blrizelvreis 70 Heller. Erscheint mit Ausnahme des Montag tüg'lch früh. StttaffiMi nt BertMtaag: Brag n M 3t«ttgoata tt. ♦ Zetrpoei: w?91 jmw. ♦(OtogmtaNM): MW ♦ 5»!Wrt«nt: 975*» Str. 26. Dienstag, 3i ZSnner 1933 — 13. Jahrgang. Klare Klassenfront in Deutschland: Kabinett üitler-Popen-llugenbeit Beidisregierung aus Faselstcn, Junkern und Sdiwcrindustrlc gebildet. Berlin, 30. ASnuer. Der Reichspräsident hat heute mittags'.Idols Hitler zum Reichskanzler ernannt und auf dcsien Vorschlag die Rcichsregicrnng wie folgt neu gebildet: Reichskanzler: Hitler(Rat.-Loz.); Stellvertreter des Reichskanzlers und ReichskommissSr von Preußen: von P a p e n; Reichsaußenminister: Freiherr von Neurath; Reichsinnenminister: Dr. Krick(Rat.-Soz); Reichswehrminister: Generalleutnant von Blomberg; Reichsfinanzminister: Graf Schwerin von Krosigk; Reichswirtschaftsminister und Reichsminister für Ernährung und Landwirtschaft: Dr. Hugenberg(Deutsch«.); Reichsarbeitsministor: Kranz S e l d t e(Stahlhelm-Vorsitzender); Reichspostminister«nd Reichsverkehrsminister; Freiherr von E l tz- R ü- . bei» ach; Reichsminister ohne Geschäftsbereich, ReichSkommifsär für den Luftverkehr «nd kommissarischer Innenminister vonPreußen: Goering(Rat-Soz); ■ Der Reichskommissär für die-Arbeitsbeschaffung Dr.- Gereke wurde in seinem Amte bestätigt. Das Justizministerium bleibt vorläufig noch offen für den Kall, daß das Zentrum sich für de« Eintritt in das Kabinett entscheiden sollte. Das neue Kabinett wurde bereits vom Reichspräsidenten vereidigt. Es trat tu seiner ersten Sitzung heute nachmittags um 5 Uhr zusammen. In dieser Sitzung gab Hitler einen tfeberblick über die Grundsätze, nach denen er seine Politik zu führe» gedenke und über das Verhalten» da- gegenüber dem Reichstag angewendet werden soll, Gine allgemeine AnSsprache ergab angeblich »völlige Uebereinstimmung^ der Ansichten. *rlck betont die Verfassungstreue: Tas neue Kabinett hat bereits au zivei wichtigen Stellen Personaländcrungrn vorgeuom- wen. Zum Staatssekretär in der Reichskanzlei w«rbc anstelle des zurücktrctcnden Staatssekretärs Planck der nationalsozialistische Ministerialrat Tr. Lammers ernannt. Ter erst von Papen eingesetzte Rcichsprrssechef Major Marcks wurde durch den nationalsozialistischen Reichs- tagsabgeordneteü Walter Funk ersetzt. Am Abend fand rin Presseempfang statt, bei sich der neue Reichspressechef vorstcllt«. Innenminister Dr. Krick hielt dann eine Absprache, in der er der Hoffnung Ausdruck gab, werde keine Veranlassung bestehen, die dir Presse knebelnden Bestimmungen der früheren Notverordnung wieder aufzuheben. Wenn allrr- owgs durch Verbreitung von Tartarennachrichten *sw. eine Gefährdung von Sicherheit und Ordnung eintrete« sollte, dann müht« von seilen der ^kgiernng nach Mitteln und Wege« gesonnen werden, diese« Uebrlständen abzuhelsen. Im Anschluß daran antwortete Krick auf einig» tym gestellte Anfragen. Auf die Krage, ob de« Verhandlungen über die Regierungsbil- auch die Eingliederung der SA in den Ohne Erklärung des Staatsnotstandes? Aus die weiter« Frage, ob ein Verbot d«r kommunistische« Partei in Aussicht genommen sei, sagt« Minister Dr. Frick:»Das Kabinett hat ausdrücklich gegen' solche Verbot« Stellung genommen". Ferner sei nicht beabsichtigt, di« Verfassungsreformpläne aus der Zeit des Kabinetts von Pape« wieder auszunehmen. Ferner wurde gefragt, ob schon festgelegt sei, was geschehen werde, wenn die Regierung im Reichstag ein Mißtrauensvotum erhall«. Darauf erwidert« Minister Frick, die Frag« sei geklärt; allerdings besteh« kein Anlaß, schon jetzt mitzuteile«, in welchem Sinne. Schließlich antwortet« er»och auf eine letzte Frage, daß di« Verfassung vonder Reichsregierung erngehalte« werde, und zwar ohne Erklärung des Staatsnotstau d e s. Auch bei einem Empfang der Auslandsvrrsie erklärt« Minister Dr. Frick, di« neue Regierung habe absolut nicht di« Absicht, irgendwelche währungspolitische oder wirtschaftlich« Experimrute zu unternehmen. Ihr Hauptziel aus wirtschaftlichem Gebiete werde die Wiederherstelluugder ....—... Ruhe und d er Ordnung sein. In b«zug ^iaat, vielleicht in Form einer Hilfstrupp« für auf die Außenpolitik wünsche di« Regierung, in °!« preußische Polizei besprochen worden sei, er- Frieden und Freundschaft mit der widerte der Minister:„M it keinem Wort",'ganzen Welt z« leben. Aufruf der Sozialdemokratie. Alle Kräfte zum Entscheidunsskampf bereithalten! Berlin, 30. Jänner.(Eigenbericht.) Di« ^orständ« der sozialdemokratischen Partei und der wj'aldemokratischen Reichstagsfraktion hielten Vut««ine gemeinsam« Sitzung ab, in der ein Aufruf an das arbeitende Volk beschlossen wurde, diesem Ausruf heißt es:. Im Kabinett Hitler-Papen-Hngenberg ist die Harzburger Front wieder auserstandeu. Di« Feinde der Arbeiterklasse haben sich zusammen- pefchlosse« zum gemein'amen Kamps gegen die Arbeiterklasse, zu einer reaktionären, großkapi- talistische«»nd großanrarischrn Konzentration. Tie Stunde fordert di« Einigung des ganzen Arbeitenden Volkes. Sie fordert Bereit- schaft zum Einsatz der letzten und äußersten Kraft. Wir führen unseren Kampf aus dem Bo- iwn d,r Verfassung. Wir werde« sie gegen jeden Angriff mit allen Mitteln verteidigen. Jeder versuch der Regierung, ihre Macht gegen die Verfassung anzuwenden oder zu behaupten, wird auf den äußersten Widerstand der arbeitenden Klasse und aller freiheitlich gesinnten Volkskreise stoßen. Zu diesem entscheidenden Kampf sind alle Kräfte bereit zu halten! * Die gewerkschaftliche« Spitzenorganisationen richten an ihre Mitglieder«inen Aufruf, in dem sie unter Hinweis auf di« geänderte politische Lage sagen, die Lebensintrressen der gesamte» Arbeitnehmerschaft stünden ans dem Spiel. Der Aufruf schließt mit der Warnung ,uratzt Euch nicht zu voreiligen und darum schädlichen Einzelaktion«« verleiten!" Abwartende Haltend des Zentrums? Verl i n, 30. Jänner. Die Zentrumsfraktion des Reichstages hat entgegen ihren bisherigen Ankündigungen heute noch keine Fraktionssitzung abgehalten, vielmehr fand nur eine informatorische Besprechung einer Reihe von Abgeordneten statt. Die Fraktionssitzung ist erst für morgen angesetzt und zwar deshalb, weil das Zentrum zunächst di« für morgen elf Uhr angesetzte Unterredung zwischen dem Reichskanzler und dem Prälaten Kaas abwarten wird. Die Stimmung innerhalb der Zentrumspartei wird in parlamentarischen Kreise» so beurteilt, daß das Zentrum dem neuen Kabinett gegenüber sehr stark reserviert ist, aber wohl erst abwarten wird, welch« Politik die neu« Reichsregierung treibt. Daß die Zentrumsführung nicht daran denkt, sofort«in« scharfe Opposttionsstellung zu bezdchen, geht schon ans ihrer Haltung i» der heutigen Sitzung des AeltestenrateS hervor. Gerade vom Zentrum ging der Antrag aus Verschiebung der Reichstagseinberufung um acht Tage aus.• - Tl«»G e r man i a" schreit», in einem Leitartikel mit der Ueberschrift,„Im Rampenlicht" u. ä., das.Zentrum nehme gegenüber dieser ohne sein Wissen und ohne sein Zutun vollzogenen Kabinettsbildung eine«i'Skühle Haltung ein. Es trage, da man es über die Voraussetzungen dieser Regierungsbildung, über die Ziele, Methoden und das Programm des neuen Kabinetts in keiner Weise orientiert und ihm auch keinerlei Gelegenheit zu einer Meinungsäußerung gegeben hat, für die jetzt beginnende Entwicklung nicht die geringste Verantwortung. Die Zentrumspartei und ihr Führer Kaas hätten sich seit Monaten für die Sammlung einer arbeitsfähigen und arbeitswilligen Mehrheit mit grenzenloser Ausdauer u>rd Opferbereitschaft bemüht. DaS, was jetzt nach wochenlanger heimlicher Arbeit zustandegekomyien sei, sei nicht der Ausdruck dieser vom Zentrum erstrebten Sammlung. Es wäre verfrüht, über diese Aenße- rung grundsätzlicher Bedenken und wachsamen Mißtrauens hinaus schon heute zu einem Kabinett Stellung zu nehmen, dessen Grundlagen und Ziele vorerst noch in völliges Dunkel gehüllt seien. Klugheit und Sachlichkeit geböten, die Dinge in aller Ruhe bis zu dem kurz bevorstehenden Zeitpunkt sich entwickeln zu lassen, wo Hitler und Hugenberg dem deutschen Völk und seiner Parlamentarischen Vertretung ihr Programm darlegen würden unb auch dar Verhältnis des Reichspräsidenten zu diesem Kabinett eine deutliche Klärung gefunden hat. Das Zentrum warte bis dahin mit unerschütterlicher Ruhe ab. ver Kuhhandel um die PlrOnde. Der Ernennung des Kabinetts ging eine gemeinsame Besprechung beim Reichspräsidenten voraus, an der vor allem von Pape», Hit- ler«nd Geheimrat Hugenberg teilnahmen. Di« Besprechung hatte das Ziel, einen Ausgleich zwischen d«n Ansprüchen der Gruppen der Harzburger-Front zu finden, über die heute vormittags eine Einigung noch nicht vorhanden war. Schwierige Fragen waren nach Auffassung politischer Kreise z. B. die Eingliederung der SA, die Lösung der Preußen- Frage und di« Besetzung einiger Reichsministerten. Das neue Kabinett Hitlers hat aus den beiden vorangegangenen Regierungen fünf Persönlichkeiten übernommen, nämlich den Vizekanzler Pape«, den Reichsautzenminister von Neurath, den Reichsfinanzminister Schwerin von Krosigk, den Reichsverkehrsminister E l tz von Rübenach und den Reichskommissär für Arbeitsbeschaffung Dr. Gereke. Dies« Minister Der neue Reichswehrminister General v. Plom- berg ist 55 Jahre alt. 1911 wurde er in den Generalstab berufen. Rach dem Kriege war er zunächst im Reichswehrministerium, dann im Truppendienst. 1985 kam. er als Chef der Heeresausbildungsabtei- lung ins Reichswehrministerium nach Berlin zurück. 1925 wurde Generalleutnant und Befehlshaber im Wehrkreis I(Königsberg). Iller MMmlrMiel ! Her Bourgeoisie. Die eine reaktionäre Masse hat sich nun in Deutschland zu einer Regierung zu^ sammengetan: Junker, Schwerindustrielle und Nationalsozialisten haben einander die Hand zum Bunde gereicht, di« reaktionärste Regierung, die Deutschland je gehabt hat und das reaktionärste Kabinett, das Europa aufweist, ist gebildet. Enthüllt hat sich die wahre Fratze der Hakenkreuzler; zusammen mit dem Arbeiterkind Papen, gegen den sie noch bei den letzten Wahlen ihren Theaterdonner losgelassen haben, mit ostpreußischen Rittergutsbesitzern, den alten Sklavenherren Preußens, zusammen mit Hugenberg! der Reichswirtschaftsminister geworden ist, wollen die Nationalsozialiestn Deutschland erlösend den Massen Brot und Arbeit geben, das erst'pnle Dritte Reich aufrichten. Was haben die Herren vom Hakcukrcu; bei den letzten Wahlen über ihren jetzigen Bizckanz« ler nicht alles gesagt? Sie haben ihn als de» Vertreter des Herrenklubs verhöhnt, hinur dem nichts stünde als ein paar halbbankerone Aristokraten und hochmütige Fabriksherren. Jetzt hgbeu sie. ihn zum Dizekanzler und Herrn Preußens gemacht. Das wichtige Wirtschgftsrefcrat aber überlassen sic Hugenberg, dem Führer...der Deutschnationalen, dessen besondere Aufgabe es sein wird, die Jntercsscu von. Großgrundbesitz. rrZ' und Industriellen unter einen Hur, zu.bringen, d. h. den Profit beider auf Kosten der Arbeiter und Angestellten zü sichern und, zu nähren. E.i n e reineRegierungder A u s b c.u• t e r hat sich zusammcngetan. dazu.entWy'ien, die zusammenbrechende kapitalistische Wirlschafis- ordnung zu stützen. Die Herren vom. Hakenkreuz haben den Sozialismus als Firmenschild benutzt, um die Massen von Kleinbürgern, die vom Kapitalismus immer mehr ins Elend g.stvßen werden, anzulocken und liefern d i e s e s K l ein» bürgertumnunan die Großbourgeoisie und die Junkeraus. Selten ist in der Geschichte je ein größerer Verrat g üdl worden— und wenn es die Verratenen heute nicht merken, je später sic durchschauen werden, daß sic die Betrogenen sind, desto größer wird die Enttäuschung und desto schärfer die Abrechnung sein. So schaut also die Regierung des 2 ritten Reiches aus! Der Herrenreiter Papen Vizekanzler und der Großindustrielle Hugenberg Wirtschaftsminister. Was haben sie alles vom Dritten Reich erzählt, was haben sie alles versprochen? Das Dritte Reich— es ist das Reich der Reichen, in dem die Großkapitalisten sich vor den Wirkungen der Krise, die ihren Profit und ihre Privilegien bedrohen, u schützen versuchen und dem Proletariat alle Rechte genommen werden, die Arbeiter m den Abgrund politischer Knechtung und wirtschaftlicher Verelendung geworfen werden sollen. Mit welchen Methoden die neue Regierung versuchen wird, die Unterwerfung der Arbeiterklasse unter das Joch der herrschgewohnten Junker und Schwerindustriellen durchzuführen, weiß man noch nicht. Ob Hitler seiner Regierungsmacht die Grundlagen schaffen wird durch Ein- gliedcrung seiner militärischen Abteilungen m die Reichswehr, um dann Hindenburg den Reichspräsidentenstuhl wegzuziehen und sich selbst darauf zu setzen, ob er, gezwungen durch die Rücksichtnahme auf das Ausland, sich zu einem geschniegelten und gebügelten Vertreter des Herrenklubs mausern und innenpolitisch reaktionär ohne Gewalttaten regieren wird, ob die Deutsch nationalen mitsamt den Papen nicht versuchen werden, dem Kronprinzen den Weg zuerst ins Reichspräsidentenpalais und dann zum dcurscheu Kaiserthrone oder wenigstens zur preußisckje» «ewe 2 Dienstag, 31. Jänner 1933 »r. 26 Königskrone zu bahnen— das»lies wird uns die Zukunft lehren. Was aber schon letzt feststeht ist, daß die bürgerlich-funkerliche Reaktion, für das Kleinbürgertum getarnt durch