13 Jahrgang. Freitag, 13. Jänner 1933 Nr 11. chinesischer Bürger hinmordeten und materiellen Schaden von ungewöhnlichem Ausmaß verursach« ten, worauf sie begannen, große militärische Streitkräfte in der Nähe von Schanhaikwan nnd entlang der Eisenbahnerstrecke Peiping—Mulden ja versammeln. Unter diesen Umständen kann die Mnesisch^ Regierung abscKH leiue Vrranl- Wortung für di« Situation, ob de jure oder de falto, übernehmen, welche aus der Aktion tewassneter chinesischer Militärabteilungen ent- sehrn könnte,. die ihr legitimes Recht, sich gegen die AngrWaktioy der japanischen Truppen zur Wehr zu setzen, anwenden Würtz««..''. ineinde Casa DiejaS die Aufständischen in einem Hanse versammelt und der Polizei heftigen Widerstand entgegengesetzt, die sie einigemal vergeblich aufforderte, das Haus zu verlassen. Nachdem ein Zivilgardist von den Aufrührern verwundet, festgenommen und am Leben bedroht worden war, unternahm die Zivilgarde einen Angriff auf das Haus, wobei Explosionsgranaten zur Anwendung kamen. 19 Aufrührer wurden dabei getötet. Bon den Zivilgardisten fand einer den Tod und fünf wurden verletzt. Sehr viele Demonstranten wurden hierauf festgenommen. Der Ministerpräsident bestätigte' Journalisten, daß die Verluste an Menschenleben, die durch die Aufständischen verursacht wurden, großer seien, als nran ursprünglich angab, und zwar sowohl auf feiten der staatlichen Organe als auch auf selten der Demonstranten. der der japanischen Delegation beim Völkerbünde gestern den Auftrag erhalten, sich für die sofortige Abreise bereit, zu halten. Gerüchten zufolge soll dieser Befehl mit dem beabsichtigten Austritt Japans aus dem Völkerbünde im Zusammenhang flohen. riudit dilnesisdier Trappen auf russisches Gebiet. Moskau, 12. Jänner.(Taß.) Im Bereiche von Turij Rog und in der Nähe der Stadt Jmen schlugen sich am 9. Jänner einzelne Abteilungen chinesischer Soldaten, die an der Ostlinie der Ostchinabahn von den dort operierenden japanischen Truppen geschlagen wurden, auf totvjetrussisches Gebiet durch. Soldaten. und Offiziere wurden sofort entwaffnet und interniert. Insgesamt sind bisher etwa 3100 Mann übergegangen; unter ihnen befindet sich General Lidn. Marler und Großindustrie einig gegen Schleicher. Hitler ihr Beauftragter! Berlin, 12. Jänner. Der Konflikt zwischen dem Reichslandbund und der Reichsregierung hat neue Verwirrung in die ohnehin, verwickelte innevpolitische Lage hineingetragen. Zu der Großindustrie, welche in den vergangenen Tagen durch die bekannten Verhandlungen ihre Ünzufrieden-, heit mit dem sozialpolitischen Programm.Schlei chers kundgegeben hat, gesellen sich jetzt auch die Großagrarier, die zum offenen Angriff über gegangen sind. Zwischen diesen beiden Gruppen, herrscht sonst ein vollkommen feindliches Verhalt-' niS und der einzige Berührungspunkt zwischen beiden ist ihre gemeinsame Abneigung gegen die gegenwärtige Regierung. Die Resolution des Aufhebung der Bennecke Gele- ungeheuerlichen Das übrige sei Reichslandbundes hat dies klar zum Ausdruck ^bracht. Ten Hauptanlaß zlr chrer scharfen Kundgebung gab die Alwelegepheit, welche nicht direkt angeführt, aber allgemein besannt, ist, die Enteignung der Großgrundbesitze; insbesondere in Ostpreußen,, soweit sich diese Großgrundbesitze für eine Sanierung, unfähig erwiesen. Mit begreiflichem Interesse wird der neüä Konflikt verfolgt lliid seine weitere Entwicklung erwartet. Die Abendblätter widmen der Angelegenheit außerordentliche Beachtung. Eine ganze Reihe beschäftigt- sich sehr ausführlich mit dem Konflikt und dessen möglichen Folgen. Lii» diplomatischer Schritt der chinesischen Regierung. Schanghai, 12. Jänner. sNeutcr.s Das! chinesische Außenministerium teilte offiziell mit, daß di«, chinesische Regierung am 10. Jauner identische Memoranden an die Regierungen von UGA., Großbritannien, Frankreich, Italien, Bel gien, Spanien und Holland sandte, worin, die genannten Regierungen aufmerksam gemacht wer den, daß„auf der Grundlage unrichtiger und ille gitimer Auslegung spezieller Privilegien, di« aus dem Protokoll vom Jahre 1901 hervorgehen, welches vvn' den obgenannten Mächte« unter zeichnet wurde,' japanisch« bewaffnete Abteilungen ein«« Angriff auf Schanhaikwan unternahmen und es besetzten, wobei sie tausend« friedliebender 0er Krieg im fernen Osten. Ausdehnung der Kampffront Peplng, 12. Janne». An der ganze«' Front längs der Große« Mauer wurde gestern ein Angriff der Japaner in der Richtung«ach Tschinmenkau erwartet, da sowohl die Chinesen als auch die Japaner ihre bisherigen Positionen außerordentlich verstärkt haben. Die Chinesen melden, noch im Besitze von Tschiumenkä« zu sein, wogegen die Japaner erklären, bereits die- fen wichtige« strategischen Punkt eingenommen haben. Die Japaner habe« bisher 10.000 folge sollen die Japaner auch das Tal, das den Schlüssel für Tschiumenkä« darstellt, erobert zu habe«. Die Japaner haben bisher 10.000 Man» konzentriert, so daß der Angriff auf diesem Teilabschnitt der Front erwartet wird» Austritt Jauans aus dem Völkerbund. Genf, 12. Jänner. Nach Berichten anrcrika- nischer Blätter haben die militärischen Mitglie- vie Auslieferung des Dr. Bennecke. Dresden, 12. Jänner. Bei vollbesetztem Hause trat der sächsische Landtag heute in die Behandlung der verschiedenen Anträge in der Mordsache Hentsch ein. Abg. Dr. Wilhelm, Wirtfchastspartei, begründete als Berichterstatter den Antrag des Rechtsausschusses auf Bewilligung der vom Genevalstaatsanwalt nachgesuchten Aushebung der Immunität des Abg. Dr. Heinrich Bennecke wegen Begünstigung in der Mordsache Hentsch. Er verlas den Bericht des Generalstaatsanwaltes über die Ergebnisse der in der Mordsache Angestellten Untersuchungen. Dabei spielen das Untorstützüngsgesuch eines der flüchtigen SA-Männer mit der Anrede„Lieber Oberführer"'und'der Bries Fränkels, man solle H. bitten,'sich um seine' Frau zu kümmern, eine große Rolfe. Die Staatsanwaltschaft nimmt an, daß es sich in beiden Fällen um Dr. Heinrich Bennecke handelt. Bei den Ausführungen des Abg. Siiwermann, Kommunist, kam es zu Minutenlangen wüsten Läxmszenen. Präsident Doktor Eckardt drohte mit Raumung der Tribünen, falls diese sich nochmals an derartigen Kundgebungen bötelligen. Aba. Schreibers Nationalsozialist, erklärte, feine Fraktion werde der~ Immunität zustimmey, um Dr. genheit zu geben, sich gegen die Beschuldigungen zu verteidige«. Sache der opdenllicheu Gerichte. Der Antrag auf Aufhebung der Jmmuni- tat des Abg. Dr. Bennecke wurde einstimmig in Abwesenheit der Kommunisten angenommen. Anschluß an die Abstimmung gab der Minister des'Innern eine Erklärung ab, über das Verhalten der Dresdener Kriminalpolizei in der Mordsache Hentsch.' AlZ.hierauf.der sozial- demokvatrsche. Ahgeorvnete G e i s« r den sozihl» demokratischen Antrag begründete, die wegen Begünstigung der Mörder angeschuldigten, Beamten zur Rechenschaft zu ziehen, kam es zu stürmischen Zusammenstößen, so daß der. Landtagspräsident sich genötigt sah, die Sitzung zu rmter- brechen. rin feiger Nazl-Ueberlall. Berlin, 12. Jänner. Im Anschluß an eine kommunistisch« Versammlung in den Pha- rus-SLle« in der Müllerstratze hatte sich gestern abend«in kommunistischer DemonstraüionSzug gebildet. Als er gegen 23 Uhr die Köslinger- Stratze passierte, fuhr ein Personenkraftwagen dicht au den Zug heran. Aus diesem wurde« auf di« Demonstranten sechs Schüsse abgegeben. Ein Teilnehmer des Zuges erhielt dabei eine« Beckenschutze Ein« Passantin trug eine« Oberarm- und Brustschutz davon. Di« Verletzten wurden ins Krankenhaus eingeliefert. Nachdem di« Schüsse aus dem Auto abgegeben lvaren, fuhr dieses eiligst davon und entkam in der Dunkelheit. Strasser bei nindenburg. Berlin, 12. Jänner. Das Conti-Bureau ' meldet: Von unterrichteter Seite wird hie Meldung eines Berliner Blattes bestätigt, daß Gregor Strasser vom Reichspräsidenten empfangen worden ist. Der Empfang fand in der vorigen Woche statt. Er hatte nur den Zweck, daß der Reichspräsident sich über die Persönlichkeit Gregor Strassers orientieren wollte, weil sein Name in der Politik sehr häufig genannt wird.« Der Reichspräsident hat bei dem Empfang auch! davon abgesehen, sich zu dem zu äußern, was ihm! Strasser vorgetragen hat. (jeiangnisrevolle. Madrid, 12. Jänner. In dem Gefängnis von Ocana in der Umgebung Toledos' zwangen fünfzehn Anarchisten die übrigen Häftlinge zu einer Revolte, überwältigten die Wache und entflohen. Den Meuterern gelang es, fünf Wächter zu entwaffnen. Zwei Gefängnisaufleher wurden Per Indische Aufstand. Noch nicht beendet. Alwar, 12. Staat Alwar eingetrofsen und hat den Mar'ch' inanra wurden bei einem Handgemenge zwischen nach der Hauptstadt Rangarh begonnen. Britische Regimenter defilieren, kriegsmäßig geordnet, durch die Dörfer der bedrohten Zone,„um das Vertrauen der ruhigen Bevölkerung zu stärken". Die aufständischen Meos haben' in zerstreuten Abteilungen in den unzugänglichen Bergen Zu flucht gesucht und weichen jedem Zusammenstoß mit den britischen Truppen aus. Die Komman danten der aufständischen Mohammedaner Haden Parlamentäre mit dem Ersuchen gesandt, eine in* welcher ein englischer Offizier den Borsitz i richten in Spanien Ruhe herrscht bis auf' die t.arg mißhandelt. Ten übrigen Häfllingen gelang ;_Z.<... IProvinz Cad ix. Dort haben sich in der Ge»seS jedoch nicht zu entfliehen. wieder Ruhe in Spanien? Paris, 12. Jänner. Die Madrider Korrespondenten der Pariser Blätter melden, daß nach den energischem Vorgehen der Regierung und dem Beschluß, alle an der Aufstandsbewcgung beteiligten Personen exemplarisch zu bestrafen, in den Provinzen wieder Ruhe herrscht. Aus verschiedenen Städten werden Streiks der Industriearbeiter und der Landwirtschaftsarbeiter sowie kleinere Zusammenstöße mit d.'r ' Polizei gemeldet, die jedoch keinen so blutigen , Jänner.(Reuter.) Ein neues Verlauf genommen haben, wie die Zusanmren- Kontingent britischer Truppen ist aus Delhi im! flöße von Sonntag nachts. Lediglich aus Sala- Streikenden und Arbeitswilligen achtzehn Personen verletzt. Die Telephon- und Telegraphenverbindungen, die an vielen Stellen unterbrochen waren, wurden wieder ausgenommen. rin blutiger Kampf in der Provinz Cadix. .... Madrid, 12. Jänner. Der Minister deS unabhängige Untersuchilngskommission zu bilden, i Innern gab bekannt, daß nach den letzten Nächt'■•-» sichren soll. fUm die Vierzigslundenwodie. Der eben stattfindenden Tagung der Internationalen Arbeitskonfevenz in Genf kommt eine außerordentlich große Bedeutung zu. Beschäftigt sich doch diese Konferenz, die von 28 Ländern beschickt ist, mit dem schicksalsschweren, entscheidenden Problem der heutigen Gesellschaft, der katastrophalen.Arbeitslosigkeit, welche dazu geführt hat, daß— wie der Sprecher der Arbeiterschaft in Genf, Jouhaux, gesagt hat'— mehr als ein Sechstel der Arbeiter in der Well keine Beschäftigung haben.. Man spricht heute von einer doppelten Arbeitslosigkeit: Ter konjunkturellen, die ihre Ursache in dsm Wechsel von Konjunktur und Krise hat und eine Folge des Auseinanderstrebens von Produktion und Konsuln im Kapitalismus ist, und einer technologischen Arbeitslosigkeit, welche die Folge dec technischen Entwicklung ist, im Verlaufe welcher die Maschine die menschliche Arbeitskraft verdrängt. In der unheimlichen Größe,»velche die Zahl der Arbeitslosen angenommen hat, kommt zum Ausdruck, daß die Mechanik des individuell-kapitalistischen Produktions- und Aneignungsprozesses imnrer mehr versagt, daß die kapitalistische Maschinerie immer unbrauchbarer wird. Es wird immer klarer, daß der Kapitalismus