Mzelpreis 70 Heller. (Einschließlich 8 Heller Porto! 13 Jahrgang. Dienstag, 10 Zünner 1933 Nr. 8. Nassryk üencscn. Lana, 9. Jänner. Der Präsident der Republik hat die Grippeerkrankung bereits völlig überwunden. Gezeichnet: Dr. Maixner. Neues vom„Tag“. Bitters Otenstbotenan. -„Der Tag", der am Sonntag nicht zu erscheinen pflegt— obwohl er sich als richtig- tzehen-eS Tagblatt gibt—, hat zur Abwechslung einmal am vergangenen Sonntag seine Leser erfreut. Wie der sprichwörtliche Sonntagsjäger das Wild, trifft er die Wahrheit mitten ins Herz. Höchstens, daß er noch die Lachmüskeln der Wissenden reizt. Das geschieht z. B. bei der„Meldung" über die Zusammenkunft Hitler-Papen, von der er kühn behauptet, sie sei von Pa Pen angeregt worden.„Politisch kenne man nun einmal keine Sentimentalitäten" und wenn es sich um die Zukunft eines Volkes handle, erst recht nicht.— So wäre denn die Zukunft des Volkes nicht mehr in Hitlers Hasch,(andern in der des Herrn von Pap en, deut die Primadonna seOstverständlich ohne Falsch und Jehl« gegenübergetreten ist: Wer Adolf Hitler kennt, weiß, daß er jedem „Spiel hinter den Kulissen" abhold ist und Hin- ierr,r«ppenp»litik nach D i e n st b o t e n a r t haßt. Dies« kleine Teufelei gegen Hitler darf sich „Der Tag",, der sich ja sonst bemüht, ihm wieder gefällig zu sein, wohl gestatten. Der große Adolf dürfte den'„Tag" ja nicht so genau lesen wie wir. „Der Tag“ der Mörder. z I« Breslau wurde rin junger Sosial- dcmotzat von einem Nationalsozialisten erstochen. „Der Ta^ weiß jedoch ju melden,, daß der Mörder«in K o m m ü n i st gewesen sei und fordert i den Berliner„Vorwärts^ auf, seine„Lüge" zu widerrufen.* Mittlerweile wurde der Mörder, gefaßt, der der NSMlP angehört. Der„Bortvärts" hatte den Pom„Tag" geforderten Anstand,„morgen die Wahrheit zu sagen" und hat den Namen des Mörders genannt.— Wird nun.„Der Tag" soviel Anstand besitzen, den Mord seines Gesinnungsgenossen einzvgestchen? ver hil üenisdi. Noch immer hat„Der Tag" seinen Lesern nicht mitgeteilt, wer den Dresdner SA-Mann Hentsch ermordet hat. Hingegen gibt er noch immer eifrig den Angriffen Raum, den seiiie Dresdner Gesinnungsgenossen gegen die Polizei führen, weil dies« angeblich den marxistischen Plättern Adatcrial geliefert hat. Es sei geradezu unanständig und«in journalistischer Skandal, in ein schwebendes Verfahren einzugreifen was nach dem„Xoft" offenbar schon dann erfolgt, wenn/man über einen den Nazis unangenehmen MorVsall überhaupt berichtet. Wir raten Kem„Tag", der ob des EilwrisfS in ein schwebendes Verfahren diesmal gar so besorgt ist'— während er natürlich^bei politischen Morden der Kommunisten solche Scheu nicht hat —* der Asphaltpresie die nationalsoziali- ft i s ch« Auffasiung von dem Mord gegenüberzu- stelleü.„Ter Tag" erschein« ia nicht in Sachsen, foitdcrn im Ausland. Seine Mitteilungen können also ,picht als Beeinflussung des Gerichtes gewertet werden, auch ist er dem Zugriff des Dresdner Staatsanwaltes nicht aukgeieht. Wird„Der Tag" sich die Gelegenheit entgehen lasten, seinen reichsdeutschen Gesin- nunosgrncsten einen wertvollen Dienst zu erweise«— dadurch, daß er die„Lügen um den Mordfall Hentsch" au-klärt? Wir erwarte«. daß er antwortet. Richt mit Ausflüchten, sondern unter Anführung von Tatsachen. Nemisskon des ungarischen Außenministers erWl Budapest, 9. Jänner.(MTJ.s Ter Reichsverweser hat den Minister des Aeußeren Andreas von Puky von der Leitung dieses Amtes über«genes Ansuchen enthoben und mit der Provisorischen Leitung des Ministeriums des Aeußeren den Ministerpräsidenten Gömbös betraut. Zu dieser amtlichen Meldung ist zu bemerken, daß der Posten des Ministers des Ä ußeren demnächst endgültig mit dem gegenwärtigen Berliner Gesandten Koloman Kania besetzt werden wird. tert erscheint. Die Waffenschiebung zugegeben! An die angeblichen Reparaturabsichten glaubt kein Mensch. Diplomatische Protestaktion bevorstehend. Die Sdiwerindustrie ruil M Hiller Selbst Sdilcldicr ist ihnen Berlin, 9. Jänner. Di« offiziell« Mitteilung Wer di« Unterredung, die heut« nachmittags der Reichskanzler von Schleicher mit Herr» von Pap en hatte, stellt bloß lakonisch fest, daß zwischen d«n beiden keine Gegensätze bestünden. Es spricht Wer alles eh« dafür, daß sich von Pape« lebhaft an den Umtriebe» gegen Schleicher beteiligt. Papen hat angeblich Schlei cher gesagt, daß die westdeutsche Industrie Be denke« gegen die Sozialpolitik und daS Arbeitsbeschaffungsprogramm der Regierung habe. Der bekannte Jndustriellenführer Vogler findet also H«rru Schleicher noch zu wenig reaktionär; es schmerzt ihn, daß die Lohn- abbauorduung gefallen ist. Er sehnt sich deshalb gerneinsam mit den anderen Industriellen nach Papen zurück und die Schwerindustrie ruft wieder nach Hitler.. Im Reichskabinett selbst geht der Kämpf WarmboldS, des Experten der Industrie gegen Brau«, den Jnteresientenvertreter der Schluß ziehen, daß sich tue Japaner für di« nächste Zeit auf einen Desensivkampf vorbereiten und nicht div Absicht hoben, sofort die Offensive zu cmrchsnu.. Der britische Admiral Sir Howard Kelly gab dem Kommandanten des in. Tschingwantao verankert liegenden britischen Kiiegsschrsfes den Befehl,- für eine friediiche Lösung des Konfliktes fein» Vermittlung anzubreten. Der-Kommandant hat nun die Befehlshaber sowohl der chinesischen als auch der japanischen Armee im Tschingwuntaoabschnitt an Bor» feines Schiffes gebeten, um dort die entsprechenden Verhandlungen aufzunehmen. Der chinesische Obcrkom- yrandant dieses Abschnittes, General Hotschu- k u o, leitete die Einladung Wester nach Peiping. Japanische Drohungen. Peiping, 8. Jänner.(Reuter.) Die Japaner haben bei Schanhaikwan gegenwärtig mindestens 600Ö Mann konzentriert. Die Chinesen schicken eiligst Verstärkungen nach Tschingwangtao. Es ist offensichtlich, daß die Chinesen jedwedem Vorgehen der Japaner verzweifelten Widerstand zu leisten entschloßen sind. Die Japaner ihrerseits dagegen drohen, daß sie, wenn die Truppenbewegungen der Chinesen nicht augenblicklich aufhören, die militärischen Operationen ausdehnen werden. Wien, 9. Jänner. Die Angelegenheit der Waftcnschicbungen nach Ungar« nimmt immer größeren Umfang an. Durch ei« Kommunique der Regierung wurde heute eindeutig festgestellt, daß di« Regierung von diesen Schiebungen ge wußt und sie geduldet hat. In dem offi ziellen Kommunique versucht die Regierung die Angelegenheit allerdings so darzustellen, als ob di« Waffen von Italien nach Oesterreich gebracht worden wäre«, um hier repariert zu werde«. Amtlich war mitgeteilt worden, daß Hier keinerlei Waffenschiebungen vorliegen. Es handle sich bei den Waffensendungen um altösterret-, chisches Kriegsmaterial, das der Reparatur bedürftig ist und lediglich zu Reparaturzwecken in die östcrreichisechn Fabriken gebracht wurde. Dieser Auftragserteilung wurde zugestimmt, um den österreichischen Fabriken eine Beschäftigung z» verschaffen. Dadurch erledigten sich alle an diesen Auftrag geknüpften politischen nutz sonstigen Kombinationen. Schließlich wurde bemerkt, - Nun kwben aber di« Nachforschung«» nnter Regierung aus das schwerst« kompromittiert ist, «i,«sck-lnk iedes Zweifels eracben. dak an den vertuschen. Der Krieg Japans und die Aufgaben Europas. Der Angriff Japans auf das Dberchuu dcrtnnllionenreich China fchveftet ohne Rücksicht auf Völkerbund und die anderen kapitali strschen Großmächte fort. Erst hoben die Japaner die ganze Mandschurei verschluckt, in dem sie aus dieser Provinz den unabhängigen Staat Mandschukuo gebildet haben, sie haben weiters beveM. ihre- Agenten in die Mongolei geschickt, dre ein zweiter sogenannter unabhängiger Staat werden soll und mm haben sie den Angriff auf Schanhaiklvan eröffnet und wollen aus der Provinz I e h o l einen„Pufferstaat", also einen dritten nach außen hin unabhängigen in Wirklichkeit unter Einfluß von Japan stehenden Staat machen, kurz und gut, das kleine I a-parr schickt sich an das groß«China zu verschlucken. China zieht nach den letzten Nieldungen in der Nähe von Schanhaikwan Truppen zusammen. Es ist nun die'Frage, wielange die Chinesen geduldig zuschauen > werden, wenn Japan eine Provinz nach der andern zu erobern sich anschickt. Schwere Kämpfe sind schon im Gange, Tausende vo»r Menschen sind bereits gefallen, das groß« , Gemetzel st« ht aber er st bevor. Es ist nicht onszudcnken, welches Schlachten an- . heben wird, wenn China wirklich in den Kampf tritt urrd ein Krieg auf Tod imd Leben i entbrennen wird. Die« u ropäische n G.r o ß urä ch l e und der" Völkerbund schweigen. Vergessen sind all« Moralfprüchloin/der Äer- ren in Genf, mit denen sie Kriege-zu beschwören versuchten, zerrissen liegt der Kellogg- Pakt am Boden. Die regierenden Staatsmän- > ner der Großmächte sind untätig. Dies« sträfliche Untätigkeit der bürgerlichen Staatsmän- 1 ner geißelt im„Populaire",. dem Zcntral- ■ organ der französischen Sozialdemokratie, der Führer der sozialdemokratischen Partei Frank- . reichs, Laon Blum, mit folgenden Wor'en: „Dir keimen die Argumente der Fürsprecher Japans: Man könne das japanische Boll, das ständig znnimmt, nicht ewig auf vulkanische Inseln einschließen, deren für la unwirtschaftliche Zwecke brauchbarer Boden nicht einmal die Hälfte des in Frankreich vorhau- denen darstcklt, obwohl Japan ein Volk von 80 Millionen Einwohnern ist, das sich: jedes Jahr um eine Million Köpfe vermehrt. Dir werden daher mit dem japanischen Problem zu tun haben, solange man nicht die großen menschlichen Wanderungsströme auf vernünftige Weise geregelt haben wird und einstwcil-n denkt man. leider noch gar nicht daran. Es kann auch sein, daß die lapamschc Regierung gegenüber chren Generälen nicht genügerrd Macht hat, und daß die jetzige Bewegung nationa- listisch und antikapitalistisch Ptgleich ist. Aber alle diese Ettvägungen stehen gegen ein« Tatsache: Japan hat Ghina angegrissen. Es ist ein Angriffs- und Eroberungskrieg. Bor unsern Augen wendet em Staat Gewalt an, nm ein Volk auszurauben: Der Völkerbund hat den Krieg nicht verhindern können und»vollen. Er kann vielleicht nichts für China tun, aber was tut er, um sich selbst zu retten? Denn so laittet jetzt die Frage. Willigt der Völkerbund a>ls Schwäche oder Furcht in die Ersetzung des Rechts durch die Macht ein, so begeht ft ein A tt e n t a t mit tödlichem Ausgang gegen sich selb st. Tann ist kein Kontakt und keine Zu- sammenarbeit mit den Bereinigten Staaten mehr möglich, und dann innß man die nung aufgeben, daß die Vereinigten Staaten jemals mit der internationalen Organisation znsammcnarbeitcn. Dann wird auch die A b r ü stn n g s k o n fe r e n z hinfällig, dann gibt es kein Vertrauen und keine Sicherheit mehr. Ist durch ein Beispiel einmal sest- gestcklt, daß die internationalen Instanzen vor der Bezeichnung des Angreifers selbst in einem so klaren Fall« zurückschreckcn und daß st: gegen ihn, weil er der stärkere ist, selbst, kein? friedliche Sanktion ergreifen wollen, und haß si« sich vor der vollendeten Tatsache, wenn sie noch zn wenig reaktionär. Agrarier, weiter. Nachrichten über die Gefährdung der Stellung Schleichers sind zur Zeit mindestens sehr v e r f r ü h t, aber gefestigt hat sich Schleichers Stellung in der letzten Zeit gewiß nicht.',• Lebhaft besprochen wird die Möglichkeit, daß der Reichstag gar nicht sch»« am 24. Jänner, sondern vielleicht erst tm Feber Zusammentritt. Unter de« Gründen, die für eine solche Bersü- gung sprechen, spielen auch Informationen eine Rolle, nach denen die natwnalsozialistisch« Führung selbst erst für Feber mit den große« Auseinandersetzungen und der endgültige« Entscheidung rechnet. Wie diese Entscheidung auSfällt, das läßt sich im Augenblick noch nicht übersehe«. Auf Äle Fäll« sind aber die Gerüchte falsch, daß Reichskanzler von Schleicher vom Reichspräsidenten di« Auflösungsvollmacht nicht erhalten würde. Das Connnachrichtenbüro glaubt bestimmt zu wissen, daß diese Bollmacht a b so- lut s i ch« r ist. Neuer Bombenangriff der Japaner und englische Vermittlungsversuche. Peiping, 9. Jänner. Die Befehlshaber der japanifchs» Streitkräfte erklärten am Sonntag, daß d« japanischen Fliegertruppen m den näch sten Tagen mit dem. Bombardement der. chürc- sischen Konzentrationspunkte längs der Grenze der Provinz Jchol beginnen werden. Heute traf nun die Nachricht ein, daß die japanische« sN>e- ger mft dem Bpuchächement der einzeln«: chrne- irschen Positionen in der Provinz' Jehol bereits heute fvüh begonnen haben. Diese Nachricht rüst Verschiedene Kommentare hervor^ unter anderrin fragt man sich auch, ob die Japaner nicht eine neue breit angelegte Offensive einleiten, die den Zweck hätte, die Provinz.Jehol zu besetzen, die durch ihren sehr fruchtbaren Boden bekannt ist. Inzwischen fetzt Marschall Tschaugsueliang, 8er Oberkommandant im Abschnitte Pskping-Twntsin, sein beschleunigtes Heranziehen von Verstärkungen an die Jeholfront fort. Man erwartet, daß sich Marschall Tschaugsueliang in den nächsten Tagen nach Hankau in Mitttlchina begeben werde, um mit dem Oberkommandierenden der Nankingarmee, Genoral Tschankaischek, zu kon ferieren. / Aus Schanhaikwan wird gemeldet, daß die Japaner in der Nähe der Stadt ein ausgedehntes Netz von Schützengräben anlegen und Artillcriepositionen ausbauen, woraus einige Kenner der dortigen Mrlitärverhältmsse den Es steht also fest, daß unter Duldung der österreichischen Regierung Italien aus dem Schmuggelwege Ungarn mit 40 bis 50 Waggons Maschinengewehren und Gewehren versorgt hat. Diese Angelegenheit hat, wie abends bekannt wird, in außenpolitischen Kreisen große Besorgnisse hervorgerusen. Es heißt, daß verschiedene ausländisch« Vertreter, u. a. auch der französisch« Gesandte, heute bereits im Bundeskanzleramt vorgesprochen haben und daß im Laufe des morgigen Tages eine gemeinsame Intervention der Auslandsvertreter durchgefiihrt werde« soll. Besonders interessant ist die Tatsache, daß I gestern sofort nach Bekanntwerden der Ent- ! hüllnngen der„Arbeiter-Zeitung" der Heimwehr- Jührcr Starhemberg und der Direktor Mandl der Hirtenberger Patronenfabrik, wo die Umladnng vorgenommen wurde, nach Budapest gefahren sind, um dort das Nötige vorzu- Mhren, falls es doch noch möglich wäre, etwas daß die angegebenen Mengen übertrieben seien. Won dieser Angelegenheit, in der die österreichische Nun haben aber die Nachforschungen nnter Regierung aus das schiverste kompromittiert ist, Ausschluß jedes Zweifels ergeb««, daß an den vertuschen. Waffen nicht di« geringsten Repara-' Man dürst« kaum fehlgehen, wenn man saqt, turen vorgenommen wu-rden, sondern^aß die Rrg'ernng Dallluß durch dies« Sache in daß die Waggons sofort auf Autos umgeladen j ihrem Bestände aus das s ch w e r st e e r s ch ü t- «nd nach Ungarn weftergehracht wurden.