13. Jahrgang. srenag, 3 sever iyZI Jir 29. Schwere Zusammenstöße in ollen Tellen Deutschlands. Berlin, 7. Feber. In zahlreiche« deutschen Städten kam es Mittwoch nachts und Donnerstags zu schweren Zusammenstößen. In de» meisten Fälle» waren di« National, so zia listen di« Angreifer. Ihre Blutarbeit hat jetzt durch eine« Erlaß des kommissarischen preußischen Innenministers Göring neuen Auftrieb erhalt««. Dieser Erlaß enthebt einige Polizeibeamt«, die in Ausübung ihres Dienstes und i« Notwehr gegen Nazimörder geschossen haben, ihres Dienstes. Frei« Bahn dem Nazimordl Das ist die Parole der Hitlerregierung. In München kam es zn Zusammenstößen zwischen Polizei und Kommunisten; zwei Personen wurden verletzt. Zu einer Schießerei kam es auch vor dem SA-Haus in Essen; hier ist ein Schwerverletzter zu verzeichne». I« Milspe wurden bei einem Umzug der Nazis und der Stahlhelmer drei Personen verletzt. In Berlin erlitten bei verschiedene« Zusam» menstößen insgesamt sieben Personen Verletzungen; ei« Kommunist starb im Krankenhaus. — An NowaweS(Brandenburg) gab«S«in« Schießerei zwischen Kommunisten und Nazis; zwei Kommunisten wurden schwer verletzt. Bei einem Feuergefecht in Düsseldorf erlitten drei Kommunisten lebensgefährlich« Verletzungen.— In Berlin wurde in den Nachtstunde« ein Polizeileutnant niedergeschlagen; früh w«rd« er schwerverletzt aufgefunden. — In Königsberg fand trotz polizeilichem Verbot ein Hungermarsch der Kommunistischen Partei statt, bei dem es verschiedentlich zu Zusammenstößen kam. Es regnet Verbote gegen links. Das Karl Liebknecht-Haus polizeilich gesperrt. SPD-Kundgebung verboten. Berlin, 2. Feber.(Eigen beri ch t.) Die don den Nazis provozierten Zusammenstöße Aben der Hillerregierunq den Vorwand, die Ruhe und Ordnung wiedcrherzustellen, indem Pt scharfe Verböte gegen link» er- läßt. Die für den kommenden Sonntag geplant« Kuichgrbung der SPD irrt' Berliner Lustgarten ivuch« untersagt; alle Kundgebungen der KPD unter freiem Himmel nmrvcn für ganz Preußen und Thüringen verboten. An Dhürin- gen darf außerdem keine Kundgebung gegen die neue RcichSrchierung stattfinden. Heute besetzte die Polizei das Karl Liebknecht-Haus auf dem Pülowplatz und durchsuchte es. Es wird nach hochverräterischem Material geforscht. Als Hochverrat wird schon die Aufforderung rum Generalstreik bezeichnet. Die Preußische Polizei erhielt durch de» kommissarischen Innenminister Göring die Weisung, auch die Ncbcnargmrisationen der KPD scharf I ku beaufsichtigen. Di« Rote Fahne ist für eine Woche, ander« kommunistische Blätter sogar kür«ine« Monat derbsten worden. In ganz Preußen, Braunschweig und Thüringen sind all« kommunistischen Versammlungen verboten worden. Aus allen Teilen des Reiches kommen überdies Meldungen von Ueberfällen auf Reichsbannerheim«, sozialdemokratisch« ätituugsverkäufer und überhaupt auf Republika- der. In R e n z b u r g überfielen die Hakenfreuz- sir das Gewrrkschastshaus. in Rutin stürmten ne di« Wohnung«ines Führers der Eisernen mont, in Berlin haben SA-Leut« einen isvanzigjährigen Arbeiter zu Tod« getrampelt. für den am Montag Abend in Charlottenburg ermordetes Polizeiwachtmeister Zauritz und den NAtionalsoziaLstischenFührer des SA-Srur- mes 33 Markowski ein gemeinsames Leichenbegängnis auf Staatskosten zu veranstalten. Das Leichenbegängnis wird Mit eine« großen Demonstration veÄunden sein, dir durch die Berliner Straßen führt. An den' Feierlichkeiten am Dom, im Lustgarten, werden auch Mitglieder der Reichsregierung teilnehmen. Der edel der SA-Banditen „mahnt“ zur Ruhe. Berlin, 2. Feber. Der„Angriff" veröffentlicht folgenden Aufruf Hitlers: „Parteigenoffen! SA« und SS- Männer! 13 Jahre seid Ihr in seltener Disziplin mir gefolgt. Die kommunistische Mordorgynisation hetzt seit Tagen in unverantwortlicher Weise gegen die nationale Erhebung. Niemand verliere die Nerven! Haltet Ruhe und Disziplin! Laßt Euch nicht durch Spitzel und Provokateure an der Befolgung dieses meines Befehles irre machen! Die Stunde.der Nicderbrechung des Terrors kommt! Adolf Hitler." Im Zeichen Hitlers: lohnahhan. Breslau, 1. Feber.(Eig. Drahtb.) Das Hit- lerregime ueginirt im Zeichen neuen rücksichtslosen Lohnabbaus. In der oberschlesischen Kolkindustrie wurden laut Schiedsspruch des Schlichtungsausschuffes in Oppeln die Löhne der Arbeiterschaft um 3 Pfennig pro Stunde gedrückt. iDe Gewerkschaftsvertrc- ter haben den Schiedsspruch abgelehnt. , r., I» einem Nozi- Wer nicht an Hitler glaubt, wird baumeln. Breslau, t Feber.(Eig. Dvahtb.) R e i ch e n b a ch(Eulengebirge), ei«r,n Zentrum Schlesiens, drohte der Nazi- kreisleiter Teuschert in einer Versammlung: Hitler werde mit den Halunken, die Deutschland in 14 Jahren an den Abgrund gebracht haben, restlos aufräumen. Wer doch noch„Heil Moskau!" rufe, der werde erschlagen. Adolf Hitler werde die Arbeitslosigkeit beseitigen und Deutschland davon überzeugen, daß er das Heil ist, und die sich dann noch nicht überzeugen lassen, werden am Galgen baumeln. rin Nazibandit wird Berliner Polizeipräsident. Heut« hieß es. daß der SA-Führer Graf Hklldorf, der Pogromhcld vom Kursürsten- Mwnt, Polizeipräsident von Berlin werden solle. Darüber ist aber offenbar«in Streit zwischen °en Hugenberg- und den Hitlerleuten entbrannt, J® daß aug der Ernennung einstweilen noch ^hht» wurde. Propaganda mit Leichen. Staatsbegräbnis für einen SA-Mann. .^.Berlin, 2. Feber. Die Reichs- und kommis- >"tkschr preußische Staatsrcgierung beabsichtige». Amerika stunde? die Kriegsschulden? 2. Feber.(Tsch. P.-B.) Ueber die zwischen Roosevelt und seinen «ton c” Springs berichtet Reuter, Nato*"« an' der von Roosevelt und Se- siri-. 4: x ausgearbeitete Plan den Erlaß der d«» ak*’ m Anschluß an ein Morator:um -»ch nicht bestimmter Tauer vorsche und als Gegenleistung, wie bereits gemeldet, die Herabsetzung der Zolle und die Stabilisierung der Wahrung verlange. Die Schwierigkeit scheine in der Zollstnkung zu liegen, die unmöglich sei, solange die fremden Währungen nicht befestigt seien. Der Plan befürworte ein internationales Vorgehen, das auf der Weltwirtschaftskonferenz erörtert werden könnte. Da bis zum Inkrafttreten der Gesamtregelung ein« gewisse Zeit vergehen werde, sprächen die Berater Roosevelts von einem Uebergangsmoratorium. Wahlaufruf der Sozialdemokratie. Berlin, 2. Feber.(Eigenbericht.) Der sozialdemokratisch« Parteivorstand hat heut« «ine« Wahlaufruf erlassen, in dem es heißt: Es gibt nur ein„Novemberverbrrchen", das di« Harzburge« der Sozialdemokratie nicht verzeihen könne«, daß st« nämlich di« unfähigen Dynastien davonjagte und daß sie di« Republik schuf «nd alle« Staatsbürgern gleiche Rechte gegeben hat. Der Parteivorstand fordert alle Wähler auf, mit der Sozialdemokratie für das Selbstbestimmungsrecht, für di« Enteignung des Großgrundbesitzes, für die Aufteilung des Landes unter di« Bauern und Landarbeiter und für die Enteignung der Schwerindustrie z« kämpfe«. Zentrnmsprotest gegen Geschieh tslälschnng! Berlin, 2. Feber. Der Zentrmnsvovsitzende Prälat Dr. K a a s hat an den Reichspräsidenten von Hindenburg ein Schreiben gerichtet, in welchem es heißt, daß in der Auflösungsverordnung als Grund für die vollzogene Auflösung angegeben wird, daß sich die Bilanz einer arbeitsfähigen Mehrheit als nicht möglich herausgestellt habe. Di« deutsche Zentrumspartei nimmt Veranlassung, gegen diese den tatsächlichen Vorgängen nicht entsprechende Begründung Einspruch einzuleMn, da di« mit ihr begonnenen Besprechungen seitens .der Regierung sachlich nicht weitergeführt worden sind und ohne stichhaltigen Grund vor Her» beiführung einer wirklichen Klärung abgebrochen