tzinzelvreis 70 Heller. (Einschließlich 6 Heller Portal 13 Jahrgang. Mittwoch, 11. Lanner 1933 Nr 9. Taktische Wendung der sudetendeutschen Nationalsozialisten. Auf dem Wege zur nationalen Selbstverwaltung des Schulwesens Die flucht aus der Theorie in . Am vergangenen Sonntag tagte di« Gesamt- leitung der sudetcndeutschen nationalsozialistischen Partei in Prag. Bei- dieser Gelegenheit wurde ein Aufruf an das sudetendeutsche Volk beschlossen/ der von einer scharfen taktischen.Schwenkung' der Nationalsozialisten Kunde gibt. In diesem Aufrufs ist die Rede von dem VolksfportproM, her in das Verfolgungssystem des gesamten Sichetendeutschtums, einzugliedern sei. Die DRSAP habe ihren Kampf um die politische Gleichberechtigung nie als eine Arbeit gegen den Bestand der Tschechoslowakischen Repu- olik ausgefaßt',, sondern ihren Kampf um die politische Gleichberechtigung. des Sudetendeutsch- lums ausschließlich mit. politischen und geistigen Mitteln geführt: Wenn chr andere Mittel von tschechischer, aber auch von deutscher Seite unterschoben würd.'n, so seien das Auslegungen und Verdächtigungen, die entweder völliger Unkenntnis oder denunziatori- sch« r Absicht entspringen.' Ter Hinweis auf die„dcnunziatorifchen Absichten" ist nach all dem, was sich„Der Tag" im Zusannnenhang mit dem Bolkssportprozeß gegen uns erlanbte, als gegen die Sozialdemokratie gerichtet zu verstehen. Die-Leitung der nationalsozialistischen Partei- hat sich also die ebenso plumpe wie Unanständige.Beweisführung" der „Tag"-Redakrion LU«sgen gemacht und dadurch den sachlichen Inhalt ihre- Aufrufes völlig entwertet.— Es sei noch einmal festgestellt, daß der deutschen Sozialdemokratie hinsichtlich'ihres Verhalte n?' zum VolksspürtprozH'-jissk das Gegenteil von denunziätorischer Betätigung nachgesagt Werden kann.'Davon haben'die Herren, die den Aufruf verfaßten und beschlossen, genaue Kenntnis.— Gegen den Bestand des Staates' mit anderen als den Mitteln gekämpft, zu haben, die di« Nationalsozialisten geistige nennen, wollen wjr ihnen gern bescheinigen. Tie„anderen Mittel" wurden lediglich gegen die sozialdemokratischen und kommunistischen Arbeiter angewandt. Aber damit ist es jetzt auch vorbei; nicht infolge des Bolkssportprozesses, sondern infolge der Äb- Wchrmaßnahmen der Arbeiter, die den nationalsozialistischen Raufbolden den Mut. zum Versammlungsstören abgckauft haben. Tie große taktische Schwenkung, die die Nationalsozialisten vollzogen, wird aus dem Teil ihres Aufrufes ersichtlich, der sich mit der Stellung der sndctcndeutschen Parteien sozusagen ob- jeftw beschäftigt und sachliche Schlußfolgerungen zu ziehen bemüht ist: „Das vergangen« Jahr hat gezeigt, daß sich dieses Perfalgllvgsshftem wohl in erster Linie gegen die deutschen Ratigualsozial sten richtet, daß es ober darüber hinaus den nationalen Wid-r- ftandsgeist des gesamte» SudetendeutschtumS treffen will, um ei»e Entwicklung zur Neuordnung der nationalen Frage« n. für allemal zu'ersticken Nachspiel im Nationalrat. Dr. Deutsch macht di« Regierung für die Woffenschieiunge« voll verantwortlich. Wie«, 10. Jänner.(Eigenbericht») Im ssiationalrai wurde heute die Angelegenheit der italienischen Waffenschiebungeu über österreichisches Gebier.zur Sprache gcbrachi. Ter sozialdemokratische Abgeordnete Tr. De ursch stellt« im Finanzausschuß fest, daß die Regierung ohne jeden Ztveifel die Verantwortung für diese Schiebung trage. Die Regierung habe zugegeben, dag sie von der Waffrnschiebung gewußt habe, und es sei festgestellt, daß mit W i s s e n der Regierung dies« Waffen unter falsch'» Deklaration über Sesterreich transportier» wurden. Der Regierung war diese Anklage der Sozialdemokraten sichtlich unangenehm. Die aiuve- senden RegiernngsmUglieder suchten den Abge- ordncrcy Deutsch am Sprech» zu hindern und beriefen sich dabei aus eine angebliche Vereinbarung, die Angelegenheit nur inge h e i m e r S i h u ng zur Sprach zu bringen. Tr. Deutsch erwiderte, sofort energisch, von einer solchen Vereinbarung könne keine Rede sein. Di« Sozialdemokraten hallen eS für ihr« erst« Pflicht, im Interesse des international«« Frie- die MrUtthheU. und di« auf Gleichberechtigung und Selbstverwaltung gerichtet« Politik abMdrosfelu. Diese Entwicklung geht aber a l l«« Sudetendeutschen ohne Unterschied der Partei an. Sie anjubahnrn, ist«in« Schicksalsfrage national« und sozial« Art für alle deutschen Parteien. Wenn daher das zentralistisch Prag diese Entwicklung durch ein« unerhört« Verfolgung der radikalste» deutschen Partei zu unterbinden versucht, so richte» sich letzten Endes diese Schläge gegen das gesamt« Sudetendeutschtum und nicht «ur gegen ein« einzelne Partei. Daraus«gibt sich unser« Beurteilung des Verhaltens der anderen deutsch» Parte»«. ES ist daher«ich das Gefühl der Schwäch oder Bettelei um einen Liebesdienst, wenn wir deutsch» Nationalsozialist«» zur gemeinsamen, national«« Widerstandsfront aller Sud«te»dentsch«u, von den Sozialdemokraten bis zu de» Nationalsozialisten, ausrusen, ja diese nationale Front alS«irre gemeinsaure, nationale Pflicht aller Part«»» betrachen. Denn die deutschen Nationalsozialisten in ihrem Kampf erlägen, so wäre das nicht nur die Niederlage einer Partei, sonder» eine Niederlage des großen, sudeteudeutschn Kampfes um Gleichberechtigung und Selbstverwaltung. Bor wenigen Monaten las man es noch anders. Als HiÄer wirklich vor den Toren, der Macht stand, als der. Hitlerfastisnzus yoch M voller. Blüte war, sonnte sich auch-die Partei, der Krebs und Jungs in seinem Ruhme. Sieschickrr sich, au, die bürgerlichen Parteien samt und sonders aüfzufrefsen; hochmütig war der Ton ihrer Aufrufe, unduldsam waren ihre Versammlungsräten.' Nun, da Hitlers Glanz verblaßt u«d idlepolitischen- Schlagworte von der rauhen Wirklichkeit auf ihren Gehalt geprüft werden, nun muß Herr Jultg„Das Ganze Halt^ kommandieren und sich gründlich umorieutiexen. Die nationale Verständigung in diesem Londe ist allechings eine Aufgabe, die auch ein „versöhnlicher" Nationalsozialismus nicht erfüllen kann. Darüber war vor kurzem in dem Auft'atz die Rede, den unser Genosse Dr. Fr an» z« l als Antwort auf einen Angriff der„Na- rodni Politika" und des„Tag" in unserem Blatte veröffentlicht hat. Die Feststellungen dieses Artikels gelten auch für den neuen Aufruf der sudetendeutschen Nationalsozialisten: nicht die Wiederherstellung der nationalen Fronten, die am heißesten von den tschechischen Nationalisten erhofft. wird, sondern die Zusammenarbeit der sozialdemokratischen Parteien, die Verständigung von Klaffe zu Klaffe wird den Nationalismus überwinden m»d damit auch dem deutschen Volk« zu seinem Recht verhelfen. denS, der durch die gegenwärtige Spannung in Osteuropa besonders gefährdet erscheint, solch« Waffenschiebungen zu verhindern! Im Hauptausschuß, dcffen Sitzungen geheim siird, wurde die Angelegenheit ebenfalls zur Sprache gebracht. Die Sozialdemokraten stellren dort einen Mißtrauensantrag gegen die Regierung, der mit den Stimmen der bürgerlichen bei einer Stimme Mehrheit adgclchnt wurde. Wie es heißt, soll die Angelegenheit aber noch ein diplomatisches Mchspicl haben, da insbesondere von der französischen und tschcchoflo- wakischen Gesandtschaft in Wien bereits Erhebungen eingeleitet worden sein sollen, um die Frage der Waffenschiebungeu klarzustellrn. Interpellation In der Pariser Kammer. Paris, 10. Jänner. sHavas.) Ter sozialistische Deputiert« Longue richtete heute in der Kammer an de» Außenminffter di« Frage, welch« Maßnahme» er mit Rücksicht„auf den Maffen- transport von Handfeuerwaffen und Masch'nen- gewehren ans Italien«ach U«garn unter der Mitschuld Oesterreichs" zu treffen gedenk«. I. Der sozialdemokratische- Schulminister Dürer hat nach langen Vorarbeiten einen Gesetzentwurf fertiggestellt, der die im alten Oesterreich von allen soziaDemokratischeu Parteien• erhobene Forderung nach nationaler Selbstverwaltung auf dem Gebiete des Schulwesens zu verwirklichen bestrebt ist. Der Entwurf knüpft zunächst an die schon bestehenden Ansätze der.nationalen, Selbstverwaltung in der Schulgesetzgebung an, die in der österreichischen Schulgesetzgebung bestanden haben und zum Teil auf Grund des Art. H des Gesetzes vom 28. November 18, Nr. 11, zum Teil auf Grund der Reg.-Bdg. vom 6. November 1924, Nr. 608, bezw. der Reg.-Bdg. vom 12. September 1921, Nr. 185, auch in der Tschechoslowakischen Republik— wenn auch als prov. Einrichtungen— weiter bestanden haben. Dies gilt sowohl hinsichtlich der Sekti onie r u ng d er Landesschulräte, wie auch bezüglich der nationalen Teilung der Bezi rksschulbehvrden. Und doch besteht vorweg ein gewaltiger Unterschied zwischen der bisherigen Stellung der Landesschulräte, bezw. ihrer Sektionen und der national sektio- nierten Landesfthulbehörde nach dem Dyrer- scheu Entwurf..-.; Bisher war— mW zwar seit der Errichtung der Landesschulräte im Jahre 1870— der Chef der Landesbehörde zugleich der Vorsitzende des Landesschulrates. Dadurch war der ganze Landesschulrat eigentlich nur eine Filiale, im besten Falle eine Nebenabteilung der Landesbehörde, jedenfalls von dieser im hohen Grade a b- hä n gi g. Der neue. Entwurf beseitigt diese Abhängigkeit der höchsten Schulbehörde des Landes von dem Landesamt,(so heißt jetzt die politische Landesbehördel schon äußerlich dadurch, daß er ihr einen eigenen Vorsitzenden gibt. Zwei Drittel der Mitglieder des Landesschulrates sind Vertreter der Bevölkerung. ein Drittel der Mitglieder wird von der Lehrerschaft gewählt. Bon den Vertretern der Bevölkerung wählt die Landeshauptstadt je 1 Vertreter in den Landesschulrat, die übrigen wählt der Landesausschuß, bezw. die Landesvertretung. Im Landesschulrat in Prag, Brünn und Preßburg werden 24 Vertreter der Bevölkerung und 12 Lehrervcrtreter sitzen, im Landesschulrat in Ungvar 9 Lehrervertreter und 18 Vertreter der Bevölkerung. Schon darin liegt vom demokratischen Standpunkt ein bedeutsamer Fortschritt, daß all« diese Vertreter gewählt weichen, denn bisher wurden die Lehrer Vertreter— es waren in jeder Sektion mir 2— ebenso ernannt— früher vom Kaiser, jetzt vom Staatspräsidenten— wie die Vertreter der Religionsgenossenschaften und die stimmberechtigten Beamten und Landesschulinspektoren. Die Landesbehörde selbst wird nur durch zwei Abgesandte mit beratender Stimme im Landesschulrat vertreten sein. Landesschulräte werden im ganzen vier errichtet, u. zw. in Prag, Brünn, Preßburg und Ungvar. Alle diese Landesschulräte wer- dc.n sektioniert und zwgr erhalten die Landesschulräte Prag und Brunn,eine tschechische ulch e i ne d e u.t s ch e Sektion, der Landesschulrat in P re ß b u r g eine s.l o w a- k i s ch c und eine magyarische, der Lan- j desschulrat in U ngva r eine ru t h e n i ich e ! und eine magyarische Sektion: Allerdings werden die Sektionen zah- l e n m ä ß i g n i ch't g l e ich s e i n, denn die i nationale Minderheit wird im Landesschulrat nach dem Bevölkeningsschlüffel vertreien sein. | Die nationalen Sektionen lverden durch Zu- saumrenfasfung der der gleichen Nation angehörigen Vertreter der Lehrerschaft und der Bevölkerung im Landesschulrat gebildet, so daß. in Böhmen, wie in Mähren-Schlesien das Verhältnis der Zahl der Mitglieder der deutschen Sektion zu jener der tschechischen Sektion so s ziemlich wie 1 zu 3 sein dürfte. Ta aber jede Sektion in nationalen Angelegenhei- ten einen selbständigen Wirkungskreis hat und die Plenarversammlung des Landesschulrates nur zur Entscheidung über dem Schulwesen beider Nationen gemeinsamen Fragen, bezw. zur Erstattung pädagogischer Gutachten allgemeiner Natur zusammentritt, so spielt die zahlenmäßige Stärke der beiden Sektionen keine große Rolle. Dafür erfährt die nationale Sektionierung der Landesschulräte noch einen weiteren Ausbau. Während bisher der Vorsitzende der Lau- desbehöche, bezw. der von ihm bestellte Vorsitzende- Stellvertreter des. Landesschulrates zugleich gemeinsamer Vorsitzender der beiden Sektionen des Landesschulrates tvar, sollen nach dem Enttvurse soviel Stellvertreter im Landesschulrat er- irannt werden, als der Laudesschukrat Sek-- 1 i o n e n Hot. Diese Bestimmung läßt darauf schließen, daß der Stellvertreter des Vorsitzenden' der zugleich Vorsitzender jeder der beiden nationalen Sektionen des Landesschulrates sein wird, jener Nation entnommen werden soll,. für die die betreffende Sek' ion. errichtet worde>r ist. Der Entwurf will aber auch die kleirieu nationalen Minderheiten, die zahlenmäßig so schwach sind, daß sie nach den: Verhältniswahlrecht eine Vertretung im Landesschulrat nicht erlangen können, von der Mitarbeit im Landesschulrat nicht vollständig ansjchliehen. Darum enthält er die Bestimmung, daß— wenn eine solche nationale Minderheft, dec nach ihrer Kopfzahl keine Vertretung im Landesschulrat« zukommt, im Lande doch lvenig- stens 400 Lehrer hat, ein„überzähliger Vertreter" in den Landesschulrat entsendet,■ bey dort beratende, im Verwaltungssenat— von dem später noch die Rede sein wird, jedoch auch beschließende