WWW 13 Jahrgang. Mittwoch, 4 Jänner 1933 Nr 3. Einzelpreis 70 Heüer. lErnschlleßlich 5 Heller Sotth’ Srfchelm mit Ausnahme des Montag täglich früh. W »•ftatttono.»«rtoaltung; Brag u,Otttäjanla!»♦ xtiepn.; 30JW. 314Ö9. Xaetrttan.(a# S1 BW: SMM*Boftf4MaaUi»3M Die Mörderbande samt sim durch verschönten Terror zu retten. Berlin, 3. Jänner. Der Dresdner Feme» rppr.d, dem wegen eines angeblichen Verrates der nationalsozialistischen Sache der Nationalsozialist Hentsch zum Opfer fiel, beschäftigt noch immer in hohem Maße das öffentliche Interesse und man erwartet mit Spannung die endgültige Aufklärung der Angelegenheit. Di« Nationalsozialisten, gegen di« sich di« Erregung der Dresdner Bevölkerung wendet, versuchen durch Abschreckungsmaßnahmen die Zeugen zu beeinflussen, di« für die Aufklärnng des Faller in Betracht kommen. Personen aus d«r nächsten Umgebung des ermordeten Hentsch erhalten Drohbriefe und werden telephonisch an« gerusen, wobei ihnen angedeutet wird, daß sie das gleiche Schicksal ereilen wird wie Hentsch. Die lokale nationalsozialistische Presse bemüht sich auf jede Art, das Andenken des Ermordeten zu verungli.mpf« n. Unter anderem behauptet sie von ihm- daß er k o m m u n i st i s ch e r Spitzel war, und weiter, daß er im Dienste eines gewissen französischen Berichterstatterzentrums gestanden sei, dessen Sih angeblich in Prag sei. Diesem Äorrespondenzbüro hab« er Material über di«„s ch w a r z e R e i ch r w e h r", i eine geheime nationalsozialistische Organisation, geliefert. Lippe soll sie fteransr ißen! Verzweifelte Nazi-Agitation vor den Land» tagswahlen. Berlin, 3. Jänner.(L, P.-BJ Den Symptomen des Verfalls, die sich in letzter Zeit in der nationalsozialistischen Bewegung öftex bemerkbar machten, bemüht'sich die Parteileitung durch eine möglichst hoch gespannte' Agitation und durch Erzielung äußerer Erfolge bei noch so untergeordneten Gelegenheiten entgegenzuarbeiten. Als erste solche Gelegenheit im neuen Jahre zeigen sich die Landtagswahlen in L.r p p e, einem Staate, der nur etwa 100.000 Wähler zählt. Trotzdem kündigte die Leitung der nationalsozialistischen Partei an, daß sie den Wahlkampf in Lippe mit em«m Elan und einer Originalität führen werde, wie sie bisher weder Deutschland, noch die ganze Welt gekannt hat. Von heute ab werden Hitler und die besten nationalsozialistischen Redner, wie Goebbels, Rosenberg, Kube und Kerrl, täglich auch in den kleinsten Orten sprechen., Die übrigen politischen Kreise verfolgen diese Vorbereitungen skeptisch und sehen darin nur den äußersten Versuch, den Zersetzungsprozeß in der nationalsozialistischen Bewegung aufzuhalten. Reichskanzler a. D. Cuno gestorben. Hamburg, 3. Jänner. Der früher« Reichskanzler Geheimrat Cuno, Vorsitzender des Vov- standcS der Hamburg-Amerika-Linie, ist im 57. Lebensjahre in Hamburg gestorben.. Dr. Cuno hat seit einigen Tagen mi Anfällen von Herzneuralgie gelitten. Der behandelnde Arzt hotte ihm am Montag geraten, schleunig einen Urlaub anzutretcn. Dr._ Cuno war am Dienstag früh im Begriffe, sich für eine Urlaubsreife, die er mit feiner Gattin unternehmen wollte, zu rüsten, als ein Schlaganfall seinem Leben«in Ziel setzte. Der Name Cuno ist unzertrennlich verknüpft mit der Erinnerung an den deutichen Ruhrkampf und die Änflationskarastroph« des Jahres 1923. Einährige Aufnahmssperre für Staatsbeamte in Frankreich. Paris,: 2. Jänner. Der Präsident der Republik hat heute aus Vorschlag des Ministerpräsidenten und des Finanzministers eine Verordnung unterzeichnet, die bis zum 81. Dezember 1933 jede Neuernstellung von Beamten, Angestellten und Arbeitern durch den Staat untersagt. Ausnahmen können nur zu gekästen»verhrn, wenn die betrefft n- den Ernennungen vom Finanzminister und von dem zuständigen Ressortminister gcgengezcichnyt werden. Tie Regierung will mit diesem Verbot der Neueinstellung von Beamten und Staatsangestellten den ersten Schritt zur Einführung neuer Arbeitsmethoden und einer Reform der Staatsverwa l t u n g tun. ver Friede an der Adria gefährdet? Pariser Presse gegen die italienisch-albanische Zollunion. Paris, 3. Jänner. Die Pariser Presse verzeichnet mit einer gewissen Beunruhigung die Meldungen über die beabsichtigt« italienischalbanische Zollunion. „Echo de Paris" schreibt, die jugoslawische Regierung würde bestimmt die Erlaubnis zu einer derartigen Erweiterung und Stärkung der italienischen Positionen in einem Grenzland verweigern. Das Blatt erwartet, daß sich der italeni- sche Ministerpräsident nnd seine Ratgeber dies« Angelegenheit noch überlegen werden, denn sonst würde«in für den Frieden in der Adria gefährliches Problem geschaffen werden. Die Großmächte würden sich genötigt sehen, die Vertrage von Tirana näher zu studieren, ob sie mit dem Bölter» bundpakt und mit den Entschließungen der Bot« schasterkonserenz aus dem Jahre 1921 über Albanien vereinbar find. Dies« Ereignisse wären nicht bennruhigend, wenn es nicht de facto Pläne zur Aenderung der territorialen Bestimmungen des Friedensvertrages wären. In Anspielung an di« gereizte Schreibweise der italienischen Press« in Angelegenheit der Konferenz der Kleinen Entente schreibt das Blatt, man muss« aus nächster Nähe beobachten, was zwischen Rom, Tirana und Belgrad vor sich gehe. Intervention in London. London, 2. Jänner.(Havas.) Der jugoskawi- sche Gesandte stattet« heute im britischen Außen ministerium einen Besuch ab. lieber die Ursache dieses Besuches wird strengstes Stillschweigen bewahrt. Der Besuch des jugoslawischen Gesandten hat in London zahlreich« Kommentare hervorge- rusen.. Man nimmt an, daß es mit der Lage in Albanien und deren möglichem Rückschlag auf die jugoslawische Außenpolitik in Zusammenhang steht. „Ole Ärgsten Vorkriegsmethoden." Paris, 3. Jänner. Journal de Debüts" beschäftigt sich wieder mit den Gerücht:« über eine geplante albanisch-italienische Zollunion und sagt, daß Italien di« ärgstenPor- k r ieg s me t h o d e n in Europa wieder einführen wolle. Europa brauche aber heute keine diplomatischen Operationen, die an jene Zeiten, die so schlecht geendet haben, erinnern, wo Oesterreich-Ungarn, von DeMschland unterstützt, seine .Herrschaft auf dem Balkan errichten wollte. Das Blatt würde wünschen, daß die Nachricht über die Ablehnung Albaniens, in xine ZMunion mit Italien einzutretM, sich als wahr erwiese, damit es Jtalion vielleicht nicht oinfiefe, den König Zogn mit Gewalt zu eiuLr Zollunion zu zwingen. Freundschaf ts vertrag Italien-Rumänien stößt bei der Verlängerung auf Schwierigkeiten. Rom, 3. Jänner. D?r italienisch°>xumäNische Freundschaftsvcrträg läuft am 18. ds. ab. Bei den Verhandlungen über die Verlängerung des Vertrages haben sich, Blättermeldungen zufolge, Schwierigkeiten ergeben, die noch nicht resüös behoben sind. Um aber keine Unterbrechung des bestehenden Verhältnisses eintreten zu lassen, hat man sich auf eine abermalige Verlängerung auf sechs Monate, also bis zum 18. Jüli d. I., geeinigt. Der rumänisch-italienische Freundschaftsvertrag wurde am 16..September 1926 auf fünf Jahr« geschlossen und von dem damaligen rumänischen Ministerpräsidenten General Averescu und von Mussolini unterfertigt. Für den Fall, daß die Sicherheit oder die Interessen einer der vertragsschließenden Parteien infolge eines gewaltsamen Einbruchs von außen bedroht sein sollten, verpflichtet sich darin die andere vertragsschließend« Partei, ihre wohlwollend« politische und diplomatische Hilf« zu gewähren.' Alle Fragen, über welche'sich die beiden Vertragsparteien nicht auf dem üblichen Wege einigen könnten,' sollen einem SchiedS- und Ausgleichsverfahren unterzogen werden. In dem rumänisch-italienischen Freundschafts- vertrage geschieht Beßarabiens krine Erwähn u ng, welches Italien bis zu dieser Zeit alS rumänisches Gebiet nicht anerkannt hat, obwohl eS diesbezüglich in dem sogenannten Pariser Vertrag vom 28. Oktober 1920«in Versprechen gegeben hatte. Der rumänisch-italienische Frcundschaftsver- trag Wurde zuin erstenmal im Juli 1932 auf em halbes Jahr verlängert. Schon damals tauchten gewisse Schwierigkeiten auf, welche nach den damaligen Zeitungsmeldungen hauptsächlich darin beruhten, daß Italien den Wunsch äußerte, es möge in dem neuen Vertrag das Prinzip der Neutralität aufgenommen werden. Ferner bereiteten auch einige handelspolitische Umstände Schwierigkeiten. Ile spanlsffien Anardiisten an der Arbeit. Zahlreiche Bombenanschläge in Asturien. Madrid, 3. Jänner. Die sozialen Konflikte, die in ganz Spamen ausgebrochen sind, geben der Regierung Anlaß zur Besorgnis. Di« Polizei hat umfangreiche Vorkehrungen getroffen. Trotzdem sind im Laufe des gestrigen Tages allerhand Störungen der öffentlichen Ordnung vorgekom- | inen, vor allem in der Provinz A st u r i e n, wo fünfzig Bomben und Sprengkörper zur Explosion kamen. Hiebei ist nur Sachschaden angerichtet worden. In Saragossa sind ungefähr 130 Anarchisten verhaftet worden. Rach einer Meldung des Pariser„Journal" läßt das spanische Kriegsministerium besonders die Garnisonen von Saragossa, Valencia und Madrid überwachen, da radikale Elemente in diesen Garnisonen Propaganda treiben. Man habe auch neue Bomben- und Waffenlager entdeckt und sei einer.Verschwörung auf die Spur gekommen. Ter Innenminister erklärte, daß 29 der wegen Beteiligung an der Aufftandsbewcgung vom 10. August v. I. nach Afrika deportierten Personen aus dem Fort Billa Cisneros, wo sie in Haft gehalten wurden, geflüchtet sind. Sie benützten zur Flucht einen französischen Segler. Der Gouverneur von Rio de Oro wurde abge setzt, ebenso der Befehlshaber von Cap Jüby. Dombenlager in Barcelona entdeckt Barcelona, 3. Jänner. Der Polizei war ausgefallen, daß bei einem Hause der Stadt oft Lastautomobile stehen blieben und Kisten ablüdcn. Die Polizei nahm eine Durchsuchung vor und sand ei« großes Lager von Bomb««, Sprengmitteln nnd Giftgasen. Die Einwohner des Hauses und die Angestellten des Lagers dürften rechtzeitig gewarnt worden sein, da es ihnen gelang zu fliehen. Es konnte nur der Chauffeur eines Lastautos verhaftet tverden. Vorbereitung der Welt- wlrtschanskonterenz. Die Tagesordnung des nächsten Bölkerbnnd- rates. Genf, 3. Jänner. Tas Völkerbundsekretariat veröffentlicht die Tagesordnung des Völler- buudrotes für die am 26. Jänner beginnende Tagung. Tie wichtigste Angelegenheit wird die Stellungnahme des Rates, beziehungsweise seines Sonderausschusses zur Vorbereitung der Weltwirtschaftskonferenz sein. Don weltpolitischer Bedeutung ist sodann die Behandlung des britisch-persischen Konfliktes wegen der Persian-Oil Conrpany. Ferner stehen wichet eine Reihe von Tanziger' Angelegenheiten und Winderhcitssragen zur Beratung. Die Genarrten. Es war im Septencher 1930. Der wirre Hausen, der sich deutscher Natio-iralsoziallsmus nennt, hatte einen großen Wahlerfolg errungen. Niemand vermochte sich die Ursachen des beispiellosen Wachstums dieser Bewegung recht zu erklären. Wie, eine Partei, deren Programm unklar war und aus schwindelhafteste Kurpfuscherei hinauslief, konnte mit einem- male die Zahl ihrer parlamentarischen Vertreter von ztvölf auf hundertundsieben hiirauss tveiben? Ader damit trat erst recht eine Reihe von Ueberraschungen ein. Bei jeder folgenden Wähl zeigte es sich, daß immer größere Massen dieser Partei nachliefen. Obwohl ihr Führer die Masse, wie er'in seinem Buche„Mein Kampf" offen heraussagt, aufs tiefste verachtet. Er gibt in diesem Buche seiner Auffassung von der Bolksmasse dahin Ausdruck, daß sie rücksichtslos