WÄchen. Acndcrnng des Wahlgesetzes. Maßnahmen gegen di« Splitterparteien. Berlin, 2. Feber. Durch Verordnung des Reichspräsidenten ist das Reichswahlgesetz in einigen Punkten geändert worden. Ausländsdeutsche, die sich am Wahltage im Inland« aufhalten, können an der Wahl teilnehmen, indem sie einen Stimmschein ausgestellt erhalten. Das Gleiche gilt für die deutschen diplomatischen und konsu- larischen Beamten und ihre Hauptstandsangehörig«, ferner die Besatzung von See- und Binnenschiffen, di«.für keinen festen Wohnsitz polizeilich gemeldet sind. Wählergruppen, die keinen Abgeordneten in den letzten Reichstag entsandt hatten, müssen nunmehr für mindestens einen' ihrer Kreisvoranschläge soviel Unterschriften aufbrin- gen, als Stimmen zur Erlangung eines Sitzes im Wahlkreisverband erforderlich sind, also 60.000. Ist diese Bedingung erfüllt so genügen für jeden anderen Kreiswahlvorschlag dieser Partei 50 Unterschriften. Veriassungshrnchpläne „streng vertraulich“. Um di« Auflösung des Preußenlandtags. Berlin, 2. Feber. Wie VDZ. meldet, rechnet man in preußischen parlamentarischen Kreisen damit, daß der nationalsozialistische Antrag auf Landtagsauflösung noch eme etwas andere Form erhält. Statt der„sofortigen" erstreben die hinter dem Auflösungsantrag stehenden Fraktionen eine zum 4. März befristet ausgesprochene Auflösung. Die Ursache ist in finanziellen Auseinairdersetzun- gen mit der Reichsbahn wegen der Freifahrkar- tcn zu suchen, die bei einer sofortigen Auflösung des Hauses dem preußischen Staat in die Zehntausende gehende Mehrkosten verursachen würden. Sollte der Landtag den Auflösungsantrag ablehnen, so ist damit zu rechne», daß Präsident Kerrl das Dreimännerkollegium einbernft. Aber auch hier dürften weder Ministerpräsident Braun, noch Staatsratpräsident A d e n a u e r für die Auflösung eintreten, so daß nur di« von niaßge- bender politischer Seite bestätigte Aussicht übrig bleibt; den Landtag im Verordnuugswege aufzulösen. Wie man hört, soll es'sich dabei nicht um eine Verordnung des Reichspräsidenten Endeln. Ter Weg. den man auf diesem Gebiete einschlagcn will, wird noch streng vertraulich behandelt.. Das Kann gut werden? Die Hitler-Regierung plant di« Ernennung von Nazi- Goebbels zum Rundfunkkommissär im Reichsministerium des Innern. Die Bischöfe auf dem Kriegspfade. I Der OlmUtzer Hirtenbrief— ein Musterbeispiel von Jesuitismus. Die tschechoslowakischen Bischöfe haben sich am 25. Jänner in Olmütz versammelt und eine Botschaft an die Gläubigen erlassen, die nun durch den doppelten Apparat des Klerikalismus-7- die Kirchen und Kanzeln wie die christlichsoziale Partei und Presse— der Bevölkerung mitgeteilt wird; natürlich nicht als eine politische Botschaft, die sie faktisch als eine gehässige und von Verdrehungen und Unwahrheiten strotzende Attacke gegen die Dsrersche Schulreform tatsächlich ist; Gott bewahre, die Herren Bischöfe machen keine„Politik", im Namen der„R e l i g i o n" gehen sie gegen den Schulminister los, mischen sie sich in die staatliche Gesetzgebung, versuchen sie die Bevölkerung zu verhetzen, im Namen der„G e r e ch t i g- leit" fordern sie die Bevölkerung auf, die Kinder für die Privilegien der Klerisei demonstrieren zu lassen. „Eine Reihe neuer Schulreformen" haben „die Gemüter des katholischen Volkes von neuem aufgeregt und beunruhigt" verkünden hie Hochwürdigen als erste Begrüiwung ihres 1; Schrittes. Wahr ist, daß nicht die Reformvor-: schlüge, sondern die He tze de r Geistlich> keit und der klerikalen Parteien. das Volk aufgeregt haben; das katho-•> lische Volk selbst hätte sich über die sehr ver-■ j nünftigen Vorschläge des Schulministers nicht im geringsten aufgeregt! Dann werden wieder- die berühmten Schauermärchen von der Verwilderung der Jugend, der Degeneration der Völker und dem drohenden Untergang von Moral, Sitte und Staat aufgetischt, an wel-- chen Uebeln selbstverständlich die Verwett-‘ l i chung derSchule allein schuld ist. Daß die Krise die Menschen degeneriert und demoralisiert, daß der von den Klerikalen allzeit gestützte Kapitalismus die Menschen• in Not, Verzweiflung, Verbrechen und Elend< stürzt, das hat bisher nur ein Bischof in diesem Staate zu sagen gewagt und den hat der Hl. Vater daraufhin, wider allen.Brauch seines Amtes enthoben und durch einen berüch tigten Scharfmacher ersetzt. Es ist Wohl der Gipfel der Verdrehüngskunst, in der heutigen Notzeit dem Volke das Ammenmärchen auf zutischen, es gehe uns schlecht, weil wir zu wenig Religionsunterricht haben und wir würden an der weltlichen Schule zugrundegehen.(Die Geschichte zeigt freilich nur die Gegenbeispiele, daß Staaten und Systeme an der Uebermacht des Klerus und der klerikalen Volksverdummung zugrundegegangen sind: Oesterreich und das Frankreich der Bourbo nen, die spanische Weltmacht und die italienischen Kleinstaaten vor dein Risorgimento, die klerikalen Regimes in Said- und Mittelamerika und an seinem Hwar nicht römisch, aber auch klerikal orientierten Pfaffcndespo-' :!swus das zaristische Rußland!) Ausdrücklich schärft der Hirtenbrief dell' Eltern ein, cs sei k e i n e P a r t e i p o l i t i k, wenn die katholischen Eltern ihren Kinder» katholische Schulen zu erwirken suchen. Und warum ist es keine Parteipolitik? Der„glor reich regierende Heilige Vater Pius XI." ha» es in seiner Enzyklika gesagt. Nun ja, dann muß es freilich stimmen. „I m N a m e n der Religion"—/ die ja nicht zum ersten- und nicht zum letztenmal von den Pfaffen mißbraucht wird, um ihre Herrschaft über die Seelen zu verteidigen und sich Vorrechte anzueignen—• rufen die Bischöfe zum Kampf auf. Der Religionsunterricht genügt ihnen nicht. Weil sie schon einmal beim Fordern sind, rufen sie nach der Wiedereinführung der pflichtgemäßen ff religiösen Uebungen, denn nur der Sette 2 Freitag, 8. Feber 1838 Nr. 29 sei wirklich religiös erzogen, der auch die religiösen Pflichten erfüllt. Nun sollte man meinen, daß derjenige, der in Religion recht unier- richtet wird, eben das Bedürfnis fühlen werde, zu.r Messe und zur Beicht zu gehen. Die Bischöfe aber, gelehrter als wir Laien, beweisen uns, daß man den Menschen in den Beichtstuhl und zur Messe zwingen muß, um ihn religiös zu erziehen. Ihnen schwebt noch immer der Beichtzwang für neunjährige Kircher, die meist erst aus den famosen Beichtspiegeln erfahren, was es alles für„Sünden" gibt, als das Ideal vor. Sie verwerfen zwar di« sexuelle Erziehung der Kinder, halten«S aber für moralisch, daß ein Beichtiger die zehnjährigen Mädchen über ihr Geschlechtsleben ausfragt und die Buben examinisiert ob sie Unkeuschheit allein, mit anderen Buben oder mit Mädchen getrieben hätten, um ihnen dann noch die Höllenqualen anschaulich vor Augen zu stellen. Es wird nicht mehr lange dauern und wir werden wieder die frecheren Forderungen des Klerikalismus auS der Aera T a a f f e, die Lichtensteinfchen Schulforderungen hören, die sich nicht schamhaft um das Wesentliche drückten, sondern sich offen zum Programm der Volksverdummung, zur Rückkehr zur sechsjährigen Schulpflicht und zur Einführung der Fünftagewoche in den Schulen bekannt haben. Und warum verlangen unsere Herren Bischöfe nicht gleich die Wiederherstellung der Konkordatsschule, wo der Lehrer die Kirche kehren, den Pfarrer rasieren, ministrieren, läuten, Bälge treten, Hostien backen und die Meßgewänder reinigen mußten?! Das war doch noch eine idyllische Zeit wahrer religiöser Erziehung, damals gings auswärts im Zeichen der katholischen Schule. Oder sind die Niederlagen von Solferino und Königgrätz nicht Beweise für die Lebenskraft gewesen, die ein Staat aus der religiös-sittlichen Erziehung seiner Landeskinder in der Konkordatsschule erhält?! Aber nicht nur die. Religion, auch die „Gerechtigkeit" muß herhalten, die klerikalen Forderungen zu motivieren.