Anzelpreis 70 Heller, (Einschließlich 5 Heller Portal 13 Jahrgang. Donnerstag, 12 Zanner 1933 Nr 10. Heraus mit der Vierzigstundenwoche! Internationale Konferenz in Genf. Hitler in der saffigassc. Tolerierung oder Neuwahlen? Berlin, 11. Jänner. Die gestrige plötzliche Rückkehr Hitlers'nach Berlin gab Anlatz zu einer Reihe von Kombinationen über die weitere Entwicklung der mnerpolitischcn Situation. Trotzdem lassen sich bis jetzt keine präzisen Bcrmu- tungcn feststellen,' ob es gelingen wird, eine Einigung zwischen der Regierung von Schleicher und ven Nationalsozialisten herbeizuführen, aber auch nicht darüber,.ob der Zusammentritt des Reichstages zu neuen Wahlen führen wird. Die Ursache dieser andauernden Unsicherheit liegt in der Desorientierung in der n a t i o n a l s oz i a l i st i s ch e n P a r t Ll. Hitler Weitz sich, wie. es scheint, keinen Rat, mit welchem Manöver er sich aus der Sackgasse ziehen kann, in der er sich befindet. Es bleibt ihm die Wahl,' entweder mit Schleicher eine Einigung zu erzielen, was allerdings den Verzicht auf das Kanzleramt bedeuten würde oder Neuwahlen, was ober wieder ein weiteres Zurückgehen seiner Partei zur Folge hätte. Reichskanzler Schleicher ist sich seiner festen Position bewußt und er hat bisher nichtunternommen, um den Nationalsozialisten eine -Annäherung zu erleichtern. Wie wir-bereits gemeldet haben, ist in Genf eine internationale Konferenz zusammengetretou, welche sich mit der Mr. di« gejamte Weltwirtschaft und für di« international« Arbeiterklasse hoch. bedeutsamen Frage der Verkürzung der Arbeitszeit befaßt. Die Konferenz soll nur vorbereitenden Charakter habens die endgültige Entscheidung erst im Juli fallen. An den Beratungen in Genf nehmen die Vertreter von. 28 Staaten teil, als Dauer der Konferenz sind etwa drei Wochen vorgesehen. Obzwar man allen europäischen Konfereu» zen skeptisch gegenüberstehen mutz— die-Abrüstungskonferenz hat zu keinem greifbaren Ergebnis geführt, die Weltwirtschaftskonferenz scheint überhaupt nicht zusammentrcten zu wollen— kann' man von der internationalen Konferenz zur Verkürzung der Arbeitszeit doch sagen, das sie unter dem Zwange der Verhältnisse einberufen ist und daß die gemeinsame Rot aller Staaten sie zu einer positiven Lösung drängt. Die Verdrängung der menschlichen Arbeitskräfte durch die Maschine, di« Rationalisierung, die trotz aller Krise ungehindert vor sich geht, muß bei Aufrechterhaltung der gegenwärtigen Arbeitszeit die Masten der Arbeitslosen immer mehr vergrößern. Eine Kürzung der Arbeitszeit wird also zu einer Lebensfrage für die Arbeiterklasse und zu einer Lebensfrage für die gesamte' Gesellschaft. Allerdings. widerstreiten der Einsicht von der notwendigen Verkürzung/ der Arbeitszeit, die auch in bürgerliche Kreis« eindringt, die kurzsichtigen Profitinteresten des Unternehmertums. Die Gegner der Verkürzung der Arbeitszeit werden sich in Genf nicht gegen die Vierzigstundenwoche im allgemeinen aussprechen, sondern sie werden voraussichtlich sagen, daß die Verkürzung der Arbeitszeit nur in gewissen Produktionszweigen und bei.einzelnen Arbeitsschichten möglich, ist und sie.werden weiter sagen, daß nur wenn alle Staaten zur gekürzten Arbeitszeit übergehen, die Dierzigstundeüwoche möglich ist. Die kapitalistischen Vertreter werden'also alles tun, um den notwendigen Fortschritt zu verhindern. Es wird die Ausgabe der Vertreter der Arbeiterklasse sein, in die Front der Delegierten der Unternehmer sowie der kapitalistischen Staaten Bresche zu schlagen und der Vierzigstundenwoche ein« Gaste zu bahnen! Alle möglichen Einwände. England lehnt den Entwurf des Arbeitsamtes rundweg ob. Genf, 11. Jänner. Auf der Konferenz für di« Verkürzung der Arbeitszeit als Mittel zur Verminderung der Arbeitslosigkeit begann heute di« allgemeine Aussprache, AufBorlchbaa^r Arbeitgebergruppe beschloß die Konferenz, Neben der französischen und englischen auch di« deutsch« Sprache zuzulasten. , Der Aussprache liegt ein vom Internationalen Arbeitsamt hergestellter umfangreicher Bericht, der die. Zusammenhänge zwischen Arbeitszeit und Arbeitslosigkeit behandelt, zugrunde. Die Aussprache wurde von dem französischen Gewerkschaftsvertreter I o u h a u x eröffnet. Am Nachmittag erklärte der deutsche Regierungsdelegierte, die Tatsache, daß das Washingtoner Abkommen über den Achtstundentag noch nicht allgemein ratifiziert sei, könne n i ch.t als Einwand gegen den Abschluß eines neuen Abkommens geltend gemacht werden. Eine wesentliche Belastung wurde nur dann eintreten, wenn mau dem einzelnen Arbeiter für den Ausfall an Arbeitsstunden. einen Lohnausgleich gewähre, der allerdings, wo er wirtschaftlich tragbar sei, wünschenswert wär«. Es sei aber zweifelhaft, ob eine Verpflichtung dazu international festgesetzt und durchgeführt werden könne. Auch di« Tatsache, daß die Arbeitszeit heute schon verhältnismäßig kurz sei, stehe einem intex- nationalen Abkommen nicht entgegen. Der Berich. des Internationalen Arbeitsamtes könne als Dis- i küssionsgrundlage anerkannt werden. Rur. insofern bestünden Bedenke», als der Bericht ein« Bindung !^u.f' ua.fejftiMWte Zeit, Porsche. Dl« deutsche Regierung hakte es für notwendig, daß die einzelnen Staaten nach ein«r bestimmten vertragsmäßigen kurz bemcsienen Zeit 8aS Abkommen kündigen könnten. Notwendig, sti ferper das gleichzeitige Inkrafttreten der Mommens für alle- wichtigen Industriestaaten.--- Der weitere Verlauf der Debatte brachte eine bemerkenswert« Erklärung des englischen Regierungsvertreters, der sich kategorisch g e g« n ein allgemeines Abkommen im Sinne der Vorschläge des Internationalen Arbeitsamtes aussprach. '' Der Vertreter, der deutschen‘ Unternehmer, Pfeffe r, erklärte, daß eine Verkürzung der Arbeitszeit für den Einzelbetrieb keine. Befferunz bringe. Di« Unkosten, die durch ein« Verkürzung der Arbeitszeit entstünden, seien sehr wesentlich. Entscheidend sei aber die Beunruhigung, die für den Betrieb durch den Zwang(!) entstehe, der auf d't Unternehmer ausgeübt wird. Es sei zu erwarten, daß bei einer Belebung der Konjunktur dir Lohn- frage wieder eine große Rolle spielen werde. Diesen Gesichtspunkt dürfe man jetzt nicht außer acht lasten. Trotzki schwer krank. London, fl. Jänuer.„Daily Ervreß" berichtet aus Konstantinopel, daß Leo Trotzki in feinem Landhaus-auf der Insel Prinkipo schwer kränk- Larniederliege. Ssin Sekretär sei nach Wien abgereist, um den ärztlichen Beistand eines Spezialist«, zu gewinnen. Seine Todifer begeht Selbstmord, weil sie aus Berkin- uusgewiesen ward«. Berlin, 11. Jänner. Dir„Volkszeitung" berichtet, daß.die Tochter Leo Trotzkis, Frau Wolkow- die in Berlin-Karlshorst wohnt,. Selbstmord begangen habe, weil sie aus Berlin ausgewiesen werden sollte. Die Polizei.Hat inzwischen bestätigt, daß Frau"Wolkow, die sich vor einigen Tagen durch Gas vergiftet hat, tatsächlich eine Tochter Trotzkis ist.-. Im Oktober 1831 war ihr der vorübergehende Aufenthalt in Berlin zu einer spezialärztlichen Behandlung gestattet worden. Nachdem ihr Gesundheitszustand sich gebestert halt«, war ihr eine Abre^sefrist bis 31. Dezember 1932 gestellt worden. Auf ein neues Gesuch der Frau Wolfow, die Abreisefrist bis Mitte Feber' 1933 zu verlängern, fei jedoch nach der Behauptung der Polizei eine ablehnende Entscheidung noch n i ch t getroffen worden. E'ne Ausweisung liege angeblich nicht vor, ebensowenig eine Versagung der Verlängerung der Aufenthaltsfrisi aus politischen Gründen. Neue Offensive der Japaner. USA. will sich ein fettes Geschäft entgehen lassen? Hoover für ein Waffenausfuhrverbot. Washington, 11. Jänner.(Reuter.) Präsident Hoover fart&t« dem Kongreß eine Sondcrbotschaft, rn der er dafür eintritt, daß entweder die Genfer Konvention aus dem Jahre 1925 betreffend das Verbot des Handels mit Waffen und Munition rasch ratifiziert oder daß eine gesetzliche Maßnahme getroffen werde, welche es dem Präsidenten ermöglichen würde, die Ausfuhr von Waffen zu Kriegszwecken einzu- schränken oder ga nz zu verbieten. Der Außenausichuß des Senates nahm heut««ine Reioluston an. welche bestimmt, daß der Präsident ermächtigt werde, ein E m ba rg o auf die Ausfuhr von Waffen nach jenen Staaten zu lege«, welche an einem Kriegskonflikt beteiligt sind oder einen Krieg hsrvorzurufen drohen. Amnestie Mr siie bulgarische» Emigranten. Sofia, 11. Jänner. Das Sobranje hat mit endgültiger Rechtskraft beschlossen, daß ollen agrarischen Emigranten vorbehaltlos dir volle Amnestie gewährt werde. Ihr« Rückkehr nach Bulgarien wird dieser Tage erwartet. Sie wollen die ganze Provinz. Peiping, 11. Jänuer. Tas japanisch« Oberkommando setzte gestern ausgesuchte Regimenter zu einem überraschenden Angriff auf einen der wichtigsten strategische« Punkt« an der große« chinesischen Mauer, Tschiomeukuo em, womit sie neuerdings«ine breitangelegte Offensive in der Kampagne,. deren Endziel die vollständige Besetzung der Provinz Je hol ist, eröffnete. Der Kampf wütete de» ganzen Tag über. Di« chinesischen reguläre« Truppen kämpften mit ungewöhnlicher Todesverachtung und schlugen eine Angriffswelle nach der anderen ab. Di« Japaner hatte« ihre« Angriff durch ei« l a n ga n d a u e r n d«s Bombardement mit schweren Kalibern vorbereitet, worauf die Infanterie, unterstützt durch di« zeitweisen Vorstöße der Kavallerie, zum Angriff vorging. Der Kamps wurde auf kurz« Zeit unter« brachen, während welcher die Fliegereskadrilleu di« chinesischen Stellungen mit Bomben belegten. Di« Japaner zogen ihre Kavallerie aus Tschmtschao und ihre Infanterie aus Schan- ha'kwan in der Richtung gegen Tschiomeukuo auf der-innere« Seit« der große« chinesischen Mauer zusammen, während der Kern der japanischen Arme« diesen strategisch wichtigen Punll von der anderen Seite her angriff. In dem chinesischen Kommuniquee, das gestern in den Abendstunden ausgegchÄl würde, lehol in ihre Gewalt bekommen, wird erklärt, daß das chinesische Militär noch in den Abendsturwen des Dienstag Tschiomeukuo halten konnte, daß aber die Schlacht mit unver- mindcter Gewalt arrdauere. Die chinesische Armee sei gut eingegraben und entschlossen, bis aus den letzten Mann die Stellung zu verteidigen. In chinesischen offiziellen Kreisen wird behauptet, daß die Japaner die Offensive zur Einnahme del Provinz Jehol deshalb eröffneten, da sie sich in ihren Bemichungen, den Gouverneur der genannten Provinz. General Tanjulian, für die neue Mario ne tten-R egierung des Staates Mandschukuo zu gewinnen, getauscht sahen. Die Japaner hätten lange mit Gouverneur Tan verhandelt, aber ohne Erfolg. Das strategische Ziel der japanischen Angriffe auf Tschiomeukuo und Schimenkai acht dahin, Stützpunkte für die Umgehung der Armee des Generals Tan, der von jeder-Hilfe abgeschnitten werden soll, zu gewinnen, worauf ihm die Japaner das Ultimatum, sich entweder freiwillig mit Mandschukuo unter japanischem Proticktorate zu verbinden oder aber bis zum letzten Mann vernichtet zu werden, stellen werden. Nach Berichten, die Dienstag in Schanghai eyüangten, entsenden die Chinesen vom Süden stark? Mflitärabterlyngen mit dem Zuge oder zu Fuß nach der Provinz Jehol, wo in den nächsten Tagen erbitterte K am p f e erwartet werden. Das verratene Dritte Reich. Wenn der Abgeordnete. Jung wieder einmal. eine Wallfahrt zum Osaf- machen wird, wird er es nicht leicht, haben, seine. Abschwörung des„Dritten. Reiches" zu rechtfertigen. Aber das ist schließlich sein« Sorge, wie er vor den Augen des Häuptlings aller Nationalsozialisten, die früheren Berichten des „Tag" zufolge manchmal sehr stählern" blik- ken können, bestehen wird. Jungs Rede im Budgetausschuß ist von größter innerpolitischer Bedeutung,. weil sie nichts. anderes ist als die — U e be r f l ü s s i g ke i t s.e r k l ä r u n g des Nationalsozialismus in der Tschechoslowakei. Sie ist freilich noch mehr: sie erklärt, oben weil sie, wie noch nie vorher«ine Rede eines nationalsozialistischen Führers, die europäischen politischen Wirklichkeiten offen anerkennt, den Nationalsozialismus auch in Deutschland für überflüssig. Denn wenn Jung sagt, auch wenn Hitler Reichskanzler wäre, würde die Idee des„Dritten Reiches" noch lange nicht verwirklicht, weil die Bereinigung aller Deutschen im Reiche Deutschland sofort in einen Krieg mit fünfzehn Staaten verwickeln würde, die nationalsozialistische Politik wolle nichts anderes als den Anschluß Oesterreichs und die Beseitigung des polnischen Korridors.— und„b.e i d c s mit Zustimmung Frankreichs, Englands und Italiens,— ja, dann sagt er damit doch nichts anderes, als daß so ziemlich alles, was der Nationalsozialismus in■ Deutschland will oder zu wollen vorgibt, entweder Uns i n n ist oder Schwindel. Was er in nationalpolitrscher Beziehung zu wollen vorgrbt, denn es bliebe dann nur noch als allein ernstes Wollen die Aufrichtung der Diktatur über die Arbeiter. Als nationale Bewegung aber ist er überflüssig. Den Anschluß Oesterreichs an Deutschland haben, lange ehe es in Deutschland eine nationalsozialistische Partei gab, die Sozialdemokraten angestrebt. Die österreichische Sozialdcmo- kratie hat schon in den Revolutionstagen dieses große Ziel ihrer Außenpolitik verkündet, sie hat mit größter Leidenschaft für dieses Ziel gekampfr,— und um zu erfahren, daß es nur auf dem Wege einer internationalen Verständigung erreichbar ist, dazu bedurfte cs nicht des Umweges der nationalsozialistischen Bewegung. Nicht anders ist's mit der Frage des polnischen Korridors. Es gibt unseres Wissens in Deutschland keine einzige politische Partei, die den durch die Friedensdiktate im Osten des Reiches geschaffenen Zustand bejaht, mit seiner Unabänderlichkeit rechnet. Alle ernsten Politiker aber sind übereinstimmend der Meinung, daß eine gewaltsame Lösung nicht in Betracht kommt, daß auch die Ostfragcn nur auf dem Wege der Verständigung"lösbar sind. Adolf Hitler aber, an dessen Vergottung doch auch die sudetendeutschen Nationalsozialisten eifrig mitgewirft haben, schwärt« t in seinen! dicken Wälzer„Mein Kampf" frischfröhlich von allerlei Kriegen Deutschlands nach allen Seiten. Aber wenn Jung nun sagt, ein Mann, der so etwas dächte— an den Krieg Deutschlands mit allen seinen Nachbarn— gehöre ins Narrenhaus, wollen wir ihm nicht widersprechen. Bleibt nach Jungs Darlegungen vom Nationalsozialismus in Deutschland nicht viel übrig, so sind sie ein Todesstoß ins Herz des Nationalsozialismus in der Tschechoslowakei. Denn Jung erklärt«, daß seine Partei nur die Forderung nach nationaler Autononrie erhebe, nicht aber die Forderung nach Aufrichtung des Dritten Reiches, weder mit, noch ohne Gewalt. Aber zum Kampfe um die national Autonomie bedurfte es wahrlich keiner besonderen Partei. De Hakenkreuzler, unbeküm wert- nach Brocken fremden Geistesgutes grei- Seite 2 Donnerstag, den 12. Männer 1938 Nr. 10 send, schwindeln zwar ihren Anhängern vor, sic hätten diese Forderung als erste erhoben, aber sie ist älter als mancher nationalsozialistische Politiker und sie ist sozialdemokratisches Programm seit dem Brünner sozialdemokratischen Parteitage im Jahre 1899, auf dem Josef Seliger sie begründete, und sie ist Forderung unserer sudelendeutschen Partei seit unserem Gründungsparteitage, auf dem wieder Seliger es war, der sie erläuterte und begründete. Aber die Nationalsozialisten geben doch vor, auch sonst noch allerlei zu wollen. Was ist's mit der Schwärmerei für den Ständestaat, für die nationale Diktatur? Unzahlige- male haben die Sozialdemokraten dargelegt, daß nichts für die Deutschen in der Tschechoslowakei verhängnisvoller sein könne, als der Kampf gegen die Demokratie, weil doch nur di« Erweiterung der Demokratie der Weg. zur nationalen Selbstverwaltung ist, und weil in diesem Staate eine andere als eine tschechische Diktatur nicht vorstellbar, nicht möglich ist. Begraben aber die Nationalsozialisten ihre Staatstheorien, dann sinkt damit ein sehr wesentlicher Teil des Nationalsozialismus überhaupt ins Grab. Blieben noch ihre ökononrischen Theorien, die Lehre von der„Brechung der Zinsknechtschaft", di« von den einen als das Herzstück des Nationalsozialismus bezeichnet werden, während andere von ihr sagen, daß man das Brechen davon bekäme. Nun wird aber wohl kein Nationalsozialist sich nationale Autonomie in solchem Ausmaße vorstellen, daß es etwa den Deutschen in der Tschechoslowakei möglich wäre, sich eine eigene Geldwirtschaft einzurichten und in ihrem Siedlungsgebiet eigene wirtschaftliche Experimente zu machen. Auf dem Boden der Tschechoslowakei wäre also Voraussetzung der Verwirklichung des zum Brechen rei^nden Kerngedankens des Nationalsozialismus— die Gewinnung der Tschechen für solche Pläne— und das wäre der Weg des verhaßten Internationalismus! Der sudetendeutsche Nationalsozialismus widerlegt sich selber! Die Nationalsozialisten in der Tschechoslowakei haben schon mancherlei Wandlungen durchgemacht und abenteuerlich genug sind ihr« pblitischen Wanderungen: von der Aufforderung des Herrn Knirsch, der roten Fahne zu folgen, zum Wahlbündnis mit den Deutschnationalen und der Gründung eines engen KcnnpfbundeS mit ihnen zum Bündnis mit den aktivistischen deutschbürgerlichen Parteien und von diesem in dem Augenblicke, da sie politische Gewinne erhofften, zur Verkleidung als„radikalste" Partei, die sich gebärdete, als könne sie alle anderen bürgerlichen Parteien überrennen. Ihre Wandlungen und Wanderungen waren immer sehr konjunkturbedingt und Grundsätze hatten dabei wenig zu bedeuten. So lange Hitlers Stern im Steigen schien, stand man, dessen matten Glanz überschätzend, treu zum Osaf. Nun, da nach Jungs Meinung Hitler nicht so bald Kanzler werden wird, wirft man dem isolierten Osaf auch den Königsaedanken des„Dritten Reiches" nach und ruft, abermals eine kühne Schwenkung wagend, zu einer nationalen Front von den ungarischen Grafenherrschast seinerzeit ebenso drucke gebrachten Grundsatzes bedeuten, daß schrittes in den Karpatbenländcrn sicherlich! Beziehung verschlechtert werden soll, haben aXzv Kav waf IaH 4t«• Y i•>>..1>*>... Ti. CYYYXzi^Y I i—'!