Mzelpreis 70 Heller. 13. Jahrgang. Donnerstag. 2S Lanner igzz Nr. 22. Exposee des Genossen Br. Czcdi: MaBioses Elend oilf es zu lindem! Vor neuen großen Aufgaben im Kampf gegen Hunger und Krisennot Man Weitz seit Jahren, datz di« ErposeS deS Ministers für soziale Fürsorge, Genosse« Dr. Czech, zu den interessantesten und insormativste« aller MiniftrrexpossS gehören. So hat auch gestern der Fürsorgeminister in seinen Darlegungen«ine instruktive Darstellung der Lage der wirtschaftlich schwächeren Schichten der Bevölkerung und der Bemühungen des Ministeriums gegeben, in dieser Zeit der Rot den Menschen zu helfen. Ausgegangen ist der Minister von dem Kardinalproblem der Arbeitslosigkeit und hat dargelegt, datz eS vor allem Pflicht des Staates ist, durch Arbeitsbeschaffung einzugreisen. Wie schwer die llebrrwindung der Arbeitslosigkeit ist, zeigte Gnosse Dr. Czech daran, datz trotz der Kris« di, Rationalisierung, das heitzt die Verdrängung der menschlichen Arbeitskrast durch dir mechanisch« s 0 r t s ch r«i t«t, und datz wir bereits auch in der Tschechoslowakei das Beispiel einer Fabrik verzeichnen können, die überhaupt ohne menschlich« Arbeitskraft auskommt. Gegen dies« Rationalisierung gibt«s kein« andere Abhilfe, als die Verkürzung der Arbeitszeit, rin« Forderung, die, wie der Minister mit Recht behauptete, stündlich und täglich an Boden gewinnt. Sehr bemerkenswert waren auch die Ausführungen des Ministers über di« ArbeitSlosenstatistik. Di« Behauptungen, datz die Zahl der Arbeitslosen kleiner sei als di« Statistik uns sie bekannt gibt, widerlegte der Minister schlagend und wi«S nach, datz im Gegenteil die Anzahl der Arbeitslose« größer sei, als den statistischen Angaben entspreche. Roch den Ausführungen d«S Ministers betrugen di« Ausgaben für Arbeitslosenfürsorge im vergangenen Jahr über' 818 Millionen Krone«; trotz der Größe dieser Ausgaben bezeichnete Genosie Dr. Czech dir. ArbeitSlosenfürsorg««och immer al- unzureichend und forderte daher nochmal- nachdrücklich di« Schaffung de- vom Ministerium beantragte« RotfondS. Auch abgesehen Po« der ArbeitSlosenfürsorg« gibt«S für da- Ministerin« bedeutsame Aufgaben. So di« W ö h n u n a- s il r s 0 r g e. Interessant war die Feststellung dr- Minister-, datz etwa die Hälft« der Wohnungen noch unter Mieterschutz stehe und datz von diesen letzteren über 87 Prozent Wohnungen bi- z« zwei Zimmer«, also«von ärmeren Bevölke- rungSschichten bewohnt sind/ Roch immer besteht Wohnungsnot und deswegen ist di« B a u- fördernng notwendig. CS ist Pflicht der Gesetzgebung, das neue Wohnnngsgesetz zu schaffen. Daneben erörterte der Minister noch«ine Reihe von sozialen Aufgaben seines Reflorts — wir heben nur das neue Lehrlingsgesetz hrrvor. Alle dies« Aufgaben des Ministeriums für soziale Fürsorge haben, wie der Minister sagte, das Ziel„dem arbeitenden Menschen z« dienen und für ihn den Weg zu einer besseren Zeit frei;«legen, die ihm ein menschenwürdiges Dasein sichert und ihn in sein volles Recht einsetzen soll." Das Expose des Minister- wurde so zu einer Mahnung an die Gesetzgebung und an all: Parteien, ihr« Pflicht gegenüber den Aermsten der Armen in diesem harten Krisenwinter zu tun! Genoffe Dr. Czech führte«. a. ans: Krise und Massenarbeit^ loslgkcli. Im September des Vorjahres habe ich hier im sozialpolitischen Ausschuss« die wirtschaftliche Lage des Staates und ihr« Auswirkungen auf di« dem Hchutzbereiche des Fürsorgeministeriums ander» trauten arbeitenden Schichten in erschöpfender Weise erörtert. Das Programm, das ich in diesem Zu lammenhangc entwarf, gipfelte in drei kardinalen Forderungen: in der Arbeitsbeschaffung, in tat Verkürzung der Arbeitszeit und in ber gesetzlichen Regelung des Arbe. its- vtarktes. Seither haben die Verhältnisse innerhalb der industriellen und agrarischen Produktion ein« ganz außerordentliche Verschlechterung erfahren und zu einer weiteren und sehr gewaltigen Schrumpfung der Wirtschaft geführt, die in einem bisher noch nie. dagewesenen Aufstieg der Arbeitslosenziffer per 744.876 ihren Ausdruck findet. Gegenüber dem Vormonate ergibt dies eine Stei- gcrung der ArbeitSlosrnzahl um rund 22 Prozent und gegenüber dem Monate Dezember 1929 eine Zunahme der Arbeitslosigkeit um das 14fachr der damaligen Arbeitslosenziffer! Zur Charakterisierung der Situation genügt, 8rnn wir seststrllen, daß heute bereits 70 Prozent oller in der Glas- und Porzellanind.u- stri« beschäftigten Arbeiter zum Feiern verurteilt stud, daß die Eisen- und Maschinenindu- str i e ihre Betriebe nur mit einem dezimierten Ar- »eitsstande und nur in Kurzschichten aufrechtzuet- halten vermag und daß di« Textilindustrie -Avisier Gebiete und Zweige fast vollständig lahm- gelegt ist. Dieselben Erscheinungen bestehen auch in der Konfektion-- und der chemischen In- büstrie, im kau-,und graphischenGe- werbe und treffen naturgemäß auch das Kleingewerbe und de» Handel in gleicher Schwere. Wenn daher der Ruf des Fürsorgeminiftr- riums nach zielbewußtrm und entschiedenem Eingreifen schon in den Sommermonate« des vorigen Jahres berechtigt gewesen ist. wie erst in dieser Stund«! Planmäßige Arbeits* beschaiiung. Nach wie vor hält daher das Fürsorgeministe- rium die rascheste Arbeitsbeschaffung für das wichtigste Gebot der Stunde. Aufgrbaut auf einem Wirtschaftsplane, welcher organisch in den ganzen Produktionsprozeß eingefügt und den Notwendigkeiten aller in Mitleidenschaft gezogenen Gebiete und Produktionszweig« angepaßt werden muß, vermag die Wiederbelebung der Investitionstätigkeit, di« Ermöglichung der produktiven Arbeitslosensürsorgr, di« Wiedererweckung der Baubewrgung eine wesentliche Entspannung der kritischen Wirtschaftslage herbeizuführe». Selbstredend kann di« Arbeitsbeschaffung, auch wenn sie sich in noch so großzügigem Ausmaße bewegt, nicht Wunder wirken, solange eine Umorientierung, ein Umbau unserer Wirtschaft nicht Platz greift, aber sie kann ein großes Stück des wirtschaftlichen Notstandes abbürden und einer zumindest teilweisen Normalisierung der Wirtschaft die Wege ebnen. Sie vermag das um so sicherer, insbesondere im Zusammenhang mit der Verkürzung der Arbeitszeit, ohne die es keinen anderen Ausweg gibt. Denn darüber gibt eg heute keinen Zweifel mehr, daß wir auch in Zeiten des höchste» Konjunkturanffchwunges dauernd mit einem großen Arbeitslosenheere rechne» müssen, wenn es uns nicht durch resolute Maßnahmen gelingt, die durch di« Rationalisierung überschüssig gewordenen Teile der Arbeiterschaft wieder in die Wirtschaft einzusügen. Denn die Technisierung und Ockonomisiernng der Industrie hat in den letzte» Jahren reißende Fortschritte gemacht, und ist— so unglaublich dies auch klingen mag— auch in den beiden letzten Krisenjahren nicht zum Stillstände gekommen. Zur Illustration führte Genosie Dr. Czech einige packende Beispiele aus den ungezählten Ra- tionalisierungsmaßnahmen vor. über die der demnächst erscheinende Bericht der Gewerbeiujxektoren berichtet.(Wir bringen diesen Teil der Ausführungen des Ministers an anderer. Stelle.) Die Frage, die wir uns nun stellen müssen, ist: Was soll mit allen diese« ArbeitSmenschen geschehen, dir— selbst wenn sich dir Konjnnktnrvrr- hältnisse noch so günstig gestalte» sollten— niemals mehr zu ihren Arbeitsplätze« zurückkehren könne«? 40-Stnndenwodie. Das Fürsorgeministerium war sich schon längst der Auswirkungen des immer weiter um sich greifenden Rationalisierungsprozesses klar bewußt. Schon im Oktober 1931 hat es seinen Antrag auf Einführung der 40-Stund«nwache eingebracht, bei dem es vor allem das Schicksal der nach Hunderttausenden zählenden Rationalisierungsopfer im Auge hatte. Durch ein« Senkung der Arbeitszeit von 48 anf 40 Stunden, sohin rund nm 17 Prozent, wär« auch für die ohne ihr Verschulden und nur durch die technisch« Vervollkommnung der Produktions- «inrichtungen und die gewaltige Steigerung der Leistungsfähigkeit der Produktion aus der Arbeit geschleudert«« Menschen neuer LebenSraum geschaffen!. Im Zeitpunkte, in welchem der Gesetzesantrag über die 40-Stundenwoche überreicht wurde, gab es nach den amtlichen Feststellungen 228.351 Arbeitslose, das waren rund 10 Prozent des Arbeiterstandes. Wenn in diesem Zeitpunkte zu jenen Maßnahmen gegriffen worden wäre, di« di« Vorlage über die 40-Stund«nwoch« im Auge hat, dann hätte der größte Teil dieser Arbeitsloseu untergebracht,»nd Hunderttausenden von Familie« die Pein des Arbeitslosrnrlendrs, aber auch dem Staate die schweren finanziellen Opfer erspart werden könne»! Wenn wir daher heute der raschesten Verwirklichung der 40-Stundenwochr neuerlich daS Wort reden, so geschieht es nicht nur aus sozialpolitischen Erwägungen, sondern auch aus zwingenden wirtschaftlichen Gründen. Internationale Arbeils* Konferenz Nur so wird es verständlich, daß die Idee der Perkürzung der Arbeitszeit stündlich und täglich an Boden gewinnt und daß bei der gegenwärtigen Internationalen Konferenz in Genf, nicht nur die Ar- beitervertreter, sondern auch die Vertreter von 20 Staaten sich für die Notwendigkeit der Arbeitszeitverkürzung ausgesprochen haben. Rur so wird man es verstehen, daß die 40-Äundewvoch« in Amerika vielfach bereits in die Tat umgesetzt wurde, ohne daß erst die gesetzliche Regelung abgewartet wurde. Regelung des Arbeits* marMes. Nicht minder dringlich ist aber auch die Frage der Regelung des Arbeitsmarktes. Im Jänner 1931 har das Fürsorgeministerium die Vorlage über die Arbeitsvermittlung überreicht. Es gibt kaum noch irgend jemanden, dem man erst klar machen müßte, welche Bedeutung gerade in der heutigen Zeit dieser Vorlage und insbesondere der öffentlichen Regelung des Arbeitsmarktes, der obligatorischen Meldung und der Sicherung der Arbeitsplätze für die Bedürftigsten unter den Arbeitslosen, aber auch den Vorkehrungen gegen willkürliche Betriebsein st ellungen zukommt und vor allem wie notwendig es scheint, die ge- nauen Ziffern der Arbeitslosen zu ermitteln und so eine unumstritten« Grundlage für die gesetzlichen und freiwilligen Fürsorgraktionrn des Staates zu schaffen. Darum muß jetzt alles daran gesetzt werden, um der raschesten parlamentarischen Verabschiedung dieser unaufschiebbar erscheinenden Vorlage die Wege zu ebnen! (Schluß auf Seit« 2) Der zweite FUnfJahrplan. Am 31. Dezember 1932 endete der erste Fünfjahrplan der Sowjetunion, am 1. Jänner 1933 ist Rußland in die Epoche des zweiten Fünfjahrplanes eingetreten. Der erste Fünfjahrplan hat der Sowjetrepublik zweifellos große Erfolge auf wirtschaftlichem Gebiet gebracht. Hat die Neue Wirtschaftspolitik(1921 bis 1928) die russische Industrie und Landwirtschaft aus den katastrophalen Verhältnissen der Bürgerkriegsepoche auf die Höhe der Vorkriegszeit gebracht, so haben sich während des ersten Fünfjahrplans(1928 bis 1932) die Produktionskräfte des Landes weit über das Niveau von 1913 hinausentwickelt. Merdings ist der Fortschritt nicht auf allen Gebieten gleichmäßig. Die größten Er- folge des ersten Fünfjahrplanes liegen auf dem Gebiete der Schwerindustrie. Hier wurden die Planzifsern nicht nur erreicht, sondern weit überschritten, gewaltige Jndu- striewerke wurden geschaffen, die zu den größten der Welt gehören. Weit geringer sind die Erfolge auf dem Gebiet« der Leichtindustrie oder vielmehr der Industrie der Gebrauchsgüter. Es ist gar kein Zweifel, iwß die in dieser Hinsicht gehegten Erwartungen der Arbeitermassen der UdSSR nicht in Erfüllung gegangen sind und daß der Warenhunger der russischen Bevölkerung, ihr Bedürfnis nych Kleidern und Schuhen bei weitem nicht befriedigt werden konnte. Dazu kommen noch zwei Hauptmängel, welche die Schwerin-^- strie genau so aufweist wie die Leichtindustrie, Mängel, die von den russischen Kommunisten gar nicht geleugnet werden: die schlechte Qualität der Produkte und die hohen Produktionskosten, also die geringe Schulung der russischen Arbeiter und die, geringe Produktivität der russischen Arbeit. Hier bestehen für die russische Industrie noch große Aufgaben. Noch ist diese Industrie nicht im Stande den russischen Arbeitern Waren von solcher Qualität und zu solchen Preisen zu liefern wie in Westeuropa..< Auch die Entwicklung der Landwirtschaft seit dem 1. Oktvber 1928, dem Tage des Inkrafttretens des ersten Fünfjahrplanes, ist nicht so günstig vor sich gegangen, als es nach den Planziffern gedacht war. Wohl ist der Ernteertrag(das erstemal im zweiten Jahre des Planjahrfünfts) über denjenigen des letzten Borkriegsjahres(1913) hinauSge- gangen, erreicht aber wurden die Planüffern in keinem Jahre. In den Jahren 1931 und 1932 waren die Ernteerträge besonders gering. Sehr mangelhaft war die Getreideablieferung, nicht nur seitens der Einzelwirtschaften, sondern auch seitens der Kolchosbauern, so daß sich Stalin genötigt sah, im Sommer 1932 eine Reihe von Verordnungen zu erlassen, durch welche die Kollektivbewirtschaftung gelockert, die Zwängskollektivisiernng von Vieh stark eingeschränkt und ein Teil der geernteten Getreidemenge zum freien Verkauf freigegeben wurde. So hat also die Bevölkerung Rußlands nicht nur zu wenig industrielle Konsumtionsartikel, sondern auch zu wenig Nahrungsmittel, die Ernährungslage der russischen Bevölkerung läßt viel zu wünschen übrig. Die Unzufriedenheit der russischen Arbeiter äußert sich in dem neuerlichen Auftreten von oppositionellen Strömungen in der Russischen Kommunistischen Partei,, auf die Stalin mit einer neuen Tschistka d. i. Reinigung der Partei antwortet. Der zweite Fünffahrplan nun, über den auf der jüngst stattgefundenen Sitzung des Exekutivkomitees der Kommunistischen Partei der Sowjetunion sowohl der Generalsekretär der Partei Stalin als auch der Vorsitzende des Rates der Bolkskommissäre Molotow berichtet haben, sieht leint Seit* Seite 8 Donnerstag, 28. Järmer 1338 Nr. 22 Landwirtschaft in derungen in den Grnndzngen der Konsumwaren und die russischen Wirtschaftspolitik vor. zweite Reihe treten, dann wird die Lebens- Der schlechten Er-ncihrungslaae der Bcvölke- läge der russischen Arbeiter nicht in bemer- rung will niin zwar dadurch Rechnung tra gen, daß nicht mehr eine Ausdehnung der Ackerfläche geplant, sondern beabsichtigt wird, die Jntensivitöt des Bodenanbaus zu ver stärken und die Ernteerträge zu steigern sowie die Bauern zu stärkerer Getreideablieferung zu bewegen, indem man ihnen den freie» Verkauf eines Teiles/der Ernte gestattet. In wieweit diese Bestrebungen Erfolg haben wer den, bleibt cibtt.warten. Dagegen wird an eine raschere Entwicklung der Konsumindu strien nicht gedacht, so daß eine bessere Befrie digung des Bedürfnisses der Bevölkerung nach Industriewaren nicht zu erhoffen ist. Die Hauptsorge der Sowsetregierung gilt wieder der Schwerindustrie, was zweifellos militä rische Gründe hat: Rußland will im Ialle eines Krieges über eine eigene, leistungs fähige Rüstungsindustrie verfügen, um dem japanischen Imperialismus nicht wehrlos ausgeliefert zu sein. Legt aber Rußland das Schwergewicht auf die Produktion von Pro duktionsmitteln, während die Industrie von kenswerterer Weise gehoben werden können. Das hat Stalin auch in seiner Rede vom i 9. Jänner zugegeben.„Selbswerständlich haben wir," so sagte er,„noch nicht die vollständige Sicherstellung der materiellen Be- | dürfnisse der Arbeiter und Bauern erreicht und werden, diese kaum in den nächsten Jahren erreichen." Die russische Arbeiterklasse wird also auch weiter große Opfer für die Jndustrialisieruna des Landes bringen müffen. So lange aber die Ernährungslage der Bevölkerung nicht besser weiden wird, so lange ist an einen Abbau der Diktatur nicht zu denken, so lange kann also der Sozialismus in Rußland nicht Wirklichkeit werden. Denn der Sozialismus ist unvereinbar mit der Diktatur über das Proletariat. Sozialismus ist Selb st be st immun g, Selbstregierung und Selb st Verwaltung der Massen. «Dieser Zu st and ist in Sowjetruß- «land noch nicht erreicht. vss Exposee des Genossen Dr. Czech. (Schluß von Seite 1) Arbeitslosenzählung. I« diesem Zusammenhang« verweist daS Für- sorgeministerium neuerlich darauf, daß eine amtlich« Arbeitslosen st ati st ik entweder auf Grund einer vom Statistische« Staatsamte ausgehende« periodischen amtliche« Zählung»der auf «rund der Ermittlungen der obligatorischen Ar- beitslosenverstcherung oder aber durch ein gut ausgebautes öffentliches Arbeitsvermittlungsnetz gesichert werden kann. Den einzigen Stützpunkt bildet gegenwärtig di« im Rahmen der allgemeinen Volkszählung am 1. De zember 1330 durchgeführte ArbeitSlosenzäh- lung, di« für diesen Stichtag ein« Arbeitslosenziffer per 294.487 feststellte, welche die an dem gleichen Tage von den Arbeitsvermittlungsanstalten ermittelten Arbeitslosenziffer per 155.208 um fast das Doppelte übersteigt. Daran««gibt sich l« einer jede« Zweifel auS- schlietzenden Weis«, daß di« Arbeitslosenziffer in Wirklichkeit weit höher ist, als sie di« Date« der Arbeitsvermittlungsämter veranschaulichen, und daß di« in der Presse herumschwirrenden Behauptungen do« einer künstlichen Aufzüchtung der Arbeitsloseuziffern jedweder Grundlage entbehren. Im Vorjahre 813 Millionen Hir Arbelts- losenfürsorge verwendet! De» Gesamtaufwand, welche« di« staatliche« Fürsorgemahnahmeu erheische«, beziffert« sich für daS Jahr 1932 aus 813,334.036 K, von welchen 493,270.256 K auf die gesetzliche ArbeitSlosenfür» sorg« nach de« Venter System, 225,036.655 K auf di« staatlich« Eruähruugsaktio«, 21,165.059 K auf bic Milchattion, 40,794.735 K aus die produktiv« ArbeitSlosenfürsorge, 9,592.593 K auf di« Sanierung der Genter Fonds der Gewerkschaft««, 5,2491)00 K aus di« Weihnachtraktion und 7,750.000 K aus andere Hilfsaktionen entfielen. Trotz dieses große« finanzielle» Aufwandes erscheint di« ArbeitSlosenfürsorge, gemessen an dem durch die Kris« und Arbeitslosigkeit anSgrlöstr» Elend«, durchaus unzureichend, was das Fürsorgeministerium auch vo« dieser Stelle auszusprechen absolut keine« Anstand nimmt. Darum ist es auch ununterbrochen bemüht, die Leistungen der Ar- beitslosenfürsorge qualitativ und quantitativ aus- zugestalten. Zu diesem Behuf« trifft es di« not» wrudigeu legislatorischen Vorbereitungen, um die ArbeitSlosenfürsorge für de« Uebergang in«orma- lisiert« Verhältnisse auf di« Grundlage« der obli- gatorischen Arbeitslosenversicherung zu stelle«. Das Fürsorgeministerium ist sich aber auch seiner Pflicht bewußt, die Fortführung der