Stimme hat. Freilich sollen dem Landesschulrate auch neben den ständigen Vertretern der Lehrerschaft und der Bevölkerung noch die referierenden.Beamten, die Landesschulinspektoren, die Vertreter des Landesfinanzamtes, der Amts« arzt der Landesbehörde und ein technischer Beamter derselben angehören, denen— mit Ausnahme der Landesschulinspektoren— aber von rechtswogcn nur beratende. Snmwe zustehen sollte. Dem Grundsätze der nationalen Selbständigkeit der Schulbehörden wird vollends Rechnung getragen, bei der Bildung der Bezirksschulbehörden. Die Bezirksschulbehörde erhält jetzt wieder den Titel„Bezirksschulrat", den sie vordem Umsturz ftrhrte. Auch die Bezirksschul- räte lverden von den politischen Bezirk s b e h ö r d c n losgelöst. In jedem politischen Bezirke wird m der Regel auch ein Schulbezirk errichtet und sind die Grenzen ter beiden Brrwaltungsgebitde dann identisch. Befindet sich jedoch im Bezirke eine natio- na le Minderheit, die wenigstens. W Prozent der Bevölkerung umfaßt und niinde- stens zehn Schulen hat, so wird für diese auf dem Gebiete des politischen Bezirkes ein eigener Bezirksschulrat errich ei der seine Tätigkeit nur auf die Schule der Nationalen Minderheit erstreckt In diesen. Falle befinden sich dann in einem politische Bezirke-zwei selbständige Bezirksschulräte, eine-, für die Schule der nationalen Mehrheit, der Seite 2 Mittwoch, 11. Jänner 1933 Ax. 9 aridere für die Schirle der nationalen Minderheit. Erreicht die nationale Minderheit nicht den Prozentsatz 30, so würden die Schulen der nationalen Minderheit der Verwaltung des nächsten gleichsprochigen Bezirksschulrates unterstellt. Auf keinen Fall können sie der Aufsicht eines anderssprachigen Bezirksschulrates unterstellt iverden. Aus prinzipiellen Gründen sollte freilich— um di« Analogie mit dem Spva» chenrecht beiznbehalten— lieber der Prozentsatz 20 gewählt iverden. Die Bezirksschulräte sollen ähnlich zusammengesetzt sein, wie die Landesschulräte, bezw. deren national« Sektionen, d. h. di« Zahl der Vertreter der Bevölkere»^ wird doppelt so groß sein, wie die Zahl der Lehrervertreter. Die letzteren werden von den Lehrern des Bezirkes— wenn zwei national getrennte Bezirksschulräte errichtet werden— von jenen Lehrern im Bezirke gewählt, für die der betreffende Beziicksschul- rat bestimmt ist. Auf 50 Lehrer entfallen zwei Vertreter, auf 100 deren 3, auf 200 solche 4 und bei einer größeren Zahl von Lehrern werden 5 Vertreter gewählt. Die Vertreter der Bevölkerung wählt die Bezirksvertretung. Wenn es sich aber um national getrennte Be-'irksschulräte handelt, beteiligen sich an der Wahl nur jene Bezirksvertreter, deren Volkszugehörigkeit mit der Unterrichtssprache der Schule, für die der Bezirksschulrat errichtete wird, übereinstimmt. Vorsitzerrder des Bezirksschulrates soll nicht mehr ein politischer Beamter(bisher der Dezirkshauptmann) sein, sondern der Bezirksschulinspektor. Dadurch soll der Bezirksschulrat seines bisherigen Charakters als der Bezirksbchörde förmlich untergeordnete Körperschaft entkleidet und schon äußerlich als selbständige,«in pädagogische Körperschaft gekennzeichnet werden. Den Stellvertreter des Vorsitzenden wählt der Bezirksschulrat aus seiner Mitte.-Ob freilich die Doppelstelluna des Bezirksschulinspektors als Hauplreferent im Bezirksschulausschuß und zugleich dessen Vorsitzender in der Praxis nicht auf schwer überwindliche technische und administrative Schwierigkeiten stoßen und ob da nicht allm- viel Macht in eine Hand vereinigt wird, darüber wird noch zu sprechen sein. Die Ber- bindung der Bezirksschulräte mit der politischen Bezirksbehörde wird nur dadurch hergestellt, daß die letzte« zwei Vert«ter mit beratender Stimme in den Bezirksschulrat entsendet. Städte mit eigenem Statut bilden selbständige Stadtschulräte, für deren Bildung und Zusammenstellung die gleichen Vorschriften gelten, wie fiir die Ortsschulräte. Analog wie die Bezirksschulräte sollen auch die Ortsschulräte zusanrmengesetzt sein. Auch sie bestehen zu zwei Dritteln aus Vertretern der Bevölkerung und zu einem Drittel aus Vert«tern der Leh- rerschast. Die erste«» wählt die Gemeindevertretung, die letzte«« die Leh«rschast der Schulgemeinde. In allen Gemeinden, wo Schulen verschiedener Nationen sich befinden, wird für die Schulen feder Nation «in eigener Ortsschulrat gebildet. So wie der Bezirksschulrat soll auch der OrtS- schulmt nur aus gleichsprachigen Mitgliedern bestehen. Mit 1. Jänner 1921 waren bekanntlich auf Grund deS Gesetzes Nr. 292/20 die national getrennten Ortsschulräte aufgehoben und für tschechischen und deutsche Schulen nur ein gemeinsamer Ortsschulrot errichtet worden. Hinsichtlich der Verwaltung der Minderheitsschulen wird ebenfalls eine Neuerung geschaffen. Dies« soll darin bestehen, daß die Mitglieder der Ortsschulausschüsie, die die Schulen in Bert«tung des Ministeriums zu betreuen haben, nicht mehr von diesen er» nanm, sondern von jenem Teile der Ortsbevölkerung, für die die Minderheitsschule bestellt ist, gewählt werden und zwar in doppelter Zahl wie die Leh«r, die dem Ortsschulrat angehö«n. Ehe wir zur allgemeinen Wertung des Entwurfes übergeben, sei noch auf eine Neuerung hingewiesen, die der Schulverwaltung im alten Oester«ich ebenso fremd war, wie bisher der Schulge setzgebung der Tschecho- slowakischen Republik. Es sind dies die sogenannten Berwaltungösrnate, die bei den Landesschulräten und d««n Sektionen, wie auch bei den Bezirksschulräten errichtet werden sollen. Sie sind offenbar als Bindeglied zwischen dem Präsidium und dem Plenum der eben genannten Schulbehörden bestimmt. Sie sollen aus dem Vorsitzenden und zwei Stellvertretern der betreffenden Körpcrsch-rst bestehen, von denen einer den Bert«tern der Bevölkerung, der ander« d«n Bert«t«rn der Lehrerschaft entnommen wird Um die Bedeutung dieser Neuerung im Schulverwaltungsorganismus richtig zu würdigen, muß man sich vor Augen halten, daß Auf keinen Fall könnte dem zugestimmt sowohl in den Landesschulräten, wie auch'n Führung der Landes- und Bczirksschulbehörde den Bezirksschulräten alle Macht bis her in den Händen der Vorsitzen- in der Praxis so gut wie a u s g e s ch a l t e t, diese Schulbehörden wa«n— einige rühin- de n, also der politischen Beamten lag, die 1 liche Ausnahmen abgerechnet— ein Mach r- si«— und zwar mitunter recht ungern— mit instrument den Landes-, bezw. Bezirksschulinspektoren teilten. Sämtliche laufende Angelegenheiten — und was konnte nicht als solche betrachtet weiben— wurden nach den geltenden Vor schriften im Landesschulrat, wie im Bezirks- schnlausschuß vom Vorsitzenden allein erledigt. Nur solche Fälle, wo ein Gutachten zu erstat ten, Anträge an das Ministerium zu stellen oder eine Entscheidung zu fällen war, soll-. t e n nach dem Gesetze vor das Plenum des, P l e n u m des Landesschulrates und seinen Landesschulrates, bezw. di« zuständige Sektion j Sektionen, bezw. den Bezirksschulräten zustan- kommen, doch wurde durch das Gesetz dem den, unangetastet bleiben. In diesem Falle, Vorsitzenden das Recht eingeräumt, in„drin- aber auch n u r in diesem— würden die Bergenden Fällen"— was man wollte, war waltungssenat« einen bedeutenden Fortschritt immer„dringlich"— auch dem Plenum vor- auf dem Wege der Demokratisierung der behaltene Angelegenheiten s e l b st zu er- Schulverwaltung bedeuten. ledigen. Auf keinen Fall könnte dem zugestimmt In der Praxis aber hat sich— mit Be-1 werben, daß dem Verwaltungssenat ein Teil dauern muß dies festgestellt.werden— der jener ohnedies so karg bemessenen Kompeten- unmögliche Zustand herauSgebildet, daß diesen übertragen wirb, die heute nach dem Gs- Borsitzenden, selbst lauter staatliche Beamten j setze dem Landesschulrat, bezw. seinen Sek- m den meisten Fällen die betr. Schulbehörde tionen oder den Bezirksschulausschüsien als — so wie die Bezirks- ober Landesbehörde—! Körperschaft zustehen, denn darin läge nicht autokratisch nach ihrem Sinne geführt haben' ein Schritt zur Demokratisierung, sondern zur und daß das Plenum meist nur zur„nach-.Entdemokratisierung der genannten träglichen Genehmigung" der vom Vorsitzen». Schulbehörden und die darin sitzenden Verden getroffenen Verfügungen und Entschei- t«ter würden zu einem Schattendasein verdungen«inberufen worden ist. Die Bert«ter! urteilt und das Jnte«sse der breiten Schich- der Bevölkerung, wie der Leh«rschast waren iten der Bevölkerung an dem Schulwesen er- von der tatsächlichen Einflußnahme auf die I tötet werden. , 1 in den Händen der staatlichen Bürokratie und standen | unter der Diktatur ihrer Vorsitzenden. Dies soll jetzt anders werden und dazu sollen eben die Verwaltungssenate dienen. Es muß ! nur verlangt werden, daß an die Verwal- ! tungssenate alle jene Rechte und Befugnisse übergehen, die bisher die Vorsitzenden der ! Landes- und Bezirksschulräte persönlich inne- ! hatten, daß aber die Agenden, die bisher dem Das Budget des vierten Krlscnjahrcs. Genosse Hachenberg über die undankbaren Aufgaben des Slebeneranssdinsscs. Prag, 10. Jänner. Im Budgetausschuß des Abgeordnetenhauses, der de>. ganzen Tag die Generaldebatte über den Staatsvoranschlag weiterführte, befaßte sich Genosse Hackenberg, der Vertreter unserer Partei in dem Siebenerkomitee, daS di« undankbare Ausgabe der Herabsetzung und Ausgleichung des Budgets auf sich nehmen mußt«, in ausführlicher Weise mit den von verschiedenster Seite gegen die Kommission erhobenen Anwürfe. Er schiwert« dabei eindringlich die Zwangslage, ist die sich dieser Ausschuß durch das noch während seiner Beratungen immer höher anschwellende Defizit im Staatshaushalt versetzt sah, und die Schwierigkeiten, die sich der Bewältigung einer derart großen Ausgabe in so kurzer Zeit naturgemäß entgegenstellen mußten. Wenn hiebei der Ausschuß nicht überall bis in die kleinsten Details daS Richtige getroffen, sondern vielleicht da oder dort schärfer durchgegriffen hat, als unbedingt notwendig gewesen wäre, so kann man dem Ausschuß dafür nicht die voll« Verantwortung aujbürden. Die Erfahrungen deS Ausschusses können aber für die neue Kontrollkommission ebenso wie für die gründlichere Vorbereitung des Budgets in den kom- menden Jahren ein wertvoller Fingerzeig sein. Redner geht zunächst auf di« Bemerkung Mayr-Hartings«i», daß die Bürgerblockregierung große Kassenbestände angasammelt hab«, d!« von der gegenwärtigen Koalition„leichtfertig" verausgabt worden seien, und konstatiert, daß es in der Zeit«in«r guten Konjunktur«twas leichter war als jetzt, Kassenbestände anzusammeln, und daß er auch leichter war zu wirtschaften. Für sein« Behauptung, daß di« gegenwärtig« Koalition„lrichtsert g" wirtschaft«, ist H«rr Müyr.Hartiug den Beweis völlig schuldig geblieben. Er ist selbswerständlich, daß sich dir Auswirkungen der Kris« auch im Staatshaushalt in Form von Sieucrrückgangen zeigen müssen. Nicht zuletzt wirkt sich in diesen Rückgängen aber auch das von der früheren Reg erungskoalition beschlossene Steuergesetz aus, das ein« ganz bedeutende Entlastung der Besitzenden herbeigesührt hat! Di« gegenwärtige staatliche Finanzkrise, die zu solchen Drofs«lungen der Staatsvoranschlages für 1938 geführt hat, wurd« aber in erster Linie v«r- ursacht durch den Minderertrag der staatlichen Unternehmungen. Es war für den S.ebenerausschuß keine geringe Urbcrraschung, als er während seiner Beratungen erfuhr, daß auch die Einnahmezisfern des vor- bere'teten Budgets noch zu hoch gegriffen waren und daß man namentlich bei Bahn und Post mit einem weiteren Abgang von über einer halben Mill arde rechnen müsie, für di« ein« neue Bedeckung gesucht werden mußt« Bei dem Defizit der Bahnen handelt es sich n°cht nur um«in« vorüber- gehrnde Krisenerscheinung. Redner verweist auf die leinerzcitige tzl b b a u a k! o n, bei d«r vielfach das eingearbeitete, noch arbeitsfähige Personal abge- ba»t, aber bald durch all« möglichen ProtekiionS- kinder ersetzt wurde, di« erst wieder lange ein- grarbeiret werden mußten. Vielfach wurden mehr Leute neu ausgenommen als man seinerzeit abgebaut hatte. Daraus ergab sich natürlich rin« erhebliche Belastung der Staatskasse da man ja den Abgebauten entsprechende Ruhegenüsse zahlen mußte Die Hauptursachc für daS Defizit der Bahnen liegt aber auch nicht in der AuiobuSkoukurrenz, sonder« i« dem katastrophalen Rückgang des Güterverkehrs, der daraus resultiert, daß di« Fabrik«« stehe« und ke.ne Rohmateriali«». kein« Fertigware« und lei«« Kohl« befördert wird. AnderevseitS ist in der Krisenzeit bei gesunkener Sleuevkraft der Bevölkerung der Bedarf des Staates zur Linderung der Not viel größer als iu normalen Zeilen. Leider ist bei uns noch keine entsprechende Arbeitslosenfürsorg« geschaffen worden, di« nur in der obligatorischen Arbeits- loseuversicherung bestehe» könnte. Das Genter System muß in der Kris« versagen und zu einer Gefahr für die Gewerkschaften gestalten. ES ist Pflicht des Staate-, für di« Arbeitslosenfürsorg«— namentlich auch für die produktive Fürsorge — die entsprechenden Mittel bereitzustellen. Am