70 Heller 13 Jahrgang. Mittwoch, i. Feber 1933 Nr. 27. A Zum Abwehrkampf bereit Sozialdemokraten wünschen Verständigung mit den Kommunisten Berlin, 31. Jänner.(Eigenbericht.) Breitscheid gab heut« während den Beratungen des sozialdemokratischen Parteivorstandes die Erklärung ab, daß mit dem neuen Kampfabschnitt gegen den Fascismus auch der Wunsch vorhanden sei, mit de» Kommunisten in ein besseres Die Reaktion regiert I Bereitschaft der Arbeiterklasse. Verhältnis zu kommen. Inwieweit das möglich sei, hänge einzig und allein von dem Verhalte« der Kommunisten ab. Die Arbeiterschaft müsse sich darüber klar sein, daß der Klassenkampf einer außerordentlich ernste» Situation entgegen« gehe und sich daraus einrichten. Berlin, 31. Jänner. Im Reichstagsgebäude fand heut« ein« gemeinsam« Sitzung des Vorstandes der sozialdemokratische« Partei und der Eisernen Front sowie der ihr angeschlossenen Organisationen statt. Der Frattionsvorsitzende Dr. B r«i t sch«i d gab ein Bild über di« Entwicklung der politischen Lag« und bezeichnet« die neue Regierung als di« reaktionärste, di« Deutschland jemals gehabt hab«. Di« Arbeiterschaft vertraue nicht Hindenburgs,, der einen vollkommenen Bruch mit der bisherigen Richtung des Reichs- präsidcntenpalais bedeute. Das überaus Peinliche an dieser präsidialen Lösung sei darin zu erblicken, daß nunmehr die Macht des Reichspräsidenten von einem Parteimann reinsten Wassers in Anspruch genommen werde, der nur das eine Ziel kenne, die Stellung seiner Partei zu stärken und, wenn irgend möglich, zu einer ausgesprochenen Parteiherrschaft über den Staat auszubanen. Das ungeheure Risiko einer Kanz- lcrsck)aft Hitlers liege aber nicht nur in der nationalsozialistischen Bewegung, sondern fast noch mehr in der Person Adolf Hitlers selbst, was von niemand bestritten werde, der Sie persönlichen Verhältnisse im Braunen-Hause kenne. Eine Antwort an Adolf Hitler. Am kommenden Sonntag marschiert das rote Berlin. Die deutsche Sozialdemokratie hat den s der Titel des Aufrufs zu dieser wichtigsten Kund- Kampf gegen die neue Reichsregjerung bereits! gcbung des Berliner Proletariats seit dem Beausgenommen. Dem Aufmarsch der SÄ, der am! stände der Deutschen Republik. Montag zu Ehren Hitlers in Berlin stattfand und Diese Kampfansage der deutschen Sozial- nach den Berichten der Nazis de» Aufbruch des i demokratie wird das Berliner Proletariat ans neuen Deutschland verkörperte, stellt sie eineu I die Straße bringen; die kommunistischen Arbei- neuen Ausmarsch der Berliner Ar» ter werden l8elegenh«it haben, den Willen zur beiter entgegen, der am kommenden Sonntag I Einigkeit im Kampfe gegen die Reaktion zu beim Berliner Lustgarten stattsinden wird.„Das I weisen. Das Volk marschiert, wer die Freiheit rot« Berlin antwortet Adolf Hitler!" Das ist' liebt, wird sich ihm anschließen. darauf, daß den.Anhängern Hitlers bald di« Augen übergehe« würden, sondern sie stehen bereit, um■ den Abwehrkampf gegen all« verfassungswidrige« Bestrebungen zu führen. Die Opposition der Sozialdemokratie gegen das neu« Kabinett sei- eine Selbstverständlichkeit. Sie werde sich im übrigen ihre Taktik nicht von den Gegnern vorschreiben lassen, sonder» selbst darüber bestimmen, wann und wi« st« ihre Kräfte einsetze. Scharfe Ablehnung durch die Bayrische Volkspartei. München, 31. Jänner.(Eig. Trahtb.) Das Urteil der Bayerischen Bolkspartci über die Regierung Hitler- Hu ge n b c rg ist scharf ablehnend. Eine parteiosfi,zielte Auslastung erklärt unzweideutig, daß die Bayerische Volks- Partei für eine Tolerierung der jetzt gefundenen Harzburgcr Lösung nicht zu haben ist und daß sie frei sein wollen von jeder Teil-' Haberschaft an dem, was sich jetzt als Führung der Nation auftue. Im besonderen richtet sich die Kritik dcr Bayerischen Vollspartei gegen den- Um fall listen! Nationalsozialistinnen! Meine Parteigenossen und Genossinnen! Ein vierzehnjähriges, in der deutschen Geschichte wohl beispielloses politisches Ringen hat nunmehr zu einem großen politischen Erfolg geführt. Herr Reichspräsident von Hindenburg ernannte mich, den Führer der nationalsozialistischen Bewegung zum Kanzler des Deutschen Reiches. Nationale Verbände und Parteien schloflen sich zum gemeinsamen Kampfe für Deutschlands Wiederauferstehung zusammen. Die Ehre der deutschen Geschichte, nunmehr an diesem- Werke führend teilnehmen zu dürfen, verdanke ich neben dem großherzigen Entschluß des Generalfeldmarschalls Eurer Treue und Anhänglichkeit meinen Parteigenossen. Daß Ihr mir in trüben Tagen genau so unerschütterlich gefolgt seid, wie in den Tagen des Glücks und treu geblieben seid nach schwersten Niederlagen, dem allein verdanken wir diesen Erfolg. Ungeheuer ist die Aufgabe, die vor uns liegt! Wir müssen sie lösen und wir werden sie lösen!. An Euch, meine Parteigenossen, richte ich nyr di« eine große Bitte: Gebt mir Euer Vertrauen und Euere Anhänglichkeit in diesem neuen und großen Ringen genau so, wie in der Vergangenheit— dann wird. uns auch der Allmächtige seinen Segen zur Wiederaufrichtung eines Deutschen Reiches der Ehre, der Freiheit und des sozialen Friedens nicht versagen. Berlin, 30. Jänner 1933. Adolf Hitler." Das Zentrum noch unentschlossen. Berlin, 31. Jänner. Heute vormittag hatte Reichskanzler Hiner mit den Parteivorsitzenden des Zentrums, mit Prälaten Dr. Kaas und dem Vorsitzenden der Reichslagsfraktion des Zentrums, Dr. Perlitius«ine längere Besprechung über die noch Bildung der neuen Regierung geschaffne politische und parlamentarisch« Lag«. Prälat jkvas stellte in Vertretung der Zen- trumspartei eine Reihe von Fragen über den in Aussicht genommenen politischen Kurs der neuen Regierung. Eine Beantwortung dieser Fragen, deren genaue Fixierung noch erfolgt, hat sich der Reichskanzler Vorbehalten. Die Zentrumsfraktion des Reichstages setzt« heute Älachmittag ihre politische Aussprache fort, nachdem die Fraktionsführer dem Reichskanzler Hiller aus dessen Ersuchen die Fragen schriftlich skizziert halten, die das Zentrum über den neuen politischen Kurs zu stellen wünschte. Von der Beantwortung dieser Fragen wird das Zentrum seine Stellung zum Kabinett Hitler abhängig machen. Ueber den Inhalt der Fragen des Zentrum- dürfte offiziell erst etwas bekannt werden, wenn/eine Antwort des Kan^ers.dazu vorliegt. Wie PDZ. hört, sollen sich die Fragen auf die dersaffungsrechtlichen, sozialpolttiscbtn und die wirtschaftlichen Prögrammpunkte des neuen Reichzkabinetts dezirAn. Di« Zenirumsfraktion des Reichstages führte nach einem Referat' des Prälgzeu KaoS ein« längere politische Diskussion, chirt fevoch, bereits zu Beschlüssen zu kommen.' Christliche Gewerksthalfen Segen neuen Kurs. Berlin, 31. Jänner. Die christlichen Gewerkschaften veröffentlichen eine Erklärung, in der es heißt: Reichspräsident von Hindenburg hat mitten in der schweren Krise, die aus dem deutschen Volle lastet, eine folgenschwere Entscheidung getroffen, beeinflußt von nicht verantwortlichen Ratgebern, hat er der Regierung Schleicher das Vertrauen entzogen. Der politischen Betriebsamkeit> von Papens gelang cs, die nationalsozcali- stsiche„Arbeiterpartei" und die soziale und Politische Reaktion, die sich noch gestern lärmend bekämpften, zusammenzüführen. Politischer Machthunger der Nationalsozialisten, Subventionsgier und HcrrschaftSdünkel ostelbischer Großagrarier und die arbeitcr- u. gewcrkschafts- stindliche Gesinnung Hilgenbergs fanden sich Zum Bunde gegen den sozialen Willen deS verfassungstreuen deutschen Volles. Hindenburg bot das Kabinett der Harzburger Front, der Front der Gegner seiner Wiederwahl zum Reichspräsidenten, unter Hitler bestätigt. Der dolls- und arbeiterfeindliche Wille der Huaen- berg und Papen wird den RegierungSkurs bestimmen. Die Arbeiterschaft, di« Arbeitslosen, bi« Sozial- und Kleinrentner, das werktätige Voll in Stadt und Land sollen wiederum die "eidtragenden sein. Die Gefahr des unversöhnlichen Auseinandcrbrechens des deutschen Volkes ist da. ArbeHsremt und Tarifwesen ltnzmeru aosneliefert. Berlin, 31. Jänner. Bei den Verhandlung«« zwischen dem Zentrum und den Vertretern der Harzburger Front, machte d«r Reichs- erbeitSminister Seldte di« Mitteilung, daß von Kun an Arbeitsrecht und Tarifwesen dem Wirt- schastsministerium unterstellt sei. Damit wurde also gesagt, daß das Schicksal der deutschen Arbeiterklasse dem erzreaktionären Scharfmacherführer Hilgenberg ansgeliefert worden ist. Goerlntf will Reichstags* prastdeni bleiben! Berlin, 3t. Jänner. Wie BDZ hört, beabsichtigt Rcichstagspräsrdent Goering vorläufig sücht sein Anrt als Rcichstagspräsident zur Verfügung zu stellen. Formelle Bedenken bestehen siegen die Ausübung des Präsidentenamtes durch ftNen aktiven Minister angeblich nicht, da.weder w der Verfassung noch in der Geschäftsordnung Bestimmungen darüber enthalten sind. Schleicher war zur Militärdiktatur bereit General Hammerstein muß verschwinden. Berlin, 31. Jänner.(Eigenberichts Es steht nunmehr einwandfrei fest, daß Schleicher. Sonntag nachts mit einer Reihe Militärs die Militärdiktatur an'Stelle eines anderen Regierungssystems fetzen wollte. Als sein Plan bekannt wurde, demzufolge Papen noch Sonntags Nacht verhaftet worden wäre, kam es plötzlich zu einer Einigung der Vertreter der Harzburger From. Gerüchten zufolge soll General Hammerstein im Zusammenhänge dieser von Schleicher und ihm geplanten Aktion bereits von seinem Posten zurückgetreten sein. Diese Meldung wird zwar dementiert, doch teilt die Nachtausgabe des Hugenbergblattes, die zweifellos gut informiert ist, mit, daß Hammerstein sehr wahrscheinlich verschwinden werde. Phrasen statt Arbeiisprgramm Der Appell an de« Allmächtigen. Berlin, 31. Jänner. Unter der Ueberschrift „Der Dank des Führers" veröffentlicht der„Völkische Beobachter" folgende Kundgebung des Reichskanzlers an die NSDAP:„Nation« lso^ia- Konfrontation. Ws Hitler noch tromnrelte, hatte er ein sehr„bestechendes" Programm für die äußere Politik. Der Mann, der in München für ihn dachte und schrieb, Herr Rosenberg, sah die Zukunft Deutschlands in rosigstem Licht: gemeinsam mit England und Italien, die beide gegen die französische Vormachtstellung in Europa Einwendungen haben, werde es Frankreich zurückdrängen und„seinen Platz an der Sonne" erkämpfen. In den Tagen, da die Hitlerei am machtlösternsten war, fuhr sogar Herr Rosenberg nach London, um sich dort den Weg ins Dritte Reich zeigen zu lassen. Er kam unverrichteter Dinge"wieder: Als die deutsche Reaktion auf den breiten Rücken der Nazis zur Macht gelangt war, batte das die neuerliche Annäherung Englands an Frankreich im Gefolge. Der Traum vom antifranzösischen Block war ausgeträumk, außenpolitisch hatte der Nationalsozialismus schon in jenen Tagen allein dirrch sein Dasein das Gegenteil dessen erreicht, was er wollte. Ein anderes Konzept als das phantastisch« eines Dreibunds England-Deutschland-Jtalien hatte er nicht. Es kamen die Tage von L a u s a n n e, deren Ergebnis Herrn von Papen von derl Hakenkreuzlern übel angekreidet wurden: die Reparationsregelung, die dort erreicht wurde, bezeichneten sie als einen neuen Verrat am deutschen Polk,^alKeiney.neuen Tribut- und Bersklavungsplan. Um dieses Lausanner Abkommens willen wurde Papen von ihnen bekämpft; sie gaben vor, ein besseres außenpolitisches Rezept zu haben und, wenn sie erst einmal an der Macht wären, den„Schandvertrag von Versailles" zu zerreißen. Dieser „Schandvertrag" hat sie ja groß gemacht: an ihm tragen, wie ihre Agitation besagt, die Sozialdemokraten Schuld. Vierzehn Jahre„System", das für ihn verantwortlich gewesen sei, vierzehn Jahre Schande und Schmach sollten ausgetilgt werden in dem Augenblick, da der große Hitler die Politik des Deutschen Reichs lenken würde. Der Versailler Vertrag— das ist nicht nur die finanzielle Versklavung Deutschlands gewesen, das ist auch der Korridor, ist Danzig, Memel und Eupen-Malmedh, das ist Ostoberschlesien und sind die Kolonien. Deutschlands Macht und Größe, vom„System" verraten, von den Sozialdemokraten vernichtet, sollten von Hit-, ler, so er Herr über Deutschland würde, zu- rückerobert werden, Glück und Wohlstand' für alle Deutschen soll das Ergebnis dieser Befreiung sein. Der Mann, der Deutschland m Lausanne„verraten" hat, dessen