die Reichskanzlerschaft eines Nationalsozialisten", mit beiden Händen die Zügel der Macht in Deutschland ergriffen hat. Tie klasfenbewußte Großbourgeoisie Deutschlands hat zunächst Hitler — der die Herrschaft bedingungslos haben wollte — in die Schranken gewiesen, läßt ihn jetzt unter ihrer Kontrolle regieren und hat ihm die Aufgabe zugeteilt, die marristische d. i. die klassenbewußte Arbeiterschaft Deutschlands meder- zuwerfen. Diese Tatsache ist für dar sozialistische Proletariat Deutschlands«utl'cheidend. Bon einem Kleinmut, der die Arbeiterschaft ergreifen könnte ob des Zusarnmenschlufles ihrer offenen und geheimen Gegner, kann kein« Rede lern. Ter Bund zwischen Hakenkreuz und Bourgeoisie istder beste Anschauungsunterricht, welchen die Geschichte der deut sch en Arbeiterklasse erteilen kann. Er ist der Anfang vom Ende der Illusion, die sich die kleinbürgerliche Masse von Hakenkreuz und Drittem Reich heute noch macht. Der energisch« und zähe Kampf, den die Arbeiter, den alle sozial und demokratisch empfindenden Elemente des deutschen Volkes gegen di« Regierung Hitler führen werden, ein Kampf, der unter Umständen sehr opferreich sein, Verein Klassenkampfderarbeitenden Schichten gegen Fendalität, Großbourgeoisie und deren haken- kreuzlerische Soldtruppen ist, wird Klarheit schaffen über die Interessen der breiten Bolksmassen und den Betrug enthüllen, welchen die Nationalsozialisten an vom Kapitalismus bedrängten Schichten verübt haben. Dieser Kampf wird umso wirksamer sein, sein Charakter als Klaflenkampf wird umso schärfer hervortreten, er wird umso größere Massen in seinen Bann ziehen— je einiger die Arbeiterklasse sein wird. Jetzt müßten di« deutschen Kommunisten, wenn sie di« historische Stund« begreifen, gemeinsam mit der deutschen Sozialdemokratie und den freien Gewerkschaften in den heiligen Krieg gegen den FasciSmuS ziehen und daS Ger^x von dem Hauptfeind, der angeblich die Sozialdemokratie für die Kommunisten sein soll, in die Rumpelkammer ihrer übrigen abgelegten und abgekebtenlSchlagworte verweisen. Die unselige Spaltung der deutschen Arbeiterklasse hat den Fa- scismus als Massenbewegung möglich gemacht, jetzt, da der Fascismus die Macht übernimmt, fordert daS Lebensinteresse der deutschen Arbeiterklasse, di« Zukunft deutscher Freiheit und deutschen Geistes, daß der proletarische Bruderkrieg durch einen' Waffenstillstand wenigstens unterbrochen werde. Di« Sozialdemokratie Deutschlands ist zu einem proletarischen Waffenbündnis gegen die Fascistenregierung bereit, an den Kommunisten liegt es, ihr« unglückliche Taktik, die der Arbeietrklasse des Deutschen Reiches schon so oft zum Unheil geworden ist, zu ändern. WaS aber auch immer geschehen möge, d i« deutsche sozialdemokratische Arbeiterschaft, diese aufgeklärten, überzeugten disziplinierten Massen, werden lhre historische Aufgabe«rkennen: die Führen« zu fern der Arbeiterklasse im Kampf um die Demokratie, um ern neues Deutschland, um erne neue Ges«ll- schäft, um den Sozialismus! HuniiniinHiiiiniiimHHmnnHiiiii!iiiiituiimnHiiiiuinninH!UiiiiniiiHiumHuuiiiiiiiHinHniHiiinimuiiiHminiuiniuiun]iiniiiiniiiiiinnin!iiimHiiiuiiiNiuiHnniinininHinuiHiHitmuHUNnuiimi Aussperrungen und Streiks in Dänemark verboten. Gesetzliche Verlängerung der Tarifverträge. Kopenhagen, 28. Jänner.(Eig. Ber.) Der sozialdemokratisch« Ministerpräsident der dänischen Regierung hat dem Reichstag am Samstag einen Gesetzentwurf vorgelegt, der«ine Verlängerung der bestehenden Tarifverträge, zugleich aber«in verbot aller Aussperrungen und Streiksbiszum 1. Feber 1934 vorsieht. Es ist das erstemal in der Geschichte Dänemarks, daß auf dies« Weise versucht wird, einem großen Arbeitskonflikt vorzubeugen. * Im Frühjahr 1932 wurden die meisten Tarisabkommen ohne wesentliche Aende- rungen verlängert, aber in der Folgezeit hat der dänische Arbeitgeberverein fortgesetzt allgemeine Lohnsenkungen verlangt. Jetzt sind die Tarifverträge abgelaufen. Tie Unternehmer verlangen, daß die Arbeiter sich mit einer Herabsetzung der Löhne um 20 Prozent abfinden. Dieses Verlangen ist von den Gewerkschaften entschieden abgelehnt worden. Sie erklären, daß keinerlei Grundlage für eine Lohnsenkung vorhanden ist. Die dänische Krone, die vor anderthalb Jahren mit dem Sterling den Goldkurs aufgab, ist nach und nach auf 60 Prozent ihres normalen Wertes gesunken, und wenn dies— wegen des Welt- preisfalles und des Warenüberflusses— auch noch keine erhebliche Steigerung der Lebenshaltungskosten mit sich gebracht hat, so muß eine solche Steigerung auf die Dauer doch eintreten. Insofern muß, um den Lebensstandard der Arbeiter einigermaßen zu bewahren, als Mindestforderung di« Aufrechterhaltung der bisherigen Lohnsätze bestehen bleiben. Unter diesen Umstanden haben die Bereinigten Gewerkschaftsverbände die Aussperrungsandrohung der Arbeitgeber mit der Ankündigung von Streiks in jenen Betrieben beantwortet, die von der Aussperrung nicht berührt werden sollen, so daß der Ausbruch des Konfliktes am 1. Feber eine Stillegung des gesamten Wirtschaftslebens Dänemarks bedeuten wüiche. Alle Schlichtungsverhandlungen unter Leitung des staatlichen Schlichters sind bisher fruchtlos verlaufen. Um den dadurch akut gewordenen Konflikt mit seinen unabsehbaren Folgen für das dänische Wirtschaftsleben zu vermeiden, hat sich die Regierung Stauning jetzt veranlaßt gesehen, dem Reichstag das oben angekündigte Gesetz vorzulegen. Ob es angenommen wird, ist allerdings noch zweifelhaft. Die Tätigkeit des Völkerbundes Erneuerung Ces AbrästnngssUllslandes. Soeben erschien das Mitteilungsblatt der Informationsabteilung des Völkerbundes über „Die Tätigkeit des Völkerbundes im November 1932"(Band 12, Nr. 11) unter dem Titel„Neue Abrüstungsvorschläge" und„Erneuerung des Rüstungsstillstandes". Diese Mitteilungen charakterisieren die Tätigkeit der Abrüstungskonferenz und ihrer vielen Kommissionen und Unterkommissionen, Komitees und Unterkomitees so treffend, daß wir uns nicht versagen wollen, unseren Lesern einige Proben mtS diesem Bericht durch wörtliche Zitierung zusammerchängender Stellen zu geben. » .Hinsichtlich des Verbots des chemischen Kriege» und der Verletzung der Bestimmungen Wer das Verbot des Gebrauches von chemischen, bakteriologischen und Brandwassen war das Büro der Ansicht, daß vor einer endgültigen Entscheidung das Sonderkomitee für Prüfung der chemischen und bak- teriologischen Waffen einberufen werben müsse, um dem Büro einen technischen Fragebogen vorzulegen." lS. 585.) „3» der Frage der schweren Artillerie und der Kampfwagen stellte das Bureau fest, daß eS noch nicht möglich sei, ziffernmäßige Lösungen herbei- zuführen, wie sie in der Entschließung vom 23. Juli vorgesehen sind. Was die Durchführung der Bestimmungen der Entschließung vom 28. Juli über die Luftstreitkräfte betrifft, so erteilt« daS Bureau einem Komitee — das au» den Delegierten derjenigen im Bureau vertretenen Länder bestehen soll, die sich an seinen, Arbeiten zu beteiligen wünschen— den Auftrag,—• auf der Grundlage der Entschließung vom 23. Juli di« Frage zu prüfen, welche Maßnahmen so- wohl auf dem Gebiete der Zivilluftfahrt als auch auf dem Gebiete der Militärluftfahrt anzuwenden wären, um die tatsächliche Beobachtung des Verbots der Bombenabwürfe aus de» Lust zu gewährleisten. Das Bureau beschloß jedoch, daß die endgültige Entscheidung erst zu einem späteren Zeitpunkt und unter Mitwirkung sämtlicher, an den Luftfahrtfragen besonders interessierten Länder zu treffen sei, und zwar gleichviel, welch« Beschlüsse es auf diesem Gebiet für notwendig halte» und welche Untersuchungen es anstellen lassen sollte, um der Entschließung vom 33. Juli Wirksamkeit zu verleihen." (S. 585/568.) * Anderseits»ah« das Bureau einen Bericht des Herr» Komarniski(Polen) über den Stand der Aüieiten de» Komitees für di« Reglementierung der privaten und staatlichen Herstellung von Waffen und Kriegsmaterial und des Waffenhandels zur Kenntnis. Das Bureau genehmigt« nach einer Aussprache die von dem Komitee angenommene Arbeitsmethode und forderte dieses Komitee und seine Unterkomitees auf, ihr« Arbeit so bald wie möglich wieder aufzunehmen, da sich das Komitee mit allen Staaten des ihm unterbreii- teten Problems befassen müsse. DaS Bureau fordert da» Komitee außerdem zur Prüfung d«r Frage auf, ob«s angebracht erscheine, im allgemeinen Rahmen der bereits vom Bureau angenommenen Kontrolle besondere technische Modalitäten vorzusehen, die sich besser für die internationale Kontrolle des Waffenhandels und der Massenherstellung eignen würden. Elsenlralinerstrcik In Irland. London, 29. Jänner.(Reuter.) Di« drei Eisenbahnerverbände Nordirlands haben befchlös- fchen, Montag Mitternacht in den Streik pt treten. Es werden mehr als 5000 Eisenbahnange- stellte in Nordirland streiken. Der Grund des Streikes ist die Absicht der Gesellschaften, die Bezüge der Angestellten herabzusetzen. Was die Frage der Begrenzung und Publizität des Kriegsmaterials betrifft, so glaubte daS Bureau, daß man von jeder endgültigen Formulierung Ab st and nehmen müsse, bis innerhalb der zuständigen Organ« der Konferenz zweckentsprechende Lösungen erzielt wprden seien. Gleichzeitig wies da» Bureau darauf hin, w i t nützlich es sein würde, die notwendige» Unterlagen über die von verschiedenen Ländern«m- geführten Konzessionssysteme zu beschaffen in die Möglichkeit der Ausarbeitung eines internationalen Konzessionsspstems zu prüfen."(S. 566.) ,„... Andererseits schritt das Komitee zu einem ersten Meinungsaustausch über gewisse besondere Fragen, die ihm von der Kommission für Wehrausgaben unterbreitet worden waren, und befaßte sich insbesondere mit de« Schwankungen in der Kauflrast der verschiedene« Währungen im Zusammenhang mit der Publizität und der Begrenzung der Mehrausgaben. Alsdann begann das Komitee mit der Ausarbeitung seines Berichtes, der der Kommission für WrhrauSgaben voraussichtlich gegen End« Jänner zugestcllt werden dürfte." (S. 568.) * Eine anstrengeiche Tätigkeit muß dieses Prüfen, Erwägen, Beauftragen, Vertagen, Berichten, Beobachten, Genehmigen, Vorsehen, Ab- stondnehnren sein. Sie kann, wenn sie verstärkt wird, zur Ankurbelung der Wirtschaft wesentlich beitragen: di« Kellner, Gastwirt«, Schneider, Bäcker und die berufsverwandten Schuster w Genf bekommen zu tun, der Personenverkehr nimmt an Umfang zu, die Papierfabriken bekommen Aufträge, deren Arbeiter werden wieder zu Konsumenten— und zahlen Steuern, damit di« Arbeit der Genfer Diplomaten wieder vor vorn« beginnen kann. Wenn Kinder au8 dem Stegreif Theater spielen, so hat daS meist einen tiefen Sinn. Wenn es Diplomaten tun, so ist eS nur albern und, wenn eS ernst genommen wird, ein Jammer. Neuerliche ArbeitSlosenkundgebunq in W«i« pert. Die Kommunisten, die sich in Weipert der Arbeitslosenbewegung bemächtigten, um ihre Agitation erfolgreicher zu gestalten, hatten für den vergangenen Samstag wiederum eine Versammlung einberufen. Sie war jedoch verboten worden. Es wurde aber der kommunistische» Abgeordneten Kuhn gestattet, auf dem Platze vor der Turnhalle Bericht über die von der Stadt Weipert getroffenen Fürsorgemaßnahmen für die Arbeitslosen zu geben. Die Abgeordnete Kuhn behandelte ausführlich die kommunistischen Faserungen und stellte dar, was von diesen phantastischen Forderungen nicht verwirklicht wurde. Schließlich forderte sie, daß die Bafa- Filiale tausend Paar Schuhe an die Arbeitslose» verteile. Die anwesenden Gendarmen zwange» die Rednerin, ihren Bericht zu beenden, woraus die Versammelten durch die Stadt zogen. Hiebei kam es zu Zusammenstößen mit der Gendarmerie, die rücksichtslos mit dem Gummiknüvpcl vorging und auch unbeteiligte Frauen und Kim der nicht schonte. Bis in die späten Abendstunden durchzogen starke Gendarmeriepatrouille» I die Stadt. 83 Die Kellnerin Molly. Roman von Han« Otto HeneL Covurialu bv itocketretter-verlaa. Vertin. Nachdruck verdvten. „Keene Bleibe hast«? Js vielleicht zu helfen. Und sonst reg dich nicht auf. Js vielen anderen nicht besser gegangen. Manchmal is zu Hause bei Muttern noch viel schlimmer, als wenn du strichen gehst. Bloß saufen darfft du nicht, das macht dich krank. Meine Mutter war nicht gut, und die sagte, alles tut sie aus Lieb« zu mir. Aber sic hat mir mit dem Handfeger gehauen, weil ich ihr ein« Mark geklaut habe. Da bin ich getürmt und bin drei Tage und drei Nächt« rumgelaufen, bis sie mir eingefangen haben. Mutter hatte mich als Verlust bei der Polizei gemeldet. Auf der Wache habe ich gelesen, was sie über mich geschrieben hatten. Alter fünfzehn Jahre, auffallend niedrige Stirn, karierter Rock, braune Halbschuhes und wlche Zettel haben sie überall rumgegeben. Da mußten sie mich kriegen. Mutter hat mir dann die Schuhe weggeschlossen und den Rock, damit ich nicht wieder ausrücken soll, und sie hat mir gedroschen, damit ich ihr erzählen soll, wo ich gewesen bin. Und dann hat sie mir gut gefüttert und hat mir wieder gedroschen, und war einmal gut zu mir und einmal hart. Tas kann man schwer vertragen. Ich bin dann noch manchmal ausgerückt. aber sie haben mir immer wieder gekriegt, wollten mich ooch in Fürsorje stecken. Und dann hat Mutter mir eenmal bald totgeichlagen weil mir een Kerl he^mbracht«, der mich beichik- kert gernacht hat!