Mzelprels 70 Heller. 13. Jahrgang. Mittwoch, 25 Jänner 1933 Nr 21. Erscheint mit Ausnahme des Montag tügUch früh. «»»trtMftrog: Brog IL, ÄrM*anro 18. ♦ Xelrp&oti: 26703. 31469*(Olatrr6nttion): 26797* voM; 37344 W? schloß * Bevöl- bcun- Eln Nadiwahlsleö der französischen Sozialisten. Pie sozialistische Fraktion im Pariser Parlament bat am Sonntag einen Sitz gewonnen. Bei einer Neuwahl, dje wegen krassen Wahlschwindels her bürgerlichen Parteien bei her Hauptwahl vorgenonnneN werden mußte, siegte der Sozialist Uhry'nift 5897 StintMen gegen 5K27 Stimmen. Ergebnislose Sache In Wien. Wien, 24. Jänner. Bei der Wiener Polizeidirektion ist bereits am gestrigen Tage ein Radiogramm der Brünner Sicherheitsbehorde mit dem Ersuchen eingelangt, nach dem Führer des Ueber- falls auf die Brünner Kaserne, Ladislaus Kob- zinek, zu fahnden, da der Verdacht besteht, er habe sich auf seiner Flucht nach Wien gewendet. Hierzu!vird den Wiener Blättern von der Wiener Polizeidirektion mitgeteilt: Auf allen Wiener Bahnhöfen, in den Hotels irnd in vielen Lokalen der Stadt wurden bereits Nachforschungen eingeleitet. Bisher wurde aber eine Spur von Kobzinek nicht gefunden. Da auch mit der Möglichkeit zu rechnen ist, daß sich Kobzinek außerhalb Wiens(St. Pölten?) aushält, wurden die Polizeibehörden der Hauptstädte in den Bundesländern sowie die Gendarmerieposten und insbesondere die Grenzüberwachungsstellen angewiesen, gleichfalls entsprechende Nachforschungen einzuleiten. ßradac berichtet dem wchransschoß. Der Putsch schon vor dem Eingreifen der Polizei liquidiert. Selbstmord eines Prager Diplomaten. Der amerikanische Konsul in Prag Raymond Davis stürzt? Dienstäg Abend vor 22 Uhr in einem Prager Hotel aus dem zweiten Stock in die Hotelhalle und war auf der Stelle tor. Es dürfte sich um einen Selbstmord' handeln, dessen Motive aber durchaus unbekannt sind. Ain. Abend weilt? Konsul Davis noch in der Gesellschaft seiner Gattin und seiner amerikanischen Freunde und es war an ihm keinerlei Leiche« einer Aufregung zu sehen. Drei Todesopfer in Köln. Köln, 23. Jänner.(Eig. Trahtb.) Dir Kölner Kommun«ft«n haben di« Zusammenstöße mit der Polizei am Sonntag, über dir wir bereits berichteten, mit drei Toten büßen müsse«. Bon den acht Schwerverwundeten, di« bei d«n Zusammenstößen zu verzeichne« waren, find am Montag drei Arbeiter ihren Perletzun- gen erlegen. Gegenauimarsdic auf dem BUlowpiaiz Berlin, 24. Jänner. Die angokündigtm Kundgebungen der Kommunisten am morgigen Nachmittag auf dem Bülowplatz und der Sozialdemokraten am nächsten Sonntag sind, wie das Continachrrchtenbüro erfährt, genehmigt worden. onge» die Patron-n in der klettert? Der Wacf^ieust in der Kaserne wurde nach den Erklärungen des Ministers so gehandhabt, daß rin unbewaffneter Avisoposten vor dem Wach, zimmer aufgestellt war; dieser.hatte auch di« draußen aufgestellten Gewehre der Wache zu hüten. Ter Rest der Wachmannschaft(drei. Mann und«ist Kommandant) befanden sich im Wachznmner. Außerdem stand ein bewaffneter Polten vor dem Augmentationsmagazin am entgegengesetzten Ende des Kasernhofes. Weiter befand sich in der Kaserne eine Bereitschaft von einem Kommantvnten und fünf Mastn; nur diese Wachmannschaften hatten vorschriftsmäßig scharfc Munition. Der Avisoposten wurde von außen plötzlich m i t Vorgehaltrnem Revolver ausgcforderi, sich zu ergeben. Trotzdem alarmierte er durch den.si'.if „Zu den Waffen" die Wach«; er wurde^et vo>l einer zweiten Gruppe von rückwärts nieder- gerisien.. Die Angreifer bemächtigten sich nun der Gewehr« und überwältigten di« Wache im Wachzimmer, dir zwar Patronen, aber keine Gewehre hatte. Die Vorgänge im Machzimmer und die Flucht des Jnspektionsoffiziers Fähnrich I a n 0tri Tf durchs Festster wurden übereinstimmend mit den früheren Meldungen geschildert. Janouiek alar-I miertr die technische Rotte und versuchte mit einigen Soldaten, die Angreifer aufzuhalttst, die schlichen kamen. Sie mußten sich jedoch in Ubikationen zurückziehen, do sie keine“ hatten. Ein Teil schlug nun Alarm Unteroffiziersschule; ein Soldat über die Mauer ins Freie, um Verstärkung herbei» zuholen. Im Trakt der technischen Rotte hatten die Astgreifer Unterdessen sich einer Munitionski sie bemächtigt und sich mit Gewehren bewaffnet, die auf dem Gang hingen. Sie zogen wciterS Militärmäntel an, setzten Stahlhelme auf und besetzten einig« Mannschaftszimmer; die waffenlos? Mannschaft konnte sich nicht wehrest. Inzwischen war die Untcroffiziersschule alarmiert und von dem Zngssührer Tesar Alarm geblasen worden. In-der Untervsfiziersschule kam es dann zu einem Zusammenstoß im Stiegenhaus; etwa zehn bewaffnete Angreifer wurden dort aufgehalten; als einer der Angreifer auf den So>.