beherrscht werden muß, daß sie träge und feige ist, nicht denkfähig, nicht„begnadet" wie die Angehörigen der„besseren Rasse", eben nur eine„Mißgeburt zwischen Mensch und Affe". Dennoch strömten di« so beschimpften Massen' ihm im steigenden Maße zu. Was unbegreiflich schien, hatte doch seine leicht feststellbaren Ursachen. Es war nicht klares Wollen, was in dein Anwachsen nationalsozialistischer Stimmen sich ausdrnckte, vielmehr die Stimmung darüber, was Millionen Menschen nicht wollten: den Fortbestand ernrr Grfekkschafrsordmmss," Wf' ftellls Etertb' stoßt, einer Wirtschaftsordnung, die sie arbeitslos macht. oder zu entbehrungsreicher Einschränkung' ihrer Lebenshaltung verdammt/ Die durch die trostlosen Wirtschaftsperhäliuisse hervorgerusene Verbitterung versetzte in eine Art Fieberzustand einen großen Teil der' Bevölkerung, der sich willig und zuversichtlich den Reihen einer Partei änschlöß, die allen alles versprach, nicht nur Beseitigung der wirtschaftlichen Nöte, sondern allgemeinen Wohlstand und Reichtum. Dazu kam, daß mit dem Beginn des Siegeszuges des deutschen Natio- ^'AsvMlismus bei Vielen die Vorstellung sei- ifrc Unanfhaltsamkert entstand, eine Glorioles die die Schwankenden und Zweifelnden anlockte und schließlich erblickten alle Streber und Karvierenjäger in ihm eine hertNche Chance. Neben Massen von Proletariern und verelendeten Kleinbürgern witterten weite Kreise der Besitzenden und Unternehmer im Nationalsozialismus eine glänzende Konjunktur. Was war das für eine buntscheckige Gesellschaft, die sich da in der nationalsozialistischen Partei zustlmmenfand! Der ehemalige deutsche Krönprinz scheute sich nicht, sich in Gesellschaft dec uniformierten Garden des deutschen Fascis- mus zu zeigen, sein Bruder August Wilhelm, Auwi genannt, trat sogar selber den sascistft schen Banden bei und Schielt zum Lohire ein Landtagsmandat. Nationalsozialistischer„Arbeiter" wurde unter andevin der Erherzog von Koburg, auch der rheinisch-westfälische Schwerindustrielle Thyssen wurde begeisterter Nationalsozialist und endlos war die Reihe der Industriellen, der Junker, der Großgrundbesitzer, der ehemaligen Angehörigen der Offi- zierskaste, die Hitleranhänger wurden. Und alle sahen zu Hitler als zu ihrer Hoffmmg aus, zum Erlöser, zum Wiederbringer ihrer verlorenen Existenz oder auch zum Wiederhersteller der alten, die Masse unterdrückenden Ordnung, zum vielversprechenden Vernichter der modernen Arbeiterbewegung. Erfüllung des antikapitalistischen Sehnens einerseits, Rettung des Kapitalismus vor der a stürmenden Arbeiterbewegung andererseits— für alle hatte der„große Führer" das Wunderrezept in der Tasche. Allen den aus ihrer politischen Ruhelag: aufgescheuchten Angestellten, Handlverkern und Proletariern schien der Sieg des National sozialismus unaufhaltsam und seine Wortfüh rer trugen alles dazu bei, ihre Gefolgschaft i:' diesem Glauben zu bestärken. Rcgclviäßft wurde jeder erwartete neue Aufstieg der Be Sette 2 Mittwoch, 4. Jänner 1933 Rr. 3 Greuelmeldungen Ober den Gegner. La Paz, 3. Jänner. Die bolivianische Regie» rung veröffentlichte ein Dokument, in dem Paraguay beschuldigt wird, in dem bewaffneten Konflikt um den Gran Chaco das„internationale Gesetz verletzt zu haben". In dem Dokument wird behauptet, daß die Paraguayaner die Tätigkeit des bolivianischen Roten Kreuzes unmöglich gemacht und bolivianische Gefangen« gefoltert haben. ES wird weiter angeführt, daß in verfangen. Die Gefoppten und Genarrten reiben sich den Schlaf aus den Augen, in den sie durch den nationalsozialistischen Opiumrausch versetzt wurden. Und di« noch darin verharren, werden, wenigstens soweit sie Proletarier sind, bald erkennen, daß es schäbigster Betrug ist, ihnen einreden zu wollen, ein Befreiungskampf ließe sich in Gemeinschaft und mft dem Gelde von Großindustriellen, Fürsten, Grafen, Generälen und Großagrariern führen. Doch wenn auch das Versagen des Nationalsozialismus vielen di« Augen geöffnet hat, wäre eS doch irrig, anzunehmen, die Gefahr des Fascis- mus wäre in Deutschland nunmehr endgültig vorbei. Die herrschende Klasse glaubt, mft der Diktatur der alten Reaktion das Auslangen zu finden und hat Hitler beisefte geschoben. Das kann in nächster Zeit wieder anders werden, am ehesten in der Fort«, daß sich die Bourgeoisie zu einer Teilung der Herrschaft mit Hitler entschließt. Immerhin: die Wucht der braunen Flut ist gebrochen worden, eben in dem Jahre, da der Fascismus seinen sicheren Sieg großmäulig angekündigt hatte. meldet, ftstgestellt, daß die Angeklagten Protokoll« aufgesetzt hatte», in denen wissentlich falsch bekundet war, daß S a a t- getreid« zugrunde gegangen wär« und daß sie ferner verschieden« Dorfs owj e t s zur Sabotage der Getreideausbringung a n g r- stiftet hatte«. auf die Japaner geschosien hätten: das sei eine Auswirkung der bewußten chinesischen Politik, die darauf ausgehe, den Völkerbund zum Handeln zu zwingen. Di« Befehlshaber der Kwantung-Armee und der japanischen Besatzung von Tientsin hätten Anweisung erhalten, chr Möglichstes zu tun, um den Kampf bei Schanhaikwan zu neutralisieren. Acht japanische Kriegsschiffe sind in Tschin- wantao eingetroffen, das zehn Meilen südwestlich von Schanhaikwan liegt. China benachrichtigt den Völkerbund. Nanking, 3. Jänner.(Reuter.) Die chinesische Regierung hat dem Völkerbund Mitteilung von den Kämpfen um Schanhaikwan gemacht. Sie hat aber keine Protestnote an Japan gerichtet und wird auch in diesem Sinne nichts unternehmen, bevor die Lage geklärt ist. Indessen hat sie den Truppen weitere Anweisungen gegeben, jedem Angriff auf die chinesischen»Stellungen Widerstand zu leisten. Sthanhalliwan besetzt. Perping, 3. Jänner.(Reuter.) Eine von dem diplomatisch«« Vertreter der vereinigt«« Staat«« i« Tschingwangtao stammende amtlich« Meldung besagt, daß die Japaner Schanheikwang um 18 Uhr 30 vollständig besetzt haben. Ernste Beurteilung In Washington. Washington, 3. Jänner.(Reuter.) Außenminister Stimson verfolgt, wie aus Kreisen, die den behördlichen Stellen nahestehen, verlautet, mit großem Interesse die in Schan- haikwang entstanden« Lage und gibt sich über ihr«« Ernst keiner Täuschung hi«. Drei poliMe Todesurteile in Moskau. Wegen„böswilliger Sobotage der Getreideaulbringung“. Der Auftakt zu einer großen Offensive? Widersprechende Meldungen Uber die Besetzung von Sdianhaiüwan. Peking, 3. Jänner.(Reuter.) Ueber die Lage Schanhaikwan ist noch nichts Genaues be- MoSka«, 3. Jänner. Das Dnjepro- petrowsker Gaugericht verurteilt« drei ehemalig« Funktionäre wegen böswilliger Sabotage der Getreideausbringung zum Tode, drei wettere Angeklagte zu zehnjähriger und fünf Angeklagte zu achtjähriger , Di« Staatsanwaltschaft hatte, den Kämpfen um den Gran Chaco ein« Paraguayanische Militärabteilung ein« Weiße Fahne hißte und hiedurch vorschützte, daß sie sich erge ben wolle. ES zeigt« sich aber, daß dies eine List war, durch die es den Paraguayanern gelang, den Major Ariaso, flinf Offiziere und viel« Soldaten gefangen zu nehmen. ininiiiiiiuiiiiiiiuiiiiiiiuiiiiiiiiiiiiiuuiiuiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiuuiuiiuiiiiiiiiiiiiniiuiiiiiiiiuuiiuiiuiii wegung als der Termin der Errichtung des '„TÄüten Reichs" angekündigt, aber jedesmal wurde es damit nichts. Das letzte und äußerste Datum des vollen Sieges war das Jahr 1932, inehr so ausgiebig wie früher fließen. Otto Strasser, der Bruder Gregor Strassers, hat Hitler vorgerechnet, daß seine Partei«ine Schuldenlast von zwölf Millionen Reichsmark habe. Es geht ein großes Erwache^__ aus der Hitler-Psychos« vor sich und die brauet Freiheitsstrafe, nen Rattenfängermelodien wollen nicht mehr l wie die Telegraphenagentur der Sowjetunion in Schanhaikwan ist noch nichts Genaues be- bekannt. Die Japaner erklären, daß die Stadt gestern besetzt worden sei, während von offizieller chinesischer Seite betont wird, daß die Stadt noch in' den Händen der Chinesen sei, die heute morgen einen feindlichen Angriff abgeschlagen hätten. Em Telegramm des chinesischen Kommandanten im Abschnitt von Schanhaikwan, General Ho- schukuo, meldet, daß die Japaner von den chinesischen Berteidigungstruppen zurückgeschlagen wurden, nachdem die japanische Artillerie mit Unterstützung von Flugzeugen in einstündigem Kampf eme Bresche in die Mauer der Stadt gelegt hatte. Bei ihrem Frühangriff auf Schanhaikwan setzten die Japaner zwölf Feldgeschütze und sieben Flugzeuge ein. Werter beteiligten sich an dem Angriff 5000 japanische Soldaten sowie auch mehrere japanische Schlachtschiffe, die das Feuer der Feldartillerie unterstützten. Diese Meldung stammt auS glaubwürdiger Quelle. Die chinesische Besatzung der Stadt beträgt, wie weiter gemeldet wird, 5000 Mann. Die japanischen Meldungen führen den Zwischenfall darauf zurück, daß„zum Schutze der japanischen Staatsangehörtgen" eine japanische Militärabtcilung nach Schanhaikwan dirigiert werden mußte. Demgegenüber behaupten die Chinesen, die Japaner hätten ohne jedwede feindselige Aktion der Chinesen einen Angriff auf die Stadt unternommen, nachdem sie zuvor die Räumung der Stadt gefordert hatten. Die armen Japaner wurden wieder„provoziert". Tokio, 3. Jänner. DaS Kriegsministerium erklärt in einer Mitteilung an die Presse, daß der Kampf um Schanhaikwan von den Chinesen herausgefordert worden sei, die Vrötzenwahnfiimlse Matur. Aus Rom wird der Berliner„Bossischen Zeitung" von Johannes P, Freden unter dem Titel„Päpstlicher als der Papst" über Mussolinis größenwahnsinnige Verherrlichung, ein sehr cha- rakterisches Momentbild übermittelt: In allen Diensträumen eines neuen römischen Regierungsbaus, so heißt es in dem Artftel, steht jetzt in großen Lettern, wie ein Befehlswort, angeschlagen:„M ussolini ha sempre r a g i o n«!"(Mussolini hat immer recht!). Also niemals irrt Mussolini, unfehlbar ist er... Viele Aussprüche aus Mussolinis Reden sind neuerdings überall in den Autobussen und Elektrischen, an manchen öffentlichen Plätzen angeschlagen, zur Mahnung deS Volks. Dieser kühn« Spruch über die Unfehlbarkeit, der keineswegs von ihm stammt, ist trotzdem etwas unerhört Neues. Es gibt also zwei Päpste in Rom, den der katholischen Christenheit und den der Hochkirche der fascisüschen Glaubenslehre. Auch diese hat sich eine ganze Hierarchie aufgebaut. Sie verlangt ebenfalls Gläubige von der unbedingten A rtt. Bon jener, wie sie sonst nur die begnadetste und höchste Glaubenskraft schafft: des wunderreichen, tief zu verehrenden „credo quia absurdum", jenes felsenfesten, nie zu beirrenden Glaubens, der keiner Beweise bedarf, der glaubt, obwohl und gerade weil etwas dem rationalen Denken absurd erscheinen kann... Schon daS Dogma der päpstlichen Unfehlbarkeit, w:e es Pius IX. verkündete, sah keineswegs die Unfehlbarkeit des Papstes auf allen, nicht einmal auf den meisten Gebieten vor (wie Unkundige es immer noch meinen), sondern nur dann, wenn er im Streit der Lehrmeinungen„ex Cathedra" spricht. Di« aber in dem neu gezüchteten Byzantinismus sich päpstlicher gebärden als der Papst, wollen ihre» Abgott Mussolini stets und auf allen Gebieten unfehlbar erscheinen lassen: ha sempre ragione... Es gibt- aber Grenzen der Unfehlbarkeit. Di« alten Römer hatten zur Zeit des niedergehenden Cäsarentum- die Pflicht, schon bei Lebzeiten Casars chn als ,hivus", als göttlich zu verehren, seinen Statuen, di« an den Straßettecken aufgestellt waren, göttliche Ehren zu erweisen. Das Wort von der Unfehlbarkeit Mussolinis wirkt wie eine jener Statue», ist nichts anderes als Vergottung eines Menschen... Der Verfasser fragt, ob Mussolini auf die Dauer ohne Schaden an seiner Seele diese Vergottung dulden und ertragen könne und ob dies die wahre Liebe der Menschen sei. Freden übersieht die historische Tatsache, daß jeder gewalttätigen Diktatur mehr oder weniger größenwahnsinnig ist, sich von„Gott gesandt" betrachtet und die übertrieben« Huldigung seiner zu Hundedemut gezwungenen Untertanen als selbstverständlich findet. Das liegt im System und ist in jedweder antidemokratischen Einrichtung zu finden; nicht nur im italienischen Fascismus, sondern auch im reichsdcutschen, aber auch im. russischen Bolschewismus. Was man seitens der Hakenkreuzler bisher mit H i t l e r ge- trieben hat, wie man ihn ebenfalls„verhimmelt" hat, geht auf dasselbe Konto wie bei Mussolin:; nur daß der Letztere aus ganz anderem Holze geschnitzt ist wie der liebe Adolf, mit dem es unzweifelhaft schon stark bergab geht. Das wirksamste Mittel gegen di« notorisch qemeinschädlichen Diktaturen ist und bleibt die soziale Demokratie, die Bolksherrschaft mit ihrer unerbittlichen Kritik und Auslese der Kräfte, die jeden Cäsavcnwahnsinn von vornherein auSschließt. 