„Wir verlangen kein« Privilegien und keine Dorrechtstellungen" sagen die Bischöfe, aber die demokratische Gleichberechtigung aller Eltern und Lehrer genügt ihnen eben doch nicht. Sie haben die Kühnheit, die Därerschen Vorlagen als dem Staatsgrundgesetz zuwiderlaufend zu bezeichnen, das den Minderheiten „um so mehr der katholischen Majorität" volle religiöse Freiheit gewährleistet. Als ob die Schulvorlagen irgendwem die Freiheit des religiösen Bekenntnisses, der religiösen Uebun- gen und der religiösen Erziehung bestreiten würden! Die Därersche Reform schasst die Möglichkeit, daß die Klerikalen die Landes- uird Bezirksschulräte erobern und völlig beherrschen, wenn wirklich„das Gewissen der Mehrheit dieses Volkes" hinter ihnen steht, wie der Hirtenbrief behauptet. Man will eben, wir müssen es immer wieder sagen, nicht Rechte, sondern Vorrechte. Man will nicht Glaubensfreiheit für die Katholiken, sondern Gewissenszwang für alle Eltern, die ihve Kinder modern erzogen wissen wollen, die sich nicht damit einverstanden erklären, daß man ihnen die Schöpfungs- 86 Die Kellnerin Molly. Roman von Hang Otto BonoL Tvpyriahl bv gockelretter-Derlaa. Berlin. Nockdrukk verbot««. Sie hatte durchaus keinen Geschmack an so seltenem Futter, sondern tat es nur, um sich am anderen Morgen em Stück Brot kaufen zu können. Di« starken Männer, die mit Ring- und Boxkampf den Beschluß des Programms bilden sollten, nahmen schon vor der Vorstellung den Befehl des Herrn Wendigkeit entgegen, wer zu siegen und die von leiten der„Direktion" ausgesetzten hundert Mark Prämie zu gewinnen habe. Den Höhepunkt der Vorstellung bildeten di« „Sittcnspicle" Lissis und Males. Die einzige Glühbirne inmitten der Bude wurde mit rosa Seidenpapier umhüllt und die beiden Mädchen mimten Sehnsucht und Kuß und Sünde und Scham und Sündenfall. Den ungewaschenen fleischfarbenen Trikot hatte Male nur mit Widerwillen angezogen und vor der Schaustellung ihrer Körperlinien hatte sie sich geschämt. Aber als sie allmählich begriff, was Herrn Wendigkeit« Begleitwort« zu ihren Vorführungen und die Zurufe auS dem Zu'chauerraum zu bedeuten hatten, fühlte sie, daß iyr weit schlim- mereS geschah. Diele Blicke und Worte waren ebenso schamlos wie di« Hände deS Justizamt- «anues, wie die Hieb« des PaftorS Zickmann, wi« die Angriffe deS.Herrn Fickert. Sie errötete sichtbar unter der Schmink«, die auf ihrem Gesichte leg. und fi« wankt«, der Ohnmacht nahe. Ab«r Lissi raunte ihr zu, fi« sollte sich nicht wi««ine dußlig« Zi«ge benehmen, wenn sie morgen zu fressen haben wolle. Der Beifall, der den Sittem'pi«l«n folgte, gali wesentlich der unverbrauchten Schönheit Males. Herr Wendigkeit gab dos bei der Kasienteilung geschichte nach der Bibel und alle Greuel des alten Testaments als moralische Richtschnur bietet. Und man ist kühn genug, die Autorität des Staates von der Kanzel herab zu bestreiten, während man sie sonst, wenn es den Schuh der Klerikales gilt, immer im Munde führt. Man ist kühn genug, in der schamlosesten Weise in einen politischen Kampf einzugreifen und als Kampfmittel„Gebets- und Opferkreuzzüge, vor allem bei den Kindern" zu empfehlen. Freilich trauen die Bischöfe der Waste des Gebetes nicht ganz. Gebet allein nütze nicht:„Nun denn benützet alle erlaubten Mittel..." heißt es im Hirtenbrief. Was dem einen recht, muß dem andern billig sein. Wenn die Klerikalen den Kulturkampf wollen, dann sollen sie ihn haben. Aber dann werden auch dieAndern, deren Geduld jahrzehntelang groß genug war, alle erlaubten Mittel anwendcn und dann wird es auch am Staate selbst sein, alle verfassungsmäßigen Mittel anzuwenden, um den übermütigen Kirchenfürsten das Handwerk zu legen, um die Hetzmäuler der Pfaffen zu stopfen! die gelben Bundesgenossen der Reaktion gefallen sind. Sie zählt der Herr Karg nicht. Ihr Blut aber ist nicht umsonst geflossen. Millionen sind gleich ihnen bereit, ihr Leben der Freiheit zu opfern. Dann: wehe den Bedrückern! Internationale Arbeltshonierenz Beginn: 31. Mai 1933.— Tagesordnung: Vierzigstundenwoche, Arbeitslosenversicherung. Beratungen des Verwaltungsrates des Internationalen Arbeitsamtes in Genf. Am 1. Feber d. I. traten in Genf di« Mitglieder des Verwaltungsrates des Internationalen Arbeitsamtes zusammen, um den Bericht der Borbereitungskonferenz Herabsetzung der Arbeitszeit auf 40 Stunden wöchentlich und die entsprechenden notwendigen Maßnahmen, die dieses Problem erfordern, zu treffen. Wie schon festgesetzt wurde, wird der Berwaltungsrat des Internationalen Arbeitsamtes den Bericht über die Arbeitszeitherabsetzung der Internationalen Arbeitskonferenz vorlegen, di« am 31. Mai 1933 in Genf eröffnet lverden wird. Die im Mai und im Juni tagende Arbeitskonferenz wird weiters die Frage der Arbeitslosenversicherung und verschiedene Arten der Hilst für die Arbeitslosen, die Alterversicherung, die Jrwaliden- und Lebensversicherung, strner das Problem der Abschaffung der honorierten Aemter und di« Frage der Arbeitsmethoden in den Glasfabriken behandeln. Der Berwaltungsrat des Internationalen Arbeitsamtes soll ferner di« künftig« Tagesordnung der Arbeitskonferenz für das Jahr 1934 festsetzen. Es handelt sich vorläufig um vier Fragen: Die Erweiterung des Verzeichnisses der Krankheiten, die zwar Fotz« bestimmter Beschäftigungen sind, Vorkehrungen gegen die Arbeitslosigkeit junger Arbeiter, die Beschäftigung von Frauen in den Kohlengruben und der bezahlte Urlaub der Arbeiter. Der Berwaltungsrat wird schließlich die Anregungen außereuropäischer Staaten auf Vertiefung ober Mitarbeit an der Organisation der Arbeit behandeln; außerdem weichen di« Berichte und Protokolle von verschieden«« Kommissionen, di« in der letzten Zeit in Gens tagten, geprüft werden. Schließlich wird der Bericht des Direktors Butler über di« Tätigkeit des Internationalen Arbeitsamtes behandelt werden. Auflösung des spanischen Parlaments? Di« Folg« der Grausamkeiten i« Casas Vijas. Paris, 2. Feber. Wie das Journal" aus Madrid berichtet, wurde gestern die erste di«s- jährtze Session der Cortes mit einer Jntervella- tionSdebatt« über den Aufftandsversuch von Casas VijaS eröffnet. Mehrere Abgeordnete hätten di« Regierung und namentlich den Innenminister heftig angegriffen und den Vorwurf erhoben, daß die mit der Unterdrückung beauftragten Truppen Grausamkeiten begangen hätten. So seien in Casas Vijas acht Aufständische sofort nach ihrer Verhaftung an die Wand gestellt und kurz darauf erschossen worden. Elf weiter« Extremisten, di« sich in ein Haus geflüchtet hätten, aus dem sie durch Brandlegung vertrieben worden stien, seien nach Und nach ststgenommen und ebenfalls erschossen worden. Der Unterstaatssekretär im Innenministerium habe den Interpellanten geantwortet. Di« Debatte werde heut«, wie das Journal" meint, wenn der Führer der Radikalen Lerroux das Wort ergreift, eine gewiss« Bedeutung gewinnen. Man rechnet damit, daß die von der Regierung gestellt« Vertrauensfrage zum Stütz des Kabinetts führen könnte, und man sprech? sogar von einer möglichen Auflösung der Cortes. lich würde Herr Wendigkeit sie nicht zwingen können, bei der Truppe zu bleiben. Aber sie hatte ja außer dem Unterschlupf in Lissis Bette kein« Wohnung und auch kein Geld, ein« solche zu mieten. Lissi«aber, die durch Males Weggehen vielleicht brotlos werden konnte, würde ihrdann stlbstver- stündlich die Unterkunft sperren. Lissi war«in gutes Mädchen, doch hatte die gruMose Eistrsucht gegen MaleS Schönheit sie erbittert und