13 Ladrgang. Samstag, 7. Lanner 1933 Nr d. Smzelpreis 7V Heller. (Einschließlich S Hell« Porto) '" Erscheint mit Ausnahme des Montag tüglich früh." M.'taMMB. StrMtuafl: Braa U. 3ttfäjanfa iS# Xrte»o.: 10705. 51409. Rafttrttan.(a#81 IWOs 3383® ♦> 3134* Die Japaner richten sich hfiusllch ein! Peiping, 6. Jänner. Die japanischen Streitkräfte find mit der Befestigung ihrer Stel- lungen um die erobert« Stadt Schauhaikwan beschäftigt und richten sich anscheinend für einen längeren Aufenthalt in der Stadt ein. Vas scheinheilige Japan. ES»gedauert" die„Zwischenfälle". Genf, K. Jänner. Die japanisch« Delegation hat erst heute dem Völkerbuttdssekretariat zwei Mitteilungen über den„bedauerlichen Zwischenfall" von Shawhaikwan übergeben. In der einen wsrd eine Darstellung der Entstehung der Kämpfe und der Besetzung der Stadt durch die Japaner gegeben, währeiw in der anderen die japanische Regierung erklärt, daß sie. sich bemühen Werde, die AnyAegenheit zu lokalisieren und nicht'ausweiten zu lassen, sofern von chinesischer Sorte keime Provokationen erfolgen. In einer ebenfalls heute abeichs veröffentlichten Note der chinesischen Delegation wird ein Bericht eines chinesischen Obersten Ho in Shan- haikwan über die dortigen Ereignisse mitgeteilt. Beratungen der ungarischen Sozialdemokratie. Budapest, 6. Jänner. Heute wurde in Budapest der auf dtci Tage anberoumte Landeskongretz der ungarischen sozialdemokratischen Partei durch den sozialdemokratischen Reichstagsabgeordneten P e Y e r eröffnet. Nach der Begrüßung der ausländischen Delegierten ergriff der Delegierte der tschechischen sozialdemokratischen Partei Josef O ch das Wort und betonte, eine der wichtigsten Bestrebungen seiner Partei sei, dem verwahrlosen Zustand zwischen Ungarn und der Tschechoslowakei ein Ende';« machen. Seine Partei-sei der Ansicht, datz der gegenwärtige Zustand sowohl wirtschaftlich als auch politisch für beide Nationen nachteilig sei. Sodann übermit- telte der Abgeordnete Genosie Anton Schäfer die Grüße der sudetendeutschen Sozialdemokratie. Unterhaltung Schleicher-Braun Berlin, 6. Jänner. Wie BTZ. meldet, wird sowohl in der Reichskanzlei wie bei der preußischen Staatsregierung jede offizielle Erklärung zu der am Freitag stattgefundenen Unterredung zwischen dem Reichskanzler von Schleicher um> dem preußischen Ministerpräsidenten Braun gb- gelehut. Bon unterrichteten Kreisen hort das VDZ., datz die Bedeutung dieser Unterhaltung sich auch daraus ergebe, datz das Gespräch fast eine Stunde länger dauerte, als Vorzeichen war, und datz der Reichskanzler andere Persönlichkeiten, die bereits zum Empfang vorgesehen waren, warten ließ. Es beißt, datz der Rehskanzler eine verbindliche Erklärung zu den Forderungen der Preutzenregierung bisher nickt gegeben habe, weil er vermutlich mit dem Reichskabinett Fühlung nehmen will. Man durfte rm übrigen auch bei den preußischen Fragen borläufig aus die noch nicht gefallene Entscheidung im Reich Rücksicht nehmen. In parlamentarischen Kreisen hört man, datz die Situation des Kabinetts Braun sich bedeutend besiern werde, falls die Reichstags- und Londtagsauflösung notwendig werden sollte. Wo sich Hitler berät. Ueber die Hintergründe dar Unterredung Hitlers mit Papen in Köln teilt der„Jungdeutschc" mit: „Der Baron von Schroeder, in dessen Wohnung die Unterredung stattgefnndrn hat, ist Teilhaber des Privaibankhauses I. H. Stein in Köln. Er ist außerdem Mttasiad des AufsicktS- rats hei der Aktiengesellfchast Charlottenhöh«, die zum Flick- Konzern gehört. Bon dort gehen die direkten Verbindungen zum Stahl- verein und zu Thyssen. Do Hitler von diesen Gruppen der rhoinisch-westfälischen Jndu- strie finanziell stark unterstützt worden ist— Dementis werden gern entgsgengenommen—, und da derartige Subventionen gewöhnlich über prwase Bankhäuser geleitet werden klären sich die Hintergründe dieses Vorfalls. Und datz uw so mehr,' als ja bekanntlich der Rücktritt des Herrn von Papen und die Versuche Hitler mm Reichskanzler ju machen, auch nicht ohne Einwirkung dieser Jndustriegruppe vor sich gingen" den mit di« Be- eine Be- der den " Was Wunder, wenn r verhinderte Reichskanzler Prag, 6- Jänner. Die heutigen Beratungen des Zentralkomitss des internationalen Metallarbeiterverbandes waren hauptsächlich der Besprechung der aktuellen wirtschaftlichen Fragen gewidmet. An der Debatte beteiligten sich di« Vertreter der Metallarbeiterverbände aus Frankreich, England, Deutschland, Oesterreich, Rumänien, Ungarn und der Tschechoslowake 1. Einstimmig wurden sodann folgende Beschlüsse gefaßt: „Das Zentralkomitä des Internationalen Metallarbeiterverbandes hat in seiner vom 5. bis 6. Jänner in Prag stattfindenden Sitzung zu der allgemeinen wirtschaftlichen und politischen Lage und besonders zu der in der letzten Zeit zutage getretenen Entwicklung Stellung genommen. Unter Hinweis, auf früher« Erklärungen wurden die nachstehenden Förderungen und Punkte einmütig zum Beschluß erhoben: as Die Arbeiterklasse lehnt die Berant- wortung für di« wirtschaftlich« Entwicklung, welch« in einen allgemeinen wirtschaftlichen und sozialen Zusammenbruch treibt, ab. Sie unterscheidet mit Recht di« voll« Berantwor- tung jener Kreise, welch« di« Führung der öffentlichen Angelegenheiten m Händen haben, bs. Das Zentralkomite verweist in ernster Stund« aus di« Notwendigkeit der baldigen Lösung aller strittig«» politischen Frage«, di« Güteraustausches und der Stärkung des gegenseitigen Vertrauens. Darüber hinaus ist die plauwirtschaftliche Regelung der Produktion im sozialistischen Sinn« dringend geboten. cs Soll die Massenarbeitslosigkeit einigem Erfolg bekämpft werden, mutz Vierzigstundenwoche mit großer schleunigung so vervrirklicht werden, daß Schrumpfung der Kaufkraft der Arbeiterschaft verhindert wird. Für Betriebe mit kontinuierlicher Arbeitszeit, besonders für di« Schwer» eiseniuduftri«, erscheint di« Einführung des vierschichtige» Systems zu sechs Stunde» als dir gegeben« Lösung. Das Zentralkomitee unterstützt mit aller Kraft di« Forderungen des J.G.B. und verlangt mit aller Entschiedenheit, datz di« Konferenz des internationalen Arbeitsamtes in Genf diese Anträge zu de» ihrigen mache. ds Die Konferenz appelliert besonders an die in her Metallindustrie beschäftigten Arbeiter, der gegenwärtigen geistigen Verwirrung nicht zu unterliegen, alle extremen Strömungen ab- zulehnen und durch di« Festigung ihrer eigenen Positionen einen Einfluß auf di« Gestaltung der öffentliche» Angelegenheiten zu gewinnen. die einer großen rief, bei der j der ..-.-. sprechen sollte. Das ganze Land staunte dar- über, daß der große Hlinka, hinter dem doch Die Slowakei den Slowakei! Diesen Kampfruf stößt der streitbare Pater HI i n k a immer dann aus, wenn er nicht in der Regierung sitzt und für seine Anhänger fette Brocken erwischen kann. Man mußte bis jetzt diese Politik nicht besonders ernst nehmen, da jedermann wußte, daß Hlinka jedes Jnstru ment spielt, von dem er glaubt, daß er.damit Erfolg haben wird. Doch neuerdings scheint sich Hlinka ernstlich auf seinen Kampfruf festlegen zu wollen. Mehr noch: er, der froinme Katholik und streitbare Vertreter des Papstes in seinem Hei- matlande hat einen Schritt getan, der ihn von seiner stveng katholischen Richtung abbringr und ihn vollkommen in die Richtung einer un versöhnlichen Antonomiebewegunq drängt. Schon in» Herbste prangten auf allen Plakatsäulen in der Slowakei groß« Aufrufe, alle bewußten Slowakei zu Kundgebung nach AI t s o h l neben dem katholischen Pater Hlinka protestantische P fa r r e r M a r t i n R a z zeitig bemüht, seinen Bundesgenossen hineinzulegen. Dabei sind die feinen Herrn in Vorteil: ihre Mittel sind Zuckerbrot und Peitsche, während Hitler nichts einzusetzen hat als den Verrat seiner sogenannten Grundsätze. Er wird nicht zögern, ihn zu begehen, um seine Partei vor dem Zusammenbruch zu bewahren. Daß er damit seinen Anbetern alle Illusionen nimmt, daß er sie nach allen Regeln der Kunst betrügt, wird bei den nächsten Wahlen seine Folgen haben. Und weil Hitler dies« Wahl«» jetzt fürchtet wie der Teufel das Weihwasser, ist er zu jeder Schiebung bereit» bereit zur Entgegennahme des Linsengerichts, das er bisher immer mit Entrüstung zurückgewiesett hat. öl« Keltenhunde des Kapitals. Mit der Schwerindustrie gegen den„sozialen General". Berlin, 6. Jänner. Bei der Beurteilung der vorgestrigen Zusammenkunft Papen-Hitler sind sich die politischen Kreise darin einig, daß es sich hier um das Bestreben handelt, di« Harburger Front, d. i. den Block National- joziolisten-T eutschnationale, wieder ins Leben zu rufen. Dieser Plan stammt hauptsächlich aus den Kreisen der Schwerindustrie, die sich von einer derartigen Lösung der jetzigen innerpolitischen Zerrissenheit eine Beruhigung der Vcr- hältnisie und bessere Arbeitsnwglichkeiten. für das Wirtschaftsleben verspricht. Richt zuletzt spielt hier auch die Unzufriedenheit gewiffer JndustrlekrÄse mit d«r Sozialpolitik des derzeitigen Reichskanzlers, des„sozialen Generals", eine Rolle, der seit dar Uebernohme des Kanzleramtes das~ streben gezeigt hat, im Gegensatz zu Papenregierung, im Einvernehmen m«t Gewerkschaftsorganisationen zu arbeiten. Wenn der Bersöhnungsvcrsuch zwischen Nationalsozialisten und den Deutschnationalen zum Ziele führen wird, dann ist es sicher, daß sich dadurch die ganze innerpolitische Situation ändern würde. Eine eventuelle Niederlage deS Kabinetts Schleicher im Reichstage, der bekanntlich in der zweiten Hälfte Jänner zusammentritt, würde nämlich, in diesem Fall« nicht das Signal zur Auflösung des Reichstage- und Ausschreibung von Neuwahlen sein, sondern wahrscheinlich die Bildung einer neuen Regierung zur Folge haben. Eine solche Lösung würde namentlich von den Nationalsozialisten begrüßt werden, di« nicht die mindeste Lust zeigen, i» einer Zeit in den Wahlkampf zu treten, in der die Partei«ine schwer« innere Krise durchlebt. Die Slowakei den Slowaken. M. A. Preßburg, Anfang Jäunor. Je stärker die Wirtschaftskrise auf den. arbeitenden Menschen der Slowakei lastet, um so größer wirb die Sehnsucht, irgendeinen Ausweg zu finden, der ein Leben wenigstens im bescheidenen Maße gestaltet. Und da besonders di« Jugend unter der Aussichtslosigkeit des zerstörten Wirtschaftsleibens leidet, so ist sie es auch, die neue Wege sucht— und dabei oft den falschen Propheten in di« Arme läuft. Seil mehreren Monaten debattiert die flowakrsche intellektuell« Jugend um die Probleme ihrer Heimal. Bald findet hier ein Kongreß statt, bald da«ine Tagung, bald dort eine Zusammenkirnst. Es wird viel vom geistigen Zwiespalt dieser Zeit gesprochen und— je noch dem Tompevament— mehr oder weniger auf die herrschende Nation des Staates geschimpft. Diese Zusammenkünfte der Jugend sind vollkommen unorganisiert und hinter den einzelnen Ansichten steht niemand. Sie sind nur symptomatisch für die Unrast, die die Jugend erfaßt hat, da sie sich ini Wirtschaftsleben nicht mehr behaupten kann.. Aber vor einigen Tagen zeigt« es sich doch, daß diese Jngerchbewechtng einen tieferen Kern hat. Die Herrin des Londes ist die tschechische, zentralistisch geleitete Agrarpartei, die es verstanden hat,' mit Zuckerbrot ynd Peitsche einen Teil des slowcikisck>en Volkes chittter sich zu bringen, di« auch in die Jugdnd einzndrin- gen vermochte,- die aber vor allem- die Herrin des in die Slowakei importierten Kapitals ist. Nun hört man aber, daß ein Teil— der größere Teil— der Iu ge nd in de r A g rarst a r tei gegen den'tschechischen, antislowakischen Kurs zu re beklieren beginnt. Die wirtschaftliche Ursache dieser Rebellion liegt darin, daß die Krise so scharf geworden ist, daß selbst die Agrarier nicht mehr imstande sind, ihren fttgendlichen Parteigängern Posten und Pöstchen im ausreichenden Maße zu verschaffen. Natürlich gibt es für diese Wirtschafffiche Ursache eine Ideologie. Und diese Ideologie heißt: die Slowakei den Slowaken. So rieselt es im Gebälk dieses mächtigen Herr- schastsapparates der tschechischen Bourgeoisie und in den Zeitungen kann man jetzt täglich Versuchsballone aufsteigen sehen, wonach die fkowakische agrarische Jugend eine eigene flowakrsche autonomiftischc Agrarpartei ins Leben rufen will. Ob dieser Wunsch in Erfüllung gehen wird, ist noch die Frage. Daß sich ein solcher Wunsch aber überhaupt erheben konnte, ist bezeichnend dafür, daß selbst die ! bravsten Schäffern von der Tschechisierungs- crnente Kriegsgefahr heraufbeschwören. Es be-, T■-- a•••--••• tont besonders die Notwendigkeit eines freien<^olftrk m der Slowakei mehrmals genug Haven. Pie Schieber des Dritten Reichs. Hitler und Popen, Strasser und Schleicher. Geheimnisvolles und Interessantes begibt sichln Deutschland. Die aufbauwilligen Kräfte der Nation, wie der abgetakelte Reichskanzler von Papen die Hitlerbewegung nannte, sind von der Schwindsucht erfaßt. Di« Kanzlerschaft Hitlers ist in weite Fern« gerückt. der gewesen« und bei einander jetzt gut verstehen? In der Villa eines Barons, der noch dazu Teilnehmer eines Privat bankhauses ist und zu dem Herrn Dhhffen, dem Geldgeber Hitlers, Beziehungen hat, trafen Hitler und Pasten zusammen und wenn man den Nachrichten glauben könnt«, die di« Nationalsozialistische Parteikorrespondenz und Herr von Papen über di« Unterredung ausgaben, hätten sie sich lediglich über ihr Wohlbefinden und über die Ungewöhnlichkeit des heurigen Winters unterhalten. Fast gleichzeitig mit der Zusammenkunft Hitler—Papen sand ein« Zu sammenkunft Strass« r—S ch l e i ch e r statt, in der man sich wahrscheinlich ebenfalls über durchaus„unpolitische" Dinge unterhalten hat.' Herr Hitler sieht jetzt zweifellos ein, daß er auf geradem Wege niemals zur Macht kommen kann. Also wendet er sich— die Unterredung mit Papen wurde von i h m üngeregt— an den Mann, den er stürzen half uill» von dem er weiß, daß er Herrn Schleicher nicht grün ist. .Herrn von Papen wieder, dessen Ehrgeiz die Amtsenthebung nicht verwunden hat, möchte den Buckel Hitlers wiederum benützen, nm mit andjpeu seinen ÄAm»WiLderuru.iw dir^Amlltch. keif zu klettern und sich gleichzeitig diesen Buckel als Regicrungsgrundlage"erhalten. Es ist mehr als wahrscheinlich, daß Hitl«r seine Ansprüche stärk‘ zurückgeschraubt hat und auf der Kanzlerschaft mcht mehr besteht. Seine Haltung scheint bestimmt zu sein durch di«! schwere Finanzkrise, in der sich seine Partei be findet und durch die Gefahr eines Ueberein- kommens Strasser—Schleicher, das die sofortige Spaltung der Partei bedeutete. Landsknechte lau fen dem nach, der etwas zu bieten hat. Ein Reichsminister, Strasser, der vielleicht sogar Reichskommissär in Preußen wäre, könnte Herrn Hitler viel gefährlicher werden als der sich in sein Schicksal ergebende gewesene Organisationsleiter der Partei. Der unversöhnliche Kämpfer Hitler möchte, um Strasser zuvorzukommen und den Zerfall seiner Partei aufzuhalten, mit dem „System" Frieden schließen, also just das tun, was Strasser sein Amt gekostet hat. Es gibt eben Grundsätze bei den Nationalsozialisten.... Da man das Dritte Reich nicht erkämpfen kann, will man es erschieben. Gegenseitiger Betrug, schmutzige Intrige sind die Mittel. Di« Front Papen—-Hiller möchte di« Front Schleicher —Strasser besiegen, jeder einzelne ist aber gleich- Metallarbeiter(ordern Arbeitszeitverkürzung. Beschlüsse der Prager internationalen Konferenz. Seite 2 Ar.