«, Ta bin ich denn für immer getürmt und loofe nun auf der Münzstraße. Nu la, zu Hausc stich sie anständig, aber was ist das für ein Leben? Eene Stube vier Jähren, wenig zu futtern, denn Mutter ist viel krank und Vater fast immer besoffen. Da gab'S denn immer Stunk und Keile." Mal« bedauert« das Mädchen und fragte, warum sie denn nicht lieber«in« anständige Arbeit genommen habe. DaS Mädchen lachte höhnisch' „Arbeit? Man merkt, daß du ganz grün bist Warum soll ich mir die Beene nach Arbeit ab- loofen, wenn ich doch genau weiß, daß viele andere auch keine Arbeit haben und keine kriegen, wenn sie welche wollen. Soll ich für fünfzehn oder achtzehn Mark die Woche mich von früh bis abends cinspcrren lassen? Und da mußt du schon Glück haben. Denn mußt du mit die Meesjer und so dasselbe machen, was ich auf der Straße freiwillig tue, wo ich aber wenigstens Geld dafür habe. Und wenn du sicher Arbeit kriegen willst, denn mußt du überhaupt für noch wen'.ger arbeiten." Sie wandt« sich qn die anderen Mädchen rund am Tische, di« aber längst zugehört hatten. „Arbeit sucht die. und d«nkt, das geht nun so anständig wie bei Muttern zu Haus«, wo man nicht erst den Rock aufzuheben braucht und hat doch jeden Tag sein Kotelett und kriegt een braven Mann und wird dann bei die Hochzeit vom Pastor cingefegnel. Such man Arbeit, wirst sehen, daß du dir die Stiefelsohlen abläufst, leibst wenn du für ein paar Pfenniae den Dreckputtel machen willst. Frag dort die Cilli, die is noch nicht lange bei» Geschäft. War ein braves Mädchen." Die Cilli mochte vielleicht noch nicht so alt sein, alS sie aussah. Sie lächelt« höhnisch. „Arbeit? Mir sollt ihr keene Märchen von erzählen. Mahr als zehn Jahr« habe ich mitgemacht, war sogar Direktrice,»ab« gute Stellungen gehabt und gute Zeugnisse, und mußt« doch immer wieder dasitzen mit meine Kenntnisse. Wenn man was werde» will bei di« Meisters und Direktors, denn muß man immer durchs Privatkontor gehen oder in die Wohnung von die Herren kommen. Und denn heißt es, Fräulein, Sie gefallen mir, und man könnt« ooch darüber reden und denn muß ncan sich ausziehen, und es ist derselbe Quatsch wie Heus«. Und denn machst« eben mit und sie nehmen dir aus di« ZuschneiderstuH« raus und statt sechzehn geben sie dir zwanzig Mark in die Woche. Und du bist lieb Kind und di« anderen beneiden dich. Aber denn kommt«ine neue und iunge, und denn ist di« dran und du kannst gehen. Dann sause man früh wieder an die Zeitungen, kicke bei die Inserate nach, damit du als allererste hmkommst, wo eine Stellung zu vergeben ist. Und wenn du dann anschwirrst, da hat der Herr schlechte Laune, oder es ist gerade Kundschaft da, oder er hat noch nicht gefrühstückt, und denn mußt du wart«». Und wenn er sich dann darum kümmern will dann sind noch zweihundert ander« gekommen und es wird nichts aus der Stellung, denn sicher nimmt er die jüngste und hübscheste. Du aber bist eine Stund« hingeloofen und ein« Stunde hergelaufen, hast gewartet und bitt Treppen geklettert. Derrn du darfft nicht glauben, daß ein Fahrstuhlführer dich mit hochfahren läßt, rvenn du Stellung suchst. Wat denn? Sie sagen, du sollst anständig bleiben und arbeiten, und wenn du das tust, dann bezahlen sie dich so gemein, daß du bei der Arbeit nicht anständig bleiben kannst. Tann gehe ich schon lieber auf den Strich. Meine Mutter flennt-var, aber ihr kann ich mehr Geld hinlegen, und daS nimmt sie. Ne Schweinerei ist cS freilich, zumal wenn du noch ne Seuche schnappst, aber wie s« unS arbeiten lassen und bezahlen, das is ooch'ne Schweinerei." Male hätte gern das freundlich« Angebot des anderen Mädchens angenommen. bei ihr für ein paar Nachtstunden zu bleiben, aber sie schauderte doch zurück, als sie di« Erläuterungen bekam. Würde das Mädchen einen Freier mit hinaufbringen, was voraussichtlich und hoffentlich mehrmals in der Nacht zu erwarten war. dann sollte sie sich in die,Küche verziehen. Schlecht fand Male diese Mädchen nicht, aber sic fürchtete sich vor dem. wa? sie geheimnisvoll hinter ihnen vermutete. Sic war todmüde. denn sie hatte ja auch die vorhergehende Nacht nicht ge schlafen, aber sie wollte poch nicht bei solche» Mädchen schlafen, um nicht auch fo eine zu werden. Vielleicht war es wirklich so schwer, Arbeit zu fffiden, wie Cilli sagte. Aber Male glaubt« annchmen zu können, daß es doch mit von de^ guten Willen eines Mädchens und sicherlich auck von seinem Glück mit abhing. Sie dankte fo freundlich als möglich für das Angebot und hofft«' was sie nicht ausiprach, nämlich auch ohne Wohnung noch über diese Nacht hinauszukomme«. Ter Kaffee, die mitteibsamcn Gespräche der a»' deren, der anscheinend frohe Lärm und Betrieb um sie herum hatten sie so aufgeregt, daß ihk Hirn überwach geworden war, wenn auch di« GW der nicht mehr wollten. Di« Mädchen am Tische waren geganger» neu« Gesichter waren gekommen, wieder verschwunden, andere an ihre Stelle getreten. Erst als Qnkel Franz di« Polizeistunde gebot, verlier Male das Lokal. Sie erschrak, als draußen aul einmal der junge Mensch, der sie am Nachmittag chon einmal an ihrem Tische angesprochen hatte- neben ihr auftauchtc. „Hast also doch keene Bleibe! Kommstc i»st mir?" i Dhn« ihm zu antworten, eilte Mal« davo» nach dein Stettiner Bahnhof zu. Den Weg dah>» konnte sie nicht verfehlen. Dieser Bahnhof für sie zum Begriff der Stadt Berlin geworden. „Gemacht!" Male schlief in dieser Nacht nicht und all" nicht in den folgenden. Die Wattesäle des Bab»' Hofes wurden geschlossen bis gegen Morgen, n»b in ein Hotel oder eine sonstige Unterkunft getraust sie sich nicht zu gehen, weil ihr diele Möglichkeit-.'» feindselig erschien««. Man muß sich da an melde» und in der Anmeldung fürchtete Mal« den TtW zur Polizei. Natürlich bangte ihr auch vor d«» [ Geldausgaben.‘"■■ cp"''»ast chmolz tro?' dem rapid jufa'i'N.- Evrltetzung sorgt.- Ar. 26 Dienstag, 31. Jänner 1938 Seite 3 „Der Fascismus an der Macht.“ Der„Populaire“ über die Kanzlerschaft Hitlers. Unruhen in Gablonz. . Gablonz, 30. Jänner. An verschiedene« Punkten ver Stabt sammelten sich heute Nachmittag grötzere Masse« Arbeitsloser ans Gablonz und ven«m- liegcnvcn Orte«, die trotz des polizeilichen Verbots versuchten, auf den Plätzen zu deutoustriere». Die mit ausgepflanztem Gewehr und mit Gummiknüppeln ausgerüstete Polizei sowie ein stärkeres Gen- darmerieanfgebot rSnmtc« den Platz vor dem Rathause und de« umliegenden Ttratzen. Es kam öfter zu Zusammenstößen, wobei die Polizei von den Gummiknüppeln und Gewehrkolben r ü«k- stchtslos Gebrauch machte. So wurde beobachtet, wie Personen, die der Aufforderung weiterzugehen nicht schnell genug nachkamen, zu Boden geschlagen wurden. Anch ein Polizeiman« wurde verletzt, als ihm beinahe das Gewehr enteisten wurde. Eine Reihe Perhaftungen wurde vorgenommen. Der kommunistische Abgeordnete Hader versuchte an einigen Stelle« z« reden. In seiner Sonnrags nummer, also noch vor der Ernennung Hitlers zum Kanzler, besaßt« sich der„Populaire", das Zentralorgan der französischen Sozialisten, in einem Artikel mit der Situation in Deutschland und mit der Bedeutung, di« einer Ernennung Hitlers zum Kanzler zufällt. In diesem Artikel heißt es zum Schluß: Die„parlamentarische" Regierung Hitlers wird zweifellos noch diktatorischer, noch reaktionärer, noch terroristischer sein als das„Präsidial"- Kabiuett Popens. Ob man will oder nicht— das ist der^ascismus, der sich zur Macht setzt. Allerdings drängt sich ein bedeutender Vorbehalt auf. Der Hitler von heute ist nicht der von 1932, Das ist nicht mehr die Eroberung der Macht durch eine große politische und soziale Bewegung; das ist eine einfache Teilnahme an der Regierungsführung durch eine Partei, deren Verfall begonnen hat. Zwischen dem August 1932, da Hitler die Gesamtheit der Macht forderte und dem Jänner 1933, da der „Führer"(dieses Wort steht so deutsch auch im französischen Original, d. Red.),.der sich mit einer Parzelle, begnügt, stehen die Wahlen vom 6. November, mit Heren Verlauf die„Nazis" begonnen haben Stimmen zu verliere«. Jedoch vergesien wir nicht, daß Hitlers Aufstieg zur Kanzlerschaft mit Schicksalsnotwendigkeit eine Explosion des Enthusiasmus bei seinen Sturmtruppen Hervorrufen wird. Dieser Aufstieg muß ihren Appetit wachrufen. Die braunen Banden, bis heut« im Zaun gehalten, werden ihrem Chef den Gehorsam verweigern, wenn er versucht, sich ihrer lange genähr- ten Gier auf Beute entgegenzustellen. Plünderung, politischer und lumpiger Mord, eine Art BüryeÄnegs-Spuk sind mit der Ankunft Hitlers an der Macht unvermeidlich. Ist das katholische Zentrum, das der Kombination mit Hitler anscheinend sein« Hilfe leihen will, sich der Konsequenzen seiner-Handlungsweise bewußt?" Zu kröb verraten! Kemer der sudetendeutschen Naziführer hat Noch daran geglaubt, daß sich der Traum der »Primadonna", das Kanzleramt zu erlangen, verwirklichen werde. Die Herren Jung und Krebs hatten sich aus Hitlers Pleite eingerichtet und wollten sich ausschließlich um ihren eigenen Laden kümmern. Und nun ward Hitler doch Kanzler des Reichs— wessen sich zu schämen das deutsche Volk alle Ursache hat— und der Herr Kanzler Hitler ist doch etwas ganz anders als der Trommler, dem die Masten davonzulaufen begannen. Wie sck-ön wärs, wenn man zur Stange gehalten hätte— nicht wahr, Herr Jung? Wie kin Alpdruck mögen seht die Lohalitätserklärun- Vn den treuen Kämpen auf der Brust liegen; wie wenig dürfen sie hoffen, daß sie, di« Rebellen in FilHantoffcln, jetzt Gnade finden werden vor dem großen Adolf! u-„Der Tag", der schon immer die Grundsatz« «nd Ziellosigkeit der Jungpolitik in fröhlicher Unbekümmertheit zum Ausdruck brachte, wird Nun wieder zu tun bekommen: es gilt, sich aufs Neue zu drehen! bin neues Ami. Dem Ministcrpräsidium soll in der nächsten Zeit eine volkswirtschaftliche Abteilung angeglie- sürt werden, die den Absichten des Ministerprä- ndentcn Malypetr entspreck^ich die Gegensätze, welche bei der Ausarbeitung von wirtschaftlichen Vorlagen zwischen den einzelnen Ministerien entgehen, ausgleichen soll. Die„Lidovö Noviny" widmen in ihrem Sonntagsblatt der Angelegenheit einen Leitaufsatz und sagen, daß das neue elmt die Position des Ministerpräsidenten und die politische Bedeutung des Vorsitzenden der Rcgie- bing steigern werde. Das Blatt fügt hinzu, daß Wit der Schaffung des neuen Amtes den politi- ichen Wellen ein Damm der Sachlichkeit gegen- ^crgestellt würde. Diese letztere Ansicht bezweifln wir. Da das Amt des Ministerpräsidenten fit Jahren in den Händen der Agrarpartei sich fcfindet, entsteht die Gefahr, daß die Volkswirt. 'Hässliche Abteilung des Ministerratspräfidiums sinzig und allein unter agrarischem Einfluß Men wird und sich die wirtschaftspolitischen *nffastnngen dort von denen im Landwirtschofts- Ministerium nicht unterscheiden werden. Tschechische Bolkspartri für das Koalitions- Zsttm. Auf einem Kreiskongreß der tschechischen ?olkspartei in Brünn ergriff Minister Doktor °romek das Wort, welcher sich entschieden Wn jede Zerschlagung des Koalitionssystems ^sprach und die Beibehaltung des parlamenta- flchen Regimes als Hauptstütze der Stabilität tschechoslowakischen Währung bezeichnete. Zum hNqcllindigten Programm des Schulministeriums ^klärte Minister 8ramek, daß die Volksportei ^gen diese Vorschläge sei und daß diese nicht Groh werden würden. Belobung der Brünner Polizei. Der Jnnen- winister hat den Mitgliedern der Brünner Wicherheitswachc, welche an der Unterdrückung fascistischen Putschversuches in Brünn beleihst waren, den Tank und die Anerkennung in E>Nem besonderen Erlaß ausgesprochen. Der tschechische sozialdemokratisch« Abgeord- 5*1« Fr. Stanök, der Obmann der Union der Eisenbahner, hat, wie das„Prävo Lidu" berich- dem Präsidium des Abgeordnetenhauses mit-' xsteilt, daß er sein Mandat niederlege. Er hat ?we Absicht schon früher dem Vorstand der tsche- Hhchen Sozialdemokratie gegenüber bekundet und gründet den Schritt damit, daß er sich ganz sei- "kr Gewerkschaft widmen will. .^Für di« Reinigung der Armee von fafcisti. Elementen tritt in einem Lcitaufsab am Sonntag das Legionärsorgan„Närodni Lisvobo- F?t-' ein.„Man muß der Nachricht", so schreibt M Blatt,„daß. wie versichert wird, noch immer ^ssiziere im aktiven Dienste sich befinden, welche wlt Gaftza freundschaftliche Verbindung und Bedungen unterhalten. Aufmerksamkeit schenken. J* sind dies Beweise, daß die fascistischc Zcrsct- aus der Armee noch nicht auSgcmerzt ist utch daß deren Reinigung eine wichtige und un- ^fschicbbare Aufgabe der Regierung ist, welche A ihrer Durchführung die ehrl'.hc und diszipli- Mitwirkung der bewußt demokratischen ^dölkcrung braucht." „kin vom- und großhapttalisflsdics Kabinett.“ Der„Vorwärts“ zur neuen Regierung. Berlin, 30. Jänner.