auf die Dauer keinen Ansiveg aus der Krise der Weltwirtschaft finde»- wird — er wird sich vielleicht ein wenig erholen, um neuerlich von den Fieberkrämpfen der Krise geschüttelt, zu werden— und daß nut eine planmäßige Wirtschaft im Interesse- der übergroßen Mehrheit der Menschheit, d. h. eine planmäßige Verteilung der vorhandenen Arbeitskräfte auf die Produktionsmittel nach Maßgabe der Konsuurtionsbed-ürfnifse die Welt aus dem Chaos herausführen wird, in das sie der Kapitalismus gestürzt hat. Bahnbrecher der Planwirtschaft kann nur das Proletariat sein, das kein Interesse an der Aufrechterhaltung der kapitalistischen Wirtschaft hat und das die politische Macht erobern muß, um die Notwendigkeiten der menschlichen Entwicklung zu erfüllen. So lange das internationale Proletariat diese Macht noch nicht errungen hat, muß es die Not der Arbeitslosen auf dem Boden, den es vorfindet, das ist jener der kapitalistischen Wirtschaft, bekämpfen und dabei ist das wichtigste Mittel, die gleichmäßige Aufteilung der vorhandenen Arbeitskräfte auf die im Privateigentum befindlichen Produktionsmittel, d. i. unter den heutigen Umständen eine radikale Verkürzung der Arbeitszeit. Die Arbeiterschaft Europas hat vorläufig die Forderung nach der 4p-Slundenwoche erhoben, — ebenso wie sich der Entwurf des Fürsorge- strinisters darauf bezieht— aber während sich noch die Unternehmer des alten Erdteils in kurzsichtiger Verblendung dagegen wehren, kommt aus den Kreisen der amerikanischen Gewerkschaften schon der Ruf nach der fünftägigen Arbeitswoche bei sechsstündiger Beschäftigung. j' Die Unternehmervertrvter sowie einige ; Regierungsdelegierte— besonders fällt die reaktionäre Haltung Englands auf— suchen mit allerlei Einwänden einem notwendigen Fortschritt den Weg zu versperren. Ebenso wie man in den achtziger Jahren.von der Einführung des Elfstnndentages, nach dem Weltkriege von der Verwirklichung des Achtstnn dentages den Untergang von Industrie und Handel beftirchtete, so redet man der Welt ein, daß die Vierzigstundenwoche der Ruin der Weltwirtschaft wäre—als ob es überhaupt an ihr noch etwas zu ruinieren gäbe!-Wa? die Gesellschaft durch Auszahlung einer große ren Lohnsumme etwa verlieren würde, wär' sie doppelt und dreifach durch den gestiegen', Koitsum gewinnen. Selbst der Vertreter N" Regierung Schleicher mußte auf der G?n>- Konferenz zugeben, daß nach genauen den scheu Berechnungen scstgestellt wurde, ch: Aufrechterhaltung der gegenwärtigen Lohne Seite 2 Freitag, 18. Jauner 1933. Nr. 11 Das Mell gegen den naiionasoztslistisgien MdmMder. Frankfurt a. M., 11. Jänner. Im Prozeß -Stubenrauch fällte heute abend das Gericht nach fünfstündiger Beratung folgendes Urteil: Der Hauptangeklagte Stubenrauch wird wegen Totschlages zu zwölf Jahren Zuchthaus und acht Jahren Ehrverlust verurteilt. im Falle der Herabsetzung der Arbeitszeit würde eine Steigerung der gesamten Unkosten von höchstens einem Prozent eintreten. Dieses eine Prozent würde längst ausgewogen werden durch eine Steigerung der Preis«, von der jede Konjunktur begleitet wipd. Die Unternehmer, welche sich der Verkürzung der Arbeitszeit widersetzen, sind mit Blindheit geschlagen und sind so uneinsichtsvoll, nicht einmal ihren eigenen Vorteil zu sehen. Mit Blindheit geschlagen ist in dieser Zeit der Wirtschaftskatastrophe die ganze kapitalistische Welt. Möge sich nur die Bourgeoisie der Anwendung jener Mittel widersetzen, die imstande sind, das Elend von Millionen ein wenig zu mildern und in das Chaos der Kapitalistenwirtschaft ein bißchen Ordnung zu bringen. Je mehr sie sich den Notwendigkeiten der Zeit, den Lebensbedürfnissen der Masten entgegenstellt, desto früher wird sie das Unheil über sich heraufbeschwören, desto früher werden die Wogen proletarischer Empörung über der kapitalistischen Herrlichkeit zusammenschlagen, desto früher wird die Wett der Bourgeoisie in der Sintflut der proletarischen Revolution untergehen. Die Masten des europäischen Proletariats wissen wohl, daß ihre Stunde kommen wird, aber sie wissen Ebenso gut, daß ihre Stunde noch nicht geschlagen hat. Noch tanzt die Bourgeoisie mit ihrer ganzen Lügenkultur auf dem Vulkan, in dessen Tiefen Gewaltiges sich vorbereitet. Noch ist die Stunde nicht gekommen, da das Proletariat der Welt eine neue Ordnung geben wird. Noch müssen wir gleichsam für den Tag werkeln. Aber auch das mutz die arbeitende Klasse mit aUer Kraft und Leidenschaft tun, die einer zukunstsfreudigen Klasse eigen ist. So wie unsere Väter für den Achtstundentag gekämpft haben, so müssen wir die Parole der Vierzigstundenwoche zum Siege führen. Am 1. Mai 1890 demonstrierte ein schwaches Häuflein für den Acht-, stundentag— er wurde Wirklichkeit durch die Kraft der Massett. Ebenso müssen wir— aber in viel kürzerer Zeit— die weitere Verkürzung der Arbeits-eit erzwingen. Wir weisen den Masten den Weg aus Dunkel, Chaos und dumpfer Verzweiflung, wie weisen der Jugend den Pfad, der aufwärts führt. Je mehr engstirnige Kapitalistenvertreter sich den Notwendigkeiten der Zeit widersetzen, desto mehr muß die Kraft des Proletariats wachsen, um di« Widerstände des Profits und Eigennutzes aus dem Wege zu räumen, einer versinkenden Welt mit dem Licht der Zukunft zu leuchten, Todfeindschaft anzusagen einer barbarischen Gesellschaftsordnung und an einer neuen Welt zu bauen, so schwer es sein mag, so opservoll — trotz alledem! 19 Die Kellnerin Molly. Roman von Han« Otto Honet, Copyright bv Fockelretlcr-Derlag. Berlin. Nachdruck verboten. Fürsorgliche Pflege elternloser Kinder als christliches Ehrenamt. In völliger Finsternis kam Male nach Nainersdorf. Auf kotiger, klitschiger Straße tappte sie durch den Nebel und fühlte die nied-' rigen Häuser in unfreundlicher Kälte nach, sich glotzen. Eine ganze Weile mußte sie herum- schaucn, ehe ihr in der trüben Helligkeit eines erleuchteten Fensters jemand über den Weg kam, den sie nach der Wohnung des Herrn Fickert befragen konnte. Es war eine jüngere Frau mit warmer sicherer Stimme, und das unverkennbar Bereitwillige im Ton tröstete Male in der Hoffnungslosigkeit. mit der sie durch das traurige Erlebnis in dem Nachbardorfe erfüllt worden war. Ter prüfende Blick der jungen Frau, von dem Rainen Fickert hcrvorgerufen, entging ihr nicht. Das war ein Blick, wie er ihr noch von der Mutter in Erinnerung war. Und darum vertraute sie dieser Frau ohne weiteres, erzählte unaufgefordert, woher sic kam und was sie sich von der Zukunft versprach. Ihr übervolles Herz erleichterte sich. Wie schön wäre ,es, dachte sie. wenn mich der Zufall gerade zuerst Frau Fickert in den Weg geführt hätte. Sie war fast enttäuscht, als die junge Frau sich als Gattin des Dorfschullehrers vorstellte. Aber froh nahm sie die Einladung der Lehrersfrau mit, sie oft zu besuchen, falls sie im Orte bliebe. Fickerts Hof lag etwas abseits vom Dorfe. Male fürchtete sich oor den Hunden, die lebhaft anschlugcn, als sie sich dem Haufe näherte. Sie traute sich nur zaghaft zu klopfen. Lanübim lerisdie und dirisfliihsoziale Reslgutbesilzer! Was sagen die Senatoren Stöhr und Feierten dazu? Wir losen in unserem Karlsbader„Volkswille": In der Planer Gegend verfügte die Famnie Nostitz- Rieneck über riesige Besitzungen. Meierhöse, Waldungen, Teiche und viele landwirtschaftliche Betriebe nannte sie chr eigen, und an die vierzig Millionen Kronen war der Besitz im Jahre 1928 wert. Auf den Gütern lasteten keinerwi Schulden, die Bewirtschaftung der Güter lag in mrten Händen. Der junge Nostitz geriet mm dem Vernehmen nach in die Hände von Grundstückspekulanten. Ihm scheint das ererbte Vermögen noch nicht groß genug gewesen zu fein, und er glaubte sich an Häuserkäufen in Berlin und Wien weiter bereichern zu können. Die Hoffnungen aber schlugen fehl, es entstanden Schulden, die sich häuften, und der ganze große Besitz geriet nun unter den Hammer. Um einen der Höf« bewarben sich die Bauern von Thein. Sie wollten die dazugchörenden Grunde nicht in fremde Hände fallen lasten und glaubten, daß letzt die nie wiederkehrende Gelegenheit gekommen sei, die Scholle ihrer Vorahnen wieder erwerben zu können. Sie bildeten zu dem Zweck eine G e n o s s e v schäft und boten für den Hof 540.000 Kronen, nicht zuviel und nicht zu wenig. Als treue Mitglieder des Bundes der Landwirte haben sie alle chre Verbindungen ausgenützt, um den Hof zugeschlagen zu erhalten, und sie glaubten auch auf Gruitt» der chnen gemachten Zusicherungen an einen Erfolg ihrer Bemühungen. Aber sie wurden grausam enttäuscht. Bald sickerte die Nachricht durch, daß neben ihnen sich auch der landbündlerische Senator Stöhr um den Hof beworben hat, um ihn seinem Sohn übergeben zu können, und dieser Tage mußten die Theiner Bauern erfahren, daß tatsächlich Senator Stöhr den Hof erworben hat. Er hatte 560.000 Kronen geboten und zu diesem Preis den Hof und als Draufgabe noch vier Teiche erhalten. Der Theiner Bauern hat sich darob große Aufregung bemächtigt, und es ist begreiflich, daß sie auf Senator Stöhr nicht gut zu sprechen sind, von dem sie sagen, daß er vor dem Kriege keineswegs besonders begütert war, später ferner Tochter eine hübsche Mitgift mitgab und nun für seinen Sohn das Gut erwerben konnte. Eine« zweiten Hof ans den Rostihsche« Besitzungen hat der christlichsoziale Senator Dr. Feierfeil für seinen Reffen erworben. Der Kaufvreis für dieses Gut— es handelt sich um den Karolinenhof— beträgt 980.000 Ks. Die von den Theiner Bauern angekündigte Protestversammlung gegen chre Ausschaltung wird an den Dingen, die nun einmal geschehen sind, nichts ändern. Aber in einer ruhigen Stunde wird wohl der eine oder andere von ihnen Wer die' von den landbündlerische« Rednern so viel gepriesene Dorfgemeinschaft und über das Gerede von der heimatlichen Scholle nachdenken. »eine Mißverständnisse, keine Fälschungen! Der„Nüro d", der die Fronstchwenkung der deutschen Nationalsozialisten selbstverständlich von ganz anderen Gesichtspunkten aus betrachtet als wir, zieht in einer Notiz die Ausführungen des„Sozialdemokrat" vom Mittwoch als Beweis für seine Theorie heran, daß es den Nazi mit ihrer Loyalität gegenüber der Republik nicht ernst fei.