12 Die Kellnerin Molly. Roman von Hans Otto Henel» Eopvriabt ta Fackelr«it«r-Derlaa. Berlin. Nachdruck verboten. Der Gang der Verhandlung habe bestätigt, was schon die Untersuchung ahnen ließ, nämlich, daß zwei im übrigen einwandfreie Männer der Verführung durch ein unreifes, sittlich gefährdetes Mädchen erlegen seien. Wenn es hier eine Schuld gäbe, dann sei sie bei dem Mädchen festzustellen. Tas Gericht stellte sich auf den Standpunkt des Staatsanwaltes und sprach die Herren Pu- bilke und Gottvertrau frei. Nach der Urteilsverkündung gab der Vorsitzende bekannt, daß er bezüglich der minderjährigen Zeugin.Habenichl die Akten an das BormundichastSgericht zwecks Erwägung dienlicher Maßnahmen abgeben werd«. Male Habenicht konnte erst vor Schwäch« d«n Gerichts^aal nicht sofort verlassen. Sie weint«, von ihren gleichfalls weinenden Eltern gestützt. Merkwürdigerweise aber verflog bald die Schüchternheit, die sie während der Verhandlung gezeigt hatte. Fast trotzig schaute sie zu, wie der Verteidiger der Angeklagten den Staatsanwalt zu«einer glän- zeitden Red« beglückwünschte. Und als sie dann mit d«n Elten: das Gerichtsgebäudc verließ, hatte sie kein« Furcht mehr vor den Gaffer», die si« draußen erwarteten und anstarrten. Ihre lÄefaßt- heit schien den Leuten zu mißfallen. Sie vernahm halblaute Rufe. Ein verstocktes Ting! Rur Vater und Mutter Habenicht zuckt«« unter die:'«« Urteil«« zu'amlnen. Male aber guckte den Vorlauten finster in die Augen, und das Schimpfen verstummte. Sie trng deutlich daS Bewußtsein zur Schau, freigesproch«:: worden»» fcin. Und war doch gar nicht angeklagt gewesen. Dem Publikum ist unnötiges Verweilen im Amtszimmer verboten Ein Philosoph hat behauptet, der Staat sei das kälteste aller Ungeheuer. Dagegen bezeugt Pastor Zickmann von der Inneren Mission, der Staat sei liebend und füriorgend darauf bedacht, jedes Pflänzlein seines großen Menschengartens der gottgewollten Bestimmung entgegenreifen zu lassen. Und zwar mft Hilfe der Inneren Msfion. Man darf dem Pastor Zickmann di« Erfahrung nicht absprechen, denn ihm, leinen Amtsbrüdcrn und Amtsschwestern überweist der Staat ot« meisten der jungen Menschenpflanzen, damit sie in der warnten Sonne christlicher Nächstenliebe aufblühen als Früchte. Als Früchte, an denen man gemäß einem alten Bibelworte die Gärtner erkennt. Nach ihrer Zeugnisablegung g.yen die nunmehr gerechtfertigten Beamten hockte Male Habenicht niedergeschlagen daheim, ließ die Tröstungen, Vorwürfe. Erntahnungen ihrer Angehörigen schweig.'nd über sich ergehen wußte nicht, was aus ihr werden sollte. Si« hielt sich in ihrem Elternhaus« auf. in ihrer Heimatstadt, und fühlte sich doch fremd und verjagt und verstoßen. Da hob der machtvolle Arn: des Staates durch sein Machtwort das unglückliche Mädchen aus der schmerzlichen Ratlosigkeit heraus.. Ein uniformierter Beamter des Magistrats von Schneidewald erschien bei Habenichts und forderte Male auf, zwecks einer amtlichen- Befragung mit ihm nach dem Rathaus« zu kommen. Mal« ließ ihr Frühstück stehen und zog sich ein dünnes Jäckchen an. Der Vater war schon in das Büro gegangen, die Mutter wollte das Mädchen begleiten. Der Beamte beschwichtigte die ängstliche Fran. Sie solle doch nicht glauben, daß bei einer deutschen Behörde ein Kind verloren ginge. Er wies die Bereitung als unnötig zurück, und Male folgte ihm willenlos. Sie wäre mit derselben Ergebung auf das Schafott gegangen. Gegen Mittag kowtte dir Mutter einer starken Unruhe sich nicht mehr erwehren. Das Mädchen kam nicht zurück. Auf dem Herde kochte das Mittagessen, bald waren Vater und Grete zu erwarten. Aber die Frau stellte die täglichen Hausfrauensorgen beiseite und eilte zum Rathaus«, sich um die Tochter zu kümmern. Man schaute sie ohne Wohlwollen an. „Male Habenicht? Ja. die ist hier getvesen, aber tmr durchgehend. Nähere Auskunft gibt das Vormmtdstbaftsgericht, Muttergottesstraßc ztvölf, Zimmer sieben bis neun." Der Schreiber guckte der Frau unverschämt ins Gesicht und ließ sie stehen. Sie kam sich ge- ohrfeigt vor und wagte nicht, gegen die Ohrfeige aufzumuckcn. Vielleicht hätte sie eine eingehendere Auskunft erbeten, aber ihre Augen erschraken vor dem gedruckten Aushang:„TeM Publikum ist unnötiges Verweilen im Amtszimmer verboten." Di« Frau Habenicht hatte das Glück einige Minuten vor Schluß der öffentlichen Dienstzeit das Vormutwschaftsgericht noch zu erreichen. Obwohl die Herren der Kanzlei sich bereits zum Tischgang herrichtcten, war man doch so freundlich, der verängstigten Ndttter bereitwillig Auskunft zu geben. Jawohl, die Riale.Habenicht sei hier gewesen. und zwar auf Borfordern des Bormurw- schaftsrichters. Tas Vormundschaftsgericht habe vflichtgcmäß und gestützt auf das deutsche Reichsgesetz beschlossst, die pp. Habenicht einer Fürsorgeanstalt für sittlich gefährdete Minderjährige zu übergeben, da nach gerichtskundigen Beweisen die sittlich einwandfreie Erziehmtg im Elternhaus nicht gewährleistet sei. Unter amtlicher Obsorge sei das Mädchen bereits nach der behördlicherseits bestimmten Anstalt abgereist. Wohin? Das mitzuteilen, bleibe im Ermessen des Vormundschaftsgerichbas, und dieses wolle vorläufig davon Abstand nehmen. Ihr Kind, wie es ging und stand, entführt? Vom Fleck weg? Entführt? Frau Habenicht solle sich ja nicht einer Beleidigung des Vormuirdschaftsge- vichtes schuldig machen, denn dieses entführe nicht, sondern folge nur den gesetzlichen Bor- schrifton. Urtd was die gute Frau sich eigentlich unter„vom Fleck weg" vorstelle? Ein« Ausstattung brauchen die Fürsorgezögling« nicht mitzubringen, denn die Anstalten sorgten nicht nur für sittliche Ertüchtigung,'sondern auch für Kleidung und Nahrung. Im übrigen sei alles aus der amflichen Verlautbarung zu ersehen, die den Eltern morgen zugehen werde. Frau Habenicht verstell in Schreikräanpf«. Ein« Dchcnerftau, die die zu Tisch gehenden Herren aufpteicksam machten, stand chr bei. An diesem Mittage rührten Habenichts das ohnehin mtr halbfertige Mittagessen nicht an. Selbst die Keine Grete brachte nicht einen Bissen hinunter. Vater und Mutter heulten unter sinnlosen Drohungen auf und flehten den Zorn Gottes auf di« hartherzigen Beamten herab. Anderen Tages erschien wirklich Pünktlich die amtliche Benachrichtigung, wonach ,chie minderjährige Mabe Habenicht rechtskräftig der elterlichen Erziehungsgewalt entzogen und einer Fürsorgeanstalt überwiesen ivorden" war. Die Fantibis los das Schreiben mit entzündeten Augen nach einer schlaflos und weinend verbrachten Nacht, Vater und Mutter eilten zum Bormundschaftsgericht, baten, bettelten, forderten, man möge ihnen doch wenigstens die Anstalt angeben, in die ihr Kind gebracht worden sei. Vergebens. Die Beaiuten wiesen auf den Beschluß des Vormundschaftsgerichtcs hin, das nach den in besonderen Fällen gültigen Bestimmungen vorlättfig eine ausführliche Mitteilung an die Eltern untersagt habe. tFonietzung joigl.) Rr. 3 Mittwoch, 4. Jänner 1933 Seite 3 Wer Ist schuld? An einem Unglück tvitl selten ftinand schuldtragend s^n. Da« ist verständlich, denn ein Unglück verursachen heißt, die Verantwortung für den, durch da» Unglück angerichteten Schaden, vor dem Gesetz, den Menschen und wenn es vorhanden ist— vor dem eigenen Gewissen zu tragen. I« größer ein Unglück, um so schwerer wich es den oder die Schuldigen festmstellen. Keiner will es gewollt, keiner verursacht Haden. So war es, als die Bilanz des Weltkrieges gezogen wurde, so ist es jetzt, da nach den Wurzln und den Schuldigen der Wirtschaftskrise geforscht wich. Die Wirtschaftskrise darf als eine der größten Katastrophen der Weltgeschichte bezeichnet werden, denn das Elend und das Lech: die Not und die Pein, die sie mit sich gebracht Hai, ist so rivftnyroß, oaß viel« anvere Katastrophen der Weltgeschichte durch sie in den Schatten gestellt werden. Schon sind dreißig Millionen Menschen von ihr erfaßt Wochen und niemand kann bestreiten, daß es in wenigen Wochen nicht schon vierzig Millionen fein können. Da beginnt sich allmählich das Weltgewissen zu regen, um so mehr, als die wirtschaftlichen Erfthütterungen zu Gefahren werden, deren AuSgang nicht im vorhinein bezeichnet werden kann. Jode Halls ahnen di« Gewaltigen der Erde, daß ihre Herrschaft von Bzu Tag mehr bedroht wird und daß es ste Zeit wird, ein« Wandlung der Verhält- herbeizusühren, um den Hunger der dreißig Millionen nicht zur gewaltigsten Anklage gegen die Herrschenden dieser Welt werden zu lasten, und zu vermeiden, daß die Geschichte einen Ur« teilspruch über die Schuldigen fällt, der sie fortan, ihrer Privilegien in der Gesellschaft berauben würde. Also sucht man nach Ursache und Schuld,— die Wirkung kennt man zur Genüge. Sucht man nach„Silberstreisen", um Hoffnung zu erwecken, weil Hofsmmg-lvsigbeit die Masse aufpeitscht. Was findet man dabei? Um das zu ergründen, genügt es die vielen Artikel und Betrachtungen der bürgerlichen Poesie zu Weihnachten und Neujahr zu lesen. Mel wurde da in Hoffnung gemacht, noch mehr wurde an Rezepten für die Gesundung der Wirtschaft geschrieben und vor albom wurde der Sünden« bock gesucht, der all« Schuld tragen und Sühne leisten so». Nie oder sah man auch b^ser als bei dieftr Gelegenheit die Ratlosigkeit bürgerlicher Wivtjchastskunst, nie vermochte man klarer zu erkennen, daß das Bürgertum aus den Gescheh- niffen der Zeit nichts gelernt und alles vergessen hat. Wir bleiben bei den Betrachtungen bei der einheimischen Presse, deren Urteil über die Wirtschaftskrise sich von jenem der gleichen Preis« des Auslandes, durch nichts unterscheidet. Da ist geradezu hervorstechend die Tatsache, daß alle bürgerlich.