- daren Barta zielte, schoß ihn der Soldat Nedorostek durch einen Kopsichuß nieder. Damit war dem Angriff dort ein Ende gesetzt. Inzwischen hatte der Gefreite Laub«, der aus einem andern Objekt auf den Hof geeilt war, wo viel Herumgeschossen wurde, festgcstellt, daß die Wach stirb«' von-'Zivilisten besetzt stif von dort wurde auf ihn geschossen.' Er holte-sich Verstärkung und als ieister der Ziöilislen aus dem Wachzimmer herauS- kam, schoß ih n Lü u be in de n Fst ß. Darauf» hin-flüchteten-auch Wi übrigen Angreifer aus dem W«hzisthv«?i:' ; Erst döst.m g!cs'f^bir Po.liz«; ein,'und ztvar'zunächst'.nur zwei Wachleute, di«'die leere Wachstube besetztest. Erst' dann hm weitere Polizei- verslärkuug von zwanzig Mann, aber auch schon einige Ofsisi^re. Einer von ihnen schaltete di« Alarmbeleuchtung ein und darm begann di« Säuberung der Kasern« Zunächst traute sich allerdings niemand über den beleuchteten Hof gegen dir unbekannten Gegtchr; erst nach zehn Minuten wagten sich zwei Wachleüt«-°dor^und stellten fest, daß die Gewehre in den Fenstern, aus denen sie beschossen worden waren, vqst den Schützen im Stich gelassen waren. Beim Eindring«n in daS Gebäude der Unchroffiziersschule stellte sich schon niemand mehr in den Weg.' Eine selbslänöige Aktion unternahm der Wachposten, Jilzmaun beim AugntentationSmagazin, der gleich am Ansangstäach einigen der Angreifer schoßt di« die Kasernenmauer überklettert hatten, und einen von ihnen mit der Waffe zwang, mir erhobenen Händest-ditz ganz? Zeit über stehen zu bleiben, bis' Hilf? kam und der Mann verhaftet werdenkonnte..'-u r.'1 * Washington, 24. Jänner.«Reuter.)- Das Staatsdepartement teilt mit, daß cs dem Ansuchen der Tschechoslowakei und Litauens über «ine Aussprache betreffend die Kriegs'chulden und die Wirtschaftsprobleme, und zrvar unter den gleichen Bedingungen wie für Grgßbritou- uien entsprochen hat. Regierungskrise in Katalonien Barcelona, 24. Jänner. Infolge von Mei- nungsverschicdenh.'itcn über gewisse Bestimmungen des katalanischen Statuts haben vier Mitglieder der katalouischen Regierung ihre Demission gegeben. Daraufhin traten auch Pie übrig?» t Mitglieder der Regierung zurück, um dem Prä- ..... sowie den Kriegsminister stdcntrn Macia die Bildung des neuen Kabi- Arakino, daß sie eine„japanische schwankende netts zu erleichtern. Man nimmt an, daß diese bereits heute abend ausgestellt sein wird. Einladungen an die öraren Schuldner. Warmsprings, 24. Immer. Der neu gewählte Präsident Roosevelt beauftragt« den StaatssekretärSrimson, mit der Einleitung von Spezialvcrhaitdlungen mit den einzelnen Staaten, die ihr« Rate im Dezember vorigen Jahres beglichen und nun um eine Revision der Kriegsschulden ersuchen.• NafionalbanK setzt Zinsfuß herab. Das Wert haben nun die Danken. Prag, 24. Jänner. Di« Tschechoslowakisch« Rationalbank hat mit Gültigkeit ah 25. Jänner 1833 den, Diskontsatz von 4.5 sviereinhalb) auf 3L(dreieinhalb), den Lombardsatz für Anleihen auf Staalspapier« von 6(sechs) auf 5L(fünfeinhalb), für die übrigen Papiere von 6.5(sechseinhalb) aus 6(sechs) Prozent herabgesetzt. * Die tschechoslowakisch« Natiönaldauk ist bei der Herabs.'tzung des Zinsfußes, der für tschechoflowakischc Wirtschaft unbedingt erforderlich ist, mit gutem Beispiel vorängegängcn. Die Zeitung der Nationalbank bai in der letzten Zeit, wie anerkannt'werden muß, ein« bemerkenswerte Initiative an den Tag gelegt, um ein« allgemeine Herabsetzung des Zinsfußes zu erzielen. Es ist nur an den Banken, dem Beispiel der Nationalbank ch folgen und durch Herabsetzung des Zinsfußes di« Loge der Industrie zu erleichtern. Aus der bisherigen Untersuchung gehe, wie Brada« tveiter erklärte, hervor, daß die Aktion sehr gut durchdacht und vorbereitet war.st Die Angreifer wählten die Nacht von Samstag auf Sonntag, in der eins ganze Reihe von Soldaten außerhalb der Kaserne weilte. Alle Schuldigen werden streng bestraft werden. Die Militärverwaltung wird ferner alles tun,"' um' die Wiederholung derartiger Borfälle unmöglich zu machen. Uchcrall wird die Wachsamkeit und das Bestreben verdoppelt werden, damit die" kerüng durch keine exzentrischen Versuche ruhigt werde.. An diel Erklärungen des Ministers sich eine ausführliche Debatte, in die der Minister noch einigemal eingriff." Schließlich.nahm der Ausschuß eine Resolution an, in der er den Soldaten der Brünner Garnison und der Polizei den Dank für ihr mustergültiges Verhalten. bei dem Ueberfall auf die Kaserne aussprichk Assarn« Opposmon auch Im japanischen Ober haus. Tokio, 24. Jauner. Di« unerwartet Hiärsen Angriffe auf die Politik der führenden militärischen Gruppe haben am Montag in der acwöhn- -ich so anpassungsfähigen japanischen Kammer Erstaunen, ja Entsetzen verursacht. Das Mitglied «es japanischen Oberhauses, Hitoschi A s ch 1 d a, wtrrpellierte im Oberhaus« den Minister für Auswärtig« Angelegenheiten, Uschida möge er- «aren,„ob Japan überhaupt eine scharf umgrenzte Außenpolitik besitze". Aschida rief:„W i r besitzen greifbare Beweise d? r ja pantschen Macht über die Mandschurei, vermögen jedoch bloß unbedeutende, wenn nicht sogar keine Symptome Unseres guten Willens vorzufln- drn." Aschida beschuldigte sodann den Außen- Ulmister Uschida s Außenpolitik diktiere«." Prag, 24. Jänner. Jyi Wchrausschuß des Senats gab heute der Verteidigungsminister Bradaö eine ausführliche chronologisch« Darstellung des Faseistenüberfalls auf die Brünner Kaserne, worauf er daraus den Schluß zog, daß man— auch wenn man di« Bereitschaft und die Opferwilligkeit der Polizeiorgan« nicht unterschätz«» dürfe— auf der Feststellung beharren müsse, baß seitens des Mllitärs beim Schuh der Kaserne nichts verabsäumt wurde, daß der Wachdienst keine Unzulänglichkeiten aufwies und daß die Besatzung der Kasern« sich selbst des Ueberfalles erwehrt hat; der ganze Vorfall sei eigent lich schon vor dem Eintreffen der Polizei liquidiert gewesen. Daß die Soldaten ihre Pflicht einwandfrei erfüllt^ hätten, gehe auch daraus hervor, daß nur Soldaten verwundet wurden und daß auch die Verletzungen der Angreifer ausschließlich von Soldaten herrühren. Der Kampf um die nach den Darstellungen des Ministers. Ein polizeiliches Problem?