Arbeit-- losenfürsorg« im Rahmen der bestehenden gesetzlichen Vorschriften sicherzustellen. Neben dem Staate fällt hier die Hauptlast der Verantwortung und Sorge den Gcwerksdialtcn zu, an die angesichts der rmmer mehr anwachsenden Arbeitslosigkeit die schwersten organisatorischen, aber auch finanziellen Anforderungen gestellt werden, so daß sie an di« Grenze ihrer Leistungsfähigkeit geraten sind. Darum bereitet das Fürsorgeministrrium Maßnahmen vor, um solchen Gewerkschaftsverbänden das Ueberdauern der Krise und die Erfüllung ihrer Aufgaben zu ermöglichen. Notlonds. Tas Fürsorgeministerium ist aber auch bemüht, de» ausgesteuerten, aber auch den gewerkschaftlich nicht organisierten Arbeitslosen Sie Ueberwindung der fürchterlichen Opfer, die dir jahrelange Arbeitslosigkeit von ihnen erheischt, wenigstens zur Not- zu erleichtern. Aus diesem Grunde hält das Fürsorgeministerium nach wir vor an srinem Antrag« aus Einführung de» Notfonds fest, der der Arbeitslosenfürsorge den Uebergang von der' heutigen Krisenregclung zur Arbeitslosenversicherung ermöglichen soll. Solange der Notfonds nicht erreichbar ist, ist das Fürsorgeministerium unablässig bemüht, rin« bessere Dotierung der außerordentlichen Fürsorgemaßnahmen zu erlangen. UellMrsorge Mr Arbeitslose. Das Ministerium hat unter Mitwirkung des Gesundheitsministerium- die Heilfürsorge für Arbeitslose organisiert Mit der Führung der Aktion Wurde«ine ministerielle Zentralstelle betraut, deren Exekutive eben daran ist, in den Bezirken Beratungsstellen ins Leben zu rufen, denen die Aufgabe obliegt, den Arbeitslosen ärztliche Hilfe, Medika- ment« und therapeutisch« Behelfe unentgeltlich zu tzrrmitteln. Heimstätten für arbeitslose Jugend. Auf da» Gebiet der Arbeitslosenfürsorge fallen auch die vom Fürsorgeministerium inS Leben gerufenen 40 Heimstätte« für di« von der Kris« betroffene arbeitend« Jugend. Den nötigen Sachaufwand für die Heimstätten^ die unter die Obsorge der Landet- kommissionen für Kinderschuh gestellt sind, stelle» di« Gemeinden bei, während daS Fürsorgeministerium die Kosten der Verpflegung sowie der Heim- stättenführung trägt. Du- und Wohnungs- fflrsorge. Die zunehmende Verschlechterung der Lage der arbeitenden Schichten und di« dadurch verursacht« Senkung der Konsumptionskrafr der Bevölkerung macht sich in letzter Zeit auch auf dem Gobiei« der Wohnungsfüksorge in sehr empfindlicher Weise bemerkbar. Am markantesten ist wohl der durch die Wirt- schaftsnot verursachte Ansturm der Nenmieter auf di« kleinere« und billigeren Wohnungen. Die erhöht« Nachfrage nach billigen Wohnung«« hatte im Bereiche der Wohnungen, welche dem Mieterschutz« nicht unterliegen, sehr wesentliche Verschiebungen im Gefolge; während hier früher Leerstehungen lediglich bei fünfzimmrigen und größeren Wohnungen gemeldet wurden, sind jetzt auch bei kleineren ungeschützten Wohnungen Leerstehungen feststellbar, doch ist dies nicht auf den befriedigten Wohnungsbedarf der Bevölkerung, sondern einzig und allein einesteils auf di« gesenkten Ein- kommeustzerhältniss« und andernteils auf di« unerschwinglichen Höhen der Miet- zins« dieser Wohnungen zurückzuführen. Wohnungsnot. Das statistische Amt der Hauptstadt Prag be» siffert den sogenannten objektiven und unbedeckten WohnungSbedarf der Prager Bevölkerung zum Oktober 1332 auf 53l1 Wohnungen. Dabei geht es von der Annahme aus, daß in den neuausgeführten Wohnungen die Mieter der Notunterkünfte untergebracht sind, während in Wirklichkeit aber alle bisherigen Notstands- und provisorischen Wohnungen, deren Zahl ziÄka 14.000 betragt, infolge Mangels an billigen Wohnungen, auch heut« noch voll besetz: sind. Die gegenwärtig in Prag leerstehenden Wohnungen kommen daher in der überwiegenden Zahl für di« unbemittelten Schichten nicht in Betracht. Dabei wird man sich vor Augen halten, daß von den auf Grund der Wohnungszählung im Jahre 1930 ermittelten 229.948 Wohnungen noch immer 110.560 Wohnungen unter Mieterschutz stehen und daß unter Sen letztgenannten Wohnungen 76.980 Einzimmer-, 10537 Zweizimmerwohnungen, also zusammen 87.2 Prozent von der ärmsten Bevölkerung besetzt sind Es ist nicht schwer zu ermesse», welche Auswirkungen di« Aufhebung der gebundenen Wohnungswirtschaft zur Folge haben würde! Für Pilse« meldet das dortige Wohnungsamt, daß die Zahl der freien Wohnungen Fhr gering ist. All« freien Wohnungen haben zwei und mehr Räume, während die Nachfrage nach Wohnungen mit eincm Zimmer und Küche oder mit einer Wohnküche im Steigen ist. Dabei find nach der Wohnungszählung vom Jahre 1980 von den 24.139 Woh- uungen Pilsens 12.856 geschützt, während nur 191 Wohnungen, also 0.79 Prozent der Wohnungen leer gestanden sind. Das Bürgermeisteramt in Mähr.-Ostrau meldet, daß in Mähr.-Ostrau von 22.715 Mietwohnungen am 16. November 1932 481 Wohnungen frei waren, von denen nur zehn aus einer Wohnküche, 195 aus Küche und einem Raume, während alle anderen aus zwei und mehr Räumen bestanden haben. Demgegenüber standen in Mähr.-Ostrau zur Zeit der Zählung der Jahres 1930 noch 11.773 Wohnungen unter Mieterschutz. In Reiche»berg wurden zusammen nur 232 leerstehende Wohnungen gemeldet, worunter 20 Wohnküchen, 53 einzimmrige Wohnungen, darunter.$9 in alten Häusern befindliche. Die übrigen leerstehen.m Wohnungen bestehen.durchwegs aus zwei- und m:hr- zimmrigen Wohnungen. Bon den 8693 in Miethäusecu untergebrachten Wohnungen stehen noch 4832 unter Mieterschutz. In Gablonz wurden im Oktober 1832 zusammen 138 leerstehende Wohnungen gezählt. Hievon bestehen nur 67 Wohnungen aus Küche und Zimmer. Demgegenüber stehen von den 7865 in Miethäusern untergebrachten Wohnungen uoch immer 3650 unter Mieterschutz! Notwendigkeit der WohnbaufSrderung. Aus allen Feststellungen ergibt sich, daß wir er noch Immer mit einem ganz außerordentlichen Mangel au Wohnungen und vor allem au kleineren Wohnungen zu tun habe», und daß daher die Fortführung der staatliche» Bausörderung geradezu «ine der wirtschaftliche» Lebensnotwendigkriten ist. Dabei sehe ich von den Möglichkeiten der Arbeitsbeschaffung durch Bausörderung ganz ab. Diesbehüg- lich genügt wohl der Hinweis, daß es dank der Baunovelle des Jahres 1980 gelungen ist, Wohnbauten mit einem Aufwande zu errichten, dessen Lohnantcil allein«inen Betrag per 1.25 Milliarden erreicht! Dabei ermöglichte bi« obengenannte Novelle überdies dir Errichtung vo» 34.043 Wohnungen, wodurch der Heißhunger der Wohnungsmarktes nach Kleinwohnungen wenigstens zu einem Teile gestillt weichen konnte. Es ist daher eine Fortführung der Bastbewegung notwendig. Ein dahin lautender Gesetzesantrag wurde bereits demi Ministerrat« überreicht. Dos neue Wohnungsgesetz. Das Wichtigste ist aber«ugenblicklich, daß das neu« Bau. und WohnimgSgesrtz so rasch als möglich der parlamentarische« Erledigung zugeführt wird. Ganz abgesehen daran, daß die iu der letzt«« Mieterschutznovell« festgelegte Frist bereits am 81. März d. I.«bläust und sohin zur Bewältigung der groß«» GesetzeSmaterie nur wenig Zeit zur Verfügung steht, erscheint di« Berab, schiedung des Wohnungsgrsrpes schon deshalb erforderlich, weil von ihm«in«euer Antrieb zur Wiederbelebung der Baubewegung und vor allem zur Schaffung besserer und bill xerer WohnungS- möglichkerten für di« bedürftigsten Schichten auS- gehrn soll, wodurch Hand in Hand mit der Herabsetzung des Zinsfußes, aus di« die Regierung mit der größt«« Entschiedenheit los steuert, und mit einer auf ein« namhaft« Hrrabsetzung der Bau- ».'ten abzielenden Preispolitik die Lösung des Wohnungsproblems um ei« namhaftes Stück vor- wärtS gebracht werden wird, Der parlamentarische Wohnungsansschuß wird in kürzester Zeit zusammentreten. und wird, wi« sich hoffen läßt, seine Beratungen mit beschleunigtem Tempo zu Ende führen. Arhellcrsdintz. Auf dem Gebiete des Arbeiterschutzes mußte das Fürsorgeministerium angesichts der abnormalen Produktionsverhältnisse seine ganzen Kräfte auf di« Ueberwachung der Einhaltung der Arb«i- terschutzgesetze und insbesondere des Gesetzes über die Arbeitszeit konzentrieren, wobei es leider nur zu oft bemüßigt war«inzugreifen, um so den gesetzlichen Zustand herzustellen. Tas Fürsorgeministermm ist' wiederholt bemüßigt gewesen, auch in einer ganzen Reihe von Fragen einzugreifen, die die Arbeitsverhältnisie, die Arbeitszeit, den Ladenschluß, die Sonntagsruhe im Handelsgewerbe beireffen. Zahlreiche Vorkehrungen, die in dieser Richtung getroffen wurden, führten eine Besserung der Arbeitsverhältnisie der in diesem Zweige tätigen Angestelltenschaft herbei. Soweit in anderen Gewerbezweigen, wi« beson- ders im Gastgewerbe sowie im Bäckereigewerbe noch immer ungünstige Arbeitsverhält- nisse bestehen, ist das Ministerium eben daran, auch hier mit den Uebelständen aufzuräumen Legislatorische Aufgaben. . Selbstverständlich war daS Fürsorgeministerium bemüht, die von ihm zum interministeriellen Verfahren überreichten Gesetzesvorlagen über die- Arbeitszeit, di« Arbeitsvermittlung, die Geltung der K o l l e k t i v v e r r r ä g e, die Errichtung einer Gehaltskasse für die konditionierenden Apotheker etc. durch Verhandlungen mit den interessierten Ressorrs«ntscheidungsreif zu machen Der Entwurf der Regierungsverordnung über die Pen- s i onsvers i ch«rung der Lokalbahnen nach§ 3 deS Pensionsversjcherungsgesetzes wird nach Beseitigung großer Schwierigkeiten nun in Bälde verabschiedet werden. Sozialversicherung. Während alle anderen Zweige der Sozialversicherung dem Krisennotstande zu trotzen vermochten, wurde die Krankenversicherung, deren Pfeiler bereits durch die im Jahre 1924 durchgeführte linear« Herabsetzung der Versicherungsbeiträge unter, spült waren, durch eine ganze Reihe aus der Massenarbeitslosigkeit resultierender Einwirkungen in ihren Grundlagen erschüttert. Aus dieser Situation heraus sah sich das Fürsorgeministerium bemüßigt, di« bei der Zentralsozialversicherungsanstalt b.stehende Fachkommission mit der Aufgabe zu betrauen, di« Lage der Krankenversicherung einer eingehenden Prüfung zu unterziehen und di« notwendigen legislatorischen und administrativen Borschlägr zur Gesundung der Krankenversicherung zu erstatte«. Dabei sollen auch die Frage« der Ausgeftaltung der Alters, und Jnva,ktd»»v«rlich«ru>ug in den Bereich der Verhandlungen der genannten Fachkommission einbezogcn werden. internationale Gegenseitigkeitsverträge. Im Verkehre mit den anderen Staaten wurden im zurückliegenden Jahr« wiederholt Verhandlungen mit Deutschland, Oesterreich, Polen, der Schivciz und Belgien zwecks Herstellung der Gegenseitigkeit auf dem Gebiet« der Sozialpolitik gepflogen. Mit Deutschland, welches rund 180.000(!) in Arbeit stehende tschechoslowakisch« S.aatSbürger beherbergt, wurde auf dem Gebiete der Krisenfürsorge«ine vollständige Einigung auf der Basis der Gleichstellung unserer Staatsbürger mit sei» Reichsdeutschen erzielt. Di« analogen Verhandlungen mit Oesterreich werden weitergesührt. Auf dem Gebiet« der Sozialversicherung ist es bekanntlich bereits vor längerer Zeit zu Abmachungen mit Deutschland und Oesterreich gekommen. In Deutschland wurde der E«genseitigk«itsver:rag vor einigen Tagen durch den Reichsrat genehm gl. Mit der Ratifizierung des Vertrages durch Oesterreich ist in allernächster Zeit zu rechnen Jugendfürsorge. Auf dem Gebiete der Jugendfürsorge wurden gerade in dem zurückliegenden Jahre an da« Fürsorgeministerium di« schwersten Anforderungen gestellt, deren Erfüllung ihm infolge einer namhas.e» Drosselung der einschlägigen Budgetpostrn außerordentlich erschwert wurde. Trotzdem hat das Fürsorgeministerium unter Aufgebot aller Kräf e und unter werktätiger Mitarbeit der Halboffiz ellen Jugendfürsorgekorporationen sowie d«r freiwilligen Verbände der Jugendfürsorge das Möglichst« unternommen. Auf organisatorischem Gebiete wurden die Fundament« für die Zusammenfassung aller aus dem Gebier« der Jugendfürsorge wirkenden Kräfte zu höhere« und dadurch auch schlagjerligertn Organ sationssormen gelegt. Das Ministerium bereitet«inen:"..., ii»-•■..... tzksetzentwues über d«n L«hrting»vertrag vor,- der dät WerajAikompsiltepl.e-^Lrhrllngsprobletß einer zusammenfassMden, den Modernen Anforderungen entsprechenden Regelung umerziehen soll- Die Zentralstelle für arbeitend« Jugend mit allen ihren Sprengelbeirären hat auch heurigen Jahre ein reiches. Betätigungsfeld gesunden. Auch Heuer wurden, vierzig Heimstätten für di« arbeitende Jugend eröffne:. Im kommenden Jahre wird d e Bewältigung aller dieser Aufgaben nur möglich sein, wenn die Jugendfürsorge a u f f« st e g« s e tz l i ch e Grundlage gestellt und finanziell gesichert wird. KrlegshesdiaaigtenllirsorMe. Das Fiirsorgemmtstrrium hat auch im Berichtsjahr der KkregSbeschLdixtenfürsorge eine gant besonder« Betreuung angedeihcn lassen. Di« Kürzung der Invalidenrenten und Vi« Beseitigung aller unter 30 Prozent fallenden Rrntenbezüg« blieb den Kriegsbeschädigten glücklich erspart! Die Vorlage über die Novellierung des£ 29 des Kri«gsbeschädigtengesetz«s betreffend die Verlängerung der Frist zum Ansuchen"um neuerlick-e Untersuchung-wegen Verschlimmerung des Gcsundheits- zwstandes schwebt trotz aller Anstrengungen des Für- iorgeministeriums noch immer im interministeriellen Verfahren. Aus dem beim Fürsorgeministerium bestehenden Jnvalidenfonds sind in deit drei zurückliegenden Jahren in 3660 Notstandsfällen üN Kriegsinvalide, di« di« Anmeldefrist versäumt haben oder ganz besonders bedürftig sind, einmalige Aushilfen in der Höhe von 1,161.500 K bewilligt worden. Zusammenfassung. Zusammenfassend kann gesagt werden, daß dreier Bericht ein nur annäherndes Bild der großen Arbeit des Fürsorgeministeriums im zurückliegenden Jahre gibt. Er konnte nur di« brennendsten Fragen zum Gegenstand« der Erörterung machen. An der Arbeit des Ministeriums haben vor allem die Beamten und Angestellten ganz besonderen Anteil. Sie haben in den Stunden, in denen an das Fürsorgeministerium ganz außerordentliche Anforderungen gestellt wurden, ihr Bestes geleistet. Ihnen ser von dieser Stell« herzlichster Dank gesagt. Abstrahiert man von den Einzelheiten der.im Berichtsjahre geleisieten großen Arbeit und legt«n sie in ihrer Gesamtheit den prüfenden Maßstab am dann ergibt sich, -aß dies« Arbeit täglich in Wirklichkeit eia einzige: schweres Ringen,«iu unablässiger großer Kampi auf dem Feld« der Sozialpolitik gewesen ist, mit dem Ziel«, dem arbeitenden Mensche» zu diener und für ihn de» Weg zu einer neuen und bessere' Zeit srrizultgen, die ihm«in menschenwürdig- Dasein sicher« und ihn in sei» volles Recht rir setze« soll. Das Fürsorgeministerium sieht im Bewuß sei« getaner Pflicht dem Urteil« der parlmneutaH- i scheu Instanzen beruhigt entgegen! Sk 22 Donnerstag, 26. Jänner 1933 Seit« 3 Menschenleere Fahrlhssöle. Furchtbare Details über das Fortschreiten der Rationalisierung. Prag, 25. Jänner. In seiner heutigen Rede im Budgetausschuh des Abgeordnetenhauses erwähnte Fürsorgeminister Genosse Dr. C z e ch aus dem demnächst erscheinenden neuen Bericht der Gewerbeinspektoren einige besonders krasse Beispiele dafür, daß zahllose Betriebe trotz vollständiger oder teilweiser Lahmlegung eine durchgreifende Rationalisierung ihrer Produktionseinrichtungen teils durch Technisie- Utng und Mechanisierung, teils durch Rekonstruktion. Konzentration oder Spezialisierung ihres Produktionsapparätes gerade in den letzten Jahren durchaeführt haben. Die natürliche Folge war die Verdrängung vieler zehntausender weiterer Arbeiter aus dem Arbeitsprozeffe und dem Nährstande durch die Einsetzung von Maschinen. So wurde in zwei Zementfabriken anstatt der Formung des Rohmateriales auf den Zieglpresien ein Durchdrücken desselben auf eigenartigen Kollergängen und eine mechanische Zuführung des Rohmateriales zu den Oefen eingeführt, was die Entlassung von 140 Arbeitern zur Folge hatte. Im Kalksteinbruche einer anderen Zementfabrik wurde mit Hilfe der Bohrmaschine Cyklon das elektrische Abschieben ganzer Felsenwände eingeführt. Dadurch werden mit einem Schlage einige lausend Waggons Stein gewonnen uNd so ermöglicht, daß die Sprengarbeiten nur einmal in 14 Tagen notwendig sind. Die Zahl der im Bruche beschäftigten Arbeiter ist dadurch von 130 auf 68 gesunken. Ein auf einer Anhöhe angelegter Steinbruch hat zum Steintransport ins Tal an Stelle von 18 Bremsbergen eine Seilschwebebahn errichtet, wo- durch die Entlassung von 40 Arbeitern herbeigeführt wurde. I« eine« keramischen Betrieb« d«S Jungbunzlauer Jnspcktionsbereiches ermöglicht« die Mechanisierung des Produktionsprozesses di« Erzeugung von 8000 Fliese« in einer Stund«, während früher bei derselbe« Arbeiteranzahl nur 400 erzielt werde» konnten. Eine Glasfabrik in der Slowakei vermag mit Hilfe eines, von einem einzigen Arbeiter bedienten Pantografen 24 Gegenstände auf einmal mit Glasverzierungen zu versehen, während hiezu bisher 24 Arbeiter erforderlich waren. Zur Berbesierung der Produktion von zweiteiligen Knöpfen hat eine Budweiser Metallfabrik automatische Pressen aufgestellt, deren jede die Arbeit von zehn Arbeitern ersetzt. Ein Prager Betrieb zur Herstellung von Automobilbestandteilen hat Schleifmaschinen mit erhöhter Leistungsfähigkeit und Deiters Spindelautomaten eingestellt, welche zehn Operationen gleichzeitig auSzn- lühren vermögen und ,die Leistungsfähigkeit der alten Maschinen um 60 Prozent übertreffen. Eine im Neutraer Jnspektionsbereiche gelegene Fabrik zur Verarbeitung von Flachs und Hanf hat, als sie nach einem Brande wiederaufgerichtet wurde, für ihre Flachsbrecherei zwei Automaten angeschafft, welche bei der gleichen Leistungsfähigkeit des Unternehmens 60 Prozent der bisher beschäftigten Arbeiter auszuschalte« vermochten. Der Bericht des Taborer Gewerbeinspektorates meldet über eine Wäschefabrik, welche die Gesamtproduktion auf Fließarbeit eingerichtet hat und nach Durch- führung der Mechanisierung der Fabrikseinrichtungen trotz Entlassung von Arbeitskräften ihre Leistungsfähigkeit um 140 Prozent zu steigern vermochte. Einer besonderen Erwähnung bedarf die Automatisierung der mit der Flaschenfüllung ver- 1 bundenen Arbeit. Hier verrichten die neuen Maschinen die Reinigung, Füllung, den Verschluß und die Etikettisierungsarbeiten, die unter Kombination mit einem Transporteur die menschliche Arbeit aus die bloße Herabnahme der gefüllten Flaschen von den Transporteuren beschränkt. Daß die massenhafte