ungerecht gemocht. Bestimmt würde Male von ihr kein« Hilfe zu erwarten haben. Mal« hatte den Entschluß gefaßt, auf jede» Fall von der Truppe Wendigkeit tz-zukommen, um bei der Revue ein« gutbezahlt« Künstlerin zu werden. Sie täuschte sich nicht darüber, daß st« z«r Erreichung dieses Zieles das am Anfang« erforderliche Geld vielleicht auf eine Weis« verdienen werden müsse, vor der ihr immer gegraut halt«. Sie dachte an d>« Mädchen am Stettiner Bahnhost. So tief wollt« sie natürlich nicht sinken- Aber wenn es keine andere Möglichkeit gab,;n einer Wohnung zu kommen, von d«r aus sich der Weg zu einem Berufe ihrer Aieinuna nach leicht bahnen ließ, dann würde sie diesen Preis zahlen- Uebrigcns würde das in den Kreisen der Truppe nicht auffallen, im Gegenteil galt Male dort als Gans und Zierliest, weil sie darbt«, statt ihr mageres Leben auf jene Weise aufzubessern, zu der nach Bärenzahns Behauptung das Weib die einzig nötige Voraussetzung von der Mutter«rbt. Auch Lissi, das wußte Mal«, sagt« nicht nern, wenn sich ihr eine Gelegenheit bot, ihr Einkommen um ci* paar Mark zu erhöhen. Doch kam daS bei d«ch mageren und häßlichen Mädchen nicht sehr häufig vor. Aus diesen Erwägungen heraus zeigte sich wenige Tage später Male nicht abgeneigt, als nach dem Auftreten ein Herr den Wunsch äußerte hie „beiden Sittendamen" cinlaben zu dürfen. tKorliktzung;olgi.) „Der Tag“ feiert Hitler. Die neue Wendung bereits vollzogen. Bor einigen Wochen rückt«„Der Tag" in aller Form von Herrn Hitler ab. Er las ihm wegen seiner Unduldsamkeit und seiner Phanta- stcrcien gehörig di« Leviten und stellt« dem Großmaul Adolf Herrn Strasser gegenüber.„Der Tag" bekannte sich zu S tra s s e r; damit hatte er seinen zweiten Verrat an Hitler vollzogen. Den «rsten hatte«r im Jahr« 1923 begangen; nach dem Münchener Putsch nannte er ihn ein«„eitle Primadonna". Es war vorauszusehen, daß den„Tag" di« zweit« Abkehr von der Primadonna noch gereuen und-aß er, falls eS der Trommler doch noch zu Amt und Würden brächt«, stinen Verrat verraten wird. Und siehe da: kaum war- Hitler Reichskanzler, liegt Herr Karg schon wieder vor ihm ausdem Bauch. In der Ausgabe vom 2. Feber(Hornungs) widmet« er dem eitlen Fant, den die Junkerregierung zu ihrem Reklamahef gemacht hat, einen langen Leitartikel.„Adolf Hitler— Bon Rtax Karg", so ist daS Jubellied überschrieben. Wahrhaftig, dieser Adolf Hiller ist wirklich von Max Karg! Deuflchland sei, so schreibt Karg, zwar reich an klugen und gescheiten Leuten, aber„arm an großen Demagogen und Dolksrednern". D e- m a g o g? In des Wortes heutiger Bedeutung ist Hitler der größte der gegenwärttz in Europa agierenden. Ein braver Parlamentarier der Bayerischen Volkspartei habe Herrn Karg einmal versichert, daß Hitler«in Narr sei,-er im Irrenhaus enden werde. Der Brave werd«, so meint Karg, sttzt wenig erstaunt sei», daß er d«S Reiches Kanzlerstuhl nut einem Narrenhaus verivechselt hat.— In der Tat: das Erstaunen, daß«in Hitler auf den deutschen Kanzlerstuhl statt ins Narrenhaus kam, dürfte sehr groß stin. Nicht nur bei dem Bayern. „Es gab kein« Schlechtigkeit, di« ihm Von stinen Gegner« nicht nachgasagt wurde. Einmal war er von den Franzosen, einmal von der deutschen Schwerindustrie gekauft, einmal war er «in kamndalischer Eisenfresser und dann wieder «in jämmerlicher Feigling und Schwächling, der vor seinen SA-Führern weinend um Gnade bat, einmal war er von den Juden bestochen und dann wieder von Musiolini für den Verrat an Südtirol gut bezahlt.— Tag für Tag ging dieses Trommelfeuer der Verlrunchungen und Teiideirzmeldungen auf Hitler und seine Bewegung hernieder. Aber sonderbar: Ä« mehr Schmutz nach rhm geworfen wurde, desto fester glaubten seine Anhänger an ihn und desto mehr nahm seine Partei zu." Und das ist wirklich sonderbar: all daS, was Hitler« nachgesagt wurde, ist so wahr, wie die Schande, daß er sttzt nach Hindenburg Deutschlands erster Mann zu sein scheint. Das Geheimnis von Hitlers. Redekunst sei, so schreibt Kara, noch nicht ergründet. Hitler sei eben einer der ganz Seltenen, die dem Volke aus dem Herzen reden. Herr Karg irrt: Hitler ist einer der vielen, die den Dummen, den Gläubigen^ nach dem Mund« reden. Er ist ein besonders gerffsener, ein besonders niederträchtiger und, da ihm die allgemeinen Verhältnisse günstig waren, auch ein besonders erfolgreicher Demagog. Und wenn Karg meint, das„Geheimnis" entdeckt zu haben, das darin bestehe, daß Hitler ein»Herzstück" des Volkes sei und doch über dem Völk« stehe, so wagen wir ihm nicht zu widersprechen; was will das Urteil von Fachleuten einem Laien gegenüber besagen, der«in KrebSgeschwür mit einem Herzstück verwechselt? Karg, der Erwägungen darüber anstellt, ob Hitler diktieren will und wir-, bekennt sich zum Diktator Hitler. Ueberall werde sttzt nach-em starken Manne gerufen; im modernen Staat genüge das altliberale System nicht. Nun, Herr Karg wiederholt da Ansichten, dereu Verderblichkeit für die Deutschen in der Tschechoslowakei wir wiederholt aufgezetzt haben: was meinte er, wenn stin« Ge» dankengäng« auch im tschechischen Volk.einmal Boden fänden, wenn etwa ein Stribrny, dem Hitler geisttz überlegen und moralisch ebenbürtig, mit dem von Karg geschmähten„altliberalen" System auftäumte? Daß Herr Karg dann k«in« Leitartikel mehr im„Tag" schreiben könnte, wäre wohl noch zu ertragen. Daß jedoch das deutsche Bolk in der Tschechoflowakei in seiner Gesamtheit Kerkerluft atmet«, wäre eine Welt schlimmere Angelegenheit. Herr Karg fteut sich, daß es, als Hitler den organisatorischen Machtapparat einschaltete, einen hörbaren„St n a d S" gegeben hat. Es wird, dessen kann Herr Karg versichert sein, noch mehr geben als«inen Knacks, wenn di« Lakeien der Junker versuchen sollten, dem deutschen Arbeitsvolk stin« Freiheit zu nehmen. Schon krachen überall di« Revolver. Sie sind die Begleitmusik zu sinnlosen Einzelaktionen, di« aber doch di« Erregung und den Kampfwillen der Massen widerspiegeln. Der Löwe Proletariat ist zum Sprunge bereit. Wenn es um alles geht, wird dem gelben Kanzler die Freude an seiner Rolle vergehen und Herrn Karg wiederum di« Freud« an ihm. Heber 300 Tot« und über 2000 Verwundete der SA. haben nach dem Herrn Karg Hitler» den Weg zum Kanzlerstuhl gebahnt. Di« Opfer sind gefallen für einen Mann, der nichts wert ist als einen Fußtritt, sind gefallen für eine geistige und moralisch« Null, die unter der Vormundschaft der Volksfeinde steht. Wir aber, das Proletariat, haben noch zahlreichere Opfer zu beklagen, die im Kampfe gegen auch zu und erkannte Males Verdienst an, indem er ihr von seinem Anteile einen Fünfziger extra zulegte. Wodurch sich Males Berdienst an diesem Tage auf drei Mark aufrundet«. Bildschöne jung« Damen von erstNassigem Körperbau finde» lohnende Beschäftigung. Zwischen Mal« und Lissi gab eS bald Reibereien. Man sagte Mal«, daß sie schön sei. B«i der Parade erregt« sie Aussehen. Die Zuschauer, die über Lissi erbarmungslos Witz« rissen, umschmeichelten Mal« mit geistn Späßen. Di« Mitzlieder der Truppe, voran Herr Wendigkeit, verbargen ihr« Cif«rsücht«lestn um daS schön« Mädchen nicht mehr. Natürlich schlug diese Well« der Eifersucht auch auf daS gemeinsam« Zusammenwohnen-er beiden Mädchen über. Mal« wehrt« sich dagegen, einen der zahlreichen Bew«rb«r zu lieben oder alS Geliebten anzunehmen. Wenn Lissi nun ihre Freunde in der ärmlichen Bude empfing, so verhielt sich Mal« so gleichgültig alS möglich. Trotzdem glüht« Lissi in Eifersucht auf und warf mit unschönen und ipitzigen Redensarten um sich. Oft schon hotte Mal« wcglaufen wollen, aber die Tatsache, daß ihr«„Gage" nur notdürftig für das Essen