„Auch die deutschen Sozialdemokraten glauben nicht an die Umkehr der Haken- kreuzler" schreibt er im Titel seiner Notiz und führt dann des weiteren aus, daß wir offensichtlich kein Vertrauen in den Willen der Haken- kreuzler haben, von der Politik der Jrredenta abzugehen. Nun so liegen die Dinge nicht und eS ist nötig, schon jetzt, bevor noch aus, einem Mißverständnis oder einer Mißdeutung unserer Auffassungen ein« hakenkreuzlerische Fälschung wird, diesen Irrtum aufzullären. Wir«stauben den Hakenkveuzlern im Grunde gar. nichts. Ihre Demagogie schreckt vor keiner Lüge zurück und. was sie sagen, hat wenig Bedeutung, weil es sich kaum je mit dem deckt, was sie meinen. Wir haben ihre Jrredenta niemals ernst genommen. Wir waren immer überzeugt, daß sie den ganzen Hitlerrummel nur aufführten, weil er ihnen zu Rcllamezweckcn eben tauglich erschien. An chre Loyalität glauben wir deshalb, well wir vor allem überzeugt sind, daß sie fei g sind und aus Angst vor üblen Folgen ihres Geschreies die bravsten Untertanen werden. Daß sie wirkliche Vorkämpfer des Autonomie-Gedankens sind, hatten wir deshalb für unmöglich, well sie eben viel zu sehr Demagogen und Nationalstten sind, um eine ehrliche Politik der Verständigung mit dem tschechischen Proletariat betreiben zu können. Aber es lag uns natürlich fern, sie den Tschechen als„illoyal" hinzustelkn. Heute wie in den Tagen des Volks- sport-Prozesses behaupten wir vielmehr, daß d i e Republik von den Hakenkreuzlern nicht daS gering st e zu fürchten hat, daß die Angst des tschechischen Nationalismus völlig unbegründet, daß hie Prozesft überflüssig und bei den Haaren herbeigezogen sind und daß die Nazi zwar Unternehmerknechte sind, Wenns draus ankäm« wahrscheinlich auch Bundesgenossen des tschechischen Fa-'eismus wären, nie und nimmer aber als ernsthafte Irredentisten in Frage kommen! Tschechoslowakische Unternehmervertreter gegen Kürzung der Arbeitszeit Genf, 12. Jauner. Auf der Vorkonferenz für die 40stündige Arbeitszeit in Genf sprach heute nachmittags namens der tschechoslowa- kischen Arbeitgeber Dr. Vanßk, der die wirtschaftlichen und finanziellen Schwierigkeiten behandelte und die derzeitige Situation für die vorgeschlagene Beschränkung der Arbeitszeit als nicht geeignet bezeichnete. Dr. VanSk hält den gegenwärtigen Stand der Dinge für zu ungeklärt und befürchtet, daß durch die Annahme der Kürzung der Arbeitszeit eine neue schädliche Industrialisierung erfolgen würde. Die reaktionäre Rede Dr. Vanöks wurde von den Vertretern der Arbeitgeber mit Zustimmung und Beifall ausgenommen. Die kommunistische Presse hält ihre Leser für Idioten. Wir haben schon mehreremccke erzählt, daß in der Redaktion des Zentralorgans der kommunistischen Partei„Ruda PrLvo" in Pvag-Karo- linenthal eine eigene Abteilung besteht, welche sich damit beschäftigt, Briefe sozialdemvkratifchcr uich indfffeventer Arbeiter zu fabrizieren. Zu allen aktuellen Fragen müssen immer wieder solche aus der Phantasie kommunistischer Redakteure geborene„sozialdemokratische Funktionäre" das Wort ergreifen, insbesondere dann, wenn sich die Kommunisten in taktischen Fragen am Ende ihres Lateins befinden. Eine solche Situation fft auch jetzt wieder eingetretett. Das von den tschechischen Sozialdemokraten den Kommunstten gemachte Angebot eines Nichtangriffspaktes hat die Kommunisten in arge Verlegenheit versetzt und sie suchen krampfhaft nach Argumenten, um vor chren verdutzten Anhängern die Ablehnung der Einheitsfront— die sie bisher immer«fordert haben— zu rechtfertigen. Eine dieser Methoden stt nun die altbewährte Erzeugung von Briefen frei erfundener„Sozialdemokraten", in denen diese Sozialdeino- krcrten den Kommunstten Recht geben, daß sie die Einheitsftont mit der Sozialdemokratie ablehnen. So schreibt ein solcher„so;ialdemokrati» scher Arbeiter" im„Rude PrLvo" vom 6. Jänner:„Wir stimmen mit Eurem Standpunkt zum Pakt unserer Führer überein." Welch sonderbarer Sozialdemokrat, der den Kommunstten zustimmt, daß sie nicht mit der Sozialdemokratie zusammengehen. Warum der. Mann noch Sozialdemokrat bleibt stt außer einem kommunsttifchen Gehirn jedem unbegreiflich. Noch köstlicher äußert sich„der Vorsitzende einer sozialdemokratischen Organisation im Ostrauer Gebiet" les wird weder die Organstation noch der Vorsitzende genannt):„Wenn chr den Pakt annehmen würdet, dann würde eine nicht allzu ferne Zeit Euch und manches Gute hintvegfegen, was Ihr für dos Volk getan habet. Es wurde vergössen und durch Flüche ersetzt werden nicht nur ehrlicher Kommunstten sondern auch in erster Reibe ehrlicher Sozialdemokraten". Der Klon des Ganzen brsteht aber darin, daß dieser angebliche mit den Kommunisten sympathisierende„Sozialbeurokrat" sich zur Bekräftigung seines Standpunktes auf einen Neujahrsartikel der„Lidovs Noviny", also eines bürgerlichen Blattes beruft. Was in dem Kopf dieses„Sozialdemokraten" vorgcht, kann man sich nicht vorstellen. Wir wollen es nachstehend feststellen. 1. Der„Sozialdemokrat" svm- pachstiert mit den Kommunstten. 2. Er rät den Kommunstten ab, mit der Sozialdemokratie zu« sammenWgehen. 3. Er beruft sich hiebei auf ein bürgerliches Blatt. Da bleibt einem, wie der Berliner sagt, die Svucke weg, und es bleibt einem nichts übrig, ccks an das„Ruds PrLvo" nur die Frage zustellen: Hält es seineLeserfür Idioten? Zusammenschluß des Post- und Eisenbahn- autobusbctriebes. Nach dem Gesetz Nr. 198/1932 über den Transport mit Motorfahrzeugen und auf Grund eines Einvernehmens zwischen dem Ministerium für Post- und Telegraphen und dem Eisenbahnntinisterium wurde mit 1. Jänner 1933 der gesamte Postautobusbetrieb mit dem Autobusbetrieb der stchechoslowakischen Staatsbahncn vereinigt und dem Eisenbahnministerium unter-/ geordnet. Die Transportbedingungen und Sätze sowie die Fahrpläne und die äußeren Bezeichn nungen des Betriebes iverden vorläufig nicht geändert; die aus der einheitlichen Leitung des Autobusbetriebes sich ergebenden Aenderungen? Iverden nach und nach durchgefiihrt werden. I I en 1 m S / de W Ri £ va ru Gl be wi dei Ts mr die La f gci i di« fde, Isell Or Go »lest Fei j nac igen kr Mi Mi Iber An I r zu naä Ott Fas wai e d c >Zci fder seins >Dol iverl rauf geh' sauf ' 2 9 kvon Tag »lief« zu i 1 Das Licht einer über dem Haustor hängenden Glühbirne überflutete sie plötzlich so grell, daß sie selbst kaum sehen konnte. Erst nachher erfuhr sie, die alte grobknochige Frau, von der sie mürrisch gemustert wurde, das war die Herrin des Hauses. Male nannte ihren Namen. ^DaS Mädchen aus die Fürsorje? Man rin!" Der Bauer, der pfeiferauchend auf, einem Wachstuchsofa lag und sich darin durch den Eintritt des Mädchens auch nicht stören ließ, empfing Male mit Vorwürfen. Sie käme zwei Stunden später, als„der Paster" ihm angezeigt habe. Ob sie sich etwa jetzt schon„herumtreiben" wolle? Male, der die Tränen nahe waren, berichtete von der Vegegnung mit der Schwangeren, und wie sie ihr geholfen habe. Dazu knurrte Herr Fickert nur:„Ging Dlch nichts an." Und als das Mädchen dann weiter erzählte, wie sie ratlos auf der finsteren Dorfstraße gestanden habe und so freundlich von der Frau Lehrerin beraten worden sei, spuckte Fickert in die Stube. „Die Lehrerin? Die Sampeln? Ein Saustück!" „Ein gottloses Mistvieh wie der Schulmeister,selber", setzte Frau Fickert hinzu. „Sie gehen nicht in die Kirche und letzen den Kindern neumodische Graupen in den Kopp, wie die roten Lehrer in der Stadt. Vor sie mußt Du Dir hüten." Jetzt erst wurde Male aufgefordert, sich zu setzen und daS feuchte Mäntelchen abzulegen. Die erste Freundlichkeit, die sie bei Fickerts erfuhr, und es blieb auch die einzige. Sie sah sofort, daß sie sich hier nicht^Wohlfühlen würde. Die muffige, ungelüftete Stube gefiel chr ebensowenig wie die angebrannte Mehlsuppe, die Frau Fickert chr hinschob. Noch weniger aber die Menschen. Der Bauer spuckte oder fluchte, wenn er den Mund auftat. Bor seinem Blicke bekam Male Angst. Diese Blicke waren unverschämt wie greifende Hände. Vorher hatte Male gefürchtet, Herr Fickert könnte zu fromm sein, weil er doch ein Freund des Pastors Zickmann und obendrein ehrenamtlicher Pfleger des Magdalenenbundes war. Aber hier spürte sie nichts von Frömmigkeit. Frau Fickert war sicherlich viel älter als ihr Mann und von dicker, schlampiger Häßlichkeit. Das Ehepaar lebte augenscheinlich in Unfrieden, sprach wenig miteinander und wenn es geschah, in spitzigen Anzüglichkeiten. Fickerts hatten noch eine dreißigjährige Magd im Haufe, mit der zusammen Male ein Vodenkämmerchen bewohnen mußte. Als die Magd spät am Abend nach Hause kam, begrüßte sie Male, die schon nn Bette lag, mit den Worten: „Aus die Fürsorje also kommste. Na, der Alte wird Dir schon fürsorjen." Male wußte nicht und wagte auch nicht zu fragen, was die Magd mit ihren Worten meinte, aber sie ahnte ihren Sinn. Die Uebergabe an Herrn Fickert, das war die Rache des Pastors Zickmann gewesen. Tie Erlebnisse dieses einen Tages, der sie aus dem gefängnishaften„Garten Gethsemane" in die ländliche Freiheit eines pommerschen Dorfes geführt hatten, zeigten dem Mädchen, daß sie keineswegs frei war, sondern wie leicht man sie an einer Kette halten konnte: Mit dem einfachen Wörtchen: aus der Fürsorge. Als die Magd, die sich umständlich zu Bett gelegt hatte, aus dem Dunkel herübersragte, ob sie schon„ein Würnuhen" habe, stellte Male sich schlafend und antwortete nicht. Aber sie schlief wenig in dieser Nacht, und es waren nicht nur die unerträglich vielen Wanzen, die sie nicht schlafen ließen. Nützlich zu lesender Bericht über die altpreußische Zucht, wie sie noch anf Rittergütern östlich der Elbe zu finden ist. Ganz so trostlos, als Male der Ort im feuchten Abendncbel erschienen war, sah Ramersdorf nn Hellen Tageslicht doch nicht aus. Die Katen der I Kleinbauern und Gutsarbeiter konnten ihre! Dürftigkeit fteilich nicht verbergen. Aber Schloßpwü und Rittergut, dem Grafen Briesekau gehörig, EJ U’ zeigten unverkennbar großzügige Bewirtschaftung, f’’* Zum Rittergut gehörten zwei Schneidemühlenk" und außer fischreichen Seen und wildvollen Wäl«M" dern mehr als 10.000 Morgen Ackerland. Boden ist in diesem natürlich bewässerten Lande MA fruchtbar. Wenn< Graf Briesekau auch, wie fo-ifoH viele Rittergutsbesitzer in Deutschland, nicht eine«» Pfennig Steuern bezahlte, so war er doch nichtig arm. Rn Seinen Besitz hielt Graf Briesekau mit dcriUrstt Zähigkeit des altpreußischen Ritters zusammen,Ma geschmeidigt mit einigen Tropfen pfiffiger Rechls-Mot beschlagenheit. Briesekau hatte seine llniver- jverk sitätsjahre in Heidelberg nicht, nur saufend ver- uchei bracht wie die meisten seiner Stammesgenost.n,Men. sondern sich sogar den Doktor juris geholr. Alt-idem preußische Zucht war es, wenn er einen TepuqMr tanten, der erkrankt war, entließ„wegen decM'Ü Frechheit, mitten im Sommer krank zu feien:",!, und ihm obendrein den Brunnen sperrte/ so daA~ der wirklich Kranke kein Waster für sich und seine!? Familie hatte. M Eine Doktorarbeit aber war es, als er die» E. Gutsarbeiter zwang, folgenden Vertrag zu iiiii. rT« schreiben: 1 B „Außer meiner Frau stelle ich mich und pvcel g Hofgänger täglich zur Arbeit nach Anorduuutl«i der Gutsherrschaft.?$ Endigt das Arbeitsverhältnis eines Ange-! e hörigen, so endigt das Arbeitsverhältnis der gau-x s« zen Familie und zugleich das Recht auf d' l ir Dienstwohnung. Für jede der Arbeit ferngebliebene Arbeits-mvei kraft steht ein Wohnraum der Herrschaft zu'nen, anderweitigen Belegung zur Verfügung. Auch is»ju die Gutsherrschaft berechtigt, der Familie ein T andere Wohnung zuzuweisen. (Fortsetzung folgt.) Nr. 11. Freitag, 18. Jänner 1938. Lette 3 'jBei der Befreiung des Hopfinger, auf welchen ! der genannte Faschinabauer kniete und blindlings die öi* ttcr-j dass eine. die ng, »u- ü r ng«^ gan^ d'^ cili" zu/ b»l cm■ jUH'tfl >en s Jt" 1 Ulf iso! em nn ch-! ni- s >en. ;u- cin Sorlslversldrerungsvertrss Deuismiand-Tstbedtos owaltel. Berlin, 12. Jänner. Der Reichsrat stimmte einer Reihe von Verträgen zu, die Deutschland mit anderen Staaten auf dem Gebiete der Sozialversicherung abgeschlossen-hat. Dabei handelt es sich zunächst um einen Gesetzentwurf zwischen Deutschlaich und der Tschechoslowakischen Rchmblik, worin die wechselseitigen Beziehungen Mischen beiden Staaten in den allgemeinen Sozialversicherungen, di« Kranken-, Unfall-, Invaliden-, Angestellten- und Knappschaftsversicherungen nach dem Grundsatz der gegenseitigen Gleichberechtigung geregelt werden. Es bestehen bereits ähnliche Verträge mit Oesterreich und Jugoslawien. Angehörigen des anderen Staates wild grundsätzlich die gleich« Behandlung wie den Angehörigen des eigenen Staates zugesichert. Weiters fand noch ein Vertrag mit der Tschechoslowakei Zustimmung, der die Bestimmungen über die Sozialversicherung in dem an die Tschechoflowakei abgetretenen Hultschiner Land regelt. l- ot M !N r- Naziheldeittaten in der SNvrsterimcht Fünf Person«« aus einer sozialdemokrat ischrn Unterhaltung mit acht Dolchstichen verletzt. Aus Böhm.