- SamStag, 7. Jänner 1933 schen als von der tschechischen Bourgeoisie aus- gebeutet sehen möchten. Tein deutschen Proletarier in der Slowakei kann dieser Streit an sich gleichgültig sein. Nicht gleichgültig aber ist er für die deutsche Arbeiterbewegung des gan zen Staates, denn ein Sieg der slowakischen Autonomie müßte einen scharfen Ruck nach vorwärts für die Forderungen des Proletariates deutscher Zunge in den historischen Ländern sein. QiiiHi)ijiiiiiiiiiiiniiiiiiiiiiiiiiiiiiiifiiiiiiiiiuiiiiiiiiiiiiiiiniiiiiiiiii{iiiiiiiiiiiiiii]tiiiiiiiiiiniiiiiiiiHiiiiiinHüJiiniiniiüiiniiiiiiiiiiniiiiiiiiiiiiuiuiiiiiiiiiiiiiiiinfiiitutiiiiiiiiiiiiiiiHiiiuiniiiiiiitiii!iiHiiüiiHiiii Geld, das nie eintraf. Eine lehrreiche Geschichte aus Norwegen. Internationale Solidarität in Arbeitskämpfen— für die freien Gewerkschaften war sie nie eine Phrase. Wenn 4iot am Mann war— nie verhallte ungehört ein Hilferuf bei den freien Gewerkschaften. In dem von den Kommunisten so viel gerühmten„V a« terland aller Arbeitenden" aber ist internationale Solidarität nur ein Wort. Dort werden Gewerkschaften, die von rusiischen Brudergewerkschaften Hilfe erhofften, an der Nase herumgeführt. Daß wir damit nicht zuviel behaupten, bestätigt ein im OSloer „A r b« i d e r b l ade t" veröffentlichtes Interview mit einem norwegischen Gewerkschaftsführer. Die norwegische Wald-und Landarbeitergewerkschaft hatte, wie aus dem Interview hervorgeht, 1927 mit der russischen Brudergewerkschaft eine Vereinbarung über gegenseitige Unterstützung im Falle eines Streiks oder einer Aussperrung getroffen. Im Jahre 1930 traten die norwegischen Waldarbeiter in S t r e i k. Er zog sich infolge des hartnäckigen Widerstandes der Arbeitgeber sehr in die Länge. Die Mittel der Gewerkschaft gingen zu Ende. Die streikenden Waldarbeiter wandten sich, um einen Zusammenbruch der Bewegung zu verhindern, an die russische Brudergewerkschaft und forderten sie auf Grund der getroffenen Abmachungen auf, die leere Streikkasse durch einen Beitrag zu sanieren. Allein statt der erwarteten finanziellen Hilfe traf nur em Telegramm em mit der Aufforderung, die Kampsmethoden zu verschärfen und„durchzuhalten". Da diesem tröstenden Zuspruch kein« reale Hilfe folgte, reiste ein Vertreter der streikenden norwegischen Wald- und Landarbeitergewerkschaft nach Moskau und machte dort darauf aufmerksam, daß ein„Durchhalten" ohne genügende Geldmittel undenkbar sei. Er erhielt jedoch kein Gell», sondern nur die feierlich« Zusicherung, daß die erforderlichen Mittel prompt überwiesen würden. Man versprach, das Geld binnen weniger Tage nach Oslo zu übersenden, worauf der Norweger getrost die Heimreise antrat. Die versprochene Geldsendung blieb jedoch aus. Sie kam weder in den nächsten Tagen noch m den nächsten Wochen, urtd alle schriftlichen Mahnungen blie ben ohne Erfolg. Da reiste der Vertreter der norwegischen Wald- und Landarbeitergewerkschaft ein zweites Mal nach Moskau. Diesmal erhiÄt er— das feste Versprechen, das Geld werde binnen weniger Tage aüs telegraphischem Weg nach Oslo gehen; er werde es bei seiner Rückkunft dort bestimmt bereits vorfinden. Der Norweger kam nach Oslo, das Geld war aber nichtda. Und— e s i st a u ch n i e e, n getroffen. Ganz ist aber tatsächlich die vielgepriesene „Solidarität" der Moskowiter nicht ausgeblieben. Sie trat in Erscheinung— allerdings in einer für die norwegische Gewerkschaft völlig überraschenden Form. Da das norwegische Holz ge schäft durch den Streik lahmgelegt war, benutzte man in Sowjetrußland die Gelegenheit, und steigerte den Holzexport nach— Norwegen und deckte so den Holzbedarf der norwegischen Arbeitgeber. Nur diese Lieferungen der Russen ermöglichten den norwegischen Waldbesitzcrn und Holzhandlern, dem Streik zu trotzen, und die Arbeitgeber hätten— dank der sowjetrussischen „Solidarität"— sicher den Sieg über die streikende Wald- und Landarbeitergewerkschaft davongetragen, wenn nicht di« norwegischen Cellulosearbeiter einen Sympachiestreik erklärt und sich geweigert hätten, das aus Rußland stammende Holz zu verarbeiten. Trotz dieser gründlichen Enttäuschung haben die norwegischen Wald- und Larümickeiter ihre Beziehungen zur russischen Gewerkschaft erst bei einer spateren Gelegenheit abgebrochen. Die Russen antworteten nämlich auf eine Einladung zu einer Konferenz nach Norwegen mit einem — groben Telegramm. Damit schloß ein ereignisreiches Kapitel der norwegischen Gewerkschaftsbewegung, di« in das Fahrwasser der Roten Gewerkschaftsinternationale geraten war. Die Norweger haben den Wert der kommunistischen„Solidarität" durch bittere Erfahrungen kennen gelernt. Sie sind ein Opfer der Phrase vom„VÄerland der Arbeiter" geworden. Sie haben am eigenen Leib erfahren, daß in dem Moskauer Götzenbill» alles sichere als ein Herz für die große Sache der Arbeiterbewegung schlägt. «N8wsermsvm»ns und Invcstttionsanldlic. Di« nächsten Aufgaben der Koalition. In einer politischen Berrachrung übe, di« mit Beginn der nächsten Woche bevor- stchende Wiederaufnahme der parlamentarischen und der Regierungstätigkeit schreibt das gestrige Abendblatt des„P rä v o Li du" u. a.: Am Montag beginnt der Budgetausschuß des Abgeordnetenhauses die Budgetbcrhand- lungen. Die Generaldebatte wird- durch ein ausführliches Referat des Berichterstatters eingelcitet werden, der Heuer Genosse Reines sst. Die Generaldebatte wird etwa drei Tage-dauern, worauf die Beratung der einzelnen Budgetkapitel begonnen werden wird. Bis Ende Jänner wird das Budget für die Verhandlungen im Plenum vorbereitet sein, die etwa eine Woche dauern werden. Bis Ende Feber wird dann der Senat das Budget verhandeln. Am Montag werden auch die Beratungen der Regierung ausgenommen werden, die zur Tagesordnung die Fertigstellung des restliche» Teils der zur Deckung dcS Budgetdefizits vorgesehenen Maßnahmen haben. Diejenigen Vorlagen, die parlamentarisch verhandelt werden muffen, werden zum Teil vielleicht zunächst im Senat aufgelegt werden. Gleichzeitig wird innerhalb der Regierung über zwei wichtig«, ja unum- die immer noch sehr starke slowakische Volkspartei(Ludaei)'steht, dem kleinen Razus, der >n seiner slowakischen Nationalpartei die protestantischen Bauern des Nordens fammelt, die Hand reicht. Altsohl war das, was man in. den politischen Fibeln einen Markstein nennt. Große Reden, lauter Beifall, viele Menschen — und damit schien der Spuk zuende. Aber das war doch nur ein Schein. Denn zwischen Weihnachten und Neujahr beriefen die beiden Parteien einen Kongreß nach T r e si t s ch i n ein, auf dem sie eine gemeinsam« Plattform beschlossen. Es ist das erstemal, das die Autonomisten klar und deutlich ihr Programm entwickeln. Si« fordern also vor allem die Autonomie, die sie darin sehen, daß in Preßbuvg ein slowakisches Parlament zusammentvete, das mit gesetzgebender Macht ausgestattet sein solle; nur die Finanz- und die Heeresgesetzgebung solle dem Rcichsparlament in Prag Vorbehalten sein. Neben dieser Hauptforderung stellen die Autonomisten eine Reihe von kleineren Forderungen, von denen einzelne gewiß chre Berechtigung haben. Der klerikale Charakter der Autonomisten zeigt sich darin, daß si« immer noch scharf für den Kulturflandal der konfessionellen Schulen eintveten und gleichzeitig die TW rerschen Schul anträge strikt zurückweisen. Ferner stellen sie die Forderund nach neuen Mittel- und Fachschulen sowie nach Lehrerbildungsanstalten, wobei zu bemerken ist, daß es tatsächlich noch eine riesengroße Anzahl tschechischer Lehrer an slowakischen Schulen gibt, die noch dazu meist junge Studenten ohne die nötigen Prüfungen sind. Daß die Slowaken ihr Schulwesen nicht den Tschechen überlassen wollen, kann man begreifen, zumal wenn man weiß, daß an den wenigen deutschen Schulen des Landes ebenfalls eine große Zahl tschechische und flowakische Lehrer unterrichtet. Ferner verlangen Hlinka un-d Razus eine slowakische Technik in Kaschau, eine Forderung, die an sich begrüßenswert wäre, wenn sie nicht gleichzeitig die Auflösung der deutschen Technik in Brünn verlangen würden. Daß auch die slowakische Universität endlich eine Institution werden möge, an der man auch ein Wort Slowakisch hört, ist begreiflich, ebenso, daß das Slowakische Nationaltheater in Preßburg und Kaschau nicht tsche» chrsche, sondern flowakische Vorstellungen veranstaltet. Der Sozialist wird immer für die Frei- heitsbewegung.eines Volkes eintreten und ein deutscher Sozialist in diesem Staate wird dies — aus eigener, bitterer Erfahrung belehrt— erst recht tun. Aber es ist schwer, hier bei der Sache zu bleiben, wenn man sieht, in welchen Händen sich die Autonomiebewegung befindet. Auch ist das Schicksal der ungarischen und deutschen Minderheiten in der Slowakei keineswegs zweifelhaft, wenn di« Autonomisten siegen sollten. Diese sind verbissene Feinde der Magyaren wie der Deutschen und würden alles, was da mühselig und noch rech' ärmlich onfgebaut wurde, vollkommen zerschlagen. Denn der Sinn der Autonomiebewegung der Hlinka und Razus liegt darin, daß sie das Land, indem sie leben, lieber von der slowaki- 15 Die Kellnerin Molly. Roman von Han» Otto Henel, Copyright bt> gackelreitcr-Derlag. Berlin. Nachdruck verboten Ein offenbarer Verstoß gegen di« Sitte nvor- schriften der Anstalt! Das ununterbrochene Drängen der Mädchenschar, vielleicht auch eine augenblicklich nicht zur Strenge neigende Slim- mung mochten den Pastor abhalten, Males Fehltritt auf der Stelle zu bestrafen. Der Pastor klärte an diesem Abend die Mädchen über politische Parteien auf. Er lobte die nationalen! die„osten zu Gbtt, Kirche und dem angestammten Herrscherhaus«" halten, und tx warnte sie vor denen, die schamlos die Demokratie wollen. Die Sozialisten nannte er Schufte, die entgegen dem klaren Willen Gottes für die Gleichheit aller Menschen einträten. Und gar die Kom- ,munist«n müsse man als Auswurf der Menschheit ansehen. Scheuten sie doch zur Erreichung ihrer anaeblichen Menschheitsbeglückung selbst nicht vor Raub und Mord zurück. Nicht einmal die Keuschheit des Frauenleibes sei ihnen heilig. Im kommunistischen Rußland zum Beispiel seien selbst kindliche Jungfrauen vor den Unholden nicht sicher. Die Mädchen mußten dies« politischen Ansichten d«L Pastors niederschreiben. Beim eiligen Nachschreiben dieses Diktates fiel es Mal« ein, ihre Nachbarin zu fragen, ob die Gottlosen wirklich so schlimm seien. Es wollte ihr nicht in den Kopf. Sie hatte so leise als möglich gesprochen, und doch hatte Pastor Zickmann'die nach seinem Reglement wirklich unberechtigte Frage vernommen. Zornbebend stürzt« er herbei. Vor seinem wutverzerrtem Gesicht und der erhobenen Hand duckte Male sich zu sammen — in Erwartung eines Schlages. Aber Pastor Zickmann schlug nicht zu, wie alle erwartet hatten. Er hat überhaupt sehr selten öffentlich geschlagen. Nicht etwa, weil er die rechtlichen Komplikationen einer Zeugenschaft gefürchtet hätte, also gewissermaßen aus mangelndem Mut, wie ihm später nachgeägr wurd«. Sondern er vertrat die Ansicht, daß die vor Zeugen erteilten Erziehungshiebe ihren pädagogischen Zweck verfehlen und das Gefühl der Dankbarkeit für empfangene Schläge leicht in ein solches der Abneigung umzuwandeln vermögen. Pastor Zickmann beherrschte sich also, und nur die brüllende Stimme verriet den Mädchen seine Erregung, als er auf Male losfuhr. „So. du hergelaufenes Lüder, du wagst eS also, an den"Worten deines Seelsorgers zu zweifeln? Aber auf den Korridoren unsittlich hrrum- küffen, das kannst du. Nun, dir werde ich helfen, wenn du mir das politische Gift in unser christliches Heim tragen willst. Marsch!" Male, schreckerstarrt, folgte seinem ausgestreckten Zeigefinger nicht. Da packte er sie im Nacken und schob sie vor sich her, hinüber in das Stübchen, in dem er bei besonderen Anläffeu geistlichen Zuspruch zu spenden pflegte. Es war das Zrmmer, in welchem Male den Tod ihrer Familienangehörigen erfahren hatte. Wohl hatte Male schon gehört, daß der Herr Pastor nicht scherzt« w«nu er von„Züchtigungen" sprach, aber die Gerüchte, die unter den Zöglingen über besonders strenge Züchtigungen umliefen, waren immer unbestimmt gewesen. Die davon Betroffenen hatten wohl mehr verschwiegen als bekannt. Vielleicht aus Furcht vor neuer Strafe, vielleicht auch, weil sie sich schämten, daß si« noch gezüchtigt wurden in einem Alter, indem ander« Mädchen schon heirateten. Male hatte gehofft, der Pastor werde es mit einer scharfen Strafpredigt genügen laffen. Aber als er eine Schranktür öffnete und einen derben Rohrstock herausnahm, den er prüfend und grimmig schwippen ließ, erkannte sie mit Entsetzen was ihr bevorftand. Das Mädchen zitterte. Der Pastor ging zur Tür und schob von innen den Riegel vor. Barsch befahl er, die Röcke zu heben. Male gehorchte nicht. Sie hätte