| t« r t erscheint. Dienstag, 10. Jänner 193» Nr. 8 r etitt* durch Betrug und Gewalt zustande kam, sich bMgen, so mag man nur schnellstens vor die Genfer Tragikomödie den Vorhang ziehen, und dann muh di« Wut der betrogenen Völker die Schuldigen bestrafen. Aber so leicht verzichten di« Volker nicht auf ein« große Hoffnung, und noch können sie den Regierungen nicht chren Willen «mfzwingem. Alle Keinen Staate« sind für energische Lösungen, und aus gutem Grund, denn dar Fall Chinas könnt« morgen chr eigener werden. Di« Großmächte dagegen zögern, weil Japan zu ihrer Klasse gehört. Aber nur eine Großmacht braucht das Signal zu geben, und alle andern würden chr folgen. Frankreich sollt« sofort die Initiative ergreifen, ohne auch nur eine Stunde zu verlieren, Frankreich muß eS und Frankreich darf eS. Es muß Japan als Angreifer bezeichnen und es entwaffnen, es muß die offiziellen Beziehungen zu ihm abbrcchen und es aller öffentlichen und privaten Hilf« berauben, mag sich Japan auch dann vom Völkerbund zurückziehen. Denn die internationale Ehre muß gerettet werden als-Hoftming auf einen wahren Frieden für die Zukunft." Wenn auch die europäischen Mächte und der ViMerbund nicht imstande sind, den Krieg im Fernen Osten zu verhinderet, so sollen doch die Japaner nicht glauben, daß ihre Bäume in den Himmel wachsen■ werden und daß es ihnen so leicht fallen wird 400 bis 500 Millionen Chinesen zu unterjochen. Die Kräfte Japans werden durch den Krieg außerordentlich in Anspruch genommen, die finanzielle und wirtschaftliche Lage des Landes verschlechtert sich von Tag zü Tag, der Staatshaushalt weist ein Defizit von 900 Millionen den (sechseinhalb Milliarden X) auf, der Den, der früher ungefähr 16 X wert war, ist heute nur noch sieben X wert. Die Lebenshaltung des Proletariats ist durch die Geldentwertung auf ein selbst für asiatische Begriffe unerhört niedriges Maß gesunken, immer stärker wird die Gärung in der proletarischen und klcin- bäueÄichen Bevölkerung Japans. Der Weltkrieg endete für diejenigen, di« ihn verloren haben, mit Revolution. Möge daS für Japan ein« Warnung sein! ver Kongreß der ungarischen Sozialdemokratie beendet. Budapest, 8. Jauner.(MTJ.) Der Kon. greß der ungarländisch«« sozialdemokratisch«« Partei wurde heut« nach dreitägig«« Beratung«« «schloss««. I» der heutigen Schlußsitzung des Kongress«- wurden mehrere Antrag« a«g««om. men, di« sich auf die««gültige Liquidierung der Emigration, di« Freilassung politischer Gefangener und di« allgemein« Amnestie beziehen. D«r Kongreß wählt« sodann mit wenig«« Aenderunge« di« bisherig« Parteileitung wieder. wiener Nazis stehlen der Helmwehr versteckte Wallen. Wie«, 8. Jänner. In der Gemeind« Mauer wurde dieser Tag« bei dem Landwirt Franz An, Kommandanten der lokalen Heimwehrgrupp«,«in verstecktes Wafftnlager ausgeraubt. Als Täter wurden 11 Nationalsozialisten ausgeforscht uud verhaftet. Ein Teil der gestohlen«» Mass«« wurde bei ihnen gesunden. Sparen und wieder sparen! Referat des tschechischen Genossen Reines Uber das neue Budget Prag, 9. Jänner. Der Budgetausschuß des Abgeordnetenhauses hat heute in Anwesenheit des Ministerpräsidenten und des Finanzmini» sters die Verhandlung des Staatsvoranschlages für 1933 mit einem längeren sachkundigen Referat des tschechischen Genossen Remes eröffnet. Genosse Remes, der dieses Amt nach dem verstorbenen Agrarier Dr. Hnidek nur über ausdrückliches Verlangen der Koalition übernommen hat, erschöpfte sich keineswegs in einer bloßen Uebersicht über das Budget, sondern übte namentlich an der Gebarung der Staatsbetriebe herbe Kritik. Vor allem ist aber seine dringende Mahnung an die hohe Bürokratie zu unterstreichen, das Budget diesmal tatsächlich als die äußerste Grenze für die Ausgaben zu betrachten und selbst von den bewilligten Budgetposten nur das auszugeben, was wirklich unumgänglich notwendig ist, da die bisherige Defizitwirtschaft ohne Gefährdung der Währung einfach nicht wertergehen könne. * Einleitend erklärte Genosse R«m«8, daß das Budget für 1933, das die Ausgaben mit 8.638 und die Einnahmen mit 8.631 Millionen präliminiert, tatsächlich gegenüber dem Jahre 1932 um 1748 7 und gegenüber 1931 sogar um 2400 Millionen herab gesetzt worden sei. Allerdings sei auch die jetzige Budgetsumme noch zu hoch. Die bisher getroste nrn Maßnahmen zur Erschließung neuer Einnahmequellen bedeuten doch eine weitere Belastung der ganzen Wirtschaft, bzw. verhindern die Möglichkeit einer Preissenkung; wenn wir uns vorübergeheno mit ihnen abfindrn, so mir in der Uevcrzeugun;, daß ein großer Teil der so gewonnenen Mittel für die Arbeitslosen bestimmt ist, die wir nicht Hungers sterben lassen dürfen. Di« Budgetzifferu werden für die nächste» Jahre noch beträchtlich weiter hinabgedrückt werden müssen; nach dem Urteil des Referenten dürft««in Budget, das»ufere« Verhältnisse» angepaßt ist, nicht über sieben Milliarde« hinausgehen. In den drei letzten Jahren haben wir— bei ausgeglichenen Voranschlägen— ein Defizit von drei Milliarden aufgehäuft; das kann ohne Gefahr für unsere Währung nicht so weiter gehen, di« Defizite dürfen kein« bleibende Erscheinung werden. DaS bedeutet heute also sparen und wieder spare». Das gilt namentlich für unsere höchsten Staatsbeamten, die über di« bewilligten Budgetkredite disponieren und so die Verantwortung für die Entwicklung der Staatsfinanzen tragen. Es darf sich vor allem nicht der Vorgang wiederholen, daß sich zu Ende bei Jahres in jedem Ressort direkte Wettbewerbe i» der Verschleuderung von Staatsgeldern abspielen, damit nur ja alle Budgetposten voll verausgabt werden wnd der Staatskasse nichts übrig bleibt. Das Budget stellt nur den Rahmen für den Wirtschastsptan vor Was nicht auSgrgebe» werd«« muß, dars nicht ausgegeben werden, auch wenn eS im Budget bewilligt worden ist. Der parlamentarischen Ersparungskommission eröffnet sich hier ein weites Tätigkeitsfeld. Das heurige Budget ist nach Jahren wieder das erste, an dessen Zusammenstellung der Budgetausschuß durch seine der dem'KoalitionS-Siebener- ausschuß angchörenden Mitglieder sachlich und ziffernmäßig einen Anteil hatte, ohne daß deshalb die Regierung an Prestige emgebüßt hätte. Auch die Staatsangestellten haben keinen Grund, auf diesen Siebenerausschuß böse zu sein, denn ohne dessen Arbeit wären die Abzüge noch viel größer. Hätte man d«n Budgetausschuß schon früher zur Vorbereitung des Budgets herangezogen, so müßte der Staat nicht in einer derartigen Finanznot sein und auch die Bevölkerung hätte vor einer Steuerinflation bewahrt bleiben können! DaS heurige Budget ist weitaus solider konstruiert als iu frühere» Jahren. Es finden darin 700 Millionen für Arbeitslose, 123 Millionen für die Defizite der Privatbahnen und der Kaschau-Oderberger, ferner der bisher unbedeckte Rest der Lehrergehalte(135 Millionen) ihre ordentliche Bedeckung, während im Vorjahr alle diese Ausgaben(bis auf 72 Millionen für Arbeitslose) aut den Kreditweg, bzw. auf nicht zu erzielende Ueber- schüsse angewiesen waren. . Demgegenüber mußten die Einnahmenschätzungen für die Steuer fast durchwegs bedeutend herabgesetzt werden und dies trotz den neu ein- gcführten Zuschlägen zur Einkommen- und Umsatzsteuer. Schon 1931 blieben die Steuereingänge hinter dem Voranschlag um 861 Millionen zurück: in den ersten zehn Monaten des Jahves 1932 sind die Einnahmen aus Steuern, Gebühren und Zöllen neuerdings um 521 Millionen hinter dem Präliminare zurückgeblieben. Bis auf die Einkommensteuer sind— dank der letzten Steuerreform!— die direkten Steuern schon untergeordnete Posten geworden. Unser Steuersystem wird für die Dauer nicht ohrre notwendige Revision auskommen können! Die Rückstände an Steuern, Abgaben und Gebühren, die mit 4,7 Milliarden ausgewiesen wurden, dürften in Wirklichkeit rund sieben Milliarden betragen, und zwar ohne die Zuschläge für die Selbstverwaltung. Diese Rückstände haben in den letzten Jahren überhaupt aufgehört, liquid zu sein, und sind für die Finanzämter eher ein Ballast als eine Reserve- Bisher haben si« sich höchstens durch Abschreibungen, nicht aber durch Abzahlungen verringert. Die Finanzverwal. tung wird sich jetzt einmal ernstlich mit dieser Frage beschäftigen müssen. Einer sehr scharfe« Kritik mrterzog der Referent di« Gebarung der staatlichen Unternehmungen, von denen unter 17 anr fünf aktiv find. Am gefährlichsten erwies sich das Defizit der Staatsbahnen, das im Laufe der Verhandlungen deS Ausschusses vo« 379 ans 879 Millionen anwuchs und durch Streichungen schließlich auf 490 Millionen herabgedrückt wurde. Die Bahnen, deren Passioum rund eineinviertel Milliarden jährlich beträgt, sind für di« Staatskasse ein weitaus schwierigeres Problem als-selbst di« ganze jetzige Arbeitslosigkeit. Di« Post erhält nur unter Anspannung aller Kräfte chr Gleichgewicht. Der Ueberschuß von 1.6 Millionen bei den Staatsgütern ist unstreitig äußerst klein; dabei war ursprünglich sogar«iu Defizit von 43 Millionen vorgesehen. Dabei haben di« Staatsgüter «inen Milliardennmsatz und es sind zwei Milliarden in chnen investiert! Di« Grupp« III(Anteile a» den staatliche» Steuer») ist ei« Beweis für die Solidität des heurigen Budgets. Hier sind 986.7 Millionen mehr präliminiert— urck> ordentlich bedeckt— als früher; alle diese Ausgaben waren noch im Vorjahr aus den Kreditweg oder aus zu erwartende Budgctüberschüss« angewiesen. Hieher gehören di« schon erwähnten weiteren 125 (995 statt bisher 800) Millionen für di« Lehrergehalte, di« 700 Millionen für di« Arbeitslosen und die 125 Millionen für di« Privatbahn«». Für den Dienst der Staatsschulden sind 1966 Millionen präliminiert, das sind um 164 Millionen weniger als im Vorjahr. Im letzten Jahr sind 418.8 Millionen neuer Schulden hinzugekomweu, was angesichts der Verhältnisse als direkt minimal bezeichnet werden muß. Der Schuldenstand beträgt Ende 1982 37.969 Millionen Kronen. Auf die Arbeiten des Siebenerausschuffes und auf die vorgenonnnene Streichung der Investitionen übergehend, erklärt« der Referent, es hätt« keinen Sinn gehabt, im ordentlichen Budget Investitionen zu belassen, für die keine Bedeckung vorhanden wäre. Aus laufenden Einnahmen könne man Investitionen nur in guten Zeiten decken; in schlechten sei man auf den Kreditweg angewiesen. Ein ausgeglichenes Budget ist aber di« Voraussetzung zur Ausschreibung einer erfolgreiche« Inlandsanleihe, die wir brauchen, wenn wir di« notwendige« Investitionen tatsächlich realisieren und den Leute« dadurch Arbeit verschaffen wollen. Auch Investition«« können freilich die Folgen der Zerrüttung der Weltwirtschaft nur unbedeutend mildern. Ohne Durchbrechung der Zollmauern wird sich die Welt nicht zu besseren Verhältnissen emporarbeiten können. Remes quittiert mit Dank die diesbezüglichen Erklärungen des Finanzministers in seinem letzten Exposee und gibt der Erwartung Ausdruck, daß die angekündigt« Revision des Devisen. und Bewilligungsverfahrens mit aller Beschleunigung durchgeführt werden wird. Unter all«« Umstände» wird es notwendig sein, daß di« Z«Sfußherabsetznng ihr« Wirkungen auf das Wirtschaftsleben ausübt. Diese Frag« erfordert«ine ungewöhnlich vorsichtige Lösung, man dars vor ihr aber nicht halt machen. Abschließend erklärt Remez, daß die Bevölkerung von Regierung und Parlament Arbeit und entschiedene Taten verlange, um lm Einvernehmen mit der übrigen Welt die Kris« zu überwinden und zu geordneten Verhältnissen zu kommen, damit wieder jene salbst ihr Brot verdienen können, die heute ohne eigen« Schuld aus dem Produktionsprozeß ausgeschältet und ins Elend gestürzt wurden. Der Referent ersucht dann den Ausschuß, das vorgelegt« Budget zur Grundlage seiner Verhandlungen zu machen. o Die GeneraIdebotte, die dann von Mayr- Harting und Kallina eröffnet wurde, soll Mittwoch abends abgeschlossen werden. An sie wird sich die- Spezialdebatte anschließen, die der Ausschuß in ganztägigen Sitzungen bis Ende Jänner erledigen soll. Für das Parlamentsplenum sind die beiden ersten Feberwochen bis zum 10. Feber reserviert, so daß also für den Senat noch knappe drei Wochen zur Beraibschiedung des Budgets erübrigen. Muti er Wahlkampf In Irland Dublin, 9. Jänner. Am Sonntag kam es bei einer von ungefähr 10.000 Personen besuchten Wahlversammlung der Cosgrave-Partei zü wilden Schlägereien, bei denen ungefähr 30 Personen verletzt wurden. 