schrecklichsten ist die Arbeitslosigkeit für Jugendliche, die noch nicht in den Produktionsprozeß ein- gereiht werden konnten; auf die Beschäftigung dieser Jugendlichen muß das Hauptaugenmerk aufgewendet werden! Bei der produktiven Arbeitslosenfürsorge müßten auch die SelbswerwaltungSkörPer eingreifen, die allerdings zum großen Teil dazu außerstande sind. Umso dringender ist das Bedürfnis, daß der Staat solche Mittel zur Verfügung stellt. Im Vorjahr« betrug der Aufwand für die Arbeitslosenfürsorge 8ö0 Millionen; Heuer sind für diesen Zweck 780 Millionen eingestellt. Diese außerordentlichen Ausgaben hat man in normalen Z-iten nicht. Wen« ma« da das Gleichgew cht im Budget herstell«« will, da ist«ine Drosselung der Ausgabe. Posten uklvermeidlich! Hachenberg teilt die Ansicht der Opposition, daß der Siebenerausschnß keine parlamentarische Körperschaft gewesen sei; gegenüber dem ftüheren Zustand war der Siebenerausschuß aber sicher ein Fortschritt' Natürlich befriedigt auch das noch nicht. Wir würden es begrüßen, wenn man bezüglich der Beteiligung der Opposition an der Vorbereitung parlamentarischer Angelegenheiten eineu Schritt weiter- gehen könnte, aber ich kann mir nicht gut vorstellen, daß ein Subkomitee des Budgetausschustes, zusammengesetzt aus allen Parteien des Hauses, diese Arbeit dnrchzuführen imstande wäre, die der SicbenerauSschuß bewältigt hat! Es wäre zur Lösung der gestellten Aufgaben überhaupt nicht gekommen, abgesehen davon, welche Zett notwendig gewesen wäre, um alle di? Reden über 'ich ergehen zu lassen. ES ist selbstverständlich, daß die vorgenommenen Abstriche Unzufriedenheit und Unwillen auslöse« mästen. Man hat zunächst versucht, durch Trostelungcn im Voranschlag eine Mehrbelastung der Bevölkerung durch neue Steuern zu vermeiden, und hat sich mit her. Hoffnung getragen, daß es gelingen wird, vielleicht sogar den angekündigten Gehaltsabbau zu vermeiden. Erst später, als sich herausstellte, daß man auch mit den veranschlagten Einnahmen nicht rechnen könne, hat es sich gezeigt, daß die Abstriche allein nicht ausrcichen! Redner verwahrt sich dagegen, daß in manchen Restarts die Maßnahmen des Siebenerausschustes nicht immer loyal gedeutet wurden, so in der Frage der Streichungen bei den Reisediätcn im Eisenbahnrestort und in der Frage der Löhne bei der staot lichen Wälderverwaltung. Bei allen Kapiteln wurden auch dir Subventionen gekürzt, sogar beim Fürsorge, und beim Gesundheitsministerium, obschon hier die Kürzung nur schwer tragbar ist, ebenso wie beim Schul Ministerium, wo die Subventionen sogar zu HO Prozent gekürzt wurden! In diesem Zusammenhang sitz!« sich Genoste I Hackenbcrg auch ausführlich mit der geplanten Heil. fürsorge für Arbeitslose auseinander und konstatierte, daß die kürzlichen Beratungen'im Fürsorgeministerrum über diese Frage leider ergeben haben, daß die Aufrechterhaltung der Krankenversicherung ohne Beiträge nicht möglich ist, da di« Anstalten all« ihr« Reserven ausgezehrt haben. Die Unternehmer wollen kein« Beiträge leisten, die Arbeitslosen können es nicht. Etwas vom Staat zu bekommen, erwies sich auch als ausgeschlossen. Man will nunmehr di« Angelegenheit auf charitativem Wege einer Lösung zuführen. Wir sind uns besten bewußt, erklärt« Hackenberg weiter, daß di« Arbeit des Ausschustes der Kritik ausg«s«tzt ist, daß sie nicht grüMich sein konnte. Ich stimme aber mit dem Referenten überein, daß die Bemühungen fortgesetzt werd«« wüsten, ei« Budget zustaud« zu bringen, daS der Tragfähigkeit der Bevölkerung eutspricht. Dazu werde« nicht«ur allseits guter Wille, sonder« auch Reformen notwendig sein, vor allem eine Ber- waltungsreform, die den ganzen Aktengaug und die Kompetenzen regelt. DaS find sehr dringende Frage«! Wie schwerfällig heut« der Verwaltungsapparat arbeitet, dafür führt« Genoff« Hackenberg zwei typische Beispiel« an, eine Grundstückarrondierung längs eines Eisenbahngeleifes und die Ueberguerung der Bahnstrecke durch eine Lichtleitung, di« eine Unmenge an Kommissionskosten verschlingen, obschon die eigentlichen Arbeiten zumindest im zweiten Fall längst durchgeführt sind. Hier wäre es leicht möglich, weiter« Ersparnisse zu machen und so das vom Referenten gesteckt« Ziel zu erreichen, daß man di« Voranschläge nicht nur ins Gleichgewicht bringt, sondern auch der Tragfähigkeit der Bevölkerung anpaßt, indem man den Voranschlag dort noch weiter herabsetzt, wo es nicht weh tut! Das ist aber nur möglich bei einer gründlicheren Arbeit, als sie der Siebener-Ausschuß leisten konnte. Wir hoffen, daß die neu« Spar- und.Kontrollkommission bei der lleberprüfuug der StaatS- rechnnngsabschlüst« Erfahrung«« ansammel««ud diese Erfahrungen auch bei der Zusammenstellung der künftige« Voranschläge verwenden wird! * LoijalilätserKiarung des nerrn Jung. Bo« den sonstigen Rednern des Tages wäre vor allem noch Herr I u n g zu erwähnen, der es neuevdings auf sich nahm, sein« Partei von jedem Bordacht einer staatsfeindlichen Politik blütenrem zu waschen und alle anderslautenden Ansichten als glatten Unsinn hinzustellen. Jung erklärt« nachdrücklichst, daß die Nationalsozialisten nur die Forderung nach na- tionale'r Autonomie erheben, keineswegs nach Aufrichtung des Dritten Reichs, geschweige denn mit Gewalt. Die nationalsozialistische Politik verfolge mit oder ohne Hitler die Beseitigung des polnischen Korridors und den Anschlug Oesterreichs an Deutschland, beides mit Zustimmung Frankreichs, Italiens und Englairos, well ohne diese Zustimmung ein europäischer Krieg hervorgerufen würde, in dem Deutschland zugrunde gehen müßte. Das Urteil im Volkssport-Prozeß fußt auf der falschen Annahme, daß daS Tritte Reich mit Gewalt durchgesetzt werden soll. Agrarier gegen Landarbeiter. Wie wir dem„Land- und Forstorbeiter" (Saaz) entnehmen, wird von den Scharfmachern unser den Agrariern versucht werdert, di« Lohne der Landarbeiter neuerlich abzubauen. In den Loh-nverhvntlungen, di« zu Ende des Jahres stottfandcn, hoben di« Agrarier diese Forderung ausgestellt und verlangt, die für die Tagarbeiter bisher bestandenen Prämien(Kartoffeln und Getreide) zu streichen und di« Neujahrsprämie um 50 Prozent zu kürzen. Die Arb«it«r haben diese Forderung der Unternehmer abgelehnt, weil es ganz aus- geschlossen ist, einer weiteren Verminderung des Einkon mens der Landarbeiter zuzustimmen. Di« Löhne der Landarbeiter sind niedrig, der Taglöhner hat einen Lohn, der sich zwischen 0.70 und 1.43 K pro Stunde bewegt, k^lzu bekommt er noch«Mas Kartoffeln und Getreide. Der Tepntatist ist etwas besser daran, weil er eine regelmäßiger« Beschäftigung hat und etlvas mehr verdient. Aber auch s«in Einkommen ist kein großes, denn der Lohn bewAst sich zwischen 0.80 und 1.50 X und das Deputat deckt durchaus nickt all« Bedürfnisse der Familie, so daß d«r Teputatist zukaufen muß. Trotz dieser schleckien Lebenslage der Landarbeiter verlangen d>e Agrarier den Abbau der Löhne biS auf das Niveau des Jahres 1923. Dagegen müssen sich di« Landarbeitcr wehren, sich organisieren und den Abwehrkampf eröffnen. Dotts'portarten emgelaogt. Prag, 10. Jänner. Heute langten vom Kreisstrafgcrichr in Prag beim Jmmunitätsaus- schuß des Abgeordnetenhausts die Akten libcr die Dtraffache der Abgeordneten Krebs, Jng. Jung, Schubert, Knirsch und Kasper ein. Die Allen wurden vom Borsitzeridcn des Jmmunitäisausschuffes Abg. JeLek in Empfang geno-mmen, der in dieser Angelegenheit Berichi- erstatter ist und der nach deren Studium spätestens in zehn Tagen eine Sitzung des Jmmuni- tätsausschnsscs cinbcrusen wird. Wt. 9 Mittwoch, 11. Hänner 1933 Seite 3 2010 Nüiionen Mark rehibetrot des netäisliau»haltes iür isrr Berlin, 10. Jänner. Reichsfinanzmini, ffter Graf Schwerin von Kropgk ziihrie im Daushaltsausschub des Reichstages aus, datz für 1932 ei« Steueraufkommen von 7464 Mil- liarde» Mark vorgesehen gewesen sei. Man ßverde mit einem Minderaufkommen von rund 1800 Millionen bei Steuern und Zöllen rechnen »nüssen, so daß sich einschlietzlich des Extra- ordinariums von 470 Millionen aus früheren Vahren Ende des Rechnungsjahres 1932«in Fehlbetrag von 2070 Millionen ergeben «erde. Dies sei«in finanzielles Ergebnis, das an Anbetracht der durchlebten schweren Krise »erträglich erscheine. Di« Schulden des Reiches betrugen am 31. Dezember 1932 12.264 Millionen Mark. 5,771000 Arbeitslose. Berlin, 10. Jänner. Am Jahresende waren »ei den Arbeitsämtern rund 5,773.000 Arbeits- Rose gemeldet. Die Zunahme seit Mitte Dezem- Ker betrug rund 169.000. Aus dem Personenkreis der öffentlichen Für- Karge wurden Ende Dezember rund 2,375.000 Arbeitslose nach den Vorschriften der Reichsregierung als Wohlfahrtsvrwerbslose anerkannt. Bededrnngsvorschlöge Mr Oos französische Deiizli. Paris, 10. Jänner. Zu der Darlegung des Finanzministers betreffend die Deckung des Bud- Igetdefizites von 10.541 Millionen Frank wird ! Hon offiziösen Kreisen mitgeteilt, daß der Finanz- I ininister verschiedene Ersparungen, hauptsächlich in der Verwaltung, in der Höhe von I f>326 Millionen Frank und die Erhöhung verschiedener direkter und indirekter Steuern in der Gesamthöhe von 5423 Millionen Mark Vorschlägen werde, so daß sich ein Uebevschuß von 208 Millionen ergeben würde. Außerdem will der Minister eine innere KonsolidierungS- i a n l e i h e ausschreiben, die hauptsächlich zum s Ausgleich der früheren Abgänge verwendet würde. Snrengstofiäegot der Wiener Nazis : von einem ausgeschlossenen SA. Hann verraten. Wien, 10. Jänner.(Eigenbericht.) In »Wien wurde heute wieder ein Sprengstofflager «der Nationalsozialisten beschlagnahmt, und zwar lauf Anzeige eines aus der Partei ausgeschlossenen VSA-Mannes. Die Polizei nahm daraufhin in »einem Haus im belebtesten Wiener Bezirk«ine IHausdurchsuchung vor, bei der eine große Zahl Ivon Paketen mit insgesamt 44 Kilogramm des laußerordentlich gefährlichen Sprengstoffes Ammonit beschlagnahmt wurden. Zwei führend« iHakenkreuzler, die in diese Angelegenheit verwickelt find, wurden in Haft genommen. Es scheint, daß das aufgedeckte Lager ein« »Zentral st eile für nationalsozialistische Terrorakt« bilden sollte und datz »von hier aus auch Fäden nach Deutschland gin. gen. Auf dieses Ergebnis hin hat die Polizei in i den späten Abendstunden auch das Braune Haus in Wien besetzt, um dort eine Haussuchung vor- znnehmcn; die Durchsuchung dürfte erst im Lauf« < der Nacht beendet werden. Krlegsflleger Aber Oesterreich. Graz; 10. Jänner. Die„Grazer Tagespost" »berichtet aus Radkersburg: Sonntag nach 14 Nbr lüberflogen fünf große Flugzeuge, von Kärnten kommend, die Stadt. Die Apparate erregten großes Aufsehen. Man vermutet, daß es italie- j mische Flugzeuge waren, die ihren Weg nach Un- ngarn nahmen. Eine weitere Meldung aus Marburg besagt, »daß am Sonntag um 15 Uhr über dem Kurorte »Radeim sechs italienische Kriegsflugzeuge gesich- Vtet wurden, die so niedrig flogen, daß man die ( Hoheitsabzeichen deutlich erkennen konnte. Die Maschinen verschwanden in der Richtung gegen die ungarische Grenze. Lodieronh der österreichischen Devisenbewirtschaftung? 1/ Wien, 10. Jänner. Die österreichische Natio- Inalbank bereitet der„Neuen Freien Presse" zu- »folge für die nächst« Zeit eine weitgehende «Lockerung der Devisenwirtichaft Ivor. Noch in dieser Woche wird die Genfer Ent- fscheidung über den Vorschuß auf die neue öster- I reichische Anleihe erwartet. Unmittelbar nach «dieser Entscheidung wird die Nationalbank nDevisenerleithterungen bewilligen, deren Ziel die vollständige Aufhebung der Devisenzwangswirtschaft ist, sobald sie genügend ausländische Zahlungsmittel zur Deckung des ^Umlaufes zur Verfügung hat. Dr. Dennecke ausgelleiert. Dresden, 10. Jänner. Der Rechtsausschuß I des sächsischen Landtages hat die Aushebung der I Immunität des nationalsozialistischen Abgeord- | rieten Dr. Bennecke entsprechend dem Anträge | des Generalstaatsanwaltes mit allen Stimmen | gxgen Sie der Kommunisten genehmigt. Vie ArhitMhit in den ünnlsdien Gebieten. von 15 von der Arbeitslosinkeit schwer betroffenen Gebieten: 13 deotsdie Wir haben dieser Tage das Ergebnis der Zählung der Arbeitslosen am 31. Dezember 1932 gebracht und dargelegt, wie sehr die Arbeitslosigkeit im Monate Dezember gestiegen rst. Nachstehend wollen wir ein Bild davon geben, wie sich die Arbeitslosigkeit in den industriellen deutschen Gebieten viel stärker auswirkt als im tschechischen Gebiete, indem wir jette 15 Bezirke anführen, welche die meiste Arbeitslosigkeit aufweisen. Es sind dies: 1. Groß-Prag... ... 41.626 2. Gablonz.... ... 15.137 3. Pilsen.... ... 14.615 4. Tetschen.... ... 14.244 5. Reichenberg.. ... 13.568 Wie man sieht, sind darunter, abgesehen von den beiden tschechischen Industriegebieten Prag und Pilsen, durchwegs deutsche Bezirke. Die deutsche Bevölkerung leidet unter der Krise tatsächlich mehr als die tschechische. 6. Teplitz-Schönau... . 12.340 7. Böhm.-Leipa. 12.017 8. Brüx.... 11.237 9. Karlsbad.. 10.916 10. Komotau.. 10.336 11. Neudeck.... 9.330 12. Aussig... 9.153 13. Traulenau.. 8.379 14. Asch.... 7.733 15. Graslitz... 