es nicht gekonnt, denn ihre Glieder wurden gelähmt von dem Gedanken: ich bin ja schon über siebzehn Jahre alt. Siebzehn Jahre alt! Mein Vater hat das nie von mir verlangt— eh« ich hierherkam. har man mich schon Fraulein genannt— Fräulein Habenicht! Und nun soll ich——? Fräulein Habenicht— siebzehn Jahre- Fräulein— siebzehn Iah«— Fräulein— siebzehn Jahre— das wirbelte unaufhörlich durch ihren Kopf, währen- sie den Pastor faffungslos anstarrtc. Aber Pastor Zickmann war nicht der Monn, mit fruchtlosen Bemühungen viel Zeit zu ver. schwenden. Zweimal, dreimal, wiederholte er seinen Befehl. Male rührte sich nicht. Da verlor-er Pastor die Geduld. Er packte die nur schwach Widerstrebende und zwang sie üb«r einen Stuhl. Mit dem doppelten Rechte des Seelenhirten und des Erziehers entblößte er ihr das Gesäß. was seinen wutzitternden Fingern nicht leicht fiel. Und so bekam das Mädchen di« ihr zugedachten Hiebe, bis sie es ausgab, sich unter«i Faust des Geistlichen widerspenstig zu sträuben.. Wimmernd lag Mal« noch über dem Stuhl«, als-er Pastor erregt schnaufend den Stock wieder rm Schranke verschloß. Erst auf sein« zürnende Frag«, ob sie-enn gar kein Schamgefühl hab« und ewig so-azuliegen gedenke, bedeckte sie sich. Dann befahl er ihr, sofort den Schlqfsaal aufzu- 'uchen und gab ihr zum Trost-aS Bibelwort mit auf dem Weg:„Wen der Herr lieb hat-en züchtigt er." Male lag allein auf dem Schlaffaal«. Sie weinte nicht und wurde sich vielleicht kaum ihres körperlichen Wehs bewußt. Aber ihre Gc-anken rasten im schmerzlichen Fieber. Die Prügel, für di« nackte Haut bestimmt, hatten ein« Seele ge- ! gänglich notwendige Voraussetzungen für die Be- slebung des Wirtschaftslebens, über die Herabsetzung des Zinsfußes und über die Bedlngungeu der sogenannten Jn- v« st i t i o n s a u l e i h c verhandelt wer-en^ deren Ertrag zur Durchführung produktiver Jn- vestrtiönen und somit auch zur Milderung der Arbeitslosigkeit dienen soll. Es ist begreiflich, daß die Festlegung der Bedingungen fiir die neue Anleihe^ bezw. ihrer Form und Höhe Gegenstand sehr ausführlicher Beratungen der Regierung und der beteiligten Vertreter der Finanzwelt sein wird. Zu den Arbeiten der kommenden parlamentarischen Kampagne werten auch die W oh-- uungsge setze gehören die bis zum Frühjahr fertiggestellt werden und das ablaufende Provisorium ersetzen sollen. Auch diese Vorlagen sollen mithelfen, den Kampf mit der schweren Wirtschaftskrise zu bestehen, denn eS ist kern Zweifel, daß die definitive Regelung der Wohnungsfrage und namentlich der Bauförderung vor allem die vielen Wirtschaftszweige beleben wird, die mit dem Bauwesen direkt oder indirekt zusammenhängen. Man erwartet, daß eine Einigung über gewisse bisher strittige Fragen jetzt leichter sein wird, als im vergangenen Herbst. Es steht außer Zweifel, daß.Hand in Hand mit den erwähnten Arbeiten auch das ernste und energische Bestreben gehen muß, gewisse handelspolitische und Devisenmaßnahmen neu zu regeln, waS allein zur Verbesserung unserer Handelsbeziehungen und damit unserer inneren Wirtschaftssituation überhaupt beitragen kann. ^a«k»»er Sehrerinnen an die »eidlichen sozialdemokratischen Abgeordneten. Wir haben vor einigen Tagen einen Darrkbrief des Vereines Rutscher Lehrerinnen in Böhmen veröffentlich:, worin dieser das Wirken der sozialdemokratischen Abgeordneten im Interesse der Lehrpersonen in der letzten Zeit gerühmt hat. Wir veröffentlichen nachstehciä«inen Brief, den der Verein der Deurschen Lehrerinnen in Mähren rn die Abgeordneten Genossinnen B l a t n h und K i r p a l gerichtet hat, einen Brief, der ebenfalls ganz im Gegensatz steht zu der demagogischen Kampfesweise des Deutschen Lchrerbundes in Böhmen und insbesondere von dessen Organ, der„Freien Vchiilzeitung" Der Briet lautet: Hochgeehrte Frau Abgeordnete! Tas am 20. Dezember 1932 beschlossene| Gesetz über den Aehaltsabbau der Staatsbeamten und Lehrer, Has große Härten für die Genannten rn sich schließt, wurde in letzter Minute noch zugunsten der verheiräteten werblichen aktiven und pensionierten A ngestellteu a bgeändert. Wir wissen, daß dies ein Erfolg nach heißem Ringen und harten Kämpfen der Parlamentarierinnen war, die mit Hintansetzung der eigenen Persönlichkeit nicht dulden wollten^ daß gerade die Frauen am härtesten getroffen werden sollen. Wollen Sie, hochverehrte Frau Abgeordnete, für alle Arbeit und Mühewaltung der letzten Wochen, den Dank der Lehrerinnen Mährens entgegennehmen. Es zeichnen mit vorzüglicher Hochachtung für den Verein der Lehrerinnen in Mähren: Marie Beer, dzt. Borsitzende. Joseftne Schindler, Schriftführerin. Ida Lippmann-Färber, Obmann-Stellvertreterin. troffen, die sich damit zum erstenmal ihrer Existenz voll bewußt ward. Male war mit dem ersten Tage ihre- Aufenthalts im„Garten Gethsemane" vom ablehnenden Trotze gegen-ie Zwangserziehung erfüllt worden wie alle an-«rn Fürwrgemadchen auch, aber si« war noch nie zur rechten Besinnung über chre Lage und ihr Schicksal gekommen. Sie hatte sich darein gefügt daß mau ihren Körper gefangen hielt und chr Wille keine persönlichen Wunsche haben, keine eigenen Wege gehen durfte. Wie all« andern Zögling« halt« auch sie ziemlich nüchtern damit gerechnet,-aß sie Vollendung ihres emun-zwanzigsten IahreS frei werden würd«. In -er Ferne ihrer Erinnerung schwamm wie ein 'chöner Traum di« erste Kinderzeit, auSgefüllt von unbekümmertem Spiel, von Güte des BaterS und sorglicher Behütung durch die Mutter. Di« Stund«, wo sie mit Mutter und Schwester zu Brodecker gekommen war, um ihren schwächlichen Körper behandeln zu lassen, war nur eine glückliche unter vielen glücklichen. Erst von-cm Augenblicke an, da man sic gezwungen hatte, in Brödeckers Berührung, die ihr überhaupt nicht ausgefallen war, eine Unzüchtigkeit zu'ehen. hatte ihr Unglück begonnen. In dieier Siunöc wo sic vor schmerzlicher Scham»ich, weinen konnte, erkannt« Male mit unheimlicher Deutlichkeit-aß sie von-er ersten polizeilichen Vernehmung an zum Ob>ekt in den Händen srcmdcr Männer geworden war. Di« Lernehnrungcn vor Polizei und Gericht,-ie Ber- lcuntdungen. die man ihr angcvängt, di« erpresserischen Angriffe des Justi^untmonns und d«S Kriminalwachtmeisters die behördlichen Ver- > kügungen di« ihr Leben bestimmt di« H,«be-eS Pastors— alles spürte Male auf einmal schrecklich klar als Vergewaltigungen di« ihr im Blute brannten Sie erkannte schaudernd wie ihre drei letzten Lebensiabr«--in- ununterbrochen« Schändung waren. lForkietzung folgt.) Nr. 6 Samstag, 7. Mkmer 1933 Seite 3 Die Lehre von Vorau. Unter diesem Titel schreiben unsere österreichischen Parteiblätttr eine abschlie- ßende Betrachtung über die steirische Bauernrevolte. Es heißt darin u. a.: In Vorau herrscht wieder Ruhe. Die Bauernrevolte(in Szene gesetzt, weil ein Bauer hätte gepfändet werden sollen, der sich beharrlich weigerte, die Krankenkassenbeiträge seiner landwirtschaftlichen Arbeiter zu zahlen) gehört der Geschichte an, Tie Staatsgewalt gab auf Verlangen der Bauern die vier Leute frei, die die Pfändung verhinderten und den Bürgermeister und einen Exekutivbeamten mißhandelten. Man fragt mit Recht: Wie wäre es ausgegangen, wenn es sich bei diesem Auflauf um Arbeiter oder Arbeitslose gehandelt hätte? Ob da da auch die Bajonette der Gendarmen und die Maschinengewehre des Bundesheeres nur in Bereitschaft geblieben wären? Ist es doch bezeichnend, daß ein paar Arbeitslose und Knechte, die mitdemonstrierten, in Haft genommen wurden und im Arrest bleiben mußten. Um sie schert sich keiner der Bauern, die nicht eher von der Stelle wichen, ehe nicht ihre Leute freigingen. Ja,! Bauer, das ist was anderes. 2 Shilling 80 Groschen ist der monatliche Beitrag einschließlich Alters- und Unfallversicherung für den landwirtschaftlichen Arbeiter in Steiermark(wo größtenteils nur für die Spitalsversicherung eingezahlt wird)— und deshalb eine Bauernrevolte! Die Hetzer sind die G r o ß b a u e r n und hinter ihnen die Heimwehraristokraten, denen die„sozialen Lasten" e i n D o r n i m Auge sind. Darum standen die Hahnen- schwänzler im Vordergrund dieser reaktionären Aktion/Da aber Hahnenfchwänzler auch in der Bundesregierung sitzen, so durften die Maschinengewehre gegen die rebellierenden Bauern, nicht losgehen und mußte der Staatsanwalt die Frei- lassung der Derhafteten beantragen. * ißt: Unsere Kommunistenblätter haben bekanntlich für die revoltierenden Bauern.Partei ergriffen, damit eine neue Hetze gegen die Sozialdemokratie verbindend. Die Einheitsfront mit Leuten, die gegen die geringen sozialen Verpflichtungen känrpfen, die ihnen auferlegt wurden, stellen unsere Kommunisten gern und leicht her. Don einem Zusammenarbeiten mit. den Sozialdemokraten wollen sie jedoch um so weniger wissen, je faseistischer und aristokratischer die Bundesgenoffen der Bolschewisten sind. kW neuer politisch«- Mord. Breslau, 8. Jänner. Zwischen Angehörigen der SAP-Jugend und politische» Gegnern kam es Donnerstag abend zu einer Schlägerei. Der Arbeiter Fritz Hanifch,-er der SAN- Jugend angehörte, wurde durch eine« Mesierstich in di« Herzgegend getötet. Das Ueber» falltommando nahm mehrere Personen fest. * Hamburg, 8. Jänner. Bei einer Schlägerei zwischen Nationalsozialisten und Kommunisten in Barmbeek, wobei auch mehrere Schüsie fielen, wurden, wie der Polizeibericht meldet, zwei auf dem Heimweg begriffene Pölizeibeamte angegriffen und auf sie geschaffen. Als di« Polizeibeamten von ihren Schußwaffen Gebrauch machten, flüchteten die Täter. Auf der Straß« wurde ein« Pisto'e gesunden. Ob Personen verletzt wurden, steht«och nicht fest. Kurze Zeit darauf wurde in der Nähe ein Trupp Nationalsozialisten von Polizeibeamten angehalten und nach Waffen durchsucht. Drei Nationalsozialisten, bei denen ein geladener Trommelrevolver, eine Schreck- schußpistole und eine Hiebwaffe gefunden wurden, wurden festgenommen. Die irische wahlkamoagnc. De Valero verspricht sich von den Neuwahlen «ine große Mehrheit. Dublin, 6. Jäuzzer. De Valero eröffnete gestern Abend die Wählkampagne mit einer Kundgebung> unter freiem Himmel, zu der sich 20.000 Personen eingefunden halten. Tie Per- famlung, die bisher größte in den politischen Kampagnen Jrlcurds, brach in stürmischen Beifall aus, als de Lalera erklärte: Ich bi« überzeugt, daß meine Partei mit großer Mehr- Herl wieder zur Macht kommen wird. Mit unserem Sieg in diesen Wahlen wird der Gesetzentwurf über die Aushebung des Tr neide? trotz dem Widerstand des Senates Gesetz werden Mit dem Verschwinden der Ei des klau sei wird im Lande Ruhe mrd Frieden eintret, n und. die nationalen Kräfte, die durch zehn Jabre io verderblich zersplittert ivaren. werden sich wieder '«reinigen. Nattonaliraucr ihr Coolidfc. Washington, 5. Jänner. Hoover hat in einer Proklamation dem amerikanischen Volk von dem Ableben Eoolidges Mitteilung gemacht und an- geordnet, daß die Flaggen dreißig Tage[atM auf Halbmast gesetzt werd-n sollen. Rach einer Reu- wrmeldung werden-!»e sterblichen Neberreltr CooltdgeS in Nonbammon im Staate Massachusetts beiqesetzt werden, tu«-. ... D? über die eigentliche TodeSursach- Eoo- fldges keine Klarheit best cht bat Tr. Conpa' der Eoolidge wahrend seiner Amtstätiakeit im Wei- ßen Hauke t,- den Antrag- get»-ss. Obduktion der Leiche vorg.nommen tmrd.- n. Ihre stärkste Waffe sind hi« Tat- klar sein: der Kampf um die Arbeitszeitverkür, wirtschaftlichen und technischen Enk^'zung wird sofort nach der Konferenz mit neuer In- die- einer nur eine zweckent un- verstärkter Wucht ausgenommen werden. Es wich in der Welt keineR«h« mehr gaben, bevor nicht auch von der Arbeitszeitfrage her dem Weltelend der Arbeitslosigkeit gesteuert ist. Ausblick auf Genf. Der große Kampf um die Arbeitszeitverkürzung. Was wich Genf bringen? Wich die Hoff nung von Millionen enttäuscht werden? Tag für Tag mehren sich die Selbstmorde verzwei felter Menschen, die keinen Ausweg mehr aus dem Acheitslosenelend entdecken können. Man sollte meinen, alle verantwortÄchen Stellen in der Welt würden sich angesichts der steigen den Not beeilen, durch ihre Vertreter in Genf dafür zu sorgen, daß wenigstens einmal an einem Punkt in der Arbeitszeit— eine Entlastung des Arbeitsmarktes herbeigeführt wird. Allein die Prognosen, die für die Genfer Vorkonferenz zur Arbeitszeitverkürzung ange stellt wechen, stnd keineswegs allgemein opti mistisch gehalten. Es wäre auch falsch, die starken Widerstände, die gegen eine allgemeine Ar beitszeitverkürzung gerichtet sind, übersehen zu wollen. Die Arbeit in Genf wird sehr schwer'sein. Mehr als vierzig Länder wechen auf der Kon ferenzvertreten sein. Drei Wochen Verhandlungs zeit sind für die Konferem vorgesehen, und sicherlich können diese drei Wochen mcht restlos albe Fragen-es großen Arbeitszeitproblems lösen. Mer eines müssen sie bringen: der Weg für die allgemeine Arbeits zeitverkürzung muß jetzt frei ge macht werden. Der Hauptgefahrenpunkt liegt im Kampf um eine allgemeine Arbeitszeitverkürzung. Die Vierzigstundenwoche muß für alle Arbeiter mallen Betrieben gelten. Hier sind die Vor schläge des Internationalen Arbeitsamtes nicht befriediget. Will man die Vierzigstundenwoche in Betrieben mit weniger als 10 Beschäftigten nicht durchführen, dann müßte in manchen In dustrien, z. B. der Holzindustrie, fast die Hälfte der Beschäftigten länger gls 40 Stunden pro Woche arbeiten. Auch kann sich die Arbeitszeit- verkürping««möglich zunächst nur auf einige Industrien beschränken. Auf der andern Seite mutz aber auch davor gewarnt werden, daß die Regierungen nun etwa nach berüchtigtem Muster mit der Forderung, daß nur eine internationale Lösung geschaffen werde, eine allgemeine Arbeitszeitverkürzung in der Welt unmöglich machen. Nur internationale Lösung— das darf nicht bedeuten, daß irgend ein Quertreiber anderen, die auch gerne nicht mitmachen wollen, die faule Ausrede liefert, nicht mitmachen zu können. Der Kampf in Genf wiich an die Arbeiter vertreter die höchsten Anforderungen stellen. Für die Arbeiterschaft wird alles darauf ankommen, stets daS groß« Ziel, den Durchbruch zur allgemeinen