(Eigenbericht.) Das Abendblatt des„Vorwärts" schreibt zur Ernennullg des Kabinetts Hitler-Papen: „Das neu« Kabinett, die Schöpfung Franz von Papens, ist ein ausgesprochenes Kabinett der Harzburger Front. Es ist ein« Verbindung von feudaler, großkapllalistischer und fascistischer Reaktion. Ausgesprochene Fascisten nationalsozialistischer Prägung sind drei. dabei: Hitler, Frick und G o e r i n g, wobei das besonders Gefährliche ist, daß Goerüig das preußische Innenministerium und da- mit d i e Polizei in die Hand bekommen hat. Bedeutsamer aber als jene nationalsozialistisch« Dreiheit ist die andere: Hitler. Papen- Hu. genbe rg. Dieses Kabinett, an dessen Spitze d«r Führer einer„sozialistischen" Arbeiterpartei steht, ist bei dieser Besetzung ein hoch- und großkapitalistisches Kabinett, wi« es in der Welt nirgends existiert hat.. Di« Macht« des Großkapitals werden in dieser Regierung ausschlaggebend sein, sie werde« sich arbeiterfeindlich answirken. Inwieweit sie fascistisch« Experiment« für vereinbar mit ihre» Geschäften halt«» werden, muß die nächst« Zukunft lehren. Die nächst« Zukunft muß auch zeigen, ob di« Eide auf di« Verfassung, di« teil« schon geleistet sind, ans dem Weg zum offene« Fascismus «in wrksameS Hindernis darstelle«. Bon besonderer Bedeutung wird unter den neuen Berhältnisien di« Stellung Hindenburgs al- Obcrbefehltchaber der Wehrmacht und des nenen RcichswehrministerS von Blomberg fein. Gegenüber dieser Regierung der Staatsstreich« drohung stellt sich die Siyiatdemokratie und die neidistag spätestens nächsten Dienstag. Berlin, 30. Jänner. Der Acltestenrat des Reichstages war infolge der politischen Ereignisse bereits für heut« um 15 Uhr einberuf«« worden. Er tagte noch unter d«m Vorsitze des jum Reichsminister ernannten Reichstagspräsidenten G o«- ring. Die Fraktionsvertreter hatten sich vollzählig eingefunden. T«r Aeltestrnrat hat noch kein«« Termin für di« nächst« Reichstagssitzung bestimmt. ES ward« jedoch beschlossen, daß der Reichstag spätestens am Dienstag der nächsten Doch« zusammentreten soll. Die endgültige Festsetzung d«s Termines erfolgt im Einvernehmen mit der Regierung und hängt davon ab, wann di« Regierung ihre Erklärung vor dem Reichstage abgeben will. Gegen «inen sofortigen Zusammentritt hatte das Zentrum Bedenken geanßsrt. Ti« Tagesordnung für die nächste ReichS- tagsvollsihung soll unverändert nach der bisherigen Vorlage bleiben. In Politischen Kreisen konzentriert sich das Hauptinteresse jetzt auf di« Frag«, ob das Zentrum sich zu einer Tolerierung oder sonstwie gearteten Unterstützung des Kabinette- Hitler bereit findet. Sollte die Mehrheitsbildung nicht znstandekommen, so ist nach Auffassung unterrichteter Kreise kein Zweifel, daß der Reichstag aufgelöst und neugewählt wird.. SvrwWemokraten stellen WOtranensantrag. Berlin, 30. Jänner. Die sozialdemokratische Reichstagsfraktio« hat am Montag Nachmittag beschlossen, sofort einen Mitztranensantrag gegen das Kabinett Hitler einzubringen. Auch von den Kommunisten liegt bereits ein MißtranenS- antraq vor. Ter Parteiausschuß der sozialdemokratischen Partei ist für Dienstag telegraphisch nach Berlin berufen worden. Sdiart Kehrt zur sich? Die„Deutsche Allaem. Zeitung" meldet aus Kreisen, di« der Re chsregierung nah« stehen, daß Rcichsbankprüsidrni Luther seinen Posten verlassen werde. Sein Nachfolger soll der ehemalig« Reichsbankpräsident Dr. Schacht werden. ganze Eifer«« Front mit beiden Füße» aus de» Boden der Verfassung und der Gesetzlichkeit. Sie werd« den ersten Schritt von diesem Boden nicht tun sie werden vielmehr durch Ausnützung aller verfassungsmäßigen und gesetzlichen Mittel den allerschärfsten Kamps gegen diese Regierung führen. Sie überlassen dir Verantwortung für den Ausbruch«ins Ringens, das beiderseits nicht mehr mit den normalen Massen des politisch« KampftS geführt werd« soll, ausschließlich ihren Gegner». Der Reichskanzler Hitler will, wie es heißt, heute nachmittag die Verhandlungen mit dem Zentrum anfnehmen. Nur das Zentrum kann'ihm die Möglichkeit« einer länger dauernd« legalen Amtsführung gewähren. Verweigert es sie ihm und findet er im Reichstag keine Mehrheit, so muß er abtreten. Tut er das nicht, so ist der ä u ß e r st e Konfliktsfall gegeben. Wie sich im Falle dieses äußersten Konfliktes die Streitkräfte verteilen würden, ist noch nicht zu übersehen. Aber es ist kaum wahrscheinlich, daß die Sozialdemokratie in einem solchen Falle isoliert kämpfen würde! Auf alle Fälle hat«in geschichtlicher Kampf um das Schicksal des deutschen Volkes begonnen. Die Situation ist voller Gefahr, sie birgt aber auch die Möglichkeit einer überraschend günstigen Entwicklung in sich. Wir wiss«, daß an ihrem Ende der Sieg der Arbeiterklasse, der Demokratie und des Sozialismus steht. Er ist vielleicht näher, als mancher denkt. Kaltblütig, zuversichtlich und— wenn es die Sache der Freiheit fordert?— zum letzten Opfer bereit, gehen wir der ukunst entgegen, die unser sein wird trotz alledem'"., P „Eine bewußte Kampf ansage.“ Die Auflassung der Gewerk* sdMliskreise. Berlin, 30. Jänner. Am Vormittag traten bi« gewerkschaftlichen Spitzenverbände aller Richtungen zu einer Erörterung der politischen Lage zusammen. Ein offizielles Kommunique« über dar Ergebnis ist bisher nicht ausgegeben worden, doch teilt der„Deutsche", das Organ der christlichen Gewerkschaften über die Sitzung folgendes mit: „Die Gewerkschaften erblicken in der Betrauung des Herrn von Papen mit Verhandlungen zur Regierungsbildung ein« bewußt« Kampfansageaudas verfassungstreue deutsche Volk. Di« Gewerkschaften warnen noch einmal i» letzter Stund«, Personen zur Führung des Staates zu berufe«, deren Rame ei» Programm für verfassungswidriges und volksfeindliches Vorgehen ist und die Gefahr heraufbefchwört, di« reaktionären Cliquen durch««verantwortliche politisch« Manöver Volk«nd Wirtschaft in eine unabsehbar« Katastrophe hineinzutreiben." SA-Fackelzug für Hindenburg I Zu Ehren des Reichspräsidenten und aus Anlaß der Bildung des neuen Kabinett Hitlers veranstalteten die Großberliner- und Brandenburger Organisationen der SA und SS gemeinsam mit dem Landesverband Groß-Bersin des Stahlhelms heut« abends einen Fackelzug. Der Zug begab sich durch das Regierungsviertel nach dem Lustgarten, wo er aufgelost wurde. Es ereigneten sich keinerlei nennenswerte Störungen. An dem Zuge nahmen ctrva 15.000 bis 17.000 Mann teil. Als der Zug gegen halb 9 llhr vor der alten Reichskanzlei in der Wilhelms- straße erschien, zeigte sich der Re i cks Präsiden t an einem hellerleuchteten Fenster. Auch Reichskanzler Hitler, den den Fackelzng vom Fenster seines Arbeitszimmers in der neuen Reichskanzlei begrüßte, wurden langandauernde Ovationen dargebracht. neersdian der Berliner Sozialdemokratie. Eine Riesenkundgebung lm Lustgarten. Berlin, 29. Jänner. Die Sozialdemokratie von Groß-Berlin veranstaltete heute nachmittags mit Unterstützung der. Eisernen Front int Lustgarten eine Massendemonstration unter dem Motto„Gegen die Provokationen der Nationalsozialisten«nd gegen die Millionengeschenke an di« Junkers, für Demokratie«nd Sozialismus". Von 12 Sammelplätzen innerhalb Groß-Berlins marschierten die Massen in geschlossenen Zügen unter Mitsührung roter Fahnen«nd vieler Transparente nach dem Lustgarten, wo um 14.80 Uhr die Kundgebung begann. Es sprach der Führer der Ortsgruppe Berlin der SPD Reichstagsabgeordneter Künstler, der den Aufmarsch der Nationalsozialisten auf den Bülowplatz als Provokation bezeichnete. Die Vorgänge seit gestern, führte er aus, sind ein Alarm für die Eiserne Front, für die Gewerkschaften und die republikanischen Verbände. Im Zusammenhang mit der Kundgebung wurden wegen Singens verbotener Lieder vier Temonstrationszüge der SPD und außerdem drei kommunistische Demonstrationszüge, die sich trotz dem Verbote des Polizeipräsidenten formiert hatten, aufgelöst; insgesamt wurden 35 Personen zwangsgestellt. Daladicr bildet die neue Regierung. Paris, 29. Jänner. Der Präsident der Republik berief vor 17 Uhr den Kriegsminister im zurückgetretenen Kabinett und Führer der radikalen Partei, Eduard D a l a d i e r, und betraute ihn mit der Aufgabe der Bildung des neuen Kabinettes. Daladirr hat den Auftrag angenommen. D« Bestrebungen Daladiers sind aus di« Bildung eines Kabinettes der Linksparteien gerichtet, welches sich aus die gleichen Parteien stützen würde, wie das letzte Kabinett. Daladier dürft« den Sozialisten den Eintritt in die Re- aierung anbieten, doch scheint eine Teilnahme der Sozialisten an der Regiernn-z vollkommen anS- geschloffen. Daladier hatte gegen Mittag eine längere Unterredung mit einer siebengliedrigen Delegation der sozialistischen Partei, der er den Eintritt in die Regiexuug anbot. Die Sozialisten traten nm 1 Uhk zu einer PdriMng' zusäminen, die" fast fünf Stunden dauerte. Nach einer längeren Debatte wurde mit 64 gegen 17 Stimmen ein« Resolution D«at angenommen, die sich im Prinzip für den Eintritt der Sozialisten ausspricht, jedoch die Forderung aufstellt, daß sich neuerlich eine Delegation zu Daladier begebeund ihn um genaue Präzisierung des Regierungsprogramms ersuche. Di« neue Aussprache der sozialistischen Deputation mit Dala- dier begann um 20 Uhr. In den späten Abendstunden ist man der Ansicht, daß die Sozialisten dartun wollten, daß st« der Regierungsverantwortlichkeit nicht ausweichen wollen, daß sie aber nach Ablehnung einiger doktrinärer sozialistischer Forderungen durch Daladier auch diesmal beschließen würden, nicht in di« Regierung einzutreten und sie wie bisher nur von Fall zu Fall zu unterstützen. ne Valera versöhnungsbereit? Dublin, 29. Jänner. Das endgültige Ergebnis der-Wahlen zum irischen Landtage liegt nün- mehr vor. Es haben erhalten die Partei de?!äleras 77 Mandat«, die Partei Cosgravcs 48, die Unabhängigen 8, die Mittelpartei 11« die Arbeiterpartei 8 und die unabhängige Arbeiterpartei ein Mandat. Hinsichtlich der Landannüitäten har" de Ba- lera am Samstag die Beseitigung des Sperrkontos angekündigt, in das diese von England beanspruchten Gelder eingczahlt ivur- den. Das Geld wird jetzt der Regierung für den Ausgleich des Budgets zur Verfügung stehen. Die erste Erklärung,, die de Valera gestern über seinen Wahlsieg abgab» enthielt eine fr eu n dlich e Bezugnahme auf England. Revolte auf holländischen Krlettssdilllen. Soldkürzung die Ursache. Batavia, 30. Jänner. Im niederländischindischen Kriegshafen Soerabaja lveigerten sich honte morgens die europäischen Korporale und Matrosen dreier Kriegsschiffe zum Morgenappell anzutreten. Anch die eingeborenen Matrosen zeigten Neigung, sich ihnen anzuschließen, konnten abeic infolge der energischen Haltung der Offiziere von diesem Vorhaben abgehalten werden. Vierzig Rädelsführer wurden verhaftet und abtransportiert. Abteilungen des Landhccres wurden zur Durchsetzung der militärischen Disziplin herbeigeordert. Die Kriegssck--"«' find späterhin programmäßig zu der vorgesehene».".'»tions- fahrt ausgelaufen. Die Gehyrsamsverrvetgarimg dürfte ans die neu cingcführte Kürzung der Besoldung jnrückzuführen sein. Seite 4 Dienstag, 31. gattwer 1983 Jet. 2i T agesneuigkeiten Liu MaWuentzaus in Kattowitz in die Lu r geflogen. Kattowitz, 30. Jänner. In der Kokerei der Wolfgauggrube in Kattowitz explodierte heute vormittag ein Ammoniakbehälter. Das ganze MafchinenhauS flog in die Luft. Drei Personen sind leicht verletzt worden. Tas Maschinenhaus ist zerstört. Der Betrieb der Grube kann erst in drei bis vier Tagen wieder ausgenommen werden. Es handelt ftL) um eine Explosion des Dampfkessels, durch den eine Wand und Pas Dach der Maschinenhalle in die Lust geschleudert wurden. Durch den starken Luftdruck der Explosion wurden die Fensterscheiben sämtlicher Häuser der nächsten Umgebung eingedrückt. Sämtliche Maschinen und die übrige Einrichtung der Maschinenhalle wurden zertrümmert. Im Augen- vlick der Explosion befanden sich nur zwei Arbeiter und eine Arbeiterin«n der Maschinenhalle di« schwere Verletzungen erlitten. Infolge der Vernichtung der Maschinen wird die Kohlengrube für mehrere Monate außer Betrieb gesetzt sein. Der Materialschaden wird auf zwei Millionen Zloty geschätzt. Saalfchlacht zwl'chen Nazis und Klerikalen vei Wien. Wien, 30. Jänner. Zu einer schweren Saalschlägerei kam es gestern abends bei einer Werbeversammlung des katholischen Jugendbundes und der christlichsozialen Turner m Rodaun bei Wien. Zu ihrer Versammlung waren auch Nationalsozialisten erschienen, die bald stürmische Szenen hervorriefen. Schließlich kam es zu Tätlichkeiten, die in eine allgemeine Schlägerei ausarteten. Bei der entstandenen Schlägerei wurden Biergläser, Tischbeine usw. als Waffe verwendet. Die Gendarmerie schritt ein und räumte den Saal. Bei der Schlägerei wurden vier Personen, zwei Nationalsozialisten und zwei christliche Turner, schwer verletzt und mußten dem Spital zngeführt werden. Wiener Sportsonntag: 130 schwere Unfälle! Wien, 30. Jänner. Beim Rodel« und beim S k i l a u f e n in der Umgebung von Wien sowie auf den vereisten Straßen der Stadt ereigneten sich gestern beinahe 200 Unfälle, darunter 130 schwerer Natur. Keine Unkorrektheit- aber strenge Unterfuchnng. Prag, 30. Jänner.(Tsch. P.-B.) In der Presse ist eine Nachricht über vermeintliche Malversationen in der Gefängnisdruckerei in Pankrae erschienen, die angeblich verheimlicht werden. Es handelt sich absolut um keine Verheimlichung irgendeiner Unkorrektheit. Es wurde scswestellt, daß beim Papier ei»kauf für die Gefängnisdruckerei in Pankräe kein öffentlicher Wettbewerb ausgeschrieben wurde, sondern der Einkauf ans freier Hand erfolgte. Es wurde sofort eine Untersuchung und ein Disziplinarverfahren gegen alle beteiligten Beamten eingeleitct; sollte festgestellt werden, daß der Staat einen Schaden erlitten hat, wird ihnen selbstverständlich auch der Ersatz dieses Schadens auferlegt werden. In der Untersuchung wird mit aller Strenge fortgefahren. Sine Million unterschlagen. Rom, 30. Jänner. Der Buchhalter di Rasso dcfraudierte als Angestellter der Sparkassa in Pisa durch Ausstellung falscher Einlagebücher eine Million Lire. Er flüchtete nach Nizza, wo er gestern verhaftet wurde. Drei Raubmörder zum Tode verurteilt. Junge Menschen von heute. Magdeburg, 28. Jänner.