200 Polizisten mußten eingesetzt werd«». In einer Ortschaft in Nord-Sligo in West- Irland kam ess bei einer Wahlversammlung zu ähnlichen Zusamntcnstößen, bei denen Revolver und Eisenstangen als Waffen gebraucht wurden. Fünf Männer mußten besinnungslos ins Krankenhaus gebracht werden. Die Kellnerin Molly. Roman von Han» Otto HeneL Copyright bt> gackelreiter,Verla«. Berlin. Nachdruck verboten. Der Pastor macht« seine Drohung wahr. Er benahm sich, als sei das Mädchen nicht mehr vorhanden. Urck auch von dem übrigen Erziehungspersonal wurde Mal« mit kühler Vorsicht behandelt^ die«ine offene Gehässigkeit gerade noch zuruckzuhalten verstand. B«i Gelegenheiten, die als festliche Ehrefür die Zöglinge galten, entzog man Male di« Ehrenrechte. So durfte sie zum Beispiel beim Flechten der Blumengewinde nicht mithelfen, als der„Garten Gethsemane" eine große Freudenfeier veranstaltete, weil der kaiserliche Generalseldmarschall von Hindenburg zum Präsidenten der Deutschen Republik gewählt worden war.„Reine Hände für den reinen Mann, der, ko Gott will, unserem Deutschland wieder aus dem republikanischen Sumpfe zu mächtiger Weltgeltung verhilft". So hatte Pastor Zickmann mit einem Seitenblick auf Male gesagt und sie für diesen Tag zum Kartoffelschälen kommandieren lassen. Male machte sich aus solchen offensichtlichen Zurücksetzungen wenig. Auch die strafweise an- geordnete Maßnahme, daß sic wieder in der Waschküche zu arbeiten habe, verdroß sie nicht. Man berichtete dem Pastor, wie gelassen, ja gleichgültig Male die mancherlei Beeinträchtigungen aufnahm, die man ihr zuzufügen verstand. Man eri»artete ein böses Gewissen von ihr, und fand statt dessen, daß sie den Kopf freier trug wie je zuvor. Der Pastor suchte die Ursache davon in dem achtungsvollen Mitgefühl, mit dem alle Zöglinge ohne Ailsnahine jetzt Male umgaben. Zickmann war erzürnt darüber, denn er sagte sich, daß ein ihm untergebener Zögling mit dem Glv rienschcin des siegreichen Märtyrers seinen Respekt beeinträchtigen mußt«. Er ließ darum Male und ihr« nä«bst«n Kameradinnen sorgfältig beobachten, hoffend, daß sich«in Verhalten feststellen ließe, das als Verschwörung zu deuten und entsprechend zu bestrafen wär«. Es war tatsächlich unverkennbar, wie Male nicht nur die seelischen Bedrückungen abstreift«, sondern auch körperlich aufblühte. Weder Pastor Zickmann noch seine Erziehungsbeamtinnen, aber auch Mal« selbst ahnten nicht den Grund dieser Veränderung. In dem Augenblicke, in dem das Rädchen an sich Uild den Menschen vollkommen verzweifelt war und nichts mehr erhoffte als den Tod, da war einer gekommen und hatte freundlich und verständnisvoll zu ihr gesprochen, mit einer Stimme, die reines Helfcnwollen spüren ließ. Der Arzt! Er hatte gefragt, und in seinem Ton war weder eifernde Barschheit noch süßliche Scheinheiligkeit gewesen Er bestimmte, ohne zu befehlen oder zu drohen. Tin größeres Wunder hätte Male nicht widerfahren können. Dir Erkenntnis, daß doch nicht alle Menschen den Machthabern im„Garten Gethsemane" glichen, erfüllte sie mit Hoffnung. Wenn es noch mehr solcher gütiger Menschen da draußen gab, und sie war nun davon überzeugt, dann verlohnte es sich wohl doch, die paar Jahre noch zu ertragen. Am Tage chrer Großjährigkeit würde nran sic jo freilassen müssen. Der Doktor, der Male behandelt hatte, ahnte nicht einmal, daß er für das Mädchen zum Gegenstand schwärmerischer Verehrung geworden war. Bei allem menschlichen Mitgefühl war er nur sachlich vorgegangen, wie es sich für einen Arzt gehört. Aber auch Pastor Zickmann erfuhr nicht, wie einhundertundzehn junge Mädchen sich überlegten und das Ergebnis ihrer Ueberlcgungen sich auch zuflüsterten: da ist ein fromnter Pastor, oer fortwährend von Gott und Jesus spricht, aber bei der Morgenandacht die Bibel nach einer schmeißt, weil sie noch nicht ganz munter ist. Da ist ein Pastor, der jungen Mädchen die Röcke hochhobt und sie auf den nackten Hintern prügelt, obwohl diese Mädchen älter find als die PastorS- töchter, zu denen alle„Fräulein" sagen müssen. Und dann ist da ein Doktor, der nicht ein ein- zigeSmal lieber Gott oder Herr Jesus sagt und ooch gütig hilft und die verprügelten Züchtlinge sogar mit„Fräulein" anredel. Von diesen Gedanken seiner Zöglinge wußte Pastor Zickmann trotz aller väterlichen Bemühungen gar nichts. Aber mit wortlosem Zorn sah er, wie sich aus der geduckten Male ein strammes, frisches Mädel entwickelte, das nicht ohne Anmut auch die Arbeiten verrichtete, die man ihr immer schwerer zumutct«. Es ging schon auf das Frühjahr zu, als eines Tages das Telephon in der Waschküche Male zu Pastor Zickmann befahl. Sie wollt« die Wachs- luchschürze ablegen, aber dir Vorsteherin schob sie hinaus, denn der Befehl hatte ausdrücklich gelautet: sofort, wie sie geht und steht! Male wurde von Angst erfüllt. Sie war überzeugt, daß Pastor Zickmann, der seit mehr als vier Monaten nicht ein Wart mit ihr gesprochen hakte, nichts Erfreuliches von ihr wollen konnte. Mit erkünstelter Festigkeit trat sie ihm gegenüber. Pastor Zickmann hatte die Rechte zwischen zwei Köpfen des schwarzen Gehrockes stecken, die Linke hielt den Jesusbart umfaßt. Er würde also sehr amtlich sprechen, wie Male aus solcher Haltung erfahrungsgemäß schließen konnte. Neben ihm stand ein älterer Mann in hohen Stiefeln und grüner Joppe, das rote Gesicht von einem mächtigen Vollbart umwuchert. Dieser unverkennbare Landwirt schaute Male von oben bis unten an, als tariere er eine junge Kuh. Den Gruß des Mädchens erwiderte er nicht. Zickmann ließ seine wässerigen Blicke mit unvcr- kennbarer Genugtuung aus dem Mädchen ruhen. •„Du siehst hier Herrn Fickert. Er sicht zu unserer Anstalt im Verhältnis eines ehrenamtlichen Pflegers. Ich habe ihm von dir erzählt, und trotzdem will ex dich zu sich nchmen. Gebe Gott, daß ihm nicht versagt bleibt, was uns leider nicht recht gelungen ist. Sei fleißig bei ihm und mach« uns keine Schande. Und glaube ja nicht, daß du nun zügellos verwildern könntest. Herr Fickert ist vom alten pommerfchen Schrot und Korn, und mein Arm ist lang. Diene deinem irdischen Herrn treu, wie der himmlische Herr es von uns verlangt, dann wird oirs wohlgehen. Ich werde dir noch sagen, wann du zu reisen haft." Der Pastor blickje dem gehenden Mädchen wütend nach. Nicht well sie einen Anlaß dazu gegeben hätte, sondern weil er jetzt erst bemerkte, daß er vergessen hatte, einen neben ihm liegenden Schinken und etliche Würste vor dem Mädchen zu verdecken. Diese Fleischwbten verbreiteten genau den gleichen Duft, wie Herr Fickert und entstammten seinem heimatlichen Rauchfang. Im allgemeinen gab der„Garten Gethsemane" so junge Mädchen wie Male nicht an die Landwirtschaft ab. Pastor Zickmann mochte Gründe haben, mit Male eine Ausnahme zu machen. Manche der Kameradinnen beneideten sie, andere sagten:„Der Alte will dir was einbrocken." Ob der Pastor sie nur los sein wollte oder ihr einen Schabernack spielen, war Male gleichgültig. Freilich, der Herr Fickert gefiel ihr nicht. Aber durch ihn kam sie endlich hinaus aus den Mauern des„Garten Gethsemane", würde nicht mehr eingeengt von den Stachcldrähten um den Oelberg und um das Tal Josaphat. Nicht mehr die Kommandierungen von früh bis nachts, zur Morgenandacht, zur Arbeit, zum Mittagsgebet, zum Spiel, wieder zur Arbeit, zur politischen Aufklärung, zur Abendandacht. Mehr Arbeit als hier konnte auch Herr Fickert nicht verlangen. denn mehr war überhaupt nicht denkbar. (Fortsttzung folgt.) Nr. 8 Seite 3 Dienstag, 10. Jänner 1933 Neue Unruhen in Spanien. Ausführende: Anarchistsn/ Geldgeber: Monarchisten. i ne^hldPödoht tm~jk schienen dieAr'beiter rote sonst. Von den in Barcelona»erlebten 20 Personen sinh fünf sehr schwer verletzt. Auf den nach Barcelona führenden Straßen hielten revolutionäre Gruppen alle Fahrzeuge und alle Fußgänger an und teilten ihnen mit, daß eine Sozialrevolution ausgebrochen sei. Samstag von einem anarchistischen Komplott Kenntnis gehabt habe. Sie habe sofort überallhin Anweisung zu Vorsichtsmaßnahmen telegraphiert. Ueberall seien die Regierungsanweisun- gen rechtzeitig eingetrofstn und erfolgreich und wirkungsvoll befolgt Worbeft. Nur in Lcrida habe man das Telegramm nicht schnell genug entziffern können und deshalb sei es dort zu ernsten Zusammenstößen gekommen. In Barcelona herrscht laut Havas wieder völlige Ruhe. Auch die Arbeit ist überall wieder ausgenommen worden. Insgesamt wurden 47 Der Patsfflversoffi unlerdritftl Madrid, 9. Jänner. Das Innenministerium teilte am Abend mit, daß es der Regierung gelungen ist, den Ausstandversuch der einen kommunistisch«monarchistischen Charakter hatte, überall zu unterdrücken. Die Regierung ist überall Herrin der Lage. Die Gesamtzahl der Toten in Barcelona Und den katalanischen Städten beträgt elf, di« der Schwerverletzten 22. Der Zivilgouverneur von Barcelona ist der Ansicht, daß die Bewegung hauptsächlich deshalb hervorgerufen wurde, damit die extremen anarchistischen Elemente den Empfang des Geldes, ! das sie von Personen beziehen, die ein Interesse Madrid, 9. Jänner. In Barcelona' Personen verhaftet; 266 Bomben, 26 Revolver sind schwere Unruhen ausgebrochen, die bisher und ein großer Munitionsvorrat sind beschlag- 8 Tot« und 20 Schwerverletzt« erforderten. Auch nahmt worden. in Levjza, Saragossa und ander«»:,.. 4.. ©täM«n gab«s Todesopfer und Schwerverletzt-, ßg Hk M ülult IM! bet Zusammenstößen Aufständischer mrt der Poli zei und bei d«n Anschlägen aufrührerischer Ele-! Paris, 9. Jänner. Zu der Ausstaudbeweaung mente., melden die Blätter aus Barcelona u. a.: Früh Der neue Ausstand scheint in Barcelona' verließen die Autobusse und die Elektrischen ihre seinen Hauptherd zu haben und gut vorbereitet| Standplätze und nahmen, wie gewöhnlich, den zu sein. In Barcelona wurden am Sonntag Verkehr aust Auch in den Fabriken et« abends an verschiedenen Stellen gleichzeitig Bom- ben unter das Publikum geworfen. Tie Aufstän dischen fuhren auf Autos, die sie sich angeetgnet hatten, durch di« Stadt, wobei sie riefen, daß in Spanien ein kommunistischer Umsturz ausge brochen sei. Ein Angriff auf die Artilleriekaserne wurde abgeschlagen. Erst in den Morgenstunden konnte die Polizei di« Ruhe wieder Herstellen. Der Versuch der Aufständischen, den Zewral- bahnhof in Barcelona zu besetzen, schlug fehl. Sticht nur in verschiedenen nordzpantschen Städten, sondern auch in M a d rt d gab es«in Feuergefecht zwischen Berschwörern und der Polizei. Di« Städte, in denen es nennenswert« Zusammenstöße gab, sind außer den schon ge nannten: Lerida, Oviedo, Terrasa»nd Ball».. 2&te Havas aus Madrid meldet, hat der dem Entfachen politischer und sc^ialer Wtr- spam,che Innenminister heute nachmittags der rcn Spanien haben, durch irgendeine Aktion Presie erklärt, daß di« Regierung bereits am rechtfertigen können. Oer Tag nach dem Verrat. 18 Schwüre für 17 Stimmen. Die Niederlage der deutschbürgerlichen Gemeindevertreter in Fischern wird zu einer Blamage! Am 5. Jänner wurde, wie wir bereits mitteilten, Genosse Sacher zum Bürgermeister der Stadt Fischern gewählt. Einer der achtzehn bürgerlichen Gemeindevertreter konnte es offenbar nicht mit seinem Gewissen vereinbaren, dem Hakenkreuzler Langhans seine Stimme zu geben und entgegen der Vereinbarung, die von den deutsch-bürgerlichen Parteien getroffen wurde, stimmte er für den Sozialdemokraten Sacher, von dem bekannt war, daß er die Gemeinde mustergültig verwaltet hat. Dieses für die Deutschbürgerlichen recht peinliche Wahlergebnis, hat nun zu einer Untersuchung geführt, deren Ausgang für die gleichen deutschen Parteien weit schlimmer ist als die Bürgermeisterwahl, weil er sie mit dem Odium der Lächerlichkeit umgibt. Di« bürgerlich« Presie rief am Tage nach der Bürgermeisterwahl den Verräter auf, sich als deutscher Mann zu seiner Sünde zu bekennen, die deutschbürgerlichen Parteien forderten Klarheit und schon am 6. Jänner, also knapp zwei Tage nach der Bürgermeisterwahl, konnte man in der„Deutschen Tageszeitung", die von der deutschen Wahlgemeinschaft abgegebene Erllärung lesen: „Nachstehend Gefertigte bekennen mit ihrer eigenhändigen Unterschrift an Eidesstatr und ohne jeden Zwang, daß sie bei der am 4. Jänner 1933 stattgefundenen Wahl des Bürgermeisters von Fischern für den nationalen Wahlwerber, Fachlehrer Franz Langhans, gestimmt haben. Fischern, den ö. Jänner 1933. Bruno Meindl m. p. Anton Hüttl m. p Ernst Metzler m. P. P- Josts Janka m P. J-U.