Arbeitszeitverkürzung, im Auge zu behalten. Die Arbeiterschaft kämpft nicht ohne Waffen. Ihre stärkste Waffe sind di« Tat sacken der N' 7^" Wicklung.' Diese Tatsachen werden auch in dem Bericht deS Internationalen Arbeitsamtes über „Arbeitszeit und Arbeitslosigkeit", der in der Vorkonferenz vorgelegt wird, klar und eindrucksvoll heranSgestellt; und man Muß dabei br achen, daß die Schriftstücke des IAA. stets sehr diplomatisch gehalten, d. h. sehr zurückhaltend sind. Aus dem Bericht des IAA. ist leicht zu erkennen, daß man in Genf von der Notwen- i digkeit einer durchgreifenden AÄeitSzeiwerkür- zung in allen Industrieländern der Welt vollkommen überzeugt ist. ,/Die Ueberzeugung von der Notwendigkeit einer kürzeren Arbeitswoche", betont der Bericht des IAA., besteht nicht nur in der Arbeiterbewegung und in den Reihen der Bolkswirtschafter uiw der Sozialphilosophen, sie wird auch von führenden Industriellen in fast allen Ländern geteilt." Der Bericht zitiert Robert Bosch, den Direktor der Bosch-Werke, und Agnelli, den Präsidenten der Fiatwerke, und andere beachtliche Stimmen, aber viel überzeugender ist sein eigenes Bekenntnis zur Arbeitszeitverkürzung. Es heißt darin: Die Welt steht vor einer eindeutigen Wahl: sie muß entweder eine Höchstmenge von materiellem Reichtum oder eine längere Freizeit wählen, oder eine Verbindung zwischen beiden Lösungen. Wirtschafter, Ingenieure und Industrielle scheinen darin einig zu sein, daß die Leistungsfähigkeit der Industrie schnell zunimmt und daß mit einer weiteren Steigerung gerechnet werden muß. Wenn dies der. Fall Ht, so hat die Behauptung, daß die Welt zur Verwertung eines größeren materiellen Reichtums vor allem mehr Freizeit benötigt, um die Kunst des Verbrauchs und der sinnvollen Lebensgestaltung vertiefen zu können, noch mehr Berechtigung. sein Sinn« ist die Einführung kürzeren Arbeitswoche nicht unter den augenblicklichen Umständen sprechende Maßnahme, sondern ein wesentlicher Faktor für jede soziale Planung auf lange Sicht. Die Arbeitszeitverkürzung liegt nun einmal im Zug der Entwicklung. Die Not wird sie erzwingen. Kommt sie nicht bald— um so schlimmer für die, die ihr Widerstand leisten. Der Widerstand kommt von denen, die das kapitalistische System zu halten versuchen, aber gerade durch ihren Widerstand werden sie zu Totengräbern des kapitalistischen Systems. Die technologische Arbeitslosigkeit— sie allein wird auf die Dauer, wenn nicht rasch große Reformen durchgeführt werden, pim Zusammenbruch der kapitalistischen Wirtschaftsordnung führen. In Amerika, wo man über technische Dinge sehr gut Bescheid weiß, dringt diese Erkenntnis in der Öffentlichkeit immer stärker vor. Wie die Genfer Vorkonferenz auch auSgehen mag— darüber werden sich wohl alle Verantwortlichen auf der anderen Seite der Barrikade Ein neues Opfer der Nazi mörder. Köln, 5. Jänner.(Eig. Drnhtb.) In Struthütten bei Siegen starb im Krankenhaus der Arbeiter Becker, dem am zweiten Weih- nachstag von dem Nationalsozialisten Schäfer, einem notorischen Trunkenbold, aus Wut darüber, daß er in einer Wirtschaft kein Bier mehr eichielt, der Bauch mit einem Messer aufgeschlitzt wurde. Der Totschläger hat wegen schwerer Körperverletzung schon längere Fveiheitsstraftin abgesessen. Er ist also der richtige Nazityp. Der Stadtinspektor Schneider in Leverkusen im Rheinland, der 7300 Mark städtische Gelder unterschlagen hat, ist eingeschriebenes Mitglied der Nationalsozialistischen Partei. Ole fremdentelndlidie Stimmung in Persien greift auch auf die Ruffen über. Teheran, 6. Jänner.(Reuter.) Die hiesigen Kaufleute haben den Boykott gegen fowzet- russische Waren begonnen, um eine Revision des russisch-persischen Handelsabkommens zu erzwingen Gleichzeitig ist ein heftiger Preffefeld- zug gegen Sowjetrußland im Gange. Die Sowjetbotschaft hat bei der persischen Regierung offiziell Beschwerde eingelegt und die Einstellung dieser Agitation verlangt. Di« Regierung bemüht sich, eine befriedigende..Lösung deS Problems zu erreichen, daS infolge der Erbitterung über den ständig zunehmenden- Einfluß SowjetrußlandS auf persische Angelegenheiten entstanden ist. In Asier- bsidschan und den kaspischen Provinzen ist der Handel jetzt fast ausschließlich in den Hän- d e n von Russen und die großen Baso-e im ganzen Lande sind mit Baumwollwaren"ussi- icher Herkunft gefüllt. Tie einheimischen Er- zeugnisie sind so gut wie verdrängt und infolge- deffen sind Tausende von persischen Handwerkern geschädigt, deren zunehmende Erbitterung durch das Anwachsen des persischen Nationalismus, das in der Ungültigfeitserkläruug der englischen V-troleumkonzession Ausdruck fand, noch gestärkt '!>.rd. Erfolgreicher Bergarbeiter streih. Wien, 6. Jänner. Wie aus Grünbach gemeldet wird, ist der dortige Bergarbeiterstreik nach sechswöchiger Dauer heute beendet worden. Die Arbeiter werden morgen zu den alten Lohnbedingungen die Arbeit wieder aufnehmen. Hit Polizei aus der Fabrik vertrieben. Warschau, 6. Jänner.(PAT.) Die Arbeiter hat Staatlichen Fabrik für Telegraphen- und TeLcPbonapparate, die wegen Verletzung des Arbeit-Vertrages gekündigt wurden, wollten chren Arbeitsplatz nicht verlassen und wurden daher von der Polizei, die auch eine Reihe kommuni- stifcher Agitatoren verhaftete, aus der Fabrik entfernt. Weberstreik In Frankreich. Paris, 6. Jänner. Der vor einigen Tagen ausgebrochen« Weberstreik in Armentieres hat größere Ausdehnung angenommen. Es streiken jetzt in Armentidres über 3000 und in der llm- gebung cftiM 2000 Arbeiter..Heute Nachmithag haben die Streikenden eine stark besuchte Versammlung abgehalten, nach deren Schluß sie vor I die Tuchhandlungon zogen, wo sie das Personal veranlaßten, die Arbeit einzustellen. Geheimrat von Borsig gestorben. Berlin, 6 Jänner. Dr. Jng. geheimer Kommerzienrat Ernst von B o r s i g ist heute früh aus seinem Gut Groß-Behnitz,.63 Jahre alt, an Herzschlag verschieden. Ernst von Borsig war Mitinhaber der Firma A. Borsig<8. m. b. H. in Tegel und des Borsig- Werkes in Oberschlesien und einer von den ganz großen sogenannten„Jndustrieführern'. Er war u. a. Vorsitzender der Bereinigung der deutschen Arbeitgeberverbände, des Geiamtverbandes deutscher ! Metallinduftieller, des Verbandes Berliner Metall- industiller und der deutschen Lokomotivbau-Vereini- gung. Ferner war er im Präsidium des Reichsverbandes der deutschen Industrie und des vorläufigen Reichswirtichaftsraies. Bei zahlreichen anderen Untcrfehmungen war er Aufsichtsratsmitglied. hie Kosten der Arbeitslosigkeit JAB. In dem vom Internationalen Arbeitsamt aufgestellten Bericht„Arbeitszeit und Arbeitslosigkeit", welcher der am 10. Jänner 1933 in Genf zusammentretenden vorbereitenden Konferenz über die Arbeitszeitfrage unterbreitet wird, ist der Versuch gemacht worden, einige Zahlen über die von den Staaten gemachten Aufwendungen für die Arbeitslosen bei,zubringen. In Belgien stiegen die Ausgaben aus dem Notstandsfonds(ausschließlich der Familienunterstützungen für erwerbslose Arbeiter) von 32 Millionen Franken im Jahre 1930 auf annähernd 365 Millionen im Jahre 1931. In Deutschland ist der Gesamtaufwand der Arbeitslosenversicherung, der Krijenfürsorge und der Wohlfahrtspflege der Gemeinden von 1.151 Millionen Reichsmark im Jahre 1928 auf 2.973 Millionen im Jahre 1931 gestiegen. In Großbritannien haben sich die Ausgaben der obligatorischen Arbeitslosenversicherung, die bereits im Jahre 1924/25 als außerordentlich hoch(51.5 Millionen Pfund Sterling angesehen wurden, bis zum Jahre 1930/31 ungefähr verdoppelt(101.3 Millionen Pfund) und für 1932,/33 schätzt der Arbeitenminister den Aufwand auf etwa 120 Millionen Pftmd. I» Italien ist seit 1924/25 der Gesamtaufwand der obligatorischen Versicherung auf das Vierfache angewachsen(33.8 Millionen Lire im Jahre 1924, 23.1 Millionen im Jahre 1925. 115.6 Millionen im Jahre 1930). In den Niederlanden haben sich die Ausgaben für die freiwillige Versicherung in den letzten sieben Jahren mehr als vervierfacht. Tas gleiche gilt für dir obligatorische Dersichcrtlng in Polen. In^,der Schweiz stiegen die Ausgaben von 2.6 Millionen Franken im Jahre 1925 auf 4.3 Millionen im Jahre 1926 und auf 37.6 Millionen im Jahre 193k. Diese Zahlen umfassen nicht die Ausgaben der örtlichen Notstandsfonds und der privaten Verbände. Sie sind trotz ihrer Unvollständigkeit ein beredtes Zeugnis für die Lasten, die den einzelnen Ländern durch die Unterhaltung der Erwerbslosen auferlegt werden. In Großbritannien betrug das Volkseinkommen INI schätzungsweise 3.332 Millionen Pfund Sterling(ausschließlich des Einkommens ans Uebersee) und der Gesamtbetrag an gezahlten Löhnen und kleinen Gehältern 1.709> Millionen Der Aufwand für Arbeitslosenunterstützungen machte somit rund 3.7 Prozent des Volkseinkommens und rund 7.3 Prozent der Gesamtlohnsumme aus. Für Deutschland wurde das Volkseinkommen für 1981 auf 57 Milliarden Reichsmark und das Einkommen an Lohn und Gehal. auf 33 Milliarden geschätzt. Rund 5.2 Prozent des Volkseinkommens und rund 9 Prozent der Gesamtlohnsumme wurden also für die Erwerbs- losenfürsorge ausgegeben. Ein bischöflicher Ausflug nach Gran und keine Folgen. Nach einer Meldung der„L i d o v c Noviny" sind die Vorarbeiten zur Durchführung des sogenannten„Modus vivendi" mrt dem Vatikan, die beinahe beendet waren, durch einen unerwarteten Zwischenfall wieder ins Stocken geraten. Di« Voraussetzung für die Durchführung des Modus vivendi ist die Bereinigung der Bodenreform auf den kirchlichen Gütern(vor allem in der Slowakei), die erst geregelt sein muß, bevor in dem Modus vivendi die mit der Neuabgrenzung der Diözesen und mit der Regelung der Hamit zusammenhängenden Fragen gelöst werden können. Eine unerwartete und sehr ernste Komplikation dieser Verhandlungen sei nun durch den kürzlichen Besuch zweier slowakischer Bischöfe beim Fürsterzbischof von Gran, dem ungarischen Kardinal Szeredi, eingetreten. Es ist natürlich, schreiben die„Lid. Rov.", daß dieses Vorgehen, das ein merkwürdiges Licht auf die politische Voraussicht der beiden Bischöfe wirft, vorher einer vollen Aufklärung bedarf, bevor man in den weiteren Verhandlungen wird fortfahren können. Während die Regierung in diesen Fragen beim Vatikan und beim Prager Nuntius auf volles Verständnis für unsere Bedürfnisse stößt, habe» gerade diese beiden flolvakischcn Bischöfe durch ihr unbedachtes Vorgehen in die Verhandlungen beträchtliche Schwierigkeiten hineingetcagen. Tagung der deutschen Landbündler. Am Donnerstag tagte in Prag die Reichspa rleiver- tretung des Bundes der Landwirte, die sich nach einem einleitenden Referat des Ministers Dr. Spina in längerer eingehender Aussprache mit der politischen und wirtschaftlichen Lage befaßte. Im Interesse der Existeuzsicherung der Landwirtschaft hielt die Tagung die Durchführung nachstehender Forderungen für unumgänglich notwendig: eheste Flüssigmachung billiger Kredite für di« Landwirtschaft, wirksame Zinsfußherabsetzung, entsprechende Vertretung der Landwirt' schäft im Biehsyndikar und dessen sofortige Inkraftsetzung, eine den wirtschaftlicheit Verhältnissen angepaßte Herabsetzung aller sozialen Lasten(!), Novellierung des Sozialversicherungsgesetzes und Reform der Arbeitslosenfürsorg.. weitere wirkungsvolle Maßnahmen zur Stützmia der Getreidepreise, Bcschränkilng bzw. Beseitiguu.z der wirtschaftlichen Monopolstellung der Kartelle und endlich Umgestaltung der TtaatsverwallNuz zum Zwecke der Vereinfachung und Verbilligung. Tie Reichsparteivertretung erwartet ferner von ihren Mandataren, daß sie sich insbesondere für die Verwirklichung der angekündigten nationasrn Schulverwaltung einsetzen.- Gleichzeitig winde der nächste Reichsparteilag des Bundes der Landwirt« für den 18. und 19. März 1933 nach Pra,j einberuftn. Seite 4 Jfr. 6 SamStag, 7. Jänner 1933 T agesneuißkeiten abge- «uS allen Interessentenkreisen arbeiten. be« Der den auf Be- vs8 rcmclled. Vom braunen PlumpseK. Dreht euch nicht rum, di« Killer gehn um, sie killen ganz leise auf tr«nd«utsche Weise—. Dreht euch nicht rnm! Dreht euch nicht rnm, die Mörder gehn um, sie morden von hinten, bald wird man dich sindru Dreht euch nicht rnm! Dreht euch nicht rnm» di, Bestie geht nm, sie schleicht durch die Hecken und übt das Verrecken—, Dreht euch nicht rnm! Dreht euch nicht rnm, di« Unschuld geht um! Die Führer, die Reinen, st« kennen ja keinen Dreht euch nicht rum! Kurt Kaiser-Blüth. ?as AukobusunglSS in der Slowa'el. Brünn, 6. Jänner. Im Befinden der bei dem gestrigen Autobusungluck bei Neberquerung der Eiscnbahnstrecke bei LuLice in der mährischen Slowakei schwer verletzten Personen, die sich m Pflege des öffentlichen Krankenhauses in Feldsberg befinden, ist bis heute keine wesentliche Aen- derung eingetreten. Der Autochauffeur Josef Navrütil, der am schwersten verletzt ist, hatte heute in den Mittagsstunden das Bewußtsein noch nicht erlangt. Den leichter Verletzten, Josef Schneider, Georg Adamec und Anna Zkouma- lov», geht es verhältnismäßig gut, doch befinden sie sich noch im Krankenhaus in Beobachtung. Mu Miaut tötet Mut Menschen. Cawnpore(Britisch Indien), 6. Jänner. Em Elefant einer Jagdexpedition wurde unterwegs plötzlich wild, tötete fünf Personen, nahmen die Verfolgung der Täter auf, di« in d.i. benachbarten Hof flüchteten und sich dort mu Stangen bewaffneten, mit denen sie dann aus all« Angehörigen der Familie Gordan einschlu- gen. Johann Gordan und sein Sohu Michal sind ihren Verletzungen erlegen. Der Zustand der übrigen verletzten Mitglieder der Familie ist sehr ernst. Di« Täter wurden in di« Hast des Bezirksgerichtes in Vranov nad Toplou«inge- liefert. Eesöngnis-SMacht in Beschawar. Sechs Tot«. Peschawar, 6. Jänner. Im Gefängnis einer Kreisstadt der Nordwestprovinz ist es zu schweren verletzte mehrere andere und flüchtete in das Dschungel. o Im Riesengebirge gibt es, wie die Schüsselbaude mitteilt, am Kamm 20 Zentimeter Schnee.