Sinzelprek 70 Heller. (Einschlichlich 5 Hell« Pottn, 13 Jahrgang. Sonntag, i. Jünner 1933 Rr i. kwe trenmse l^entadrs-votsmatt Das ZUNl mit j Ein Art Mit gesteigerter Wucht lastet die wirtschaftliche und politische Krise auf der Menschheit, Indem sich der Ring des Jahres schließt, ist das Erdenrund mehr als je düster umwölkt. Dreißig Millionen Menschen, in den kapitalistischen Staaten arbeitslos, weit über hundert MiMonen von der Krise verelendet, andere zahllose Millionen in den Grundlagen ihrer Existenz erschüttert. And kaum nöchesn Lichtblick, der all diesen in den Hexenkessel der Krise Hinohgestoßenen die Hoffnung geben würde, bald wieder zu einem gesicherten, nren- sozimer zu staffeln und von den höheren Einkommen eine Wohlstch rtsabgabe zu erh^en, vom Reichsfinanzmimsterium als mit dem Finanzaus- gseichsgcsetz unvereinbar abgeffhnt worden sei, sei ein arwerer Weg steuerrechNich nicht gangbar. mus und der von ihm bedrohten Demokratie noch nicht gebracht, es ist aber immerhin gc lungen, dem Fascismus Schlappen'zuz-ufügen, dennoch sind die Gefahren, die von des Kapitalismus.Schützengarden ausgehen, noch lange nicht gebannt. Noch immer steht die Frage: Freihert oder.Helotentum? Kroch und Gestank in Schleswig-Holstein. Kiel, 31. Dezember.(Eig. Drahtb.) Jahr 1932 geht i« Schleswig-Holstein für Hitler »nb sein« Partei unter den denkbar un günstigsten Aussichten ,n Ende. Es kracht und bricht in alle« Ortsgruppe». In Kiel, Flensburg, Neumünster, Schleswig, Husum, Itzehoe, Elmshorn, in jedem Ort, in dem die Nazipartei auch nur gering«, Einfluß besaß, ist es zur offenen Rebellion der SA und SS gekommen. Zudem stinkt es überall nach Korruption. Die Berichte über Unterschla gungen und Betrügereien der Nazi führer nehmen kein End«. Di« Führung der Partei und di« Wehrorgonisatio»«« gebe« sich dir erdenklichste Müh«, di« Tavonlaufende« bei der Stange z« halten, ober es gelingt nicht mehr. I« Gegensatz zu de» Nazis entwickelt die Sozialdemokratisch, Partei«ine groß« Aktivität. Ei«« kurz vor Weihnach ten abgeschlossen« erst« Werbeaktion bracht« ihr nicht««beträchtlichen Mitgliedergewinn. In Kiel allein Knute die Sozialdemokratisch« Pgrrel di« Zahl ihrer Histglic-er uw LLY ptr» «ehre«. Desgleichen in Nieder* sechsen. Hamburg, 31. Dezember.(Eig. Drahtb.) Auch in Niedersachsen hat die Nazidämmerung begonnen. In Harburg, Wilhelmsburg ist«ine Garnitur von„Führern" still und leis« in der Versenkung verschwunden. Unwiderspro. chen konnte das sozialdemokratisch«„Bolksblatt" seststellen,'daß Kassendifferenzen di« Ursache find. In Lüneburg und Stad« hoben zahlreich« all« und bekannt« Anhänger d«r NSDAP, di« Partei verlassen. Roch übler sieht es für sie i« de« Marsch- und H e i d« d ä r- fern aus. Dort ist Äberall«in merkliches Ab flauen der Bewegung z„ verspüre«, weil de» großen Worte« der Hakenkreuz-Schwadroneure kein« Taten gefolgt sind. Biele Bauern, di« Schemrentore und EichenbLum« am Hose mit Hakenkreuzen„geziert" hatten, hoben dieses „Schmuckstück" inzwischen entfernt und damit bekundet, haß ihre Höf« und di« Besitzer wieder „seuchenfrei" sind. In Winsen sLnhe) und.an andere« Orten habe« sich Nazis untereinander i» den letzten Wach,» mehrfach gründlich verprügelt. i;,• 1 Spaltung der wilier-Jndend. : Hall«, 31. Dezember.(Eig. Drahtb.) Di« Zersetzung der Hitler- Jugend in Hall« schreitet fort. Bor einigen Tagen trat«in Kommissar aus Münch«» an die Stelle d«S bisherigen Jugendführers. Die Folge ist, daß sich di. Hitler-Jngend i« zwei Lager gespalten hat, die sich gegenseitig bekämpfen und schlage«. Da auch di« SS,, di« früher derartig« Mei- nnugSäußerungen„schlichtete", nicht mehr ganz zuverlässig ist, lief dm Jugendbonze zur K r i. winalpolizei. Hinüber zu Strasser. Neustrelitz(Dlechl.), 31. Dezember..(Eig. Drahtb.)$ei natronÄsozialistische L a n d tags- r_‘‘ dem Druck der nationalsozialistischen Parteilei-Izu einer„Aussprache" in Austritt auS der NSTAP erklärt und sich Otto/' Strassers„Schwarzer Front"<—,....~ Scherbner soll in Mecklenburg-Strelitz die.Sei-,Di« Mutter des Hentsth-wurdigte sie kem«r Ant- tung der„Schwarze» Fwnt" übertrage» werde«.schort. Unsagbar schwer ist das Leid, Won dem gegenwärtig Atillionen Menschen heimgcsucht werden. Dürfen wir dannn den Glauben an eine bessere Zukunft verlieren? Sehet« wir denn nicht, daß wir der Erfüllung u n s c r e s Z i e l e s näher sind a l s j«'? Noch vagen mächtig die Pfeffer des kapitaki stischeu Systems ainpor, noch stirtzt cS sich cku- einen gewaltigen App«irat und wird vo Kriegsschiffen, Gasbomben und Flugzeuge! beschützt. Aber in den Köpfen ist bo kapitalistische Zeitalter ft gut wie übertrmnde! .Zur höchsten Bollerrdu,?g aufgestiegen. erwe° sich dieses System als untauglich, lebens»! I» der HiflMei gelit'8 drunter und dMr! In der Zeit günstiger Konjunktur oder da die Krise noch milde« Formen hatte, haben viele übersehen, daß Krisen unabwendbare Begleiterscheinungen der kapitalistischen Gesellschaftsordnung sind. Nun, da sie von der Wirtschaffskrise in ihren Wirbel hineinge- rogen worden sind, hrben diese mit einen« Mangel an Sehkraft Behafteten erst recht alle Orientierung verloren und sind zu einem großen Teil« die Opfer gerissener Demagogen und Betrüger geworden. Anstatt den Alleinschuldigen, den' Kapitalismus, für ihr Elend verantwortlich zu machen, bezichtigen sie ganz im Sinne seiner Nutznießer das demokratische „System" der Schuld. Wirtschaftlich entwurzelt lind fanatisiert, machen sie sich willig und gedankenlos zu Handlangern und Henkern im Dienste des Kapitalismus, reden da vom „Versagen der Demokratie", dort vom„Dritten Reich", dann wieder vom„Ständestaat", nennen sich nationalsozialistische Sturmtruppen oder stecken als.Heimwehrmänner einen Hahnenschwanz hinter ihren Hut, ohne ost zu ahnen, daß es nicht um„Brot und Freiheit geht,, wir man ihnen vorgaukelt, sondern dqrum, die Weltordnung, die sie ins Unglück hinabgestoßen hat, gegen ihre Massen- genossen, die Arbeiter, zu schützen. Ihnen ist die Ausgabe zugewiesen, den im Stürzen be- findlichen Götzen Kapitalismus zu stützen. Ihre Führer verstehen es, sie dadurch zu täuschen, daß sie sich das Schild eines nationalen ^Sozialismus" vor die Hechenbrüste binden und„starke Männer", die angeblich in« Besitze von Wündervezepten.sirw, anpreisen, obwohl. deren einziges Wesensmerkmo! mir die große Schnauze ist Da» verflossene.-Jahr hat den Endkampf zwischen d«n drohenden Fascis-. nahenkreuzlcrfsdie niutbiianz Der Braunschweiger„Bolkssrruu^ stellt folgende Blutbilanz des nationalsozialistischen Regimes Klagges im Jahre 1932 auf: 1 politisch« Morde, darunter 1 Fememord, 18 Blm- tate« mit Schwerverletzten, 4 Sprengstoffattentat«, 8 Anschläge auf Wohnungen und Häuser, darunter ein Anschlag auf eine katholische Kirch«, eine große Anzahl Leichtverletzter, SachbefchLdi- guugen, Ueberfälle usw. Bon Äl diese« Verbrechen hat kein einziges gerichtliche Sühne gefunden. Falls überhaupt ein« Verfolgung eintrat— das war in den wenigsten Fälle«'—, so kam die Amnestie dazwisch««. Lediglich die Bombenanschläge harre««och der Aburteilung. Bagage. Dresden, 31. Dezember.(Eig. Drahtb.) Die Dreistigkeit derDresdner Mordgesellen im Gregor Straßer-Haus kennt keine Grenzen. Sie geht so weit, daß die Burschen es gewagt haben,«ine Abordnung zu der Mutter des ermordeten Hentsch zu schicken. Die tiefgebeugte Mutter gab de« Mordgesellen die einzig mögliche Antwort: Sie wies ihnen die Tür. Was machten die intellettuellen ~_ Urheber der Mordtat an Hensch?3tr brachte« es ah?eör^n«'TSshe"»'»«er/'der küiKch mstistetig, die Mutter des Ermordeten am Freitag dem Druck der nationalsozialistischen Parteilei-!zu einer„Aussprache" in die braun« tung sein Mandat nsttzerffyen mußte, hat leinen Perbrecherhöhle einzuladen. Was di« Bur. angffchlchffn hier planten entzieht sich unserer Kennt«,. Erziehung zum Banditentum. Frankfurt a. M. 31. Dezember.(Eig.' Drahtb.) Etwa zwanzig Nazis drangen in Frankfurt in«ine Anstalt für Fürsokgüzögkinge, dptWtz jf.gi! ,Hchf ah, ü-rrs ra MÄs. b*«i? Erzieher, schlugen ihn nieder und demolierte« di« Einrichtung. Als der Direktor des Heimes erschien, floh die Nazimeute. G»Hen verschieden« Teilnehmer des Uebersalles konnte Anzeige erstattet werb««. Am gleich«« Tag« holte di«'selbe Grupp« vo« Nazis ztvei Fiirsorgezögling« aus der Straßenbahn, die von ihrem Begletter in ein« Erziehungsanstalt außerhalb Frankfurts gebracht werden sollten. Di« beiden befreiten Fürsorgezöglinge gehören der Hitlerpartei. an. Gegen ihr« Urperführung in ein« außerhalb Frankfurts gelegen« Anstalt hatte vorher der Scharführer der Hitler-Jugend protestiert. Vorgesdimodf des Dritten Reichs Dessau, U. Dcgembsr.(Eia. Dvcchtb.) nachträgliches Weihnachtsgeschenk besonderer bo-t die Anholtifchc Nazi-Regierung der anhalti- schen.. Einwoherschaft beschert. Am Freitag ließ dü!'Regierung amtlich mitteilen, baß anstatt der bisher Vovgesehenen 600 Prozent Burger--> steuer im Jahve 1933 900 Prozent zür Erhebung kommen sollen. Als Begründung wirb angeführt, daß die Zahlung der Wvhlfahrtsunter- stützungen andernfalls ernsthaft in Frage gestellt fti und sich keine andere MöKichkett«vgebe, den...-, Gemeinden schnellstens Geldmittel zu verschaffen ichenwnrvigen Däfern aufftvrgen zu können, ass durch die Büvgersteuer. Nachdem em Bor- Das ist die erschütternde Bkkanz des zu Ende schlag des Staatsministeriums, die Bürgersttuer gegangenen Jahres. Ein neues Jahr steigt aus der Ewigkeit hevauf. Wird es den Ausweg aus der trüberr Gegenwart eröffnen, ein« Abwehr wenigstens des Schlimmsten möglich machen? Den Millionen Arbeitsloser und den Millionen Ber- eleNdeter schwebt im Widerstreit des Hoffens und des Zweifels diese Frage aitf den Lippen. Es ist ein furchtbares, ein fluchwürdiges Erbe, welches das alte Jahr hinterlassen hat. Die Schlote von hrtnderttausendmt Fabriken sind erkaltet, die Maschinen rasten und rosten, jene < aber, die schaffend hinter ihnen stan-den, müs- Zktf stierit Utw verkriechen sich frierend in ihre Elendswinkel. Es. ist im abgelaufenen Jahre, ckbwrchl man bofste, der. Diefsraud der Krise .w«He..hflsd>jihett«»Wd«t..ßün; nzcht^bester, sondern schlechter gewoiÄenL Wohin man blickt, 'überall herrscht das Chaos, Plan- und Ratlosigkeit. Der Kavitaftsnrus Wanst in seinen Gvimdfesten, sein Gemäuer ist hohl und morsch geworden. Die Regierenden und die„Wirtschaftsführer" über beweisen täglich aufs neue, daß sie glatt außerstande und unfähig sind, deir Wirtschaftsappantt werngstens im Sinne seiner Erhaltung, geschweige denn einer Auf- wärcksentwicklung zu steuern, ja sie sind nicht' einmal Zustande, die schrecklichsten Auswirkungen des sterbenden kapitalistischen Systems zu beseitigen, Biel Trauriges.und Schmerzliches hat das zu Ende gegangene Jahr gebracht, viele Enttäuschimgen und viel- der Not und/des Elends hat es auch dem arbeitenden Volke in unserem eigenen Lande zngefiig». Jnnüer dreister wird die Reaktroit hei" der Bedrohung der sozialen Errungenschaften. M>tß da„istcht Hoffnungslosigkeit und Berzwefflung /die Herzen ergreifen und auch manchen älteren Kämpfer siir den Aozichli-mus rnutlos machen? Beispiellos hart und schwer ist unser Kämpf geworden und kaum kann durch ihn mehr erreicht werben, als uns«« yoliffschen und sozialen Errringenschaften zu schützen, dasAeußerste vorr der Arbeibercklasie und den armen Opseru der Krise abprwenden. Dennoch habet« wir kein Recht zu verzweifeln rmd den Kampf auf- zrige'ben! ,^tl bifL..Lsm Ssstls;, als. daß gerade jetzt das Unwert unterer Händen entsinken dürfte! Mancher der Freunde und Mifftreitcr glaubt znrgxnds einen,Lichtbst^.-zu feHen, aber seheit-"fitz' denn nicht/ tvch ,'d.s«,- in allen Fugen krachende kapitalistische(Gesellschaft selbst in hellster Berzwefflung- ist? Sehen sie nicht, wie d^ren ganze Ideologie pleite, gegangen ist und wie ihren Trägern nichts anderes übrig bleibt, als nach dem letzten Mittel zu greifen, einem Nffttel, das erue Zeitlang wirksam sein kann, das aber schließlich den Gang der Entwicklung nnht aufhalteii kann. Es ist ein Mittel, das nicht erstenmal in der Geschichte versucht wird. Dir kapitalistische Reaktion maskiert sich einem„sozialen" Gewände und gibt vor, für ein neues Reich zu kämpfen, um so die, von dumvfer Sehnsucht rrach einer Neuaestaliung der Gesellschaft erfüllten Massen zu läuschrn und in ihrer Gefolgschaft zu erhalten. Das letzte Mittel: ein grandioser Volks bet rüg! llnsere Shnnbole, unser« Ideale lnerden gestohlen>md in verzerrter Form den Betörtet: vorgesetzt, loeil den Herrschende» kein anderes Mittel geblieben ist, um noch einige Zeitlang im Bcüt'e der Macht m bleiben! Früher hat man den Mut und di« Kraft zur Offenheit gehabt lind die aufstrebende sozialistische Bewcguttg mit Polizeimit- teln nnd auch mit den sogenannten geistigen Argumenten aus den' Arsenal der kavitalisti- schen Wissenschaft bekämpft. T-ieie' Waffen sind längst stumpf geworden, bcitte bleibt den Verteidigern des Kapitalismus nichts übrig, als den Sozialismus, den sie ehedem veracht Inh zu machen suchten, riachznäffcn und zu demagogischen Zwecken zu mißbrauchen. Das plumpe Spiel kann noch eine Zeitlang fortg? setzt werden, schließlich mirß dieses fascistische Berwirrungsmanöver, wie schon jetzt gewiss.' Anzeicherr beweisen, schmählich verkrachen. Nr. 1 Sonntag. 1. Jänner 1933 fähig und eimvicklrmgshindernd und läßt bei vollen Scheunen und Lagern die Menschen frieren und hungern. Wohl vergiften di« dem verendenden Kapitalismus entströmenden Miasmen die politische Atmosphäre und erfüllen sie mit ungeheueren Spannungen, schließlich wird der Welt nur die Wahl bleiben: entweder im Kapitalismus zugrunde zu gchen, oder sich aus seiner verfaulenden, sinnlosen Höll« durch den Sozialismus zu befreien! Noch lebt das kapitalistische Untier und seine Pranken schlagen dein Proletariat furchtbare Wunden. Doch jene, welche durch die schweren Erschütterungen ihrer Existenz auf- Europa 1932. Sind wir am Ende dieses aufgeregten und an Hoffnungen, Sensationen und Enttäuschungen so reichen Jahres eigentlich über di« große europäische Kris«— die teils im Zusammenhang mit der Weltwirtschaftskrise, teil- jenseits der Oeko» nomie seit dem Krieg« latent oder offen bestand — hinweggekommen, oder stehen wir erst vor den Entscheidungen? Eine gewissenhafte Wertung wird die Beantwortung dieser Frage kommenden Jahren oder auch erst Jahrzehnten überlassen, denn selten war«8 so schwer wie heuer, daS eben Geschehene, di« jüngste Bergangercheit, schon alt Glied in der EntwiÄunySreih« von gestern aus morgen zu sehen. Aus den Ereignissen von 1932 kann i« Guten wie im Bösen noch alle- Wecken. Di« Abrüstungskonferenz schien bi- zmn Ende de» Jahre» den vielfach erwarteten unglückliche« Verlaus zu nehmen. Sie hatte, wie cs bei einer Versammlung von Be- russdiplomaten und Militärsachvevstänoigen kaum anders sein konnte, alle weitgehenden und auf wirkliche Abrüstung a^irlenden Anträge abgelehnt, auch den Vorschlag des Präsidenten Hoover, der ein« allgemeine Abrüstung um ein Drittel der Mannschaften und Materialien forderte, sang- und iktngloS begraben, ohne au- eigenem zu einem befriedigenden Ergebnis zu gelangen. Der vielfach verklausulierte und praktisch wenig ergiebige Plan Beneii war dann immer noch das äußerst«, wa- di« Konser«nz aus sich heraus zu leisten vermocht«. Da» schwerste Versäumnis war Wohl, daß die Konferenz di« Frage der Gleichberechtigung von Siegern und Besiegten nicht rechtzeitig lost«. Dadurch wurde Deutschland zum Verlassen der Konferenz provoziert uvd sein« reaktionäre Regierung in di« La« versetzt, di« Frage der Aufrüstung Deutschlands aufzurollcn. Damit war Genf eigentlich zum Schauplatz einer Nebenhandlung geworden und da- Schwergewicht war nach den großen Hauptstädten verlegt, zwischen denen, nun di« unmittelbaren Verhandlungen«insetzten: Pari-, Berlin, London. Auf die- scm Weg wurde die Einigung vorbereitet, derzu- folge Deutschland als gleichberechtigt in der Rustungsfrage anerkannt und ihm di« Rückkehr nach Genf ermöglicht wurde. Zur gleichen Zeit ergriff H« r r i o t mit seinem Vorschlag, da- Wehrsystem aller Staaten auf die Form der Miliz zu bringen, di« Initiativ« u. zw. in einem der Berliner Regierung unerwünschten Sinne. Denn die deutschen Generale wünschen keineswegs die Reichswehr gegen eine Miliz einzutauschen, sondern möchten beide nebeneinander gerüttelt wurden, die Schädlichkeit und Brr-' decklichkeit, des bestehenden System- an ihrem Leibe erfahren haben, wecken, auch wenn sie heute falschen Propheten folgen, niemals wie-! der zu Gläubigen des Kapitalismus. Die Masse derer, die ihm Krieg bis zur Vernichtung geschworen haben, wird immer größer und schließlich unüberwindlich wecken. Wenn auch noch vielfach mit unklaren Vorstellungen haben die Völker doch übexall den Marsch angetreten, der nicht eher zum Stillstände gelangt, als nicht eine neue, über den Kapitalismus hinausweisende Ordnung erreicht sein wird! haben: ein«yjtklafsiges Berufsheer und«ine groß« Volksarmee. Immerhin stellt die endliche Einigung zwischen den Siegern und den Besiegten von 1919 einen ersten Erfolg seit dem Zusammentritt der Konferenz dar, auf den man seit dem Sommer kaum mchr gehofft hatte. Die Frage, in der die Entscheidung über Segen oder Unsegen der Einigung beschlossen liegt, ist aber di«, ob man gemeinsam a b rüsten oder gemeinsam auf rüsten Wick. Die Ende de» Jahres eingetretene Isolierung Frankreichs könnt« einer zielbewußten deutschen Außenpolitik allerdings wertvolle Ehaneen für die unmittelbare Verständigung' mit Frankreich bieten. Ob General Schleicher der geeignet« Mann ist, die Brücke nach Pari» zu schlagen, di« allein den europäischen Aviespalt überwinden könnt«, Wick sich erst im neuen Jahr erweisen. Und hier liegt auch die aickere Schicksalsfrage, die da» Jahr 1932 zwar beantwortet hat, aber keinesfalls so eindeutig, wie es leicht scheinen könnte. Der deutsch« Fasci-mn- hat im abgelaufen«» Jahr seinen Höhepunkt über, schritten und schließt es mit«inem moralischen, finanziellen und machtpolitischen Defizit ab, über da» sich heut« Freund und Feind keiner Täuschung hingeben können. Aber zugleich ist auf den Schultern der Hitlerpartei, die sich in dem Lakaiendienst für die Junker verbraucht hat, die feudalkapitalistische Kontrerevob tion der Grundbesitzer und Trustmagnaten an» Ruder gelangt. Obwohl e- dem Kabinett Brüning gelungen war, die Klippen der Frühjahr-Wahlen zu umschiffen, in beiden Gängen der Präsidentenwahl«ne Mehrheit über Hitler(im 8. Gang sogar di« absolute Mehrheit) und für Hindenburg zu er» zielen, obschon di« Pvenßenwahl keine Rechtsmehrheit gebracht hatt«, kam Brüning nach seinen Frühjahr-erfölgen über di« Jntriauen der Her- renllubs und der General-kamarilla zu Fall. ES ist in guter Erinnerung, Wieda- von den RaziS tolerierte Junker-Kabinett von Pape« Fitgriff, den„Wohlfahrtsstaat" obbaute, den Unternehmern Geschenke macht«, während eS Arbeiten und Sozialrentner ouSplünderte. Mit dem Staatsstreich vom 20. Juli wurde nicht nur die republikanische Regierung Preußens beftitigt, sondern auch die Weimarer Verfassung faktisch außer Kraft gesetzt. Di« ReichStagÄvahlen vom 31. Juli und vom 6. November bestätigten, daß der große Erfolg der deutschen Kontrerevolution auf Kosten der Anziehungskraft des„legalen" deutschen Fasci-mus gegangen war. Hitler erreicht« im Juli auch unter Zurechnung aller reaktionären Mandate(Hugenbrrg) keine Mehrheit und verlor im November 34 Sitze, um mut vor dem inneren Zerfall der Partei und am Ende seiner finanziellen Leistungsfähigkeit zu stehen. Daß Hiller sich der„Legalität" und damit dem sicheren Niedergang seiner Bewegung überantwortete, daran gebührt das Hauptvcrdicnst der deutschen Arbeiterklasse, die eS verstanden hatte, ihre Abwehrkräfte in der Eisernen Front zu organisieren und Deutschland so vor einem Blutbad zu bewahren, vor deut die Hitlerbanditen andernfalls nicht zurückgeschrocken wären. So schließt die nationasozialistische Richtung des deutschen Fascis- mus das Jahr 1932, für da- sie anfangs Hitlers Diktatur, dann seine Präsidentschaft und endlich seine Kanzlerschaft vorausgesagt hatte, mit einer schtveren und nicht wicker gützumachenden Niederlage ab. Die Schicksalsfrage Deutschlands aber, ob es zur demokratischen Republik zurückfindet, cker ob cs in ein« monarchistische Restau- rationsepoche steuert, muß heute noch unbeantwortet bleiben. Bon dem Nachfolger Papens ist jede Ueberraschung zu gewärtigen, eine Schwenkung zur Diktatur nicht minder als eine zum Parlamentarismus. Daß sich die Entwicklung Deutschlands zwischen Hitler und Schleicher ohne europäische Konflikte abspielt«, ist zum guten Teil auf das Konto des Wahlsiegs der Linken in Frankreich zu buchen. Die Kammerwahlen vom Mai 1932 brachten Frankreich«in« Mehrheit der Linken und ein Kabinett H e r r i o t, das mit verhältnismäßig viel Geschick durch die Wirren der Abrüstungsund Schuldenkampagne steuerte, bis es über die Frage der französischen Schulden an Amerika stürzte. Dem Entgegenkommen HerriotS war es zu danken, daß Deutschlatch in Lausanne zwar nicht die restlose Streichung der Reparationen, die Brüning ohne Zweifel durchaesetzt hält«, immerhin aber den Nachlaß der Zahlungen bis auf eilten Rost von 3 Milliarden Mark erzielt«. Herriots Nachfolger Paul-Boncour, der vor der Aufgabe steht, Frankreichs Isolierung wieder aufzuheben«ick mit Amerika zu einer Einigung über die Zahlung zu gelangen, die Frankreich» Deputierte im Dezember mit großer Mehrheit verweigert hatten. Auch damit erhebt sich ein e u r o- p ä i s ch e s Problem, denn von der Stellung Frankreich- in Europa und gegenüber d«n Seemächten hängt die weitere Entwicklung nicht nur de- deutsch-französischen Verhältnisses, sondern auch de» Ostens ab, der ja von Frankreich politisch und finanziell abhängig ist. Die Versuche, für Mittel- und Südosteuropa einen Ausweg aus ihren Nöten zn finden, sind einschließlich der Konferenz von S t r e s a gescheitert, da es an der wichtigsten Voraussetzung, der Verständigung zwischen Deutschland und Frankreich fehlte. Auch daS dringendste mitteleuropäisch« Problem, das österreichische blick ungelöst, wa» sich nicht zuletzt im Anwachsen de» Nationalsozialismus in Oesterreich auswirkt«. Nur ein« Anleihe wurde für Oesterreich, unter der Bedingung bewilligt, daß r^auf Jahrzehnt« fein« Souveränität preisgab, ' Erfreulich für Europa war die Erhaltung der jungen spanischen Demokratie gegenüber allen Versuchen der Reaktion, da» Regime der Arbeiter, Bauern und Kleinbürger zu stürzen. Mit feinen eigenen Sorgen beschäftigt, konnte Europa nichts gegen den Krieg tm Fernen Osten tun, der während des ganzen Jahres wütete und infolge des Machtantrittes eine- fascistischen Kabinetts in Japan sich weiter— in die russische Interessensphäre— auszubreiten drohte. Bon 1933 kann man nur erhoffen: einen praktischen Schritt zur Abrüstung, den weiteren Rückgang des deutschen Fascismus, Verständigung zwischen Deutschland und Frankreich. Wick in diesen Richtungen wenigstens nicht von dem 1932 gewonnenen veckorben, so darf man auf die Erhaltung des Friedens hoffen. Aufwärts! Eine Neujahrsbetraditung. Bon Wilhelm Sollmann, Berlin. 1932: Bielen Millionen Menschen in ollen Erdteilen ist es ein Jahr düstersten Unglücks gewesen. Ein Jahr aufkeimender Hoffnung war eS nirgends. 1932: Das war Tiefstand der Krise nn* Höchststand des Elends. 1932: Das war wirtschaftlicher, poiltisther,. finanzieller, kultureller Wirrwarr rund um die Welt. Ein Jahr fast auswegloser Schwierigkeiten von der kleinsten Dorfgemeinde bis hinauf zum eckumspannenden Völkerbund. Das Jahr versinkt. Sein« Sorgen leider* bleiben. Die kapitalistische Weltwirtschaft ist siecher, kränker denn je. Fünfundzwanzig Millionen Erwerbslosen weiß sie. keinen andern Trost als: warten und darben; Hungern und nicht verzweifeln!.... 1932: In Deutschland brachte es eine große- geschichtliche Wendung. Zwar keinen Ausstieg, aber ein Rückwärts: die Ausschaltung der sozialistischen Arbeiterklasse, den Sieg der Gegenrevo- l u t i o n.. Seit langen Monaten haben sie alle, die sich zu Herren in Staat und Wirtschaft berufen fühlen, freie Bahn. Keine Volksdemokratie hemmt sie. Kein„Marxismus" hindert sie, den Deutschen neue Wege zn Brot und nationaler Freiheit zu bahnen. Beiseite gedrängt ist di« Sozialdemokratie. Entfernt sind die„Bonzen", Es reg'cren Generaldirektoren und Generale, Junker und Korps-, brüder. Schufen sie irgend etwa-'? Niemandem gab die Gegenrevolution Arbeit. Vielen nahm st« setzte Hoffnung. Allen gibt sie- zu den k en. Ja: zu denken! In tiefster Rot wächst aus furchtbarsten Enttäuschungen erst« Nachdenklich- kett heran. DerpolitischeMessiaswayn ist erschüttert- Di« politische Surndeuterei hat versagt. Ein großer Prophet ist k!einer geworden, seitdem seine Weissagungen trügerisch sich zeigen. Langsam und doch stetig verbreitet sich di« Erkenntnis, daß Adolf der Einzige nicht.tut' Führung berufen ist, sondern nur ein Werkzeug war in der Hand Mächtiger, die ini Ecgnnatz zu ihm wissen, was sie wollen. So ist dennoch das Jahr 1932 für Deutschland di« große politische Wende. Richt nur, weil man die Recht« allein die Berantwor- ttlng trägt,. sondern tvcil die„nationale- Ncpcl Nation" versumpft und versandet, seitdeni sie die deutsche Herrenkaste zur Regierung emporgehobcn hat. Ob wir einen Razi-Kanzler oder ein paar Naziminister noch erleben oder nicht, die.Entlarvung der Nationalsozialisten als Motoren Gegenrevolution ist nicht mehr auftuhglteu. Ob' die Nazis regieren oder oh.sic,— Undank ist der Polftik"Lvhft^-^nlrnEmIWe^MLch-täiiwärier kujoniert werden, ihr« große Zukunft, liege hifttec ihnen. Noch ist nicht gewiß, ob nicht doch noch Gewalt innerpolitisch gegen Bolksansprüche eingesetzt werden wird, aber dos würden dann' andere Kräfte sein als die demoralisierten SA.,, und SS. Deren Traumbilder von einem Berliner Einzugsmarsch durch das Brondrnbuvger Tor find zerronnen. Ein Führer, der in zwölf Monaten dreimal in riesenhaften Wahllämpfen vergebens nach der. Staatsmacht greift, der mit 14 Millionen und dann immer noch 12 Millionen Wählern hinter sich nicht Reichskanzler zu werden versteht, hat nicht das Maß eines Diktators. Eine Bewegung, die zweimal das Parlament la.ll Die Kellnerin Molly. Roman von Han« Otta Henel. Copyright by gackelreitrr-Derlag. Vertin. Nachdruck verboten.