7.405 uiuuiHiiiiiiiiuiiifiiiiiuuiiiiiiiuiiiiiiiiiiiiiiiiuiniiiiiiiiiiuiiiiiiiiiiuijiiiniiiiiiiiiiuuiiiiiii|iiiiiiiiiiiniiiiiiiniiifuiiuiii|!iiiiiuiRiiiiiiiiiiiiiiiiiitiiiuiiiuiiiiiiiiiuiiuiiiiifiiniiniiiiiiiiiiiiiiiiiitiiiuiniiiiiiiiiin vor dem zweiten rOnffahrplan. Eine optimistische Rede Stalins. Die offizielle russische Telegraphenagentur versendet«ine Red« Stalins, die«inen Bericht üb« di« Durchführung des ersten und ein« Voraussage über den zweite» Fünfjahrplan darstellt. Wie nicht anders zu erwarte», hebt Stall« besonders di« Entwicklung der rufiischen W rtschast»ach d« technisch«» Seite hervor, während er der Lage der arbeitenden Klaffen wenig« Beachtung schenkt und in sein« Kritik der bolschewistischen Wirtschaft-, pol tik längst nicht so weit geht wie di« Press« Sowjetruhlands. Di« wichtigsten Stellen der Rede Stalins lassen wir hier folgen: Moskau, 10. Jänner.(TASS.) Stalin erklärte in seinem in der Plenarsitzung deS Zen- tralkomitees der kömmunistischen Partei Rußlands abgegebenen Berichte: Als der Fünfjahrplan das Licht der Welt erblickte, dachten viele, daß er eine private nationale Angelegenheit der Sowjetunion sei. Die Geschichte aber zeigte, daß seine internationale Bedeutung unermeßlich und daß der Fünfjahrplan Sache des gesamten internationalen Proletariats ist. Stalin konstatierte, daß auf dem Gebiete der Durchführung des Planes mehr getan wurde, als die hitzigsten Köpfe der kommunistischen Partei erwarten konnten. Wir, hatten keine Hüttenindustrie, keine Traktoren, keine Automobilindustrie, keine Maschinenbauindustrie, keine wirklich moderne chemische Industrie, keine seriöse Produktion moderner landwirtschaftlicher Maschinen und keine Flugzeugindustrie. Alle diese Industrien haben wir jetzt. Die Sowjetunion rückte auf dem Gebiet der Elektrizitätserzeugung und Erdolpro- duktion vom letzten auf einen der ersten Plätze auf. Wir schufen neue Grundlagen für Kohlen- und Hüttenwerke im Osten, die den Stolz unseres Landes bilden. In der nächsten Zukunft werden wir zwei neue Basen für die Textilindustrie in Mittelasien und in Ostsibirien haben. Dies führte dazu, daß die kapitalistischen Elemente für immer aus der Industrie endgültig verdrängt wurden und die sozialistische Industrie die einzige Jndustrieform in der Sowjetunion überhaupt wurde. Unser Land wurde aus einem Agrarland ein Industrieland, und der Anteil der Industrieproduktion in bezug auf die landwirtschaftliche Erzeugung stieg von 48 Prozent zu Beginn des Planes auf 70 Prozent im vierten Planjahr. Es gelang uns, das Programm der gesamten Industrieproduktion, das für fünf Jahre berechnet war, zu 93.7 Prozent zu erfüllen und den Umfang der Industrieproduktion im Vergleich zum Vorkriegsstand mehr als zu verdreifachen und im Vergleich zum Stande 1928 mehr als zu verdoppeln. Der Fünfjahrplan für die Schwerindustrie sei zu 108 Prozent erfüllt worden. Das Ge- samtvrogramm des Planes erfüllten wir nicht um sechs Prozent, doch ist dies darauf zurückzuführen, daß die Sowjetunion infolge der Weigerung einiger Nachbarländer hinsichtlich des Äb- schlusses eines Nichtangriffspaktes und infolge der Komplikationen im Fernen Osten eine Reihe von Fabriken auf die Produktion moderner Verteidigungswaffen umstellen mußten, wodurch die bisherigen Lücken in der Wehrfähigkeit des Landes ausgefüllt wurden. Ohne diesen Umständen hätte die Sowjetunion den Fünfjahrplan sicherlich überholt. In bezug puf die Wehrfähigkeit verwandelte sich die Sowjetunion aus einem schwachen nicht wehrfähigen Lande zu einem mächtigen, gegen alle Zufälligkeiten gewappneten Lande, das alle modernen Verteidigungswaffen im Massenumfang erzeugen und seine Armee im Angriffsfalle von außen versorgen kann. Zur Industrialisierung erklärte Stalin weiter, wenn die jährliche Zunahme der Industrieproduktion in der ersten Fünfjahrplanperiode durchschnittlich 22 Prozent ausmachte, so seien für den zweiten Fünfjahrplan 13.14 Prozent in der jährlichen Zunahme anzusetzen. Für 1933 sei eine Zunahme von 16 Prozent vorgesehen, während für die kapitalistischen Länder eine jährliche Zunahme von 5 Prozent ein unerreichbares Ideal darstelle. In der ersten Fünf- jahrplanperwde habe es die Sowjetunion verstanden, mit Enthusiasmus und Pathos den neuen Aufbau zu organisieren; jetzt müsse sie die Sache durch den Enthusiasmus und Pathos des Vertrautmachens mit den neuen Fabriken und der neuen Technik, durch seriöse Steigerung der Produktivität der Arbeit, durch entschiedene Herabsetzung der Selb st ko st en ergänzen. Die Partei führte den Fünfjahrplan in vier Jähren durch und organisierte im Läufe von etwa drei Jahren 200.000 Kolchoze und etwa 5000 sowjetistische Großgrundbesitze, wobei sie gleichzeitig die Anbaufläche in vier Jahren um 21 Millionen Hektar vergrößerte. Die Kolchoze vereinigen nun in sich mehr als 60 Prozent der Bauernwirtschaften mit mehr als 70 Prozent deS gesamten Bauerngrundbesitzes, was dreimal mehr ist, als vom Fünfjahrplan erwartet wurde. Die Partei erreichte, daß anstatt 600 Millionen Pud Getreide, die in der Zeit der Bauernbewirtschaftung geerntet wurden, nun jährlich etwa 1400 Millionen Pud unter Dach gebracht werden. Die Erfolge des ersten Fünfjahrplanes b e- deuten nicht, daß wir auch im zweiten Fünfjahrplan die Politik des beschleunigten Tempos fortsetzen sollten. Wir haben die materielle Lage des Arbeiters und Bauern schon insoweit gebessert, daß diese nicht mehr mit Besorgnis dem morgigen Tage entgegensehen müssen, denn wir haben ein für allemal den Unterschied zwischen dem landwirtschaftlichen Kulaken und dem landwirtschaftlichen Arbeiter beseitigt und damit den Pauperismus auf dem Lande vernichtet. Natürlich haben wir die völlige Sicherstellung der materiellen Bedürfnisse der Arbeit^ und Bauern noch nicht erzielt und werden sie in absehbarer Zeit wahrscheinlich auch nicht erzielen, aber die Situation wird von Jahr zu Jahr besser. Die Unruhen m Spanien dauern an. Nene Zusammenstöße In Barcelona. Paris, 10. Jänner. Nach den Madrider Informationen des„Matin" sind bei den sonntägigen Unruhen in Barcelona und Katalanten 30 Personen ums Leben gekommen. In der Nacht auf heute wiederholten sich die Unruhen in Barcelona, Sevilla, Granada, hauptsächlich aber in Valencia und in den benachbarten Städten. Bei den Zusammenstößen mit der Polizei wurden zahlreiche Personen verletzt und mehrere getötet. Di« größte Zahl der Toten wird ans ! P e d r a l b a gemeldet,- wo bei den Zusammenstößen dreizehn Personen, zehn Zivilisten und drei Polizisten getötet wurden. Dort haben di« Anarchisten das Rathaus in Besitz genommen. Größere Zusammenstöße werden noch aus de» Gemeinden Lerida, Bugarra, Gräo und ander«« gemeldet., Vor einem Generalstreik in Sevilla? Madrid, 10. Jänner. Nach einer Meldung aus Valencia wurden drei Polizisten getötet, als sie in die Ortschaft Bugarra eindrangen, wo die Aufständischen das Rathaus besetzt harten. In Grno wurde ebenfalls ein Polizist getötet. In Sevilla wurden um Mitternacht mehrere Brände gelegt. In einer Tuchfabrik explodierte eine Bombe, richtete aber, abgesehen von zerbrochenen Türen und Fensterscheiben, nur geringen Schaden an. In einem anderen Teil der Stadt steckten Terroristen mit Hilfe von Benzin einen großen Kaufladen in Brand und verletzten einen Wächter durch Revolverschüsse. Alle Bahnhöfe werden streng bewacht. Um Mitternacht traten die Bäaer in Sevilla in den Streik, doch werden Schritte unternowmen, um die Bevölkerung heute mit Brot zu versorgen., Für den heutigen Dienstag soll em Generalstreik geplant 1«in.— In Granada explodierte vor einem Kirchentor eine Bombe.— In Madrid wurden drei Personen tot aufgefunden, und zwar ein Mann, ein« Frau und ein junges Mädchen. Alle drei sind von unbekannten Tätern durch Revol- verschüsse gelötet worden. 1« kammunilUftbe streik in Brix. Wie Absenzen zustande kommen. Nach einer Information unseres Brüxer Parteisekretariats erfahren wir zu dem von der kommunistischen Presse groß aufgemachten „kommunistischen Streik in Brüx" folgendes; Auf dem„Hcrkulesschacht" ist Dienstag früh die Hälfte der Belegschaft eingefahren. Nachmittag fand dann eine Versammlung der Kommunisten statt, so daß nur ein Viertel der Belegschaft einfuhr. Die Versammlungsteilnehmer kamen eine Viertelstunde zu spät und wurden, an diesem Tage nicht mehr an die Arbeitsstelle zugelassen. Der Streik auf diesem Schacht entstand also aus dem Zuspatkommen der Leute. Der„I g n i s s ch a ch t" ist nur ein ger, auf dem gegen 40 Leute arbeiten. Es fällt also diese Zahl im Verhältnis zur Gesamtzahl der Bergarbeiter überhaupt nicht ins Gewicht. Aber auch da weiß man nicht, ob überhaupt gestreift wurde. Auf dem„K o l u m b u s s ch a ch t" dürfte die Lage so ähnlich wie auf dem„Herkulesschacht^^ gewesen sein. Die Kommunisten werden eine Versammlung abgehalten haben, so daß die Leute zu spät an der Arbeitsstel l e erschienen. Von einer Einstellung der Arbeit auf den anderen in der„.Internationale" und im „Vorwärts" angegebenen Schächten ist nicht das geringste bekannt. iiiiiiiiiHiiiiiiiuiiiiiiiiiuiuiiiiiiiiuiuiuuiiiiunuiiiiiiiuuiiiiuiuiiuniuiiiiiiiiHiiiuiiiiiiiinuiiiuuiu Bomben und Ausreden. Die Japaner rucken weiter vor. Tokio, 10. Jänner.(Reuter.) Das japanische Hauptquartier teilt mit: Nach einem kurzen Gefecht wurde heute früh dir Stadt Tschiu- menkau erobert. Die japanischen Flugzeuge bombardierten einig« chinesische Militärabteuun- aen, welch« sich in der Richtung nach Schiment- schaj, zehn Meilen westlich, zuruckzogrn. * Tokio, 10. Jänner. Wie aus Tschiutfchau gemeldet wird, hat eine japanische Kavallerieabteilung das Städtchen Tschiumankau, das in der Nähe von Schanhaikwan auf der chinesischen - Seite der Großen Mauer liegt,„ohne Schwertstreich" besetzt. Die Besetzung dieses Ortes, der einen Engpaß beherrscht, wird von japanischer Seite mit der Notwendigkeit begründet, das weitere Eindringen von Truppen Tschanghsuehliangs in di« Provinz Jehol zu verhindern. * Peiping, 10. Jänner. Die Japaner unternahmen mit Bombenslngzc«gen einen Angriff auf die chinesischen Streitkräfte innerhalb der Chinesischen Maner längs der Grenze der Jehol-Provinz. Bei diesem Angriff kam es zu kleinen Scharmützeln westlich von Schanqhaik- wan. Was das Gebiet innerhalb der Chinesischeu Mauer betrifft» so sind nach den bisher vorliegenden Meldungen keine militärischen Operationen oder Manöver zu verzeichnen. Wie es scheint, begnügen sich Chinesen und Japaner augenblicklich mit der Instandsetzung ihrer Verteidigungslinien. Ein HaWreuz-Mörder gefaßt. AngeDlidie„No'vüftr“ als A^srefle. Berlin, 10. Jänner. Der politischen Polizei ist es gelungen, die Bluttat auszuklären, die in der Neujahrsnacht in Lichtenrad« verübt wurde. Damals wurde der Arbeit« Erich Hermann von politischen Gegnern erstochen. Der unter dem Verdacht der Täterschaft gestern verhaftete 22jährig« Schlächter Fritz O st h o f f, der der NSDAP angehört, hat heute gestanden, den Mord b«gang«n zu haben. Er behauptet, di« Tat in Notwehr begangen z« haben. Deutschlands größte Sorge. Militärattaches. Berlin, 10. Jänner. Wie das Contibüro von zuständiger Stelle erMrt, ist beabsichtigt, zum 1. April o. I. deutsche Militär- und Marine- attachäs an eine Reihe von deutschen Botschaften und Gesandtschaften zu entsenden. Militärattaches werden den Botschaften in Paris, London, Rom, Moskau und Washington und den Gesandtschaften in Prag und Warschau zugeteilt werden. Martne- attachäs werden entsaiwt an di« Botschaften in Paris, London und Rom. Einzelne von diesen werden zugleich auch bei anderen Staaten akkreditiert werden. Ueber die in Frage kommenden Persönlichkeiten ist noch keine endgültige Entscheidung getroffen. Beratungen Uber die Vierzigstundenwoche Genf, 10. Jänner. Die vom Internationalen Arbeitsamt einberusene Vorkonferenz für die internationale Einführung der vierzigstündigen Arbeitswochen in der Industrie begann heute vormittags in Anwesenheit von Vertretern der Regierungen, der Arbeitgeber und der Arbeitnehmer aus 34 Staaten. Seite 4 Mittwoch, 11. Jänner 1938 Nr. 9 sich getroffen worden, um einen reibungslosen Ablauf i darunter techmsche TmPPen, wurden aufgeboten, K m.u•»m-1 um Xre SRorfrtrw wXo /titÄ Sött Sv'rUTtttttPrw üf NSV-, T agesneuigkeiten i um die Verwundeten aus den Trümmern zu bergen und in die Krankenhäuser zu bringen. Bis zu den Mittagsstunden wurden zehn Tot« und 35 Schwerverletzte geborgen. Nach den bisherigen Feststellungen trifft den Lokomotivführer des Schnellzuges die Schuld. Er sowie das gesamte Begleitpersonal des Schnellzuges wurden verhaftet. Crajowa. Dort stießen Dienstag früh gegen 8 Uhr ein Schnellzug und ein Personenzug in voller Fahrt zusammen. Die Wagen des Personenzuges wurden aus den Schienen geworfen. Fünf Wagen find vollständig zertrümmert. Acht Personen wurden getötet, zwölf schwer, diele leicht verletzt. Bon Bukarest sind sofort Hilfszüge an di« Unglücksstell« abgegangen. In Automobilen und Autobusse» versuchen die Angehörigen der Fahrgäste des verunglückten Personenzuges möglichst rasch zur Stell« zu sern. Umfangreiche Sicherheitsmaßnahmen find von den Behörden Grubenrmglüü in Schatz!