— Aus Johannisbad wird berichtet: Skiwege im Gebirge auf den Nordhängen sehr gut fahrbar, auf den Südhängen nicht. Die flachen Uebungswiesen in Johannirbad-Schwarzenberg nur für Anfänger benützbar, dafür Rodelbahnen ausgezeichnet. Im Gebiet des Keilberg liegt kein Schnee. Das Wetter ist sehr sonnig, schöne Rauhreifbildung. Altvater- und Spieglitzer Gebiet: Altvater, Schäferei: 7 unter, 20 Ztm. Schnee, Rodelbahnen und Skifähre gut, klar.— Hochschar-Schutzhaus: 5 unter, 8 Ztm. Schnee, Skifähre gut, Rauhreif.— Mähr-Altstadt: 2 unter, 5 Ztm. Schnee, Skifähre nur auf Wiesen und im Wald,— Roter Berg: 2 unter, 8 Ztm. Schnee, Skifähre und Rodelbahnen gut, Rauhreif.— Schlesierhaus: 2 unter, 15 bis 20 Ztm. Schnee, Skifähre sehr gut, Rodelbahnen gut, Rauhreif. Vom Rundfunk Empfehlenswertes aus vcn Programme». Sonntag. Prag. 6.45: Gymnastik, 8: Schallpiatten, 9.45: Gesangskonzert, 12.35: Blasmusik, 18: Deutsche S« ndung: ErzgebirgsheimastAbend, 21: Sinfoniekonzert, 22.20: Schallpiatten.— Brünn. 11: Chorkonzert, 16: Orchesterkonzen, 18: Deutsche Sendung: Sonarrnstunt«.— Prchburg. 17.45: Or- chesterkonzerl, 19.20: Gesangskonzert.— Berlin: 11.30: Heilere Funkmatine«, 19.30:„Die Prinzessin von Trapezunl". Oper von Offenbach.- Mühlacker. 18.15: Handharmonikamusik.— Hamburg. 20: Die Wiener Tanzoperette.— Königsberg: 15.80: Chorgesänge, 13 30: Ein bißchen Freude,— Langenberg: 20.30: Wilhelm Busch.— Leipzig. 20.15: Aus Müzarts Opern.— München. 19.40. Orchesterkonzert.— Wien. 20: Illusion zieht immer Hörbild. Wirttersvortttetter. „Raturfreunde^-Haus Rollendorf: Ski- und Rodelbahn auf Wiesen,- Zentimeter Schnee(Rauhreif), im Wald 12 Zentimeter, 2 Grad Kälte, Westwind, Nebel. Herrliche Winterlandschaften(Rauh- reifgebilde) über sehr bewegt war. Der Kapitän beabsich-I tiate ursprünglich, das Schiff bis nach Le Havre schleppen zu lassen, ließ aber von dieser Absicht' ab. Kapitän Schoofs leitet« heute sämtliche Arbeiten und ließ auf dem Wracke der„L'Atlan- tique" die französische Flagg« hissen, damit dadurch das französische Eigentum an dem Schiff dokumentiert werde. Der Offizier der französischen Kriegsmarine, der gestern beim Wrack der „L'Atlantique" weilte, bestätigt« an Ort und Stelle, daß die nichtfranzösischen Remorquere zehn Minuten später eintrafen als di« französischen und daß diese zuerst di«„L'Atlantique" in Schlepptau nahmen. Als heute nachmittags ein Kriegsschiff an dem Wrack der»L'Atlantique" anl«gte, wurde der Offizier E v e n von der Strömung von dem Schiffe fortgeschleudert und so heftig zwischen di« beiden Schiffe eingekeilt, daß ihm im Krankenhaus ein Bein amputiert werden mußt«. Auch ein Radiotelegraphist des Kriegsschiffes wurde '. Eine Havas-Meldung aus Cherbourg be sagt, daß die Schlepper mit dem Schiffsrumps nicht schneller als drei Knoten die Stunde fahren können. Heute früh befanden sie sich nördlich von Barfieur, 35 Meilen von Cherbourg und 70 Mei len von Le Havre entfernt. Wenn nichts dazsvi- schen komme, dürften die Schlepper in der Nacht anf die Höhe von Cherbourg kommen, aber erst morgen nach Tagesanbruch einfahren. * Paris, 6. Jänner. Der Dampfer„LÄtlan- tique" wird von drei französischen, einem hollän dischen urch einem englischen Remorqueur in der Richtung nach dem Hafen von Cherbourg ge schleppt, wird jedoch erst morgen vormittag dort eintreffen, weil das Meer heute den ganzen Tag l verletzt. minniinnuiinimuHiMnHniiiiiiiiiiiiiittunuiiiuiiuiiuiiiiiiiiiiiiiuiiiflinniHiiiiniiniiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiHniiniiHiiHtt»iiN»iin»iiiiiiiiiniiiiniin»iinnnuiniimiiiiHiinimmnNnnnmnniiffliinmi Die Tragödie der„Atlantique“ Die Ursache immer noch unaufgeklärt. Verbrechen oder Leicht* sinn? Paris, 6. Jänner. Das Wrack der „Atlantique" wird heute in de» Hafen von Le Havre geschleppt werden. Auf dem Meere ist heute früh«in starker Sturm aufgrtreten, so daß die Arbeit der Schleppschiffe, die das Wrack im Schlepptau haben, sehr erschwert ist. Mau ist der Ansicht, daß die aus Sachverständigen bestehende Untersuchungskommission auf dem Wrack stimmte Feststellungen wird machen können. Minister für die Handelsmarine lehnte Gedanken einer böswilligen Brandstiftung dem Schiffe ab, wofür, wie er erklärte, kein weis vorliege. Rach dem„Matin" sollen aber nicht alle Mitglieder der Untersnchungskommis- sion, besonders die technischen Inge ns e u r e, der gleichen Ansicht sein. Die Sachverständigen und Konstrukteure behaupten einmütig, daß die elektrische Leitung und der Feuerschutz auf dem Schiffe einwand frei waren. Ein bloßer Kurzschluß könne nicht plötzlich einen so großen Brand zur Folge haben. Alle Blätter drängen darauf, daß lüe Unter suchungskommission sämtliche Ergebnisse ihrer Untersuchung der Oeffevtlichkeit mitteil«. Hervey erklärt in der„Bictoire", man müsse bei dem Brande der„Atlantique" die Annahme einer böswilligen Handlung ausschalten Die„Atlantique" sei ebenso wie der im Ro ten"Meere durch einen Brand vernichtete Passagierdampfer„Georges Philippar" von derselben Werft erbaut und von der selben Gesellschaft ausgerüstet wor den. Bereits im vorige« Jahr« habe ei« bekann ter Architekt von Bord der„Atlantique" seiner Familie geschrieben, daß eigentlich nur der Schiffsrumpf und die Maschinen als einwandfrei gelten könnten, wahrend die gesamte Innenaus stattung beweise, daß die Ingenieure«nd Archi tekten Landratte« seien. Bei der Einrich tung sei außerordentlich viel Holz verwendet wor den, um dem Ganze« einen luxuriösen Anstrich zu geben, wodurch aber die Feuers gefahr sehr gestiegen sei. Darauf hätten dann auch die großen Versicherungs- gesellschaftcn hingewiesen«nd es lehnt, das voll« Risiko zu übernehmen. Durch Unvorsichtigkeit eines Ranchers? Paris, 6. Jänner.(Havas.) Der Minister für die Handelsmarine kehrte gestern abends von Cherbourg nach Paris zurück und erklärte den Vertretern der Presse: Die Untersuchung über hie Ursachen des Brandes auf der„Atlantique" i wird fortgesetzt. Sie gestaltet sich sehr schwierig. Ich bin überzeugt, daß jeder Gedanke an eine böÄvillige Brandstiftung ausgeschaltet werden muß. Ich glaube eher, daß der Brand durch die Unvorsichtigkeit eines Rauchers hevbeigeführt wurde. Der Minister erklärte, daß es sich entweder um einen Kurzschluß handle, der allerdings unwahrscheinlich sei, oder um eine Fahrlässigkeit. In einer Kabine erster Klass« seien nämlich etwa 30 Wollmatratzen untergebracht gewesen. Wenn ein Mitglied der Besatzung etwa eine glimmende Ziga rette weggeworfen habe, so hätte sie leicht stun denlang schwelen können, bis dann das Fey er plötzlich mit voller Wucht ausbrach. Ter Minister sagte, er werde dafür sorgen, daß in Zukunft bei der Inneneinrichtung der Schiffe weniger Holz verwendet werde, daß zwei Funkerkabi nen eingebaut würden, eine vorn und eine hin ten und daß der Besatzung Berufsfeuer- wehrlaute beigegvbcn würden. Die Retter von 0er„Ruhr“. Rotterdam, 6. Jänner. Das deutsche Motorschiff„Ruhr", das 86 Mitglieder der „Atlantique"-Besatzung retten«nd in Cher bourg ans Land setzen konnte, traf gestern abends in Rotterdam ein. Ter Kapitän des Sch'ffes, von Fick, erklärte Preflevertreteru, daß die „Ruhr" als erstes Schiff bei der brennenden„At- lantique" eintras. Bis halb 2 Uhr mittags sei die„Ruhr" in der Röhe der„Atlantique" ge blieben. Tas Feuer habe mit einer unglaublichen Schnelligkeit und Heftigkeit um sich gegriffen. So bald der Brand, der offensichtlich im Mittelschiff in einer Luxuskabine ausbrach, einen größeren Umfang angenommen hatte, barsten die Fenster aller Lucken, wodurch der Wind durch das ganze Schiff fahren und das Feuer immer neu anfachen konnte. Die 86 Geretteten der„Atlantique", unter denen sich auch drei Offiziere befanden, hätten nichts über die Ursachen des Brandes aussagen können. Die AbsclUeppung Paris, 6. Jänner. Kapitän Schoofs hat im Laufe der Nacht an seine Reederei ein Funken telegramm gesandt, in dem er mitteilt, daß er im Laufe des heutigen Tages an Bord der „Atlantique" gehen und die Ab'chleppung lenen werde. Das Schis fbrenne noch immer. Die Kommandobrücke iche ne nicht verbeut zu fein. Er hoffe, heute das Wrack mit dem Bug voran nach der französischen Küste schleppen zu können. Tschechofiowakri siegt im internationalen Schachtournier. Im Internationalen Schach- tourmer in Hastings(England), das seit Wechnachten dauerte und am 6. Jänner abgeschlossen wurde, gewann den ersten Preis der junge S. Flohr(Prag), der sieben Punkte von neun möglichen erzielte. Flohr war auch im vorjährigen Haslinger Weihnachtsturnier der Sieger. Im Reserveturnier besetzte ebenfalls ein Prager Meister, Rejflk, mit 714 Punkten den ersten Platz. Beide Sieger blieben ungeschlagen. Sechstausend Amnestiert« in Preußen. Die Gesamtzahl der auf Grund der Amnestie in Preußen aus der Hast entlassenen Gefangenen beträgt nach Mittoilungen des preußischen Ju- stizministeriums bis zum 4. Immer 6073. Die Reichsbank hat überfiüsfiges Geld. Die dcuffche Reichsbank plant für den Sommer die Errichtung eines Erweöterungsprojektes für das Hauptgäbande. Das Terrain, das bebaut wrrden siÄ, hak eine Größe von 10.000 Quadratmeter. Auf diesem stehen zur Zeit 35 Gebäude, die schon im Frühjahr abgerissen werden sollen. Die Bauzeit wird etwa_ drei Jahve dauern. Die gesamten Baukosten dürsten zwilchen 25 bis 30 Millionen Mark liegen. Ein dänisches Fischerboot hat Donnerstag bei Fehmarn wieder einen Toten der„Niobe" geborgen. Seine Identifizierung war bisher noch nicht möglich. Flugzeugabsturz. Ein Schulflugzeug der Fliegerschule Schwarza(Thüringen) stürzte in der Ncche van Saalfeld ab; der Pilot, ein 22jähriger Deutsch- Amerikaner, verunglückte tödlich. 30.006 Mark ergaunert. Ein in Düsseldorf sestgenommenes Ehepaar Körber hat im Auftrag verschiedener Organisationen Geldsammlungen vorgenommen, von den eingegongcneu Beträgen jedoch 30.000 Mark unterschlagen. Der älteste Gasthof. Freiburg macht neuerdings den Anspruch geltend, den ältesten deutschen Gasthof zu besitzen. Man fand im städtischen Archiv eine Urninde aus dem Jahre 1387. aus der hervorgeht, daß der Freiburger Gasthof „Zum Bären" bereits im Jahre 1291 gegründet wurde. Hauseinsturz. Im Eingeborenenviertel von Kairo stürzte ein zweistöckiges Haus ein. Bier Personen wurden getötet, acht verletzt. Die Fügung Gottes. In Königinhof waltete der Allwissende, wie die„Deutsche Presse" zu melden weiß, vor kurzem auf merkwürdige Art seines Amtes.„Die durch eine Fügung Gottes" wurde nämlich dem Kaplan, der gerade einem Kirchendieb auf die Spur gekommen war, ein Gendarmeriewachtmeister in den Weg geführt. Der griff, von der gesamten Ortspolizei unterstützt, in die Geschehnisse ein urÄ fand nach langem Suchen den Dieb auf einer hohen Plattform hinter dem Altar. Es war der gewesen« Ministrant, stellt die „Deutsche Presse" entsetzt fest. Der Bub ist erst fünfzehn Jahve und selbstverständlich arbeitslos.— Der Allgirfige hätte doch sicherlich dafür sorgen können, daß der Junge Arbeit bekommt und nicht verlottert. Eine solche Fügung Gottes wäre sicherlich logischer und einleuchtender denn das zeitgerechte Auftreten des Gendarmeriewachtmeffters. Doch der Allmächtige läßt Kinder hungern; und es erscheint der„christlichen" Preffe nur als seine Fügung, daß er, wenn sie sich hungernd an seinem materiellen Gut vergreifen, den Arm der„Gerechtigkeit" zupacken läßt. Mtt diesen „Fügungen" möge sich abfinden, wer da wolle; wer einen leeren Magen, hingegen keinen hohlen Kopf und kein versterntes Herz hat, dem werden sie als reichlich unzulänglich erscheinen.„Ein Ministrant!...Eintrau- Gine Milchwoche. Vom 19. bis 26. Feber wird auf Anre- gumg des Kollegiums für die Propagierung der MÄchernährung unter Mitwirkung der Ge werkschaft sorganifationen, der Behörden und der Schulen eine„M ilch- Propa-,- s.. gandawoche" veranstaltet werden, in der auf rkges Zeichen der Zeit! Nun, dre die Wichtigkeit der Milch für die Gesundheit und i Ministranten der kapitalistischen Ordnung, zu die Ernährung aufmerksam gemacht werdens denen die„Deutsche Preffe" zählt, sind für wird. Die Vorarbeiten werden von neun Fach- die Taten jenes Ministranten in erster Linie kommissionen getroffen, in denen an 80 Fachleute verantwortlich!-Sie lassen die Armen schuldig aus allen Jntvreffentenkreisen arbeiten. werden— und die göttliche Fügung, der sie sie dann überlassen, kann mst ihrem prokapi- talfffischen, anttchristlichen Tun nicht versöh nen. Die„Gottes Fügungen" loben, mögen nicht Steine auf ihre Opfer werfen! «w, uvl nt,, Moritz Arbeite! gestorben. Am 5. Jänner fft Schlägereien unter den Sträflingen gekommen.. Wien der Sekretär der^hilfenschaft des —--——-■ Wiener Handelsgremiums Gen. Moritz Arbeite! gestorben. Arbeite! war von Beruf Tischler ge- lvesen, arbeitete später als Petroleumarbeiter in Drohobicz und dann als Metalldreher in Stehr,! bis man ibn als Parteisekretär nach B i e l i tz! berief, das damals zu Schlesien gehörte und jetzt in Polen ist. Dort entfaltete er eine rege Tätig keit, kandidierte in den Reichsrat und blieb in Bielitz bis 1918, da ihn die Angestellten nach Wien beriefen. Auch dort hat er seinen Mann gestellt und insbesondere bei Gehaltsbewegungen seine ganze Energie in den Dienst seiner Klaffen- genoffcn gestellt. Arbeite! ist an einem Herzleiden gestorben. Sechs Berliner Devise«- Schwindler ver haftet. Wegen schwerer Vergehen gegen die Devisenbestimmungen sind Donnerstag Abeich sechs Berliner Bankleute auf Veranlassung der Staatsanwaltschast festgenommen worden. Sie wuvdrn dem Bernehmungsrichter im Polizeipräsidium vor^führt, der darüber Beschluß fassen wird, ob Haftbefehl geGN sie erlassen werden soll. Di« Untersuchung der Eisenbahnkatastroph«' im Gütsch-Tunnel bat einwandstci ergeben, daß! das Unglück auf das Ueberfahren des! Haltesignals durch den Lokomotivführer des Züricher Erlzugcs zurückzuführen fft. D:r Lokomottvführer hat bei dem Unglück! sein L e b e n e i n g e b ü ß t. iiiiiiiiHuiifflHHniuHiHiiiHimiiiiiiNHiHHiiiiHiiiiniuuiiiniiiiiiHmiiiiiiuiiiiiiniiiiiMiimuuiiiunuuiiHKnHmmmiiiiiiiHiinminnnujiimiiimuinmmnnniuniiMuiinnmnHUiinHiiiuiuiHiiHtMnini Ein Bauer und sein Sohn von betrunkenen Dursdien erschlagen. Die ü urigen Familienmitglieder schwer verletzt B r anov nad Toplou, 6. Jänner. In der Gemeind« Rudlov wurde der Landwirt Johann Gordan und dessen Sohn Michal von betrunkenen jungen Burschen ermordet. Di« Familie Gordan saß in der Nacht vom 3. zum 4. Jänner in der Stube, als plötzlich unbekannt« Täter von außen durch das Fenster Steine warfen. Die Frau Gordans eilt« hinaus, doch wurde sie durch«inen Steinwurs ^betäubt. Ti« übrigen Familienmitglieder Sechs Sträflinge wurden getötet und fünf verwundet. ßin Raubmörder entkommt verfolgenden Gendarmen. Aus Tyrnau wird gemeldet: In der Nacht auf Donnerstag ivurde in der in der Nähe Tyr- naus gelegenen Orffchast Unterlov der 82jährige reich« Landw irt Josef Orlik ermordet. Der Täter erwürgte den Greis und zertrümmerte der Leiche durch drei Axchiebe den Schädel. Er raffte dann alles erreichbare Bargeld und verschiedene Schmuckgegenstärtde zusammen und enffloh. Gegen Morgen wurde dann die Tat eirtdeckt rrnd die Gendarmerie verständigt. Nach mehrstündigen Nachforschungen kam die Gendarmerie auf eine bestimmte Spur. Die Gendarmen begaben sich in das Tyrnauer Armenviertel und umzingelten dort ein bestimmtes Haus. Bevor sie noch in das Haus eindringen konnten, beobachteten sie, wie ein Mann durch den Gar- ten fluchtete. Es begann nun eine wilde Hetzjagd, doch gelang es dem Manne zu entkommen. Die Gendarmerie verständigte sämtliche Postenkommandos in der Slowakei von der Flucht des Mörders, Der Name wird im Interesse der weiteren Erhebungen nicht bekanntgegeben. Nr. 6 SamStag, 7. Jänner 1933 Seite 5 60.000 Schmuggler. Auf der 56 Kilometer langen S'trwk von Gillrath im Kreise Gelsenkirchen bis Sies-Tchmithof im Landkreis Aachen spielt sich fast-die Hälfte d?s Schmuggels an den gesamten dentschcht R. ichsgrenzen ab. Das-Haupt- s zollamt AacheN, das dreie verhältnismäßig kleine. Strecke becmfflchtiyt, hat im Jahre 1H32 nicht weniger als- 25.000 Strafverfahren'wegen Schannggels- eing-leitet. 