-Dr. Theodor Seidl m. p." Also bei der deutschen Wahlgemeinschaft wär der Uebeltäter nicht. Gott sei Dank! Aber am 7. Jänner rückten in der gleichen Zeitung die Nationalsozialisten mit einer ebenso glaubwürdigen Erklärung aus. Sie sagten: „Erklärung. Wir gefertigten Mitglieder der deutschen na'io- nalsozialistischen Arbeiterpartei und der Fischerner Stadtvertretung erklären hiemit ehrenwört- l i ch, daß wir bei der am 4. d. M. stattgefundenen Wahl des Bürgermeisters von Fischern unsere Stimme auf dem von uns. unterfertigten Stimmzettel für den nationalsozialistischen Kandidaten Herrn Franz Langhans abgegeben haben. Wir erklären zugleich, daß wir federest er- bötig und bereit sind, diese Erllärung durch Ablegung eines entsprechenden Eider zu bekräftigen und daß wir diese unstre Er. Närung freiwillig und ohne jeden Zwang abgeben Fischern, am 5. Jänner 1933. Franz Langhans m. p. Franz Schüller m. p. Carl Tausch m. p. Heinrich Zapp m. p. Willibald Nowak m. P. Ernst Pilz m. p. Anton Bachmann m. p. Josef Friedl m. p. Joh. Steinmüller m. p Ant. Schloßbauer m. p.,.Herbert Sicngl m. P Edmund Zenker m. p." Sic beherbergen den Verräter dentnach auch nicht! Tenn Ehrenwort, der in Aussicht gestellte Eid, dazu noch die Erklärung, die im Beisein desHcrrn Notars Hüttich abgegeben wurde, schließen doch jeden Verdacht, daß einer der natio- nalfozialistischen Gemeindevertveter den Verrat verübt haben könnte, vollständig aus. Die Situation der deutschbürgerlichen Gemeindevertreter von Fischern hat sich bedenklich verschlechtert. Vor den Erklärungen standen sie nur im Verdacht Politischen Verrat verübt zu haben, heute aber weiß man, daß einer von ihnen bereit ist, dem Politischen Vergehen ein kriminelles anznschlteßen,— den Meineid. Vor dem Schwur in der„Deutschen Tageszeitung" hielt man von diesen Achtzehn einen für politisch un- zuvcrlässia. nach der Erklärung für einen Meineidigen. Mit dieser Belastung wollen die Deutschbürgerlichen von Fischern den Kampf gegen di« Sozialdemokratie in der Gemeindestub« führen, wir glauben jetzt schon zu wissen, wer die Schlacht gewinnen wird. Es werdeit die sein, mit denen 'heute schon di« Lacher sind! Fünf Häuser eines Banldirettors, dessen Bank saniert werden must. Herr Florian ist Direktor der Böhmischen Jndustrialbänk, welche während der Tätigkeit dieses Herrn in desartige Schwierigkeiten geriet, daß der Staat, um dte Einleger vor Schaden zu bewahren, eingreifen und die Bank sanieren mußte. Daß aber der genannte Leiter der Bank, dem es zwar nicht möglich war, die Geschäfte der Bank mit Erfolg zu führen, seine eigenen Angelegenheiten in derselben Zeit auf das allerbeste besorgte, beweisen fünf Photographien, welche das„Narodni Osvobozeni" veröffentlicht. All« fünf zeigen Häuser, welche Herr FloriLn in den Jahren 1923 bis 1926 in Wien kaufte. Die ersten zwei Häuser, berichtet„N. O.", erwarb er int April und Mai 1923. Nach dem Gutachten der Wiener Sachverständigen beträgt'yr Wert heute 3,900.000 Kronen. Die übrigen drei Häuser kauft« er im Jahre 1925 und 1926. Alle wurden bar bezahlt und sind mit keinem Heller verschuldet. Ihr Gesamtwert beträgt ungefähr fünf Millionen Kronen. Mit Recht interessiert sich„N. O." dafür, ob das Finanzministerium Kenntnis von diesem Wiener Besitz des Bankdirektors hat und dafür, ob er nicht auch sonst im Ausland in irgend einer Form ein Paar„Kleinigkeiten" aufgehoben hat. Das Bankgesetz gibt die Möglichkeit, an Direktoren sanierter Banken Regreßansprüche zu stellen und es liegt am Finanzministerium diese Möglichkeiten ausznnüt'm. Das Blatt läßt durchblicken, daß es in de: Lage ist, über diesen Fall noch mehr zu sagen. Jcvc allerdings ist es Sache der Behörde,' dem Falle nachzugehen. ÄW Sei WWü WM-WWMk. Hauptversammlung des Freien Radrobundes in Teplitz. Der Freie Radiobund hielt Sonntag in Teplitz seine viert« ordentliche Hauptversammlung ab, welcher am Samstag eine Sitzung des erweiterten Bundesvorstandes vorangmg. Sowohl di« Beschickung der Tagung, aus welcher nur die weit entfernt liegenden Ortsgruppen fehlten, als auch der Verlauf der Beratungen und die erstatteten Berichte legten Zeugnis dafür ab, das )er Bund trotz der Krisenzeit nicht nur uner- chüttert geblieben ist, sondern die Zahl feiner Ortsgruppen sogar bedeutend steigern und die Zahl der Mitglieder fast auf das Dreifache erhöhen konnte. Die Generalversammlung eröffnete der Obmann Genosse Goldschmidt mit einer kurzen Würdigung der Bedeutung der Tagung und einem stehend angehörten Nachruf auf Genosien Rudolf R ü ck l, welcher zu den Gründern des Freien Radiobundes gehörte und besonders in den ersten Jahren des Bestandes der Organisation und ein Jahr vor seinem Tode sich die größten Verdienst« um sie erwarb. Sodann übernahm das aus den Genosien Paul- Prag, Fleischer- Aussig und Schütze- Tepl'tz b. stehende gewählte Präsidium die Leitung der Verhandlungen, welchen in Vertretung des Partei- vorstandes und des parlamentarischen Klubs Genosse Pohl und in Vertretung der ZentralgewerkschaftS- kommission Genosie Weigl beiwohnten. Beide Genosien versicherten unter dem Beifall der Versammlung den Freien Radiobund der Unterstützung der von ihnen vertretenen Körperschaften. Den Bericht über di« Tätigkeit des Vorstandes und der Geschäftsführung erstattete Genosie Goldschmidt, der feststellen konnte, daß in den letzt abgelaufenen Jahren der Bund, obzwar auch heute noch ein« kleine Organisation, sich erfreulich konsolidierte, was die auf 17 vermehrte Zahl der Zweigstellen und die erheblich gestiegene Mitgliederzahl beweisen. Aus dem Bericht soll hier nur noch der Hinweis auf den Erfolg des Bundes in seinen Bemühungen um di« Befreiung der arbeitslosen Mitglieder von der Zahlung der Rundfunkgebühren, di« wirkungsvolle Mitarbeit an der Durchsetzung des deutschen Schulrundfunks und die erfreuliche Entwicklung der deutschen Arbeitersendungen beim Prager und Brünner Sender verzeichnet werden. Der„V o l k s f u n k" wurde nach langen Verhandlungen endlich zum offiziellen Organ des Bundes gemacht; für ihn und für die Organisation überhaupt soll in den nächsten Monaten mit einer umfassenden Werbeaktion begonnen worden. Der Obmann berichtete dann noch über eine Reihe innerorganisatorischer Fragen, die schon in der abends vorher stattgefundenen Sitzung des Hauptausschusses einmütig geklärt worden waren. An diesen Bericht schloß sich der des Kassiers(Genosse Hellmich) und der Kontrolle(Genosie Unger) und der Bericht der Mandatsprüfungskommission. Die an die Berichte anknüpfende Debatte, in welcher insbesondere Genosie Kühnel-Prag über den Stand und di« Aufgaben des deutschen Schtt- rundfunks sprach, kamen vor allem die auch in dem Geschäftsbericht vorgebrachten Beschwerden über Unzulänglichkeiten und Unzukömmlichkeiten im Rundfunk zum Ausdruck. Mit Nachdruck verlangte die Konferenz neuerlich einen Ausbau der deutschen Sendung durch Einfügung eines deutschen Programmteiles am Sonntag vormittag und wiederholte die Forderung, daß die Sendungen regelmäßig auch deutsch angesagt werden. Der parlamentarische Klub der deutschen Sozialdemokraten wurde ersucht, sich dafür einzusetzen, daß der Schulrundfunk weiter ausgebaut und die Vorlage des neuen Rad io gesetzeS, in welchem auch für den Störschutz genügende Bestimmungen enthalten sein sollen, beschleunigt vorgelegt werde. Klage wurde auch darüber geführt, daß in manchen Orten die Radiobastler von den Behörden grundlos wegen angeblicher Uebertretungen des Radiogesetzes verfolgt werden. Nach abschließenden Worten des Genossen Goldschmidt wurden die Berichte, der Entlastungsantrag der Kontrolle und di« der Generalversammlung vorliegenden Anträge'des Bundesvorstandes und einzelner Ortsgruppen genehmigt. Ueber das abschließende ausgezeichnete und mit großem Beifall aufgenommene Referat des Gen- Voigt- Berlin über„Radiotechnik und Arbeiterschaft" werden wir noch berichten. Entsprechend dem von Genosien I u g l- Aussig vorgebrachten Antrag der Wahlkommission wurden hierauf einstimmig die 14 Mitglieder des BereinSausschusses, vier Mitglieder der Kontrolle und drei Mitglieder deS Schiedsgerichtes gewählt, worauf Genosse Paul die Tagung mit einem kurzen Schlußworte beendete. Konstituierung des Vereins« ansschnffes. Anschließend an die Generalversammlung trat der Vereinsausschuß zusammen, welcher statutengemäß aus seiner Mitte den sieben- aliedrigen geschäftsführenden V o r st a n d bestimmte. Es wurden gewählt: Genosse Goldschmidt- Prag(Vorsitzender), Genosie Fleischer- Aussig(1. Stellvertr.), Gen. Schütze- Teplitz(2. Stellvertr.), Genosie N e u w i r t h- Prag(Geschäftsführer), Genosie I u g l- Aussig Stellvertr.), Gen. Hellmich- Prag(Kassier), Genosie Häusler-Aussig(Stellvertreter). Die Gegensätze in der Nationaldemokratie. Die Rebellion der jungen Generation- Samstag und Sonntag ßat die national- demokratische„Junge Generatron" in Prag ihren Kongreß abgehalten. Wir haben bereits darüber berichtet, daß die Parteileitung der Abhaltung des Kongresses ihre Zustimmung versagt, die Leitung der zungen Generatwn aufgelöst und chren Anhängern bekanntgegeben hat, daß sie mit dem Kongreß nichts zu tun hab«. Trotzdem hat der Kongreß, der von der aufgelösten Zentralleitung, ozw. deren Führer Dr. L. Raöin einberufen war, stattgefunden. Samstag waren die Organisationen Böhmens versammelt, wobei von 160 bestehenden Organisationen sechzig vertreten waren. Am Sonntag waren von dreihundert bestehenden Organisationen im ganzen Staate 161 vertreten. Di« Hauptredner Ware« jedoch Angehörige der älteren Generation, welche entweder verärgert oder mit der Partei in Gegensatz geraten sind, so der Advokat Dr. Adolf Duöek, der bei den letzten Wahlen in die Prager Stadtvertretung nicht mehr aufgestellt wurde und der ehemalige Senator Prof. Mares. Dagegen erschien nicht der bekannte Prager Komiker, Karel Hasler, desicn Erscheinen auf den Einladungen angekündigt war. Di« Redner wandten sich insbesondere gegen den gegenwärtigen parlamentarischen Führer der Partei Dr. Hodaö. Dr. Rasin protestierte gegen die Verdächtigung, daß er die junge Generation ins Lager Stribrnys führen wolle. Dabei erklärte er, daß solche Anschuldigungen anderswohin adressiert werden sollten. Er teilte mit, daß vor einiger Zeit Direktor Sis und der ehemalige Generalsekretär Hlavaöek auf Wunsch des Dr. Kramak selbst Beratungen mit Stribrny abge halten haben, bei denen es sich um die Der-' schmelzung>.der Nationaldemokraffn mit der Liga handelt«. In der neuen Partei sollt« Stribrny Vizepräsident werden. Die Verhandlungen scheiterten aber, und zwar deswegen, weil StkibrnU di« Bedingung stellte, Dr. Hodaö und Dr. Preiß dürfen nicht in di« Partei ausgenommen fverden. Di« Volkssport-Akten. Vor einigen Tagen hatte der Nationaldemokrat IeLek als Vorsitzender des JmmunitätsauSschusses die Vorlage der Akten des Volksspart-Prozesses an den Ausschuß urgiert, di« dem Ausschuß als Grundlage für di« Beurteilung des Auslieferungsbegehrens dienen sollen, das gegen die fünf nationalsozialistischen Abgeordneten schwebt.— Der Justizminister macht nun in seiner Antwort den Abgeordneten JeLek aufmerksam, daß der Jmmuni- tätsausschuß seinerzeit nicht nur um die Vorlage bcsiikümter Akten, sondern auch um die Spezifizierung der den Abgeordneten;«r Last gelegten Straf Handlungen ersucht hat. Der Untersuchungsrichter erhielt bereits die Abschriften der verlangten Akten aus Brünn, doch mußte er sie zwecks der verlangten Spezifizierung der Strafhandlungen der Staatsanwaltschaft übersenden. Wegen des großen Umfanges der Akten und der Kompliziertheit der Angelegenheit erforderte di« Vornahme der Spezifizierung ein eingehenderes Studium und Arbeit. Die Staatsanwaltschaft ist mit der Angelegenheit bereits ferttg, sie ist gerade dabei, die Akten dem Untersuchungsrichter zurückzustellen, der sie in den ersten Tagen der nächsten Woche dem Jmmunitätsausschuß des Abgeordnetenhauses vorlegen wird. Urteil im Stbibrny-Prozeß am 19. Jänner. Die Verkündung des Urteils im Sichrovsky- Stkibrnh-Prozeß ist aus Donnerstag, den 19. Jänner, 9 Uhr vormittags, vertagt worden. „Urlaubsbedürftise“ der Braunen Häuser: Röhm und Helldorf auf„Erholung“. Der vielumstrittene Hauptmann Röhm, bekannt durch seine sexuelle Veranlagung und durch die Liebe, mit der ihn Hitler umhegt und der forsche Graf Helldorf, der Derlinner SA- Führer, haben einen Urlaub angetreten. Es handelt sich selbstverständlich um einen Erholungsurlaub— wie seinerzeit bei Strasser. Darum dementiert auch die nationalsozialistische Presie all« an die Beurlaubung geknüpften Vermutungen ganz energisch. Es ist nicht unwahrscheinlich, daß die Beurlaubung der beiden Herren im Zusammenhang mit neuerlichen Verhandlungen Hitler-Strasse r steht. Gegen Röhm hatte Straffer in feinem Brief an Hitler heftige Angriff« gerichtet Und auch Helldorf ist bei gewissen Kreisen, die Hitler jetzt sehr wichtig sind, unbeliebt. Es ist aber auch möglich, daß di« Beurlaubung der beiden in Verbindung mit gewiffen Verhandlungen steht, die die NSDAP mit Herrn Schleicher führt. Hitler dürst« die Notwendigkeit empfinden, sich von einigen seiner„Freunde" zu befreien, um den Geldgebern der Partei und etwaigen künftigen Ministerkollegen genehm zu sein. Jedenfalls beweisen die neuen Beurlaubungen, daß die Führerkrise-in der NSDAP, die der Rücktritt Strassers anzeigte, durch di« Anbiederung Hitlers an Papen noch lange nicht behoben ist. Ob nun Röhm Herrn Strasser geopfert wird oder den feinen Herren um Papen— bekömmlich sind diese Dinge dem„Siegeslauf" des Nationalsozialismus keinesfalls. Seite 4 Dienstag, 10. Jiktittr 1080 Nr. 8 T agesneuigkeiten hundert Menschen stürzen w die Tie.e. Ajaccio(Corsica), 9. Jänner. Bei einer Tvauerserer, der übsr IW Personen beiwobnten, stnrzte der Fußboden der zweiten Etzlg» eines Hauses ein. Sämtliche Traucrgäste wurden in die Tiefe mitgerissen. ZweiFrauen konn- tett nur noch als Leichen geborgen werden. 17 Personen wurden so schrver verletzt, daß sie ins Krankenhaus geschafft werden mußten; leicht verletzt wurden außerdem acht Personen. Gefährlicher Brand. Mähr^Ostran, 8. Jänner. In der Mcht aut heute brannte die große. Dampfziegelei der" Firma Berger m Oderberg an der Grenze von Oderberg 1 mid Oderberg 2 nieder. Die Funken der herausschlagcnden hohen Wammen wurden aber vom Wind glücklicherweise auf die Felder getragen. Sonst wär« der Stadtteil Oderberg- Bahnhof ernst bedroht gewesen. Zur Löschung des Feuers waren 26 Feuerwehren ans dem Ostrauer Gebiet und fünf Wehren aus benachbarten reichsdeirtschen Gemeinden evschicmen. Gegen früh gelang cs, des Feuers Herr zu werden. Der Schade betrat über citie Million Kronen und ist nur teilweise durch Versicherung gedeckt. Die Ursache des Brandes wird untersucht. 