«. Zwei Tote. Sonntag nachmittags ereignete sich ein schwe, res Unglück auf dem Tagbau des Marieu- s ch a ch t e s in Schatzlar. Plötzlich brach dort«ine Wand ein und begrub drei Bergarbeiter unter sich. Die Bilanz dieses Unglücksfalles war furchtbar. Die Bergarbeiter P tischte und K o l i a t wurden getötet und der Bergarbeiter Heinrich Fleischer erlitt außer Quetschungen noch«inen Beinbruch. Mllitörvttot bei der Notlandung j tödlich verunglückt. Proßnitz, 10. Jänner. Am Dienstag ui 14 Uhr 15 Minuten startete der Zugsfühv Franz Michälek aus Pasinka bei Koliu a> dem hiesigen Militärflugplatz zu einem Uebuna fluge. Bei dem Fluge verirrte er sich Wahl icheinlich und beschloß deshalb, ungefähr 1.5 Kitz ineter südöstlich von der Gemeinde Hrüböie« ar dem Felde eine Notlandung vorzunehmen. Hickb schätzte er infolge des frisch gefallenen Schnei die Höhe schlecht ab, das Flugzeug stieß hefR auf den gefrorenen Ackerboden auf und wuri vollkommen zertrümmert. Zugsfuhrer Mi ch ü l ek fa nd h i e b« i de n Tod. Nach dem Unglück hcrbeigeeilte Landbewos ner verständigten den Militär-Flugübungspls in Proßnitz. An die Unfallstelle begab sich abeno eine technische Militärkommission, um die Ui fache des Unfalls festzustellen. Helft«gforS, 10. Jänner. Die Seefestung Mac E l l i o t ist, wie die ,^B. Z." meldet, in die Luft geflogen. In der Festung war ein Grotzfeuer ausgebroche«, das die Mn- nitionslager ergriff. Diese explodierten. Di« Annäherung der Lösch- und Rettungsschiff« an den Unglücksort wird durch einen schweren Schnee st urm behindert. der ... des havariertem russisch«» Eisbrechers„Malygin" an Bord zurückgekehrt. Das Frachtgut des Schiffes wird zur Zeit durch Schaluppen gelöscht.. Die Mannschaft trifft Vorkehrungen, um bei Ankunft von Hilfsschiffen den Eisbrecher frei zu machen. Der von'Murmansk ausgela-nfene Eisbrecher„Senin* und der Dampfer„Ruslan" werden morgen oder über- morgen an der Unsallstelle eintreffen. Stockholm, 10. Jänner. Nach dem gestern veröfsentlichten Bericht der Revisoren har der schwedische Zündholzkönig Ivar Kreuger, der bekanntlich im Mörz des Jahres 1932 in Paris Selbstmord verübt hat, 115,776.000 Dollar(etwa 4 Milliarden K) von den Einlegergeldern veruntreut. Außerdem ist der Revisorenausschuß zu der Ansicht gelangt, daß Kreuger durchaus nicht solch ein internationales Handelsgenie war, für das er mit Unrecht gehalten wurde. Die Revisoren haben die Bucher von 160 Gesellschaften in Europa, Nord- und Südamerika, die an den Unternehmungen Kreuzers beteiligt waren, geprüft, doch betrifft ihr Bericht hauptsächlich das Rieseimnternehmen Kreuger& Toll. In dem Bericht wird konstatiert, daß die Durchführung von Manipulationen mit Millionen Dollar bei den einzelnen Gesellschaften Kreuger dadurch er- möglicht wurde, daß er über die ganze Gruppe ein wahres Diktaturregime ausübte. Die Betrügereien in einem solchen Umfange, schließt der Bericht, konnten freilich nicht ohne Mit. Schwerer Union im Prager Deut chen Theater. Mehr als zwanzig Chorsänger ans einem Podest eingestLrzt.— Eine schwere Verwundung. Gestern in der Mittagstunde ereignete sich auf der Bühne des Prager deutschen Theaters ein schwerer Unfall; während einer Probe stürzte ein Podest ein und riß die daraufstehenden Künstler hinab. Die Direktion des Theaters gibt über den Unfall folgenden Bericht„nach genauen Ermittlungen" aus: Bei der heutigen Prob« von Orpheus und Eurydike" von Gluck brach ein Podest von 2 Meter SO Ztm. Höh« durch. Aus dem Podest befanden sich etwa 7 bis 8 Mitglieder des Chores. Eine Dame des Chores trug einen komplizierten Bein-Knöchelbruch davon(es handelt sich um Frau Leopold:»« Wertmüller) und wurde in di« Klinik Schlosser zur Behandlung gebracht. Fünf weitere Herrschaften des Chores erhielten Prellungen und leichtere Verletzungen und befinden sich Ann Teil In häuslicher Pflege und sind z. T. ab morgen wieder dienstfähig. Mit der gesamten Oeffentlichkeit werden wir unS freuen, wenn das Unglück, das noch viel furchtbarer hätte ausfallen können, in seinen Folgen auf diesen, zwar außerordentlich bedauerlichen, dennoch aber glimpflichen Umfang beschränkt bleibt. Einer unserer Redakteure, der wenige Minuten nach dem Einsturz an Ort und Stelle war, stellte allerdings fest, daß das Praktikabel an die vier Meter hoch war und eine Reihe von Augenzeugen des Unfalls sagte übereinstimmend aus, daß mehr als zwanzig Personen, durchwegs Damen und Herren vom Chor, auf ihm ausgestellt gewesen waren und in die Tiefe stürzten. Weiter wurde unserem Redakteur berichtet, daß außer Frau Leopoldine Wertmüller, deren blutige und wmplizierte Verletzung ernster Natur ist, auch Herr Rudolf D a n d a eine ernstere Verletzung, nämlich einen Armbruch, erlitt. Neben den Prellungen, Quetschungen und Abschürfungen leichterer Natur traten, wie nicht anders vorstellbar, bei einer Reihe Betroffener kritische Nervenzustände ein, insbesondere könnt« bei einzelnen mitbetroffenen Frauen und Mädchen noch nach Stunden keine Beruhigung festgestellt werden. Im Theater, besonders unter der Künstlerschaft, deren volles Mitgefühl mit den Kollegen sich in röhrender Weise äußerte, herrschte selbstverständlich fieberhafte Aufregung.die sicherst allmählich legte, als festgestellt war, daß das Unglück sozusagen noch halbwegs gut ausgegangen war(sofern Malygin wird gerettet. Moskau, 10. Jänner. Nachdem Shurm gelegt■ hat, ist die Mannschaft sten Tage entweder Sieger oder tot zu feit — Hitlers Getreuer Stubenvauch war tapse genug, ein neunzehnjähriges Mädchen z» Mutter zu machen, aber zu feig, die Berard Wortung dafür zu übernehmen. Er rock „männlich" genug, Mordpläne mit zia „Kameraden" zu verabreden, und er war vH rischer Bulle genug, vor der Ermordung dH Gcliebeten noch einmal mit ihr geschlechtlich f verkehren— ja, so sind eben Hitlers rauh Krieger—, aber er ist zu feige, zu seiner Ä ;u stehen, sie zu verantworten, er leugnet jetzl nachdem er während des Untersuchungsv« fahrens schon den Mord««gestanden hatst und es leugnen auch sein« zwei Mithelfet Das hat man ja auch„rm Dienst" geler^ das unermüdliche Lügen.— Uebrigens wck auch die Tat ganz genau wie eine im Dienj verübte, wie es der eine Freund dem Stube» vauch geraten:„Häng ihr doch einen Stein u» den Häls, da versinkt sie!"— lind nachdeß es geschehen war, fragte der andere Freut« „Na, ist sie erledigt?" Erne Phrase, die gerade zu dein dienstlichen Wortschatz der SÄ Mannschaften entlehnt ist. Man„erledigt den Gegner— worum nicht auch die unangt nehm gewordene Geliebte? Ganz wie„in Dienst", versteht sich. Di« Soldatenselbstmordr. In Preäov b> sich Sonntag abends der Soldat Raman d» Artilletieregrmentes Nr. 202 in der Kaserne nü seinem Dienstgewehr ein« Kugel durch den Kol gejagt. Er war sofort tot. Raman stammt am Karpachorußland und hat einen Brief hinter!« sen, in welchem er als Motiv des Selbstmord! angibi, daß sein Bruder ihn um die Erb sch a f t gebracht habe. Die Tote« der„Niobe". An der Küste vck Süd-Laaland war«ine Leiche angetrichck worden, in der man«inen Toten der ßliobt erkannte. Das Artillevieschulboot„Drache" hn die Leiche nach Kiel übergeführt, wo der Tot als der Schiffsarzt der„Niobe", Marineob^ stabsarzt Dr. Sonder erkannt wurde. N« einer Trouerseier in Kiel-Wik wird die Leich in die.Heimat des Toten, nach Hosgeismch übergesührt. Zwei Kinder beim Eisläufe« ertrunken. ÄH Kaschau wird berichtet: In Haliö ist auf dem M sitz Forgach ein riesiger Fischteich. Im Wint^ herrscht strenges Verbot, auf dem Eise des Teichß Schlittschuh zu laufen. Die beiden Kinder d» Eisenbahners Oravec im Alter von 8 und v Jahren gingen trotz dem Verbote auf den nck leicht zugefrorenen Teich und brachen im Eis ein Beide Kinder sind trotz der schnellen Rettung^ aktion ertrunken. Ein Flughafen bei Kitzbuhel. Die österreichisch Flngdienftgesellschast Plant die Errichtung cini privaten Flughafens am Schwarzen See d* Kihbühel, besten Eisdecke im Winter für den Sto< und die Landung von Flugzeugen ausgenützt werd« soll.. Mit der Aufnahme des Winterflngverkehl^ nach Kitzbühel kann gerechnet werden, sobald i>» Genehmigung de§ Handelsministeriums vorlieb Bon der genannten Gesellschaft dürsten zw^ Flugzeuge in den Dienst gestellt werden. Neue Etappe in d«r Fürsorge für Zchwack finnige. Auf Initiativ« des Ministeriums für sozial Fürsorge fand am 16. Dezember v. I. beim Land« amte in Prag die zweit« Beratung über den Aick bau der organisierten Fürsorge für Schwachsinnig in. Böhmen statt. An der. Beratung nahmen t« Vertreter des Gesundheitsministeriums, der erö sprechenden Sektionen des Landesamtes, sämtlich^ bisheriger Institute für Schwachsinnigenpflege sowj hervorragende Fakwren und langjährige Mnarbe-.t! auf dem Gebiete der Schwachsinnig«npfleg«. Vom Rundfunk Empfehlenswertes aus den Programme» Donnerstag. Prag: 6.16: Gymnastik. 11: Schallplatten. 18.11 TeutscheS e ndung: Dr. Moucha: Neu« Büchck 10.20: Lieder. A.20: Der Mitternachtszug.' Brunn: 16.10: Orchesteikonzen. 18.25: Deut ick Sendung:„Hamnbal", Sketch.— Mähr.-Ostr« 18.80: Deutsche Sendung: Buschbek: Neber di Freude des Lebens. 19.20: Walzerslunde.— Berlin 16.30: Kammerorchester. 20.30:„Der Verschwendet von Raimund.— Breslau: 20:„Boykott", Hörspis Mühlacker: 18.30: Mandolinenkonzert.— Königs l^rg: 18.56: Musik für Branche und Klavier.' .'angrnbrrg: 20: Lied und Tanz im Rokoko. München: 21: Sinfoniekonzert.— Wien: 21: A Wiener Spore.:< u. vm die Arbeiter- und Schülerkarten. Schülerkarten für die Kinder Arbeitsloser werden nicht erhöht, Samstag fand im Eisenbahnministerium eine Beratung über die Arbeiter- und Schülerfahrkarten statt, deren Verteuerung'u den be troffenen Kreisen eine begreifliche Erregung her- vorgerusen hat. Vertreten war dabei u. a. eine Reihe von Gewerkschaftsorganisationen, darunter auch kommunistische, deren Sprecher, Adg. Ba bel, sich jedoch durch krasse Unkenntnis des Tat bestandes auszeichnete, so daß ihn seine eigenen Kollegen auf Irrtümer- aufmerksam machen mußten. In der Beratung gaben die Vertreter der freien Gewerkschaften obenso wie die der tschechisch- nationalsozialistischen Gewerkschaften die Erklärung ab, daß eher eilte allgemeine Preis- i erhöhung der Arbeiterfahrkarten als die Herab setzung der Einkommensgrenze zu ertragen sei; auf Grund von Erhebungen wiesen sie nach, daß I Aus drr Welt der Millionäre. Kreuger hat etwa vier Milliarden veruntreut. Reue Srvlofion in Ratheuow. Rathenow,. 10. Jänner. Im Werk Premnitz der J. G. Farben ereignete sich heute nachmittags zwischen 15 und%16 Uhr ein schweres Ex- plosionsunglück, bei dem es wiederum eine Reihe von Schwer- und Leichtverletzten gegeben haben soll. In der sogenannten Bersuchsabteilung.zersprang mit lautsm Knall ein größeres Leitungsrohr. Die Trümmer richteten im weiten Umkreise große Verwüstungen an. Die Firma ließ das Werk sofort nach dem Unfall sperren, so daß es bisher nicht möglich war, näher an die Unfallstell« heran zu kommen. Dr« I. G.. Farben teilt zu der Explosion mit: In der Kunstseidefabrik Premnitz bei Rathenow ereignete sich heute ein Betriebsunfall bei dem ein Schwewerketzter und Hwes Leichtverletzte zu beklagen sind. Der Unfall entstand durch ein Versehen des Belriebspersonals bei der Pumpstation für Schwefel- kohlenstvff. Irgend ein Zusammenhang mit der Ex- plosian äm 7. Dezember 1832 besteht nicht. „Im Dienst war er gut". So sagten übereinstimmend die SA.-Kameraden des wegen Ermordung seiner schwangeren Geliebten angeklagten Frankfurter SA.-Mannes Stubenrauch. Im Dienst war er gut— er hat sich bei vielen Zusammenstößen der Nationalsozialisten mit politischen Gegnern als brutaler, rücksichtsloser Draufgänger erwiesen. Also war er ein geradezu vorbildlicher Hitlermann» war er„im Menst gut", und weil er es war, weil er seinem ganzen Wesen nach so vortrefflich sich für diesen Dienst eignete, steht er nun als Mörder seiner Ge- . liebten vor Gericht. Denn der Nationalsozia- ! list, der wirklich„Im Dienst gut" ist, muß ein roher, brutaler Kerl sein, dem Gesundheit und Leben anderer Menschen gleichgültig sind, der Freude an der Gewaltanwendung hat,— er nmß gewissenlos sein, niedrig denken,— und je mehr von allen diesen völkischen Eigenschaften er hat, ein um so besserer SA.