60.000 Personen wurden Schmuggelwaren abgenvnimen. Beschlagnahmt wurden 71.000 Kilogranun Kaffee, 1570 Kilogramm Kakao, 12.000 Kilogramm Tabak, i sechs Millionen Zigaretten, 45.000 Zigarren. 420.000 Heftchen Zigarettenpapier, 3800 Kilogramm seleischwaren, 147.000 Kilogramm Zucker, 40.000 Kilogramm Getreide, 36.0ÜO Kilogramm Mehl und 32.000 Kilogramm Brot, s.rner 800 Fahr-- räder, 105 Personenkraftwagen, 4 Lastkraftwagen und 38 Krafträder.'Wenn man bedenkt, daß nur etwa zehn Prozent des Schmuggels von den Zollbehörden erfaßt werden, kann man sich eine Vorstellung von den ungeheuwn Warenmengen machen, ine- über die deutschen Grenzen unter Umgehung der Zölle nach Deutschland eingeschmuggelt werden. Seppl, der Chines«. Ein Znnsbrnck.r Gymnasiast beschloß, am Neujahrstag ein neues Leben anzufangen: er reiste nach München, mietete sich ein Taxi und fuhr damit nach Berlin. Hier wollte er der chinesischen Gesandtschaft seine „militärischen" Dienste für den Fernen Osten anbieten. Dem Chauffeur, der mit seiner Taxe schott öfters nach Berlin gefahren Iwt und sich über das Reisezi> l- trotz der Jugendlichkeit seines Auftraggebers nickst weiter wunderte, erzählte er, daß er ein chinesischer Offizier sei. In Berlin angekommen hatte der„Chinese" 420 Mark zu zahlen. Der Chauffeur wartet noch heute auf das Geld— Seppl aber darauf, daß ihn sein Pater vom Berliner Polizeipräsidium, wohin ihn der kluge Münchener schließlich brachte, abholt. Es dauerte im-übrigen eine geraume Zeit, bis die Polizei b-agrrffen hatte. worum es sich bei ihren seltsamen„Gästen" eigentlich handelte: sie schrien sich in ihren heimatlichen.Dialekten nach Herzenslust und Leibeskräften gegenseitig an. daß die Aktenschränke nur so wackelten. Rosemarie Boddin wird aus dem Krankenhaus entlassen. Die kleine Rosemarie Boddin, die von ihrer entarteten Mutter von der Berliner Grenzstraßenbrücke ans den Bahndamm geworfen worden war. um von einem Zuge ütz.-rfahren zu werden, wird in dichen Tagen aus dem Lazarns- Krankenhaus entlassen. Tas Kindchen-hatte bei dem Sturz auf die Geleise einen komplizierten Schädelbruch davorigetragen imd lag lang»: Zeit hindurch im Krankenhaus danieder. Aerzte uttd Schwestern pflegten das schwergeprüfte Mädchen mit größter Sorgfalt und haben es jetzt soweit wieder hergestellt, daß das Jugendamt über die anderweitige Unterbringung des Kindes verfügen soll. Wie wir erfahren, wird Rosemarie Boddin schon in den-nächsten Tagen in ein Kinderheim in der näheren Umgebung von Berlin gebracht werden, spater wird das Kind mehrere Monate hindurch in. einem Erholungsheim in Bayern Aufnahme finden. Die ältejte Weizenverwertung.'000 Jahr« alte Speisereste Hai Prof. Tr. I. Grüß auf Topfscherben aus der ältesten Steinzeit nachgavic^en. die im Ries bei Nördlingen gefunden wurden. Durch finnreiche mikroskopische und chemisch« Verfahren wurden Bruchstücke von der Spel^uhaut, der Samenschale und der Aleuronschicht dez Eunnerkorns, enter Weizenart, festgestellt und so der Beweis erbracht, daß in der ältesten Steinzeit das Emmerkorn feingeschrotet und als MuS oder Brei auigekochi, genossen wurde. Dieser Brauch der Getteidevenvertung bestand bis ins frühe Mittelalter; er nahm, erst etwa um das Jahr 1200 n. Ehr. allmählich«n End«, als )ic verbesserten beweglichen Backöfen aufkamen. »er film Im Staatshaushalt 1933. Man schreibt uns:’'z. lieber die Bedeutung des, Filmtzfur die allgemeine Volksbildung soll an dieser Skelle nicht besonders debattiert werden: sogar'der eingeschworenste Rückschrittler wird zuaebeN, daß der Film ein Massenkulturmittel ist, das durch die Billigkeit der Eintrittspreise sogar* da^ Radio an Massenwirkung übertrifft.- Im Haushalt. der- Tschechoslowakei sieht die Volksbildung durch den Film so auS: Schulministerium.,.. K 180.000.-^ Innenministerium....„ 100.000.—- „ 60.000.— „ 12.000.—' Verteidigungsministerinm..„ 137.500.-** Außenministerium..-£ 200.000.-- K 709.500.— Tas ist gewiß eine Achtung gebietende Ziffer bei Gesamtausgaben von achttausend sechshundert Millionen Ke; allerdings gibt es noch einen Propagandafonds im Außenministerium von zehn Millionen, auS dem auch die Erzeugung von Filmen gefördert werden soll und vier Millionen des Handelsministeriums, die aber größtenteils für die straffe Organisation der Einfuhrdrosselung, genannt Förderung des heimischen Films(und Ruinierung der Kinos) aufgehen. Wenn wir die obigen Riesenbeträge(ungefähr fünfzigmal soviel ist für die im kommenden Jahr zu verschießenden Patronen eingesetzt) genau untersuchen, dann kommen wir bald dahinter, daß selbst dies« mikroskopisch« Förderung auf recht schwachen Füßen steht. Das Innenministerium braucht 132.000 KL für die Honorare der Herrn und Damen Filmzensoren, eine Post die sich nicht der genügenden Popularität erfreuen wird; 60.000 KL werden als Löhne des dazu notwendigen Operateurs und dreier Angestellter, der Lithographie verwendet, die aber nicht für iden Segen der Zensur arbeiten. Dafür zahlen aber die Verleiher bei jedem Film vierstellig« Kronenbeträge an Zensurgebühr: diese Beträge gehen natürlich in'die Hunderttausende, werden aber vom Innenministerium nicht ousgewresen, sondern dem Staatssäckel zugewicsenp das mag auch einer der Gründe sein, warum sich die unpapulä're Zensur so standhaft hält. Das Schulmimsterium wird 50.000 KL für Aufklärungsorgansfätionen und Volksfilmarbeit widmen, also wieder nicht alles für den Film; vergangenes Jahr hatten wir dafür über 200.000 KL. Das staatliche Zentral- Film- und Diapositiv-Institut wird uns 100.000 Kronen kosten und 30.000 KL an Einnahmen abführen. Das Außenministerium wird für die Anfertigung von Photos, Diagrammen, Diapositive und Filme 220.000 KL hergeben, aus dem Propaganda- und Dispositionsfonds von zehn Millionen wird nur ein kleiner Betrag dem Film gewidmet werden. Das Berteidigungsministerium wird für 82.500 KL(gegen 300.000 des Jahres 1932) seine Borführungsapparate in Ordnung halten und UebungSsilme erzeugen, 30.000 KL sind als Regieausgaben für die Laboratorien und Militärkinos eingesetzt. Damit ist die Staatsfürsorge für den Film beendet; in Wahrheit wird von der Tschechoflowa- kei für das jüngste Kind der Kunst nichts getan: dafür ist dieses aber auch das wichtigste allgemeine Volksbildungsmittel, das sich allerdings nicht besonders gut zur feinen Kunstübung der Obern stellt. Wahrend Deutschland hervorragenden StaatS-Jnstituten, Frankreich viele Millionen dem Filmexperiment zur Verfügung stellt, wäh-! rend in Deutschland in liberaler Weis« künst-j lerisch wertvolle Filme von der Gemeindeabgabe befreit sind, gilt bei uns noch der alte, gut monarchische Grundsatz, daß Film ein minderlvertiges Produkt menschlichen Unterhaltungs-Instinktes ist, für das besondere Abgaben eingeführt werden müssen, von denen nach der letzten Judikatur des Obersten Berwaltungsgertchtes Filme mit organisch verbundener Musik, d. i. der Tonfilm, prinzipiell nicht befreit werden können,„da er fernem Charakter nach der Unterhaltung dient"; also noch unter dem Boxmatch steht. Dabei muß aber.darauf hingewiesen werden, daß die Staatseinnahmen aus dem Film an Umsatzsteuer, Zöllen, Gebühren für Zensur und direkten Steuern, dann dxr Gemeinden an der durchschnittlich zwanzig Prozent betragenden»Abgabe von jeder Karte wohl mit hundert Millionen eingesetzt werden müssen. Die Ttaatsraison ist nicht imMer durchsichtig: unsere agrarischen Kreise zehren fiinfunddreißigrnal soviel auf, als wir dem Kino geben können... —wl— Volkswirtschaft und Sozialpolitik SelriebselnschrSnkungen m der Neu-Titflhetuer Hutludustrle. Tie wahnsinnnigen, zur Methode gewordenen Absperrungsmaßnahmen der einzelnen kapitalistischen Staatswirtschaften haben nun auch zur Folge, daß unsere aus die Ausfuhr angewiesene Hutindusttie noch mehr als sonst von der wirtschaftlichen Depression betroffen wird. So wurden im Zentrum der Hutindustrie, und zwar bei der Firma Br. Böhm in Neu-Titschein, schon zu Anfang d«S Dezember vergangenen Jahres Arbeiterentlassungen in größerem Maßstabe ange- kündigt. Bon den rund 1600 Beschäftigten im genannten Unternehme« sollten nicht weniger als 344 Arbeiter entlassen werden. Dem Einschreiten des Betriebsausschusses der genannten Firma, dem Eingreifen der beiden freigewerkschaftlichen Hularbeiter-- orgänisationen und aus die Weisungen des Ministeriums für soziale Fürsorge an die zuständigen Gewerbebehörden ist es znzuschreiben, daß die Entlastungen bis in den Jänner hinausgeschoben wurden und auch zahlenmäßig geringer fein, sollen. Mit Rücksicht auf die in dieser Frage zwischen Arbeiterschaft, Betriebsausschuß, den Organisationsver- trrtcrn und der Firma immer noch vorherrschenden großen Meinungsverschiedenheiten, wurde über Vermittlung der politischen Bezirksbehörde in Neu- Titschein, für Mittwoch, den 4. Jänner l. I., eine Enquete der beteiligten Faktoren einberufen Bei diesen Beratungen zeigte sich eine Annäherung der beiden Standpunkte in der Form, daß klargestellt wurde, daß die Zahl der zu entlastenden Arbeiter auf 13V reduziert wurde, während die übrigen Arbeiter turnusweise auf unbestimmte Zeit ous- setzen sollen. Nach dieser Klarstellung der Sachlage Wurde vom Vorsitzenden dieser Enquete, Herrn Oberinspektor Tr. Jmlauf, dieser Stand zum Ber- mittlungsvorschlag erhoben und dahin ergänzt, daß der Firma nahegelegt wird, Fälle besonderer Art bei den zu entlassenden 15V Arbeitern noch zu berücksichtigen. Nachdem der Vertreter der Firma, Herr Oberinspektor Kresta, so weitgehende Vollmachten nicht hatte, wurde einvernehmlich festgelegt, am Montag, den 9. Jänner, nochmals bei der Bezirksbehörde zusammenzukommen, wo auf Grund dieses Bermittlnngsvorschlages die Beratungen fortgesetzt Die Unzufriedene 4 h h Da 8 Wochen Wart der Frau hottet ü«r M Heller h Redaktion Verwaltung j Prag II., Nekazanka 18, l werden sollen.— Es zeigt sich immer deutlicher, daß die bisherigen, gesetzlichen Normen im Wirtschaftsleben nicht mehr genügen, um die Arbeiterschaft in Krisenzeiten, wie die heutige, vor der Vernichtung ihrer Existenzgrundlagen zu schützen. Die Industrie, die in Zeiten der Hochkonjunktur es wohl verstanden hat die Betriebe ins unbeschränkte zu rationalisieren und Konjunkturleistungen und Gewinne ins gigantische steigerte, sie steht heute ratlos da und ist nicht gewillt, auch nur den entsprechenden Teil der Opfer auf sich zu nehmen. Neben den Bemühungen, die Zahl der Entlassenen auf ein Min- destmaß herabzudrücken, darf kein Arbeiter übersetzen, daß neben dem notwendigen Schutz de« Einzelnen, keinen Augenblick außeracht gelüsten werden darf, daß die heutige Wirtschaftsform im Interesse der Arbeiterschaft und im Allgemeininterefie einer gründlichen Umgestaltung bedarf, sollen die Menschen nicht durch Not und Verzweiflung ins ChaoS getrieben werden. Streik i« den Premier Fahrradwerken in Eger. Di« Leitung der Premier-Werke kündigt« am 30. November 1932 den Vertrag. Sie verlangte einen Abbau der Akkordlöhne um 15 Prozent, für Stundenlöhnarbeiter 10 Prozent und den Wegfall der Verheiratetenzulag«. Die Arbeiterschaft hat diese Forderung nach eingehender Beratung abgelehnt. Seit dem Frühjahr 1932 wurde in diesem Betriebe kurz gearbeitet und außerdem mußte ein Teil verminweise aussetzen. Trotz dieser Maßnahme hat die Leitung der Premier-Werke einen großen Teil der Arbeiter entlassen. Di« Verhandlungen führten zu dem Ergebnis, daß die Firma auf den Abbau bis Ende Juni Verzicht geleistet hätte. Im Juli .ober eine neu« Ueberprüfung vornehmen wollte. Wie diese ausschauen würde, zeigt« das Verhalten der Leitung im Jahre 1932; damals wurden die Arbeiter.ohne Rücksicht auf ihre soziale Lag« aufs Pflaster gesetzt. Im Juli ist die Lieferung beendet und man würde nicht mehr an den oben« angeführten Abbau henken, sondern ihn verdoppeln, um den Ausfall des ersten Halbjahrs wieder hereinzubringen. Hätte die Leitung nicht die Absicht, den Arbeitern im Juli alles zu nehmen, so hätte sie den Vertrag, wie in den früheren Jahren, auch bis Ende Dezember abschließen können. Aber ein glattes nein war di« Antwort ans dieses Verlangen.