— t..ia,—i ClYl.t..f X-.. bi i i". chung des sonst in dem Entwurf« zum Aus die Mitglieder der national geteilten Schul- behöü>en jener Nation angehören sollen, für die die von ihr zu verwaltenden Schulen bestimmt sind, aber auch eine Aenderung der gegenwärtig geltenden Vorschriften, denen zufolge di« Landeshauptstädte in jede der nationalen Landesschulrats-Sektionen einen Vertreter entsenden, dessen Volkszugehörigkeit sich nach der der übrigen Mitglieder dieser Sektionen richtet. Ganz besonders durchgreifend wird sich ...- J« und Karpathenrußland sem die Vertretung des Vorsitzenden in der Sitze d e r§ für diese nationale Minderheit errichteten "ektion obliegt. Vom demokratischen Standpunkt daS beste und wirksamste Mittel! Auch vom freiheitlichen Standpunkt wir bereits erwähnt. Wünschenswert wäre es auch, wenn in dem Gesetzentwurf klar äus^ gesprochen würde, daß voy den zwei Obmann» stellvertretern der L.-Sch.-R. einer der nati- weist der Entwurf innen entschiedenen Schritt; nalen Minderheit angehören muß und dic- nach vorwärts auf. Di« privilegierten C“. R e ligionsg e n ossenschaften in den Landesschulräten und den Sektionen werden.... verschwinden, nachdem das Gesetz Nr. 292/20' müssen wir uns aber überhaupt dagegen aus elegisch:„Wenn die deutschen Nationalsozialisten in ihrem Kanpfe erlägen, so wäre das nicht nur die.Niederlage einer Partei, sondern eine Niederlage des großen sudetendeulfchen Kampfes um. Gleichberechtigung und. Selbstverwaltung."— Nein, das wird ihre Niederlage nicht sein! Denn die Sozialdemokratie, die schon vor den Nationalsozialisten war und vor ihnen: diesen Kampf führte, wird auch nach dem Verschwinden der Hakenkreuzlerei noch sein und sie wird ihren Kampf fortführen, ihren Klassenkampf, der in sich schließt den Kampf auch um di« Gleichberechtigung der Nationen! Sozialdemokraten, die gestern noch„Untermenschen". waren, bis zu den Nationalsozialisten. Nun, die Jung und Knirsch werden sich doch kaum großen Illusionen über das Zustandekommen einer solchen„Einheitsfront" hingeben, weil ja, abgesehen von ihrer politischen Sinnlosigkeit, den Sozialdemokraten nicht zügemutet werden kann, daß sie sich mit den Gesinnungsfreunden der Arbeitermörder in Deutschland zusammensetzen. Aber einen ge^ wissen Trost kann man ihnen vielleicht geben: Der Aufruf der Nationalsozialisten, den wir gestern im Auszug Wiedergaben, klagt recht sie schon im Ortsschukrate und die Verordnung Nr. 608/20 in den Bezirksschulbehörden auf- gchiHen hatte. Damit bricht die letzte Position der Vormachtstellung zusammen, die die Klerisei aller Konfessionen sich über den Weltkrieg und den Umsturz hinaus aus dem alten Oesterreich bis in das 15. Jahr des Bestandes der Tschechoslowakischen Republik als Wahrzeichen ihrer Vorherrschaft im alten Oesterreich hinüber gerettet hatte. Damit erscheint freilich keinesfalls den Angehörigen des Priesterstandes das passive Wahlrecht in der Schulbehörde genommen, im Gegenteil, sie können als Vertreter der Bevölkerung genau so gewählt werden, wie jeder andere Staatsbürger, aber die Vorzugsstellung, die sie im alten Oesterreich innegchabt und unerschütterlich behauptet halten, sie erscheint nunmehr in den Schulbehörden aller Instanzen beseitigt.. Dazu kommt noch die geplante Um- gestaltung des konfessionellen Schulwesens in derSlowakei und in Karpathenrußland, das jetzt unter gewissen Voraussetzungen den allgemein in der Tschcchoslotvakischen Republik geltenden Gesetzen und damit wohl der öffentlichen Schulverwaltung unterworfen werden sollen. Für di« Verweltlichung deS Schulwesens der Karpathenländer und seine Anpassung an das Schulwesen der historischen Länder und damit sirr die Vereinheitlichung des Schulwesens des Staates bedeutet also der Entwurf gleichfalls eine entscheidende Tat und es bleibt nur zu wünschen, daß dieser Entwurf-— auSge- stattet mit verschißenen— später zu besprechenden. Aenderungen— sobald als möglich Gesetz wird. Freilich muß offen zugegeben werden, daß der Entwurf noch lange nicht dem entspricht, was der Klub der Abgeordneten der Deutschen sozialdemokratischen Arbeiterpartei seinerzeit im November 1925 in seinem Initiativantrag behufs Durchführung der nationalen Selbstverwaltung gefordert hat. Gemessen von unseren Forderungen ist er noch lange kein Jdealgesetz: Wir haben Einwendungen gegen ihn sowohl vom nationalen wie vom demokratischen Standpunkt aus. Zunächst läßt die geplante Reform das Schul- ministerium selbst gänzlich unberührt. Keine nationale Sektionierung dieser Schulbehörde, ja nicht einmal eigene Referate fst,r da s Schulwesen der na t i ana le y M i n per- heilen ssMder Eütwurf pör. Daß 5cr Grundsatz der nationalen- Gleichformiakeit der L.-Sch.-R.-Sektwnen hinsichtlich der Vertreter der Landeshauptstädte nicht eingeholten und dadurch der gegenwärtige Zustand in dieser' II. Wenn man den Entwiirf als Ganzes überblickt, so muß man rückhaltlos-zugeben, daß er einen' beachtenswerten Fortschritt gegenüber dem derzeit bestehenden bedeute!.'... Dre nationale Selbstverwaltung des Schul- Lehrervertreter— cs waren in jeder Sektion wesens erscheint— wenn auch nur in techni-* öi^her nur^wei(einer für die^olks- und scher Beziehung— ziemlich restlos durch» geführt. Die Schulaufsichtsbehörden sind— beginnend vom Ortsschulrat über die Bezirks- schiilräte hinauf bis zu den sektionierten Lan desschulräten national geteilt. In den Sude tenländern wird keine Schule einer fremd sprachigen Schulbehörde unterstehen und auch in den Karpathenländern werden die Schulen der deutschen Minderheit mindestens gleich sprachig« Ortsschulräte haben. In Auf dem Wege zur nationalen Selbstverwaltung des Schulwesens Auch vom Standpunkte der Demokratisierung der Schulverwaltung ist der Entwurf hoch zu werten. Die Schulbehörden werden nunmehr fast ausnahmslos aus gewählten Vertretern bestehen, während die Landesschulräte die Bürgerschule und einer für die Mittelschule- bisher vom Staatspräsidenten über Antrag des Schulministeriunrs ernannt wurden. Die Bezirksschulbehörden, die ja durch das Gesetz Nr. 292/20, das die Gauschulräte an Stelle der Bezirks- und Landcsschulbehör- den gesetzt Hot, eigentlich beseitigt worden sind, , aber trotzdem auf Grund der Regierungsvcr« i ordnunq Nr. 608/20 als provisorisch ,„errichtete Körperschaften weiter der Slowakei werden ine deutschen Schulen in' existierten, bestanden Vortveg nur a u 8 vom vielen Fällen auch deutschen Bezirks- Vorsitzenden des Landesschul schulräten unterstellt sein und im Lan- rateS ernannten Mitgliedern, desschulrat der Slowakei wrrd auch ein deut- C‘ scher Lehrervertreter mit beratender S.imme die Schulverwaltunasreform in der Slo sitzen. s Im allgemeinen wird im Entwürfe auswirken. In dielen Ländern, wo die ruche- Derers auch der Grundsatz geachtet, daß die nische und slowakische Bevölkerung von der Mitglieder der Schulbehörden, die in den ungarischen Grasenherrschast seinerzeit ebenso nationalen Sektionen des Landesschulrates, in brutal unterdrückt worden ist, wie die deutsche, den Bezirks- und Ortsschulräten sitzen, jenem werden die demokratisch aufgebauten Orts-, Bolksstamm angehören müssen, für den sie der Bezirks- und Landesschulräte, diese ganz be- betveffenden Schulbehörde unterstellt sind,| sonders mit ihren nationalen Sektionen eine Ein« Ausnahme von diesem Grundsatz scheintj fä rm liche Umwälzung im Sinne nur bezüglich der Vertreter der Landeshaupt-^derDemokratie und ein« erhebliche Ber- städte iE'Landesschulvate vörzuliegeN, denn. mEEung der RekbungSstachen zwischen den —' wenn die Pressemeldungen richtig' sind'-- Bölksstämmen bewirken. So Wiß auch in den so soll ein und derselbe Vertreter der Landes-] Kaßathcnländern die Bevölkerung nunmehr' Hauptstadt in beiden Sektionen des Landes-endlich zu der wichtigen Kulturoufgabe, ihr schulrates sitzen. Dies würde eine Durchbre-/ Schulwesen selbst zu verwalten, berufen wer- I den. Für die Beschleunigung des Kulturfon- 18 Die Kellnerin Molly. Roman von Han* Otto Honet, TvvMiabt dn gokk«lrett«r-Derlag Berlin. Nachdruck verböte«. Darum freute Male sich auf das Wegkommen, und nur die Trennung von der Freundin, die ihr„Mann" war, bedrückte sie. Aber diese Trauer ging nicht tief, denn jetzt, wo sie scheiden mußte, erschien ihr das Verhältnis als Sünde. Am Sonnabend stütz wurde sie„in Marsch gesetzt", wie Pastor Zlckmann es nannte. Schwester Bathsabe hatte ihr ein Holzköfferchen gepackt, das durch den eingebrannten Stempel„Fürsorgeheim Garten Gethsemane" als Anstaltseigentum gekennzeichnet war. Pastor Zickmann ließ den Inhalt, ein wenig Leibwäsche und die „Marschverpflegung", vor sich ausbreiten und legte noch eine Taschenbibsl und ein. evangelisches Gesangbuch dazu Er erklärte Male genau, wie sie zu fahren habe. Ueber Neustettin, Umsteigen in Gramenz, schließlich von Polzin auS noch zwei Stunden Fußmarsch bis nach Rainersdorf. Ueber daS genau abgczählte Reisegeld für die Bahnfahrt mußte sie quittieren. Sie hörte wohl, wie die vielen Worte dtzs Pastors auf sie herniederplätscherten, aber sie vernahm kaum, daß es alles Ermahnungen zu christlicher Dienstfertigkeit waren. Ihre Gedanken eilten schon hinaus über die Anstaltsarenien jenseits deren sie schöne Freiheit antreffen wollte. Ohne Abschiedsschmer;, ohne Schcideträne verließ Male Habenicht den„Garten Gethsemane. Als sie vom Bahnwagen auS das letzte Stück Mauer der Anstalt verschwinden sah, kamen ihr erst die Tränen. Frei— jo, daS war sie nun Ach, warum konnte sie jetzt nicht zu Mutter und Vater und Schwester Grete gehen? Frei war sie und doch stürzte schwer wie«in Stein das Gefühl des BerlassenseinS aus sie hernieder. Eine Bauernfrau, die ihr gegenüber saß und Males Tränen fließen sah, reichte ihr einen großen Apfel. Da kam Male der Lebensmut wieder uiw ein bißchen Hoffnung. Jetzt/ wo sie den„Garten Gethsemane" hinter sich hatte, würde sie ja nun auch die gütigen Menschen tressen, die es geben mutzte. Allerdings batte ihr der Pastor noch nachgerufen, daß sie nur beurlaubt werde und daß er sie bei mangelndem Wohlverhalten jederzeit zurückholen könne. Aber sie gelobte sich, auch die schwersten Ansprüche zU befriedigen. Nur nicht nach dem „Garten Gethsemane" zurück. Und sie lächelte unter Tränen die Bauersfrau dankbar an. Die Fahrt gefiel ihr. Menschen stiegen auS, andere stiegen zu. Keiner sagte ihr ein strenges Wort, jeder behandelte sie mit selbstverständlicher Gleichberechtigung. Sie erstaunte, als der Schäffner, also ein Mann in Beamtenuniform, die Karte sich mit höflicher Bitte zur Kontrolle vorzeigen ließ. Und als ihr in Neustettin wie allen anderen Würstchen und Bier zum Kaufe angeboten wurden, fühlte sie sich glücklich. Natürlich konnte sie sich Nichts kaufen, denn sie besaß nicht einen Pfennig. Aber sie war stolz, daß man ihr daS ohne weiteres zutraute. Dan» lehnte sie sich wieder an die harte Holzbank und sah die braunen Borfrühlingsfelder mit weißen Schneerändern vorbeifliegen. Sah Dörfer mü Häusern und Gehöften. Bald würde sie auch unter einem solchen Dache wohnen, im eigenen Zimmer, fern von der väterlichen Hand uno der harten Stimme des Pastors Zickmann. In Polzin verließ Male den Zug, und erfragte sich den Weg nach Rainersdorf. Sie war vom vielen Sehen und der langen Bahnfahrt schon etwas müde. Aber Unverdrossen faßte sie ihr Köfferchen. Sie würde sich beeilen müssen, wenn sie die neue Heimat noch vor der Dunkelheit erreichen wollt«. Für einen, der eben den Mauern entkommen ist, kann selbst die kalte pkützennasse Landstraße ihre Reize haben. Male stiefelte tapfer dahin, wechselte ihren Koffer bald in die rechte, bald in die linke Hand und wunderte sich, daß sie auf der Straße und in den Döiflern so wenig Menschen sah. Sie kam schließlich durch Buchtentee, den bisherigen.Auskünften nach der letzte Ort vor Rainersdorf, groß,, und mit ansehnlichen Häusern, Vor den. letzten Häusern deS Dorfes, wo schon wieder, die kahlen Bäume der Landstraße zu sehen sind, gewahrte Male schon von weitem etliche Steinhaufen, kleine. Granitstücke z^ n Schottern. Sie wäre ächtlos vorbeigegangen, wenn nicht ein Wimmern zu ihr herübergedrun- geu märe. Sie blieb stehen und lauschte. Menschenleer war die Straße sonst. Das Aechzen kam nur von dem Steinhaufen. Etwas bang ging das.Mädchen hinüber. Aus dem Steinhaufen lag eine junge Frau. Male sah den dicken Leib, sah, wie die Frau sich hilflos wand und krümmte, und begriff bald.' Sie entsetzte sich. Zwischen Steinen und Pfützen, zwischen Schlamm und schwarzem Schnee sollte ein Mensch zur Welt kommen? Eine noch nie empfundene Wärme quoll in ihrem Herze» auf. Sie fragte. Die Unglückliche antwortete nicht, nur Wimmern und unverständliches Lallen kam über ihren Wund. Male erkannte, daß dieses junge Weib sofort in das Warme, Trockene, zur Ruhe mußte. Sie setzte ihr Köfferchen hin und zog die Kraftlose hoch. Mit unendlicher Vorsicht stutzte sie die Frau, die sicherlich schon in den schwersten Wehen litt, nach dem nächsten Gehöft, kaum fünfzig Schritte weiter. Ein Hund an der Kette kläffte. Male llopfte. Ein knochiger Bauer kam. Male machte ihm die hilfsbedürftige Lage der Frau begreiflich Mißtrauisch. bcglupschte er die beiden. Die Schwangere lehnte mit geschlossenen Augen in Males Armen. „RauS!" Male starrte ihn lange an, ehe sie begriff.' Erschrocken wies sie dann auf die höchste Not der Kreisenden hin. Der Mann spuckte aus. „In meinem Stall kalbt keine Fremde." Unfreundlich schmiß er die Tür zu. Zum nächsten und dann zum übernächsten Gehöft schleppte Male die zitternde, weinende, oft laut schreiende Frau. Man wies sie grob ab, schlug knallend die Türen zu und stierte dann durch die Fenster, ob sie den Hof auch wirklich^ verließen/-- Am vierten Hofe las Male: Gemeindevvr-. sicher. Der würde sicherlich hie bedauernswerte- Mutter, aufnehmen. Aber der Gemeindevorsteher^ war noch grober als die andern.-Brüllend wies^ er hie beiden hinaus. Aber hier kam Male ein ungewohnter Mut. Mit tränenzitternder Festig-, keil sagte sie dem Kerl, daß/ein Verhalten so' güt wie ein Mord an der jungen Frau sei. Ja-' wohl, sie wolle ihn wegen Mord anklagen, wenn' er die Hilflose wieder hinaus auf die kalten Steine stieße. Da gab der Mann brummend bei. Sie soll-, ten man hereinkommen. Et rief seine Frau,- und mit Males Hllfe wurde die Gebärcnoc in ein finsteres Bodenkämmerchen transportiert. Neblige Dämmerung herrschte schon, als. Male, wieoer mit Besinnung auf der Straße stand. Ihr Köfferchen lehnte noch am Stein-- Haufen. Weinend ging sie weiter. Herrgott, wie' konnten denn die Menschen so schlecht sem? Nun ja, die Frau war chnen eine Fremde wie ihr. selbst. Aber sie war doch hilflos, und man konnte sie nicht zugrunde gehen lassen. Der Koffer wurde dem Mädchen die letzte hqlbe Stunde schwer. Finster war es rings um. sie. Wie eine lleine Flamme glühte in ihr die.' Gewißheit, daß sie selbst gut gewesen sei. Und nun wollte sie immer gütig sein. (Fortsetzung folgt.) Nr. 10 Donnerstag, bett 12. Jänner 1933 Seite 8 Dem„Tag“ zum Nadidruffi empfohlen: Was Jung über das Dritte Relt wäre außer zwei Kommunisten und dem Tschechffchklerikalcn Rypar sowie zwei Slowakisch-Klerikalen noch Dr. Rosche lAWG) zu erwähnen, der u. a. erklärte, ohne Wiederherstellung einer internationalen Bertrauensgrnndlag« könne die Krise unter keinen Nntständen überwunden werden. Tic Tschechoslowakei könne mit. Politischen Freundschaften allein nicht auskommen: wir brauchen enge freundschaftliche Verbundenheit in den wirtschaftlichen Dingen. Die Tschechoslowakei l-abe wirtschaftlich vor allem zwei große Probleme zu lösen: das B ea mt en pro blem und das A g r a r p r o b l e m.