-| Der Nationalverteidigungsminister har seine erste Auffassung, der er über den Brünner fascistischen Putschversuch Ausdruck gab, revidiert und bezeichnet ihn nun als ein„Verbrechen, das in seinen Konsequenzen die Grundlage des Staates erschüttern konnte". Daß der Ueberfall auf die Kaserne deS Inf- Reg. 43, wenn auch mit- unzulänglichen Mitteln unternommen, doch kein bloßer Rar- renstreich oder eine Köpenickiade war, darauf scheint ihn die Tatsache gebracht zu haben, daß der Ueberfall schon im- Jahre 1929 geplant gewesen ist und seine Durchführung nicht jene Planlosigkeit beweist, wie anfangs angenommen wurde. Gewiß, dreiundsechzig Leute können, auch wenn sie in den Besitz einer Kaserne gelangt sind, einen Staat nicht ernsthaft bedrohen, aber vielleicht— das dürfte wohl der Gedanke des Ministers sein — lag es gerade im Plane der Inspiratoren, zu zeigen, wie leicht und mit wie geringem Aufwand die nach Ansicht aller Patrioten festeste Grundlage, die Armee zu erschüttern tst. Es ist gelungen, fast aus einem einzigen kleinen Städtchen dreiundsechzig Menschen aufzubringen, die sich dazu überreden ließeit. im Dunkel der Nacht einen bewaffneten Ueberfall aus eiue Kaserne zu unternehmen, mit einiger Anstrengung wären wohl auch noch etliche hundert Mann stellig zu machen gewesen. Vielleicht lag ein Versäumnis, vicl- leicht«ine Absicht darin, mit keinem größeren Aufgebot zu operieren, jedenfalls, hätte das beinahe geglückte Unternehmen gegen die in der Kaserne untergebrachten führerlosen 350 Soldaten, die meist erst vor kurzem eingerückte Rekruten waren, auch anders ausgehen können, wenn die fascistifchc Stich? truppe aus eine von fascistischen Ideen vcr-t feuchte Mannschaft— wie wohl gehofft wurde— getroffen wäre. Andererseits: die Opfer sind ein Toter und vier Verletzte, doch war die Schießerei nicht unbedeutend tind eigentlich ist es nur einer Reihe von Zufällen zu danken, daß nicht ein regelrechtes Blutbad die Folge war. Die„Tollheit" bo.trc zu in mindesten System. Aus dem'Vorfall, so Irrsinnig er auf den ersten Blick aussehen mag, ergeben sich gewisse Lehren. Die unter der, Leitung des ehemaligen Generalstabschefs Gajda stehende tschechische Fascistenbewegung hat bislang ein zsemlich unbeachtetes Dasein geführt. Den Bestand einer fascfftischen Gefahr hielt nie-, nzaird für gegeben. Wir wollen nickt bchcruv- ten, daß der Brünner Vorfall eine solche bewiesen habe, doch, hat er gezeigt,, daß die Voraussetzungen für sie auch bei uns, gegeben erscheinen. Der fascihische Brünricr Putsch ist in seinen Grundelementen ein An-' griff. aus die demokratische Verfassung des Staates, es ist daher durchaus natürlich, daß der Staat sich zur Wehre setzt. Es heißt gewiß nicht, für die Schuldigen.irgendwie eintreten, wenn man die Ursacheü prüft, a»ic- denen dieses Geschehen erwachsen konnte. Der Nationalverteidigungsminister hat eine Bestrafung sowohl derer, die den Angriff iniv niert haben, wie jener, die sich zu dieser Tar verfiihren ließen, angekündigt und er hat versprochen, die Regierung werde alle Maßnah' men treffen, daß eine Wiederholung solcher Verbrechen„nie und in keinem Falle möglich ist". Soweit die Schuldigen in die Hande der Staatsgewalt gefallen sind, rverden sie. für- die Tat sicher schwer zu büßen haben. Doch scheint uns, mit Verlaub gesagt, die Frage der Wiederholung ähnlicher Vorfälle n i ch t b l o ß- ein polizeiliches Problem zu seist'■ Die 63 Burschen aus Butschowitz und Nn>g' bung sind nicht allein das Opfer der Uebe> redungskünste eines als fanatisch und exzen, irisch geschilderten Menschen, sie sind viclm?!' ,. das Produkt einer Geistesrichtung, die bei un» Seite 2 Mittwoch, 28. 3o ist auch Petzold ein großer Menich zu nennen: Tenn immer ist er, auch nach seiner Erhöhung. ein Verehrender, ein Ehrfürchtiger,«in Demütiger geblieben. Richt zufällig schließt einer seiner letzten, besten Gedichtbände(„Gesang von Morgen bis Mittag") mit den Versen: Alfons Petzold. Die Mityle. Von Alfons Pctzold. Er lag kurgemäß ans dem Liegestuhl, die ewig kalten Füße von dicken Filzdecken umhüllt, und ließ sich von den warmen, guten Strahlenfingern der Sonne die kranke Brust massieren. Seit er in der Volksheilstätte für Tuberkulös« war, kam es ihm vor, als wäre er wieder Lehrbub, der sich beim„Liefernfahren" tüchtig verkühlt halt« und von der nun toten Mutter gepflegt wurde, bis er so weit war, um in die staubige, lungenver- nichtende Atmosphäre der Fabrik zurückkehre« zu können. In diesem Erholungsheim, in dem 200 krank« Menschen der Wicdergenesung von einem mörderische» Uebel sehnsüchtig entgegenatmeten, hatte. alles di« Weisheit und Liebe von mütterlichen Händen. Di« Luft, di« aus den Wäldern kam, die Pflegenonnen, die lichtvollen großen Säle, di« Aerzt« mit ihren forschenden Augen, aus denen ein ständiger Trost sprach, und die Mitpatienten selbst, denen ein gemeinsames Leid di« Herzen mild und freundlich »nachte. Wenn«r nun so dalag mit geschlossenen Augen, eingebettet in Ruhe und Frieden, ging er oft gern den Weg seines Lebens zurück und wundert« sich