- Und alle Bereitwilligkeit war dann verflogen. Auf den Gesichtern konnte das Mädchen ablesen, wie di« eingegangeiten Auskünfte gelautet haben mußten. Mal« Habenicht? Ach, ein verdorbenes Mädchen, durch die Bemühungen der Polizei al- unzüchtiges Objekt des Sittlichbeitsverbrechers Brodecker ermittelt. Male Habenicht? Ein frühreifes Früchtchen, das einen Oberprimaner des Hohenzollern-Gymnasiums zu Ausschweifungen verführt und ihn dem Bolschewismus zugetrieben hat. Mit verlegener Entschiedenheit bedauerte man, das Fräulein ungeeignet zu finden. Baumeister Winkler aber dachte großzügig genug, bei einer willigen und billigen Arbeitskraft nicht nach vergangenen Dittgen zu fragen. Nun saß Male von morgens acht bis abends sieben Uhr in seinem Geschäftszimmer und erledigte unverdrossen, was von ihr verlangt wurde. S:c malte sich aus, wie angenehm es sein würde, wenn sie in naheliegender Zett Stenographie und Schreibmaschine so fertig beherrschen könnte, daß der immer übelgelaunte Herr Winkler keinen Anlaß zum Tadel mehr fände. Dann würde sie ihn auch bitten, das Taschengeld in ei« kleines Gehalt umzuwandeln. Male war die einzige Hilfksraft de- Baumeisters, hatte so viel zu tun, daß sie tagsüber nicht zum Nachdenken kam, und darnntWu^tckk sie ihre Tätigkeit. Aber ganz stark leWpweJfW die Hoffnung: später, wenn ich gelerüfLakkund etwas Dostwichtiges kann, dann verfasse ich wese Die tröstliche Ruhe die düs Mädchen trotz den Brummeleien des Baumeisters bei ihrer Arbeit fand, nahm ein Ende, als gegen den Herbst hin di« Tag« kürzer wurden, die Dunkelheit ftüher kam. Dlänner gingen im abendlichen Dunkel hinter ihr her und sprachen sie an. Und Male war erst stolz darauf, wie alle jungen Mädchen, die sich von„besseren Herren" verehrt glauben. Bis sie mit Entsetzen spürte, daß die ,Nachstellungen gar nicht harmlos fern wollten. Sie war reif genug, eine Keckheit zu verstehen, zurückmweisen oder auch sie anzunehmen. Aber die Männer gaben wehr oder weniger verhüllt zu verstehen, daß sie ihr gegenüber sich von aller Scham entbunden fühlten. Sicherlich wäre das junge Mädchen vor einem brutalen Anträge geflohen oder hätte um Hilfe gerufen. Doch se plump ging keiner vor. Man lächelte und zwinkert« mit den Aug«n und redete mit väterlichem Tone, aber aus allem sprach die unver'chämte Vertraulichkeit: wir kennen Dich nackt, vor uns brauchst Du gar nicht die Unschuld zu spielen Das lähmte Male. Der allab-.'ndliche Heimweg wurde für das Mädchen zur Qual. Wa» diese Männer von ihr wollten, das waren die Dinge, über die sie beim Brodecker-Prozeß von Polizei und Gericht ausgefragt worden war. Und diese Dinge erschienen ihr heute noch so ekelhaft wie damals, als ihr bei den viele» Vernehmungen das Ahnen aufging. Sie erstaunte grenzenlos, daß dieselbe« Herren, die über Brodecker gerichtet hatten, der ihr doch nichts getan hatte, sie mit Anträgen verfolgten, die angeblich so strafwürdig waren. Den jungen Referendar erkannte sie wieder und den alte» dürren Glatzkopf, der das Protokoll geschrieben und dabei so finster auSgesehen hatte. Auch den ^dicken Herrn von der Polizei, den sie damals Herr Machtmeister anreden mußte, und andere, die sic -bä Gericht wen-iger genau angesehen hatte. Und dies« Herren vom Gericht und von der Polizei waren die schlimmsten. Sie konnten alle«, was in den Akten stand, und redeten Male daraufhin an, und die Angst vor ihrem Witzen machte das Mädchen wehrlos. Die konnte sie nicht abweisen, mußte ihnen antworten, wenn sie nebenher gingen und sie zudringlich belästigten. .. Den Eltern wagte Male nichts von ihren« abepdlichcn Marterwcge zu erzählen. Seit dem Prodeckerprozeß, und mehr noch, seit das Mädchen, mit dem Primaner Slotschetver ins Gerede gekommen war, sah die Mutter sie manchmal mit Blicken an, die Mißtrauen ausdrückten. Und der Bader war der Scherereien überdrüssig und verhehlt« das nicht. Dabei glaubten sie bestimmt nicht ernstlich an eine etwaige Schuld ihrer Tochter. »Aber etwas Fremdes war zwischen Kind und Eltern gekommen, und beide Teile spürten, daß es in den Fragen lag, die Polizei und Gericht an Male gestellt batten. Und auch in dem Wissen, daS die Beantwortung voraussetzre. Wenn Male nachts in die Kiffen weinte, suchte sie eine Klärung der Zweifel, die seit den Vernehmungen im Brodeckerprözeß sie bestürmten und die ihr immer noch schrecklich und widerwärtig waren. Manches ahnte, manches wußte sie ja nun. Aber nicht alles. Gern hätte sie die guä- I lende Ungewißheit über die letzten Fragen des Geschlechts durch offene Aussprache mit den Eltern vertrieben. Aber die.Habenichts gehörten zu den Ellern, die allenfalls Kinder machen, weil da» behördlich nicht verboten ist, die aber am allerwenigsten ihren Kindern gegenüber in den Verdacht geraten möchten, daß sie z« dergleichen köhig find. Das fühlte Mal«, und- darum fchwieg sie. Früher kannten Habenichts Kinder keirt« Bevorzugung des einen vor dem andertt durch die Eltern. Jetzt aber sammelt sich unausgesprochen und doch fühlbar die Wärm« efterlicher Liebe um Grete, die jüngere Schwester. Male mußte sich mit deut Pflichtteil einer bekümmerten Sorge begnü« gen. Das Mädchen verbitterte und beschränke sich auf ein schmerzlich scheues Eigenleben. Anfang Oktober traf Herr Habenichts, den Baumeister Winkler zufällig auf der Straße mck stellte ihm vor, eine pvälfstundige Arbeitszeit sei doch eigentlich genug für«in sechzehnjähriges Mädchen. Er hatt« ja nichts dagegen, wenn sei»« Tochter bei vorkommender Notwendigkeit mal eine Ueberstunde machen müsse- Aber Herr Wink-' ler hakte sie nun schon seit vier Wochen-bis abends neun Uhr im Büro, und das'erscheine ihm als besorgten Vater ein bißchen zuviel- Der Baumeister wurde gleich ärgerlich. Fräulein Habenichts habe das Büro niemals später als um sieben verlassen. Eine Pünktlichkeit, die nicht gerade auf vorbildlichen Arbeitseifer schließen lasse. Darum verstünde er den Borwurf des Herrn Habenicht nicht. Der tief erschrockene Habenicht nahm ihn auf der Stelle zurück und entschuldigte sich unter vielen Verbeugungen. An der Versicherung des Herrn Baumeisters wollte er unter keinen Um- ständen zweifeln. Aber die Male kam doch spät' nach Haus«, abgearbeitet und unfähig, sich«och mit der Emilie zn Unterhalten. Diese Tatsache sei nicht zu bestreiten. Wer weiß, was dahinter» steckt? Er bat den Herrn Baumeister ganz ergebe nst, dem Mädchen nicht von der Unterredung mitzuteilen. Natürlich würde er selbst untersuchen// wo Male die Abendstunden nach dem Verlassen des Geschäfts zubringe. „Vielleicht hockt sie bei einer Freundin oder bei der Großmutter. Ich wette, sie knaupelt da wieder eine Ueberraschung für. die Mittler oder, mich zusammen. Die Male hat in schonen HaWU arbeiten was Tüchtiges los. Ist natürlich unnütz,. Drei Hange-Pcm tosfein für Ke Taschenuhr hobt ich schon. Aber was will man machen? Junge r o 7tt. 1 Sonntag, 1. Jänner 1933 Seit« 3 Wie sind die wirtschaftlichen! Aussichten für 1933? Die Lage der Weltwirtschaft und die der tschechoslowakischen Wirtschaft am Jahresende. Im verflossenen Jahre 1932 hat dir Krise der Weltwirtschaft vorläufig ihren Tiefpunkt erreicht: noch niemals war die Produktion so eingeschränkt, noch niemals der Welthandel so eingeschrumpft, noch niemals das Heer der Arbeitslosen so groß. Wird es— so fragt jeder am Jahresende— imIahre 1933 besser w e rden, zeigt sich auch nur ein Lichtschimmer am düsteren Firmament der Wirtschaft? Die Weltwirtschaft. In den letzten Wochen mehren sich die optimistischen Stimmen, die davon erzählen, daß der Tiefpunkt der Krise erreicht sei, daß es— fast umnerklich, aber doch— aufwärts gehe und es weichen Tatsachen angeführt, welche als erste Anzeichen einer Besserung gewertet werden. Bor allem wird darauf hingewiesen, daß die Kreditkrise überwunden ist, daß 1932 zum Unterschiede von 1931, dem Jahr der Bankenzusam- menbrüche in' Oesterreich, Deutschland, Italien, Frankreich, kein großes Bankunternehmen bankerott geworden ist und daß die Banken, diese Mittelpunkte der Wirtschaft im Kapitalismus,-sich zu erholen beginnen. Noch bedeutsamer ist aber der Hinweis darauf, daß die Produktion sich da und dort zu beleben beginne. Jnsbesonders in der Eisenindustrie wird diese Beobachtung gemacht. Während die Welteiseu- produktion im August 1932 mit 2.75 Millionen Tonnen ihren Tiefpunkt erreicht hat, war sie im September auf 2.88 Millionen, im Oktober auf 3.039 Millionen Tonnen gestiegen. Dasselbe gilt von der Weltstahlerzeugung, die von 3.54 Millionen Tonnen im August auf 3.75 Millionen im September, 4.17 Millionen im Oktober und 4.19 Millionen im November gestiegen ist. Allerdings beträgt die Stahlproduktion von heute nicht einmal die Hälfte jener von 1928(Monatsdurch- schnitt damals 8.85 Millionen Tonnen), bei Eisen ist das Verhältnis noch ungegünstiger: 3.04 Millionen im Oktober, 7.04 Millionen im Durchschnitt 1928. Wie sehr man sich übrigens vor übertriebenen Hoffirungen fernhalten fall, lehrt die Tatsache, daß die Eisenproduktion in der ganzen Welt von 3.04 Millionen Tonnen im Oktober auf 3.02 Millionen im November wieder zurückgegangen ist. Ein interessantes Synrptom für di« wirtschaftliche Lage am Jahresende ist übrigens die Tatsache, daß sich der Fortschritt in der Produktion am stärksten in Deutschland,, dem Mittelpunkt der Weltwirtfihastskrise auswirkt. Bon August bis November ist di« deutsche Eisenerzeugung von 268.000 auf 371.000 Tonnen gestiegen, von September bis November die Stahlerzeugung von 392.000 auf 546.000 Tonnen — was schon«ine beachtenswerte Steigerung der Produktion ist. Zum e r st e n m a l e seit 192- ist in Deutschland im Herbst 1932 eine Zunahme desEisenverbrau- ches fe stzuste lle n. Zwar steigt, nach einer vorübergehenden Senkung im Fruhherbst,. die Arbeitslosigkeit an, aber doch nicht so stark, als man der Saison entsprechend erwarten würde. Als Hoffnungsschimmer für di« Zukunft wird auch angeführt, daß es das Jahr 1932 gewesen ist, das endlich eine Regelung d«r Reparationsfrage gebracht hat. In Lausanne gelang es am 7. Juli 1932 eine Vereinbarung zustande zu bringen, in der Deutschlands§ Jahreszahlungen von zwei Milliarden Mark aus etwa 180 Millionen Mark herabgesetzt wurden, wodurch der größte Teil der schweren Last politischer Zahlungen Deutschland abgenvmmen und eine„streichungsähmiche Lösung der Reparationsfrage" gefunden wurde. Allerdings hat man sich s in Lausanne vorgestellt, daß im Zusammenhang! mit der Frage der deutschen Reparationen auch die der Schulden der ehemaligen alliierten Länder an Amerika einer Lösung zugeführt werden wird. Dos ist aber nicht geschehen und die Bereinigten Staaten haben verlangt, daß die am 15. Dezember 1932 fälligen Raten der Zinsen für die interalliierten Schulden auck tatsächlich gezahlt werden. Während England, Italien, die Tschechoslowakei, Finnland, Lettland und Litauen bezahlt haben, haben Frankreich, Belgien, Polen und Estland nicht bezahlt, statt 125 Millionen Dollar haben die Bereinigten Staaten am 15. Dezember nur 99 Millionen erhalten. Aber auf die Dauer werden die genannten Staaten nicht imstande sein, ihre Ver- bindlichkeiten gegenüber Amerika(die politischen Gesamtschulden betragen addiert 81.7 Milliarden Dollar, ihr Gegenwartswert beläuft sich auf 31.7 Milliarden Dollar) zu erfüllen und Amerika wird wohl in eine starke Herabsetzung der Schulden der europäischen Staaten einwilligen müssen. Dies sind die Amerikaner auch bereit zu tun, aber nur unter einer Bedingung: nämlich der Abrüstung der europäischen Staaten. Die Amerikaner— und darin sind die geschlagenen Republikaner und die siegreichen Demokraten einer Meinung— wollen es nicht zulassen, daß das, was die europäischen Staaten an Schuldzinsen ersparen, Rüstungszwecken diene, dazu diene einen neuen Weltkrieg vorzubereiten. Von dem Ergebnis der Abrüstungskonferenz hängt demnach auch die Regelung der Frage der interalliierten Schulden, hangen damit auch die Voraussetzungen einer Besserung der w i r t schaf tl ichen Lage aufderganzen W« l t ab. Die Regelung der Schuldenfrage wird einige Länder wieder dazu fcchig machen, Anleihen aufzunehmen, der internationale Kapitalmarkt wird wieder funktionieren, kapitalarm« Länder werden, in ihrer Entwicklung durch kapitalstarke Länder gefördert und dje Weltwirtschaft wird wieder, beseht-werde»..■ Freilich ist hiezu notwendig, daß di« hohen Mauern, welche Zölle Und Devisenvorschriften um di« Länder errichtet haben, und durch die der internationale Warenverkehr gedrosselt worden ist, abgetragen werden. In dieser Hinsicht sind die Aussichten noch trübe. Gerade das Jahr 1932 hat«ine Unterbindung des internationalen Handelsverkehrs gefehen, wie es seit dem Ende des Weltkrieges nicht mehr der Fall gewesen ist. Ist doch selbst England, das alte Freihandelsland im März 1932 zu Wertzöllen von 10 Prozent übergegangen, di« später noch auf 15 bis 33'/» Prozent erhöht worden sind.-Hat doch-Frankreich di« Eiirfuhr bei Waren von nicht weniger als 1100 Zollpositionen kontingentiert, hat sich doch Deutschland immer mehr von der Einfuhr ausländischer Waren abgesperrt. Fast alle Länder haben zu Devisenbeschränkungen, Einfuhrverboten, Einfuhriuonopolcn, Einsuhrsteuern, neuen Zöllen, Zollerhöhungen gegriffen, wodurch Einfuhr und Ausfuhr auf einen früher für kaum möglich gehaltenen Tiefstand herabgedrückt wurden. Ohne Herabsetzung der Zölle, ohne Lockerung der Devisenvorschriften ist die Wiederherstellung des Welthandels in dem Ausmaß früherer Jahre nicht möglich. Hier ist der-Hebel anzusetzen, um über den Tiefpunkt der Krise hinwegzukommen, die Konsereirz von Streesa im September 1932 hat durch ihren Vorschlag der Schaffung eines internationalen Devisenfonds den Weg gewiesen. Die Wirtschaft der Tschechoslowakei. Auch innerhalb der tschechoslowakischen Wirtschaft wird auf eine Reihe von Tatsachen hingewiesen, welche für die Zukunft als günstiges Symptom gewertet werden. So ist vor allem in einem Rückblick auf das Jahr 1932 festzustellen, daß sich der Kurs der tsche choslowakischen Krone in allen schweren Erschütterungen, denen di« Volkswirtschaft und die Staatswirtschaft der Tschechoslowakei ausgesetzt waren, gehalten hat. Anfang Jänner stand der Kurs Sei Krone in New Kork ebenso wie Anfang Dezember auf 2!96n fiOO Kc» 2.96'/, Dollar). Allerdings hat di« tschechoslowakische Nationalbank im Kampfe um die Erhaltung des Wertes unserer Krone Opfer bringen müssen. Diese Opfer bestanden in der Hergabe von Devisen, welche verkauft und wofiir Kronen gekauft wurden, so daß der Wert der Krone nicht unter den oben bezeichneten Stand sank. Den höchsten Stand an Devisen hatten wir in den letzten Jahren im Degencher 1930 zu verzeichnen, da der Devisenvorrat der Nationalbank 2447 Millionen K6 betrug. Ein Jahr später betrug dieser Vorrat nur noch 1060 Millionen und erreichte im März 1932 seinen Tiefpunkt mit 784 Millionen, worauf dann (infolge der französischen Anleihe) wieder ein Ansteigen auf 1194 Millionen im April und eku leichtes Sinken bis auf 1049 Millionen im November festzustellen ist. Auch dasSinken der Börsenwertc hat aufgehört. Der Index der Werte an der Prager Börse betrug nach dem Bericht der tschechoslowakischen Nationalbank im Dezember 1930 108.5, im Dezember 193! 83.9, erreichte seinen Tiefpunkt im Mai 1932 mit 72.4 und ist bi? Anfang Dezember 1932 wieder arrf 81.8 gestiegen. Die Spekulation beurteilt also die Wirtschafts- aussichtcn Ende Dezember günstiger als Mitte des Jahres. Noch wichtiger natürlich.ist die Entwicklung der Produktion^ Die Steinkohlenförderung hat ihicn Tiefpunkt im Mai 1932 mit 795.000 Tonnen erreicht und ist bis November auf 1,055.000 To. gestiegen. Wohl steigt die Kohlenförderung jeden Winter, aber der Anstieg von Mai bis November 1932 ist verhältnismäßig stärker als der von Mai bis November 1931(von 960 auf 1184 Tausend Tonnen). Dieselbe Beobachtung können wir bei der Förderung von Braunkohle machen, wo der tieffte Stand in: April grit 964.000 Tonnen erreicht wurde und bis November ein Steigen auf 1,677.000 Tonnen eingetreten ist. Die Erzeugung von Steinkohlenkoks hat ihren Tiefpunkt im Juli mit 87.000 Tonnen erreicht und ist im November auf 106.000 Tonnen gestiegen. Die Erzeugung von Roheisen war am schwächsten im Mai mit 33.000 Tonnen und beträgt im November 34.000 Tonnen(freilich ist da der Rückschritt gegen dieselbe Zeit des Vor- durch Ausmarsch zu sprengen trachtet, und dann reumütig zurückkehrt; eine Partei, di« erst die marxistische Sozialdemolratie im Parlament boykottiert, ächtet, mit Köpfcrollen bedroht und dann mit chr— und nut den Kommunisten!— verhandelt und kompromiffelt, ja ein Präsidium mit Sozialdemokraten bildet, hat den doruen- reichen Weg allen Parlamentelns beschritten. Da gibt es kein Zurück! Die deutsch« Gegenrevolution, die das Parlament und die Reste der Demokratie und die Arbeiterbetvegung zeittveise schon erledigt zu haben glaubt, hat zwar zum letzten Schlag ausgeholt, aber ihn nicht zu führen gewagte Eine Regierung gegen di« Volksmehrheit hat sich in Deutschland für Wirtschaft und Reich als lebensgefährlich erwiesen. Als die Gegenrevolution schon für immer zu triumphieren schien, sah sie plötzlich den unsterblichen und unbesiegbaren Volkskräften ins Auge, di« sich von neuem erheben werden. Vielleicht hat diese Erhebuttg in dem schweren Jahre 1932 schon begonnen. Di« Grenzen der Gegenrevolution sind deutlich sichtbar. Ein Bollsbetrug riesenhaften Ausmaßes mit allen finanziellen und technischen Mitteln des Kapitalismus konnte die deutsche sozialdemokratische Arbeiterpartei schwächen, aber er kannte und kann weder die deutsche noch die Weltkrise löse». Die Aufgabe, von deren Lösung die Feiernden Arbeit und die Hungernden Brot erwarten, steht vor den Gegenrevolutionären, vor den Reformisten und vor den Revolutionären. Fast scheint es, als sei sie den Trägern der Gegenrevolution in Deutschland schon entglitten. Wendet sich di« Hoffnung nicht doch schon wieder von rechts nach links? Ungewißheit liegt über diesem Jahreswech- fel. Die kapitalistische Wirtschaft liegt noch in Erstarrung, aber di« Menschen, die unter ihr leiden, find in neuem Suchen und in unruhiger Bewegung. 1933: Millionen deutscher Volksgenossen werden einen andern politische» Standort wählen. Wir Sozialdemokraten wollen die Irrenden sammeln, die Zweifelnden ermutigen, di« Verworrenen llären, und selbst im Denken erneuern, im Kampfe stählen. Das Tolerieren liegt hinter uns. Das Opponieren ist Mr ein Atemholen und Kräftespannen. Helfen wollen wir. S ozialistischer Aufbau ist unser Ziel. Das Jahr 1933 wird uns den ersten Anstieg zu neuen Biachtkämpfen bringen. 1932: Ei« Jahr verbissener De<- f.eusi v e! 1933: Ein Jahr stürmischen Angriffs! Freiheit! ver Slaatsgerichlsliof email wieder Arbeit. Berkin, 31. Dezember. Die Preußisch« Rrgieruug Braun beabsichtigt, jetzt noch einmal vor den Staatsgerichtshof z« gehen. De« Anlaß dazu sollen die neuen Maßnahmen der kommifla- rischen preußischen Regierung auf beamtenrechtlichen Gebiet bilden, di« durch die Reform der preußischen Schulverwaltung ohne vorherige Besragung der Hoheitsregierung Braun durchgeführt worden find. Ministerpräsident Brau» will nach Neujahr noch eine Unterredung mit dem Reichskanzler von Schleicher abhalten. Mädchen sind von den.Heimlichkeiten nicht ab- zubringen, und besser solche als andere." Der Baumeister grinste. Lieber noch als heimliche Häkelarbeiten hätten die jungen Mädchen doch einen heimlichen Liebsten. Habe- nicht wehrte ab:„Meine nicht!" Daun lachte er lrampfig, als bedrückte ihn Mr die eine Sorge, wi« er die handgearbeiteten Geschenke seiner Töchter uuterbringen könnte. Aber der Baumeister sah spöttisch und ungerührt, wie dem kummervollen Vater das Weinen in den demütigen Schreiberaugen stand. Brutal sagte er: ,/Arbeiten kann sie. Und wenn sie ihre Arbeiten tagsüber macht, ist mir's schnuppe, ob sie abends noch auf den Fang geht." Run weint« der Vater wirklich. Anflachcnd ließ der Baumeister ihn stehen. Abends gegen sieben Uhr stellt« Habenicht sich in ein Tor gegenüber vom Haus« des Bau-1 Meisters Winkler. So konnte er sehen, ohne gefehen zu werden. Wenige Minuten nach sieben verließ Male das Winklersche Haus. Mit schnellen und scheuen Schritten. Einen Stoß Geschäftsbriefe warf sie hastig in den Brieftasten. Dann strebte sie weiter, so eilig, daß der Vater Mühe hatte, ihr zu folgen. In der engen Schvnlanker Straße mußte Male ihr« Eile aufgeben. Ztvei Männe» hatten sich ihr in den Weg gestellt und begrüßten sie. Zwar brannten schon einige Gaslampen in der dunklen Straße, aber trotzdem konnte Habenicht die Männer nicht erkennen. Näher Herangehen wollte er nicht, um unbemerkt zu bleiben. Zwei anscheinend ältere Herren in vertrauenerweckender Bürgerkleidung. Waren das etwa Bereinskameraden von ihm, die mit der pt- fällig daherkommenden Tochter des Freundes «inen Gruß wechselten? Kaum. Ihm fiel die Zudringlichkeit auf, mit der die Herren auf das DLdchen einredeten. Und jetzt nahmen sie Male in die Mitte, faßte» sie rechts und links unter und bogen mit chr in ein schmales Nebengäßchen ein. Dieses Gäßchen, fast ohne Häuser, mündet in den Stadtpark mit seinen Büschen, Bäumen und Ruhebänken, der mit Ausnahme des inmitten gelegenen Kaiserdenlmals noch immer nachts ohne Beleuchtung ist. Der Park strömte Friedlichkeit aus. Um diese ! Zett sind die am Tage dort spielenden Kinder schon daheim, die Liebespärchen aber kommen erst später, nach dem Abendessen. Aus der entfernten Parkwirtschaft hörte man verschwommen und sehnsüchtig die Stimmen eines deutschen Männergesangvereins. Sie übten das gefühlvoll« Volkslied:„Schön ist die Jugendzeit..." Habenicht schlich mit größter Behüt sanrkeit hinter den drei Prrsorien drein, meistens Mf dem Rasen. Er beachtete nicht, rvenn er an Einfriedungspflöcke stieß, im Hundedreck ausrutschte, an Dornenranken sich riß. Wenn die drei vor ihm stehen blieben, vielleicht, um zu lauschen, kauerte.er sich nieder. Er blieb unentdeckt. Die Ueberraschung gelang vollkommen. Auf der am meisten abgelegenen Bank des Parkes saß Male zwischen den Männern, die.Hände der beiden hatten sich vereinigt um ihren Rücken geschlungen. Tas Mädchen erschrak furchtbar, als der Baler so plötzlich vor ihm staub. Die Mei Männer ließen Male sofort los und drückten sich die Hüte tief in das Gesicht. Habenicht brüllte sie an, was sie mit seiner Tochter hier vor hätten. Langsam standen sie auf, und als ob sie sich miteinander verabredet hätten, sausten sie plötzlich in das Gebüsch hinein. Ein-Hut kollerte um Habenichts Fuße und ein Tpazierstock lehnte an der Bank, von den Flüchtenden zurückgelassen. Male saß wie gelähmt da und vernahm die kindischen Schimpfworte, die der Vater unter Tränen ausspie. Tann nannte sie ihm die Namen der beiden Flüchtlinge. Die Gerechtigkeit ist ein« Dame, der eine klassisch« Binde di« Augen verschließt. Staatsanwalt Dr. Schneise zog die Brauen hoch, als Herr Habenicht bei ihm die Anzeige gegen den Kriminalwachtmeister Pubilke und den Justizamtmann Gottvertrau einreichtc. Wegen erpresserischer Verführung. „-Herr, sind Sie sich im klaren über Ihr Thun? Wolle» wohl die neue Mode mitmachen, den Beamtenstand mit Wonne durch den Kakao ziehen? Glauben Sie ja nicht, daß die Behörden chre besten Beamten ungestraft verleumden lassen! Ich meine es aut mit Ihnen, wenn ich sage: überlegen Sie sich die Sache noch mal reiflich." Habenicht erwiderte mit einigermaßen fester Stimme, er müßte auf seiner Beschuldigung beharren. Der Staatsanwalt klemmte sich ein Monokel ins Auge. „Hm— ich will nur an den Prozeß gegen den Badeanstaltsbesitzer Brodecker erinnern, wo sich evident erwiesen hat, wie wenig gefestigt gewisse Kinder in sittlichen Belangen sind. Gerade das hier in Frage kommende Mädchen, Ihre eigene Tochter, hat ja in diesem Prozeß eine Rolle gespielt, die zwar zur Verurteilung des Schweinekerls führte, aber immerhin ein be- deirkliches Licht auf sie selbst geworfen hat. Und ausgerechnet dieses Mädchen will jetzt Borwürfe gegen unbescholtene, im besten Ruse stehende Beamte erheben? Das werden wir uns genau ansehen!" Habenicht empfand den drohenden Blick des Staatsanwalts ungemütlich und stotterte. Er würde es jo gewiß nicht wagen, den Herren vom Gericht und von der Polizei unberechtigt Ungelegenherten zu schaffen, aber er habe nun leider einmal nut eigenen Augen gesehen, wie weit sich der Krimmalwachtmeister und der Justizamtmann vergessen hätten. Seine Tochter Male sei vielleicht kein Musterkind, aber in den Prozeß Brodecker sei sic doch ohne eigene Schuld verwickelt worden. Und seitdem habe der Klatsch sie nie mehr losgelassen. Ob der Herr Staatsanwalt nicht wüßte, wie. leicht in Schncidcwald geklatscht werde? Und Kriminalwachtmeister Pubilke und Justizamtmann Gottvertrau hätten leider diesen Klatsch ausgenutzt. Jeden Abend hätten diese unsauberen Beamten— Habenicht zuckte dabei unter einem drohenden Monokelblick des Staatsanwaltes zusammen— dem Mädchen aufgelauert, hätten ihm Angst gemacht mit dem, was von ihr in den Akten steht, und dadurch erst sei das Kind für das Allerletzt« mürbe gemacht tvorden. Das Mädchen habe sich nicht mehr retten können und sei schändlich mißbrauch: worden. Seine Tochter liege jetzt krank zu-Hause. Bei aller Hochachtung vor der Behörde müsse er das ein« gemein« Schweinerei nennen. Er verlange Strafverfolgung. Di« Klatschmäuler in Schncidcwald sollten nicht mehr über seine Tochter klatschen, sondern über die Beamten, di« ihr Amt mißbrauchen. Habenicht wein:«, und das schien den Staats- anwalt zu rühren. Er lächelte vor sich hin«nb diktierte seinem Schreiber das Protokoll. Das Verfahren gegen Pubilke und Gottvertrau wurde damit eröffnet. Male war seit dem Llbend, da der Pater sie aus den Armen der beiden lüsternen Beamten befreit hatte, körperlich und seelisch zusammengebrochen. Sie aß lv«nig, weinte sehr viel, und wenn die Abenddämmerung herankam, iourde sic von einem Zittern an allen Gliedern befallen. Der Kassenarzt führte diese allgemeine nervöse Ncberrci.zung auf Schockwirkung zurück, verschrieb Brom und verordnet« viel Spaziergänge in frischer Luft. (Forlfetzung folgt.) Seite 4 Sonntag, 1. Jänner 1883 XL X fahrcs, da 88.000 Tonnen erzeugt wurden, bedenklich). Bei Rohstahl war die niedrigste Erzeugung im Oktober mit 49.000 Tonnen und ist im November auf 87.000 Tonnen gestiegen. Wie eingeschränkt unser Wirtschaftsleben ist, sehen wir auch aus den Ziffern des A u ß« n h a n d e l s. In den ersten 11 Monaten des Jahres 1931 betrug di« Einfuhr 10.590 Millionen, die Ausfuhr 11.983 Millionen, in der gleichen Zeit des Jghres 1932 sank die Einfuhr auf 7370 Millionen, das sind 70 Prozent, die Ausfuhr auf 6717 Millionen, das sind 56 Prozent der Ausfuhr des Vorjahres. Der Gesamtumsatz des Außenhandels in den elften 11 Monaten 1932 betrug nur 39.3 Prozent des UmsaßeS von 1929, dem letzten Konjunkturjahre! Man sieht, welche Verheerungen die Devisenzwangswirtschaft auf dem Gebiete deS Außenhandels der Tschechoslowakei angerichtet hat und daß ohne eine Lockerung oer Devisen- vorschriften an eine besser« Beschäftigung unserer Exportindustrie nicht zu denken ist. DaS allerwichtigste Symptom für di« Beurteilung der wirtschaftlichen Lage sind die ArbeitSlofenziffern. Der Höhepunkt der Arbeitslosigkeit war im Jahre 1932 im März, da 633.907 Arbeitslos« gemeldet wurden, der Monat mit der geringsten Arbeitslosigkeit war der Juli, in dem 453.294 Arbeitslose ausgewiesen wurden Seitdem beginnt die Zahl der Arbeitslosen wieder zuasteigen: der August weist 460.952 Arbeitslose auS, der September 486.935, der Oktober 533.616, und der November die bisher höchst« Ziffer von 601.438. Es ist anzunehmen, daß die Ziffer für Dezember noch höher sein wird und daß noch wenigstens in den ersten zwei Monaten 1933 di« Arbfitslosenziffer ansteigen wird. Ob sie dann vom Frühjahr 1933 angefangen beträchtlich sinken wird, hängt vor allem von der Erholung der Weltwirtschaft ab, d. h. davon, ob es durch internationale Maßnahmen gelingen wird, jene Hindernisse Hinwegzuräumen, welche der Belebung von Erzeugung, Verbrauch und Handel entgegenstehen und die wir oben bereits charakterisiert haben. Freilich weiß man nicht, wie lang« die Besserung— ftkbst wenn sie im Frühjahr 1933 eintreten sollte— anhalten wird. Zu groß sind di« Spannungen zwischen Produktion und Konsum, zu groß das Chaos, zu dem die kapitalistische Wirtschaft geführt hat. Noch heute gilt von der kapitalistischen Weltwirtschaft das, was Engels in den neunziger Jahren gesagt hat, daß die kapitalistisch« Wirtschaft Krisen nur dadurch überwindet, daß sie die Voraussetzungen für neu« noch gewaltigere Krisen schafft. 8. 