■ Bei aller sympathischer Einstellung zrrr Beamtenschaft müfle man sagen, daß der große B c.'a m t e n a P p a ra t u n- niöglich aufrecht erhalten werden könne; die Staatsbetriebe eingerechnet, verschlinge der Bcamtcnapparar von Staat, Land, Bezirk.« und Geinemden 14 bis 15 Milliarden! Die neuen Steuerquellen belasten vor allem .Handel, Industrie und Gewerbe, weil die Agrarier aus dem Staat immer mehr einen Agrar- st a a t machen wollen. Parlament am IT. Jänner. Prag, 11. Jänner. Das Präsidium des Ab-1 gcordnetenbauses beschloß. in seiner heutigen| Sitzung, kür Dienstag, den 17. Jänner, um' 3 Uhr nachmittags eine Plenarsitzung des Abge-! ordnetenhauscs einzuberufen. Die Sitzung erfolgt hauptsächlich zu dem Zweck, um die Vorlegung I des Entwurfes über die Glühbirnen- st e u e r, die zu den bereits bekannten Bedeckungsvorlagen gehört und im Budget auch bereits nnt einer Einnahme von 10 Millionen figuriert, zu ermöglichen. Tie Vorlage dürfte daun auch vom Senat bald erledigt werden, da ja die Regierung ein Interesse daran hüt. daß die Steuer baldigst in Kraft tritt. Allerdings haben die Wirtschaftsminister die^Beratung der Vorlage heute noch nicht abichließen können: sie wurde aui morgen vertagt. Auch bezüglich der weiteren Progranunpunkte zial« Fürsorge im Einvernehmen mit dem Mnristermm für öffentliches Gesundheitswesen und körperlich« Erziehung Heilfürsorgema ßna h. men für Arbeitslose und deren Familien vorbereitet. Im Rahmen dieser Aktion soll dafür gesorgt werden, daß den Arbeitslosen ärztliche Hilfe geleistet wird und daß denselben Medi- kamente sowie Heilmittel zukommen. Einen Bestandteil dieser Hilfsaktion bildet vor allem die kostenlose ambulante Behandlung in öffentlichen Krankenhäusern, verbunden mit der kostenlosen Gewährung von Medikamenten und Heilmitteln, für Welche Zwecke das Ministerium für öffentliches Gesundheitswesen und körperlich« Erziehung aus dem Ertrag des.SanitätSznschlages Mittel zur Verfügung stellt. Außer der von den Gemeinden besorgten Heilfüvsorge» mit deren Mitarbeit gerechnet wird, werden ferner in die Aktion eingoglieder: die Heileinrichtungen der Krankenverfichernngs- anstäten und der sozial-gesundheitlichen Beratungsstellen. Eine Ergänzung dieser Maßnahmen soll die Hilfe derjenigen Aerzteorganisation bil-, den, welche sich der Amon zur Verfügung stellen und di« Hilfe der freiwilligen sozialen und gesundheitlichen Fürsorge bilden. Als K o st e n beitrag zur Deckung der mit diesen Maßnahmen verbundenen Kosten wurde von der Zentralsozialversicherungsanstalt ein größerer Beitrag zur Verfügung gestellt, der ergänzt werden wird durch die Mittel, welche das Ministerium für soziale Fürsorge dew Bezirksiugendfürsorgen Mr Deckung der Auslagen für Kinder arbeitsloser Familien gewährte. Die zentrale Leitung der Mtion wurde einem beim Ministerium für sozial« Fürsorge errichteten Zentralbeirat für Heilfürsorge anvertraut, zu dessen Mitgliedern di« Vertreter der interessierten Ministerien(soziale Fürsorge, öffentliches Gesundheitswesen, öffentliche Arbeiten, des Innern), der Zentralorganisationen der Kran kenversich erungstrager, der Aerzte» und Apothekerorganisationen, der Hauptzentralen der Arbeitnehmer- Gewerkschaftsorganisätionen, der Verbände der territorialem Selbstverwaltung und der Zentralorganisatiomen der freiwilligen ge- sundheiltichen und sozialen Fürsorge gehören. Alle diese Organisationen haben sich bereit er-, llärt, bei der Aktion mitzuwirken. tzn den Bezirken wird die Mtion von BezirkskomiteoS durchgeführt werden, die" zusammengesetzt sind auS den Vertretern der örtlichen Körperschaften der öffentlichen und frei-' w'lligen GesundheitS- und Sozialfürsorge. Die' BezirkSkomitecK sollen von den einzelnen Bezirks behördcn in der allernächsten Zeit einberufen tverden. Die Aktion soll schon in diesem Monat ins Leben gerufen werde«. Wie Lents, lieber„lag“? Da soll der„Tag" vollgeschrieben, werden und es gibt nichts als Dinge, die man dem Loser nicht sagen kann. In Dresden haben die rauhen Krieger einen Kameraden ermordet und sind nach Italien geflohen, wo solche Burschen gern gesehen sind. Als der Anstifter wird vor aller Welt ein nationalsozialistischer LandtagS- abgeordneter bezeichnet. Der krank« Strasser führt während seines Urlaubs politische Verhandlungen mit Schleicher, während der Sozialist Hitler im Hause des Groß-Bankiers mit den feinen Herren gegen den General intrigiert, der den Eisenmagnaten zu„sozial" ist. Im Hauptquartier des Osaf ist die Grippe angebrochen und ein Führer nach dem anderen muß auf Erholung geschickt werden. In Wien hat sich der Pg. Pan Kusiöka den schönen Namen Hainz Raimund gemacht— warum nicht, wo Pg. Pan Suchünek jetzt Suchenwirth heißt!— und möchte mit dem alten Namen die Befangenheit als Dieb vergessen machen. Der Wiener Gausaf Frauenfeld wird als literarischer Dieb entlarvt und als koscherer Antisemit verhöhnt— aber der klagt! Jawohl der klagt— aber nur wegen des Koscher", nicht wegen des ,,Diebs", und wehe, Wotan, wehe, j«tzt wird ihm die Arbeiterzeitung vor Gericht Nachweisen, daß er sich- hat was kosten lasten, um im Spital der Israelitischen Kultusgemeinde von jüdischen Aerzten und Schwestern bei Halserl, Scholet. und Kugel gesund gepflegt zu werden. Vizebürgermeister Prof. Geyer probiert in Karlsbad die Beam- tenpolitck des Dritten Reichs aus und in Fischern feiert die nationale Sammlung unter nationalsozialistischer Führung den ersten großen Triumph. Vor lauter lirterestanren Nachrichten weiß man in der SchrifKertung nicht, was man früher verschweigen soll. Und wenn nur für einen Tag! Denn Zeit gewonnen, Lügen gewonnen! Da fehlt eS sosehr an Stoff, daß die Schrist- leituna sogar bereit ist, Aufsatz« aus dem„S o- zialvemokrat" abzudrucken. Di« offenen Briefe des Genosten Gruschka an Herrn Johann B a i e r hat sie nicht gebracht, dafür entschädigt sie ihn jetzt. Im„Tag" werden Stellen seines Beitrags vom 6. d. M.„Medizinalkapi- talismus und Tuberkulose" abgedruckt. Aber leider verdirbt sich der»Tag" diese günstige Gelegenheit, endlich einmal seinen Lesern vernünf- ' rige Gedanken in einem anständigen Deutsch vor- zusetzen. Wenn von Fälschungen di« Rede ist, kann-er Verlockung nicht widerstanden werden! Und so werden di« Zitate aus GruschkaS Aufsatz so herouSyesucht, so montiert und so adjustiert daß die Polemik gegen den Autor„d r e S" zu„Ohrfeigen", zur„Abkanzlung" und zur -Züchtigung" der„Herren Redakteure" umgedichtet wild. Zuviel des Schwindels! Wir in der Redak- tion verstehen nichts von Medizin, wir können fachwistenschaftliche Behauptungen nicht nachprüfen und in der Frage der Tuberkulosebekämpfung schienen uns sie Darstellungen des Autors ,^r«s ein„wichtiger DiSkussionShei- trag". Wir haben durch diese Bezeichnung in unserer Einbegleitüng jede eigene Verantwortung abgelehrrt. Wir haben deshalb auch die Entgegung deS Genosten Dr. Gruschka,— wohlgemerrt, die Entgegnung gegen den Autor ,-dres"— für welche Genoste Gruschka auch wieder selbst die Verantwortung trägt g«rne aufgenommen und nicht„veröffentlichen müsten", was„Der Tag" behauptet und als besonders „gelungen" hinstellt. Wir hier im„Sozialdemo- j krat" bemühen uns nämlich, wirklich dl« Wahr-< heit zu finden und den Arbeitern zu sagen, wir scheuen keine Auseinandersetzungen und keine Belehrungen von Fachkundigen. Also, daS wär« dem„Tag" vorbeigelungen.' Vielleicht bringen wir ihn doch dazu, Äer Politik zu reden. Das ist nämlich im Gegen-, . satz zur Medizin unser eigenes Fach, hier in der' Redaktion. Also wie gehts in München? Alles gesund um Hitler? Die Herren Mörder schon in- Audienz bei Mustolini gewesen? Die nationale Einheit in Fischern durch den Meineid wieder geleimt? Wieder ein kommunistisdies Unternehmen verRradit. Die Vorgänge in der„Internationalen Arbeiter-Flamme". Der Feuerbestattungsverein„Flamme" hatte früher einen Sekretär namens Ä a ch m a n n. Dieser Herr mußte in feinem Amt entfernt werden, worauf er, zusammen mit seinen kommunistischen Gesinnungsgenosten, eine Konkurrenzunternehmung gründete, die„Internationale Arbeiter-Flamme". Für diesen Verein wurde im ganzen sudetendeutschen Gebiet sehr eifrig und nicht erfolglos geworben. Insbesondere Arbeiter ließen sich verleiten, ihm ihre Groschen zu opfern. Nun hat sich dieser Bachmann mit der Koin- munistischen Partei überworfen, die daraufhin gegen ihn schweres Geschütz auffährt und über die Wirtschaft in dem Verein in ihren Blättern folgendes sagt: „Die Organisation ist finanziell auf keiner gesunden Grundlage aufgebaut. Im Jahre 1931 betrugen laut gedrucktem Kassenbericht des Vorstandes die Verwaltungsausgaben 66 Prozent der Gesamtausgaben' Tie Eintrittsgebühren sowie die Beiträge der außerordentliche» Mitglieder zu mindestens 1000 KJ wurden in laufender Rechnung verwirtschaftet, so daß die„Arbeiter-Flamme" über keinen blauen Heller Reservefonds oder Rücklagen verfügt! Die Mitgliedermassen beginnen zu begreifen, daß dies ein durchaus ungesunder Zustand ist, der keine Gewähr für die Erfüllung der Verpflichtungen des Vereines gibt. Ebenso wurde der vor mehr als Jahresfrist eingeführte außerordentliche Unterstützungsfonds, für den 1 Kä monatlich bezahlt wird und der im Lterbefall 1000 K8 auszahlen soll, überhaupt nicht separat verrechnet und gleichfalls verwirtschaftet(Liehe Kastenbericht in der„Arbeiter-Flamme" vom Mai 1032.) Die Prophezeiung Bachmanns, daß per 1. Jänner 1033 10.000 Mitglieder vorhanden und dadurch die Rechte der Mitglieder entgültig ge sichert sein werden, hat sich ebenfalls nicht erfüllt. Nach seiner eigenen Angabe sind gegenwärtig„nur" 18.000 KL Schulden bei Leichenbe- stattungsunternehmungen vorhanden. Tatsache ist, daß einzelne Sterbefälle nur in Ratenzahlungen (!) honoriert wurden und überdies Funktionäre der„Arbeiter-Flamme" unangenehmerweise zahlreiche Mahnungen der ungeduldigen Gläubiger (Leichenbestatter) über sich ergehen lasten mußten. Und wieder sind es Hunderte Arbeite x, die durch kommunistische Unfähigkeit und Niedertracht um ihre sauer verdienten Groschen kommen. Wann werden sie belehrt sein? oiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiniuiiiniiiiimiiiiiiijii(iiniininii{iiiiiiiiiiuiiiii!iiiniituiiiiuiiiiiii!ii!iiiiuiiiiiiiiHiiiii!iiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiii{iiniinnniiiiiifiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiHiiniiiiiiniiiiiiiiiiiiiuiiiiiiiiiiiiiiniiiiiiiiiiiniiiD Radiotechnik und Arbeiterschaft. Unter diesem Titel hielt Jng. Genoste Bruno Voigt-Berlin auf der Hauptver- sammlung des Freien Radiobundes in T«plitz ein Referat folgenden wesentlichen Inhalts: Der alte Menschheitstraum, in die Ferne zu streifen, ist in so wunderbarer Weise zur Tat geworden, daß wir mit Ehrfurcht der modernen Technik gegenüberstehen. Wenn ich hierbei di« Eisenbahn anführe, so geschieht daS nur aus dem Grund«, Ihnen das Verständnis für di« Großartigkeit der Radiotechnik zu übermitteln. Vergegenwärtigen wir uns doch einmal, wie der Mensch früher die Naturkräfte meisterte! Er war gewohnt, große Masten mit Tieroder Menschenmasten zu bewegen. Erst durch Erfindung der Dampfmaschine und damit der Eisenbahn ist zum erstenmal die Tatsache zur Wirklichkeit geworden, daß winzig kleine Wassermoleküle in zusam- mengrballter Form Riesiges leisten konnten. Und nun entsteht, 80 Jahre später, ein« gleiche Revolution» in der wir uns gegenwärtig noch immer befinden, die Entdeckung der elektromagnetischen Welle. Durch sie erst konnten wir den Begriff der RAativität erfassen, denn sie hat, in alle WiffenSgebiet« eingreifend, di« Welt buchstäblich auf den Kopf gestellt. Di« Radiotechnik hat uns gezeigt, daß unsere Schulweisheit von der Unteilbarkeit des Atoms falsch ist, und zur Entdeckung der sogenannten Quantentheorie geführt. DaS wichtigste aber, was sie uns als Arbeiter ganz besonders umwälzend zeigte, ist di« völlige Umkehrung der physikalischen Begriffe. Bon jeher wurde das Starke, daS Gut«, das Potente und daS Treibend« im Zusammenhang mit einem Geschehnis immer als positiv oder recht (richtig!) bezeichnet und daS Schwach«, Schlechte, Latente als negativ ober links(linÄfch!); denken wir speziell an die politische Abstufung, wie sie die herrschend« Klast« getroffen hat: Rechte(gute Herrenmenschen), Mitt«(schwankendes Bürgertum) und Linke(minderwertige Arbeiterklaste). Hier zeigt uns nnn die Radiotechnik: Was ihr Menschen da bisher als richtig hingenommen habt, ist ja falsch! Denn ich zeige und beweise euch, daß daSRegativ positiv und daS Positiv« negativ ist! Kann unS das nicht auch rein politisch gesehen zum Denken geben? Gibt uns hier nicht die Natur selbst ein Mittel in di« Hand, di« positiven Arbeitermasten aufzurütteln! Aber kommen wir nochmals auf di« Zeit vor 100 Jahren zurück! Wir finden, daß der damalige Mensch auf einem Planeten lebte, der ihm riesengroß erschien. Erst nach der Erfindung der Eisenbahn schrumpfte der Erdball für den Menschen— bildlich gedacht— stark zusammen. Aber die Radiotechnik machte aus der Erdkugel ein Kügelchen; läuft doch di« elektromagnetische Well« in einer Sekunde 7.5 mal um die Erd«! Wer noch etwas weit Wichtigere- hat di« elektromagnetische Welle, welche sich radikal ausbreitet(daher der Name Radio!), an sich: sie kennt, da sie nicht crdgebundrn ist, kein« von Menfchenhand gezogenen Grenzen! Und noch einmal 100 Jahr« zurück! Die erste Maschine ist da! Der Prolet fühlt instinktiv, daß di« Maschine sein« Arbeitskraft illusorisch macht, er kann sich nicht anders helfen, ccks seinem Feinde zu Leibe zu gehen und wird Maschinenstürmer. Erst durch die moderne Arbeiterbewegung begreift er, daß erstens einmal seine Knochen schwächer sind als di« der Maschine, und daß zum zweiten die Maschine ihm dienen könnt«, wenn sie nicht Werkzeug in der Hand des Kapitals wäre. Diese Erkenntnis ist heute sogar soweit gediehen, daß derselbe Mensch als Bastler dies« Maschinen nachbaut, denn er weiß, daß er seinem Hauptfeind, dem Kapitalismus nur zuleide gehen kann, wenn er sein Wisten schult. Bei Betrachtung der Arbeiter-Radio- Bewegung könnte man nun zu der Ansicht gelangen, daß eS sich hier für die Arbeiterschaft haupr- sächlich um eine rein kulturelle Angelegenheit handelt, die vielleicht ebenso gut von der Partei, den Gewerkschaften und den übrigen Kulturverbänden der Arbeiterschaft erledigt werden könnte. Wer aber die besondere Art des Rundfunkhörens begriff«» Hal, wird sofort finden, daß in dieser kulturellen Frage auch dl« Technik ein wichtiges Wort mit, zusprechen hat. Darüber hinaus ist die Radiotechnik geeignet, Wisten in der Arbeiterschaft zu verbreiten. Sie kann aber immer nur Mittel zum Zweck sein! Betrachten wir deshalb einmal die technische Seit« der Radiotechnik. In jedem Menschen steckt ein Spieltrieb, der im Basteln seine Befriedigung findet. Es ist aber völlig verfehlt, wenn der einzelne sich hinsetzt und aus 7583 Streichhölzern ein Eiffelturmmodell oder aus einer Anzahl Konservenbüchsen und Draht ein Schiffsmodell baut. Aufgabe der Arbeiterbewegung ist es auch hier, planmäßiges Basteln zu bahnen und damit das technische Wisten und Denken zu fördern und anzuregen Hier hat di« Arbeiter- Radio-Bewegung ein« Aufgabe zu erfüllen, die sich, wenn auch erst in Jahrzehnten, zum Legen der Arbeiterbewegung answirk«» wird. Es ist auf jeden Fall förderlich, wenn di« technisch«» Vorgänge des Rundfunks, der kurzen Welle, des Fernsehens, des Tonfilms, der elektrischen Musik und in ganz besonderem Maße der Verstärkeranlagen dem Arbeiter klar gemocht werden. Ich möchte hierbei ganz besonders auf den propagandistischen Wert der Lautsprecheranlagen für Wahlkämpfe usw. Hinweisen und habe auS diesem Grunde auch den Tonfilm erwähnt, denn Tonfilm ist— worüber sich viel« Bastler nicht im klaren sind— auch«in Stück Radiotechnik. Reben diesen Aufgaben wird es von besonderer Wichtigkeit sein, den Arbeiterhörer beim Kauf von Empfängern und deren Bedienung mit Rat und Tat zur Seite zu stehen, den Arbeiterorganisationen einen Stab von geschulten Genosten für di« Bedienung der Lautsprecheranlagen zur Verfügung zu stellen und diese Anlagen selbst in Wartung und Pflege zu nehmen. Und ist es nicht eine dankbare Aufgabe, wenn die Techniker der Ä.rbeiter?Radio-Bewegüng dir Maste» immer wieder darauf hiiuoeisen, daß die Empfangsgerät« noch viel zu teuer sind, wenn sie ihnen aufzeigen, wie die Apparate durch di« prosit« heischende Bandfabrikation künstlich verteuert werden und d«r Groß-, Zwischen- und Kleinhandel auch daran verdienen wollen? Es ist vorgekommen, daß ein in Bandfabrikation hergestellter Apparat, nur 300 Kö kostend, mit 1500 Kg verkauft wurde, weit di« gefer« tigte Serie von 10.000 Stück nur zu 40 Prozent abgesetzt werden konnte und der Rest verschrotet werden mußt«; daneben aber der.Großhändler noch 20 Prozent und der Kleinhändler weitere 33 Prozent auffchlugen.