Einführung dieser Maschinen in allen für sie in Betracht kommenden Betrieben die Entlassung von Arbeitern zur Folge hat, muß nicht erst erwähnt werden. In einer Pilsner Brauerei vermag ein neueingestellter Bierabziehapparat in einer Stunde 3000 Flaschen zu füllen, also fünfmal soviel, als dies die zur Bedienung des Apparates bestellten Arbeiter zu bewerkstelligen vermochten. Auch im graphischen Gewerbe macht die Technisierung gewaltige Fortschritte. So wurde in einer Prager Druckerei eine neue O f f s e t-R o t a t i o n S- ma sch ine aufgestellt, welche 3000 Fünffarbendrucke in einer Stunde liefert, während die alten Steindruckmaschinen nur 800 einfärbige Drucke in der gleichen Zeit zu liefern vermochten. In einer im Neutraer Jnspektionsbezirke befindlichen Papiersackfabrik ermöglichte die Einführung einer automatischen Maschine, daß alle notwendigen Arbeiten von Anbeginn bis zur vollständigen Herstellung des Produktes von einer ein- Berlin, 25. Jänner. In einer gemeinsamen Sitzung des Parteivorstandes der sozialdemokra- tichen Reichstagsfraktion am Mittwoch ist, wie DDZ meldet, folgender Beschluß gefaßt worden: »Der Partcivorstanv der sozialdemokratischen Partei Deutschlands und der Borstand der sozialdemokratischen Reichstagsfraktion erheben schärfsten Protest gegen den Plan der»Proklamierung eines sogenannten staatlichen Notstandrechts". Seine Verwirklichung würde auf einen Staatsstreich hinaus- lausen, der dem Bolt seine verfafsungs- mätzigen Rechte raubte und jene» Cliquen zugute käme, die ohne Rücksicht aus die Gesamtheit und vor allem auf die Arbeiterklasse ihre Sonderinterefsen vertrete« und dabei die Kritik des Parlaments zu scheuen alle» Grund haben. Ein solcher Staatsstreich würde«inen rechtlosen Instand schaffen, gegen de« jeder Widerstand erlaubt«nd geboten ist." Oie Lage im Reich. Berlin, 25. Jänner. Durch die gestrige Erklärung der deutschnationalen Fraktion, die dem Reichskanzler den Kampf ansagt, wurde die innerpolitische Situation nur noch verschärft. Die Erklärung war offensichtlich bis zu einem gewissen Maße von dem Unwillen der Deutsch- zigen Maschine— ohne Zuhilfenahme menschlicher Arbeit— vollführt werben. Ein Kunstwerk der Rationalisierung ist eine Effigfabrik in Karpathorußlaud, welche ohne di« leiseste menschlich« Nachhilfe den ganze» Tag über selbsttätig arbeitet, ja sogar tagsüber mittels eiars Schlüssels abgesperrt wird. Eine sinnreiche, mit einem Uhrwerk versehene, präzis funktionierende Pumpe schöpft viertelstüiwlich eine bestimmte Menge in einen Essigbottich, in dem dann ein drehbarer Verteiler die ganze Flüssigkeit zerstäubt. Auf automatischem Wege gelangt dann die Flüssigkeit in einen Kühlbehälter. Die menschliche Arbeit beschränkt sich bloß auf die äußere Bedienung der Maschineneinrichtung und auf die Zuführung der Flüssigkeit in den Denaturierungsbottich und des fertigen Produktes in die Gefäße. Zuletzt sei»och der im Königivhofer Bezirke im Bau begriffenen automatischen Weberei gedacht, die bereits durch die Aufstellung der ersten 40 automatischen Webstühle eingeleitrt wurde»nd ei» wahres Schulbeispiel für ei»« menschenleere Fabrik sein wird, von der uns bisher nur frrur Lauder etwas zu erzähle« wußte»! Diesen Beispielen, erklärte- Dr. C z e ch, könnte noch eine ganze Fülle noch plastischerer beigefügt werben. Sie genügen aber, um Ihnen an Hand der lebendigen Wirklichkeit vor Äugen zu führen, wie in jedem Produktionszweige stündlich und täglich Hunderte, vielfach Tausende arbeitsfreudiger Menschen erbarmungslos aus der Arbeit geschleudert und jenen fürchterlichen Fährlichkeiten ausgeliefert werden, die das Schicksal der arbeitslosen Menschen mit sich bringt! nationalen darüber diktiert, daß der Reichskanzler von Schleicher gestern offiziell die Gerüchte über die vorbereitete Suspendierung gewisser Ber- fassungsartikel(bezüglich der Ausschreibung der Reichstagsneuwahlen) dementierte. Heute fanden verschieden« politische Beratungen statt, u. a. hatten Hugenberg und der Vorsitzende der nationalsozialistischen Fraktion Dr. Frick Beratungen. Bis zur Stunde kann jedoch keine Aenderung der Situation gemeldet werden. In Regierungskreisen lehnt man es, wie das Conti-Büro mitteilt, ab, in die gegenwärtigen Kombinationen der politischen Presse irgendwie einzugreisen. t Man beschränkt sich auf den Hin; weis, daß der Aeltesteprat des Reichstages' am Freitag ohnehin zusammentretrn wird um» diese Sitzung in Ruhe abgewartet wird. Untersuchung des Osflillle- shandnls. Berlin, 25. Jänner. Der Haushaltsausschuß nahm heut« gegen die Stimmen der Deutschnationalen einen sozialdemokratichen Antrag an, der den Rechnungshof ersucht, die Umschuldung aus Osthilfemitteln einschließlich des Einsatzes des Betriebssicherungsfonds sofort einer eingehenden Prüfung zu unterziehen und über das Ergebnis einen ausführlichen Bericht zu erstatten, der sofort dem Haushaltsausschuß vorgelegt werden soll. SPD, erklärt: „Gegen Staatsstreich> jeder Widerstand erlaubt!" 30 Die Kellnerin Molly. Roman von Hans Otto HeneL Copyright dv Fackrlreiler-Derlaa. Berlin. Nachdruck verboten. Nun hatte Frau Grabow vor dem Richter stehen müssen, unfähig, zu erkennen, daß eine natürlich und allgemein geübte Sache strafbar sein sollte, nur weil sie noch nicht standesamtlich eingetragen ist. Male war aufs tiefste erschüttert. Sie suchte die kleine Frau zu trösten und versicherte. ihr viele Male, daß sie nicht schlecht von ihr dächte. Innerlich aber hielt sie die Frau zwar nicht für eine Verbrecherin, konnte sie aber nicht von Schuld gänzlich freisprcchen. Sie dachte an ihre Mutter, dje sicherlich bis zum Hochzeitstage über ihre Tochter gewacht hätte, wenn nicht der Herr Kriminalwachtmeister Pubilke und der Justizamtmann Gottvertrau in ihr Leben getreten wären. Sie hielt es für die Pflicht einer Mutter, ihre Tochter rein zu bewahren, und daß es nicht batte geschehen können, empfand sie als das große Unglück ihres Lebens. Male dachte aber auch an die Schnitterkasernen aus dem Rainersdorfer Rittergute, wo die jungen Menschen gezwungen wurden, für kurze Zeit ohne Trauschein zusammenzuleben, weil das so für den Gutsbesitzer billig-, r /va.. Nicht einmal der Ortspastor, viel weniger noch Polizei und Richter kümmerten sich um diese offenbare Verletzung der kirchlich und staatlich anerkannten Moral. Sie sah, daß es für vornehme und geringe Leute zweierlei Anwendung der Gesetze gibt. Nein, bei Frau Grabow würde Male nicht bleiben, selbst wenn es möglich wäre. Sie überlegte schon, ob sie nicht besser das ihr unleidlich gewordene Stettin verlassen sollte, als sie sich von Trau Grabow verabschiedete. Eingeschobenes Kapitel über gute«nd gerecht« Richter. Herr Dreibarth, Fabrikant und Kaufmann zu Leipzig mit einem Keinen Büro in der Universitätsstraße, mußte sich vor dem Schöffengericht verantworten. Die AnKage lautete auf versuchte Notzucht, ein Verbrechen nach 8 176 des Strafgesetzbuches. Die Gerichtsverhandlung ergab ein wenig günstiges Bild für den Angeklagten. Eine siebzehnjährige Arbeiterin, in Leipzig beschäftigt und in Groitzsch bei Leipzig wohnhaft, fuhr an jedem Abeyd mit einem Vorortzuge nach Groitzsch. Eines Abends verspätete sie sich, so daß sie den üblichen Zug nicht mehr erreichen konnte. Sie ging in das dem Bahnhofe benachbarte Stadtviertel zurück, um spazierengehend sich die Zeit bis zur Abfahrt deS nächsten Zuges zu vertreiben. Das von Natur schwächliche uno demzufolge nicht sehr reizvolle Mädchen wurde an oer Ecke der Windmühienstraße von einem älteren Herrn angesprochen, der sich freundlich nach Woher und Wohin erkundigte. Das mit großstädtischen Sitten wenig vertraute junge Ding gab arglos Auskunft. Der sehr vornehm aussehende Herr behauptete, auch er wolle nach Groitzsch fahren. Nur müßte er noch seine Aktenmappe aus dem Büro in der llniversitätsstraße holen. Das junge Mädchen, geblendet von so viel Herablassung eines' vornehincn Mannes, ließ sich leicht überreden, mit in die Stadt zurückpikch- ren, um so in Gesellschaft die Zeit bis zur Abfahrt des Zuges zu vertreiben. Durch mancherlei harmlos scheinende Versprechungen, unter denen die Inaussichtstellung einer lohnenden Beschäftigung obenan stand, lockte der Herr dann das Mädchen mit in sein Privatkonto!. Dort spielte er zunächst den höflichen Mann, bot dem unerfahrenen Mädchen einen Platz im bequemen Klubsessel an, reichte ihr'Gebäck und schenkte ihr Liköre ein. Der Herr wurde ärgerlich, als das Mädchen sich weigerte, den Mantel abzulcgen. Seine höfliche Maske verschwand, und er versuchte nun ganz ungeniert, das Mädchen zu vergewaltigen. Trotz der Verwirrung durch den ihr ungewohnten Alkohol gelang es dem Mädchen, den Wüstling abzuwehren, doch war sie außerstande, um Hilfe zu rufen. Der Schreck hatte wohl die Stimmbänder gelähmt. Den höflichen-Herrn packte rasende Wut über die Abwehr des Mädchens. Er griff zur Hundepeitsche, um damit zu erreichen, was seinen Händen nicht gelungen war. Während er auf sein Opfer einschlug, versuchte er ihr Mantel und Kleid vom Körper zu reißen. In auswegloser schrecklicher Angst sprang das Mädchen ohne Bedenken zum Fenster hinaus in einen Luftschacht, wo es schwer verletzt liegen blieb. Im Gerichtssaale standen nun der vornehme Herr, eben der Fabrikant Dreibarth, und sein Opfer, die jEndliche Hertha Lindner, einander gegenüber. Das Mädchen wurde von sei- ner alten Mutter, die bis dahin von der Unterstützung der Tochter gelebt hatte, hereingeführt. Allein pi gehen war ihr unmöglich, denn sie hatte bei dem Sturz in den Lichtschacht ein Bein gebrochen und auch andere Betletznngen. davongetragen, so daß die Aerzte im Krankenhaus eine Verkrüppelung fürs ganze Leben festgestellt hatten. Herr Dreibarch führte zu seiner Entlastung an, daß er an jenem Abend betrunken gewesen sei. Die Richter nahmen das auch wirklich als Entlastung zur Kenntnis. Weiler führ» Herr Dreibarth zu seiner Entschuldigung an, er habe das Mädchen nur ausziehen wollen, um es nackt zu sehen. Er sei aber von seinem Beginnen ab- gestaivden, als er bemerkte, daß er nur ein gewöhnliches Mädchen aus dem Arbeiterstande vor sich habe. Diese Entschuldigungen des vornehmen Herrn wurden in seinem Sinne von dem zuständigen Leipziger Schöffengericht gewürdigt. Zwar mußte man ihn verurteilen, aber daS Gericht billigte chm mildernde Umstände zu» eben Säuberung des Staatsapparates von iasclsüscuen Elementen. Eine Resolution des Wehrausschusses. Prag, 25. Jänner. Heute nahm auch der Wehrausschuß des Abgeordnetenhauses zu den Vorfällen in Brünn in längeren Verhandlungen Stellung. Verteidigungsminister Ä r a d a r gab eine inhaltlich mit seinen gestrigen Ausführungen im Senat übereinstimmende Erklärung ab, worauf sich nicht weniger als zwölf Redner der verschiedensten Parteien mit dem Fafcistenputfch und seinen Ursachen, bzw. den daraus zu ziehenden Konsequenzen beschäftigten. In die Debatte griff noch wiederholt Minister Bradaö ein, der u. a. den mährischen Landeskommadnanten General W o j- ciechowsky gegen vreschiedene Vorwürfe in Schutz nahm, die gegen ihn erhoben worden waren. Schließlich nahm der Ausschuß«ine Resolution an, in der er die Erklärungen des Ministers zur Kenntnis nimmt und mit Entrüstung den verbrecherischen Angriff verurteilt. Er zweifelt nicht daran, daß eine- st r e n g e Untersuchung und ein gerechtes Urte i l erfolgen wird. Für die Zukunft könne sich der Ausschuß nur dann zufriedenstellen, wenn die Regierung alle notwendigen Maßnahmen treffen^wird, um nicht nur die Wiederholung derartiger Verbrechen unmöglich zu machen, sondern auch die demokratische Verfassung des Staates zu schützen. ,^Jm Bewußtsein dessen," heißt es weiter,„daß die demokratischen Einrichtungen unserer Republik cs ermöglichen, jede Idee im öffentlichen Leben und in den gesetzgebenden Körperschaften zu vertreten, spricht der Wehrausschuß die Ueberzeugung aus, daß die Regierung solche Taten und Bewegungen nicht dulden kann, durch die die demokratischen Einrich- Ohl orodont- Zahnpaste Ist die beliebte Zahnpaste von hAchster Qualität Die vielen Millionen Menschen, die sie täglich benutzen, erfreuen sich gesunder und weißer Zähne. Hüten Sie sich vor Nachahmungen und vielversprechenden Ange* boten, verlangen Sie ausdrücklich nur Chlorodont tungen des Staates gewaltsam bedroht sind. Sie kann auch nicht dulden, daß in den Aemtern und Anstalten des Staates sowie aller öffentlichen Einrichtungen etwa irgendwelchen Verbrechen gegen die Grundlagen der demokratischen Verfassung Vorschub geleistet werde, oder daß in ihnen Leute geduldet werden, die in ideeller oder persönlicher Verbindung mit verbrecherischen Unternehmen oder Bewegungen stehen, die das Verderben der demokratischen Grundlagen der Republik zum Ziel haben. Der Maat mtzß sich heS Risskps, bewußt sein, das hei Mchtsqrsigerf.Beurteilung. d^ra.rHge.r Verbrechen und Aktionen entstehen,"würde, und er hat daher die Verpflichtung, in der Verteidigung der Demokratie und der Verfassungsmäßigkeit aller Erforderliche vorzukehren. Weiters ersuchte der Ausschuß den Minister, den Soldaten ohne Unterschied der Nationalität, die gewissenhaft ihre Pflicht erfüllt haben, Anerkennung und Dank auszusprechen. Den verwundeten Soldaten soll größte Aufmerksamkeit und Pflege zuteil werden. Sollten die Verwundungen nicht ohne Folgen bleiben, so müsse man ihnen bei der Gründung einer Existenz behilflich sein, bezw. entsprechend für sie sorgen, falls sie arbeitsunfähig werden sollten. Für diese Resolution stimmten außer den koalierten Parteien auch die tschechische Gewerbepartei. weil er in Trunkenheit gehandelt habe. Herr Dreibarch wurde jtu der niedrigst zulässigen Strafe von sechs Monaten Gefängnis verurteilt. Die milden Richter schenkten ihm zum milden Urteil auch noch die Gnade einer Bewährungs- frist von drei Jahren. Herr Dreibarth wird das Gefängnis als» nie von innen sehen, falls er nicht das Pech haben sollte, an andere Richter zu kommen, wenn er sich wieder einmal das Vergnügen leistet, Arbeitermädchen in die Nachbarschaft des Todes zu jagen. Wahl kam es nach der Verkündigung des Urteils im Gerichtssaale zu Mißfallenskundgebungen der Zuhörer, da die Richter keinen Grund gefunden hatten, die Oeffentlichkeit auszuschließen. Das Rechtsgefühl der einfachen Leute geht ja von naiven Voraussetzungen aus. Es sieht auf der einen Seite einen Mann, der wohl im öffentlichen Leben geachtet ist, weil er Fabrikant, Kaufmann, Mitglied nationaler Vereine ist, im flüchtigen Kitzel einer Minute aber ein Menschenleben zerschlägt— auf der anderen Seite ein junges Mädchen, dessen Leben zerbrochen wird, obwohl cs nichts als fleißig arbeiten und seine alte Muller ernähren will. Das Rechtsgefühl der Menge wägt da leicht zugunsten der schwächeren Partei, aber die Schöffenrichter fanden in ihren Paragraphen immer noch genug Stützen, die zugunsten des Stärkeren den Ausschlag gaben. Herr Dreibarth war darüber bestimmt nicht böse. Mit Hertha Lindner, dem unglücklichen Opfer des Herrn Dreibarth, saß Male im Eisenbahnzug zusammen, als sie von Stettin nach Berlin fuhr. Mal« war dem Mädchen wohl sympathisch genug erschienen, darum^me sie ihr die Geschichte erzählt. Diese rückhaltlose Mitteilsamkeit öffnete Males Herz und Mund. (Fortsetzung solgr.) Seite l Donnerstag, 99. Mknner 1988 Nr. 22 Sm Telchäft mit den stnkllichen Wäldern. In den letzten zwei Jahren ist, wie wir dem„Land- und Forstarbeiter" entnehmen, ein starkes Sinken des Holzabsatzes einge- treten. Das hat seinen Grund in der allgemeinen Wirtschaftskrise und in. dem gestiegenen Absatz russischen Holzes. Die Folgen dieses geminderten Holzabsatzes werden von dem genannten Blatt folgendermaßen dargestellt: Hunderttausende Festmeter Holz liegen im Walde und verfaulen. Die Schlägerungen werden auf das unglaublichste Maß eingeschränkt, alle notwendigen Reparaturen und sonstigen Arbeiten in den Forsten unterbleiben. Die Folge ist, daß viele Tausende Forstarbeiter uiw die Arbeiter der Waldsägen nicht beschäftigt werden oder nur wenige Wochen im Jahre Die Arbeitslosigkeit hat in den Kreisen der Waldarbeiter einen ungeheuren, nie dagewesenen Umfang angenommen. .Die Not ist groß. Man muß in Betracht ziehen, daß in vielen Forstgcbieten die Arbeiterschaft ftüher immer noch die Möglichkeit hatte, in den Zeiten der Aussetzens irgendwo anders unterzukommen oder siM in der Hausindustrie einen bescheidenen Verdienst zu schaffen. Diese Möglichkeiten fehlen heute vollständig. So ist die Not überall sehr groß. Die Verwalter der staatlichen Forste benehmen. sich nicht besser als private Unternehmer. Sie wollen di« Holzwirtschaft dadurch sanieren, daß sie den Arbeitern die Löhne herabsehcn. Außerdem soll eine Verkaufsorganisation der Staatsforsbe geschaffen werden, über die wir schon berichtet haben. Die L. Körner A.-G. in Prag hat mit der Generaldirektion der Staatsforste einen Vertrag abgeschlossen, demzufolge einer neu zu gründenden Gesellschaft unter dem Namen„Tschechoslowakische Zentral- Holsverkaufsstelle A.