Name darob von den Nazis durch die Gosse geschleift wurde, Herr von Papen, ist Hitlers Vizekanzler und noch am Tage, da Hitler die Macht übernahm, beeilten sich seine Soldschreiber»nd Lautsprecher, der außerdeutschen Welt beruhigende Worte zu vermitteln: die Außenpolitik werde sich in denselben Bahnen bewegen wie bisher, Herr von Neurath, der mich inner Papen und Schleicher Außenminister war, biete die Gewähr dafür. Nichts mehr von den schreckhaften Fanfaren, nichts mehr von den großen Gesten, nichts mehr vom Trommelklang! Die Konfrontation des Nationalsozialismus mit der außenpolitischen Wirklichkeit hat ernüchternd gewirkt. So ernüchternd, daß die Retter Deutschlands ihre jüngste' Vergangenheit vergaßen. Es ist freilich wahr, daß die Regierung Hitler in Wirklichkeit eine Regierung Papen ist; daß man den Regierungschef nicht für fähig gehalten hat, sie zu bilden, sondern sie ihm fertig präsentierte, ist bezeichnend genug. Immerhin aber gibt Hitler dem Kabinett Wenigstens seinen Namen und sofern auch schon Klarheit herrscht über sein inner politisches Programni, das er, soweit cs die Versklavung der Arbeiterschaft Vorsicht, dnrchzusetzen bemüht sein wird: außen- politisch hat er schon alles verloren, rveii Seite 2 Mittwoch, I. Fever 193t. Al. 27 Zwangsarbeit mr Lebensmittelkarten? Ein neuer Streich des Sternberger Bezlricshauptmannes. Arbeitslose sollen wir 5 itt täglich Schnee schauleln r Der Sternberger Bezirkshauptmann hat schon öfter durch sein unerhörtes Verhalten gegenüber den Arbeitslosen von sich reden gemacht. Seinerzeit^ versuchte er di« Lebensmittelzuweisungen zu kürzen, getreulich di« Weisungen ausführend, die die tschechischen Agrarier ausgegeben batten. Nun hat er eine neue Methode entdeckt, die Arbeitslosen„kirre" zu machen: er will sie dazu bringen, für 5 K täglich zu ar- beiten. Aw 24. Männer gab er nämlich einen Erlaß hinaus, in dem die Gemeindeämter aufge- fordert werden, die Arbeitslosen, die Lebensmittelkarten erhalten, zur freiwilligen Arbeit bei der Schneebeseitigung aufzufordern. Di«„Freiwilligkeit" sollte dadurch gefördert werden, daß man den Arbeitslosen versprach, für ein« zweitägig« Arbeit«in« Lebensmittelkarte im Werte von 10 K zu geben. Die Arbeitslosen wurden aufgefordert, sich m i t den nötig en Schaufeln beim Bezirks- Straßeneinraumer zu melden. Außerdem hat der Bezirkshauptmann von Sternberg die— Kühnheit, in dem Erlaß auszusprechen, daß bei der nächsten Kartenverteilung jene Arbeitslosen, die sich bereitgefunden haben, zu diesen Schandbedingungen zu arbeiten, in erster Linie berücksichtigt werden. Da muß man zunächst doch wohl fragen: Woher hat ift Sternberger Bezirkshauptmann überzählig« Lebensmittelkarte« zur Beteiligung der sich„freiwillig" meldende« Schneeschipper? ES werden jedem Beznck so viel Karten zugeteilt, wie Bedürftige vorhanden sind. Sofern sich der Sternberger Bezirkshauptmann Lebensmittelkarten„ersparte", mußt« er sie Bedürftigen vorenthalten. Nun verlangt er von ihnen, daß sie sich für das, was ihnen auf jeden Fall gebichrt, erkenntlich zeigen, indem sie„freiwillig" für einen Bettel arbeiten. Tatsächlich sanden sich Arbeitslose» denen es so schieche geht, daß sie auch diese Schandbedingungen annahmen; auch Frauen meldeten sich, um sich und ihren Kindern eine Lebensmittelzubuß« zu erarbeiten, über die der Sternberger Bezirkshauptmann widerrechtlich nach seinem Gutdünken verfügt. Di« Lebcnsmittelzuweisungcn sind so aufzuteilen, Wie es das Ministerium für sozial« Fürsorge vorschreibt und nicht so, wie es dem Sternberger BezirkShanPtmann gefällt. Der Hinweis darauf, daß bei der nächsten Zuteilung jene Arbeitslosen„besonders berücksichtigt" werden, die sich zur verlangten Sklavenarbeit melden, ist eine Unverfrorenheit ohnegleichen. Der SelbstherrliöPeit des Sterrvberger Be- zirkshauptmannes auf dem Gebiete der Kartenzuteilung muß ein Ende gemocht werden, und zwar rasch und gründlich. Wohin kommen wir, wenn jeder Bezirkspascha die HerzenAvünsche der Agrarier befrichigt, indem er mit Hilfe der Lebensmittelkarten die Arbeitslosen zu Sklaven erniÄrigt? Die fflOhiampcnstcucr. Prag, 31. Jänner. Im Parlament wurde heute der seit langem angekündigte Gesetzentwurf über die Steuer von elektrischen Glühkörpern vorgelegt, deren Ertrag in der Höhe von zehn Millionen Kronen bereits im Budget eingestellt ist. Der Besteuerung sind unterworfen: Elektrische Glühbirnen, Elektronenlampen(Radiolampen) mit Ausnahme von Gleichrichtern, Röntgenlampen, Kohlenstäbe für Bogenlampen und sonstige elektrische Glühkörper, darunter auch Quecksilber-, Neonlampen usw. Regenerierte Glühbirnen sind derselben Steuer unterworfen wie neue.- Die Steuer von Glühbirnen(mit Ausnahme von Kohlenfadenlampen) beträgt: für Birnen von Taschenlampen(bis 60 Bolt und 8 Watt) 20 Heller; darüber hinaus für Birnen K6 bis zu 40 Watt 1.50 über 40 bis 60 Watt...... 2.20 über 60 bis 75 Watt 3.— über 75 bis 100 Watt...... 4.— über 100 bis 150 Watt 5.— über 150 bis 200 Watt..... 6.50 über 200 bis 300 Watt 8.— über 300 bis 500 Watt 10.— Bei Glühbirnen über 500 Watt wird zur Grundsteuer von 10 Kronen für jede weiteren auch nur angefangenen 100 Watt ein Zuschlag von KL 2.50 erhoben. Bei Lampen mit mehreren Fäden wird die Steuer nach der Gesamtleistung aller Fäden berechnet. Bei Elektronen-(Radio-)Lampen beträgt dre Steuer 5 KL, bei allen übrigen ausgeführten Glühkörpern, darunter auch bei Kohlenfadenlampen, beträgt die Steuer 25 Prozent des Preises, den der Produzent seinem Abnehmer berechnet. Die Steuer hat der Erzeuger, bei der Einfuhr derjenige zu bezahlen, der den Zoll entrichtet. Für den Export bestimmte Glühlampen etc. sind von der Steuer befreit. Weitere Bestimmungen handeln von der Eintreibung der Steuer, der Gefällsaufsicht, Steuerstrafen usw. Der j 16 beftimmt, daß die Höchstpreis« im Detailverkauf für Glühlampe» usw. durch Regie- rungsverordnuug bestimmt werd«» köuur«, wobei vorher di« Haudrlskammerzeutrale und die zentrale» Jnteresienkorporatione« zu hören fiud. Die am Tage des Inkrafttretens der Borlage vorhandenen Vorräte unterliegen der Nachbesteuerung. * Der ausführliche Motivenbericht führt zunächst a»^ daß in Deutschland und Italien eine Glühbirnensteuer in ähnlicher Höhe von 20 bis 25 Prozent bereits eingeführt ist. Die Einfuhr von Glühlampen in die Tschechoslowakei betrug im Jahr« 1881 4.3 Millionen Stück im Wert von 20.6 Millionen, die Ausfuhr 7 Millionen Stück im Werte von 22.9 Millionen. Die Belastung durch dir Steuer sei angesichts der hohen Brenndauer von durchschnittlich 1000 Brennstunden als sehr minimal zu bezeichnen. Die Ueberwälzung der Steuer auf den Verbraucher hält der Motivenbericht für nicht begründet, da daS Verhältnis des reinen Produktions- und des Detailpreises bei Glühlampen etwa 3:8 zu betragen pflegt, die Preisspanne als beträchtlich höher ist als bei anderen elektrischen Artikeln. » Die Vorlage wurde sofort vom Haus dem Budget- und dem Gewerbeausschuß zugewiescn. vie Wiener Arbeiter demonstriere!* Wie«, 31. Jänner. Als Aiuworr auf de» morgigen nationalsozialistischen Jackelzug veranstaltet di« sozialdemokratische Partei Samstag nachmittags«inen Demonstrationsaufmarsch der Wiener Archeiterschaft über di« Ringstraße unter der Parole,„Gegen den Fascismus, für die Arbeitsbeschaffung". Im Gewerbeausschuß wurde die Verhandlung der Vorlage über Antrag des Abg. Netolicky jedoch auf die nächste Sitzung vertagt, die schriftlich einberufen werden wird. Keine Waffen für bürgerliche Schützenvereine! Ein gemeinsamer sozialdeuwkratischer Antrag. Prag, 31. Jänner. Die tschechischen und deutschen Sozialdemokraten haben heute im Parlament einen Antrag eingebracht, der von der Regierung die Erlassung strengerer Vorschriften gegen mißbräuchliche Benützung von Waffen, insbesondere aber die Entwaffnung der verschiedenen bürgerlichen Schützenver- rine fordert, denen bisher das Verteidigungsministerium Waffen leihweise überlassen hat. Der Antrag, der von den Genoffen P i k, Taub, Hummelbaus, Srba und Pohl gestellt ist, hat folgenden Wortlaut: „Die Regierung wird aufgefordert, in der nächsten Zeit der Nationalversammlung einen Gesetzentwurf über das Verbot des Tragens und der Benützung von Schuß-, Hieb- und Stichwaffen vorzulegen, insoweit ein solches Verbot nicht bereits durch andere gesetzliche Vorschriften ausgesprochen ist. Dieses Verbot hat sich insbesondere auf das Tragen und die Benützung von Waffen durch Mitglieder von Korporationen und Schützender.- einrn zu beziehen, und zwar auch auf solche, denen statutarisch das Recht zum Tragen und zur Benützung von Waffen bewilligt wurde. In Hinkunft hat keiner Korporation das Tragen und die Benützung von Waffen statutarisch bewilligt zu werden. Di« gesetzlichen Vorschriften sind durch Bestimmungen über strenge Strafsanktionen für den Fall des Mißbrauches von Waffen- päffen zu ergänzen. Bis zur Erlaffung dieses Gesetzes sind jenen Vereinen und Korporationen, welchen vom Nationalverteidigungsministerium oder anderen Staatsorganen Waffen leihweise überlasten wurden, diese Waffen sofort qbzunehmen und die Tätigkeit aller dieser Vereine und Korporationen einer Revision zu unterziehen." vor dem Sude des veryardetterftreits Brünn, 31. Jänner. Auf Einladung des Revierbergamtes t« Brünn sand heute in Za- stävka eine Beratung über die Liquidierung des schon 13 Wochen dauernden Bevgarbeiterstreikes im Steinkohlenrevier von Rosice-Oslavany statt. Nach einer längeren Debatte wurde schließlich ein Antrag des?lbgeordnet«n BroLik angenommen, dem alle Gewerkschaften zustimmten und wonach die einzelnen Organisationen ihrer Mitgliedschaft Bericht über den Verlauf der Verhandlungen erstatten, von ihr eine Entscheidung verlangen und daS Ergebnis der Grubeichirektion mitteilen. AuS dem Abgeordnetenhaus«. Am Mittwoch, den 1. Feber, findet um 9 Uhr vormittags eine Beratung des Präsidiums des Abgeordnetenhauses und der Klubobmänner statt. Der Giftgaskrieg. Anwendung als Repressalie erlaubt! Gens, 30. Jänner. Im Büro der Abrüstungskonferenz wurden die Beratungen über das Verbot des chemischen und bakteriologischen Krieges, insbesondere über die Fragen der Sanktionen und Repressalien sortgesttzt. Der deutsche Vertreter erklärt«, die deutsche Delegation sei für das möglichst uneingeschränkte Verbot des Giflgaskrieges; infolgedessen lehne es auch die Anwendung dieses Kriegsmittels alS Repressalie ab. Dem deutschen Standpunkt in der Sanktionsfrage schloffen sich in der Aussprache die Vertreter Rußlands, der Vereinigten Staaten, Englands und Italiens an. Bezüglich der Repressalien betont« allerdings, abweichend vom deutschen Standpunkt, der englische Vertreter, daß man die Repressalien nicht verbieten dürfe. Es wurde schließlich gemäß einem Vorschläge des Präsidenten beschlössen, dieFragederSank- tionen offen zu lasse t, bis die Konferenz sich allgemein über die Frage der Verletzungen der Abrüstungsbestimmungen ausgesprochen hat. für ihn nichts zu gewinnen war. Ein Sieg des deutschen Nationalismus bedeutet neues Mißtrauen gegen Deutschland, bedeutet neue Borwände für die Feinde der Abrüstung, bedeutet neue Bündnisse und wesentlich andere als die, von denen Herr Rosenberg einstens sprach und schrieb. In Deutschland zu trommeln war für Hitler leichter, als in der Welt für Deutschland zu trommeln. In Deutschland hatte er es mit wildgewordenen, arbeiterfeindlichen Kleinbürgern zu tun, die sich mit sozusagen außenpolitischen Schlagworten ködern ließen; auf den politischen Kraftfeldern, auf denen die deutsche Außenpolitik ihre Einsätze wagen muß, gibt es andere Realitäten. Herr Hitler stand an dem Abend, an dem seine siegestrunkene SA ihm zu Ehren durch die Berliner Straßen zog, grüßend am Fenster und, wie seine begeisterten Rundfunkberichter zu melden sich beeilten, durchaus nicht siegesbewußt, sondern„todernst". Man darf von ihm schon glauben, daß er, obwohl er zum Regieren den Vormund Papen braucht, doch eine Ahnung davon hat, daß sein„Sieg", der nichts anderes ist als der Verkauf seiner selbst und seiner Bewegung an die schärfste Reaktion, der Anfang von seinem Ende ist. Und nichts wird die Hohlheit und Leichtfertigkeit seiner Agitation und seiner Versprechungen an das deutsche Volk rascher erweisen als sein Unvermögen, ohne schwerste Gefähr- duna Deutschlands eine andere Außenpolitik zu fiihren^ls der„Verräter" Brüning. Der regierende FasciSmus ist freilich in den Fragen der Außenpolitik nicht so zimperlich wie während seiner Agitation; er findet sich auch mit außenpolitischen Demütigungen ab, sofern er dadurch für die Berstlavung des eigenen Volkes freie Hand bekommt. Das Aeußere ist für ihn nie das Entscheidende, an ihm erkennt man ihn nicht. Das Innere ist sein eigentliches Fach. Das Aeußere ist in jeder Hinsicht eine Maske. Sie ist nun gefallen und die deutsche Arbeiterschaft hat die Aufgabe, das Urteil der Geschichte an den entlarvten Fanghundcn der Reaktion zu vollziehen. LJÜL-.