am stweiligen Tage und einen kleinen Zuschuß zu Lissis Zimmergeld reichte, hielt sie wie an einer harten Kette fest. Oft versuchte sie, unter den Angebotes in der Zeitung ein« ihr mehr zusagende Stellung zu finden, aber gewöhnlich schob sich da- Fehlen aller Ausweispapiere alS Riegel vor. EinZusall ließ ihre Augen auf ein Inserat in der„Morgenpost" fallen: Zweitausend bildschöne junge Damen von erstklassigem Körperbau finden lohnende Beschäfttzung in künstlerischem Beruf. Prüfung am... bei... Diese Prüfung war für Vormittag angesetz: und da fiel es Mal« nicht schwer, unter einem Vorwand Lissi für einiae Stunden zu verlassen. Sie fand den Weg zu einer bekannten Revuedirektion. Unzählig« Mädchen vevschi«densten Alters, darunter«in« Anzahl nicht im geringsten schöner, füllten das Borhaus und die Treppen des Revue- palasteS. Male stand mitten unter ihnen. DaS Geschnatter, um enttäuschte Erwartungen und hoffnung-frohe Erlebnisse kreisend, klang Mate in den Ohren. Arbeitslose Stenotypistinnen, Familientöchter, die nirgends sonst unterkommen, verlassene jung« Ehefrauen standen unter denen, die mit Stolz betonten, daß sie zünftig seien. Sie mochten bei BereinSveranstaltungen oder als Aushilfen tänzerisch mitgewirkt haben. Male empfand es als nrerkwürdtz, daß die meisten nicht nur auf Broterwerb ausgingen wie sie, sondern auch auf ein bißchen Künststrruhm. Selbst die Stenotypistinnen, die jahrelang als Arbeitslose gehungert oder sich prostituiert hatten, waren von Ruh- messehnsucht nicht ganz frei. Sie hofften hier die langerwartete groß« Gelegenheit zu finden. Mal« wußte» daß beim Paradestehen in der Schaubude täglich di« Linien ihres Körpers von geilen Augen abgetastet wurden und empfand darin kaum mehr als ein Berufsrisiko. Aber wirkliche Scham kam ihr jetzt, als ein Ballettmeister einfach befahl, daß alle Kleider abzulegen seien, damit das„körperliche Material" einwandfrei begutachtet werden könne. Wie olle anderen paradiert« auch Male vor der Kommission von einem Dutzend Herren, die ungeniert und laut die Vor- gcsuhrten taxierten. Mal« war unter den Glücklichen, die alS tauglich befunden wurden. Die vielen anderen, die sich in Hoffnung auf Anstellung entblößt hatten und nun doch nicht angenommen wurden toten ihr in der Seel« leid. Mit einem Zettel in der Hand, der ihr das Recht gab, nach acht Tagen zur ersten Uebnng an- zutreten, stand Male wieder auf der Straße. Sie wollte über die Aussicht, von Herrn WeiidtzkeitS Truppe wegzukommen. gern glücklirb>«'» aber das Gefühl der Geldlosigkeit lähmte sie. Natür- Nr. 29 Freitag, 3. Feber 1933 Sette 3 8ns Fra^e an die Unternehmer Der Kanzler der Jonker und Sdilotbarone! * wirklich glaube, daß etwa der Schwer. Thyssen, einer der reichsten Männer „Mein stellt dann an den Zwischenrufer die ist eine Pflicht des Staates, der die Arbeitslosen! nicht zugrunde gehen lassen darf, und die Verkürzung der Arbeitszetr ist gerade in der Zeit-er Krise umso dringender notwendig, als es dadurch möglich wäre, doch einen Teil der Arbeitslosen in die Be- triebe wieder einzustcllen. Ist denn aber die Slrbcitsloscnfürsorg« ein Entgegenkommen, ein« Konzession an die Ar- bciterklasse? Der Staat greift sofort ein, wenn Wirtschaftsunternehmen oder Banken in Verlegenheit kommens er soll es auch, weil davon sehr oft die Aufrecht-, erhaltung industrieller Betriebe abhängt. Aber wenn ein Arbeiter aufs Pflaster geworfen wird, weil ein paar Kapitalisten eine Konzentration ihrer Betriebe vornehmen und deshalb kaltblürig ganze Werke stillegen, so ist doch der Arbeiter nicht schuld an seiner Arbeitslosigkeit! Wenn der Staat da nicht eingreift, um die Stillegung von Betrieben zu verhindern, dann mutz er zumindest zum Schutze dieser Menschen da? Notwendigste veranlassen, dann muß er, wenn er schon kein« Arbeit beschaffen kann, wenigstens die Mittel bereitstellen.' um den Arbeiter vordem Verhungern zu schützen! Die planmäßig organisierte Hetze gegen di« Arbeitslosenunterstützung muß einmal aushören, zumal, wenn gewisse Herren,- die sich an ihr eifrig beteiligen und- in jedem Arbeitslosen einen arbeitsscheuen Faulenzer sehen, dann selbst an der Spitze von Abordnungen in Prag b«i Interventionen eine höhere Dotierung der Arbeitslosenfürsorge verlangen oder sich gar an die Spitze von Hungermärschen stellen! Konstituierung des Parteivorstandes. Sympathiekundgebung für di« reich-deutschen Genossen. Prag, 2. Feber. Ter Parteivvrstand nahm in seiner gestrigen, geineinsam mit den Klubs der Abgeordneten und Senatoren abgehaltenen Sitzung zunächst seine Konstituierung vor. Zu Stellvertretern des Vorsitzenden wurdeit di« Genossen Abgeordneten Adolf Pohl und Eugen de Witte gewählt, zum Kassier Genosse Senator Dr. Heller und zu dessen Stellvertreter Genosse Ilbgeordneter Hackenberg. Darauf erstattete der Parteivorsitzende Genosse Dr. C z c ch einen eingehenden Bericht über die internationale Lage, insbesondere über den Regierungswechsel in Deutschland und Frankreich. Er gedachte dabei der schicksalschweren Kämpfe, denen die deutsche Arbeiterklasse cnt- gegengeht uick» die wir mit der größten Spannung und Anteilnahme verfolgen. Er sprach dabei die feste Zuversicht aus, daß die in unzähligen Kämpfen bewährte deutsche Arbeiterklasse dem Ansturm der vereinigten schwcrkapitalisti- schen und fascistischen Reaktion in unerschütterlicher Disziplin siegreichen Widerstand leister: wird..- Der Parteivorstarrd erledigte sodann eine Reihe von laufenden Angelegenheiten. üendersohn ist enttäuscht. Genf, 2. Feber. Im Hauptausschuß der Abrüstungskonferenz begann heute die allgemeine Aussprache über den französischen Sicherheitsund Abrustungsplan. Präsident Henderson gab bei Eröffnung der Sitzung seiner schweren Enttäuschung über den Verlauf des letzten Jahres der Abrüstungskonferenz Ausdruck und bat die Delegierten, daran mitznwirken, daß nunmehr bald entscheidende Entschlüsse über die Abrüstung gefaßt werden und ein Abkommen fertiggestellt werde. In der anschließenden Debatte sprachen sich die Vertreter Deutschlands und Italiens ziemlich scharf gegen den letzten französischen Abrüstungsplan aus. Avbeitevbcweg-ung nur in irgendeinem Zusammenhang sicht, wir sehen in ihm den Mann, der hi« Mörder von Potcmba als seine„Kameraden" jubelnd begrüßt hat, den Mann, den sich bic Schwerlichusiriellen und di« Juicker ausgesucht haben, um die Demokratie zu erschlagen, um die Aufdeckung des Osthilfesiandals;n verhindern. Wir hoffen, ja wir sind fest über« zaugt, daß auch diese Welle des Rückschrittes und der Reaktion vorübergehen wird! Wir in der Tschcchoslo»vakei betrachten es alS unser«' höchste Ausgabe, Hand in Hand mit unseren tschechischen Genossen das, was in Mitteleuropa noch übrig gcblieiben ist in dieser furchtbaren fascistischen Welle, zu schützen und zu verteidigen. Wir glauben an., die Zukunft, der Arbeiter-- klasse, wir lasse« uns sticht irre machen in unserem Ziel, der sozialistischen Gesellschaftsordnung. Auf den» Boden der Demokratie und von diesem Bode« aus wollen wir diesem Ziel zustreben, bis es erreicht ist.