-G." der Verkauf der Gesamtproduktion der staatlichen Forste übertragen werden soll. An der Gesellschaft wird der Staat mit 51, dir Anglo-Prvgabank mit 49 Prozent beteiligt sein. Die Firma I. Körner wird ihren Berkaufsapparat an die neue Gesellschaft abtreten. Di« Provisionsbedingungen für die neue Gesellschaft sind sehr gut. Nach dem Vertrag soll die Gesellschaft eine Provision erhalten, welche bei einem Umsatz bis 100 Millionen 6 Prozent, dis. 150 Millionen 5 Prozent, bi« 200 Millionen 4 Prozent, bis 250 Millionen 3.5 Prozent, und über, 850 Millionen 3 Prozent betragen würde. Bei einer Auflösung der Äer- kaufsgesellschaft sollte die Firma eine Abfindung in der Höhe der Dreifachen Provision des vor- angegangenen Jahres erhalten. Das Geschäft kann also beginnen. Es ist die Befürchtung nicht von der Hand zu weisen, daß durch diese VerkaufSorganifation ein Holzdumping geschaffen wird^ dessen Kosten allein die Arbeiter zu tragen hätten. LandesauSschuß für Böhmen. Der Landespräsident Dr. S o b o t k a eröffnet« zum erstenmal in seinem Amte die Sitzung des Landesausschusses für Böhmen mit einer Kundgebung, in der er sein aufrichtiges Streben gewissenhaft und unparteiisch in den Traditionen der früheren Lan- oesausschüsse für das Wohl seiner Heimat und seiner. Bewohner einzutreren betonte und versprach. imnrer die gerechtfert gten Interessen des Landes Böhmen mit absoluter Objektivität zu vertreten und Meinungsverschiedenheiten, die bei der Auffassung irgendeiner Angelegenheit entstehen können, in den Grenzen des Gesetzes im gegenseitigen Einvernehmen in der Ueberzeugung zu lösen, daß er mit den Mitgliedern des Landes- ausschuffes in gemeinsamer und fruchtbarer Arbeit zum Vorteil des Landes und seiner Bevölkerung übereinstimmen werde. Das Mitglied des Aus- schusses Hlavaty begrüß:« den Landespräsidenten im Namen des Landesausschusses. Hierauf erledigte der Landesausschuß außer laufenden Angelegenheiten 500 Gemeindehaushalte, genehmigte 64 Gemeinden die Einhebungen verschiedener Abgaben und Gebühren und bewilligte für Meliorationsarbeiten Landeszuschüsse in der Gesamthöh« von Kö 623.000. Arbeitslosenhilfsaktton der politischen Behörden in Böhmen. Auf Initiative des Landesamtes wurden im November des vorigen Jahres bei allen Bezirksbehörden in Böhmen Hilfsausschüsse für die Arbeitslosen unter Beteiligung aller Humanitären und sozialen Institutionen, der Bezirks- und Gemeindeselbstverwaltungen usw. gebildet, welche während der kurzen Zeit ihrer Tätigkeit bereits mit Erfolg gearbeitet haben. Durch verfihiebenc freiwillige Beiträge, welche durch die Behörden im Rahmen ihrer Kompetenz(Gebühren für Verlängerung der Polizeisperrstunde, brr Abschluß von Zivilehen usw.) eingehoben wurden, oder auf deren Einführung diese Behörden eingewirkt haben(z. B. Zuschläge zu den Kinokarten in Prag), weiters durch Sammelaktionen wurden den Dilfsausschüssen nicht nur Barbeträge, Indern auch Naturalien(Lebensmittel, Kleider, Wäsche) zur Verfügung gestellt, welche an di« Arbeitslosen verreilt wurden. Das Landesamt in Prag dankt allen, die zum Gelingen dieser Aktion beitzetragen haben und richtet an die gesamte Bevölkerung die Bitte, auch weiterhin di« Hilssausschüss« für die Arbeitslosen nach Kräften pl unterstützen. ver ßfidfgang des Welthandels. Von 62 Milliarden Mark in den ersten nenn Monaten 1929 auf 22 Milliarden In der gleichen Zelt 1932. Das statistische Reichsamt Deutschlands veröffentlicht soeben Ziffern über den Welthandel im Jahre 1932. Danach ist der Auherchandels- umsatz der 48 wichtigsten Länder tm dritten Quartal 1932 gegenüber dem Jahre 1931 um 39 Prozent und gegenüber 1929 um rund 65 Prozent zurückgegangen. Der Welthaftdelsumsatz betrug in der gleichen Zeit schätzungsweise 22 Milliarden Mark gegenüber 36 Milliarden im Jahre 1931 und 62 Milliarden im Jahre 1929. Dieser scharfe Rückschlag im Außerchandel findet seine Parallele im Rückgang der Ziffern für die industrielle Weltproduktion, die 1932 den niedrrg- Jn Besprechung der Budgetziffern des Fürsorgeministeriums fuhrt« Genoss« Hackenberg am Dienstag abends aus, daß die Gesamtziffer des Budgets zwar nur von 873 auf 863 zuruck- gegangen ist, daß aber innerhalb dieser Ziffern Verschiebungen stattgefunden haben, die in andern Posten schwerwiegende Kürzungen zur Folge hatten. So wurden aus dem Titel des Staatsbeitrages zur JnvaliditätSversicherung eine Erhöhung um 23 Millionen vorgenommen, da Heuer entsprechend mehr Renten anfallen werden; auch der Staatsbei- trag für die Penstonsversichernng mußte um 1.1 Millionen erhöht werden. Diese Summen mußte« a« andere« Pofte« wieder eingcspart werde«, was zu weitgehenden Drosielungen führt. So mußte der Sachaufwand für di« Jugendfürsorge von 28.2 auf 24.5 Millionen herabgesetzt werden, obschon in der Kris« gerade für die Jugendfürsorge bedeutend mehr Gelder zur Verfügung gestellt werden sollten, zumal ja auch die Selbswerwalwngskörper und sonstigen Körperschaften infolge der Krise ihre Fürsorgebudgets einschränken, wenn nicht ganz streichen wüsten. Das Sinken der Post für die Kiregsbeschädigten ist aus dem natürlichen Abgang erklärlich, aber die Herabsetzung der Post für soziale Fürsorge für Invalide und ihre Hinterbliebenen ist sehr zu bedauern. Mr haben immer darauf hingewiesen, daß die Gewerbeinspektion noch sehr auSbaubedüri- tig ist. Wenn nun bei diesem Posten im Sachaufwand eine Drosselung um 80.000 K eingetreten ist, so wird eS nicht möglich sein an einen weitere» Ausbau dieser Einrichtung auch nur zu denken. Die wichtigst« Aufgabe des Rinisteri««» ist derzeit wohl die Arbeitsloseafürsgrge. Mr müssen befürchte«, daß auch der Betrag von 700 Millionen im dritte« Ludgetabschuitt und die weiteren 57 Millionen im ordentlichen Budget zur Bestreitung der Koste« der Arbeitslosenfürsorge nicht hinreiche« werde«, de«« der tatsächliche Aufwand im Vorjahr hat sür diese Zwecke über 800 Millionen ausgemacht. Trotzdem hat es eine« harte» Kampf gekostet, bevor auch uur die 750 Millionen heuer i« daS Budget eingestellt werde« konnten. Mr begrüßen eS, daß sich der Ministerrat ernstlich mit der Aufnahme einer Investitionsanleihe befaßt und der Selbstverwaltung hiefür die entsprechenden Mittel in Form von Jn- vestitionsumlagen zur Verfügung stellen will. Wenn man ab« die Gemeinden überhaupt lebensfähig erhalten will, wird man eine Reform des Gemeindefinanzgesetzes durchführen müssen. Die Frage der weiteren Verkürzung der Arbeitszeit ist nicht eine Frage der Wirt- schaftSkrise, denn sie wäre auch ohne Krise gekommen Ihre Ursache liegt ja in der fortschrei- Ga|da eingesponnen- KohzineK unanlilndhar. Brünn, 25. Jänner. Ter verhaftet« ehemalig« General Rudolf G a j d a wurde bereits in die Untersuchungshaft des Brünner Kreisgerichtes,«. zw. in der Nacht auf heute zusammen mit drei weiteren faseistischen Funktionären eingeliefert. Ladislaus Kobzinek, der Anstifter des sonntägigen Uebersalles, konnte bisher nicht festgenommen werden. Wettere Ausdehnung der Untersuchung. Brünn, 25. Jänner. Der Major a. D. Rudolf U v i r a, Landesorganisator der Fasci- stengemeinde in Mähren, von dem festgestelli wurde, daß er von dem Ueberfall auf di« Brünner Kaserne Kenntnis halte, wurde heute nachmittags in die Untersuchungshaft der Polizeidirektion eingeliefert. Die Untersuchung. welche Oberpolizeirat Dr. ByslouÄl führt, dehnt sich immer weiter aus, insbesondere auf Personen, die zwar nicht direkt an dem Angriff teilnahmen, aber von der Vorbereitung hiezu wußten. Heute wurden auch einige Personen aus der Umgebung von Tisnov verhört. Außerdem nahm di« Gendarmerie, in einigen Bezirken Südostmährens, namentlich im Gebiet von Un- garisch-Hradikch und Hodonin, Verhaftungen und Verhöre vor. Ueber den Aufenthalt Kobzi- neks ist immer noch nichts bekannt. sten Stand innerhalb der letzten zehn Jahre erreicht und damit unterdenProduktions- stand des letzten Vorkriegsjahres gesunken ist. In der Produktion beträgt der durchschnittliche Rückgang gegenüber dem Jahre 1928 33 Prozent. Diese Ziffern, welche die Zerstörung des Welthandels eindringlich kennzeichnen, sollten den Teilnehmern der kommenden Weltwirtschaftskonferenz zeigen, zu welcher Katastrophe die bisherige Wirtschaftspolitik der kapitalistischen Staaten geführt hat. tenden technischen Rationalisierung. Den Gewinn davon haben aber lediglich die Besitzer dieser Maschinen, die Kapitalisten, während die Arbeiter nur die Leidtragenden find. Wir müssen darauf dringen, daß diese Maßnahme nunmehr ernstlich in Erwägung gezogen wird, zumal sich auch, die Internationale Arbeitszeitkonferenz in Genf für die Verkürzung der Arbeitszeit ausgesprochen hat. Aus den gegenwärtige« Verschiebungen auf dem Wohnungsmarkt darf keinesfalls der Schluß gezogen werde«, daß auf dem Gebiete des Wohnungswesens«unmehr die Aufgabe de» Fürsorgeministeriums beendet und der Mieterschutz demnach bereit» überflüssig sei. ES sind ja nur größere Wohnungen, die leer stehe», und die Preise der Kleinwohnungen sind immer noch sehr hoch. Die Not an kleinen und billigen Wohnungen ist heute ja noch größer als früher. Es wäre deshalb das Verfehlteste, wenn man jetzt an eine Lockerung des Mieterschutzes in größerem Umfang schreiten wollte. Heute ist gerade der Schutz der Kleinmieter besonders wichtig, weil durch die Verschiebung auf dem Wohnungsmarkt die billigeren Wohnungen mehr denn je bedroht sind. Zum Kapitel Sozialversicherung haben mich namentlich die Aeußerungen überrascht, daß ein„Abbau der sozialen Lasten" namentlich im Interesse der Landwirtschaft unbedingt notwendig sei. Richtig ist, daß die Sozialversicherung heute finanziell gut steht, aber die Renten sind doch viel zu gering, so daß auch diejenigen, die Anspruch auf sie haben, nicht aus dem Arbeitsprozeß ausscheiden wollen und auch nicht können. Die Rente« werden erhöht werden müssen, und hiezu wird man die Mittel der Sozialversicherung in Anspruch nehme» müssen. DaS Defizit der Krankenversicherungsanstalteu ist nicht durch die„hohen" Verwaltungskosten herbeigeführt und auch nicht durch die Wirtschaftskrise, sondern durch die zu niedrigen Beiträge. Die Defizitwirtschaft hat im Jahre 1926 mit dem Inkrafttreten des Sozialversicherungsgesetzes begonnen. Die Beiträge waren zu niÄrig und so wurden die Reserven schon in den Zeiten der Konjunktur aufgezehrt. Ein Abbau der Leistungen, wie er von gewisser Seite gefordert wird, würde eine ernste Gefahr für die Gesundheit der Arbeiterschaft bedeuten! * Genosse Dr. Czech hatte sich diesmal bereits mitten in der Debatte zu Worte gemeldet, ebenso Gesundheitsminister Dr. Spina, der am Nachmittag sprach. Die Debatte über beide Ressorts ging dann noch weiter; sie wird erst im Laufe des Donnerstag abgeschlossen werden. Zu den Ausführungen der Debatteredner wird Genosse Dr. Czech wahrscheinlich nochmals am Schluß der Debatte das Wort ergreifen.— Aus dem Erposs des Gesundbeitsministers werden wir noch morgen einige Details von allgemeinerer Bedeutung nachtragen. Tschechischer Genoflenschastsrat. Wie„Pravo Lidu" meldet, hat am Sonntag in Prag der tschechische Genossenschaftsrat getagt, auf welchem di« Genossen Emil Lustig, Dr. Vladimir Hajnf und Senator Franz Modraöek Referat« erstatteten. Genosse Lustig besprach die wirtschaftlich« Lage der Tschechoflowakei und wies in der Kritik der Deflationspolitik darauf hin, daß diese Politik nicht größere Erfolge haben könne, solange sich die Regierung nicht entschließen wird, gegen die Kartelle, und zwar insbesondere gegen das Kohlen-, Eisen- und Baumaterialienkartell vorzngehen, damit diese die Verkaufspreise herabsetzen. Auch gegen das Zuckerkartell, welches die Konsunrenten ausbeutet, müsse eingeschritten werden. Da di« Zuckerausfuhr gesunken ist, besteht kein Grund, daß der Konsument für die verminderte Ausfuhr dieselbe Prämie bezahl«, wie früher. Genosse Lustig verlangt« die rasche Liquidierung der Devise nkommission, di« aus einem Organ, welches blos die Währung zu schützen hatte, ein Instrument für den Schutz der Produzenten geworden ist. Durch das schlechte Vorgehen der Kommission wurde das Ausland zu Retorsionsmaßnahmen direkt provoziert und so wurde das Aktivum in unserer Handelsbilanz mit einigen Staaten vernichtet. Nach dem Referat des Genossen Modraöek wurden einige Beschlüsse zugunsten der Bau- und Wohnungsgenossenschaften gefaßt, auf Antrag des Ge- nossen Strnad wurden einige Genossenschaften wegen Bruchs der genossenschaftlichen Disziplin aus dem Verbände ausgeschlossen. Gibt es eine unpolitische Erziehung? Die andauernde Wirtschaftskrise verdrängt immer mehr tsie Fragen der öffentlichen Erziehung aus dem Gesichtskreis der Arbeiterklasse. Dies benützen nun verschiedene Kreise, um die Tatsachen zu verschleiern und in ihr Gegenteil zu verkehren. Am liebsten wandelt man den Gedanken einer„unpolitischen Erziehung" ab. Eine der eifrigsten Streiterinnen in diesem Kampfe ist die im Staatsverlag erscheinende„Monatsschrift für Bürgerkunde und Erziehung". Fast in allen Nummern findet man entweder versteckte oder offene Angriffe gegen die sozialistisch« Einstellung zu Schul- und Erziehungsfragen. Sy steht z. B. im Heft 5/6 der genannten Zeitschrift nicht weniger als folgendes:. daß der Leh rer, der Erzieher nichts mit Politik zu tun haben darf! Daß es kein Vergehen geben kann, das cha vom Unterricht energischer ausschließt als der Augenblick, da er sich politisch betätigt!" Diese vormärzliche Auffassung wird damit begründet, daß „die Ideale unserer Erziehung nicht einer wandelbaren Gesellschaftsordnung entstiegen sind.." Hören wir, ob das richtig ist. Der einzelne, von der Gesellschaft losgelöste Mensch ist nicht denkbar. Die Erziehung ist eine Aufgabe der Gesellschaft. In zweifacher Auswirkung vollzieht sich die Erziehung, einmal als Anpassung, das am deremal als Eingliederung. Dieser Prozeß hört nie auf, mit einem Worte Solons„Der Mensch geht lernend ohne Unterschied ins Alter". I» direkter und indirekter Weise geht die Erziehung vor sich. Pflege und Unterricht wirken direkt und unmittelbar auf das Kind, die Umgebung wirkt indirekt. Und gerade diese ist es, welche eine« weit nachhaltigeren Einfluß ausübt als alle Schulerziehung. Die indirekte Erziehung schafft die Gewohnheiten und unbewußten Tendenzen. Not, Sittenlosigkeit, Verwahrlosung» Ungerechtigkeit, Chauvinismus u. dgl. sind Faktoren, die der Schule sehr häufig entgegenwirken. Die Gegenwart ist voll von solchen Auswirkungen, die noch verschärft werden durch die Zerrissenheit unserer Gesellschaft. Die große Bedeutung der indirekten Erziehung wurde schon lange vor un» erkannt, es gibt zahlreiche Beispiele, die zum Ziele haben, die Widersprüche zwischen direkter und indirekter Erziehung zu losen. Als Beweis seien hier nur Rousseaus Emil und die Landeserziehungsheime genannt. Aber oller Arbeit in diesem Sinne wird von der widerspruchsvollen heutigen Gesellschaft eine Grenze gesetzt. Alle Erziehungsgrundsätze sind der Ausdruck einer bestimmten gesellschaftlichen Ordnung und zielen darauf ab, diese Ordnung zu erhalten. Ist diese Ordnung stabil,. ist diese Tendenz ganz unbewußt. Erst wenn sich Kräfte zu einer Neuordnung bemerkbar machen/ entsteht auch auf dem Gebiete der Erziehung das Bestreben zu einer Umbildung. Die alte Gesellschaft erzog zum Ritter, zum Geistlichen, zum Handwerker und Bauern. Die neue setzte an dessen Stelle die Erziehung zum Menschen. Davon sollte den Schrift- leitern der„Monatsschrift für Bürgerkunde und Erziehung" doch etwas bekannt sein. Vielleicht wissen sie etwas von dem Gegensatz zwischen der dogmatischen autoritätsgebundenen Erziehung in den klerikalen Privatschulen und den mehr liberalsstischen öffentlichen Schulen. E» ist darum eine Täuschung, wenn von der Möglichkeit einer unpolitischen Erziehung gesprochen wird. Diese Feststellung wird nun gewöhnlich so verstanden, als ob wer den Parteikampf in die Schule hineintragen wollten. Dieser hat in der Schule nichts zu suchen. Die Schule hat nur dre Fähigkeit zu gesellschaftlichem Beobachten, Denken und Handeln zu geben. In welcher Weise die„Monatsschrift für Bürgerkunde und Erziehung" mithelfen will, zeigt der Leitaufsatz im Septcmberheft 1932. Es wird da eine Rede des Papenministers Freiherrn von G a y l über die Aufgaben der Schule abgedruckt, die„voll und ganz auch für unsere Verhältnisse gilt". Freiherr von Gayl ist ein Reaktionär schlimmster Sorte, der mithalf, alle demokratischen und sozialistischen Schulbeamten aus den preußischen Amtsstuben hinauszuschmeißen. Ausgerechnet dieser soll unserer Lehrerschaft Lehrmeister sein. In dieselbe Kerbe schägt ein Artikel des Oktoberheftes. Ueber das Novcmberheft wurde an anderer Stelle bereits berichtet. Die„Monatsschrift für Bürgcrkuude und Erziehung" gibt der Staatsverlag heraus. Ten einzelnen Schulen wird die Zeitschrift auf Koste» der Bezirksschulfonde zubgestcllt. Sie verschafft sich also aus sehr einfache Weile ihre Abnehmer. Wir sagen cs daher ganz offen heraus, entweder die„Monatsschrift für Bürgerkunde und Erhebung" wird zu dem was sie sein will, ein Helfer in der Arbeit für eine neue Erziehung oder sie muß sich, wie jede andere Zeitschrift, die Abnehmer durch ihre Güte erwerben. Daß das wird, dafür werden wir sorgen. Direkte Verhand’iNi^cD zwischen China und Japan? Peking, 25. Jänner. In Peking fanden zwischen den Generalen Tschangkaischek und Tschansuelian und dem ehemaligen Ministervra- sidenten Tuantschijnj wichtige Beratungen statt, die als Grundlage sür direkte Verhandlungen mit den japanischen. Berkretern zu dienen geeignet seien. auuiiuumuiiiuiHUiU(uu!iniuiiuHiininiiiujiiiiiiiiuuiuiiuiiiiuiiiiuuuuuiinuiuiiiuuiuuuuununmHiiuunnnH»iiiiiiiiiinnniinminiiimuimiiuiiiniiiiimiiiiiiimmiH»niunutnnuHiuinuiniiB 730 Millionen genügen nicht! Die Post Ittr ArheHslosenlttrsorge noch zu niedrig angesetzt. «r. rs Donnerstag, 26. Jänner 1933 Seite 8 Hitler Kriegt neue SMergelder. Die Schwerindastrie weis, was diese„Arbeiterpartei“ wert Ist Die„Dresdner Volkszeitung" schreibt: Hitler ist von großkapitalistischer Seite mit neuen Geldern geschmiert worden. Selbst jene bürgerlichen Blatter, die bisher zurückhaltend oder gar nicht über dre Hitler- sche Pump- und Schmiergeldwirtschaft berichteten, sprechen jetzt offen und mit Geringschätzung davon. So liest man in den Dresdner Neuesten Nachrichten über die jüngste Tafclei, die Landtagspräsident Kerrl für Fritz Thyssen und Hitler veranstaltete: Hierbei ging es in erster Reihe nm die Frag« der Finanzierung eines kommende» Wahlkampfes für die Nationalsozialisten. Dies« Frage soll— nnd das würde ja die Entwicklung hinreichend erklären— in einer für Hitler günstigen Weise gelöst worden sein. Der Grund für das Verhalten der durch Fritz Thyssen repräsentierte» Teil« der Schwerindustrie dürste in der Tatsache liegen, datz die wirtschaft-- und sozialpolitischen Richtlinien des Reichskanzler- bei ihr auf immer größeren Widerstand stoße» und man je länger, je weniger zu einer Unterstützung des Kabinetts Schleicher bereit ist. Auch hier wird ganz offen zugestanden: Schwerindustrie schmiert den braunen„Führer", damit sie ihn als Sturmbock gegen Schleicher brauchen kann. Von der anderen Seite rennt der Landbund an. Die zwei mächtigsten Jnteressen- tenhaufen können sich nicht darüber verständigen, wem von beiden die Staatsgewalt und der Staatssäckel am meisten dienen soll. «Hitler ist und bleibt jedoch ein gefügiges Werkzeug sowohl der Schwerindustrie als auch der Junkerkaste. Kornrnunlstenaulmarsch aus dem Bülow-Platz. Berlin, 25. Jänner. Auf dem Bülowplatz fand heute nachmittags als Protestaktion gegen die nationalsozialistische Veranstaltung von Sonntag ein Massenaufmarsch der KPD statt. Schon kurz nach Mittag sammelten sich in den verschiedenen Stadtgegenden auf den größeren Plätzen die Züge zum Marsch in die Stadt, lleberall wurden zahlreiche rote Fahnen und Transparente mit kommunistischen Parteiparolen mitgefuhrt. Auf dem Bülowplatz sorgte ein großes Polizeiaufgebot für die nötigen Absperrungen; die Beamten waren aber nur zu einem geringen Teil mit Karabinern ausgerüstet. Das Lieb- kyecht-Haus war ühxr. und über mit Transpatenten und Ltoßen. Bildern behangen. Vor dem Haupteingang chatte man eine große Tribüne aufgebaut, auf der zahlreie Mitglieder des Zentralkomitees unter Führung von Tbälmann erschienen. Unter den Klängen einer Kapelle setzte dann der trotz der Kälte mehrere Stunden dauernde Vorbeimarsch der Menschenmassen ein. In der Innenstadt kam eS wiederholt zu längeren Verkehrsstockungen. Zu Zwischenfällen ist 's bisher nirgends gekommen. Öffn Habsburg beim Reichspräsidenten. Berlin, 25. Jänner. Otto Habsburg besuchte heute, der„Vossischen Zeitung" zufolge, den Reichspräsidenten von Hindenburg. Der Besuch hatte, wie betont wird, rein privaten Charakter. Ole deutsihc Arbelts- beschaliung. Berlin, 25. Jänner. Wie das Conti-Büro don zuständiger Stelle erfährt, wird die Verteilung der Mittel auf den Sofortprogramm für die Arbeitsbeschaffung voraussichtlich in der Weife erfolgen, daß von den in Aussicht genommenen 500 Millionen für die Zwecke des Reiches und der Reichsbahn 100 Millionen abgezwergt und die restlichen 400 Millionen dann den übrigen Rufgaben des Sofortprogramms zugeführt werden. 