(Eig. Drahtb.) Das Schwurgericht Maccheburg verurteilte am Samstag die drei Raubmörder Willi Träger, Willi Meißner und Wilhelm Bartels zum Tode. Die Mitangellagten Willi Leue und Walter Thielicke erhielten acht bezw. Wölf Jahre Zuchthaus. Träger wurde außerdem noch wegen schweren Raubes zu zwölf Jahren und einem Monat Zuchthaus verurteilt. Die Angeklagten sind durchwegs junge Mengen im Älter von 22 bis 26 Jahren. Sie sind bis aus einen erheblich vorbestraft. So Thielicke wegen eines schweren Straßenraubes nt Berlin mit anderthalb Jahren Zuchthaus. Vorher war er ans der Strafanstalt Burg bei Magdeburg ausgebrocheu. Im letzten haben Jahr haben die Räuber drei schwere Raubübersälle auf alleinstehende alte Frauen in Genthin verübt. In allen drei Fällen stiegen die Räuber nachts in die Häuser ihrer Opfer, überwältigten die Frauen, würgten sie und raubten die Wohnung aus. Mit entsetzlicher Gefühlsroheit wurde z. B. eine 81jährige Greisin überwältigt und ausgeraubt. Sie kam mit dem Leben davon, während eine 71jährige Witwe, die sich verzweifelt zur Wehr setzte, an den ihr zuteil gewordenen Mißhandlungen gestorben"ff Zw"i der HanMtäter stahlen nach der Tat em Motorrad, um damit über Polen nach Rußland zu fliehen. Sie kamen aber nur bis zur Korridorgrenze, wo sie verhaftet werden konnten. Das Urteil wurde von den Angeklagten, die während der Verhandlung noch zahlreiche andere Einbrüche und Diebstähle zugaben, ohne jede sichtliche Rührung ausgenommen. SA bei einer Räuberbande. Hamburg, 28. Jänner.(Eig. Drahtbericht.) Der Hamburger Kriminalpolizei ist es gelungen, eine gejährliche Räuberbande festzunehmen. Ihr gehören u. a. zwei SA-Männer an. In den letzten Monaten wurden in Hamburg auf Angestellte und Kassenbeamte größerer Geschäftshäuser und Banken mehrere Raubüberfälle ausgeführt, wobei den Tätern in einem Falle 3100 Mark, im anderen Falle 10.500 Mark und bei einem dritten Uebersall in Altona 2500 Mark in die Hände fielen. Die Räuber benutzten zur Ausführung ihrer Taten Revolver und Kraftwagen. Sie bedrohten die Opfer mit Schußwaffen und entrissen ihnen dann das Geld. Bei einem der Ueberfülle wurde der Angestellte eines Kaufhauses durch einen Rcvolverschuß schwer verletzt. Alle Ueberfälle sind von einer Räuberbande ausgeführt worden, von der jetzt vier Mitglieder festgenommen und zum Geständnis gebracht werden konnten. Unser ihnen befinden sich zivei Hamburger SA-Leute, die 24 bezw. 25 Jahre alten Brüder Hans und Ewald Lehrmann. Die SA-Männer Lehrmann hatten sich, als die Polizei auf die Spur der Räuberbande gekommen war, in das Asylfür nationalsozialistische Verbrecher nach Braunschweig geflüchtet, um hier den Nächfor- schungen der Polizei zu entgehen. Einer von ihnen war außerdem an einem politischen Spvengstoffverbrcchen beteiligt. Drei Gefangene im Auge erschaffen. Sofia, 29. Jänner. Wie die Blätter bericht ten, drangen vorgestern etwa sechzig Komi- tatscki ist der Station Belica in einen Zug aus der Strecke Gorna—Dschnmaja nach Sveti- Wratsche verkehrt, ein und bemächtigten sich dreier Gefangener, die in Sveti-Wratsche wegen eines an einem Lehrer begangenen Mordes vor Gericht gestellt werden sollten. Sie brachen den Widerstand der Gendarmen, welche die Gefangenen begleiteten,- worauf sie die Gefangenen mit der Erklärung erschossen, daß sie dies auf Weisung der revolutionären ma;«- donischenOrganisation tun, welche über die drei Häftlinge das Todesurteil gefällt hat. Das mazedonische Tribunal anerkenne auf mazedonischem Gebiet keine anderen Justizvrgane als ihre eigenen. Reichskanzler Adolf Hitler— das unsäglich Beschämende ist zum Ereignis geworden! Wo in der Welt ein Herz dem Fortschritt schlägt, ein Gehirn dem Aufstieg der Menschheit zugewendet ist, werden sie im Augenblick, da diese Botschaft sie erreicht, Scham empfinden! Alle Menschen aber derselben Zunge wie dieser Hitler, sofern sie der Menschheit Würde mit in ihre Hand gegeben sehen, werden die Stunde, da dieser Knecht sich auf den Kanzlerstuhl setzte, als eine der bittersten im Schicksal der deutschen Nation empfinden. Das Gesicht des Deutschen Reiches, dieses mitteleuropäischen Zentralorgans der Welt, soll jetzt für die Bielen Bielen, die an den Dingen nur das Sichtbarste sehen, repräsentiert werden durch die Züge dieses Mannes, durch dieses Antlitz, das nicht einmal den Namen Antlitz verdient? Immer und immer wieder in den letzten Jahren, da die nationalsozialistische Bewegung diesen Hitler zum„Führer" Deutschlands hinaufmordete und ihn sich hinaufreden ließ, konnte man aus dem Munde von ganz unpolitischen Menschen hören, daß allein schon die Borstellung dieser Bisage es ihnen als Kulturmenschen unmöglich machen würde, seine Sphäre auch nur im geringsten zn teilen. Nnd damals, als dieser Adolf, immerhin das Haupt einer riesigen Bewegung, Bringer des Dritten Reichs und Erneuerer Deutschlands sich zum Kameraden von Potemba machte, als er Brudergrüße tauschte mit. den fünf elenden Meuchelmördern, die der Abscheu der ganzen Welt traf, damals wurde einem dunkel vor den Augen bei der Vorstellung, daß der Name Hitler wirklich einmal mit dem Amt verbunden sein könnte, das Deutschland und die Nation vor fünf Erdteilen repräsentieren soll. Das Unvorstellbare ist Wirklichkeit geworden. Anders zwar, politisch gesehen, als Hitler und die Seinen es sich in ihren Wachträumen vorgestellt hatten, aber dennoch ernste, vielleicht blutige Wirklichkeit, Hohe- pünkt einer Apokalypse, die den Rückfall Europas in die Barbarei, in die unsozialste und ungeistigste Finsternis kennzeichnet. Der erste Mann im Reich: Herr von Hindenburg, der Feldherr des monarchistisch-imperialistischen Grauens bis 1918— der zweite Mann: Herr Adolf H i t l e v, der Larcks- knecht der Rückwärtsstrebenden seit 1919, der commis vovageur der militaristisch-kapitalistischen Reaktion, der Demagoge des Bolksun- glücks seit den Tagen einer halben Revolution. Als Menschen, als Sozialisten, als Deutsche und mit allen gutgesinnten Nichtdeutschen vereinigt sich beim Anblick dieser Geburtsstunde einer Hitlerkanzlerschaft unser Pulsschlag mit dem der Arbeiter in Deutschland urck) dem des klaffenbewußten Proletariats auf der ganzen Erde zu lautem Hämmern und Pochen gegen eine Erscheinung, deren Zeitgenossen zu sein fast unerträglich ist. Da kann es nicht heißen: wir stehen fern vom Schuß, wir muffen die Dinge in Deutschland werden lassen, wie die Kraft der Arbeiterschaft dort sie wird gestalten können; nein: hier heißt es, das Maximum an Abwehrkraft aus jedem einzelnen von uns herauÄholen, auf unserem Boden an Gegenkräften entwickeln, was immer in uns lebt. Adolf Hitler Reichskanzler— das geht nicht nur uus alle an, sondern das ist ein Exzeß der Geschichte, den nicht Katastrophe werden zu lassen unser aller Pflicht ist. Adolf Hitler Reichskanzler— das ist nicht nur ein reichsdeutsches, sondern ein Weltmaldes Fascismus; das rst eine Erscheinung, die geeignet ist, die säscistischen Fratzen in aller Welt aus ihren Halbverstecken herauszulocken. Da heißts für jedermann die Faust bereitzuhalten, für jedermann, der Blut in den Adern hat. Der Kamerad von Potemba hat auch bei uns seine Kameraden! Kameraden, die deutsch, und solche, die tschechisch sprechen. Man muß ihnen zeigen, wo der Zim- mermann das Loch gelassen hat? ES wird wärmer. Dir Berufs-„Wetterinacher" teilen mit: Bei uus dauert in den Niederungen mäßiger Frost an. Auf den Bergen ist es demgegenüber noch immer milde. Montag früh hatten die Schneekoppe minus 3, der Panzer 0, Strbske Pleso plus 1, Stary Smokovee plus zwei Grad Celsius. In den Niederungen dürfte sich nunmehr allmähliche Erwärmung und Verschlechterung des Wetters einstellen. Die Temperatur in Prag betrug gestern um 8 Uhr minus 7.3, Minimum i« der letzten Nacht minus 7.7 Grad.' Wahrscheinliches Wetter heute den 31. Jänner: Vorwiegend bewölkt, besonders im Karpathengebiete, Niederschlagsneigung, wärmer, Wind aus südlichen Richtungen. Ei« Zugsunfall, der leicht hätte schwere Folgengen haben können, traf am vergangenen Sonntag den Nachmittagschnellzug Troppau—Prag. Bei der Einfahrt irr die Station Hennersdorf brach auf der rechten Lokomotivseite die untere Gleitschiene ab, die der Kolbenstange die Führung gibt und die Rückstoßwirkung der Pleuelstange auffängt. Kolben- und Pleuelstange verloren dadurch den Halt nach unten, die Kolbenstange wurde erst durchgebogen, brach dann ab und durchstieß den Deckel des Dampfzhlinders. — Daß der Unfall so glimpflich ablief, ist darauf zurückzuführen, daß der Zug bei der Einfahrt ein langsameres Tempo eingeschlagen hatte und daß sich die Maschinenteile nicht im Rädergetriebe verfingen.— Es mußte eine Ersatzlokomotive aus Jägerndors herbeigeholt werden und der Schnellzug setzte seine Fahrt mit einer einstündigen Verspätung fort. Einbruch i« eine Kaserne. In der Nacht aus Montag wurde in der Kaserne des 1. Infanterieregimentes in B u d w e i i ein Diebstahl verübt. Der Täter war in eine der KanlleienLedrnngen und hatte 700 X Bargeld gestohlen. Die in der Staht verbreitete« Gerüchte, daß auch Akten- stü ck e geraubt wurden, entsprechen nicht der Wahrheit. Die Fahndung nach dem Täter ist im Gange. Erst nach Beendigung der Untersuchung wird ein amtlicher Bericht ausgegeben. Bei« Schmuggel» den Tod gefunden. An der österreichisch-ungarischen Grenze bei Lutzmanns- berg wurde eine Gruppe von etwa 10 Schmugglern von österreichischen Zollbeamten überrascht und b»i der Flucht beschossen. Hiebei wurde ei» Schmuggler tödlich verletzt. Am Orte des Zusammenstoßes wurde auch die Leiche eines Arbeiters aufgefunden, der beim Schmuggeln in einer Schneewehe steckengeblieben und erfroren war. „Riobe"-Rumpf wird versteigert. Das Marinearsenal in Kiel stellt jetzt den Schiffskörper der ehemaligen„Niobe" zum Verkauf. Der noch vorhandene Rumpf— die Masten wurden bekanntlich zur Erleichterung der Bergung wegge- spvengt— soll am 27. Feber in öffentlicher Verdingung verkauft werden. Die spanischen Anarchist««. Wie Havas aus Barcelona berichtet, sind im Laufe einer Haussuchung 130 geladene Bomben, 160 Dynamitpatronen, drei Gewehre und zwei Revolver enckeckr und beschlagnahmt worden. Ein Anarchist wurde verhaftet. In seiner Wohnung wurden zahlreiche bedeutsame Schriftstücke gefunden, die«der die Absichten der Anarchisten Ausschluß geben. Die Finanzlage der österreichischen Bundesbahnen hat sich in der letzten Zeit wieder verschlechtert. Hiezu trug auch der umstand bei, daß die neuen Sanierungsvorlagen, die vor längerer Zeit nn Nationalrat eingebracht wurden, bisher nicht erledigt wurden. Der„Neuen Freien Presse" zufolge bleiben die österreichischen Bundesbahnen mit Rücksicht auf dies« Situation mit ihren Zahlungen einige Wochen im Rückstände. Ein Gattenmörder. Unter dem Verdachte, seine Ehefrau ermordet zu haben, wurde in Frankfurt a. M. der 24 Jähre alt« Tage» löhner Felix Geiß auS Mutterstadt verhaftet. Er ist geständig. Zwei Selbstmorde durch Vergiftung mit Leuchtgas wurden Sonntag in Pilsen verübt. Der 32» jährige ledige Schuster Wenzel Centner aus Pilsen verübte den Selbstmord wegen Krankheit und di« 48jährige Jugenieurswitwe Paula Zins! ll. Gau-Winterlooristeiitreffeii am 11. und 12. Feber in Nollendors. Standort: Nalurfreundehaus. Programm: Samstag den 11. Feber: Freundschaslsabestd? Schutzhaus. Sountag, den 12. Fobcr, vormittags 8.30 bis 12 E Sportliche Veranstaltungen. 8.30 Uhr: Langlouf der Männer von 18—35 3«^ 6 Kilometer. 9.00 Uhr: Mannschastslauf von 18—35 Jahre Geschlechter, 4 Kilometer. 9.30 Uhr: Abfahrtslauf, beide Geschlechter. 4 M metrr. Stilwertung. 10.30 Uhr: Fuchsjagd für Kinder. Erfrischung grE verabreicht. 12.00 Uhr: Mittagspause. 13.00 Uhr: Fuchsjagd für Erwachsene, beide fr schlechter 14.00 Uhr: Bericht der Wertungskommission.' 