s 4L—, M#8,—, cMHäftni K4 M.—.— aubai Im« tat) fciufrnct,«et»tMu««aubaUuat»»«Machte».- SidfuHun« wi WamiiW«« erfolgt tat ba«iaje-tetm, ket RtKwxactte*.