darüber, daß er, d«r fleißige Arbeiter, nicht mchr an der Drehbank stand, di« stechende Brust an den Griff des Stahles gepreßt, der mit röchelndem Laut kunstvolle Wunden in das friedliche Holz biß. Und dann blieb er gern bei der Stunde stehen, wo die schon jahrelang erkrankte Lunge versagt« und mit ihrem roten Blut« das Holz, die Drehbank und den Fußboden rot beizt«. i Wochenlang lag er nun schon hier, ohne daß di« Aerzte di« geringste Besserung bei ihm konstatieren | konnten. Bei jeder Untersuchung hörte er das stereotyp« „stalus item" und fühlt« die Blick« des Aerztes mitleidig auf sich ruhen. Einmal erfaßte sein scharfes Ohr, das gewohnt war, im tosendsten Räderwerk der Werkstatt das Wort des Nachbarn aufzufangen, sein- Todesurteil, das der Oberarzt einem Assistenten zuraunt«: „Schade, da ist nichts mehr zu machen, veralteter Fall, der Katarrh schreitet fort...." Tagelang murmelt« er dieses vor sich hin,«nd es schien ihm, als spräche er es einem anderen vor und ihn selbst ging« es gar nichts an. Aber dann wußte er wieder, daß der andere er selbst war, vor den» er stand, wie vor einem tiefen, wasserlosen Brunnen, aus dessen unheimlicher Stille es emporklang:„Du mußt sterben, bald sterben!" Und er fand sich damit ab, gewohnt, dem harten Leben zu gehorchen, wie er es von Kindheit an nicht anders wußte. Manchmal noch, meistens wenn ein Mitparient hell auflacht«, ober zuweilen, wenn di« Sonne über der nobel- und dunstfreien Landschast stand und sein Blick.an dem freudigen Wachsen einer Blume oder eines Baumes hängen blieb, fuhr ihm auf einmal ein brennender Blitz durch den Leib, so daß sein Herz zittert«. Sterben— und so jung, kaum 28 Jahr« alt. Uns wenn er dabei an di« Werkstatt in der riesigen Fabrik, an seine blanke Drehbank dachte, an di« riesige TransmWonsscheibe, die so blank gescheuert war, daß er sie immer als Spiegel benutzte, an seine Freunde und. Kameraden, di« vor und hinter ihm, links und rechts bei den Fräs-, Hobelund Poliermaschinen gestanden hatten, nun eines anderen Kameraden waren, verblieb der brennend« Schmerz oft eine Stunde lang in seinem Herzen. So lag er nun den ganzen Tag auf dem Liegestuhl in den Stunden, da die anderen spazieren gingen, sich und seinen Gedanken allein überlasten. Von der erhöhten Terrastt aus. auf der er lag, konnte er das ganze Tal übersehen. Ein« Welt im Kleinen, Wn« Vetzolb. 3ttm io. Todestag veü Dieyters am 26. Sauaar. Von Dr. Ludwig Marx. kamen herbei, konnten aber von den beiden> Liu> alles, was di« gesamt« Welt leben-wert Männern nichts mehr sehen. Die Gendarmerie! m.-.cht, Schönheit, Schaffensfreude, Arbeit sah er vor leitete die entsprechenden Erhebungen in der! sich in einem kleinen Ausschnitt bikdkräftig i« Er- ein, konnte aber scheinung treten. I In seiner nächsten Nähe erschaute er«inen Gärtnerburschen, der Rosenstöcke okuliert«, hinter diese» erhob sich ein breitästiger Kirschbaum, über und über mit reifen Früchten bedeckt, die eine schmucke, tagfrohe Magd, auf einer Leiter stehend, «inheimfte. Aus deu Wäldern, die zu Seiten d«S Gartengrundes aufstiegen, schellen Axtschläge im starken Rhythmus, umtönt von dem Gesang der ..Holzknechte, an sein Ohr. In der Ferne, wo blausilberne Rauchsäulen den Himmel mit den rote« Dächern eines Dorfes verbanden, schnarrte Sägen- geknirsch, rauschte ein Mühlrad, hallte-aS glocken- schallarüge Gehämmer einer Schmiede. Und zwischen den gelb-grünen Getreidefeldern blitzten Sicheln in sein Auge. Kinder schnitten dort an den Grenzrainen Gras für Gais und Kuh. Und plötzlich fiel eine neu« Schwere auf sein« Seele, und er erkannte die Größe seines Leidens, seines Elends, so wie es ihm nie in solchem Umfang zum Bewußtsein gekommen war. Sie all« da vor ihm, die seine Augen sahen oder von deren Tun ein Ton verkündet«, der Gärtnerbnrsche und Schmiedegeselle, di« kirschenerntende Magd, die Holzknecht«, Müllerburschrn und Bauern, deren Hände im Frühjahr diese weite» Felder mit Saatkorn gesegnet hätten, ja selbst di« Kinder, die Gras schnitten, sie alle schufen oder hatten etwas geschafft, etwas, das ihnen«inen Teil Unsterblichkeit verlieh, und wenn eines von ihnen jetzt plötzlich sterben würde, etwas bliebe von ihm lebendig: die Kraft, die es kurz vor seinem Tode einem anderen Wesen übertragen hatte. Und von ihm, der so untätig dalag und de« Tod erwartet«,»ms blieb von ihm übrig? Nichts. Im Augenblick, w» sein Körper im letzten Kampf sich strecken würde, würde nichts mehr auf Erden von ihm künden, er war dann ein ausgelöschter Buchstabe, sonst nichts. Er hatte das Gefühl, als läge er schon im Grabe. Es schauert« ihn, trotzdem hie Julifonne hell auf ihn herabsengte. So lag er unter den Gen«suugsfr«uden und Zu- kunststräumen der anderen mit seinem langsam da- hinsterbcnden Leib da und quälte seine arm« Seel« mit den Foltennstrumenten seiner Gedanken. Dazu kam noch, daß« keinen Freund,, keinen Verwandten hatte, dem er sich anvcrtraueu könnt«. Dies« völlige Vereinsamung war es auch, di« seine Qual erhöhte, denn er wußte, kein Mensch würde ihm eine Träne nachweinen«nd sein?» Namen trauernd nennen. Eine Frage klopft« unablässig an sein armes Gehirn um Beantwortung. War es denn wirklich nicht möglich, noch etwas zu schaffen, was ihn über seinen Tod hinaus wirken ließ, was seinen Namen nicht sofort nach der Beerdigung