«Eine weiter« Ausgabe ist di« Behandlung„kranker" Radioempfänger, bi« ber sogenannten Fachleuten nicht immer„fachmännisch" repariert werden. Wenden wir uns nun dem kulturellen Gebiet der Radiotechnik zu. Hier muß in erster Linie darauf hingewiesen werden, daß die Arbeiler-Radio- bewegung sich als Glied der Arbeiterbewegung fühlen muß; daß nur in engster Fühlungnahme mit der Partei und den Gewerkschaften Ersprießliches geleistet werden kann. ES ist bekannt, daß das gesprochene Wort diel mehr packest kann, als das gedruckte. Kann man, wir beim Tonfilm, dem gesprochenen Wort ein gestenreiche- Bild hinzufügen, dann ist der Eindruck ein vollkommener und unverwischlicher. Es wird nicht mehr allzu lange dauern, und der Tonfilm wird durch dar Fernsehen scharf sekundiert werden. Und nun stellen Eie sich vor: Ter Rundfunk kennt keine Grenzen, er dringt in jede, noch so Keine Hütte, da- gesprochene Wort hat eher den Empfänger erreicht, al- der Schrisffetzer seine Type zur Hand nsmmt, und ein Mensch steht vor dem winzig Keinen Mikrophon, da- Millionen Menschen alle- übermittelt, was der ein« Mensch zu sogen hat! Hier ist dem Menschen ein Instrument in di« Hand gegeben, sich unabhängig Gehör zu verschaffen. Die Gegner der Arbeiterschaft haben sofort Kar erkannt, daß dieses Beemflussungsmittel eine Macht darstellt, di« man sich nicht entgehen lasten darf. Glücklicherweise ivaren die meisten Staaten so kug, dieses Machtmittel sofort zu monopolisieren, aber nicht Kug genug, di« Sender zum Sprachrohr des Bolkes zu machen Man hat in fast allen Staaten Angst, daß ein Bolksgenoste etwa- sagen könnte, das regierenden Herren nicht paßt, und zu diesem Zwecke schuf man den schönen Begriff„Rundsunkneutralität". Um di« Neutralität aber zu wahren, griff man zu dem Mittel de^ Zensur. Eine Neutralität im wahren Sinne des Worte- wäre nur dann vorhanden, wenn alle sachlichen Meinungen dem Volke übermittelt werden könnten, damit sich jeder Volksgenosse rin Bild machen könnte über die einzuschlagende Politik. ES wird immer wieder geklagt, daß der Arbeiter von den Rundfunksendungen wenig oder garnichts bat. Ist dieser Einwurf berechtigt oder nicht? Der überwiegende Prozentsatz aller Radiohörer sind Arbeiter aller Berufe, deshalb ist auch ihre Forderung gerecht, den überwiegenden Teil der Sendungen für den Arbeiter zuzuschneiden. Dies paßt aber bestimmten, am Sender interessierten Leuten nicht. In weit größerem Maß« als bisher muß das Augenmerk aus den Schulfunk gerichtet werden. Die Beeinflussung der Frauen und Kinder ist eine so große Gefahr, daß sie nicht scharf genug aufgcze gt werden kann. Hier wird die Arbeiter-Rad,o-Brwe- gung dazu übergehe» müssen, spezielle Abhür- stunden in größerem Forum abzuhalten, in denen den Frauen und Kindern Vergleich« zwischen bürgerlicher und sozialistischer Moral geboten werden können. Wer auch die populäre Erklärung s ch w e r e r M u s i k st ü ck e ist ein sehr wichtiger Punkt, auf den sich die Arbeit konzenrrieren muh. Der Arbeiter kann au- sich heraus nur in den seltensten Fällen Musiverstäivdnis aufbringen, dagegen ist die Gefahr der Verschandelung seines musikalischen Empfindens sehr groß, wenn man an die seichte Vlusik oder gar an die aufpeitschenden Militärmärsche denkt. UeberaU dieselben Sorgen Auch Oesterreich drosselt de» Autobusverkehr. Wien, 11. Jänner. Den Jnteressenorgani- iationen wurde dieser Tage der Entwurf der Novelle zu dem österreichnchen Gesetz über die. Autobuslinien vorgelegt,, die den Zweck verfolgt, 1 eine weitete Autovuskonkurrenz für die Bahnen zu verhindern, indem den Bundesbahnen- rin; weitreichender Einfluß auf di« AutobuSunrer-1 nehmen, deren Fahrplane und Tarife ermöglicht i werden soll. Durch die Novelle soll auch d-.-- Gül-1 tigkeit der bisherigen ÄntobnSkonzeffione» abge-1 kürzt und der Gepäckrransporl durch Autobusse eingeschräntt werden. Rt 10 Donnerstag, den 19. Minner 1938 gctte 5 Ein Mord«nd fein Mitte«. Der 26jährige Schlosser und SA-Mann Herbert Hentsch hat von seinem Vorgesetzten, dem SA-Sturmführcr Rudolf Schenk, den Befehl erhalten, am späten Abend de- 4. November 1932 im„Königshof" zu Strehlen bei Dresden zur Entgegennahme eines besonderen Auftrages gestellt zu.sein. Hentsch empfindet den Auftrag als Auszeichnung und als Beweis dafür, daß di« Unstimmigkeiten, die in der vorhergegan- T«r ermordet« Hentsch {jenen Zeit zwischen ihm und seinem jüngeren freunde Schenk bestanden, beseitigt seien. In SA-Uniform und allem, was dazu gehört, begibt sich Hentsch nach herzlichem Abschied von Mutter, Schwester und einem befreundeten Besucher der Familie, zum Bestimmungsort. Drei SA»Leut« erwarten ihn. Ein Motorrad mit Beiwagen rast bald darauf mit den vier Leuten durch die Nacht gegen die Talsperre Malter. Hentsch kehrt nicht zurück. Er ist auch am Wahlsonntag, dem 6. November, nicht wieder zurück. Er tritt auch am Montag in der nationalsozialistischen„Sturm"« Zigarettenfabrik nicht seine Arbeit an. Am Herzen'der Mutter wächst die Angst. Der Junge ist ihr Stolz. Er ist brav. Er ist ihr Ernährer. « Die Frau hat gute Tage gesehen. Erst als Gattin eines höheren kaufmännischen Beamten, der tödlich verunglückte als Herbert Hentsch noch in den Kinderschuhen lief, spater mit ihrem zweiten Monn, einem Fabrikanten. An der Inflation geht die Fabrik zum Teufel, dar Leben wird bescheiden. Herbert, einst zu Besserem a«r- ersehen, muß Schlosser lernen und er wird ein guter und fleißiger Facharbeiter, der mit seinem Verdienste den Haushalt über Wasser hält. >» Bisher hat er sich um politische Dinge nicht gekümmert. In einer Periode der Arbeitslosig- kcit verfällt er den berauschenden Phrasen der Hitlerleute. Alles, was an echtem Glauben und echter Begeisterung in ihiü steckt, glüht auf, entzündet sich an den Irrlichtern, die über dem nationalsozialistischen Sumpf flirren. An Treue dient er'der Partei, Bald ist er Gruppenführer und erhält die Stellung eines NachrichtenmgnneS. Schenk. Herbert Hentsch, der nicht log, nannte diesen als seinen Auftraggeber. Die Beiden waren Freunde. Im Jänner des letzten Aqhres war es, daß Schenk dem Freunde sein Bild gegeben hat. Auf die Rückfeite hat er in dicker Schrift hingeschrieben:„Glaube! Kraft! Sieg! Rudolf Schenk." Im Sommer noch hatte eine fröhliche SA-Gesellschaft, bei der auch Hentsch mithielt, von einem Ausfluge an die Familie eine Karte geschickt, auf der als erster Rudolf Schenk unterschrieben war. Die Namen Eugen Beyer und Fredrich Fränkel standen gleichfalls dort. Sturmführer Schenk, d r in der Nachrichtenabteilung des Dresdner SA-Führers^ des Landtagsobgeordneten Dr. Bennecke beschäftigt ist, der als Vorgesetzter den Befehl an Hentsch gab, der mit ihm vertraut war, muß also Bescheid wissen. Zwar gab es manchmal Differenzen zwischen den Beiden, denn Hentsch konnte wegen seiner Arbeit in der Fabrik nicht mehr so viel SA-Dienst machen wie früher und Schenk wollte ibn deshalb degradieren. Auch waren da zwischen den Beiden Briefe hin und her gegangen, die sich auf das nicht einwandfreie Verhalten Schenks in privaten Dingen bezogen, und Hentsch hatte di« Absicht geäußert, aus der Betvegung auszuscheiden. Hier liegt wahrscheinlich hic Wurzel alles dessen, was die nächsten Wochen aufdecken. Denn da Hentsch um Dinge weiß, die nicht für die T«r Mörder Schenk Di« Mutter des Femeopsers So weiß er bald um heifle Dinge. Er ist Vertrauensmann. Das weiß die Mutter und auch darauf ist sie stolz. Darum läßt sie erst Tage verstreichen, ehe sic Fragen stellt uitd ihre Anast dem Freunde der Familie, dem Kaufmann U., anvertraut, wissend, daß ihr Junge das erfüllen muß, was er für seine Pflicht hält. "Der Kaufmann forscht. Bevor die Ber- miktenanzeige bei der Polizei eingebracht wird, spricht er mit Rudolf Schenk, von dem er weiß, daß er dem Verschollenen den„besonderen" Auftrag erteilte. Schenk weiß von nichts. Immer und immer wiederholt er:^Hentsch habe ich s e i t Wochen nicht gesehen!" Auch aus der Polizei weiß man nichts. Die Spitzen der NSDAP in Dresden wissen nichts. Sie haben für die verzweifelte Mutter kein Wort der Be- ruhigung. Der nationalsozialistische„Freiheitskampf" lehnt es ab, einen Aufruf zu veröffentlichen, in dem sie um Anhaltspunkte für die Aufklärung des Rätsels ersucht. Ihre Briefe an Hitler und Röhm bleiben ohne Antwort. Das Dunkel will sich nicht lichten. Nach einer Woche erhält sie aus München endlich ein Schreiben vom Oberführer Schdel: Ihr Briefdurchschlag an den Stabschef... mir zur Beantwortung übergeben. Zu meinem Bedauern... gänzlich unbekannt... Heil Hitler!" Dieser selbst, ohne dessen Wissen und Willen angeblich in der grogen Partei nichts geschieht, schweigt weiter. Immer wieder kreisen die Gedanken der beiden suchenden Menschen um einen Puirkt und immer wieder stocken sic bei dem einen Namen: Oeffentlichkeit bestimmt sind, darf er der Be- fehlsgewalt der SA nicht entwischen. Und da erhält der Geheimdienst des Herrn Dr. Bennecke den Auftrag, den SA-Mann Hentsch zu beseitigen. Aber das alles weiß die Mutter nicht.- Sie vertraut noch immer der Polizei. Wüßte sie, wie sehr man dort den SA-Sturmführer Schenk schätzt, wie sehr man von seiner Anständigkeit überzeugt ist, ja, wie fröhlich man sich dort von ihm an der Nase herumführen läßt, sie gäbe ihre Hoffnung bald ans. Vielleicht ist ihr nicht so klar wie den SA-Leuten, daß die deutsche Polizei von Nationalsozialisten durchsetzt ist; vielleicht weiß sie nichts von dem seinerzeitigen Telegramm des Osaf an die Mörder von Potempa, mit dem cr ihnen kundtat:„Eure Freiheit ist die Ehre der Partei!" Die krassen Widersprüche, jn die sich Schenk gegenüber dem Freunde der Familie verwickelt hat, geben dem Kriminalrat Vogel nicht zu denken. Schenk darf bei einem liebenswürdigen Verhör unkontrolliert ein Telephongespräch mit dem großen Unbekannten führen, von dem er sich angeblich der Schweigepflicht entbinden lassen müsse, er darf dann das Polizeiauto samt dem Herrn Kriminalrat nach Tharandt dirigieren, um mit dem Geheimnisvollen persönlich zu sprechen, er darf sogar ganz allein in das Haus des Unbekannten gehen und darf so— auf Nimmerwiedersehen verschwinden. Trotzdem wird keine Grenzsperre, wird keine Kontrolle.der Briefsendungen ins Ausland verfügt. Man schreibt den 10. November. Erst volle acht Tage nach der Flucht Schenks, also am 18. November, gehen der Staatsanwaltschaft die Akten über den Fall Hentsch zu und erst jetzt werden Haftbefehl und Steckbrief erwirkt. Da tst Schenk längst in Bozen und mii ihm die SA-Leute Friedrich Fränkel und Woieik, den nach einer unwidersprochenen Meldung der „Bossischen Zeitung".Herr M. d,L. Dr. Bennecke eigenhändig verbunden und gelabt hat, alL Woi- eik von einem geheimnisvollen nächtlichen Ausflug mit einer Dei'ctzung zurückgekehrt ist. Tie Stafsetten'der SA, die nicht nur geheime Meldungen wcitergcben, sondern auch National- sozialistcu, die steckbrieflich verfolgt werden, ins Ausland befördern, arbeiten flinker als die Dresdner Polizei... Noch schreien die Zeitungen der Hakenkreuz- lrr„Rotmord"!, noch kolportieren sie das Gerücht, Hentsch habe vrrräterischcrwcisc einer französischen Nachrichtenstelle in Prag Material über die Schwarze Reichswehr überbracht,obwohl längst festgestellt ist, daß Hentsch niemals im Auslande war,—- als die Dezembersröste das Rätsel um den Verschollenen enden. Der ver- stmmelte Leichnam kommt am zweiten Weihnachtsfeiertage an die Oberfläche der Talsperre. Der tote Mund schweigt. Aber das kleine Bild des Schenk, in Freundschaft dem Freunde gewidmet, erhält in der Hand der Mutter unheimliches Leben.„Glaube! Kraft! Sieg!" Ter Glaube des Gemordeten ward ihm zum Verhängnis. Tie Kraft der Drei, die ihn in die Nacht schleppten, war mehr als seine einzelne. Den Sieg über den reinen Toren errang die Verkommenheit von Hitlers Landsknechten. * Die SPD in Dresden, an die sich die Hinterbliebenen wandten, nachdem sie von der Hitler- geseklschaft verlassen und verraten waren, hat in einer kleinen Broschüre„Der Dresdner Fememord" die Einzelheiten des Falles.Hentsch dargelegt. Gegen diese Broschüre hat Adolf Hitler eine einstweilige Verfügung erwiüt, da er sich durch den Untertitel„Ist Hitler mitschuldig" in seiner Ehre gekränkt fühlte. Unterdes beginnt di« Mühle der Staatsanwaltschaft langsam zu mahlen. Eugen Beyer ist verhaftet, Dr. Bennecke seiner Immunität entkleidet worden. Aber Kriminalrat Bogel fliegt noch nicht.- Und dem Zugriff der Justiz ziemlich radikal entzogen sind Schenk und seine Spießgesellen. Das fajkistische Italien wird die deutschen Brüder nicht ausliefern. In dieser krympfgeschüttelten Zeit ist cs gewiß die Jugend, die ohne Erfahrung und deshalb ohne Hoffnung und darum am tiefsten leidet. Deshalb konnte di« Hitlerbewegung neben Abenteurern und Abschaum auch so viel echte Sehnsucht einfangen, so viele gut veranlagte jung« Menschen, in deren Köpfen die nebelhafteste» Vorstellungen vom„Aufbruch" Deutsch lands, von„Freiheit" und„Heroismus" spuken. Zur Anbetung des Götzen„Osaf" gedrillt, über die Wahren Ursacken von Deutschlands Not geflissentlich in Blindheit gehalten, zum Lügen erzogen, zu Waffenübungen am lebenden Ziel gehetzt, mit den verderbtesten Begriffen von»Ehre" erfüllt, taumelt diese Jugend hinter den Schiag- ivorteu ihrer Fübrereliquen und der schwerindu- sirieilcn Drahtzieher her, Tie Organisationen, die Hitlers Privatarmee bilden, sind die Häuslichkeit der Offiziere und Unteroffiziere ans der Epoche her Freikorps. Vom Edenhotel über Kapp und Orgesch, Ehrhard, den Rathenaumord über die Schwarze Reichswehr geht eine gerade Linie zur Talsperre Malter und der— Fahrlässigkeit der Polizei. Den Verführten diese Zusammenhänge aufzudecken, müßte fast ein Wunder geschehen. Aber die organisierte, ehrlich ringende Arbeiterschaft Deutschlands wird ihr Bestes dazu tun, um dieses Wunder herbeizuführen, Lotte Belina. Die furcht „gchentedit“ zu werden! Halle, 11. Jänner.