^ Jachleute auf dem Gebiße der Wirt« schäft, die sich mit der Analyse der Krise beschäf« tigen, die bestehende Organisation der Warenerzeugung und der Verteilung wenig oder gar nicht erwägen, sondern geradezu übergehen, daß sie die Revolution bei der Güteverzerkgung, di« sich in den letzten Jahren vollzogen hat, unbeachtet lassen, daß sie auch dem Abtransport wichtiger Industrien nach dem Ausland wenig Augenmerk zuwenden, die Wett ganz in Ordnung finden, die ihrer Meinung noch mir durch ein« ungeeignete Politik in ihrer Entwicklung gestört wird. Aber so sehr man sich auch bemüht, di« Kris« als vorübergehende Erscheinung binzustel- len, eS gelingt nicht. Wenn der eine sagt, die Preise ziehen an, es sei deshalb mit Bestimmtheit anzuuehmen, daß ein größerer Warenbedarf eintreten werde und damit auch mit der Belebung der Wirtschaft zu rechnen sei, kommt schon der andere und weist an Hand von Hahlen nach, daß diese Festigung bcÄv. dies« Preissteigerung, > nicht eine Folge erhöhten Warenbedarfes, son- j der» nur eine solche der Wirtschaftskünste, wie ! der Devisenverordnungen und der Einfuhrverbote sei. Also wo der eine Sonne sieht, findet der andere Schatten. Keiner von denen, di« in der bürgerlichen Presi« eine Neujahrs- oder WeihnachtSbotfthaft verfaßt««, vermochte über- zsugend darzutim, daß der Höhenpuukt der Krise überschritte« sei. Uederzeugen konnten im besten Falk jene, di« da sagten, unser« Wirtschaft fei jaus ihrem Tiefstand angelangt und werde eine I Zeitlang stabil bleiben. Sonst aber versuchte man die Politik für alle Sünden der Wirtschaft veranttvortlich zu machen. Die Politik, die doch neunzig Prozent zu Lasten der bürgerlichen Parteien geht und auf Grund der bürgerlichen Gesellschaftsordnung kon- iservativ ist und bleibt und neuen EntwicklungS- fteudenzen der Produktion keine Rechnung zu tra- Igen vermag. Da gehen die gleichen Leut«, die nie genug daran erinnern konnten, daß man einhei- ! mische Waren zu berücksichtigen hat hin und kla- igen di« Politik an, weil sie zur Autarkie geführt Ihahe. Sie nehmen gegen Zölle und ander« Schutz- I maßnah men der Besitzenden Stellung, di« sie für sich nicht ost genug in Anspruch nehmen konnten. IKurzum, sie finden die Wurzel des Ucbels so »wenig, wie' sie den Weg aus der Krise aufzuzci- igen verwöge«. So viel Artikel über die Wirt- Ifchaftskrffe, so viel Methoden, um aus ihr hcr- auS zu kommens werden vorge'chlaqen. Di« Tatsache aber, daß man den Mut zur ^Wahrheit und damit auch zum Ausweg aus der (Krise nicht findet, läßt erkennen, daß wir mit seiner Besserung der Wirtschaftslage nicht zu rechnen haben. Will man die Krise beseitigen, dann Müssen groß« Reformen auf allen Gebieten der Wirtschaft, des Handels des sozialen Lebens und wer Potitik angestrebl w«rd«n. Reformen, di, auch einen Teil der bestehenden Vorrecht« der Besitzenden bedrohen. Zu großen Taten aber wird sich das.an ter Wirtschaft interessierte Bürgertum nicht mehr ausraffen und das die Wirtschaft beherrscheudc Kapital wird es nicht tun, »teil es damit Selbstmord begehen würdet Also wird das Chaos, das in ter Wirtschaft entstanden ist, ininiergcwattiger werten und noch mehr als bis jetzt Menschen und Güter erfassen. Bis aus ter Not geboren oder ter Verzweiflung ent sprungen die Wege, die aus Krise und dem Elend führen, angeblchirt tverden. Ms dahin wird der Streit um die Sftnldfragc wcitergehen, niemand will schuldig sein und es ist auch niemand schuldig, als der Kapitalismus, den. seine Repräsentanten unmöglich vernichten können,— ter an seinen Entartungen und Irrtümern, an seinen inneren Widersprüchen und durch die Kraft des Proletariats verderben muß. Vie Helfershelfer der Reaktion. Die Kommunisten lehnen die Wir haben mit aller Deutlichkeit auf die erzreaktionäre Haltung der Kommunisten hingewiesen, welche da» Angebot, einen Nichtangriffspakt mit der Sozialdemokratie zu schließen, abgelehnt haben. Wir haben dabei betont, welch« abscheuliche Demagogie darin gelegen ist, die Einheitsfront rn Versammlungen, in Betrieben, in der Zeitung zu propagieren und in dem Augenblick, wo sie Wirklichkeit werden kann, jede Möglichkeit eines solchen Nichtangriffspaktes zu zerschlagen. Was anttvortet nun tei ,,Vorwärts" darauf? Unsere Leser mögen dos wörtlich genießen: Nicht di« Einheitsfront ist ein Betrug, sondern ein Betrug an den Arbeitermaflea ist«», wenn der „Sozialdemokrat" versucht, den Masten einznreden, daß di« Borschliige des Herrn Kondelka irgend etwas mit Einheitsfront zu tun haben. Di« LorschlSge des Herr» Koudelka die»«» nicht der Einheitsfront, so«, der» sie soll«» dies» Einheitsfront zerschlage» und unmöglich machen." Das ist wirklich eine sonderbare Logik! Koudelka schlägt«inen Nichtangriffspakt zwischen Sozialdemokraten und Kommunisten vor und die Kommunisten behaupten, Koudelkas Absicht sei keine andere, als di« Einheitsfront— die ja noch gar nicht besteht— zu zerschlagen. Wenn also die Sozialdemokratie di« Zusammenfassung der Kräfte des Proletariats vorschlägt, dann will sie — so lautet die kommunistisch« Logik— diese Einheitsfront zerschlagen. Wie müßten also di« Sozialdemokraten handeln, um di« Zufriedenheit der Kommunisten zu erringen? Sie müßten öffentlich die Einheitsfront ablehnen und(nachdem sie immer das Gegenteil von dem wollen, was st« proletarische Einheit ab. beabsichtigen) das wäre dann der Willensaus- rnck des Strebens nach der EinheitSftont. Eine verrücktere Politik, als der„Vorwärts" sie da treibt, kann eS schon nicht mehr gebe». «Lare nicht dar Preßgesetz, würden wir angeben, wo die Redakteure des„Vorwärts", di« solches schreiben, am besten Heilung fänden. ! Aber die Kommunisten haben noch eine Ent» cknng gemacht: Nach lange» Jahre» der wütendste» Hetz« zegen di« Einheitsfront spiele» sich plötzlich die Herren(geme nt sind di« Sozialdemokratin, d. Red.) al» Retter ter Einheitsfront gegen di« Kommunist«» auf. Unsere Leser sowie all« diejenigen, die in den letzten Jahren in sozialdemokratischen Versammlungen gewesen sind, sind Zeugen dafür, daß der„Vorwärts" hier eine Unwahrheit spricht. Wir sind immer für die proletarische Einheit eingetreten. Wir haben auf dem denkwürdigen Karlsbader Parteitag 1920 alle Opfer gebracht, um diese Einheitsfront zu erhalten. Nicht wir waren es, welche die proletarischen Reihen gespalten haben, sondern di« Kommunisten..Und heute ist es in Wahrheit gleichfalls die Sozialdemokratie, welche zur Einheitsfront des Proletariats aufruft. Die Kommunist«» aber find«S, welch« di« proletarischen Reihen gespalten haben und nun di« Spaltung verewigen wollen. Sie sind es, welche das Proletariat im Kampfe gegen den FascismuS schwächen, sie sind es. dl« trotz aller-radikaler Wort«, die sie im Munde führen, di« unbezahlt«» Soldtruppen d«r Kontr«revolution darstellen. Die Korridor Frage „Times" Über das„Niemals!" der oeuffchen Regierung. London, 3. Jänner. Die„Times" befassen sich heute mit Kombination«» hinsichtlich ter- Berqüickmig der AbrüstungSsrage mit der Revision ter FriedeirSverträge. vor allem, soweit es sich um den polnischen Korridor hantelt, und veröffentlichen eine Erklärung, die in dieser Angelegenheit auf eine Anfrage hin von offizieller deutscher Seite abgegeben worden sei. Dieser Er- klärung zufolge beabsichtigt di« deutsche Regierung nicht, aus der Abrüstungskonferenz in der Frage deS polnischen Korridors die Initiative zu ergreifen. Anders würde sich jedoch die Situation gestalten, wenn einige Mächte im Zusammenhang mit dem Sicherheitsproblem mit dem Dor- ichlag kommen sollten, daß zwischen Deutschland und Polen ein Gorantiepakt abgeschlossen werte. Deutschland habe, so heißt es in ter angeführten Erklärung, den polnischen Korridor niemals anerkannt, und wenn es anfgefordert werden sollte, dieses Gebiet Poleir zu garantieren, Ivar« es gerwungest anzudenten, daß dieftr Teil der deutsch-polnischen Grenze unter keinen Umständen garantiert werden könne. Reichstag am 17. Jänner? Berlin, 3. Jänner. In einer ganzen Reihe von Blättern wird der 17. Jänner als Termin für den Zusammentritt des Reichstags genannt. Var nelmwelir*Wä!fenhiger im brennenden Holzschnitten. Klagenfurt, 3. Jänner. In Feldkirchen brannte gestcrn ein großer Holzschupsen ab. Während des Feuers hörte man lang« Zeit heftige Detonationen. In den Trümmern des abgebrannten Schupfens fand die Gendarmerie sodann eine große Menge von Ba;onctten und anderen Waffen, die der Heimwehr gehörten. Jugoslawien strebt eine Anleihe von Frankreich an. Belgrad, 8. Jänner. Finanrminister Djord- jevic begibt sich' morgen nach Paris. Wie rn finanziellen Kreisen verlautet, wwd der Finanzminister in Paris Verhandlung«» wegen der Aufnahme einer größeren Finanzanleihe einleiten. Nationalrat Nicole an! freiem faß Gens, 3. Jänner. Ter Untersuchungsrichter bat aus Grund eine» ärztlichen Befundes di« vorläufige Frcilaffu--;*'s wegen der Ereignisse vom 9. Roveurb....rhafteten sozialoemokra tischen Nationalrate» Nicole verfügt. Vie Wiener Nazlbiatter auf dem Aussterbeetat Wie», 3. Jänner. Mit Neujahr haben in, Wien da- Hitftrorgan.„Wien er Mittag" sowie die sehr billigen Blätter„M ittags expreß" und„Nachtexpreß" zu erscheinen aufgehört. Bor Jahresende hat die nationalsozialistische„Freiheit" gleichfalls ihr Erscheinen eingestellt, während die andere„Freiheit", das Heimwehrorgan, weiter erscheint. kin mcrKwllrdtges Dementi. Belgrad, 3. Jänner.(Avala.) Das jugo- flawische Pressebüro ist ermächtigt, di« Nachricht der Berliner ,Aörftnzeitung" zu dementieren, wonach am 12. d, M. eine Konferenz ter Generalstabschefs der Staaten ter Kleinen Entente zu- sammentreten soll. Desgleichen entbehre auch die Meldung des gleichen Blattes jeder Grundlage, daß di« Tschechoslowakei und Jugoflawien an einer Konvention bet effs eines eventuellen MarscheSihrerMilitärabt eil ungen über österreichisches Gebiet arbeiten. De Valero löst das Parlament auf. Dublin, 3. Jänner. Durch eine heute früh veröffentlichte Prollamation ist sowohl das Abgeordnetenhaus wie auch der Senat aufgelöst worden. Die Neuwahlen finden am 24. Jänner statt. Ministerpräsident De Balera erklärte Preffe- vertretern gegenüber, daß der Auflösungsbeschluß nichts mit der gegenwärtigen Meinungsverschiedenheit mit der Arbeiterpartei zu tun habe. Zwanzig Einsichtige New Jork, 3. Jänner.(Reuter.) Zwanzig Repräsentanten des Wirtschaftslebens sandten an den künftigen Präsidenten der Vereinigten Staaten Roosevelt einen offenen Brief, in dem sie die gegenseitige Herabsetzung der Zollsätze und ein« schnelle RegelungderKriegs- schulden als Minimal- Programm für die H'bung der wirtschaftlichen Situation Vorschlägen. JW.Wö Baumwollballen für die amerikanischen Arbeitslosen. Washington, 3. Jänner.(Reuter.) Das Farmeramt wird in den nächsten Tagen dem „Roten Kreuze" 350.000 Ballen Baumwolle aus seinen Lagervorräten übergeben. Diese Spende soll zugunsten der Arbeitslosen verwendet werden. Sie erfolgt in Ausführung eines vom Repräsentantenhaus« und heut« auch vom Senate angenommenen Gesetzes über Hilfeleistung an die Krisenbetrosfenen. Ein Kontinent in Gärung Die Kämpfe in SQdamerlka. Rio de Janeiro, Ende Dezember.(Eig.