8t. WM MWWslM sill WstMkWk. kine begrüßenswerte Vorlage der IWrminlsterisarr. „ Prag, 31, Dezember. Das Justizministerium I hat nach einer amtlichen Mitteilung zwei Gesetz-\ entwürfe ausgearbeitet und dem intermiinste-; riellen Verfahren zugcleitet, die in der heutigen i Krisenzcit für den Ähutz der Angestellten und Arbeiter von großer Bedeutung sind. Der eine Entwurf bezieht sich auf di« Privatangestellten in höheren Diensten(soweit sie unter das Gesetz 26/1929 über di« Pensionsversicherung fallen), der zweite auf di« übrigen Angestellten in Industrie-, Gewerbe- und Bergbaubetrieben. Für di« Angestellte« i« höhere« Privatdienst«« soll die Kündigungsfrist mindestens sechswöchig sein und nach dreijähriger Dauer des ArbeitSverhältniffes auf drei Monate steigen. Für je drei weitere Dienstjahre soll diese Kündigungssrist um je eine« Monat erhöht werden. Für die übrigen Angestellten(die der Sozialversicherung unterliegen) soll die Kündigungsfrist mindestens 14 Tage betragen,«ach drei Jahren bereits drei Wochen und soll für je drei weiter« Jahr« um je eine Woche verlängert werden. Diese beantragt« Regelung ist als ei» Provisorium für die Dauer der jetzig« Krise gedacht und daher vorläufig auf«in« Zeitraum von drei Jahre« beschränkt. * Die amtlich« Ankündigung betont, daß die Einschränkung, bzw. Einstellung der ProdukttonS- und Handelstätigkeit, die durch die gegenwärtige Wirtschaftskrise verursacht wurde, zur Entlassung der Angestellten führt und daß so die Zahl der Arbeitslosen in erschreckendem Maße wächst. Dieses Anwachsen würde zumindest verlangsamt lverden und die Angestellte« würden so einen gewissen Schutz gegen«inen plötzlichen Verlust ihres Arbeitsplatzes erhalten, wenn die Fristen für die Aufkündigung der Dienstverhältnisses durch den Arbeitgeber ewiger- maße« verlängert würden. Diesem Zweck« sollen di« beiden erwähnten Vorlagen dienen, um die sich allerdings erst noch im interminrsteriellen Verfahren ein Kampf mit den Vertretern der Unternehmermteressen entspinnen dürfte. äne politische Von Dr. Juliu Es fing nicht gut an, das Jahr 1932. Au' seiner Wiege stand ein trübseliger Elends- w in ter mit Sorgen und Gram, mit Hunger und Not. In Deutschland gab es etliche Mimo- «en, im kleinen Oesterreich einige Hundert- tausend« Arbeitslos«. Das war alles eher, denn ei« guter Beginn. Und politisch sah«S auch nicht besser aus. I« Deutschland brauste di« groß« Wog« des Nationalsozialismus heran, vor der es keine Rettung mehr zu geben schien. Wohl vermochte sie sich bei der Präsidentenwahl nicht durchzusetze«, aber schon einig« Wochen später war sie so stark, daß ihr di« letzte Regierung weichen mußte, di« noch ein. wenn auch sehr zer- schlifleneS, demokratisches Mäntelchen umgehängt hatte. Brü«i«gS Sturz war da» End« eine» Scheindemokratie. Ihr folgte di« brutale, unver- hüllte Reaktion der Junker. Nun schien es nur mehr eine Wohl zu geben: entweder jnnlkerlich« Reaktion oder fascistische Gewalt. Es ist kein zufälliges Zusammentreffen, daß just in den Tagen, da Papens Stern in Deutschland ausging» auch in Oesterreich der Versuch einer Rechtsregierung gemacht wurde. Der Bundeskanzler Dollfuß hatte den festen Willen, den Spuren seine» reuhsdeutschen Vorbildes zu folgen. Er verbürwete sich mit de» faseistischen Heimweh«» und begann so zu tu», al» ob er stark genug wäre, auch ohne Parlament zu«gieren— ganz wie Popen in Deutschland. Freilich, der äußere Verlauf der Ereignisse war in den beide» deutschen Staaten verschieden. Die Junkerregierung de» Deutschen Reiches braucht« nicht viel Federlesens zu machen; sie löste den Reichstag aus und richtet« sich auf«in absolutistisches Regieren rin. So einfach ging das nun in Oesterreich nicht, denn hier stand der Reaktion«in« einig«, geschlossene Arbeiterklasse gegenüber, mit der nicht gut Kirschen essen war. Also mutzte sich Dollfuß bequemen, dem Parlament« Rede und Antwort zu stehen. Er ist dabei nicht gut weggekommen. Wohl selten hat es einen Regierungschef in Oesterreich gegeben, der die öffentliche Meinung so einmütig Wen sich hatte, wi« der klein« Kanzler der Reaktion. Immerhin reichte sein« jeweils zusammengebettelte Mehrheit von ein bi» zwei Parlaments- stimmen aus, um dem RechtAur» ein« formale Deckung zu geben. Auf sie gestützt, taumelte dir österreichische Regierung in das Abenteuer von Lausanne. Ohne ein« wirkliche inner« Notwendigkeit wurde mit dem Lausanner Vertrag dem Anschlußgedanken der schwerst« Schlag versetzt. Was bisher kein« Regierung gewagt hatte, unternahm die des Rechtskurses: sie verkaufte den Anschluß Oesterreich» an Deutschland um ein Linsengericht. Auch in früheren Jahren war es der Donaurepublik finanziell nicht gut gegangen, und jede Regierung hatte Mühe genug gehabt, den Staatshaushalt hakbweg» ftn Gleichgewicht zu halten. Aber man wand sich durch den Jammer der Zeiten so gut es eben ging und hielt trotz aller Rot den Glauben an eine schließliche Bereinigung der beiden deutschen Staaten aufrecht. Einer Rechtsregierung war eS Vorbehalten geblieben, um ein paar Dutzend lumpiger Millionen willen den Anschluß preiszugeben und aus die nationale Selbstbestimmung zu verzichten. Wobei nicht vergessen werden soll, daß ohne die ausdrückliche Zustimmung der Junkerrcgierung Deutschlands Vieler national« Verrat der österreichischen Reaktionär« niemals ausführbar gewesen wäre. Di« Papen und Dollfuß waren einander würdig... Nach zwei Wahlschlachten von wahrhaft historischer Bedeutung mutzte die Regierung Pa Pen weichen. Ihr« Nachfolgerin ist scheinbar von gleicher Art und gleicher Gesinnung. Aber die Politisch« Situation in Deutkchland hat sich dennoch geändert. Diese Aenderung kam weniger von der Regierungsseite her, als von der Seite der Nationalsozialisten. .Erinnern wir uns noch einmal der ersten Monate dieses Jahres! Wie war doch das Geha- Jahresbilanz. ! Deutsch, Wien. ben der nationalsozialistischen Führer auf die unmittelbar« Machtergreifung eingestellt! Wie dröhnten die hohlen Phrasen Hitlers durch die deutschen Gaue, von Millionen einer Offenbarung gleichgehalten! Und heute? Hitler muß froh sein, wenn es ihm gerade noch zur Not gelingt, den äußeren Anschein eines„Führers" zu bewahren. Seine Unterführer rebellieren, die SA. und SS. sind unzuverlässig. Ein« schmähliche Pleite aus der ganzen Linie ist im Anzuge. Selten hat ein« politisch« Bewegung einen derart raschen Aufschwung genommen, wie der Nationalsozialismus, aber ebenso selten hat eine Masfentzortei so rasch abgewirtschaftet wie die Partei Hitler». Und wieder zeigt sich die SchicksalSae- m«in schäft Oesterreich» mit Deutschland, die bestehen blieb trotz Lausanne und anderen künstlich gezogenen Schranken. Der Rückgang der Hftierei im Deutschen Reich blieb nicht ohne Einfluß auf di« poluische Entwicklung in der Donau-Republik. Hier war ja in den letzten Monaten ein« ziemlich eigenartige Dependence des Hitlerschen Betriebes entstanden. Wenn nämlich irgendein nationalsozialistischer Führer wegen eine» dunklen Punkte» au» Deutschland abgeschoben werden mutztz, konnte man mit Sicherheit damit rechnen, ihn nächsten» in Oesterreich auftauchen zu'sehen— obwohl e» wahrlich bei un» schon lewer genug zweifelhafte Existenzen unter den einhenmschen Hakenkreuz, lern gab. So ziemlich der Zweifelhafteste unter ihnen war der oberste österreichische Führer, der Aausaf Frauenfeld,«in unbedeutender, eitler Schwätzer, d«m man einen beschämenden literarischen Diebstahl öffentlich nachweisen konnte, der noch vor wenigen Jahren mit Juden vertrautesten Umgang Pflog, wo» ihn aber nicht im- mindesten hindert, jetzt einen ganz wütenden Rassenantisemiten zu mimen. Die moralische und intellektuelle Unzulänglichkeit der nationalsozialistischen Führer hat nicht gehindert, daß sie in einige parlamentarische Körperschaften eindrangen. Da» geschah nicht auf Kosten der Sozialdemokraten, sondern auf Kosten bürgerlicher Parteien,' die durch die Nationalsozialisten abgelöst wurden. Die Tätigkeit der Nationalsozialisten in den öffentlichen Bertretungskörperschaftrn, z. B, im Wiener Gemeinderat, war wahrhaft blamabel. Ihre Unwissenheit, gepaart mit dummdreister Unverschämtheit, machte sie von vornherein zu jedem Versuch einer ernsten Arbeit unfähig. Wenn es noch eine- Beweise» bedurkt hätte, daß hinter der Hakenkreuzlerei nichts steckt als die dumme Aufgeblasenheit des ewigen Gärbers Kleon— dann hätte das erste Hakbiahr ihrer parlamentarischen Tätigkeit hiem reichlich genügt. Werden die Wähler brr Nationalsozialisten dies erkennen? Wir glauben, zum Teil wenigstens, ja. Dieser ganze toll« Spuk wird in Oesterreich bald ebenso kraftlos sein wi« in Deutschland. ES geht trotz allem hysterischen Geschrei, das das Gegenteil beweisen will, auch bei un- bergab mit oer Hakenkreuzlerei. Mag sein, daß sie aus den Reihen der beftehenden bürgerlichen Parteien noch das eine oder das andere Mandat gewinnt (im Rationalrat sind sie ja bisher noch aar nicht vertreten), aber das ist ziemlich belanglos. Es bedeutet nicht viel mehr als«ine Namensänderung innerhalb der politischen Bewegung de» Bürgertum». DerNatio- naÜo»iali«muß als siegreich vorwärts stürmende faftistische Massenbewegung bat sich vom Beg'nn bis mm Ende des Jahres 1932 so gut wie erledigt. Da- ist d'e große Bedeutung des vergangenen Jahre«! Es wird in Deutschland wie in Oesterreich in di, Geschichte einaeben al« dar Jabr, da» mit dem milden, tobenden Schlachtruf„Der Marxismus verrecke!" begonnen und mit.dem jammervollen kläglichen Abgesang der nationalloziaklsti- schen Charlatanerie geendet hat. lortcrmja an ser Umsatzsteuer. Ab 1. Jänner 1933 treten in der Borfthrei- bung der Umsatzsteuer ein« Reih« von Aenderun- aen ein, von denen wir nachfolgend di« wichtigsten anführen: 1. Die Befreiung der kleinen Steuerträger mit einem Höchstjahresumfatz von 150.000 K von dem ab 1. Mai 1981 einaefuhrten 50prozenttgeu Zuschlag wird a u f g«hoben. o 2. Wird der Steuersatz bei der Einfuhr von Garn und allen Textilrohstoffen(ausgenommen Garn, das zum Detailverkauf hergerichtet ist), auf«in Prozent(einschließlich des Zuschläge«) herabgesetzt. 3. Tritt«ine Reihe von Aeuderungen in der Pauschalierung der Umsatzsteuer ein. Hiezu gehött vor allem die bereit« von unS gemewetr Erhöhung der Umsatzsteuer von Bier, die von den Vrauerrien und Gastwirten getragen wirb. DaS neue Paufchal beträgt bet Pilsner Schankbier nunmehr 18.90 K5 pro Hektoliter, bei sonstigem Schankbier 18.40, bei Pilsner Lagerbier 21.75, bei sonstigem Lagerbier 17.50 und bei Spezialbieren K5 21.50. Die Umsatzsteuer von Spiritus wird folgend festgesetzt: Bet versteuertem reinem SpiriM« inländischen Ursprung« 180 Krone» Pro Hektoliter, bei unversteuertem inländischem Spirit»« zu Mischungszwecke» für Motordrennstoff 185 Krone» Pro Hektoliter. Durch daS Pauschal werden von nnn an auch die Lieferung de« Benzin-Spiritusgemischr« und alle dies« Mischung betressenden Leistungen gedeckt sei«. Da« Umsatzsteuerpauschale für Fleisch betrögt ab 1- Jänner 1933 40 Heller pro Kilo(bei Pferdefleisch 30 Heller), bei zuberettetem Fleisch 50 Heller und bei aus de« Ausland eingeführten Wurstsorten und Selchwaren ein« Krone pro Kilo. Neu eingeführt wird«. a. di« Pauschalierung bei photographischen Apparaten, ihren Bestandteilen und Zubehör mit 4 Prozent, bet photographischen Platten, Filmen und Papieren mit 8.5 Prozent. Dazu kommt noch der Svprozentige Zuschlag nach dem Gesetz 50/1902 und bei der Einfuhr außer dem Pauschal auch die„Umsatzsteuer bei der Einfuhr". Für eingeführte Geflügeleier wird ein Pauschal« von 21 Üö pro 100 Kilo verzolltes Gewicht«ingeführt, das nicht dem 50proz«ntigen Zuschlag unterliegt. Endlich werden noch Pauschalierungen für Fisch-, Fleisch» und Blutmehl sowie für Leim festgesetzt und die bestandenen Steuerbegünstigungen für Haarnetz« aufgehoben. Vorräte von Waren, die nunmehr der Pauschalierung unterworfen wurden, sind bi« 15. Jänner beim zuständigen Gefällskontrollamt anzumelden, das auf sie entfallende Pauschale bi« 31. Jänner zu bezahlen. Die neuen Tee- und Kallezölle Prag, 31. Dezember. Ueber die im Rahmen der Bndgetdeckung eingcführten Zollerhöhungen für«in« Reihe von Kolonialwaren, di« der Ministerrat gestern beschlossen hat, erfahren die„Lid. Noviny" folgend« Einzelheiten: Bei rohem Kaffe« wird der Koeffizient von 10 auf 13 erhöht, der Zollsatz bleibt auf 95 8; daraus ergibt sich ein« Zollerhöhung von 950 auf 1235 K pro 100 Kilo. Bei gebranntem Kaffee wird der Koeffizient gleichfalls von 10 auf 13 erhöht; das ergibt bei einem Zollsatz von 120 K eine Zollerhöhung von 1200 aus 1560 K. Beim Teezoll wird der Koeffizient von 10 auf 15 erhöht(bei einem Grundzoll von 840 X); der Zoll wird also von bisher 2400 auf 3600 K pro 100 Kilo steigen. Bei rohen Kakaobohnen und-schalen wird der bisherige Koeffizient von 0.7 aus 1.5 erhöht. Der Zollsatz bleibt auf 58 K pro 100 Kilo. Tatsächlich wird also der Zoll von 40.60 K auf 87 K erhöbt. Der Zoll erreicht damit noch immer nicht di« seinerzeit^« Höh« von 116 K, die bis zum Jahve 1928 in Gültigkeit war. Bei gebrannten Kakaobohnen und»Aalen beträgt der Grundzoll ebenfalls 58 L, der Koeffizient wird jedoch von 4 auf 6 hinaufgeietzt, so daß der Kill von bisher 232 aus 348 K erhobt wird; vor dem Jahr« 1928 betrug der Zoll 406 X. Die Ausgabe der Tschechoslowakei. Einem sehr aufschlußreichen Artikel über di« Tschechoslowakei, der im sozialdemokratischen„Hamburger Echo" erschiene« ist, entnehmen wir die folgenden Stellen: Im ganzen wollen wir jedoch nicht übersehen, daß die demokratische und positive Staat»- leistung sich trotz der tschechisch«» Verstiegenheiten sehen lassen kann. Vielleicht wird der Staat doch noch eine zweite Schweiz gleichberechtigter Nationen; vielversprechend ist da» Zusammengehen der deutschen und tschechischen Sozialdemokratie, die seit Jahren auch Minister stellen. Junger Nationalismus schäumt leicht über; bei den Tschechen ist er explodiert, Weik er zuvor jahrhundertelang eingesperrt war. E» ist nicht wahr, daß m Oesterreich da« Deutschtum alle anderen Nationen knechtet«; zeitweise waren die Deutschen bedrückt uni» auf alle Rationen drückte der Absolutismus, auch in feiner durch Schlamperei gemilderten Form. Böhmen war einst Habsburg« reichstes Land, Prag(Gründung der überhaupt ersten Universität Mitteleuropa« schon 1348!) die Zentrale der habsburgischen Länderansammlung. Deutsch« hatten di« Kultur erhöht, Deutsche die reichen Silbergruben von Kuttenberg eröffnet, Deutsche blühende Städte geschaffen. Diese Kultur kam auch den Tschechen zugute, deren verdrängter Nationalismus längst vor Luther der Kirchenresormation sich zuwendete und weit irx. deutsches Laich zerstörende^Wogen schickte. Mit Schrecken spricht man noch von den Hussitenkriegen: in deren Gesamtbewegung sieht der Sozialist Vorläufer des neuzeitlichen Sozialismus. Damals erstarkt« aber auch, gegenüber der mehr proletarisch bestimmten Hufsitenbewegung, der tschechische Adel. Als gegen den Adel die Fürstenmacht sich absolut machen wollte, kam e» zu dem Zusammenstoß, der den Dreißigjährigen Krieg eröffnet«. Gleich im Anfang(1620 am Weißen Berg bei Prag) erlitten die Tschechen di« furchtbar« Niederlage» die auf die Dauer Habsburgs unbedingt« Macht gründet«. Wie di« Deutschen, so tragen die Tschechen schwer an ihrer Geschichte. Der„aufgeklärt« Absolutismus" der Maria-Theresia« und Josef-Zeit hat manche schlimm« Folge der Schlacht am Weißen Berge«tilgt, besonders durch Freimachung der Landbevölkerung von der Fuchtel der„gnädigen Herrn", durch Hebung de« Schulwesen- und Zurückdrängung der katholischen Kirchenherrschast. Aber dann erstarkte der Hochadel, dem nach der Schlacht am Weißen Berg« die konfiszierten Güter de» tschechisch«« Adels zugewandt worden waren. Dieser Hochadel machte Halbpart mit dem fürstlichen Absolutismus. Der Hochadel war deutsch oder dem Tfchrchentum abtrünnig. Daraus ergab sich bei den Tschechen die Verflechtung von sozialen und nationalen Interessen. Im späteren Polizeistaat entstand ein« bäurrnde Staatsverneinung; auf den Zusammenbruch des Habsburger-Reichs richtete sich der politische Will« der Tschechen. Wer die Geschichte kennt, begreift die Haltung der Tschechen im Weltkrieg, begreift auch viele Nachkriegsvorgänge. Nun aber ist es an der Zeit zur Zuruckschneidung wilder nationalistischer Triebe. Der Nationalitätenstaat Tschechöflo- wakei ist berufen, Europa ein Bild geläuterter Demokratie zu bieten,«in Muster für oie B e r- einigten Staaten von Europa aufzustellen. Verfehlt die Tschechoslowakei ihre Sendung, dann wird ihr Staat schließlich scheitern. vertragsloser Zustand in der Landwirtschaft. Da«S zu keiner Einigung zwischen den landwirtschaftlichen Arbeitgebern und Arbeitnehmern über die Löhn« im Jahre 1933 kam, tritt am 1. Jänner«in Vertrags los er Zu st and ein. Die Arbeitgeber schlugen einen Loyntarif vor, welcher die Löhne auf dar Niveau des Jahres 1923 herabdrücken würde und begründeten dies damit, daß der Inder des Lebenshaltungskosten im Jahre 1932 derselbe sei wi« 1923 und daß di« Preis« der landwirtschaftlichen Produfte niedriger seien als damals. Di« Arbcitnehwervertreier beharrten darauf, daß di« Löhne in derselben Höhe wie im heurigen Jahr« gezahlt werden sollen. Nr. 1 Sonntag, 1. Jänner 1988 Seite 5 Je mehr aber der»Schweb bekannt wurde,| au- und Hat da» «er. Auch die..Volkspreffe jubiliert. Dreitzigjähriger Bestand unseres schiefifche« Sega«». Auf den Auen blau« Beilchen prangen, Daß schon Vöglein ihr« Lieder fingen, Di« beinahe in den Himmel dringen, Und daß«S noch M«nschen.gibt, die glücklich sind — ein Paar hundert Meter über ihnen. HaSek schrieb ja auch wiederholt in der sozialistischen Arbeiterpresse und war eine Zeitlang auch Redakteur des ,X-esk6 Slovo". Aus deni jungen sozialen Lyriker wurde ein Humorist, der auf dem Prager Boden des beamteten alten Borkriegsösterreich reichlich Stoff zum Lachen fand und nicht selten„öffentliches Aergernis erregte". Unzählig sind die Anekdoten, die man in- den Präger Wirtshäusern über Hasel zu erzählen weist. Unter den jüngsten sei die erwähnt, welche sein Bekannter B. Safük berichtet: wie HaSek einst in meinem Wirtshaus allen Gästen ihren Wein ausgetrunken habe und er dem herbeigerufenen obrigkeitlichen Organe dann plausibel machte, daß er dies auf ärztlich« Verordnung tue, weil ihm der Arzt geraten habe,„fremde Weine zu trirÄen". Der Weltkrieg machte aus dem Feuilleton-^ Humoristen einen humoristischen Dichter von Weltformat. HaSek geriet in ruffische Gefangenschaft und es zirkulierte über ihn das Gerücht, dast er in Rußland ein« Zeitlang auch Bolks- kommissär bei den Sowjets gewesen sei. Im Jahre ISIS kehrt« er aber wieder nach Prag zurück. Nachdem er sich bei einem kommunistischen Verlage vergeblich bemüht hatte, ein« Herausgabe seines„Schwejk" zu erlangen, nahm sich sein Freund Franta Sauer des Werkes an und entschloß sich zur Verlagsnahme. Leider war eS HaSek nicht vergönnt, auch etwas von dem materiellen Erfolge des Werkes zu genieste«: schon im Jahve 1983 sank er, ein Opfer seiner Tvinkerleidenschast, nicht einmH ganze vierzig Jahre alt, ins Grab. R. Re iS manu Besserung Im Bdindeii nasargks. Lana, 3t. Dezember. Tie Grippeerkrankung des Präsidenten der Republik hat sich bis zu dem Grad« gebefiert, dast er heute fast den ganzen Tag allster Bett zubrachte. Ter Kraft«,ustand und der Appetit find gut. nau, von dort nach Karlsbad, dann wiederIfür die Befreiung der Arbei noch Falkenau und erst sott dem Jahre 1906Ischaft und für den Sozialismus! des_ JQI taten der passiven Resistenz gegen den Weltkrieg und die proste Zeit" den Ruhm und die Lorbeeren der meisten glorreichen, ordensbehangenen Feldherrn jener Epoche der menschlichen Schmach im Gedenken der Nachwelt überdauern werden, ruht also bereits seit einem Jahrzehnte im Grabe. Wir wollen diese Gelegenheit nicht vorübergehen lassen, um Haiek und seinem Werk ein paar Worte zu widmen, lieber seinen „Braven Soldaten Schwejk" herrscht heute wohl kein Zweifel mehr: es ist eine» jener Bücher, die „Weltliteratur" geworden sind. Das Geniale des Wertes besteht darin, daß es an den kleinen Episoden des Geschehens die Gemeinheit und die Sinnlosigkeit jener Zeit aufzeigt. HaSek bringt es mit g,einem naiven Humor, der der Ausdruck urwüchsigen tschechisö^n BolkstumS ist, zuwege, am Schicksale eines einfachen ManneS das ganze Chaos der österreichisch-ungarischen Problems zu enthüllen und dabei gleichzeitig den Wahnsinn deS Krieges widerzuspiegeln. Dieser naive Humor seines Schwejk, dieses„ganz gebauten Einfaltspinsels", ist der Grund, weshalb HaSeks Schwest so populär wurde.(Schwejk würde. in zwölf Sprachen übersetzt und mit Erfolg verfilmt und dramatisiert. Sein„Diegeszug" begann im Augenblicke, da er ins Deutsche übertragen wurve. Wieder hat es sich bewiesen,.daß die Literatur der kleinen Völker auf die Brücke des Deutschen angewiesen st, um vor das Forum Europas zu gelangen.) Schwejk ist wie Remarque«„Im Westen Nichte Neues" und Barbufiens„Feuer" -wes der großen literarischen Kriegsbücher. Tr. Adolf Maixner. Die üblichen Neujahrsempfänge auf der Prager Burg unterbleiben diesmal mit Rücksicht ans den Gesundheitszustand des Präsidenten. Der Doyen des Prager diplomatischen Korps, die Vorsitzenden der beiden Kammern, Ministerpräsident M a l y p e t r namens der Regierung und Verteidigungsminister B r a d a v namens der Armee haben dem Präsidenten bereits heute aus Anlaß des Jahreswechsels ihre Glückwünsche schriftlich übermittelt. Vas EisenDaiininlnistcriiiin zur Neuregelung der Arbeiier* und SdiüierKanen. Bekanntlich hat das Eisenbahumiuisterium di« bisher bestehenden Begünstigungen bei Arbeiterfahrkarten ab 1. Jänner 1933 dadurch verschlechtert, daß die Benützung dieser Karten nur mehr jenen Arbeitern und Angestellten zugestanden wird, di« höchsten» ein Einkommen von 1000 Kö monatlich bei Ledigen bt» zum 30. Lebensjahr(bisher 1200), bzw. von 1400 Kc bei Verheirateten(bisher 1800) aufweisen. Sind beide Ehegatten in einem Arbeitsoder Dienstverhältnis, so haben sie nur dann auf die Begünstigung Anspruch, wenn ihre Monatsbezüge zusammen 2000 K£(bisher 8500) nicht übersteigen. Tie Schülerkarten werden ebenfalls ab 1. Jänner 1933 um 100 Prozent verteuert. Diese Verschlechterung der bisherigen Fahrtbegünstigungen wird eine ganze Reihe von Arbeiten! und Angestellten, aber auch von Eltern schulpflichtiger Kinder hart treffen. In der Tagespresse fand natürlich dies« Maßnahme des Eisenbahnministeriums, auch wenn sie lediglich von harten finanziellen Notwendigkeiten diktiert wird, allgemein eine sehr scharfe Verurteilung. Das Eisenbahnministerium sieht sich nun- mehr veranlaßt, in längeren Ausführungen seine Haltung zu verteidigen. Loyaler Weise wollen wir diesen Darlegungen gekürzt Raum gewähren, ohne uns jedoch mir ihnen irgendwie zu identifizieren. Das Ministerium weist darauf hin, daß bei den Vorberatungen des Budgets fiir 1933 der StaalS- bahnvevwaltung aufgcttagcn wurde, die Tarifbegün- stigungcn für Arbeiter und.Schüler zu revidieren. Tatsächlich sind birst Begünstigungen im Verhältnis zu dem normalen Fahrpreis in der Nachkriegszeit bedeutend z u g u n st e n, der Reisenden abgeändert worden. Sm Jahre 1914 kostete«in« Arbeiterrückfahrkarte nur um«in Geringer weniger al« di« halbe normale Kart« dritter Klaff«, nämlich 43 Pro- zem de« normalen Fahrpr«is«r. Bei den Arbeit«!. Wochenkarten betrug der Preis allerdings auch da- mals nur 27 Prozent des normalen Fahrpreises. Anspruch auf diese Karten hatten jedoch nur Arbeiter, nicht aber auch Leut« mit einem festen Monatseinkommen. Di« seither erfolgte teilweis« Balor'fierung d«S Fahrpreises hat nur die normalen Fahrkarten er- faßt« nicht aber di« Arbeiter- und Schülerkarten, so daß di« Spannung zwischen diesen Karten und den normalen Fahrkarten innner größer wurde., Seit der letzten Regelung ab 4. Jänner(931 betrug der Preis einer Ardeiwrrnckfahrkart« nur mehr 19 Pro- zent des normalen Fahrpreise« igegenüber 48 Pro zent vor dem Kriegt, bei den Arbeiterwochenkarten 16(gegenüber 27) Prozent. Dabei wurde schon im Jahre 1926 dies« Begünstigung von 106 auf 200 Kilometer erweitert und auch den Angestellten mit einem Monatseinkommen biß. zu einer gewissen Höh«, also namentlich auch den geistigen Arbeitern zuer- kannt. DaS Ministerium mußt« nun angesichts d«» Budgetdefiziis eine Lösung juchen, di« sowohl die finanziellen Interessen der Bahnen befriedig! al« auch di« breiten Mafien der Arbeiter und Angestellten, di« bisher dies« Begünstigung genössen E« sei daher der Weg der Herabsetzung der Einkomm« nsgrenze gewählt worden, üu»ch die lediglich Angestelli« mit einem höheren Einkommen ausgeschieden werden, während die sozial Schwäch- st en üb«rhaupt nicht betroffen werden. Dabei wurden di« Staarsbahndirrktionen neuerlich angewiesen, als Grundlage für die Beurteilung de« Anspruchc» den Turch'chnittSlohn in zwei oder mehr aufeinanderfolgenden Monaten zu nehmen, so daß «in« zeitweilige Erhöhung des Einkommens über die höchst zulässig« Grenze noch keinen Verlust der Begünstigung nach sich zieht. Die Schülerkarten haben im Jähre 1914 30 Prozent des normalen Fahrpreöes gekostet Bei den Erhöhungen der Fahrpreise in der Nachkriegszeit wurden die Schülerkarten entweder überhaupi ausgenommen oder nur in geringem Maß« erhöh,. So hat schließlich seit zwei Jahren der Preis einer Schülerkarte nur 9 Pro-eni des normal«,. Fahr. pr«if«s betragen. Di« Ermäßigung bei den Schüler- Monatskarten fit auch gegenüber den Regiekarten der Eisenbahner wesentlichgrößrr. namentlich seit der letzten Steigerung der Regiekarten um"00 Prozent, di« im Jahre 1927 erfolgt«. Auch nach der Verdoppelung des Preise« dieser Schülerkarten die ob 1. Sänner 1935 ciMritt merden d!« Karten nur 18 Pr<^ent de« normalen Fahrvreije« losten gegen über 30 Prozent vor dem Kriege. Jahre 1918 zum dreimal wöchentlichen Erscheinen übergegangen werden. Im Jahre 1920 wurde die „Bolkspresse", wie das Blatt seit den Umsturztagen hieß, T a g b l a t t. Der Bestand de» Blatte» wäre gesichert gewesen, wenn nicht zwei Ereignisse''eiflgetreten' wären: die Spaltung der .Arbeiterbewegung durch die Kommunisten und di« Wirtschaftskrise im Jahre 1923. So erscheint nun da» Blatt wieder dreimal wöchentlich, sein Bestand ist auf einer sicheren Grundlage aufgebaut. Auch die Partei» d r u ck e r e i, in der die„Volkspresse" gedruckt wird, feiert ein Jubiläum, und zwar das des zwanzigjährigen Bestandes. Mit Recht wird im Leitaufsatz der letzten Nummer der Blattes ausgeführt, daß da» Juoel- jahr der„Volkspreffe" ein Werbejahr für sie werden soll. In der gesamten Partei kann man Um die DLrerschen Schulgesetz entwürfe. In welcher unsachlichen demagogischen Art gegen dir Schnlyeirtzyzüvjtrf« de» Ministers Derer von Seite der tschechischen Nationalisten Stellung genommen wird, zeigen die nachstehenden Ausführungen de» nattonaldemokratischen Senator» Havlin in den„Nürodni Lisch": Die Forderung der Schulantonomi« der nano- nalen Minderheiten wird in der Nation auf «inen Widerstand stoßen, mit dem die verborgenen Schutzpatrone dieser Sach« sicher gerechnrt haben. Auch di« guten Gedanken, sofern sie in den Reformanträgen enthalten sind, sind nicht von der Art und Wichtigkeit, daß ihre Lösung nich- auf eine wirtschaftlich und politisch günstigere Zeit wart«» könnte. Ist doch di« Schulverwaltung durch die heutigen Maßnahmen gut versorgt. Wenn jemand leidet, dann sind es unsere Grenzer und niemand anderer. Den ander-nationalen Minderheiten geschieht kein Unrecht, am wenigsten unseren Deutschen, welch« soviel Schulrechte haben, wie keine andere national« Minderheit in der ganzen Welt! Aber die Einführung der Schulautonomie der nationalen Minderheiten werden wir weder jetzt noch in Zukunst zulassen! Dawäre der Anfang vom Ende. Was die Deutschen nach der Erreichung dieser Forderung verlangen würden, ist bei ihrer herausfordernden Kampflust selbstverständlich, daran sollte auch der Herr Minister Dr. Derer nicht vergessen. Er kennt zwar aus eigener Erfahrung di« Verhältnisse im gemischten Gebiet in den historischen Ländern in der Vorkriegszeit nicht, aber er kennt sie sicherlich der Slowakei. Das Geschrei der Deutschen Ungarn war in dieser Hinsicht immer falsch, doch di« Mehrzahl von ihnen nicht einmal Blut dieser Raffen In sich, sondern es sind manisiert« Tschechen nnd magyarisierte Slowaken. Was besteht denn für ein Interesse der Staats- Nation, ihr« weitere Entnationalisierung zu fördern? Vielleicht wird der Herr Senator vor, schlagen, man soll bei jedem Kind, das eine deutsche Schule besuchen will,«in« Blutprobe machen, ob es nicht tschechischer Mstammung ist. Allerdings hat noch niemand festgestellt, wodurch sich tschechische- von deut sch em Blut unterscheidet. Das ist eine. Aufgabe für die nationaldemokratischen' Universitätsprofessoren! Slowakische Autonomisten. Wir haben in der letzten Zeit schon einige- mäle gemeldet, daß die Bewegung für di« Autonomie der Slowakei in der letzten Zeit ersiarkt. Bezeichnend hiesür ist die Annäherung zwischen den Slowakisch-Klerikalen(Hlinka) und der slowakischen Nationalpartei(Razus), das steigende Interesse, welches die Forderung nach slowakischer Autonomie unter der Jugend findet, ürw das Verlangen nach Gründung einer selbständigen slowakischen Agrarpartei. In Trcnöin hat nun am Mittwoch eine Konferenz der flo- wakischen Bokkspartei mit den flowakischen Nationalen stattgofunden, in der die Abgeordneten Hlinka, Razus uind Dr. Tiso den Vorsitz führten und an der sich Delegierte aus der ganzen Slowakei beteiligten. Insbesondere die^ Jugend War auf dem Kongreß stark vertreten. Es wurden vier Kommissionen eingesetzt, eine politisch«, kulturelle, soziale und wirtschaftliche, welche die Grundlagen der zukünftigen Arbeit zu schaffen haben. Abgeordneter Hlinka hielt eine Rede, in der er sagte, daß die flowakische Nation nicht die Absicht habe, sich ihres Rechtes auf Souveränität zu begeben. Der Kongreß wurde noch an demseDcn Tage geschlossen. Vierzig Jahre ,Dolköwille' i Unserem westböhmischen Bruderblatt zum«Stutz! befindet es sich dauernd in Karlsbad. Die leitenden Redakteure des Blattes waren als erster Genosse Haberfellner, dann der in Westböhmen noch immer unvergessene Genosse Job st, dann die Genossen D o b i a s ch und L r l l, welch letzterer später Redakteur des Eisenbahnerfach- blattes in Wien wurde, dann Genosse Bartel, der jetzt in Amerika lebt, dann Genosse Hillebrand, der noch heute in den Herzen der westböhmischen Arbeiter weiterlebt und gegenwärtig ist der Chefredakteur des Blattes Genosse Abgeordneter Eugen de Witte. Sott dem Jahre 1907 ist der„Volkswille" ein Wochenblatt geworden, seit dem Jahre 1913 erschien er dreimal wöchentlich und im Jahre 1915 wurde er in ein Tagblatt verwandelt. Das Blatt hat in den vierzig Jahren feines Bestandes manche schwere Stunde durchgemacht: Der„Bolkswille" ist hart verfolgt worden.,Eine ungeheure Anzahl von Konfiskationen, Prefscpro- zcssen, Verfolgungen der Redakteure mit Arrest- uno Geldstrafen verbunden, haben ihn getroffen. Im Weltkriege ist das Blatt lang« Zeit hindurch überhaupt verboten worden und ist Monate hindurch nicht erschienen. Nach dem Weltkriege allerdings begann ein außerordentlicher Aufschwung, der seinen Niederschlag fand in der Errichtung einer eigenen Druckerei, die seit dem Vorjahre in einem neuen schönen Haus« sich befindet, und wo da» Blatt mit den modernsten Mitteln graphischer Technik hergestellt wird. Auch redaktionell ist die Zeitung in letzter Zeit auSaestaltet worden und Ist so zu einer immer besseren und schärferen Waffe des proletarischen Befreiungskampfes in Westböhmen geworden. Auch außerhalb des Verbreitungsgebiete», des „Volkswille" wird der vierzigste Geburtstag eines unserer Pariei-Tagblätter Freude Hervorrufen und die gesamte Partei beglückwünsch! den Jubilar am heutigen Tage. Er möge auch in Zukunft der westböhmischen Arbeiterschaft das sein, was er ihr 40 Jahre gewesen ist: e i n u n- Entbehrliches Werkzeug im Kampf« ’"''. Befreiung der Arbeiter- Auch unser schlesisches Organ, die„Volkspresse", feiert heute ein Jubiläum: 80 Jahre ist es her, seitdem das Blatt der schlesischen Arbeiter geschaffen wurde. Die Kreisorganisation Troppau unserer Partei wird dieses für die Arbeiterbewegung deS dortigen Gebietes so wichtige Ereignis in großem Stife feierlich begehen. In ausführlicher Weise wird der Entwicklung de» Blatte», dessen Verdienste um den kulturellen Fortschritt des schlesischen Proletariats und deS tapferen Kampfes um die sozialpolitischen Rechte des Proletariats gedacht werden. AIS die erste Nummer der„Schlesischen Bolkspresse", wie das Blatt damals hieß, erschien, war es ein recht bescheidenes, einmal wöchentlich erscheinendes Blatt. Neben der „Bolkspresse" wurden damals in Schlesien eine Reihe anderer Parteiblätter gelesen, wie der Brünner„Bolksfreund", die Wiener desto weniger erfuhr inan über seinen Autor I Daß di« Bächlein wieder fröhlich springen, Jaroslav Hasek. Der Dichter starb bereits 9," f*“•" A»-« m™.