14.30 Uhr: Gau-Konferenz für Winter-TourW- X W. B.". Stariberechtigt sind aste Mitglieder des Ar- veroandes.Zeoband für Arbeiter-Winter-TourM Sitz Prag". Meldungen wegen Teilnahme und Nachts sind bis 6. Feber nur an Wg. Gustav Diez, mantel bei Teplitz, Schulstraß« 136, zu senden. nähere über btt Veranstaltung ist rm SonderRu^ schreiben bei-en Ortsgrirppenleitungen evsichtlis Berg frei? Gau-Referat für Winter-Tourist „Rorbwestböhmen". I,! i 11 im i im;— aus■ Schwermut, weil ihr Mann vor kurzer tr starb. Liebestragödie. Der aus Znaim gebüm Soldat Viktor Fröhlich von der 4. Telegraph kompagnie des österreichischen Bundesheeres ff Sonntag in der Nähe der Linzer Pulverfabrik Geliebte, die 27jährige Karolin« Kneidivger Linz, erschossen und dann Selbstmor gangen. Aus Briefen, die bei den beiden vorgä^ den wurden, geht hervor, daß Fröhlich die Tat? Einvernehmen mit seiner Geliebten begangen Wölfe. In der Umgegend von Bilbao, rih^ Wölfe, di« infolge-er Kälte in Rudeln vo»Z Bergen heruntergekommen sind, unter den Sä" Herden mehrerer Ort« großen Schaden an. halb einer Woche sind über hundert SM? von den hungrigen Bestien zerrissen wvrdet Ne Adressierung der Postseubuugen nach W" Prag. Bei den Zustellungspostämtern in Groß-^? langen täglich einige tausend Sendungen mit untt° ständigen Adresse« ein. Das Amt muß erst na-A richtige» Adresse suche», was eine.verspätet« ZE lung zur Folge hat. Ne Post- und Telegraf direktion macht daher das Publikum darauf aus^ sam, daß bei der Adresse der Postsendungen, Groß-Prag bestimmt sind, auch der S t a d t b c-'s (Teil, Viertel) nnd der Name des Bezirkes, in die Sendung zugestellt werden soll, angegeben Die Adresse soll daher z. B. lauten: Brämk Prag XV-Bränik, Podoli oder Prag XV-P»^ Kobylish oder Prag Vlll-Kobylish, Bohnice> Prag VIII-Bohnice, Libcti oder Prag Vlll-E Außerdem ist es notwendig, in der Adresst. Sendung auch die Gasse, die Hausnum^ und wenn irgendwie möglich das Stockwerks di« Tür-Nummer anzuführen. Schließlich^ von der genannten Direktion empfohlen, daß die n sender der Postsendungen, die den Namen des 3j stellungsamtes kennen, dieses in der und dessen Nummer in arabischen Ziffern anfir Getreide, das 4000 Jahre alt ist. In einer' vielen Grotten, di« im Berge Ceiona bei PÄ r wg i a seit vier Jahren freigelogt werden, fand Leiter der archäologischen Museums in PerE Ealzow, in der Grotte des hl. Franziskus(st J nannt.stzeil sich in ihr der hl. Franziskus aufgetz^» haben soll) in einer 5 Meter unter der ErdoberW befindlichen Eck«, die vor Lufteintritt völlig g«E war, vollkommen erhaltene Getreidehalmc, M Gerste und Eichelfrüchte, die ein Alter von Jahren haben dürften. Bei der Thüringer Bierer-Bobmeisterschast Sonntag der Bob„Leipzig" in der Krvnpritt- kurve in voller Fahrt über di« Böschung und zertrümmert. Sämtliche Insassen erlittest? heblichc Verletzungen und mußten ms KiankeE gebracht werden. Der Führer Otto SchulE Leipzig trug einen Armbruch davon,' der Karl Gerlofs einen Oberschenkelbrnch. Am sch'A sten wurde der Miffahrer Rudolf Gerlofs bcrt^? der einen schweren Schädelbruch, einen Oo?.^ nnd einen Obenschenkelbrüch erlitt. Vom Rundfunk Empfehlenswertes aus den Prograaestst* Mittwoch: Prag: 6.15: Gymnastik. 11: Schallplatte». 1^- Orchästerkonzert. 17: Marionettentheater. Deutsche Sendung: Arbeiters«!', Josef Kühnel: Der deutsche Schulf^j im Rahmen seiner sozialpädagüst schen Bedeutung; Bericht vom Arbes^ markt. 20.45:„Frühstück beim Marf<*, Komödie.— Brüuu: 1825: Deu tsche düng: Dr. Hogenauer: R. Wagners„8^4 19.20: Blasmusik. 20.15: Schallplatte».— 1555: Arien und Lieder. 21.10: Sinsoniekanzer^ Breslau: 18.25: Loewe-Balladen. 20: Komiker gegnen sich.— Mühlacker: 20: Sinfoniekim-ert- Hamburg: 20: Blaskonzert.— Königsberg: Cbormusik. Zeitbilder— Leipzig: 19.45: { auf Tauris."— Wien: 19.40: Klänge der Hei«"" 5?t. 2« (WejtWflg, 31. Mknrer 1983 Leite 8 -Ja,— danke, gern!" sagte der Gast und über, legte, daß er dann nun eigentlich die Beine auf den Tisch legen müßte, weiter: daß ihm der Mann aber das bestimmt Übelnehmen würde, weitert daß überhaupt die Wtzlt wirklich recht unvollkommen sei L. C. B. Wiedersehen m't einer kleinen Tladt. Eß ist»och immer so wie vor fünf Jahren. Tin Kranz von Wildern säumt die kleine Stadt. Das Leben lockt mit Züge», die vorüberfahren. Ein Märchengeist griss hier der Zeit ins Rad. Roch halb verschlafen liegen schmale Gassen. Ein Milchgespann fährt trag von Haus zu Haus. Aus Küchenfenstern kommt Geklirr von Tasten, Und manchmal beugt sich eine Frau hinaus. Im Laden stehen noch dieselben Kunden. Der Gasthof offeriert„Logis und Kost". Und drüben geht— traf ich ihn nicht vor Stunden? Der gut«, alte, Bote mit der Post. Ich möchte jeden froh„Wie geht es?" fragen. Ein Freund bleibt.stehn und ruft:„Jst's möglich? Du?!" Pie zur Begrüßung fängt die Turmuhr an zu schlagen. Und alle Fenster winken mir nun zu. Es ist noch immer so wie vor fünf Jahre«: Dies ist der liebste, stillst«, schönste Ort. Doch wenn die Züge Nachts vorüberfahren, Sehn' ich mich bald und brennend wieder fort. iKurt Rudolf N e u b e r t. Haftentlassung Ludwig Renns. Der vor einigen Monaten wegen angeblichen Hochverrats in Berlin verhaftete kommunistische Schriftsteller Ludwig Renn wurde am Sonnabend auf Antrag des Oberreichsairtvalts aus der Untersuchungshaft entlasten., Selbstmordversuch eines Großindustriellen. Inj seiner Wohnung auf der Alserstraße in Wien versucht« Sonntag abend der 73 Jahre alte ehemalige Großindustrielle Ernst Löwen seid sich mit Leuchtgas zu vergiften. Der Greis wurde von stinfr Haushälterin noch lebend aufgefunden, wußte jedoch mit schweren Berg iftungs- «rscheinungen ins Allgemeine Krankenhaus geschafft werden. Löwenfelo besaß seinerzeit in der Tschechoslowakei mehrere Textilfabriken und führte in der letzten Zeit mehrere Prozeffe, die jedoch ungünstig für ihn ausgegangen und mit großen finanziellen Verlusten verbunden waren. Der 73jährige Löwenfeld hotte dadurch große finanzielle Sorgen, di« ihn schließlich;uin'Selbstmordversuch veranlaßten. London im Nebel. In London stieg am Montag die Temperatur plötzlich an, so daß sich rin dichter Nestel bildet«, der um die Mittags, stund« die Stadt in m i t t e r nä ch t li ch e F i n- st e r n i 8 hüllte.^-'•••••■ Auswanderung im Dezember 1832. Nach den vorläufigen Vormerkungen des Statistischen StaatsaMtes, zu deren Vollständigkeit noch Berichte aus 9 Bezirken fehlen, wurden im Dezember(November) 1932 Äuswandercrpässe ausgestellt: m Böhmen für 44(119) Personen, in Mähren-Schlesien für 32(2d9), in der Slowakei für 84(135), in Karpathorußland für 7(6), in der ganzen Republik für 167(559) Personen. Von ihnen gaben 103(451) Personen als Reiseziel europäische Staaten an, und zwar Frankreich 33 (10tz), Deutschland 6(16), Oesterreich 10(111, die Union der Soz. Sowjet Republiken 20(282), Belgien 7(12), Jugoslawien 19(8). Rumänien 3(1), Ungarn 3(3), sonstig« europäische Staaten 2(10) Personen. Ueberiecstaaten gaben als Retie- Ä»l im ganzen 64(108) Personen an, und zivar Kanada 8(21), die Bereinigten Staaten von Anierika 22(38), Argentinien 24(82), Uruguay 1(0), Brasilien 1(7) und sonstige Ueberleestaaten 8(10) Personen. Diese Statistik der nach Ueberseestaaten ausgestellten Auswandererpäst« wird durch die Statistik der zum Ueberieetransport übernommenen Auswanderer ergänzt, deren es im Dezember 1932 im ganzen 87(124) gab und die nach folgenden Staate« auSgewanoert sind: Kanada 41(26), nach den Vereinigten Staaten von Amerika 14(50), Argentinien 29(41), Uruguay 2(1), Brasilien 0(6) und nach sonstigen Ueberseestaaten 1(0) Personen. Randglossen. Eine fremde Sprache beherrscht du erst daun ganz und gar, wenn du in der Sprache in einem einzigen Satz zu einem folgendes sagen kannst: 1. er sei blöd, 2. das meinkessu du aber natürlich nicht so, 3. sondern im Gegenreu, er sei rin ungewöhnlich intelligenter Mann.(Und der Mann muß das glauben!) . O Ich bin Immer wieder tief erschüttert, wen» ich einen Mann irgend so einen prächtigen Vergleich lang ziehen höre, sehen Sie— so auch hier, und >s paßt genau großartig zusammen. .. Also das geht noch mit einem leichrrn Schwin- velansall ad. aber wenn ich dies höre: so und so Und zuletzt in Rednerhaltung:„So auch der Mensch!"— dann liege ich drei Tag« krank, und die Ar rzte zweifeln ernsthaft an meinem Aufkommen. .* Wer den kleinen Finger gibt——»Unfug", sagte mir einer, der etwas davon verstand,„stimmt gar nicht unbedingt Man kann reich dabei werden, den kleinen Finger zu geben und dann im richtigen Augenblick rasch die Hand zurückzuziehen." *„UedrigenS." sagte er noch,„man kann es sich noch verpatzen, wenn man sofort allzu laut .Aetsch!' ruft." * „Bitte, benehmen Sie sich, als seien Sie hier su Hause," sagte der Mann. Völkerbünde in alter zeit. Di« Gründung eines Völkerbundes ist nicht, wie meist vom gegenrvärtrg bestehenden gesagt wird,«ine ganz neuzeitliche Einrichtung. Schon die alten Griechen kannten Völkerbünde in ganz modernem Sinne in der Organisation der. sogenannten„Amph i.k- t y Y o n e n", denen in erster Linie di« Erhaltung des Friedens, in zweiter Linie di« Befolgung menschlicher Grundsätze im Kriegsfall« oblag. Es waren Bereinigungen ganz vrrschiedrnstämmiger in Griechenland ansässiger Völkerschaften. Später wurden auch di« von diesen gegründeten Kolonien in di« Bünde einbezogen. Die berühmteste dieser Verbindungen war di« delphisch-pylaisch«, die bei dem berühmten Heiligtum des Apollo zu Delphi ihre Feiern beging. Auch di« andern Bünde gruppt«rt«n sich um Heiligtümer, und jedes Mitglied mußte schwören, daß keine der Bundesstädte„von Grund aus zerstört oder ihr Wasser'abgegraben werden dürfe". Di« Hungerblockade war also unerlaubt. Auch den Gedanken eines Schiedsgerichtes kannte jene Zeit Amsterdam, Enste Jänner.(Eig, Ber.) Ju der nächsten Zeit will eine holländische Gesellschaft an die Bergung des englischen Kriegsschiffes Online" gehen, das Mitte Oktober 1799(!) an der holländischen Küste zwischen den Inseln Blieland und Terschelling mit 250 Mann Besatzung und einer Gold- und Silberladung im heutigen Werte von 14 Milloinen Gulden einem gewaltigen Novdweststurm zum Opfer fiel.. Die„Lutine" war ursprünglich ein mit 32 Kanonen oestücktes französisches Schiff, eins der größten Segelschiffe feiner Zeit. Im Jahre 1793 hatten die Engländer den Segler bei einem Angriff auf Toulon den Franzosen astgenommen. Als bei der großen Wirtschaftskrise des Jahres 1799 in Hamburg bedeutende englische Interessen auf dem Spiel standen, beschloß die Bank von England, den Hamburger Kaufleuten einen Kredit bis zur Hohe von 1.5 Millionen Pfund Sterling zu gewähren. Es wurden 140.000 Pfund in Gold» und Silbermünzen und der Rest in Goldstäben auf di«„Lutine" geladen. Die Fahrt wurde zur Todesfahrt... Der einzige Ueber- lehende der Katastrophe, der kurss nach seiner Rettung verstarb, konnte, noch berichtest, wie in der Nähe der hoflärchischen Küste ei« Sturm aufkam, der an Boid alles kurz und klein schlug: die Segel hinge« in Fetze» Heruntex und die Steuereinrichtung wurde unbrauchbar. So mußte oas Schiff zugrunde gehen. Zunächst überließ man das Wrack seinem Schicksal. Versuche in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts, den Goldschatz zu heben, scheiterten. Jetzt will man mit den neuesten technischen Mitteln die Schatzsuche wiederaufnehmen. * In den letzten Tagen haben wiederholt Sprünge vom Hebeturm der großen Rotterdamer MaaS-Eisenbahnbrücke in das eiskalte Wasser des Flusses von sich reden gemacht. So stürzte sich ein 22 Jahre alter Bursche vor den Auge« vieler Zuschauer aus einigen 60 Metern Höhe in v,e Flußtiefe, kam bald wieder zum Vorschein und schwamm an Land, wto man ihn in warme Decken packte und zum Polizeibüro brachte. Er hat seine Strafe zu erwarten. JnWischerr hat die Bevölkerung dem kühnen Springer. tn einem Rotterdamer Lichtspieltheater gehuldigt...— Der krankte Alle. Kriminalnovelle von P, Sohm. Wer je die seltene Gunst genießt, Kommissar Erk in seiner Privatwohnung besuchen zu können, der wird in dem einzigartigen kleinen Kriminal- museuni, das sich Erk im Laufe der Jahr« ans Trophäen und Erinnerungsstücken seiner Tätigkeit zusammengestellt hat, unter anderem auch einen kleinen, sorgfältig ausgestopften Affen bemerken. Das Tierchen schaut in seiner Pos« höchst lebendig aus und wer näher hinzutritt, der wird auf dem Brettchen, auf das es montiert ist, ein kleines Etikett finden mit den Worten:„Das Aesfchen des Herrn Fiedebusch, 23. März 1924, fünf Jahre." Die letztere Angabe bezieht sich nicht aus das Alter des Aeffchens, sondern aus die Anzahl der Jahr«, die Herr Fiedebuich als Pensionär des Staate- hinter schwedischen, Gardinen ver- brackt hat. Wenn nmn Erk einige dutzendmal« energisch und flehend gebeten hat, doch die Geschich'e dieses Aeffchens zum besten zu geben, vernimmt man schließlich die folgende Geschichte: „An einem windigen Febertag des Jahres 1924 kam zu mir eine alte, etwas beleibte und auch sonst sehr resolut« Dame und erzählte mir umständlich, daß ihr ein paar Schmuckstücke aus rätselhaft« Weise abhanden gekommen seien. Sie wisse genau, daß keine Person Zutritt zu dem Schmuck gehabt habe, denn sie wohne ganz alle:» und die Aufwartung verrichte ihre Aroest unter ständiger Beobachtung. Ein Einbruch sei nicht erfolgt, niemand habe di« Wohnung betreten Die Schmuckstücke, die sie unter Opfern aus der Inflation gerettet habe, seien sehr wertvoll— sie nannte eine hohe Summe— und seien leider nicht versichert gewesen. bereit». Der berühmt« griechisch« Geschichtsschreiber Thukydides(um 400 v. Ehr.) spricht von bies«r Einrichtung und sagt, es sei gottlos, gegen denjeni- gen vo^ugehen, der bereit sei,«inen Streitfall einem Schiedsgerichte zu unterbreiten. Der große athenisch« Reoner Jsokrates trat dafür ein, daß Friesen mit der ganzen Menschheit" geschlossen werden sollte. Auch hier ist also der Gedanke der internationalen Verständigung im weitesten Sinne ausgedrückt. Ueberhaupr geht ja di« Idee des Weltbürgertums auf di« alten Griechen zurück. Der erste, der sich einen Weltbürger(Kosmopolit) nannte, war der bekannte griechisch« Weis« Sokrates, dem man freilich den Giftbecher reicht«. Aber auch das Mittelalter kannte ähnlich« Gedanken. Ein französischer Advokat Dubois hat im Beginn des 14. Jahrhunderts in einer Schrift vorgeschlagen, alle christlichen Staaten sollten in Frieden miteinander leben und Streitfall« einem unter dem Vorsitz des Papstes