40 Millionen davon sollen der Stadtrandsiedlung zugute kommen und einer weiteren Neuschaffung von etwa 15.000 Kleinsiedlerstellen dienen. Dabei ist daran gedacht, mehr Aufmerksamkeit der Stadtrandsiedlung in kleineren und wittleren Gemeinden zu widmen. Arbeitslosigkeit auch in Sowjeirußland. Wir haben bereits vor einigen Tagen darüber berichtet, daß nach einer Verordnung der ^vwjetregierung di« gesamte Einwohnerschaft Sowjctrußlands mit Pässen versehen werden wll. Das geschieht nun tatsächlich, die Ausgabe der Pässe ist im Gange. Pässe werden teils auf die Dauer von drei Jahren, teils auf die Dauer einem Jahre und teils von vorübergehendem Aufenthalt ausqegebcn. Bemerkenswert ist, daß di« Ausführungsbestimmungen zur Paßverord- ?ung j tnn erstenmal die Existenz von Arbeitslosen zugebcn. Es heißt nämlich, daß„Personen, dir vorübergehend ohne Arbeit sind", bei der Aushändigung des Passes eine„Bescheinigung Erlegen müssen, wonach sie vom Arbeitsvermittlungsbüro registriert worden sind". , Die agrarischen Nimmersatts. Von den Ent- n»!l-unasdarlehen der Osthilfe Deutschlands er- Ersten 191 Großgrundbesitzer ein Viertel gleich 32 Million«« Mark! wm verlang! Mehr zur Goldwährung. Die Bedingung für die Krlegssdiulden-Verhandlungen. Washington, 25. Jänner. Präsident Hoover hat heute im Weißen Hause di« Erklärung abgegeben, er betracht««ine allgemeine Rückkehr zum Goldstandard als einzige Rettung ans dem gegenwärtigen Degenerationsprozeß der Weltwirtschaft. In den letzten vier oder- fünf Monaten habe sich die Tatsache, daß viele Staaten von der Goldwährung abgegangen seien, in Amerika durch erhöhte Einfuhr billiger Auslandsprodukte fühlbar gemacht. Dieses Dumping schädige die amerikanische Landwirtschaft und den amerikanischen Arbeiter so stark, daß Maßnahmen dagegen getroffen werden müssen. Amerika könnte sich zwar durch erhöhte Zölle schützen, aber das würde nur bedeuten, daß auch die Vereinigten Staaten sich an der wahnsinnigen Jagd der letzten achtzehn Monate beteiligen, innerhalb deren Europa sich ständig mit höheren Zollmauern umgeben hat. Die Folge sei ein immer weiterer Rückgang des Absatzes und eine allmähliche Erdrosselung des Lebens im Wirtschaftskörper der Welt gewesen. Nur sofortig« Rückkehr zur Goldwährung könne die Welt vom wirtschaftlichen Selbstmord retten. Die europäischen Schuldnerstaaten, so erklärte der Präsident weiter, hätten zur Zeit Verhandlungen mit Amerika betreffend eine Revision der Kriegsschuldenfrage begonnen. Amerika verlange als Gegenleistung, daß eben diese Staaten durch Stabilisierung der Weltwährung zur Stabilisierung der Weltwirtschaft beitrügen. Wenn die europäischen Staaten diese Forderung erfüllten so würden die Preise auf dem Weltmarkt alsbald steigen. Sollten sie sich jedoch dagegen ablehnend verhalten, so würde ein Zollkrieg beginnen, der die ganze Welt ruinieren müsse. Die Aussprache über die Kriegs- schnldcn hat begannen. Washington, 25. Jänner. Staatssekretär S t i m s o n, der bei der Beratung Hoover- Roosevelt damit betraut wurde, noch vor Antritt der Regierung Roosevelt mit den Staaten, die die Dezemberrate bezahlt haben, über di« Revision ihrer Kriegsschulden zu verhandeln, hat diese Beratungen tatsächlich nicht nur mit Großbritannien, sondern auch mit weiteren vier europäischen Staaten, u. zw. Italien, der T s ch«- ch o s l o w a k e i, Litauen«nd Lettland begonnen. Die fundierten Schulden dieser vier Staaten in Amerika betragen 2.168,805.000 Dollar(etwa 72.294 Millionen Ke). Mit der britischen Schuld zusammen beträgt di« Schuldensnmme 6 Milliarden 768,805.000 Dollar(etwa 225.5 Milliar. den Ke). Diesen Schuldenbetrag ist die Regierung Roosevelt bereit, nach ihrem Amtsantritt im März d. I. zu revidieren. Im März werden, wie bereit- gemeldet, di« Verhandlungen mit Großbritannien beginnen, nach deren Beendigung werden di« Beratungen mit den andere« erwähnten europäischen Staaten beginnen. Roosevelt hofft, datz es durch Herabsetzung der Kriegsschulden möglich sein wird, Begünstigungen für di« amerikanisch« Industrie«nd Landwirtschaft zu erziele«. Roosevelt hat für die Eröffnung der Verhandlungen über die Schuldenfrage zwei Bedingungen aufgestellt, u. zw. erstens Bezahlung der Dezemberrat« und zweiten- formales Ersuchen«m Schuldenreviüon. Diesen beide« Bedingung«« haben nnr fünf Länder entsprochen. Weg mit Kriegsschulden und Reparationen! Eine klare Red« des britischen Außenministers. Leeds, 24. Jänner. In einer Rede übet die Probleme der Kriegsschulden itnb Reparationen wies Schatzämter Chamberlain daraus hin, daß die in Lausanne getroffene Regelung offensichtlich einen nur vorläufigen Charakter trage. Zwei Dinge scheinen, so führte Chamberlain weiter aus, der britischen Regierung von grundsätzlicher Bedeutung zu sein: 1. müsse die Regelung, die man treffe, endgültig sein, 2. dürfe sie nicht zu einer Erneuerung des Rückgriffrechtes gegen Deutschland in der Form der Reparationen führen. Ueber diese habe die Regelung von Lausanne. wie offensichtlich, endgültig entschieden. Die Regelung, die man in Lausanne getroffen habe, sei der einzige fühlbare Fortschritt in der an Verwirrungen so reichen Nachkriegszeit in Europa gewesen. Diese Regelung auch nur etwa zu gefährden, hieße alte Wunden wieder aufreißen, und zerstöre auf unabsehbare Zeit jede Aussicht auf eine befriedigende Ordnung aller jener Fragen, die nicht nnr für das Glück und Gedeihen Europas, sondern der ganzen Welt von Bedeutung seien. Die amerikanischen Kommentare zu der Rede Chamberlains konstatieren, daß nach Ansicht gewisser amerikanischer Kreise dieVereinigtest Staaten niemals den^ZufamMMharrg der Kriegsschulden und her" Reparationen anerkannt haben. Schuldenzahlung durch amerikanische Anleihe? „Daily Herald" bemerkt zur Rede Chamberlains, daß die britische Regierung sich um eine Anleihe in den Vereinigten Staaten bemühen werde, um das Geld für eine einmalige endgültige Pauschalzahlung aufzubringen. Her Maniiil um das Iranzösisdia Budget. Beute beginnt die entscheidende Kammerdebatte. Sozialistisch-radikale Einheitsfront? Paris, 25. Jänner. Die Kammerdebatt« über die Finanzvorlagen beginnt morgen vormittags. Bis jetzt find 30 Redner zur allgemeinen Debatte vorgemerkt. Es ist noch nicht bestimmt, ob die Regierung der Kammer die Vertrauensfrage stellen wird. Nach vielen Stimmen ist der Finanzminister jedoch entschlossen, die Vertrauensfrage nach seiner grundsätzlichen Kundgebung in der Kammer zu stellen. Einige andere aber glauben, daß die Regierung die gefährlich« Kammerklippe zu umgehen trachtet nnd hauptsächlich damit rechnet, datz der Senat sich entschieden gegen dir Mehrheit in der Kammer stellen wird. Di« sozialistisch««nd die radikale Kammerfraktion haben heute nachmittag Fraktionssitzungen abgehalten, um über ihr Verholten bei der Finanzdebatt« im Plenum Beschluß z« fassen. Die Sozialisten haben angeregt, daß die beiden Fraktionen vor jeder wichtigen Abstimmung miteinander Fühlung nehmen. Diese Anregung wird nunmehr dem Exekutivausschnß der sozialistische« Partei zur Begutachtung zugehen. Di« Abgeordneten der radikalen Partei haben sich jgrundsätzlich für«in« Einheitsfront ausqrspro- ajen. Sie werden heute Nacht eine erst« Zusammenkunft mit den Sozialisten abhalten, um sich über die Durchführung dieses Beschlusses z« einige«. Vertagung der Weltwlrtschaftskonierenz. Die Mfidiilgen haben Zelt Genf, 25. Jauner. Der vom Völkerbundsrat für die technisch« Vorbereitung der Weltwirtschaftskonferenz eingesetzte Organisationsausschuß, der heute unter dem Vorsitz des englischen Außenministers znsammengetreten war, um das Datum der Weltwirtschaftskonferenz festzusetzen, ist nach mehrstündigen Beratungen zu dem Ergebnis gekommen, vorläufig«inen bestimmten Termin für den Beginn der Welt- wirtschattskonfer«nz nicht anzuberaume«. Es wurde ein Vorschlag angenommen» datz das Organisationskomitee innerhalb der nächsten drei Monat« noch einmal zufammrntreten soll, nm das Datum festzusetze«. ArWtoiiimz ahgesMow. Genf, 25. Jänner. Die internationale Konferenz für die Einführung der 40stündigen Arbeitswoche, die etwa mehr als zwei Wochen gedauert hat, ist heute abgeschlossen worden. Der Prozeß Guilbaux. Paris, 25. Jänner.(Eig. Drahtb.) Vor dem Pariser Kriegsgericht hat am Dienstag der Prozeß gegen den Schriftsteller G u i l b a u x begonnen, der im Jahre 1919 im Abwesenheitsvcrfahren wegen angeblicher Begünstigung Deutschlands während des.Krieges zum Tode verurteilt worden war. Guilbaux, der seit den letzten Kriegsjahren in Rußland und in Deutschland gelebt hat, war von Heimweh gepackt im August vorigen Jahres nach Frankreich zurückgekchrt und hatte sich freiwillig den Behörden gestellt. In dem Wiederaufnahmeverfahren haben ihn zahlreiche Zeugen stark belastet, so daß er trotz heftigen Protestes der Liga für Menschenrechte und anderer Linksorganisationen unter Anllage gestellt worden ist. Guilbaux wird von dem bekanntesten Rechts- anivalt Frankreichs, dem Abgeordneten Torres, verteidigt. Der Verteidiger beantragte im Verlauf des ersten Prozeß-Tages das Verfahren einzustellen, da nach einer Gesetzesbestimmung ein mindestens zahn Jahre nach der ersten Untersuchung eingeleitetes Strafverfahren verjährt sei. Marx-Feiern Wie teilen alley Organisationen ans Diesem Wege mit, datz die P r o- grammvorschläge«nd Materialangaben für die Marx- Feiern in den nächsten Tagen sämtlichen Bezirken zngehen. Außerdem erscheinen sie in der Freundschaft(Feberheft). Zentralstelle l. d. Bildungswesen „D!e Seele ist in Gesadr/' Unter dieser verlogenen Parole führen die Klerikalen, wie wir bereits berichtet haben, ihren Kampf gegendieDärerscheSchul- Vorlage nun auch in öffentlichen Kundgebungen. Der Staat brauche in der heutigen Zeit die christlichen Tugenden und wenn er sie nicht in der Schule pflege, schaufle er sich selber das Grab. Als besonderen Beweis für die Stichhaltigkeit, der klerikalen Theorien werden angeführt die vielen durch das reformierte Ehegesetz zustandege- kommenen Familienzerwürfnisse, die Verstöße gegen den§ 144 und die anarchistische Gefahr, die in Spanien sichtbar ist. Nun die Staaten, die ihr Heil auf die christlichen Tugenden gesetzt haben, sind nicht weit gekommen. War Oe st erreich zu wenig klerikal? Ist es nicht vielmehr an seiner klerikalen Rückschrittlichkeit zirgrunde gegangen, die den Herrschenden den Blick für die Staatsnotwendigkeiten versperrte?! Durch welche Schule sind denn die spanischen Anarchisten gegangen? Durch die freie Schule der Republik? Nein, sie haben die Schule der klerikalen Monarchie, das heißt in den meisten Fällen keine(dies der klerikale Ideal- znstand) oder eine Jesuitenschule absolviert. Dort sind sie zu Anarchisten erzogen worden! Und ist der Weltkrieg, hervorgerufen durch die Politiker und Militärs, die in ganz Europa klerikale Schulen genossen hatten, ein Beweis für die Güte der konfessionellen Erziehung? Fach war ein Jesuitenschüler, die österreichischen Diplomaten waren in Kalksburg oder in Fryburg i. Schw. bei den Jesuiten erzogen worden, die reichsdeufschen und englischen Diplommaten und Militärs waren von Pastoren auf gut religiöse Art verbläut und verdummt worden, die Russen waren yon den Popen.erzogen. Das Resultat dieser Erziehung, zu christlichen Tugenden sind ztvolf Millionen Toste. und. ein Trümmerhaufen, der sich Europa nennt. Und wenn die Klerikalen glauben, mit. dem Kerkerparagraphen 144 die Moral zu heben, so mögen sie einmal die Statistik der faktischen Abtreibungen studieren und’ sich fragen, ob dir christliche Moral davon profitiert, wenn in der Tschechoslowakischen Republik jährlich 350.000 Abtreibungen Vorkommen, an denen ohne Zweifel zur Mehrzahl gute Katholiken beteiligt sind. Was ist das überhaupt für eine Moral, die durch die Kerkerdrohung begründet ist. was ist das für eine Moral, die glaubt, daß die Familienzerwürfnisse von den Ehescheidungen und nicht vielmehr diese von jenen kommen und die sich einbildet, es sei besser, eine zerstörte Ehe zu konservieren, statt sie menschenwürdig zu lösen. Genosse Dörer hat sicher keinen Kulturkampf gewollt. Aber die Klerikalen sind sichtlich bemüht, die Dsrersche Vorlage zum Anlaß zu nehmen, vor aller Welt ihre geistige Rückständigkeit und ihre Kulturfeindlich kcit zu dokumentieren! Tagung der tschechischen sozialdemokratischen Studenten. Am 2l. und 22. hielten die tschechischen Studenten im Heim der„Freien Vereinigung ihre Verbandstaaung ab, zu der etwa 30 Delegierte aus sechs Städten erschienen waren. Im Mittelpunkt stand das politische Referat des Genossen R. Foustka(Kladno) über das Thema„Die Notwendigkeit der marxistischen Kritik und die sich daraus ergebende Taktik der sozialistischen Parteien". Die Debatte, an der sich für die tschechrsche Partei Genosse Dr. L. Winter beteiligte, dauerte drei Stunden.— Zum neuen Vorsitzenden wurde Genosse Braver(Kladno) gewählt. Die zur Verlesung gebrachten Resolutionen, und zwar ein Telegramm an die streikenden Roffitzer Bergleute, ein Telegramm an die dänischen sozialistischen Studenten, die Trotzki einen Vortrag halten ließen, eine Resolution gegen die Verfolgung der sozialistischen Studenten in Polen und Südslawien und schließlich eine hochschukpolitische Entschließung, wurden einstimmig angenommen. Auch wurde beschlossen, in der Partei für eine marxistische Erziehung der Funktionäre einzutreten. Für die nächste Zeit wurde eine gemeiniame Besprechung mit den deutschen sozialistischen Studenten vorgesehen, um die Linien der weiteren Zusammenarbeit auszuarbciten. Die notleidende Reichsbahn. In einem Jahresrückblick der Deutschen Reichsbahn für 1932 wird ausgeführt, daß im Berichtsjahre mit einer Gesamteinnahme von 2850 Millionen Mark, gegenüber 5354 Millionen ,Mark im Jahre 1929, gerechnet wird. Gegenüber 1929 beträgt der voraussichtliche Einnahmeausfall 2500 M a r k oder 47 Prozent, gegenüber 1981 rund 1000 Millionen Mark oder 26 Prozent. Seite 8 Donnerstag, S6. IS»«« 1938 Nr. 22 Europa friert. Wetter-VorauSfase: cunSauern starrer Fröste. T agesneuigkeiten Schiff mit 15 Mann gewulrn. Hüll, 24. Jänner. Der englische Trawler ^Cape Delgado, der seit dem 15. ds. vermißt wurde, ist, wie jetzt bekannt wird, infolge des stürmischen Wetters.gesunken. Die lököpfige Besatzung gilt als verloren. Sensationelle Wendung im Prozeß der zu Lode verurteiUeu steöeu Reger. NewN o rk, 24. Jänner.(Etz. Drahtb.) Tas Wiederaufnahmeverfahren gegen die znm Tode verurteilten sieben jungen Neger hat ein« sensationelle Wendung genommen. Eines der beide« von de» sieben Negern angeblich vergewaltigte« weißen Mädchen hat seine Belastungsaussage zurückgenommen und für falsch erklärt. Auf Grund dieser belasteuden Aussagen waren die Neger wegen Schändung weißer Frauen zum Tode verurteilt worden, obgleich alle Verurteilten ihr« Unschuld beteuert haben. Di« Vollstreckung des Todesurteils wurde bisher durch den Protest der europäischen Kulturwelt und der Arbeiterorganisationen verhindert. Lawine begräbt zwei Skifahrer. Klagenfurt, 25. Jänner. Unweit der Klagenfurter Touristenbaude, die sich in der Nähe von Klagenfurt befindet, ereignete sich heute ein Lawinenunglück, das zwei Menschenleben forderte. Die beiden Skifahrer Fritz Magdalenz und Otto Aschkan wurden auf einem Skiausflug von einer gewaltigen Lawine überrascht und in große Tiefe gerissen; beim Eintreffen der Rettungsexpedition waren sie bereits tot. Sprengschutz zerfetzt zwei Bergleute. Siegen, 25. Jänner. Im Grubenbetrieb der Gewerkschaft Bautenberg gerieten zwei Bergleute beim Bohren auf einen steckengebliebenen Sprengschuß, der explodierte. Einer von ihnen wurde auf der Stelle, getötet, der andere erlitt furchtbare Verletzungen. Explosion in einer Pulverfabrik. Lüneburg, 25. Jänner. In der Pulverfabrik Wolff& Co. in Bomlitz ereignete sich gestern nachmittag ein« schwere Explosion. Eine der dortigen Pulvermühlen flog auf. Zwei Arbeiter wurden sofort getötet. Die Detonation war kilometerweit zu hören. Da die einzigen Zeugen der Explosion tot sind und di« Anlage— eine von mehreren der durch Erdwälle voneinander getrennten kleinen Magazine— zerstört ist, wird sich die Ursache kaum feststellen lassen. Herr Chauvin amüsiert sich. Menschen, die in dem tollen Wirbel der Gegenwartskultur ihre kindliche Einfalt bewahrten, halten die Verständigung der Nationen für dringend notwendig. Auch hierzulande sind Kräfte am Werk, die diese Verständigung wollen; erst vor kurzem sprach der Schulminister über die nationale Duldsamkeit. Aber die Unkultur ist mächtiger; sie triumphiert über die Vernunft, über den Anstand und über die sogenannten Staatsnotwendigkeiten, sie stiftet Unfrieden und freut sich ihrer traurigen Erfolge. Sie begeht Feste, veranstaltet Siegeskundgebungen, wenn sie wieder einmal Oberwasser bekam und trägt solcherart dazu bei, dem Lande, dem sie ihren Stempel aufdrückt, den entsprechenden Ruf in der Welt zu verschaffen.