-B«r.) Ter südamerikanische Kontingent gärt. Tief in den Schwammwäldern und herzbedrückenden Oeden des Gran Chaeo sind Bolivien und Paraguay in blutige Kämpfe verwickelt. Hoch im Norden haben sich die Peruaner des kaum auffindbaren Hüttendorfes Leticia bemächtigt; Kolumbia droht im Jntereffe seines Besitzes zu den Wafftn zu greift». Mag es auch nur um Dschungelprobleme gehen, der ganze Kontingent wartet nichtsdestoweniger gespannt darauf, wie das Ringen um unbekannt« Landes- strecken und Ortschaften entschieden werden wird. Denn was hier zur Sache steht, ist nicht mehr ein Kampf um nationale Eitelkeiten und fleinliche Belange, sondern um Dinge, die Lebensfragen der südamerikanischen Politik darstellen. Natürlich, vom Gran Chao und Leticia als südamerikanischen Lebensfragen zu sprechen, mag verwegen klingen, wäre eS nicht um ter Tatsache willen, daß Südamerikas Völker langsam zu erwachen und sich ter Bedeutung des ungeheuren, kaum bekannten kontinentalen Inneren bewußt zu werden beginnen. Jahrhunderte haben die Augen Südamerikas fasciniert auf das Meer hinaus geblickt, haben ftine Nation«» danach getrachtet, ihre Positionen an den Meeresküsten— wo die Mehrheit der Bevölkerungen lebt— so stark als möglich auszubauen.' Erst in den letzten Jahren ist ihnen eine dunkle Erkenntnis der Probleme des Lantesinnern aufgegangen, wo am grünen Tisch gezogene Grenzen durch nie betretene Dschungel laufen und uNgehcur- Bodenstrecken mit unerschöpflichen Naturreichtümeru der Erschließung harren. Das einzig« Volk, das diesen Fragen schon seit jeher große Beachtung schenkte, waren die Brasilianer, die auch alles zur Sicherung ihres Einfluffes und ihrer Besitztitcl daranfthte». Noch heute findet man an den westlichen Grenzen Brasiliens alte Steinforts und primitiv angelegte Befestigungen, beredte Zeugnisse brasilianischer Staatskunst und ihrer portugiesischen Vorgänger, die schon vor Jahrhunderten Besitzverträge mit den eingeborenen Stäin men abschlossen. Die andere» Völker Südamerikas haben sich nicht weitsichtig gezeigt und.gerade in dieser Außerachtlassung liegt der Beweis) warum das südamerikanische Binnenland immer mehr ein Objekt gewalttätiger Auseinandersetzungen wird. ES sind weder wilde KriegSlust noch in den Himmel reichende Eroberungswünsche, die die Südamerikaner um Strecken kämpfen lassen, die dem ausländischen Beobachter als nutzlose Wüsten erscheinen, ohne jegliche praktische Bedeutung für die Gut und Blut daransetzende Nation. Worum es auf dieser Stufe menschlicher Entwicklung im Inneren Südamerikas geht, sind die großen, kaum in ihrem Lauft erkundeten Flüsse, welche den Binnenreichtümern einen Zugang«im Meer erschließen. Der Gran Chaco mag trostlos sein, aber Bolivien weiß sehr gut, daß durch ihn ein Weg zu schiffbaren Gewässern und zur Ver- tvertung ter Botenreichtümer um Santa Cruz de la Sierra sich erschließt. Kolumbia wehrt sich mit allen Kräften gegen den Raub Leticias durch Peru, nicht weil es um ein halbes Dutzend wahrscheinlich längst niedergebrannter Hütten geht, sondern weil hier die verwundbar« Stelle ist, wo der schmale kolombianische Landeskorridor den Amazonenfluß berührt. In schmerzhaften Krämp- ftn und bitteren Eifersüchteleien wird hier ein Erdteil erschlossen, dessen Entwicklung maßgebend für die Zukunft der Welt sein wird. 2n«Sft«rm-Urteßl auf 45 Gelte«. Brünn, 3. Jänner. Das im Prozeß gegen die Mitglieder ter Organisation Jungsturm er« flössen« Urteil vom 24. September 1932 würde heute in schriftlicher Ausfertigung an die b«1ei- ligten Parteien abgesand-t. Der Tert füllt 43 Schreibmaschinenseiten und ist vom Senatspväsi, dentett ObergerichtSrat Hagel ausgearheitet. Abgeordneter Kurthak gestorben. Am Montag starb nach kurzer Krankheit in Sevljuä der karpathorussische autonomistische Abgeordnete Ivan Kurthak im Alter von 45 Jahren. Kurthak war vor dem Krieg Volksschullehrer; nach dem Umsturz gründete er m Karpatboruh- land eine neue Partei her.autonomen landwirt- schaftlichen Söjug, die stark antitschechisch eingestellt war und für die völlige Autonomie teS Lauches eintrat. Dem Parlament gehörte Kurthak ftit 1920 an; dort war er als radikaler Redner bekannt, ter seine Agitation vorwiegend auf die Gegnerschaft gegen das tschechische Elenrent iu Karpathorußland aufbaute. Man warf ihm vielfach vor, daß er ftine Verbindungen mit Budapester Regierungskreisen nie ganz äufgegebeu habe. Trotzdem kandidierten ihn die„sonst so staatserhaltenten Nationaldemokraten im Jahre 1929 auf ihrer Liste und verschafften ihm so neuerdings ein Mandat. Kurthak selbst hat dann allerdiims adald selbst dieses unnatürliche Bündnis wieder gelöst. Sette 4 Mittwoch. 4 Jänner 1933 Nr. 8 Mit 15.000 PS r Ins*. Nebel will eine bemannte Rakete anfs eigen lassen. Tagesneuigkeiten Des Osafis Lorelcltigcsang. Ich weiß nicht, was soll es bedeute«, daß ich so traurig bin, ei« Traum aus vergangenen Zeit««, -er kommt mir nicht aus dem Sinn. Einst wollte ich Deutschland erneuern, einst wollte das Volk ich befrei'», bann wollt' ich in's Dritte Reich steuern Es hat nicht sollen sein. Im Anfang, da klappte es prächtig, das Volk ist fleißig erwacht «nd meine Partei wurde mächtig, nnr ich kam niemals zur Macht. Ich war zwar schon nahe dem Ziele, -och langt« ich leider nicht an. Das hatte mit seinem Gespiele -er böse Schleicher getan. Seither ist mein Stern im verblasse« «nd mit der Karriere ist's ans, die Allergetreu'sten verlassen ttr Scharen schon mein braunes Haus. Ich ziehe bereits in Erwägung die Liquidation der Partei, denn bald bleiben in der Bewegung nnr noch die Schulden mir tren. Ich hab' das Gefühl, in zwei Jabren, da kräht kein Hahn mehr nach mir. Dan« schreib« ich halt Memoiren, vielleicht gibt's Käufer dafür. Kann sein auch, ich finde Verwendung beim Tonfilm— als Chaplin zwei. Vielleicht war das gar meine Sendung? Ra, mir ist's schon einerlei. H. L Proletarier yraden nach Salz- eia Toüesovler. Uihorod, 3. Jänner. In der Nacht zum 1. Jänner wollten einige Einwohner, der Gemeinde Strednr Apsa, die unweit der Gruben von Slatina gelegen ist, auf der Grube Kunhuta nach Salz graben. Die unterminierte Schichte stürzt« jedoch ein und ein dreißig Meterzentner schwerer Block fiel auf den llHährigcn Arbeiter Dorde V a s i l a, der auf der Stelle t o t liegen blieb. Zuerst meinte man, daß unter der eingestürzten Schichte noch weitere Opfer liegen. Tic Gefährten Basilas waren indessen geflohen. Neujahr in USA: 180 Tote. New Dort, 8. Jänner. Die hiesigen Blätter melden, daß bei der NeujahrSseier aus dem Gebiete der Bereinigten Staaten im ganzen 180 Personen bei Automobilunfällen, Schießereien und durch Alkoholvergiftung«ms Leben gekommen seien. Die Hälfte der angeführten Unfälle ist auf Stratzenunfälle zurückzuführen. Acht Personen sind an Alkohol« Vergiftung gestorben. Eine Mutier mit Ws Kindern verbrannt. Shelba(Ohio), 3. Jänner.(Reuter.) In einem Häuschen brach ein Brand aus, der sich so schnell über den ganzen Bau ausbreitete, daß es niemandem der Bewohner gelang, sich zu retten. Die Mutter mit ihren fünf Kindern kamen in den Flammen um und der Vater wurde in hoffnungslosem Zu stände in das Krankenhaus geschafft. 3wei Posener Raubmörder» droht die Todesstrafe! Posen, 3. Jänner. Die am 30. Dezember begangene Mordtat an dem Präfekten des Posener Lehrerinnen-Seminars ist schnell aufgeklärt worden. Zwei mehrfach vorbestrafte Diebe, die erst kürzlich aus dem Gefängnis entlassen wurden, sind die Täter. Die Raubmörder dürften schon in den nächsten Tagen vor das Standgericht gestellt werden, wo chnen die Todesstrafe droht. Trauerflor bis zum kl. Nimmerleinstag? Berlin, 3. Jänner. In einem Befehl des Bannführers der Berliner Hitlerjugend wird angeordnet, daß aus Anlaß der Ermordung des 16jährigen Hitlerjungen W a l t e r M a g n i t t sämtliche Fahnen und Wimpeln solange mit Trauerflor zu versehen seien, bis Adolf Hitler Führer des Deutschen Reiches sei. Eisbrecher„Malygin" ausgelaufen. Moskau, 3. Jänner. Der Eisbrecher„Malygin'' lief drei Meilen von der Küste von Spitzbergen auf eine Sandbank auf. Der herbewceilte Eisbrecher„Sedow" konnte allein die„Malygin" nicht flott machen. Aus Archangelsk eilte der Eisbrecher„Lenin" der„Malygin" zu Hilfe. Der GoidfüllkederkSnig hat sich wieder einmal ein« Hetz' geleistet. Wien, 3. Jänner. Eine Woche nach dem Gasangriff in der Wiener Postsparkasse wurde am 81. Dezember in den Morgenstunden auf den Stufen zum Postsparkassepalais ein Paket gefun- Dipl.-Jng. Rudolf Nebel, der Leiter des Berliner Raketenflugplatzes, beabsichtigt m einigen Monaten vom Magdeburger Flughafen aus eine bemannt« Rakete aufsteigen zu lasten. Di« Antriebskraft dieser Rakete soll, nach Nebels eigenen Darlegungen, wie üblich, durch Rückstoß erfolgen. Als Antriebsstoff wird aber nicht Pulver, sondern slüffiger Brennstoff(Sauerstoff und Alkoholwaffer) verwandt werden. Das Alkoholwasser dient gleichzeitig zur Kühlung, der flüssig Sauerstoff zur Druckerzeugung in den Brennstofftanks. . Die acht Meter hohe Rakete ist als Z u g- rakete konstruiert worden. Unten liegt der Schwerpunkt mit den Brennstofftanks und der Führerkabine, während der ein Meter lange, aus Aluminium hergestellte Motor(Durchmesser 60 Zentimeter) in die Spitze eingebaut ist. Die Energien der brennenden, vollkommen explosionssicheren Flüssigkeiten werden vom Motor direkt bei einer Temperatur von etwa 2000 Grad Verden, das einer.Höllenmaschine ähnlich sah. Als das Paket mit größter Vorsicht geöffnet wurde, stellte sich heraus, daß es sich um einen Silvesterscherz handle. Heute hat sich nun als Täter der „GoÜtfüllfederkönig" Winkler bei der Polizei als Täter gemeldet. Winkler, der bereits zahlreiche ähnliche Streiche verübt hat, wurde nach dem Verhöre von der Polizei wegen Störung der Ordnung zu vierzehn Tagen Arrest und zu vier-! zehn Schilling Geldstrafe verurteilt. Bluttat einer Arrfinnlae«. Versailles, 3. Jänner. Heute nachts ermordete in einem Anfall von Geistesgestörtheit«in« 40jährige Notarsgattin ihren Mann, zwei klein« Kinder und ihre Mutter, worauf sie Selbstmord verübte. Südsturm im Kanal. London, 3. Jänner.(AR.) Dor Südsturm wütete auch heute au der englischen Küste unwühlte d-ir Kustengewäfser tief auf. Trotz der Windstöße von 40 Meilen pro Stunde, di« sich in 5000 Fuß Höhe bis auf 60 Mellen pro Stunde steigerte, wurde der Flugdienst zwischen London und Paris regelmäßig versehen. Die Flugzeuge, die auf ihrer Fahrt den Wind im Rücken hotten, trafen von Paris auf dem Flugplatz Grohdon nach ungewöhnlich kurzer Flugzeit ein. Um dem Hunger zu entgehen— verhungert! Für die Lesebücher der Schulkinder eines kommenden, sozmlistkschen Zeitalters, das auf unsere Epoche als auf eine Periode tiefften menschlichen Rückfalls in die Barbarei zurückblicken wird, sollte die wahre Geschichte und furchtbar« Begebenheit aufbewahrt werden, die wir gestern aus einer polnischen Industriestadt meldeten: 1500 gekündigte Arbeiter hatten eine Fabrik besetzt, um durch solchen Protest der Tat das Angedrohte abzuwenden, und haben tatsächlich gesiegt, denn in wenigen Tagen soll die Arbeit des sMgelegten Werkes wieder auf-' genommen werden; aber diesem Sieg ging das Unsägliche voraus, daß die Unternehmer die Fabrik drei Tage versperrt und so den Arbeitern die Zufuhr an Lebensmitteln«-gesperrt hatten und daß diese versuchte Aushungerung bei einer der eingesperrten Arbeiterinnen restlos gelang: die unglückliche Kämpferin bezahlte chre und ihrer Brüder Aktion mit ihrem entkräfteten Leben. Und erst dieser Märtyrertod auf dem Schlachtfeld der Arbeit bestimmte die Unternehmer, unter dem Druck der erbitterten Klassengenoffen der Gefallenen, die Fabrik wieder in Betrieb zu setzen. Das Grauen unserer Zeit hat hier eine blutige Groteske geschaffen, die die Vorstellungskraft der Dich- ter, die Phantasie all derer zu übertreffen scheint, die das Entsetzen unseres Jahrzehnts in Bilder einzufangen sich bemühen: um dem drohenden Hunger zu entgehen, der ihnen durch den drohenden Arbeitsverlust bevorstand, besetzten die Proleten zu vielen Hunderten die Fabrik, den Ort ihrer Ausbeutung und ihres Hungerleiderlebens; um sie dem Hunger aus der Straße gewaltsam auszuliefern, wollten i die Unternehmer sie aushungern: mrd weil die eine Genossin, die wohl schon ein Halbhunger- leben hinter sich hatte, mit den Brüdern und Schwestern dem Ganzhunger Kampf mrsagte — ist sie verhungert... Braucht man das Entsetzliche noch näher erläutern? Muß man die Empfindungen erst beschreiben, die