stehenden Konzil unterbreiten, das aus souveränen Fürsten und Prälaten bestehen sollt«. Allerdings faßt« man damals diesen Gedanke» nicht völlig international auf, sondern beschränkt« ihn auf di« christlichen Staaten im Gegensätze zu de» Türken. Doch auch di« christlichen Staaten habe» in den folgenden Jahrhunderten diese Friedensgrundsätz« vergessen, wie wir schaudernd erlebe« mußten. H. L. was einem noch zwei Jahre jüngeren Burschen keine Ruhe ließ: er wollte den Rekord verbessern und aus 70 Metern Höhe in die Maas springen. Trotz aller Warnungen seiner Freunde erllomm er auch an einer der Polizei nicht sichtbaren Stelle den Turm, wartete, vis er genug Neugierige sah, winkte, sprang in die Tiefe und verschwand im Wasser. Nach stundenlangem Absuchen der Maas konnte der Unglückliche nur noch als Leich: geborgen werden. Kur; darauf wollte ein 32jähriger Monteur ebenfalls das Wagstück unternehmen. Er wurde aber von der Polizei rechtzeitig festgenommen. * In Amsterdam ist einer der modernsten Tunnel Europas im Rohbau fertiggesteltt worden. Der Tunnel, der unter der Schelde hindurchführt, besteht aus zwei getrennten Anlagen, von denen di« eine ausschließlich dem Fahrzeugverkehr, die andere den Fußgängern dienen soll. Der Fahrzeugtunnel ist 2110 Meter lang, der Fußgängertunnel nur 570 Meter. Während bei dem Fährzeugtunnel je eine lange Ein- und Ausfahrt schräg nach unten chezw.nach oben führen, wcr- oen hei.delN-Fußqängertunnel dies« langen Strek- ken durch Fahrstühle und Rolltreppen abgekürzt. Der neue Schelldetunnel wird dem großen Durchgangsverkehr zwischen Amsterdam und seiner Vorstadt St. Anneken dienen. Die Auspuffgase der Krafnvagen werden durch Luftschachte und Ventilatoren abgcfaugt. Große Kompressoren drücken beständig Frischluft in die Tiefe. Die Rolltreppen, die in die beiden Zu- gangsschächt« eingebaut sind, können 16.000 Personen in d«r Stunde befördern, die großen Fahrstühle jeweils 90 Personen. Bei der Herstellung des Tunnels verursachte, genau wie beim Berliner Untergrundbahnbau, der Flußsand besondere Schwierigkeiten. Immerhin konnte er» Teil der Arbeiten in offener Baugrube ausgeführt werden. Im ganzen wurden rund 130.000 Kubikmeter Sand und Erde abtransportiert und fast 30.000 Tonnen Gußeisen und Stahl eingebaut. Ferner. wurden 50.000 Tonnen Beton verbraucht. Man rechnet damit, daß der Tunnel im Frühsommer dieses Jahres dem Verkehr übergeben werden kann. Nun, ich tat, was eben zu tun war. Ich nahm ein Protokoll auf und schickte am Nachmittag einen Beamten hin, um sich in der Wohnung umzusehen. Ein Zufall— ohne Zufälle würden wir ja nur halb so viel Verbrecher erwischen— wollte es, daß mir am Abend beim Zeitunglrsen eine kleine Anzeige in die Augen fiel, „Kleines Aesfchen entsprungen. Braun, weiß« Ohren, lanaer geringelter Schwanz. Hört auf den Namen Pussy. Abzugeben gegen Belohnung bei Frau I. Es folgte di« Adresse der Frau, die mir am Vormittag ihr Leid mit dem gestohlenen Schmuck geklagt hatte. Ich ging gleich am nächsten Vormittag zu ihr und machte ihr Vorwürfe, warum sie mir die Flucht deS Aeffchens nicht gleich mit- geteilt habe. Sie meinte, daß sie mich mit dieser Sache, di« ja nicht in meine Zuständigkeit falle, nicht erst habe behelligen wollen. Es stellte sich heraus, daß sie da- Aeffchen erst vor wenigen Wochen bei einem kleinen Händler in einem Vorort gekauft habe. Eine Stunde später war ich schon bei dem Mann, der mich höflich aber wie mir schien, nicht gerade mit übermäßiger Freude empstng. Das Aesfchen, das die Dame gekauft hatte, war daS Stück einer ganzen Serie von den Tierchen, von denen der Händler noch viele auf Lager hatte. Er gab an, sic alle zusammen vor einigen Monaten aus Nebersee gekauft zu haben. Sie sahen sich alle so ähnlich, daß sie«,n ungeübtes Auge kaum auSein- anderhalten konnte. Di« Tierchen taten sehr zutraulich, kletterten auf Kopf und Schultern herum und waren recht Possierlich. . AIS ich schon fortgehen wollte, bemerkte ich abseits in einem Holzkafig noch ein einzelne- Aeffchen. Es sei krank, lagt« mir der Händler. ! Middumhanilel dordt WirtsMs- Krise. Opfer der Rot.— England besonders stark betroffen.— Rettung durch Kaltblütigkeit. In den letzten zwei Jabren war eine erhebliche.Zunahme des Mädchenhandels, dieses „Weißen Sklavenhandels", wie man ihn auch nennt, zu beobachten. Hutwerte von europäischen Mädchen, Engländerinnen, Französinnen, Spanierinnen, Portugiesinnen und Deutsche sind nach östlichen Ländern geschafft worden. Bei den Portugiesinnen ist festgestellt worden, daß sechzig Prozent der verschleppten Mädchen noch nicht vierzehn Jahre alt waren. Die Hauptzentren des Mädchenhandels in Europa sind Paris, Lissabon und London; aber auch Berlin spielt eine wesentliche Rolle. Die unheilvolle Ausdehnung des Mädchenhandels in den letzten Jahren wird von sachver- . ständiger Seite auf die schlechte Wirtschaftslage zurückgeführt. Viele erwerbs- und obdachlose Mädchen werden eines Tages von der Hoffnungs- losiakeit ihrer Lage übermannt, so daß sie wenig mehr danach fragen, wie das Los beschaffen ist, das man ihnen bietet, wenn sie nur überhaupt ein Unterkommen finden. Nie war für den weißen Sklavenhändler die Sachlage günstiger als heute, wo er in den Straßen aller Großstädte diese entwurzelten Mädchen finden kann... Gerade von England werden unzählige junge Mädchen verschleppt. Es wurde kürzlich beobachtet, daß ein berüchtigter Mädcherchändler mit einem der Wochenend-Ausflugsdampfer nach Frankreich fuhr, und zwar in Begleitung von zwei jungen Mädchen. Er ist von diesem Ausflug noch nicht zurückgekehrt, ebensowenig seine Begleiterinnen, und es wird befürchtet, daß die jungen Mädchen bereits nach Buenos Aires gebracht wurden. Dieser Weg ist verhältnismäßig einfach, da solche Wochenendausflügler keinen Paß brauchen, so daß die Mädchenhändler also ihre Opfer ganz unbemerkt aus dem Lande bringen können. Auf dem Festlande werden dann gefälschte Pässe beschafft und damit die Spur der Unglücklichen nach Möglichkeit verwischt. Erst kürzlich entgingen zwei junge Mädchen durch ihre eigene Kaltblütigkeit ihrem Schicksal. Es handelte sich um zwei junge Angestellte. Sie lernten zwei Männer kennen, oie sie überredeten, mit ihnen einen Wochenendausflug nach Frankreich zu machen. Sie glaubten, daß es eine lustige Fahrt werden könne und willigten ein. Aber als sie in Frankreich waren, schlugen die Begleiter ihnen vor, mit ihnen nach Südamerika zu fahren. Die jungen Mädchen weigerten sich, da aber ließen die Männer die liebenswüroige Maske fallen. Sie drohten den Mädchen, Gewalt anzuwenden. Glücklicherweise hatte das eine der jungen Mädchen die Geistesgegenwart einen Schutzmann W riffln, der gerade astdMvHausc vorüberging. Ta nahmen die beiden Manner rciß- aus, da sie vermutlich Grund hatren, ein Zusammentreffen mit einem Polizeibeamten zu scheue». Weniger gewitzigte Mädchen hätten sich vermutlich verschleppen lassen. Auf andere Weise ist die ständig steigende Zahl vermißter junger Mädchen kaum zu erklären, die aus ihrem Elternhaus verschwinden und später nicht mehr aufzufinden sind.— Die Mädchenhändler sind mit schweren Strafen bedroht, aber es ist so viel Geld bei diesem schmutzigen Geschäft zu verdienen, daß sie trotz allem immer wieder das^Wagnis unternehmen. Nur Aufklärung kann ihnen entgegenarbeiten. Wenn jedes junge Mädchen auf die Gefahren des Mädchenhandels aufmerksam gemacht wird, werden sich weniger Leichtgläubige finden, die den Händlern in die Falle gehen. H. P. OensMnr Xraaet Bet ieOer Oeleaenftett euer Als ich an den Käfig trat und an die Gitterstäbe faßte, faßte das Aeffchen blitzschnell nach meinem Ringfinger, auf dem ein Siegelring steckt«. Es sog unter dem strengen Blick des Händlers, der sichtlich erschrocken war, die Pfote sofort wieder zurück und ich ließ mir nicht das geringste anmerlcn. Nun, der Rest der Geschichte ist bald erzäisti. Einige Tage später sprach bei dem ehrenwerten Händler wieder eine Dame vor. Aber eine, die wir geschickt hatten. Freudestrahlend zog sie mit einem Aeffchen ab und nahm es mir in ihre Wohnung. Zwei Tage später war es vcnchwun- den, mit ihm eine Perlenkette aus„echtem" Straß. Wenige Stunden nach dem Diebstahl>ah ich mir die Nein« Menagerie des Herrn Frede- busch zum zweitenmal an, in Begleitung oö't zwei Beamten. Das kranke Aeffchen lag in ieincin Käfig, die Perlenkette lag Mir nicht bei ihm dafür aber nahm ich mir die Freiheit, seine Pfoten anzuschauen. Die Schatulle, aus der die Perlenkette geklaut worden war, war nämlich ganz mit gelbem Anilinstaub angefüllt und die Pfoten des Aeffchens wiesen überall noch Spuren davon auf.' Die Untersuchung ergab, daß Herr Fiedebusch immer das„kranke" Aeffchen verkauft hatte, während die andern nur als Attrappe dienten. Es war wunderbar auf Schmuck aller Art dressiert und fand stets den Weg zu seinem .Herrn zurück. Es hörte genau auf einen bestimmten Pfiff und erwies sich in jeder Beziehung als das gÄehrigste Tierchen, das ich je gesehen habe. Da sich die letzte Besitzerin entschieden welget!« das Aeffchen zu behalten, nahm ich es zu»mr wo eS sich noch drei Jahre ,eines Leb«' erfreute." Das ist die Geschichte des Aeffchens von Herrn Fiedebusch. WWWWW»WMWWMMWWlUlWlMWiIWWlWWWWWUWWMMWMWMI«M1lWMWMWMMWNIMMWMMWIM Taurher, Turm und Xnnnel. DeKMttfAc XageeorFerfi<9e—»er«SoidffeVaG»er„tNtme".— Xon- fttftne Onoae-(Sprünge.—»te 6*el»f tote* unterquert I Seite 8 Tieu-tag, 81. Aidm« 1838 Ät. 26 PRAGER ZEITUNG a. Gerichtssaal Kunst und Wissen ist E. Uhr Aus der Partei Mitteilungen aus dem Publikum. Ärztlich «mofoMer Serienerfolge dieser S Alle Rheumatiker müssen diese Anzeige unbedingt im eigenen Interesse lesen: H. Dr o- Toller!„Blinde Göttin" als Arbeitervorstellung vermochte nicht so viele Besucher ins Theater zu führen, um es zu füllen. War der Besuch auch nicht gerade schlecht, so gab es doch viele Lücken. Die Ursache? Keineswegs allein die Aufnahme des Ztük- kes durch die Kritik, die übereinstimmend neben dichterischen Szenen mancherlei Schwächen fcstgestellt hatte. Sondern eher, daß immer noch, auch in unseren Reihen, das Probkemstück weniger inter- essiert als das bloß Ablenkung und Zerstreuung bietende.— Das Publikum folgte mit großer Aufmerksamkeit den Vorgängen auf der Bühne, bereit, sich vom Dichter führen zu lasten. Aber es wurde Bon der Rettungsstation wird mftgeteilt: Sonntag nach 18 Uhr stieß in der Biegung oberhalb der Walterfabril in Jinonic« ein Au t o b u s der Haupt- stadt Prag mit einem Lastauto zusammen. Der Unterbeamte des LandeSauSschustes a. D. Jose' MaStik erlitt bei dein Zusammenstoß Rißwunden am Kops«. Zwei Frauen wurden leichter verletzt. Mastik wurde in die chirurgisch« Klinik des Allgemeinen Krankenhauses übergeführt. Philosophische Strömungen in der Sowjetunion ist das Thema des Vortrages des Univ.-Prof. Dr. Philipp Frank, der am Mittwoch, den 1. Feber, im großen Saal« der philosophischen Fakultät, Prag I., Smetanovo nümösti 55, stattfindet. Beginn um halb 2V Uhr..Nach dem Bor- trage werden Anfragen beantwortet. Regiebeitrag 8 K, Arbeiter und Studenten 1 K.— Veranstalter: Gesellschaft für wirtschaftliche und kulturell« An- Näherung mit der UdSSR, und Filosofickü jednota in Prag. Der uneheliche Sohn. Prag, 30. Jänner. Der 21jährige Emil angeklagt der wiederholten gefährlichen hung gegen seinen unehelichen Vater und besten Lebensgefährtin. Der. junge Mann hat, nicht ohne eigene Schuld, in seiner Existenz Schiffbruch gelitten. Sein Vater hatte ihn seinerzeit bei einer Krankenversicherung eine Anstellung verschafft, die sich der Angeklagte leichtsinnig verscherzte. Er kam in äußerste Not und verlangte von seinem Vater, er solle ihn nochmals irgendwo unterbringen. Dieser wollte jedoch von seinem Sohn nicht! mehr wisten und verweigerte ihm auch geldliche Unterstützung. Schon damals(im Juni v. I.) kam es zu einer heftigen Szene, wobei Emil H. nicht, nur seinem Vater mit dem Tode drohte, sondern insbesondere auch besten jetzige Lebensgefährtin, die er offenbar als Urheberin der väterlichen Abweisung betrachtete, gröblich beschimpfte. Schließlich hob er einen Stein gegen sie auf und mußte endlich von Gendarmen entfernt werden. Der junge Mann verkam immer mehr. Eine Stellung fand er nicht und so trieb ihn die Not im August nochmals zu seinem Vater nach Eule, dem er"erklärte, er hab« für ihn zu sorgen. Als dieser erwiderte, er habe das Seinige bereits getan, nannte er ihn einen„Hurenkerl" und' wiederholte seine Drohungen in nachdrücklichster Weife. Auch diesmal mußte die Gendarmerie eingreifen. - Schließlich verlangte der Angeklagte brieflich -ISO X, um angeblich eine Stellung bei Baka anzutreten. Er erhielt das Geld auch, fuhr aber nicht -nach Zlin, sondern trieb sich nach eigener Aussage in Prag herum und als das Geld zu Ende war, begann er seine hier lebende Mutter und deren Schwester um Unterstützungen anzngehen. Freilich konnten die Frauen, die selbst Nichts haben, nicht viel tun. So erschien er am 30. Dezember nochmals in Eule und diesmal gab es einen derartigen Auftritt, daß der Vater, der bisher die Gendarmerie davon abgehalten hatte, die Sache wtiterzuleiten, nun selbst die Verhaftung des Angeklagten veranlaßte. Bor dem Senat des HGR: Trost, wo heute dieser düstere Fall verhandelt wurde, gebärde« sich der junge Angeklagte zuerst überaus bockig. Es zeigte sich aber bald, daß dieser Trotz nicht so sehr seiner Natur entspringt,.als einer tirfgehenden Verbitterung, die wohl bis auf seine freudlose und unbehütete Jugend zurückreicht, neuerlich verstärkt durch das monatelange, aussichtslose Elend des heutigen Arbeitslosen. Als sein Vater als Zeuge austrat, brach der bisher überaus aggressive Angeklagte, der färben noch sich selbst, seine Eltern und di« ganze Welt verflucht hatte, auf ' einmal in lauft! Weinen aus und stammelte eine Bitte u m B e r z e i h u n g. Der Vater, selbst vom Weinen geschüttelt, verzieh und entschlug sich der Aussage. Nicht so seine Lebensgefährtin, die ihre ■ Aussagen in keiner Weise milderte und erklärte, die st r e n g e Bestrafung des jungen Mannes zu wünschen.