— Da ist es z. B. gelungen, Stadt und Bezirk Mährisch-Ostrau„einsprachig" zu machen. Die Zahl der Deutschen ist dort unter 20 Prozent gesunken und nach unseren famosen Sprachenbestimmungen haben sie darum das Recht verloren, mit den Aem- tern der Stadt und des Bezirkes in ihrer Muttersprache zu verkehren. Es ist das Primi t i v st e Recht, das da den Angehörigen einer Nation genommen wird, es ist tief beschämet», daß sie es verlieren. Daß eine K u l» turnation stolz ist auf«inen solchen„Erfolg" ist leider eine ziemlich alltägliche Erscheinung geworden. Hierzulande werden aber die„Siege" über die nationalen Minderheiten, wird der Entzug ihrer Rechte auch durch die amtliche Nachrichtenstelle, nämlich durch das Tschechische Pressebüro gefeiert, das zu den vorbereiteten Feierlichkeiten aus Anlaß der Einsprachigkeit der Stadt und des Bezirkes Mährisch-Ostrau nicht weniger als sieben Bildmatern ausgibt und in dem Text, den es unter das Bild des Stadtthcaters stellt, ziemlich unverhohlen der Freude Ausdruck gibt, daß in dem Theater, in dem früher nur deutsche Vorstellungen stattfanden, nunmehr nur noch ffchechisch gespielt wird.— Das Frohlocken darüber, daß Angehörige einer anderen Nation rechtlos gemacht werden, ist «in Zeichen von kultureller Rückstärwigkeit, auf die die versöhnungsbcreite Minderheit der tschechischen Nation durchaus nicht stolz sein wird. Feuer zerstört 300 Wohnhütten. In der Dombayer Vorstadt Matunga hat eine Feuersbrunst 300 Hütten zerstört. Etwa 100 ßk e n s ch e n sind obdachlos.- Das Wetter in unseren Gegenden steht weiterhin unter dem Einfluß des Hochdruckgebietes, dessen Kern heute in der Nähe der Ostsee liegt. Der Zufluß kalter Luft vom Osten bis Nordosten hält infolgedessen noch a n. Die Fröste haben sich jedoch g e st e r n gegenüber dem Vortage bereits nirgends wesentlich verschärft. Auf den Bergen ist im Gegenteil weitere Frost Milderung eingetreten. In den Tiefenlagen sind di« Tempe- raturverhältniffe von der Bewölkung abhängig. Di« tiefsten Temperaturen um minus 20 Grad Celsius wurden gestern aus dem Gebiet« des Böhmisch-mährischen Hügellandes gemeldet; am w ä r m st« n(minus 6 bis minus 8 Grad Celsius) war es in der Südslowakei bei umzogenem Himmel. Temperatur gestern um 8 Uhr in Prag: Minus 12.9 Grad Celsius, das nächtlich» Minimum betrug minus 13.7 Grad Celsius. Wahrscheinliches Wetter heute,, Donnerstag: Wechselnd bewölkt bis stellenweise ziemlich heiter, Andauern der starken Fröste. Berlin: 20 Grad. Berlin, 25. Jänner. In Berlin wurde heut« nachts 18 Grad Celsius unter Null in der Stadt und 20 Grad Celsius unter Null in den Außenbezirken gem«ffen. Die höchsten Kältetemperaturen werden aus Königsberg i. Pr. mit 28 Grad und aus Stettin mit 25 Grad unter Null gemellt. Damit sind die Rekordzahlen des denkwürdigen Winters 1928/29 erreicht. 8n Warschau: 26 unter Rull. Warschau, 25. Jänner. Aus ganz Polen wird sehr starker Frost gemeldet. In Suwalki wurden 30 Grad, in Warschau 26 Grad unter Null gemessen. Die im ganzen Lande herrschenden Fröste haben in der Nacht auf heute noch an Stärk« zugenommen. Die Schneeverwehungen in Ost-Kleinpolen dauern an. In Lemberg allein sind 500 Personen damit beschäftigt, den Schnee aus den Straßen der Stadt fortzuräumen. Mufluß des Wetters auf den— Parlamentarismus. Bukarest, 25. Jänner.(OR.) Starke Schneeverwehungen sind die Ursache von Derkehrsein- stellungen auf ein«r Reihe von Strecken. Zahl- Teplitz und die materialistisch« Geschichtsauffassung. In d«m soeben erschienenen zweiten Bande des„Lehrbuches der materialistischen Ge- schichtsauffassurtz" von Max Adler(Verlag E. Laub, Berlin W 30), kommt der Verfasser auch auf die Bedeutung der Naturumgebung für di« Entwicklung der menschlichen Gesellschaft zu sprechen und legt dar, daß die Naturfaktoren nur auf dem Umwege über die ökonomischen Verhältnisse geschichtliche Wirksamkeit erlangen. Er zeigt dies an der Geschichte von Teplitz:„Man kann auS Bill»ern der Goethe-Zeit und auch aus seinen Schilderungen ersehen, wie z. B. der von ihm so geliebte Badeort Teplitz ein idyllisches Städtchen in'einer, ebenso idyllischen Landschaft war. Weit und breit war von Industrie nichts zu merken und keinerlei Rauchschwaden verunreinigten noch di« Luft. Und doch lagen bereits jahrtau- sende-, ja jahrmillionenlang schon dieselben Kohlenschätze im Boden, die aber erst di« kapitalistische Produktionsweise benötigt« und deren Aufsuchung nun mit einem Male die M»hlle verscheuchte, die so lange den Charakter der Landschaft ausgemacht hat. Nun ist der Boden aufae- rissen, Kohlengrube drängt sich an Kohlengrube, rings um das immer noch freundliche Städtchen erheben sich die Essen der Grubenbetriebe und der sich zu ihnen ansiedelnden Fabriksbetriebe, und wo noch vor knapp hundert Jahren di« friedliche Ruhe des Landlebens herrschte, ist jetzt Naturumgebung und Klima durch die Auswirkung«»' einer stets wachsenden Industrie von Grund aus verändert. Selbstverständlich wäre dies ohne den Kohlenreichtum des Bodens nicht möglich. Aber dieser kommt doch erst durch die Entfaltung einer bestimmten Produktionsweise zu seiner geschichtlichen Bedeutung. Billiger und guter Hausunterricht. Die Masaryk-Volkserziehungs-Anstalt in Prag XU., Fochova 62, veranstaltet schriftliche Kurse unter der Devise„Hausunterricht". Auf diese Art und Weise kann man zu Hause Sprachen; Handels- und andere Fachgegenstände zum Preise von 10 Ks erlernen. Bereits 50.0 00 Teilnehmer haben in der Tschechoflowakei derart Unterricht genossen. Bei Vorlegung eines Nachweises der Arbeitslosigkeit kann man sich auch unter günstigeren Bedingungen an diesen Kursen beteiligen. Was für die Neger Recht ist... In der Salzburger„Katholischen Kirchenzeitung" führt ein Südtiroler Geistlicher Klage über die Mitwirkung der kirchlichen Oberbehörden an dein schändlichen Entnationalisierungswerk, das der Fascismüs an den deutschen Südtirolern verbricht. Er erinnert daran, daß der Pap st „unausgesetzt für Missionsländer die Heranbildung eingeborener Priester für die Missionsarbeit und die Seelsorge unter den Bekehrten" verlangt und ausdrücklich Erklärt hat, daß „die Gläubigen ein natürliches und übernatür- reiche Telephon- und Telegraph««Verbindungen . wurden gestört. Noch Meldungen, vor allem aus I dem Moldau-Gebiet, sind di« Züge an mehrere« Orten auf der Strecke stecken geblieben und können nicht vorwärtskommen. Die Sitzung des Parlaments, die für den heutigen Tag festgesetzt war, wird wahrscheinlich auf morgen verschoben werden, da zahlreiche Abgeordnete nicht in die Hauptstadt gelangen können. Auf der schönen„Hanen* Donau. Linz, 25. Jänner.(AR.) Di« grimmige Kälte und die großen Schneemasfen, die in vielen Gegenden des Landes über zwei Meter hoch liegen, haben zahlreiche Verkehrsstörungen zur Folge. Eine große Reih« von Orte» ist von zedem Verkehr abgeschnitten, weil Straßen und Wege unpassierbar geworden sind. Die Oberösterreichische Kraft- wogenverkehrs-A.-G., deren Fahrnetz ganz Oberösterreich umspannt, nmßte insbesondere im Mühlenviertel eine Reihe von Lini«n einstellen. Di« Donau führt zwischen Kachletwehr und Hausbach Packeis und unterhalb von Hausbach ist oberhalb der Vilshofener Brücke ein Eis- st°ß. Die Grippe- Köln, 25. Jänner. Di« Erkrankungen an Grippe in den Schulen der Stadt Köln haben derart zugenommen, daß vorsorglich sämtliche Schulen und Kindergärten vom 25. bis einschließlich 31. Jänner geschlossen worden sind. Stillegung der Rheiuschiffahrt. Köln, 25. Jänner. Wie der städtische Pressedienst meldet, nmß damit gerechnet werden, daß im Laufe des heutigen Tages- oder morgen die Rheinschiffahrt wegen des zunehmenden Treibeises völlig stillgelegt wird. „RAte* auch in Indien. Bombay, 25. Jänner.(Reuter.) In der Stadt und Provinz Bombay- herrscht zur Zeit ein« ungewöhnlich niedrige Temperatur. Heute wurden in der Stadt 55 Grad Fahrenheit (plus 13 Grad Celsius) gemessen.(Anmerkung der Redaktion: Da in Indien der Temperaturdurchschnitt im Jänner plus 23 Grad Celsius beträgt, bedeutet die oben verzeichnete Temperatur einen außerordentlichen T«mperoturrückgang für die dortigen klimatischen Verhältnisse.) licheS Recht auf die Erteilung des Religionsunterrichtes und die Seelsorge in ihrer Muttersprache haben..." Und da stellt nun der Geistliche die Frage, ob die Tiroler nicht soviel Anspruch auf Rücksicht und Recht haben wie die Wilden in den überseeischen Ländern, auf den entlegenen Inseln des Weltmeeres, in den Steppen Asiens urck» Afrikas? Das Volk erwartet Schutz vom Oberhirten gegen die unerhörten Eingriffe des sich vergottenden Staates und seiner nationalistisch überspannten Regierung". Der Papst wird, so meint dazu die„Arbeiter"-Zeitung, die Antwort auf die Frage wohl schuldig bleiben, er wiÄ weiter eingeborene Priester für die Neger und Papua fordern und die deutschen Südtiroler weiter den geistlichen Handlangern des italienischen Fascismus ausliefern— denn der Verrat an den deutschen Bauern Südtirols war Wohl ein Teil des Preises, um den der Papst seinen Frieden mit Mussolini gemacht hat. Falsche 50-Schilling-Notrn. Der Polizeidirektion in Wien wurde bekannt, daß bei einem hiesigen Geschäftsmann auf der Landstraße ein großes Banknotendepot hinterlegt worden sei. Da Anzeichen der Unechtheit der Banknoten vorhanden waren, hielt die Polizei Nachschau und konstatierte, daß es sich um 10 Pakete zu je 100 Noten ä 50 Schilling gefälschter Banknoten handelt. Die falschen Banknoten wurden beschlagnahmt. Nach dem Gutachten der Nationalbank ist die Fälschung als ziemlich gelungen zu bezeichnen.'Der Herstellungsort der Fälschung sowie die Personen sind bisher noch unbekannt, doch wurden zwei Personen in Verwahrungsbaft genommen, die dem erwähnten Geschäftsmann die Banknoten ins Devot gebracht hatten. Die Fälschungen sind im Wege des Druckes auf Platten unter Verwendung des photomechanischen Weges hergestellt. Nach dem Stand der Untersuchung nimmt man an, daß die gefälschten Banknoten bisher noch nicht in Verkehr gebracht worden sind. Die Nachforschungen werden fortgesetzt. Wieder Ranbüberfall auf Postbeamte. In der Nacht zum Mittwoch wurde auf dem Bahnhof in Oldenburg von zwei maskierten nnd mit Pistolen bewaffneten Männern ein Raubüberfall auf zwei Postbeamte verübt. Die Täter schossen einen der Beamten nieder und hielten den anderen mit der Waffe in Schach. Sie raubten eine etwa 20 Kg. slbwerc Kiste, in der 8200 Reichsmark in Scheinen und Silbergeld enthalten waren. Die Täter sind unerkannt entkommen. Auswanderung aus Oesterreich. Während des Jahres 1932 sind rund tausend österreichische Arbeiter, und Ingenieure nach der Sowjetunion ausgewandert. Sonst war eine Auswanderung/ in geringem Ausmaß« nach Persien zu beobachten, Vom Rundfunk Arbeilsmartt-Berichte in der Prager denlfchen Arbettersendnng. Gelegentlich der gestrige» deutschen Arbeitersendung im Prager Rundfunk wurde mit einer Neuerung begonnen, die zweifellos als notwendig« Bereicherung empfunden und begrüßt werde» wird: es werden nun in dieser Sendung regelmäßig, so wie es gestern bereits zum erste» Mal geschah, ArbeitsMarkt-Berichte aus der Grundlage der Mitteilungen ausgegeben werden, di« der Programmleitung von der Laudeszentral« für Arbeitsvermittlung für Nordböhme« in Reichenberg zur Verfügung gestellt werden. Sowohl die allgemeinen Mitteilungen, di« aus diesem Wege an di« Radiohörerschaft ausgegebe» werden, als auch die besondere Meldung freier Arbeitsstelle« haben gerade in unserer Krisenzeit erhöhte Bedeutung. Empfehlenswertes ans ve« Programme«. Freitag. Prag: 6.15: Gymnastik. 11: Schallplatte«. 17: Konzert. 18.25: Deutsche Sendung: DL S-einer: Steuerfragen.— Brünn: 16.10: Orchesterkonzert. 18.25: Deutsche Sendung: Prof. Zeckendorf: Aktuelles aus dem Sportleben. 19.20: Die TeufelSkäthe, Oper von Dvofak.— Berlin: 16.25: Nordische Musik. 19.10: Chorgesänge.— Mühlacker: 20: Mandolinenkonzert.— Königsberg: 20: Orchcsterkonzert.— Leipzig: 19.30: Blaskonzert. 22.30: Bunt« Stunde.— München: 19.05: Die Geschwister.>— Wien: 17.40: Meister deutsche» Chorgesanges. 21.30: Tönendes Papier. 22.15: Tanzmusik. wo gegenwärtig für den Bau von Bahnen aus Oesterreich Mineure und Tunnelarbeiter benötigt werden. Nach allen anderen Staaten ist di« Auswanderung aus Oesterreich fast vollständig zunl Stillstand gekommen. Was Herriot in Pole» studieren will. Meldungen aus Warschau zufotze wird demnächst die Ankunft Herriots in Polen erwartet. Der ehemalige Ministerpräsident Frankreichs trägt sich mit der Absicht, in Warschau seine C h o- p i n-Studien zu ergänzen. Außerdem will er sich über den Stand der Wirtschaftskrise in Polen informieren. Ein«euer Raubmord eines SA-Mannes i» Köln geht seiner Aufklärung entgegen. Bor einigen Wochen wurde dort ein Geldbriefträger und eine Frau ermordet. Unter dem Verdacht der Beihilfe ist am Dienstag der Neffe der Toten ein 22jähriger SA-Mann verhaftet worden, der in voller Nazi-Uniform der Beerdigung der ermordeten Tante bergewohnt hat. Der Verhaftet« hat im vergangenen Jahr dreieinhalbtausend Mark unterschlagen und verjubelt. Zugszusammenstoß. In der Nähe des Dirichauet Güterbahnhofes Lisbenhof(Korridor) fuhr av> Dienstag«in aus Bromberg kommender Kohlen;»- mit voller Kraft auf einen Eilgüterzug, der auf de« gleichen Geleise staich. Bon dem Kohlenzug wurde» sieben, von dem Eilgüterzug drei Waggons zertrüi»' mert. Ter B r« m i« r des Eilgüterzuges wurde am der Stelle g«:ötet^ ein Schaffner schwer verletzt. Der Schaden ist bedeutend.— An ein«»' schrankenlosen Bahnübergang bei Schwerin wurde Dienstag nachmittags von einem Triebwagenzug der Reichsbahn ein Lieferauto erfaßt und zertrümmert Einer der beiden Autoinsassen, der Kauftnann Egon Lang«, ist s«inen Verletzungen erlegen. Ein zweiter Insasse wurde schwer, aber nicht lebensgefährlich verletzt. Das alle Persepolis ausgegraben. Der Karrt- spondent der„Morning Post' in Schiras(Persien) meldet: Nach zweijährigen Ausgrabungen ist es ö«r deutschen Expedition unter Dr. Herz- fcldt gelungen, die alten Paläste, Säulenhalle^ Tempel und Wohnhäuser des alten Persepolis endgültig freizulegen und damit di« Pracht und de» Glany der alten Zivilisationen der Zeiten vo» Xerxes, Artaxerxes und Darius an de» Tag zu bringen. Di« Gebäude waren von A l e- x a n d e r dem Großen bei seinem Eroberungszugt niedergebrannt worden, aber di« Stein« sind uirzek- ftört- geblieben und geben der Altertumskunde cw drucksvollc Aufschlüsse. Mahnung an den rrneuWloffeneu Du möchtest nicht träumen? Möchtest dich nicht in Sehnsucht verzehre«? Möchtest stark sei« und statt von gcbroteae» Taube« zu schwärmen, di« dreckige Welt von unterst zu oberst»et- kehren? Du möchtest nicht im Dämmer in träger R«^ sitzen? Möchtest die Arme recken und in die Welt hina»' , schrei«? Möchtest den Himmel entsternen? Möchtest»{f Erde nützen? Aber du träumst doch in müd-stumpser, schlaf'''' ger Rub I I« deinem traumdunklen Hindösen höre•»* I Mahne» t Befrei' dich aus drinrn Träumen! Sitz nicht I Dunkeln! Schlag j«! Wenn du erst«inmal des Auges Blitzen.*** Kraft der Arme empfunden, dann wirst du, Kranker, mr Helle des T«4W! gesunde»!> HauS Honheise^ mniiimiiuiiiimiiiiiiiiiiiitiiiiiiiiiinninnininiiiniuiiiiUiiininiuniuinnininniiiiiinHiuiinuniuinninninuiniiifiiiniininniinninniiinnnniiiinimiiinniiiiinmniiniiiiiiinmiiiiiiiiiiiuiiiiiiniiinnn Rr. 22 Donnerstag, 28. Jänner 1933 Seite 7 M Gebärenden Ml hellen! verlang! eine Nazl-KranKcn- sdiwester. „Tcuische Frau, hüte dich vor jüdischen Aerzren!" ruft die Krankenschwester'M. St. S^n Leserinnen der„Ns.-Frauenwarte" zu(Heft 10, Jahrgang 1981:), Dreißig Jahre ist sie in Deutschland und den ehemals deutschen Kolonien sin gynäkologischen Operationssaal gestanden. Und weil so viele Frauenärzte und Geburtshelfer Juden sind, mußte sie den Gehaßten HelserS- oienste leisten. Was haben sie denn verbrochen, diese„sremürassigen" Aerzte? Man höre: Er>dcr Jude) ist es, der immer wieder den Frauen vorredet. fi« müßten sich schmerzlos entbinden lassen, er empfiehlt die Narkose bei der Geburt, die vorzeitig« Beendigung durch künstlichen Eingriff. Tie schlappen Frauen sind diesen Menschen „Von Herzen dankbar und empfehlen den wirklich mitleidigen Arzt noch weiter". Die braune Krankenschwester hat ein ganz andres Idealbild eines Arztes. Und schildert es so: Der Regierungsarzt,«in srhr tüchtiger Ge- bur,sh«lf«r, leitete di« Entbindungsanstalt. Er stand auf dem Standpunkt, daß man nach Möglichkeit der Narur freien Lanf taffen müffe, und so kamen wir saft ohne gewaltsame Eingriff« und Betäubungsmittel aus DaS heißt mit anderen Worten oft tagelang«, tödliche Pein, das heißt kreischendes Schreien und würgende Angst. Jetzt aber wissen es dir deutschen Frauen: wer ihnen Schmerzen bei der Geburt ersparen will, wer hilfsbereit an ihrem Bett wartet, ob nicht im rechten Augenblick und ohne den natürlichen Vorgang her Wehen zu beeinflussen ein Schleier des Vergessens über die körperliche Qual der Mutter gebreitet werden könnte, der ist in den Augen der braunen Krankenschwester em Rassenvcrschlechte- rcr. Tenn statt stolz darauf zu sein, daß sie die ihr von der Natur vorgeschriebenen Funktionen als körperlich : tüchtig« und gesund« Frau erfüllen konnte, will die ein« die andere an Minderwertigkeit übertreffen. Also: niemand soll die Schmerzen der deutschen Frau lindern, wenn sie gebiert. Warum? Hitler, ihr Führer, gibt darauf die Antwort: „Deutschland verliert jährlich 300.000 bis 400.000 Menschen. Würde Deutschland jährlich eine Million Kinder bekommen und 700.000 bis 800.000 der schwächsten beseitigen, so würde am Ende das Ergebnis sogar eine Kräftesteigerung sein." So beurteilt der Nationalsozialismus die brutsche Frau, itr Schmerzen-foll sie-ohne Hilft, ohne Linderung''eine~ MrtliouKlndergcbäreu, damit d rc r-V ir r tel von ihnen„beseitigt" werden! So schätzen und ehren die Nazi die deutsche Mutter.., >Me SrlSrrr DSGeln. Von Alfons Petzold. In ihrer strahieren Mächtigkeit saß di« Lonye 'm blaue« Samt des Himmels. , Och armseliger Hund von einem Men'che» trabte geduckt meiner Arbeitsstätte zu. . Och war auf einem Neubau als Taglöhner beschäftigt, wo«s nich.s als brennenden Kalk und Kieselstaub, rotz« und gemeine Worte gab. Widerwillig, von dem eiligst heruntergeschlungenen Miltagrftaß kommend, schlürft« ich über da« Pflaster, schon todmüde.von der Last des halben Arbeitstage«, vor Ekel und Angst vor den sechs Stunden Karrenziehen, die ihm noch folgten, bis die. Glocke in der Bauhütte Feierabend bi»miel:e. Wi« durch ei« Tunnel voll Rauch und Gestank ging ich sah nicht das Grün der Gärten, die Geschäftsauslagen mit den schönen Dingen, fröhlich lachende Piichchen, Männer voll Würde, Kraft und Mut. Nur alles Schmutzige, Zertreten«, Lasterhaüe Gemein« der Großstadt, ihr« eiternde Not, ihr sch'.