«««»" im Jahre 1923, ohne nur einen Abglanz jenes Erfolges zu erahne«, den sein Buch nach seinem Tode haben sollte. HaSek teilt das Schicksal vieler Genies, zu ihren Lebzeiten von ihrer Mitwelt entweder mißverstanden oder nicht nach ihrem Werte richtig eingeschätzt zu werden. Man nahm ihn als Spaßmacher und lustigen Zechkumpan eigentlich nie ganz ernst und rechnete ihn zur literarischen Boheme von Prag. Schuld daran trug natürlich der Umstand, daß Hase! Alko holiker war. Der Dichter gehörte zu jenen zartbesaiteten, mitfühlenden Genies, die ei« letztes Entrinnen aus der Qual der Zeit durch ein Narkotikum zu finden glauben: HaSek ist also vom Holze der Li-Tai-Po, Baudelaire, Peter Altenberg, Jessenin und anderer Künstler, die glücklich sind, wenn sie„vergessen" können, daß es eine Gegenwart gibt und dazu als Lethe und auch als Stimulans zu ihrem Schaffen ein Nar kotikum brauchen. Daß Haöek ein echter, wirklicher Dichter war, beweist schon sein literarisches Debüt als Zwan zigjähriger, als er eine Sammlung sozialer Lyrik unter dem Titel„Mäjovs v^kriky"(Schreie deS Mai) veröffentlichte. Wie tief sozial er empfand, zeigt uns eine kleine Probe aus jener Gedicht sammlung: Frühling im Bergwerk Bon der Welt st« miteinander plauschten, Während sie im Schacht die Kohl« brachen, Daß schon Wind« über Felder rauschten, Und die Fluren ihre Kleider tauschten mit dem Lrnzgewand: daß linde Lüste wehen Und des Frühlings Spur schon überall zu sehen. Daß die Sträucher neue Blüten tragen, Auf den Bäumen grün« Blätter sproßen. Daß aus Aeckern frische Saaten schlagen. Nnd daß alles schön sei, nicht zum sagen Herrlich schön sei, wunderschön —«in paar hundert Meter über ihnen. Lee Dichter der„Schw.it" red« Jahre tat. (Zu Jaroslav HaSeks Todestag« am 3. Jänner 1933.) Jaroslav Haiek, der unsterbliche Dichter „braven Soldaten Schwejk", dessen Helden- Die Sozialdemokratie Westböhmens jubiliert: unser Bruderblatt, der„Volkswille" in Karlsbad, eiert sein vierzigjähriges Jubiläum. Am heutigen Tage ist eine reichhaltige Jubiläumsnummer erschienen, aus der die stolze Geschichte und dir große Bedeutung des Tagblattes unserer westböhmischen Genossen anschaulich hervorgeht. Der„Bolkswille" ist in einer Zeit gegründet worden, da die Arbeiterbewegung Westböhmens noch schwach war. Aber es war die Zeit einer regen wirtschaftlichen Entwicklung, eines starken Aufschwunges des nordwestböhmischen Kohlenbergbaues, der Porzellanindustri« und anderer in Westböhmen heimischen Industrien, welche di« Grundlage boten für die Zusammenballung deS westböhmischen Proletariats in größeren Betrieben und in Jndustriedörfern, und zwar eines Proletariats, das schon seit den sechziger Jahren eine geschichtliche Aufgabe zu begreifen begann. War eS doch gerade Westböhmen, wohin die Welle der Lassalleschen Bewegung in den sechziger Jahren zuerst über Deutschlands Grenze hinuber- chlug. In den achtziger Jahren hatte die Bewegung unter den Verfolgungen ebenso zu leiden, wie die Arbeiterbewegung in ganz Oesterreich und erst seit dem Vereinigungskongreß in Hainfeld, eit der Bildung von Gewerkschaften begann die Idee des Sozialismus größer« Massen von Arbeitern zu ergreifen, unter denen sich auch bald daS Bedürfnis nach einem Arbeiterblatt bemerkbar machte. So wurde in der Karlsbader Vorstadt Fischern im Jahr« 1892 unter außerordentlichen finanziellen und redaktionellen Schwierigkeiten das Blatt„Volksmacht" gegründet. Der Mann, der sich die größten Verdienste um die Schaffung de» Blattes erworben hatte, war der Genösse Haberfellner. Später wurde der Name des Blattes in seinen jetzigen Namen„Bolkswille" geändert. Die Redaktjon und Verwaltung des Blattes hatte große Wanderungen zu vollführen, bevor Karlsbad der endgültige Sitz des Blattes wurde. Bon Fischern ging daS Blatt nach Eger, dann nach Falke- Brünner„Bolksfreund", die Wiener„Bolkstri- dos Blatt und unsere schlesische Kreisorganisa- büne" und das bürgerlich-demokratische Blatt, tion zu dieser Parole nur beglückwünschen, ein der„Freimütige". Erst im Jahre 1909, also nach Erfolg dieser Aktton würde die schönste Jubel- 17 Jahren deS Bestandes deS Blattes, konnte! feier des nun dreißig Jahre bestehenden Blat- zum zweimal wöchentlichen Erscheinen und im s teS sein. Seite 6 onniag, 1. Jänner 1933 Sbc. 1 ttöltermsnn kst reckt behalten! Der unbekannte Prolet besiegt Adolf Hitler. Es ivar am 6. November 1932. In Tcutsch- land wurde die fünft« große WahlMachi des Jahres geschlagen. Wir streikten durch-ic großen Stadtrandsiedlungen von Nürnberg. Hier dominierten die roten Fahnen mit dem Drcipfeil und die dreifarbenen Banner der Republik. In farbenfrohen Giebelhäuschen mit ihren gepflegten Gärten, in diesen Straßen und Plätzen, die in einem prachtvollen Eichenwald hineingebaur auch unter trübem Novemberhimmel freundlichen Lebenssinn ausstrahlten, verkörperte sich ein Stück der neuen Bolkskultur.Nachlriegs-Demschlands. Im Sozialismus könnte man den Arbeitsleuten kein schöneres Wohnen wünschen. Waldnähe, vor den Fenstern Rosenstauden und OÄtbäume, ein paar Schritt« zum Sportplatz, zwanzig Minuten Straßenbahnfahrt zum Zentrum einer kunstge- sättigtcn, geistig und wirtschaftlich regsamen Mittelstadt, wahrlich—: so kann auch das Proleta- rierdasein lebenswert sein. Schade nur, daß die Deutsche Republik ihr« großen sozialen und kulturellen Leistungen nicht tief genug in das Bewußtsein der Bolksmassen zu verankern vermocht hat. Nun lagen die Schatten der großen Krise über de» hellroten Dächern der Sicdlerhäuschen und politischer Waffenlärm erfüllte die stillen Gassen. Bor dem Wahllokal lvurdc bis zum letzten Schritt an die Urne um jede Seele gerungen. Reichsbanner- und Naziuniform, Dreipfeil und Hakenkreuz waren die beherrschenden Symbole. Diese zwei Hauptfronten lagen einander im ganzen Reich gegenüber und die Schützengräben dieses Ringens schnitten nicht nur Städte und Dörfer entzwei, sondern auch die.Hausdächer und manch« Tischtücher. Und während ich mit den einheimischen.Freunden die Chancen erwog, wie an diesem Tage wieder die Würfel, fallen mögen Über Deutschlands Zukunft, waren wir an die Grenze der Siedlung gekommen. Da wurde im Schatten von alten Kiefern die Erde aufgewühlt, neue, kleinere, schmucklosere Häuschen wuchsen aus dem Boden. Erwerbslose bauten sich mit einem Staatszuschuß, aber auch mit Zuschuß ihrer eigenen Arbeitskraft und ihrer kargen Unter-, stützungsgroschen eigene Heimstätten." Dort lernte ich den Schreiner H ü b n e r kennen in einer Begegnung, die auf mich tiefsten Eindruck machte und die mir fortan das deutsche Geschehen in neuem Lichte sehen ließ. Der Mann war mit zwei jüngeren Kameraden mit Schippe und Karren beschäftigt, um aus dem Sandboden«inen Hausgarteu hervorzuzaubern. Mein Begleiter stellte vor: „Das' ist unser Kamerad Hübner, Führer der Schuf«, von Beruf Schreinergsselle, zuletzt Be- ' triebsvertrauensmann, feit Jahren arbeitslos Beim Tag baut er seine neue Burg und. in der Nacht wird er wieder Wache halten für unsere Freiheit:". Die Schufo(Schutzformation) ist bekanntlich die Elitetruppe des Reichsbanners, besteht aus den strammsten Männern und Burschen der Arbeiterklasse, die bei allen kritischen Anlässen in erster Reihe stehen. Führer dieser Kampftruppe in dem strategischen Mittelpunkt Nordbayerns zu sein, hieß also in einer latenten Bürgerkriegssituation täglich sein Leben aufs Spiel setzen. Hübner renommiert« aber gar. nicht, sondern zeigte uns sein neues Haus: zeigte uns die kleine blitzsaubere Küche, die kaum bezogene Schlafstube, den noch unfertigen Bodenraum, wo die Kinder hausen sollten. Mit der Liebe des Fachmannes schilderte er, wie da Kosten erspart, dort einige Zentimeter Wohnräume gewonnen wurden, wie der Platz jedes Spiegels und der Radius jeder Schranktür vorausbcrechnet worden war. Jeder Winkel vom Keller bis zu den Dachsparren hinauf bezeugte, daß hier die geschickte Hand und die Intelligenz eines Qualitätsarbeiters gewaltet, der tiach Jahren unfrohen MüßigseinS ein Objekt seiner Schaffenslust gefunden hatte. Bon Politik sprach dieser gedrungene'Tatmensch mit dem festen, offenen Blick kein Wort. Einer aus der Masie der unbekannten Proleten,- die schweigend und ohne Ruhmredigkeit ihre Pflicht tun. Einer von den Eisenmännern der eisernen Front, die bei jedem Appell zur Stelle sind, die ohne Seitenblick in den Straßeükanrpf, und wenn es sein muß,^auch ins Zuchthaus gehen. Nicht blinder Kadavergehorsam bewegt sie dabei, sondern die lleberzeugung,. daß in dieser Stunde das Letzte einzusetzen sei für Freiheit und Zukunft der Arbeiterklasse. Dieses Nürnberger Erlebnis fiel mir wieder ein, als mir dieser Tage ein Buch die Lage und die Stimmung des deutschen BolkeS auffrischte, wie sie vor Jahresfrist war. Damals bereiste der amerikanische Journalist Knicker- docker Deutschland. Seine Schilderungen geben nicht nur eigene Beobachtungen, sondern die Ansichten führender Menschen aller Lager wieder. Im Winter 1931B2 war in Deutschland die lleberzeugung vorherrschend, daß die Machtergreifung Hitlers, die Alleinherrschaft des Hakenkreuz- fascismus nicht aufzuhalten sei. Ter branschwei- ?siche Naziminister Klagges sagte zu Knickerocker: „Aber ich rechn« zuversichtlich damit, daß wir 1932 die absolut« Majorität im R«ich gewinnen und ohne alle Einschränkungen und Behinderungen zur Macht gelangen." Man kann heute diese prahlerische Ankündigung getrost zu den übrigen falschen Prophezeiungen der Naziführer legen. Dagegen ist mit Genugtuung sestzustellen, daß Knickerbocker die richtigste politische Prognose für Deutschland aus dem Hauptquartier des Reichsbanners in Magdeburg erhalten hat. Dprt' wurde klipp und klar erklärt: «Hitler wird nicht im Reich zur Macht kommen. Hitler wird nicht in Preuße« zur Macht kommen. Er wird überhaupt nicht zur Macht kommen..." Angesichts des lawinenhaften Anwachsens der Nazistinimen von Wahl zu Wahl eine kühne Boraussage. Und sie hat sich doch bewahrheitet. Denn sollte auch ein Hitlermann Stiefelknecht bei General Schleicher werden und di« von Straßer betriebene Koalition gelingen, von einer Machtergreifung im ursprünglich gedachten Sinne kann deswegen keine Red«' sein. Der Reichsbannerführer Hölterinann hat Recht behalten. Die Ermattungsstrategie der Sozialdemokratie hat den Nazifascismus in die Defensive geworfen. Herr Klagges kann bis auf den jüngsten Tag warten und er wird in Deutschland keine nationalsozialistische Mehrheit sehen. Das ist das entscheidende Resultat der deutschen Älassenkämpfc im Jahre 1932. welches die Sozialisten der Welt mit neuer Zuversicht erfüllen kann. Dies« mörderischen Schlachten konnte die deutsche Sozialdemokratie nur überstehen, weil in ihren Reihen die- geschulteste«, die diszipliniertesten, die opferkreudigsten Kämpfer stehen, über die jemals eine Partei verfügte. Ter unbekannre Prolet hat, gestützt auf die halbhundertjähtige ruhmvolle Tradition seiner Partei und auf die überlegene Kaltblütigkeit ihrer Führung im Jahre 1932 Deutschland vor dem Schick'«! Italiens bewahrt. Er wird auch im Jahre 1933 ein unübev- windlicher Damm gegen den Fascismns sein. Japan sucht neue Händel. Es wird sich wieder einmal Tokio, 31. Dezember.(Reuter.) Ma« erwartet, daß der japanische Kriegsminister eine Erklärung veröffentlichen wird, in der Marschall Tschangsueljang gewarnt und ihm mitgeteilt wird, daß die japanisch« Armee^gezwungen" sein wird, die ihr geeignet erscheinende« Maßnahmen zu ergreife», wenn der Marschall seine bisherig^ Tätigkeit in der Provinz kür»na wider die Goldwährung. London, 31. Dezember.„Times" läßt sich aus Pretoria melden, daß der südafrikanische Finanzminister H a v e n g a einen erbitterte« Kampf gegen die Verkettung der llnionswährung mit dem englischen Pfund sichre, was die irre- führenden offiziellen Ankündigungen im Verlaufe der Woche erkläre. Drei Stadien habe die Währungspolitik des Landes in diesen, acht Tagen durchlaufen: Zuerst besaß Südafrika«in« Goldwährung, dann wurde di« Devise praktisch vom Goldstandard losgelöst und schließlich auch tatsächlich und effektiv von der Goldbasis getrennsi Wenn nun die Verbindung mit dem englischen Pfund«r- uvungen werde, so soll, wie man glaube, Havenga wahrscheinlich zurücktreten. General Smith, der einflußreichste Mann im Lande, begünstigte die Verkettung der südafrikanischen Devist mit der des Mutterlandes. Johannesburg, 31. Dezember.(Reuter.) Bon amtlicher Stelle wird mitgeteilt, daß zwischen dtzn. TranÄraalgruben und der südafrikanischen Reservebank ein zufriedenstellendes Abkommen über die Goldproduktion abgeschlossen wurde. MlvmMlM Verschwörung in Spanien ausgedeckt? Paris, 31. Dezember. Die Blätter melden aus Madrid, daß die Polizei bei der gestrigen Beschlagnahme vom Bomben in Barcelona auf die Spur einer weiwerztveigten kommunistischanarchistischen Verschwörung gekommen sei. Der Aufstand hätte gleichzeitig.in Madrid, Baxce- lona, Saragossa, Sevilla, Valencia und in anderen großen Städten Spaniens ansbrechen sollen. Den Terroristen hätten Waffen und Bomben erst drei Stunden vor Ausbruch des Aufstandes ausgeliefert werden sollen. Die Terroristen bereiteten sich auch vor, verschiedene Persönlichkeiten aus dem Wege zu räumen, vor allem hervorragende Militärs Goerlng will Hindenburg brüskieren. Berlin, 31. Dezember. Wie VDZ meldet, dürfte bei dem üblichen Neujahrsemvfang beim Reichspräsidenten das Reickstagspräsidium nur durch den Vizepräsidenten Loeve vertreten fein. Es bestätigt sich, daß Reichstagsprasident Göring von Berlin abwesend ist und bisher nicht zu erkennen gab, daß er zu dem Zwecke des Empfanges nach Berlin zurückkommen wolle. kine Falschmeldung. Moskau, 31. Dezember. Die Blättermcl- dungen von einer gegenwärtigen Beschießung sowletrussischcr und polnischer Militärflugzeuge, di« mit dem Tod« zweier russischer Militärflieger geendet haben sollen, werden von der Telegra- phen-Agentur der Sowjetunion als in allen Stücken erfunden bezeichnet. Das neue bulgarische Kabinen Sofia, 31. Dezember. In dem neuen bulgarischen Kabinett, das wieder von M u f ch a- n o w gebildet wird, waren zwei Resorts. Justiz und Unterricht, den Liberalen Vorbehalten. Diese lehnten aber eine Beteiligung an der Regierung ab, so daß die beiden Ministerien vom Ministerpräsidenten beztv. vom Handelsminister mit verivaltet werden. Das Kabinett besteht somit nur aus drei Demokraten, zu denen auch der Kabinettchef zahlt, aus drei Mitgliedern der landwirtschaftlichen Partei und einem Radikalen. gezwungen“ sehen... Jehol fortsetze« wird, wo er in der letzten Zeit seine Truppen konzentriert. Der Marschall wird auf die Gefahr aufmerksam gemacht, daß sich die militärischen Operationen bis«ach Nord» china ausbreiten und daß dann der Mar» schall für die Folge« verantwortlich gewacht werde, wenn die Jcchaner„gezwungen" sei« würden, einzngreisen. 2000 Arbeiter der Steyerverke erhallen wieder Deschditlgang. Wien, 31. Dezember. Die Steyerwerke erhielten u. a. aus Brasilien größere Bestellungen, die es ihnen ermögliche« werden, 2000 Arbeiter wieder einzustellen. Dies wird am 2. Jänner 1933 erfolge«. Die Arbeiterorganisationen haben vorher ein«, fünfprozentigen Herabsetzung der Löhne bei einer 4vstu«dige« Arbeitswoche zngestimmt. Das Uebereinkommen hierüber wurde gestern unterzeichnet. Anleihe mit Hindernissen. Jetzt wird erst die Frage eines Vorschusses a« Oesterreich akut. Wie«, 31. Dezeuwer. Im Laus« des heutigen TageS wird di« Ratifikationsurkunde für das Lausanper Protokoll nach der Verabschiedung in Großbritannien, Frankreich und Italien beim Finanzkomitee des Völkerbundes in Genf hinterlegt werden. Im Monat Jänner 1933 wird dann die Entscheidung über den Vorschuß auf di« Anleihe fallen, mit dessen Hilfe di« Auslandsüberweisungen in Oesterreich wieder ausgenommen werden sollen. Es gibt noch Optimisten! Paris, 31. Dezember. Der bekannte Volkswirtschaftler Lucian Romier bespricht im „Paris Midi" die Aussichten für 1933. Er ist der Ansicht, daß das kommende Jahr eine Besserung der wirtschaftlichen und politischen Verhältnisse in der Welt bringen muss«. Deutschland habe diesen Weg durch H e r- absetzung der Produktionskosten betreten und sei bestrebt, die Politik der Expansion des Handels zu erneuern. Italien verfolgt das gleiche Ziel, zwar mit weniger Glück, aber mit größerer Disziplin und Zähigkeit. England reformiere sein Imperium auf neuen Grundlagen. Die Bereinigten Staaten von Amerika bereiten sich auf die Weltwirtschaftskonferenz vor. Auch Frankreich müsse die Politik von einem Tag auf den anderen aufgeben und schließlich an die wirkliche Lösung der Krise herantreten. London, 31. Dezember.(AR.) Der Führer der Konservativen Baldwin sandte<üs Großmeister der Primrose-Liga, einer englischen konservativen Bereinigung, an- all« Ligamitglieder «ine Neujahrsbotfchaft, in welcher er sich über die Aussichten für 1933 folgend äußert: Die Erneuerung des wirtschaftlichen Lebens der Völker wird wahrscheinlich allmählich fortschreiten, bestimmt aber wird es zu ihr kommen. Di« Schwierigkeiten, die uns 1933 erwarten, sind gewiß groß, si« sind aber wesentlich geringer als di«, di« wir im verflossenen Jahr zu überwinden hatten. Auch der Vorsitzende der britischen Jndu- striellenvereinigung Sir Georg« Beharsell erklärt in seiner Neujahrskundgebung, die Produzenten sähen mit Vertrauen dem neuen Jahr entgegen, da die verschiedenen Symptome zur Annahme berechtigen, daß die Wioderaufrichtung des Welthandels nicht mehr ferne sei. Ani Gnade und Ungnade London, 31. Dezember.(Reuter.) ilcach einem offiziellen Kommunique der Regierung von Mekka-unterdrückte heute das Militär des Hedfcha-Königs Ibn Saud vollständig die Auf- stanosbewegung in der Provinz Asir, deren Zentren die Städte Dschezan und Sadia waren. Sämtliche Führer der Aufständischen haben sich unterworfen und König Ibn Saud auf Gnade und Ungnade ergeben. In der ganzen Provinz Asir herrscht nunmehr vollständige Ruhe. Ans der Arbclter-Tin- und Sportbewegung. Internationales Mnkerfporttreffeu am 11. und 12. Feber 1933 in Großhammer im Jsergebirge. Progra mm. Samstag 9 Uhr vormittags: A-Km.-Langlauf der Sportler. Halb 10 Uhr von».: lö-Km.-Langlauf der Sportler, welcher gleichzeitig als zusammengesetzt« Lauf gewertet wird. ly Uhr dann.: 6-Km.-Lnislauf der Jugendsportler und Sportler. 8 Uhr abends: Festabend im Lidovy dum. Sonntag, 9 Uhr vorm.: K-Km-Marmschaftslauf der Jugendsportker und Sportler. 4-Km.»Mann, schaftSlauf der Sportlerinnen. Rodeln aller Abteilungen. 10 Uhr vorm.: Eisläufen. Halb 2 Uhr nachm.: Sprunglauf der Jugendsportler a,m kleinen Sprubghügel. 2 Uhr nachm.: Hauptspvunglauf auf der große» Sprungschanze in Plav(gilt auch für den z». jammengesetzten Lauf). 6 Uhr abends: Abschiedsfeier im Lidovy dum. TeibnahmSberechtigt an den Wettkämpfen find alle Mitglieder der Verbände, tvelche der DASJ »«gehören. Die Anmeldung hat durch di« Organisation bis spätestens 20. Jänner an Gen. MrloS Cinrel, Groß. Hammer 443 bei Tannwald zu erfolgen, unter genauer Angabe des Namens, Alters, Berufes und der Arten des Wettkampfes. Gleichzeitig hat di« Einsendung des Starrgeldes, von 5 K zu geschehen, wofür freier Eintritt in all« Deransialtmrgen«st. Alle Freund« des Wintersportes treffen sich am 11. und 12. Feder in Graß-Hammer beim 1. gemeinsame» Wintersporttrrffen des ATUS und der D.T.J.' Reujahrswünsche für die Selbstverwaltung. Einige bescheidene Wünsche im neuen Jahre hat der tschechisch-agrarisch« Landesvertretex' Kypr, der Obmann des Verbandes der Ische- ch'schen Städte und Gemeinden. Er schreibt im „Bcnkov": „Die Bertrerungskörperschafte» fordern mit Recht ein« eingehende Regelung ihrer Kompetenz. Sie wollen mehr, sei» als bloß« Beratungskvrpe:- fchasten, welch« auf die langsame und nicht immer richtige Entscheidung'ber’ amtlichen‘ drei Instanzen angewiesen sind. Sie wollen njrt Tätigkeit mit tatsächlicher Arbeit im Jnteteff« der Gebiete und ihrer Einwohner erfüllen, ohne daß dies der besonderen Hilfe der Staatskassa bedurfte. Sie wollen aus eigener Kraft leben und sich selbst verwalten und sie wollen eine zweckmäßige, billige und wirtschaftliche Dermal« rung. Si« wollen weniger Bürokratismus abez mehr Leben, weniger Formalitäten, aber mehr Rechtes Tas ist alles sehr schön gesagt, aber wer sich die Forderung besieht, die dann der agrarische Landesvertreter ausstellt, wird zu dem ernsten Willen der tschechische« Agrarier, der Selbstverwaltung zu helfen, doch einige Zweifel haben müssen. Kypr verlangt nämlich nichts anderes, als daß— die.Dizevorsitzenden in den Landes- und Bezirksvertretungen nicht Beamte, sondern Mitglieder der Vertretungen sind, damit wird man den Selbstverwaltungskörpern nicht helfen! Vom Rundfunk Empfehlenswertes au« den Programmen. Montag: Prag: 6.1-5: Gymnastik. l?«4O: Schallplatte«. 17.20: Leben und Wirken Björnfons. 1825: Deutsch« Sendung: Wetzl: Ueber böhmisch« Kunst. 10.83: Bekannter Unbekannter. 20.38: Waldhorn- Trio.— Bruun: 15.90: Lieder. 18.25: Deutsche Sendung: Französisch für Anfänger. 20.50: Dvorak in Amerika.— Miihr.-Ostrau: 10: Blasmusik. 12.80: Orchofterkonzert. 18.80: Deutsche Sendung: Der gegenwärtige Stand der Musikerziehung.— Berlin: 15L5: Brahms—Schubert— Liszt.— Mühlacker: 21: Der tot« Gast.— Hamburg: 19.80: Ein Sommernachtstraum.— Königsberg: 16.30: Konzert. 19: Musik.— Leipzig: 22.05:. Bunte Stunde.— München: 20: Was jeder gern« hört.— Wien: 20: Was wollen sie tanzen? 22.15: Zigeunermusik. Dienstag. Prag: 6.15: Gymnastik. 10.10: Deutscher Schulfunk. 18L5: Deutsche Sendung: Lieder. 20.85: Beethoven-Kompositionen.— Brünn: 15.80: Harseickonzert. 18.25: Deutsch« Sen du ng: Koeauerek: Eivgesundheitspflege. 10.45: Harmonikavorträge.— Berlin: 15.35: Operetten- Gesänge. 20: Mozart. 21:„Der Weg in die Freiheit", Hörspiel.— Mühlacker: 19.30: Orchesterkonzert.— Hamburg: 2030: Jagd auf Humor.— Königsberg: 15: Orchefterkonzert.— Langenberg: 20.05: Abendmusik.— München: 20.05: „Peer Gynt" von Ibsen.— Wien: 19.35: Ehanjons. 20.05: Orchofterkonzert. Skr. 1 Sonntag, 1. Jänner 1933 Seite 7 EH gezweifelt, daß der Durchschnittsmensch aber befreie sich Von solchem Wahn: Probier er's nur und sterb'«r einmal! Und wenn davon auf der ganzen Welt Ein Schweinstall nur zusamniensölll, So erklär ich ihn für einen Propheten Will ihn mit all meinem Haus anbeten. (Goethe.) für deine Zeit und mich könntest du um die meine bestehlen? Nachdem du den Rahm,, die Morgenstunden, um die man manchmal weinen möchte, abgeschöpft hast, willst du jetzt noch den Rest einsacken, die Abende, womöglich noch den Sonntagvormittag? Was würdest du dazu sagen, wenn ich, im Hinblick daraus, daß ich gestern abends zwei Stunden länger gerackert hab«, tags' darauf um eine halbe Stunde sspäter in die Kanzlei käme? Dasselbe, was die Macht von jeher dem Recht erwidert hat:„Ja, Bauer, das ist ganz was anders." Der Ueherzeitpresser kann nicht zwischen mein und dein unterscheiden, Daher beobachtet er selbst den gewissenhaftesten Beamten mit scheelen Blik- ken, wenn dieser sich pünklich empfiehlt. Es gibt da eine überaus bequeme, aber selten überlegte Redensart:„Wie ein Maurer." Aber ein geistiger Arbeiter ist heute weniger als ein Maurer, der nach seiner Tagesmüh zu Frau und Kind eilen kann. Wenn ich dir, geschätzter Herr, 8 Stunden meines Tags, die besten, für wenig Geld verkauft habe, so sind sie ohne Zweifel drin; aber um 6 Uhr beginnt mein Tag. Welch ein Tor müßte ich doch sein, wenn ich mich von dir um mein gutes Recht bestehlen ließe. Stets führst bst das Wort„Zeit ist Geld" im Munde, di« Aufschrift hängt vielleicht jahraus jahrein vor deiner Nase. Meinst du vielleicht, dieser Spruch gelte nur Der Ueberstundenzwang ist ein heimtückischer Angriff auf eines der ursprünglichsten Menschenrechte, die Freiheit. Dem denkenden Beobachter ist daher die Schlappheit der Gesetzgebung unfaßbar. Warum erlöst man nicht durch gehörige Strenge tausend Schmacht tende aus ihrer Gefangenschaft? Warum bestraft man nicht jede behördlich nicht bewilligte und ordentlich entlohnte Ueberstunde mit einer Geldstrafe, im Wiederholungsfälle mit dem doppelten Betrag, beim dritten Male mit der Entziehung der Ehrenrechte?(Die Hälfte der Strafgebühr müßte dem Angeber ausgezahlt werden.) * Wie gegen jedes Weh und jeden Mangel haben die Menschen zu ihrem Trost auch in diesem Falle schöne Worte erfunden. Solch plattes Gerede, an das sich manch abgebrauchter Kanzlei- inensch klammert, lauset etwa:„Man muß mit allen Kräften am Gedeihen seines. Unternehmens mitwirken" oder:„Es ist ein Hochgefühl, feinen Platz in der Welt auszufüllen u ich am Fortschritt des Menschengeschlechts mittptarbeften:" Es wäre verlorene Mühe, besonders altere Leute von dieser Lcbenslüge befreien und ihnen nach- ioeisen zu wollen, daß die alten Fragen nach Zweck und Fortschritt der Menschheit doch etwas schwieriger sind aO man gemeinhin glaubt. Ich kenne Rtenschen, die, nachdem sie den Sonntog- vormittag ohne eigentlichen Nutzen für sich und zum Schaden der andern dem Götzen„Geschäft" geopfert haben, mit einem Hochgefühl sondergleichen nach Hause gehen. Ten treffendsten Ausdruck für eine solche Regung des Gemüts hat Hebbel gefunden. Er muß mit solchen Wichten auch zusammcngeraten sein und nennt ihre Aufgeblasenheit„das Gefühl eines Radnagels, der mit sich selbst zufrieden ist, weil er das Holz mit dem Eisen zusammenhälk". Wir begreifen/ daß etwa ein Beethoven von der Wichtigkeit und Einzigkeit seiner Sendung durchdrungen war. Der Frondienst am Schreibtisch. Von Rudolf Richter. „Dem entsprechend ist die errungene freie Muße eines Jeden, indem sie.Hm den freien Genuß seines Bewußtseyns und seiner "Individualität giebt, die Frucht und der Ertrag seines grsammten Daseyns- welches lm Uebrigen nur Mühe und Arbeit ist." Artur Schopenhauer.. Dieser Satz, der dem Folgenden Sinn und Berechtigung verleiht, stammt von einem, den man den Erleuchtetsten der Erdensöhne beizählt; von einem Denker, dessen Namen manche unsrer Zeitgenossen(wie Hermann Hesse) ehrfurchtsvoll in einem Atem mit Christus und Buddha aussprechen. Unter Berufung auf das Zeugnis' eines so gewichtigen Gewährsmanns können wir unverzagt den so zeitwichtigen wie zwingenden Schluß ziehen:' Wer seinen Untergebenen, mit welchen Mitteln immer, des eignen Vorteils willen beharrlich zur Ueberstundenarbeit antreibt, ist «in Schuft. Sprechen wir dies Wort getrost aus! Es gibt kein milderes für die zu bezeichnende Sache. Leut«, die ihre Mitmenschen auS Eigennutz um den„Ertrag ihres gesammten Daseyns" bringen, hat man seit jeher so genannt. * Ueberstundenarbeit ist, auch von einem anderen Standpunkte aus gesehen, ein Unrecht gegen Arbeitslose und Arbeitende; denn diese müssen entbehren, damit jene ihr Leben fristen können. Diese bös« Frucht einer bösen Tat, wollen wir links liegen lassen, um einer anderen, noch beklagenswerteren, wenn auch weniger erörter- ten Seite dieses Nebels nachzusinnen. -» Wenn mich ein von der Gewinnsucht besessener Unternehmer oder sein streberischer Soloknecht zwingt, täglich 10 statt 8 Stunden zu arbeiten, so sind das in 25 Jahren 7000 Stunden Zwangsarbeit. Angenommen nun, dem Kanzleimenschen verbleiben nach Stillung aller Bedürfnisse, die er mit dem Tier gemeinsam hat, rund 4 Stunden um Mensch zu sein, so hat mich mein Antreiber 12)4 Jahre lang meiner Muße beraubt, mich gewaltsam, aus m drigen Beweggründen, vielleicht sogar überflüssigerweise,' um ein Gut verkürzt, das sich nicht durch Geld und Rang, noch veil weniger aber..durch leutseliges Auf-die-Schulter-klopsen oder Händeschütteln aufwiegen läßt,- um einen Besitz, der mit jedem andern schlechthin unvergleichbar ist: einen Teil meines Lebens. ' Nicht alle Menschen fühlen das Zwingende und Vie Tragweite dieser Ueberlegung mit gleicher Klarheit. Biese kommen zeitlebens über ein halbunterdrücktes Murren nicht hinaus,., w^tn, der gnädige Herr des Abends mit der Peitsche Krallt; und manche^ di« Aermsten der Armen, haben sich an den Frondienst gewöhnt. Gänzlich offenbar wird das Entwürdigende dieser Knechtung nur einem Menschen, der die widerrechtliche Entziehung der Freizeit als, schmerzhafte Beeinträcyü- gung seiner Lebenstätigkeit verspürt, indem für ihn di« Muße tatsächlich das Beste, den Kern seine« Daseins darstellt. Wer sein« frei« Zeit nur „zübringt", also etwa im Kaffeehaus versitzt oder mit Kartenspielen totschlägt, dem darf man Kvar ebensowenig das Recht darauf absprcchen; aber nimmermehr kann er das Unrecht in seinem vollen Umfange ermessen, noch auch kann sich seine Erbitterung beim Borrücken des Uhrzeigers dermaßen steigern, wie bei einem Menschen, der zu Haüse musiziert oder Gedicht« liest. -» Dem Gesagten zufolge sind auch die Leute, welche die Freizeit der ihnen Ausgelieferten be- knappen, gewöhnlich, vielleicht ausnahmslos, keine Vollmenschen, sondern recht« Schacherseelen, Wirk- lichkeitSanbeter und im Grunde arm« Tröpfe, die nie begreifen werden, daß es für manchen Menschen jenseits aller Tagesmühe eme bessere Welt, ein Glück im Winkel, gibt. Ich stand neulich vor dem Bücherschrank eines dieser Sklavenhalter; mit größter Teilnahme und Spannung, denn die Büchersammlung eines Menschen ist, nach seinen Tagebüchern, das beredteste Zeugnis seiner Innerlichkeit. Es war ein Kasten, 2 Meter breit und ebenso hoch, mit Metall befchlagen und aus feinstem Holze. Aber ich fand darin kein Buch von bleibendem Wert, keines, das vor mehr als 50 Jahren entstanden, keines, das man nach 50 Jahren noch lefen wird. Dor eben diesem Bücherschrank ward mir eine Erkenntnis, die ich fast tragisch nennen möchte: Zwar leben wir nebeneinander, sagte ich mir, aber ich hatte mich mit manchem Menschen, der vor 2000 Jahren gelebt, besser verstanden als mit dir. Unsere Wertung gewisser nicht greifbarer Dinge(ich möchte sie hie„vorletzten" nen- nen).wird ewig verschieden, ja entgegengesetzt fein. Du solltest meine Sehnsüchte begreifen und bist nicht einmal imstande, den dichterischen Kern des „Kanniwerstan" zu genießen! Es gibt kein Mittel, nm dir begreiflich zu machen, daß ein unsichtbares, luftiges Gebilde,- Lies genannt, manchen tiefer, beglücken kann als ein neuer Kraftwagen oder selbst der gelungenste Geschäftsstreich, und hätte er 100 Prozent eingebracht. Wie soll ich dir klarlegen, daß höchstes Glück der Erdenkinder die Persönlichkeit sei und daß manchem von ihnen die Freizeit zu beschneiden so viel bedeutet, wie e nem Bogel die Flügel zu swtzen. Bis an dein Ende wirst du GeisteSkultur als ein Steckenpferd aftsehen Wie Markensammeln oder Taubenzucht. * \ Das Märchen vom Schutzzoll oder Neber die sonderbaren Weg« wirtschaftliche» Denke»-. Es war einmal«in Land mit stark landwirtschaftlicher Bevölkerung, die zu einem guten Teil von. der Verarbeitung von Milchprodukten lebte. Da auch dieser Zweig der Landwirtschaft sehr unter der Krise litt, entschloß sich di« Regierung des betreffenden Staates,- int Interesse der heimischen Viehzüchter einen Schutzzoll cmf ausländische Milchprodukt« zu erheben und die Erträgnisse dieser Institution der notleidenden Milchwirtschaft in Form von Subventionen zugute kommen zu lassen. Der Erfolg hatzov war, daß die Milchviehzucht unter dem Schutze der Regierung einen solchen Aufschwung nahm und sich -derart verbreitete, daß— bei gleichbleibend hohen Milch- und Butterpveisen bald kein Absatz für iR Molkereiprodukte mehr vorhanden war und große Mengen von, Milch an eigens zu. diesem Zwecke gehalten« Schweine verfüttert werden mußten. Da die künstlich hochgehaltenen Preisen über dem Weltmarktniveau lagen und der Export folglich sehr erschwert, wurde, mußten große Lager aufgestapelt werden, deren Wert, hei der Unbeständigkeit der Ware, in dauerndem Schwinden begriffen war. 4-.?, Infolge der allgemeinen Not und. der unverhältnismäßig hohen Preise ging auch der Konsum im eigenen Lande zurück(ganz abgesehen von den Folgen des abnehmenden Fremdenverkehrs), so daß auf den einzelnen, Bewohner anstatt wie: früher 7 Deziliter Milch pro Tag, nur mehr, ca. 5 Deziliter als durchschnittliches Verbrauchrquan-' tum kamen und auch an Stelle von Butter vielfach billigere Pflanzenfett« und Oele verwendet. wurden. r. 1’. 