■ r.' 34 Die Kellnerin Molly. Roman von Hans Otto Henel. ttopDriabt bv gackelretter-BeNaa Berlin. Nalbvruck verboten Tagsüber hielt sie sich viel bei„Onkel Franz" auf, wenn sie nicht auf der Suche nach Arbeit tour Aber die Erfahrungen, die st« auf der Arbeitssuche machte, zerschlugen ihre letzten Hoffnungen. Keine Papiere, keine Zeugnisse, niemand, den sie hätte angeben, bei dem man sich hätte er- kurlüigen können. Nach wenigen Tagen schon sah das Mädchen wüst aus, zumal sie ja nicht regelmäßig schlafen konnte. In den Nachtstunden, wenn die Kneipe und der Wartesaal des Bahnhofes geschloffen waren, irrt« sie in Angst umher, wagte sich nicht auf eine der öffentlichen Bänke zu setzen und noch weniger mit den Männern zu gehen, die ihr Bett und Dach für di« Nacht versprachen. Morgens um acht, wenn bei„Onkel Franz" der Betrieb wieder erivacht« war sie die erste bei ihm, bestellte sich eine Tasse Kaff« und schlief dann ein, den Kopf auf die Arme über die Ti'chplatte gelegt. Ucbermüdet, ungewaschen, mit schmutzigen Schüben, schmudelfger Wäsche und wirrem Haar, kam sie dem Aussehen einer Landstreicherin nah«. In ihren Angen waren d.« letzten Funken von Trost wie auch von Trotz am Erlöschen. Vergebens suchte sie ein paar Abende in vem-unsttgen Lokal jenes Mädchen, das ihr vor einigen Tagen«in Nachtlager angeboten hatte. Sie hätte es jetzt gern angenommen. Aber das Mädchen war verschwunden Im Knast, wie di« einen, iip Spital, wie andere'agien. D--«'•*'">* Male noch nicht. Di« Angst, die ihr Luft und Lust abschnürte, galt dem schmalen Geldtäschchen. Es war am Leerwerben. Bier Tage kreiste der Bursche, der ihr«ne Bleibe angeboren hatte und vor dem sie geflohen rvar, um sie herum, eh« er sie wieder anredete. Und diesmal hört« Male ihn an, denn er sprach von Arbeit, di« er für st« wüßte. Am anderen Ende der Sjadt. in Lichterfelde, sollte daS sein. Ob Male nicht Lust hab«, dort als Künstlerin aufzutreten. Male lächelt« ungläubig dazu. Ob er sich Nicht denken könne, daß eine Filmschauspielerin anders auSfohen müßte als sie. Er feixte frech.„Wat denn, wat denn, Filmschauspielerin? Nee, nich Filmschauspielerin, aber„uff'n Rummel" in Lichterfelde könne er sie als Künstlerin bei den Sittenspielen anbringen. Ja, er habe geradezu den Auftrag,«in« Künstlerin dafür ausfindig zu machen. Mal« wurd« mißtrauisch. WaS das sei, Sil- icnspiele. Er beruhigte sie. Mit noch anderen Künstlerinnen zusammen sollt« sie Gruppen zu- mmmenstellen, wie sie auf den Bildern der Kunstmaler oder im Museum zu sehen seien. Male «chüttelte den Kops. Nein. nie und nimmer wollt« sie sich nackt zeigen. Er entrüstet« sich. Von Nacktheit könne keine Rede sein. Die Künstlerinnen :rügtzn ein Trikot und'm übrigen lei das eine hochfeine und anständige Sache. Es sei ein« Arbeit wie jede andere, und wie jede ander« würde sie bezahlt. Ja, eine Kunst, di« jedenfalls feiner ei, als wenn ein Mädchen^auf den Strich ginge. Male sollte ihm doch nichts vormachen. Wenn sie heute auch noch so tue, als ob sie keinen Freier für Geld brauch«, so würde sie morgen oder übermorgen froh sein, wenn sie einen fände. Male erschrak, weil der Junge chre Lage>'o genau kannte. Und überlegte, eS würde ihr Vielleicht schließlich doch nichts anderes übrig bleiben, als sich zu verkaufen. Und als der Bursche in Aussicht stellte, daß er ihr nut der gutlohnenden Arbeit als Künstlerin wahrscheinlich auch gleichzeitig„eine Bleibe" verschaffen werde, tagte sie zögern- und nicht ganz sicher zu. Endlich war sie sogar ein bißchen stolz, als er ihr erklärte, daß er sie nnr deshalb ausgesucht habe, weil sie eine gute Figur habe und nicht so gemein sei wie das„Nuttenzeug", das hier herum liefet Jetzt erst kam Male auS-er Gegend-es Stettiner BahnhofeS weg. als sie mit dem Burschen nach Lichterfelde fuhr. Sie staunte, als sie das grell« Gewoge-er Innenstadt mit dem riesigen Verkehr durchquerten. Auch das wimmelnde Getriebe in Lichterfelde erregte sie. Zwar war hier nur ein armseliger Rummelplatz, wie sie die Großstadt zu Dutzenden hat. Aber ihr erschien a wie der Lunapark-, von dem sie schon gehört oder gelesen hatte. Selbstverständlich dachte sie auch an di- I?'«narktstage ihrer Kindheit m Schneidewald, wo sie an Mutters Arm den Reiz einer nicht alltäglichen Weit e'ngokcknuppert hatte. Sie entsann sich noch einzelner„Künstler", von Bewunderung und Neid umflossen. Würde sie jetzt auch eine foP'e Künstlerin werden? Sie wollt« es, wenn auch nicht aus Begierde nach Geltung. sondern nur um den Hunger zu stillen und Obda-*> zu bekommen. Ein durchdringender Lärm umtobte sie, als sie mit dem Burschen durch die Menge schob. ES ging nur schrittweise. Dutzende von Drehorgeln spielten gleichzeitig durcheinander, die Glücksräder in den Lotteriebuden schnurrten raffelnd, di« Anreißer brüllten. Karussells mit Kutschen, Pferden, Schwänen, Schweinen und anderem Getter drehten sich in der Mitte-es Platzes. Schaukeln wippten hoch hinauf, umflattert von dem Gekreisch der halbwüchsigen Jugend. An einer größeren Bude war es unmöglich weiter zu kommen.„Parade," sagte der Bursche kurz. Während Male nach der Bude schaute, kam ihr in den Sinn, daß sie überhaupt nicht wußte, von wem sie sich hi«r führen ließ. Er hatte nicht nach ihrem Namen gefragt und sie nicht«rach dem seinen. Ein einarmiger Mann im weißen Kittel stellte brüllend mit heiserer Stimme die Reihe seiner Künstler vor. Neben pvei außergewöhn- lich dicken Männern in schwarzen Trikots, die «zackten Arme vcüler Tätowierungen, stand eine dürre alte Frau, orientalisch aufgeputzt. Neben ihr ein Clown, der auf dem Kopfe nur die Krempe eines HuteS trug, so daß sein struppiges Hgax darüber hinausschaute, mit Vatermörder und knalligem Anzuge bekleidet. Dann noch mehrere junge Mädchen, degeneriert, ausgemergelt, mit einem Gesicht ohne jedes Vertrauen auf den Künftlerruhin, den der Rckommandeur mit seiner heiseren Stimme hinausschrie. Der junge Bursche stteß Male an. „Die da. mit dem Heftpflaster ins Genick, del is deine Kollegin. Bis im anttittst, macht sic bloß Parade mit." Die Künstler" starrten trübsinnig unstumpf in die Menge hinunter, die das Gebrüll des Anreißers als Gratistheater genoß. Nur wenige ließe» sich durch di« Versicherung verlocken. daß in derselben Minute noch unwiderruflich Anfang der Vorstellung sei. In Wirklichkeit fanden noch drei Paraden statt, ehe sich zwei Dutzend Leutchen hatten bewegen lassen, in die Bude hinnnzugehcn. Die Glücksbuden, in denen Gänse, Würste, Kuchen verlost wurden, Hatter« viel mehr Zuspruch als die Schaustellungen. Der Bursche verständigte sich mit dem Schaubudcnbesitzer, der ihn und Male für später bestellte. In einer Kneipe fand Male dann so ziemlich die ganze Künstlerschaft des Rummelplatzes wieder. Eine ärmliche, klägliche, elende Gesellschaft, denen di« Unterernährung aus hohlen Gesichtern glotzte. Auch die groben Hände und fetten Wampen der dicken Manner wirkten hier eichärmlich. Ter Prinzipal der Schaubude, ein Rieseukerl mit einem Schweinskovfgesicht, faßte Dlale mit harter Tatze an den Schultcrir und drehte sie nach allen Seiten. „Gemacht!" (Forlietzung sotgt.) Nr. 27 1. gstlst« IW eite 3 Kabinett Daladier gebildet. Verhandlungen mit den Sozialisten gescheitert. Der erste[rieht: Teic iiiio Mhwcrrerletzte. Berlin, 31. Jänner. Wie nachträglich bctaitnt wird, ist der sichrer des Sturmtrupps 33 der NSDAP, RLaikowskt, der bei der Schießerei m der Wallstraße in Eharlottcnburg durch einen Bauchschuß jchiver verletzt worden war, nach seiner Einlieferung ins Krankenhaus gestorben. Somit Hot diese Schießerei zwei Todesopfer gefordert. Gegen 2 Uhr morgens wurden von noch unbekannten Tätern auf einige 9iSDAP-Angchörige in Britz mehrere Schüsse abgegeben, di« jedoch niemanden verletzten. In einem Lokal in Steglitz kam es kurz vor 3 Uhr morgens zu einer Schlägerei zwischen drei RSTAP-Angehorigen und vier angeblich Parteilosen. Verletzt wurde niemand. Sieben Personen wurden frstgenommen und der politischen Polizei zugeführt. In der Müllerstraße, Ecke Seestraß« entspann sich um viertel 4 Uhr morgen- ein« Schlägerei zwischen Kommunisten und Nationalsozialisten. Zwei NSDAP-Leut« wurden leicht verletzt. Es wurden 15 Personen, u. zw. 10 KPD- und fünf NSDAP-Leute festgenommen. Gestern aber« wurde in Charlottenburg ein Polizeibeamter eine- BrgleitkommandoS für einen Zug Nationalsozialisten angeblich von Kommunisten beschossen. BreSlau, 31. Jänner. Aus dem Bericht der Polizeipressestelle Wer die Zwischenfälle ergibt sich, daß der getötet« Demonstrant von Kommunisten erschossen worden sein soll. In dem Bericht heißt eS: Da sich die Lage äußerst bedrohlich gestaltete, gaben die Polizcibeamten einige Schreckschüsse ab. Die Meüge lief auseinander. Di« Polizei ging über die Büttner-Straße nach der Nikolai-Straße und säuberte diese. Als sich die Polizeibeamten auf der Nikolaistraße befanden, fielen hinter ihnen einige Schüsse. Durch einen ieser Schüsse wurde der Iteinrammer Waßner getötet. Ter Schuß war in das Herz eingedrungen und hatte den sofortigen Tod herbeigeführt. Waßner ist nach Aussage von Zeugen in ADGB. organisiert. Schweinfurt, 81. Jänpcr. Im Laufe des gestrigen Tages und nach Mitternacht kam es am Neuen Markt zu politischen Zusammenstößen, wobei auch scharfe Schüsse fielen. Der Kaufmann Lein; wurde durch einen Halsschuß lebensgefährlich verletzt. Zwei Arbeiter trugen ebenfalls Schußverletzungen davon. Düsseldorf, 31. Jänner. Bei einer Schlägerei zwischen Kommunisten und Nationalsozialisten wurde ein Sozialist durch einen Schuß verletzt. Belbert(Rheinland!, 31. Jänner. Im Verlause politischer Reibereien wurde heut« der 22jährige Kommunist Schaefer von dem Schuh- Ntachermcister.Pallgck, ihr der.ZlKDÄP. orrge- höri, so schwer verletzt, daß er bald darauf starb. Demonstrationen gegen DeKhsreglernng verboten. Weimar, 31. Jänner. Tas thüringische Innenministerium hat alle Versammlungen unter freiem Himmel, in denen gegen die Reichsregierung demonstriert oder zum Generalstreik aufge- sordert wird, verhören. Goebbels ist„maßlos gltidflKh“! Berlin, 31. Jänner. Der gestern abend erfolgt« Vorbeimarsch der SA- Formationen und des Stahlhelms vor der neuen Reichskanzlei wurde nach 22 Uhr durch Rundfunkreportage verbreitet, wobei der kommissarische preußische Innenminister G o e r i n g und Dr. Goebbels das Wort ergriffen. Letzterer erklärte u. a.:„Wir sind maßlos glücklich, daß eine vierzehnjährige Arbeit durch Sieg und Erfolg gekrönt worden ist. Morgen früh beginnen wir mit der neuen Arbeit, mit neuem Kampf." kine Deruhigungspillc. Auch di« Aoung-Anleih« wird brav bezahlt werden. Berlin» 31. Jänner. Bon maßgebender Stelle wird die bereits gestern abends vor der ausländischen Presse abgegebene Erklärung auf das bestimmteste wiederholt, daß irgendtvelche Experimente wirtschafts- oder gar währungspolitischer Art nicht in Frage kämen und daß sie von keinem Kabinettsmitglied beabsichtigt seien. Diese Unterstreichung des Standpunktes der neuen Reichsregierung erfolgt insbesondere sm Zusammenhang damit, daß gestern und heute gewiss« deutsche Anleihen(Ioung- Anleihe?) an der Börse attackiert worden sind. Es wird die eindeutige Versicherung abgegeben, daß ein sachlicher Grund für solche Börsenvorstöße in keiner Weise vorhanden sei. Die Besitzer von deutschen Anleihen hätten keine Veranlassung, irgendwie beunruhigt zu sein. Im gleichen Zusammenhang wird auch betont, daß die Frage eines Wechsels in der Leitung der Reichsbank nicht aktuell ist. «eine Aussperrung In Dänemark. Kopenhagen, 31. Jänner. Beide Kammern des Reichstages haben nunmehr die Gesetzesvorlage über das Verbot von Streiks und Aussperrungen bis 1. Feber 1934 angenommen. Di« für Morgen angesetzte Aussperrung von rund 100.000 Arbeitern ist infolgedessen noch heut« abgesagt worden. Paris, 31. Jänu«.