500 SlrMinge meutern. Truro(Neuschottland), 9. Jänner. Im Marinegefängnis von Dorchester meuterten gestern etwa 500"Sträflinge. Einer von ihnen wurde getötet. Zur Niederwerfung der Meuterei wurde kanadische Polizei zu Pferd berufen,«wer auch die Bewohner der'Stadt bereinigten sich an der Verfolgung der geflüchteten Häftlinge, von denen viele wieder eingeliefert werden konnten. Die Meuterer verübten einen Schoden von rund 25 000 Dollar. Die Ursache ist auf Unzufriedenheit mit der G e- fängniskost und mit den Arbeitsbedingungen zurückzuführen. Hunger treibt zum Selbstmord. Gräfenhainichen(Kreis Bitterfeld), 9. Jänner. Ter 42jährige Tischlermeister Fritz Klemm erschoß in der Nacht aus Sonntag sein achtjähriges Töchterchen, verletzt« seine 36 Jahre alte Ehefrau durch einen Kopfschuß lebensgefährlich und erschoß sich dann selbst. Die Tat erfolgte im Einverständnis der Eheleute. Sic wird auf wirtschaftlich« Not zurückgZührt. Glück haben sie gehabt, unsere Haken- kreuzlerführer, Glück im Unglück. Ihr Unglück war cs, daß sie als Rassennrischlinge geboren wurden. Ihr Glück, daß das nicht im„Dritten Reich"’ geschah. Denn da wäre es ihnen schon als kleinen Jungen übel ergangen. In der eben erschienenen Schrift„Rassenkunde und Rassenwahn"(Verlag Tietz, Berlin), zitiert der Verfasser, Professor Dr. Hedlcr, aus einem in Leipzig erschienenen„Deutschvölkischen Katechismus" für Schulen, die nach den Grundsätzen des„Bundes völkischer Lehrer Deutschlands" eingerichtet sind, folgenden Satz: „Zunächst würde man die Schüler nach chrem rassigen Wert einteilen. Nur die Hellen und Blonden, die Angehörigen der ariich-hcroischen Rassen, würden ausgenommen werden. Die Dunklen>lnd Mischling« würde man boscite- schiebcn." Vielleicht waren die Jung und Knirsch als Kleinkinder blond, so daß man sie damals irrtümlich einer heroischen Rasse hätte zurechnen können. Aber das Nachdirnkeln der Haare ist eben«in Beweis von Rassenkreu-ung, also Mischliugtum, und Knirsch und Jung und die meisten anderen Ichwärzner kür die Aufnordung des deutschen Volkes müssen sich glücklich preisen, daß sie, dereit Haare doch schon während der Schulzeit bedenklich dunkel gewesen sein dürften, nicht der Gewalt völkischer Lehrer in einem völkischen Reich unterstanden, weil sie sonst crdarnmngsll>s beiseitegeschoben worden wären. Ja, nicht einmal dem Oberosaf wäre es besser ergangen, denn nicht eitinial die blonden Achsclhaare seines im Niedcrwcrfen auf den Bauch so geübten Heroenkörpers, auf dem leider ein ganz und gar nicht nordischer Kopf mit unblondem Schopf sitzt, hätten ihn vor dem Beiseiteschieben gerettet. Rek'am« für die ,.Brür«r Zeitung"— in Moskau! Di? Nummer 11/12 des Jahrganges 1932 der„Komunistickä Revue", der Zeitschrift der kommunistischen Partei der Tschechoslowakei bringt eine Rede, di« der kommunistische Oberbonze Gottwald in Moskau bei der letzten Konferenz der Exekutive der kommunistischen Internationale gehalten hat..Herr Gotttvald sprach dort auch über den Bergarbeiterstreik kN Nordwestböhmen und wußte keinen besseren Zeugen für die richtiae Taktik, welch« die Kommunisten in diesem Streik angewandt haben, anzuführen, als di« bürgerliche Brüxer Zeitung, Welche am 20. April die große Bedeutung des Streiks und das forsch« Auftreten der Kommunisten herausgestrichen hat. Was die Delegierten j Abermals Schiffsbrand in Frankreich. Lie Untersuchung der„Atlantilme"'Katastrophe. Paris, 8. IS«»«.(Wolff.) Di« Marine- behördcn von LeHavre wurden heute früh um drei Uhr durch die Nachricht alarmiert, daß auf dem feit vier Monaten abgetakelte« Französisch«« Ueberseedampfer„France" ei« Brand ausgebroche« war, der vo« der an Bord befindlichen Nachtwache rechtzeitig genug entdeckt worden war, so daß sofort die Löscharbeiten beginnen konnten. Wie die Company general« trans- atlantique, der dieser Luxnsdampser gehört, mit, teilt, konnte der Brand nach zweistLndi- aen Löscharbeiten erstickt werden. Personen seien nicht zu Schaden gekommen. Auch der Sachschaden sei unbedeutend. Der Brand auf dem Dampfer„France", der nach offiziellen Meldungen auf Kurzschluß zurstckzufLhreu ist, gibt dem Coty-Blatt ,,L' ami du peuple" Beranlaffung zu der durch nichts begründeten Behauptung, auch dieser Brand sei unter den gleichen geheimnisvollen Umständen wie der Brand der Schiff« „Georges Philippas und„Atlan. t l q n e" herbeigeführt worden. * Nachspiel der Kapttäue. Paris, 8. Jänner. Der Untersuchungsausschuß zur Feststellung der Ursachen des Brandes der„Atlantique" hat heute ru Cherbourg ein« Besichtigung vorgenommen. Die Berichte der Kapitäne des holländischen und des deutschen Schleppers, di« an den Bergungsarbeiten teilgenommen haben, find beim Handelsgericht in Cherbourg niedergelegt worden. Zn diesen Berichten werde« nach Havas di« ZwischensAle bei den Bergungsarbeiten eingehend geschildert. Der deutsch« Kapitän hab« ausgeführt, daß er Anweisungen der stanzösischen Bergungsschiff« nicht befolgt hab«, well nur der Kapitän in Moskau zu diesem sonderbaren Zeugen des Herrn Gottwald gesagt haben, wissen wir nicht, aber wir hoffen, daß die Rede Gottwalds wenigstens der Brüxer Zcllung genützt hat, daß sic dadurch viel« Monncuten in Sowjetrußland wird w«rben können und daß von npn an Stalin jeden Tag die Brüxer Zeitung lesen wird. Mit dem Hunger wachse« die Spareinlagen. Tie„Prager Presse" teilt auf Grund von Informationen, die sie vom Direktor des Verbandes Tschechoslowakischer Sparkassen erhielt, mit, daß die Einlagen, die bei Sparkassen und andern Geldinstituten.1932 zu.verzeichnen sind, End« Dezember 1932 um 200 bis 300 Millionen Kronen größer find.als. Ende Dezember, 19.31, Tie Not von Hunderttausenden bedeutet also nicht gleichzeitig wirtschaftliches Elend aller Schichten der Bevölkerung, sondern nur jener, die von der Wirtschaftskrise direkt betroffen wurden.' Die andern vermochten von ihrem Einkommen Ersparungen zu machen, ohne daß sie sich besondere Entbehrungen auferlegen mußten. Denn die vermehrten Spareinlagen sind keineswegs auf den Verzicht auf Komfort und Luxus bei den Wohlhabenden zurückzuführen, weil Luxus und Vergnügen in den Kreisen des Bürgertums gerade in den Krisenjahren zu unerhörter Entfaltung gekommen sind. Die Erhöhung der Spareinlagen im dritten Krisenjahr läßt auf den Charakter der Krise schließen. Es ist eine Krise der Wirtschaftsund Gescllschaftsorganisation, die auf allen Gebieten der Gütererzeugung, Unternehmer, Angestellte und Arbeiter, Warenvermittler und Warentransporteure aus dem Wirtschaftsprozcß aus- schaltct.' Aber obwohl die Zahl der produzierenden Betriebe stark zurückgcgangen und die Zahl der schaffenden Arbeiter in den letzten Jahren um mindestens 25 Prozent gesunken ist, werden immer noch genau wie in den sogenannten guten Jahren Ucberverdienste verzeichnet, die zum Teil höheren Lebensansprüchen zugeführt, und zum Teil zinsbringend angelegt werden. Diese 200 bis 300 Millionen Kronen sind nur das Ueberbleibscl der großen Gewinn«, die mitten in der Krise erzielt, vertan oder in das Ausland geschmuggelt werden. Bei diesen drechundert Millionen Kronen sind Millionen Spargelder, die sich arme Menschen vom Munde abstahlen, um in der Zeit der Not für eine Weil« vor dem Hunger geschützt zu sein. Ab«r dessenungeachtet bleibt die Tatsache bestehen, daß die einen verdienen und Ersparnisse machen, dieweil die andern hungern, daß sich die Wirtschaftskrise nicht bei allen, sondern vor allen! bei 750.000 Arbeitslosen und ihren Angehörigen auswirkt und daß die Wirtschaftskrise Heines Worte von den Hungrigen und.Satten in bisher nie beobachteter Weise wahr werden läßt. Selbstmord eines Korporals. Bor einigen Tagen ist aus der Garnison des Infanterieregiments Nr. 9 in Podcrsam der längxrtzrenende Korporal Karl Koh out verschwunden. Durch die Nachforschungen nach seinem Aufenthalt wurde festgestellt, daß er am Freitag, den 6. Jänner d. I. in der Wohnung seiner Geliebten in Turn bei Teplitz Selbstmord begangen hat. Er erschoß sich mit seiner Dienstprstole, die er aus der Kaserne mitgenommen hatte. Die Funktnrmspringeri«. Die Berliner Postbeamtin Charlotte L.,! die sich im November vorigen Jahres in selbstmörderischer Absicht von der Plattform des Berliner Funkturms ans in die Tiefe gestürzt hatte und lebensgefährlich verletzt wurde, konnte durch ärztliche Kunst gerettet werden. Die Knochenbrüche sind sämtlich gehellt. Die Beamtin wird auf ihren Arbeitsplatz zu- rückkehrem. des holländischen Schleppers„Noodesee" ihm hab« Anweisungen geben können. Ueber- dies hab« eines der französischen Bergungsschiff« di« Stahltrosse des deutschen Schleppers zerbrochen und eine ander« stark beschädigt. Cherbourg, 9. Jänner. Gestern find zwei verkohlte aber identifiziert« Leiche« sowie die Ueb«rr«ste von drei weiteren verbrannten Mitgliedern der Besatzung der„Atlantique" an Land geholt und eingesargt worden. * Eia griechischer Damvier ia Rot. Paris, 8. Jänner. Die Funkstation Marseille hat ein Rotfignal des griechischen Dampfers „Strati s" ausgefangcn, der vier Meilen vom Kap Finistere um sofortige Hilf« gebeten hat. * Explosion aas einem Fischdampser. Lissabon, 8. Jänner. An Bord eines portugiesischen Fischdampfers explodiert« auf der Höhe vo« Kap Espichel ein Kessel. Bon der 60 Mann starken Besatzung wurde einer getötet und 13 verletzt. Der Fischdampfer wurde nach Lissabon abgeschleppt. Deutscher Dampfer gestrandet. Leeuwarden(Niederländische Provinz Friesland), 9. Jänner. Ein etwa 2000 Tonnen großer deutscher Dampfer, dessen Nam« noch nicht festgestellt werden konnte, ist heute vormittag in dichtem Nebel in der skahe der Insel Ameland gestrandet. Mehrere Schleppdampfer und ein Ret- tüngsboot sind dem deutschen Schiff zu Hilfe ge- cilt. Die Rettungsarbeiten dürsten sich infolge des hohen Seeganges ziemlich schwierig gestalten. Selbstmord einer Achtzehnjährigen. Die 18jährige Bevgarbciterstochtcr Karol in« Fenzl aus Pchery bei Schlau hatte vor, einigen Tagen im einem Bvüyer Gasthaus« in selbstmörderischer Absicht«n Quantum Essigsäure zu sich genommen, wobei sie schwere Vergiftungen erlitt, so daß sie ins Krankenhaus gebracht werden mußte. Dort sst die Unglückliche nunmehr nach quolvöklen Schmerzen verschieden. Das Mottv der Tot dürfte in unglücklicher Liebe zu suchen sein. Politisch« Schießerei. Bor dem Verlagsgebäude der kommunistischen Zeitung„Freiheit" m Düsseld orf brm es, Wie die Poli^ipresse- stellv mitteAt, am Sonntag Nachmittag zu einer Schieße räi Zwischen KomMvnfften und Nattomll- sozialistan. Drei Kommunisten wurden verletzt. Die Polizei nahm acht Personen fest. Die Stndentenlegioneu der Prager Universität.1648—1848 ist der Titel eines Werkes, das demnächst im Verlag Gustav Neugebauer in Prag erscheint. Der Verfasser, Dr. Arthur Werner, schi-ldevt darin auf Grund bisher rmver- öffenllichten'QuellcwnaterialS aus dem Univer- sitätsarchkv und dem Archiv des Ministeriums des Inneren in Prag, sowie anderer Dokumente die Entstehung und die Geschichte der Studentenlegionen der Prager Universität m den Jahren 1648, 1741-42, 1744, 1800-01 1808-09 und 1848. Die große Rolle, welche di« Prager Studenten in der Erhebung des Jahres 1848 spielten, kommt hier eindrucksvoll zur Geltung. Die zahlreichen Abbildungen nach zeitgenössischen Porträts, Trachtenbildern und Stadtansichtcn, sowie Faksimll-Wiedergaben der wichtigsten Urkunden, vor allem der Mitgliederliste der Studenten- Freikompanie 1648, bilden eine gut« Ergänzung des Textteiles. Der Subskriptionspreis beträgt 48 Kü für das 200 Seiten starke, gebundene Buch. Vom Rundfunk Empfehlenswertes a«s den Programmen! Mittwoch: Prag: 6.15: Ghmnastik, 11: Schallplatte», 16.1Ä Orchesterkonzert, 18.25: Deutsche Sendung! Arbeiterfunk: Maria Deutsch: Fürsorgeerziehung oder Erziehuugsfürsorgc, 19.20: Tschechische uns russische Lieder, 21: Violincello-Konzert.— Brünn: 17: Marionettentheater, 18.25: Deutsch« Sen« düng: Kobarik: Di« Fran von heut« und in dir Zukunft, 21.30: Musik in der Familie, Funtszene. — Berlin: 19.10: Dlandolienkonzert, 21: SinfoniH konzert.— Breslau: 20.40: Saxophonmusik. ff Mühlacker: 21.35: Cello-Konzert.— Hamburg: 22 30: Der Tonfilmschtager.— Langen berg: 173 Kammermusik.— Leipzig: 19.30: Liederstunde.— München: 1925: Flvtenkonzert, 21.25: Philhan manisches Konzert.— Wien: 19.25 Klaviervorträgff 22.15: Blasmusik ans London. 4 Ei» Brandstifter verhaftet. Die Gendarmerie in Friedrichsdorf bei Jgsau verhaftete tn der Nacht auf Montag den 30jahrigen Landstreff cher Fr. Chadim aus Deutsch- Gießhüba unter dem Verdachte, den Brand auf dem Gutr des Oswald Kaser in Pfauendors gelegt zu Haden. Durch den Brand wurde ein Schaden vo» 600.000 lie verursacht. Der Verhaftete schlief i« der Scheune des nredergcbrannten Gutes. Er gibt zu, vom Brande zu wissen, erklärt ober, ihn nicht wissentlich gelegt zu haben. Dos Feuer entstand durch seine Unvorsichtigkeit. Er wurde in di« .Hast des Steckener Kreisgerichtes enrgelirfert. ff Teheran verpragert sich. Die wachsend« nationalistisch!: Bewegung in Pettsien macht siq auch in einer neuem allgemein gÄtigen Bexorib nuna geltend, wonach olle Firmen chvc G« schäft s tafeln in persischer Fetksihrist, die anders sprachigen Namen ober in kleinerer Schrift a« bringen lassen müssen.