3.^.i- s iptztch» Was tut nun eine kapitalistische Regierung, um einem derartigen unhaltbaren Mißstand« abzuhelfen? Verordnet sie etwa eine Preisrednk- tion? Nein.— Sie erhöht die Zölle für- Futtermittel; damit durch die mangelnde Rentabilität der Milchviehzucht ein größer Teil der Landwirte (natürlich handelt es sich hiebei wieder, uni hie weniger bemittelten) gezwungen werde, sich vcu diesem Wirtschaftszweige wieder abzuwenden und-' «s so ernröglichc, die Preise-.infolge geringerer Produktion auf annähernd gleicher Höhe-N halten. Zum Schutze der in diesem Zusammenbaus erheblich angewachsenen Schwei ne zuch wird überdies eine Jmportgebühr auf Schlachtvieh erhobcu. Denn— was täte man nicht alles für die notleidende Landwirtschaft! Der notleidende Konsument jedoch muß trotz verringertem Einkommen weiter hohe Preise für di« wichtigsten Lebensmittel zahlen. So geschehe« in der Schweiz im Jahr« 1932. Der Dopst propagiert die diristlldisoziale Presse Wie die christlichen Zeitungen Berichten, war vor kurzem eine Studentendelegation beim Papst, um ihm eine Huldigungsadresse zu, über? reichen. Bei dieser Gelegenheit hat sich der Stellvertreter Christi auf Erden, mit der Presse befaßt und u.«. gesagt:..\ p..$ „Für di« Förderung der katholischen Jnter- «ss«n sind die katholischen Blätter uneittbehrlich. Daher ist es in demsalben Maße unerläßlich, auf d re w Ir'tsch a stlichen v Bedingungen des Bestandes der katholischen.Presse Bedacht za haben." Der Heilig« Vater erinnert« daran, daß auch die katholisch« Presse innerhalb der sittlichen Normen nach wirtschaftlichen Grundsatz« p, wenn, sie gedeihe« soll«, verwaltet werden müsse. ES gehe deshalb' nicht an, von ihr zu erwarten, daß sie ohne«ntisprechende Einnahmen ihre Aufgaben erfüllen-und man von der Presse Verzicht« aufBezugSgelder erwarten könne. Die Gewinnung zahlreicher Abonnenten zur Stärkung und Ausbreitung der katholischen Press« sei «in bedeutsamer Werk— ein großes Apo-- st o l a t sei hier zu vollbringen. Der Heilig« Bater erinnert« an di« mustergültige Tätigkeit' der holländischen Katholiken für ihre Press«, und wenn man ihn um seinen Segen für«in katholisches Blatt bitte, so gelte dieser Segen-a l l e n, di« zur Förderung dieses Blatter' als dessen Bezieher-und-werktätig« Freund« beitragen."’ Wir haben nie daran gezweifelt, daß d«r Papst weniger der Führer einer Glaubensgemeinschaft, denn einer großen politischen Bewegung, die nicht um das Reich Gottes, sondern um di« Macht in der Welt kämpft, aber daß'er, in dem doch noch Millionen daS oberste Haupt der katholischen Kirche sehen, deren Aufgabe in der Läuterung der Meirschen zum Guten besteht, soweit geht, um offen vor aller Welt die Preffe der Christlichsozialen anzupre:sen und ihr auch geschäftlich« Ratschläge erwilen wer-( g e schäftli ch e Ratschläge erteile» werde, hätten wir nicht anzunehmen gewagt. Ja noch mehr, daß er sein Amt mißbraucht, indem er bi« ihm— angeblich von Gott—- übertragene Funktion eineS obersten Seelenhirten benützt, um für bestimmte Dienst«, d« der katholischen, Presse erwiesen werden, den Segen zu erteilen, das stellt .den Gipfel der bisher geübten Profanierung der l katholischen Religion dar. *- Die Zwangsarbeit, der mein Hinweis galt, geht im Grunde auf maßlose Gewinnsucht zurück. Bon dem Ertrag, dem Opfer ausgepreßt, fällt ein Tropfen doch dem Büttel, dem Antreiber zu, und eine Krone mehr in der eignen Tasche wiegt 10 Stunden Freiheit des Untergebenen.auf. O Welt, wie.verstrickte, bist du-in Sansara! Zuerst der Besitz, der Bauch, dann der Mensch! Tie Arbeitskraft, des Mitmenschen wird wie ein Stück Zugvieh eingehandelt, wie eine Fuhre Holz erstanden. Aus die Waage werden mkv noch Angebot und Nachfrage gelegt," lein« Spur von menschlicher Rücksicht. Der alte Irrtum, der Stoff habe den Ersttang vor dem Unsichtbaren, der Materialismus thront wieder inmitten- unter uns. E r hat die europäische Hölle ungeheizt. Allein es ist ihm vorau-bestimmt, daß er, auf seiner Bahn blind forteilend, sich selbst aufhebt, sich selbst den Kopf einrennt. Halb hoffend, halb bangend, fühlen wir an dem Schüt- tern aller Grundlagen, daß die alte Welt unaufhaltsam, mit stettg wachsender Geschwindigkeit einer Schicksalswende entgegengeht.- Sette 8. Ax. 1 Sonntag, 1. Jikmttr 1938 z« den Neuentdelkuagen im Möhkilcheu Karst. Eine Skizze von Ina. Jul. Simon. Dem Dornröschen-Sch lose, der den Mährischen Karst noch um die Jahrhundertwende umfing, folgte ein jähes Erwachet«, als der Enkel des unserer Jugend beinahe sagenhaft gewordenen Höhlenforschers Dr. Heinrich Wankel, Dr. Karl Absolon, Eintritt heischend an die Pforten einer unbekannten Unterwelt pochte. Der Entdeckung der großen, herrlichen Tropfsteinhöhlen im JÄhre 1909, welche, einem alten, trockenen Flußbett folgend, zur Srchle des großen Abgrundes der„Mazocha" führten, folgte Vorstoß auf Vorstoß in das schier unendliche Gewirr düsterer Gänge und gewaltiger Hallen, die vorher nie eines Menschen Fuß betreten hatte. Im Glanze der elektrischen Lanrpen, di« wie glitzernde Sterne heute diese Räume erhellen, offenbart sich dem verharrenden Wanderer„Zauberer Kalk", der hier Wunder der Plastik erstehen ließ. Zerstörende und schaffende Naturgewalten waren durch ungezählte Jahrtausende am Weck, jene Gebilde zu schaffen, die wir neben vielen anderen im Masaryk-Dome, der Schatzkammer des Mährischen Karstes, mit Andacht bewundern. Wer kennt heut« nicht die angenehme Passage durch di« weiten, hohen Grotten, den Grund der Mazocha, die mächtige Katharinen-Höhle und alle die anderem Dazu ist die Zeit nicht ferne, in welcher nette, überragende Entdeckungen zu erwarten sind, welche ihre Schatten gewissermaßen schon vorausgeworfen haben. Die großartigen Erfolge der letzten Wochen und die im Zuge befindlichen Arbeiten werden sicherlich zum wirtschaftlichen Aufschwung« nicht nur des Umkreises dieser Gegend, sondern des ganzen Landes beitragen. Dem Karstproblem auf den Leib zu rücken, ist heute jedenfalls leichter als zu Großvaters Zeiten. Dr. Wankel und den anderen Forschern der alten Schule standen eben nicht jene vortrefflichen technischen Hilfsmittel zu Gebote, deren sich die jüngste Höhlenforschung in vorbildlicher Weise bckient. Wo früher Hammer und.Handmeißel mühsam den Fels zermürbten, schlagen elektrische Bohrhämnter jetzt in wenigen Minuten metertiefc Sprenglöcher in den harten Kalk. Tief unter Wasser reichende, steinern« Hindernisse werden mit Leichtigkeit weg- aekchafft, tiefe Wasserrinnen mittels elektrischer Pumpen oftmals in wenigen Stunden trocken gelegt. An Stelle der rußenden Fackeln sind Glühbirnen getreten und wo einst auf unsicherem Flosse, auf einem Brette hockend, Wallergerinne überwunden werden mußten, zieht T. Ä. Di- viäeks pneumatisches Gummiboot leicht schaukelnd seine Bahn. Auch ein Fernsprecher fehlt nicht. Bor 14 Tagen hat der in südwestlicher Rich- ning geführte Borstoß über den„Schwimm- shphon" und durch den„Schlammgang" hinaus an die geheimnisvolle P u n k w a neu« weite Räume erschlossen. Und aufgepaßt! Dort wo ich 14 Tage vorher, auf dem Bauche kriechend, die Ras« fast im Wasser, den Kopf an der Decke, ein Licht in der vorgestreckten-Hand, mit wenig Aussicht durch ein winziges Felsloch starrte, war eine weite Oeffnung geschlagen Wochen, das Wasser war verschwunden. Vor mir gähnte ein schwarzer Abgrund, der die Fluten in seinen Tiefe« nur ahnen ließ. Abrollende Steine schlugen dumpf aufilatschend ins aufspritzende Wasser, daß es schauerlich widerhallte. Dies« neue Situation hatte Dr. Wsolon mit seinen Pumpen erschwungen. Etwa 100 Meter tiefliegende düster« Räume wurden von Dr. Absolon und seinen Gefährten an diesem Tage mit den bereitgehaltenen, zusammenlegbaren Gummibooten„Punkwa I" und „Punkwa II" zum ersten Male befahren. Diese neuen Wasserhöhlen führen teils an die bereit- wohlbekannten Wasserdome der Punkwa, teils überraschend in hochfteigenden Klüften gegen Norden. Zurück zur Mazocha? Die Bermcffungsarbeiten werden hierüber Aufschlüsse geben. Für die Höhlenforschung an sich ist dies aber nicht das Wesentlichste. Für diese soll es nur der Ansporn sein, die bestimmt vorhandenen großen Grottenräume und waffer- führenden Labyrinthe weiter nordwärts zu verfolgen, um die stark-hydrographischen Verhältnisse Stuck um Stück kennen zu lernen. Wer aber das große Wunder dieses Gebietes, di« Sehenswürdigkeit„Mazocha" aus der Bogel- perspektive schauen will, muß einen waldbestan- denen Bergrücken, getürmt aus devonischem Kalk ersteigen, erreicht bald die Hochfläche und kann von hier hinabblicken in die grausige Ties« des sagenumwobenen Abgrundes, den auf dem Höhlenwege zu erreichen, man sich Jahrhunderte lang vergeblich abmühte. T agesneuigkeiten IsteuZayrstted. Bon Hermann Tlandius. Reichtum, Armut— Liebe«, Hasse», Zorn, Verzeihe«— Trauer, Freude, Glück und Leid— Verzweiflung, Hoffnung, Güte, Mißgunst— Krieg und Frieden: Alles scheint ein ewiger Wirbel, ohne Anbeginn und Ende, ohne Weg und Ziel und Richtung. And du bist hineiugedore« furchtbar in des Wirbels Mitte. Und es kreisen nm dich, in dir, wachsend mit dir durch die Jahre Zorn, Verzeihen— Lieben, Hasse»,* Glück und Leid— Verzweiflung, Hoffnung, Freude, Trauer— Güte, Mißgunst. Aber in den Neujahrsnächten kommt es unsichtbar gegangen, ewigen Geist's geheimer Wandel. And es zerrt durch deines Alltags harte» Acker unbarmherzig feine blinke, blanke Pflugschar. Und es Nasse« sein« Wunden. Wie«in Wunder und betrofse« bist de« Wirbel« du entrissen, schauest, horchest, atmest, tastest dirrch die ungewnßten Weite«. And es ist wie Fittichheben durch dein Wesen, und du lächelst. Immer in de« Neujahrsnächten kommt es unsichtbar gegangen, ewige« Geistes heimlich Werkzeug, daß der S«ele Acker trag«. Danach faßt der alte Wirbel wieder dich: Verzweiflung, Hoffnung, Freud«, Trauer— Zorn, Verzeihe«, Liebe«, Hasse«— Güte Mißgunst, Krieg uüd Frieden— Leben, Sterben Aber dennoch: jene Spanne. da du Ewigkeiten ahntest, läßt dich lächeln und den jungen neuen Tag von Herzen grüßen. Ne revoltierenden steir'scken Bauern setze« eine« intervenierenden Abgeordneten gefangen! Graz, 31. Dezember. Die. Bauernunruhen Ni Borau haben sich gestern in verstärktem Ausmaße wiederholt. Gegen Mittag rottet«« sich 300 bis 400 Bauern zusammen und nahmen vor dem Rathaus in Vorau Aufstellung..Sie unternahmen wiederholt den Versuch, das Rathaus zu stürmen. Der christlich soziale Abgeordnete des Landtages, Gangs, suchte auf die Meng« beruhigend ernzuwirken. Schließlich setzte er sich mit einigen Vertrauensmännern der Demonstranten in einem Gasthaus« zu einer Besprechung über die Forderungen der Bauen: zusammen. Da aber nicht alle Demonstranten in das Gasthaus eingelassen werden konnten, wurde Lgndtagsabgeordn«ter Gangl zum Gefangenen. erklärt. Mond drohte chm, chn nicht früher freizulassen/ bis alle Verhafteten von gestern und vorgestern frei sein würden. Erst nach einigen Stunden, als die Dunkelheit «ingebrochen war, konnte Abgeordneter Gangl aus dem Gasthaus gelangen, und auch die Bauern zerstreuten sich langsam. Die kündigten hiebei in scharfen Worten an, di« Demo« st rat tonen demnächst wieder f o r t z ü s« tz e n. In den Wendstunden trafen in Borau verstärkte Gen- darmerteabteilungcn aus Graz ein, die jedoch nicht mehr Anlaß hatten, einzuyreisen, da überall bereits normal« Ruhe und Ordnung herrschte. Raubmord la Karpalhorntzland. Ungvar, 31. Dezember. Dienstag wurde aus der Landstraße unwett der ZLmiiier Brück« rm Bezirk Taoevo durch einige Schüsse aus einem Militä rkarab ine r der GaKa Ivan B e n z a S i m j o n u aus der Gemeinde Kriöeva erschossen. Er war auf dem Heimweg von Taöevo begriffen. Zwecks Fahndung nach den Tätern wurden in dtesen Ravon 16 Gendarmen entsandt, dir umfassende Nachforschungen anstellten. Eine ganze Reihe von Personen wurde verhaftet. Zntei der.Verhafteten, Franz S l i v k a imd Michael Metr-aus der Gemeinde Kolodny, gestanden ein, den Gazda deshalb ermordet zu haben, um kbn berauben zu können. Bellte gehören einer Räuberbande an. die außerdem noch drei weitere Raubüberfälle durchfirhrte. Bei den Verhafteten wurden fünf Militärkarabiner, drei Revolver, drei Mili- tärbajvnette und ein« Anzahl von Geschossen aufgefunden. Die Verhafteten wurden in die Haft des Äreisgerichtes in Chust eingeliefert. Schwerer Srdbeben in Südafrika. Johannesburg. 31. Dezember, Ein sehr starkes Erdbeben erschütterte heute eiuen großen Teil der Südafrikanischen Union. Das Beben dürfte Wohl das schwerste sein, das bis- ber im Lande verspürt wurde. Der Hauptswß dauerte rund 100 Sekunden. Das Epizentrum des Bebens dürfte etwa 500 Kilometer von Johannesburg entfernt sein. Bisher ist noch nicht bekannt geworden, ob das Beben Todesopfer gefordert hat."Sachschaden ist bereits gemeldet worden. Der Bevölkerung betnächtigt« ßch eine große Panik. Rationalismus«och angesichts des Salgens! Nationalismus und nationaler Sparsinn haben in der irischen Hauptstadt Dublin einen seltsamen Konflikt ausgelöst. Im Gefängnis Mountjouy in Dublin wurde der i risch e B ru- d e r m ö r d e r Patittck M e D e rm o t t von einem aus England bestellten Scharfrichter hingerichtet, weil die zuständigen Behörden der Mehrung sind, daß es billiger sei, nötigenfalls den englischen Henker kommen zu lassen als einem irischen, der nicht allzu viä zu tun hätte, ein Jahresgehalt auszuzahlen. Die irischen Na- tioneflisten stich über diese Sparsamkeit sehr bekümmert. Sie führten feit langem eine Kampagne gegen die Hinrichtung McDermotts— zuletzt mit Demonftrationszügen; auf den mihge- führten Schildern war u. a. zu lesen: ,„Jren beschäftigen englische Henker. Ist das Gerechtigkeit? Ist das Freiheit?" Neunzehnhundertdreiunddreißig— ein langes Wort, eine bange Zahl: wtrd's besser wecken? was haben wir zu erhoffen? Und: haben wir etwas zu erhoffen? So fragt jeder sich selbst, so fragt einer den andern. Ein hartes Jahr liegt hinter uns— es werden unter uns nicht viele sein, die ihm eine Träne nachweinen. Schlag auf Schlag prasselte auf unfeve Klaffe nieder— kaum einer unter uns, der nicht getroffen wurde. Hunderttaufende Proletarier in unferem Lande sind der Grundsätzen ihrer Existenz beraubt, Unzähligen fehlt das Nötigste zum Leben, Viele haben in Verzweiflung ihr Leben von sich geworfen— sie hatten nicht mehr di« Kraft, einer Wendung der Dinge zum Besseren enlgogeuzuharren. Ätzer die große Masse duldet, kämpft, wackt weiter. Nimmer sich beugen- kräftig sich zeigen — beginnen wir das Neue Jahr mit erhöhtem Erfülltfein von diesem Goethe-Wort. Gewiß: von klugen Worten und anfeuernden Sprüchen ist noch kein Mensch satt geworden; aber wir wissen doch auch zu gut, daß dies nicht die e r st e Leidensstation des Proletariats ist, die wir jetzt durchleben. Und wenn sie uns auch besonders harte Martern schafft— dem Ende der Folterung nähern wir uns unaufhaltsam. Schließen wir uns noch fester aneinander; vereint sind auch die Schwachen stark — wie sollten es die Arbeiter nicht sein, in deren Gesamtheit«ine Riesenkraft lebt, die keine Not der Zeit uns keine Zeit der Not auf die Dauer lähmen kann! Also Kopf hoch und die Hand in die Hand des Bruders und der Schwester! Je fester die Einigkeit, desto sicherer jener andere Silberstreifen, den der Horizont bringen muß: Aufleuchten des letzten Stra- ßen-Endes auf dem Marsch zum Sozialismus! Wetterbericht Raturfreundehaus Nollendorf, am 31. Dezember: Ski- und Rodelbahn auf Dtesen, 8 Zentimeter Schnee, 5 Grad Kälte. Herrliche Winterlandschafte«(Raureifgebilde). Di« parlameutarsschen Feri«« dauern nur bis Montag, den 9. Jänner. Für diesen Tag um 15 Uhr ist keteitS der Budgetausschuß des Abgeordnetenhauses einberufen worben, der jedenfalls sofort mit der Beratung des ordentlichen Budgets für 1933 beginnen wird. Ein Sträfling gesteht zwei Morde. Der i» her österreichischen Strafanstalt Garsten gegen- wärttg eine längere Kerkerstrafe verbüßende Georg' Bräuer hat den Raubmord an dem Matrosen Glantschnig im Jahre 1919 in Linz eingestanden. Im Laufe der Einvernahme Hai Brauer noch einen zweiten Raubmord eingestanden, den er am 25. März 1919 in der Nähe der oberösterreichisch-bayrisch-tschechoflowa- kischen Grenze gemeinsam mit einem gewissen Franz Buchely aus Pmttafel begangen hat. Buchely hat dort einen Mann niedergeschlagen, seitier Brieftasche beraubt und als sich das Opfer noch rührte, de» Ucbcrsallcncu durch einen Herzstich getötet. Sodann hätten sic die Leiche im Walde einqegraben. Die erbeuteten 8000 K<5 hätten sie geteilt. Die Leiche de§ Ermordeten könnt« bisher noch nicht ausgefundert werden. Ueberführt« Geldschranttnacker. Wie.seinerzeit gemeldet wurde, wurde in der Nacht zum 30. November die eiserne Kasse des Gemeindeamtes in Alt-Harzdorf erbrochen, wobei den Tater» ein Barbetrag von rund 42.000 LS in die Hände fiel. Nach längeren Nachforschungen gelang es der Reichenberger Polizei, den Täter in der Person des bekannten Kassenschtänkers Wilhelm Kirschner dingfest zu machen. Gleichzeitig wurde auch sein Komplize, der bekannte Einbrecher Josef Plöek festgenommen, der von der Gendarmeck in Junqbunzlau wegen eines dort verübten Kasseneinbruches gesucht wird. Plöek wurde von Reichenberger Polizcibeamten in Bodenbach verhaftet. Beide Täter leugneten zunächst, konnten aber bald durch Vergleiche mtt Schriftproben überführt wecken. Der verfall der Bahnen. Die vorläufig ermittelten Devkehrseinnohmen der österreichischen Bundesbahnen im November 1932 betrugen im Personen- und Gepäckveckhr 9.485 Millionen Schilling, im Güterverkehr 23.520 Millionen Schilling, im ganzen 33.005 Millionen Schilling. Gegenüber dem endgültigen Ergebnis des gleichen Monats im Vorjahr waren die Ein-, nahmen im Personen- tmd Gepäckocrlchr um 16.7, im Güterverkehr um 18.7 und im Gesinntverkehr um 18.1 Perzent geringer. Titnlär-AnterleuttmntS ohne Gage. Di« Militärverwaltung hat auch diesmal zu Silvester 824 Absolventen d«r Referveoffiziersschulen, di«' vorzüglichen oder sehr guten Erfolg aufzuweisen hatten, zu Unter- letttnantz de« Mivdienstes ernannt. Bisher besagen dies« Unterleutnants in den drei letzten Monaten thr«s Präser^dietssteS di« ckargenmähigen Gebühren. Aus Ersparnisgründen Hal Heuer di« Militärverwaltung di« Ernennungen erst mit Wirksamkeit vom 13. Jänner 1933, d. h. vom Tag« der vorzeitigen Entlassung dieses Jahrganges, vollzogen. Um den Leuten die Freude aber nicht ganz zu verderben, wurde den neuen Unterleutnants die Erlaubnis er« lyitt, die neuen Rangabzeichen bereits ab 31. Dezember zu tragen. Di« Sozialreformgesetze der dänische« Regierung. Die Sozialreformgesetze der dänischen sozialdemokratisch-radikalen Koalitionsregierung wucken dem neuen Reichstag am 2. D^ember vorgelegt. Sie umfchfen Entwürfe für ein Fürsorge-, em Sozialverficherungs- und ein Unfallversicherunsgesetz. Die kommunistischen Abgeocknckn traten im Reichstag zum ersten Rial in Erscheinung, indem sie diese sozialpolitischen Maßnahmen ebenso äblehnten wie einen anderen Gesetzentwurf der Regierung, der von der vorhergeganMmen Legislaturperiode übernommen wurde und den bisherigen Zustand aufheben soll, daß Bezieher von Armenunterstü tzung dos Wahlrecht verlieren'. Schwer« Betriebseinschränkungen i« der österreichischen Tabakregte. In den letzten Temen fanden in Wie« Besprechungen zwischen der Ge- ireraünroktion der Tabakregie und den Tabak- arbeiter-Ovganisattonen wegen neuerlicher Be- trtebsoinschräukunyen bei der TabakreOe statt. Obwohl in diesem Jahre die Arbeitszeit verkürzt und 1200 Arbeiter bereits abgebaut wurden, war der Absatz an Rauchwaren nicht so groß, daß er der Produktion entsprochen hatte. Insbesondere fallt der Absatz der Virginias seh« stark. Die Abwanderung des Großteils der Zigarettenraucher von den besseren zu den billigeren Sorten ist überaus stark fühlbar. Die Generäldirektion mußte daher eine- weitereEin« fchräukung der Produktion vornehmen;'insbesondere muß sie vorübergehend die Produktion von neuen Zigarettensorten entstellen. Es werden außeckem 131 Arbeiterinnen entlassen werden. Die Wi rt schafts Prämi e wird sirr das Jahr gekürzt, die Kurzar b« i t von 40 Stunden bleibt auch für das Jahr 1933 aufrecht und auch weiterhm müssen all« Arbeiter 14 Tag« stets aussetzen. Verbrech«« über Verbrechen. Der Präfekt des Lehrerimrenfemmars in Posen ist Freitag abend in der Nähe des Domes niederge» schossen und seiner Brieftasche sowie Geldbörse beraubt worden. Er wurde so schwer vecktzt, daß er noch wenigen Minuten starb. Di« Ber- brecher sind unerkannt entkommen.— Drei Einbrecher versuchten gestern in den ersten Morgenstunden in eine rm Norden Ber- lrus gelogene FKnAe der Dresdner Bank einzudringen. Sie wurden von dem Verwalter des Hauses überrascht,als sie ein Loch durch den Fußboden einer Wer den Filialräumeu gelegenen leerstehenden Wohnung stemmen wollten. Nach wWer Verfolgung wurden die Einbrecher von der Polizei sestgeno mm en. - Zwischen Nationalsozialist« und Kommunist«« kam es in der Nacht zum Samstag im Norden Berlins einer schweren Sch läg e r er;«in NSDÄP-Mann wurde erheblich ve-r letzt. 16 Grad Wärm« i« Paris. Am letzten Tag des alten Jahres wurde in Paris bei sonnigem Wetter wahrend des ganzen Tages eine Temperatur von 16.5 Grad Celsius über Nrfll verzeichnet. Die Sotcherausflugszüge. Die Staatsbahndirck- tion in Prag fertigt in den Tagen vom 5. bis 8. Jänner 1933 einen Sonderausflugszug uttt Verpflegung und Führung nach Rieber-Linde- wiese im Gesenk« für den Preis von 198 K pro Person und, in den Tagen vom 7. bis 16. Jänner einen Sonberausflugsschnellzug in die Hohe Tatra zum Karienpreis von 503 K pro Person ab. Anmeldungen für den Zug nach Unter-Lindewiase mit Angabe von 50 I< werden bis zum 2. Jänner, für den Zug in die Hohe Tatra bei einer Angabe von 100 X bis zum 4..Jänner beim Schalter- Nr. 13 des Prager Masaryk-Bahnhofes entgegengenomwen. Prospekte sind ebendaselbst echältlich.—- Di« Staats- bahndirektion in Pilsen teilt mit, daß wogen der ungünstigen Schneeverhältniss« im Böhmerwalde am Sonntag, den 1. Jänner, au« Pilsen nach Eisenstein der Sonderausflugszug für Skifahver Nr. 1231- Abfahrt von Pilsen um 5 Uhr 47 Minuten, und von Essenstein nach Pilsen der Sonderausflugszug für Skifahver Nr. 1232, Abfahrt von Eisenstein nm 17 Uhr 10 Minuten, nicht verkehren wird. Der Sonberzug Rr. 628 Eisenstein— Prag, Abfahrt aus Essenstein um 17 Uhr 50 Minuten, verkehrt normal. Di« Telegraphenverwaltung hat nunmehr bi« Bewilligung erteilt, daß auch Brieftelegramm« gleichen Textet« die auf Adressaten im selben Otte lauten, als ein Telegramm mit mehreren Adressen aufgegeben werden können(bezahlte Bezeichnung „TM"). Diese Bewilligung ist für eine taftW, vorteilhafte und billige Reklame zu benützen. Gebühr büch 10 Heller pro Wort; für die Abschrift weiterer Adressen bloß 2 K pro Telegramm. Näher« Details gibt bi« Telegraphenzentralftation. Telephon 33-318 bekannt. Schnee in Karpathorußlanb. In der Nacht auf Samstag ist in ganz Karpachorußlanb' sehr viel Schne« gefallen. In den AebirgSgogeitdett der Karpathen schneit es ununterbrochen weiter;" Eine halbe Million unterschlagen. Der Vorsteher der privaten Gesellschaft„Postteflame Köln" und dessen Stellvertreter wurden, unter der BeschuMgung verhaftet, in den letzten Monaten 500.000 Mark unterschlagen zu haben. Eine Glashütte abgebrannt. Die alle Riedel^lch. Glashütte in Neudorf a. N. ist, wie ans Reichen berg gemeldet wird, in der Nacht auf Samstag bunt «in ans bisher unbekannter Ursache entstandenes Schadenfeuer völlig zerstört worden. Das große Hüttenwerk ist vollständig ausgebrannt und nur die nackte» Mauern stehen noch. Nr. 1 Sonntag. 1. Jänner 1838 Seit« 8 ander denkbar gegensätzlichst. Meisters. Seit Monaten wird in der ganzen musikalischen Welt für das festliche Begehen beider bedeutender Gedenktage gerüstet; seitens der Operntheater für Richard Wagner, seitens der Sinfonieorchester, Chorvereine, Kammermusiker und Konzertkünstler für Johannes Brahms. Hoffentlich kommt dieses musikalische Wettrüsten auch dem Volke zugute, daß es ast seinen künstlerischen Ergebnissen teilnehmen und musikalische Bildung und Nahrung daraus schöpfen kann. Reben diesen beiden hochbedeutenden Musikgedenktagen fallen in das Jahr 1933 noch etliche andere Musik- und Musiker-Gedenktage, an die zu erinnern der Mühe lohnt, weil wir durch sie auf musikalische Wert« aufmerksam gemacht werden, die uns im Laufe der» Zeit abhanden gekommen sind. Es ist ja der Lauf der Geschichte, daß nur ihre ganz großen Ereignisse und ihre ganz großen Männer in der Nachwelt weiter bestehen und weiterlebcn. Die Musikgeschichte lehrt uns dies ganz besonders; denn was sie der Allgemeinheit bleibend vermittelt, sind kaum die allerbcdeutendsten Geschehnisse und größten schöpferischen Geister Dieser, Erwägung folgend will ich nur noch einige der bemerkenswertesten Musik- und Musiker-Gedenktage des Jahres 1933 mitteilen, um durch sie dem Gedächtnis verloren gegangen« musikalische Ereignisse wieder aufzufrischen, in Vergeffenheit geratene, einst bedeutende Männer der Musikgeschichte wieder in Erinnerung zu bringen Wobei ich bemerke, daß es ein leichtes wäre, diese Zahl der Gedenktage zu ver- doppeln und zu vervielfachen Es wird begangen: Am 10."November der 450. Geburtstag Martin Luthers, des Schöpfers der deutschen evangelischen Kirchengesanges, in dem dar Schaffen des vielleicht überhaupt größten deutschen Musikers Johann Sebastian Bach wurzelt; am 21. November der 275. Geburtstag des größten „Das blaue Licht", die wunderbaren Aufnahmen des Sportfilms„Der weiße Rausch" in der Erinnerung: beides Filme, die aus dem Rahmen der üblichen Amüsierprodnktion fielen, die fernab von der Serienerzeugung schlagerliederdurchtränkten Operetten schwachsinns uns banalen Posienhumors durch ihre filmische Einstellung zur lebendigen Natur sieg ten. Es., gab noch ein paar Filme der versäumte:: Möglichkeiten, wie das„Tagebuch einer Frauenärztin", ein paar Filme mit großen schauspieleri- scheir Leistungen(Elisabeth Bergner im^Träumenden Mund") aber sonst fast nur Opcrettenlitsch und Uniformschwänke. Tie deutsche Tonfilmoperette ist im Jahre 1932 noch reizloser geworden, als sie war; immer dieselben Schauspieler,, immer dieselben Komponisten, immer dieselben Regisseure, immer dieselben Stoffe; es ist wahrhaft Arbeitsverschwendung, die Filme neu zu drehen, man könnte ein altes Re- gativ neu, kopieren und ihm einen anderen Titel geben. Der Militärfilm nahm im Spielplan des letzten Jahres gewaltigen Raum ein; er diente der Aufrüstungspropaganda. Das Filmkapital besorgt" die Geschäfte der Rüstungsindustrie, pflanzt in Form„unpolitischer" Unterhaltung Kriegs geist in die Gehirne, Kriegsbegeisterung in die Herzen. Zum Teil waren diese Ausrüstungsfilme Spekulationserzeugnisse von Filmfirmen, die an der nationalistischen Welle profitieren wollten. Die größte deutsche Filmfirma, die U f a, hat fast ausschließlich Operette» herausgebracht. Kunst hat die Produktion der Ufg nichts mehr zu tun; die großen Regisseure, die großen Schauspieler haben der Hugenberg-Firma längst den Rückest gekehrt. Kaum, ein einziger Ufa-Film des Jahres 1932 ragt über den Durchschnitt der Amüsteraperette empor; das verschwindend geringe Aktivum der Jahreserzeugung der Ufa bleiben zwei Darstellerleistungen, Werner Kraus in„Mensch ohne Namen" und Adele.'Sandrock in„Dar schöne Abenteuer"....!