seines Körpers von der Tafel des Lebens löschte, als wär« er nie daraut gestanden? Er grübelte und sann nach und vergaß, daß er krank und dem Tode nahe war. Und nach langem Suchen und Herumroste« war es wie«in zages Licht in ihm ausgefunkelt, uu» seine Not und suchende Sehnsucht schützten das Fünkchen vor dem Verlöschen und fachten es zur helle» Flamme an. Er hatte gefunden, was er wollte. Di« Idee zu einem Werke, das er wohl noch fähig war zu schaffen, und das ihn über den Tod hinaus triuntphieren lassen sollt«. Alle ihn: noch veMiebenen Lebenskräfte sammelt« er für«in« Stunde, in der er in den Wold schlich und dort mit qualvoller Müh« Rindenstückr. Aest«, Moos und biegsame Zweig« einsommelle und h.'imschl«ppt«. Dann kauft« er beim Krämer, der in der Heilanstalt sein« Waren feilhielt. Nägel, Kork und in Ermangelung des Drahtes einige Päckchen Haarnadeln und begann sofort aus all den mannigfachen Gegenständen«ine Miniaturwastermnhl«;» bauen. Nun war ein« große Unrast über ihn gekommen. Tie früher« Ruhe mit ihrem«inschlästrnden Hände- stieicheln, aber auch mit ihrem nagenden, all« Sinne folternden Quaken war dahin und hatte einem emsigen Tun Platz gemacht, das in einigen Tagen einen kunstvollen Bau erstehen ließ, über den die Mitpatienten staunten, ohne zu ahne«, daß ihn die Hände eines S'.evbenden schufen, um ei« Stückchen Ewigkeit für seinen Namen zu«rha'chen. Und cs war wirklich ein Kunstwerk, was er erbaut hatte. Ein« regelrecht« Wassermühle, so hoch wie ein Tisch and dem«nisprech«nd breit, mit Fenstern, Türen; einem Schornstein und einem prächtigen Schaufelrad, das nach luftigen Wellen»er. langte, um sich baldigst zu drehen und«in kleiner Metallgehämmer in Bewegung zu setzen. Ganz tief im Gchäufe, im Dunkel des inneren Getriebes, halt« er an die Achs««ine leer« Schneckenmuschel gebunden, in der sein Name eingeritzt stand und die Worte:„DaS Leben ist so schön!" Die Muschel sollte sein Herz vorstellen Auch über die Mühlentür hatte er seinen Name« geschrieben und die Jahreszahl, wo dieses Werk geschaffen wurde. Das Aufsiellen der Mühle möchte ihm keine Sorge. Durch den Gartengrund wandert« ein munteres Bächlein, dort, wo dies Bächlein mündete, wollte er seine Mühle verankern und deren Näder treiben lasten. Aber die Anstrengung der letzten Tage, die gewaltige Anspannung der Kräfte i ließen ihn gerade in dem Augenblick zusammenbrechen, als er, sein Werk m« Hilf« eines anderen i Patienten zum Ort des Aufstellens trug. Er wurde ins Bett gebracht und gezwungen, sich vollkomme« ! ruhig zu verhalten, da der Arzt eine« Mutsturz ' befürchtet«. ‘ Angestrengt horchte der Kranke. Jetzt mußte die ■ Mühle bald am Platze sein und mit ihrem Gehäm- mer beginnen. Durch die weir offenen Fenster de« . Krankenhauses zog die Abendlust«nd bracht« klin- , gende Tön« zu dem lauschenden Kranken. Ter lachte l sehr lange»in frohes, geheimes Lächeln. Dann «rächte er eine Handbewegurq und starb.. lüchtete. Obwohl er verfolgt wurde, gelang es ihm, zu entkommen. Das überfallene Mädchen ist mehrfach verletzt, doch besteht keine Lebens- ;efahr. Die Perletzunge« sind ihm mit einem ogenannten Stecheisen zugcfügt worden. Bei dem Täter handelt es sich um einen etwa 35 bis 38 Jahre alten kräftigen Mann, der blaue Schiffermütze und eine Windjacke trug. Wie im Schauerroman... Mit einer mysteriösen Angelegenheit befaßt sich, wi« uns gemeldet wird, gegenwärtig die Brüxer Gendarmerie. Nach einer bei ihr erstatteten Anzeige erschienen in der siebenten Abendstunde im Ge- ihäfte des Kaufmannes SvatoS auf dem Leist- nikwege in Brüx zwei elegant angezogene Männer mit schwarzen Gesichtsmasken, und einer von ihnen hielt der allein im Laden anwesenden Tochter des Kaufmannes einen Revolver entgegen, cchne aber«in Wort, zu sagen. Auf die Hilferufe des"Mädchens verschwanden die MaS- Seite 8 Mittwoch, 25. Jänner 1933 srr. 21 »RAGER ZEITUNG. Kunst und Wissen Von Tartini bis Debussy— ein sehr langer Wog, den vorgestern im Uraniasaale der Geiger Tr. Otto Kaperl und der Pianist Frank Pollak gingen und den sie zielbervutzt und mit gut Glück ihre Zuhörer führten. Interessant besonders in Anbetracht der Sonaienform, deren Entwicklung von Tartini.(18. Jahrhundert) über Mozart und den Kernpunkt Beethoven schließlich biS zum Auflösen und Zerfließen der Form' bei Debussy gezeigt wurde. Weiterhin freute man sich, weniger oft gespielte Werke vorletzt zu bekommen: Tarlinis C-Moll- Sonate hörte man recht selten und sogar Beethovens OpuS 97 wurde erst kürzlich von Hübermann nach fast zehnjähriger Pause gespielt. Tic beiden Künstler boten klare, übersichtliche Leistungen— das Zusammenspiel war exakt—, erwiesen sich als solid« und selbständig« Musiker. Herr Dr. Kaperl verfügt über einen voll und schön klingenden Ton, den er wohl anzuwenden weiß. Herr Frank Pollak, den man erst kürzlich als Cembalospieler hörte— eine Art, die ihm gewiß sehr liegt—, brachte als Solostücke zwei Mozarstückc und in der zweiten Hälft« des.Programms die„Variation? serienses" von Mendelssohn, die wohl«in bißchen mehr'Romantik vertragen hätten. Äm ganzen ein interessanter- und anregender Abend,, der wohl mehr Zuspruch ver- dient hätte. D. R „Salon Pitzrlberger"—„Die schone Galathve". In der Kleinen Bühn« Sonntag, halb 8 Uhr, Erstaufführung der Buffo-Oper von I. Offenbach „Salon Pitzelberger". Bearbeitung und Änszenie- rung: Mordo.