-Mann wird er sein. Selbstverständlich gehört dazu auch Feigheit. Alle Rohlinge sind rm innersten ihres Wesens feig. Wie feig der Osaf ist, hat er jo beim Abschluß jenes Abenteuers gezeigt, Die Festung liegt auf einer Insel, etwa 3V Kilometer von Helsingfors entfernt. Wie das Blatt weiter meldet, sieht man vom Festland aus beständig ungeheure Feuergarbe« zum Himmel steigen und mau hört das Dröhnen schwerer Explosionen. Sieben Kaverne« und große Teile der Festungsbauten solle« zerstört sei«. Man befürchtet schwere Verlust« an Menschenleben. WM» Zngskatastzophe in Bukarest. Acht Tote, zwölf Schwerverwundete. Bukarest, 10. Jänner. Ein schwerer I der Nähe von Bukarest. Danach erlitt heute früh Zugszusammenstoß ereignete sich unweit des j um 6.30 Uhr, etwa zwölf Kilometer von Bukarest Bnkarester Nordbahnhofs,^auf^der Strecke«ach Entfernt, der Personenzug einen Maschinen- «•-> 1 s 11*“ at*“' schien. Der Lokomotivführer wußte, daß der auf derselben Strecke folgende Schnellzug etwa 20 Minuten hinter ihm lag und hielt seinen Zug an. Der Führer des Schnellzuges aber hatte die fahrplanmäßige Gefchtvindigkert bedeutend überschritten, so daß der Zeitabstand nickt eingehalten wurde. In der Dunkelheit fuhr der Schnellzug mit einer Geschwindigkeit von 60 Stundenkilometern in die letzten Wagen des Personenzuges hinein. Fünf Wagen dritter Klasse, in denen sich größtenteils Bauern befanden, wurden völlig zertrümmert. Hilfszüge, Lastkraftwagen, Militär, wissen zahlreicher Gesellschafter erfol^n. Auch eine falsche Buchführung spielte chiehei eine Rolle. * üoolivge hinter!8ßt eine Milliarde... Rorthampton(Staat Massachusietts), 10. Jänner. Gestern wurde festgestellt, daß der verstorbene ehemalige Präsident Calvin Coolidge ein kurzes Testament hinterlassen hat, in dem rr seinen, ganzen Nachlaß seiner Frau vermacht. Coolidges einziges Kind, John Coolidge, ist im Testament nicht erwähnt, weil ihm Coolidge während seiner Präsidentschaft, zur Zeit als John heiratete, eine Rente sicherte. Das von Coolidge zurückgelassene Vermögen wird mit 32,250.000 Dollar(etwa 1 Milliarde K) beziffert. Der von Coolidge während seiner Präsidentschaft in Washington abgefaßte letzte Wille Coolidges wird wahrscheinlich dem Bezirks-Hinterlaffen- schaftsgericht, in Hampshire zur Genehmigung vovgelegt werden. durch die Herabsetzung der Einkommensgrenze eine g r ö ß e r e Zahl von Angestellten und dies viel empfindlicher getroffen wird, wäh rend eine Erhöhung des Preises der Arbeiterfahrkarten um zehn Prozent bei einer Entfernung von 5 bis 40 Kilometern imr etwa 50 bis 250 Heller wöchentlich betragen würde. Bei den Wochenrückfahrkarien würde di« Erhöhung bis 100 Kilometer etwa 10 bis 100 Heller betragen. Wenn es jedoch bei der eingeführten Herabsetzung der Einkommensgrenze bliebe, dann würde die Erhöhung im Einzelfalle 80 bis 100 Kronen monatlich betragen, da dann der volle Fahrpreis bezahlt werden muß. Die Gewerkschaftsvertreter ersuchten deshalb das Ministerium, die getroffenen Maßnahmen zu überprüfen und für die Kurzarbeiter vorläufig von einer Erhöhung überhaupt abzusehen. Was die Schülerkarten betrifft, so gaben die Vertreter des Minrftermms die Er klärung ab, daß di« Kinder Arbeitsloser von der Erhöhung befreit werde« sollen; was die,- übrigen Schülerkarten anlangt, so soll die Ange- das er mit dem Schwure einleitete, am näöj legeicheit noch einmal nberprüst werden. Die Gewerkschaftsvertreter verlangten, daß von der Verdoppelung des Preises überhaupt Abstand genommen werde; soweit fick eine Preiserhöhung als unumgänglich erweist, so soll sie nach dem Einkommen abgestuft werden. Raubüberfall eines Solbateu auf eineu Koufumvereiu. Aus S i l le i n wird berichtet: I» L i e tavfka-Luoka wurde der Soldat F. des in Sillem stationierten Infanterieregimentes von der Gendarmerie verhäftet. Er war in Zivilkleidung in das BerkaüfSlokal der Konsunigenosien- schaft Budvucnost eingedrungen> und hatte den Leiter der Filiale mip einem" Revolver bedroht. Es entstand dann ein Han d ge menge, in dessen Verlauf ein Schuß losging. Der Lärm rief die Frau des Konsumleiters herbei, die nun gleich die Gendarmerie holte. F. wurde am Sonntag in dos Mflitäraefängnis nach Sillein gebracht. Auf bisher unerklärliche Weise gelang es dem Soldaten nun, am Montag aus dem Arrest auszu- brechen, und zu flüchten. F. trug seine Uniform. Es wird angenommen, daß F. einen richtiggehenden Raubüberfaü auf die Filiale des Konsumvereines ausgeführt hat. der Rettungsarbeiten zu ermöglichen. Die Rettungsarbeit«» sind sehr gehemmt, weil starker Schneefall, der bereits seit zwei Tagen anhält, de« Zugang zur Unglücksstell« erschwert. Der SÄnellzuqsMhrer ist schuld? Budapest, 10. Jänner. Der„Bester Lloyd" bringt Einzelheiten über das Eisenbahnunglück in man nämlich hoffen darf, daß die Hauptverletzte keinen dauernden schweren Schaden davontragen wird). Rr.* Mittwoch, 11. Jänner 1933 T«»te s » ine» ttt hr< - tfch : straf »er V tetfil end«« »rspiß Bnia er.*~ k°. jDUU„JL. W : Al röter der Ruisi'chen Revolution gewe'eu L Weil wir nicht der Aufsassuilg waren, vck icÄ iobl J Xj» ob« N« ki® >m« J L BI intd !id» ftw i em ,.MWDWMMWMWMWWWWWWD lngA durch ein Telegramm eines Ihrer Reisebegleiter, chistl eim e| StG «rbl tchck d L' rli^ zw< Uvas sozial A>ck nn« i m erti tlichj soÄ :bc t* nur die herrenlosen Hunde von Konstantinopel zum Verenden brachte, verbannt und interniert lind, dann wünsche ich aus ganzem Herzen, daß Tie jene Bewegungsfreiheit Wiedererhalten, die man bis jetzt den Verbannten und Verfolgten ! immer gewährt hat. Als ich aus den Zeitungen erfuhr, daß Sie Antwerpen berühren werden, war mein erster Gedanke, hinzufahren, um Sie nach so langer Zeit wiederzusehen und Ihnen dies« Dinge von Angesicht zu Angesicht zu sagen. Ich habe es nicht getan, weil der Stand unserer persönlichen Beziehungen mich annehmen ließ, daß mein Besuch von Ihnen nicht in dem Geiste ausgenommen werden würde, in dem er von mir gemacht worden wäre. Ich möchte außerdem hinzufügen, daß, wenn es bisher eine Ausnahme, eine einzige Ausnahme von dem moralischen Boykotts der über Sie verhängt worden ist, gab, diese von einer der sehr seltenen Regierungen kam, in der Sozialisten vertreten sind und daß der einzige Hörsaal, worin Sie seid Ihrem Aufenthalt auf Prmkipo sprechen konnten, di« Versammlung von sozialistischen Studenten war, die der Sozialistischen Arbeiter- Internationale angeschloflen sind. Ich habe gelesen, was Sie ihiren gesagt haben. Ich habe auch gelesen, was Sie über di« Lage in Deutschland und über die Notwendigkeit schrieben, daß die Proletarier nicht länger gespalten und damit geschwächt bleiben gegenüber den Gegnern, die ihnen ans Leben wollen. Wird die Zeit kommen, wo.man auf beiden Seiten verstehen wird, daß sich angesichts der Gefahren, die beide bedrohen, wenigstens einige Berührungspunkte zu gemeinsamer Verteidigung aufdrängen? Ich will es glauben. Ich will e- hoffen und in die»er Hoffnung fende ich, indem ich den Arbeitern Belgiens Ihre brüderlichen Grüße übermittle, Ihnen, Genosse Trotzki, meine sozialistischen Gruße. (gez.) Emile Bandervelde. niemals zum Sprudeln bringen wird. Bon feilen der„Navigation Sud-Atlanttque, Bordeaux", der Besitzerin dos Unglücksfahrzeuges, ist bereits die übliche Erklärung über di« Rätselhaftigkeit der Brandursache abgegeben worden, da das Schiff mit allen modernen Sicherhettsvorkchrnngen ausgerüstet gewesen sei. Auch der Kapitän Schoos und sein zweiter Kommandant haben bei ihrer Vernehmung nichts anderes flefagt Auf die Stimmung der Oeffentlichkeit haben diese Beruhigungspillen keine große Wirkung ge- habt. Neberall werden heftige Anklagen laut gegen die Schiffseignerin, aber auch gegen das gesamte System des Wettrennens um das größte Fahrzeug, um die größte Geschwindigkeit uiw um den raffiniertesten Luxus— ein Wettrennen, das in der gesamten internationalen Schisfahrt»ingerissen ist und das auch von der französischen ohne Rücksicht auf die Folgen für di« Sicyeche l der Fahrgäste mitgemacht wird. Bon sachverständiger Seite wird daraus hingewiesen, daß die Befriedigung der snobistischen Gelüste der modernen Seereifenden zum höchsten Gesetz geworden sei. Ein Kritiker vergleicht das auf den heutigen Riesenschiffen zwischen Bequemlichkeit und Äe- lahrenschutz bestehende Verhältnis mit e:nem hinter papiernen Gittern eingeschlossenen Tager. Die lächerliche Theorie eines Sabotageaktes 'st glücklicherweise schon nach dem Bekanntwerden der ersten Berichte über den Verlauf der Katastrophe einmütig abgelehnt worden. Dagegen gewinnt die Ueberzeugunq von der Unzulänglichkeit des Sicherheitsdienstes immer mehr an Boden. Er hat anscheinend auch nicht rm en'ferw testen der Größe der Gefahren entsprochen, dir allein a>ts dem Vorhandensein de? riesige» Apparats zur Befriedigung der Bedürfnisse an Warme und an Kälte droben und die noch durch d'e Umwandlung eines solchen Schiffes in einen'chw m- menden Palast mit hölzernen Prunkmöbeln, Stofftaperen, seidenen Vorhängen stsw. ins Un- goniessene gesteigert iverden. Auch'im Fall der„Atlantiqne" zechen sich jo c Folgen des aus den Fugen gehenden Systems Der Apparat, der Atome zertrümmert. In dem Hochspannungsloboratorium der AEG. in Berlin hat man mit der links abgebil- deten Apparatur Spannungen von 2.5 Millionen Volt erzeugt, di« in Verbindung mit einer von den Physikern Brasch und Lange konstruierten Röhr« die Zertrümmerung von Atomen ermöglicht haben. Die Wirkung der austretenden schnellen Elektronen wird an ei nein Stück Kalkspat besonders augenfällig gemacht(rechts): das Gestein sowie di« darüber befindlich« Luft werden zum Leuchten gebracht. o>iiiiiifiiiiiiniiniiiiiiitiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiitiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiniifiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiijifiiii[iiiiiiiHii)iiitiiiiiiiiiiiHiiiuiiiiifiiiiiiiiiiniiiiiiiiiiiiiiiniiiiiiiiiiiiiiiiitfiitiiiiiiui(iiiiiKiiiiiiiiiii{ninii} Die„Aliiantique" Katastrophe revolutionären Möglichkeiten von einem Eich« Europas viS zum unseren überall sie gleichen leien Es sind sechzehn Jahre her, daß wir unS trafen, als wir im Mai 1917 zusammen von Hel sinafors nach Petrograd reisten; und während der Jahre, die seither vergangen sind, haben Sie mir und meinen Freunden gegenüber nicht mit Beleidigungen und selbst Beschimpfungen gespart. Aber wenn wir, solange Sie noch ein mächtiger Mann waren, Ihnen kein« Antwort schuldig geblieben sind, so hat sich alles geändert, seitdem Sie ein Besiegter, ein Verbannter,«in Geächteter geworden sind. Ich denke oft an Sie und an die andern: an Rakowski, der in einen verlorenen Winkel im Süden Sachalins verbannt worden ist; an Rjasa- ncff, den Schöpfer des wunderbaren Marx- Engels-Jnstitutes, der wegen intellektueller Verbindungen mit Menschewiken nach Sibirien deportiert wurde; an alle, die sich trotz allem manchmal sagen müssen, daß die, wenn auch bürgerliche, Demokratie vom Standpunkt der politischen Frei. Veit aus hinter anderen Systemen nicht zurücksteht. Und wenn ich Sie sehe, Vertrieben aus Ihrem revolutionären Vaterland, überall zurückgestoßen von einer Art internationaler Verschwörung der Regierungen, die entweder eine Gefälligkeit für die Moskauer Diktatur oder, wie bei uns, die blinde und bornierte Feindschaft gegen alle- ist, was mit-er Russischen Revolution zusammenhängt, wenn ich sehe, wie Sie durch die Paßverweigerung auf diese Insel, wohin man früher 9 Sabotageakt ausgeschlossen— Das Ansehen der französischen Schiffahrt steht auf dem Spiel— Was werden die Matrosen des verbrannten Schiffes aussagen? Paris, 9. Jänner.(Cig.-Ber.) Di« Beun ruhigung über die Katastrophe des französischen I Ozeanriesen„Atlantique" wiro sich nicht.so schnell legen. Sie findet schon jetzt ein lebhaftes Echo in i bet Presse, und sie wird anläßlich einer Inter-' pellation auch den Gegenstand einer Kammer debatte bilden. Der Grund der Aufregung ist j nicht allein im Verlust des drittgrößten Fahr-' zeuges der französischen Handelsmarine zu suchen,' das mit seinen 42.000 Tonnen einen Wert von über 80 Millionen Franken repräsentierte. Der! Unglücksfall erregt weit über die Fachkreise des halb so große Besorgnis, weil er die Fortsetzung einer traurigen Serie von Katastrophen bildet.! Vor der„Atlantique" sind in einem unge-\ wohnlich kurzen Zeitraum die„Asia" der„Paul Lecat" und der„George Philippar" auf ähnliche Weise zu Grunde gegangen. Das ohnehin geringe Prestige der französischen Schiffahrt steht auf dem Spiel, denn die Gefahr liegt nahe, daß die M:hr- i zahl der Seeriesen von heute, die kein Wik- kingerblnt in ihren Adern haben, ans begreiflicher Furcht um ihr Leben die französischen Schiffe meiden wird. Bei dem erbitterten Kampf der im überseeischen Verkehr augenblicklich um jeden Passagier geführt wird, miiß sich dieser psycholo-. gische Faktor für die franchsischen Reedereien'n der nächsten Zukunft sehr unangenehm auswirken. Vym Mwister der französischen Handels marine. Lson Meyer, der sich sofort be«m i*e° kannttverden der Unglücksnachricht nach Cher bourg begeben har, ist eine scharfe Untersuchung über die Ursache der Katastrophe versprochen worden Bei seinem Besuch der geretteten Mann schaften hat er d-e Matrosen ermahnt, sich bei ihren Zeugenaussagen keinen Zwang auizuer- lcgen. da die Regierung ernsthaft gewillt sei, ein wahrheitsgetreues Bild über die Schuldfrage zu erhalten. Der weitere Verlauf der Angelegenheit wird erweisen, ob diese gut gemeinte Aufforde rung wirksam genug war, um den Mund dieser wichtigen Zeugen zu öffnen oder ob die Furcht vor dem Horn der Schisssherreck'nnd die Sorge>' um die Existenz diese wichtige