^.y Die Unterhaltungsware, die ansonsten gedreht n»urde,wa«' zum Ttil- sauber- wie ,,8iepdiuer'Rächt" und„Hauptmann von Köpenick", regietechnisch exakt wie Pabsts Abenteuerfilm„Herrin von Atlantis"/ aber geistig recht unbedeutend/ Filmamerika brachte einige wertvolle Filme, vor allem den„Fremden Sohn" von Ernst L u b i t s ch, die- bezaubernde Operette„Lieb mich heute Nacht" von Rouben Mamoulian, und den regietech- nffch außerordentlichen Film„Sh. Jcckyll und Mr. Hhde" ebenfalls von Mamoulian. Greta Garbo war nur in Filmen zu sehen, die der großen Kunst dieser großen Schauspielerin umvürdig gewesen, und Marlene Dietrich produzierte sich wieder als Star in dem reaktionären Senfationsfilm„Shanghai-Expreß" und dem Hintertreppenroman„Die blonde Venus". Harold Lloyd und Buster Kea ton gaben brauchbare Unterhaltungsfilme, nicht mehr; Charlie Chaplin, filmmüd«, schweigt. Die Mode der Gruselfilme ging- bald vorüber; von „Frankenstein", einem gut gemachten Schouerdrama, bi- zu„Dracula", einer lächerlichen Farce, war nur englischen Musikers Henry Pu reell; am 25. September der 250. Geburtstag Jean Philipp Ras m e a u s, des hochbedeutenden französische«: Theoretikers und Komponisten; am 14. Jänner der 250. Geburtstag des berühmten deutschen Orgelbauers Gottfried S i l b e r m a n n; am 12. September der 200. Todestag des hervorragenden französischen Klavierkomponisten Francois-Couperin; am 11. Dezember der 175. Geburtstag des bekannten Goethe- Freundes. und Komponisten K. F. Zelter; am 27. Juli der 150. Todestag I. Kirnbergers, des bedeutendsten Musiktheoretikers des 18. Jahrhunderts: am 19. Jänner der 100. Todestag des einst gefeierten französischen Opernkomponisten Herold(am bekanntesten ist sein« Oper„Zampa"); am 24. Jänner der 50. Todestag des ebenso beliebten wie bedeutenden deutschen Opernkomponisten Friedrich von Flotow(Komponist der Oper „Martha" u. a.); am 25. November der 50. Todestag des hervorragenden deutschen Bolksliedforschers Ludwig Erk. Unter den musikalischen Ereignissen, deren Erinnerung im Jahre 1933 zu begehen ist, sind an- zuführrn: Der 200. Schöpfungstag der gewaltigen H-Moll-Mess« von Johann Sebastian Bach; der 125. Geburtstag der „Schicksal s"-S i n f o n i e>u:d der„P a st o r a l"- Sinfonie Ludwig von Beethovens; das Hundertjahrjubiläum der Schöpfung der romantischen Oper„Hans H e i I i n g" von Marschncr und der Erstlingsoper„D i e Feen" Von Richard Wagner. Im Jahr« 1933 begeht auch d«r grüßt« italie- nischc Mnsikve rlag von Ricordi in Mailand, der sich durch die Herausgabe der Opernwerk« Verdis und Puccinis unsterbliche Verdienste erworben hat. die Feier seines I25jährjg«n Bestandes.^:-;-,. E. I.. ein kurzer Weg.„Im„Frauengefängnis" bewies der amerikanische Film den Mut zur Justizkritik; im übrigen bewies er nur den Mut zum Kitsch, zur Banalität. Filmfrankreich bescherte uns Rene C l a i r s ! musikalisch-satirische Komödie„Es lebe die Freiheit", s einen sauberen Film„Hallo Berlin— Hallo Paris" l von Duvivier, ein paar derbere Posten und sFedor Ozeps„Großstadtnächte", eine Kopie Rcnee Die hervorstechenden Ereigniste des Filmjahres 1932 waren nicht künstlerische Leistungen, sondern finanzielle Zusammenbrüche. In knappen Abständen gingen die Emelka, die Südfilm, die Meßtro, das Deutsche Lichtspielsyndikat, die BiographfFilm in den Ausgleich; die großen amerikanischen Filmfabriken arbeiten fast ausnahmslos mit ungeheurem Defizit. Der Pleitegeier schwebt mit ausgebreiteten Flügeln über den Filmbüros, und so manche Firma, die heute in seinem Schatten noch ein paar kleine Filme dreht, wiÄ morgen ihre Ateliers sperren müssen. Je. mehr Filmgesellschaften in Konkurs gehen, um so tiefer sinkt aber das Vertrauen der Banken zur Filmindustrie; wenn sich das Kapital zurückzieht, Kredite nicht mehr aufzutreibe» sind, können die Filmfirmen wiederum nur billige Filme Herstellen, die durchfallen und zum Zusammenbruch der betreffenden Firma führen. Um Halbwegs rentabel zu arbeiten, wird die Zahl der Aufnahmstaqe und der Einstellungen bedeutend gekürzt. Früher drehte man- einen Film in zwanzig Tagen, heute muß er in zehn oder acht fertig sein; früher nahm man eine Szene in fünf Einstellungen auf, heute kann man-sich kaum zwei leisten. Mit den schnell zusammengeschusterten, ungenügend vorbereiteten, technisch minderwertigen Operettenfilmchen lockt man aber keinen Hund vor den Ofen; sie bringen kaum die Herstellungskosten herein. Das Geld wird immer knapper, daher werden die Filme immer schlech- r«r: di« Filme werden immer schlecht««, daher wird das Gell) immer knapper. Das Publikum ist kinomüde, weil olle Filme nach einer Schablone gedreht werden; weil das Publikum kinomüde ist, sinken die Einnahmen, reichen die Mittel der Filmgesellschaften nur noch für Filme, die nach einer Schablone gedreht werden. Die Wechselwirkung von wirtschaftlicher Not und künstlerischer Minderwertigkeit, von Geldmangel, der Qualitätsmangel, und Qualitäts- urangel, der wieder Geldmangel bedingt, hat die Filmindustrie in eine ausweglose, verzweifelte Situation geführt.. Tie zahlreichen Zusammenbrüche deutscher Film- gcsellschasteu. sind nicht nur auf die Wirtschaftskrise zurückzuführen. Eine lange Reihe deutscher(und nicht nur deutscher) Filmfabriken sind Inflationsgründungen gewesen. Spekulanten, die aus dec Textil- oder Lederbranche kamen, wollten die Konjunktur des Kiuogeschäfts nützen und drehten Filme, obgleich sie einen belichteten Filmstreifen nicht von einem unbelichteten und ein Negativ nicht von einem Positiv unterscheiden. konnten. Solange das Publikum Geld. hatte und ins Kino ging, gleichgültig, was gespielt wurde, konnten diese„Filmindu- itriellen" sich über Waster halten. Heute überlegt das Publikum sich genau, für welchen Fjlm es sein Geld ausgibt; heute ist«s. durch die Rot gezwungen, kritischer/wäUerischer zu sebi. In dem Augenblick aber, in dem man nicht mehr luühelvs produziere» ii»o mühelos verdienen kann, indem man eine verschärfte Konkurrenz bestehen und Talent beweisen muß, versagen die Jnpationsindustriellen. In guten Zeilen kann jeder am Film profitieren: in schlechten katm er auch mit Filmen nur Pleite machen. Heute braucht der Film mehr als je Menschen, die ihn nicht allein vom Standpuntt des Kaufmann aus betrach- ten, sondern auch Verständnis für seine geistigen und künstlerischen Entwicklungsmöglichkeiten aufbringen. Ter Schablonenftlm hat heute überhaupt keine Ge- winnchance mehr. Die wirtschaftlichen Schwierigkeiten, unter denen Filme hergestellt werden, zwingen jedoch auch den ehrgeizigen Teil der Filmindustrie zu größter Vorsicht in der Wahl der Themen. Regisseure und Schauspieler. In dieser Zeit kann »ch kaum eine Firma das Risiko eines Experiments mehr leisten Nur das Experiment aber, der Film, dcr von der Schablone abweicht, kann heut« noch Erfolg erringen. Auch hier ein verhängnisvoller Kreislauf; da ihn zu unterbrechen Geld und Mut fehlen. Er wird schon gehr», Oinot! Bon H. I. Giseler. Die Sache ivar also doch aus, Robert hatte (seine Stellung beim Straßenbau in den Alpen bekommen! Man mußt« sich daraus gefaßt machen, (daß es viele Monate, vielleicht Jahre dauern ! Ivirrbe, bis die große asphaltierte Autostraße, die - dicht bis an den Gletscher führen sollte, vollendet I würde. Jedenfalls mußte inan sich für lange Zeir /entrichten, das hatte schon die Gesellschaft durch- i blicken lasten, und der Chefingenieur, dem Robert jjunterstand, hatte geäußert:„Ra, nun kommen s wir endlich dazu, ausgiebig Sport zu treiben, nisten Sie sich anständig, wer weiß, tvann wir wieder mal unter die Großstadttnenschen kommen." Robert ivar glücklich. Er hatte im Grunde von der"Großstadt und ihrem Glanze genug, danke. Nun und Ellinor? So altmodisch waren sie nicht,"daß sie sich wie zu früheren Zeiten cm-ander versprachen, Briefe zu schreiben, eine matt« Korrespondenz durch Monate und Jahre hindurch; sie nannten sich auch keineswegs verlob: Noch wollten sie in der Ferne voneinander träu- :chtzu, fvährend ste sich.-in Wirklichkeit-zu Tode slgügweilen, würden: ENeftt, Mbert und Eüiuer: dachten, wie viele stnige Leute heute denken: Man geht ein Stück Weges zusammen, ieder hat seinen Beruf, die Abende geht man tanzen oder sitzt daheim im möblierten Zimmer, am Samstag fährt man hinaus, macht das Boot los und bum- m-elt bis Sonntag ckbends von Bucht zu Bucht. So war diese Beziehung seit zwei Jahren wunschlos und glücklich. „Samstag geht's also los," sagte Robert ins Telephon. „Ach, gerade Samstag?" anwortet« Elli- uor ein wenig trocken— was mache ich bloß den ganzen Sonntag? Aber das dachte ste nur für sich. Robert erriet es:„Sich ma-l, Ellinor, es geht nicht anders, wir müffen Montag früh mit der Arbeit anfangen, unh bis ich in München und dann weiter in den Bergen bin, ist es Sonntag abends. Das tonnte Ellinor durchaus einsehen, so besprach man für Freitag ein kleines Abschiedsfest. Musik- und Musiker-Gedenktage im lukre 1933. Zahlreich« bemerkenswert« Musik- und M u- fit««-Gedenktage fallen in das Jahr 1983. Sie könnten, wenn wir uns ihrer richtig bewußt werden, vielleicht sogar dazu beitragen, unser« musikalische Bildung zu bereichern, unser, Musikgeschichte liches Misten aufzufrischen. Denn gerade di« Gelegenheit MuMüischer Grdenkfeste zwingt uns, musikalischen Dingen und Persönlichkeiten der Tonkunst näher zu treten, mn dis wir uns sonst wenig bekümmern und deren Bedeutung uns nur ganz unbewußt und unbestimmt vorschwebt. Die-musikalischen Hauptgedenkseste des Jahres 1938 werden Richard Wagner, dem großen Musikdramatiker und Opernreformator, und Johannes Brahms, dem letzten großen deutschen Meister der Tonkunst im absoluten, also programmlosen Sinn«, gelten. Es ist«ine groteske Ironie der Musikgeschichte, daß das Jahr 1933 gerade dies« beiden Tondichter musikfestlich miteinander verbinden wird, die in ihrem Leben und Schaffen einander denkbar gegensätzlichst, ja sogar feindlich gegenüberstanden, die in ihrem künstlerischen Widerstreit unversöhnlich beeinflußt wurden durch di« Person Eduard Hanslicks, des bedingungslos treuen Brahms-Freundes und erbitterten Wagner- FeindeS, der als Musikkritiker in der zweiten Hälft« des vorigen Jahrhunderts einen" fast allmächtigen Einfluß auf sein« musikalischen Zeitgenosten hatte. Richard Wagners zu gedenken, zwingt uns der IS. Feber des Jahres 1933, an welchem Tag« sich der Tod des großen Bayreuther Meisters zum fünfzigsten Mal« jährt; di« Erinnerung an Johan- nes BxahmS g«biet«t d«r 7. Mai d«z Jghr«s 1833 als 100. Geburtstag des großen norddeutschen billige Massenartikel, deren• Lebensdauer ebenso gering ist wie die geistige Mühe, die zu ihrer Herstellung aufgewendet wurde. Nur zwei Filme,„Mädchen in Uniform" und„Kuhle Wampe", werden das Jahr 1932 in dcr Geschichte'der Filmkunst repräsentieren Für ihre künstlerischen und finanziellen Mißerfolge hat die"Filmindustrie natürlich eine Reih« von Entschuldigungsgründen. Der eine ist die Monopolstellung der Elektrofirmen, denen die gesamt« Filmindustrie tributpflichtig ist. In Deutschland ist die Tobis heute unumschränkter Herrscher auf dem Gebier des"Films; siekgnu. durch Kiedidge- währung Firme am Leb«:: erhalten, sie. kann durch Kreditkündigung Firmen züm Zusammenbruch treiben. Von jedem Meter Tonfilm, der gedreht wird, von jedem Meter, der ins Ausland verkauft wird, bekommt sie ihren Anteil,- jeder Produzent muß zu ihr bitten kommen, ob- sie so gnädig ist, ihm"für teure Tagcsmiete eine Aufnahmeapparatur zur Verfügung zu stelle». Die deutsche« Filmindustrielten rebellieren gegen die Tobis, aber ihr Kampf wird wenig Erfolg haben. Die Tobis ist durch die technischen Patente, die sie angrkauft und ausgebaut hat, zn einem nnrtschaftlichcn Machtfaktor- geworden. zu einem Rieseirunternehmen, das nach dem Prinzip des höchsterreichbaren Profits geführt wird. Tie besiegen hieße an den Grundfesten der kapitali- stischen Ordnung, an dem Recht der Auswertung einer Erfindung durch'. Säs". Privätkapital rütteln, also das System bekämpfen, für dessen Erhaltung und Verherrlichung sich der Film in allen kapitale- flischen Staaten dcr Welt so leidenschaftlich einsetzt. Fritz Rosenfeld. In diesqn Tagen ertappte sich Robert zuweilen, wie er den Buck über bas Reißbrett weg ius Leere gleiten ließ. Der Berg lockt, sagt« er sich in einer gewissen freudigen.Erregung. War es allein die große Aufgabe, die semer 'borrrc? Standen nicht hinter Gletscher und Mperfftraße zwei dunkle Augen, die ihn ansahen? Jo, gut, sagte er. sich, zwei Jahre sind eine Zeit... aber wir hatten doch von Anfang an verabredet, daß es keine Bindungen auf weite Sicht gibt, Ellinor. Er hörte heute noch ihre lachende Stimine, die ihn von den Gedanken an eine Zukunft in die süße Gegenlyart zurückrief. Ellinor saß vor ihrer Schreibmaschine; was war denn bloß heute los? Alle zwei Mirmten mußte sie den Gummi gebrauchen, diese ewigen Schreibfehler... diesen Sauisiag und Sonntag allein... und alle kommenden Sonntage. Bis sie tvieder einen so lieben Jungen wie Robert gefunden haben würde, wer lveiß, wieviel Zeit. Es wird schon gehen, es wird schon geben, Ellinor, redete sie sich selbst wie einem Rennpferd zu. Dann kam der Freitag. Sic lachten fast ausgelassen, der tzautspxcrher..jgAse,.Schlag«« auf Hu^Arcuiq. in. dem. eNgmi.d«x-iiT,iM wurüe/szu-r ,Äiie ge rückt, dann ging es schan. Dabei kamen die Koffer, di« schon zum Einpaofen hingcstcllt waren, äwi, Vorschein. Ein Beben, lief durch die Fröhlichkeit- der Stunde. War es denn, wirtlich Fxöhlichke-it?, War es kein Tanz aus dem Puwersaß?. Nein, nein, nicht an morgen und übermorgen denke;:,. wir wollen unserer Lebensform treu bleiben.. Keiner sagte eS, beide hörten cs von: anderen sagen. „Es war so schön," sagte Robert beim Ab« schicdnehmen mit weicher Stimme. Er mußte die Sehnsucht noch diesen Händen, nach diesem Munde, nach dem Duft-dieses Haares nieder« kämpfen. Dann dachte er wieder an Alpenstvaße und Gletscher. Warum hatten sie verabredet, daß sie einander auf dem Bahnhof nicht mehr sehen soll-• ten? Sic hatten schon Abschied gefeiert, und vor all den vielen Reisenden war das nicht das Rechte. Am nächsten Tag fuhr Robert nicht mit dem Rachtzng nach München, er gab bloß sein Gepäck auf, der Direktor der Gesellschaft hatte ihn zum .Flug für Sonntag morgens eingcladen, aber er hatte es unterlasten, Ellinor anzurufen. Wozu? Sie hatten doch auf ihre Weise Abschied gefeiert.. Als er sein Gepäck aufgegeben hatte, traf er wie zufällig Ellinor in der Bahnhofshalle. Sie hatte ihn also doch heimlich absahren sehen wolle«. Run ärgert« er sich— denn es sah aus, als hätte er ihr verschwiegen, daß er den Samstag noch r» Berlin verbringen ivürdc. Er merkte, daß sie ihm die Geschichte von dcr Einladung zum Fluge einfach nicht glaubt«. Schweigend überquerten sie den großen Platz vor dem Bahnhof, schiveigend schritten sie nebeneinander durch die Hellen, lauten Straßen. Wie war es doch gestern? dachten beide. In einer stillen Konditorei verbrachten sic den Abend. Es wurde nicht viel gesprochen, sie fühlten, daß dies ein ausgesprochen verkorkster Abend ivar. Sie hatten einander nichts zn sagen, trotz dcr zlvei Jahre holder Gemeinsainkeit. Als sic an ihren: Hause Abschied nahmen, waren sie keineswegs dieselben Menschen wie gestern. Sie reichen einander etwas kur; und kühl die Hand und sagten nicht auf Wiedersehen, sie wünschten einander etwas frostig gute Zukunft und atmeten fast erleichtert auf. als Ellinor das Haus hinter sich zuschloß. Morgen werde ich tanzen gehen, trotzdem es Sonntag ist, dachte Minor,, während. sie die Treppe hinaufeilte, und das Crepe-Georgette- Klcid werde ich verschenken, was soll ich mit dem alten Lappen?. Robert schlug den Kragen seines Mantels hoch. Bald werde ich aus diesem Regenloch draußen sein, dachte er ärgerlich und schritt tüchtig aus... Weltkrise des Films. Tonfilmbilanz 1932. wird er fortdauern, bis die letzte Filnrgesellschaft ihre Produktion einstellt. Niemals verschloß sich die Filmindustrie neuen Ideen, neuen Versuchen so streng wie im abgelau- T T fenen Jahr,. obgleich sie niemals neue Ideen und> Clairs, aber ein ehrgeizig und talentvoll inszenierneue Versuche so notwendig gebraucht hat. /Die! t cc wenigen Filme, die Erfolge zn verzeichnen hatten, i Der russische Film ist aus dem Kinoreper-, gingen aus Experimenten, hervor. Der schönste Film j toire fast verschwunden; das„Lied vom Aufbau" war ohne Zweifel„Mädchen in Uniform", s und der ausgezeichnete Kulturfilm„Die Erde dür- Schöpfimg eines Kollektivs, das ein lebensnahes i stet" deutete» die Entwicklung der russischen Ton- Thema in einer künstlerisch ernsten Form zu gestalten filmkunst nur an. Was sonst auf der Erde gcdrcht wagte. Lebensnah, aber lange- nicht mehr so be- wird, bleibt uns glinklicherweise erspart, Wenn deutsam, war der zweite Film dieses Kollektivs, man ausländischen Berichte»"glauben darf, bringt „Mieter Schulze gegen alle" Vom deutschen Film- englische Film, der quantitativ sehr gewach- herrlichen Bilder der«erglegendc j st„ ist, nichts Bedrntsames hervor; die italie»'- i sch e Filmindustrie ist" künstlerisch vollkommen wert- | los und steht wirtschaftlich wie die deutsche vor dem I Züsayrmenbruch.' In der Entwicklung- des Tonfilms als Kuust- | form spielt das Jahr 1932 überhaupt keine Rolle; wir stehen dort, wo wir schon.1931 standen, der Tonfilm gibt den mechanischen Zlbklatsch zumeist mittelmäßigen Theatervorstellung," die Stars der Operettenbühnc" produzieren sich vor der Kamera I" und" dem Mikrophon, die Regisseure drehen" handwerksmäßig einen-Filni nach" dem anderen herunter, f die Schlagertieder dröhnen, der Stumpfsinn trium- j phiert. In den-Zeiten der Wirtschaftskrise und der finkenden Kaufkraft, erzeugt die Filmindustrie nur reite 10 Sonntag, 1. Jänner 1933 Rr. t 9arunt IsHtzreste(ich Oen StMurfreunOen an! 1. Die intcrn.nmnale Wanderorgan settion deS werktätigen Voltes ist der!o»>risienverein „Die Naturfr e u n d r". Tic ist über die ganze Erde verbreitet und crs rebt die Förderung der Gesundheit und der Kultur der schaffenden Bevölkerung in körperlicher und geistiger Beziehung. durch das Wandern. 2. Mitglieder des Vereines können Personen ohne Rücksicht auf das Geschlecht werden, die einer Ortsgruppe beitrcten und sich verpflichten, die Satzungen vollinlzaltl'ch anzuerkennen und einzuhatten. 8. Die Mitglieder haben das Recht, di« 430 Naturfrcundehäilser, Ferienheime, Schutzhüttcn und Bootshäuser in der Tschechoslowakei, Deutschland, Oesterreich, Schweiz, Ungarn usw. bei Wanderungen, Ferienfahrten und Urlauben zu bedeutend ermäßigten Preisen zu benützen. 4. An den zu jeder Jahreszeit unter kundiger Führung veranstalteten Wanderungen können di« Mitglieder ohne jede Gegenleistung teilnehmen. Außerdem werden alljährlich Ferienreisen und Urlaubsfahrten nach den schönsten Gebieten des In- und Auslandes zu möglichst geringen Kosten geführt. 5. Bahnpreis- und Fahrtrrmäßigungen: Bei sechs Personen(auch Jugendliche zählen mit) eine 83prozentige Ermäßigung von 18 Km. angefangen.— Sechs Jugendliche oder Kinder ein« SOprozentige, bei jeder Kilometerzahl; diese Begünstigung können auch fünf Jugendliche oder Kinder und ein Erwachsener genießen.— Als Einzelfahrer bei Ailsübung der Wintertourislik, bei Benutzung der jeweils aufliegenden Relationen— Bei Besuch der Tatra-Kurorte, eine 50- prozentig« ermäßigte Rückfahrt. In Oesterreich zirka 50 Prozent(geknüpft an die Lösung der Die Jahreswende gibt Anlaß zu besinnlichen Gedanken über den Punkt, an dem wir stehen und di« Wege, di« von ihm in die Zukunft laufen. Auf keinem anderen LebenSgebirt sj iegelt sich das Wirken und Schaffen des Menschen von heut« so augenfällig wider, wie in der Technik. Wir nehmen unsere Zeit »ach ihr, doch zersplittert sich ihr Wollen und Stroben für uns nur allzusehr in d«r Schilderung von Eiiizelleistungen. Versuchen wir daher einmal, die groß« Linie im technischen Gwchchen.unserer Zeit zu erkennen. Zuvor jedoch ein Wort zur Verteidigung. Mehr als einmal hat man dem technischen Fort- s ch ri t t di« Schuld an der heutigen Weltwirtschafts- Irise zugeschrieben. Hat er ji« wirklich? Es bedarf Wohl kaum der Erwähnung, daß die Technik a n s i ch, das heißt da8 Lösen von Problemen, di« ohne technische Hilfsmittel' nicht zu lösen waren(Auw, Flugzeug, Funffpruch) und der Ersatz handwerklicher Hilfsmittel durch maichinentechnische nicht schuld sein kann an der Krise. Sie ist durch eine tiefgreifend« Disharmonie zwischen Produktion. Güterverteilung sowie Geld->ind Kredilversorgung, mit einem Wort durch die Mißwirtschaft des kapitalistischen Systems kn allen Ländern der Welt entstanden. Allenfalls d«r falsche wirtschaftliche Einsatz technischer Hilfsmittel könnte für sie mitverantwortlich ^gemacht werd«». Anders wär« es kaum zu erklären, «oieso heute selbst unter Berücksichtigung der Arbcits- flwenhcer« zioei- bis dreimal so viel Menschen in den Industriestaaten ihr Brot finden können, wi« vor 100 Jahren, zumal doch in» ganzen verflossenen Jahrhundert ständig der technische Fortschritt ganze Heere von Menschen überflüssig gemacht hät, die aber bis zum Krieg immer wieder in den von der Technik neügeschaffcnen Avbeilsmöglichkeiten Beschäftigung sanden. Cs wäre also töricht, Maschinen stürmen zu wollen. Was umgebaut werden muß, ist die Gesellschaft, der sie gehören. Man muß fragen: ist die Technik heur« nicht mehr iy der Lage, neu« Arbeitsmöglichkeilen zu schaffen? Sind wir wirklich am Ende? — Di« Antwort auf diese Frage kann ja und nein lauten. Ja lautet sie, wenn wir die Zahl der grundsätzlich zu lösenden technischen Problem« betrachten. Di« klassischen Probleme der Technik sind heut« grundiätzlich gelöst: wir haben uns natürliche Kraftquellen«rschlossen während wir früher kein' besaßen; wir haben gelernt, unS zu Land, zu Masst und in d«r Lust mit maschinentcchnüchen Hilfsim tcln zu bewegen, was wir irüher nicht konnte«. Wir könnnen mit Hilfe des elektrischen Stroms Nachrichten mit unerhörter Geschwindigkeit austauschen, waS früher n'chr möglich war Wir haben auch all« handwerkliche». Arbeitsverfahren heute technisiert. Wr sind also in b«;ug auf die grund'ätzliche Lösung der Probten»«, die zu löstn überhaupt Sinn und Verstand hat- tatiächl'ch am Ende angelangi und dürfen mit Eugen Dststl di« beiden hinter uns liegenden Jahrhunderte als dir klassischen Jahrhunderie der Technik bezeichnen Dennoch ist die eingangs- gestellt« Frage Mit einem glatten,.Ne i n zu beantworten. Di« groß« Zukunftsaitsgabe ist di« Verbesserung und d«r Ausbau u ns«re r tech nisch«n Hilfsmittel selbst. Aus ihr heraus erwachsen den kommenden Generationen Arbeitsmöglichk«it«n die in ihrem Umfang heut« noch nicht annähernd überblickt werden können AUS'ihr heraus entsteht«in« fast unübersehbare Fülle von Einzelausgaben,-di« in ihrer Gesamtbeit Problem« darstellen wir st« kaum «in« Zeit zuvor zu lösen halt«, Probleme, di« aber Marke„Verband zur Wahrung allgemeiner touristischer Interessen", erhältlich beim Reichsausschuß). Ferner als Einzelfahrcr auf den elektrischen Bahnen in den Tatra-Orten rme 83prozen- tige Ermäßigung. Auf verschiedenen Straßenbahnen(Gruppenfahrten). Bei Ausflügen auf den Elbe-Dampfern. 6. Vorteilhafte BersicherungSein- Dichtungen. Die Mitglieder sind bei allen touristischen Unternehmungen gegen Unfall versichert. Zusatzversicherungen gegen geringen Prämienzuschlag. 7. In vielen Ortsgruppen bestehen Unterabteilungen bezw. Sektionen zur Pfleg« dcS Ju- qend- und KinderwanhernS, des Kletterns im Fels, für Wintertouristik, Wasserwandern, Wan- dermustk, Natur- und Heimatkunde, Photo- und Lichtbildwefen, Wander-AuSkunftei und Urlaubsberatung, Samariterabteilungen, ferner stehen reichhaltige Bibliotheken zur Verfügung. 8. Zwei touristische Zeitschriften, das Verbandsorgan„Berg Fr et!" mit wissenswerten Mitteilungen aus dem Vereinsleben und„D e r Naturfreund" mit guten Aufsätzen und Illustrationen. 9. Die Gegenleistung der Mitglieder für di« angeführten Einrichtungen bestehen in einem geringen Jahresbeiträge bi- 26 Kronen, einschließlich der Ortszuschlages. Willst du den gesundheitlichen Gefahren der modernen BerufStätrmeit«ntgegenwirken, dann tritt ein in die Reihen des Tourist«nvercin«s „Die Naturfreunde" und arbeit« mit ihm im Dienst« der Menschheitsbefreiung und des kulturellen Aufstieges! Du bist uns als Wandergefährte und Mitarbeiter willkommen! befriedigend nur mit politischen und sozialen Fragen zusammen zu lösen sind. Ein kurzer Rundblick auf dies« Probleme mag «inen Begriff von ihrer Vielgestaltigkeit- und ihrer weltumspannenden wirtschaftlichen Bedeutuiig geben- Im Verkehrswesen steht das Auw noch ganz in den Anfängen seiner Entwicklung. Der Ausbau der Straßen für höhere Geschwindigkeiten und Lasten stellt eine Riesenaufgabe der Zukunft dar. Daneben wird sich ein umfassender Ausbau der Lustverkehrs- wege> die Schaffung von Landeplätzen, die Beleuchtung und Signalisierung der Lüftverkehrsweg«,' di« Errichtung künstlicher Zwischenlandeplätz« für den Ozeanverkehr ustv. anbahnen. Das Problem des Leichibau-ErsenbahiUyagens Harrt seiner Lösung. Schnellade- und Entladeeinrichtungen in den Häfen werden entstehen. Das Rohr wird als Transportmittel für di« verfeinert« Energie(Gas) gewaltig an Bedeutung gewinnen. Der Transport von Kohlenstaub durch Rohrleitungen über weit« Entfernungen bahnt sich an. Neu« Forme»» des Güterverkehrs auf der Schi«»« werden«rschlosien: der Behälterverkehr ist im Werden, der kanirenlose Milchtransport in mit Glas ausgekleideten Tankwagen ist in Amerika bereits bekannt, Der Transport der industriellen Gase im verflüssigten statt gasförmigen Zustand stcht in seinen Anfängen. Im Nachrichtenwesen wird das Frrnkino und vielleicht in absehbarer Zeit auch das Fernsehen neuen Möglichkeiten bringen. In der E ne rg i ew ir t s ch a f t bildet der inwrnaiionale Austausch elektrischer Energie ein großes, bedeutendes Problem. Di« Versorgung Dänemarks, Schwedens und Norddeutschlands mit norwegischer Wasserkraft wird ernstlich erwogen. Di« Elektrffizierung der Landwirtschaft und des Haushalts steht bevor. Neu« Elektromotoren, di« halb so schwer wi« di« heutigen sind und an jedes Netz angeschlossen werden können, sind im Werden. Di« chemische Gastechnik bi«t«t ein« Reihe überraschender neuer Möglichkeiten. Ganz neue Industrien werden in der Ab- fallwirtschaft erstehen. Wir»rrwenden heute schon Kleine Reportagen. Di« endlose Schraub«. Daß in der Natur«in Schädling den andern .'«kämpft und vernichtet, ist nicht unbekannt, und daß der Mensch aus dieser Tatsache Nutzen zieht, »ersteht sich von selbst— wozu hätte er denn seine Intelligenz! Auf Jamaica har Jahre hindurch die sogenannte„schwarze Fliege" di« Pflanzungen außerordentlich schwer geschädigt und große Mißernten hervorgerufen. Dies« Flirgenart hängt sich in großen Massen vor allem an di« Obstbäume und saugt ihnen den Saft aus. Die Bäume verkümmern und sterben schließlich ganz ab. Man hat nun ein Mittel gefunden-, um dies« Pest wirksam zu bekämpfen, und zwar in der Gestalt einer kleinen Wespe, di« an sich auch kein besonders sympathisches Geschöpf ist, aber die lobenswerte Eigenschaft hat, der schwär- zen Fliege zu Leibe zu gehen. Dies« Wespe gab es auf Jamaica bisher nicht— man hat einige hunderttausend Eier eingeführt, und sobald st« ausgekrochen waren, nahmen sie den Kampf gegen dir schwarze Flieg« auf. Sie führen den Krieg auf folgende Art: Mit ihr«m Stachel bringt di« Wespe der Fliege ein Loch bei, in das st« ein Ei legt. Rach kurzer Zeit entwickelt sich aus diesem Wespenei ein« Larve, nutz pn dieser Larve geht di« Fliege zugrund« Sitz wird nämlich von ihr einfach ausgefressen. Di« Sie Abfälle per Kohlenveredlung für d«n Straßenbau(Teer), zur Erzeugung von Isolatoren usw. Wir werden künftig aus Stroh Oel«, aus ausgedroschenen Sichren Essigsäure, auS Holz tierische Futtermittel, aus Sägemehl Kunststoff« aller Art erzeugen können. Neu«.Möglichkeiten bietet auch,die Kälteindustrie: di« Einführung der festen Kohlensäure «Trockeneis) als Kältemittel steht bevor und wird wesentliche Neuerungen auf dem Gebiet der Kühlhäuser und der Kühlwagen, aber auch in d«r Hygiene des Haushalts und der Hauswirtschaft zur Folg« haben,‘..... Der Landwirtschaft erwachsen, abgesehen von der Mechanisierung aus der Notwendigkeit der Standardzüchtung und der Edelzucht»reu« gewaltig« Aufgaben. Sie wird ferner künftighin stärker als Erzeuger industrieller Rohstoff« (Stroh, Milch für di« Erzeugung plastischer Massen, Hohmehl, Rohstoff« für Gummiersatz usw.) in Betracht kommen.— In der B a u w i r t s ch a f t gewahren wir«ine vermehrte Verwendung von Stahl und Glas, wir scheu das Auskommen n«»»«r Leicht- hcustoffr, Fernheizung und Druckgasversorgung werden weitere Aufgaben bieten.— Im Bergbau bahnt sich die kontinuierliche Kohlenförderung„am laufenden Bandts an. Für di« Bewältigung all dieser Aufgaben wer- Armer Teufel. In einer klein«» holsteinischen Stadt berichtete das Lokalblatt:„D" Stadtrat beschloß, einen Hydranten aufzustellen." Am nächsten Tag traf im Magistrat folgender Brief ein:„Sehr geehrter Herr Bürgermeister! Wie ich aus der Zeitung ersehe, be- absichkigen SH«, in unserer Stadt einen Hydranten aufzustellen. Da ich unbescholten und arbeitswillig bin, erlaube ich mir, mich um den Posten des Hydranten zu bewerben. Landwirtschaft 1932/33. Einem Regierungsbeamten, der sich auf der Inspektionsreise durch den Bayerischen Wald befand, klagt« ein Kleinbauer sein wirtschaftliches Leid. Der Beamte notiert« sich Punkt für Punkt. Schließlich aber schüttelt« er den Kopf und ftagte:„Sagen Sie, wie ist es denn überhaupt möglich; daß Sie i»Nter diesen Umständen den Hof noch halten können?" Der Bauer zeigte auf seinen Knecht. „Sehen Sie, dieser Kerl arbeitet für mich. Aber ich kann ihn nicht bezahlen, und so geht der Hof nach ungefähr stvei Jahren in seinen Besitz über."— „Ja, und dan»?!"