sich da in der Brust jedes Proletariers regen? Wahrhaftig, angesichts solcher Welt und solcher Herren der Welt wird einem klar, daß das, Zeitalter der Liebe erst auf dem Umweg über den H a ß anbrechen kann; im Angesicht dieser Aera der Hungerpeitsche weht uns der Atem des Freiheitsdichters an, der da schrieb: Wir haben lang genug geliebt, wir wollen endlich hassen... Unglück im Unglück. In der Silvesternacht brach in S p e i e r l i n g bei Tachau in der Scheune des Bauer» Anton Hütter ein Feuer aus. das sich sehr rasch auf sieben andere Scheunen ausbreitete, die in einer Reihe av- brannt und in Bewegung umgesetzt. Es soll so eine Kraft von etwa 15.000 PS entwickelt werden. Die Zuführung der Brennstoff« erfolgt, nach Nebels Darstellung, mit weit größerer Sicherheit als bei den bisher bekannten kleinen Versuchsraketen. Die Steuerung erfolgt aerodynamisch. Der Raketemnotor wird nach allen Seiten schwenkbar angeordnet sein und somit stets frei« Wahl für die Ausblaserichtung der ausströmendcn Feuergase lasten. Ter Anstieg erfolgt mit allmählicher Beschleunigung(10 bis 20 Meter in der Sekunde), so daß di« Gefahr des zu hohen Drucks auf den menschlichen Organismus vermieden wird. Nach Nobel kann der Mensch jede Geschwindigkeit aus- balten, sofern sie in allmählicher Steigerung erreicht ist. Der Pilot, soll mit«irrem Fallschirm abspringen, auch di« Rakel« selbst wird mit einem automatisch ausgelösten Fallschirm wieder zur Erde kommen. einander standen. Maschinen u nd Ernte- vorräte verbrannten, es konnte nur wenig gerettet wcrden. Auch Benzinmotoren sind dem Brand zum Opfer gefallen. Der Schaden ist sehr groß und nicht ganz durch Versicherungen gedeckt. Es wird vermutet, daß der Brand gelegt worden ist, vielleicht aus Hetz, weil die Feuerwehr am Neujahrstage ihren Ball haben sollt« und einer aus dem Dorfe lieber haben wollte, daß sie lösche. Die Nachtwache hat nichts Verdächtiges bemerkt. Der Ortsfeuerwehr kam bald die Feuerwehr aus Haid mit ihrer Motorspritze zu Hilfe, doch war nicht genügend Wasser vorhanden. Ein Feuerwehrmann aus Haid verpaßte die Abfahrt des Spritzenwagens, fuhr auf dem Rade nach, stürzt« damit, brach sich das Genick und war sofort tot. Ein Bauer und sein Sohn erlitten bei den Löscharbeiten so schwere Verletzungen, daß sie nach Tachau ins Krankenhaus gebracht werden mußten. Selbstmord zweier Kinder. Am Neujahrstag stürzte sich«n dreizehnjähriger Schulknabe aus Berthelsdorf in Sachsen vor den von Chemnitz kommenden Personenzug. Er wurde so schwer verletzt, daß der Tod sofort eintrat. Mit welcher Entschlußkraft das Kind den Tod suchte, geht daraus hervor, daß er sich am Bahndamm in den dort liegenden Steinen eingrub, um vom Zugsführer nicht vorzeitig gesehen zu werden. Das Motiv zur Tat ist unbekannt.— Aus dem dritten.Stock eines Hauses in B e r l i n- Moabit stürzt« am Montag eine elfjährige Schülerin. Das Kind erlitt lebensgefährliche Verletzungen. Sein Vater wollte fum zweitenmal heiraten; am NeujahrSabend Hra".remitierte..,—„Weiter zurücktreten", rief ihm Guitry zu.— Ter junge Mann tat, wie der Meister befahl, und rezitiert« weiter.—„Weiter zurücktreten!" rief Guitry.— Dieselbe Prozedur wiederholte sich noch zweimal.— Schließlich sagt« der junge Mann:„Verzeihung, aber wenn ich noch weiter zurücktret«, bin ich nicht mehr auf der Bühne"—„Da gehören Si« auch gar nicht hin", lächelt« Guirry. Die Heilung der Angst Angstgefühle sind körperlich bedingt.— Herz und Angst.— Ein interessanter Fall aus der Praxis. 20. März 1832: Den alten Goethe hat eine schwere Erkältung gepackt, und sei» Arzt berichtet: „Fürchterliche Angst und Unruhe trieben den Greis mit jagender Host bald ins Bett, bald auf den Lehnstuhl."— Zwei Tage danach war Goethe tot. Angst ist ein elementares und gewaltiges Gefühl, das selbst den stärksten Mensche» nicht verschont, und dessen sich niemand schämen darf. Angst ist etivas anderes als Furcht.. Furcht hat stets einen Gegenstand: ein bestimmtes Ereignis, „eiwn. Eutschluß„..LiriLu Menschen. Augst jedoch ist der Ausbruch einer Empfindung, völlig unabhängig von Willenskraft und Mut, Angst ist die Sprache des Herzens, ein mahnendes und bedeutungsvolles Zeichen für den Arzt und für den Patienten. „Angst ist urspründlich immer etivas Körper- ftches," sagt Kant. Diesen nahen Begehungen zwischen„Herz und Angst" hat der Wiener Arzt Prof. L. Braun ein Buch gewidmet. Die normale Herztätigkeit ist im gesunden Körper ein unbewußt ablaufcnder Vorgang. Der gesunde Mensch weiß nichts»nb fühlt nichts von seinem Herzen. Nur lvenn der Rhythmus sich nach Anstrengungen oder Aufregungen ändert oder wenn das Herz krank ist— dann verschafft sich der Herzschlag Eintritt in das Bewußtsein. Die Angstempfindung ist eine Urempfindung wie der Hunger. Der Hunger zeigt uns eine Unordnung, eine beginnende Störung des Stoffwechselgangs, die Angst eine Unordnung, eine beginnende Störung des Kreislaufs. Braun schildert aus seiner Erfahrung solche Fälle: Ein üOjähriger Mann klagt darüber, daß er von Zeit, zu Zeit mitunter häufiger, mitunter seltener, zumeist.am Abend, wenn er sich gerade ins Bett gelegt hat,«nd müde von'des'Tages Arbeit eben«inschläfen will, Plötzlich die Empfindung habe, in seiner Brust sei etwas gerissen. Oder er hat die Empfindung, als ob er plötzlich abstürze. War er schon eingeschlafen, so erfaßt ihn etwa in einem solchen Moment die schreckliche Vorstellung, sein Grab sei soeben geschaufelt, er werde mit raftnder Geschwindigkeit in die Grube geworfen. Oder aber, sein sehnlichster Wunsch ist in Erfüllung gegangen: er befindet sich auf eineni Fluge nach Rom. Da gerät das Flugzeug:n Brand, stürzt pfeilschnell in die Tiefe und— er GEDENKET bei alten Anlässen der Arbeiteriürsorge! erwacht mit der Empfindung eines heftigen Stoßes in der Herzgegend. Dieser plötzliche Stoß ins Nichts, dieser Absturz ist stets der Ausdruck einer unregelmäßig schlagenden Herzens, einer sogenannten„Extrasystole". Bei nervösen Menschen sind die Extrasystolen eine häufige und an sich ganz harmlose Erscheinung. Tas Herz stillt sich noch stärker als sonst, der Schlag wird dadurch gewaltiger und spürbarer, erschüttert Herzgegend, Hals»ich Kopf, man hat das Gefühl, als sei etwas Schlimmes, Unheilvolles geschehen, empfindet Schwindel und Angst. Natürlich finden auch die ernsteren Erkrankungen des-Herzens durch Angstgefühle ihren Ausdruck. Der Arzt erkennt diese Patienten schon an ihrem Verhalten in der Sprechstunde. Sie klammern sich förmlich mit ihren Blicken an ihn an, aus ihren Worten und ihrem Gehaben schaut immer irgendwie die Angst heraus. Eine gewisse Kindlichkeit haftet ihren Fragen nnd dem Tonfall ihrer Stimmen am die ihre Unsicherheit und Haltlosigkeit gegenüber dem Leben erkennen läßt. Die Furcht vor der Angst hat von dem Leben dieser Bedauernswerten Besitz ergriffen. Der Herzanfall geht vorüber, der Schmerz ist geschwunden, aber das Erlebnis der Angst wirkt fort und verwandelt einen heiteren, sorglosen, unbekümmerten Menschen, in eine» hilflosen und unsicheren. Er ist ein Gefangener feines Leidens. .Früher hat er Gefahren furchtlos ins Auge geblickt, jetzt ist er verzagt nnh rührselig geworden, möchte um keinen Preis und keinen Augenblick allein gelassen werden, jeder Schwung, jede Unternehmerlust sind verloren gegangen, und nur ganz allmählich kehren Selbstvertrauen und Lebensmut wieder in ihn zurück. Wer aber sich selbst kritisch und selbstbewußt gegenübersteht, dm quälen und bedrücken das eigene Versagen und die Unzulänglichkeit seiner Leistungen. Der Kranke hält sich für minderwertig, er beginnt an sich selbst zu zweifeln, ist mißtrauisch und ni^crgedrückt, und so wird aus einem körperlichen Leiden, das— wenn eS in fernen Anfängen erkannt wird— gebessert oder geheilt werden kann, ein seelisches Leiden mit allen verhängnisvollen Folgen für die Persönlichkeit. Den meisten Menschen wird schon eine Last vom Herzen genommen sein, wenn sie erkennen, daß die„Angst", die sie für eine charafteristisch« UnzulänAichfftft, für ein Zeichen' völligen mensck)- lichen Versagens gehalten'IjäteM—W«• Folge- crfcheinung eines körperlichen Schadens ist, der in den meisten Fällen behoben werden kann. Tas Leben unserer Tage ist für jeden einzelnen angesüllt mit Aufregungen, Spannungen und Katastrophen. Die Masse der aus den Fugen geratenen Herzen ist das Zeichen einer aus den Fugen geratenen Welt. Um so mehr muß der Arzt versuchen, das schlvantende Herz wieder ins Gleichgewicht zu bringen, den körperlichen Frieden und die Ruhe des Gemütes herzustellen. Dr. med. M. G. und s um die Mundwinkel zuckte nur ein ironisches Lächeln. Den Revolver noch immer vor sich haltend, näherte sich Touchin dem Eindringling und durchsuchte ihm die Taschen, wobei eilige Werkzeuge zu Boden fielen. Und als diese Untersuchung beendet war, trat er wieder in Abwehrstellung zurück. „Schießen Sie nicht!" sagt« da der Bandit. „Ich mochte mit Ihnen sprechen!" „Sie wollen mich um Verzeihung bitten, nicht wahr?... Also gut, wenn Sie sich nicht rühren, werde ich mich darauf beschränken, das Polizeirevier anzurufen." Und Touchin streckte den Arm nach dem Telephon aus. „Einen Augenblick!" unterbrach ihn da der Mann mit so gebietender Stimme, daß der Fabrikant unwillkürlich in seiner Bewegung inne- hielt. Der Einbrecher benutzte diese kurze Pause, um an Truchin dir Frage zu stellen: „Habe ich daS Vergnügen, mit Herrn Touchin zu sprechen?" „Ja. Was tut das aber zur Sache? Sie kennen mich?" „Ganz wie man's n'MMl." erwiderte-er Mann kaltblütig.„J-. Paris kennt Si« wohl ieder.. Ich bitte Si«, bei der Reklame, die Sie überall machen... Im übrigen", letzte er fort und wies dahei auf den Geldschrank,„werden Sie zugeben müssen, daß meine Arbeit nicht gerade 'chlecht war!" Touchin wurde immer bestürzter und wußte nicht, was er antworten sollte. Mechanisch wandte er sich wieder dem Telephon zu. Da wurde es dem Einbrecher klar, daß er die Partie gewonnen hatte. Mit der größten Ungeniertheit setzte«r sich Touchin gegenüber und begann ganz ruhig:. „Ihre große Reklame ist also nichts anderes als Bluff! Die Gelüschränke, System Touchin, Zhre Äekd'chränk«, mein Herr lasten sich geradezu ipielend'aufknacken! Daß ich die Wahrheit wge. sehen Tic wohl hier mit eigenen Augen: E,n Mann wie ich, kaum zwei Jahre ber seinem Beruf vermocht« in knapp einer Stunde einen "ieser io angeprieenen Geldschränke zu öffnen. In Nächtliche Blamage. Bon P. Mariel. Es hatte gerade Mitternacht geschlagen, als Herr Touchin in feinem Bette auffuhr. Im Zimmer einen Stock tiefer, im Büroraum seines Kassierers, rührte sich etwas. Zuerst dachte Herr Touchin an ein« Halluzination und wollte sich schon umdrehen. doch als das Geräusch nicht verstummt«, spitzte er die Ohren. Nun horte er ganz deutlich Schritte, und kurz darauf ein leichtes metallisches Knirschen. Kein Zweifel, ein Dieb „arbeitete" dort! Herr Touchin sprang auf von seinem Lager, schlüpfte in die Pantoffeln, zog die Hosen an und entnahm einer Kassette auf dem Nachtkästchen einen Revolver. Einer Katze gleich schlich er dann lautlos über die Stiege und stand wenige Sekunden später vor der Tür des Kastenraumcs. Als er einen Blick durch das Schlüsselloch warf, sah er dort im Licht« einer Blendlaterne die Silhouette eines Mannes, der sich an dem feuerfesten und einbruchsicheren Gelöschrank zu schaffen machte. Und dieser Geldschrank, das Mcistermodell seiner Fabrik stand offen! Ungeachtet all ihrer Geheimichlösser un> keuflikch-n Hindernissen