- Röhren erhalten wir fol- Jn unserem Orte bestehen drei Parteien, die Hakenkreuzler, Christlichsozialen und Sozialdemokraten. Die ersten zwei Parteien bestehen selbswerständlich aus dem besseren Teil der Ortsbewohner, welche sich in ihrer Hochburg Gasthaus Durstmüller den üblichen Silvester ! leisteten. Die Arbeiter dagegen hielten ihre kleine Feier im Gasthause Olzinger ab. Um halb 2 Uhr nachts rückte einTruPP der von derJntelli- genz und hiesigen Bürgern unterstützten Hakenkreuzler vor dem Gasthause Olzinger an. Mit ihnen der berüchtigte Franz Kral. Das Mitglied einer schwarzen Gilde aus Schillerberg, Rudolf Faschingbauer, hatte die ^Aufgabe, einen das Olzinger-Lokal verlassenden „Roten" beim Haustor abzufangen und ihn ahnungslos seinen mit gerückte» Mestern lauernden Komplizen zu übergeben. Das weitere besorgt Franz Kral, iiaäAem der Reihe nach Herbert Hopfinger, Otto Robl und FraM Zeiselmeier vom Faschingbauer auS dem Vorhaus gezerrt worden waren. Herbert Hopfinger wurde derart geschlagen, daß er drei Viertelstunden lang, als er von Emil Wiener befreit wurde, bewußtlos in der Küche lag. Zeiselmeier und Robl erhielten Dolchstöße, welch« bei jedem die Lunge erreichten. in n l- o- sie b- ss- n- m er rt, n- o- le- rtt en rd de ir- lch ür nd »er ir- | genden Bericht: RattonalsoriaUstlsche Werbe« Methoden. Partei«nd Geschäft. Der ,,Bolkswi_IIe" berichtet: Als einschlug, erhielt auch Wiener Emil mit dem »Dolch einen Hieb, der ihm die rechte Hand schwer «verletzte. Es wagte sich auch Wenzel I a r o s ch »auf die Straße, um zu sehen, was eigentlich vor- gche, bekam aber sogleich auch einen Dolchhieb »auf das recht« Schulterblatt. ! Di« ganze Stecherei spielt« sich in einige« Minuten ab; es blieben 5 Personen mit 8 Dolchstichen ans dem Platze, »von denen Robl und Zeiselmeier am nächsten Wag ins Bezirks-Krankenhaus Prachatitz einge- ..«liefert werden mußten; die übrigen verblieben gc«pu Hause in ärztlicher Behandlung. des« genl dcp nen, hts-1 ver-i vor-' ss.'N, Ält>_„. ,,p:P«t übernommen und dann dem Absender mit der folgendem Vermerk zurückgeschickt: rn"M Hhr Brief ist an di« fass, ,, nationalsozialistische Bewegung große Mode wurde, schloß sich ihr in vollster Begeisterung der Seifenfabrikant Johann Klinger nn Joachimsthal an. Der Fabrikant wurde 8>cr Führer ein«r Arbeiterpartei. Dabei bietet sich nmmer Gelegenheit, das eigene Unternehmen zu «ordern, Partei und Geschäft zu verquicken, Gebneinnutz und Eigennutz zu vereinbaren. Dafür Soll folgender Vorfall Zeugnis ablegen. Eines Tages schrieb em Arbeiter in Ullers- «rün an das sozialdemokratische Parteisekretariat nn Joachimsthal einen Brief, in dem er seine «tristen Verhältnisse schildert. Zwei Jahre ist der Mann bereits arbeitslos uttb darum in bitterster Mot. Der Brief gelangte dank der idealen Post- cherhältniffe in die Hande des nationalsozialisti- Ichen Schriftenempfängers und Seifenfabrikan- ten. Statt den Brief zurückzustellen, damit er dem richtigen Adressaten übergeben werde, ivurde "'-- t Ihr Brief ist au di« sä/sche Adresse gelangt, 1 aber otellricht ist dieser Zufall für Sie günstig. : Wenn Sie den Weg zu Ihrem Bolle zurückfäudea k flies: wenn Sir Nationalsozialist würden. Red. s„Bw."> würde ich Ihne« Gelegenheit zu einem l Verdienst geben.— Sie brauchten dann nicht um Unterstützung zu ersuchen, sondern könnten fr I länger immer mehr verdienen. Wenn Ihnen mein ! Antrag genehm ist. dann schreiben Sie mir. Hoch- ! achtend Johann Klinger. Stampiglie: Deutsche ? Nationalsozialistisch« Arbeiterpartei, Ortspartri l St. Joachimsthal. Beiliegend einige Rrklamedruck- j sorten der Firma Johann Klinger, Seifenfabrik . in St. Joachimsthal. Damit ein Arbeitsloser der Gnade teilhaftig Ererbe, mit Klingerseife hausieren gehen zu dür Den, wird ihm zugcmmet, ein Gesinnungslump zu werden und sich zum Hakenkreuz zu bekehren. Wann kommt eine systematische Preissenkunssaktion? Anfrage des Genossen Hackenberg an den Ministerpräsidenten Prag, 12. Jänner. Nach ganztägiger Debatte Debatte konnte die Beratung der ersten drei Budgetkapitel im Budgetausschuß bereits heut« abends mit einem Expose des Ministerpräsidenten abgeschlossen werden. Namens unserer Fraktion urgierte Genosse Hackenberg eine Er- klärung von der Regierungsseite über die nächsten Pläne der Regierung zur Belebung der Wirtschaft und zur Linderung der vielfach unbeschreiblich gewordenen Not. Auch von anderer Seite wurde diese Frage wiederholt gestellt. Hackenberg urgierte in diesem Zusammenhang namentlich die Zinsfußherabsetzung und eine systematische Preissenkungsaktion und verlangte dann vom Ministerpräsidenten endlich eine Aufklärung über die offenkundige Subventionierung der Saazer Wolf- Presse aus Mitteln des Staates. Abgesehen von allen anderen Einwänden dürfen in dieser Zeit, wo überall auf das schärfste gespart werden muß, nun doch nicht mehr Mittel der Mgemeinheit auf diese Weise nutzlos vergeudet werden! Wir erwarten in dieser Hinsicht von dem neuen Ministerpräsidenten endlich eine Abkehr von den unter seinen Vorgängern praktizierten Methoden! Genoss« Hackenberg erwartet von der Regierung bei der Behandlung des Minifterratspräsidiums Ausilärung, was di« Regierung in der nächsten Zeit zu tun gedenk«, um eine Besserung der Verhaltnisse und eine Linderung der Not herbeizMhren, di« namentlich in den deutschen Grenzgebieten ungeheuerlich ist. Di« Regierung muß jetzt einmal mitteilen, Waste auf dem Gebiete der Belebung der Wirtschaft, der Herabsetzung des Zinsfußes und der Preisregulierung zu tun gedenkt. Redner befaßt sich dann im einzelnen mit der geplanten Auflassung des Ernährung S- m i,n i st e r i u m s, wobei höchstens bei dem Gehalt des Ministers und beim Sachaufwand ein« Kleinigkeit erspart würde, während die Agenda ja weitergeführt werden soll. Der Plan der Auflassung dieses Ministeriums ist alt; wir haben durch Jahr« hindurch darauf verwiesen, daß eher eine- A u s» gestaltung dieses Amtes im Interesse der Kon. sumenten und Produzenten notwendig wäre; es fehlt« ihm namentlich di« Exekutivgewalt. Gerade jetzt wäre es aber besonders notwendig, daß dieses Amt ein« lebhafter« Tätigkeit entfalt«, wo «in« ernstlich« Inangriffnahme der Preisregulierung dringend notwendig ist. Wenn es uns gelänge, der Wirtschaft der Kartelle«in End« zu bereiten, so würde dadurch bei vielen Produkten eine Preisermäßigung herbeigefiihrt werden, di« sich auch im täglichen Leben auswirken müßt«. Zwischen den Preisen, dir der Produzent bekommt, und den Detailpreisen besteht namentlich' bei Lebensmitteln eine durch nichts gerechtfertigt«, unverhältnismäßig hohe Spannung. Es ist ein« Tatsache, daß daran nicht nur der Großhandel, sondern auch der Kleinhandel ein« große Schuld trägt. Es geht nicht an, daß der Bauer für sein Vieh 8 bis 6 Kronen pro Kilo Lebendgewicht bekommt, während im Dotailverkauf 16 bis 20 Kr"ii«n für Rindfleisch bezahlt werden müssen Es muß der Ausbeutung der Bevölkerung ein Ende gesetzt und durch ein« Regulierung der Preis««ine Linderung der 9lot versucht werden! Die Dispositionsfonds. Bezüglich des Dispositionsfonds im Ministerratspräsidium erklärt Hackenberg, daß wir grundsätzlich immer Gegner des Dispositionsfonds gewesen sind weil, mit diesen kontroltos gewirtschaftet werden kann. Wir haben auch diesmal versucht, Ivenigstens eine entsprechende Herabsetzung dieser Fonds zu erzielen, wobei wir nicht allein geblieben sind. Wir müssen bedauern, daß wir nicht einen vollen Erfolg erzielt haben. Wird die Wolf-Presse noth weiter subventioniert werden? Zu dem unrühmlichen Kapitel„Wolf- Presse", das in allen Budgetberatungen wiederkehrt und bisher immer wieder mit der Versicherung abgetan wurde, daß der Wols-Berlag eben besonders tüchtig fein müsse, um devartig billige Blätter herauSgeben zu können, stellte Hackenberg fest, daß wir den Kampf gegen die Wolf-Press«, bezw. gegen die Verwendung öffentlicher Mittel zur Unterstützung dieser Press«, durch Jahre nicht nur draußen, sondern auch aus parlamentarischem Boden führen. Bisher ist es uns aber noch nicht gelungen, eine Aufklärung zu erhalten, mit welchen Beträgen und aus welchen Fonds dir Wolf-Press« unterstützt wird. UdrSal und schon Lvehla haben versichert, daß dies« Press« nicht subventioniert werd«. Ich hab«, erklärt Genosse Hackenberg, deshalb auch bei den heurigen Beratungen des Voranschlags wieder ganz energisch und ernst die Frag« auf- geworsen, oh ein solches Blatt wirklich wert ist, aus öffentlichen Mitteln gefördert zu werden, und habe di« Einstellung der Subvention verlangt. Ich habe da bei leider auch keine erschöpfend« Auskunft erhalten können. Di« letzt« Auskunft, welche mir von dem Verwalter der staatlichen Druckereien gegsben wurde, war, daß man ihn einer Antworterteilung entheben möge und daß ich mich mit meiner Anfrage an den Ministerpräsidenten wenden möge. Darum sehe ich mich veranlaßt, hier in der Sitzung des Budgetausschuffes dir Anfrage an den Ministerpräsidenten zu wiederhole», ob und aus welchen Mitteln der Wolf-Berlag unterstützt wird, und ob es die Regierung al- gerechtfertigt«nd notwendig erachtet, diesem Verlag auch writerhiu ein« Unterstützung an- gedeihen zu lasse». Ich hoff«, daß es diesmal doch möglich sein wird, eine klar« Auskunft darüber zu bekommen! Für«ine etwas energischeres Vorgehen aus dem Gebiet« der Preis- u.' Zinsfußsenkung setzt« sich u. a. auch der tschechisch« Nationalsozialist Dr. Patejdl ein; die Regierung müsse über oen Widerstand der Kartell« gegen das geplant« Kartellgefetz einfach Hinweggehen. Ti« Preise bei uns sind immer noch unverhältnismäßig höher als in den anderen Staaten. Namentlich di« Metallindustrie ist wegen ihrer hohen Presse konkurrenzunfähig. Di« Lcihnsrage spielt dabei aber keine Rolle; di« Ursache steckt in den küisstlich hochgehaltenen kartellierten Preisen. Bei der Zinsfußherabsetzung stößt man wieder auf den Widerstand der Banken; dabei hängt aber die ganze Entwicklung unserer Produktion, di« Ensschuldung der Landwirt, schäft ufw. von diesem Problem ab. Aber auch der Staat hätte von einer nur einprozentigen Senkung des Zinsfußes der StaatSpapiere einen Nutzen von 436 Millionen! *** DeufsdibUrgerlidie Wunsdi- träume. Von deusscher Seit« rückte Herr Kallina mit der Forderung nach Umwandlung des Senates in ein Wirtschaftsparlament heraus, in dem all« wirtschaftlichen, gewerkschaftlichen und sozialen Korporationen vertreten fein sollten. Davon erwartet sich der Redner mit eine Gesundung der wirtschaftlichen Verhältnisse! Ein würdiges Gegenstück zu dieser reaktionären Forderung des Herrn Kallina liefert« am Nachmit. tag der Landbündler Windirsch, der erklärte, es werd« notwendig sein, daß sich di« Regierung ernstlich mit^ dem Gedanken befasst, das.He« meindewahlrecht zu reformieren. Diese „Reform" stellt er sich so vor, daß man das Wahlalter bedeutend hinaufsetzen und das Wahlrecht in den Gemeinden überhaupt nur denen geben soll,„die zu den Bedürfnissen der Gemeind« unmittelbar beitragen"!