(Eig. Drahtb,) Vier Mitglieder der Hallenser Hitler- j u g e n d, die ihrem inzwischen abgesetzten Führer Sickel die Scheiben eingeworfen haben und von diesem bei der Polizei angezeigt worden tvaren, sind seit einigen Tagen spurlos verschwunden. Anscheinend aus Angst vor der polizeilichen Verfolgung oder aber aus Furcht, von der Parteiseme„g e h e n tz s ch t" zu werden. Unter den verschwundenen befindet sich ein G y m n a s i a st, de, von der Schule gewiesen wurde, vom Preußenkommissar Kähler aber amnestiert worden ist. Die Einheit, die sie meinen... Eine lehrreiche Versammlung in Komata«. Unsere Partei veranstaltete am Montag, den 9. Jänner im Lagerkellersaal in Komotan eine öffentliche Versammlung, in der Reichstagsabgeordneter HanS Vogl aus Berlin über das Thema„Deutschlands Kampf um die Freiheit" sprach, Die Versammlung wies einen Maffen- bcsnch auf, denn außer vielen Hunderten sozialdemokratischen Arbeitern waren auch zahlreiche Kommnnisten und Hakenkreuzler erschienen, welche sich vorgenommen hatten, mit der Sozialdemokratie einmal gründlich„Abrechnung" zu halten. Der Versuch mißglückte, obwohl sich dir Koniinnnazi die denkbar größte Mühe gaben. Nach dem ausfiihrlichen Referat d«S Genossen Vogl, das von der Persammlungsmehrheil mit stürmischem Beifall quittiert wurde, ergriff der Hakenkreuzler Brehm das Wort, der alle alten Schlager aufwärmte,. mit denen die Nazi seit Jahren vergeblich gegen die Sozialdemokratie operieren. Tann sprach der Kommunist Freund, der den Anwesenden einreden wollte, daß der einfachste Weg zur proletarischen Einheitsfront die rücksichtslose Bekämpfung der Sozialdemokratie sei. Von der Propaganda zur„Tat" war dann nurmchr ein Schritt, der auch getan wurde. Als sich Genosse Abg. Kaufmann in der Debatte die Hakenkreuzler vorknöpfte, inszenierten di« Kommunisten einen Heidenspektakel, denn cS tat ihnen anscheinend weh, daß ein Sozialdemokrat den Nazis zu nahe trat. Der Lärm steigerte sich zeitweilig derart, daß es schien, die Versammlung werde auffliegen. Den Ermahnungen unserer Genossen gelang es aber schließlich, den Kommnnisten begreiflich zu machen, daß sie der Arbeiterklasse einen schlechten Dienst erweisen, wenn sie sich schützend vor die Hakenkreuzler stellen. Die Versammlung konnte dann in Ruhe zu Ende geführt werden. Für die Teilnehmer war sie insofern eine Lehre, als sie neuerdings den Nachweis erbrachte, daß die Kommunisten gar nicht daran denken, die wirkliche Einheitsfront des Proletariats wiederherstellen zu helfen. Ihnen liegt vielmehr daran— sind hiebei unterschieden sie sich nicht iw geringMililMdile gegen die spanisdien Putsdiislen. Energische Beschlüsse des i*ilnisterrates. Paris, 11. Jänner. Nach einem Berichte deS .Journal" haben di« Madrider Regier«nqskreise den Eindruck, daß die Verantwortung- für die letzten Ereignisse den kommunistischen Elementen zufalle, die fast überall die anarchistischen Syndikatsleitungen beherrschen und das gleiche Ziel verfolgen: Störung der Ordnung und Bekämpfung der Regierung, welche Form sie immer habe. Jetzt will die Regierung energisch mit diesen Elementen aufräumen und Ordnung schaffen. Gestern nachts trat der Ministcrrat zusammen und beschloß, daß alle im Zusammenhang mit den letzten Ereignissen Verhafteten keineswegs vor ein Uebertretungsgericht, sondern vor ein Militärgericht gestellt werden spllev. In allen ProvinM.in..welchen Hoch Unruhe herrscht, wird der B e I q fl e t ü U sfä« zustand verhängt und die Verhafteten nach oen in dieser Situation gültigen Gesetzen abgeurteilt werden. Allen Polizeibehörden und den Leitern der Zivilgarden wurden neue Instruktionen in diesem Sinne erteilt. Wettere Zusammenstöße Auch in der Rocht auf heute waren in Sevilla und in TereS wieder Unruhen zu ver zeichnen. In Sevilla soll eine Gendarmcrieab- teilung mit Schüssen empfangen Wörden sein. Die Mannschaft eines Pvlizciauws nahm die Verfolgung der Täter auf und erschoß zwei Syndikalisten, In lkeres ist es zu einem Zusammenstoß zwischen Gendarmerie und Aufrührern gekommen, wobei ein Nachtwächter getötet wurde. (Krons Einanzplöne vom Ministerrat genehmigt. Paris, 11. Jänner. Im Ministervat legte Finanzmimster C h ö r o n im einMnen sein« Finanzpläne. vor und schlug doo,..d.i« Regierung möge sich fsi^ di« s o k o r t i g e Wiederher- st et In n g des B ü o g e t g l e I ch g c w i ch t e s ohne Auflegung einer Anleihe aussprechen. Der Mmisterrat billigte diesen Vorschlag einstimmig. C Heron erklärte daun, wie schon gestern im Kabinettrat, daß er den Bndgctfehlbetrag durch Ernfparungen in Höhe von 5326 Millionen und durch neue Stni e rma ß nah men in Höh« von 5433 Millionen abzndecken gedenke. Auch dieser Vorschlag wurde vom Ministcrrat einstimmig l angenommen. sten von dcit Hakeilkrenzfascistcn,— durch eilte ständige nnd verlogen« Hetze gegen die Sozial- dempkvati« die Abwehrkraft der Arbeiterklasse dauernd zu schwächen,— zum Gaudium der Kapitalisten, die davon den Vorteil haben und denen, solange es Kommunazi gibt, um ihre Herrschaft nicht bange zu sein braucht. Gottwild; Frz Shlungen in Mos'an. In einer Rede, die der Osaf der komnkunisti- scheu Partei der Tschechoslowakei,.Herr Gottwald in Moskau gehalten hat— die Red« ist in der Kommunistischen Revue" und zwar im Heft 11/12, Jahrgang 1932, auf Seite 330 abgedruckt, erzählte Gottwald den Menschen, die dort saßen und natürlich keine Ahnung von den Verhältnissen in der Tschechoslowakei haben, folgendes: „Jn vielen Städten, wo wir im Jahre 1929 saft gar keine Stimmen hatten, Haien wir bei den letzten Wahlen di« absolute Mehrheit gewonnen." Es gibt sicherlich wenige Städte in der Tsehe-' ckoslowakei, wo irgend eine Partei die absolute Mehrheit bei Wahlen gewonnen Hot. Wo aber die Stadt ist, in der die Kommunisten die absolute Mehrheit haben, würde nicht nur in Moskau sondern auch in der Tschechoslowakei interessieren. Wir fordern alsp Herrn Gottwald auf, unsere Nengier zu befriedigen und uns jene Städte zu nennen, in denen eine kommunistische Mehrheit b e st e h t. Vom Rundfunk Freitag. Prag. 6.13: Gymnastik, 11: Schallplatte«, I8.2ü; T« ursche, Sendung: Oberschall: Der Winterwanderer und desjeu Ausrüstung, üll: Kabarett.— Brün«. 12.30: Orchesterkonzert, 18.25: Deutsche Z en düng: Schrammelkonzerl, 21' Tanzmusik.— Pretzburg. 16.10' Orchesterkonzert, 19.20: Blae. Musik, 21: Unterhaltungsmusik— Berlin. 15 50: Alte Lieder. 19.10: Chorgesänge. Hamburg. 2115s Musiker der Gegenwart.— Königsberg. 20.10: Siu» wniekonzert.— Leipzig. 19,80: Operettenstundc— München. 22: Serenade für Wiei Harfen— Wie«. 19.45: Volkslieder Abend. Seite 6 Donnerstag, den 12. Jänner 18Sd Nr. 10 und schäften bei zchn Perstrnen statt^ auf di« ein Ver- erschienen, von der Fälschung gewußt oder sie sacht fiel. Die betreffenden Häuser wurden ab- gar verbreitet zu haben. Jura Lek fuhr am die mit ein- seine Frau Wisotschan Tagesneuigkeiten Reklame. Der Brand der Tod auf den Schiene». Gestern wurde auf dem Pardubitzcr Bahnhof in den ersten Morgen- ffuitben die 31jähr«ge Aufräumefrau Franziska Iandova, Witwe und Mutter eines fünfjährigen Knaben, von einem Personenzug erfaßt und auf der Stelle getötet. Ihr Mann erlag vor etwa vier Jahren einem Herzschlag, den er gleichfalls am Pardubitzer Bahnhof erlitt. Im Riesengebirge schneit es seit Montag mit nur geringen Unterbrechungen. Am Riesen- gebirgskamm beträgt die Neuschneehöhe 30-iS 40 Antimeter. Vom Naturfreundehaus Königshöhe wird 25 Ztm. Neuschnee gemeldet. Di« Grippe im Erzgebirge. Wie uns aus dem Obererzgebirge berichtet wird, ist dort ein langsames Abflauen der Grippeepidemie zu verzeichnen, wenn freilich auch noch zahlreiche Grippe-Patienten das Bett hüten müssen. In Weipert waren insgesamt drei Todes- iälle zu verzeichnen, in den angrenzenden sächsischen Grenzgebieten etwa acht. Der nunmehr endlich eingetretene Schneefall dürfte wesentlich dazu beitragen, daß die Epidemie rasch wieder abflaut. Miß Libby Holman, die unter dem Deck- Arbeiter-Ede 1933 Bor dem Standesamt Schwanendorf fiel«in Arbeitsloser während seiner Trauung ohnmächtig um. Ei» Arzt erklärte de« Schwächezustand: Hunger... Tod in der Kanalleilung. Schreckliches End« eines Prager Gemeindeangestellten. Der Parkangestellte Miroslav Jager aus Prag VII. stürzte Dienstag mittags, wahrscheinlich durch aufsteigende Gase betäubt, in der Parkanlage auf der Letna in den Luftschacht des Hauptsammelkanals der Abwässerleitung. Durch bcn stark» Strom wurde er in den Kanal gerissen und bis zu der Kläranlage in Bubentsch abgeschwemmt. Dort wurde er ungefähr zehn Minuten nach dem Unfall geborgen; er starb jedoch auf dem Wege ins Allgemeine Krankerchaus. bin riesiges Lagerhaus in Flammen. Harburg-Wilhelmsburg, 11. Jänner. Aus bisher noch unbekannter Ursache brach heute nach 8 Uhr in dem 850 Meter langen Lager- h a u s der Harburger O e l f a b r i k Thörl Großfeuer aus, durch das ein großer Teil der Lagerhalle und der größte Teil des dort lagernden Bestandes ein Raub der Flammen wurde. In dem Lagerschuppen befand sich C o p r a, das in Säcken bis zur Decke aufgcstapclt war. Der ganze Schuppen ist vor drei Jahren schon einmal durch Feuer zerstört worden. X El« Eisenbahner überfahren.. Gestern in den Morgenstunden wurde auf dem Bahnhof in Wisotschan der fünfzigjährige Weichensteller P e 8 e k von einem Personenzug überfahren und getötet. Pc8ek hinterläßt zwei unversorgte Kinder. Auch wurde vor acht Jahren ebenfalls in vom Zuge getötet. Kessel, in dem für das bevorstehende Schwein. 1 schlachten heißes Waer bereitet wurde. Plötzlich gab der Deckel des Kessels nach, uno dil beiden Knaben fielen in das heiße Wasicr. DW wohl die Kinder von den Angehörigen iosorA hinausgezogen wurden, hatten sic doch bcreits schwere Verbrühungen davongerroaen. daß siw bald nach ihrer Einlieferung ins Krankenhaus starben. rungen getroffen, um des.......„ möAich habhaft zu werden. Es fanden Durch- Zusammenhänge mit dieser Angelegenheit wur- suchungen von Häusern, Wohnungen und^Ke- mehrere Personen verhaftet, di« verdächtig bin Arztensklnd, das Tabletten Mr Zuckerln hielt... Göttingen, II. Jänner. In der Familie briH Assistenzarztes in der Göttinger chirurgiS scheu Klinik, Dr. Brandes, ereigneke sich«nj tragischer Unfall. Der dreijährige Sohn? des Arztes hatte in einer Schublade ein» Schachtel mit Tabletten gefunden. SÄ er für Bonbons hielt und aufaß. Alo!»-c, Eltern den Vorfall bemerkten, war es bereits wk spät. Die Tabletten bewirkten eine so starke Ver« Minderung des Blutkreislaufes, daß der Knal'V nach wenigen Stunden starb. Brouiberg, II. Jänner. Zwei Kinder eines Chauffeurs sind Dienstag abends im Rauch erstickt. Der Vater hatte seinen fünfjährigen Sohn und seine dreijährige Tochter schlafen gelegt und das Haus verlasien. Als er nach zwei Stunden mit seiner Frau zurückkehrte, fanden die Eltern das Schlafzimmer mit Rauch erfüllt und die Kinder erstickt. Der Vater hat-.c vor seinem Fortgang ein glimmendes Streichholz auf den Boden geworfen. Ei« Bettvorleger hatte zu schwelen begonnen und andere Gegenstände in Brand gesteckt. Der unglückliche Vater wollte sich das Leben nehmen, konnte jedoch von Nachbarn daran gehindert werden. Tragödie vor dem Schwe«eschlachten. Bochum(Westfalen), II. Jänner. Auf dem Gehöft eines Landwirtes in Enmgen ereignete sich gestern ein Unglück, bei- dem zwei Kinder den Tod fanden. Ein 13 j ä h r i g e r und.ein 5 j ä h- riger Junge kletterten in Abwesenheit der Erwachsenen auf eine« großen eingemauerten „A t l a n- t i q u e" und sein« Begleiterscheinungen haben die Schönheilen des kapitalistischen Systems aufgedeckt. Wie die Hyänen haben sich die Schlepper um das Wrack des Schiffes gedrängt, um die Bergungsprämien einzuheimsen. Auch noch auf anderem Gebiete machen sich die Hyänen des Schlachtfelds bemerkbar. Bei der Erörterung über die Ursache der Katastrophe ist mehrfach der luxuriösen Inneneinrichtung des Schiffes die Schuld gegeben worden. Man hat auf den Luxus an Wolle, Seide, Holztäfelung, Anstrich, Lacken usw. hingewiesen. Diesen Hinweis hat sich sofort die Reklame der Unternehmer zunutze gemacht. Plötzlich rauchte in der bürgerlichen Presse der Hinweis auf, wie nützlich es wäre, wenn auf Schiffen nur S t a h l m ö b c l verwendet würden. Die Quelle des Himveises war unverkennbar. Er ging auf die S t a h l m ö b e l s a b r i k a n- len zurück. Noch am selben Tage meldete sich die Konkurrenz, zog gegen die Stohl- möbelfabrikanten zu Felde. Es sei unsachlich, einen Werkstoff liegen den anderen auszuspielen, man könne vielleicht Lazarettschiffe und Kriegsschiffe nur mit Stahl und Blech ausstatten, aber keine Passagierschiff«. So hat sich um die Katastrophe der„Atlantiaue" ein in !»cr Qeffentlichkeit ausgefochtener Konkurrenzkampf der Unternehmer entsponnen. H i e Stahl, hie Hokz! lautet das Kriegsgeschrei. Geschäft ist alles und die große Kata- Sohn, der mm der Erbe des von seinem Vater hinterlassenen Vermögens, das auf 18 Millionen Dollar geschätzt wurde, sein wird. Miß Holman war die Gattin des jungen Tabakkönigs Smith Reynolds, nach dessen Tode sie angeklagt wgr, ihn e r m o r d e t zu haben. Sie wurde aber freigesprochen. Selbstuwrd eines betrügerischen Bankiers. Der Bankier Hugo Wertheim in Braunschweig hat in seiner Wohnung Selbstmord verübt. Gegen den Verstorbenen soll ein Strafverfahren wegen WechselfÄschung und Devisenvergehen eingeleitet sein. Oesterreich bekommt auch einen„Unbekannten Soldaten". Wie die„Neue Freie Presse" meldet-, ist die Errichtung eines Grabdenkmals für den österreichischen unbekannten Soldaten in das entscheidende Stadium getreten. Als Platz für dieses Denkmal ist die Mitte der äußeren Front des Burgtores in Wien vorgesehen, vom Fliegende» Hamburger. An der gestrigen Fahrt des Schnelltriebwagens Berlin-Hamburg, nahmen B.rtreter der bÄeutendsten Eiien- bahngesellschaften Europas sowie eine große Zahl auAändischer Ingenieure teil. Es kam darauf an, die Brauchbarkeit des Wagens auch für außerdeutsche Bahnstrecken zu untersuchen. Polnische Hinrichtung. Zum Tode durch den Strang verurteilt« das Posener Standgericht de» Klempner Bartoszewski, der einen Raubüberfall- auf zwei Frauen verübt hatte, die er durch Stiche so schwer verletzt halt«, daß sie noch heute in Lebensgefahr schweben. Die Hinrichtung erfolgte Mittwoch fnih. Tod im Schlitten. Auf einer vereisten, stark abfallenden Straße am Ausgang« der Stadt Suhl(Thüringen) geriet ein mit vier jungen Leuten besetzter Schlitten in so starke Geschwindigkeit. daß die Besatzung nicht bremsen konnte. Der Schlitten rannte gegen einen Baum. Zwei junge Leute wurden sofort getötet, ein dritter erlitt schwere Verletzungen. verschollener Australienslieger. Neber das I Schick'al des bekannten britische» Fliegers Bert' ; Hinckler, der, wie bekannt, von England am i es nicht ausgeschlossen erscheint, daß der Flieger seine Flugetappen geheim halten will. Das Messe/ des Toten. Das Kölner Schöf fengericht verurteilte einen jungen Mann wogen groben Unfugs zu drei Wochen Gefängnis. Er hatte kei einer Beerdigung ein lättgeS Messer krackend aus hen Sargdeckel in die Grube ge worfen, weil der Verstorbene seinen Vater und fernen Bruder erstochen habe und nun ni!iiiiiiiiiiiiiiiiiiiüiiiiiiiiiiiiiiuiiiiiiniiiiiiiii[HitHiiiiiiiiiuiniiiiiiiiiifiiiiiiiiuiinniiiiiiiiiiiiiuiiiimiiiiiiiiinuiiinminiiiiiiiiiiiiiniiiiiiiiiiiiiitiiiiiiiiiniiiiiiiiiiiijiniiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiii[iiH!iiiiiiiiiininiiii!!iI Wie allein gelassene Kinder sterben... Durch ein weggeworleues Streichholz des Balers verbrannt. FalfchmünzerwerlstStte in Brünn. EeMchte tzunderttronennnten. Am S. Jänner nachmittag bemerkte-er Kassier im Brünner Fleischmarkt bei der Ueberzählung des emgegangeuen Geldes, daß sich unter den alten grünen Hundertkronennoten vier Stück befanden, di« er für falsch h'elt. Er verständigt« sofort t«l«ph»nisch die Sicherheitsabteilung der Brünner Polizeidirektiou, di« koastatiert«, daß es sich»m sehr gelungene Falsifikat« handelte. Es wurde sofort der gesamte Polizeiapparat 1 Druck von Banknoten gefunden. Wie bisher fest- aufgeboten. Sämtliche Fahrzeuge der Brunner gestellt werden konnte, wurde» t« Brünn zwölf Pouzeidirektion fuhren mif 40 Mitgliedern der Stück falscher Banknoten verbreitet, von denen uniformierten und Zivllwachleuten in alle Stadt- vier auf dem Fleischmarkt, sechs zu einem Fleischteile Brünns und auch außerhalb von Brünn Hauer und zwei zu einem Kohlenhändler kamen. gesperrt und> die verdächtigen Personen bewacht, so daß jede Verständigungsmöglichkeit ausge schlossen wurde. Rach zweistündiger Arbeit wurde das erste Ergebnis gemeldet. Im Hause Krizikgasse 24 in Königsfeld wurde eine Falschmünzerwerk- stätte entdeckt und konstatiert, daß di« falschen Banknoten von dem 26jährigen Schristenmaler B. Jnraöek erzeugt wurden. Bei der Hauptdurchsuchung wurden diverse, i'unde Zähne. Als er zuletzt gesehen wurde, war Photobehelfe, Matern, Glastafeln, Farben, Che-! er mit einem grauen Anzug, dunkelblauem mikalien und einige Pakete Papiere für deni Ueberzieher und grauem Hut bekleidet. ^wmuinniiiuiniiiiinminnuHiuiiiHiuuiiiuuiiiiuuiiuiiiiiuiiiiiiitiiiiiiuiiuiiiiiiii»iiiiuiHinii!iiiiiiininnnniiniii»nHinniimnniiniiimniniunniimuiiHiiiiiiiiiiiuu:uiKiiimi!iini(miuiHuuiuHn strophe hat deshalb sofort die Reklamechefs des Unternehmertums auf den Plan gerufen! Furchtbares Famil cnbild. Aus Brüx wird uns gemeldet: Die Gendarmerie in Oberleu- tensdorf verhaftete den 41jährigen Textilarbeiter F. N. auf Anzeige seiner Gattin deswegen, weil N. seine 18jährige Stieftochter, mit der er seit längerer Zeit ein Verhältnis unterhielt, mit einem Revolver bedroht hatte, um sie zu veranlassen, das Verhältnis mit ihm fortzusetzen. Das Mädchen sieht Mutterfreuden entgegen und bezeichnet den Stiefvater als Vater des zu erwartenden Kindes. Die