- .Da der Angeklagte pn Dezember v. I. wegen eines Eigentumsdeliktes zu einer bedingten Kcrkerstrafe von zwei Monaten verurteilt worden war, erkannte der Gerichtshof heute zwar auf eine Zusatzstrafe von weiteren drei Monaten Kerker. Zum Beweise aber, daß er den Angeklagten nicht für einen unverbesserlichen Uebeltäter halte, wurde auch die Zusatzstrafr bedingt ausgesprochen, mit einer Bewährungsfrist von drei Jahren. Der Angeklagte, der mit seinem rotgeweinten Gesicht und in seiner vollkommenen Zerknirschung einen unsäglich jugendhaften Eindruck machte, versprach auf die Mahnung des Vorsitzenden hin, keine Dummheiten mehr zu machen. Allem Anschein nach wird der Vater sich des jungen Menschen noch einmal annehmen und mit diesem tröstlichen AuSgang wurde der Fall geschlossen. rb. 3lnr M! m Snt M 3n leam» •cfAifttatna bat be» Umsatz M wetetdrnen*er fbw»ea«t Ma Seichäft«Mges Ilaria» bringt ■ab sichert. Es ist rta mtMrrib koset Lebokatz: Mar Lmsatz betagt cbetvinnt Neuer Gerichtsdolmetsch. Herr JUDr. Richard Stränsk^, Advofat in Prag ll., Havlikkovo nämesti 25, Telephon Nr. 2Ä—09, wurde mit Dekret des Prager Obergerichtes vom 30. Dezember 1932, Praes. 49019/5/32 zum ständigen beeideten Dolmetsch der deutschen Sprache bestellt. 100 HERVEA(Diätetikum) gegen Gesuchsteller wie Verband svorstand. Beide Gauvertrzter gehören dem Fußballklub Sparia in Karlsbad an, der ja im Westen wegen seiner besonders hypernationalen Einstellung belangt ist und der nationalsozialistischen Partei sehr nahe stehe» soll. Das Ansuchen des KFK. wurde schließlich ablehnt, da außer dem West- auch der Nord-(Rei- chenberg) und„überraschenderweise" der Nordost- Gau(Troppau) dagegenstimmten. Die Leitung dieser Gaue ist fast ausschließlich i» Händen von Leuten, die den Nazi! seht nahestehen. Das„unpolitische" Gesicht del DFV. hat di« Maske etwas gelüst«!. War auch Erstaunen und etwas wie Empörung bei der Taguai über da!„politische" Auftreten— speziell d«r West gauvertrettr-^ vorhanden, so vielleicht nur deshalb weil er„peinlich" wirkt, daß der S ch e i n eines unpolitisch sein wollenden Verbandes flöten ging niib aüfzeiglr, daß es mit der so oft gepriesenen und beteuerten„Neutralität" nicht weis her ist eine wunderbare tropisch) Pflanze. voo dar man einen wohlschmeckenden Tee ent einfache Art zubereitet, bringt Ihnen Erleichterung. Lebensfrische und Oe« sundbeit, sie scheidet die Harnsäuregiite aus und ver bötet deren neuerliche Ansammlung im KBrper. Tausende begeisterte Dankschreiben aus allen Gegenden haben wir Io kurser Zeit bekommen und viele bekannte Ärzte haben sich bereits lobend Ober die Wirkung des HERVEA(Dittetikum) ausgesprochen. Einige notariell bestätigte Urteile aus dem Publikum: Frau M. Rüiiöka in Chocerady schreibt: Leide schon einige Jahre an Rheumatismus und war einigemal ohne Erfolg in Bädern. Vor kurzem las ich Ihre Anzeige Aber HERVEA. kaufte mir den Tee und nach Gebrauch konnte Ich feststellen, daß die Schmerzen nachlleBen und nach kurzem Gebrauch voll kommen verschwanden. Jetzt trinke ich den Tee regelmäßig zweimal tlglicb. fühle keine Schmerzen und bin Ihnen wirklich dankbar, daß Sie mich von meinen furchtbaren Schmerzen befreiten. Frau L. 5. in Prag. Bachmaögkä 13, schreibt: Der Tee ist angenehm zu trinken und leb mich täglich wobler und frischer. Herr F. Ordelt in Weiükirchen schreibt: Den Tee habe ich erhalten und fühle bereits große Besserung nach dem ersten Paket Herr U. K. in Prag XL. Havlfökova O. schreibt: Nach dreitägigem Gebrauch vm HERVEA kam Ich den Erfolg nicht genug loben, es ist einfach eine Überraschung. Massieren, Pflaster usw. hatten keinen Erfolg, leb kann AUS VOLLSTER ÜBERZEUGUNG SAGEN. DASS ICH BEREITS NACH EINEM PAKET HERVEA DURCHDRINGENDEN ERFOLG verspüre. Meine Frau batte Verstopfung, sie trinkt den Tee ebenfalls mit bestem Erfolg. HERVEA Ist einfach ein Unikum. So lauten die Urteile, dtp uns in den letzten Tagen von begeisterten HERVEa, Trinkern zu gekommen sind. Wollen Sie letzt nicht auch einen Versuch machen, um sich von den Quälendem; Leiden zu befreien? Wir geben Ihnen die Möglichkeit eines Versuches, ohne dafi Ihnen irgendwelche Kostet^ entstehen.' Schreiben Sie uns. uoCb beute, kleben Sie den Gratiskuoon an und wir schicken Ihnen vollkommen umsonst’eine kleine Menge Tee, damit Sie sich von dessen j vorzüglichen Wirkungen selbst überzeugen können. Es kostet Sb nichts und Sie werden es nie bereuen.| H. J. Lae, VegetablliengroÜhandlnng. London« In der Tschechoslowakischen Republik Gratismuster nur bei BRAUNERS APOTHEKE IUM WEISSEN LÖWEN. PRAG II. Ptlkbpy 12 Kinderfreunde Rrag. Der Kindernachmittag am 1. Feber findet, da bi« Holefchowitzer Schul« wegen der Semesterserien geschloffen ist, ausnahmsweise in der G e c statt. von den beiden ersten Akten nicht gepackt, genau so wie das in den früheren Vorstellungen war, erst manche Szene, manche Teilszene de! großen Aktes, der vor Gericht spielt, rissen mit,— dann weckten die Kerker-Szenen menschliches Mitgefühl. Daß die Rede, die der Verteidiger dem seinen Irrtum bekennenden Sachverständigen hält, so viel Beifall folgte, ist weniger auf dichterische Kraft dieses Bildes, als auf die hier sich offenbarende, vom Publikum begrüßte Gesinnung zurückzuführen.— lieber das Spiel ist, da ja erst vor wenigen Tagen an dieser Stelle die Erstaufführung besprochen wurde, nicht! zu sagen. Als das Spiel aus war, verließen die Besucher unschlüssig,, nachdenklich, nur halb befriedigt, noch über Weg und AuSklang dieser seltsamen Kriminalaffäre grübelnd, das Theater, gewiß einverstanden mit den Absichten des Dichter!, bezweifelnd aber, daß ihm gelungen, was er gewollt.—fb— Wochenspielplau des Reuen Deutscheu Theater! Dienstag, halb 8 Uhr:„Wenn'die kleinen Veilchen blühen."(A 2.)— Mittwoch, bald 8 Uhr:„Figaros Hochzeit."(B 1.)— Don nerstag, 8 Uhr:„Die geliebte Stimme"— „Oedipus".(C 1.)— Freitag, halb 8 Uhr: „Leinen aus Irland", Gastspiel Curt Bois. tD 1.)— Samstag, halb 8 Uhr:„Leinen au! Irland". Gastspiel Curt Bois.(B 2.) Wochenspielplan der Kleinen Bühne. Dienstag 8 Uhr:„Der Geisterzug."(Bankbeamten ll.) — Mittwoch, 8 Uhr:„Ein Held gesucht."— Donnerstag, 8 Uhr:„Ein Mustergatte."- Freitag, 8 Uhr:„Salon Pitzelberger"— „Die schöne Galath 6 e."(Kulturverbands, freunde.)— Samstag, 8 Uhr:„Salon Pitzel- berger"—„Die schöne Galathse." Jugendbewegung. Sozialistische Jugend, Prag.(2. Kurs d 1\ Arbeitsgemeinschaft.) Heur- abends 2t) U* 1 spricht Genoss« Dr. Franzel über.^Kullurprograo^ der Sozialdemokratie'. Pünktlich kommen! Dann^ berg-, Linzer und tschechisches Parteiprogramm in:' bringen! Rot« Falken, Prag. Ledellerkameradschast. abends Singstunde. 6 Uhr, Verein deutscher Arbeit Fkper-Beiträge mitbringen! Freie Bereinigung soz. Akademiker— S. Mittwoch. 1. Feber, 8 Uhr, im Heim(Bartos mdjflä 14), Genosse Dr. Paul Ehrli* ,,R«chtsauffassung des Marxismus"- Matteottikameradschaft— Jungsalken, Prss Mittwoch um 19 Uhr vormittags im Liga außerordentliche Zusammenkunft'/ Freitag um 4 Uhr irachmittagS im V««in x* scher Arbeiter Bastelnachmittag. Es ein« große Nadel, Schere und Spagat mitzubrrus- Sperettenabend in der Kleine« Bühne. Die Gegenübevstellung Pariser und Wiener Operettenstiles, wie sie in den Namen Jaques Offenbachs und Franz von Supp 4 s zum Ausdruck kommt, ist neuestens sehr in Mode gekommen. In der Kleinen Bühne hörte man vergangenen Sonntag Offenbachs„Salon Pitzelberger", die zeitlose Neureichen-Satire, neben Suppe» Altertums-Parodi«„Die schön« Gala th6e", und die Dresdener staatsoper bringt gegenwärtig Offenbachs„Insel Tulipa- tan" zusammen mit der„Schönen Galathöe" Suppes im Repertoir. So lernt mau in anschaulichem Bergleiche jene Meister der Operette kennen, dieHben dem Wiener Johann Strauß und dem Franzosen Lecoqu« im vorigen Jahrhundert tonangebend waren: Offenbach, das gruiale Original der parodistischen Operette, und Supp6, seinen gewandte» Nachahmer. Aber es hat keinen Sinn, die Werke leider zu mehr zu machen, als sie waren und sind; sie als Buffo-O Pern zu deklarieren. Sowohl Offenbachs„Musiguettes" als auch Suppös Operetten waren nichts anderes als Unterhaltungsstücke dieser beiden Theaterkapellmeister für deu praktischen Bedarf ihres Publikums.— Wie weit Offenbach seinem Wiener Kollegen in der Treffsicherheit des leichten, unbeschwerten Musikstiles voraus ist, lehrte dieser Operettenabend schulmäßig. Di« ungezwungene parodistische Art Offenbachs, sein« prickelnden Rhythmen, sein« dahinplörschernden Melodien und die Natürlichkeit und Anmut seines KonvevsationSstiles ergeben sich von selbst, während SuppöS Musik bei aller rhythmischen Schmissigkeit und melodischen Schönheit doch allzu sehr von lyrischen Elementen und übertriebenem Pathos beschwert bleibt. Diesen Mängeln der Sulppöschen Operette„Di« schöne Galakhöe" abzuhelfen, war das Ziel ihrer neuen Bearbeiter Kurt Robitschek, Max Hansen, Pauk Morgan, Fritz Rotter und des Komponisten Wilhelm Groß. Sie haben das Werk nicht nur lextlich modernisiert und dem Zeitgeschmack an- göpaßt, sondern auch musikalisch leichter und freier gestaltet.— Di« Aufführung beider Werk« war ausgezeichnet. Schon in der Inszenierung und Regieführung Renato M o r d o s zeigte sich das Bestreben, Witz und originelle Einfälle zur Geltung zu bringen. Rur die auffällige Ausnützung der Suppeschen Operette zu R^lam« zwecken einer Prager Tageszeitung hätte man wohl, um geschmackvoll zu bleiben, vermeiden sollen. Äm„Salon Pitzelberger". dessen Brennpunkt ein« glänzende Opernparodie als Hauskonzert ist, waren es die Damen Walter und Sommer sowie die Herren Dörner, Dudek, Stadler und Hey, di« sich in passioniertester Weise ihrer Rollen angenommen hatten; in der „Schönen Galathöe' verdienen insbesondere die Leistungen des in glänzender Laune spielenden Türners, Dudeks und Stadlers, der bildschönen Galathbe Küche Walters und der wie immer entzückenden Fee R e i ch l i n lobendste Anerkennung Weniger befriedigt— als Darsteller und Sänger— hat Herr Li- al als Bildhauer Pygmalion. Vorzüglich besetzt waren drei kleiner« Rollen mit den Herren Padlesak und Taub sowie Frl. Kone tz u i(Stimme der Venus).. Temperamentvoller Dirigent des Operettenabends war Paul Komlos. der aber für noch besser« dynamische Abstufung sorgen könnte. Das Publikum Unterhielt sich glän- zend, so daß mit einem Operetten-Einakter zu rechnen ist. BOrgerllchar Sport. Tagung ves Äemslyerr Kvhbaü- «ervanöes. Oberklasse beschlossen.— Offizielles„Auftreten" uat onalsozialistischer Sport-,Führer". Der DFB. hielt am Sonntag in Prag seine mit .''«l Spannung erwartete Jahrestagung ab. Bon den BerhandlungSgegenständen beanspruchte die Forderung nach Schaffung einer Extraklasse besonderes Interesse. Die einzelnen Gautagungen halten be- kanntlich keine einheitliche Auffassung iu dieser Frage gebracht und man war daher gespannt, wie der Berbandstag um die ,Märung" der Dinge her- umkommen wird. Di« Verbandsgeschäftsstelle hatte außerdem einen„vorsorglichen" An:rag e.»gebracht, der di« Entsche'dung betreffs der Oberklasse in die Hände des Berbandsvorstandes legen wollt«. Dieser Antrag wurde aber nach Widerspruch zurückgezogen. Nach Debatte erklärten sich aber doch alle Gaue mit einer Oberklasse, die von sieben Vereinen gebildet wird, einverstanden. Gleichzeitig wurde auch die Neueinteilung der Meistersthaft für di« 1. und 3. Klasse gntgcheißen. Das Wort„Amateurismus" stand nicht in d«m Vordergrund der Beratungen. Bei den Wahlen wurde einstimmig der alte Vorstand wiedergvwählt. War bisher der politische Anstrich nicht sehr in Erscheinung getreten, so geschah dies bei den„Freien Antrag«»" um so deutlicher. U. a. wurde über da! Ansuchen des Karlsbader FK. zwecks Nachlaß der ihm wegen der„Pokalliga" aufdikti«r- ten Geldstrafe verhandelt. Gegen diesen Antrag sprachen u. a. besonders unsachlich, aber dafür mit um so mehr heftigen politischen Tönen^di« Vertreter des Westgaues, Dr. Langhans und Frredl Besonders Dr. Langhans trumpfte auf und wettert« Da! Winterpokalturnier wurde auch Sonn>aS wieder fortgesetzt; kaum 3000 Zuschauer hatten st» zu dieser Doppelveranstaltung eingefunden—.'asst neuerdings«in finanzieller Mißerfolg! Slavia f«? tigte im Vorspiel Viktoria Pilsen mit 4:2(2• ab. Di« Pilsener waren den Siegern ziemlich gleich wertig, halten aber nicht so glückliche Torschütz«"- Das Hauptinteresse war wiederum auf die Teplitzeia:«»erden lau» iaris billigst berechn«. Per öjreren lktajchalinugen Preiinachlaft.-- Rückstellung von Mannjlripte»«rsolgr nur bei ikraiendung ft« Retourtnarle».