— Mit dieser Ausschaltung der Arbeiter aus den Gemeindestuben dürfte Herr Windirsch allerdings wenig Glück haben; immerhin sst es bezeichnend, daß ein verantwortlicher Funktionär des Bundes der Landwirte sich überhaupt mit einer derartigen Forderung an di« Oefstntlichkeit traut! Natürlich konnte Windirsch auch die Bemerkung nicht unterdrücken, daß die Beiträge für die sozialen Institutionen für die Landwirsschaft eine schwer« Belastung darsteklten. * , Dr. Bacher(DAWG) erklärte, feine Partei be- mühe sich, ihr« Kritik konstruktiv zu gestalten; sie werde auch sür einzelne Budgetkapitel stimmen. Er quittiert mit Dank di« Zusagen, daß bei der Zusammenstellung des Budget- künftig auch die Opposition herangrzogen werden soll, und hofft, daß es nicht bei leeren Versprechungen bleiben wird. tfatlcezollerhöliung gesetzwidrig? Der.schechrichr Genoss« Dr. Marek hält die Rechtsgrundlage der Regierungsverordnung vom 29 Dezember v. I, durch di« die Zölle auf Kolonialwaren erhöht werden, für anfechtbar; diese Verordnung entsprech« nicht der Ermächtigung, die der Regierung in den beiden Gesetzen, auf di« sich di« Verordnung beruft, gegeben wird. Er nimmt an. daß es sich hier nicht um«ine Gesetzesverletzung aus bösem Willen, sondern nur um«in« irrtümliche Auslegung des Gesetzes handle; er appelliert an den Ministerpräsidenten, hier korrigierend einzugreifen. Für Veröffentlichung der Subventionen. Bergmann(ssch. Nat.-Soz.) verlangt«, daß zumindest im Rechnungsabschluß Nominativ und einzeln unter Angabe der Bestimmung di« staatlichen ^Subventionen angeführt werden sol- l e n, damit hier eine Ueberprüfung der Berechtigung, der Zweckmäßigkeit und der Höh« der Subventionen «insetzen könne. Er wirft auch die Frage auf, ick es nichi besser wäre, Banken nicht zu sanieren, sondern sie gegebenenfalls zusammenbrecheü zu lassen und das Geld statt zur Sanierung lieber direkt für di« Einleger zu verwenden. *** Gegen 7 Uhr abends war di« Debatte über die ersten drei Kapitel abgeschlossen, worauf Ministerpräsident Malhpetr als Vertreter des Rassorts absck ließen- zu der Debatte Stellung nahm. Sein« Red« wird von der Parla- mentskovrespondenz erst morgen ausgegeben werden. rraiWtlkows Selbstmord Das Berliner Polizeipräsidium trägt die Schuld. Mit der Nachricht über den Selbstmord, den Trotzkis Tochter in Berkin verübte, wurde auch eine das Berliner Polizeipräsidium entlastende Darstellung verbreit«!. Dies« Darstellung enthält Unwahrheiten, wie aus den folgenden Ausführungen des Berliner„Vorwärts" hervorgcht: Die Auswessungsserie des Berliner Polizeipräsidiums gegen Ausländer, die den Vollzugsorganen einer„autoritären Staatsführung" nicht passen, ist amtlich dahin verniedlicht wor» oen, es sei gar keine Serie, sondern bloß ein zu- källiges Zusammentreffen von Nichtverlängerung der Aufenthaltsbewilligung gegen Ausländer, die sich kriminell oder„staatsfeindlich" betätigt hätten. Unter diesem Vorwand hat man z. P. auch einem Gerichtsberichterstatter und einem Zeichner der Müngenbcrg- presse die Ausweisung angekündigt. Ist ein solches Vorgehen immer brutal, bedroht es ddch di« Opfer mit dem Versuch ihrer Existenz, so erreicht es unmenschliche Grausamkeit, wenn es gegen hilflos« Menschen angewendet wird. Ein solcher Fall hat sttzt mit dem Selb st mord des Opfers seinen tödlichen Ausgang genommen Der Akt kann geschlossen werden. Wenn man zu einem Ausländer sagt, er müsse bis zum Jahresende Deutschland verlassen, so ist das eine Ausweisung. Nach der Türkei konnte Frau Wolkow nicht, sie hatte ja das Land wegen ihres Lungenleidens verlassen müssen. Ob ein anderes, für sie geeignetes Land sie ausgenommen hätte, mußte ihr als der Tochter des so vielverhaßten Leo Trotzki sehr fraglich erscheinen. Ihre Verzweiflungstat ist nur zu begreiflich. vle Ergebnisse des Fttnifatir- planes. Moskau, 12. Jänner.(Taß.) Das staatliche Planinstitut und die Zentralverwaltung der Volkswirtschaftsverrechnung veröffentlichen eine llebersicht der Gesamtproduktion der ersten Fünf- jahrplan-Periode. Die Industrieproduktion bezifferte sich im Jahre 1913 auf 10.25 Milliarden Rubel, umgerechnet auf die Preise der Jahre 1926/27, im Jahre- 1928 auf 13.66 Milliarden, 1932 auf 34.3 Milliarden Rubel oder 93.7 Pro- zerrt des Planes von 36.6 Milliarden. In der Schwerindustrie ergab sich 1928 eine Gesamtproduktion von 3.99 Milliarden Rubel, im Jahre 1932 dagegen 13.2 Milliarden oder 108.4 Prozent der planmäßig vorgeschriebenen 12.2 Milliarden. Demission der rumänischen Regierung. Bukarest, 12. Jänner. Die erwartete Ge- samtdemiffion des Kabinettes M a n i u ist heul« nachmittag erfolgt. Maniu erklärt« beim Verlassen des Palais, daß ihm der König nach Vorschlägen für die n«ue Regierung gefragt habe, worauf Maniu erwiderte, daß nur ein« Regierung auf Grund der bestehenden parlamentarischen Mehrheit, also eine nassonal-zaranistische Regierung gebildet werden könne. Das national- zaranistische Parteidirektorium hat Vajda- B o i v o d, der sich in Klausenburg befindet, nach Bukarest berufen. Es besteht große Wahrscheinlichkeit, daß Vajda mit der Bildung der neuen Regierung betraut wird. Belgien riegelt sich gegen Ausländer ab, die Arbeit suchen. Die belgischen Sicherheitsbehörden veröffentlichten für Ausländer eine Kundmachung folgenden Inhalts: Britische, italienische, japanische, portugiesische, schweizerisch«, schwedische, tschechoslowakische, spanische, norwegische, uruguahanische, finnische, isländische, kubanische, dänische, nordamerikanische Staatsangehörige und Angehörige aus den britischen Dominions und aus dem Fürstentum Lichtenstein müssen einen von ihrem Staate ausgestellten gültigen Paß haben, wenn sie nach Belgien einreisen wollen. Ganz unabhängig von diesen Bedingungen muß jeder Ausländer, der irgendeine Beschäftigung in Belgien sucht, ohne Ausnahme, bevor er die Grenzen des Königreiches Belgien überschreitet, im Besitze eines Ausweises (blauen Scheines) sein, der von der Polizeibehörde und von dem diplomatischen Vertreter oder von einem belgsschen Konsul, in dessen Juridiktion sich in der Heimatsgemeinde des betreffenden Ausländers befindet, unterfertigt ist. Di« lokalen Polizeibehörden erhielten Instruktionen, sorgfältig nachzuforschen und jen« Ausländer der öffentlichen Sicherheitsbehörde zur Disposi- sson zu stellen, die sich in Belgien ohne rechtsgültige Dokumente aufhalten.und besonders auf jene Ausländer zu achten, di« in Belgien irgendeine Beschäftigung ausüben, ohne daß sie hiezu berechtigt wären, da sie auf ungesetzliche Art den belgischen Staatsangehörigen Konkurrenz machen. Donawitz nimmt den Betrieb auf. In den ersten Jännertagen sind die kl«inen Walzwerke in Donawitz wieder in Betrieb genommen worden. Am Dienstag erfolgte nunmehr auch die Aufnahme der Arbeit im großen Walzwerk und im Stahlwerk. Der Hochofen sst jedoch noch imuier nicht in Betrieb. Seite 4 Freitag, 18. JDmer 1883. 14 rumiimM Bauern vom Schneesturm getötet Bukarest, 12. Jänner.(OR.) Die im ganzen Lande herrschenden heftigen Fröste und Schneestürme haben zahlreiche Opfer an Menschenleben gefordert. Erne Grupp« von vierzehn Bauern, die sich auf dem Heimwege von de» Bezirkswahle« befanden, wurden in einem Walde bei Ramieu Sarai von einem Schneesturme überrascht und später tot in den Schneewehen aufgefunden. Die Donau führt Eis. Der Eisenboi hu verkehr ist durch die Schneewehen stel- ke n weise unterbrochen. R QiiiiniiiiiiiiiiiiiiimiiiiiiiiiiiiiiitiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiniuiiiiiiiiiuiiiHiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiniiiinfliiiiiiiiiiiiiniiitniiuHiiiinKiiiiiiiniuiiuuitittiHiMiuiiiitiHiiiiRiiiiiiiiiiiiHnMiHiiiiiiiuniiiiuiiiiHniiiiiiiiHiiiHni Tagesneuigkeiten Betrunkener tschechischer Grenzbeamter schiebt und sticht um sich... ' Ein Zwischenfall an der böhmisch-sächsischen Grenze. Aus K a l l i ch im Erzgebirge wird uns gemeldet: Ein aufregender Zwischenfall trug sich dieser Tage an der Grenze bei Gabrielahütten- Rotenthal zu. Der in Brandau stationierte tschechische Finanzwachrespizieni Jauernik versah in volltrunkenem Zustand seinen Dienst und geriet, da di« Geister des Alkohols seine Schritte lenkten, über die Grenze auf sächsisches Gebiet, wo er, offenbar in der Meinung, noch auf böhmischem Boden zu stehen, insoferne eifrig „Dienst" tat, als er alle die Straße pasiierenden Automobile, Fuhrwerke und Fußgänger zur Ausweisleistung anhielt und sich in dieser seiner Tätigkeit auch nicht durch die heftigsten Proteste der Angehaltenen stören ließ. Schließlich sprach der sächsische Waldwärter Neubert aus Rotenthal gütlich auf Jauernik ein und erbot sich, ihn über die Grenze znrückzubegleiten, da das Verhalte« des Beamten bereits starke Unmutsäußerungen hervorgerufen hatte. Wirklich schien Jauernik einzusehen, daß es besser für ihn sei, den Schauplatz seiner wenig achtunggebietenden Betätigung zu verlassen, und er schritt an der Seite Neuberts der Grenze entgegen. Als die Grenzlinie schon fast erreicht war, zog der Beamte Plötzlich sein Bajonett und stach damit mit großer Wucht gegen den Waldwärter, der dem Tode nur dadurch entging, daß er geistesgegenwärtig zur Seite sprang. Trotzdem traf ihn der Stich in den Oberschenkel und verletzte ihn erheblich. Neubert vermochte sich vor dem sich 'wie rasend gebärdenden Beamten nicht anders zu retten, als daß er flüchtet«. Aber Jauernik riß das Gewehr herab und feuerte dem Da- voneilenden scharf nach, glücklicherweise ohne ihn zu treffen. Der Verwundete erstattet« von dem Vorfall die Anzeige, worauf sowohl von feiten der tschechoslowakischen als auch der reichsdeutschen Sicherheitsbehörden die Unter? fuchung an Ort und Stelle vorgenommen wurde. Si« endete mit der Verhaftung des Beamten Jauernik, der von der Kallicher Gendarmerie ins Görkauer Bezirksgericht eingeliefert wurde. Es braucht nicht erst hervorgehoben werden, daß das Verhalten Jauerniks im GvenUebiet außerordentliche Erregung ausgelöst hat und daß die Bevölkerung die exemplarische Bestrafung des für seinen verantwortungsvollen Dienst völlig ungeeignete» Beamten fordert. Gfa Fünftel der Sternberger Bevölkerung au Grippe erkrankt. Die gegenwärtige Grippe-Epidemie ist, wie unsere„Volksmacht" meldet, die größte,.die jemals in dieser Stadt zu verzeichnen war. Selbst die schwere Epidemie des Jahres 1929 brachte nicht so viel Erkrankungen. Am meisten sind die Kinder betroffen. Durchschnittlich sind etwa 10 Kinder aus jeder Schulklasse krank. Es gibt aber auch Schulklassen, wo mehrals die Hälft« der Kinder erkrankt sind. Aehnlich ist es mit den Lehrkräften. An allen Schulen kann man nur mit Schwierigkeit den normalen Unterricht aufrechterhalten, in vielen Fällen müssen Ssttitden entfallen, weil einfach keine Lehrkräfte zugeteilt werden können. Auch die Arbeite r s ch a f t ist schwer hermgesucht. Der Krankenstand ist auf mehr als das Doppelte des normalen Standes angestiegen. Glücklicherweise verläuft die Krankheit fast ausnahmslos günstig, nur in wenigen Fällen. bei älteren Personen, ist der Tod herbeigeführt worden. Bon einem Abstauen der Krankheit kann aber noch nicht gesprochen werden, im Gegenteil erfolgten anfangs dieser Woche die meisten Kranken Meldungen. Drei Menschen von einem fcheuenven P erd schwer verletzt. Ein ungewöhnliches Unglück hat sich Mtt- woch nachmittags in O l m ü tz ereignet. Der Schlitten des Bäckermeisters R c l n t c c I aus Brodek fuhr durch die Hanakstraße, als plötzlich das vorgespannte Pferd scheut« und durchging. Die Frau des Bäckermeisters, die im Schlitten saß, wurde in weitem Bogen herausgeschlendert, j kam jedoch ohne Verletzungen davon, ha sie auf den Schnee zu sitzen kam. Das Pferd riß sich inzwischen los und rast« in eine gevrde vorübermarschierende Militärabteilungdes 152. Artillcrieregimentes hinein. Während die übrigen Soldaten rechtzeitig auseinanderstoben, wurden zwei Soldaten vom Pferde niedergestoßen und so schwer verletzt, daß sic ins Kranknhaus gebracht werden mußten. Das Pferd raste aber noch weiter und stieß in der Nähe der Meierschen Lederfabrik einen Radfahrer nieder, der gleichfalls schwer verletzt ins Krankenhaus gebracht werden mußte. Erst weit außerhalb der Stadt in der Ort'chast Holitz gelang es, das scheu« Pferd' einzusangen. 