(Havas.j Die neue Regierung wurde unter Vorsitz Daladiers, der auch das Kriegsministerium übernahm, gebildet. Eduard Daladier stellte vor 13 Uhr de« Präsidenten der Republik sei» neue- Kabinett vor: Vorsitz und Kriegsministerium: Daladier (radikaler Deputierter), Justizminister und Stellvertreter-es Vorsitzenden-er Regierung: Pcnancier(radikaler Änator.) Aeußeres: wie bisher Paul B o n c o u r(unabhängiger Senator). Inneres: wie bisher Camille Chautemps (radikaler Deputierter). Finanzen: Georges Bonnet(radikaler Deputierter). Budget:'Lamoureux(radikaler Deputierter). Marine: wie bisher Georges Leygnes (unabhängiger Deputierter). Flugwesen: Pierre Cot(radikaler Deputierter). Volkserziehung: w« bisher de Monzi« Senatbr der demokratischen Linken). Arbeiten: Francois Albert(radikaler Depu- ti«rt«r). Kolonien: wie bisher Albert 8 a r r a«t(radikaler Senator). Pensionen: wie bisher Mbellet(radikaler Deputierter). über Hitlers Kabinett. Bon der tschechischen Presse ist es einzig uud allein der„Benko v", das Organ des Ministerpräsidenten, welches nur schwer seine Freude über Hitlers Ernennung verbirgt: Das Blatt schreibt: „Es hat sich gezeigt, baß Hitlers Lager, welches 37 Prozent der deutschen Wählerschaft und mit den Deutschnationalen, mit denen er sich g«. einigt hat, über 40 Prozent der deutschen Wählerschaft umfaßt, nicht übergangen werden kann, ohne daß ihm nicht Gelegenheit gegeben würde, das zu versuchen, was zu versuchen auch vielen andern Leuten gestattet wurde. Präsident Hindenburg hat keinen andern Ausweg gehabt, wenn er di« verfassungsmäßige» und demokratischen Forme» wahren wollt«. Sicherlich wär« es.weder verfassungsmäßig noch demokratisch, wen» er nach den Wünschen mancher das deutsch« Bolt neuerlich zu Wahlen triebe." Die Art, wie da der„Benkov" von Hindenburg spricht, gerade in dem Moment, da er Hitler zum Reichskanzler ernannt hat, ist wirklich rührend. Die„NLro- ni Listy" halten sich in ihrer Beurteilung sehr zurück und versuchen di« Kanzlerschaft Hitlers soziologisch zu erklären. „Hitlers Antritt ist di« Krönung des Verfalls, in dem sich Deutschland infolge der Vernichtung seines Mittelstandes befindet, jenes Mittelstandes, der di« Hauptstütze der deutschen Wirtschaft und des deutschen Aufstiegs sowie der deutschen selbstbewußten Politik gewesen ist und der wirtschaftlich durch die Inflation vernichtet und politisch von Hitler auf den Kopf gestellt wurde. Wenn Hitler einen entschiedenen Kampf gegen den Bolschewismus verspricht, bleibt es ein« Frage, wie er ihn durchführen wird." Auf die Gefahren, die aus einer Kanzlerschaft Hitlers hervorwachsen können, wecst das „P r a v o Lidu" hin: „Wir bezweifeln, daß es der Regierung Hitler gelingen wird, di« früheren Versprechungen zu verwirklichen. Aber es besteht di« groß« Gefahr, daß sich Deutschland in einem so chaotischen Zustand befinden wird, wie es ihn noch nie durchgemacht hat, weil Hitler sein« Ohnmacht durch Terror und Gewalt verdecken wird. Der Arbeiterschaft stehen so schwere Augenblick« bevor, wi« niemals früher. Aber das deutsche Proletariat, welches schon so vielen Prüfungen ausgesetzt war, wird di« künftig« Entwicklung abschätzen können und ist vorbereit«», weil es sich des Inhalts und d«r Größe künftiger Kamps« bewußt ist. In diesem schicksalsschwer«« Augenblick fällt ein großer Teil der Schuld aus die. deutschen Kommunisten^ Si« haben durch systematisch« Zersplitterung der Kampftätigkeit des Proletariats und durch das Untergraben der Kräfte der Sozialdemokratie, dadurch, daß st«-i« demokratischen und parlamentarischen Einrichtungen in Mißkredit gebracht haben, Hitler den Weg gebahnt, in der irrigen Vorstellung, daß nach einem«v. Mißerfolg Hitlers nur sie an di« R«:h« kommen können. Di« nächst« Zukunft wird ihnen zeigen, wi« st« sich verrechnet und mit den Kräften des Proletariats, dessen Interesse« jetzt nur di« Sozialdemokrati« wahren kann, hasardiert haben. In diesem Kamps« begleitet das gesamt« international« Proletariat di« deutsche Sozialdemokratie mit Sympathien." Den reaktionären Charakter der neuen deutschen Regierung heben treffend die,L i d o v L R o v i n y" hervor. „Der deutsche Kapitalismus und di« wirtschaftlich« und politische R aklion setzen stch mit dieser Regierung voll in dcu Sattel. Die Nationalsozialisten. welche ein« solch« Zusammensetzung des Kabinetts für«in bloßes Prestigezugcständnis zugelaf- Oefferttliche» Gesundheitswesen:' wie bisher T a n i« l o u(Deputierter der radikalen Linken). Post, Telegrafen und Telephon: wi« bisher Laurent Eynac(radikal« Linke). Handel: Srrr«(radikaler Senator). Oefstntliche Arbeite«: Paganon(radikaler Deputierter). Die Verhandlungen DaladierS mit den Sozialisten über den Eintritt-er Sozialisten in die Regierung, sind gegen Mitternacht gescheitert, da sich die Sozialisten und die Radikalen nicht auf ein gemeinsames Minimalprogramm einigen konnten. Daladier bestätigte-en Journalisten, daß er den Sozialisten fünfMinisterporte- f« u i l l e s, darunter den Vorsitz der Regierung, angelboten habe. I« dem nach Mitternacht ausgcgebenen Kommunique« her sozialistischen Partei heißt es unter anderem: Nach drei Aussprachen, welche die sozialistische Delegation mit Daladier hatte, war sie genötigt, festzustellen,-aß kein« prinzipiell« Einigung zwischen den Sozialisten und-em vorgeschlagenen Regierungsprogramm erzielt werden konnte,-aß im Gegenteil die Pläne der künftigen Regierung in finanziellen Angelegenheiten sich erheblich von dem jüngst vom Kammerfinanzausschuß angenommenen Plane abweichen und daß auch sonst dies« Pläne nicht genug entschieden im Kampfe gegen das Kapitel und die Reaktion lauten, mit denen die Sozialisten«inen zähen und entschiedenen Kamps" führen wollten. jen haben, nämlich dafür, daß das Kabinett Hitler und nicht Papen oder Hugenberg heißt, vertrug neu damit aufs neu« alles, was mit dem SozialiSmus in ihrer Firma und in ihrer Anhängerschaft zusammenhängt. Mit dem zurückgestellten Straffer und dem zurückgestelllen Schleicher wurde auch der Versuch«in«S deutschen Nationalsozialismus zurückgestellt." Die„Deutsche L a n d p o st" lehnt das Experiment mit Hiller in der schärfsten Weise ab: „Die Gift und Galle, di« Hitler zur Zeit der Kanzlerschaft Popens gegen diesen auSgespien hat. di« auch sein«» Nachfolger Schleicher und selbst den Reichspräsidenten Hindenburg, der nun Hit- * lers Ernennung vollzog, nicht verschont«, hat nun «in« Wandlung erfahren, im« st« eben nur in Ser Politik möglich ist. Hillers Drohungen, Hitlers Schmähungen sind vergessen. Hitlers Schwüre, Hitlers bedingungslose Forderungen zum alten Eisen geworfen. Kein Wort mehr von der „al leinigen Macht".... Der sonst so redselige Trommler ließ stumm di« Schlegel fallen uns umarmt« dankerfüllt, den einst vielverläster- ten Herr» von Papen, den geistigen Führer des junkerlichen Herrenklubs. Richt durch irgendein« Tal, nicht durch ein entschiedenes Handeln trat Hitler an di« Spitze des Reiches, sondern geschoben, geleitet und geichützt von der Berliner Salonpolitik, auf deren glatten Parketten das Wunderkind aus Braunau am Inn nun zu tanzen hak. Mit Hitlers Berufung, ist Hitlers Nimbus geschwunden. Sein« Anhänger verlangen kein« Wort«, keine Prophezecungen mehr, sondern Taten. Das Trommeln ist beendet. Die nächste Zeit mutz schon zeigen, wohin der Kahn mit Hiller am Steuer treibt. Das End« dieses Experimentes— «iwaS anderes ist«S nicht— werden wir wohl in z:«mlich kurzer Zeit erleben." Auch bi« christlichsoziale„Deutsche Press«" äußert sich pessimistisch uno ablehnend: „Hitler ist nicht Kanzler jenes von ihm oor- hergesagten NI. Reiches geworden, in dem alle Macht dem Natlonallozialismus gehören sollte, den» er muß dies« Macht mit Herrn von Papen, den«r während dessen Kanzlerschaft bis aufs Messer befehdet«, und mit Hugenberg, dem er di« Bezeichnung„Silberfuchs" gegeben, teile«. Er hat weder Preußen, noch di« Reichswehr bekommen, wi« er sich vermaß und auch die wichtigsten wirtschaftlichen ReffortS, wi« das Finanz-, das Wirtschaft-- und daS Arbeit-ministerinm sind nicht in di« HänS« von Mitgliedern seiner Partei gelangt, di« somit auf das Reichskanzleramt, das Reichsinnenministerium und auf den.^Luftverkehr" beschränkt bleibt. Ist«S nicht geradezu beschämend für di« stärkst« Partei im Staate, die Partei der stärksten Wort«, die immer erklärt hat, st« wolle nicht nur di« Alleinmacht, sondern auch die Alleinverantwortung, daß man ihr nun wohl einen „Anteil" an der Macht gibt, sie gerade da aber autichaltet, wo eS di« größt« Verantwortung zu übernehmen gilt. Wi« will nun ihr Führer fein« BolkSbeglückungSide«, feine schönen Programm« verwirklichen? kine heikle Antwort! Wien, 31. Jänner. Wie die„Neue Freie Presse" erfährt, wird Bundeskanzler Dr. D o l- fuß den Gesandten von England und Frankreich, die SamStag bei ihm erschienen sind, um weitere Auskünfte in der Hirtenberger An- Slegenheit einzuholen, in den nächsten Tagen auf riftlichem Wege die Anllvort mitteilen und ihnen auch noch die gewünschten detailierten Aufklärungen geben. stellst Beginn der Budgetdehaile. Anuegnng des Aussdiußberlchles. Prag, 81. Jänner. Die heutige Parlaments- ctzung, die hauptsächlich der Auflegung des Aus- chußberichteS über den Staatsvoranschlag für 1933 diente, dauerte ganze acht, die folgende Zuweisungssitzung gar nur fünf Min>rten. Dafür wird das Haus nach den Dispositionen, die heute getroffen wurden, ab morgen täglich z w ö l f b i s dreizehn Stunden tagen, um am nächsten Dienstag nach etwa fünfzigstündiger Debatte die Abstimmung über das Budget' vornehmen zu können. Nur Samstag und'Montag sollen die Sitzungen bloß halbtägig sein. Als Redezeit werden den einzelnen Klubs zehn Minuten pro Klubmitglied zugebilligt werden. Der Bericht des Budgetausschusses umfaßt 120 Druckseiten. Ans einer Uebersicht ist zu ersehen, daß der Ausschuß zur Bewältigung der Debatte in der Zeit vom 9. bis 28. Jänner 21 Sitzungen benötigt hat, dir einen Zeitraum von 168 Stunden in An- pruch nahmen. In der Debatte sprachen 22 Minister, bzw. Vertreter her obersten Staatsämter, 81 Koalition-- und 62 Oppositionsabgeordnete. Abänderungsanträge wurden 221, Resoluttonen 98 überreicht, und zwar ausschließlich fettens der Opposition. In der Einleitung entschuldigt der Generalreferent Genosse R e m e 8 die verhältnismäßige Kürze des Berichtes mit notwendigen Spartendenzen. So wurden vor allem die Uebersichten über die Budgets der europäischen Staaten ausgelassen, ebenso die graphischen Uebersichten über die Einnahmen und Ausgaben der einzelnen Budgettapitel. Die Debatte habe sich durch ein außerordentlich hohes Niveau ausgezeichnet; auch die Zusammenarbeit zwischen Negierung und Parlament wurde fast allgemein anerkannt. Der Ausschuß hat die Debatte ohne jede Beschränkung der Redefrist bewältigt. Im Plenum wurden heute lediglich zwei Zusatzprotokolle zum Schweizer Handelsvertrag, über die die Debatte bereits früher abgcführt worden war, nach dem Schlußwort des Referenten in erster Lesung angenommen. „SPD toleriert Hitler» Dos ist der zweispaltige Titel einer„Meldung", die die kommunistische Presse ihren Lesern vorzusetzen wogt. Sie zitiert einige Aeußerungen des„Vorwärts", dem sie nachsagt, daß er„nur einige" radikale Redensarten bereit habe und die Arbeiter zu einer abwartenden Haltung veranlasse. Daraus wird der Schluß gezogen, daß die Sozialdemokrati« den einheitlichen Widerstand gegen di« faseistische Diktatur verhindern wolle. Diese Bemerkungen der kommunistischen Press« sind so frech, wie alle übrigen Lügen gegen die Sozialdemokratie. Aber ne haben bestimmte Ursachen. Die Führung im Widerstand gegen Sie deutsche Reaktion ist nämlich, sehr zum Leidwesen der KPD-Führer, auf die Sozialdemokratie üvergegangen, die ihn mit Umsicht und 'Besonnercheit organisiert. Als Herr Schleicher noch an-er Macht war, der nach Ansicht der kommunistischen Blätter auch nichts anderes verkörperte als den Fascismus» führten die Kommunisten«ine wohlgeordnete