(Lebhafter Beifall.) ** Was immer in der Arbeitslosenfürsorge in der Tschechoslowakei besteht, ist lange nicht das, wozu der Staat verpflichtet wäre. Selbst nach der Notverordnung PapenS sind wir gegenüber der Ar» beitSlosenfürsorge im Reiche noch stark im Hintertreffen. Wie lange dies dort noch der Fall sein wird, weiß man allerdings nicht, denn ans dem politischen Umschwung in Deutschland kann manches Schlimme hervorgehen. Es ist sehr bezeichnend, daß der politische Umschwung im Reich gestern hier von einer deutschen Partei bejubelt wurde, die vargibt, eine Arbeiterpartei zu sein und Arbeiterpolitik zu machen, die aber keinen Augenblick daran denkt, daß das, was jetzt in Deutschland droht, alles übertreffen wird, was dem deutschen Arbeiter fest Brüning über Papen und Schleicher bisher zugemutet wurde!. Der sozialen Gesetzgebung in Deutschland droht schwerste Gefahr, denn daß di« Junker und Schw«rindustri«Nen ein« Hitlerreglerung bejubel«, weil dies« in der sozialpolitischen Gesetzgebung Vorwärtsschreiten will, ist doch n'cht anzunehmen. Da sind uns die Reden HitlerS vor der hohen Gesellschaft der Gchwerindustriellen noch viel zu gut in Erinnerung, daß mit der„Einmischung der Gewerkschaften in das Wirtschaftsleben" Schluß gemacht werden müsse. Gegen diese Gewerkschaften wird Hitler von den Industriellen und von den ostelbischen Junkern vorgeschoben. Machen wird er als Reichskanzler den« doch nur das» was ihm di« Schwerindustrie >md di« Junker vorschreiben werden; er wird es auch tun, weil er ja von Anfang an sein« Politik darauf eingestellt hat. Unter allerhand Zwischenrufen des Nationalsozialisten Köhler belegt Genosse Schäfer Hitlers durchaus feindselige Einstellung gegenüber den Ge- werch'chaften mit Zitaten ans besten Buch Kampf" und 1 Frage, ob er denn industrielle Deutschlands, mit Hitler Kameradschaft geschlosten hat und sich in die nationalsozialistische Organisation eintragen ließ, weil er in Hitler«inen Arbeitervertreter, in seiner Partei«ine Partei der Arbeiterklasse erblickt, die das Los der Arbeiter ver- bessrrn und im Wege des gewerkschaftlichen Kampfes einen Ausgleich der wirtschaftliche» Gegeusätze herbeiführe« will? Ein Adeliger, der Junker Janus chau-Olden- b u r g, hat vor wenigen.Wochen— damals, als Hitler noch di«.„ganze" Macht beanspruchte und sie mit niemandem teilen wollte— richtig gesagt, »man müsse Adolf Hitler„e r st ordentlich entlausen", dann werde er erst brauchbar sein. Wahrscheinlich hat nun Papen erklärt, daß die Ent« ! lousungSperiode vorüber und Hitler als Reichskanzler jetzt gegen di« Marxisten, gegen die „Novembervecbrecher" zu brauchen sei. Es geht aber um mehr in Deutschland, es geht umdaS Schicksal der Demokratie! Wir Ricken ebenfalls na-*> Deutschland hinüber, aber unser« Sympathien und Wünsche sind an di« Arbeiterklasse, an da» Proletariat Deutschlands gerichtet, das vor«in«n der schwersten und geschichtlich bedeutungsvollsten Entscheidnngskämpfe gestellt ist. ES geht heute in Deutschland um dle Wieder, aufrichtung einer brutalen Junkerherrschaft, und es ist urisagbar traurig, daß sich eine Partei, di« vorgibt, eine Arbeiterpartei zu sein, an der Wiederaufrichtung dieser Junkerherrschaft beteiligt! Wir sehen in Hiller den Mann, der erfüllt ist vor; Gehässigkeit gegen alles, was mit der vorgeschrittenen Technik auf die Dauer nicht bei der achtstündigen Arbeitszeit bleiben können^' ohre daß nicht Millionen dauernd außerhalb des- Produktionsprozesses bleiben müssen, bloß auf eine karge Unterstützung gesetzt, die die öffentliche Wirtschaft natürlich ungeheuer belastet. Eine Gruppe amerikanischer Ingenieure hat berechnet, daß nach den heutigen technischen Möglichkeiten in Ainerika pro Arbeiter 660 Arbeitsstunden im Jahr genügen würden, um alle Bedürfnisse der. amerikanischen Bevölkerung zu decken; das wären nicht einmal zweieinhalb Stunden täglich! Auch bei uns hat die Rationalisierung einen hohen Stand erreicht; man lese nur die betreffende Stelle aus dem lebten Expose des Fürsorgeministers nach. Wenn unsere Industriellen der Forderung nach Arbeitszeitverkürzung verständnislos gegenüberstehe«, so muß man an sie die Frag« richten, waS denn nach ihrer Ansicht mit den Hunderttausenden Menschen geschehen soll, die sonst nicht mehr in die Betrieb« zurückkehren könnten, wenn nicht durch die Einführung der 40-Stundenwoche das Arbeitsquantum auf mehr Menschenhände anfgeteilt wird! Wenn man sich gegen die 40-Stundenwoche sträubt, dann muß man auch offen sagen, welchem Schicksal man die überzähligen Arbeiter zu überlassen gedenkt! Allerdings geht man jetzt über diese großen wirtschaftlichen und sozialen Probleme mit ein paar Gesten, mit ein paar großen Redensarten hinweg. Gestern abends hat man im Rundfunk hören können, wie leicht sich Herr Hitler die Lösung solcher Fragen voestellt: Im Deutschen Reich wird in vier Jahren die Arbeitslosigkeit behobest und die Bauernschaft von aller Bedrängnis erlöst sein! Auf welchem Wege Herr Hitler das machen will, das hat man allerdings nicht erfahren! Er müßt« doch entschlossen sein, wenn er die Arbeitslosigkeit tatsächlich beseitigen will, die Unternehmer zwingen, daß sie allen arbeitenden Menschen wieder ihre Betriebe öffnen und lohnende Arbeit verschaffen! Aber natürlich, die Herren wissen sich anders zu helfen! Es wird die Arbeitspflicht ange- küitdigt. Wir brauchen aber leine Arbeitspflicht! Alle^ die Hunderttausend«« von Arbeitslose», di« heut« um eine kümmerliche Unterstützung lange Wege zurücklcgen müssen, find bereit zur Arbeit, ohne daß man ihnen erst die Verpflichtung zur Arbeit auferlegeu müßte! (Genosse Hackenberg: Aber nicht so, wie sich der Slernberger Bezirkshauptmann das vovstellt!) Wie schnell wären neue Arbeitsstellen ohne jede Ar- beitsdienstpflicht besetzt, wenn nur di« Arbeitgeber durch ein« Verkürzung der Arbeitszeit sie schaffen wollten! Die Menschen wollten Arbeit; es gibt ja nichts Niederdrückenderes, als wenn avbeitsfreudige Menschen jahrelang zur Untätigkeit gezwungen werden und sich mit Ernährungskarten abspeisen lasten müssen, weil es der Staat verabsäumt hat, in guten Zerten Vorsorge für eine wirklich gut ausgebaute Arbeitslosenfürsorge zu treffen. Das Genter System war nur für normal« WirtschastSzeiten gedacht. Jetzt ist dieses unzureichende, nach keiner Richtung hin befriedigende Gesetz gewiffrn Politischen Gruppe» bereits zu viel an staatlicher Fürsorge! Wenn wir aber darüber reden, den Arbeitslosen Beschäftigung zu versorgen, dann stoßen wir auf den hartnäckigsten uild schärfsten Widerstand der Industriellen! Unser Uirternehmerverband bleibt unS die Antwort schuldig auf di« Frage, was mit den Arbeitslosen, was mit den schulentwachsenen jungen Leuten werden soll, Venen die Fabrikstore versperrt bleiben! Warum geben uns die Industriellen daraus keine Antwort, warum berufen sie sich aus jene alten Gründe und Einwände gegen die Arbeitszeitverkürzung, die schon seit den Tage« des l Kampfes um den Elf- und Zehuftundeutag durch die geschichtliche, wirtschaftliche und industrielle Entwicklung widerlegt worden sind? Daß man heul« in einer Zeit, wo zehn Arbeiter so viel leisten wie früher hundert, wo eine Maschine die Arbeitskraft Hunderter Menschen ersetz:, auch bei der achtstündigen Arbeitszeit nicht mehr halt macheu kann, das müßten denn doch auch die Wirtschoftspolliiiker in den Reihen der Industrie einsehcn! Aber wie ist nicht der Fürsorgeminister Genoss« Dr. Czech gerade von dieser Seite angegriffen worden, als er mit dem Entwurf über di« 40-Stundenwoche hervortrat! Das alles lehrt uns, daß sich di« Arbeiterklasse der Tschechoslowakei bei der Durchsetzung der Pier, zigstundrnwoch« nicht aus die Einsicht der Uuter- nehmerklasse verlassen darf, sonder» nur aus ihre eigene Kraft. Genau so wie der Zehnstundentag einst im alte» Oesterreich durch schwer« Kämpfe, durch wochenlang« Streiks errungen werden mußt«, so wird es uns auch in der Tschechoslowakei nicht erspart bleibe«, für di» Vierzigstundenwoche ebenso schwere Kämpfe zu s'^-en! Arbe tslosenfürforge und Arbeitszeit hängen eng zusammen, denn die Fürsorge für die Arbeitslosen Die Budgetdebatte da»»er le heut« den ganzen Tag weiter an; erst morgen in den