—„Dann arbeit« ich für ihn als Knecht bis der Hof wieder mir gehört..." Deutsche, kaust deutsche Waren... Wie jetzt- bekannt wird, hat die Mehrzahl der 2 o l i ng e r Rasierklingen-Fabrikanten die Fabri- kation inS Ausland verlegt. Die Steuerbelastung soll dabei ein« wesentlich« Roll« gespielt haben. Der Patriotismus der Industriellen, die doch überall so dringend den Konsum einheimischer Waren fordern, scheint auch überall gleich weit zu gehen. FafeiSmuS und Mod«. Wenn die schön« Italienerin patriotisch sein will, dann muß st« ihr Haar so verunstalten, wi« eS ein faseistisch übergeschnappter Friseur in Rom ausgeheckt hat. Er erfand nämlich di« Methode, wie man aus dem natürlichen Kopsschmuck das Symbol drS Faseismus, das Liklorenbündel mit Beil und Rute, bildet. Es sieht natürlich scheußlich aus— aber der Friseur ist auf dem Weg«, Millionär zu werden, denn wer getraut sich in Italien, nicht patriotisch zu fein? Der arme Reich«. In einer große»» englischen Tageszeitung erschien folgende„erschütternde" Briefkastenanfrage: „Ich bin 62 Jahre alt, habe ein ständiges Jahreseinkommen vot» 10.000 Pfund, habe ein Schloß mit märchenhaft schönem Park. Das Vermögen aber macht mir gar keinen Spaß, denn ich finde In dem Geld allein nicht das richtig« Glück im Leben. Mein Dasein als Millionär befriedigt ntich nicht. Ich fühle mich trotz meines Reichtums einsam. Meine Frau und»nein Sohn sind zur Erholung weg- Larve aber wird zur Wespe, bohrt weitere Fliegen an, die ihrerseits wieder— und so weite». Alle drei Wochen entsteht ein neues Wespengeschlecht, und die Einwohner von Jamaica erwarten, daß diese gelben Polizisten in Jahresfrist mit der schwarzen Fliege vollständig aufgeräumt haben. Großartig! Aber— was tun dann di«'Wespen, wenn kein« schwarzen Fliegen mehr da sind, in die sie ihre Eier legen können? Da sie auf das Geschäft des Eierlegens nicht werden verzichten wollen, suchen sie sich vermutlich andere Ablagestellen, was, je nachdem, für Jamaica fatal werden kann ES geht möglicherweise wie im Faust:„Den Bösen find sie loS— di« Bösen sind geblieben!" Sie werden dann vielleicht gezwungen sein, irgendein anderes Insekt einzuführen, das der Wespe zu Leibe geht, und wenn dann dieses andere Insekt seine Aufgabe erfüllt hat, wieder ein anderes, und so weiter In Kritzendorf bei Wien, einem Badeplatz an der Donau, haben di« Badegäste jahrzehntelang unter der Mückenplatze — in Wien heißen sie Gelsen— gelitten. Nun haben fie einige hundert Fledermäuse angesiedelt, und die haben tatsächlich in zwei Jahre» unter den Mücken derart aufgeräumt, daß der Strand von Kritzendorf als mückenfrei angesprochen werden kann. Aber bei dieser Gelegenheit haben sich di« Fieder- mäuse derart vermehrt, daß sie nunmehr eine Landplage geworden sind, und die Kritzendorfer Gemeindeverwaltung berät, ob sie jetzt nicht estrige Dutzend den Maschinen gebraucht, Motoven, Transportmittel, Werkzeugmaschinen, Kältemaschinen, Maschinen und Geväte für di« chemische Industrie. Di« Feinregelung technischer Arbeitsvorgänge stellt ungeheure Probleme. Fernsteuerung und Automatisierung erfordern neu« Geräte und Apparaturen, kurz, die Maschinenindustri« wird qu§ dieser Entwicklung gewaltige neu« AvbeitSmöglichkeiten schöpfen können. Das wichtigste Kennzeichen aller dieser neuen Maschinen und Industrie« ist, daß sie«ine Verbesserung und Verfeinerung der bekannten technischen Hilfsmittel und Verfahren darstellen. Sie wirken also nicht im Sinn« einer Erhöhung der Güterproduktion, einer Vergrößerung der erzeugten Gütermengen, sondern einer Inten- sivierurtg der Arbeit dadurch, daß man zwischen Rohprodukt und Fertigerzeugnis«ine größer« Zahl von Beredelungsstufen setzt; als bisher bestand. Diese neuen Beredelungsstufen sind inne r« Märkte, sie stellen neue Verbraucher dar. Natürlich gehört zur Ankurbelung dieser Entwicklung internationale Verständigung und— Geld, und deshalb wird der Techniker, der sich diosen gewaltigen Aufgaben gegenübersieht, warten müssen, bis die Krise unserer Zeit verschwunden ist. Wird er läng« warten müssen? Ch. S gefahven. Drei Personen meiner Dienerschaft sind in Urlaub, der vierte Diener hat fich krank gemeldet-und liegt im Bett.- Seit zwei Wochen läutet das Telephon nicht mehr. Was habe ich von meinem Geld«, wenn ich stets einsam und verlassen bin? Vielleicht kann jemand von Ihren Lesern mir einen Rat geben..."— Wir schlagen vor: der arm« Millionär wechselt seinen Beruf und wird Stempelbruder. Vielleicht ist ihm dann Wohles.-' Statistik des Schmuggels. • Das Kölner Landesfinanzamt gibt bekannt, welchen ungeheuren Umfang der westdeutsche Schmuggel- angenommen hat. In einem einzigen Vierteljahr Wurden 8000 Schmuggler an der Westgrenze gefaßt, 10.000 Strafanzeigen wurden erstattet. U. a. konnten di« Beamten drei Millionen Zigaretten, 26.000 Kilo Kaffe«, 65.000 Kilo Zucker, 24.000 Kilo Getreide und 30.000 Kilo Mehl beschlagnahmen., Wie groß mag erst die Statistik der nichtgefaßten Schmuggler und Schmuggeüvaren sein? Di« Ehamäleon-Presse. In Djam werden die Tageszeitungen nur am Dienstag, Mittwoch, Freitag und Sonnabend auf weißem Papier gedruckt; am Montag jedoch auf gelbe»», am Donnerstag.aus grünem am Sonntags liuf. rpsa Papier. Man müßte dieses System Pvangs- weis« bei u nS einsühren—.für solch« Blätter^ die./bisher nur inhaltlich dauernd di« Farbe gewechselt haben. Di« rettend« Grenze. In Offleben, im braunschweigischen Kreis Helmstedt, pfändete der Gerichtsvollzieher bei einem Bauern zwei Schweine und kleb:« zum Zeichen dieser Amtshandlung seinen Kuckuck an die Tür des Schwe nestalls. Als der Bersteigerungsiermin herannahte, wollt« der Gerichtsvollzieher die Schweine abholen. Aber sie wäre»! verfchtvnnden. Der Bauer hatte sie längst geschlachtet, gegessen, verkauft., ver- wurstet... Der arme Bauer schien unrettbar den».Strafgesetz verfallen. Aber er mach»«»ich aar keine Sorgen über den Prozeß, den»»an gegen»hn a«»- gestrengt Hatte. Und in der Tat konnte er im Termin ein Argument Vorbringen, das sogar dem Amtsanwal» einleuchtete; er erbrachte den Nachweis, daß sein Wohnhaus zwar noch;n Bra»n- ichtveig. sein Schweinestall jedoch schon zu Preuße» gehöre! Di« Grenze der beiden Länder führt mitt«»» durch sein Gehöft. Der Gerichtshof konnte sich dieser Beweisführung nicht verschließen, und in der Begründung des Freispruchs hieß es. ein Gerichtsvollzieher des Freistaates Braunschweig habe, in einem preußischen Schiveineitoll nichts zu suchen. Ela.. Uhus in den Donau-Auen anfiedeln soll, die den Fledermäusen auf den Leib rücken ll»»d nach den Uhus? Der. Zigeunerkönig in Sing-Sing. Der„König der New Parker Zigeuner" wurde zu zehn Jahren Sing-Sing verurteilt, weil er die Tochter seines Rivalen, der ihm seinen Thrckn streitig macht, geraubt und mißhandelt ha«.„König" Stephan Kaslo, übrigens ein« bekannt« Erscheinung der New Porker Straßen, machte vor dem Gericht geltend er hätte in Erfahrung gebracht, daß das Mädchen, di« Triebkrast der Obstruktion ihres Vaters gegen fein« von allen 10.000 New Parker Zigeunern anerkannte Herrschergewalt gewesen sei. Deshalb hätte er den Entschluß gefaßt, sich des Mädchens zu bemächtigen. Das Gericht zeigte indessen wenig Verständnis für diese Verteidigung und verurteilte den„König", zu der genannten hohen Strafe. In einer von über 500 Zigeunerdelegierte». besuchten Versammlung wurde dem„König" da- Beileid zu seinem Mißgeschick ausgesprochen Gleich zeitig wurden das Mädchen und ihr Vater, der sich bereits als neuer Herrscher dünkt«, aus dem Bee- band d«r New Parker Zigeuner ausgestoßen- wurde beschlossen, nur einen Regenten zu best llen und die„Königswiirde^. auch»veiterhin dem Sing- Sing-Kandidaten zu belassen. Touristenv"rein„Die Naturfreunde^ Reich rausskhutz- Sitz Aussig a. 8. dte xe^ntt noö> Arvett? Nachdenkliches über die Wege und Werke der Technik und ihre Grenzen.— Der Hammer in falschen Händen.— Di« technischen Aufgaben der kommenden Jahrzehnte. Vanoptttum der Äett. nne Ernstes. Nr. t Sonntag, 1. 1988 Seit« 11 Der letzte Dollar des Arbritslo'en. Wie Poste«fuche«de in Amerika beschwindelt werde«. Bon Allen Raymond(New Dort) ntiicx brr Arürügober eu.spricht und daß ihre Adsol- Pretz oud'Ausweis. »verband der Eisenbahner" spendete für den; Preßfonds anstatt eines Neujahrsiriscrates 500. Kronen. Kleines Dadfwerk Mir den Jahresanfang. Um Neujahr herum stellt die Hausfrau gern schnell und billig zubereiteten Kuchen her. Sehr hübsch sehen die„Spiegeleierkuchen" aus. Man nimmt einen einfachen Mürbeteig, den man ausrollt und mit einem Glas zu runden Kuchen aussticht. Dies« werden hellbraun gebacken. Man be streicht sie nun mit einer Schicht Schlagsahne, die gut mit Zucker und Vanille abgeschmeckt ist. Aprikosen werden halbiert, eingezuckert und dann in die Mitte jedes Kuchens gelegt. Auiskuchen. Bier ganz« Eier werden mir einem halben Pfund Zucker schaumig gerührt, dann gibt man ein halbes Pfund Mehl und einen Teelöffel seingsstoßenen Anis hinein. Eine Platt« wird mit kalter Butter bestrichen. Dann setzt man den Teig mit einem Teelöffel in kleinen Häufchen in gehörigem Abstand daraus. Sie müssen zwei Stunden stehen bleiben, damit das Eiweiß obenauf rin« Schicht bilden kann. Erst dann stellt man ste in den Ofen und backt sie ganz hell. Biskuits. Drei Eier wiegt man auf und nimmt das gleiche Gewicht an Zucker und Mehl. Da« Eigelb und der Zucker werden zunächst schaumig gerührt, dann rührt man das gesiebt« Mehl abwechselnd mit dem sieifgq'chlagenen Eiweiß hinein. Man gibt den Teig nun in ein« Spritze und spritzt länglich«, fingerdicke Stangen auf«in gut gefettetes Backblech. Man bestreut di« Stangen mit Streuzucker und backt ste bei schwacher Wärm«, da sie ganz hell bieiben müssen. Diese BiÄuitS sind ausgezeichnet zu feinem Nachtisch, zu Obst und Eis. Mandelspritzkuchen. Zu diesem Gebäck wird nur das Eiweiß verwendet. Man verrührt zwei Eiweiß mit löt) Gramm Zucker mit Hilfe einer Gabel zu einer steifen Masse, der man dann löt) Gramm abgezogene, gerieben« Mandeln zusetzt. Der Teig wird gut verarbeitet und dann durch eine Spritz« in Kranzfovm auf ein gut gestrichenes Backblech g«- ssp ritzt. Dies Gebäck ist-bei schwacher Hitze zu backen. Wickrlkuchen. Man rührt vier Eßlöffel Butter mit einem Tassenkopf Zucker sahnig und fügt zwei Eier hinzu. Dann mischt man zwei Tassenköpfe Mehl mit einem halben Teelöffel Backpulver und gibt es unt«r den Teig, dem man noch zwei Eßlöffel Sahn« hinzusügt. Ein Backblech wird mit gut gebuttert««, Pergamentpapier belegt, das man mit dem Teig bestreicht. Der Kuchen wird gebacken, bis er ein« gute Farbe annimmt. Dann stürzt man ihn auf ein mit Zucker bestreutes^ Papier, bestreicht" ihn mir Marmelade und rollt ihn aus. Tas. mutz aber sehr schnell gehen, La er sturst hart wirk Tie Roll« wird nach dem Erkalt«« in Scheiben geschnitten Vamllekuch«». 200 Gramm Butter werden zu Sahne gerührt, dann gibt man 200 Gramm Zucker, 1 Eigelb, 800 Grainm Mehl. I Teelöffel Backpulver und genügend.Vanillezucker hinzu, woraus man lang« Rollen von dem Teig rollt, die nian in Stücke schneidet und mit einem Löffel etwas ab- plattet. Sie werden in nicht zu heißem Ofen gebacken. Koriuthenbrot. Man mischt in 225 Gramm Mehl 1 Teelöffel Backpulver und pflückt dann 85 Gramm Butter hinein. Darauf werden. 100 Gramm gewaschen« Korin hen und 100 Gramm Zucker hineingeknetet und schließlich»och 8 Eßlöffel Milch in denen man 1 Ei verquirlt hat, hinzugeta» Wenn alles gut verknetet ist, k«tzr man mit dem Löffel klein« Häufchen auf ein gut gestrichenes Backblech die man goldbraun bäckt Stilblüten. 2m Buche„Wildbad als Kurort", von Tr. Paul ! Schober, Perlag Ernst Loebisch, Wildbad, beißt es: „Ununterbrochen und feiner natürlichen Reize«ich: beraubt, wirft sich das Thermalwasser vom warmen Busen der Erd« weg iu die weitgeöffneten Arme der Badczellen."' Ans dem Roman„Das Rärscl". von Eli« Rema: „Ihre brennend roten Ange» krümmten sich in Hohn." Aus dem Feuilleton der„Zieu«n Freien Presse", vom 19. Juni 1932:„Die Bildnisse des OÄar Wilde' von Emil Kläger: „Rach verbüßter Strafe verläßt der Dichter England und begibt sich»ach Paris. Tas Zuchthaus !- schwinnnt lautlos hinter ihm her." Aus dem Roman„Eine Insel mitten im Meer". ! von Aliee Gruner: „Christian Raalge beugte sich über den Boots- i rand und spuckte mir d«m Tabaksspeichel zugleich ein > aufsteigendes Lachen aus." „Aber sie halt« nicht geweint, sie erbrach nur das Wasser, das sie schluckt«, und dann lacht« sie ihn .- mit klappernden Zähnen an." Aus dem Roman„Theater um Maria Thul", von Otto Zarek(„Neu« Freie Bresse' vom 4. Sep- t-mtz-r 1982): „Ihre Augen lachten; dann ihre schmutzig-gelben Zähne und der Fettansatz vom Kinn."' AuS der„Neußer Zeitung": Gestern feierten die Eheleute Johann Cremer und Magdalena geb. Moclders aus Büttgen-Weiler- Höfe dar Fest ihrer goldenen Hochzeit. Das Jubel- ' paar ist 78 Jahr« alt und selten frisch und rüstig. ! Zwei Söhne fielen im Weltkriege.— Wir aratu- Itcren noch nachträglich! Zwei Schlveistern, sechzehn und achtzehn Jahre alt, durch den plötzlichen Tod ihres Baters ge- pvungen, ihr Studium aufzugeben, fuhren nach New Dori, wo sie noch am«heften Arbeit zu finden hofften, und wurden durch die marktschreierischen Airkündigungen einer„Mannequin-Schule" im vornehmsten Geschäftsviertel der Metropole angelockt. Sie bezahlten je 25 Dollar an Lehrgctzühren, wofür »«.„gründliche Ausbildung in dem neuen vornehmen Berufe für junge Frauen und Mädchen" erhalten ollten.„Erste Mannequins', so versprach der Prospekt,„verdienen bis zu 150 Dollar in der Woche. Anfängerinnen erzielen leicht 40 bis 85 Dollar di« Woche." Abgesehen von diesen verführerischen Berdienstmöglichkerten malte der Prospekt in leuchtenden Farben die Aussichten auf ein Leben in >cn Höhen der Gesellschaft, wobei di« Möglichkeit, di« allerelegantesten Toiletten ohne Bezahlung zu erhalten, eine gewichtige Rolle spielte. Di« Schülerinnen würden in der„Anmut des Ganges, der Haltung und der Persönlichkeit" ausgebildet werden, so daß sie nach Absolvierung der Schule dank ihrer io erzielten„Anmut und gesellschaftlichen Beliebtheit" ein«„natürliche Ueberlogenheit über andere Frauen" erlangt haben würden. Die beiden Schwestern fanden, daß der Kursus keinerlei Anforderungen an den Verstand stellt« und eigentlich nur aus dem Hin- und Hergehen in einem Zimnrer, der Vorlesung einiger„Lektionen" über Körperküttur und Schönheitspflege und einer Besprechung mit der„Sachverständigen" des Institutes bestand, einer älteren Dam«, die einen„Liebling" nannte und einem Ratschläge über die beste Art, sich zu pudern, den Lippenstift zu verwenden und sich zu frisieren erteilt«. Sie waren entmutigt und auch das prachtvoll ausgestattete Abgangszeugnis gewährt« ihnen nur geringen Trost. Nichtsdestoweniger machten sie sich, ausgerüstet mit einer ihn«» von d«e Schule zur Verfügung gestellten List« von Modefirmen, unerschrocken auf die Postensuche. Einig« Firmen hatten tatsächlich schon von der„Mannsquin- 'chule" gehört, dachten aber nicht im entferntesten daran, bei der andauernden GeschäftSflauheit neues Personal aufzunehmen. Alle Versprechungen erwiesen sich als Täuschungen. Die beiden erfuhren, daß Mannequins nicht annähernd die ihnen genannten Beträge verdienen und daß es in New Dort tausende junge Frauen und Mädchen gibt, die bereits erfolgreich als Mannequins tätig waren und trotz all«n Bemühungen keinen Posten finden können. Sie sahen auch keine Möglichkeit, ihr Geld zurück zubekommen. Mit Worten hatte man ihnen zwar versichert, daß si« Arbeit finden würden. Aber gedruckt stand in dem Lehrvertrag zu lesen:..Di«, <-tck>"l->-mrantivrt, daß ihr Lehrgang den Erforder- ventinnen aus diesem Grunde von den besseren Modefirmei: bevorzugt werden. Di« Absolventinnen werden von der Schul« zur Kenntnis gelangenden offenen. Stellen benachrichtigt werden wenngleich biei« kein Arbeitsvermittlungsbüro ist."■ Tic Schwindelschulen, gewillt, jedermann, der zahlt, in jeder beliebigen Kunst, in jedem beliebigen technisch«» Berus, kurz ist jedem beliebigen Zweig des Erwerbslebens ohne jede Rücksicht auf di« Eignung des Schülers auszubilden, haben niemals ein« größer« Ernte eingeheimst als heute, da Millionen Menschen ihre Posten«rloren haben und verzweifelt Verdienstmöglichkeiten suchen. Ta wurde zum Beispiel vor kurzem in Newark eine„Schule für A u t o w a s ch« n" ausgehoben, in der cs ein findiger Garageltbesitzer zuwege bracht«, sich von ein paar Arbeitslosen beschränkter Intelligenz für das Vorrecht, arbeiten zu dürfen, bezahlen zu lassen, anstatt dies« zu bezahlen. Es gibt heute mehr Tricks, durch di« arbeitslose Frauen und Männer um ihre Ersparnisse gebracht :verden, als in einem einzigen Aufsatz aufgezählt iverden können. Auch sonst durchaus erlaubt« und übliche Geschäftsmethoden verwandeln sich zu betrügerischen Praktiken Da ist vor allem der Kautionsschwindel. Tie Männer, die sich„cajh-bon"— Kaution— stellen lassen, find oft.„auf der Reise befindliche Unternehmer"; und siereisen auch in der Tat weit und rasch— nachdem sie ihren Opfern das Geld aus der Tasche gelockt haben. Ein solcher Betrüger annoncierte zum Beispiel in der„Offene Stellen"- Rutzrik einer Tageszeitung in Indianapolis:„Ausgenommen drei Männer mir Autos; hohes Gehalt und Provision. Borzustellen Dienstag halb neun Uhr abends, Blank Building Zimmer 517 bei Morris." Herr Morris erklärte etwa fünfzig Bewerbern, daß er die„Welkpvoduktcngcsellschaft" in Svracuie vertrete, di« elektrisch« Haushaltsartikel erzeuge. Er verlangte von jedem Bewerber ein« Kaution von 30 Dollar mit der Begrütchung, daß diesem Musterwaren und Geldgebarung a»vertraut sein würden, und erhielt sie in den weitaus meisten Fällen. Rachfovichungen ergaben, daß die„Welt- produktengeselksthafr" nur in der Phantasie des Herrn Morris existierte, dessen wirklicher Name ein ganz anderer war und dor heute eine Zelle im Zucht- haus von Chillicoathe in. Ohio bewohnt, lediglich weil ein einziger Bewerber Verdacht gegen ihn geschöpft hatte. Der Betrug nril der„Vergebung von Alleinvertretungen" muß ein wenig sorgfältiger in Szene gesetzt werden als der Kautionsschwindel. Er kann auch von einer«hemals an ständige» Firma gedeckt werden, die durch die Un- fähststcit, ihre Warenlager loszuwerden,’jju solchen Praktiken getrieben wird. In dem verzweifelten Existenzkampf von heut« Hat schon mancher Geschäftsmann von durchschnittlicher Geschäftsmoral zu ver« sanglichen Mitteln feine Zuflucht genommen. Scheinbar schließt der Alleinvertretungsschwindler mit seinem Opfer«inen Vertrag, in dem diesem ausschließlich« Verkaufs rech de für di« zu verkaufende Ware für ein Jahr gewährt werden. In Wirklichkeit verpflichtet der Vertrag den Vertreter zur Abnahme einer sehr großen Warenpostens, den der Betrüger, wi« er wohl weiß, sonst unter keinen Umständen loswerden kann, verteilt auf zwölf Monat«. Wenn der Vertreter eine Zahlungsfrist nicht«inhält. wird der Vertrag automatisch außer Kraft gesetzt. Manchmal vollzieht sich das Schwindelmanöver auch so, daß der Vertreter einen Prozentsatz■ etwa 10 Prozent— von seinem Jahresumsatz zu bezahlen hat. Ein Beispiel möge dies« Schwindclpraktiken näher erklären. Ein kaufmännischer Angestellter in ehemals gehobener Stellung übernahm nach seinem Abbau di« Alleinvertretung einer Firma, die Weintraubensaft erzeugt«, für di« Stadt N«w Hork. Er unterzeichnete einen Vertrag, in dem er sich verpflichtete, Ware im Werte von 30.000 Dollar im Jahr atz- zunchmen, und«rl«gte sein« ganzen Ersparnisse im Betrage von 2000 Dollar als erste Anzahlung. Zum ! Abschluß eines solchen Vertrages hatte er sich vor i allem bewegen lassen, weil ihm in Aussicht gestellt worden war,»atz sich der Weintraube nsaft leicht zu Wein vergären lasse. Wer Analysen zeigten bald, daß di« Ware für diesen Zweck ungeeignet war. Präsident und Geschäftsführer der Erzcugerfirma wurden wegen Betruges verurteilt. Ein anderer in diese Gruppe fallender Betrug ist der Teil Haber schwindel. Arbeiter und Ange stellt« mit einigen Ersparnissen fallen auf ihn immer wieder herein. In New Jork und in anderen amerikanischen Städten gibt es Hunderte„berufsmäßige Kompagnons', die schon viele ehrgeizige unglückliche Partner um ihr« Erfparnisie brachten. All« diese betrügerischen Manöver kommen jedoch kaum für die groß« Masse" der Arbeitslosen in Betracht. Die meisten Arbeitslosen suchen einfach «ine Arlbeitsstellc. Und so sind«s di« skrupellosen Stellenvermittlungsbnros, denen di« meisten Arbeitslosen zum Opfer fällen. s Der springende Punkt ist gewöhnlich di« „M a n i p u l a t i o n 8 g« b ü h r", die der Agentur bezahlt werden muß und deren Rückzahlung der Stellensuchende nicht v«rlangen kann. Di« für Stellenvermittlungsbüros im Staate N«w?)ork geltenden Gesetze schreiben Mar vor, daß von den Stellensuchenden keiirerlei Geldleistungen verlangt werden dürfen, bevor ihnen Arbeit beschafft worden ist. Es wurde daher üblich, daß die Büros«inen bestimmten Prozentsatz des ersten Arbeitslohnes oder Gehaltes von den Pastensuchenden einhoben. Als di« Krise mit aller Macht einsetzt«, wurde es vielen Slellenvermittlungsbüros, die bis dahin große Verdienste erzielt hatten, vollkommen unmöglich, ihren Klienten Arbeit zu beschaffe», und si« sahen sich der Gefahr des Zusammenbruchs gegenüber. Aber anstatt zuzusperren, ging«in Büro nach dem andern zu jenen Praktiken über, die bereits 1929 und anfangs 1930 von unbefugten Agenten geübt worden waren— dem des BricfeschreibenS an Arbeitgeber, in welchen di« Talente der Postenfnchenden ange- pricsen werden. Untersuchungen Haden sestgestelli, daß ArbcitS- lcse schon Beträge bis zu 325 Dollar für das Schreiben und Versenden von BewevbungSbriefen an Unternehmer durch sogenannt« Sachverständige bezahlt Hatzen. Di« Art der angestrctzten Stellungen — leitende Angestelltenposten rechtfertigt« an»! geblich die Höhe der verlangten Honorare. Aber auch schon für w«it kleiner« Beträge— 15 bis 25 Dollar — toerdcn Bries« an hundert« Arbeitgeber verfaßt und ausgesandt. Biele StellerwermittlungSbüros richteten eigen« Abteilungen für diesen„brieflichen Dienst" ein. Zweifellos hatten di« Besoerbungs- schreitzeu in einigen Fällen Erfolg. Ätzer in der Mehrzahl ist der„briefliche Dienst" doch nur auf betrügerischer Grundlage aufgetzaur. Von einigen Büros wurden so flüchtig vervielfältigt« und auf schlechtem Papier abgezogene Briefe, di« noch dazu schwulstig und unsachlich abgefaßt waren, auSgesandr, daß sie«her gegen alS für den Postensuchenden sprachen. Der New Dorier Kommisiär für das Lizenzwesen mußt««rst einen langen gerichtlichen Kampf gegen- diesen Mißbrauch führen, bevor seine Verfügung, daß Stellenvermitllungstzüros auch für das Verfassen und AuSsenden von Bewerbungsschreiben nur von jenen Klienten, di« durch ihre Tätigkeit«ine Stell« erhalten, Bezahlung verlangen dürfen,, in Rechtskraft erwuchs., (Einzig autorisierte Uetzersetzung von Leo Aorten.) iiiiiiiiiiniiiiiiiHiiiiiiiHiiHniiNiiNiiiniiiiiiiiiiiiniiiiiiiiiiHiiiiniiiiiiiiiiiHiifiniiiiiii»i(iHititNHiinu VERLANGET UEBERALL Seite 12 Sonntag, 1. Jänner 1933 Nr. 1 tnofümienl WWW ÖTW5 ?> rbro- Mtleilungen aus dem Publikum. erschöpft waren, nm der Führer erstattet« Barum Husten Sie? Eine etwas ungewöhnliche Frage, aber berechtigt gestellt. Wir alle wissen, daß die ersten Folgen von Verkühlungen Hustenreiz und Halsentzündungen sind, Folgen, die man niemals unbeachtet lassen soll, weil st« oft langwierig« Krankheiten, manchmal sogar unheilbar« Leiden nach sich ziehen. Wen« wir aber ftagen:„Warum husten Tie?" so deshalb, weil es ein Mittelgtbt, mit welchem Tie sich gegen Husten uttb Heiserkeit, auch gegen Katarrh« der Luftwege und aller Folgen dieser, schützen können. Die kleine„L a k e r o l"-Tablette, die man im Munde zergchen läßt, überzieht die feinen Schleimhäute de» Mundes und Rachens mit einer dünnen, desinfizierenden Schicht, außerdem bilden sich antiseptisch wirkende Dämpf«, die in alle Verzweigungen der Luftweg« eindringen und eindringende sowie bereits vorhandene Krankheitskeime vernichten. Versuchen Sie nur einmal„8a. kerol" und überzeugen Sie sich von der großartigen Wirkung dieser Tablette. Bedeutende Autoritäten auf medizinischem Gebiet haben sich anerkennend für„Lakerol" ausgesprochen und hunderte Künstler, Sänger und Schauspieler sind begeisterte Anhänger von Lakerol". In allen Apocheken und Drogerien stets vorrätig. Wo nicht erhältlich,. dann, I bitte, beim Generaldepot: Brauner« Apotheke„Zu»' weißen Löwen", Prag II.. Prikopy 12, bestellen 1832 tvrssen wir von der Verzlveiflung eines Herzens...? Konnten sie etwas ahnen von der TodeSsehnsucht einer unheilbar herzkranken Frau? Aus den hinterlassenen Papieren ging später hervor, daß Frau Henriette Bogel den Dichter Heinrich von Kleist beschworen hatte, sie von ihrem Leiden zu erlösen, und daß dieser selbst mit der Pistole an der Schläfe den Wog ans der wirr«n Zeit und dem simnostn Dichte rieben gesucht hatte. Hans Heinrich Strätner. UiMflrai tzn jeder Betrredsveri ammiung. jeder Gewerkschaftsversammlung, jeder GenossenschaftSoeriammlung, jeder Wählerversammlung, jeder Frauenversammlung, jeder volitische» Versammlung, jeder Versammlung oder Sitzung einer proletarischen Organisation soll« Ihr kür di« WMWlkltW Wchkkßk intensivste Werbearbeit leisten suchen. Sie sahen in einem abgelegenen Tal eine ungeheuer große Stadt mit Tempeln liegen, in der es aber kein menschliches Lebewesen mehr gab. Sträucher wuchsen in den verlassenen Straßen, Schlinggewächse umrandeten di« Mauern, nur Eidechsen und Schlangen huschten zwischen den Trümmern umher. Auf einem Platz mitten in der Stadt fanden sie die Kolonalstatu« eines Mannes,-er den Arm nach Novoen ausgestveckt hatte. Man sah noch di« Spuren einer hohen Zivilisation, aber von der Bevölkerung Waren keine Reste zurückgeblieben. Dann aber stieß di« Expedition an dem User eines goldhaltigen Flusses auf einen Jndianerstamm und trar den. Rückzug an, da di« Leute zu erschöpft waren, um den.Kampf aufzunehmen. Der Führer erstattete d-r Regierung ausführlichen Bericht über sein« -Feststellungen; dieser Bericht liegt noch heute in der Hauptstadt Brasilien»-und wurde seinerzeit^' von Fawcett gefunden und übersetzt. Nach einem Jahre stellte der Führer der ersten portugiesischen Expedition eine zweite, großer« zusammen und brach abermals auf, um die Ruinenstadt jetzt genauer zu erforschen. Aber von ihm und seinen Begleitern hörte man dann nichts m«hr. Seitdem sind Dutzend« von Expeditionen ausgezogen, um den Goldfluß und di« Ruinen der alten Sta-t zu suchen, aber die meisten von ihnen sind in den Urwäldern verschwunden und nie I wieder zum Vorschein gekommen. W. H. „Erst noch einen Schnaps! Rest weg und dann den Krug entzwei!" Auf der Stiege vor den Schlcrfkammern um- klainmerte die Frau(es handelte sich um eine -Henriette Vogel aus Berlin) den Arm des Mannes und fragte erregt:„Werden Sie morgen die Kraft dazu haben?" „Ja, Madame!" Der Wirt legte einen heißen Ziegelstein in das Bett der Frau. Er hörte nicht mehr das Klappern ihrer Zähne und das Stöhnen ihres Herzens. Nebenan öffnete der Mann das Fen- I ster. Der eisige Nachtwind blies die Kerze aus. i Mn Fluch drang in die Stille hinaus. Bald drückt« der Schlaf zwei Augen zu, die von dem Scherbenhaufen der Welt und des eigenen Lebens nichts mehr zu sehen wünschten. Am andern Morgen hing ein bleischwerer Novemöerhimmel vor den Fenstern. Aus dem Hof« klang das eintönige Geräusch des Hvlzhak- kenS. Der Fremde(wir könnten auch sagen: der Dichter Heinrich von Kleist) ging mit gesenktem Kopfe in der Wirtsstube auf und ab. Er betrachtete scheinbar aufmerksam die Fensterkreure, die Flaschen auf dem rohen Regal, di« Bilder an dm Wänden. Der Wirt guckte öfters, neugierig und beunruhigt, durch die Türspalt«. Gegen Mtt- tag kehrten Fuhrleute ein, die mit Weißbier auf dem Wege nach Potsdam waren. Kleist warf ein Goldstück auf den Tisch und wie» den Wirt an, die Leute mit Schnaps zu traktieren. Bald erfüllte Stimmengewirr die enge Stube. Kräftig« Witzwort« wurden dröhnend belacht. Di« Lustigkeit steckte auch den Mann und di« Frau, die sehr .bleich und krank aussah, an. Sie sangen am Ende sogar Berliner Gasten Hauer mit. In den frühen Nachmittagsstunden(die trübselige Dämmerung eines naßkalten Novembertages senkte sich schon herab) tönten aus der Richtung des Sees zwei Schüfst. Die Bierkutscher fanden die beiden Fremden, die am Mittag noch so ausgelassen lustig gewesen waren, in der und schüttelten die Köpfe. Was wußten sie, was der,,Krönen Hülle" verschollen. Der Forscher Fawcett seit sieben Iah reu verschwunden.— Gefangener eines JndianerstammeS.