—(Wir raten der Stad» Verwaltung in Teheran, sich Herrn Baxa als Sachverständigen komme» zu lassen.) Ein Raubüberfall aus dem Berliner Alexa» derplatz. Ans den Kasserwoten einer Zigarette« firma wurde gestern Mittag auf dem Berlin« Alcranderplatz ein Raubüberfall verübt. Meh« rere Männer sprangen aus einer Krastdroschß heraus und gaben auf den.Kassenboten einigt Schüsse ob, dre diesen am Oberarm und Obe« schemol verletzten. Die Räuber entrissen bcifl Boten seine Ledermappe und bestiegen wiedek den Wagen, der in rasender Geschwindigkeit davonfuhr. Der Kassenbote konnte wegen sein« Verletzungen noch nicht vernommen werde» WieviÄ W) die Räuber erbeutet hoben, iß noch rächt bekannt. Die Täter sind in der allgff meinen Aufregung unerkannt entkommen. Wichtig für Heimkehrer vom militärischen Prib senzdienfte. Mit Rücksicht auf die bevorstehend« Eatz lassung der militärischen Pväsenzdienstleister macht der Alkgein«ine A»gefiellteu-Verbonff Reichenberg, darauf aufmerksam, daß gemät ß 13 des Pensionsversichernugsgesetzes der gesetzlicht militärische Präsenzdienst als Bcitragszeil. am Staatskosten in der Pensionsoersicherung anzurechff nen ist, wenn der Angestellte vor Antritt des Prä senZviensteS bereits einmal pensionsversichert wat oder wenn er binnen 12 Monaten noch Rückkohl vom Präsenzdienst in die Pensionsvrrsicherung ein* tritt. Der Anspruch muß bei sonstigem Erlöschet im ersteren Fall binnen 15 Monaten noch Rückkeyl vom Präsenzdienst, nn letzteren Fall binnen sechß Monaten noch dem erstmaligen Eintritt in di« Pen« sionsversicherung bei der zuständigen AmtSstell« M Allgemeinen Pensionsanstalt(bzw. dem ErsaU inftitut) angemeldrt werden. Näher« Auskünfte«N teilt bereitwilligst der Allgemeine Angestelltem Verband, Rricheuberg, Turncrftraßc 27, bM>. dcsjcl Geschäftsstellen in Karlsbad, Haus„Stadt Berlin"! Teplitz- Schönau,. Eichwalderstraß«. 39; Bodenbak» DreSdmr Straße 886; Reichenberg, Schloßgasse U Trautenau, Eck Reumarkt; Brünn, Dpinnergasse 11! Mähr.-Schönberg, Weißmarterstt. 3-1; Mahrs Ostrau, Straß« des 28. Oktober 54. Lustige Wilhelm Busdi-Anehdolen*) Ein Herr ohne Humor. Im Eisenbahnabteil saß Busch«inst ein älterer, grimmig dreinschauender Herr gegenüber, der brummend in einer Rümmer der„Fliegenden Blätter" blättert«. „So ein Blödsinn', wandte er sich an den ihm unbekannten Busch und wies auf einen Bilderbogen, den Busch gezeichnet und gedichtet hatte, ,^u meiner Zelt hat man Kindern gescheiter« Sachen zu lesen gegeben." „Da können Sie schon recht haben", erwiderte Busch,„aber es hat augenscheinlich auch nichts genutzt." Ei» Berkehrsunfall. Beim Ueberqucren der Karlsstraße in München wurde Wilhelm Busch einmal von einem Radfahrer angefahren und umgeworfen. Ein Riesenauflauf entstand. „Entschuldigen Sie tausendmal, Herr Professor", sagt der Padfahrer ängstlich zu Busch, der eben sein« Knochen äbgeklopst hatte,„aber ich bin noch ein Anfänger." „Um Gottcswillen", erwiderte Busch,„ein wahres Glück, daß ich Ihne» nicht als Meister begegnet bin." Der Spiegel. In einem Geschäft am Fischmarkt sucht Busch »ach einem neuen Spiegel, weil sein alter über der Kommöde beim Umzug in Trümmer gegangen war. Er findet schließlich«inen, dessen Form ihm zu- logt und erkundigt sich nach dem Preis. *) Zum 25. Todestag« Wilhelm Busche am 9. Jänner 1933. ,-r- WM-ii i r-TOTwm i-ji.--n ,|rrj| „Nanu, so teuer", bemäkelte er,„der Spiegß ist doch nicht mehr neu." „Na, wenn Si« nur mal reinschauen, deswegen ist er immer noch neu", erwidert di« schlagseriigi Berkäuftrin und der entwaffnet« Busch zahlt nut den geforderten Preis. Honorarerhöhung. Eine Münchenex humoristische Zeitschrift leiste^ cs sich einmal, Buschs Bitte nach Honorarerhähum nicht zu entsprechen. Sie tat cs mit der Motivieruiw daß über den laufenden Etat bereits bis Iahreseud disponiert sei. In den xgchstcn Wochen bl« Buschs regelmäßiger Beitrag aus. Anfrage an Bus« warum»r nichts geschickt habe? Antwort postwendend: Ach wissen Sie, ich bck bis Jahresende indisponiert. Teilnahme. Oft hat Busch ein kleines Erlebnis mit ein<>f Münchener Jungen erzählt, dem er einer Tages an der Maximllianbrücke begegnet«. Der Junge heul» gottserbärmlich! ,Mas ist dir denn passiert?" fragt ihn Bus» teilnehmend. Der Junge erzählt heulend, daß ihm ein bös« Bub seine Stulle in die Isar geworfen habe. „Wieso', ereiferte sich Busch,„mit Absicht?" 1 „Nein", flennte der Junge,„mit Marmelatzcf Busch und die Aerzte. Busch war im allgemeinen etwas mißttaiui» gegen Aerzte.' Einmal gefragt, worauf das beruh! dachte er»ach und sagte dann:„Wissen Si«, ist em Einbrecher lieber als ein Arzt. Wenn kck Einbrecher dagcwesen ist, dann weiß ich, was nrö fehlt, wen« der Arzt dagewesen ist, dann weiß:ckj nicht." RHttuniiiuimHiHimiiUHiH«iimumiiiHiHinimfliiHiinHUiHiniinnuiiHiinnHniiuiiiniiiiiiuninniiNHnMtHJHmHHiimuiiiiHn!iHumnimnim»ttHinHniiniinniHHnuH< täs sch eis sch räl sie ru sic go W sch ast un ohs wi bei ml «e La l:ck Ati ort ein UN iÄ all mr ger ke:: au ah rrg teil we ihr gei ter To sai du gef Fr er> in sch Er ha S M au Ss Bi na ich NX Ml ift G' ne° ur D'- in «r K, di rh f«' sei l ih te di I B sck S lr I ei> I H bi ft B B ke- st I ei| ki I v Nr. 8 Dienktag, 1V. JSmrer 1988 Seite 8 Heiteres Sensation in Italien. Der italienisch« Zirkus Tpazedon: kam nach Rom. Seine Hai>ptattraktion:„Pferde in ftreiheir dressiert." Der Kenner knurrte:„Tas ist doch nichts Be- 'anderes: In Freihei: dressierte Pferde!" Ter it:a- licner flüsterte:„Nicht? Im heutigen Italien?" Di« Vorsichtige. Ein Student bittet ein Münchener Mädel, mit ihm auf sein Zimmer zu kommen. Sie willig: ein unter der Bedingung, daß er'noch eine.Dierielsllinde auf sie einreden und sie schließlich mit Gemalt am Arme di« T«ppc hinauf,erren müsse. Sparer.fragt er nach der Bedeutung ihres sonderbaren Wunsches und erhält die Erklärung:„Woaßt, wenn i zum Beichten geh, nach« sag i, ma hat mi'zwungcn!" Genossen r««-gesetzt für! Sie Bervrertung unterer Zeitung agitiere» Setzt euch überall für unser« Parieipresse eit». I« vas»ein Sed Arbeiter- getzSrt Nie Arbeiterpresse. Darum, «euosseuu.lüeaossiunen« AMMMMMWVWMMMMMMMM Tonha, der Scharlatan. Von Klara Blum. Tonika- erste Erinnerung war ein Luxus- tvagen, dem sie verwahrlost und schmutzig mit zappelnden Kinderfüßen nachlief. So war sie aufgewachsen: in den engen grauen Gaffen einer polnischen Kleinstadt, grenzenlos häßlichen Gaffen mit schönen weichklingenden Namen. Im Mittelpunkt ihrer Kindheit stand breit und aufgeregt ihre Mutter, sehr früh schon durchschaut und verlacht, der erste Gegenstand von Tonkas später so blendender Spottlust. Aber diese arme lärrnende Kleinbürgerin, die scheinbar so wehrlos ihren intelligenten Kindern ausgeliefert war, beherrschte in Wirklichkeit Tonkas Leben und Werden unabwendbar durch die Kraft ihrer Beschränktheit, ihrer verspotteten Beredsamkeit, mit der sie ihr bestimmt« Richtlinien und Ziele eintönig und eindeutig einhämmerte. Sie hatten entfernte Verwandte im Städtchen, eine reiche Familie,, mit der sich di« Phantasie der sorgengeplagten Frau fortwährend beschäftigt«. Sie erzählte von diesen Leuten, die sie eigentlich nur indirekt kannte, unaufhörlich Geschichten, Gesellschaftstratsch, Heiratsaffären, erzählte sie, m.t lästiger Beharrlichkeit beim Aufstehen, beim Effen, beim Schlafengehen. Sie berichtete genau und in allen Einzelheiten schwelgend über Einkäufe und Anschaffungen der Leute, sie ließ die Worte.„Plüschvorhänge" und„Mahagonimöbel" auf ihrer Zunge zerschmelzen.. Ihr Wortschwall richtete sich ebenso suggestiv und nur scheinbar erfolglos, auf ToUkas Bruder, einen asketisch schöllen Jungen von sanftem Hochmut und vcrgrubelter Schweigsamkeit. Tagtäglich und ohne sich um den Spott der beiden zu kümmern, wiederholte sie:„Staschek muß em Doktor werden, Tonka muß reich heiraten." In Tonkas Phantast« entstand ein« seltsam mystische Vorstellung des behaglich«», unfehlbar gesicherten Großbürgertum-, eine Art gelobtes Land in fernen Höhen, Kampfpreis nur der wirklich Tüchtigen. Es gab eine besondere Art des Aufstieges für Staschek, den Jungen, und eine andere für sie- das Mädchen. So war die Welt eingeteilt. Als ich Tonka kennen lernte, war sie drei- undzivanzig Jahre alt, eine voll«, dunkle, geschmeidige Polin. In ollen Kreisen bekannt, in allen Berufen erprobt, von eurer zerfahrenen Anmut und einer heunlich eisernen, vollkommen geräuschlos: funktionierenden Energie. Es gab kein Gebiet,, auf dem sie sich mehr als oberflächlich auskannte, keine Idee, die ihr wirklich tief ging, aber auch kein Gespräch, an dem sie sich nicht mu irgendeiner hübsch pointierten Bemerkung beteiligen konnte, keinen Menschen, der sich nicht, wenn si« es wollte, bis zur Berauschung gut von ihr verstanden fühlte. Sie war zuerst als Klaviervirtuosin aufgetreten. Mit einem netten Erfolg und ermunternden Zeitunaskritiken. Dann hatte sie eines Tages ganz zufällig im Auftrag eines gemeinsamen Bekannten einen Theaterregiffeur, der durch seine Unzulänglichkeit berüchtigt tvar, ausgesucht, um ihn um Freikarten zu bitten. Ihr« Freunde, die sie vor der Tür des Gefürchteten erwarteten, sahen sie sprachlos vor Erstaunen in seiner Begleitung herauskommen und mit bescheidener Liebenswürdigkeit seine respektvoll«» Engagementsvorschläge anhörett.—„Tonka, was hast du ihm dort drinnen erzählt?" Sie zuckte die Schultern:„Hochgestapelt hab' ich."— Einen Monat lang trat si« allabendlich in der Revue auf. In einer kleinen dezenten, aber effektvollen Sprechrolle. Dann wechselt« sie wieder ihren Beruf, wurde Agentin einer Wäschefirma. Sie nahm mit verblüffender Auffaffungsgabe an den schwierigsten geschäftlichen Konferenz» teil, si« war bei allen möglichen dunklen Transaktionen mit dabei, sie hatte, wenn man sie tras, immer irgendeine verdächtige Aeroplanfahrt über die Grenze vor. Ihr Leben war farbig, ihr« Unternehmungen kühn, ihre Interessen immer aktuell und anpassungsfähig. In allem war sie begabte Dilettantin in einem nur vollendet« Meisterin: in der Kunst der Menschenbehandlung. Sie hatte große, einschmeichelnde Augen von reizvoller Kurzsichtigkeit, ein« Art zu grüßen, die sich jedem diskret, aber dringlich in Erinnerung brachte, eine rhythmische Gewandtheit, eine perlend« Schlagfertigkeit. Sie hatte nie genug Geld, um sich selbst die Kasfeehauszeche zu zahlen, aber sie lud ihre reichen Bekannten auf Logenplätze ins Theater ein und trug immer die elegantesten Kleider, die sie teils geliehen, teils zu Reklamezwecken zur Verfügung gestellt bekam. Sie flirtete vorbildlich schön, mit einer vollkommenen Beherrschung der Situation, sie markierte je noch Bedarf di« Intellektuelle..di« Naive oder die Lasterhaft«, sie balan- eierte sich mit den Parolen und Methoden deS Halbjungfraucntums durch zahllos« Abenteuer hindurch. Denn unsichtbar, aber alleinherrschend stand hinter diesem ihrem ganzen buntschillernden Bagabundenleben der unerschütterliche Will« zur Bürgerlichkeir. Kein künstlerischer, kein geschäftlicher und kein erotischer Erfolg konnte'o sehr ihre angr- > spannte Energie auf sich lenken, wie die kleinste, entfernteste Heiralschauce. Tann ließ sie ihre ! kühnsten Unternehmungen, ihre inrereffantcsten ! Günstling« beiseite und konzentriert« ihre ganze und Vas Elend tanzt. Weiter und weiter schreitet die Verelendung des Boltes. In den Großstädten liegt sie nackt zu Tage. Da kann man das Elend sehen, ohne falsch« Scham preisgeboten, gilt es doch immer noch, das'bißchen Leben zu fristen. * Es klingelt. So hat es schon ein halbes dutzendmal geklingelt. Die Frau öffnet. Aber. re hat im Dämmer von Mur und Treppenhaus mit tiefem Erschrecken rasch die Tür wird«. * In einem anderen Stadtteil sieht man aus der Straße drei jung« Leute. Sie musizieren. Wie sie's tun, das Mttß matt schon- irgendwo gehört.haben. Es'IM die'drei ertpachscnen Söhn« einer Beamtenfamilie. Alle drei arbeitslos, ausgesteuert. Die Vertierten. Was Mationalfos aliften öfter den AaU HentfeH fase«,„Oluf den einen kommt es nitftt an./ XDanfterang Burd)* TRmrftgeftiet Sine Kreisin tanzt auf der Straße. Mit Tanzvorsüßrungen und Grammophomnosik versucht ste ein paar Groschen zu verdienen— ein erschütterndes Bild., zugemocht. Der draußen mit so bekannt fremdartigem Tonfall Waschseife zum Verkauf anbot, war ein Bekannter,«in guter Bekannter! Sie begegneten einander öfter, ohne daß der andere, der einst bessere Tage gesehen hott«, seine Not offenbart hätte. Vielleicht hat er den Kopf geschüttelt?... Vielleicht aber hat er auch nach dem Namenschild gesehen?... Hat sie ihm eine für ihn peinliche Begegnung erspart? Prolctarisierte Bürger! macht haben... Endlos der Zug: Landwirte... Arbeiter ... jung« Leut«... Frauen, Mädchen, SA- Bräute— ein unsichtbarer Magnet zieht all« an. Ein Nazi, der mit dem Kainszeichen seiner Partei vorübergeht und den Mordort keines Blickes würdigt, wird vbn zwei Frauen mittleren Alters fast tätlich angegriffen.„Mörder!" rufen si« gellend, und der Schrei hallt weit in die Berge Der entgangen« Verdienst. Der May«, der den Leichnam fand der Polizei Mitteilung Macht«, heißt Lotze,«r stammt aus Paülsdorf. Man hat ihn hier nicht wenig Borwürfe gemacht:„Du dummes Luder, Du brauchtest di« Sache doch nicht der Polizei zu melden. Hättest der SA. Mitteilung machen müssen, dann hättest Du mehr verdient. 2000 Mark mindestens!"? Wer noch die Geig« ober andere Jnstru-' ment« besitzt, wer noch mit etwas Seife treppauf, treppab über die Straße handeln kann... wie gut ist der noch dran gegen di« völlig Mittellosen! Ter Bauchladen von enrst wirkt wohlhabend gegenüber dem Westentaschenladen oder der Hosentaschetverkaufsstell«, aus der.heute auf der Straße Schnürsenkel, Gummiband, Streichhölzer angeboten wird. Sogar der älteste, quälendste Leierkasten, den man bei irgend einem der bekannten Verleiher der Bettlerbörse für einen Tag erstanden hat, gibt doppelte, dreifache Aussicht, in diesem Daseinskampf des Mtags noch wieder einen Tag zu gewinnen gegenüber den Hofsängern. - In das Tragisch« mischt sich auch hier das grotesk Furchtbare eines ganzen Lebensschicksals. Menschen, die wirklich in ihrer Berufstätigkeit als Musiker, als Kaborettsänger nsw. einmal gut Durchschnittliches geleistet haben, müssen durch diese tägliche Fron in ihren Leistungen sich selbst immer weiter herabsetzen. Wer weiß, ob nicht diese Alte, die da hoch auf der Straß« zu ihrem Grammophongeleier ihre Tanzschule durckzumacken versucht,«inst wirklich gefeiert« Erfolge in einer Variewtruppe, in einem Ka- barett-Ensemble niitgenomwen, miteingdheimst hat?.