Mittagsstunden dürft« das Haus den Ucbergang in die Spezialdebatte beschließen und dann sofort die Politisch« Grupp« in Verhaftung ziehen. Aus der heutigen Debatte wäre eine Rede StbidrnyS zu erwähnen, der den Brünner Putsch, den die Konkurrenz" Veranstalter halt«, angeblich vorbehaltlos verurteilte und dann wegen seines Jg lauer Prozesses gegen di« Berival- tüngIhehörden den schweren Vorwurf erhob, sie hätten sich durch Suche nach unglaubwürdigen Zeugen unberechtigi in die Prozeßführung eingemifcht. Nach unbewiesenen Behauptungen, daß der Staat in ti« Sanierung der Anglobank bereits sehr bcrrächt- liche Summen hin eingesteckt habe, und einem Seitenhieb auf Dr. Benetz wegen der luxuriösen Ausstattung des neuen AnßenamteS fordert« Stribrny in etwas zu theatralischer Weis«, auch wegen der anderen Beschuldigungen, die gegen ihn erhoben werten, vor Gericht gestellt zu weiden. Di« Opposition schlug überhaupt eine ziemlich scharfe Sprache an, so Dr. Ravasc in Sachen der flowasöschen Autononne und der Gewerbeparteiler M l ö o ch wegen der Steuer- und Finanzpolitik. Nach der Rede Schäfers hielt es der Haken- krruzler Kasper für gut, sich in einer porteroffi- stellen Erklärung sehr entrüstet zu stellen, daß wir es wagten, uns schon am zweiten Tag nach Hitlers Ernennung ein solches Urteil über die kourmend« „Aufbauarbeit" anzumaßen. Von Koalitionsseit« sprach später der National- demokrat Spaöek, für den natürlich di« reichsdeut- schen Ereignisse ein willkommener Anlaß waren, fein Pauschalurteil über die deutsche Mentalität zu bestätigen und seinen eigenen Chauvinismus noch besser zu fundieren. Wie kann man Arbeit anders beschaffen als durch Verkürzung der Arbeitszeit? Genosse Schäfer über das Arbeitsiosenproblem und die politischen Ereignisse in Deutschland. Prag, 2. Feber. Wir haben erst vor kurzem berichtet, mit welchem Unverstand die Unterneh- »ervertreter im Parlament sich gegen jede Er örterung, ja gegen die bloße Erwähnung der Frag« der Arbeitsverkürznng durch den Fürsorge minister gestellt haben. Damals hat dem Herrn Hodaö Genosse'Tr. Czech selbst die entsprechend« Abfuhr erteilt. Heute war es Genosse Schäfer, der dieses Mwbkem in der Budgetdebatte erneut mit aller Entschiedenheit anfrollte, unwiderleglich aufzeigt«, daß nur auf diesem Wege ein« Milderung der furchtbaren Arbeitslosigkeit möglich sei, und di« Unternehmer an den Pranger stellte, weil sie sich auch heute noch engstirnig gegen jeden Schritt«n dieser Richtung mit Argumenten wehre», die schon zur Zeit des Kampfes um den Zehnstunden- tag in die Rumpelkammer gehörten. Selbstverständlich befaßte sich Genosse Schäfer auch mit dem enthusiastischen„Jubel", mit dem gestern ein Vertreter der nationalsozialisti sche« Arbeiterpartei Hitler, den Kanzler d«r Jun ker und Schlotbarone, begrüßt hat. Tie Charakterisierung Hüters und seiner Regierung, di« Schä ker vornahm, bereitet« den anwesenden Haken- kreuzlern allerdings nicht wenig Verlegenheit, und Herr Köhler versuchte deshalb, in Zwi schenrufen eine Analogie zwischen den Junkern und Hitler einerseits und den tschechischen Agra riern und unserer Partei andererseits zu kon struieren; auch unsere Partei wäre angeblich nur im Schlepptau der Agrarier. Der Vergleich hinkt z« sehr, als daß man ihn «st entkräften müßte; darum sei Herr Köhler nur Rstagt, wann w i r etwa noch Jahre vor unserem mgierungseintritt eine solch« rührselige Verbrü derung mit den tschechischen Agrarparteilern aus sreien Stücken in Szene gesetzt haben wie feincr- stit Hitler und Hugcnberg j« Harzburg, und er stj daran errinnert, wie lange sich seinerzeit im herbst 1929 die tschechischen Agrarier mit aller Rächt dagegen gewehrt haben, daß die Vertreter der deutschen Arbeiterschaft in die Koa- iiüonsregierung einbezogen werden. In unserer Koalition stehen wir den tschechischen Agrariern als Jnteressenvertreter des deutschen Proletariats 'n einer offenen Kampfstellung Kgenüber. in Deutschlands neuester Regierungs- «alition ist Herr Hitler nichts anderes als der Fanghund, den Junker»rnd Schweriudu- lriellc aus die Arbeiter und ihre Gewerkschaften laslassen wollrn! Und noch etwas an die Adresse des Herrn knirsch, der bei der Erwähnung des Hitler- iklrgramws an die feigen Meuchelmörder von Potemba den Schuß Fritz Adlers gegen Stürgkh al» vergleich heranziehen wollt«: Fritz Adler hat, als er mmitten des Krieges zu dieser schärfsten Demonstration gegen den schrankenlosen Absolu- tismus griff, bewußt sein Leben in die Schanz« schlagen, um das österreichische Proletariat von ftm furchtbaren Druck z« entlasten, unter dem es ** diesen Kriegsjahren stand. Mi. ihm in einem «trm- die feigen Meuchelmörder von Potemba auch nur zu nennen, die zu funft auf einen Wehr- Mn vor den Augen seiner Mutter ein Schetben- Aießen veranstalteten, um die vermeintliche «artholomäusnacht zu Ehren Hitlers würdig ein- iuleitcn, und die dann freilich verdutzt drein- chauten, als nicht die erhoffte Belohnung kam, Fabern das Todesurteil drohte, ist eine ohne Der- gegen etliche Ehrenbeleidigungsparagraphen ^^erhaüpt nicht naher zu qualjfizie- '«nd« Handlungsweise, deren sich Herr "nirsch aufs tiefste schämen sollte! * . Aus der Rede des Genossen Schäfer seien lalgende Stellen hervorgehoben: L Gegen den vorliegenden Staatsvoranschlag Mnen gewiß manche ernste Einwendungen Phöben werden; aber die Arbeiterklasse kann eben M die Zusammenstellung des Staatsvoranschlages so weit Einfluß nehmen, als ihre poli- sisch» Macht reicht! Dazu kommt, daß dieser veranschlag unter unsäglichen Schwierigkeiten und kroß»» Sorgen zusammengestellt werden \ Wen» wir Sozialdemokraten von der Bevöl kerung die politische Macht erhalten hätten, die b»r brauchten, um den Staatsvoranschlag»ach den «Äürsniffen der arbeitenden Klassen einzurichten, ivürde er sicher anders ausschauen als der gegen wärtige! Für die Arbeitslosenfürsorge sind 730 kAsionen vorgesehen. Wenn die Arbeitslosigkeit so eWst wie heute, werden wir»pit dieser Summe Et* Auskommen nicht finden. Will man nicht so f c* Geld aufwendcn, dann müßte man darauf be- sein, die Arbeitslosigkeit abzu tuen. Dazu gibt es eine Reihe von Mitteln, wie esti ti on e n und N o t st a n d sb a u t c n; «Ml wüßte aber auch die Gemeinden und Bezirke »My Zuweisung finanzieller Mittel instand setzen, nMstandsarbeiten durchzuführen. ! Di« Arbeitslosigkeit läßt sich aber noch auf Einen, anderen Wege wenigstens zu eium Teil be- uulpsen, und zwar auf dem Wege der B e r k ü r- "ug d,r Arbeitszeit. gibt heule unter verstä»»digen Menschen •'Nen Streit mehr darüber, daß wir bei der Seite 4 Freitag. 3. Feber 1933 tr. 29 T gdesneuigkeiten U>LWSM8L>WWW>MWMWW>WWWMWWWM»WWIM Tödttcher Rkubübersall aus einen Lez.rlsnÄter iu Teichen. Der Täter ei« Malergeselle. Mäh r.-O st r a u, 2. Feber. Gestern abends gegen 21 Uhr überfiel der bereits mehrmals vorbestrafte Malergeselle Otto TyleLek aus Nitkowitz den 28jähr. Bezirksrichter August D o r d a in dessen Wohnung iu Tschechisch» Teschen. Er feuerte zwei Schöffe aus einem Browning auf den Richter ab, wodurch dieser schwer verletzt wuroe. Tyleöek beraubte sodann den Verletzten um 600 K und Schmucksachen, woraus er mit einem Auto nach Mähr^Ostrau fuhr, wo er in einem Rach traf« zechte. Auch dort hatte er noch den Browning bei sich und gab iu einem Gange mehrere Schüsse ab. Hierauf fuhr er in«in Hotel, in welchem er in den Morgenstunden von der Polizei verhaftet wurde. Tyleöek gestand di« Tat ein und wurde in die Hast des Preisgerichtes in Mähr.