„Die schön« Galath^e" von Supp«, Neubearbeitung von Morgan, Robitschek und Hansen. Regie: Mordo, Bühnenbilder: Pirchan, Dirigent: Komlos. „Nachtasyl." Es ist für Dilettantenvereine nicht leicht, ein so komplizierte- und anspruchsvolles Werk würdig hcrauszubringen. Die Aufführung des Bühnenvereins La Scetie unter Führung des strebsamen und.sichtlich intelligenten Hugo K a- minsky hat Niveau gehalten und das Milieu dieses mit härtester Anklage erfüllten Werkes recht gut herausgebracht. Daß von den sechzehn Rollen nicht jede gleich gut besetzt war, konnte wohl kaum vermieden werden, doch waren die Versager in der Minderzahl. Tie vier Szenen aus der Tiefe der Menschheit, wie Maxim Gorki sein Spiel nennt, hatten noch heute ebenso tiefe Wirkung wie vor zwanzig Jahren, gewannen vielleicht sogar in den heutigen Zeiten sozialen Zusammenbruchs an Gegenwartswert und Wucht. Dem kalten Satiriker Satin gab der Regisseur überzeugende Züge, den Gewaltmenschen und Totschläger Wasjka wußte Rapp r« Affekt ausgezeichnet herauszubringen, die Dirne der Zuckermann überraschte durch menschliche Töne und Natascha, das geprügelte und Verfolgt« Mädchen, war in der Darstellung der T o m a n e k glaubhaft, ebenso der haltlos« Schauspieler des Herrn Kauders-KuhA. Der Verein hat in Gorkis Gedenkjahr eigentlich diejenige Pflicht erfüllt, die von der Prager deutschen Bühne bis jetzt vernachläsiigt war: etwas Mühe an Gorki zu verwenden. W. Lg. Genossin Alice Rühle, Dresden wird in einem 3-Abrnde-Kurs über »Erziehung zur Gemeinschaft" sprechen. Kursbeginn: Samstag, den 28. Jänner, um halb 7 Uhr im Studentenheim(Ob- borovy dum, Eingang Bartolomtzjfla 14.)— Teilnehmerbetrag K 10.—, für unbemittelte S. J.-Mitglicder frei.— Gäste willkommen. Wir laden insbesondere auch di« Partei- gruosstnuen zur Teilnahme«in. Der Termin für die anderen beiden KurSab«ud« wird im 1. Kursabend verabredet. S. I., Prag. Trommcl-funk im Urwald. Der Str'•’"i' a m.— Jeder Stamm hat seine eigene Wellenlänge. Es gibt nichts Neues unter der Sonne. So wie die drahtlos« Nachrichtenübermittlung in Europa schon vor Hunderten von Jahren ihre Vorgänger in der Uebertragung von optrschen Signalen durch Feuer, Rauch und ähnliche HilfS- mittel hatte, so hat der Rundfunk in Afrika einen kleinen Verwandten, die diachrichtenübermittlung iürrch Trommelzeichen. Diese Form von Radio ist bei den schwarzen Völkern Afrikas nachgewiesenermaßen schon, seit vorgeschichtlichen Zeilen in Gebrauch. Sie benutzten dazu nichts als eine bestimmt« Art Trommeln, deren dunkler, dumpfer Ton die Botschaft meilenweit trägt. Es ist ost versucht worden, diesen Trommelcode, denn einen solchen gibt es ohne Zweifel, zu entschleiern, aber er ist von tiefem Geheimnis umwoben. Es werden nur wenige Schläge auf einen hohlen Baumstamm gemacht, und ein entferntes Dorf erfaßt den Sinn dieser kurzen Nachricht. Meist werden diese Trommelbotschaften in stiller Nacht ausgesendet. Zunächst erfolgt ein dumpfes Schlagen,— das ist das Rufsignal, das „Achtung, Achtung" des Rundfunkansagers. Und .dieser dumpfe, gleichmäßige.Ton wird wiederholt, brs aus der Ferne daS Antwortsignal ertönt, zum Zeichen, daß die Nachricht ausgenommen werden Spielplan des Reuen deutschen Theaters. Mittwoch, 8 Uhr:„S a lome"(B 2).— Donnerstag, 7.30 Uhr:„Orpheus"(C 2).— Freitag, 7.30 Uhr: „Tie blinde Göttin"(D 2).— Samstag, 7.30 Uhr:„H o ff m a n n s E rz ä h lu nge n"(C 2). Spiclpla« der Kleinen Bühne. Mittwoch, acht Uhr:„Ein Held gesucht"(Bankbeamten 2). — Donnerstag, 7.30 Uhr.„Ter Mustergatte" (Kulturvepbandsfreunde).— Freitag, 8 Uhr:„Ein Held gesucht"— Samstag, 8 Uhr:„Der M» st e rg a t te". Variräoe and Veranslaimnaen Von der Freien Schule für polit.sche Wissenschaften(Prag I., Karolinum): Mittwoch, den 25. d. M., um 17 Uhr, uüd während der nächstfolgenden drei Wochen an jedem Mittwoch um dieselbe Zeit wird der Direktionsrat der Handelsund Gewerbekammer Dr. Rudolf Buchtela„Ueber Kartelle" vortragen. Di« Vorträge sind frei zugänglich. Elly Beinhorn spricht in Prag. Donnerstag, den 28. Jänner, spricht Elly Beinhorn, di« bekannte Sporlfliegeyn, in der„Prager Urania"(Be Smeökach 22):„Im Sportflugzaug allein um die Welt." „Bom Grandhotel bis zum Bordell," Vortrag des Oberkellners Fr. K o p a t s ch e k, Montag, den 30. Jänner, 8 Uhr, kleiner Uraniasaak, Smekky 22 Regiebeitrag. Spart«Spiel* Körperpflege Skimeisterschaften dwk Arbeitersportler Oesterreichs. Samstag und Sonntag wurden in Traisen (Niederösterreich) di« Skimeisterschaften des Askö sowie des 17. Turnkreises ausgetragen. Schnee gab es in Hüll« und Fülle, sogar mehr als erwünscht war. Ter tiefe Schnee behinderte auch die Fahrer und drückte auf die erzielten Zeiten. Trotzdem kann man mit dem gebotenen Sport vollkommen zufrieden sein. Die große Veranstaltung war sehr gut organisiert.. Die Wettkämpfer waren.mit allen Strecken, die sehr gM abgostcckt waren, äußerst zufrieden. Nur die Strecke des Abfahrtslaufes..gab ihnen zu schaffen. Samstag wurde der Langlauf durchgeführt und an Stelle des Slalomlaufes, der wegen starken Schneefalles abgesagt werden mußte, der Absahrts- lauf angesetzt, Die Wiener, vor allem die Naturfreunde, haben bei den Meisterschaften glänzend abgeschnitten. Zum erstenmal wurde ein Wiener Askömeister im