8i« Mörder irrtümlich aus der Haft enllaffen. Im Gefängnis des M.-Ostrauer Kreisgerichtes befanden sich dieser Tage zwei Untersuchungshäftlinge gleichen Namens. Beide hießen Fran; Macura. Einer von ihnen stand wogen des Verbrechens des Mordes in Untersuchung und sollte in den nächsten Tagen nach Polen ausgeliefert werden. Der zweite Macura hatte nur ein kleines Delikt begangen und sollte aus der Untersuchungshaft entlassen werden. In diesem Sinne wurde auch von der Staatsanwaltschaft der Auftrag erteilt. An Stelle des Franz Macura, der wegen eines Keinen Deliktes in Untersuchung stand, wurde jedoch der Mörder Franz Macura entlassen. Nunmehr mußte der ganze Polizei- und Gendarmerieapparat ausgeboten werden, um di« Fahndung nach dem irrtümlich entlassenen Mörder aufzunehmen. Hie Brümier GeldiAscher verhaftet. Wir haben gestern berichtet, daß die Brünner Polizei in Königsfeld eine Falschmünzerwerkstätte entdeckte, in der Hundcrtkronennoten gefälscht wurden. Der Täter, der 20jährige Schriftenmaler B. Furüook, ist fest dem 9. d. M. aus Brünn verschwunden. Gestern früh erhielt die Brünner Polizeidirektion di« Nachricht, daß Juraöek in Munkaöevo in der Slowakei bei seinem Bruder Viktor verhaftet wurde. Auch sein Bruder wurde verhaftet, weil er im Verdacht steht, an den Fälschungen mitgeholfen zu haben. Bei Juröäek wurden mehrere Banknoten gefunden, die jedoch echt sind. Es besteht daher der Bedacht, daß er auf seiner Reise eine Anzahl falscher Roten verbreitet hat. Die Spielautomaten endgültig abgeschafft. Das Finanzministerium hat einen Erlaß herausgegeben, durch den die sofortige Abschaffung aller Spielautomaten angeordnet wird. Es ist gleichgültig, ob die Automaten Privatpersonen gehören, oder wohltätigen Zwecken dien«». Bestraft werden nach dem Erlaß nicht nur die B e s i tz e r der Spielautomaten, sondern auch die S p i e l e r»ach dem Gesällsstvasgesetz. Die Kontrollorgane der Gefällsämter werden nunmehr im Einvernehmen mit den Gewerbereferaten im Sinne des neuen Erlasses sofort all« Maßnahmen gegen die Spielautomaten treffen und für deren sofortige Abschaffung Sorge trogen. Einbruch in die Staubet Bezirkskrankenkasse. Aus Staab wird uns berichtet: In der hiesigen Bezirkskrankenkasie wurde in der Nacht auf Dienstag ein Einbruch verübt. Die Einbrecher gelangten von der Hinteren Seite des Gebäudes in die Kanzleien,, wo sie die dort befindliche Kassa erbrachen. In der Kassa befanden sich Wertpapiere, die sie zurückließen. Weiters war dort ern Betrag von 4200 Kronen aufbcwahrt, von welchem sie allerdings nur 570 Ks erbeuten konnten, da der andere Betrag sich tiefer in der Kassa befand. Der Schade» ist durch Versicherung gedeckt. Bon den Täfern fehlt bis jetzt jede Spur. Hamburg, 12. Jänner. Infolge starke» Nebels aus der Unterelbe und an der Küste ist gestern der Hapagdampser„N c w A o r auf Grund geraten und hat Hilf« augesordert. Bel Brunsbüttel stieß der amerikanisch« Dampfer „Liberty Glo“ mit dem deutsche« Dampfer „Rabat" zusammen. Beide Schiss« erlitte« beträchtliche Schäden. Der amerikanische Dampfer „Manhattan" mutzt« auf der Unterelb« vor Anker gehe«. * Marseille, 12. Jänner. Der griechisch« Dampfer i n u s s i o S" hat zehn Mellen nördlich vo« Cap Bon SOS-Ruf« ausgesendet. Kn Schiffsbrand. Paris, 12. Jänner. Aus Rio de Janeiro wird gemeldet, daß während des Aufenthalts in La Palmas in einer Kabine des großen Dampfers„H i gg la nd P a tr i ort" ein Brand ausgebrochen ist, höchstwahrscheinlich infolge eines Kurzschlusses. Der herbeigerufenen Feuerwehr gelang es, nach zweistündigen Löjcharbeiten, an denen sich auch die Besatzung beteiligte, den Brand zu lokalisieren uird zu l ö> ch e n. Schutzmaßuahmeu in Frankreich. Paris, 12. Jänner. Vor den Marineaus- 'chüsien von Kammer und Senat hat der Minister für die Handelsmarine Meyer Mittwoch die Der Schmock, sein Geschmack und sei« Geschäft. Elisabeth Bergner hat den Regisseur Pqul Csinner geheiratet, wovon beide kein Aufhebens machen wollten, weil es sich da erstens doch um eine rein private Angelegenheit handelt, dann weiter, weil sie Ruhe vor den journalistischen und nichtjournalistischen Schnüfflern haben wollten, vielleicht schließlich auch deshalb, weil Künstlerinnen manchmal die Gefahr einer Schädigung im Bekanntwerden einer solchen Verbindung furchten. Kurzum: die beiden wollten auch beim Heiraten unter sich bleiben und deshalb— dies und das Folgende erfährt man aus dem „Prager T a g b l a t t"— wichen sie beide den telephonischen Anfragen aus, die sie im Londoner Ritz-Hotel zu belästigen suchten. Sie eilten auch— berichtet das Tagblatt weiter— so schnell sie konnten vom Hotel zum Standesamt und zurück ins Hotel— dennoch sorgsam beobachtet von der Journaille» die sich solches weder in London noch in Prag oder Wien entgehen läßt. Das„Prager Tagblatt" schreibt wörtlich: Paul Cziuner und Elisabeth Bergner haben ihr Möglich st esget an, um diese in größter Hetze vorgenommen« Heirat geheimzuhalten. Selbst der Taxichauffeur hatte di« Weisung erhalten, nicht zu sagen, woher er komme. Auch die beiden Trauzeugen, di« vom Standesamt besorgt waren, verweigerten jede Auskunft mit der Begründung, daß es ihnen von dem Paar streng verboten worden sei, etwas auszusagen. Ader was hilft aller Wille zweier Menschen, ihr Privatleben privat zu gestalten, wenn es di« Schmocke anders haben wollen? Der Chauffeur, die Trauzeugen werden ausgefratschell urrd wenn auch das nichts Hilst, um die für Leser von Zeitungen ä la Taghlatt notwendige Sicherheit**;» erlangen, dann läßt sich ein solcher Schmock die letzte Mühe nicht verdrießen: Di« F e st st e I l u n g, daß es sich um Elisabeth Bergner und Paul Czinner handelte, konnte einwandfrei durch Einblick in das Standesamtsregister vorgenommen werden. Hätte der Beamte dort dem Preffeschlieferl den Einblick verweigert, dann wäre der sicher ins S ch l a f z i m m e r vorgedrungen; denn die Leser dieser Blätter sind vom Schmock zum Verständnis solcher Geschmacklosigkeiten erzogen und nun bestreitet er damit sein Geschäft: im redaktionellen Teil greift er mit seinen schmierigen Händen in die Privatsphäre interessierender Menschen, hinten folgt die Masiage. Da■ kommt man leicht beiderseits auf seine Rechnung. Das Tagblatt würzt sie noch, indem' es mstteilt, daß eine Schwester Czin- ners, deren Namen angeführt wird, in P r a.g lebt. So treten dunh das geschätzte Blatt nicht nur die Mischpoche und alle Be- kaimten der Prager Schwägerin in öffentliche Beziehungen zur Bergner, sondern jeder ver- trottel-re Taghlättleser gerät gewissermaßen zu ihr in ein intimeres Verhältnis mit Oeffenr- lichkcitscharakter, durch das«r sich in seiner Geltung gehoben fühlt. Und, davon lebt das ,,Prager Tagblatt"... Di« Soldatenselbstmorde. Aus Hust wird gemeldet: Der Soldat Iur 2 ak des Jnf.-Rog. Nr. 45 in Hust hat sich aus seinem Dicnstgcwehr in der Kaserne eine Kugel durch den Kops gejagt und blieb sofort tot liegen. Wie aus einem hinter- laflenen Abfchiedsschreiben hervorgeht, handelt es sich um unglückliche Lieb«. Die Toten mahnen! In der Gegend von Amiens sind 367 Leichen von Kriegsgefallenen gefunden worden. 49 deutsche und 90 stanzösische Kampfteilnchnrer konnten identifiziert werden. Maßnahmen bekanntgegeben, di« zum besieren Schutz der stanzösische« Pastagierdanrpfer gegen Feuersgefahr in Zukunft ergriffen werden sollen. Schisse mit mehr als 50 Passagieren an Bord müssen vor der Ausfahrt aus oem Hafen von einem Jeuerwehroffizier auf ihre Feuer- s i ch e r h e i t hin geprüft werden. Schiffe mit mehr als 250 Pastagieren müssen eine Feuerlöschmannschaft, gebildet aus Mitglieder» der Besatzung, an Bord haben. Die Verwendung von H o l z bei Einrichtung der Schfffe soll in Zukunft völlig Wegfällen. Eventuelle Holzvev- kleidnngen müssen durch Asb est isoliert werden. Di« Verwendung von Stoffbespannun- n u n g e n und Teppichen soll jo erfolgen, daß dieses Material durch einen chemischen Prozeß möglichst schwer brennbar gemacht wird. Di« Kommandobrücke und die Funkerstation müssen ans Metall gebaut sei». Sii von einander unabhängige Funkstationen an Bord von Pafsagierschiffen von mehr als 10.000 Tonnen vorgesehen. Die elektrischen Kabel sollen bester isoliert werden. Die meisten dieser Dlaßnahmen sollen innerhalb der nächsten sechs Monat« durchgcführt werden. Die Toten der„Riobe". Kiel, 12. Jänner. Don dänischen Fischer» wurden in der Nähe der Untergangsstelle der „Nwbe"d r e i T o t e geborgen, bei denen es sich wiederum nm Opfer der„Niobe" handeln dürfte. Nr. II. Vom Rundfunk Arbeiterkinder im Rundfunk. Aus der Arbeitersängerbewegung. Seit dem Bestehen des Rundfunks haben fick unsere Kulturorganisationen bemüht, auch Bock träge und gesangliche Darbietungen, di« un'rrch Tendenzen entsprechen, durch den Aether in die Wost mingen der Arbeiter zu senden. Leider besteh: sÄ die Arbeitersendungen nicht di« Freiheit in Mi Maße, wie sie einer archeren Schicht von Menschck gewährt wird. Es können sich daher die Bottra- und Veranstaltungen der Avbeiterorganisatiouen n« im beschränkten Rahmen bewegen, was selbstverstätzck lich noch hemmend im Ausbau der Arbeiterprogramück wirken muß. Holland ist wohl das einzige Land m Europa, welches in dieser Hinsicht den Arbeitern voln Freiheit gewährt und vielen Rundfunkhörern dürsq ja auch der holländische Arbeiiersender bekannt sei« — Nichts seltenes mehr sind die Konzerte Lü Arbeitersänger im Rundfunk. So kann man M öfteren Chorkonzerte von Oesterreich, Deutschlack und anderwärts hören. Aber nicht nur, daß di« Cho« Vereinigungen der Erwachsenen Gelegenheit habe» vor das Mikrophon ju treten, ist es auch n:ch!« seltenes mehr, daß wir Kinder in ihren gesangliche» Leistungen bewundern dürfen, die Anregung gebrS allerorts den Kinderchorgesang«inznführen, wck ganz besonders auf das Seelenleben dieser Klein« von großer Bedeutung ist und zur geistigen HöhÄ eniwicklung sehr viel beiträgt. Alle sangesfreudigck Menschen mögen sich Nachstehendes besonders in Bo? merk nehmen: Der Kinderchor des Berliner Ballt chors wurde von der Deutschen Welle(Prof. Mcft mann) für eine zyklische Sendung:„Zeitgenössisch Spielnmsik, einführende Worte: Prof. Mersmant Deutsche Welle, angefordert. 18. Jänner, 16.00 bis 16.46 Uhr, Paul Höffer: Das schwarze Schck Matrosenspiel, Johann, der muntere Serfensiedcl (Am Klavier: Der Komponist.) 28. Jännerr, Pa» Dessau: Das Eisenbahnspiel, Tadel der Unzuverlässig teil, Paul Hindemith: Wir bauen eine Stadt.(Samt siche sechs Spiel« wurden von Robert Seitz gedichtet 12. Feber: Hans Großmann: Was wollen wir wc» den?(R..A. Stenrmle.) Musikalische Leitung: Walt^ Hänel. Textbücher und Klavierauszüge billig duck den Deutschen Arbeitersängerbund in Berlin. M-.1 Empfehlenswertes aus den Programms Samstag. Prag: 6.15: Gymnastik, 11: Schallplatten, l.j.zö Deutsche Sen du ug: Oberschall: Der Win»» Wanderer, 20: Kabarett.— Brün«: 1LL0: Orches»? konzen, 18.25: Schrammelkonzert, 21: Tanzmusik — Prcßburg: 16.10: Orchesterkonzert, 19.20: Hla« mnsik.— Berlin: 16: Orchesterkonzert— Bresla» 18.45: Beliebt« Ouvertüren.— Mühlacker: ,19.# Mandolinenkonzert.— Hamburg: 19.30: Die(£ao* dien Harmomsts fingen.— Königsberg: 21,ft Blasmusik. Leipzig: 19: Chorkonzert.— Mitt chen: 20:' Ter Gräf von Luxemburg.'Wi«s 18.10:. Fasching in Wie», 20.15: DaS Boheir' .Quartett. 