war erbrochen worden! Herr Touchin war vor Bestürzung sprachlos. Dann aber saßt« er sich ein Herz, streckte den Revolver schußbereit vor und trat in das Zimmer.: „Hände hoch!" rief er dem Einbrecher chon von der Sckwell« entgegen. Der Mann wollte etwas erwidern doch angesichts, des vorgehalieuen Revolvers gehorcht« er unverzüglich. Touchin. der ihn unablässig mit der Waffe in schach hielt, drehte mit der anderen Hand das elektrische Licht an und konnte nun fernen ungebetenen Gast näher betrachten. Es war dies er» lunger, nicht uniympathiich qus- sehender Mann,'aubea raiieri und gekleid«,. und dabei enNchreden mit-nein Ausdruck von siutcl- ligenz. s^ine Auge« blickleuwie beürstig't Wirklichkeit sind es also Sie, der dr« anderen beraubt— das Publikum nämlich!" „Na, wissen Sie... Das ist aber derm doch schon zu viel!" stotterte Touchin niedergeschlagen. Der Mann setzt« aber unbeirrt fort: „So, und jetzr lasten Sie mich verhaften! Ich werde Ihnen vor den Richtern Reklame machen, und dazu noch umsonst! Ten berühmten Diafori werde ich mir zur Verteidigung nehmen, und das wir- die Zeitungen zwingen, sich auSführlichst mit meinem Fall zu beschäftigen. Di« ganze Welt soll es erfahren, daß die angeblich so einbruchsicheren Geldschränke von Touchin das Opfer des erstbesten Geldschrankknackers werden können! Und Sie, Herr Touchin, werden nicht nur ruiniert sein, sondern sich überdies mit unsterblicher Blamage bedecken! Man stell« sich nur vor: Ein Geldschrank» fabrikant, dessen Bielstermodell in seinem eigenen Büro geknackt wird! Ich gratuliere!" Ein Schweigen trat ein, während dessen der Einbrecher die Wirkung seiner Worte zu überprüfen schien. Touchin aber, ganz betäubt und verwirrt, hatte vollkommen seinen Revolver vergessen,-er nun schlaff in seiner Han- hinabhing. „Ja, ja, telephonieren Sie nur!" fügt« der Bandit hinzu. „Nein, ich werde Sie nicht anzeigen," murmelte Touchin mit Grabesstimme.„Ich sehe, daß Sie nur ein irregeleiteter junger Mensch sind und will daher von einer Anzeige Abstand nehmen. Ich verzeihe Ihnen. Jetzt machen Sie'aber, daß Sie weiterkommen." Doch der andere beeilte sich durchaus nicht, dieses großmütige Angebot zu akzeptieren.„Wozu auch?" ,'agbc er,„um wieder Hunger zu lcÄlen? Ich gestehe Ihnen offen, daß ich das Gefängnis vorziehe. Zumindest werd« ich mich-ort täglich attessen können." „Aber, Mensch Sie... und die Ehre?" „Von der wird man leider nicht satt... Veranlassen Sie also nur meine Verhaftung, ich bitte Sie darum! Oder nein... Noch besser, ich gehe selber aufs Revier und stelle ncich der Behörde." „Und wenn ich Ihnen ein wenig Gel- geben rür-e?" stottert« Touchin ganz entsetzt-er Per* Zecher könnte feine Idee verwirklichen. „Ein wenig? Um morgen wieder kein Stück Brot zu haben...? Rein, nein, da ist mir das Gefängnis schon lieber." „Sagen wir also: tausend Franken."£ „Es wird Ihnen nicht schwer sein, diese Lappalie auf dreitausend zu erhöhen.. „Sie sollen den Betrag haben," seufzte Tou- chin resigniert und entnahm dem Gcldschrank ein Paket Hundertfrankenscheine, von denen er dreißig Stück dem reuigen Sünder in die-Hand zählt«. „Sie werden aber nichts erwähnen, nicht wahr?" murmelte Touchin. „Mein Ehrenwort!" stimmte der Einbrecher gerührt zu, nahm sein« Mühe und verschwand eiligst in der Finsternis der Rächt. Touchin stand noch immer da, ganz niedergeschmettert von dem bitteren Erlebnis. Tann raffte er sich auf, versperrte den Geldschrank— es war an iym auch nicht die Spur einer Gewaltanwendung zu'vhen— und ging schweren Schrittes in sein" Schlafzimmer. Tie ganze Nacht konnte -r kein Auge schließen. Am nächsten Morgen schützte er Kopfschmerzen vor und begab sich nicht in sein Büro. Er hatte sein bisheriges Selbstvertrauen verloren, ja e? ichien ihm, als hätte dieser Einbrecher geradezu den Lebensnerv seiner Existenz durchgeschnitterr. Zu Mittag erhielt er einen Rohrpostbrief, 1.r apathisch öffnete. Und er laS: „Sehr geehrter Herr! Sie sind ein braver Man« und Ihre Geld- 'chränke sind ausgezeichnet—- das diene Ihnen zur Beruhigung! Wenn es mir gelungen rst," Ihren Schrank w leicht zu öffnen, so ist-res einzig und allein auf den Unrstand zurückzuführen, daß Ihr Beamter den Schlüssel hat stecken lassen und die Chiffren« men für diesen Tag auf-em Schreibtisch notiert lagen. Das war von Ihrem Angestellten eine grobe Unvorsichtigkeit. Waschen Sie ihn dafür ordentlich-en Kopf, ich. bitte Sie darum! Mit freundlicher Empfehlung Ihr nächtlicher Ruhestörer. lAutorisierie Uebersetzung ans dem Französischen.- Seite 6 Mittwoch, 4. JSmrer 1988 Nr. 3 Die staatlichen Kohlengruben uns die Klmu-Be!.etznng. Man sollt« meinen, daß wir gerade genug an vichtp erkaufter Kohle haben, uni iu einem Spital nicht in gesundheitsschädlicher Weise sparen zu müssen. Dennoch stellte man z. B. in der nun schon„berühmten" Eebäranstalt um 9 Uhr abends das Heizen ein(die Winterkälte kommt erst!) und erzielt folKndes: Korridore, Warteraum, Ordinationszimmer, aseptischer Saal, Kreiß-Saal. Krankeilzimmer etc. sind sofort ausgekühlt.(Die übrigens sehr problematischen Dampfheizungen sind doch keine Wärme speichernden Dauerbrandöfen.) Nachtaufnahmen müssen an Aufnahmetagen erfolgen. Die grauen erkälten sich bereits im Warteraum und dann bei der Untersuchung in der Ordination. Gynäkologische Untersuchungen werden bekanntlich— entkleidet vor- aenommen und sind nicht mit einer»Zapfenden Band"-Schnellig!eit zu machen. Frierend liegen die doch immerhin kranken Frauen auf dem Wachstuch(schön schaut dieses Untersuchungsmöbel ans!)— zähneklappernd liegen sie im Kreiß-Iagl: auch Geburten Pflegt n on nicht im Pelz vor sich gehen zu lassen... Nach dem warmen Bade! Kein Wunder, daß kürz» lich ein ganzes Saal. Zimmer voll grippekranker Frauen war, kein Wunder, daß an Grippe und Mittelohrentzündung erkrankte Aciczte Dienst tun mußten!— Aber: die Kanzleien der Bürokratie sind Backöfen und —- anderes.— Wünscht das Gesundheitsministerium diese Asiatismen nicht zu ändern? Unmögliche Zustände, Wir erhielten schon Vor mehreren Wochen immer wieder Nachricht darüber, daß im deutschen Gymnasium in der Stefansgasie im heurigen Winter zu wenig geheizt werde, daß auf den Gängen und m den Klaffen eine so niedrige Temperatur herrsche, daß sie eine Gefahr für Vie Gesundheit der Schüler und Schülerinnen darstelle. Nicht nur Schüler, sondern auch Professoren beklagen sich über die Kälte, die in der Schule herrscht und führen Erkrankungen, welche sie mehrere Tage hindurch von der Schule fernhielten, auf die Temperatur in den Klassenzimmern zurück. Auch nach Weihnachten haben sich die Zustände in der Schule nicht gebessert, so daß dadurch die Schüler dauernd zu leiden haben und sich die Öffentlichkeit für diese Zustände interessieren muß. Ganze drei Monate soll bereits die Kälte in der Anstalt herrschen, die Schüler und Schülerinnen müssen sich beim Unterricht oftmals den Mantel' anziehen, und wie uns versichert wurde, haben gestern die Schüler und Schülerinnen, tn^ manchen Klassen vor Kälte gezittert, so daß es unmöglich wär, dem Unterricht zu folgen. Solch« Zustände sind unhaltbar und der Lehrkörper trägt die Verantwortung dafür, wenn etwa eines der Kinder dauernden Schaden an seiner Gesundheit erlitte. Epsteins Nachfolger in der Prager Zentralvertretung sowie im Stadtrat wird der der Ar- beits- und Wirtschaftsgemeinschaft angehörende Regierungsrat i. P. Dr. Emil Wiesmaher. Die Herren. Eine Frau bericht«!« einem unserer Mitarbeiter: Zu ihr kommen wegen Exekution sür Wasser- und GaSnachzahlung von 50 Li, di« in zwei Tagen 9 X Junge bekamen, zwei Männer. Der «in«, schrecklich dick, läßt sich, aschmatisch-schnaufrnd, auf das Sophabett der Schuldnerin nieder. Sie sagt ihm: Das ist doch mein Bett! Da haben Sie einen Sessel! Und sucht die Quittungen, denn si« hat längst bezahlt. Findet, sie nicht sofort. Der Dicke klebt sein« Marke auf die Kommode. Während di« Amtsleut« im Fortgehen sind, ruft die Frau ihren Advokaten an: Zwei Männer kamen zu mir, pfänden... Da kommt der Dicke aus dem Byrzimmer zurück: Np, ich bitt« Sie, Frau, wir sind keine Männer(mä!e), wir sind Herren(Piiny).(Jetzt wißt Ihr es, Genossen!) jeden a n st ä n d i g empfindenden Menschen aufreizen muß. Der Gerichtshof fällte einen Freispruch. Freilich nicht deshalb, weil«r die verzweifelt« Notwehr der ausgehungerten Proletarier für angebracht erachtet hätte, sondern deshalb, weil di« durch den Steinwurf zertrümmerten Glasscheiben des Autobus aus splittersicherem Glas bestanden, woraus sich ergibt, daß durch di« Zertrümmerung der Fensterscheiben niemand gefährdet war. rh. Der unheUige Rikolo. Prag, 3. Jänner. Eine amüsante Sach« wurde heut« vor dem hiesigen Kreisgericht verhandelt. Der „Patriotische Lese- und Bildungsver« ein" in einem Peripheriebezirk hatte«in« solenn« Nikolofeier veranstaltet. Sankt Nikolo trat persönlich auf, begleitet von dem Kollegen Kram- p u s und diese beiden wetteiferten darin, das Publikum in heiterste Laune zu versetzen. Der Heilige samt dem Teufel mischt« sich unter das Publikum. Namentlich der Teufel tat sich hervor mit allerhand schnurrigen Intermezzos. Er brummte und brüllt« sein„Brrr..." und„Bnbubu" und hatte es namentlich auf die F r a u e n abgesehen. Sankt Nikolaus sekundiert« seinem Krampus aufs beste. Als die Teufelsszene oben zu Ende ging, griff einer der versammelten Spießbürger, der sich di« Lachtränen abwischen wollt«, mechanisch nach seiner Brieftasche. Diese aber war verschwunden, war, wie sich später herausstellt«, im vollsten Sinne des Wortes „b e i m T« u f e I". Es folgte ein« regelrecht« Panik, denn eine ganze Reihe der vom Teufel scherzhaft attackierten Frauen vermißt« ihr« goldenen Hals- kettchen, Medaillons u. dgl. Ebenso mußten mehrere Herren das Verschwinden ihrer wohlgespickten Brieftaschen feststellen. Es gab«ine» Riesenkrach und die herbeieilende Polizeiassistenz fing eben noch den heiligkn Nikolo samt dem Kollegen Krampus ab, als sie in würdevollem Schritt die Stätte ihrer Tätigkeit verlassen wollten. Sowohl der Heilige als auch der Teufel hatten in Ausübung ihrer Rolle eine Menge Geldtaschen, Halskettchen, Armbänder u. dgl. geklaut. Noch auf der Anklagebank grinsten die beiden Gauner(es sind bekannt« Diebe) über dm Coup. Sie wurden zu neun und sieben Monaten schweren Kerkers verurteilt, mit nachfolgender Zwangsarbeit. 8110kl' MI' Kömerplleiie Weiter um di« Europasntzballmannschast. I» der mitteleuropäischen Zone der Sozialistischen Arbei« ter-Sport,Internationale sollen am 8. und 8. Jenner in Wt«n das 4. und 5. Spiel um die Europameisterschaft steige». Die ö sterrei ch i sche» tnd ungarischen Arbeiterfutzballspieler haben sich geeinigt, an diesen Tagen gleich das Bor- und Rückspiel in Mm auszutragem Oesterreich darf diese Spiele nicht leicht nehmen, denn die Ungarn ind sehr gut. Die sächsisch« Kreismeisterschaft im Fußball beginnt am kommenden Sonntag, den 8. d. M. Es werden an diesem Tage di« ersten vier Spiele ausgetragen, und zwar stehen sich gegenüber: DBB. 15 Dresden und BsR. Löbau in Freital-Dresden: Nie- derhaßlau und Corso Glauchau in Zwickau; Sturm Gornsdorf und Raschau(Vogtland) in Schneeberg (Erzgebirge); Freiheit Taura und BfK. Südwest Leipzig in Burgstädt. Ein« Torschützcnliste der Wien«« Ligamannschaf, trn. Rudolfshügel hält in der Meisterschasttobell« als auch in der Torschützcnliste den ersten Platz besetzt. Di« Liste der erfolgreichsten Schützen in der Herhstmeisterschast: 10 Tore Mrk-ricka(Rudolfshügel), 9 Ohrenberger(Floridsdorf), 8 Zeman(Nord-Wien) und Poller(Ostbahn Simmering), 7 Wallner(Gaswerk), Glatter(Helfort) und Eder(Floridsdorf) 8 Steinhäuser(Gaswerk), Bednar(Poftunion) und Rybar(Postunion), 5 Tore Artinovic(Zentralverein), Babanek(Helfort), Foreith(Gaswerk), Schön (Phönix Schwechat), Wolf(Ostbahn Simmering), Kis(Red Star) und Dittmann(Meidling). Mmer Arbeiterfußball. Der Spielbetrieb am Neujährstag war nrfolge Glatteis sehr gering. Nur zwei, Kämpfe fanden statt, an denen Mannschaften der Liga beteiligt waren, und zwar schlug Ostbahn Simmering unverdient hoch Helfort mit 4:0 (3:0) und Rudolfshügel gewann gegen die Kveit- klassige Moravia 3:1(1:0), wobei die Unterlegenen ein günstigeres Ergebnis verdient hätten. Reichsdeutscher Arbeiterfußball. Dresden: Eintracht gegen Pieschen 5:1(1:1), DDB. 10 gegen Cotta 8:7(3:5), Helios gegen Radeberg 7:0, Birkigt gegen Potschappel 4:5(3:1), DBB. 15 gegen Klotzsche. 