Skilauf. Ziegler(Gastein) galt nach dem Ergebnis des Landlaufes als Favorit für di« Kombinatton. Er hatte Pech: beim zweiten Sprung griff er mit der Hand in den Schnee und das kostete ihn den Meistertitel. Zu dem Springen auf der Tiefentalschanze, die fast«ine halbe Stund« von Traisen entfernt liegt, hatten sich mehr als tausend Zuschauer eingesunden, di« gut« Leistung«» sahen. Die Schneedecke der Schanze war weich und erlaubt« keine weiten Sprunge. Erst als sie abgefahren war und außer Konkurrenz gesprungen wurde, konnten größere Weiten erzielt werden. Die wichttgsten Ergebnisi«. Langlauf über 12 Kilometer(Sportler): 1. Köck(Naturfreunde Wien) 39: 49.4; 2. Ruschp(Na- turfreuiide Linz) 40:33; 3. Schwarzendorfer(Naturfreunde Wien) 41: 40.2; 4. Scheibttsberger(Naturfreunde Linz) 42: 27.2; ö. Kohlhofer(Mürzzuschlag) 42: 40.2; 6. Bruckmaier(ATB. Döbling- Wien) 43: 25.6. 45 Läufer am Statt, 34 kamen ans Ziel. Abfahrtslauf über 5 Kilometer(Sportler): 1. Köstinger(Gastein) 7:54.8; 2. Scheibelsber- ger(Naturfreunde Linz) 8:01.4; 3. Döberl(Natur- wird. Dann wird durch bestimmte Klopstöne die Botschaft übermittelt, und Pvar folgen diese Klopftöne in gleicher Schnelligkeit aufeinander, wie etwa ein Morseapparat tickt. Die Erfahrutlg hat die afrikanischen Trom- meltelegraphisten gelehtt, daß die Signale in einer gewissen Höhe über dem Erdboden besser weitergetragcn werden. Deshalb setzen die schwären Trommler sich auf einen Baum oder ersteigen einen Hügel, damit sich die Töne ungehindett ausbreiten können. Am Tage kann man ost sehen, wie die Eingeborenen von einem Hügel zum andern einander zurufen; begünstigt durch die Stille und die klare Lust ist selbst der Laut der mensch- lichen Sttmme sehr wett hörbar. Jeder afrikanisch« Stamm hat seinen ganz besonderen Trommelruf, gewissermaßen sein« eigene Wellenlänge. Die Trommeltelcgraphisten müssen verschiedene Codes lernen und immer fleißig üben, um voll leistungssährg zu bleiben, denn natürlich ist nicht nur das Abienüen der Code-Botschaften eine Kunst, sondern mehr noch das Auffangen und Entziffern. Denn es gibt bei den Negerstämmen der inneren Afrika Tausende von Trommeltypen. Trommeln, die zum Tanz laden, werden so hestrg und wild geschlagen, daß. den Trommelschlägern der Schweiß ausbpicht. Die Trommeln des Häuptlings werden aus dem Rücken von Reittieren getragen. Unheimlich ist der Ton der Trommttn, die nur geschlagen werden, wenn di« Stammesangehörigen zum Krieg gerufen werden. freunde Waidhofen) 8.38.2; 4. Reiter lATB. Wilhelmsburg) 8:50; 5. Baierlein(ASL. Wien) 9:04. Am Statt 30 Spöttler. Mannschafrslauf über acht Kilometer tSporll«r)r 1..Naturfreund« Wien 24:24; 2. Ar- beiterfchwimnwerein Winr 26:3Ü; 3. Schutzbund Wilhelmsburg. 26:51.4; 4. Schutzbund Trailsen 27: 32. 14 Mannschaften starteten, 11 fuhren durch dar Ziel. Der Favorit, die. Mürzzufchlager Mannschaft, mußte wegen,. ein.cs Bindungsbruches aufgäben. Lang lauf über 5 Kilometer(Sportlerinnen): 1. Rapoüch(Naturfreunde Wien) 28: 23.1; 2. Deutsch(ATB. Wien-Innere Stadt) 26:13.1; 3. Sedlacek(ATB. Wien-Favoriten) 30:21. Jugendlauf über 5 Kilometer: 1. Döberl (Waidhofen) 22: 07; 2. Bernhardt.'(Traisen) 23:28; 3. Richter(Eichgräben) 24:10. Sprunglauf: 1. Köstinger(Gastein), 33, 34.5 Meter, Note 19.166; 2. F. Feutl(Ternitz), 31, 33 Meter, Not« 17.959; 3. E. Feutl(Mürzzuschlag). 31, 30.5 Meter, Note 17.666; 4. Jersbek(Traisen) 29, 31.5 Meter, Note 17.584; 5. Tom(Semmettng), 31, 31.5 Meter, Note 17.417. Es starteten 30 Springer. Außer Konkurrenz: Köstinger 43 Meter(gestürzt), F. Feutl 41 Meter, Bimashofer(Semmering) 39 Meter. Sieger im kombinierten Lauf und damit A s k ö m e i st e r wurde der Wiener Naturfreund Schwarzendorfer mit 33.109 Punkten vor Ziegler'(Gastein) 32.526, Fiedler(«TV. Wien- Inner« Stadt) 29.859, Lettner(Traisen) 27.826 und Reiter(Wilhelmsburg) 26.043 Punkte. Um die Sachsen-Meisterschaft im Fußball wurden am Sonntag weitere Spiele ausgetragen. In Riesa schlug MW. 15 Dresden den dortigen VfB. glatt 6:0(3:0). VfK. Südwest Leipzig gewann in Mittweida gegen Jahn nach überlegenem Spiel doch nur knapp 3:1(2:1). Das dritte Treffen ging in Niederhaßlau vor sich und gewann hier Gornsdorf verdient 4:3(3:0). Städte-Handballmannschaft Leipzig gegen Leip- zig-Paunsdors(deutscher Meister) 10:11(7:3). Das Spiel verlief überaus spannend und bracht« ein überraschendes Endergebnis. Di« Ueberraschung liegt darin, daß die Städtemannfchaft bis eine Viertelstunde vor Schluß mit 10:5 führt«. Dann rafft« sich Paunsdorf zu einem gewaltigen Endspurt auf, der in-er letzten Minute sogar noch einen Sieg für den Meister brachte. Wiener Arbeiter-Eishockey. Meisterschaft: Zentralverein gegen Favoriten 1:0, Brigittenau gegen Landstraße 5:0, Straßenbahn gegen Mödling 8:2, Favoriten gegen Technische Union 0:0, Sto£ lau gegen Aibeiteichildungsverein 7:0, Mariahüf gegen Margareten 1:0.