«'- ttliger Haß gegen uns Arme trat grausig bildhaft in mein Bewußtsein. Ich sah den Grind, di« Läu>r der tagsüber sich selbst überlassenen Kasfenzugend. die verborgensten Geschwür« scheu oder frech vorbei- ftreichcnder Dirnen, die schmählich« Lumpeukleiduug der Bettler. Ich erblickt« Arbeitslose, die vor Hunger beim Gehen einknickten wie Gehenkt«, schwangere Frauen, ausgemergelte Greis«, in deren>m E'end ersoffenen Augen meine Zukunft zu lesen war. Ich roch verfaultes Bettstroh, Fetzenlager umer Brückenpfeilern und in Kanalgängen Jauchengcstank, Arme stutegeruch der Zinskasernen, Ausatmung tausender vereiterter Lungen, Fuselhauch sich mit Schnaps Betäubender. Es gab keine Freude, Hoffnung, kein Dlück. Und wenn ichon, dann nicht hier unten, dann irgendwo oben in einer anderen Sphäre. Auf meinen Haß stürz« noch namenlo'eS Erauen. Wie in dre Nacht rerirrre Tagvög-cl irrten verAyerflungsvoll meine Augen umher. Aul«wem Fenster grinst« das breit« Gesicht eines Mannes auf mich herab. Lachte er über mich? „Tu Satan! Du höllischer Gauner!" 8ch schrie es über das wahnsinnige Tosen der Eroßstadt hin und meint«, alles müfft auf einmal Schweigen sinken und nur der Schrei meiner Seele wär« vernehmbar. Aber der Mann konnte auch über sich lachen, «ber sein Elend, über seinen Jammer, hier in dieser versiuchren Welt leben zu muffen, nachdem er vielreicht vorher viel« Tag; geweint harte Beschämt schlichen mein« Blicke von seinem ncsicht weg. blieben an einem anderen Fenster hoch in der Himmelsnähe hasten Hinter dünnen Schutz- glttern, aus Z'Srblümen uuftanchend lehn:« ein Reines Mädchen Auch es lacht« und griff dabei mit den Händchen hinaus in die goldene Luft des Sommers... Da- spürt« ich es plötzlich wie Wald um. mich wehen, Wiesenduft schmeichelte sich an mich heran, Waffer aus silbernen Quellen kühlte Wunde um Wunde, Sonn« hatte auf einmal eilte so hok^e.' gütige Hand und di« Menschen waren so rein von! jeglicher Sorge und Schmutz.,.. Und langsam ging ich ruhig, gelaffen, ohne Haß, Angst und Lebensüberdruß an nieine Arbeit. Grrjtza in Haft. Der Rornan eines Avenieueees. Von Paul Dinrr-Ddnes. Der ehemalige Generalstabschef der tschecho- . slowakischen Armee, Rudolf Gajda, ist wegen des mißglückten Brünner Fascistenputsches verhaftet worden. Tie.siavrierc des größten Abenteurers der Tschechoslowakei, des ehemaligen Generalstabs- chcfs Rudolf Gajda, sein phantastischer Auf- und Abstieg, gleicht einem Hintertreppenroman der Wirklichkeit. vom Drogfstengehilfen zum Militärarzt. Gajdas Laufbahn— vor dem Kriege dachte kr noch nicht an Karriere— begann als kleiner Drogistengehilfe. Zu jener Zeit hieß er noch Gaidl. Bei Ausbruch des Krieges diente der Dreist Rudolf Gaidl bei einem österreichischen Bataillon in der Herzegowina. Er diente als Feldapotheker- Gehilfe univ wurde Ende 1914 zum Unteroffizier befördert. Der Dienst in der österreichisch-ungarischen Armee paßte ihm aber nicht, und so. desertierte er im Jahre 1915 zu den Montenegrinern. Bei den Truppen der Schwarzen Berge war er jedoch schon nicht mehr Apothekergehilfe,^sondern beförderte sich ganz eigenmächtig zum Militärarzt. Diese„Beförderung" war die erste Etappe seiner Karriere. Als dann die serbisch-montenegrinische Front zusammenbrach, flüchtete er auf einem italienischen Dampfer nach Odessa. Nun begann-'seine große militärische Laufbahn. Die tschechische Legion. In Rußland trat er in die tschechische Legion ein, aber nicht als Unteroffizier, sondern als Offizier, eine Rangerhöhung, die er wieder ganz eigenmächtig vorgenommen hatte. Als Offizier nahm Gajda an dem Kampf der„tschechischen Brigade", die im Verbände des 49. russischen Armeekorps kämpfte, an der '„Schlacht von Zborow" (einem Ort in Ostgalizien) teil. - Diese Schlacht wird allgemein als die Ge, burtsstunde der tschechoslowakischen Armee bezeichnet. ES trat nämlich dort■ zum erstenmal eine größere militärische Einheit der Tschechen^ in Starke von 1900 Mann, selbständig aus.-. Die„Schlacht" kam folgendermaßen, in Hang: ein dezzts^p, Agch eiM^ndeim PeMn ein üngärsscher GefängeneytränSpbrt, sollt«; ist. me Heimat befördert werden."Ältft' der Bühststation Tscheljabinsk wurde angeblich auf die dort herumspazierenden Tschechen ein Stück Eisen geworfen, durch das ein tschechischer Legionär am Kopfe schnrer verletzt worden sei. Die Tschechen zwangen nun den Zug zum Halten, holten den Täter heraus und lynchten ihn an Ort und Stelle., Nun ließ der Lokalsowjet einige tschechische Legionäre verhaften. Die Tschechen verlangten ihre Freilassung, und machten Anstalten,, als die Sowjetmachthaber sich hiezu nicht entschließen konnten, ihre Kameraden mit Gewalt zu befreien. Die Hauptleute Kadlec und Radola Gajda(früher Rudolf Gaidl) besetzten Tscheljabinsk, befreitest di« Gefangenen und erbeuteten von den Sowjets 2800 Gewehre und eine Battctie. Nun beschlossen sie, auf eigene Faust, den Weg über Wladiwostok nach Frankreich zu nehmen, wo sie an Frankreichs Seit« gegen Deutschland kämpfen wollten. Gajda, der mittlerweile Kommandant der tschechischen Division geworden war, bot. jedoch dem Admiral Koltschak seine Dienste an, der fein Anerbieten dankbar annahm. Die historische Uniform. Der russische Generalleutnant Sakharow, ein Mitkämpfer Koltschaks, schildert Gajda als eine Art Judas des Generals Koltschak. Der Tscheche verstand ihn derart zu umgarnen, daß ihn der General zü seinem Nachfolger empfahl. Eines Tages— erzählt der Generalleutnant in seinen Memoiren— wurden die neuformierten Truppen der sibirischen Armee inspiziert. Gajda stand feierlich und unnahbar etwas abseits und betrachtete seine Soldaten. Da trat Sakharow an ihn heran und fragte ihn:„Was für eine Abteilung ist das, General?"! Selbstbewußt antwortete Gajda:„Meine Eskorte!" „Sie haben eine ganz eigenartige Uniform. Ist sie von Ihnen erdacht worden?" fragte der Generalleutnant. „Nein", antwortete Gajda.„Diese Uniform ist historisch." „Wieso historisch?" Auf diese Frage kam eine ganz verblüffende Antwort.„Die großen Heerführer in Rußland, wie zum Beispiel Nikolaj Nikolajewitsch, hatten immer kaukasische Eskorten. Ich will, wenn ich in Moskau einziehe, auch eine solche Eskorte haben." Der Generalleutnant fragte weiter:„Sind denn Ihre Leute tatsächlich Kaukasier?" „Nein!" sagte Gajda.„Aber der Typ ist ungefähr derselbe." Streit zwischen Koltschak nnd Gajda. Das Einvernehmen zwischen Koltschak und Gajda dauerte jedoch nicht lange. Bald kam es zu heftigen Auseinandersetzungen; denn Koltschak warf nach der mißglückten Offensive Gajda militärische Ahnungslosigkeit vor und wollte ihn sogar verhaften lasten. Nach dem Aufstand von Wladiwostok kehrte dann Gajda nach der Tschechoflowakei zurück. Auf der französischen Kriegsschule. In Prag empfing ihn der damalige Chef der französischen Militärmiffion, General PellS. Dieser unterwarf Gajda einer regelrechten Prüfung, die der ehemalige Drogist natürlich nicht bestand. Der General sagte zu ihm:„Diese Fragen, die Sie nicht beantworten können, pflege ich in Frankreich bei der Prüfung den Reserveoffizieren vorzulegen; es wird gut sein, wenn Sie sich auf einige Zeit zum Studium nach Frankreich begehen!" GeneralstabSches. .„Gajdg besuchte darquf einige Monat?, die 'fränzösiftlp! Kriegsschule, kehrte vald heim und übernahm däs Divisionslömmanda in Kafchau. Sein Abenteuerblut ließ ihn aber nicht ruhen und so mobilisierte er anläßlich eines Gren^zwi- schenfallS mit Ungarn ganz einfach seine Division, um gegen Ungarn zu ziehen. Trotzdem machten ihn seine Prager Protektoren zum stellvertretenden Generalftabschef und schließlich zum Gene- ralstabSchef der tschechosloivakischen Armee. Inzwischen wurden jedoch bald Gajdas frü- chere Verbindungen zu den Sowjets aufgedeckt, ein .militärischer Untersuchungsausschuß eingesetzt und der Spruch aus Gajdas Degradierung zum Gemeinen gefällt. Die Generalpension wurde ihm allerdings mit kleinen Abstrichen belasten. Sträfling Gajda. Bald warf sich Gajda der Politik in die Arme und organisierte eine fascistische Partei. Es folgte ein kurzer Aufstieg, als Gajda zusammen mit Stklbrnx und Dr. Pergler zum Abgeordneten gewählt wurde. Ta überfiel ein Trupp Fascisten den Kriegsministerialrat Dr. Borel, DaS Gericht stellt« fest, daß die Attentäter von Gajda für 160 K angestiftet waren. Hierauf wurde der ehemalige Generälstabschef zu zwei Monaten Kerrer verurteilt. Auch seine Generalspension wurde ihm gestrichen. Einige Jahre blieb es dann ruhig um Gajda, bis ihn letzt der mißglückte Putsch hinter schwedische Gardinen brachte. Kluv der Selbstmörderinnen. (Eine geyeimnwvoNe Variier Vriminalaffäre. Paris, Milt« Jänner.(Eig. B«r.) Seit einigen Monaten grassiert in Paris ein« mysteriös« Selbst- mordepidemi«. Ihre Opfer sind stets schön«, etegavr«, junge Damen aus dem Kreis der„oberen Zehntausend". Aber bei: keinem ber seltsamen Selbst- mordfälle konnte der.Grund der Tat erforscht werden. Dir russische Tänzeri«. Kürzlich wurde di« 17jährige russische Tänzerin Tanja Tova in der Garderobe des Theaters, in dem sie auflrai,. tot ausgefungen. Die begabt« Künstlerin war beim Publikum sehr beliebt gewesen und hatte eine ihrem Ruhme entsprechend« hohe Gage. Dir Obduktion der Leich« ergab als Todes- zirsache: übermäßigen Genuß von Opium Die polizeilich vernommen« Garderobiere gab zu, daß di« Tänzerin vor jedem Auftreten„etwas" zu sich genommen halte, um ihre Stimmung zu heben und ihre Arbeitskraft zu steigern. Dir Polizei verfolgt« einige Spuren, di« zur Ermittlung der Gift- liekeranten führen sollten. Vergebens! Das Reportcrglück eines jungen Pariser Journalisten fuhrt« jedoch zur Aufklärung. Der Journalist wurde auf einem seiner Strrifzng« zufällig Zeuge, als sich eine elegante Dame in selbst- mörbrrjicher Absicht in dir Seine stürzte. Er sprang ihr nach und rettet« sie. Bald erkannte er in ihr di« jnnge talentvoll« Pianistin Marguerite be B. Als die Lebensmüde wieder zu sich gekommen war, legt« sie ihrem Retter«in vollständiges, in seiner Wahrheit später polizeilich bestätigtes Geständnis ab. Die Erzählung der Pianistin. Vor etwa einem Jahr mietete die berühmte Pariser Revuetänzerin Maris« Dellion am Boulevard. Raspaille, in der Nähe des Montparnaffe, ein schönes schloßartiges Haus. Sie gründete in diesen Räumen, zu denen der Zutritt jedem Manne streng »erwehrt wurde, einen„Tamenklub" mit folgenden merkwürdigen Statuten: 1. Der Klub trägt den Namen: Frauenaffozio- rion für gegenseitige moralisch« Hilf«.— 2. Als Mitglicber des Klubs werden Frauen oder junge Mädchen im Aller von 17 bis 39 Jahren ausgenommen. Ausnabnrebedingungen: Schönheit, Eleganz und Unabhängigkeit.— 3. Di« Mitglieder erstreben den Selbstmord aus psychologischen Motiven, Liebcsentläuschung, unstillbare Sehnsucht, Hypochondrie. Selbstmord wegen unheilbarer Krankheit oder Grldsckwierigkeiten wird nicht zugelaffen.— 4. Hat ein Mitglied innerhalb drei Monaten keinen Selbstmord begangen, so wird sein Nam« in ein« in den Klubräumen anshängend« Scknvarz« Liste eingetragen. Bcgeh: das Mitglied auch dann keinen Selbstmord, so schließt es sich automatisch aus dem AeMattnSer 1933: MSr, bl« Mm Karl Marx-Gedenkfeier«. 14. März- SU. Todestag. März$rauentao. i. Mai. iS. 3unl Kindertag. Rüstet schon jetzt zn diesen proletarischen Feiern! Klub auS.— 5. Die Wahl der Todesart steht den Mitgliedern frei.— 6. Der Klub stellt seinen Mitgliedern jede von ihnen erwünschte Menge von Rauschgift kostenlos zur Verfügung. In den Klubräumen darf jedoch Rauschgift nur maßvoll getroffen werden. Todesfälle innerhalb der Klnbräumr sind unter allen Umstärrden zu vermeiden-— 7. Unbefugten ist der Zutritt verboten. Das Personal besteht aus Negerinnen und Chinesinnen.— 8. Ter Mitglied sbeitrag beträgt monatlich 8000 Francs.— Dir Lisi« des Todes. Das erst« Opfer des Klubs der Selbstmörderinnen wurde sein« Gründerin: Maris« Dellion. Ihr folgte nach kurz«; Zeit— unter besonders tragischen Umständen— Marcelle Roummee. Si« wollt« sich mit Veronal vergiften, wurde aber überrascht. Di« Künstlerin- Würde in ein Spital gebracht; es bestand Hoffnung, st« zu retten- Aber kaum war sie wieder zur Besinnung gekommen, lief sie in der.Morgendämmerung ans und davon und stürzt« sich vor den Angen einer Blumenverkänferin in die Sein«. Das nächste Opfer war der auch in Deutschland bekannt« Revuestar Jenny Golder. Ihr folgten di« junge, talentvolle Novellistin Charmoise, di« Baroneß Neville von der Comedie Frangalse, die Sängerin Marcelle Lornbe, die Fliegerin Jeann« Rogelles und. die bekannt« Schönheitskönigin Ninon Fleury. Nach dem Bericht der geretteten Pianistin sind alle die genannten Frauen ein Opfer des Rauschgifts geworden. Sie alle haben ihren Freitod bewußt herbeigeführt. Die Pariser Polizei bemüht sich nach Kräften, die schauerliche Affäre aufzuklären, den Klub aufzulösen und sein«.Wiederauferstehung unmöglich zu machen. VomVnglDdi nldrt gebeugt In den„Buddenbrooks" von Thomas Mann gibt es ein« Stelle, wo Clotilde In einem Buche .liest, dar den seltsamen Titel trägtr.„Blind, taub, stumm— und dennoch glücklich." Ja, wenn man nach dein Glück fragt und was cs ist, und das Glück in der Tätigkeit des Menschen findet, so gibt es tatsächlich solche Wunder der Energie, dieser Schaffens, die auch den von der Natur denkbar unglücklich ausgestatteten Menschen zum Glück verhilft. Es ist da8 Wunder, das der Kunsthistoriker Basar:, der erst« dieser wissenschaftlichen Zunft, der uns das Leben von Künstlern beschrieben har, in den Ausspruch über Raffael hineinleate:„Raffael wäre auch ohne Hände ein großer Maler geworden." ES ist eine inner« Formkraft, die zur Gestaltung drängt, und die sich Mittel zum Gestalten irgendwie zu finden und zu schaffen weiß. Wie haben wir dielen ostvreußischen Landsmann bewundert, der, ohne Hände zur Welt gekommen, es durch rastloses Arbeiten an sich selbst zuwege brachte, mittels seiner Füße alles das, ja und auch weit mehr noch zu leisten, als der gewöhnliche Mensch mit seiner Hände Werk zu leisten vermöchte. Er kleidete sich an, er aß, er schrieb,>a er spielte sogar verschiedene Instrumente, alles ohne Hände. Er war solch ein„Maler ohne Hande. In ihm war so das Wirklichkeit geworden,— allerdings mehr in dem Sinne handwerksmäßiger Fertigkeit, waS von der Fähigkeit Raffaels oben gesagt war. Dies„Malen ohne Hände" ist gerade von solchen besonders energischen Menschen zu einer Wissenschaft gemacht worden, die gelehrt und gelernt werden kann. Dieser von Natur Unglückliche hat nach dem Kriege den Opfern des Krieges in. einer Berliner Zentralstelle viele von den Fertigkeiten beibringen können, die er sich mühevoll in keinem Leben angeeignet hatte. Er hat für die Schwerkrieasverletzten das geleistet, was das Wiener Fräulein Paradies vor einem Jahrhundert kür viele völlig Blinde geleistet hat als sie Werkzeuge, Schreibtafeln mit einem Drahtlinicn» shstem und mit Braille später die Blindenschrift zu einem System ausbildete. Die Aufopferung liegt bei dem Lehrer solcher „von Narur Unglücklichen" in eben dem Maße, wie bei den Lernenden. Miß Helen Keller, die als Säugling blind und taub wurde, ist wohl die außerordentlichste Erscheinung, die die Er- siehungSqeschichte der Menschheit zu verzeichnen hat. Hochgelehrt, mit dem Doktorgrad ausgezeichnet, Verfasserin mehrer wisienschaftlicher Bücher: so stellt sie wohl den höchsten Grad der Lernenden und danach der Lehrenden dar, den man sich unter den unerhörten Umständen ihres Lebens, eines Menschenlebens, denken könnte. Eine„Malerin ohne Hände",- eine blinde Seherin. Eine, die ..Unerhörtes zu bören vermag" und deren ganze Welt«ingefühlt ist durch den Fleiß unerhört fein- sübliger Fingerspitzen. So ist sie„Malerin ohne Hände" gerade mit dielen wunderbaren Hä.nden. h'i’ eOie Welt und ihr Willen kennen gcl-rnt Kaben und kennen lehren für Menschen, die die Natur I ebenso stiefmütterlich bedachte. E«Ne 8. Domtertzkaz.-8. Jänner 1938 srr. zz ZEITUNG Geriditssaal Sie erste Lchwurgerichlsperwve 1833. Prag, 28. Jänner. Montag, den 6. Feber d. I. Wird die erste Schwurgerichtsperiode eröffnet. 11. a. stehen die drei Mordprozesse Petru, Aohout und MlYnakik auf der Tagesordnung. Der letztgenannte Fall ist auf zwei Tage berechnet und wird am 9. und 10. Fsber verhandelt werden. ES ist nicht ausgeschlossen, daß auch der groß« Mordprozeß C Y ch a zur Verhandlung gelangt. Es handelt sich um die Ermordung der Greisin Halama in KoZir, die von der eigenen Richt« um eines Sparbuches willen mit einem Hammer erschlagen worden ist. Dies« Bluttat hat vor kurzer Zeit großes Aufsehen erregt. Di« Brutalität der Mörderin erinnert an den im Dezember verhandelten Fall der Anna Viilek, der bekanntlich mit dem Todesurteil der Angeklagten endete. rb. Gin Kind ertrinkt im WSschebottich. Prag, 28. Jänner. Der 63jährig« Häusler Franz F L r a aus H o r n i L i 8 n i c e ist vom Unglück schwer heimgesucht worden. Er stand heute vor dem Senat des OGR. Sitta unter der Anklage der fahrlässigen Tötung, begangen durch Ver- nachlässigung der pflichtgemäßen Aufsicht über sein« kleine Enkelin Z d« n k a, die er zur Erziehung angenommen hatte. Das Kind zählt« rindreiviertel Jahre. Am 28. August v. Ä. füllte der Angeklagte auf dem Hof seines Häuschens einen großen Zuber mit Wasser für die Wäsch«. Dann ging er Kaffee kochen. Während er damit beschäftigt war, lief seine kleine Enkelin in einem unb«vachtrn Augenblick aus der Küche und auf den Hof. Das Kirch beugte sich über Len Rand des Bottichs, der etwa 12 Liter Master enthielt, verlor das Gleich- gewicht und stürzte in das Gefäß. Der entsetzte Großvater fand jein Enkelkind nurmehr als Leiche vor. Die Aerztr erklärten, das Kind sei ertrunken, während der Angeklagte behauptet, dazu sei di« Zeit zu kurz gewesen und das kleine Mädchen müsse einem Herzkrampf infolge des Schrecken! und der Wasterkälte erlegen sein. Dies ändert nun freilich nichts an dem traurigen Sachverhalt. Bosonders tragisch an diesem Fall ist aber die Tatsache, daß der all« Mann vor etwa einem Jahr wegen des gleichen Deliktes verurteilt wurde. Damals handelte es sich um eine ander« Enkelin, die ihm gleichfalls zur Behütung anvertraut war. Das Kind stürzt« damals in einen Topf kochenden Wasser! und verbrühte sich tödlich. Der bedauernswert« Greis, der solcherart zum Tode zweier seiner Enkel- linder indirekt beigetragen hat, ist vollkommen gebrochen.