\. Tas Elend ist nicht allein niehr hinter^ enge düstere Wände der Notqnortier« in unseren GroßstAüen verborgen. Es steht täglich vor den noch Satten und Beschäftigten in diesen: Ge- fpenstertanz der Elendsgestaltcn auf unseren Großstadtstraßen. Ein Nazi im„Casä Schwarze":„Der Fall Hentsch ist freilich unangenehm für uns. Der Schenk und die anderen haben«s zu dämlich angefangen. Die dummen Hunde mußten den Hentsch«in di« Vorsperre schmeißen. Dort wäre er völlig im Schlamm versunken und nie wieder zum Vorschein gekommen!", Am Fundort... Den Fundort der in Säcke eingehüllten Leiche passiert«in endloser Zug von Menschen. Alle schauen über das Brückengeländer hinunter auf das zerbrochen« Eis der Talsperre. Eine alte Frau wischt sich mit ihrer blauen Schürze über das runzelig« Gesicht. Si« hat Tranen für einen fremden Menschen, für eine fremde Mutter. Dann kommt am Stock langsam ein Mann daher... in seinem Antlitz, daS tief di« Spuren eines schweren Lobens trä^ zuckt Empörung, als er hinabsieht. Er ist Schwerkriegsbeschädigter. Sein Sohn SA-Mann. Die Leute fragen den Alten:„Warum geht er nicht da raus?" Der Alt« antwortet:„Mein Sohn will schon, aber«r sagt: Vater, mir geht es dann vielleicht gar wie dem Hentsch. Trete ich aus der SA. aus, so heißt's, ich bin ein Spitzel und Verräter. Laß mich jetzt noch drinn. Wenn ««wählt wird, weiß ich,' was ich zu tun habe." Nnd dann erzählen die Leute, daß auch die Leichenfrau, die den ermordeten Hentsch abwusch und einsarate, zwei Söhne bei der SA. hat. Di« wird sich dabvi ihre Gedanken ge- wärts kommen konnte wie ein Mann, und daß sie es als modern? Frau doch nicht nötig hgbe, den Weg der Frau von gestern zu gehen. Es half nichts. Irgendwo fern in der hellen Früh» Sommernacht glänzt« Tonkas Lächeln.. Ich sollt« nicht glauben, daß sie zu den großen Ideen unserer Zeit keine Beziehung hätte. Alles Neue war schön und sensationell, aber verlassen durfte man sich nur auf das Alte. Man konnte darüber Witze machen, konnte es rückständig und langweilig finden, aber man nrußte wissen, daß es die Sicherheit war, einzig erprobte, solide Sicherheit. Aus der ersten tastenden Orientierung der Knidheit zogen sich die eisernen Stränge dieser Richtlinien durch ihr Leben: schlau sein, ichmeich- lerisch sein, viele Menschen kennen, viel gesehen und gehört werden, unberührt bleiben,„Tonka muß reich. heiraten", Bürgertum, breite, gutein- gefettet« Sicherheit, Plüschvorhänge, solide Maha- gonimöbel, unsehlbarkeit. Gläsern dämmerte der Morgen. Erst im Jahre 1926 sah ich Tonka wieder. Da tvar sie seit zwei Jahren Stenotypistin in einem Berliner Betrieb. Ihr Mann hatte in der Inflation sein Vermögen verloren, sie waren geschieden. Ich wußte, daß sie damals«inen Selbstmordversuch gemacht hatte. Sie sprach darüber mit guter Haltung und sanfter Klugheit. Nicht dir kurze Qual ihrer Ehe, nicht di« Angst vor der materiellen Enge und Not, der si«, kaum ihr entronnen, nun von neuem verfallen war, waren, die Ursache gewesen, sondern einzig und allein ein wahnsinniges Schwindelgefühl por dem Hexen? sabbat des Paviergeldes, vor dem Zusammenbruch der solidesten Firmen rings um sie herum, vor dem gespenstischen Wachsen der Zahlen, Schrumpfen t«r Werte. Sie hatte geglaubt, daß es ein« ab'olute Sicherheit gab, irgendwo in schwer erreichbaren Klaffenhöhen, in alt erprobten Traditionen. Sie hatte ihr ganzes irrlichtern- des Vagabundenleben auf dem heimlich frommen Spießcrglauben an diese absolute Sicherheit aufgebaut u»id plötzlich tatsachenhart erkannt, daß es diese Sicherheit längst nicht mehr gab. daß si« sich auf eine alte, nrorich«, krisendurchrüttelt« Welt verlassen hatte. Sie vertraute mir leise an, daß auch die Firma, bei der si« angestellt war> vor dem Krach' stand. Ich wußte nicht, ob sie aus ihrer alten scharfen Beobachtungsgabe heraus sprach oder bereits aus einer fixen Idee. Sie tvar sehr ruhig geworden, ein wenig stumpf, fast geschlechtslos. Die kurze Zeit ihrer Che hatte ihr einen eiskalten Ekel vor ihrer Weiblichkeit beigebracht. Sie sprach mit mir über Streiks und Frauenversammlungen, sprach still, vernünftig und kraftlos. Sie konnte nicht mehr den Weg zu ihren Klaffengenoffen zurückfinden. Tonka. der klein« Scharlatan, war einem großen Scharlatan zum Opfer gefallen, eitlem morschen, versinkenden Zeitalter, das sie mit seinen Traditionen und Verheißungen aus den grauen und geschloffenen Reihen der Kommenden herauHgelockt hatte, uni sie für immer unschädlich zu machen. Freiberg(Sachfen), 6. Jän.(Eig.-Ber.) ... Wir wandern von Klingenberg über die kille Beerwalder Mühle, Reichstädt nach Dip poldiswalde. Dann besuchten wir die Stell« in der Malter-Talsperre, in die„braune Kame raden" ihren langjährigen Mitkämpfer versenk ten, pilgerten über Paülsdorf, Paulshain und Ruppendorf wiede-r nach der Bahnlinie Dres den—Chemnitz zurück. Wir sprachen mit Men- chen aller Schichten. Di« Sozialisten in der ganzen Umgebung haben die Initiative in der Aufklärung deS verabscheuungswürdigen Ver brechens an sich gerissen. Auch die Jndifke- renten verurteilen den Mord aufs schärfste. Die Nationalsozialisten bejahen di« grauenhafte Tat. Mcht ein einziges Mal bezeugt einer von ihnen auch nur das geringste Mitleid. So kommt es, daß alle anstärckngen Menschen von ihnen abrücken. Bürgerliche Kreise dieses Gebiets ind in weitem Maß« für die Partei der Feme mörder verloren. „Man müßt««s ebenso machen—!" Klingenberg. Morgenrot glüht über den Waldbergen im Südosten auf. Felder, Wiesen und Waldstücke sind mit rotbraunem Leuchten überhangen. Grüner Winter liegt über dem Land. Er hatte mit» seiner Schnee- und Was serarmut zur Folge, daß man di« Leiche des von der braunen Feme hingeschlachteten SA- Manns Hentsch aus Dresden in der Talsperre Malter zeitiger fand, als es di« Mörder ver muteten. Ein einfacher Mann mit einem Handwagen —«r will Reisig aus dem Walde holen— begleitet uns ein Stück Weges. Seine Meinung über diesen Fememord konzentriert sich in der drastischen Aeußerung:„Mit den Mördern müßte man es ebenso machen!" Holzfuhr- leu>te an der Klingentaler Talsperre erklärten: „Weist Hitler und alle Mordhetzer seines Schla ges aus Deutschland aus— und es gibt keine Fememorde mehr!" „Das rot« Gelump«'." In Dippoldiswalde gehen wir in einige nationalsozialistisch« Berkehrslokal«. In„Stadt Dresden" sagt«in Nazi:„Na, gestern abends waren im Schützenhaus die roten Lumpen und Bonzen mal alle beieinander. Es soll sehr voll gewesen sein; 1300 Menschen waren da. Aber dieses rote Gelumpe— das sind ja gar keine Menschen!" nniininniiiiiiiiiniinniiiiiiiiiiiiiinHniinni, nflnniRiniiiiHHnniinRiiiitiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiniiiiiiiiitnniuiHNnHiiinitniNniHiiHiiiiiiiiHiininiiiiiuninnHinniutniiinninifliniDnnninnntni)inniiiitiiiii Aufmerksamkeit auf diesen Weg inS Bürgertum, den ihr die oft verlachte und ewig zwingend« Muikerstimme als den einzig für sie" gangbaren vorgezeichnet hatte. Reich gewordene Kaufleute Von breiter Gewöhnlichkeit» ältlich«, durch ruhig«» Besitz stumpf geworden« Männer, Männer, die ihr grenzenlos mißfielen, konnten sie in jagende Erregung versetzen, wenn nur der verklärende Glanz legitimer Absichten von ihnen aukging. Bor diesen Männern verlor Tonka sogar oft ihre sonst so unfehlbare gesellschaftlich« Gewandt heit, di« blitzende Schlagfertigkeit, mit der sie den gefährlichsten Lebemännern gegenüber wachsam uich überlegen blieb. Größer als alles war ihr die Wichtigkeit solcher Entscheidungen, krasser, plumper trat in solchen Augenblicken der Inhalt ihres Lebens hervor, ihre bunt maskiert« Jagd nach der herrschenden Klaffe. Einmal sprachen wir stundenlang mitein ander, Tonka und ich, in einer kleinen russischen Gesellschaft, in einer schimmernd wachen, über wachen Frühsommernacht des Jahres 1923. Man trieb in diesem Kreise mit besonderer Vorliebe das große Modelaster der Selbstanalysen, und Tonka, die ich bisher immer so kindisch bestaunt und beneidet hatte, Tonka, in ihrer geschmeidigen Anpassungsfähigkeit und in ihrem haltlosen An passungszwang, machte natürlich mit. Halblaut, in eine Teppichecke gekauert, erzählte sie mir von ihrer Kindheit, ihrer Mutter, ihrer Jagd nach dem Luxuswagen. Bor einigen Wochen tvar sie als Stenotypistin in einen großen Betrieb ein getreten, hatte bereits planmäßig das gesamte Personal vom Chef bis zum Laufburschen zu ihren begeisterten Anhängern gemacht. Und nun war in ihrem Leben eine Serie von Siegertagen, von reicher Beute fortwährender Erfolge. Drei Möglichkeiten des Aufstiegs lagen nun vor ihr, niachten sie benommen durch ihr« schwindeltide Gleichzeitigkeit. Erstens: sie sollte in ihrem Be trieb die Leitung der Korrespondenzabteilung übernehmen. Zweitens: ein mitteldeutsches Thea ter wollte sie für die kommende Saison verpflich ten. Drittens: ein Berliner Kaufmann, fünfzig jährig. kehr Wohlhabeick), hatte ihr gestern einen Heiratsantrag gemacht. Sie erzählte«s und mit der fiebernden und verspielten Aufrichtigkeit, die das Gesetz dieser Nacht war, fügte sie hinzu, daß sie mir das alles eigentlich nur aus Prahlsucht erzähle, und nicht, wie ich vielleicht glaube, um sich Klarheit zu schaffen. Denn Klarheit hatte si« längst. Mr sie war es ein« Selbstverständlichkeit, daß sie heiraten würde. Und dann begannen wir, übenvach und wort berauscht, endlos aneinander Vorbeizureden. Es half nichts, daß ich ihr stottern- und eifrig ein Durcheinander von Frauenbatvegung und Sozia lismus vorbrachte. Bruchstücke von Theorien, die mir selbst noch neu und im Grunde unverständ lich waren und an di« ich mich doch angstvoll und inbrünstig anklammerte. Es half nichts, daß ich ihr beinahe weinend klarzumachen versuchte, daß sie doch erwiesenermaßen auf dkefelb« Art vor- Sette S Dienstag, 10. Jänner 1933 Nr. 8 PRAGER ZEITUNG. HunbSwutverdacht. Am 26. Dezember 1932 abends machten sich in der Wohnung eine- Geschäft s- manneS R. W. in. S t r a sch n i tz bei dem mütel- großen schwarzen Radler mit braunen Rassemerkmalen und mit kupiertem Schwanz und Ohren Anzeichen bemerkbar, nach denen der Hund al- Wut- verdächiig angesehen werden muß. Der Besitzer ließ de» Hund auf Pie Straß«, wo er daun mit einem Maulkorb versehen wurde. Der Hund beruhigte sich zeitweise, die Anfälle wiederholten sich aber immer Mieder. Tag- darauf entlief der Hund und ist bisher noch nicht zurückgekehrt. Des Hunde- hatte sich der letzte Besitzer im Souimer auf der Straße angenommen, wo das Tier herrenlos herumlief. Mit Ieiner Marke war der Hund nicht versehen. Der Magistrat der Hauptstadt Prag richtet an das Publikum, da- zu dem Falle nähere Angaben machen könnte(besonder- darüber, ob dieser Huiw nicht Leute ^gebissen hat, oder ob er nicht in der letzte» Zeit mit wanderen fremden Hunden oder Katzen in Berührung kam), die Aufforderung, dies auf der Polizeiwachstub« in Sfraschnitz oder bei dem dortigen Gemeindeamt zu.melden. Der erst« Skifahrer-Sonderzug der Staatsbahndirektion in Prag, der am Sonntag, den 8. Jänner, nach Rokitnitzi« Adlergebirge abgefertigt wurde, hatte vollen Erfosg. Die Teilnehmer waren überrascht von dem schönen Schnee, der Skitouren ermöglicht«. Der Sonderzug wird am kommenden Samstag, den 14. Jänner, zum Preis« von 98 K einschließlich Fahrgeld und Verpflegung wiederholt werden. Abfahrt von Prag-Denisbahnhof um 14 Uhr 30. ^Anmeldung mit einem Angeld von 20 L bei der Kassa Nr. 13 auf dem Masarykbahnhof. Geriditssaal Arbeitslose Jugend— und di« Justiz. Prag, 9. Jänner. Der Gerichtsaufseher führt einen Trupp von etwa zehn bis zwölf Arrestanten zur Verhandlung. Keine große Sache. Lauter Anklagen nach dem. V agab u nde»g«f« tz Die Gerichlchsaaltibitze rümpfen di« Nase. Solche lkälle versprechen kein« Unterhaltung. Gewiß nicht! Aber sehen wir uns diese Leute einmal.etwas näher an! Mit Entsetzen stellen wir fest, daß der weitaus größte Teil dieser„Delinquen- !«u" au- ganz jungen Burschen besteht. Aus jBüvschlein, di« wir dem Augenschein nach auf 17 bis höchstens 19 Jahve schätzen würden. Zum Teil haben wir freilich daneben geschätzt. Manche sind»nur" degeneriert, ,,n u r" durch jahrelangen Hungern» der natürlichen Entwicklung zurückgeblieben. Ader die »»eisten sind WittlichI»rge stv l i ch«/.«btn knapp über der Altersgrenze, unterhalb welcher-das Jugendgericht zuständig ist, mit seinen besonderen Strafsätzen und seinen besonderen richterlichen Freiheiten, die es dem Richter möglich machen, sich den besonderen Umständen des Falles anzupassen und so im besten Sinn« des Wortes„Recht zu sprechen". Diese hier sind aber durchaus„strafwürdig', d. h. der gesetzlichen„Wohltat der Strafe" wert. Der jugendliche Bczirksrichtcr hält während des Verhöres die Hände vor das Gesicht. Vielleicht ist er von den vorhergehenden vielen Verhandlungen ermüdet. Vielleicht denkt er auch über di« Beschaffenheit einer Rechts- und G es« lisch a f t s o rd- »NNg»ach, die ihn zwingt, hier über diese Jungen im Sinne eines Paragraphen abzuurteilen, der in der heutigen Zeit des namenlosen Weltelends wie ein fürchterlich e r Hohn aUf die w a h r e n Tatsachen klingt. Der Richter aber steht unter dem Tatbestand. Seine Aufgabe besteht darin, das ein- Die Gasse des Todes. Der Eö’rer Judeno öro n In der Karwodie des Jahres I3S0. (Nachdruck verboten.) Eger: man logt das Wort und denkt an Walle n st e i n, man besteht sich das Zimmer deS Stadthauses, in welchem der Friedländer ermordet worden ist, verharrt vor der Marmortasel an jenen,.tzauS, in welchem Schiller gearbeitet, läßt sich erklären, daß das große Postamtsgebäudc im unteren Teile des Marktplatzes das klein« Gasthaus verdrängt hat, in welchem Goethe aus feinen Fahrten Einkehr gehalten, man bewundert die romantische Ruine der Kaiserburg des „Schwären Turms", ja, ist schließlich auch von den äußeren Reizen dieser nürnbergisch anmuteN- den Stadt io sehr erfaßt, daß man eine kleine Wanderung über ein Pflaster unternimm:, das ebenso alt ist wie di« iuteressant«.