Erkenutnisguclle* Der MM Trott io Antwerpen. Meine Aniwort auf seinen Offenen Brief. Yon Emile Vanderveide. Genosse Trotzkil Ein Freund. der einst, als Tie das Inter nationale Sozialistische Bureau in Brüssel besuch' ten, Ihr Freund gewesen ist, hat mir vor Einigen Tagen die Nummer der ,,B4rit6" mit dem Offenen Bries übersandt, den Sr« an mich richteten, mir aber nicht zukommen ließen. Ich will sofort darauf antwort««, zunächst weil er eine Behauptung enthält, der ich ent gegentreten will, sodann, weil er mir die Gelegen heit gibt zu sagen oder bester zu wiederholen, was ich von der Art und Weise delcke, in der Sie bei Ihrem Aufenthalt im Hafen von Antwerpen be handelt wurden. Sie schreiben zu Beginn Ihres Briefes, daß die russischen Sozialisten-Revolutionäre, die gleich wir an die Demokratie glauben, seinerzeit gegen Sie den terroristischen Kamps eröffnet, Lenin ver wundet und versucht haben, Ihren Militärzug in die Lukt zu sprengen; und daß sie, als sie vor das Sowjetgericht gestellt wurden, in mir einen ihrer hartnäckigsten Verteidiger fanden. Lasten Sie mich, bitte, di« Tatsachen fest stellen. Es ist wahr, daß di« Männer,, für die Th. Liebknecht, Kurt Rosenfeld und ich rm Jahre 1922 in Moskau plädierten, von ztvei mehr als verdächtigen Persönlichkeiten beschuldigt wur den, die Anstrster oder die Mittäter bei den Atten taten auf Lemn und auf Sie gewesen zu sein. Aber wenn sich etwas im Verlaufe der Ver handlungen klar herausgestellt hat, so ist es die völlige Haltlosigkeit dieser Anschuldigung und ich wiederhole, was ich in einer nach unserer Rück- kchr von uns veröffentlichten Broschüre(„Le proces des socialistea revolntionnaires ä Moscoa". Bruxelles, Librairie du Peuple 1922) geschrieben habe: „Hat das Zentralkomitee der Partei der So zialisten-Revolutionäre Teil an der Berantwor- tullg für die Ermordung Wolodarskys, für die Attentate auf Trotzki und Lenin? Das ist im Moskauer Prozeß sie Frage, die einzige Frage, die das sozialistische Proletariat wirklich beschaf- tigt. Und wir sagen esdeutlich: wenn diese Verantwortung f« st ge stellt worden wäre, so hätte sich keiner unteruns zu dem Versuch bereit ge funden,» derartige Handlungen zu r e ch t f e r t i g e n." Aber lasten wir dar und gehen wir zu dem über, was übrigens der Hauptzweck Ihres Of fenen Briefes ist.~, Sie beklagen sich selbstverständlich nicht, aber Sie hätten zehnmal dos Recht, sich über das Verhalten zu beklagen, daS die belgischen Behörden während Ihrer kurzen Landung in Antwerpen Ihnen gegenüber an den Tag legten. Man hat Ihnen verboten, an Land zu gehen. Man hat um Ihr Schiff herum ein groteskes Auf gebot von Polizeikräften zusammengezogen. Man hat Sie wegen Ihrer Papiere schikaniert. Man hat olle Rekorde des Mangels an Gastfreundschaft i geschlagen und Ihnen, Ihrer Frau und Ihren Begleitern die Erlaubnis verweigert, währerch der wenigen Stunden die Stadt zu besuchen; ich kenne Sie und Genossin Trotzki gut genug, um nicht zu erraten, wie schmerzlich eS für Sie war, dir alten flämischen Meister im Museum und das Rubens- aemälde in der Notre Dame nicht Wiedersehen zu dürfen. Wir in Brüste! haben von alledem selbstverständlich nichts gewußt; ich persönlich wurde erst worin dieser gegen diese unfreundliche Haltung Verwahrung ecnlegte, unterrichtet. Unsere sozia listischen Zeitungen haben dieses Telegramm sq, fort veröffentlicht und sich dem Protest angeschlos- s«n, den es enthielt. In der Beurteilung dieser Dinge sind wir also durchaus einer Meinung; aber es scheint mir, r-^fen gestanden ziemlich erstaunlich, daß Sie diese lächerliche„Antwerpener Episode" dazu benützen, um üach zehn-Jahren auf einen anderen von mir unterzeichneten Offenen Brief zurückznkommen, den sie unbeantwortet gelosten hatten, und uw bei dieser Gelegenheit die Demokratie und beson ders di« Sozialdemokratie anzugreifen. In Belgin wie in der Schwei; ist die Frew- denpolizei, wie wir schon oft ge'agt haben un>d wogegen wir vergebens anzukämpfen versuchten, ein Willkürregime geblieben. Die bürgerlich« Koalitionsregierung, die Ihnen verboten hat, bel gischen Boden zu betreten, ist die Fortsetzung jene» Regierungen, di««inst Marx, Herzen, P. I Proudhon und Viktor Hugo ansgewiesen haben Wir stehen gegen dieses Regime leit den fünf Iah rcn, die eS besteht in einer unerbittlichen Oppost tion, und es hing nicht von uns ab wenn daS Demokratische Asylrecht" nicht so gewahrt wordev i ist, wie es gewahrt worden wäre, wenn ein So j zialdemokrat an-er Spitze des Justizministeriums gestanden wär«. Aber etwas kann und will ich Ihnen sagen I daß eS unter den brlaiiche» Sozialisten niemand gibt, der anders dächte als die Tockarbeiter, die Hasenarbelter,-i« flamisthen Prolemrder, die S:« auf dem Wege zur Arbeitsstelle im Dorübergehen grüßten. Wir sind seit dem Krieg entschlostene Gegne- I geworden und werden es sick>erllch auch bleiben I Sie haben uns angekiggt und tun eS wiederum I gegen alle Gerechtigkeit in Ihrem Brief die Der zu lein daß die der kapitalistischen Wirtschaft. Au- dem Aberglauben an di« Slllmacht der Technik und im Bemühen um die äußere Wirkung, bei der aber um Gotteswillen der Profit nicht zu kurz kommen darf, wird vollkommen vergessen, wie hem rasenden Apparat im Notfall die Zügel anzulegen sind. Dazu kommt noch das Bertrauen der Reehereien auf die allen Gesetzen der Wirtschaft widersprechende Subventionspolitik der Regierungen, die aus Gründen des nationalen Prestiges Privatunternehmungen, öffentliche Mittel ohne Kontrolle zur Verfügung stellen. hy Die Fibel. Ein proletarisches Lesestück. So erzählt« er mir: Meine Großmutter liegt jetzt schon fast zehn Jahre draußen und ich war damals kaum der Schule entlaufen. Aber das sterbende Weiblein hat mir eine Lehre hinterlassen, die ich wohl nie vergessen tverde und sollte ich hundert Jahre alt werden. Da kam öfter eine auch nicht mehr ganz junge Tante m uns. Dann umso öfter, je länger Großmutter schon auf ihrem Krankenlager zubrachte und je iveniger sie Miene macht« noch einmal aufzustehen. Sie wissen ja: f« hat zum Schluß dann mehr als achtzehn- Monate fest gelegen. Während dieser Zeit, als das langsame Zu- Ende-gehen niemandem mehr verborgen sein konnte, kam diese Tante öfter zu uns. Wir durchschauten ihre Gedanken und hatten sicher heimlich darüber gelacht, wenn die Begleitumstände keine so traurigen gelvesen wären. Einmal als ich bei ihrem Fortgehen mit ihr bis zur Haustür ging, nahm sie mich beim Arm und legte ihren Dkuud recht nahe an mein Ohr: „Ist dir das nicht schon ausgefallen; die Großnmtter versteckt was vor uns?"- Ich war zu sehr, mit dem Gedanken an ihr nrögliches und ja nicht nrehr aufzuhalterldes Hin- ?ehen beschäftigt, daß ich die Worte fast über- örte, jedenfalls sie ohne Bedeutung ließ. „Du macht«irre Erbschaft, Was sollt' sie sonst vor uns verstecken? Wer weiß wie groß der Strumpf mit den Talern ist?" Peinlich berührt macht« ich mich von ihr loS. Die Rede fiel in meine von einem dumpfen Schmerz erfüllte Seele, wi« ein Stein in«men in tiefer Dämmerung schlummernden Waldteich. „Möcht' sie doch noch recht lange am Lebe» bleiben,' entrang es sich fast ohne meinen Willen meinen Lippen. „Du willst ihre Schmerzen noch weiter verlängern, wo doch eh keine Hoffnullg mehr ist. Wenn sie der Herr doch nur bald erlöst«— aber sie verbirgt uns ihr Erspartes,",«nsiuhr. er ihr. Ich hörte es' kaum. Ich hatte in der Ictz«n Zeit manche Stunde an dem Krankenbette gesessen.„Lies mir doch aus der Zeitung vor; ich möchr wissen, wa« in der Welt vorgeht", sagte sie dann öfter zu mir. Sie hatte nie lesen und schreiben gelernt, wohl weil ihr das Spulrad kein« Zeit zum Besuch der Schule gelassen hatte. In den Jahren, wo ich ihr diesen kleinen Liebesdienst nicht mehr «Meisen konnte, da bin ich mir klar geworden, daß ich ihren Wunsch doch manchmal nicht mit freudigem Gesicht erfüllt habe; daß sie mir vielleicht von der Stirn abgelosen hat, wie wenig Freude mir das Vorlesen machte^ das Hocken am Krankenbett, wenn draußen die Sonn« schien; die wenigen freien Stunden, die mir rieben meiner Bäckerlehre blieben— an ihrer Seite: Sie bat michs nur nicht merken lassen, wie weh es ihr tat. Aber von jener Zeit an datieren ihre Heimlichkeiten. Lange hat sie mit dem Tode gerungen. Aber nach diesen schweren Wochen ist er doch Sieger geblieben. Sie ist gestorben und nun habe ich ihren Verlust erst in seiner ganzen Furchtbarkeit empfunden. Als wir vom Friedhof zurückkamen, da ivar auch di« alt« Tante, von der ich vorhin erzählt habe bei uns. Ich hab wortlos aus einem Stuhle am Fenster gesessen und hab hinausgestarrt, ohne Sinn und Gedanken fiir das, was mn mich, vorging. Ich hatte sie doch sehr lieb, gehabt,, jetzt fühlte ich das erst deutlich, wo ich sie verloren hatte. Da schrak ich im Hinbrüten Plötzlich auf. Ich sah um nnch und merkte, daß ich mit ocr Tante allein in der Stube war. Unwillig warf die in zorniger Enttäuschung di« Kisten wieder in das Bett zurück, des sie durchwühlt hatte. Ein Buch war auf den Tisch geflogen--- kein Sparkasse buch. Und doch mußte di« Durchsuchung eine gründliche gewesen sein. Das-merkte ich daran, daß das Unterste zu oberst gekehrt, und alles durcheinander geworfen war. Sogar den Strobsack batte sie umgekehrt. „Ta hast das Ganze—" Bosheit und Enttäuschung lag in der Stimme und ans ihrer Miene las ich es, daß die Tante nach Anderem gesucht hatte, als sie auf das Büchel am Tisch wies: „Ta hast die Erbschaft!" Ta nahm ich die Hinterlassenschaft meiner Großmutter zur Hand. Andächtig haben meine Blicke darmls geniht. Es war ein schmales zerschlissenes Bäiidchen «ine Fibel, wie sie die Kinder im ersten Sckiuljahr haben. Und eine Nummer des Gewerkschaftsblattes steckte darin, wie es die Arbeiter aus der Fabrik alle Wochen heimbringen. Ta wußte ich. daß sie. dl« Fünfundsechzig, jährige, nock, auf ihrem Sterbebette lesen gelernt hatte. Tas ivar ihr Vermächtnis. Fch habe's I nicht vergessen. Hans Honheiscr. „Sozialdemokrat* Seite 6 Mittwoch, 11. Mdmer 1938 Str. 9 MODE- Schwärzt Samischleder-Halbschuhe, mit lack kombiniert. Das beliebteste Modell. Elegante und leichte Halbschuhe, mit tadellosem Hochglanz. Elastische Ledersohle. DAS WICHTIGSTE IHRER TOILETTE SIND DIE SCHUHE.- TADELLOSE, ELEGANTE SCHUHE ERHÖHEN DAS SELBSTBEWUSSTSEIN! 19.-, ODER ÜBERSCHUHE KL 29 GARNSOCKEN KL 4^, FLORSOCKEN MIT SEIDE KL L.-. FÜR DIE STRASSE UNSERE GALOSCHEN FÜR KL Herren-Halbschuhe aus-schwarzem Mattbox, mit Lack kombiniert. Gummi-Absatz. B-2 Tadellose Lack-Halbschuhe aus erstklassigem Material. Bequeme, halbspitze Facon. PRÄOER Der Sonderzug ins Riesengebirg« wird, beginnend am Samstag den 14. Jänner, auf Wunsch der Interessenten von Prag bereits um 18.28 Uhr, Wil- jonbahnhof, statt um Mitternacht abgefertigt werden. Rückfahrt von Fveiheit-Johannisbad Sonntag um 18 Uhr. Preis für eine Person ohne Verpflegung, Bahnfahrt und Autobus nach dem Petzer 65 K, mit Verlegung 108 K, in welchem Preise di« Bahnfahrt, Autobus, Seilbahn, Nachtlager, Frühstück und Mittagessen ans der Sokvlbaude, Unfallversicherung und Führung inbegriffen sind. Anmeldungen mit Angabe von 20 K nimmt di« Kass« Nr. 13 des Masaryöbahnhofes immer bis Freitag abends«nr- gegen. Fahrkartenausgabe Samstag. Bei nicht genügender Teilnehmerzahl wird der Zug nicht ab- gefertigt. Geriditssaal Mutz der Hausherr einen Hausschlüffel ausfolgen? Das Bericht sogt: Rein. Prag, 10. Jänner. Ein Mieter, der mit seinem Hausherrn nicht auf dem besten Fuß stand, macht« einer Abends, als er ziemlich spät heimlehrtc, eine peinliche Entdeckung: der Schlüssel sperrte nicht. ES blieb nichts übrig, als den Hausmeister herauSzuläuten und das Sperrgeld zu b^ahlen Er verlangt« Aufklärung und erfuhr, das, der Hausherr en der Haustür«in nen« S S ch l o ß habe anbringen lassen, so daß di« alten Hausschlüssel nichts mehr nutz waren. Die neu«« Hau-schlüssel aber bekamen nicht alle Parteien der Hauser, sondern nur diejenigen, denen der Hausherr wohlwollt«. Und dar waren nicht allzu viele. Der eingangs erwähnte Herr, der, wie gesagt mit dem Hausbesitzer„übers Kreuz" war, befand sich natürlich nicht unter den Glücklichen. Er brachte beim Bezirksgericht die Klage auf Ausfolgung des Hausschlüssels ein. Tas Bezirksgericht entschied zu seinen Gunsten und verurteilte den Hausherrn zur Herausgabe des Hausschlüssels bei sonstiger Exekution und zur Bezahlung der Prozeßkosten. Der Hausherr legt« Berufung ein. Das Kreisgericht harte nun in zweiter Instanz über die Sache zu entscheiden und hob das erstinstanzlich« Urteil auf, indem es selbst dahin zu Recht erkannte, daß die Klage des Mieters abg«- wiesen werde. In d«r Begründung wird ausgeführt, daß der Mieter zwar unbestritten das Recht hab«, jederzeit Zugang zu den gemieteten Räumen zu erhalten. Doch gebe«S kein« Bestimmung dar- über,- in welcher Art dies zu geschehen habe. Der Hausherr habe allo das Recht, nach eigenem Ermessen darüber zu entscheiden, ob«r seinen Mietern einen Hausschlüssel ausfolgen wolle oder nicht, sofern er sich nicht im Mietsvertrag