—(Bei dieser Gelegenheit sei bemerkt,.daß die Leitung der La-Ka-Fährrad- werke den Vertrag bis End« 1933 wieder abgeschlossen hat und außerdem den Arbeitern zu Weihnachten ein« Aushilfe von 10 bis 120 K gewährte.)— Darum hat die Arbeiterschaft in der Belegschaftsversammlung am 5. Jänner 1983 einstimmig beschlossen, mtt 6. Jänner m den Streik zu treten, um den Abschluß des Vertrages zu. erzwingen. Die Arbeiter wollen nicht vogelfrei sein, sie können nicht von ihrem Lohn 40 K und mehr in der Woche entbehren. An die Ar- bcitrrschafk ergeht der Appell Solidarität zu üben. «r versteht,„in Ehren beweibt, reich und frei' zu sein. Hier stehen wir an den weltanschaulichen Quellen von Rabelais Humor und seines einzigartigen Erzählerstils. Er kannte keine Hemmungen und wollt« sie nicht kennen, weil ja auch bas ittben unerschöpflich reich und bunt, grausam und roh. zart und schamlos, von guten und üblen Düften erfüllt ist, und so riß er mit beiden Händen, mit gierigen Augen und rafflustiger Phantasie alles in seine Dichtungen hinein. Sie strotzten von Gelehrtheit und volkstümlicher Ueberlieftrung, von klasst- ichen Zitaten, Anekdoten, groben Scherzen und unsäglich groben Zoten; sie türmen die Sätze>u kühnen, einander stoßenden und jagenden Perioden und rauben uns durch Worthäufungen, Wortwitze und Woriverdrehtntgen den Atem. Ein mitielatterlichcr Schenkenbruder, dem man noch deutlich anmerkt, daß er dereinst aus der Kutte gesprungen ist. sitzt unter .den Kchgenosftn und erzählt gutmütig, langatmig und übersprudelnd, indes sich di« Hörer lachend die Seiten halten— Lar ist der Ton der formlosen, jeder Inhaltsangabe spottenden, vom Hundertsten ins Tausendste greifenden Romane..Pantagruel" und„Gargantua"; das ist das zauberhafte Etwas, da» Gleichgesinnt« immer wieder zur Nachahmung netzt«. Da war noch im sechzehnten Jahrhundert der Deutsche Johannes F i s ch a r t aus Straßburg, der in üppig wuchernder Phantasie und wilder, zeugt« ngsstarker Sprache, in Kompositionslosigkeit, ungeschlachter Grobheit und Lust an unge- .bändigte« Stoffülle dem großen Meister beinahe gleichkam: da war das späte, geniale Kind derselben Touraine, Honors de Balzac, mit den unverwüstlichen, von naiver Sinnlichkeit überschau tuenden „Contes drülatiques", und ganz zuletzt hat noch Romain Rolland in seinem fröhlichen Roman „EolaS Breugnon" den Geist des Meister« Franqois eifrig beschworen. Denn dieser ist, wieviel Staub des Veralteten, des schwer Erträglichen, ja, der Langeweile ihn auch decken mag, dennoch unsterblich: lein.Lach!" und sein„Trink!' tönen über di« Jahrhunderte hinweg heiter und tiefsinnig bis zu juns. Alfred Klein berg. Francois Rabelais. Die Pariser Nationalbibliothek veranstaltet im Jänner«in« große Rabelais- Ausstellung aus Anlaß des. vierhundertjährigen Jubiläums des Erscheinens des „Pantagruel", des Hauptwerks des großen französischen Humoristen, dessen Geburtsjahr und Todesjahr nicht genau bekannt sind. Unter den„ungezogenen Lieblingen der Grazien" ragt Rabelais so mächtig hervor, wie jein« Helden Gargantua und Pantagruel unter den Menschen— Riesen sie beide, lasten sie auch ihren Schöpfer als Riesen unter Normalgewachftnen erscheinen. Alles an ihnen, alles an. ihm ist ungeheuer: die Lebensfreude, di« Sinnlichkeit, der Appetit, di« Schamlosigkeit,.die Wortfüll«, das. Prunken mit Zitaten und Kenninisten, der gewaltige, Ding« und Menschen, Phantasie und Sprache mit;sortrei- ßende Atem. Einen Gestälter und Gestalten von solchem Ausmaß konnte nur eine aus den Fugen geraten« ins Chaotische ausgreifende Zeit gebären, und diese Charakteristik trifft aus die Epoche des Meisters Rabelais wie auf weuig andre zu. Richt nur, daß das Mittelalter mit seiner Feudalordnung und leinen Gemeinschaftsbindimgen damals in dte Vcüche ging; auch dos Papsttum schien zu sterben und Kirchen und Klöster, Geistliche und Mönch«"wie-in einem tollen Wirbel, einem infernalischen Höllentanz mit hinabzuziehen. Di« Städt« mit ihren behäbigen Bürgern wuchsen in Ueppigkeit und Uebermut hm- «in; die König« Frankreichs Ludwig XII, und Franz I-, stiegen zu nationaler und internationaler Geltung auf und die Gelehrten entdeckten den Glanz und d>« Weisheit des griechisch römischen Altertums. Weil das Schicksal damals sein„ewiges Stirb und Werd«, mir hundertmal so lauter Stimme ries wie tonst fand es bet Rabelais so gigantischen Widerhall: aber gewiß trug auch di« Heimat- landschaft, di« Touraine, das Ihr« dazu bei, den Dichter so üppig-gabenfroh zu machen wie di« Natur selbst: eine Erde, fett von Getreide, Wein und Früch-j r«n, Menschen, von jungem Reichtum schwellend,«ini lachender Garten, von Sonne littet, das Stammland der zum„Sonnenkönigtum" berufenen Valois Auf diesem Boden, in dieser Zeit konnte sich schon ein junges Gent« zu Riesenmaßen auswachsen, uird auch jenen derben Schlag bekam der Knab« Franqois vom Schicksal, ohne den kaum jemand zu wahrhaft Großem«mporgestiegen ist: nach- glücklichen Jugendtagen auf dem Weingut Devinidre steckt« der Vater; ein vermögender Advokat, den vermutlich 1494 Geborenen(die Ueberlieferung, d» ihn 1483 geboren sein läßt, so daß sich jetzt sein Geburts- tag zum'450. Male jähren würde, irrt bestimmt. Beispielsweise bezeichnet« sich Rabelais selbst 1521 in einem Brief als„adolescens", d. h. als„jungen Mann".) aus unbekannten Gründen 1510 ist das Franziskanerkloster La Baumette, Fünfzehn. Jähre lang umfingen den Bürgerssohn Gestank,--.Schmutz Zank und Geiz, Fanatismus und- Heuchelei, und roher Wissenshaß drang in sein« Zelle, Nut ihn von seinen geliebten griechischen und lateinischen Suchern, von Humanistenweisheit'- und geistigem Zeiterleben abzuschnetden— da, auf dieses Aergste hin, rettet« er sich endlich 1524 durch die Flucht. Von jenen Tagen des Zwanges, der, Mißgunst und Ueberwächung her datierte zum guten Teil daß unstet« Bagantum in Rabelai Lebe n, denn eß wär kein« Kleinigkeit, damals in deit Augen des Klerus.zu den unsicheren Kinnpanen zu gehören Kaleidoskopartig wechselten also, wie es Furcht und Vorsicht eingaben, die Universitätsstädte;'- in denen Rabelais studiert« und sich, zum hochangesehenen Arzt« ausbildete, di« Domherren- und Pfarrerstel- luitgen, die Reisen durch Frankreich und nach Italien. und immer erwies es sich für ihn als das Sicherste, sich unter den Schuh«ines Mächtigen, ft! es.der Kardinale Bellay und Estissac, fei'« deic Herzöge von Guise oder gar des Königs Franz-1. selbst, zu stell»!. Der„tolle Pfarrer" von Meudon, von difi«n L-ouf-, Freß- und Liebestaten die spätere VolkSlegeüdk gar nicht genug zu erzählen wußte, scheint dnnvch durchaus nicht toll, sondern sehr lobensklug und wohlüberlegt gewesen zu fein. Jedenfalls rettete er auf solche Art. nicht nur sein leiblicher Dasein vor Kerker und Scheiterhaufen, sondern auch seine Bücher vor den Verfolgungen der Zensur, vor den Bannsprüchen der orthodoxen Sorbonne und vor den bitterbösen Anklagen des sittenstrengen Calvin. Und noch etwas andres lernte Rabelais in diesem aufreibenden, bis zu seinem Tod«(9. April 1553?) nicht abbrechenden Kampfe um sich und sein Werk: nichts tragisch oder krumm zu nehmen, auch über Bösestes fröhlich zu lachen uttd sich dessen ehr-- itch zu freuen,„was aus einem guten, freien find wohlgesinnten Herzen kommt"; denn wahr« Weisheit, der„Panlagruelismus' in Reinkultur, ist„eine besondere Fröhlichkeit des Geistes, di«, in Geringschätzung zufälliger Tinge besteht"— „Trink!", die Mahnung der».göttlichen Flasche Bak- buk", di« im vierten Buche des„Gargantua" auf abenteuerlicher Reise gesucht und gefunden wird, ke- .Lxutet also nicht nur, unzcchlige Liter Wein u'nh Bier den ewig durstigen Schlund hmakzugftßen; st« lehrt noch viel eindringlicher, zur ewigen Quell« des Daseins, zur Natur, hcimzufinden und aus ihr Bc- fxeiüug, Gesundheit find allverstehend« Einsicht zu schöpfen. Ohne Natürlichkeit gibt es kein Leben:, zu ihr au? Verbildung, Scholastik, Kirchenkram und Unduldsamkeit zurückzuführen, ist die erst« und letzt» Aufgabe der Erziehung, und darum wimmelt das Werk des Rabelais von lauter-„pädagogischen Pro vinzen". Dein großer, 1532 erschienener Erstling „Pantagruel' ist eine solche, da hier der Rieienprinz «jtttn-Herrscher der Amanroten in Utopien heran- gebildet wird'Um ein« Generation zurück führt da« erste Buch des„Gargantua"(1535),' wo sich König Grandgousier um Pantagruels Vater e^isherisch bemüht. Und die schönst« pädagogische Vision endlich bfttet hier der Bericht über die„Abteil Thelem": vöm„Bruder Jean" gegründet, erzieht sie nicht „Mönche wie die Affen" sondern Männer unk» Frauen, gesund an Leib und Deel«: nicht einen Willen, der durch die Gelübde der Keuschheit, der Armu: und des Gehorsams gebrochen ist, sondern«inen, der sich stolz jagen darf:„Tu, was du willst!" und der Seite 6 Nr. 8 SamStag, 7. Jänner 1933 v>M-U«iLK ZEITUMCu Einen Sport-Sonderzug in das Adlergebirge, und zwar von Prag nach Rokytnih, expediert die Staatsbahndirektion in Prag am Samstag, den 7. Jänner, um 14 Uhr 30 vom Prager Deinsbahnhof aus zum Preise von K 98.—, Rückkehr am Sonntag, den 8. Jänner, um 21 Uhr. Im Preise enthalte« sind Fahrpreis, Nachtckiahl, Frühstück, Mittagessen, Jause und Nachtlager. FahrkaRen und Anweisungen für die Ucbernachtung sind beim Kassenschalter Nr. 13 am Masarykbahnhof in Prag von 8 bis 12 Uhr erhälüich. Kunst und Wissen Salome. Auch heute noch, ein Menschenalter nach dem Einzug der■„Salome"-Dichtung auf der deutschen Bühne, scheinen uns Mensch und Dichter Oscar Wilde noch mit Rätselhaftem umgeben, mögen seine poetische Exaltation, seine Hypersinnlichkeit noch so sehr nach wie vor mit vitaler Kraft wirken. Dagegen ist's um den Vertoner seiner„Salome", um Richard Strauß, den lang Ueberlebenden, immer klarer geworden, seitdem er, immerhin damals schon«in Vierziger, durch die Salome-Komposition mit einem Schlage zwar heiß umstrittener, dennoch aber unzweifelhaft berühmtester Musikdramatiker unserer Zeit wurde. Zum ersten Male in der„Salome", dann noch in der„Elektra" und im „Rosenkavalier" fand er für dramatische Stoffe im Musikalischen, wie Oscar Bie sagt,„letzten Aus- druck, der das Siegel der Kunst ist". Mit der„Sälome" hat Strauß das Musikdrama eine neue Stufe hinaufgesührt. Schon mit der„Ariadne" zerfiel das geniale Bündnis zwischen Bühnenwollen und reiner Instrumentalmusik; aber geblieben bis auf den heutigen Tag ist die Virtuosität der Stroußschen Produktion, die beispiellose Meisterung eines vor ihm unerhört großen und reichen Orchesters, die ganz einzigartig« Kühle, mit der dieses Genie Glut erzeugt, die Kühnheit der Konzeption, die Einmaligkeit der Form. Geblieben ist er der erste Musiker unserer Zeit, aus der heraus er psychologisch dir „Salome" schuf— allerdings ohne jemals über seine Zeit hinauszuweisen. Die„Salome" Wildes, so wie Strauß sie mit seinem Orchester überflutet hat, steht uns imyrer noch ganz nahe mit ihrem schwülen Zauber,' ihren glühenden Farbenbildern, ihrer fasrinierenden, nervenaufpeitschenden Wirkung, in ihrer vom Dichter wie vom Tonsetzer geschaffenen absoluten Geschlossenheit. Wie immer man ästhetisch zu dieser Kunst stehen mag— niemand kann sich dem gewaltigen Eindruck dieses Sinnen-, Seelen- und Nervenereignifles entziehen. Das Neue Deutsche Theater kam gestern mit einer Neueinstudierung und-Inszenierung heraus, die kraft ausgezeichneter Führung Les bravourös musizierenden Orchester? unter S z e lT; dank einer klaglosen Gastregie(W y m e 1 a l) und durch beachtliche solisttsche Leistungen schönes Niveau hatte, ohne aber genügend stark zu überzeugen und zu frsieln. Szell geht diese-Partitur weniger mit nervösem Einsühlungswillen für das Exotisch-Pervers«, als mit starkem Griff für das Aufregende und Brutale an; dir einzelnen Farben leuchten nicht in ständigem Kontrast gegeneinander, aber das brennende Rot steigt jedesmal gewaltig auf, muß jedoch dann leider eine so unzulängliche Stimme wie die der Frau F o r r a i verdecken, die sich ein Maximum an Kraft mit bläßlicher Wirkung abringen mutz; diese Salome läßt aber, trotz einiger wohl gesungener Phrasen und verschiäentlicher darstellerisch glücklicher Momente, auch in der gesamtschauspie- lerischen Leistung kühl(von der tänzerischen gar nicht zu reden), und schließlich läßt die Wortdeutlichkeit dieser Sängerin fast alles zu wünschen übrig. Biel eindrucksvoller ist der Jochanaan des Herrn Großmann, der mühelos das Straußsche Orchester bezwingt und mit strahlender Höhe für da? allzu helle Stimmtimbre entschädigt. Herr M a s ä k fand sich mit dem Herodes anständig ab, Frau Kinderman» lieh der Herodia eine überzeu- getrde Erscheinung, Frau Eilten wußte als Page vor allem darstellerisch für sich«inzunehmen. Der Rarraboth des Herrn Riawez dagegen starb sicht- lich und hörbar an beispielloser Apachie. Das Judenquintett war mit den Herren Roller, Libal, Klinger, Hattemer und Hey sehr ungleich, die beiden Soldaten mit Reiter und Andersen sehr gut besetzt. Herrn Hölzlin als ersten Naza- 'rener ist verständliche Deklamation nachzurühmen. 'Trotz der Einwände, die sich zur Feststellung eines nicht genügend starken Gesamteindrucks verdichten, zollen wir gerne der ganzen Künstlerschaft Anerkennung für gewiflenhafte Leistungen uich für einen fühlbaren Achtungserfolg vor fast ausverkauftem Haus. L. G. Wochenspielpla« des Neue« Deutschen Theaters. Samstag, halb 8 Uhr:„Wenn die kleinen Veilchen blühen".— Sonntag, halb 3 Uhr: Arbeitervorstrlluug:„Figaros Hochzeit"; 8 Uhr: „Die Wunderbar"(D 1).— Montag, halb 8 Uhr:„C a v a l l e r i a r u st i c a n a",„B a j a z z o' (A. A).— Dienstag, 8 Uhr:„Salome"(A 1). — Mittwoch, halb 8 Uhr:„Bor Sonnenuntergang"(B 2).— Donnerstag, 8 Uhr: „Salome"(C 2).— Freitag, 8 Uhr:„Hokuspokus"(D 2).— Samstag, halb 8 Uhr:.Hoffmanns Erzählungen'(A 1). Wochenspielplan der Kleine» Bühne. Samstag, 8 Uhr:„Der Geisterzug".— Sonntag, 3 Uhr: „Weekend"; 8 Uhr:„Ich hab««inen Engel geheiratet".— Montag, 8 Uhr:„Bor Sonnenuntergang"(Bankbeamten I).— Dienstag, 8 Uhr:„Der Geisterzug".— Mittwoch, 8 Uhr:„Bargeld lacht'(Bankbeamten ll).— Donnerstag, halb 8 Uhr:„E i n H e l d g e s u ch t" (Erstaufführung).