~—• Der Senat der OGR. Sitta bewies dem armen Teufel gegenüber Mild«. Er verurteilt« ihn zu zwei Monat«« strengen Arrestes, verschärft durch zwei Fasten pro Monat, doch wurde di« Strafe bedingt ausgesprochen und dem Angeklagten eine zweijährige Bewährungsfrist zuerkannt. rb. Aus der Partei Jugendbewegung. Matteotti• Kameradschaft(I u ng f a I k e n). Freitag um 4 Uhr nachm. Zusammenkunft im Ber- ein deutscher Arbeiter. Freundschaft! Prag« Kouzektlsal. Auch das neue Jahr 1933 hat bisher Konzerte in Fülle gebracht, di« bewiesen, daß die Konzert- saalkonjunllur im krassen Gegensatz zur allgemeinen Wirtschaftskrise steht. Ueber ein oder das andere Konzert wurde hier bereits besonders berichtet; ein« große Zahl im guten oder im schlichten Sinn bemerkenswerter Jänner-Konzerte möge heute noch kritisch betrachtet sein. Zunächst drei größere Orchesterkonzert«. Unter ihnen hatte jenes der Prager Tschechischen Philharmonie, bei dem unier der temperamentvollen und Werktreuen Stabführung Alexander von Zemlinskys die Neunte Sinfonie Ludwig van Beethovens zur Aufführung gelangte,-en stärksten Erfolg. Daß es auch da! künstlerisch wertvollste war, dankte man nicht nur dem Dirigenten, sondern auch dem vorbildlich musikalisch und gesanglich geschulten Ehor des Prager tschechischen Gesangverein!„H l a h o L", dem hingebungsvoll spielenden Orchester und den gut zusammengcftimmten S o l i st e n(Fr. Nessy- B ä ch e r, Fr. M. K r& f o o ä, Herr R avec und Herr Schwaz).— In einem der letzten Konzerte des Radiojournals lernte man als G a st- dirigenten des Orchesters des Prager Senders den bekannten deutschen Dirigenten Hermann S ch e r ch« n kennen,«inen der eifrigsten Borkämpfer der modernen Musik. Letzterer huldigt« er durch «ine Aufführung der ,,Konzertmusik" opus 50 von Paul Hindemith, deren lebendig« musikalische Art und starke Gegensätzlichkeit der Streicher- und Bläserklanges er eindringlich zur Geltung bracht« Imponiert hat Scherchen aber auch durch di« abge- klärte geistige Gestaltung klastischer Werk«, zwrier Sähe aus W. A. Mozarts Divertimento für 13 Blasinstrumente und Beethoven« großer Fuge opus 133.— Das Tschechisch« Staat!- konservatorium hatte diesmal neben feinen zahlreich«» mustergültigen Oeffentlich«» Musikaben- Genossin Alice Rühle, Dresden wird in einem 3-Abeude-Kurs Wer »Erziehung zur Gemeinschaft" sprechen. Kursbrgian: Samstag, den 28. Jänner, um halb 7 Uhr im Studentenheim(Od- borovh dum, Eingang Bartolomtzjska 14.)— Teilnehmerbetrag K 10.—, für unbemittelte 8. J.-Mitglieder frei.— Gäste willkommen. Wir laden insbesondere auch di« Partei- genossinnen zur Teilnahme ei». Der Termin für die andere« beiden Kursab«nd« wird im 1. Kursabend verabredet. S. I., Prag. Kunst und Wissen französische Dramatik dn Präger deutschen Theater. Das unbestreitbar Erfreulich« an den beiden Erstaufführungen vom Dienstag ist der Bruch mit der üblen Tradition, uns vom französischen Drama nur den Abhub, die Schlafzimmerschwänk« und Ehe- bruchskomödien zu geben, die das Repertoire der Kleinen Bühne füllen. Zum erstenmal seit langer Z«i: wurde dem Publikum«in Blick in das ernst« frarqösische Schauspiel gewährt und es wurde ein interessanter, Abend. „Die geliebt« Stimme" von Jean E o c t« a u steht motivisch zwar auf dem gleichen Postament bürgerlicher GefellschastS- und Liebes- Probleme wie die Komödien von Berueuil und G4raldy, denn auch hier geht es um eine verlosten« Geliebt«. Rur wählt Cocteau den seltenen Fall des tragischen Ausgangs. Die Verlassene nimmt Gift und das Stück endet mit ihrem Tod. Das Neu« ist aber in der Technik zu suchen. Das g inze S»ück spielt die Frau allein und es ist trotzdem kein Monolog. Cocteau hat als erster entdeckt, daß«in so verbrauchtes Theaterrequisit wie das Telephon den Gesprächspartner im Dialog überflüssig macht. Ein L'uten als akustischer, ein kleiner Apparat und eine Leitungsschnur als optisch« Anreger der Phantasie genügen, uns die Illusion des uns ich'baren Partners am andere» Ende der Leitung zu schaffen. Das Experiment gelingt überraschend gut. Man versucht sich den andern vorzustellen und er»rd stärker, als der Anwesende es könnte, zur fesselnden Er,ch-'iung. Stärker ist die Wirkung auch deshalb, weil wir mit der Berlastenen ihr« ganze Einsamkeit empfinden. Natürlich sind Rollen wi« die der verlast,nen Frau, die 40 Minuten mit einem Monolog zu fillen hat, der niemals den Eindruck des Monologs machcu darf,(oll die Spannung nicht Nachlässen, für ganz große Darstellerinnen bestimmt. Es war ein überzeugender Beweis für di* schanfpivverifche Gestaltungskraft Gerda Meilers, daß sie die Aufgabe bewältigte. Sie erlag auch nicht der Versuchung, mit den rn ihrem Fach leider gewohnte» Gesten der Salondame die Wirkung zu schaffe«, di« nur aus der Modulierung der Sprach« und aus vsrsichrig nuancierter Mimik erwachsen kann. Es war ein« erschütternde, in ihrer düstere» Tragik stellenweise sogar quälend realistische Szene. Regi« führte der Dramaturg Hans Burger. Es war ein erfolgreiches Debüt für ihn. AndrS Gides„Oedipus" müßte wohl in Stil und Sprach« dem Original näher gehalten werden, sollte er auf Verständnis stoße», das bis den für verschiedene Soloinstrumente auch«in Orchesterkonzert veranstaltet, das als Hauptaufführung einer auf drei Konzertabende berechneten Zyklus„Musik älterer tschechischer Meister" anzusehen war. Das Programm bot musikhistorische Leckerbissen, wie ein« Ouvertüre von Kalliwoda, ein Klavierkonzert Wenzel T o m a s ch«k r, ein mit technischen Schwierigkeiten überladenes Violinkonzert des alttschechischen Meisters Josef S l a v i k, besten 100. Todestag heuer begangen wird, eine Sinfonie des zweiten Prager Konservawrimnsdirektors I. B. K>i r t l und einen Menuetten-Zyklus von I. A. Vit 4 s« k. Professor Paul DödeLek dirigiert« das vortrefflich zusam- mengcspirlt« und mit jugendlicher Passion»musizierend« Zöglingsorchester mit immer hilfsbereiter Umsichtigkeit. Solisten waren zwei besonders talentierte Schüler der Anstalt.— Die Solistenkonzerte wurde» im Jänner von Pi a n isten und Sängerinnen bestritt«». Alfred C o r t o t, der klangkultivierte, anschlagsviel- seinge und technisch blendende Pariser Pianist, dessen feinnervige Künstlerschaft man erst im vorigen Jahre bei einem Sonderkonzert des Künstlers bewundern konnte, hatte sich als Konzertsolist ganz großen Stile! in den Dienst des Radiojaurnal- Orchesters gestellt. Zusammen mit diesem spielt« er das zweite Klavierkonzert in F-Moll von Chopin und das C-Moll-Klavierkonzert von Saint- Säens Dirigent des Konzerte!, da! an sinfonischen Werken noch Jos. Haydns„Militär- Sinfonie" und Richard S t r a u ß' sinfonische Dichtung„T ll Eulenspiegel" bot. war an Stelle de! erkrankten Prof. I i r 4 k der südböhmische Komponist Ottokar JeremiaS— Emil Sauer, der Wiener Meisterpianist, hatte einen seiner bei uns seit Jahren eingeführten und geschätzten Klavierabend« gegeben, bei dem die romantische Klaviermusik ebenso dominiert wi«— das virtuose Element seiner Kunst. Denn Sauer ist unverleugbar in erster Linie der brillant«, auf zu den Wurzeln des Kunstwerks vordringt. Her: karprccht führte Regie und inszenierte das Schauspiel wie ein« Komödie von Show. Möglich, daß die Urauffassung das sogar vorschreid« Auch daun wär« cs klüger, anders zu arbeiten. Tenn durch den sonderbar kostümi«rt«n Oedipus, der mit ter Raubtieifratze Mussolinis schreckt und auf vorgeschobenem Postament beinahe im Zuschauerraum, obendrein neben einem Couch, seinen Antrittsmonolog hält, wird von allem Anfang ein« falsche Blickrichtung gegeben. So können alle Versuche das Stück zu«älären und zu verstehen, doch nur Deutungen seines Sinnes bleibe». Denn bald scheint es ein« Satire auf die SchicksalStragödi«, bald ein« auf die Psychoanalyse zu sein, dann wieder das Unter, nehmen eines Neuklassikers, die Aktualität der grie« chffchen Tragödie in unserer Zeit, die Gültigkeit ihrer Lösungen für all« menschlichen Probleme zu beweisen. Aeußerlich wird an der Handlung nichts geändert und der Verlockung,«inen anderen Schluß, ein Happy end ä la Shaw zu geben, widersteh: der Dichter ohne Zweifel nicht aus Ehrfurcht vor der Antik«, deren Stil er stellenweise pietätlos ironisiert und persifliert, sondern seiner eigenen dichterischen Absicht zuliebe. Diese deutlicher herauszuarbeiten, müßte aber einer tiefer schürfenden Regie möglich sei». Der OedipuS de! Herrn Dal! war sprachlich auf der Höhe, aber wieder«in kalter Dämon, der obendrein die Dynamik seiner Temperamentsausbrüche, eben weil sie nicht erlebt, sondern errechnet sind, nicht völlig sicher meistert. So blieb die letzte Erschütterung des Zuschauers aus. Ergreifend war dagegen di« Antigone Carola Behr«».!'; mehr als in früheren Rollen ging die Künstlerin diesmal au! sich heraus. Her: Mu'il scheint den Kreon doch mißverstanden zu haben, wenn er ihn als jüdolnden Skeptiker gibt. Wirkungsvoll war Renner als blinder Seher Tirestr!, gut erfaßt auch das Zwillingspaar der Brüder (Ströhlin, Frey). Die Jokast« der Fra» Beilke aber enttäuscht«. Da! Publikum spendet« am Schluß starken Beifall, der wohl zumeist der alten Fabel und. im übrigen der Darstellung galt, kaum der Dichtung Gides, obschon st« der Beachtung wert und nur einer geradlinigen Interpretation bedürftig wär«. E- F. Wie lernt man rationell Klavier spielen? Darüber sprach Dienstag in der„Urania" Dr. Leorchard Deutsch. Bis vor nicht langer Zeit wurde nach einem System unterrichtet, das bis auf Czerny und andere Pädagogen jener Zeit zurückgeht und in mancher Hinsicht sinnlos geworden ist. Das technisch« Problem wurde wohl durchdrungen und ausgebaut, aber wo blieb di« Erziehung der Musikalität, di« nicht technische Spitzenleistung, sondern Musiker leben sucht? Dr. Deutsch, her sein« Ansichten und Erfahrungen in einer Klavierfibel- und dem Buche„Jndividualpsychologie im Musikunterricht« und in der Musikerziehung" niedergelegt hat, wendet« sich zu Beginn feine! Vortrage! gegen das alt« Vorurteil, daß nämlich Musikbegabung angeboren, seit nein, sie ist lernbar und«S gilt nur den Weg zu finden, den der Begabtere— man kommt doch nicht um dieses Wort herum— von selber geht, während aber der weniger Begabte, wenn Fleiß und Arbeitsdisziplin mithelsen, nach einiger Zeit doch auch dieselbe Fähigkeit erlangen kann; den Weg hi«zu steht Dr. Deutsch in zwei Uebungsarten: dem Primavista- und dem Gehörspiel«». Primavista stnelen heißt etwaS Reues mit innerlichem Verständnis stumm lesen, oder auf dem Klavier abspielen. Gehörspirlen ist das freie Nachspielen von Melodien oder Stücken höchstes technisch«! Raffinement sehende Virtuose, in »weiter Linie erst der nüanzenreiche, empfindungsstark« Künstler. Dies zeigt« fich auch bei seinem diesjährigen Konzert: weniger etwa in Schumanns„Carneval" oder in Haydns„Variationen" als in Mendelssohns ,Fiondo capric- eioso", Liszts„Rhapsodie" oder in dem gespielten Chopinsche» Walzer, am meisten aber wohl in den kleinen Klavierstücken eigener Bearbeitung. — Zwei Sängerinnen warteten mit eigenen Liederabenden auf: di« tschechische Sopranistin Andulka PeSirkovn und die englische Altistin Vera d« BillierS. Tie letztere mehr ausgezeichnet durch schönes stimmliches Material, di« erster« mehr durch Intelligenz de! Vortrages. Programm- lich halt« Frl. Peöirka mehr zn sagen, bzw. zu singen; denn sie sang durchweg! moderne Lieder tschechischer und französischer Herkunft. Vera d« BillierS brachte nur im ersten Teil ihres Programme! werwolle Gaben von Schubert und B r ahm!, während die zweite Hälft« besseren Talonliedern Vorbehalten war. Klavierbegleiter der tschechischen Sängerin war der ausgezeichnete tschechisch« Pianist Dr. 8 t 8 p L n, während di« englische Altistin in ihrer Landsmännin Irene Morris nicht j«ne anpassungsfähige Partnerin hatte, die auf die Gesamtwirkung von Gesangstimme und Klavierbegleitung bedacht ist.— Sehr verheißungsvoll hat da! Prager Deutsche Bolksbil- dungsinstitut„Urania" da! Konzertjahr 1933 eröffnet. Im erste« dieser Konzerte hörte man zum erstemnale in Prag da! heiter« Soloquart«11 des Wiener Männergesangvereins in einem„Wiener Humor" betitelten Vortragsabend, der heitere Vokalmusik'n ernster künstlerischer Fassung und in witziger oder leichtfertiger moderner Aufmachung bescherte und bei dem die Künstler dieses Vokalquartette!(die Herren Hofbauer, S ch ü tz. P a l i und Joachim) ihren glänzenden Ruf als sing- und vortragsgewandte Sänger durchaus rechtfertigten. E. I. nach dem Gehör. Das sind freilich Mei sehr wichtige Tinge! Jeder Musiker weiß das und Dr. Deuiit hat recht, wenn er diese Fähigkeiten bereits im Anfangsunterricht und auch bei weniger Begabten bewußt gefördert und gebildet wissen will. Durch nichts anderes wird Gehör und Harmoniesinn besser geschult und das Spielen einer Taste statt«inet Toyes vermiedet!. Aber— frage ich— genügen dies« zweierlei Hebungen zur Erlernung des Klavierspiels? Wo bleibt di« Erziehung zum Rhychmus, die Erziehung zum differenzierten Anschlag, die Erziehung zur mühelosen Ueberwindung technischer Problem« und schließlich die Ausarbeitung«inet Stücke! bis zur vollständigen Beherrschung? Zu« Schluss« gab der Vortragende noch einige praktisch« Ratschläge für Lehrer und Schüler. Mit Interesse wurden seine Ausführungen verfolgt, wenn auch teilweise mit leichtem Befremden und Mißtraue«. Neue Lehrgänge stoßen ja meistens auf Unglaube« und Mißtrauen— bis Ergebnisse eines Besser« belehren. In Deutschland und Oesterreich gehöre« solch« und ähnliche Erkenntnisse schon längst zu oeii Grundlagen moderner Klavierpädagogik, nun beginnt also auch hier in Prag sich Interesse dafür zu ragen. P- R. „Gerechtigkeit für Holoubek", Tragikomödie vor Georg Frösche!(Weinberger Stadttheater). Der Buchbinder Holoubek, welcher wegen Beteiligung a« blutigen Streikunruhen zu lebenslänglichem Kerker verurteilt wurde, wild nach einer Protestbewegung der Arbeiterschaft begnadigt. In die Freiheit zurückgekehrt, verschließt er sich der Forderung seiner Befreier, feinen Dank durch Mitarbeit in chrer Bewegung abzustatten. Aus dem Zwiespalt, in den er dadurch gerät, rettet er sich durch den Freitod. Soweit Fröschcl das Schicksal deS Proletariers mit echte« sozialen Gefühl, aber ohne Klaffenb e w u ß t s e i« schildern wollt«, hat«r seine Aufgabe gelöst; soweö er jedoch eine Satire der politischen Parteien schreiben wollt«, hat er«! sich zu leicht gemacht u« nicht nur beim kleinbürgerlichen Publikum V«v ständnis zu finden. Di« Premier« im Weinberger Stadttheater stand unter dem Eindruck Smoljks ast Holoubek, dessen reif« Kunst ein« lebenswahre Fjgvt schuf. In Nebenrollen fielen angenehm auf-Herl Kovakik und Frau Smolikova. Di« gute Regie besorgte Gabriel Hart unter Mitwirkung von Jo-«! Wenig.— th.■ Arbeitcrvorstcllung„Die blind« Göttin", ei« aktuelles und dichterisches Motiv als Justizstüik vo» Ernst Toller, unter. Mitwirkung von Behren! Lord, Musil, Renner, Warnholtz, Reinhardt, Hölzliit, Rösner, Ströhlin, Ball, am Sonntag, den 29. Jänner, um halb 3 Uhr nachmittags im Reuen Denk' scheu Theater. Karten täglich von 8—2 und 4—6 Uhr bei Optiker Deutsch, Graben, Palair Koruna,/ Spielplan des Renen deutschen Theaters. Ton- nerstag, 7.30 Uhr:„O r P h e u S"(C 2).— Freitäg, 7.30 Uhr:„Die blinde Göttin"(D 2).- Samstag, 7.30 Uhr:„Hoffmanns Erzählungen"(C 2). Spielplan der Kleinen Bühne. DonnerStäg 7.30. Uhr?„De r W uste rgatt e"(äültnrver- bändsfreünde).— Freiiäg, 8 Uhr:„Ein Hell gesucht."— SamStag, 8 Uhr: ,A«r Mustergatte." Sport- Spiel* KBrnerpnene Mißglückter Spielrrkanf. Schon lange Zeit va* dem Länderfußballjpiel der Arbeitersportler Deutsch- lands und Polens versucht« der feudalste mitteldeutsche Fußballklub, der Dresdener Sportklub den auch bei. uns bekannten Torwart der deutschen Auswahlmannschaft Großmann für sich gewinnen. Immer und immer wieder kamen dir Seelerrkäufer, machten ihm hohe Angebot«, abcr Großmann blieb dem Arbeitersport treu. Erst naä dem Leipziger Spiel sollte chnen ihre Ausdauer endlich beilohnt werden: Großmann wurde so lange bearbeitet, bis er nachgab. Doch dann kam bei ih>s das Erwachen. Einige Tage später schickt« er de* Herren vom Dresdener Sportklub einen Brief, if dem er ihnen mit aller Deutlichkeit ein< Abfuhr bereitet«. Die Freud« der Aufkäufer also verfrüht. Möge es allen Leuten, die di« Rod' lag« einzelner Könner rm Arbeitersport benutz«! um ihre Geschäft« zu machen, so ergehen. Aerger als«in„Tildenzirkus"! Am Ende del vorigen Jahms laS man in bürgerlichen Zeitungen daß einige bürgerliche österreichische Radballspieler vom italienischen Radfahrerverbam «ingeladen wurde», zu Lehrzwecken nach Italien zu kommen. Bor der Abfahrt dieser Spiels veranstaltet« man eine Abschiedsfrier, aber ftitte^ sie von Wien abgereist sind, hat man von ihn«* nichts mehr gehört. Wir könne» sagen, schreibt Wiener„Arb.-Ztg., warum. Der Unterricht, dr« die österreichischen Radballspieler erteilen, besteht erster Linie darin, daß sie von einer Stadt zur andern geschleppt werden und Spiele mit Totalis?- reurbetrieb durchführen müssen. Die Spi^ >»erden jedoch, damit sich di« Italiener besser unt<^ halten und ihr« Wettluft ausgiebig beliebigen können, nicht auf normale Weis« durchgeführt. D' Tor« sind in ein« Anzahl von K ä st ch e n«ingeieist Es wird verschieden bewertet, ob der Ball in cif niedriges oder in ein höheres, in ein Kästchen, N; am Rande oder da! in der Tormitt« ist, fällt. hat sich über den mit seiner Tennistruppe herus>' reisenden Tilde» lustig gemacht, aber war diese Pr? fcfsionals boten, war ehrlicher, guter Sp»^ Die österreichischen Radballfpieler sind arm« Teust'- di« das Geld, das sie sich auf dies« Weife verdiene»- brauchen können; jetzt weiß man wenigstens, war^ sich die Italiener gerade diese Oesterreich«^ kommen flehen, mit deren sportlichem Könne« nicht sehr weit her ist. ' k, p.Mfruk J, ,1— Shtfcteatteit: Sitbelm® i< k■ 11.—»eraniworitichrl Rrtatteur Dl.«mit 6 11« i k. Pr,,.Dr»