„Stöckl" benannt« Häulerqruppc aus dem Marktplatz, die al- reizvolles Motiv neben den Amatcurphotographen di« Eger Passicreichen Malcrsleute zu begeisterter ^Entfaltung ihres Könnens veranlaßt. * Schlendert der Besucher von dem idyllischen i„Stöckl" an dein großen Gebäude vorbei, dem das Goethesche Einkehrgasthaus„Zur alten Post" Hot weichen müssen, und ist er etliche hundert Schritte gegangen, so sieht er sich in der I u d e n g a s s e unvermittelt vor einem schmalen, dunklen Gang der zwischen verwitterten, grauen.Häusern ichwarz ihm entgcgengähnt, einem eirgen Schachte gleich. Es ist dies die„Mordgasse" Egers(„Mord- gaßl" sagen-ie Egerer), welche di« Judengasie niit geklagte Delikt nach de» Tatbestand-merk» m a l« n festzustellen Nicht- anderes. Run also— oll« dies« Junge» da sind„ohne dauernd» Beschäftigung", sie haben„k«i n« n st ä n d i- grn Wohnsitz". Das R^'ultat ist sonnenklar: sie sind„schuldig" im Sinne des Bagabundengesetzes. Wieviel solcher Urteile ergehen täglich in der Republik? Wieviel« schuldloser junger Menschen werde» da deren Namen in die Gesellschaft alter Gauner geworfen?' Und wie wird«in« solche Jugend reagieren? Es wär« hoch', schr hoch an der Zeit, daß man sich an berufener Stelle«Mich einmal über diese Fragen klar würde. rb. S. JL I. Mittwoch, um acht Uhr abends in unserem Heim am Füguerplatz Ge«eralverfamm«u»g mit Neuwahlen. vollzählige- und pünktliches Erscheinen ist Pflicht aller Mitglieder. Die Ortsgruppe«leituug. Kunst und Wissen Arbeitervorstellung. Mozarts„F i g a r o s H o ch- z«i t" erfüllt auch bei wiederholter Aufführung als Arbeitervorstellung seine volksbildnerrsche und erbauende Ausgabe;, denn sie. ist noch immer unübertroffenes Musterbeispiel der Herz und Sinn erfrischenden, unbeschwert heiteren' öpera buffa. ES war nur zu bedauern, daß di« sonntägige Aufführung des Werkes nicht auch im reproduktiven Sinne mustergültig war. Sie erweckte den Eindruck der Lustlosigkeit, teilweise sogar Gleichgültigkeit, als ob für das Arbeiierpwblikum alles gut und recht wäre. Musikalische Unsauberkeiten und Unsicherheiten im Orchester und auf der Bühne erbrachten den Beweis, daß der Dirigentenwechsel»richt eben«in Vorteil ist. Es bleibt auch sonst unverständlich, daß Max Rudolf dirigieren mußte, die Georg Szöll einstudiert und bisher betreut chat, Auch szenisch glaubt« man, dem Acbeiterpublikum die- und da- vorzuenthalten berechtigt zu sein. Unter den mitwirkenden Sängerinnen und Sängern lösten ihre Aufgaben im Sinne Mozavts und ihrer Rollen nur Frl. Käthe Walter(Susanne), Herr Hagen «Graf) und Herr Hölzli»(Figaro) vollkommen. Und wie oft noch werden wir di« Derckmalschändung am Stile und Werke Mozart- feststrlle» müssen, daß Sänger und Dirigenten di« Appoggiatur verleugnen? Al- Gräfin hörte man,diesmal Frau Merkpr. dk« aber— namentlich in ihren erste» Auftritten— einen sehr unsicheren Eindruck machte. Da- Theater wär gut besucht, leider über nicht ausverkauft E. J. „Di« blinde Göttin"(Erstaufführung) von Ernst Toller, dem Autor von„Hinkemann",„Maschinenstürmer" und„Hopla, wir. leben'. Regie: Lieb!. Sonntag, halb acht Uhr. Ein Operntheater für Kinder. In Leningrad wurde eine Kinder-Oper eröffnet. Das Thea- ter faßt 1200 Zuschauer. Als erst« Kindervorstellung wurde di« Oper„Weih nachts nacht" von Rimski-Korsakow aufgeführt.- Die Vorstellungen im Kindertheater beginnen um 13 Uhr und endigen spätestens um 22 Uhr. Wochenspielplan des Reue» Deutschen Theater-. Dienstag, 8 Uhr:„Salome"(AI).— Mittwoch, halb 8 Uhr:„®or Sonnenuntergang" (B. 2).— Donnerstag, 8 Uhr:„Salome"(C. 2). — Freitag, 8 Uhr:„Hokuspokus"(D. 2)._— SamStag, halb 8 Uhr:„Hoffmanns Erzählungen"(A. 1). der parallel laufenden, sogenannten Bindergaste verbindet. Zögernd nur setzt-er Fremde den Fuß mf das durey eine Wasterrinne in zwei Hälften geteilte Katzenkopfpflaster des kaum einen Meter breiten Gäßchens, in das fast kein Lichtstrahl des Himmels zu dringen vermag. Er geht einige wenige Schritte— und ist da. wo sich vor fast 'echshundert Jahren die erschütternde Tragödie der Egerer Auoenschaft abgespielt hat, er schreitet über di« gleichen Stein«, di« Vom Blut verzweifelter, einer entfesselten Horde wehrlos ausgelieferker Menschen iiberfloffen worden sind... W Es ist nicht viel zuverlässiges Material über die Vorgänge jenes Gründonnerstags in der Karwoche des JachreS 1350 erhalten aber auch daS Wenige, das sich geschichtlich nachweisen läßt, ist noch furchtbar genug: es war nicht allein di« Predigt eines Äinoritenpriesters in der(heutigen) Egerer Franziskanerkirche über den Dlartertod Jesu Christi, als deffen Urheber die Juden hingc- stellt wurden, es war auch lange aufgespeicherter Haß gegen-ie etwa 2500 Köpfe zählende, erfolgreich Handel treibende Egerer Judenschaft, der zu jen«m grauenvollen Blutbad« führte, das den engen Verbindungsweg zwischen Juden- und Bin- dergasfe zur Mordgaste gemacht hat. In dieser denkwürdigen Gründonnerstagpredigt hat ein unter den Zuhörern befindlicher Landsknecht in einem Anfall religiösen Wahnsinns das Kreuz vom Altar geristen uitd. anknüpfend an die au»- veitschenden Worte des Predigers, die zahlreich Veriammelten ausgefordert, die Leiden Christi an den Juden zu rächen indem er, das Kruzifix über dem Kopfe schwingend, schrie:„Wer em wahrer Christ ist, der helfe mir dos unschuldige Blut Wochenspielpla» der Kleine» Bühne. Dienstag. 8 Uhr:„Der Geisterzug."— Mittwoch, 8 Uhr: ^Bargeld lacht."^(BankbeamtenII.)— Donnerstag, halb 8 Uhr:„Ein Held gesucht"(Erst- anfführung).— Freitag, 8 Uhr: ,-SusannenS Geheimnis",„Rosenkavalier-Walzer", rüderlein fein"(KultwrverHandsfreunde). — SamStag, 8 Uhr:„Ein Held gesucht." MN- Ml* Körperpnene Oesterreich schlägt Ungar« 3:1(1:0) Das am Sonntag in Wien ausgetragene Rückspiel der beiden Ländermannschaften endet« mit dem Siege der Oestermicher, die nun mit fünf Punkten und einem Torverhältnis von 8:5 aus drei Spielen in der EuropaHußballmeistepschaft vor Deutschland in Führung liegen, das aus drei Spielen vier Punkte und ein Torverhältnis von 8:2 erzielte. Näheres berichten wir über daS Spiel in um'erer nächsten Ausgabe. Bürgerlicher Sport. Um den Winterpokal der Profi. Sonntag spielten die Profis wieder,«ine Fortsetzung um den Win- terpokal. In finanzieller Hinsicht kommen die Veranstalter. nicht auf ihr« Rechnung, denn der Besuch von kaum 5000 Leuten ist für eine Doppeweränstal- tung herzlich schwach. Schwach deshalb, weil die Profis selbst dafür sorgen, daß der Besuch ausbleibt. Di« verschiedenen Exzesse und Krawall« sind nicht immer jedermann- Geschmack und di« ewigen Reprisen aus der Meisterschaft u. dgl. ebenfalls kein geeigneter Anziehungspunkt. Das Interesse konzen- triete sich diesen Sonntag auf Teplitzer FK—Slavia, die sich einen unentschiedenen Kampf von 2:2(1:1) lieferten. Slavia hatte. Glück;, Teplitz zeigt« sich von der angenehmen Seit«. Im zweiten Match schlug Sparta den SK. Liebe» hoch mit 8:1(2:^). Tschechoslowakisch« Prosiklubs im Ausland. SK. Kladno gewann in Malta gegen ein englische- Flottenteam mit 3:1(1: 0).— Viktoria LiLkov spielt« in Oran gegen eine Auswahlmannschaft 2: 2(0:0). — SK. Nachod remifierte am SamStag in St. Etienne 3:3<1:2) und gewann am Sonntag in Als gegen Olhmpiqu« 4:1(2:1). Fußball in der Provinz. Pilsen: Viktoria geg. Gaumanuschaft 4:2(1:2).— Karlsbad: KFK. gegen SK. Slgny 7:1(4:0).— Bodenbach: SMg. gegen Hvszda Turn 8:2(3:2). Eishockey.'Spindlermühle: LTC. Prag gegen EV Gablonz 10:0.— Kattowitz: Troppa uer EV. gegen Obe vschlesien 4:1.— Budapest: CB. Brandenburg-Berlin gegen BKE. 0:6(SamS- iag) und 0:3(Sonntag).;— Zürich: Kanada gegen Schweiz 8:2(2:0, 0:2, 3:0).— Paris: Massachusetts Rangers(Amerika) gegen Stade Franeais 2:.0<0:0, 2:0, 0:0). Aus der Partei Bezilksorgamsatiou Prag. Donnerstag, den 12. Jänner,/abends 8 Uhr, im Odborovy dum, Begetar- sia, Sitzung der Bezirksvertrotung. Jugendbewegung. Freie Bereinigung soz. Akademiker.— S. I. Heut« beginnen wieder di« beiden Seminare. Die dafür gemeldeten Genosten müffen daran teilnehmen.— Mittwoch, den 11. d., Gruppenabend, Genosse Dr. H. Hoffm ann:„DaS Prol«ta- riat als revolutionär« Klasse'. I. Kurs der Arbeitsgemeinschaft. Heut« abends 8 Uhr spricht rn der Gec. Genosse Goldschmidt über.Klaffen und Parteien in der 02R.'. H. Kurs der Arbeitsgemeinschaft. Heute abends sprich: Genoste Dr. F r a n z e l Wer.„Kulturpro- gramw der Sozialdemokratie". 20 Uhr. Studentenheim Odborovy dum. Rot« Falken, Prag. Leveller-Kameradschaft heut« 6 Uhr int Verein deutscher Arbeiter Singabend. Jesu zu rächen!" Die Menge nahm die Auffor, deruna mit johlender Begeisterung auf, bewaffnet« sich in kurzer Zeit und zog gegen das damalig« Egerer. Judenviertel, den heutigen Jo- hannesplätz. Wo die entfestelt« Menge eines judl- 'chen Mitbürgers habhaft werden konnte, tötete sie ihn; eine große.Anzahl der Unglücklichen wurden in eine Hille getrieben: in dos Mordgäßchen, in welchem sie unter den Streichen der Menge verbluteten. Es finden sich in den Egerer Chroniken keine zuverlässigen Angaben über di« Zahl der damals dem Gemetzel zum Opfer Gefallenen, aber sie dürfte sticht gering gewesen sein, denn in den Auszeichnungen einzelner Egerer Geschichtsschreiber ist nur von einem Juden, der sich zu retten vermochte, die Red«... * Mau schaudert auf dem kurzen Gang durch diese schmale, duickle Schlucht zwischen schlvarzgrau ausragenden Häuserwänden, und ntan atmet auf, wie von einem Alpdruck befreit, wenn sich uns nach Minuten wieder daS Helle, heiter« Bild deS Marktplatzes mit dem starken Fahrzeugverkehr, mit den Oebstlerinnen hinter primitiven Ständen, mit flutendem Sonnenlicht öffnet. Wie ein Gang durch Nacht mck> Grauen sind diese Paar hundert Schritte durch dre Todesgaffe von Eger gcwcsen, durch diese entsetzliche Menschenfall«, in welcher , ungezügelter Blutdurst und wahnwitzige Verhetzung sich an Unschuldigen ausgetobt hat in einem Zeitalter,, als deffen düsteres Symbol sich in Eger der schauerliche Graben zwffchen Judeit- 'inü Bindcrgaffe erhalten hat. ThimoteuS Till. MWWMWW^WWWWWWWWWWWWWWWWWWWW! Arbdter-Tuni- and Sportverein Prag Mittwoch, bta 1L Jänner, halb acht I Uhr abends, im Hotel„Monopol"(gegen- I über Ankunftsscite des Masarhk-Bahnhofes) j Mitgliederversammlung mit Vortrag des Genoste» Karl K«r«! über das Thema „Probleme der Jugend". Kommet alle und agitieret für einen zahl- 1 reichen Besuch! Gäste Willkomm«»! Vereinsnadiridtten Die Singgemeinde hält Freitag, den 13. Jänner, um 19 Uhr 15 in der Thpografitta Beseda eine t Ausschußsitzung ab. Anschließend Singstunde.i Der Film „Hochzeitsreise ju Tritt." Ein Film mit der j Brigitte Helm ist immer sensationell: seit man1 diese kalte Schönheit ihres Dampfiebers entkleidet 1 hat, geht es entschieden bester. Diesmal spielt fiel eine Halbvamprolle; sie liebt«inen Gutsbesitzer, ist' aber zu gleicher Zeit«in« berühmte Operetten- und i Filmdiva, also von Natur aus weniger auf Lieb«,» al- dj« Verführung, und das von Köpf bis Absatz eiiigeslelll. Ihr fällt aber der nett« Karstoeiß nichts zum Opfer:-denn er findet zu feinem und uwstr aller Glück in der kleinen Fahrkartenverkäufrrin. seinen Sr«rn; die kleine, schwarze Lanner spielt^ das reizend und ist gar nicht überrascht, daß ihr ber Herr Reich«, wie das nun schon einmal zu sei» Pflegt, gleich nach dem ersten Anblick ein Billett» erster nach Capri verehrt, ohne auch nur im ent-« ferntesten an etwa-„Unredliche-" zu denken'(wie| der Dialog verkündet). Sie tut das natürlich auchI nicht; wie sollte sie und er auch!- Mittlerweile filmt I di« Diva in Paris und di« beiden verlieben sich I zur Abwechslung inein- und durcheinander, wobei» OSear Sima als Hotelftifeur noch eine Rufputzrollr i zugewiesen erhält. Die böse Brigitte kommt und-» geht nach Hollywood wo doch solche gefährliche Per»? sonen unschädlich gnnacht und bezahlt zu werdend pflegen und nach noch einigen schönen CapriVilderst! brennt di« Kleine im Berkehrsbüro durch. Aber fies hat nicht mit dem Registeur gerechnet, der ihr den- braven Jungen' im Expreß»ich: nur nach-, sondern voranschickl. Registeur ist«in Herr Schmidt, der sich alt Kunstführer Joe May ausgesucht hak;, man- kommt daher auf fein« Ausstattungsrechnung und verläßt befriÄ>igt die Statt der Unkunst, wo wieder einmal nachgewiöseu ist, wie herrlich es doch um dar Armsein bsstellt ist. Diese Geldlosen haben sticht' einmal Sorgen um ihre Liebespein! Di« Musik ist starltch, was man' nlchs Rdaurrk. D'le' SMuspMr« halten sich recht brav, Sima ist besonders dezenp im Programmgeblödel, Karlweiß findet reizend« Moment« mit einer Ahnung von Menschlichkeit; die' Helm-' ist ällcmal gleich schön und schmollt sich zu Endruhm durch. W. Lg. Literatur Rudolf Brunngraber: Karl und dos 20j Jahrhundert.. so stark, so erschütternd und überzeugend, weil st wahr fft bis zur letzten Zeil«; sie nimmt als d^ groß« EpoS unseres dunklen Zeitalters unrer des besten Romanen der Gegenwart einen Hervorragei; de» Platz eiw j eieafnrt Tu»—(tetttlilreit QUbeln S11 k■ 11- Setoimoottltiket Redaktrm D« Em» 91«•«k. Prag— Druck.Not»-«.» Hb Aeltun®-(Mk Hochdruck Im— yür kea Druck•etennmtlid) Oft, Plag.•» Stu Zetluogtmnrk.'.iitailkatut wurde ooa d:r Poft.- leletjrapuc»direktlo» m» Urlak Nr IS 80U/VI»ilSM bewilligt- Dej»okked.rtguitge». 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