25-H«llerstück«. Mit Rücksicht auf den Ma» gel an Fünfhellerstücken— es wurden bisher iiü gesamt 96 Millionen Fünfhellerstücke geprägt werden im Laufe von drei Monaten die ncu§ 25-Hellerstücke in den Umlauf gesetzt werden, v» deren Prägung in der staatlichen Münze bereit begonnen wurde. Sechs Kinder beim Eisläufen in Lebeu-P fahr:«in Kind ertrunken. Aus K a s ch a u wp gemeldet: In Karpfen lief eine Gruppe von Äck dern auf dem Eise des Baches. Unter Straßenbrücke, wo ixe Eisdecke dünner uw brachen sechs Kinder ein. Fünf von ihnen tonpis! mit schwerer Mühe gerettet werden, das sechst« H ertmnken und konnte nnrmehr als Leiche gebe! gen werden. Beim Rodeln tödlich verunglückt. In V Ortschaft Zuflucht fuhr der achtjährige Schält Mbert Rascher gemeinsam mit feinem Stiefba» auf einem lenkbaren Rodelschlitten. In ent* Kurve versagte die Lenkvorrichtung und Schlitten fuhr gegen einen Stein. Hiebei crft der Knabe so schwere innere Verletzungen, dt er bald darauf starb. Daubmann verurteilt. In dem Prozt gegen den Schneider Hummel aus OffenbÄ alias Daubmann, wurde der Angeklagte zu zw* ctnhalb Jahren Gefängnis und fünf Jahck Ehrverlust verurteilt. Zwei Monate Unt»t suchungshafk Weichen ihm angerechnet. Di« Gültigkeit der JubiläumSbrtefmarke« ck hem Bildnis Dr. Miroslav Tyrs» wird bis zur pck kommenen Erschöpfung der Vorräte an dickt Marken verlängert. Rauchverbot tu de« Gängen von Eisti>b«p wage«. Durch ein« Verordnung des EisenboN minlsterlinns wird aus GcsundheitS. und Sichlt heitsgründen mit sofortiger Gültigkeit das RauiV in den Gängen jener Eisenbahnwaggons verhol in welchen sich Nichtraucherabteil« befinden. Zcfät diese Wagen nicht schon außen als Nichtrauch^ Waggons bezeichnet sind, werden in dm GänN Tafeln mit der Aufschrift:„Rauchet nicht in diejs Gang!" angebracht werden. Die Ucbertretung bR* Vorschrift wird mit 5 K bestraft. Braudstistung. Wie uns aus Udwitz bei Gck kau berichtet wird, geriet dort w^rend der Ra» stunden die dem Landwirte Josef Gaube gehörl Scheune in Brand, tvobei das Gebäude samt darin lagernden Strohvorräten. und zahlr«!^ landwirtschaftliche» Geräten den Flammen$ Opfer fielen. Die von der Gendarmerie ausgeiÄ menen Erhebungen ergaben den Verdacht vert» cherischer Brandlegung aus Rache, weshalb' Nachforschungen in dieser Richtung fortgcjö werde». uuniiiiiiiiiniiiiiiiiiii!iiiiiuiiiiiiiiniiiiiiHui]iKiiiiniiinitiiuiiiiiRniiii{t)nifflii(iniiiiinniiiiminiiiinii)iiiyiiiiiniiiijin}iiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiniii.tiiiiiiiiiuiiHiiHiRiinuuiniiiiiiiiiitiiiiiHHiiiuiuinniiiiiiflu Schiffe im Rebel. Aufgefahre«— zusammeugestoben. ! s I 1 < i i < l j i r i t I t ? t r r t r d t 3 a d d 1 b d b b a h Ä U 2 k, n ri r 2 u d f d i b tz tz k, kj » t c v S u $ d d « 'tl 5 x e r i 1 I i i j r tz r s I i l Nr. 11 Freitag, 13. Jänner 1933. Seite 8 Der falsche Professor. Der Geniestreich des Berliner Mdiionenbetragers Norman-Lewin, wechseitäischungen und wissenschaftliche Vorlesungen... Verhaftete Geldfälscher. Berlin, IS. Jänner. Beamte der Falschgeld- stelle verhafteten heule drei Mitglieder einer gefährlichen Falschmünzerbandc, die seit mehr als einem Jahr große Mengen geschickt gefälschter 2 Mark-Stücke gebracht hatten. Der Führer der Bande, rin 27jahrigcr Ingenieur, namens Urban, ist geflüchtet. Dre Fälscher hatte sich im Norden Berlins in einen fast leerstehenden Fabriksgebäude die erste Etage im dritten Hof gemietet. Aus ihren Geständnissen ergab sich, daß sie mehr als 2000 falsche 2 Mark-Stücke in drei großen Konservenbüchsen in Stahn.dorf und in Köpenick im Walde vergraben hatten. Dieser Schatz der Geldfälscher ist von der Polizei ausgegraben und beschlagnahmt worden. Sin«euer Bmerikaflug. Paris, 12. Jänner. Zu einem Etappcnflug nach Amerika ist heute vormittag 10 Uhr von dem Marseiller Flugplatz Jstres aus das dreimotorige französische Flugzeug„Arc-en-Ciel" (Regenbogen) mit einer siedenköpfigcn Besatzung unter Führung des bekannten Fliegers Mer- moz aufgestiegcn. Telephonwirtschast in der Tschechoslowakei... Einem an unsere Großeinkaufsgesellschaft in Prag gerichteten Briefe eines Schluckenauer Ber- Iveters sind folgende Tatsachen zu entnehmen: Der Schluckenauer Vertreter konnte am 5. Jänner eine telephonische Verständigung mit der Ger nicht ermöglichen, weil die Leitung zwischen Schluckenau und Prag gestört war; am 6. Jänner war diese Verständigung immer noch nicht möglich und das Telephongespräch mußte über Tetschen geleitet werden; am Nachmittag desselben Tages war von Schluckenau aus wiederum keine telephonische Verbindung mit Aussig zu erhalten, äußerem war aber selbst am Nachmittag des 6. Jänner noch immer die Telephonleitung Schluckenau-Prag und nun auch die Leitung Tetschen.Aussig nicht in Ordnung. Am 7. Jänner schließlich, also am dritten Tage, war immer noch die direkte Leitung Schluckenau- Prag gestört und außerdem weiterhin auch di« Leitung über Tetschen-Aussig.— Mit Recht wird die Ausrage gestellt, wie es denn möglich sei, daß es mindestens drei Tage dauert, ehe solche Störungen beseitigt werden; und auch der Hinweis darauf erscheint uns als vollkommen gerechtfertigt, daß nämlich hundert« Menschen, die zu solchen Arbeiten herangezogen werden könnten, arbeitslos sind, so daß man also, indem man vflichtgemäß für eine reibungslose Abwicklung des telephonischen Verkehrs Sorge trüge, auch gleichzeitig arbeitslosen Menschen Arbeit und Brot schassen könnte. Man darf Wohl verlangen, daß sich die Postdirektion in Prag und das TelegrapH en.bg na mi. urlReichen, berg zu diesen Beschwerden äußern. Di«„Fenrrbrstattun-Skassa proletarisch«: Freidenker" in der 6.S.R., Aussig, Bahnhofplotz 1, di« aus ein« zehnjährige Tätigkeit zurückblicken kann, hat aus ihrer letzten Hauptversammlung di« Aenderung ihres bisherigen Titels beschlosien; er lautet nun„BolkSf«uerb«stattungSkassa". Tie Feuerbestattungsbewegnng hat in den letzten Jahren auch in der Tschechoslowakei groß« Fortschritt« erzielt, di« vor all«m in der Errichtung neuer Krematorien— vor kurzem wurde bekanntlich in Olmüh die zehnt« Feuerhall« dieses Staates der! Oessentlichkeit übergeben— ihren Ausdruck finden Daß di« I«u«rbestattung wegen ihrer Vorzüge auch unter der Arbeiterschaft^ihlrriche Anhänger grfun- den Hal, ist selbstverständlich; sie sind in der..Volks, feuerbestattungskassa" organisiert. Dir wir hörens veranstaltet dieser Verein anläßlich seine» zehn, jährigen Bestandes eine Derbeaktton. di« der Feuer- btstattuna ein« groß« Zahl neuer Freunde schaffen soll. Gibt«S«in« slowakisch« Stenographie? In der Budgetdebatte beklagt« sich gestern der stowakische VolkSparteiler Dr. Prulinsty, daß«S im Parlament keinen Stenographen, der slowakisch stenographieren könne, so daß die slowakischen Abgeordneten ihre RÄ)en in sprachlicher Hinsicht selbst korrigieren müßt«». Hiebei Knuten Aveifei entstehen, ob derartig« Korrektur«» unter die Immunität fallen; er müsse daher darauf beharren, daß ein iwivakiicher Stenograph angestellt werbe. Auch durch den Hinweis, daß ein Stenographieshstem für di« siowaki.chc Sprache überhaupt nicht existiere, ließ sich der Redner picht stören: er erklärt, daß daun eben di« stenographisch« Kanzlei der Nationalversammlung als wissenschaftlich« Institution berufen sei, di« Initiative zur Schaffung einer eigenen slowakischen Stenographie zu ergreifen. Lieber revoltieren als Alimente zahlen! In Weißencgg ist Oststeiermark war bei dem dortigen reichen Bohrern Franz Tegelhofer, der sich weigerte, private und Alimentationsschulden zu bezahlen, di« Exekution von drei Stück Vieh angeordnet. Bor der Exekution fand auf seinem Gute eine Versammlung der dortigen Bauern statt, in welcher unter, dem Eindrücke der Ereignisse in Vorau beschlossen wurde, die bevorstehende Exekution mit Gewalt zu vereiteln. Die Bauern bewaffneten sich mit Gewehren und Sensen und erwarteten so die Ankunft der Amis- orgone. Di«f« jedoch fanden sich nicht ein, da die Versteigerung im letzten Augenblick abgesagt worben war. Ranbübrrfall. Am Montag-Mittag wurde der Kossenbote eiltet Zigarettenfabrik in Ber- lin-O. im Eingang des Fabriksgebäudes von Zwei jungen Burschen überfallen und ange« schossen. Der Kafftnbote erlitt schwere Verletzungen in der Brust und im Oberschenkel, besaß jedeck'. bevor«r zusammenbrach noch die straft und Geistesgegenwart, di« Tür zum an In Cambridge(Massachusetts, USA) wutt>e nach eingehender Beobachtung der Professor der Volkswirtschafti« schlechten Tage". Wenn diese schlechten Tage bei Schulkindern gehäuft auftreten—> und das ist leider viel öfter der Fall, als man gemeinhin annimmt—, so können sic ein schweres Hindernis für die Erziehung bilden. Disziplinwidrigkeiten reihen sich da unter Umständen aneinander, und eS wird seicht der Schluß auf einen dauernd boshaften und niederträchtigen Charakter gezogen. Der Arzt kann hier nicht helfen; ein innerlicher Vorgang findet seinen natürlichen Verlauf, der keiner Beeinflussung zugänglich ist., Dir Ver» anlagnng zu anfallsweiser grundloser Traurigkeit ist eine Krankheit, ein Schicksal» das hingenommen werden muß. Rur durch Aufllärung kann der Arzt sich äußerst nützlich erweisen, indem er mit den Kindern übe: ihren Zustand spricht und sie ermahnt, an solchen Tagen möglichst wenig zu unternehm««, allen Auseinaitderfehungen mit Lehrern oder Kameraden auSznweichen,— bei schlimmsten Graden der Verstimmung lieber im Bette zu bleiben, da man dort ja am wenigsten Unheil anrichten kann. Dor allem aber muß der Arzt die Erzieher, Eltern und(Geschwister dieser unglücklichen Kinder aufklären, damit jene auf die „schlechten Tage" di« arößttnöglichste Rücksicht nehmen und die kleinen Patienten— denn um solche handelt«s sich ja im Grund«— mit Liebe und Verständnis behandeln, ihnen jeden'Drein deS Anstoßes aus dem Wege räumen, Es soll hier nicht der Unerzogenheit und Unbeherrschtheit eigeirsinnl- ger Kinder das Wort geredet werden, verzärtelter Kinder, die ihre Wut und ihretr Aerger mit Vorliebe an ihrer Umgebung auSlassen. Nur Unheil 'oll verhütet und das Schicksal jener Kinder«r- leichterr werden, di« eine-unglückselige Veranlagung zu grundloser Verstimmung und Reizbarkeit als ein Erbübel aus die Welt mitgebrachl haben und denen ihr Schicksal durch Güte und Verständnis d«r Hingebung>o lehr erleichtert wer- >>n konnte, Dr. Lily Herzberg. Seite 8 „Sozialdemokrat" Freitag, 18. Jänner 1838. Nr. II. UNSkKEN KINDERN I BEI FROST- UND PLANSCHWETTER I Warm« Kinder-Hausschuhe. Für Damen und Herren Kc 12.— Jänner und Feber sind für die Gesundheit die gefährlichsten Monate. Schutzen Sie Ihre Gesundheit- tragen Sie warme Schuhe I Warme, billige und bequeme Winterschuhe. Gr. 27-34 Kc 19.-, für Frauen K2 25.-. für Herren KL 29 Grüsse 23-26 1 Gr. 19-26. Warme Hausschuhe. Gr. 27-34 Kc 12.-, für Damen Kc 25-, für Herren Kc 29.- Warm gefütterte Herren-Gabardine-Oberschuhe mit Gummisohle und Gummibesatz. Leichte Überschuhe aus wasserundurchlässigem Gabardine, warm gefuttert. Besatz aus schwarz lackiertem Gummi, Gummisohle. In jeder unserer Verkaufsstellen können Sie die ermässigten Mo- delle unverbindlich anprobieren. Besichtigen Sie unsere Schaufenster! Besuchen Sie uns! Braun oder schwarz lackierte Ganzgummi-Oberschuhe, mit warmem Trikot- futter. * 15- Schwarz lackierte Ganzgummi- Oberschuhe, warm gefüttert. Gr. 23-26 KL 9-, 27-34 KL 15.