Frau des N. befand sich einige Zeit hindurch in der Pflege des Brüxer Krankenhauses, und in ihrer Abwesenheit kam es zu der Drohung des Mannes gegenüber der Stiek- lachter. Die Gendarmerie fand in der Wohnung des Verhafteten zwei Revolver und Munition, welche sie beschlagnahmte. Im Eise eiugebrochen und von der Eger fortgerisse» wurde, wie uns aus Kaaden berich tet wird, das Mädchen Marie Sand«er beim Schlittschuhlaufen. Die Verunglückte geriet unter die Eisdecke und trieb darunter ein beträchtliches Stück ab. doch kam dann zum Glück ein« eisfreie Stelle, au der das Mädchen an die Oberfläche kam, so daß eS gerettet werden konnte. Wettschwimmen bei Schneegestöber. Aus Dux wird uns berichtet: Eine eigenartige sport lich« Veranstaltung führten fünf junge Leute>m Alter von 20 bis 22 Jahren aus dem großen Barbarasee in Dux durch. Sie luden in geschrie- bonen Flugzetteln und Plakaten alle„abgehärteten jungen Männer" zu einem Wettschwimmen auf der eisfreien Fläche des Sees ein— mit dem Erfolg, daß Hunderte von Menschen am Sonn tag an den Ufern des Sees und aus dem Ense selbst sich einfanden, um dem seltsamen Wett kampfe zuzusehen. Es herrschte mildes Wetter mit leichtem Schneegestöber, und die Eisdecke knisterte gefährlich unter der' Last der neugierigen Menge, dah„bi«^izei zur Verhinderung von Un--£ am8tag früh gestartet ift um den"Welrflug- glucksfallen eingretfen mußte. Um 3 Uhr nach- I resord auf der Strecke England—Australien zu mittags sprangen fünfKlunge Leute auf ein Starr-> ühxrbieten, liegen noch immer keine Meldungen signal in die eisigen Muten. Einer v-?n ihnen öot Befürchtungen um sein Schick'al in mußte bereits nach zehn Metern aufgeben, und Arei'en der britischen Flieger steigen an obzwar ihm folgte nach 50 Metern em zweiter, wahrend----------•--- die übrigen drei unter den anfeuernden Zuru fen der Zuschauer das Ziel erreichten. Nach dem Wettkampf veranstalteten die vor Kälte ganz blau gefrorenen Burschen unter den Zuschauern eine Sammlung, wobei sie etwa 100 Kronen einnah men, die sie unter sich verteilten. Drei Tote bei einem Flugzeugunglück._ In Tunis ist ein Marinewasserflugzeuq abgestürzt, das sieben Mann an Bord hatte. Der Apparat scll infolge eines falschen Manövers gegen die Hafenmaner angevannt sein uird sich dann über schlagen haben. Er ist gesunken. Drei Insassen kamen ums Leben. Ein vierter wurde schwerver letzt. Die übrigen kamen mit leichten Berwun- gen davon. Ter Raubüberfall in Lietavska-Lucka. Der Slübat des Jnf.-Reg. Nr. 41 Paul P l a st i k, der den Raubversuch in Lietavska-Lucka unternahm und aus dem Silleiner Militärarrest ! flüchtete, ift wieder verhaftet worden. Die Gendarmerie hatte s«me Verfolgung mittelst Autos ausgenommen und es gelang ihr, ihn nack) auf regender Jagd in seinem Elternhaus zu verhaf ten und wieder nach Siüein zu bringen. Sein Frnrnd An ton Werner aus Aussig a. d. E., der ihm bei der Flucht behilflich war und deshalb hätte verhört werden sollen, ist Dienstag auf einem ärarilchen Pferd entflohen. Ex soll in der Richtung der polnischen Grenze geflüchtet sein. Die deutsche« Dominikaner müsse« Südtirol verlassen. In Eppan besteht ein deutsches Dominikanerkloster, dessen Mönche mit der Seel sorge und dem deutschen Pfarrunterricht in der Umgebung bishcr betraut gewesen sind. Nun mehr wurden die deutschen Dominikaner nach dem Süden versetzt: an ihr« Stelle sollen ita- l i e n r s ch e Dominikaner kommen. auch im Jenseits nicht ohne Messer sein sollte. Gegen den Verstorbenen war vor längerer Zeit «in Strafverfahren wegen Totschlags eingeleitet worden,.das aber eingestellt wurde, weil der Täter aus Notwehr gehandelt hatte. Fluglinie Prag—Triest. Gestern wurden im Prager Außenministerium die Ratifllationsurkunden des zwischen der Tschechoslowakischen Republik und Italien geschlossenen und am 28. April 1832 in Rom unterzeichneten Abkommens über di« Errichtung und den Betrieb der regelmäßige« Fluglinie Pro g— Trie st ausgetauscht. Nach diesem Abkommen wird auf dieser Strecke«in« regelmäßig« Verbindung zwischen Prag und Triest dreimal wöchentlich Zwischenlaiwung in PrcHburg und Agram gerichtet Einkommensteuer von reduzierten Ruhe- Brrsorgungsgeuüsse«. Di« Finanzlandesdirektion in Prag gibt bekannt, daß di« PensionSliquidatur dieser Behörde bei der Pensionsanweisung für Jänner und Feber l. I. nicht im Stand« war, den bei der Realisierung der mir dem Gesetze Nr 204 1932 an-i geordneten Pensionsbezüge sonst erforderlichen Aus--, gleich des Einkommensteuerabzuges gleich vorzu-j nehmen, welcher dem um den reduzierten Betrag! verminderten PonsionSbezuge entsprechen würde, dai die Anzahl der in Betracht kommenden Perzipienten eine allzu große ist und die mit der Durchführung beS Gesetzes verbundenen Arbeiien umfangreich: waren. Ter Äusgleich erfolgt bei der Pensionsanweisung für März l. I., weswegen jede Reklamation überflüssig erscheint. Fahrplanänderungen. Ab 15. Jänner 1933 treten! folgende Fahrplanänderungen in Kraft 1. Strecke P r ag- D« n i s b a h n h o f-^Jg l a u:- In der Sirecke LcStina u Sv. n. S.—Deutschbrod wird al- neuer Personenzug Rr. 1232 eingesührt- Ab LeStina u Dv.. tt. 6 Uhr 36 Min., an Deutschbrod 7 Uhr 16. Min. Dafür wird di« Personenbeförderung beiden Güterzügen 8102 und 1242 in der Streck« Svörlüz n. S.—Deutschbrod eingestellt. Ber Zug 8402 bleibt, die Personenbeförderung in der Streck« Deutschbrod: —Jglau ausrecht. Zug 8402 wartet in Deutschbr>n di« Ankunft des Zuges 1232 ab.— 2. S t r« ck e N i m b u r g—E bersbach i S.: Zug 306 wird in der Haltestelle Bodörady um 14 Uhr 17 Min. an-e halten.— 3. Strecke Trauten« u—P a r s ch< n i tz—Sieb au(Schl.): Die Züge 1712(ab Liebau (Schl.) 20 Uhr 30 Min., an Trautrnau 21 Uhr 1!)- Min.) und 1711(ab Trautenau 21 Uhr 12 Min., ani Livbau(Schl.)- 21 Uhr 60 Min.) werden nur an, Samstagen, Sonntagen und 17. April, 1. Mai vcr-l kehren.— 4. Strecke KönigSh.a n-r-S chay-i l a r: Di« Züge 5312(ab Schatzlar 20 Uhr 18 Min 1 an KönigShan 20 Uhr. 33 Min.), und 5311 labs .KönigKhan 21 Uhr 52 Min., an Schatzlar 22 Uhl, 8 Min.) werden ebenfalls nur an Samstagen. Sonn«! tagen und 17. Aprll, 1. Mai verkehren. Als Enatz für diese Zugsverbindung kann an Tagen, an denen: genannt«-Züg» nicht verkehren, die Slaqtsautobus-I uwe bgnubt weÄen. AIS itcuc Permnoüng w'iM' ab« 16. Jänner d. I. folgend« Fahrt einge-chaliet. wcrden^H ab Schatzlar-Marktplatz 19 Uhr 30 Min., an Trau-f ienau-Bahn-hof 20 Uhr 47 Min., ab Trau:enau-1 Bahnhof 21 Uhr 15 Min., an Schatzlar 22 Uhr 371 Min. 2)cr genaue Fahrplan, ist aus den amllicheuz Kundmachungen, Autobüzlinie Nr. 18, rrstchilich.—3 5 Streck« Jungbunzla u—A ltpaka: Di« Züge 4842, 4801. 4801 werden als Mowrrvagen«j Personenzüge nur mit 3. Wageuklasse geführt Zug.i '.814 wird ab Juirgbunzlau-Hauptbahnhos berci:s um\ 8 Uhr 30 Min. absahren.— 6.. Strecke Chlu-t :n« tz-—M 6 st ec Krülovä- Motorpersonenzug ISlSj wird ab Chlumetz um 16 Uhr 12 Min. abfahren« Di« Züge 4316, 4317 unterbleiben..— 7. Strecke, Th rast b. Ehr.—Hrochuv Tvnec: Die Zügcz 3241(ab Crass b Ehr. 14 Uhr 20 Min.) und 32421 'an Chrast b. Ehr. 13 Uhr 44 Min.) werden nichts verkehren.— 8 Streck« Pkelou c—B Apen n v•’ Podol: In der Strecke Hermanuv Msssec—Pra-- -hovive untevblekbr Zug 3646(ab Hckmaniw Mdster 17 Uhr 55 M n., an Prachovice 18 Uhr 31 Mim) urtb in der Strecke Bäpeuny Podol—Helm an uv Mdstec unterbleibt Zug, 3551(ab BLpenny 4'odcli 18 Uhr 33 Min., Hermanuv Möst« 18 Uhr 56 Min.Xr Dafür wird in der Sirecke Büpeniiy Podol—PrachoH rice—Hclman'uv Möslec Zug 3513 täglich verkehrens "ab BLpenny Podol 18 Uhr 15 Min.. ab Prachovi.cel 18 Uhr 33 Min., an Hekmanuv Mestcc 18 Uhrl 5f, Min.). 9. d. M. früh weg und befindet sich derzeit! außerhalb Brünns. Es besteht der begründete Verdacht, daß er die Falsifikate in Mähren, Böhmen oder der Slowakei verbreitete.! Dir Bevölkerung wird aufmerksam gemacht, bei| der llebernahme von Geld vorsichtig zu sein namen ,"New Horker Mistinguette" be- und Verdächtiges der Polizei oder Gendarmerie kannt ist, und deren Prozeß seinerzeit sensationell zu melden. Iuraöek ist ungefähr 171 Zenti-..wirkte gebar nun sieben Morrate nach dem Tode | meter groß, schlank, hat zurückgekämnites kafta- ihres Mannes, der unter sehr geheimnisvollen j nienbraunes Haar, ist glatt rasiert und bat ge- Umstand:» im Juli vorigen Jahres starb, einen wurden telephonisch und telegraphisch Vorkeh- Die Falsifikate sind sehr gelungen und schwer rungen getroffen, um^des Taters sobald als von den echten Banknoten zu unterscheiden. Im| suchungen von Häusern, Wohnungen und Ge- Nr. 10 Donnerstag, den 12. Danner isss Seite 7 Bei den Obdachlos Eine Reportage aus dem dun Ein eiskalt«! Wind fegt von d«r Moldau- feite her, ein dichter Nebel lagert über dem Fluss«, trüb brennen die wenigen Lampen, die den Kar beleuchten, di« ganje Gegend ist wegen der furchtbaren Kälte fast menschenleer. • Ich schreite am Agneskloster vorüber und len^e meine Schritte längs des Kais. Ta ruft mich plötzlich eine Frauenstimme an: „Komm, lieben wir uns ein wenig, Verlebter!" Eine arme Straßendirne sucht in dieser Effeskält« nach einer Kuichschaft. Ein Paar Schritte weiter kommen zwei auf mich zu, die eine ähnliche Anforderung an mich richten. Ich schüttle meinen Kopf und antworte den erfrorenen Mädchen, um sie loszuweröen: „Es ist zu kalt, sagt mir lieber, wo die Wärmestube ist." Im Nu verändert sich der bisher„geschäftseifrige" GesichtSausdruck der beiden Straßenmädchen. Ein bedauerndes Lächeln huscht über ihre Züge, di« ein« meint dann: „Ach, mit dem ist nichts, der geht sich auch in die- Bude wärmen!" Di« andere ist sogleich bereit, den Führer zu machen, und nachdem sie mir den Weg zur Wärmestube am Peterskai gewiesen, die bloß ein paar Schritte von der Bezirrskrankeirkasse entfernt ist, ruft sie mir noch im Weggehen nach: »Du findest dort aut« Gesellschaft!" Ich befindet mich also vor der Türe der Wärmestnb«— einer Baracke, wir wir sie, die wir den Krieg in den Alpenstellungen mitgemacht haben, zur Genüge kennen. Auf der einen Seit« ist der Eingang für Männgr, auf der andern für Frauen. Zwischen diesen beiden Abteilungen, in Wirklichkeit zwei schmutzigen Räumen, befindet sich ein schmaler Roum, wo der Aufseher eme Bank hat und die Kohlen zum Anheizen des Lokals aufgestapelt liegen. Wie ich hereintrete, umringt mich gleich ein Haufen Anwesender. Ter Raum ist zum Bersten mit Menschen voll. Längs-er Seitenwände stehen ein Paar Bänke, die olle mit Menschen besetzt sind, auf und unter den Banken liegen Menschen, die versuchen, hier auszuruhen. Der Raum, in der Größe eines mittleren Zimmers, beherbergt sicher 80 bis 100 Männer. Eine entsetzliche Atmosphäre erfüllt die Luft. Dazu ein« druckende Wärme, daß einem der Schweiß auf die Stirn tritt. Natürlich gibt es hier eine gan^ Anzahl von Leuten, die keinen llcberrock besitzen. Tie Mehrzahl der anwesenden Männer haben keine Schuhe, sie tragen Fetzen, Zeitungspapier um die Füß« gewickelt, oder ist ihr Schuhwerk in einem;okchen Zustande,-aß sie sich nicht in den Schnee uüd Frost herauswagen können. Wie die Leute auösehen? Einer wie der andere. Läutet: Fitzen üüd Lumpen hängen von ihnen, manche, haben seit Jagens manche sogar leit Wochen keine Arbeit gefunden. Da ist ein Ziegelarbeiter, der mir seine Schuhe gezeigt hat, hier«in Taglöhner, der Fetzen um die Füße trägt, dort ein junger Kommis, auf jener Bank sitzt ein ehemaliger Chauffeur, der erst aus der Strafanstalt Pankratz kam, neben ihm ein Hilfsarbeiter, der ein paar Wochen auf einer Klinik lag, tuberkulosekrank ist, und wegen Platzmangel aus der Klinik entlasten wurde; er hustet ununterbrochen und erzählt mir, daß er den Professor der Klinik vergeblich gebeten habe, chn noch ein paar Tage über die Frosttage im Spital zu belasten, aber durch die Grippe-Epidemie wär« eS unmöglich gewesen. Auf alle Ratschläge, die man den Leuten gibt, auS dem Elend sich auf irgendeine Weise zu befreien, haben sie entweder eine verzweifelt« oder hoffnungslose Antwort. Ein alter Mann gibt mir eine schwierige Frage zur Beantwortung: „Oagen Sie. mir, Herr, was halten Sie für bester, zu stehlen oder zu betteln?! Das ist di« einzige Art der Selbsthilfe, di« in meiner Lage möglich ist!" Der Chauffeur, der eben aus der Strafanstalt kam» gibt ihm den Rat, unbedingt zu stehlen,- weil er dadurch eher aus dem Elende herauskomme, wenn man bettelt, geben einem die Leute ohnedies nichts,,meint er.„Lauf«in gmrzes Straßenviertel treppauf, tr«ppab, und du wirft dir nicht ein Paar Schuhe auftreiben," erklärt er als„Fachmann". „Dabei. dürfte dich noch die Polizei hoppnehmen und es besteht sogar Gefahr, daß sie dich in die Zwangsarbeitsanstalt schicken! Wenn du aber stiehlst und Glück hast, bist du bis morgen abends aus dem Elende draußen, geht«s ichi«f, io kommst du höchstens nach Pankratz und dort ist es auf all« Fälle so schön wie hier." Der Chauffeur hat recht. In Pankrah ist es bedeutend bester als in einer Wärniestube der Stadt Prag. Dort ist es wenigstens rein, hier starrt alles von Schmutz, es herrscht hier«in Platzmangel, daß di« armen Teufel, die hier ein Asyl suchen,, ärger wie Heringe in einem Faß zusam- mengepfercht sitzen, stehen und sich am Boden herumwälzen. Seit zwei oder drei Tagen— wird mir von ihnen erzählt— seichet das Rote Kreuz mittags und abends auch für jeden Insassen eine Suppe hierher. Bon einem Ausschlafen oder einer Nachtruhe kann natürlich in diesem„Humanitären" Institute nicht die Rede sein. Di« Leute betrachten es geradezu als einen Glücksfall, wen» von ihren Kameraden einer drei Kronen auftreiben kann, um in dem Nachtasyl in Wysotschan über Nacht bleiben zu dürfen.„Aber 80 bis 100 Menschen gehen täglich trotzdem wieder wey, selbst wenn sie die drei Kronen austreiben oder ausbet- tcln. weil der Andrang zu groß ist," erzählt mir ein junger Kutscher, der sich seit vier Tagen nicht gewaschen hat. Ein KommiS weigert sich, mir Näheres von sich zu erzählen.„Ich weiß, daß ich selber schuld cn der Golem-Stadt, (eisten Prag. bin an meinem Unglück," sagt er,„ich habe mir das selber einaebrockt, ich muß jetzt; di« Folgen kragen, aber ich werde schon wieder aus diesem Schlamassel herauskommen!" Das ist seine Minze Antwort. Der Bursch« ist eine Ausnahme.' Di« anderen sind meist so deprimiert durch das Elend und das ganze Milieu, daß sie gar. glicht.an-eine Aenderung glauben. Ich erkundigte mich, iver bereits vorbestraft wäre. Es melden sich einige unter Liesen Unglücklichen, die es wirklich sind. Ach rate ihnen, sich an den Hilfsverein für entlassene Sträflinge zu wenden. Einer sagt:„Daran habe ich ganz vergessen, gleich morgen vormittag- gehe ich hin!" „Wenn ich nur ganze Schuhe hätte," meint «in Kriegsinvalide.„ich möchte mich zum Schnee- schaufeln melden!" „Dann ist dir noch immer nicht geholfen," erwidert ihm der Kamerad, ,chu bekommst wohl 30 Kronen für die Arbeit Pro Tag, aber du weißt doch, daß man für das Schnecschaufeln erst am dritten Tage den Lohn ausbezahlt erhält, wie willst du denn di« drei Tage leben, fünf Kronen brauchst du doch Pro Tag fürs Esten! Und weißt du, wie schwer eS ist, wie lange wir warten müssen, ehe wir erst am dritten Tage den Loh» für das Schneeschaüfeln ausbezahlt bekommen!" „Ich pfeif auf die Schneeschaufelei", mengt sich ein dritter ins Gespräch,„wenn ich nur eine Lizenz hätte, damit mich die Polizisten nicht auS den Wirtshäusern wegtreiben könnten, mir macht meinen Beruf keiner nach. Voriges Jahr habe ick, 27 Nägel geschluckt, zwei Glühbirnen tadellos herunterbckommen, aber ohne Lizenz lasten mich die Polizisten nicht meinen Beruf auSüben!" „Nun, vielleicht könnt ihr doch irgendwo rin Paar Schuhe erbitten," meinte ich zu den vielen Leuten ohne Schuhe und»ruß dabei denken, daß wir in einem Laitde sind, das di« meisten Schütze auf der Welt produziert. „Zeig, was du erbettelt host," ruft ein Mann und schiebt mir einen Mann vor, der wi« eine Vogelscheuche auSsieht.