Kundgebung in Berlin durch, über deren Organisierung sie vorher mit der Polizei des Herrn Schleicher gewissenhaft verhandeln. Und die„Rote Fahne" brachte nicht nur einige, sondern sehr viel radikale Redensarten. Etwas anderes wurde von den Kommuni st«n nicht unternommen; ihr Kampf gegen die Reaktion kann, wenn er ernst geführt wird, nur mit den als sozialdemokratisch verschrienen Mitteln geführt werden. Tatsächlich hat die sozialdemokratische Reichstagssraktion schon einen Miß- trauenSantrag im Reichstag eingcbracht, also dasselbe getan, wie die kommunistische, Fraktion. Was haben die Ko m m u n i st«■ n bisljej unternommen? Sie riefen zum Generalstreik aus und die Arbeiter folgten ihrer Parole nickt. Die vertrauen, durch bittere Erfahrungen belehrt, den Gewerkschaften und der SPD. mehr als den Hasardeuren in der„Roten Fahne", die die letzten Kampfmittel der Arbeiterklasse nur um ihrer Agitationsbcdürfnisse schon fetzt esmeven wollen. Gegenüber den Bestrebungen der Kommunisten sagte di« SPD.: „Das Mittel der Arbeitseinstellung ist«in legales Mittel. Seine Anwenduna zur Abwehr«ine- Angriffes auf di« Frciheitsrech'e des Volkes und auf die sozialen und politischen Rechte der Arbeiterklasse ist hundertmal gerechtfertigt. Aber taktische Vernunft rät. mit ihm hauszuhalten, damit«in entscheidender Augenblick nicht«ine abgekämpfte Arbeiterschasr findet.. Heute Generalstreik hieße die Munition der Arbeiterklasse zwecklos in die leere Lust schießen." Auch die kommunistischen Arbeiter werden sich davon überzeugen, daß die entschlossene .Haltung der Sozialdemokrati« wertvoller ist als die Aufregung der kommunistischen Niederlagenstrategen, die auch im Augenblick des schwersten Kampfes nichts besseres zu tun wissen, als--- SPD. zu beschimpfen. Gegenüber der Staatsstreichregierung stellt sich di« SPD. auf den Boden der Verfassung. Erst wenn eS die Regierung wagen sollte, di« Verfassung zu brechen, und damit dem deuti'cken Bolle den Recht-boden zu entziehen, ist der Augenblick zur Einsetzung der letzten Kräkt« gekommen. In diesem Augenblick wcr^r? die SPD. und di« Gewerkschaften handeln— im' die Massen werden ihnen folgen. Inländische pressestimmen Seit» 4 Mittwoch. 1. Feber 1SS8 Ser. 27 cs »erntet| Tagesneuigkeiten cntsdieldende Schritte»er.— Wichtige»erswngen des Kabinetts! Tokio, 31. Jänner. Gestern sand«in, Was treibt Wilhelm? streng vertraulicher KabinetisraNtatt wobei wie! s^jstjfch^ b T n x C' Ä W!läsfigtt Quelle", daß der Exkaiser in Doorn soll.^,Er u««e Mercedes, Autos gekauft Ueber d.e Kab.nettssitzung wurde kem Kowmunr,; Wm Jänner sei er vom Prinzen H«i«- qu» auSg-g-ven D.e«abm-ttsm.tgl.eder bewahr- der Niederlande besucht worden, der unter vollkom- Mitnahme einer großen Menge G-päck, das s dem Exkaiser gehörte, sich nach Deutschland bege- «ußenmmtster Ujchrda begab sich, wie Reu-'^^0»" wirst'm Zu ammeuhaua -2."»^' E'^dem aUesten^it die Frage auf. ob der Exkaiser nach japanischen Staatsmann Fürste« Sojondschi zu” beraten, welche definitive« Weisungen nach Genf! abgesandt werden sollen. Inzwischen wurde« i «ach der Sondersitzung des Kabinetts dem Kaiser j die vorgeschlagenen Instruktionen vorgelegt. Der Schritt Lschidas zeige, datz der Augenblick gekom-- men ist, in dem Japan«ine Entscheidung von\ vitaler Bedeutung;n treffen gedenke. Japanisdic Operationen in Jehol. Schanghai, 31. Jänner.(Reuter.) Meldungen aus japanischer Quelle zufolge■ bombardieren japanische Flugzeuge bereits seit einigen Tagen mehrere Städte im Osten der Provinz Jehol, wo die Gegner des Manschustaates ihre Militärkräfte konzentriert haben sollen. Bom 21. bis 24. d. M. soll vor allem die befestigte Stadt Kailu start.beschossen worden sein. »eine Immunität Mir Abriistnngsireunde. Genf, 81. Jänner. Das Büro der Äb- rüstungskonfcrcnz hat sich heute erneut bei der Frage der Abrüstungskontrolle mit der Straflosigkeit solcher Personen beschäftigt, die im internationalen Abrüstungsausschuß Anzeige über angebliche oder tatsächliche Verstoße ihrer Regierungen gegen die Abrüstungsbestimmungen machen. Auch heute zeigte sich wieder, daß mit einer internationalen Regelung der Jmmuni- tätsfragc kaum zu rechnen ist. Di« Unmöglichkeit einer einheitlichen Willensbildung fand zum Schluß einer etwa zweistündigen Debatte darin rh«n bezeichnenden Ausdruck, daß nochmals ein Redaktionskomitee für die Frage eingesetzt wurde. Wahrscheinlich werden die Regierungen noch besonders um ihre Stellungnahme hiezu demnächst ersticht werden. Deutschland zurückzukehreu beab- s' ch t, g t. Furchtbarer Raubmord bei Vrotzuitz Ei« Landarbeiter um sei«« Ersparnisse beraubt und auf di« Schienen geworfen. Protzuitz, 31. Jänner. Ms der Maschinenführer Franz Zepleial Dienstag früh um 4 Uhr 30 Minuten die Lokomotive eines Personenzuges in der Station Nectava auf der Strecke Böhm.- Trübau—Protzuitz reinigte, stellte er fest, datz zwischen den Eisenstangen der Lokomotive ein menschlicher rechter Fuß eingeUemmt war. An den BremsVlocks wurde ein blutbefleckter Fetzen gefunden. Auf der Strecke Neetöva—Körnitz wurde sofort eine Strecken- begehung angeordnet und ein zerfetzter männlicher Leichnam gefunden. Da man auf der Strecke verdächtige Spuren fand, leitete die aus dir Umgeimng zusammengezogene Gendarmerie sofort die Untersuchung ein. Es wurde zirka 600 Meter von der Strecke entfernt eine große Blutlache und ein Brotsack gefunden. In dem unglücklichen Opfer wurde der polnische Staatsangehörige, der landwirtschaftliche Arbeiter Jaks aus Biskupic sichergestellt, der am Montag seinem Dienstgeber die Kündigung überreichte, seinen Lohn und seine Erspar n i s s e in unbekannter Höhe zu sich nahm und Dienstag für über Olmütz in feine Heimat reisen wollte... Jaks wurde wahrscheinlich in der Nähe der Mühle„Einsicht" ermordet, beraubt, hierauf in einem Sack bis zur Bahnstrecke geschleift und dort unter die Räder eines Perso- nenzuges geworfen. Nach den Mördern wird eifrig geforscht. lohn Galsworthu gestorben. London, 31. Jänner. D«r englisch« Romanschriftsteller John Galsworthy ist heut« dormit- tchqs gestorben. -v Als John Galsworthy im Vorjahre mit dem Nobelpreis für Literatur ausgezeichnet wurde, einer Ehrung, die bekanntlich nicht in der Umwindung des Dichterhauptcs mit einem schlichten Lorbeerkranz, sondern in der Zuweisung einer sehr ansehn--« licheu Geldsumme nebst feierlicher Diplomüberreichung besteht, da haben wohl wieder sehr allgemein Zweifel an der wirklichen Bedeuung dieser Jnsti- rütivtt sich geregt. Denn das viele Geld bekommt gewöhnlich jemand, der bereits in so gesicherter Position ist, daß er seiner nicht bedarf, um sorgenfrei schaffen zu können, und di Auszeichnung fallt zumeist nicht jenen zu(wenn auch mitunter doch)/ di« als die wirklich großen Dichter ihrer Zeit und ihres Volkes gelten können. John Galsworthy ist gewiß «in tüchtiger und auch sehr«rfolgreicher Schriftsteller gewesen, aber er war kein wirklich großer Dichter. GalSworchy— er wurde im Jahre 1867 geboren, erreichte also ein Alter von 6ö Jahren— war Schildere« der englischen Gesellschaft, war auch Kritiker der englischen Gesellschaft, aber kein sehr revolutionärer. Seine Dramen„Areik", Justiz", „Gesellschaft" such bei uns nicht sehr bekannt geworden. Biel gelesen aber wurden auch bei uns seine großen Romane, am eifrigsten der große mehrbändige Ronran„Forsyte-Saga", der ein« große Familiengeschichte ist und zugleich umfasiende Darstellung der Gesellschaft der viktorianischen Zeit,— 1 der bürgerlichen Gesellschaft dieser Zeit, ihres Aufstieges, ihrer Sitten, ihres Niederganges. Sehr schön und wirklich zu winterlicher Höhe ansteigend ist C^nßkapitel„Nachsommer" des er. n der drei großen Romane, di« in der„Forsyte-Saga" zusammengefaßt sind. Galsworthy war keineswegs ohne soziales Mitgefühl und ohne soziales Verständnis. Oft genug hat er beides gezeigt in Feilten Werken, mehr noch in seinen Dramen als in seinen Romanen. Bon der Politik hielt er sich fern. Er vermied cs auch dann, das Wört zu ergreifens wenn man es erwarten ko, nte. Auch das darf man rühmend>:nd ehrend von ihm sagen, daß er ein Friedensfreund war. Er glaubte der Friedensidee auch zu dienen durch die Gründung des Pen-Klub einer internationalen Schriftsteller-Bereinigung. Aber aus ihr ist fast überall eine sehr„gesellschaftliche" Angelegenheit geworden,«in« Bereinigung„repräsentativer" Schrift- stcllcr, di« aktiv wird, wenn es einen schon berühw- ten ausländischen Gast zu ehren gilt, die bei solchen Anlässen auch in schönen und gefühlvollen, aber unverbindlichen und zu nichts verpsiichtenden Reden über die welwerbindende Mission der Schriftsteller schwelgt, aber ernsthafter Stellungnahme ausweicht und gerade dann schweigt, wenn ihr Wort Gewicht haben soll und könnte. Galsworthy ist manchmal mit seinem Wollen, manchmal mit seinem Denken auch in unser« Nähe gekommen, flüchtig nur Er war gewiß repräsentativ für seine Zeit— für ein« Zeit, die schon im Schwinden ist— war ein bedeutender Schriftsteller des Bürgertums.‘~ Kn Taschendieb erbeutet 41.000 Kronen Die Prager Polizeikorvcspondenz teilt mit: Gestern gegen 11 Uhr vormittags kam in die Landesbank auf dem Prager Graben Karl öpec aus Zabehlice und behob auf Sparkassabücheln 41.000 K, welcher Betrag sich aus acht Banknoten ,zu 5000 K, oiner Banknote zu 500 K, vier Hundertkronennoten und Kleingeld zusammensetzte. Da^l legte er die grünen Auszahlungsscheine für die aufgehobenen Sparkassäbüchein. Auf dem Wege von der Landesbank zur Avno- stenska banka wurde ihm das Gold von einem unbekannten Taschendieb gestohlen. Flieger abgMrzt. St- Moritz, 81. Jänner. Der zur Kur weilende englische Flieger Rodd, d«r über einem zugefrorenen See Kunstflügc ausführte, ist mit dem Schweizer Sportsmann Schoer als Passagier auf das Eis abgestürzt. Rodd ist tot, Schoer wurde schwer verletzt. Die Krise im Kohlenbergbau. Kattowitz, 31. Jänner. Die Rudaer Stein- kohlengcwerkschast hat beim Dcmobilisierungs- kommisiär den Antrag auf Stillegung der„Frie- dens"-Grube gestellt. Dadurch droht den hier beschäftigten 1500 Arbeitern der Abbau. Im Zeichen Hitlers: steigende Lebensmittelpreise! Am Montag wurde Hitler Reichskanzler und am Montag sind an der Berliner Getreidebörse die Preise ungewöhnlich stark i n d i e Höhe gegangen. Eine Haussebewegung war an diesem Tage dort zu verzeichnen, wie sie nur die wildesten Spekulanten und die raffiniertesten Händlerköpfe Voraussehen konnten. Das Getreide ist teurer geworden, in den nächsten Tagen werden die Mehlpreise folgen und dann natürlich das Brot. Nnd die Kartoffeln kosten seit Montag in Berlin bereits im Kleinhandel um fünf Pfennig pro Pfund mehr als vor der Beglückung der Arbeiter durch Hitlers Kanzlerschaft. Bis zu diesem Tage hat das starke Angebot, das die gute letzte deutsche Weizen- und Roggenernte mit sich brachte, naturgemäß und infolge des ständig sinkenden Verbrauchs auf die Preise gedrückt und der deutsche Staat wendete ungezählte Millionen Mark auf, um die Brotgetreide- und Futtermittelpreise auf Kosten der Steuerzahler hochzuhalten, Nun kmnmt das„Dritte Reich"— urch die Preise steigen sofort in die Höhe. Wieso? Nun weil Händler und Spekulanten mit Recht davon überzeugt sind, daß diese Regierung der Junker, der Großagrarier, der Geldmacher um Hugenberg und Hitler die ganze Agrarpolitik erst recht in den Dienst der Großlandwirffchast stellen, den Wahnsinn der mit Steuergeldern überhöhten Getreidepreise noch weiter und einseitiger treiben wird, als das jchon vorher geschehen ist. Die Spekulation zweifelt keinen Augenblick daran, daß die Hitler-Regierung sich vollends gegen den Verbraucher, gegen den .Kleinbauern und gegen den Arbeiter und Angestellten richten wird. Und so hatte Hitler noch nicht einmal richtig sich auf den Kanzlerstuhl gesetzt, als die ganze kapitalistische Meute bereits daran ging, an diesem Erwachten" Deutschland zu verdienen! Teureres Brot für die Konsumenten, teurere Furter- mittel für den kleinen Bauern— das ist wirtschaftlich der Auftakt der neuen Aera. Alt dies in der Zeit grauenvoller Millionen- arlwitslosigkeit, in diesem furchtbaren Winter, in dem Millionen selbst an billigem Brot sich nicht' sattesten konnten unb könnten. Nun dürfen sie bei jedem Bisten Brot, bei jeder Kartoffel, bei