— Freundschaftsspiele: Mödling gegen EKB. 4:0, Favoriten 2 gegen Margareten 1:0. Der Film Anny vrrdra in„Die grausame Freundin". Sie spielt nicht mehr: sie rast durch den Film, das Bild blendet auf und schon ist sie entzückend neckisch, akkrobatiert sich in Pof« und zeigt ein Professorentöchterlein, das wir früher in den zehn Pfennig-Heften des Komteßchen Lottchen kennen gelernt haben. Ihr Herr Papa ist Fritz Rasp und schrecklich steif: das scheint in der Filmwelt mit dem Begriff der Moral des Bürgettums(für die allemal Propaganda gemacht wird) verwachsen zu sein. Er ist natürlich gegen den„netten" Fütterer, den Stiesvetter des netten Töchterleins und reichen Amerikaner, denn wär« er es nicht, so würde der Film um zwei Drittel früher aus sein, was seiner geschäftlich-kulturellen Sendung(denn Anny Ondra ist offiziell«ine Künftlettn) nicht zuträglich sein könnte. Also tobt das nette Geschöpferl in wachem und trunkenem Zustand, in Wohnungen, Hotels und Zirkus, bis sie nach effektvoller Mrobattk wider Willen ihrer haPPY-end-Sendung gerecht wird. Vergeblich suchen wir in diesen« Film, besten Inhalt Im Kamerun und am Kongo bestehen die Trommeln aus ausgehühlten, dicken Baumstämmen. Es gibt aber auch Trommeln, die wie Kobolde und Riesen geformt sind. Sie haben an einem Eiche einen Kopf, am andern die Füße, dazwischen ist-er Körper. Andere kleine Trommeln werden unter dem Arm getragen. Bei der Verfolgung von Verbrechern hat sich dieser Trommeltelegraph schon oft sehr nützlich erwiesen. Wenn Tiere oder Kinder gestohlen werden oder wenn sonst irgend«in Verbrechen verübt wird, gelingt es dem Tater nur selten, ju entkommen,-a sein« Tat schneller, als er flüchten kann, mittels der Trommel durch den UrwaÄ und di« Steppe verbreitet wird. Wohin er kommt,- weiß man schon von dem Geschehenen. Wie wirksam diese Trommeln arbeiten, erlebte einmal ein Forschunasreffercher. der durch dir Dschungeln West-Afrikas zog. Wenn seine Karawane sich einer Siedlung nähert«, wurde er von den Eingeborenen begrüßt, die immer längst genau Besched wußten, wie er hieß, was er hier trieb und wohin seine Reffe gehen sollte. Lange, ehe er selber an Ort und Stelle kam, war die .Kunde von ihm vor ihm hergeeilt lind hatte ihm dem Weg bereitet. Das kann angenehm sein, wenn man nämlich nichts zu fürchten hat,— wer aber daS Bekanntwcrden seiner Unternehmungen scheut, für dcn ist der abgeschiedene Urwald eine gefährliche Sache._ Das Radio des Urwalds arbeitet mit unzerstörbarer Gewiffenhastigkeit und Sicherheit. W. Helling. KinderfLeunde Vraa. Der Kindernachmittag findet be> reits heute Mittwo ch, den 25. Jänner, um 15 Uhr im neuen Lokal in der Volksschule in Prag Vit., Kimai« kova, statt. nicht wiedergegeben werden mutz, weil wir ihn schon ungezählte Mal« ohne Anny gesehen haben, di« be» kannte Routine der Regisseurs Karl LamaL, der sich ganz damit bescheidet, dem Star die größtmögliche Amortisation der gewiß nicht kleinen Gag! zu ermöglichen; mit Rasp und Fütterer weiß er nichts anzufangen, die Wo iw ob« spielt ihH Episode sichtlich ohne sein"Zutun. Vorher gibt et einen gelungenen Kurztonfilm mit Farkas nutz Engel ,Mas Sie nicht sagen. hier genügt der Wortwitz vollkommen. W. L. Aktualitäten bei Buria«. So wie die Ucibermenge des krampfhaft lustig« Sprechionfflms verflacht auch das Wochenjournal: wir kommen über Manöver, Turn-, oder Gebetve» eine und Luft- oder Flottenparaden nicht hinauf; cs ist schon außergewöhnlich, wenn gute Zirkusbilder gezeigt werden. Bom wahren Gesicht der Zeit keine Spur. In dieser Hinsicht ist di« neueste Ge- fängnisreportag« der Fox-Film-Co. recht interessant; manche würden nur wünschen, recht bald einer der beglückten Häftlinge des Gefängnisses ii Küba zu sein(wo es neben Freiluftarbeit auch erquickende Sportveranstaltungen geben soll) oder zu« miirdasten das mexikanische Frauengefängnis zu besuchen, von Sing-Sing und seiner herrlichen Sauberkeit und dem Aunderessen gar nicht zu reden. Man kann sich allerdings mit dieser., Berichterstattung manches, z. B. die großen' Revolten, nicht erklären.. Denn diese Bilder zeigen nicht, daß der Mensch zur Nummer, zum Objekt unkontrollierbarer Wärterläune wird, sowie sich di« Tore der Gerechtigkeit hinter chm schließen. W. L. Aus der Partei Jugendbewegung. Sozialistisch« Jugend, Kreis Prag. Donnerstag, den 26. Jänner, im Verein deutscher Arbeiter wichtige. Kreisleitungs-Sitzung. Beginn 7 Uhr. 8. I. I. H e u t e im Heim am Fügnerplatz i Diskufsionsabend:.„Problem« der Jugend". Zur Einleitung spricht Genosse Z w i n g s ch c r- Beginn um 8 Uhr.„ Fre e Vereinigung soz. Akapemiker. nichr nur für den Fachmusiker, sondern auch für M wahren Musikfreund. Herz und Gemüt des größt" Künstlers Kellermann yber lernt man in jene^ Hauptabschnitt des Buches schätzen, der von Ruhetagen am Walchensee erzählt, von den Hilfsbereitschaften eines grundgüttgen Mannes für seins leidenden Mitmenschen. Interessante Briefe uns KrüikcnauSzüge sind dem Buche als ausgezeichnetes Belegmaterial beigegeben; schön« Ausstattung, klartl Druck und mäßiger Preis machen eS zu eintt" ebenso wohlfeilen wie wcrwollen Geichcnk für jede" Musikliebhaber E I, Herausgeber: Siegfried Taub— Chefredakteur: Wilhelm Nieku«r— Beramworrlicher Redakteur' Dr. Emrl Strauß. Prag.— Druck:„Rota* A.-G für Zeitung- und Buchdruck: Prag.— Für de» Druck verankworUich Prag.— Die Zei'uugsmarkepfrankatur wurde von der Post»». relegraphrnüireknon mir Erlaß Rr 13 300'VI i 1930 dewtll gt Bezugsbedingungen: Bet Zustellung in» Haus oder bei Bezug durch die Post monatlich Kd 16.—, vierielzahrUch staLdgatzrig M, gaugzatzrig K4 122,—.« wcptM Uuj Atxij jlülgst Ktt SltSsH.UmjchaUrurgeG Krei-nachtag.—-tackstelluug vor; Mauujkrlpu» grjuigi nur bei Etujenduug der AielourmaUea»