■' „Wenigstens eine Zigarette geben Sie uns," bittet jetzt einer. Ich bin Nichtraucher, aber ich sehe, für dies« Menschen ist eine Zigarette eine Liebesgabe, ich laste ein. paar Kronen dort und man schickt sofort Zigaretten holen. Wie soll man diesem Elend steuern?. Da müßt« jede Nacht ein Beamter der sozialen Fürsorge der Stadt Prag hierher kommen, mit einem großen Korbe alter Kleider und Schuhe, di« Personalien dieser Menschen aufnehmen und trachten/ sie wenigstens, so anszustasfieren, daß sie eine Arbeit suchen können. Hilft denn da ein Teller Suppe? Der Raum für di« Frau«» nebenan ist ganz Bolfdtoirtfcöaft t Arbeitslosenunterstützung der Aergarüeiter. Leistungen der„Union". Im letzten„Glückauf" finden wir die nachstehend« Darstellung über die Leistungen der„Union der Bergarbeiter" auf dem Gebiete der Unterstützung ihrer arbeitslosen Mitglieder: In besonders vorbildlicher Weise hat unsere Union der Bergarbeiter ihre proletarische Pflicht gegenüber den arbeitslos gewordenen Mitgliedern erfüllt, was aus den bereits in der letzte» Ausgabe unseres Blattes mitgeteilten Unter- stützungssümmen hervorgeht. Sait dem Jahr« 1920 bis 1932 hat unsere Union für ihr« arÄits- losen Mitglieder aus den eigenen, in Form von Beiträgen eingczahlten Mitt«!» 5,716.600 Kronen an Unterstützungen ausgezahlt. Seit dem Jahr« 1925, in dem das sogenannte„Genter System" eingeführt wurde, hat di« Union außerdem noch 5,428.500 Kronen an Staatsbeiträgen für ihre arbeitslosen Mitglieder ausgezahlt, so daß die gesamte von der Union ausgezahlte Arbeitslosenunterstützung in den Jahren 1920 his 1932 über 11,144.100 Kronen beträgt. In den letzten Jahren ist di« Zahl der arbeitslose» Mitglieder ständig gestiegen. Während wir im Jahre 1929 nur 412 Unterstützungsfälle(ordentliche und Kvisenunterstützung) zu verzeichnen hätten, ist die Zahl der Fälle im Jahre 1930 auf 1388, im Jahre 1931 auf. 1483. und im Jahre 1932 auf 8316 angewachsen. Im Jahr« 1932 stand daher fast ei« viertel aller Unionsmitglieder im Genuss« der Arbeitslosenunterstützung. Davon entfielen die meisten Fäll« auf das KarlS- bad-Elbogcn«r und auf dos Falkenauer Gebiet. Die steigende Arbeitslosigkeit hat in de» letzten Jahren an die Finanzen unseres Verbandes ständig größere Anforderungen gestellt. In welchem Ausmaße die Aufforderugen-'an unseren Arbeitslvsenfonds gestiegen sind, das geht aus den folgenden UnterstühungSiummen hervor: Gesoerkschostl. Unterstützuna «ä TtaatSbritrag rr Zusammen rr 1929 59.627 84.856 144.438 1930 275.362 655.820 931.182 1931 449.291 1,768.095 2,217.296 1932 523.303 2,035.553 2,558.856 Die Union der Bergarbeiter war, dank ihrer Eilten organisatorischen Fundierung, allen gestellten Anforderungen gewachsen, wobei nicht verschwiegen bleiben soll, daß ihr Arbeitslosen- anderer Art. Es sind viel weniger Frauen hier, di« Mehrzahl der Anwesenden sind Prostituierte, die hierher kommen, wenn es ihnen auf der Straß« zu kalt wird und kein„(Äast" gefunden wurde. Aber auch alte arbeitslose Frauen sind da, auf der Erd« neben dem Ofen liegt ein bleiches Madel)«», dem zwei Finger, abgefroren sind, und die„seit die' Tagen bewußtlos ist. und keine Nahrung zu sich genommen hat. Ta die Krankenhäuser überfüll« sind, liegt sie bis heut« da. Ich gehe später mit dem Aufseher der Wärmestube zu den Barmherzigen Brudern, die ganz in der Nähe ihr Spital haben und machte auf diesen„Fall" aufmerksam. Die Barmherzigen Brüder erklären sich außerstande, di« Frau aufzunehmen, weil alles voll ist und sie auch keine Frauen— außer auf einer KlassenabteilnNq— im Spital« haben. Ich sprach auch mit den Insassinnen ber Fraüenaöke iUng.„Schämt euch»ich» Mädels, ich bin selber ein gtoßer Lump!" sag ich zu den» Mädchen, die sofort zu lachen beginnen. Im Nu habe ich mir ihr Vertrauen erworben und sie antworten mir auf alle Fragen. Die meisten erklä. ren, daß sie nur aus Not diesen Lebenswandel führen.„Kann man mit den 70 Kronen, die man wöchentlich verdient, in Prag, existieren?" klagt eine junge Frau. ,Jch muß in dem Neubgu für das leere Zimmer allein 250 Kronen bezahlen, der Mann ist ohne Arbeit, also was bleibt mir übrig als hier herumzustreifen. Sie glauben doch nicht, daß mir das Freude macht. Ich habe zwei Finger in der Fabrik bei der Maschine verloren, bekomm« 27 Kronen Unfallsrente, bin auch am Rückgrat verletzt, aber es heißt: verdienen, verdienen, die Miet« auftreiben, also, kann mir mit Moval- 'prüchen nicht geholfen werden, nur mit Geld!** Ein anderes hübsches Mädchen erzählt mir, daß sie in Krö in dem Heim für gefallene Mädchen bei der Heilsarmee war.„Wie sind die Verhältnisse dort?" erkundigt« ich mich.„Oh, schön," lacht das Mädchen,„beten und nichts zu essen. Ich bin nach einer Woche mit einer Freundin durchge- bräunt." Ein« ander« erzählt, daß sie seit zlvei Jahren eS„auf.der Brust" habe.„Darum muß !ch dieses' Geschäft treiben, denn so verdiene ich mir wenigstens doch in einer Nacht manchmal was." Erschütternd alles, waS man ba sieht unhört. Wieviel Wahrheit! wieviel Wahrheit über die heutigen unmöglichen Lebensbedingungen wird hier offenbar! So ein kleiner Raum und so viel„Verlorene" beisammen, denke ich mir, als ich die entsetzliche Barack« verlasse und auf di« Straße komme. Wer ist schuld, frag« ich.mich?/ Gewiß, viel, Viel, jeder einzelne an seinem Schicksal selber. Und doch, wieviel auch di« Gesellschaft! In den Hellerlenchteten Cafäs sitzen di« Leute um Spieltisch« herum, Zehner urck> Hunderter werden in einer Nacht auS- gcgeben, hier in der Baracke betrachten er heute Hunderte Menschen als„LuxuS", dr«i Kronen zu besitzen, um im Nachtasyl in Wysotschan schlafen zu könne».'/:'■ I. N. nd<30£iait>oiittr. fondS erschöpft ist. Bei.der Union der Bergarbeiter hat ein jedes anspruchsberechtigte Mitglied eine volle Arbeitslosenunterstützung ausgezahlt erhalten, zum Unterschied von den Mitgliedern des kommunistischen und hakenkreuzlerischen Verbandes, di« an ihr« arbeitslosen Mitglieder kein« gewerkschaftlich« Unterstützung, sondern lediglich d«n Staatsbeitrag zur Auszahlung brachten^ Wir können, angesichts der Riesensummen, welche die Union an Arbeitslosenunterstützung bisher ausgezahlt hat, behaupten, daß die Leistungen unserer Organisation auf dem Gebiete der ArbeitSlosenfursorge einzig dastchen unter allen Bergarbeiterorganisationen in der Republik. Allein unsere vorbildlichen Leistungen für die Arbeitslosen müßten ein Ansporn sein für alle Unionsmitglieder zu ermüdlichcr Werbearbeit für unsere Organisation. Internationale Landarbeiter-Fragen. Verkürzung der Arbeitszeit auch in der Landwirtschaft notwendig. Am 28. und 29. Dezember 1932 tagte in Utrecht die Exekutive der Internationalen Landarbeiterföderation(I. L. F.). Di« Milgliederzahl der I. L. F. hat sich durch den Anschluß des Spanischen Landarbeiter-Verbandes m«hr als verdoppelt und beträgt gegenivärtig rund 700.000.. Besondere Aufmerksamkeit schenkte, die Exekutive der I. L. F. einem Beschluß des Verwaltungsrates des Jn'ternationolen Arbeitsamtes, demzufolge die Landwirtschaft von den vorbereitenden Beratungen über die Verkürzung der Arbeitszeit ausgeschlossen ist. Die Exekutive bedauerte, daß bei jeder Gelegenheit und bei ollen derartigen Fragen die Landwirtschaft und damit auch die landwirtschaftlichen Arbeiter nicht gleichberechtigt behandelt werden. In einem Protestschreiben an das Internationale Arbeitsamt wird in diesem Zusäinnrenhang folgendes gesagt: „Das Erckutivkomitä der I. L. F. macht auf die große Zahl der Arbeitslosen in der Landwirtschaft aufmerksam. Aus diesem Grunde muß auch in der Landwirtschaft di« Arbeitszeit beachtlich verkürzt werden. Es wäre daher zweckmäßiger gewesen, die Landwirtschaft bei der Behandlung dieser Fragen mit einzubrziehen. Wir stellen daher den Antrag, trotz dem Beschlüsse des Verwal- tungSrates doch die landwirtschaftlichen Fragen bei den kommenden Beratungen mit zu behandeln." GEDENKET bei allen Anlässen der Arbeiteriürsorge! Tie gewerkschaftlichen Landeszentralen sollen eingcladen werstn, dafür oinzutreten, daß den Delegationen für di« Konferenzen in Genf auch Bcrtreler der Landarbeilerorganisation.cn beigc- ordnct werden. Es gebe keine wirtschaftspolitisch« Frage, bei der nicht die landwirtschaftlichen Verhältnisse mirberührt werden. Dazu kommt, daß di« landwirtschaftlichen Unternehmer und deren navionale und internationale liörperschaf- ten jede Gelegenheit wahrnehmen, um beim Internationalen Arbeitsamt ihren Einstuß auszuüben. Die Landarbeiterverneter hoffen deshalb, daß ihre Wünsche möglichst beachtet-werden. Bei der Besprechung der Frage des Absinkens des Arbeitslohnes in der Land- und Forstwirtschaft wurde übereinstimmend berichtet, daß die R a t i y na li s i e ru.n g auch.in der Landwirtschaft dazu beigetragen hat. Arbeitskräfte freiznsctzcn, trotzdem aber die Produktion erheblich gestiegen ist. Wenn auch prozentual' di« Ar- beiislosenzissern in der Landwirtschaft nicht so hoch sind, wie in der Industrie, so werden doch immer mehr Land- und Forstarbeiter arbeitslos. Dabei ist zu beachten, daß die Arbeitsloseristatist'k in der Land- und Forstwirtschaft sicher nicht olle Arbeitslosen erfaßt. In fast allen Ländern, das fascistische Italien nicht ausgenommen, ist der 8 o h tt der Landarboster um 10 bis über 30 Prozent gesunken. Praktische Winke für die Hausfraul Guter Lchlaf im Winter. In den Wintermonaten brauchen wir mehr Schlaf als im Sommer, daher müssen wir dafür sorgen, daß wir zu einem wirklichen Ausruhen kommen. Niemals- darf man spät abends sehr kräftige Suppen oder Getränke zu sich nehmen, ebew'owenig Kaffe« oder Tee, di« uns zu sehr anregen Auch heiße Milch sollte man stets mit etwas Nasser mischen,, wenn inan sie spät abends trinkt, da sie sonst zu'schwer ist, dosonderS wenn sie zu sch n-""trunken wird Bei 'ehr kaltem Wetter sollt« man immer«in kleines ^rtra'ssen benutzen, mit dem n"n den. Nacken gegen Zug schützt. Daß man nicht eiwschlafen kann, wenn man kalte Fuß« hat, wird jeder schon an sich erfahren haben. Man muß daher vor dem Zubettgehen für richtige Durchwärmung des ganzen Körpers sorgen. Das beste Mittel ist meist ein Spaziergang.' »Ni« sollt« man vor dem Zubetlachen aufregende ' Bücher lekrrp nervös«-Meirichen Sännen dayn über- . Haupt nicht ein'chlafen.'Auch Hitttger hält' de» Schtak lern! Wenn sich ein Hungergefühl während der Nacht einstelll, sollt« man«ine Kleinigkeit zu sich nehmen; das ist besser, als stundenlang wach zu liegen. Nie soll man vergessen, daß der Schlaf vor Mitternacht der beste ist.' Richtige Ausbttvahrung von Borräten. Winterkacwffeln lagert man am besten in einem nicht feuchten Keller ein, und zwar schüttet man sie in große Kisten. Mohrrüben, und Meerrettich halten sich vorzüglich in Kisten mir trockenem Land. All« Marmeladen und eingemachten Frücht« soll man steiS in völlig trockenen Räumen anfbewahren, da sie sonst Schimmel ansetzen Aepfel liegen am besten in Bodenkammern, da sie im Keller zu leicht schrumpfen. Käse soll man, wenn es sich um größere Stück« handelt, stets in feuchte Leintücher einschlagen. Gebäck, das knusprig bieiben soll, stellt man In Blechdose» in der Nähe der Qefen auf. Bror dagegen, ist in niög- liehst kühlen Räumen aufzubewahrcn. Man darf es nie nachtS im Zimmer flehen lasten, do es sosort hart und rissig wird. Das Austreichen von Möbeln. Mit Oelfarbe kann man. in vielen Fällen«ine verbraucht auskehende Einrichtung wieder gebrauchsfähig nnd hübsch machen. Zu cmpfehscn ist nur, den Raum, in dem man streicht, gut mit Packpapier auszudecken, denn die Oelsa oben flecke sind vom Fußboden ehr schwer zu entfernen Ebenso muß man sich und s^inc Kleidung schützen.' Besonders bei hem Anfänger ist ein Bespritzen unvermeidlich. Di« Oelfarbe leibst läßt man sich aM besten iw einer Drogerie in dem gewünschten Farbton anrühren. All« gestrichenen Möbel können, nachdem sie mit Seifewvasser gereinigt wurden, ohne weitere Vorbereitung neu siher- strichen werden.'"Bei polierten Möbeln hat man die blanke Politur zunächst durch Ab reiben mit Schmirgelpapier zu entfern«». Dann erst kann Man di« Oelfarbe auftragen. Man darf nicht zu dick streichen und»ruß sich bemühen, möglichst gleichmäßig zu arbeiten Erst nachdem der erst« Anstrich vollkommen getrocknet ist, kann man zum zweitenmal streichen. Nach Trocknen des zweiten Anstriches kann man di« Lackfarbe auftragen Häßliche, alte Möbel aus Nußbaum oder dunkel gestrichenem Holz werden modern und wi« neu durch hübsche. Oelfarbenanstrichc. Weg mit der roten Ras«! Ti« Röte der Nase wird verursacht durch mangelhaft« Blutzirkulaiion, und man kann nichts besseres tu«, als bei der Wurzel des Nebels einqugrei- fcn Reichlich Körperbewegung sowie auch Wechsel- Fußbäder haben sich oft schon als nützlich erwiesen. Daneben tut man gut, auf Alkohol, Tabak und Kaffee zu verzichten. Als äußeres Milt«! kann map abends die Nase vorsichtig mit warmem Wasser abtupfen und mit Zinksalbe bestreichen. Bei Mitessern soll, man di« Haut mir Zitronensaft«inreiben, gut trottieren nnd Gesichtsdampfbäder anwenden. Seite 8. Donnerstag, den 12. Jänner 1933 Nr. 10 Sie-frlctz I a■ k— Cdetredatke,r Wilhelm 911 ft■ 11- veronkworrlichei Redakrrur Dr Um> fett«»ft. Prag Druck„SW 8-3 für Zerrung- ai* Üuchdrvck. Uwi— ftftr bev Druck«er-anNvorrkich Oft* Holt?, w. Di» Aeitiikgömartrnfra»katuz wurde voo de, Post-». Delegropden-rrekrto*«rr Erlad dir l3,8üU/vn'I9B0 bewillig«- Vezugsbedinauage» Ve> Zustellung ms Haus oder bet Hezug durch die Voß monatlich LH 16.-. vierteljährlich U hüdlährrG U M, Oomgtähug K4 MÄ,—•— ZHevrri werde» iE dUÜgD derechnee, itfa Ofteee» tfuüdbaUiuiftt» Peers»— HälftcAusg M LLavujlrlple» erjoigt wn det Lutjeadtmg der ReWrmxrter^ ZEITBIMi. —■■O—B—!■—III■! WIMI■WfMIII WIB 11 u IW i IUI—II—I MIW»I—IIIII!■» „Der Weg ins Lebens Eine empfehlenswerte Sondervorstellung im Bio„Fenix". Freitag, den 13. Jänner, findet um X? Uhr abend- im Bio„Fenix"«ine einzigartig» Vorstellung statt, in welcher der berühmt« Russen« film„Der Weg in-Leben' gezeigt wird. Dieser soziale Mm, der von Nikolai Ekr inszeniert wurde und durch voll« sieden Wochen den Berliner Mozart- sacrl bis auf den letzten Platz füllte, führt uns in da- Leben und Leiden heimatloser, verlassener und bedrohter Kinder, bemüht sich um das schwere Problem der Erziehung ausgestoßener jugendlicher Existenzen zu sozial tüchtigen Menschen. Der Reinertrag des Abends fließt dem Verein zur Fürsorge um entlassene S t r äs li n g e„Neues Leben" zu, der einzigen Sxlle, die sich heut« systematisch dieser Aufgabe widmet, lo weit es die kärglichen Mittel des Vereines gestatten Es wirbt also eine gute Sache für einen guten Zweck. Gerichtssaal „Montassölaii“ und.MM list“ In Einheitsfront. Prag, 11. Jänner. Vor dem Bezirksrichter Dr. Fidrmue begann heule di« Verhandlung über zwei den gleichen Gegenstand betreffende Ehren- beleidigungsklagen. Der eine der Kläger ist der„Poledni Li st", vertreten durch Georg Stkibrny und Red. Dr. Kahänek, der zweite das Prager„Montagsblatt", vertreten durch besten Besitzer und Herausgeber, Herrn Egon Fischer. . Geklagt ist ein gewisser Herr Saphir, dem in den Klagen zur Last gelegt wird, am 4. Oktober v. I. in der Redaktion des„Prager Tagblatt" dem Sportredakteur dieses Blattes Schimetschek gegenüber und.in Gegenwart des sportlichen Mitarbeiters Karl Pick eine Reihe ehrenrühriger Aeußerungen über die Geschäftsmethoden d es„M ontag s bla t t" getan zu haben. Ter Geklagte habe sich geäußert, das„M ontagsblatt' bediene sich zur Akquirierung seiner Inserate der gleichen üblen Methoden, wie der„Poledni list". Als Beispiel dafür habe er die Gewinnung des Jnseratenauftrages seitens der Automobilfabrik„Tatra" angeführt. Ter Akquisiteur des„Montagsblattes" Rosenthal sei deshalb zum Direktor der Administration ernannt worden, um bester„Petites" machen zu können u. dgl. Sowohl das„M ontagsblatt", als auch Herr Georg S l r ib r n y erfuhr«» von.diesen Aeuße. rungen(der letztere wohl-erst durch das„Montagsblatt") und brachten die Klage ein. Freilich scheint der„Poledni list" sich nicht sonderlich um diese Sache zu bemühen, denn er überließ auch seine Vertretung bei der heutigen Verhandlung dem Anwalt des„Montagblytt" Üebrigens zeugt es von flüchtiger Information, wenn die Klage-es„Poledni l i st" den Schauplatz der Beleidigung in die Redaktion des„Montagsblatt" selbst verlegt, statt den richtigen Ort, nänrlich die„Tagblatt"-R«daktion anzu führen. Der Geklagte bestritt die inkriminierten Aeußerungen in dieser Form gebraucht zu haben Der Zeug« Kart P i ck verwies aus ein„Gedächtnisprotokoll", das man mit ihm kurz nachher in der Redaktton des„Montagsblatt" ausgenommen hatte und welches diese Aeußerungen enthält. Schließlich verlangte der Geklagte die Vorladung des Zeugen Schimetschek, der bei der heutigen Verhandlung nicht zugegen war. Der Richter gab dem Antrag statt und vertagte die Verhandlung. Sprengstottansthlag eines Entlassenen. Prag, 11. Jänner. Dreißig Kilogramm Dynamit gingen am 5. Juni v. I. in dem Steinbruch der Firma Melichar bei Bräk in die Luft. Mer Hielten ans den Stadien. Amerikanisches Erwerbslosen-Elend.