jedem Knödel, den sie ergattern können,, noch ein Plus für die Kanzlerschaft Hitlers zahlen! Das ist unendlich traurig und empörend. Wird der Kopf dem Magen antworten? Wenden diejenigen unter den Nätio- nälsvzialfften, die nun noch schwerer zu ihrem Stück Brot kommen, zu Verstand kommen? Erst kommt der Rang, daun das Verdienst! Tas Amtsblatt des Ministeriums für national« Verteidigung veröffentlicht einen Armeebefehl mit der belobenden Anerkennung für jene, die sich bei der Abwehr des fascistifchen Ueberfalls auf die Brünner Kaserne nach der Ansicht oder Aeußcrung des Armeekommandos besonder« Verdienste erwarben. Di« Namen all derer, hi« sich angeblich ausgezeichnet verhielten, werden in diesem Armeebefehl aufgezählt. Nun wollen und können wir gar nicht nachprüfcn, welches Verdienst beispielstveise dem an erster Stelle genannten Oberstleutnant zukommt und welche Heldentaten etwa die unterschiedlichen belobten Kapitäne vollbrachten. Wohl aber ist es für den „Geist" des Militarismus, gleichviel ob er sich unter einem Adler oder unter einem Löwen schlägt, charakteristisch, datz in solcher Auszeichnungslist« nicht nur die Namen nicht in der Reihenfolge des Verdienstes, sondern nicht einmal nach der Größe des Opfers aufgezählt werden, die die einzelnen brachten. Erst kommt der Rang! Erst kommt der Oberstleutnant, dann kommen die anderen ,Herren", dann rangieren die Halbherren(nämlich dir Unteroffiziere) und dann erst folgen die, die keine Herren, sondern nur Männer sind:. die Soldaten ohne Charge. Erst kommt der Stabsoffizier und kommen jene Kapitäne, über deren Leistling bei der Abwehr des Ueberfalls nicht einmal der Armeebefehl auch nur das Geringste auszusagen weiß, und dann erst"werden die' Unteroffiziere- und Soldaten genannt, bei deren Mehrheit der Befehl positiv auf irgendwelches Verdienst an der Sache Hinweisen kann. Und an achtzehnter Stell« unter insgesamt einundzwanzig Belobten rangiert der Soldat Blastimil 8tdpanek, dessen Namen di« Bemerkung beigefügt ist, daß er„auf seinem Platze blieb, obwohl er durch einen Pistolenschuß verwundet war." Diesmal hätte es der Militarismus so leicht gehabt, sich wenigstens den Anschein demokratischer, nein: rein menschlicher Tendenz zu geben; so billig wäre es gewesen, erst den Verwundeten, dann etwa den zum Gefreiten avancierten Soldaten Laube zu nennen, und dan die anderen, die der Armeebefehl nennen zu sollen vermeinte. Aber nein! Im Anfang war der Rang! Denkmäler für RaSin und Äesanik. Die Regierung hat im Parlament einen Gesetzentwurf eittgebracht, wonach dem Finanzminffter Doktor RaSin, der einem Attentat zum Opfer fiel, und dem ersten Kriegsminister der Republik Dr. 8 t e f a n i k, der bei der Rückkehr in die Heimat im Flugzeug unweit Preßburg tödlich verunglückte, in Prag Denkmäler errichtet werden sollen. Vorläufig soll zur Verwirklichung dieser Ehrung ein neungliedriger Ausschuß eingesetzt werden, in dem die beiden Parlamentspräsidien und die Reegierung durch je drei Mitglieder vertreten sind. Z« einigen Zeitungsmcldungen über neue umfangreiche Betrügereien in der Brünner Tabakregie stellt die Zentraldirektion der tschechoslowakischen Tabakregie fest: Der EngrosveMuf des Tabaks in Brünn wird seit 16. September 1932 von Funktionären des Gefällskontrollamtes, also von Beamten besorgt, die auf Grund ihrer amtlichen Stellung(d. i. mit ihren Dienstgchäl- tern) für di« richtige Erledigung des Engrosverkaufes des Tabaks entstehen und damit selbstverständlich auch für>eglichen Lagerverlust an Waren, hie von der Tabakregie übernommen wurden, haften. Diese Funktionäre des Gefällskontrollamtes unterliegen administrativ der betreffenden Finanzbezirksdirektion als direkt übergeordnetem Finanzaufsichtsorgan, so daß also von neuen Betrügereien„in der Brüner Tabakregie", welches Organ(als Organ der Tabakregie) außerdem überhaupt nicht existiert, keine Rede sein kann. Der verhaftete Buchhalter war ferner nur privater Pertragsangestellter, der aushilfsweise im Engrosverkauf ausgenommen war. Vom Schnee verweht. Ende voriger Woche fand ein Bürger aus Jankovice bei Ung.- H r a d i s ch im Walde die Leiche der 62 Jahre alten Machilde Prozkovä aus Jankovice, di« sich mit Planeten in die Rachbargcmeinde begeben wollte und auf dem Wege von einem Schneesturm überrascht und vom Schnee verweht wurde. Di« Greisin wurde bis Montag an der Stelle, an der sie aufgefunden wurde, be- ßesteilungen tür Oie rraueniägsiestsdirffl! Die„Geichheit" erscheint anläßlich ö« Frauentages als Festnummer so wie ü» vergangene» Jahre in vergrößertem Unk' sänge. Die„Gleichheit" wird zum Preist von Ke 1.— abgegeben, den Bezirksorganisationen räumen wir einen Rabo> von dreißig Prozent ein. Bestellungen sind bis längstens zum 1» Feber 1933 an die Verwaltung der „Gleichheit" nach Prag II., Rckazanka 18, z« richten. lassen, da sich weder die Gendarmerie noch dir Gerichtskommission wegen der große« Schneewehen dort einfinden konnte. Bom Anto getötet. Gestern vormittags suhl der 26jährige beschäftigungslose Kellner Walbeck Rada aus Pilse« mit einem Personenauto durch di« Rokycaner trtda in der Richtung gegen Letnü. Als Rada einem anderen Personenauto vorfuhr, streifte er mit dem Kotflügel seine! Autos einen Manu, der mit dem Rücken gegen diesen stand und gerade den Pferden eines aus der Straße stehenden, mit Langholz beladene» Wegens eine Decke Überwerfen wollte. Da Mann wurde durch den Anprall des Autos gegSl das geladene Holz geschleudert und sank zu Boden. Rada überführt« den Versetzten in dal Krankenhaus, wo fcstgestcllt wurde, daß der Vev- letzte bereits wt war, da ihm der Schädelknochen zertrümmert worden war. Wie festgestellt wurde, handelt es sich um den 24jähri- gen beschäftigungslosen Schneider Franz Mal> au-s Piksen, der seinem Vater das Frühstück gebracht hatte und wahrscheinlich den Pferde» Decken überwerfen wollte. Die Leiche wurde i» die Totenkammer auf dem Zentralfriedhof gebracht. Der Vorfall wird werter untersucht. Der Minister für Gesundheitswesen Dr. Syiaa empfängt heute, Mittwoch, kein« Bruche. Selbstmord eines 16jährige« Student««- Gestern hat der 16jährige Student Karl K o p i• öek in Pilsen Selbstmord durch Einatmen von Leuchtgas begangen. Der Arzt konnte nur noch den Tod konstatieren. Streik ans holländische« Schiffen. Wie au« Batavia mitgeteüt wird, brach Montag an Bord des holländischen Kreuzers^Java" und der Torpedobootzerstörer„Evertsena" und„Prctheina^ in der Marinebasis Surabaja ein Äreik ans Die Ursache war die unlängst erfolgte Lohnherabsetzung bei der Mannschaft. Auf Aufforderung der Offiziere traten jedoch sämtlicht Streikende mit Ausnahme von 40 Mann, die den Gehorsam verweigerten, wiederum den Dienst an. Die letzteren wurden verhafte' und von den Schiffen entfernt. Im Sturm gescheitert. Das unter runläni- scher Flagge segelnde Petroleumtankschiff„Palpetro" wurde auf der Fahrt im Schwarze" Meer von einem Sturm zwischen Barna uni Constanza überrascht und scheiterte. Die Besatzung wurde von einem Dampfer, der am die SOS-Rufe herbeigeeilt war, gerettet.; Ein irischer Streik. Gestern um Mitternacht wurde der Streik der Eisenbahnck und der Angestellten der Eisenbahucmtobusgcscll- schäft in Nordirland eröffnet. An dem Strc» sind ca. 5000 Arbeiter beteiligt. Verurteilte junge Bolschewisten. Das Kreis- oericht in Sosnowice(Polen) verurteilte es! Mitglieder der kommunistischen Jugendorgasi- sation wegen umstürzlerischer Tätigkeit zu Gt' fängnisstrafen von einem bis zu fünf Jahre«, j Die Eisstauung auf der Donau. Nach de« Mtteilungcn der hydrographischen Abteilung des slowakischen Landesamtes ist die Eisstauung a«1 der Donau bis hinter O r o s v a r gelangt. Bei«' Pegel in dieftr ettva 13 Kilometer unter Preßburg liegenden Gemeinde ist der Wasierstand etwa 80 Zentimeter gestiegen. B«hängnisvolle Explosion. Als in ixB Orte Schnecken bei Flechen am Dienstag, dv> 31. Jänner, mittags di« BauarbeiterSsrau Pa«ll> Tietz beim Kochen Kohle in den Küchenherd nachlegte, entstand eine Explosion, durch di« der Ost» und die ganze Kücheneinrichtung zertrümmcck wurde. Fenster und Tür wurden aus den Ange!» gerissen und in den Wänden'ünd in der Deist entstanden große Rffse. Die Frau verlor durv di« Explosion daS Augenlicht. Ihr dreijähriger Kind Frieda wurd« bewußtlos geborgen. Mufti' und Kind dürften auch inner« Verletzung^ erlitten haben. Die Kahle, mit der geheizt wurt^ und in der sich ein Sprengkörper befurchen habk^ dürste, hat der Bauarbeiter Tietz aus ein«!!' aufgelasienen Schacht aufqelefcn und nach gebracht. Vom Rundtank Empfehlenswertes aus den Proqrammcu- DonnerStag: Prag: 6.1ü: Gymnastik- 11: SchalbploUen. 17.^> Kinder musizieren. 18.26: Deutsche SendunS- Landwirtschaft. 19.36: Violinkonzert.— Brün"' 16.10: Orchesterkonzert. 18.25: Deutsch« S e U' düng: Ruf übers Eis, Hörspiel.— Berlin: 1ö-^ Cembalomusik. 18.10: Mozart. St: Die schöne SRtjctt 1 Operette von Fall.— Mühlacker: 19.30: Zither«* Gitarre.- Hamburg: 1855: Rieiqi, Oper Wagner.— KömgSberg: 10: Liwerstunde. 20.1#' Orchqterkonzert.— Leipzig: 19.30: Solistenkonzeft — München: 31.15: Der Dom zu Unserer liebel Frau. Hövbild.-r Wien: 1930: Chorkonzert.•2S-3®' Konzert. «r. 27 Mittwoch, 1. Feber 1933 Seite 8 Der Smichomr llebersall auf drei Schulkuabe«. 13 UNd IS.... Ei« Liebesdrama«ater Kinder«. Paris, End« Jänner.(Ejg. Bericht.) I» Eüdfranlreich grelle sich rin erschütterndes Drama ab. Ein junger Mensch im Älter von 15 Iah« «» hatte sich in«in 13jährig«s Schulmädchen verliebt. Beide flüchteten aus ihrer Heimatstadt und verübten dann, als sie keinen Ausweg mehr wußten, unter grauenhaften Umständen Selbstmord in einem Hotel in Bordeaux. Löon Diel war der Sohn eines schwerreichen Deinhänülers in einer Kleinstadt in der Nähe von Bordeaux. Er arbeitet« als Lehrling im väterlichen Geschäft. Beatrice, feine klein« Freundin, war di« pochier des heimatlichen Bürgermeisters. Troy ihrer 13 Jahr« war Beatrice schon voll entwickelt. In hemmungsloser Leidenschaft waren di« jungen Menschen ineinander vernarrt. Ihr« Unnvelk vergaßen sie vollkommen. Arm in Arm gingen st« durch di« Straßen der empörten Kleinstadt, gemeinsam besuchten sie verschwiegene Cafes, und auf offenem Markt küßten st« sich in einer Heftigkeit, di« den biederen Bürgern»es Städtchens förmlich di« Haare vor Entsetzen zu B«rg« stehen ließ. . Als die Eltern der verliebten Kinder mit radikalen Trennungsmaßnahmen eingreifen wollten, tat Leon einen Griff in di« väterllch« Käst«— dann entführt« er sein« Freundin nach allen Regeln der Kinokunst: er mietet« sich ein« Autotax«, holt« Beatrice von der Schule ab und fuhr mit ihr nach Bordeaux, Hier sand das seltsam« Liebespaar Unterschlupf in einem obskuren Hotel, das di« beiden während der nächsten zwei Wochen überhaupt nicht verließen. Nun hat man di« verliebten Kinder in ihrem Zimmer tot ausgefunden. Laon lag blutüberströmt im Bett. Er hart« sich ein« Kugel in den Kopf gejagt. Neben ihm ruht« das Mädchen; das Gesicht war durch einen Revolverschuß schrecklich entstellt. Löpn halte Bvatriee erschossen. Das Totenbett des Kinder- liebespaareS war mit Rosen übersät. Di« beid«n Leichen lagen in einem Meer von Blumen. Lson hatte sie mit dem Rest des unterschlagenen Geldes gelaust. Am Tag« vor der Tal hatte«in Kriminalbeamter das Liebespaar ausgesucht. Di« Eltern der beiden Kinder waren, mit der Polizei in Verbindung getreten und hatten sie ersucht, die Flüchtlinge wieder in hie Heimat zurückzubefördern. Leon und Böatrice harren auch dem Kriminalbeamten versprochen, st>- lorr abzureisen. Jetzt nach der Tat machen die Eltern dir Polizei für den Doppelselbstmord veraatttvortlich. 