ausdrück lich durch besonder« Vereinbarung dazu verpflichtet habe. Das sei im vorliegenden Fall nich: geschehen. Daraus, daß der Mieter vorher einen Hausschlüffe', erhalten hab«, könne er noch nicht daS Rech' ableiren, auch in Zukunft einen solchen zu beanspruchen. rl». Snari* Solei* Mmsllm Uuent chieden und Sieg zwischen Oesterreich und Ungar«. Um die Europa Fußballmeisterschaft der Sozialistischen Arbeiter-Sport-Jnrernational« startet«— wie schon kui) beruhtet— die ungarisch« Ländermannschaft der Arbeiter-Fußballspieler am 6. und 8. Jänner in Wien zu ihrem Spiel der ersten und zweiten Rund« gegen Oesterreich. Die Ungar» haben mit ihren Leistungen die kühnsten Erwartungen über- troffen und einen großarrigin Erfolg errungen. Ti« Wiener waren von den Leistungen der Ungarn am Freitag— das Treffen endet« 4:4— so begeistert, daß die ungarischen Spieler am Schluß nicht minder herzlich als die Oestcrreicher mir Beifall bedacht wurden. Ja, man hob sie auf die Schultern und trug sie vor Begeisterung vom Platz. Das erste Spiel hatte«ine s«hr gute Prcsi« gefunden, und>o waren 12.000 Zuschauer am Sonntag.erschienen, um di« Ungarn zu bewundern. Sie sind wieder voll auf ihre Kotten gekonnnen. trotzdem ZEITUNO. die ungarische Mannschaft unterlag. Beide Mannschaften hatten vevschiedene Spieler ausgewechs«lt. Die österreichische Mannschaft war dadurch etwas stärker geworden. Auch die Umstellung bei den Ungarn hatte für dios« Mannschaft' keine Nachteil«. Oesterreich war im Stellungsspiel und in der Technik etwas besser, was di«.Ungarn, wie am Freitag, durch großen Eifer und Schnelligkeit ausglichen. Spielverlauf: Das Tor der ersten Halbzeit für Oesterreich fiel durch den linken Verbinder Foveith(Gaswerk), der den Ball aus der Luft übernahm und unhaltbar einschoß. Nach der Paus« begannen di« Ungarn wieder mit kräftigen Borstößen und ließen die Oesterreicher nicht zur Entfaltung kommen. Es dauerte lang« Zeit, ehe sich Oesterreich von der Drangperiode der Ungarn befreien kann und der österreichische Rechtsaußen Ohrenberger den Stand auf 2:0 erhöht. Sechs Minuten später erzielte Ungarn durch Bakk das erste und leider einzige Tor, obzwar Gelegeicheiten genug vorhanden waren. Vier Minuten vor Schluß schoß Sobotka für Oesterreich den dritten Treffer. Oesterreich siegte 3:1 (1:0) und erzielte ein Eckewvevhältnis von 8:4. DaS Spiel leitet« Genosse Hummer(München) objektiv. * DaS Dovspiel zum Länderkampfe am Sonntag bestritten di« tschechische« Arbeitersutzballteams von Riedcr"st:rreich und Dien, das mit einem 3:2(2:1)-Siege für Wien endete. Tas Treffen verlief sehr flott, man sah einige hübsche Züge, doch hätte ein Unentschieden den: Spiel- .'er'»f besser entsprochen. Di« Diener„ÄÄb.-Ztz." schreibt i.' a.:' Nach dem großartigen Match vom Freitag erwartet« man kaum«ine ähnliche zweit« Leistung, aber d«r sonntägige Kampf vermochte ebenfalls sehr zu befriedigen. Mit Rücksicht auf di« außergewöhnlich schlechten Bodenverhältnisse können die gezeigten Leistungen nicht genug gelobt werden. Der Ausgang des Spieles war diesmal für die Ungarn weniger günstig als am Freitag, aber wenn sie aus den beiden Kämpfen auch nur einen Punkt herauSgeholt haben, io haben sie außerdem in Wien auch noch sichr viel an Wertschätzung gewonnen. Das Beste der zwei Begegnungen war aber zweifellos die letzt« Viertelstunde im sonntägigen Spiel. Blitzschnell löste«in Angriff den andern ab, die Mannschaften kämpften mit einer Rasanz, als ob sie erst das Spielfeld betreten hätten; es war«in Endkampf, der begeisterte. Der Wiener„Abend" berichtet u. a.: Di« Ungarn if:fielen abermals sehr gut und sind ein großer Gerinn für den Europabewerb. Sie kämpften wieder mit größtem Eifer dabei aber mustergültig fair und verstärkten den guten Eindruck, den sie schon im ersten Kampf hinterlassen hatten. Stand der mitteleuropäischen Zone. Sank i •>? 5S s£ 8C JS 1 9 K Oesterreich..»■. . 3 2 1 0 5 Deutschland..,» . S 2 0 1 4 Uitgarn...... . 2 v 1 1 1 Polen . 1 o 0 1 0 Tschechoslowakei(AtuS) . 1 ch o 0 1 0 Im Feber gegen Pole« oder die Tschechoslowakei. Di« österreichischen Arbeiterfußballer haben sich entschlosien, den nächsten EuropameisterschaftSkampf schon am 2K Feber in Wien durchzuführen. Als Gegner kommen Pole» oder di« Tschechoslowakei in Betracht, in erster Linie aber Polen. Vereinsnadiriditen Skikurs. Am Sonntag, den 15. Jänner, ver- cnstaltet di« Bezirksleitung ll Gau NWB. für Winlerlouristlk des Touristenvereines„Die Natur- freunde" im Gebiere Nollendorf wiederum einen Skikurs für Anfänger Treffpunkt%9 Uhr früh beim NalurfreundehauS Rollendorf. Der Kurs ist allgemein zugänglich uud kostenlos, es wird lediglich«ine Einschreibgebühr von 1.50 K für Mitglieder und 3 L für Nichimiiglieder eingehoben. Vorherige Meldung erforderlich bei Genossen Jugel, Marktplatz 11(Geschäftsstelle des Tv.„Di« Naturfreunde").„Beuge Unfällen durch Schulung vor", niemand versäume diese Gelegenheit! Kunst und Wissen Wocheuspielplan des Neuen deatfchen Theater-, Mittwoch halb 8 Uhr:„VorSounenunter- gang"(B 2).— Donnerstag 8 Uhr:„Salome" (C 2).— Freitag 8 Uhr: Hokuspokus"(D 2). — Samstag halb 8 Uhr:„Hoffmanns Erzählungen"(A 1). Wochenspielplan der Kleinen Bühne. Mittwoch 8 Uhr:„Bargeld lacht"(Bankbeamten II).— Donnerstag halb 8 Uhr:„Ein Held gesucht" (Erstaufführung).— Freitag 8 Uhr:„Susannens Geheimnis",„Rosenkavalier. Walzer",„Brüderlein fein"(Kulturver- bandsfreunde).— Samstag 8 Uhr:„Ein Held g e sucht". Aus der Partei Bezilksorganisatiou Prag. Donnerstag, den 12. Jäniier, abends 8 Uhr, im Odborovy dum, Vegetar- ’la, Sitzung der Bezirksvertretung. Der Film Kaiserliebchen. Also haben sie uns doch noch den Kaiser Josef beschert; unser« Zensur hat allerdings den Staat gegen diesen„Angriff" schützen müssen und darum den Film solange verboten, bis ihn der zähe Verleiher(vielleicht auch einer der Vertreter nationaler FUmbelange der Tschechen) sozusagen operierte: wo das Original.Kaiser Josef" sagt, da griff di« Schere ein und man hört jetzt mit neuer, zager Stimm« und ganz bescheiden„Fürst Josef"; di« Habsburger-Restauration ist also abgewehrt, uw wehr haüdält er sich den beamteten Kulturbürokraren nicht. Dieser Film ist ein««lende Monarchisten- Propaganda. Jansen, der Tenor, spielt den„Fürsten Josef" mit dem dazu gehörigen lächerlichen Pathos und singt sich und andern was von Liebe, der einzigen Sorge hieser Welt; Attila'Hörbiger ist jener Mann auS dem Volke, an dem uns die Produktion die Kaisergüte demonstriert, und■ Liane Haid ist daS ewig lachende Bittdegliederl zwischen Illen. S. J. B. Mittwoch, um acht Uhr abends i« unserem Heim am Fügnerplatz Genera-oer.omm uug mit Neuwahlen. vollzähliges und pünktliches Erscheinen ist Pflicht aller Mitglieder./ Di« Ortsgruppenleitung. Filme in Iraner LlffitspieHräumn bis einschließlich Donnerstag, den 12. Jänner 1933. Wran- Urania:„Der Draufgänger."— — Adria:„Aaron Spelec— der Scharfschütze"— Alsa:„Bring sie lebend heim."— BeräNek:„Schwester Angelrka"— F«nix:„Ein blonder Traum."— Flora:„Pepraa Reiholec"— l8aumout:„Kinder der großen Lieb«"— Hollywood:„Tie oder keine" — Hvözda:„Anton Spelec— der Scharfschütze."— Julis:„Es war einmal ein Walzer.." Kapitol:„Melodie der Lieb«"— Kiuema, B.-TH.: Journ., Report.. Grotesk«. Ab halb 11 bis halb 3. — Koruna:„Im Namen des Gesetzes."— Kotva: „Hochzeitsreise zu dritt"— Lucerna:„HochzeitS- reise zu dritt"— Metro:„Ein Mann mit Herz." — Olympier„Ein blonder Traum"— Passage: „Ern Mädel mir Temperament."— Praha:„ll m Recht und Ehre."— Radio:„Kiki."— Skant: „Fürstenliebchen."— Svötozor:„Ein Mann mrt Herz."— Alma:„Hölzerne Kreuze."— Avion:„Fürstenliebchen"— Bajkal:„Kiki."— Favorit:„Schwester Angelika."— Konvikt:„Ber- gesiene Patrioten".— Lido:„Gitta hat ihr Herz entdeckt."— Louvre:„Schwester Angelika"— Maceska:„Schwester Angelika"— Perstxn:„Pc- prna Rejholec."— Roxy:„Der weiße Rausch."— Baldek:„Pepina Rejholec."— Academia:„Melodie der Liebe."— Belvedere:„G i l g i, e i n e von uns."— Beseda:„Pepina Rejholec."— Carlton: „Pepina Rejholec"— Illusion:„Geld oder Leben." — Sport-Smichov:„Knall urrd Fall."— U Bej- vodü:„Bor der Matura"— Zvon:„Knall und Fall" Arbelter-Turn- und Sportverein Prag Heut« Mittwoch, 11. Jauner, halb acht Uhr abends, im Hotel„M o n o p o l" sgrgen« über Ankuuftsseite des Masaryk-BahuhoscS) Mitgliederversammlung mit Vortrag deS Genoffen K a r l K e r n über das Thema „Prodieme der Jugend“. Kommet alle und agitieret für einen zahlreiche» Besuch! Gäste willkommen! Literatur „DaS Buch über mich selbst." Jahre des Kampfes Von Theodore D re i s e r. Paul Zsolnay Verlags Wien. Theodor« Dreiser, der weltberühmte am:ri- konische Schriftsteller, läßt mit diesem Bande das zweit« seiner autobiographischen Bücher folgen Ter erste Batch umfaßt« jein« Kinder-, und äüng.ings- jahre, in dem vorliegenden erzählt«r von‘e.nd Eriebniss«» und Kämpfen als Jüngling und Maua bis zu seinem Eintritt ins literarische Leben.' Er tut dies mit jener epischen Breite, die auch sein« Roman« aufweisen und di« in diesem Fall« ein glänzen dell Gedächtnis beweist, denn er berichtet über alle.Einzelheiten und Eindrücke während dieser Zeil mit les wundernswertcr Genauigkeit. Ueber 700 Seiten umfaßt Has Buch, aber es ist. nicht«tue Seit« da im, di« man als„tote Stelle" empfinden könnt« W'l erfahren, wie frühzeitig vage Träum« von. seine« künftigen Schaffen in seiner Seel« keimen, obwohl er seine Laufbahn sozusagen als„LumpenproletarierH wi« er seihst jagt,, beginnt, das heißt, daß er fei# geregelte Beschäftigung hat und sich als Einkoiiterl» für«io MöbclabzqhiunMrichäft mühselig durch« schlägt. Er treibt sich in Chikago herum, lernt Höhen und Tiefen des Lebens, dieses„brüllenden, tobende» kreischenden Strudels von Laben" kennen, inaner hat er offene Augen und bald kommt ihm der Einfall» Warum- schreibst du nicht über diese. Tinge? Er beginnt auch bald klein« Gebilde zu improvisiere«, Verse, Produkte der überschäumendcn Poesie sciiict Seele. Auch versucht er. sein« Gedanken zu Pap«r zu bringen, immer von dem fieberhaften Wunsch beseelt, vorwärtszukommen, doch hat er damit kei« Glück, seine ersten literarischen Erguss« wandern:< irgendeiner Zeitungsredaktion in«inen Papierkord Allmählich formt sich in ihm der Wunsch, Reporter ;u werden, allerdings waren damals leine Lebens- 'enntniffe sehr gering. Dreiser muß lange auf ds< Erfüllung seines Traumes warten, schlägt sich in. verschiedenen Stellungen herum, sucht ober immer wieder Zeitungsredaktionen auf. um dort«in Unter- kommen in einer seinen Neigungen zusagenden Stellung;u finden. T«s« Lehrjahre sind sehr harte. Mit Offetcheit und Wahrheilsmut berichtet er von seine* Schwärmereien als Jüngling, von seinen Kämpfet als Mann und von den Vorgängen in setnem Elte.ns häuf«, wo die Verhältniffe solche waren, daß er fi* als schwere Last empfand. Sehr empfindsam stoßt«1 sich wund an den harten Kanten des Lebens un« urteilt„Jo viel« Meuschen wären hundsgemein, st ausgekocht und noch mehr Menschen waren nicht Fisch, nicht Fleisch... Ties« Welt konnte man«ul ertragen, wenn man sie durch di« Brille der Phantasie sah— sonst nicht" Alle Fehlschläge schrecke» ihn nicht ob, es treibt ihn stets aufs neu« zur Zej- tung, in der er die Brück« zur Erfüllung leinet Traumwünsche erblickt. Endlich gelingt es ihm unk nun lernt er bei seiner Beschäftigung viel von t«i> Nachtseiten der Welk kennen und erschüttert von det» Anblick des sozialen Elend/'fragt er, der damals noch gläubig war, ob das die Schuld Gottes oder menschlichen Gesellschaft sei:„Ich konnte die'V Tilemtno nicht lösen... Mew'chengesichter m» niedrigen Stirnen, in Lumpen, nach Rum stinletch mit vernachlässigtem Körper, Haut und Knochesviele mit bläulichroten Nasen, di« Haut wie>charla«Ä gefleckt und krank, verseucht... auf der' antercs Seite, sozusagen auf der Sonnenseite des Lebens- stolzierten di« selbstbewußten, streitbaren Herren-r) Fleischindustrie, in deren Gesichtern sich der men Ä gewordene Egoismus malt« und. deren Kleidung auif fallend und protzenhaft war". Noch ein anderes leit'! Dreiser in seinem Berus« kennen: di« Bcrd«rbthq> der bürgerlichen Zeitungsindustri«, über di« et b« kenntlich später ein eigenes Buch geschrieben h^ Das Lebensbckenntnis Theodore Dreisers ergibt«- wertvolles Buch, dessen Bedeutung weit über einer persönlichen Lebensgeschichte hinausreicht den es vermittelt eine gut« Kenntnis der sozialen stände Amerikas jener Zeit.-ril de STA Ijtt ttr. SieofTte» I««»— CktftrSattcst. Dilhrtr» Ktttate— Verantwortliche, Redakteur Dr UarU Ltsait, Prag— Druck.Role* 14 fi« Zeitung oak Buchdruck. Br»g— Mir den Druck urrantworüich 0n» doiu. — Die ZejLingsmarl-'iitrunkarui wurde ooa der Post-». lelegraphendireknou nu Lrlak Nr 13.800/Vl 1/1980 Bewilligt— Bezng-oed ngunge«. Bei Zustellung in» bau» oder bei Ae»ug durch di» Post monatlich llL iS.»terrrliahrltch lü 44.-** Ui K,—. U Utz,—.— bcAu last tetif»iltiap terechu«, bt» iirerr» ckrchchaUurlg» PrreSuuchU-tz.— R»ckjieü>u>, im ttanajlii^ua rrtolDI ass M grsjtwbnts tn IfanraMdM,