— Die Suche nach der Tempelstadt. Vor sieben Jahren begab sich der englische| Forschungsreiseirde Fawcett mit seinem Sohn und einem andern Begleiter nach den Urwäldern Südamerikas, um in diesen bisher unerforschten Gebieten nach alten Jndianerstädten und den Ueberresten einer vergangenen Kultur zu suchen. Sie begaben sich nach dem Matto Grosso, und seitdem hat die Welt nicht» mehr von ihnen ge hört. Mn Jahr nach ihrem Verschwinden wurde der Forschungsreisende Dhott auSgesanbt, um di« drei Verlorenen zu suchen. Auch er begab sich nach dem Matto Grosto, geriet aber hier unter feindliche Jndianerstämme und konnte nur unter größten Schwierigkei^i in die Zivilisation zu rückkehren. Nach desst was er erfahren hatte, mußte es als sicher angenommen werden^ daß Fawcett und seine Begleiter von den Indianern ermordet worden waren. Jetzt nach sieben Jabren aber ist die Hoff nung wieder aufgelebt, daß die Verschollenen doch noch am Leben sind. Ein Schweizer, der mehrere südamerikanische Dialekt« spricht, ist, wi« vor einiger Zeit in der Weltpresse kurz gemeldet wurde, aus dem Matto Grosso zurückgekehrt und erzählt eine ganz eigentümliche Geschichte. Er ist dort in ein Dorf gekommen und J&at mit dem Indianerhäuptling gesprochen. Wahrend dieser Unterhaltung hatte er einen etwa 65jährigen Mann mit weißem Haar und Bart bemerkt, der ihn prüfend anjah, aber ihn nicht ansprach. Als der schweizer ihn später fragt«, ob er portugie sisch spreche, flüsterte er nur rasch das ein« Wort: „Engländer". Da aber griff schon der Häuptling «in und schickte den weißen Mann fort. Nun jedoch war di« Neugier des Besuchers geweckt. Er hielt sich^hn Tage in dem Dorf auf und gab sich alle Mühe, das Vertrauen der Indianer zu ge winnen, damit sie ihm erlaubten, mit dem weiße« Mann zu sprechen. Vier Tage später fand er wirk lich die Gelegenheit. Und nun sagt« ihm der Alte, daß er Fawcett sei. Auch bat er ihn, sich mit dem Britischen Konsulat und mit einem Farmer namens Pagot in Verbindung zu setzen. Der Schweizer erfuhr auch, daß diestr Mann fett über fünf Jahren gefangengehalten wurde und daß der letzte seiner Begleiter im vorigen Jahr gestor ben sei. Seine Begleiter waren sein Sohn Jack und ein Engländer namen» Rimoll. Als Fawcett von diesen Begleitern sprach, geriet er so in Erregung, daß er nicht weitersprechen konnte. Er litt aber weder Hunger, noch war er krank, doch schien er völlig unter der Gewalt des Indianer häuptlings zu stehen. Der Schweizer versprach ihm, sich mit dem Brittschen Konsul in Verbindung zu setzen, und er hielt dies Versprechen. Er begab sich irach Sao Paulo und erstattete dem dortigen Brittschen Generalkonsul Bericht, g/g/WgftA/WWWWWWWVWWWVWVWWWWWWWWWWWWWWWWV Jetzt ist dieser Schllveizer Pelrjäger, Ratttn mit Namen, mit der Leitung einer Erpedittou betraut worden, di«-en verschollenen Fawcett aus der„Grünen Hölle" wie das Gebiet genannt wird, zurückholen soll. Ergreifend ist, daß die Gattin des Forschers niemals die Hoffnung aufgegeben hat, daß ihr Mann noch am Leben sei. Immer wieder hat diese Hoffnung durch allerlei Gerüchte und Erzählungen Nahrung bekommen. Jetzt aber wird sie Gewißheit erlangen, ob der von dem Schweizer Gefundene wirklich ihr verschollener Mann ist. Wenn es gelingt, ihn aus in Gefangenschaft zu befreien, wird es interessant sein, von seinen Schicksalen in der„Grünen Hölle" zu hören. In diesem Gebiet findet sich die gefürchtetste aller Giftschlangen, die leuchtertdgelbe Buschschlang«, die etwa vier Meter lang wird. Sie greift den Menschen sofort an, wenn sie ihn erblickt, nicht erst wenn sie gereizt wird. Ihr Biß ist unbedingt tödlich. Die Ruinenstädt, nach der Fawcett suchte, wurde vor 150 Jahren schon von einer Portugiesischen Expeditton gesehen, die in das Innere de» Londes vorgedrungen war, um Gold zu d schreiben Aerzte I fafagt eine große Menge Mk Sllkker vor. iss» Abschied Mm Leben. Man schrieb den 20. November 1811. Di« Menschen erschauerten unter dem frostigen Atem des Winters. Die Linden an Berlins breitester Straße ragten wie Reiserbesen in den dämin- rigen Abendhimmel. Eine Pferdedroschke kam aus der Gegend des Brandenburger Tores. Der Kutscher Putzte im Fahren die Laterne, hielt dann an«ftrer Straßenecke und ging mit der OÄkanne in den Kramerladen. „Lange Fahrt machen, Paule?" fragte der Mte hinter dem Ladentische. „Wat weeß ick...? Gesagt Harns«, nach draußen!" „Wen hafte denn inne?" „Eenen schönen Mann um dreißig und'n« ältere Fru, die aber nich seine is. N'Abend..." Die Fahrt ging noch dem Wannsee hinaus. Der berüchtigte märkisch« Schlamm war festgefroren und warf den Wagen hin und her, daß er in allen Fugen krachte und manchmal aus- einanderzubrechen drohte. Den Beiden unter dem rissigen Verdeck schien der Mund eingefroren zu fern. Der Frau klapperten die Zähne. Einmal sagte sie mit schwacher, zitternder Stimwe:„Mein Herz, mein Herz.. „Noch ein« kurze Spann« Zett, meine Liebe," antwortet« der Mann ihr gegenüber, ,chann tut keine Kälte, kein Schmerz Ihrem.Herzen mehr tveh." Das klang gar seltsam doppelsinnig, ahnungsvoll. Der Wirt einer Wegkncipe(sie hieß„Zum Sttmming") kam mit der Stocklaterne vor die .Haustür uüd leitete die Fremden über die zugige Diele in ein kleines, verräuchertes Gastzimmer. Die Magd brachte einen Arm voll Buchenscheite, die bald im Kamin hell aufloderten. Ein Tisch lourde vor das Glutloch gerückt. Aus dicken Gläsern dampfte heißer Rum. Die Lippen der Frau aber blieben blau, und ihre Haut schimmerte im fahlen Weiß. Aufmerksame Äugen hätten ihr anszchen können, daß sie herzkrank war. Der Kutscher trank einige Bittere zur Erwärmung, dankte überschwenglich für die Geldstücke, die ihm der Mann in di« Hand drückte, und gab dem Wirt ein Zeichen, ihm auf die Diele zu folgen. Dort flüsterte er ihm ins Ohr: „Eenen Taler hät se mi extra gieven. Für- die Fahrs eines deutschen Dichters'.n die Un.. sterb... lich... kett... hät he sägt." „Wat hät he sägt?" „Dp oll« Schlafmütze fällst mi fürn halben Taler Schnaps uP den Weg gieven!" schrie ihm der.Kutscher ärgerlich in die halb tauben Ohren. Der Fremde am Tische bestellte in rascher Folge immer wieder Rum. Seine Augen flackerten, und seine Wangen glühten. Manchmal sprang er auf, lief ein paarmal durch die Stube, blickte an den Wänden empor uird sprach hastig und erregt. Er inachte einen verlmrrten Eindruck. Jetzt stößt er das volle Glas so ungestüm in die Hohe, daß Tropfen über seine Hand aus bi« braun« Tischplatte rinnen:„Zum Wähl, Herr Geheimrat von Goethe! Ueiber die schweigenden Lande grüßt Sie Ihr Bruder in Apoll. Schon den braunen Frack angelegt? Schon den Orden vorgesteckt? Ah, Sie erwarten Gäste, eine liebliche Sängerin mtt Doaeltrillcrn in der Kehle, eine polnische Gräfin, den Papa Wieland vielleicht... Und wen ließen Sie vor der Türe stehen? Mich, mich! Heinrich von Kleist! Erst verballhornen Si« meine Komödie, den cheney Krug,": dann äußern Sie sich abfällig,! beeidigend über mich, dann schicken Sie mein« Forderung zum Duell zurück... O. Sie jämmerlicher Ltteraturpapft!" Die Frau legt erschrocken ihre Hand auf feinen Arm. Er findet in die Wiicklichkeit zurück und sagt sehr arttg:„Verzeihung, Madame!" Das Gespräch bewegt sich wieder in den Ebenen de, Konversatton. Nur einmal noch erhebt sich die Stimme des jungen Mannes zum zornigen Airsbruch:„Ueher dieser Brust saß einmal der prunkvÄle Rock des Preußischen Offiziers. Die Soldaten mußten vor mir Männchen machen. Lächerliche Welt! Als ich ihr mein Herzblut gab, als ich ihr das„Käthchen von Heilbronn", die „Penthesilea" und die„Hermannsschlacht", den „Prinzen von.Homburg" und andere Dramertt schenkte, da hielt sie mir abwehrend di«.Hände entgegen. O, ich kam auch nicht leise daher wie ein braver deutscher HauSdichter! Ich brachte den Sturm mtt; ich wollte sie in der.^Hermannsschlacht" aufrutteln zum Kampst gegen Napo- jeon. Aber mein« Flammen fielen nicht in auf- pehäuften Zunder, sondern verlöschten in der Kühle kleiner-Herzen. Die Deutschen glauben nicht mehr an die geheim« Kraft des Herzens. Vaterland, du bist verloren. Was soll ich auf der Welt noch...?" Der Wirt fuhr bei dem lauten Fluche aus dem Schlafe und schlurfte gähnend nach dem Tische der Fremden:„Schon spat, meine Herrschaften.. Prager Zeitung. Dank der Haidaer an die Prager Genoffen. Der Bezirksverein Arbeiterfürsorge in Haida spricht den Prager Genossen für die mit 21. Dezember abgeschlossene Kinderaktion unseres Notstandsgebietes den herzlichsten Dank aus. Es war dies ein Akt hochherziger menschlicher, sozialistischer Solidarität, der an unstren Kindern vollzogen wurde. DaS Opfer, das unsere Prager Freunde gebracht haben, in dem sie durch fünf Wochen die Kinder betreuten, gut ernährten und reich beschenkt mit Kleidern und Wechnachtsgaben in die Heimat zurücksandten, sei nie vergessen! Herzlichen Dank auch für di« Liebesgabensendung, die Donnerstag eintras und vielen unserer bedürftigen Arbeitslosen em« große Freude zum Weihnachtsfeste bereitete., .Für alles nochmals herzlichen Dank? Haida, im Dezember 1932. Der Bezirksverein Arbeiterfürsorge, Haida. W. Hackel, Obmann. Ed. Bürgermeister, Kassier. Die Wiedereinführung der deutsche« Minderheitsbücherei findet am 4. Jänner 1933, um 10 Uhr vormittags statt. Di« MinderheitSbücherei amtiert ab diesem Tage in dem Gebäude der städtischen Zentralbücherei, Prag 1., Marienplatz, Eingang: Saazergasse. Di« Amtsstunden für den Parteienverkehr sind Mittwoch und Samstag von 10—13 Uhr, rat den anderen Tagen von 16—19 Uhr. Bis zum 15. Jänner werden Bücher nur auf di« alten Abonnement- ausgegeben. Die Aufnahme neuer Abonnenten findet erst ab 16. Jänner statt. Sämtlich« Abonnenten haben neue Legitimationsharten(Preis 2' K) zu lösen. Kunst und Wissen Für di« Neuinszenierung von Gluck-„Lrphew" werden ausdrucksbegabte Tänzer und Tänzerinnen gesucht; vorzustellen Montag von 17—19 Uhr im Ballettsaal des Neuen Theaters. Leitung: Ätarga- rethe Wallmann.. Wochenspielplan des Reuen Deutsche« Theaters. Sonntag, halb 3 Uhr:„Vor Sonnenuntergang"; halb 8 Uhr:„Wenn di« kleinen Veilchen blühen"(B 2).— Montag, halb 8 Uhr:„Die drei Musketiere"(A. A.), voll»- tümliche Vorstellung.— Dienstag, halb 8 Uhr: a Boheme"(A 2).— Mittwoch, halb 8 Uhr: „Die Wunder-Bar'(B 1).— Donnerstag, halb 8 Uhr:„Die fliegende Holländer". (C. 1).— Freitag, halb 8 Uhr:„Salome"(D l).I neueinstudiert.— Samßtgg,,haw 8 Uhr:„Wenn», die kleinen Veilchen blühen"(C 2). Wochcnspielplan der Kleine» Bühn«. Sonntag, 8 Uhr:„Hokuspokus".— Montag, 8 Uhr: „Ich hab e«inen Engel geheiratet".— Dienstag, 8 Uhr:„Der Geisteiczug'.— Mittwoch, 8 Uhr:„Susannes Geheimnis", „Rosenkavalier-Walzer",„Brüderlein f«in".— Donnerstag, 8 Uhr:„Ich habe«inen Engel geheiratet".— Freitag, halb 8' Uhr: ^Hokuspokus", KulturverbandSfreuridc.— Samstag, 8 Uhr:„Der Geisterzug'. Vereinsnadiriditen Allgemeiner Angestellten verband. Reichenberg, OrtSgr. Prag II„ Jügnerovo ntm. 4„GGC" Amtsstunden: täglich von 5—8 und Samstag von 1—2 Uhr. Mitgliederversammlung mit Vortrag am 5. Jänner 1933, Donnerstag, halb 8 Uhr abends, im Handwerkerheim, Smeöky, Kleiner Taal. Nach Erledigung geschäftlicher Angelegenheiten hält Gen. ReiSmann einen Lichtbilder-Bortrag über Schweden, Land und Leute, mit besonderer Hervorhebung des Handels und der Industrie dieser Landes.— Gäste aus befreundeten Organi- sattonen haben um halb 9 Uhr Zutritt zu diesem Vorttag. Winterhilfe. Aus den bisher elngelaufenen Beträgen wurden arbeitslosen Mitgliedern Kohle, Bekleidungsgegenständ«, Lebensmittel und Bargeld beigestelfi. Die Attion wird selbsttedend weitergeführt. Angestellteuball am 4. Feber 1933, TamS- tag, im Heines aal. Eintrittskarte» im Vorverkauf sind in den Amtsstunden zu beziehen und weiters auch im Verein deutscher Arbeiter am Tage der Bücherausgabe. Da» Wochenblatt der Frau hottet rar 60 Heller & Die Unzufriedene h Redaktion rack Verwaltung i J p Prag II., Nekazanka 18. Str. 1 Sonutag, 1. JLsner 1*88 4bMt 18 iSenosten un» Genojfinnen, gedenket»ei Unlüsten jede» Art»er Arvetter fürforge durch Spenden; ’ Der Film” Das Schiii der Selbstmörder. Än zwei Prager Premierenkino« läuft jetzt einer der zahlreichen amerikanischen Marinefilme, di« wohl das Verächtlichste an Kriegs- verbunden mit Deut» fchenhetze sind, was«ine übermütig« und unverständ- lich geduldet« chauvinistisch« Zensur in einem Staat erlaubt, der jedem Film mit nur sozialem Anhauch miÄeid- und ausnahmslos verbietet. Hier sind es drei amerikanisch« Prachtjungens, di« nicht nur den herrlichen Krieg durch lustige Worte geschmackvollst verschönen, hier sind es vor allem die original redenden Deutschen, denen wir die Niederlage von vollem Herzen gönnen sollen, weil sie in Wort und Tat eben verächtliche und minderwertig« Menschen sind, di« nach der Ansicht dieser Propagatoren des Films die unangenehme Lokalerscheinung aufzuweisen haben, datz drei ihrer Minister in jener Stadt amtieren, die erstens mit der Sammelbüchse für Arbeitslose und Friedensphrasen schnorrt und andererseits mir Schmunzeln ihr« Abgaben auch aus diesen militaristischen Provokationen entgegennimmt, um alles gerecht zu verteilen. Dabei ist dieser Film photographisch grandios gedreht, ist raffiniert in feiner scheinbar naiven Handlung, den bescheidenen „Volkswitzen", die eben nur so nebenbei eingestreut wurden, und schildert mit allen Mitteln der Lügen Politik des internationalen Raubritter-Rüstungs- kapitals, wie die Helden des Vaterlands herrlich leben, den Feind ums Ohr hauen und nichts als edelste Taten zu vollbringen haben.„Join the navy", tritt in di« Marine ein, ist ein Werbeschlagwort der amerikanischen Marin«, das erfolgreich zu ergänzen ist mit diesen Filmen, di« den Menschenhandel in seiner niedrigsten Form propagieren und di« Lüge gewissenloser Kriegsgewinner zum Panier der so- genannten Kultur erheben; dabei merkt jeder, der nicht mit filmischer Blödheit geschlagen ist, auf den ersten Blick, daß dies« deutschen, grausamen Unter- iceboote anno 1817 bestes amerikanisches Modell anno 1932 sind und nur chauvinistische Engstirnigkeit kann heute daran glauben, daß die„Kindlichen" Soldaten di« Schuld an, den Grausamkeiten' des Krieges aus persönlichem Gaudium begründet haben. Die Deutschen sprechen hier echte Schriftsprache, damit uian sie nur recht gut verstehen soll und di« Engländer oder Amerikaner haben in unseren Breiten den unschätzbaren Vorteil, daß ihr Gewäsch dem Publikum sprachentechnisch unverstänÄich bleibt. Wann wird man endlich gegen dies« Filme energisch auftreten, die deshalb so skandalös sind, weil sie in einer Zeit auf den Markt geworfen werden, wo jede Bernunftregung im Film von der Andustri« im Verein mit Zensur und Dcvisensperre vernichtet wird? w. Lg. * Paprika. Paprika ist jener Stoff, der angeblich— wenn wir den uns gesungenen Liedern Glauben schenken wollen in den Adern des beneidenswertrn ungarisch«« BokkeS zur allseitigen Zufriedenheit so lang« rollt, bis— wi« etwa in unserem Film—«in Komponist, Herr Wachsmann, einen der echtesten Czardasse losläßt, worauf sich alles in Verzückung begibt. Diese drückt sich dann im Nachtlokal durch sofortige Liebe mit notwendiger Begeisterung aus, die nach einigen wenigen Hinderniflen zur Ehe führt. Diese wird von den feinen Leuten auf dieser Welt des ewigen und rückhaltlosen Lachens in jeglicher Form angestrcbt; die Akademiker und'Großkaufteute interessieren sich für Dienstmädchen und verlieben sich auch in solche. Da das doch aber vom Kulturell- erzieherischen Standpunkt' verwerflich und demorali- sirrend wäre, ist dieses Dienstmädchen gar keines, sondern die beste Freundin der entscheidenden Schwägerin ünd man begeht also mit einer Lieb« zu ihr keiuen Fehltritt in der so^lonrplszierten gesellschaftlich«« Beziehung. Also unser Paprika aus Budapest fischt sich ihren Kavalier aus dem echtesten Berlin, wo Sonderling« zu leben pflegen, di« in Privatwohnungen Frösche züchten; das dürst« bi« einzige Wahrheit dieses Films sei«, der in seinem Hauptschlager die unerhört« Neuigkeit bringt, daß man nur einmal im Leben glücklich wird, wenn man nämlich liebt, Der zweite Fall wär« dann«inzufetzen, wenn «in« yewisie Schicht der Kulturmacher stranguliert würde. Hauptrolle spielte«ine„Neue", Franziska Gaal, ei« springlebendiges, junges, sympathisches Ding mit einiger Begabung, di« Regisseur Börse durch seinen bekannten Kitsch vollkommen zu decken weiß. Sowie das Mädel«ine natürliche Bewegung ansetzt, m«rkt man schon jene routiniert« Operettenhand, dir vom Irrweg in das Krampflachen abführt. Lieselotte S ch a a ck ist bescheiden, Hörbiger gibt die einzig« gute Leistung mit feinen unübertrefflichen feinen Bewegungen, Heidemann ist wi«d«r einmal rin Brechmittel; die Regie zeigt wieder einmal Portiers, die in Geld schwimmen und sonstig« sein« Leute, die mit dem gewöhnlichen BolkS- vrrstand auf Kriegsfuß leben. ♦ Aktualitäten bei Burian. Neu soll für uns sein, daß Prag endlich einen gedeckten Tenni-platz hat und datz in den Soldatenkantinen Kulturabend« veranstaltet werden; da dabei vor Ungarn und Deutschen Herr Hasler auftritt, sind wir hinreichend orientiert. Man sieht sonst viel Wintersport und Herrn Eiffel, der Jubiläum hat. Glänzend ist ein« Fvxrcportage aus den Negersiedlungen Südamerikas sowie Flugaufnahme« von Peking, di« ganz neue Eindrücke geben... W. Lg. ♦ ♦ H entbietet allen Lesern, Abonnenten, Berschleibern, Kolporteuren, Inserenten und Frennden Die Verwaltung und Redaktion. Profit Iteujayr". J ♦ | Eß« reGt yerzttthes| i ♦ P A L A B t wARKhen Ihnen •hi gMckliches NcRMJakrl und hn Lieht« welche Ihrer kühnen ans Ufer fesselten, sind gefallen. Dee Ziel tritt aus dem Nebel, In den es viel zu lange gehüllt wer. Die erträumt« Zuendlich zur Literatur Der Buchdrückerkalruder 1933 ist soeben erschienen. Sein« drucktechnische Herstellung ist— wi« nicht anders zu erwarten— einwandfrei,«s ist ein Vergnügen den schön ausgestatteten, sorgfältig gesetzten und rein gedruckten Kalender durchznblättern. Auch der Inhalt des Kalenders ist vorzüglich: er bringt dem Buchdrucker als Fachmann und als Gewerkschafter viel Belehrendes und Brauchbares- Herausgegebcn. ist der Kalender vou d«r Deutschen graphischen Bildungsvereinigung in der Nchecho- slowakischcn Republik(Prag ll„ Smeöky 27), die Redaktion besorgte Emil Tännich.«1. Oenoffen! Zra*d Mi jcMr eminilt«nn SorMohtUdeii! ♦ ♦ frohes Wanderjahr! Frohes -4 ch tt LSU Graphische Kunstgenossenschaft Q 1819 Q 8 « X 0GGOG0GG©Q©OO0©OQOQGÖ< !90OOQG0G0000OGX3OÖOOOGOOGOOOOOOCXc> I Ein frohes Neujahr! wünscht 8 | die Inseratenexpedition| | für Arbeiterzeitungen| G. m. b. Prag VII. 8 Franz Kolbabek Gerhard Sasum§ Richard Kirsten I00 8 ■JOOOOOOOQCXDQOOOQOOOGOOQQQQOOOOOO 1 am 4. Feber Deinefagl-Weinveege Allgemeiner Angestellten-Berband. Prag IL, Fügnerovo nüm. 4. 100 | fr fr fr k ► ► ► fr E ► k M » fr fr k fr fr fr ► k M M M fr Allgemeiner Angestellten-Verband e Ortsgruppe Prag H,, Fügnerovo näm. 4. 18t» t ► fr SAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAA>AAAAAAAA4AA I Die herzlichsten Neujahrswünsche 4 allen unseren Heben Gästen entbietet 3 Cafe CONTINENTAL, Prag, Graben < Caietier Wurm und Frau. Herzliches ProsifHeujahr 1933 allen lieben Gästen 1 Cafe Elektra, Prag(beim Museum)< r ◄ Gottlieb Hora und Frau 3 fieniitüen GlNWM M MeMikl! Sekretariat der Zentralgewerkschastokommissio« des deutsche» UewerkschastSbundes, Reichenberg. rchrisileitung der„Gewerkschaftlichen Rundschau", Reiche«berg. Oes. m. d. H. Io Prag n, Hybernskä 7. Telephon 254- 88. Allen Mitgliedern und Areunden ein herzliches prosit Neujahr ''iniiraniiiiiiiitiiiiiiitiiiiiiiiiniiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiHttiiiiiuiMHUiiiiiiiiiiiiiiiH*'’ Zeniral-KonsumundSpargenossenschoil für Mähren und Schlesien, reg. G. m. b. H. MShr.'Oskoll.. !■— " t'tdiig'bri r« S» Chlitlihiit»tltzat« v««»tw»rtilcheL Redakteur U«aHI ettasL V«, Drnd.Asw' A'G. fü» Zkttvra' oad-uqchrvL««n— FLr d«Drn< nervttwnrtNch.' vttV yolik. U«U.-- Dr« Zeu..nü4mar7.^.H? küliir„urde von de»» rel^raph-udfrektio« nur Erlall Rr BezngsDrv'nsrrnneik Ort Z.sk Leibl Dominik, Hradzen Macoun Franz, Reichenberg ., Müller Heinrich, Aussig Pohl Adolf, Turn-Teplitz , Roscher Anton, Reichenberg - Schäfer Anton, Reichenberg ' Schweichhart Josef, Bodenbach Taub Siegfried, Prag De Witte Eugen, Karlsbad Senatoren: Beutel Franz, Aussig ' Dr. Heller Carl, Teplitz Dr. Holitscher Arnold, Komotau Jarolim Anton, Turn-Teplitz Jokl Hans, Troppau Just Anton, Hauptmannsdorf Palme Franz, Fischern Prof. Polach Jvhavn, Prag Nießner Wilhelm, Brünn Revzl Josef, Schluckenau Stark Franz Karl, Mies Böym.-Krummau: Deistler Josef, Beamte Denk Andreas und Frau, geiperkschaftssekretär -Dr.- Äiemet Franz, Arzt' Pfohl Rudolf und Familie, Beamte Pokorny Franz u. Familie, Direktor Tvrz Jinükich und Frau. Direktorstellvertreter d. K.B.A. Zapf Franz und Frau, sekretär‘ Overplan: Demi Johann, Pensionist Llmütz: Böjty Josef, städt. Beamter Pfeffer Josef, Sekretär der bahuer Sekretariat des Metallarbeiterver, bandes Lskau: Preiß Josef, Oberlehrer i. R. Poversam: Eckl Karl, Parteisekretär Postrelruov. Pelka I., Bahnbeamter Böhmischdorf: Lux Alois Oberleutcnsvorf: Bezirksverein„Arbeiterfürsorge" Wick Alois und Familie Brüx: Allgemeiner Angcstelltenverband Dr. Beck Karl Bezirksorganisation der deutschen sozialdemokratischen Arbeiterpartei Lang Franz, Sekretär Verband der Eisenbahuer Zettel Johann und Frau Drahowitz Püscher Karl, G ewerkschaftssekretär Schaffer Edo und Gusti Dr. med. Stark Viktor und Frau, Karlsbad Dr. Zentner A., Gemeindearzt Eger: Adam Heinrich Baugenossenschaft Arbeiterheim Bäuml Wilhelm Deistler Anton Fleischmann Karl«- Grüllmayer Ernst Kreul Ernst Müller Josef Rowy Wilhelm Reiter KaA Schuster Andreas und Fvau, „Goldhaus" Weigl Georg Winter Hans, Sirmitz Fischer«: Hein Josef Hüte! Ernst und Anna Masopnst Ernst Palme Franz, Senator Plob Josef Rohm Emil Roll Ludwin Schweinfurter Josef und Anna Werner Karl Zinke Oscar, Sekretär Fra«ze«sbad: Männer Wenzel Freiwakva«: Axmann Marie Drescher Emllie und Josef Weiß Johann, GewerckschaftsMretär Wähl Rudolf H. und Frau Marie Freistadt: Oekalsv Josef» Beamter d. K.B.A. Kowalik Rudolf, Fachlehrer Kremer Rudolf, Beamter d. K.B.A. Lokälorganisation d. deutschen-sozialdemokratischen Arbeiterpartei Hans Ludwig, Beamter d. K.BÄ. Sliva Johann, Beamter' d. K.V.A. Sozialdemokratische Gemeindefraktion Schiewitz Karl, Lehrer Frendeuthal: Fischer Franz, Bez'rkSsekretär Üllmann Franz, Gausekretär Friedland: Köhler Franz, Beamt« Gablonz a. R.: Barth Josef Bösmüller Mari« Bösmüller W. Fischer Herbert Friedrich Arthur Hafler Bruno und Jula Hladik Hermann und Frau Hübner Fritz und Frau Pilz Josef Wangler Josef GraSlttz: Franke Anton und Gattin, Beamt« Dr. Goldberger Josef und Gattin Arzt Wunderlich Emil und Frau Berta, Parteisekretär Marienbad: Walter Anton und Frau, sekretär des Verbandes der Arbeiter in der Bau-, Stein- Keramindustrie Holetsche«: Gottfried Johann und Clara Hauptmannsdorf b. Brannan: Just Anton Jägerndorf: Berger Franz und Frau Diez Anton und Frau, GeschäftS- _ führer d. WKH. Heeqer Rudolf u. Frau, Abgeordneter Kirschner Felix und Frau, Beamter d. B.K.V.A. Kolbe Franz und Frau, Sekretär Ortsgruppe des Verbandes kür Eisenbahner Poinrner, Josef und Frau, Sekretär Richter Ernst und Frau. Sekretär Schober Franz und Frau, Kassier, Ulrich Josef und Frau. Bürgerschül- direktor Ntevereinfievel: Greif Karl jun., Blumonerzeugung Ehoteschau: Klwschinfly Johann und Familie. Bergarbeitersekretär Neutitschein: Kamler, BezirksvertravenSmonn Dr. Löwh Em., Advokat Nitschmann H., Sekretär Sobek Alfred, Sekretär Springs Johann Riklasvorf: Christ Josef und Fran, Offizial i. R. Karlsbad: Dr. Bergauer Ernst Beck Hans, Angestellter BeklesimngSarbeiterverband, Gau sekretariat Günzl Mari« und Josef Hammer R. W., Lackierermeister Hopf Fritz und Frau Horn Wenzel und Frau, Redakteur Herdlitschka Hans, Angestellter Kreisgewerkschaftskommission Lorenz Wenzl samt Frau Haus Dürer Rücker Josef undFrau, Direktor BH.B.A. Sacher A. und Frau, Parteisekretär Sattler Ernst und Frau Siegmund Rudolf Schaffelhoser Anton, Lehrer Scharing Julius, Gewerkschaftssekretär Schuster Karl und Fra», Redakteur Wondrak Heinrich wü> Frau, Parteisekretär Zentralverband der Lebens- und Genußmittelindustrie^ Gausekretariat, Karlsbad/. n.■."? Plinta Shiver Siegel Ignaz Schön Siegfried Jng. Spitzer Rudolf Dr. Steiner Erich Dr. Teichner Sandor Walkan Leopold Wolowiec Franz Zahel Leo und Frau Mähr.-Schö«berg: Barth Fritz, Sekretär d. K. G. S. Bezirksorganisation der deutschen sozialdemokratischen Arbeiterpartei Flemming Fuchs Roman Goebel Ernst, Angestellter Jilg Karl und Fvau Bauer Franz und Familie Köhler Alfred und Familie Kreisgewerkschaftskonunission Leiter Remigius Malcher Max und Familie Mäuler Ferdinand und Frau Ohnmacht Rudolf, Groß-Ullersdorf Rasch Leopold und Frau Rasch Otto und Frau Schenk Hans, Angestellter Schreier Raimund und Familie I Uxban Johann und Familie M-ihrisch-Trübau: Fuhrmann Karl Metzling: Erhardt Anron, Bahnmeister i. und^Frau- Rr. 1 Sette Ein recht herzliches Prosit Neujahr entbieten s der Zuck- der Ängsten r^DOOOOSSDSSScXIlSSSSSSSSSSSSSSDD^ entbietet allen Partei- und Turngenossen ein berzlitbes Prosit Neujahr! OSOOOcXXXXXSOOOQOSSOQOSQQcxSDcSDQQDirSSSSt^ 8: i Schmidt mann I I l l Warnsdorf: Antotki Redakteur BoiterSreuth: WenzÄ> LokalPertranenS- entbietel allen Mitgliedern, Vertrauensmännern und Funktionären auch In dieser schweren Zeit Bezirksverein Arbeiterfürsorgc Eger Josef und Frau, Buchhalter Goth Josef, Parteisekretär Günther Airton und Frau, Beamte Mazanck Denzel und Frau Rerlich"Else— Franz Reilich, Gr schäftsführer Sozialdcmokr. Bezirksorganisation Soqialdeniokr. Lokalorganifation JUDr. Stransky Ernst Wessely Wenzel und Frau Sternberg: Ondrejka Maria und Max verband der Arbeiter und vebienßeten in Sandel, Transpott und Verlevr mit dem Sitze in Aussig. Rcckziegel Richard Rehwald Franz und' Krau, Turn Reihs Anna und Familie Röder Eduard und Familie, Turn RE Ernst Seidel Franz und Frau, Tnrn Seliger Marie Siart Hans und Frau Swoboda Josef und Frau, Probstau Schneider Wilhelm u. Frau, Graupen Thiele Josef und Frau, Weiskirchlitz Therefiendbrf: Pierl Johann Wegftävtl a. E.: Preibisch Josef, Offizial i,"R. Trauten««: Palme Adolf u. Frau, Kreissekretär £ Wanka Willy ? Waschal Josef, Sekretär ß Weber Gustav und Fran Wehr^ Paul und Frau Weil Robert, Sekretär'" Wien Heinrich. BanldeÄnter . Dr. Diener Robert ünd Frau • Wildmann Otto, Direktor '/ Wellisch Arthur und Familie Wolfert Ernst. L Ziegner Alois' und Frau Schlucke«»«: Weber Franz, Parteisekretär Rö'nerstadt: Rohner Franz, leitender Beamte Teplitz-Schbna«: Arbeiter Heinrich' und Frau, mantel Dr. Max Beck, Ayzt Bund Ferdinand und, Frau, Setten; Deutsch Ferdinand und Frau Geißler Rudolf, Turn Herget Heinrich und Hoffmanns Jser Karl und Frau Staab: Richter' Annä, Gastwirtin.„Volks- haus" Tick Josef, Parteisekretär Kukla KaA, leit. Beamte d. B.K.B.A. Tannwald: Familie Heinrich Friese Familie A. Häckel Familie Emil Ullmann Pretzburg: Dr. Adler Biax, Parteisekretär Fuchs'Josef, Fachlehrer Großmann Binrenz samt Familie, stz Geschäftsführer Mottl Karl und Familie, Sekretär des Einheitsverbandes ' Rest Ludwig und Frau Wagner Friedrich, Lokalvcrtraurns» mann Ale besten jtenjahrswünsche Wigftadtl: Blaschke Johann, Beamter B.K.B.A. Domes Johabn, Inkassant B.K.B.A. Goldmann Hilde, Beamtin der B.K.B.A. Mader Josef, Beamter d. BK.B.A. Mader Karl, Bezirksvertrauensmann Dr. Steiner, Chefarzt Ziglarfch Johann, M>zirkssekretär Puvlau: Zcmann Robcrt samt Frau, Bürger, meist« Troppa«: Hübel R. und Frau, Gewerkschaftssekretär .Dr. Klein I. und Frau. Kutscher Emil und" Frau/ Kreissekretär Direktor Dr. Luksch Alfred u. Frau Titz Steffan und Frau, Verwalter Reichen berg: Alliger Ladislaus und. Familie, Sekretär Beckert Emil, Angestellter der Gehilfenversammlung Bergmann Florian, Zenrraljekretär Trbohlav Rudolf und Familie, Rochlitz Greull Carl und Frau Grün.ner Ernst, Sekretär -Dr. Otto Hahn Hübner Hermann und Frau, Fran- zendorf. w_ Kirchhof Franz und Familie Köller Johann und Familie Kteschel Richard Kupetsch Franz und Frau Löwit Karl samt; Familie, Sekretär Abg. Macoun Franz samt Familie Reumann Marie Tonnek Franz und Frau, Direktor Aba. Schäfer Anton und Familie, Schiller Johann und Familie' Stoll Ernst, Obmann Tauber- Vinzenz und Familie Verband der öffentlichen Angestellten Weigel Wilhelm und Familie Ier Verbandsvorstand des Internationalen jfielallar beiter verband es, Sitz Xomotan, Eessingstraße 23. Rumburg: Bayer Emil und Familie Böhm Heinrich uiw Familie Böhmer Heinrich und Frau Gampe Franz und Familie Marschner Franz und Familie Prohaska Josef und Fwu Schnabel Rudolf und Fra« Winterberg: Bezirksorganisation der deutschen sozialdemokratischen Arbeiterpartei Bezirksverein Arbeiterfürsorge Lokalorganisation der deutschen sozialdemokratischen Arbeiterpartei .Kuplent Otto, BezirkSvertraueno- mann Podl>-)SSSSDSS(-)<>SSSSGSDSSSSScSSe)Sv0SSiXk-XX«S^^ GGß<30QGQ0O0QGQQGOQ0QOeQQe0000e00QeG00O0OeQ00000OO@00QQ(X^0QQ0QOOQQeQQQQQ0Qe&O0eG000G)0C)O0e@e@&00OQ0QeQQGO0&X)0QQOeO&X)QO0Q •> ► ► > ► > ► > ► ► ► ► * Die besten Glückwünsche zum Jahreswechsel ^7”:“ e $otel Jttonopol,Drosll. ✓. 4 ► ► ► » ► 'mnrmwmwmmTmvmmTmTTmmTf t < 4 4 4 4 4 4 4 ► E f E ► ► E E ► ► » t l ► ► E E E ► 4 4 Al WkMiNk WgkWkll-HeülM ^eiehenvers, Xurnerftrafie 27 ► E ► ► ► ► » > ► ► ► r ► ► ► ► t E • ► ► E • ► ► ► r ► ► E ► ► ► ► ► ► ► ► ► ► » ► ► > ► ► Der Vorstand und Aus- sichtsrat der Auffiger Ardeiterdöckerei r. G m. d. S Vie Union der Bergarbeiter in derCSR. Vezirlskanleuverstcherllllgslmstalt Lilin. Bezirks, und Lokalorgauisatio» Wtsftadt». ► ► ► ► ► ► ► ► ► ► ► Sie herzlichsten Glückwünsche zum Jahreswechsel 4 4 4 4 4mwwmiTnTTmniTrnwTTTmmmmmmmrmmmrr Zentrale in Turn-Teplitz, Hauptstraße Hr. 128, 2er ZJeröanödborftanv 6tze VerOoNOOientrale be «nioti 6er{gegtilorOetter 6. G für das tschechoslowakische Staatsgebiet StG:^tei^enherg. «it seinen Geschäftsstellen Karlsbad, Teplitz, Bodenbach, Reichende rg, Trauterrau, M. Schönberg, Brünn und M.-Ostrau sagt allen Mitkämpfern, Mitarbeitern, Freunden : und Förderern ein Zühnendunck in sar tschechoslowakischen Republik. n k I g k 8 t B R k ! s Unseren Kranken Versicherungsanstalten und Mitarbeitern zum lahreswechsel die besten Wünsche für das Jahr 1933 Unierveroand Ggerland im Reicbsverband deutscher Krankenversicherungsanstalten, i zur Jahreswende entbietet allen Mitgliedern, Vertrauensmännern und Funktionären OrHeiMOsHttr 9tn(eUer SeattsM Be» tcatfA* CSettoffrn 4AAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAA£ 4 4 4 4 4 4 4 ein herzliches»Gluck auf F Ae besten MMM WWeMsel allen Mitgliedern, Funktionären u. Freunden A entbietet 4 Lrbetter-Rad« u. Krastsahrerbund LSR. Fahrradhaus„Allerlei", Turn-Teplitz. 4 rAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAÄAA^! Der Verbandspprstand des Verbandes der Arbeiter in der Bau Stein- und Keramindustrie in der C. S. R Sitz: Prag.Karlin. Havliikova 8. Worauf warten fie noch? Ist es Ihnen bekannt, daß die „tßndoucnost” die Organisation der Konsumenten ist? Wissen Sie schon, daß die Budoucnost Sie vor Gewinnsucht schützt und Sie ein neues Wirtschaftsleben lehrt? Sind Sie schon informiert über die Vorteile, die die Badosatotl ihren Mitgliedern gewährt? Warum sind Sie noch nicht unter den 63.000 Mitgliedern der Budoucnost? Worauf warten fie noch?