2i« sind der Ansicht, daß eine rechtzeitige Verhaftung des jugendlichen Liebespaares das Drama verhindert härr«. Aber dir Polizei lehnt jede Verantwortung ab. Di« winterlich hart« Erd« schloß sich über d«n 2ä,gen der beiden Kinder. Und nun werden sich, nach de» Feuilletonisten der Zeitungen, di« Bänielsän- Ser der französischen Landstädte d«S erschütterndem Thvnas annehmen und künden von der glücklichen und traurigen Liebe zwischen Läon und Bsatric«. Würdiger Auftakt. Der Berliner Regie- rungswechsel hat in Breslau unter den Sold- lcharen des neuen Reichskanzlers einen wilden Begeisterungstaumel ausgelöst. Wäh? rend der Nachmittags- und Abendstunden des Montag zogen undisziplinierte Trupps der SA und SS durch die Innenstadt. In der Ohlauer- slraßc kam es zu einem Zusammenstoß. Mehrere Hakeitkreuzler fielen über Jungbannerkameraden her und schlugen sie nieder. Die beiden Jugendlichen trugen erhebliche Berletzun- 8xn davon. Ein Nationalsozialist wurde von der Polizei festgenommen. Leuchllur« im Sturm. Wogen langandauernder Oststürme und hochgehender See wurde die Ablösung der Turmwächter auf dem Eddy- stpner Leuchtturm um zehn Tag« aufgehalten. Erst Montag gelang es nach zahlreichen vergeblichen Versuchen, mit einem Boote die Stelle zu erreichen, wo der Leuchtturm steht- Es wurden zwei Männer der neuen Schichte auS- geschifft, di« di« alt« Mannschaft ablösten. Diese wußte volle 38 Tage im Dienste bleiben. T«r Turm ist 51 Meter hoch und steht an einer besonders gefährlichen Stelle 21 Kilometer südwestlich von Plymouth. Zweifelhafter Trost. Di« Schauspielerin L. sah den Millionärssohn träumerisch an.„Ach, wie ich dich liebe!" flüstert« sie.„Aber meine Familie wird wir nie gestatt«», dich zu heiraten!'„Warum denn wcht?"„Weil du ein« Schauspielerin bist!"„Gott, wenn's weiter nichts ist! Hier habe ich über hundert Kritiken; da kannst du in jeder einzelnen lesen, daß ich keine Schauspielerin bin!" Der entlarvte Hellseher. Der Hellscher sah hell, »sind nun babe ich Ihren ganzen Charakter klar- Kslcgi", sagt« er.„Alles Mmnpitz; Sie können gar nichts', sagte Quantsch.„Wie können Sie etwas Derartiges behaupten!"„Wenn S< hellschen könnten, hätten Sie von mir Vorauszahlung verlangt." Doppelter Elcktro-Tod. In Bochum-Langendrcer M.ini rin« Ehefrau beim Berühren einer proviso- flsch angeleg'en nicht isolierten elektrischen Leitung knien tödlich wirkenden elektrisch«» Schlag; das gleiche Schicksal ereilt« ihren zu Hilf« eilenden Ehewann. Tas Paar hinterläßtfünf Kinder. Reu« Fawcctt-Suche. Der ungarische Forscher Dr. Oskar Goemoery beabsichtigt, die Suche nach dem siit dem Jahr« 1925 im brasilianischen Unvald verschollenen englischen Forlcher Oberst Fawcetr von v«uem aufzunehmen. Oberst Fawcet war in Begiei- btng jeines Sohnes Jqck und eines jungen Austra- kstrz in den Urwald eingedrungen, um dort di« an- sfbllch im Urwald lebenden weißen Indianer und w« von ihnen bewohnten Marmorstädtr ausfindig zu wachen. All« drei Forscher werden vermißt— die Hoffnung, sie wiederzufinden, haben ihre Freunde w» heute noch nicht aufaeaebra. Erdrückende Indizien.— Prag, 31. Jänner. Am 18. Dezember v. I. wurden die drei neun- bis zehnjährigen Schulknaben Wenzel Novotny, Franz Zdrä- hal und Georg Wagner in Smichow auf dem He'mtvog vom Eislaufplatz„M r ü z o v k a" von einem unbekannten Mann an einer einsamen Stelle unweit des Tennisplatzes angesaKen. Es war um 5 Uhr nachmittags und schon ziemlich dunkel. Er befahl den Knaben, sich niederzusetzen und als sie dies nicht taten, packte er alle drei und hielt sie fest. Franz Z d r ä h a l hieb den Angreifer mit den Schlittschuhen, die er am Riemen trug, ins Gesicht, woraus es ihm und Georg Wagner gelang, fortzulaufen. Den kleinen Wenzel Novotny aber hielt der Unhold fest, warf ihn auf die Erde und versuchte, während er auf ihm log, ihm die Hosen herunterzuziehen. Mit der einen Hand hielt er dem Jungen den Münd zu, wobei er ihm einen Finger derart zwischen die Kiefer preßte, daß er ihm einen Zahn ausbrach. Dabei wurde ihm seinerseits der' Finger blutig gebissen. Endlich ließ er ab und floh, wohl well er fürchtete, daß di« anderen Jungen Hilfe herbeiholen würden. Der Fall erregte seinerzeit allgemeines Anflehen und Unruh« Bier Tage später wurde in der Smichower Wirme st ub« der 39jähr'ge Landstreicher Jaroslav Z a j i e verhaftet. Er hatte die Aufmerksamkeit selbst auf sich gelenkt, weil er versuchte zu verschwinden, als die Polizeistreife ihre übliche Razzia abh°«lt. Er hatte Verletzungen an der linken Kopfseite, die von einem stumpfen Hieb herrühren mußten, er hatte an einem Finger der linken Hand blutige Schrammen, d°e einer Bißwunde entsprachen, und er hinkte auf dem linken Bem, was die überfallenen Jungen als besonderes Kennzeichen des Attentäters angegeben hatten. Tie weiteren Erhebungen bestärkten den Verdacht soweit, daß die Anllage wegen des Verbrechens derFreih«itsbe schrän- kung(ru einem schwereren Tatbestand ist es glücklicherweise n'ch' gekommen) überreicht wurde Heute wurde dieser Fall von dem Senat des OGR, P r o i ä f verbandelt. Der Angeklagte ist ein gefährlicher asozialer Typ. Kearb-ü'et hat er niemals Er ist Landstreicher und Bern iS bettle r, und daß dieses Geschäft I auch heu'« noch— und heut« erst recht— auf Kosten| der wahrhaft hilfsbedürftigen Opfer der Kriiennot f kin gefährliches Subjett. seinen Mann trefflich nährt, beweist der Umstand, daß«r im Gasthaus„U Bachoru"(ein Treffpunkt seinesglerchen)«in bekannter und guter Stammgast war. Er leugnet und bietet das bezeichnende Alibi an, er habe die-Zeit von S Uhr bis Mitternacht in diesem Gasthaus gezecht! Bei der Verhandlung gaben die Jungen eine lebhafte Schilderung des Ueberfalles. Alle drei erkannten in dem Angellagten mit Bestimmtheit den Täter, wobei der Vorsitzende konstatiert, daß der U n t e r j u ch u n g s r i ch t e r bei der Konfrontierung der überfallenen Kinder mir dem Beschuldigten eine b«sonder«"Maßregel getroffen hat, um etwaige Irrtümer und autosuggestive Einflüsse auszuschalten.. Jeder der drei Knaben wurde separat'' vorgenommen und einer nach dem andern drei ganz gleich gekleideten■ Häftlingen gegenüber- g e st«l l t, von denen einer der Angeflagtr war. Alle drei Jungen erkannten auch damals spontan und unbeeinflußt den Richtigen. Das Alibi des Angeklagten brach zusammen. Di« Wirtsleute erkannten pvar chren leben Gast, konnten aber über seine Anwesenheit am kritischen Tag keine Angaben machen. Ein Freund des An- gellagten, ein gewiffer Smetana, der aus der P o l i z e i h a f t vorgefühn wurde, machte zwar e'nen schüchternen Versuch, dem Zajie zuhilfe zu kommen. Im Kreuzverhör muß!« er aber zugeben, daß er am fraglichen Tag« selbst erst um 9 Uhr abends in das Gasthaus gekommen sei, während der Angeklagte behauptet, mit ihm dort seit 5 Uhr beim Bier gesessen zu haben. Was die verdächtigen Verletzungen betrifft, so.«rllärt Zajic, diese bei einer Rauferei erlitten zu haben, deren Art und Zeit er auch bezeichnete. Man ging der Sach« nach und es ergab sich, daß Zajie damals von einem Bekannten nur eine Ohrfeige erhalten hatte und von keinerlei blutigen Verletzungen die Rede war. Der Verteidiger beantragte einen Lokal- angcnschein. Ter Gerichtshof beschloß, sich die Entscheidung über den Antrag vorzubehalten' und von der Polizei eine Situationsskizze des Ueberfallortes einzufordern. Damit wurde die Verhandlung vertagt. Tas Strafregister des Zajic weist außer acht Bor strafen auch eine längere Internierung in der Zwangsarbeitsan- st a l t aus.* rb. Genossen! ausgesetzt für »t« tkrlrnttuRd„nierer Zeitung agitieren- Setzt euch überall für»ufere Parteipresie et». In vas Heim»es Arbeiter» gehört vie Arbeiterpreffe. Darum, «euosfe»«.Weaosfinue»• Eine Fvau hatte in- ihrer Wohnung einige alte Möbelstücke stehen, von denen sie,^ob mit Recht oder Unrecht, annahm, daß sie als^ Antiquitäten einigen Wen hätten. Sie antworte:« auf das Zeitungsinserat eines Mannes, der in einem vornehmen Hotel wohnte und gute Preise für alt«, historisch interessante Möbelstücke zu zahlen versprach. Schon zwei Tage später sprach er bei ihr vor, besichtigte die Möbel und bot ihr Preise, die sie geradezu in Entzücken versetzten. Sie hatte nie gedacht, daß ihre alten Möbelstücke so viel wert seien. Der Käufer,«in würdig aussehender älterer Herr, erklärte, er wolle vor dem endgültigen Abschluß noch einen Sachverständigen zu Rat« ziehen; vielleicht böte«r ihr zu viel, vielleicht auch zu wenig— und er wolle keinen Menschen benachteiligen. Der Taxator kam, und seine Schätzung stimmte bis auf wenige hundert Dollar mit dem Angebot überein. Und als er seine Rechnung— 125 Dollar— vorlegte, fand die Dame sie nicht übertrieben hoch und bezahlte gern. Welche Rolle spielten schon 125 Dollar; wo ihr in Kürze 7000 Dollar ausbezahlt werden sollten? Am nächsten Tage sucht? sie den Käufer in seinem Hotel auf und erfuhr dort,, daß dieser frühmorgens, unbekannt wohin, abgereist sei. Weder er, noch der Taxator konnten ermittelt werden— bis sie eines Tages, als sie die gleiche Komödie sn Pittsbourgh aufführten, verhaftet wurden. iAutorisiene Ueberfetzung aus dem Amerikanischen von Leo Korten.) Recht wird Unrecht. Von Rhedo. Der Tatbestand ist kurz folgender: Fräulein G„ ihres Zeichens Telephonistin und vermutlich von gefälligem Aussehen, sonst wäre das alles wohl nicht geschehen, bekam es mit der Liebe zu tun, welche blind ist, und sie daher einem verheirateten Kollegen in die offenen Arme trieb. Obwohl ein öffentliches Aergernis mit Nichten erregt wurde, kam die SachL doch ans Licht, und der Ehemann, der sich als Sub- alterner den Luxus einer Geliebten erlaubt hatte, wurde strafversetzt, das Mädchen hingegen, obwohl eine siebenjährige Pflichterfüllung sie vorbildlich qualifizierte, wurde von drrHolitscher nicht weiter bestehl, führt der Vortragende auf di« hohen Abgaben hin, die dem Staat aus diesem Gewerbe zuzufließen haben. Der Vortragende setzte'sich außerdem für die ehest« Gesetzwerdung des sozial- demokratischen Antrages der Klagbarkeit vyu Zech schuld en nur bis zur Höhe von 50 K ein. Es wäre noch ein« Meng« zu erzählen, über die Tricks, mit welchen Kellner, Wirte, Animierdamen dem Gast an di« Börse rücken. Erwähnt sei di« Formulierung des Vortragenden, daß di« überwiegende Mehrzahl der Kellner als Bastarde des Proletariats aufzufassen seien, da sie durch den Umgang mit dem Gast uns das System ihrer Entlohnung sich, wer weiß warum, für etwas Besseres halten und daß eine geistige Revolutionierung ihrer Ansichten erst zur Aenderung ihrer Wirtschaftslage führen kann. Au den Vortrag schloß sich ein« Debatte, die von Alkoholgegnern bestritten, aber durch sozial« Un- orientiertheit gekennzeichnet war.—tw—, Der Ball der Angestellten in Handel, Industrie und Verkehr findet am S a m St a g, den 4. Feber im H e i n«s a a l statt. Karren im Vorverkauf im Verein deutscher Arbeiter, Smedky, Besedahaus, linke Stiege, nachuiittags 4—6 Uhr; Samstag nur an der Kassa. Reichhaltige Tombola. 100 bos Seim des klasievbenmtzten>> ^Melkers gehört t>. Zentralorgcm. I der D«u«kMe« togaldcmokr. Arbeiterpartei 11 —»Sozialdemokrat"—| ZEITURK». Kinder freunde präg. Der Kindernachmittag am 1. Feber findet, da die Holefchowitzer Schul« Wege« der Semesterferuu geschlossen ist, ausnahmsweise in der G«e statt. Kunst und Wissen Montag: 3. Philharmonisches Konzert. Solist. Rudolf Bockelmann. Programm: Pono: Vorspiel zu einer altgriechischen Tragödie; Mahler: Symphonie Nr. 7. Mahler: Gesänge. Dirigent: Szell. Abonnementgutscheine aller Serien gültig Allgemeiner Vorverkauf ab Mittwoch. Woch«nspielplan des Reue» Deutschen Theaters. Mittwoch, halb. 8 Uhr:„Figaros Hochzeit" (B 1).— Donnerstag, 8 Uhr:„Die geliebte Stimme"—„Oedipus"(C 1).— Freitag, halb 8 Uhr:„Leinen aus Irland", Gastspiel Curt Bois(D I).— Samstag, halb 8 Uhr: „Leinen aus Irland", Gastspiel Curt Bois (B 2). Wochenspielplan der Kleinen Bühne. Mittwoch, 8 Uhr:„E i n H r l d gesucht".— Donnerstag, 8 Uhr:„Ein Mustergatte".— Freitag, 8 Uhr: „Salon Pitzelberger"—„Die schöne Galathse"(Kulturverbandsfreursde).— Samstag, 8 Uhr:„SalonPitzelberger"—„Die sch on« Galathse". AM" Spiel' KBinerpnefle 3« de« internationalen Wintersport Wettkämpfen 1« Grotzhammer sind schon viele Anmeldungen eingelaufen. Eine besonders starke Vertretung weist Deutschland auf. Auch Oesterreich wird durch einige Sportler vertreten sein. Anmeldungen zu den Wettkämpfen werden noch bis zum 4. Feber entgegengenommen. Quartiermeldungen sind an den Genossen Mili^ Kyncl, Groß-Hammer 443, zu richten. Das Programm umfaßt: Samstag: 9 Uhr vormittags: 25-Kilometer- Langlauf der Sportler..— Halb 10 Uhr vormittags: 15-Kilometer-Langlauf der Sportler, welcher gleich- ;«itig als zusammengesetzter Lauf gewertet wird. Start: Kynast. Gablonz.