- DAHEIM I PRAGER Noch immer keine Besserung der Zustände an der deutschen zahn- iirztiicheu Klinik. Macht endlich Ordnung! Am 24. Dezember 1932 beschäftigten wir UNS an dieser Stelle mit den recht sonderbaren Verhältnissen an der Prager deutschen zahnärztlichen Klinik und forderten schleunigste Beseitigung der Mißstände. Es ist seither, wie wir feststellen konnten, nicht besser, sondern eher schlechter geworden. Immer noch regiert der derzeitige provisorische Leiter dieser Klinik Herr Dr. Wagner mit der Methode, die alles andere denn akademische Freiheit vermuten läßt und schädigt dadurch den Ruf einer deutschen Lehr, statte, um deren Bestand nicht er, sondern andere kämpfen müssen. Nach wie vor haben die an der Klinik tätigen Assistenten keine Möglichkeit ihre Wünsche und Beschwerden an irgend einer Stelle zum Ausdruck zu bringen. Es ist noch immer verboten, daß sich die Aerzte der Klinik an den provisorischen Vorstand wenden, wenn sie irgend eine Klage vorzubringen haben. Tut es einer der Aerzte dennoch, dann mirb er trotz seinem, vom Schulministerium ausgestellten Dekret, auf der Stelle-— nicht vielleicht entlassen, sondern— hinausgeworfen! Zwei Assistenten wurden von diesem Schicksal bereits ereilt, den übrigen droht es. Was ist das für ein Zustand? Jeder Soldat muß zum Rapport. zugelassen werden, jeder Zuchthäusler darf einer vorgesetzten Behörde seine Beschwerden vorbringen; auf der zahnärzt. lichen deutschen Klinik in Prag, wird es Akademikern verwehrt, auch dann,- wenn ihnen Unrecht geschieht, an eine höhere Stelle zu appellieren. Diese Tatsache ist geradezu absurd. Wir fordern deshalb strenge Untersuchung der Ursachen der bereits vorgenommenen Entlassungen von Aerzten an dieser Klinik und entsprechende Maßregeln, welche eine Wiederholung ähnlicher Vorfälle unmöglich machen! Schließlich leiven unter diesen Verhältnisse» die Patienten, denn an Stelle der hinausgeworfenen Aerzte treten Studenten, die trotz gutem Willen em vollwertiger Ersatz für die Aerzte nicht sind. Wieso kommt es, daß die Assistenzärzte trotz ihrer durch Dekret bescheinigten Anstellung, ohne für ihre Leistungen auch nur einen Hcllxr zu bekommen, noch Zahlungen, die früher 300 Usid jetzt 200 XL pro Monat betragen, leisten müssen, obzwar sie Instrumente und das übrige Material selbst beistellen. Die von den Assistenzärzten geforderten Leistungen machen es unbe- girierten Aerzten nahezu unmöglich ihre Ausbildung an der Klinik fvrtzüsctzen. Man stelle sich doch vor, daß ein Arzt nach Beendigung seiner Studien immer noch ohne Entgcld zu arbeiten gezwungen ist, ja auch die Instrumente und anderes Material für seine Tätigkeit beistellen muß und obendrein noch ein Lehrgeld bezahlen soll. Die Klinik ist eine Lehr- und Forschungsstätte aber kein Geschäft. Wieso kann es der derzeitige Leit.': der Klinik wagen, den Aerzten die er von orr Klinik entfernt hat, auch zu verbieten im Krankhe.tsfallc die Hilfe der Klinik in Anspruch zu nehmen? Weiß er denn nicht, daß nicht der Leiter, sondern die Landes- und Staatsbehörden einzig und allein darüber entscheiden, für wen die Behandlung auf der Klinik in Frag« konimt? Wenn ihm das unbekannt ist, dann soll er•"'h darüber belehren lassen, daß auch der kranke Arzt ein Mensch und ZEITUNG. der Behandlung auf der Klinik würdig ist. Es kommt dabei gar nicht darauf an, ob dre Patienten dem Leiter der Klinik angenehm sind oder nicht. Er leistet hier nicht Freundschafts- sondern ärztliche Dienste. Das nur eine kleine Auslese von den vielen unangenehmen Dingen, die an der zahnärztlichen Klinik zu verzeichnen sind. Hoffen»vir. daß zum letzten Mal darüber geschrieben werden muß. Sonst müßten wir uns eingehender mit den einzelnen Fragen beschäftigen und das möchten ivir im Interesse der ernsten Sendung unserer deutsche» Kliniken gerne vermeiden. Der Motor.AnsflugS-Souberzng ins Riesengebirge ist bereits sichergepellt sind geht am S a m S« l a g um 18.28 Uhr von Prag-Wilfonbahichof ab. An- mewungen bei der Kassa Nr. 13 am Prager Masartzk- oahnhof. Fahrkartenausgabe am Samstag vormittag. D«r Preis beträgt ohne Verpflegung nur mit Auto- ousfahrt 85 K, mit Verpflegung, Nachtlager, Drahtseilbahn ufw. 108 K. Dieser Zug kehrt am Sonntag abends 22.30 Uhr nach Prag zurück.— Die SlaatS- bahndirektion in Prag teilt Weiser mit, daß die Exkursion in di« Hohe Tatra in den Tagen vom 14. bis 23. d. M. gesichert erscheint. Abfahrt von Prag-Wilsonlbahnhof am 14. d. M um 20.58 Uhr mit dem fahrplanmäßigen Schnellzug Nr. 2, Rückkehr nach Prag am 23. Jänner um 8 Uhr. Exkursionspreis von Prag-Wilsonbahnhof 536 K, ab Pardubitz 525 K, ab Böhm.-Trübau 516 K, ab Prerau 500 K. Fahrkartenausgabe am 14. d. M beim Kassenschalter Nr. 13 am Masarykbahnhof in Prag von 9—18 Uhr. Geriditssaal KWcrin und Kerzenweib. Ein Raushandrl zur höhere« Ehre Gottes. Prag, 12. Jänner. Hinter Frömmelei, Knie- rurschen und Augenverdrehen verbirgt sich bekanntlich oft genug ein recht unheiliges Gemüt und eine sehr unchristl'.che Seele Diese kleine Bezirksgerichtsverhandlung lieferte wieder einmal eine nette Illustration zu dieser alten Erfahrung. In einer kleinen Kirche bei Prag, die einem Mönchsorden gehört, ist ein altes Kerzen- weiblein sozusagen angestellr, d. h. sie hat die Kirch« aufzuräumen, den Altar instand zu halten u. itzt., wofür si« freies Quartier hat. Das 71 jährige „Fräulein"(sic legt Wert auf diese Titulatur) lebt mit der 56jährigen Frau des K i r ch e n d i c n e r s in Unfrieden. Eines Abends im vergangenen Herbst erschien nün die Frau Küsterin in der Kirche, wo das Kerzenweibl gerade damit beschäftigt war, den Altar für einen Feiertag aufzuputzen, und stellt« zwei Blumentöpfe mit prächtig blühenden Gewächsen auf den Altar. Und zwar ganzindenVorder- gründ. Das Kerzenweibl wurmte das mächtig. Der liebe Gott sieht zwar überall hin, aber immerhin— so unverschämt vorzud rängen brauchte sich di« Küsterin mir.- ihren Weihgeschenken denn doch nicht Sie schob also befugt« Altarschmückerin die Blumen- öpfe ist den Hintergrund, damit sie hinter s«m sonstigen Zierat verschwinden sollten. Die Küsterin zog sie wieder nach vorn, das Kerzenweibl '«hob sie wieder nach rückwärts. So gings ein« Weile hin und her und schließlich gerieten di« Mundwerke n Gang. Uebrigens in sehr unflätiger Weis«(„Sau" ufw.). Schließlich erklärte das 71jährig« Fräulein, sie würde die Blumentöpfe lieber zerschlagen, als an so sichtbarer Stell« stehen lassen. Gleich darauf ließ sie di« Tat folgen. Di« Blumentöpfe zerschmet- «rtcn an den Altarstufen. Dann bewies die Alte ihr« Rüstigkeit, indem si« der Küsterin das Auge blau schlug. Diese packte die Gegnerin beim Haar und schleift« sie zur Tür. Dort landete eine mit O e l für di« ewige Lampe gefüllt« Sodawasserflasch«„irgendwie' am Kopf der Küsterin. Wie das geschah, darüber will sich daS Kerzenweibl nicht gern äußern. Jedenfalls tiefe» nach beendeter Schlacht die beiden frommen Seelen zum Arzt, der ihnen beiden leichte körperlich« Verletzungen bescheinigte. Und dann gings, heidi, auf di« Polizei. Bor Gericht merkten sie allerdings, daß sie sich gegenseitig eine üble Suppe eingebrockt hatten und daß ihnen beiden Strafe drohte. Sie verziehen.einander daher unter bußfertigen Tränen und ihre Aussagen. klangen so milde, daß der lächelnde Richter schließlich zwei Freisprüche fällte. rd. „Montagsblatt" und„Polini List". Zu unserem gestrigen Bericht unter diesem Titel werden wir um di« Feststellung ersucht, daß es sich um zwei ganz selbständige Klagen gegen ein und denselben Angeklagten handelt. Aus diesem Grunde wurden di« beiden Prozesse auf Beschluß des Richters von amtswegen vereinigt, was in dieser Art Fällen gerichtsübliche Praxis ist. Unrichtig ist auch di« Behauptung, daß sich die beiden Kläger von«inem einzigen Anwalt bei der Hauptverhandlung vertreten ließen. Das„Prager Montagsblatt" war vom Substituten des Dr. Erich Schick, Dr. Budlovfly, der „Poledni List" vom Substituten des Dr. HaAover, Dr. A Buddens, vertreten. Auf diei« NamenSähulichkeir ist die Berwechflung unseres Referent«» zurückzuführen. Kunst und Wissen VI. Arbeiter-Borstellung. Sonntag, den 2 s Jänner, um halb 3 Uhr nachmittags im Neuen Deutschen-Theater Ernst To Ilers Justizstück„Di« blind« Göttin". Spielplan des Neue« deutsche» Theaters. Freitag, 8 Uhr:„Hokuspokus"(D2). Samstag, halb 8 Uhr:,„Hoffmanns Erzählungen"(A 1). Spielplan der Kleiurn Bühne. Freitag, 8 Uhr: „Susannens Geheimnis',„Rosenkava. lier-Dalzer",„Brüderlrin fein"(Kultur- verbandsfreunde).— Samstag, 8 Uhr:„E in Held gesucht". Spori«Spiel* Küraerplleae Die Spiele uw di« Krelsfußballmeisterschaften des Arbeiter-Turn- und Sportbuudes Deutschland sind am vergangenen Sonntag trotz ungünstigem Wetter ausgetragen worden. Zum Teil fielen sehr wichtig« Entscheidungen. Spannende Spiel« gab«S bei den ersten AuSscheidungest um di« Sachsen- m c i st e r s ch a f t. Es spielten BfK. Südwest Leipzig gegen Freiheit Taura 3:2, DBB. Dresden gegen VfR. Löbau. 4 2. Niederhaßlau gegen Corso Glauchau, Gornsdorf gegen Raschau(Vogtland) 5:2. Di« Verlierer sind aus dem Wettbewerb ausgeschieden, wie auch die von de» nachstehenden Ergebnissen der ersten Spiel« in Baden-Pfalz: Neckarau gegen Saarbrücken 3:1, Klub Ludwigshafen gegen Bahn- cheim 3:1, Hagsfcld gegen Rheinfelden 2:1.— Das Vorspiel um die schl«sische M«i st e r s ch a f t zwischen Falke Breslau und Falk« Goldberg endete i 3:3(3:2).— Im Kreis Provinz Sachsen--! Anhalt-Braunschweig sielen di« Entscheidungen um di« Teilnahmeber«chtigung am Schluß-1 Piel. Fortuna Magdeburg-Barl eben sicherte sie- sich j durch einen 3:2(0:2)-Si«g über Fr. T. Aschers-I leiben. Gräfenhainichen schlug Altdorf 6:2, dadurch 1 wurde Bernburg Enirpielgegner.— Die Borentschei-i düngen in Brandenburg-Berkin brächten^ folgend« Sieg«: Adler 08 Berlin gegen Britz 25 5:2,. Hertha Luckenwalde gegen Nowawes 04 2:1. Durch; Losentscheidung ist Adler 08 Berlin Endspielgegncrl geworden. Luckenwalde hat die Zwischenrunde zu bestreiten.— Im Kreis H es s« n- M i tt e l rh« i n I begann di« Runde der vier letzten Anwärter. ESI spielten: Nauheim gegen Bobenheim 4:3, Ditzenbach' gegen Bornheim 2:0. Atus Prag hielt am Mittwoch«ine M i t g l i e-< d« rv e r sa m m lung im Hotel„Monopol" ab, dief leider«inen schwachen Besuch auftvixs. Nach den Be- i rich:«n der«ingelnen Funktionäre sprach Genoss«! Karl Kern über daS Thema„Probleme der Ju-1 gend" in ausführlicher Weise und fand eine aufmerk- s iam« Zuhörerschaft, di« ihn am Schlüsse mit herz-; lichem Beifall dankt«. Nach Schluß der Bersamm-^ lung hielt«ine gemütliche Unterhaltung die Anw ölen- f den in angeregter Stimmung noch lauge beisammen. Literatur Karl Elster: Der Rubel beim Ausbau des Sozialismus. Zum heutigen Stande der Sowjet Wäh 4 rung. Jena, Verlag von Gustav Fischer.— Ter größere Teil des Werkes ist der Darstellung drc allgemeinen wirtschaftlichen Entwicklung der S"iv- j jetunion gewidmet, die Währungsfrage selbst wird nur auf 42 von insgesamt 109 Seiten behandelt. Dabei wird das JnformationSbedürfnis des Leders nicht gestillt. So erfährt man aus dem Buche ntat einmal, wie viel Papiergeld nach dem Fünfjahresplan jedes Jahr ausgegeben werden sollte'und wre viel tatsächlich ausgegcben wurde. Das hat der Autor, der wie ein Offiziosus schreibt, vermutlich deswegen nicht getan, weil er der Kritik der russi-r scheu Währungspolitik keine Handhabe bieten wollt«. So legt man das Buch, das eine Tendenzschrist ist, unbefriedigt aus der Hand. E. St s ! KINO-PROGRAMM| S vom IX Jlnner bis 19. Jfinner 1933. Wran-Urania-Ktao QanSe-■'eutsdie ,rcrtioo mir ckrlak Ni I# 8W/\ 11 1980 bewilligt Hezugsved ngungeu Bei Zustellung ins Haus»der bei Bezug durch die Bost monatlich Ki 16.- vierteljährlich Ü hätdiatzri- L- Lauzta-rt« IU UL,--«— AHerarr werde» uriu Lartj dtüttz- dttechuet» Bet äfteuu BurtchaUunge» Preis»achlatz,— Hiückfteüu»- do» KanuprtpteH srjolgt nur del Sinjesduug der Rerourroarte»,