— Freitag, 8 Uhr:„Susannens Geheimnis",„Rosenkavalier- Walzer",„Brüderlein fein"(Kulturver- bandsfreunde).— Samstag, 8 Uhr:„Ein Held gesucht". Sport* Spiel* Köreerpneor WettKamplbestimniiingeii lOr den Slalom. In der österreichischen Arbeiter-Turn- und -Sportzeitung wurde eine Wettkampfordnung veröffentlicht, aus der wir die folgenden Abschnitte über den Slalomlauf zur Kenntnis bringen. Für die Durchführung der Wettkämpfe gelten die Bestimmungen der internationalen Wettkampfordnung, insbesondere über die Terlnahmeberechti- gung, die Ausschreibung, Arten der Wettkämpfe und Einteilung der Wettkämpfer.' Ebenso gellen all« Bestimmungen über Wettlaufregeln, Start und Zielbesetzung. Dies« internationalen Bestimmungen decken sich in allen diesen angeführten Punkte« vollständig mit der vom Arbeiterturrwerlag in Leidig herauSgegebenen Wettkampfordnung für den Wintersport. Aenderungen sind beim Abfahrtslauf lediglich in der Bewertung vorhanden, wahrend der Slalom in^dem genannten Regeiheft überhaupt nicht dufschcint.' Beim Slalom haben di« Teilnehmereiner auf einem steilen Hang mit. tels Fahnentoren bestimmten Strecke zu folgen Die absolut« Höhendifferenz des Laufes soll nicht unter 100 und nicht über 200 Meter sein. Di« Torr werden mit roten, mindestens einen halben Meter hohen Fahnen gebildet, die Breite der Tore zwischen drei und vier Meter liegen. Die übrige Strecke wird im Bedarfsfall« mit andersfarbigen niedrigen Fähnchen kenntlichgemacht, blinde Tore durch blaue Fahnen gesperrt. Die Streck« des Slalom soll am Tag« vor dem Rennen oder am Wettkampstage so zeitlich getreten werden, daß sie genügend hart ist. Sie darf aber nicht eisig sein. Ein Durchfahren der Strecke vor dem Rennen zieht den Ausschluß des Läufers nach sich. Für jedes Tor ist ein Wertungsrichter zu bestimmen, der auf das richtige Passieren desselben zu achten hat. Passiert ein Teilnehmer«in Tor nicht, hat ihn der Kampfrichter zu- rückzurufetl. Unterläßt ein Wettkämpfer die Rückkehr, ist sein Lauf ungültig. Der WertungSrichler bat weiter dafür zu sorgen, daß di« Streck« in seinem Bereich intakt ist, muß umgeworfen« Fahnen wieder ausrichten und entstanden« Löcher ausbessern Im am Renntage so schlechtes Wetter, daß di« Teilnehmer von einem Tor zum anderen di« Streckt Die Erde schrumpft. I Sie wird täglich kleiner.— Der Glutkern kühlt sich ab.— In 700 Millionen Jahren erstarrt: Ein Laie, der von den Forschungen deS Professors Salomon-Calvi liest, könnt« einen furchtbaren Angsttraum haben. Die Erde schrumpft «in, immer kleiner und kleiner wird sie, zuletzt sieht sie aus wi« ein Kinder ball... So ein Traum müßte wahrhaftig furchtbar fein, aber auch die bloße Vorstellung genügt, daß einem die gute alte Erde unter den Füßen langsam wegschrumpft. Nun besteht aber, glücklicherweise, zu solchen Befürchtungen gar kein Anlaß. Tie Untersuchungen und Messungen der Gelehrten haben allerdings den unwiderleglichen Beweis geführt, daß die Erde schrumpft, aber sie tut eS ungeheuer langsam. Wir merken es nicht und man merkt es überhaupt nur alle paar Jahrtausende. Di« Forschungen Professor Salomon-CalviS gingen von der bekannten Borstellung aus, daß sich daS Innere der Erde, der Kern, in glüt- flüssigem Zustand befindet. Je tiefer man durch di« Erdrinde stößt, desto heißer wird es bekanntlich. In hunderttausend Meter Tief« beginnt de» glutflüssig« Zustand. Schon vorher trifft man noch den angestellten Berechnungen auf eine Temperatur von ungefähr 3000 Grhr Volumen vermindern, so drängen die anstoßenden Schichten nach, um die entswhenden Zwischenräume ouszufüllcn. Dir Erde schrumpft also. Recht interessant sind die Berechnungen, die das Ausmaß dieser täglichen unaufhörlichen Schrumpfung angeben. Demnach verliert die Erde icden Tag genau einen Kubikilomcter Inhalt: Sie wird also jeden Tag einen Raumkilo- meter kleiner. Tas ist an und für sich ein recht beachtliches Maß das ohne Mühe veranschaulicht werden kann, wenn man sich vergegenwärtigt, wi« groß ein Kilometer als Flächeninhalt, also als Quadratkilometer ist. nicht zu überblicken vermögen, oder ist infolge eines Witterungsumich-vungez die Strecke in einer Verfassung. die die ordnungsmäßige Abwicklung des Rennens in Frag« stellt, entscheidet das Kampfgericht über die Abhaltung Ist die Strecke zu kurz, kann der Lauf auf der gleichen Strecke pv-:imal gelaufen werden. Di« Ergebnisse beider Läufe werden dann addiert und dr« Lumme ergibt das Schlußresultat. Die Reihenfolge des Startes wird durch das Los bestimmt. Im Falle ein Lauf zweimal gelaufen wird, ist beim zweiten Lauf di« Reihenfolge um- gekehrt. Ist die Zahl der Teilnehmer zu groß, kann die Rennleitung di« Starteranzahl beschränken, mutz aber bei kombinierten Läufen die Sieger in den anderen Wettbewerben besonders berücksichtigen. Gestartet wird durch optisches Signal vom Ziel aus oder in Intervallen wie bei anderen Läufen Im letzteren Fall« sind di« Zwischenräume so zu wählen, daß di« schlechteren Läufer' in dieser Zeit die Strecke zu bewÄtigen vermögen. Bei Fehlstart ist der Läufer vom Startrichter sogleich zurückzurufen. Weigert sich«in Läufer zurückzukchren, ist er auszuschließen. Zu spät kommende Läufer werden nicht berücksichtigt. Wertung. Ter Kampf fft ungültig, wenn: 1. der Läufer auch nur den kleinsten Teil der Strecke vorher durchläuft; 2. ein Fahncntor nicht'passiert; 3. bei Fehlstart trotz Zuruf des Startrichters nicht mehr zurückkehrt; 4. mit den Händen»der mit den Stöcken bremst. Durchfahren des Fahnentors nur mit einem Ski ist dem Nichtpassieren gleichzuhalten und verpflichtet zur Umkehr und neuerlichen fehlerlosen Durchfahrt. Werden Fahnen mit dem Skivorderteil (bis zur Bindung) oder dem Körper umgeworfen, muß das Tor neuerlich hergestellt und durchlaufen werden. Geschieht das Umwerfen der Fahne» durch Stöcke oder Ski-Enden, werden fünf Punkt« abgezogen. Stellt aber der Läufer die Fahne wieder auf und läuft sodann ordnungsgemäß durchs Tor, hat er keinen Abzug. Umwerfen von Markierungsfahnen wird nicht geahndet. Punkteerrechnung. Die Bestzeit wich mit 180 Punkten gewertet. Jede Sekunde länger« Fahrzeit bedingt einen Abzug von einem Punkt, 100 Sekunden(1 Minute 40 Sekunden) über di« Bestzeit ergibt 0 Punkt. Die Berechnung wich im Bedarfsfälle auf Zehitteljekunden genau durchgeführt. Bon diesen erreichten Punkten werden noch die Strafpunkt« für umgeworfene Torfahnen abgezogen. Wird der Slalom in der Kombination mit Lang- oder Sprunglauf gerechnet, so wird gleich wi« beim Abfahrtslauf die Punktzahl durch 5 dividiert, wodurch man auf den Berechnt! ngsschlüjfel von 20 Punkten gelangt. Spaniens HSntsGdiiettanien. Wer steht Hinter tonen?-„Sp erwaren" in Wce onn. Madrid, Anfang Jänner.(Eig. Ber.) Tas Jahr 1932 stand in Spanien unter dem Zeichen der Versuche, die„sozialistische" Regierung zu stürzen, sei es durch parlamentarische Aktionen der Rechten, sei es durch Putsche, Terrorakte und Teilstreiks der Anarchisten. Die Regterungspoli- tik: auf legale Weise aufzubauen, was durch Jahrhunderte einer Feudal- und Klerusherrschaft vernachlässigt worden, sagte weder der ihrer Sönderprivilegien beraubten Aristokratie und Groß-Bourgeoisie, noch dem der Nur-Zer- störungstaktik des Anarchismus huldigenden Arbeiter zu. r Nachdem der Monarchisienputsch vom 10. August kläglich mißlungen war, erwarteten die Unzufriedenen das Heil von der andern Seile her: von den Anarchisten.„Revolution— Generalstreik— Eisenbahnerstreik", waren die Schlagworte der letzten Monate und Wochen. Und nur ein Zufall hals der Polizei, ein Komplott aus- zudecken, das hinter dem vom 10. August kaum zurückstcht, nur daß man sich noch nicht im Klaren darüber ist, wer seine eigentlichen Urheber sind. Bor einigen Tagen erfolgte in einem Fabrikraum mitten m Barcelona eine Deto- natton. Zwei Polizisten, die in der Nähe patrouillierten, gingen dem Geräusch nach und fanden die Inhaber der Werkstatt im Vorraum; die Erklärung, bei der Herstellung von Spielloaren sei eine kleine Explosion erfolgt, ohne weitere Folgen zu zeitigen, beruhigt« die Beamten. Später sahen sie die Inhaber der Fabrik im Auto fortsahren und merkten sich zufällig dessen Num- mer. Als sie dann wiederum an dem fraglichen Gebäude vorbeikamen, fiel chnen auf, daß starker Pulvergeruck daraus hervordrang. Sie beorderten Verstärkung herbei, das Gebäude wurde durchsucht, und man fand ein Bomben- und Wasfenarsenal: Mehr als 1000 Bomben, 500 Kilo Dynamit, 1000 Meter Lunten, 2000 Zündkapseln, 1 Maschinengewehr, 81 Kisten Munition, Gewehre, Karabiner, Revolver und einige Kisten zum Transport fertiger„Ware". Unter den Dokumenten, die ebenfalls aufgefunden wurden, war neben einer Liste, die die Namen von Soldaten der verschiedenen Truppenteile enchiell, ein Schriftstück, das davon sprach, die„Bewegung" hab« am selben Tage auszubrechen wie der Eisenbahnerstreik. Ta der Eisenbahnerstreik aber dank der energischen Haltung des Ministers Pricw und der sozialdemokratischen Gewerkschaften bisher verhindert werden konnte, so war auch die„Bewegung" vorläufig noch stecken geblieben. Die Polizei versucht die Flüchtigen aufzuhalten, man findet das Auto verlassen auf der Landstraße. Der Erkennungsdienst stellt fest, daß seine Insassen zwei Anarchisten waren, die unter verschiedenen Namen in Barcelona be- Trotzdem aber bestehl natürlich nicht der geringste Grund zur Beunruhigung.. Denn erstens einmal fft unsere kleine Erde gar nicht einmal io klein. Ihr Rauminhalt macht nämlich nicht weniger als ein« Billion Kubik-Kilometer auS! Wenn also auch diese Schrumpfung ins Endlose weiterginge, hätten wir noch für eine kleine Ewigkeit reichliche„Fetlreserven". Aber die Schrumpfung geht nicht ins Endlose weiter. Der Schrumpfungsprozeß hört in dem Moment auf, wo die Erstarruim der Erde vollendet« Tatsache geworden ist, also in etwa 700 Millionen Jahren. Di« Schrumpfungen werden zudem immer kleiner und unbedeutender, je kleiner der qlutflüssige Kern wird. Wer sich die Müh« des Ausrechnens machen wollte, würde zu dem tröstenden Ergebnis kommen, daß die Erde, wenn sie endlich ganz erstarrt ist, noch immer nicht sehr viel kleiner geworden ist, als heutzutage. Seit dem Jahre 1 macht di« Schrumpfung unserer liehen Erde, am Erd- recküus gemessen, ungefähr einen Meter aus. Der Erdradius ist also seit zwei Jahrtausenden um einen Meter kleiner geworden. E. Dietloff. könnt sind. Man verhaftete die Braut des ernen, lädt die Geliebte des andern vor, aber man erfährt nichts Genaues über die Flüchtigen. Berde Frauen leugnen energisch, je irgend etwas von „revolutionären Umtrieben" ihrer Freunde bemerkt zu haben. Das anarchistische Blatt der C. N. T.(Con- fsderacion National de Trabajadores) schweigt über den Vorgang, die Rechtsblätter bringen, ohne Kommentar rein referierende Berichte der Telegraphenagenturen über den Tatbestand. Tre Regierungspresse aber wittert, schemts,' Sen „rechten" Wind. Vorläufig sind nur Einzelpersonen aus Anarchistenkreffen in die Angelegenheit verwickelt. Das heißt: es scheint so. In Wirklichkeit aber muß eine starke pekunäre Kraft hinter ihnen stecken, denn ein solches Arsenal wie das gesun- oene läßt sich nicht ohne energische materielle Unterstützung aufbauen. Die Fäden sind sehr fein gesponnen, jedoch nicht so fein, daß man sie nicht doch allmählich verfolgen könnte. Sie reichen anscheinend über die spanischen Grenzen hinaus, nach Frankreich Hinern. Hier sitzen, um Marsaille, in den Pyrenäen und um San Sebastian herum, die Mitglieder der spanischen Aristokratie und der Groß- Bourgeoisie, die ihre Gelder vor dem neuen Regime, in Sicherheit zu bringen gewußt haocn. Diese Hetttzn haben'nu^eU^Jnt?ress?7 Sobald wie möglich di« heutig« Regierung in Spanten zu stürzen, ehe diese durch energisch durchgefüyrre Reformen, die heute noch in ersten Anfängen stecken, beweisen kann, daß sie wirklich Freiheit und Brot für alle schafft, die unter Monarchie und Diktatur dem Hunger preisgcgeben, wären. Da am 10. August die Angehörigen des Adels sich schon einmal persönlich mit viel Mißgeschick in die Politik gemischt hatten, so daß sic zu„furchtbaren Entbehrungen" gezwungen waren(die Deportierung der Kompromittierten nach einer afrikanischen Strafkolonie erfolgte nicht in der Luxuskabine, sondern im Laderaum eines Frachtdampfers), so durste oder wollte man sich nicht noch einmal ähnlichen Dingen aussetzen. Durch das Hilfsmittel Geld läßt(ich vieles erreichen und Geld hat man. Damit kann man Leute unterstützen, die— wenn auch nicht die gleichen Gründe zur Erreichung desselben Zieles, aber immerhin dasselbe Ziel: Sturz der mißliebigen Regierung, des Regimes, haben. Wer von den alten Machchabern pekuniäre Unterstützung zur Vorbereitung des aufgedeckten Komplotts geleistet hat, ist noch nicht bewiesen. Das wird sich erst feststrllen lassen, wenn man die flüchtigen„Bombenfabrikanten" gefunden hat. Eines aber läßt sich feststellen: daß letzt stärker denn je gegen den heutigen Regierungskurs in Spanien, im Inland von der katholischen Presse, im Ausland von der ihr nahestehenden kapitalistischen Rechtspresse, Hskampft wird. Die Fronten sind klar erkennbar: Hi« Kapitalismus- Fascismus, hie Proletariat— Sozialismus. Wahrscheinlich wird auch das neue Jahr Spanien noch viel Unruhen und Sorgen bringen, aber man kann woht mit ziemlicher Sichecheit prophezeien: ein Regimewechsel wird mit allen Mitteln von der sozialistischen Arbeiterschaft und den republikanische» Regierungsparteien verhindert werden! Mvo. Die richtige Brille Optiker Deutsch Prag LL, Prfkopy, Palais Koruna. RpQiiphpf flas BaÄ Duullullul Klimentska• 1768 B e in■ l Q t b e t. Ctejfneh leib- Cltftcftnttent«ilhelin«lEtzne* Beraittworilichei ftetafttut Di Em« Hßs ntz Bra, Druck üftf N« ttn gettnitf* and Buchdruck Druck YN» bnttj, Prag.•* Di« Heilu agsmarkufrarrtatur wurde vo» de, Poft-» rel«grapvet'direkn»u aut Erlaß Hi 1990 MiriUtflt Bezug» de.«tgungcu Br> Z.strSun, ,u» Hou»»der dei Bezuo durch dt, Pop»onanich« in. l hathjä-riG m Ä,—, Dauchjätzrig Lt UB,—,— Irrerer, Btsbca uuu Ucij MAigji durch»«. iittua«u^chahuugea— MckjtrüuL, mb IRanujtiiftcM erjol-r«tt M(tuymiuia m xttouanatUK