— 10 Uhr vormittags: 6- Kilometer-Langlauf für Jügendfportler und 6-Ailo- meter-Langlauf für Sportlerinnen von 14 bis 16 Jahren und über Jahr«. Start: Muchov.— 3 Uhr nachmittags: 4-Kilometer-Hindernislauf der Jugendfportler und Sportler. Start: Muchov.— 8 Uhr abends: Festabend im„Lidovy dum". Sonntag: 9 Uhr vormittags: 6-Kilometer- MannschaftSlauf der Jugendsportler und Sportler. Start: Muchov.— 4-Kilometer-ManuschaftSlauf der Sportlerinnen. Rodeln aller Abteilungen. Start: Muchov.— 10 Uhr vormittags: Eisläufen.— Halb 2 Uhr nachmittags: Sprunglauf der Jugendsportler am kleinen Sprunghügel.— 2 Uhr nachmittags: Hauptfprunglauf auf der großen Sprungschanze in Plav.(Gilt auch für den zusammengesetzten Lauf.) — 6 Uhr nachmittags: Abfchiedsseier im Lidovy dum". Ziel aller Wettkämpfe: Turnhalle Groß-Hammer. Skimeifterschaften der Wiener Arbeiterturner. Der Wiener Arbeiter-Turnverein trug am Sonntag sein« Skimeisterschasten aus. Trotz Nebel, Rauhreis, Schneesturm und großer Kälte wurden gute sportliche. Ergebnisse erzielt. Den Wiener Meistertitel holt« sich wiederum Köstinger(Gastein). Tie Beteiligung wax sehr stark, beim Langlauf starteten 79 und beim Springen 45 Sportler. Dem Springen auf der Kckbenzlschanze wohnten 5000 Zuschauer bei. Die E r g e b n i f s e: 10 Kilometer-Langlauf iür SporUer: 1. Mayer(Wien-Ottakring) 40: 54 Min., 2. Köstinger(Gastein) 41:09, 3. Reiter(Wilhelmsburg) 41:19.5, 4. Köck(Naturfreunde Wien) 41:23, 5 Frei(Wien-Ottakring) 41:56, 6. Ziegler(Gastein) 42: 05 Min.— 4 Kilometer-Langlauf für Sportlerinnen: 1. Neumayer(Wien-Landstraße) 20:14, 2. Binder(Wien-Leopoldstadt) 20:53 Min.— 4 Kilometer-Langlauf für Jugendliche: 1. Kraupa (Wien-Rudolfsheim) 18:37, 2. Biringer(Natur- sreunde Wien) 18:39 Min.— Springen: 1. Köstinger(Gastein) 34, 34, 36 Meter, Note 19.416; 2. Reinhart(Bischofshofen) 32.5, 33, 35 Meter, Not« 18.834; 3 Kogler(Radstadl) 32.5, 33, 34.5 Meter, Note 18.167; 4. Ferstl(ATB. Wien) 31, 33, 35 Meter. Not« 17.167.— Kombinierter Lauf: 1. Köstinger «'Gastein) 39.416 Punkt«, 2. Ziegler(Gastein) 35.733, 3 Fiedler(Wien) 34.150 Punkte.— Außer Konkurrenz sprangen Köstinger und Kramer(Donawitz) 39 und Wickl(Donawitz) 37.5 Meter. Die Skimeistermeisterschaften der Wiener-Neustadter Naturfreund« wurden Sonntag auf der Hohen Wand unter starker Beteiligung durchgcführt. Die Ergebnisse: Abfahrtslauf über 300 Meter: 1. Bauer(Naturfreund«) 4:41, 2. Doppler(Naturfreunde) 5:01, 3. Hackl(Naturfreunde) 5:05, 4. Gruber(Naturfreund) 5:24 Min— Slalomlauf: 1 Kirchner(Naturfreunde) 1:02.2 Min., 2. Gruber 1: 02.3. 3, R. Gruber(Arbeiter-Turnverein) 1:07.3 Min.— Kombinierter Lauf: 1. Kirchner 36.24, 2. Gruber 35.04, 3. R. Gruber 31.04 Punkte. Wiener Arbeiter-Eishockey. Samstag fand das. Meisterschaftsspiel Brigittenau—Zentralverein vor mehr als 2000 Zuschauern statt und endete mit dem überlegenen 5:0-Siege Brigittenaus.— Weitere Ergebnisse: Technische Union gegen Altmannsdorf 2:1, Straßenbahn gegen Augarten 4:0, Favoriten gegen Ottakring 2:1, Hauptwerkstätte gegen ABB. 3:2. Internationales Schwimmfest in Budapest. Die am Sonntag stattgefundene Veranstaltung der un, garischen Arbeitersportler vor 2600 Zuschauern war unter starker Beteiligung Wiener Arbeiterschwimmer ein voller Erfolg. Im 100-Meter-Brustschwim- men für Frauen wurde eine neue internatio- na le Höchstleistung aufgestellt. Die Ergebnisse: 100 Meter Brust(Männer): 1. Bayer(ASB. Wien) 1:17.7, 2. Hölzl(ASB. Wien) 1:19.8, 3 Frisch(Budapest) 1:32.4 Min.— 100 Meter Freistil(Männer): 1. Hawlik(ASB. Wien) 1:05.3, 2. Pinkas(ASB. Wien) 1:09.4, 3. Fall(Budapest) 1:11L Min..— 3X66"/- Meter Lagenstaffel(Man- ner): 1. Wien 2: 28, 2. Szegedin 2:49.3, 3. Budapest— 6X66'/, Meter Freistilstaffel(Männer): 1. Wen 4:23.7, 2. MTE. Budapest, 3. Szegedin.— 100 Meter Brust(Frauen): 1. Obenaus(ASB. Wien) 1:35.6 Min.(internationale Höchstleistung), 2. Schnitzler(Budapest) 1:42, 3. Hummel(AM). Wien) 1:42.1.— 66’/* Meter Freistil(Frauen): 1. Bamos(Budapest) 57L Sek., 2. Kolar(ASB Wien) 1: 01, 3. Jrtl(Budapest) 1:04.6 Min.— 8X66’/, Meter Lagenstaffel(Frauen): 1. Wien 3:02.9, 2. Budapest 3:10 Min.— Wasserball- Wien gegen Budapest 6:0(8:0). Dresdener Arbeiter-Fußball. DBB. 15 gegen Leipzig-Großzschocher 1:0(0:0), Birkirgt gegen Sportfreunde Lommatzsch 4:3, Kamenz geg. Sörnewitz 4:5(4:2), Eintracht gegen Herdenau 3:2 (1:2), Cotta gegen Döhlen 2:2(0:2), Potschappel gegen Helios 5:2, Pieschen gegen Löbtau 4:3, Ka- ditz 09 gegen Coswig 2:0, Dölzschen gegen DSB. 10 1:5, Deuben gegen Kleinnaundorf 2:5. Bürgerlicher Sport. Breuna Wien schlug am Montag in London die Oueens Park Rangers 3:0(1:0). Di« Europa-Eiskunstlausmeifterschafteu begannen am Montag in London und bracht« bei den Herren den erwarteten und überlegenen Sieg des Wiener Schäfer vor Baier(Berlin) und Erdös(Wien). Das Paarlaufen gewann wider Erwarten Papetz— Zwack(Wien) vor den Favoriten Gaillard—Petter (Wien) und Philipps—Murdoch(England). Liu Eisschoellauf-Länderkampf Norwegen gegen Amerika wurde in Oslo ausgetragen und von den Norweger«, di« den besseren Durchschnitt erzielten, mit 86.5: 57.5 Punkten gewonnen. Dir amerikauische Eishockeymannschaft Maffa- suchets Rangers schlug am Sonntag in Zürich als Amerikateam jenes der Schweiz nur knapp 2:1— Die Amerikaner spielen am Wochenende in Prag. Ausder Partei Jugendbewegung. S. I. l. He u t e in unserem Heim am Füguer- platz Monatsversammlung. Beginn um 8 Uhr. Vorher um 7 Uhr Ausschußsitzung. Frei« Vereinigung so;. Akademiker— S. I. Heut«, Mittwoch, 1. Feber, im Heim(I., Bar- tolomsjskä 14),„Rechtsauffassung des Marxismus". Genosse Dr. Paul Ehrlich. AN« Rühle:„Erziehung zur Gemeinschaft." Der nächste Kursabend findet am H- Feber um 6 Uhr abends im Studentenheim statt. Wir wevden uns nach den theoretischen Erörterungen des 1. Kursabends in den beiden folgenden Zusammenkünften mit Fragen der praktischen Erziehung beschäftigen. Haltet euch schon jetzt diesen Abend frei! Vereinsnadiriditen Arbeller-Tnrn- und Sportverein Prag Ausschutzsitzung. Heute Mittwoch, 1. Feber, um 7 Uhr abends im Restaurant„U kupeu", Stöpamka. Pünktliches und vollzähliges Erscheinen aller Funktionäre wird erwartet. Der Film Sadisumz der Wochenschauen. Das Kino, vor zwanzig Jahren dem Niveau der Jahrmarktsbuden und Schauermärchen, der Schreiansager und Blutgeschichten entrissen, wird vom Filmkapiralismus immer mehr zurückbewegt, bis es bedenklich nahe den instircktrohesten Auslassungen seiner Kinderjahre kommt. Da kann man jetzt im Rahmen einer einzigen Wochenschau folgendes Mosaik«rlübey: Verherrlichung japanischer Bestialität, die ganze Städte mit raffinierten Mordwerkzeugen vernichtet und Zehntausende auf einmal tötet; Verherrlichung italienischer Thunfischjäger, die mit Enterhaken di« großen, lebendigen Fische aufs Schiff und dann in ungeheure Gruben schleifen, wobei di« Haken rief ins lebende Fleisch geschlagen werden, so daß di« Fetzen des lebendigen Tierleibes hcrunchän- gen, während das wehrlos« Fischtier nicht einmal schreien, kann; Verherrlichung des Alkoholtaumels in New Dark nach dem Sieg der„Nassen" bei der Präsidentenwahl, wobei im Triumph nicht nur die Erzeugung des Volksgiftes Alkohol in jeder Form, vornehmlich des Biers, sondern vor ollem di« heiteren Trunkenheitsexzesse als besonders begrüßenswerte gezeigt werden(dabei dürfen natürlich nicht die guten bayrischen Hinterwäldler fehlen, die sofort Wettkämpfe im Biertragen und Schuhplätteln veranstalten); Verherrlichung des wahnsinnigen uni verbrecherischen Luxus der verrotteten Millionäri- bande auf Florida, wo für eines der ausgestellte» Strandgüvänder einer der„Damen" mehr gezahlt wird, als einer der zwölf.Mill io ne» amerikanischer arbeitsloser Bürger in zwei ganzen Jahren ausgeben muß, um sein Hundr- leben wenigstens durch anständiges Essen zu erhob ten; Verherrlichung des Rekorbwahnsinns der degenerierten Schmarotzerkaste Europas oder Amerikas die sich ihr« Akrobaten engagieren, die dann entwedei mit zweihundert Sturwenkilometern in einer eisernen Riesenkugek oder mit dem Kops durch eine Glasscheibe bei ebendemselben Tempo rasen müssen; systematische Verherrlichung des polnischen Militarismus anläßlich seiner Befriedungsaktionen, wobei die Bauern oder Arbeiter, gang wie im Altertum, mir um ihrer nackten Existenz willen, bestialisch gequält und gepeinigt werden; Verherrlichung und Propaganda für„neuzeitliche Rationalisierungsmethoden" durch di« aus einen Schlag tausende unschuldiger Arbeiterfamilie« brotlos und dem Hunger ausgeliefert werden; Verherrlichung von Autorennen, bei dem« dem Rekordwahn der gut zahlenden kulturlosen Bürger Katastrophen folgen, di« bis zum grauenhafte« Todcsende photographisch festgehalten werden; Der herrlichung von Kämpfen armer, gepreßter Kolonialsklaven mit Bestien, wobei die gesuchtesten Filmstreifen jene sind, wo nicht der Mensch, sondern du Bsstie Sieger bleiben. Und dickelibe Gesellschaft, d« mit ihren M-tteln diesen Ungeist Produziert, unterstützt, von arbeitslosen und hungernde» Operateure» erpreßt, dieselbe Gesellschaft hat die Stirn, von sm- sterem Altertum oder Mittelalter zu sprechen: das lehrt der Film. W L Im Bereich des weißen Todes ist einer jemr Film«, in denen di« amerikanische Luftflotte für ihr edles Handwerk Propaganda treibt; hier geht es bis an den Nordpol, wo die Widersacher um di« schön« Miriam entdecken, was Ehemoral und Manneswürde ist. Der Mann verzichtet Mar auf sein LÄen, uo> Sem glücklichen Nebenbuhler zur geliebten Frau zu lassen, wird aber doch gerettet, worauf die Gattin d.-tz Irrtum erkennt. Wir sind von so viel(Delmui weniger beglückt und begeistert, als Amerika van feinen Lusthelden, di« technisch ausgezeichnet gezeigt werben. W 8." Literatur Der Typus des Arbeiterführers.. Bor kurzer Zeit— am 27. Dezember 1932-f waren es zwanzig Jahre, seitdem einer der populärsten Führer der tschechischen Sozialdemokratie, Josef Steiner, gestorben ist. Aus diesem Anlas hat Jaroslav V o z k a eine Biographie geschrieben wo er Steiner als Typus des aus der Arbciterllasst hervorgegangenen sozialdemokratischen Führers darstellt.*). Rasch wie selten einer ist Steiner suhlender Vertrauensmann seiner Klassrngenossen geworden 1888 gänzlich unbekannt, tritt er zum erstenmal alt Redner in Arbeiterversammlungen auf, 1890 ist cr bereits Obmann des„Poliiielr^ Klub kasksda delnictva", des Mittelpunktes der Prager Arbeiterbewegung, organisiert den 1. Mai, 1891 wird er der Redakteur des„Sociälni demokrat", des Hauptbla lies der tschechischen Genossen. In demselben Jahr nock geht er. nach Pilsen, wird so der Begründer der tschechischen Arbeiterbewegung Westböhmens, wird 189« ins Parlament gewählt, wo er die bekannte antistaatsrechtliche Erklärung der tschechischen Sozialdemokraten vorträgt. In Prag, wo er wieder seö 1894 wirkte, gründet er die„Dvlnickä Akademie' (1896), geht 1897 nach Kladno und 1901 als'Redakteur nach Wien. Eine historische Rolle spielt Steiner in dem Kampfe um die selbständigen tschechische" Gewerkschaften, 1905 wird er Sekretär der Prager Gewerffchaftskommission, die unruhigste Zeit sei»e- Lebens beginnt— wie sein Biograph sagt. 1910, da sich die ersten Spuren einer unheilbare" Krankheit an ihm zeige», hat er alle jene schweren Kämpfe um die„Autonomie" der tschechischen Ost' werkschasten geführt, die der älteren Generativ" unter uns noch in Erinnerung sind. Dojka glaubt deshalb, daß er sich dadurch nicht nur um dc" Machtansüeg der tschechischen Sozialdemokratie, sondern auch um die Entstehung des tschechosiowakischc" Staates verdient gemacht hat. E. S*.’i •) Jaroslav Vozka:„Josef Steiner. Typ del* nicklho vüdce.“ Praha I933. f Ant Svecen?» Praha II., Hybernskä 7. Hrraxigeder: Siegjttcb Xtik.—£ t e 11 e t a 11 e n't: SJiHjelm Ni«tz»« r.— v«lamw»rUich«r Redakteur: Dr. EaiU Str« uz. Präg.— Druck:„Stoto' il.-S kür Heilung, un» Buchdruck. Prag.— Für»eu Druck veraniwnrUich: Ctw vatik, Prag.—• Di« Aenuygemarlensranlatnr wurde von der Paft» u. Telearavcheuairekri»» mit Erlaü St. 13.300/VII 1930 bewilligt.— vezugdbrSingungen: Bel Zustellung tug Hanl»der bei Bezug durch die Past monatlich Ut IS—, dtertrl,ährlich Ui Nk.—, »albjgtzN- Hi stk-, ganzjährig xz-» Onjerare werden iani Loris MW M öktere» Minschaltrulgez PreirnaKlaj,» Mcktzellung von Monuj!r»ien erjalgt nur»ei gkrujenduu, de, Retourmarkeu,