— Die Regierung läßt Vorträge halten, statt zu Helse«. — Tausend« von Jugendlichen auf den Landstraßen.> Bandenweise durchziehen in Amerika völlig heruntergekommene Kinder zwischen 10 und 16 Jahren das Land, zrelkoS, darauf aus, sich durch Raub und Diebstahl Nahrung zu verschaffen, Weil sie nicht verhungern wollen. Während des Sommers haben die Kinderhorden einen geradezu erschreckenden Umfang angenommen, keine Farm ist mehr vor ihnen sicher, ganze Siedlungen wer- den von ihnen heimgesucht. Wo kommen diese armen Jugerrdlichen her? Meistens aus den großen Städten des Ostens unmittleren Westens, aus New Jork, Chicago, Philadelphia,. Buffalo usw. Ihre Eltern sind ein- fach nicht mehr in der Lage, ihnen Nahrung und Unterkunft zu gewähren und sie haben sie sich stlbst überlassen. Aehnlich wie in Rußland haben nch dann.die jungen Menschen zusammengefunden und sind auf Wanderschaft gezogen, zuerst bettelnd, dann raubend und stehlend. Das Ziel der meisten Kinderhorden ist Kali- fornien und die angrenzenden klimattsch sowohl Es war eine fürchterliche Explosion, durch welche schwere. Dteittblöcke bis 200 Meter weit fortgeschleudert und Eäume und Telegraphenstangen wie Zünd- hölzer geknickt wurdc». Es ist eine mehr als glückliche Schicksalsfügung zu nennen, daß sämtliche Arbeiter zur Zeit dieser Explosion an Orten beschäftigt waren, die nicht im direkten Bereich der Explosionswirkung lagen. Noch weit erstaunlicher ist es, daß diese Explosion nicht das Hauptmagazin für Sprengstoffe, das in der Nähe liegt, erfaßte. Tenn in diesem Depot der Sprengmunitton lagerten zu jener Zeit nicht weniger als neun Zentner Sprengstoffe. In diesem Fall wäre eine unvorstellbare Katastrophe unvermeidlich gewesen. Als Täter wurde der 22jährige Josef Lakov« sky ausgeforscht, der am gleichen Tage aus ter Arbeit entlasten worden war. Lakovsky, der wegen Diebstahls mehrfach vorbestraft ist, hat gemeinsam mit zwei anderen während seiner Tätigkeit in B r ö z eine endlose Reihe von Diebstählen verübt, deren Aufzählung vier Seiten der Aicklage füllt. Seine eigenen Arbeitskameraden hat La- kcvskh in schamloser Werse fortgesetzt bestohlen. Als er dann entlasten wurde, beschloß er unmenschliche Rache. Sein Vorhaben führte er auch durch und es ist nicht sein Verdienst, wenn nicht die zerfetzten Leichen seiner Kameraden blutiges Zeugnis gegen ihn oblegen. Seine Verantwortung ist einfach: er habe sich eben über di« Entlastung geärgert und übrigens habe er im Kino dergleichen Szenen oft zu sehen bekommen. Heute stand er unter Anklage nach dem Sprengstoffgesetz vor dem Senat des LGR. Mareöek. Zur Verhandlung kam«k jedoch nicht. Der Gerichtshof erklärte sich für u n z u st ä n- d i g, weil nach dem Gesetz für solche Verbrechen eine schwerere Strafe als fünf Jahre Kerker vorgesehen ist. Die Staatsanwaltschaft wird nun gegen Lakovsky die Anklage vor dem Schwurgericht erheben. Kunst und Wissen Die Kollektivausstellung des Malers Edgar Janisch im Kunstverein für Böhmen entrollt uns das bisherige Schäften eines recht talentierten sudetendeutschen Malers, der vornehmlich in Deutschland studiert, z. Z. jedoch in Wien lebt. Bielleich' war eS eine Konzession an die vornehmlich bürgerlichen Ausstellungsbesucher, daß er bei der Auswahl der Bilder das soziale Thema stiefmütterlich behandelt und ein oder das andere Sujet auS den Kreisen werktätiger Menschen zurückge stellt hat. Zweifelsohne gehört das Bild„Ruhende Arbeiterinnen" zu den eindrucksvollsten Werken des Künstlers; auch „Die, Kckhlrmgiäber" laste» verkennen, daß Jantsch'S Stärke nach der soziale« Seite gravitieren könnte. Die Atmosphäre der abgerackerten Menschenmaschine liegt ihm jedenfalls mehr als die Porträts der Herren Industriellen, der Modedämchen und sonstigen Bildniste, von denen vielleicht Nr. 6 am ausdrucksvollsten erscheint. Auch Nr. 11„Doppelbildnis" hinterläßt trotz sparsamster Farbengebung und einfachster Maltechnik einen durchaus harmonischen Eindruck. Auch Nr. 3'„Rückenakt einer Badenden" muß man sowohl in Farbe als auch in Komposition als künstlerisch voll durchdachte Lösung anspvechen. AIS weniger glücklich sind Jantsch'S Abstecher auf religiöses Gebiet zu bezeichnen. Ter Gesamteindruck einer„Kreuzabnahme" kann nicht vollauf befriedigen, wenngleich ein oder der andere Kopf ungeheuer lebendig wirkt und'in seiner Ausdruckskraft an alte Meister gemahnt. In Jantsch'S Landschaft-- bildern kommt des Künstlers Talent besonder- zum Ausdruck. Nr. 13'„Praterlandschaft" und Nr. LV sowie die zahlreichen flüssigen Aquarelle wirken durch- aus harmonisch und lebenswahr in der Sprache ihrer Farbgebung. Die Akte und sonstigen Zeichnungen hinterlassen keinen einheitlichen Eindruck und sind noch stark von. Jantsch'S jeweiliger Umgebung, so z. B. Kokoschka, beeinflußt. Dort, wp der Künstler aus sich selbst schöpft, zeigt er sehr viel primävr Begabung. Ohne Zweifel lohnt ein Besuch dieser im Winter wie im Sommer günstigen Staaten. Besonders'jetzt in der kalten Jahveszett findet eine förmliche Völkerwanderung obdachloser, völlig verwahrloster und demoralisierter Kinder, die noch niemals in ihrem Leben Arbeit gesehen haben, nach den pazifischen Staaten statt. Für die Regierungen dieser Staaten entsteht nun die Frage, wie sie diesem Zuzug begegnen können. Ein gewaltsames Abdrängen, ein Sperren der Grenzen ist schwer möglich. Ebensowenig kann matt die Kinder ins Gefängnis oder Erziehungshaus stecken. Die Regierung von Kalifornien trägt sich deshalb mit dem Plan, einig« große Konzentrationslager zu errichten, in denen die obdachlosen Jugendlichen untergebracht werden sollen. Hier sollen die Kinder verpflegt und insbesondere zu körperlicher Arbeit ungehalten werden. Da es sich herausgestellt hat, daß viele dieser herumziehenden Kinder niemals die Schule besucht haben, sollen sie in den Camps auch unterrichtet werden. Wieviele vagabundierende Kinder es augenblicklich in USA. gibt, wird zuverlässig schwer festzustellen sein. Die Schützlingen schwanken Zwischen 200.000 und 600.000. Meistens siiid die Kinderhorden 20—30 Mitglieder stark, Mädchen und Jungen durcheinander, wobei es besonders interestanten Ausstellung und es wäre dem Künstler zu gönnen, wenn er aus dem temporären Anpaffen an vorübergehende Richtungen sich selbst fände und unbeeinflußt seinen eigenen Wog gehen würde, dieser müßte ihn jedoch wieder in Harmonie und ruhige Ausgeglichenheit zurückführen. kl. K. Wochenspielplan des Neuen deutschen Theater-. Donnerstag 3 Uhr:„Salome"(C 2).— Freitag 8 Uhr: Hokuspokus"(D 2).— Samstag halb 8 Uhr: Hoffmanns Erzählungen"(A 1). Wochenspielplan der Kleine» Bühne. Donner-- tag halb 8 Uhr:„Ein Held gesucht"(Erstaufführung).— Freitag 8 Uhr:„Susannen- Geheimnis",„Rosenkavalier-Walzer", „Brüderlein fein"(Kulturverbandsfreunde). — Samstag 8 Uhr:„Ein Held gesucht". Spart• Spiel ♦ KOraerpHene Tagung des SASI-Prüsidlnms. Das Präsidium der Sozialisttschen Arbeiter- Sport-Internationale tagte am8.Jänner in Wien. Die Tagung nahm die Berichte der Präsidenten und des Sekretärs entgegen und faßte bedeutsame Beschlüsse: In der Tryptiksrage zwecks Ueber- tritt mit Fahrrädern über die Landesgrenzen sollen erneute Feststellungen unter den SASJ.-Berbänden gemacht werden. Die geschäftliche Verbindung dev SASJ. mit Spanien ist dem Untersekretär für die romanischen Länder, Devlieger(Bel- gien), übertragen worden, während der Verkehr mit England weiter durch das Zentralsekretariat in Prag geschehen wird. Die vorliegenden Richtlinien des Gesundhettsausschustes werden einer nochmaligen Prüfung unterzogen. Vor der Präsidiumstagung fand in Wien ei» Fußballspiel zweier tschechischer Arbeiter-Fußballmaaafchaste« statt. Die Mauuschaste« überreichten dem Präsidium «ine Entschließung, wonach die Ein- sührung des Arbeiterfußballsports iu der Tschechoslowakei verlangt wird. DaS Präsidium hat diese Entschließung zustimmend zur KeuutuiS genommen. Wegen Ein- sührung des Arbeiter-Fußballspiels unter der tschechischen Arbeiterschaft der Tschechoflowakische« Republik soll direkte Verbindung mit Prag aufgenommen werde». Um die technischen Arbeiten des palästinischen EASJ.-BerbandeS zu fördern, wird das Präsidium deu Versuch unternehmen, eine technische Lehrkraft nach Palästtna zu entsenden. Zur Förderung der technischen Organisationssragen der polnischen Ar- beitersportorganisattonen wird der Vorsitzende des technischen HauptauSschusses nach Polen entsandt. Für den Weltarbeitersporttag sind die technischen Arbeiten iw vollen Gange. Die eigens für die Massenübungen komponierte Musik ist erschienen und bereits aus Schallplatte» aufgenommen An der Bundesschule deS deutschen Arbeiter-Tuxn- und Sportbundes zu Leipzig wird ein internatio- naler Lehrgang für WasserrettungS- dienst und Wasserballschiedsrichter sowie für Turnen und Gymnastik von den dazu zuständigen internattonalen Fachausschüssen durchgesührt. Der internationale Fachausschuß für Handballspiele wird im März in Prag eine Sitzung abhalten, ebenso wird in diesem Jahre eine Sitzung des internationalen Fachausschusses für Leichtathletik stattsinden. Die Weltwirtschaftskrise wirkt sich naturgemäß auch auf das Leben der Landesverbände aus. Die im Herbst 1938 stattfindende Sitzung des Internationalen Büros wird sich ein- gehend mit der Finanzlage der Verbände befassen: Die nächste Exekulivfitzung der Internationale wird im Mai 1933 in Prag stattfinden. Die endgülttge Erledigung der Arbeiten für da- 2. Arbeiter-Olympia, das 1931 in Wien stattfand, wurde nach einem Vorttag von Gaftgeb (Wien) einfttmmig beschlossen. Ueber den Stand der Europa-Fußballmeisterschastsspiele und über di« Stellung der internationalen FußballfachauSschusses zur Frage de- Berufssports berichtete der FachauS. schußvorsitzende Riedel(Leipzig). Die Mitglieder der vermerkt werden muß, daß die Mädchen sich beim Stehlen besonder- auSzcichnen. Einzelne besonders berüchtigte Aucherräuberbanden haben sogar Mädchen als Führer. In den großen Städten versuchen die Behörden neuerdings, durch AufllärungSvorträge usw. die notlechenden Eltern davon abzuhalten, ihre Kinder in die Welt ziehen zu lassen. Aber dies platonischen Hilfsmaßnahmen nützen sehr wenig. Immer wieder wird von den Eltern, die sich von ihren Kindern in den meisten Fällen schwer trennen, betont, daß der Staat lieber tatkräftig zugreifen solle, anstatt schöne Ratschläge zu geben. Es könne den Eltern nicht zugemutct werden, zusehen zu müssen, wie ihre Kinder langsam verhungerten. Dann ließen sie sie lieber ziehen, selbst auf die Gefahr hin, daß sie Berufsverbrecher würden. Die Lage in den großen Städten in Amerika hat tatsächlich einen krisenhaften Höhepunkt erreicht. Die private Wohltätigkeit, die noch im vorigen Jahre Hunderte von Millionen zu Unter- stützungszwecken aufbrochre, versagt jetzt vollkommen. Eine staatliche allgemeine Unterstützung aber gibt es nicht und sc stehen die vielen Erwerbs- und Obdachlosen tatsächlich vor dem Nicht-. A. K. Exekutive waren anläßlich ihrer Anwesenheit in Wien Gäste bei dem Europa-FußballmeisterschastS- ipiel Oesterreich—Ungarn. Der Film Äm Name» des Gesetze». Die französischen Kriminalreißer sind in unser» Kino- setz: häufige Gäste; ihre Qualität reicht selten! an die Glanzzeiten des stummen FilmS heran, da Stuart Webbs von Hunderttausenden bewundert I wurde. Ihre Schwäche liegt vor allem darin, daß von allem Anfang an alles ganz klar ist: man weiß, 1 wer den jungen Kommissär ermordet hat, stehl dies Mörder sozusagen leibhaftig vor sich und wird nur! dadurch überrascht, daß der Geliebte der Hauptver-1 brecherin schließlich noch als Detektiv entpuppt wird.l Regisseur Turner hat gute Theaterroutine und weiß, daß mau jetzt in ProduftionSkreisen dies, wie, auch jettseiiS des Rheilts einfach ohne Bar nicht auS-j kommen will; hier gewinnt er eine hübsche Szene« und stellt namentlich seine Hauptdarstellerin in guter! Aufmachung vor. Natürlich kann sich ein Filmmacheri anno 1932 das Leben nicht ohne Sympathie" für I schöne Frauen vorstelleu und so finden wir uns bald» in der unwiderstehlichen Situation, für die jungen Dame, die nebenbei ihre Widersacher in der Branche« deS Rauschgiftschmuggels um die Ecke bringen läßt,- Shmpathiemgungen zu empfinden. Es geht aber nicht! anders, diese Prachtkerle von Polizisten finden das« Herz am rechten Fleck und die Schönheit kantt unnur noch einen hoffnungsvollen Blick zeigen, mir dem sie al- Selbstmörderin, ihrer Kinosendung eingedenk,« in eine bessere Welt einzieht, wo hoffentlich weniger Großsilme gezeigt werden als bei uns. Es ist traurige und wahr: der Verstand wird nicht für geeigüet gehalten, dem Volk geboten zu werden. W. Lg. t Kinder der große« Liebe. Dieser Film Löon Perrets war schon stumm da; jetzt kommt er als erstklassige Tonfilmlimonade wieder und möchte gern ein Drama sein. Das ist aber schwer, denn sein Thema ist zu abgegriffen. Gewürzt wird es mit dem Versuch eines Eheproblems: di« Gemahlin liebt eine« andern, hat mit ihm auch ein Kind und der Vater verwechselt die Söhnchen: weil man die Höfe Frau für die Schlechtigkeit doch bestrafen mußt Aber zum Schluß lieben alle einander recht sehrK Das ist zuviel der Naivität: so sehr darf man an! gesellschaftlichen Problemen nicht Vorbeigehen, io! schuldbeladen darf die Frau in der heutigen Ehe! nicht daskhen; denn sie ist ebenso ein Opfer wie! der Mann. Regisseur Perret ist der französische Dutzendmacher; er arbeitet mit Theaterroutine- langen Dialogen und nur wenigen schönen Riviera« bildern. Die junge Mutter spielt ein springlkbenz! diges Ding, die Morlay, die etwas der Bergnersckep Feinnervigkeit ihr eigen nennt, aber doch natürss licher und einfacher einherspringt; ihr, guter Partner ist Franeen. Der Film ist kaum zu ertragen.. J «'««. J| Literatur „Schicksale des Lebens." Unter diesem Titel ist im Berlage Wilhelm Schaefer u. Co., Leipzig, Inselstraße 22, eine Bücherreihe erschienen, die den bti kannten Graphologen oder richttger Pjychographola-4 gen Rafael Schermann zum Verfasser hat-? Äm Laufe seines Lebens ist Schermann öftere auch zur Aufhellung von Verbrechen herangezogen worden, die aufzuklären die Sicherh.eiisbchörde nicht imstande war. In diesen Büchern erzählt er nun, wi< es ihm in diesen Fällen— ob in allen, erfährt"man nicht— gelang, anscheinend unentwirrbare Knöre»! zu lösen und die Schuldigen aufzufinden. Jeden« falls sind e- äußerst interessante Fälle, von denen, Schermann berichtet, Fälle, di« jeden Kriminal« roman an Spannung übertreffen und die dabei den Vorzug haben, daß sie sich wirklich zugetragen habet» so abenteuerlich manch« von chnen klingen. Von dieser Bücherreihe seien hervorgehoben:. Band 1:„T i< drei Testamente deS Fürsten 3t",' herauS» g:geben von Maria Madeleine nach Angaben Rafael Schermanns. Hier wird die Ausspülung einer Fäl' scherin und Erbschleicherin berichtet. Band 8:„Du bist schuld!" nach^Angaben Schermanns von I. H. von Puttkammer herausgegeben. Erzählt die Schichte des Diebstahls einer berühmten Perlenkette- Band 6:„Hilfe! Mörder!" begleiche» von Putlkammer herauSgegeüen.(Preis jede- Bandes I. 90 M.) Die Bücher find lebendig geschrieben, hake ten den Leser in Spannung, da- Interessanteste au ihnen aber sind die Einblicke, die man durch sie in das sicher eigenartige und staunenswerte Könne» Schermanns gewinnt.—r.« Rens Clalr:„Adams.", Volksverband der Bö< cherfreunde, Wegweiser-Verlag G. m. b. H., Berlin- Eharlottenburg 2. Ein» vortreffliche, geistreiche und selten lebendig gestaltete Satire. Als Held der internationale Filmstar. I» knappgekügter, filmhast- anschaulicher Darstellung wird di« groteske Konfusio>! rorgeführt, die dieser Kinoheld durch den Spuk del von ihm gestalteten Rollen in seiner Seele erfährt,-- in köstlicher Unbefangenheit die Uebevsteigerang fei' nes Selbstgefühls ironisiert und die lächerliche Vergötterung, die ihm von feiten des Publikums zuteil wird, gegeißelt.— Unbeeinflußt von allen Schwankungen des Wirtschaftslebens arbeitet der B. d. B. fest seinem Beftthen unermüdlich an der Verbilligung des guten deutsch«! Qualitärsbuches. Die Leistungen, d» hierbei von ihm erzielt worden sind, sind hervors rageittt. Die Mitgliedschaft ist bei völlig freier Buchwahl kostenlos. Ausführliche Druckschriften versendet auf Wunsch unberechnet die Geschäftsstelle Berlin- Charlottenburg 2, Berliner Straße 42-43