7:2, Weißig gegen Rabenau 4:5.--- Chemnitz: Sachsen gegen SBS. 3:0(2:0), Concordia gegen Einsiedel 3:2(2:2), Simson gegen Mittekbach 2:8.— Leipzig: BfL. Südost gegen Pegau 7:3(4:1), BfK. Südwest gegen Großzscho- cher 2:2(2:1), Frisch auf Wurzen gegen Bennewitz 8:1, Sportlust 09 gegen Kieritzsch 5:5(4:2), BfR. 1914 Oetzsch gegen Eutritzsch 8:1, Wahren gegen Schönfeld 4:2. Der Eishockeyländerkampf Lettland—Oesterreich in Frag« gestellt. Di« lettischen und österreichischm Arbeiter-Eishockeyspieler haben vereinbart, am 13. Jänner in Wien einen Länderkampf auszutragen. Nun ist die Veranstaltung in Frage gestellt. Di« technischen Schwierigkeiten erwiesen sich nämlich als so groß, daß man befürchtet, si« iy der kurzen Zeit nicht überwinden zu können. Und rin späterer Termin kommt für das Spiel nicht in Betracht, da nach dem 13. Jänner Leiten wie Oesterreicher mit ihrer Meisterschaft beschäftigt sind. Wiener Arhtiter-Eishockeh. Samstag: Brigittenau gegen FünfhauS 10:1(6:0, 2:1, 2: 0), Zen- tralvrrein gegen Augarten 3:0.— Sonntag: Brigittenau gegen Augarten 5:1(0:1, 2:0, 3:0). Kunst und Wissen Überall erhältlich! ist dLlt 'ScAjl'nsiCe. fy&efonfa&i/fr Das Turnen hat bereits begonnen! Frauen: Plontag und Donnerstag ab 7 Uhr abends. Männer: Dienstag und Freitag ab 7 Uhr abends. Kinder; Samstag von 3 bis 5 Uhr nachmittags. Turnhalle: Staats-Realgymnasium, StLpanfla 20. Literatur „Du und di« Erde." Eine Geographie für jedermann. Geschrieben und bebildert von Hendrik W. van L o o n. Ullstein-Verlag. Manchmal wird man durch di« Auffassungen des Autors zu Widerspruch gereizt, aber es wird niemanden geben, der- dieses eigenartige und einzigartige Buch nicht mit leiden« schaftlchem Interesse lesen würde. Es wär« ein höchst unzureichender Ausdruck, wollt« man es schlechtweg als ein«„Geographie" im herkömmlichen Sinne einer Erdkunde ansprechen. Hendrik van Loon hat sich eine weit umfassendere Aufgabe gestellt und löst st« glänzend: er beschränkt sich nicht bloß darauf, di« Ober- Wochcnspielplan des Reuen Deutschen Theaters. Mi twoch, halb.8 Uhr:„Die Wunder-Bar" (B 1).— Donnerstag, halb8 Uhr:„Der fliegende Holländer"(C 1).— Freitag, halb8 Uhr:„Salome"(D 1), neueinstudiert.— Samstag, halb8 Uhr:„Wenn die kleinen Veilchen blühen"(C 2).— Sonntag nachmittags: Arbeitervorstellung:„Figaros Hochzeit." Wocheuspielplan der Kleine« Bühne. Mittwoch, 8 Uhr:„Susannes Geheimnis", Rosen- kavalierwalzer„Brüderlein fein".— Donnerstag, 8 Uhr:„Ich habe einen Engel geheiratet."— Freitag, halb8 Uhr: Hokuspokus", Kulturverbandsfreund«.— Samstag, 8 Uhr:„Der Geisterzug." Aus der Partei Zugenvbcweguug. Rot« Falken, Prag. Donnerstag abends viertel 7 Uhr im Ligaheim Falkenrat. Freitag nachmittags um 3 Uhr im Ligaheim Vollversammlung aller Kameradschaften. 2. Kurs der Arbeitsgemeinschaft. Dienstag, d-n 10. dß., im Studentenheim, Dr. Emil F r a n z c l: „Kulturprogramm der Sozialdemokratie." Kranzablösungssp enden zum Gedächtnis Pros. KreibichS. Zugunsten des Deutschen Studentennotopfers widmet«» Prof. Schlosser und Pros. G a m p e r sowie Direktor Ziegler Beträge zu je 200 K. Vereinsnadiriditen fläche der Erde und ihr« politischen und natürlichen renzen, ihren physikalischen Bau zu beschreiben, vielmehr stellt er den Menschen in den Mittelpurckt der Bühn«, berichtet, wie dieser sich seinem Hintergrund angepaßt, wie er es mit seinen geringen Kräften zuwege bracht«, sich und seiner Familie Nahrung, Obdach und Ruhe zu suchen. Ob der Autor recht daran getan hat, die„kommerziellen" Probleme gegenüber den„menschlichen" zurückzustellen, mag unerörtert bleiben, jedenfalls sagt der Verfasser in dem Buche viel Treffendes, Geistteiches und— Ketzerisches. Auf jeder Seit« wird einem zu Bewußtsein gebracht, wie gründlich van Loon das vielfältige Antlitz der Erde bis in seine kleinsten Einzelheiten kennt und wie er Klugheit, großes Wissen um di« Tinge und Darstellungskunst ausgezeichnet zu einem Ganzen zu vereinigen versteht. Er erzählt von der Entstehung des heutigen Bilder der Erd«, vom Wechsel der Zonen, vom Meere, vom Golfstrom, von der Geschichte der einzelnen-Erdteile und jedes einzelnen bei Länder und Staaten Manch scharfes Urteil ist iu die' Betrachtungen dch» tief menschlich und kosmopolitisch denkenden Forschers eingeichlossen. Seine Meinung über di« Mächtigen dieser Welt ist sehr gering, so beispielsweise wenn er sagt:„Cft» mals will es schcinen, als ob ein« Welt, di« von Katzen oder Hunden oder Elefanten oder einigen hochorganisierten Insekten regiert würde, durchaus ganz entschiedene Vorzüge vor einem Planet«« hätte, der von'Schlachtschiffen und Maschinengewehren vergewaltigt wird." Hendrik van Loon glaubt dennoch an den Ausstieg des Menschengeschlechtes und an eine Rettung aus seiner heutigen widerwärtigen und be- schämenden Situation. Sehr lehrreich und anschau- lich sind di« in dem Buche enthaltenen 90 Textbrlder und 16 farbigen Tafeln, durchwegs vom Verfasser gezeichnet.—r. ■»RAG Ausschußsitzung, Mittwoch, den 4. d. M., 7 Uhr abends. Restaurant„U kupcu", StLpansla. Bestimmtes und pünktliches Erscheinen wird erwartet. n bos Seim des klsssienbewnkltev i» Arbeiters gehört-. Aevtralorgav. I Ttntidicn soziatdcmotr. Arbeiterpartei H’> »Sozialdemokrat*—1| Geriditssaal NaüMlpe zum Streik in den WMerwerreu. Prag, 3. Jänner. Der Streik der Arbeiter in den Jinonitzer Walterwrrkcn ist noch in frischer Erinnerung. Ebenso auch di« allgemeine Empörung gegen di« Streikbrecher, die Tag für Tag im Autobus unter dem Schutz von Gendarmcrirbajonet- ten zu ihrer Arbeit gefahren wurden. Ti« Fahrten dieser Autobusse waren keineswegs ungestört. Tas erbittert« Proletariat Smichovs und Koäiks a:tak« kierr« mehrfach di« Autobusse deq Streikbrecher. Einer dieser Fäll« stand heut« vor drm Senat des OGR. Tro st zur Verhandlung Angeklagt war eine Arbeiterfrau die den Namen Ther'esia KoenigSmark führt Ihr wird zur Last gelegt, einen Stein gegen die Fenster des Strelkbrecherautobus geschlendert zu haben. In juristisches Deutsch übertragen bedeutet das rin« Anklage wegen des Verbrechens der„öffentlichen Gewalttätigkeit". Tie Stilisierung der Anilggrschrift verrät, daß der beamtete öffentliche Ankläger seiner Sache nicht recht rroh geworden ist Es ist darin die Rede von„sogenannten" Streikbrechern— eil» Wart das ja doch jeden sozial nein. Da; laute Schwrigrn. Bon O. F. Heinrich. Der Arbeiter ging nach Hause. AIS er di« Tür öffnete, kam ihm sein« Frau entgegen. Ei« schaute ihn an; er ging an ihr vorüber. Sie sah ihm nicht nach und klinkte nur die Tür ein, die der Mann auS illachlässiakeit nicht richtig geschlossen hatte. Dann stand sie am Küchenschrank und 'chnitt an einem Brot herum. Ihr Gesicht vermochte der Mann nicht zu sehen, weil das geringe Licht der Lampe auf ihrem Rücken lag. Sie trug Brot zum Tsich an einer feuchten Wand, davor der-Mann saß und-sich die Stiefel auSzog. Später steckte sie das nackte Bein eines Kinde? zurück'unter die dumpfige Bettdecke. Das Kind öffnete ein wenig den Mund, lallte im Traum ein paar helle Worte und legte sich seine kleine Hand vor die Stirn. Die Hand fiel in unbewußter Regung bald w-eder herab. Auch di« zierliche nackt« Ferse kam wieder unter der Decke hervor.' Die Mutter ging auf das Bett zu. Ihr« Schritte verzögerten sich. Sic wandte sich nach dem Mann um— plötzlich. Wie wenn er sie gerufen hätte. Er hatte sie nicht gerufen. Er i)att« nicht einmal eine andcutende Bewegung gemacht. Mit einem fleckigen Messer strich er sich dünnen Käs« auf ein Stück Brot. Die Frait ver barg jetzt wieder das rote Ferslein des Kinder. Si« faßt« es ganz leise an, wie man kostbares Porzellan berührt. Der'Mann aß. Di« Frau saß auf dem Betl- rand. Und wartete, bis der Mann das Messer zur Seite legt«. Er schob es langsam mtt vier Fingern über den Tisch, als wollt« er in diese Stille ein Geräusch legen, das vielleicht di« Frau oder auch ihn zum Sprechen bewegen könnte. Er horchte,' ohne hinüber nach dem Bett zu sehen, und wenn jetzt einer von ihnen gesprochen hätte, wäre es eine fremde Stimme gewesen. Draußen am Fenster kletterte der Schein einer Wagenlaterne vorüber. Beide Menschen sahen mit schiefen Augen nach dem Fenster hin. Si« horten Räder auf dem holprigen Pflaster klappern und warteten bis das Geräusch sich in der Ferne verkroch. Dann räumte die Frau die Schüssel weg, 'N der nur noch ein Rest des dünnen Käse zurückgeblieben war. An anderen Tagen ließ sie alles auf dem Tische stehen und wusch erst morgens das wenige Geschirr ab. Um die große Stille zu zerstören, tat sie«S d'esmal schon am Abend. Klirrte mit ein paar Tellern. Dann hockt« sie wieder auf dem Bettrand uttd als Her Mann die Tür abichloß, begann sie sich auSzuziehen. Jetzt nahm sie das Kind behutsam aus dem Lett und trug es auf eine Lade, wo unter wollenen Deck-n ein anderes Kind schlief. Der Mann machte sich inzwischen am Gasherd zu schaffen. Sie ging zu ihm. Sie hielt furchtbar ihr« Hand vor di« schmalen; festen Lippen. Als der Gashahn rauschte, griff sie nach seinem Arm und rief ein Ästiges kurzes Wort in sein« Augen:„Du!" Das Wort traf. Es war wieder die Stille da. Der Gashahn rauschte nicht mehr. Dann sagte der Mann:„Geh' schlafen!" Die Worte fielen wie zerbröckelter Kalk aus der harten Mauer seine- Mundes. Das Weib mußte sie aber»erstanden haben, denn sie legte sich ins Bett, wie ein von Fieber müde gewordenes Kind, das sonst gern widerspricht, und nun froh ist, verdämmern zu können, hinabzusinken ins Dunkle, das hinter der kleinen elektrische:» Lampe wartet. Und das Lampenlicht liegt so schwer in die fern toten Raum«. Wieder rauscht der Gashohn. Der Mann sitzt am Ofen, hat den Kopf teil nach hinten an die Kacheln gelehnt. Fast müßte cs ihn schmerzen. Er bleibt so sitzen. Der Gashahn rauscht. Ter Kopf des Mannes sinkt herab. Sc,n Kinn liegt fetzt auf dem Hemd im Schlitz-er Weste. Er hort, wie jemand durch den Flur geht die Treppe hinauf. Ein Türfall bringt die Stillwieder.... ... in die nur der Gashohn so seltsam fhi< tlKtlptu Äitjfrz» tut- O•!«<*•!(<•*. wildel» SliUtt- Betamawtili^ct Dl Cotti Die««» Br«,- Duck Jtttf t-4 ft» jtettvtu.«■» Buchdruck. tM— ftt» lot Duck uunNurtltch Ott» D°Ii». (MC.— tu 8«i:i.n0matI.ntiaMüiu> wurde»■ Mi Potz.* Itlcgcawtiibttchtra alt ckrlut N> IS.8UWVliatS0 dewllll«!- Beju,«l>,dmguu,e» Per Aulkelluug IN« v»u»«dir bei Be,u« durch di, Potz«onullich re iS.—,»terirljüdriich U 48.— kaMiaiu«»t t».«atuiokti« IU UA~.— S-t««i« wftta lau tauf dtlligtz berechn«. B« timt» SialÄaUaMU Vreiilluchlud- Nöckjlewa» u>«tu eriolgl an M CdejeodiuO du Numoca-riea