-Ostrau einge- liesert. Richter Dorda wnrde im Krankenhaus von Polnisch-Tesche» einer Operation unterzogen, wo er noch bewußtlos liegt. Es besteht wenig Hoffnung, daß er mit dem Leben davon kommt. Der Vorfall wird noch genau untersucht, insbesondere die Beweggründe, die Thlöek nach Tschechisch-Trschen geführt haben. Sin römischer Advokat mit 10 Millionen Lire flüchtig. Großes Aufsehen erregt das Verschwinden eines der bekanntesten Handelsrechtsanwälte Roms und Italiens Filippo del Gindice, der seinen wohlhabenden Klienten insgesamt 10 Millionen Lire veruntreute und vor Wochen ins Ausland flüchtete. Del Gindicc war Mitglied des Verwaltungsrats zahlreicher Handelsgesellschaften und Wohlfahrtsinstitutionen sowie einer der Verteidiger im Prozeß Bruneri- Canella. Die japanischen Ministermörder unter Auflage. Tokio,-2. Feber. Gegen 14 Mitglieder der„B l u t s b r ü d e r s ch a f t" ist wegen Beteiligung an der Ermordung des Ministerprä- sidenten Jnuhe, des Finanzmagnaten Baron Takumada sowie wegen der geplanten Ermordung von 20 weiteren Persönlichkeiten Anklage erhoben worden. Der letzte Tote vom 5tohl«oorschacht. Bruch, 2; Feber. Heut« nachts wurde im Kohinoor-Schacht das letzte Opfer des großen Grü- benbrandes vom 15. März w I., der 53jährige Schlosser Karl Fritsch geborgen. Die Leiche wurde an einer Stell«, die etwa 140 Meter vom Wetterschacht IV. entfernt ist, aufgefunden. Die Ueberreste des letzten Opfers werden Samstag nachmittags beerdigt werden. Zwei Welten im Aether. Mittwoch abends trug die Welle des Deutschlandsenders ein Stück Kultur, ein Stück Geschichte der Arbeiterbewegung in die Welt: der deutsche Arbeitersängerbund feierte seinen vierzigjährigen Bestand. Und da Herr Goebbels sein Amt als Rundfunkkommissär noch nicht angetreten hatte, gab es eine Stunde lang einen prächtigen Kommentar zur nachfolgenden Rede Hitlers. Es war nicht die Ansprache des Genoffen Kauders allein, die das Bewußtsein von der Stärke und Unüberwindlichkeit der sozialistischen Betvegung vermittelte, wenn auch der Hinweis auf die Bemühungen Bismarcks deutlich und eindrucksvoll war: proletarischer Gesang, proletarische Dichtung, die die Ansprache umrahmten, spiegelten noch eindringlicher die geistige Kraft der Bewegung, spiegelten vierzig Jahre Kampf, und Aufstieg, spiegelten die kulturelle Reife des deutschen Proletariats wider.„Bet' und arbeit" und „Empor zum Licht": dazwischen die Ankündigung, daß Herr Reichskanzler Hitler um 10 sÜhr abends einen Aufruf an das deutsche Volk richten werde.„Erwache, Volk, erwache!" — dieser Ruf der Arbeitersänger, das Preislied der Macht und Einigkeit(Bjornson:„Auf Takt habt acht!"— sie klangen in den Herzen der Proleten noch lange nach, als die fre- chen Lügen und hohlen Phrasen des Kanzlers von Papens Gnaden schon gesprochen waren. Die Mahnung, die Erfolge und den Aufstieg vierzigjähriger Proletarischer Kulturarbeit nicht kampflos zu lassen, wurde durch die anmaßenden Drohungen Hitlers nur noch unterstrichen, —„Rücksichtsloses Durchgreifen gegen den Marxismus"?: es wird nicht gelingen, die Sache der Freiheit wird nicht verloren sein, wenn der Aufruf, den unsere Sangesgcnossen wenige Minuten vor den Drohungen Hitlers in die Welt funkten, an die Ohren und in die Herzen aller Proletarier klingt: „Takt, Takt, auf Takt habt acht, der ist mehr als halbe Macht. Rahn im Takt wir einge Hundert, ist da niemand, der sich wundert, nahn im Takt wir einge Tausend, wird das Ohr schon mancher recken, Nahn im Takt wir Hunderttausend, dieses Dröhnen wird sie schrecken." Das Dritte 3teic$ vrieHi an! ein 9lng»latt der fojialiftiftften 6tn»entra. „Der Nationalsozialismus rückt nun aus der Opposition vor in die Macht, um in einer Totallösung nach seiner inneren Einsicht die deutschen Verhältnisse gründ- stürzend umzugestalten." Das sagte Dr. Goebbels schon am 84. Oktober 1932 im Berliner Sportpalast. Der Führer Adolf Hitler ist Kanzler oes Deutschen Reiches!!! Kommilitonen! Wie oft habt Ihr es gesungen: „Schön schaun aufs Hakenkreuz voll Hoffnung die Millionen Der Tag für Frecheit und für Brot bricht an!" Dafür hat der Führer Millionen gleich Horst Wessel in den Kampf geführt. Hunderte junger .Volksgenoffen wurden Blutzeugen für das unabänderliche Programm des erwachenden Deutschland: „11. Abschaffung des arbeit»- und mühelosen Einkommens. Brechung der Zinsknechtschaft. 13. Wir fordern die Verstaatlichung aller(bisher) bereits vergesellschafteten Betriebe (Trusts). 14. Mr fordern Gewinnbeteiligung an Großbetrieben. 15. Wir fordern einen großzügigen Ausbau der Altersversorgung. 17. Mr fordern ein« unserem nationalen Bedürfnis angepaßte Bodenreform, Schaffung eines Gesetzes zur unentgeltlichen Enteignung von Boden für gemeinnützige Zwecke. Abschaffung des Bodenzinses und Verhinderung der Bodenspekulation." Die Führer der Partei versprechen, wenn nötig unter Einsatz des eigenen Lebens für die Durchführung der vorstehenden Punkte rücksichtslos einzutreten."(Münchner Programm vom 84. Feber 1920.) Dieses Programm ist, wie schon erwähnt, in seinen Grundzügen unabänderlich!!!! Welches sind die Männer, denen der Führer in seinem Kabinett die Geschicke des deutschen Volkes anvertraut? Außenministerium: Frei her von Neurath, Großgrundbesitz er. Arbeiten(siqiale Fürsorge Franz Seldte, Großgrundbesitzer, Stahlhelmführer. Mrffchast und Ernährung: Alfred Hugenberg, Besitzer eines Zeitungs- und Film- k o u z e r n s. Finanzen: Graf Schwerin v. Krosigk, Großgrundbesitzer. Ohne Amtsbereich: Hauptmann Goermg,«hem. Stabschef der SA. Ferner gehören der Regierung an: Freiherr Eltz v. Rllbenach, Frick, Staatsminister a. D., Generalleutnant Blomberg u. dgl. Des Führers Stellvertreter im Kanzleramt ist: Franz von Pape«, Großgrundbesitzer und Herreureiter, Reichskommissär von Preuße«. „Kamerad, wohin marschieren wir? Sind wir denn noch nicht im Quartier, das kann ich Dir nicht sagen. Du mußt den OSAF fragen. Denn der weiß mehr als wir." So singt seit Jahren di« Hitlerjugend. Nun ist ver Osas im Quartier. In das Quartier aber kam er mittels eines schier orientalisch anmutenden Kuhhandels. Hitler selbst sagt zu diesem Thema: Der Umbau deer staatlichen Straßenbrücke über die Elbe zwischen Bodenbach und Tetschcn. Im Juli des vorigen Jahres wurde mit dem Umbau der Kettenbrücke über die Elbe begonnen. Die Brücke ist in den Jahren 1854—1855 erbaut worden und besitzt drei Oeffnungen, deren Lichtweite 27.49, 113.565 und 27.48 Meter beträgt. Die alte Brücke hat nur eine geringe Tragfähigkeit, da sie mit Fahrzeugen von höchstens sechzig Zentner Gewicht befahren werden kann, überdies ind ihre Erhaltungskosten beträchtlich. Da die Pfeiler und Üferstützmauern sich in einem guten Zustand befinden, beschloß das Ministerium für öffentliche Arbeiten, lediglich das Tragwerk der Brücke durch eine neue Stahlkonstruktion mit drei Feldern von 30.50, 118.10 und 30.50 Meter Stützweite zu ersetzen. Die vollwandigen Hauptträger sollen im Mittelfelde durch Bogenträger versteift werden. Di« lichte Breite der Brücke, zwischen den Hauptträgern, wird 9.20 Meter betragen; an den Außenseiten der Hauptträger sind zwei Meter breit« Gehwege geplant. Di« Rekonstruktionsarbeiten sollen bis Ende Oktober d. I. zum Abschluß gelangen. Aus Seenot gerettet. Aus Wesermündc wird gemeldet, daß die Besatzung des deutschen Fischdampfers„Mond", der in Seenot geraten war und dessen Mannschaft von einem englischen Dampfer ausgenommen wurde, von dem Fischdampfer„Antares" der Wesermünder Reederei Nordstern übernommen wurde, der seine Fangreise unterbrochen und mit den Geretteten die Heimreise angetreten hat. Warm, aber stark veränderlich. Ein intensives Drucktief mit dem Zentrum in der Nähe von Irland hat auch fast in ganz Mitteleuropa eine beträchtliche Erwärmung bei auffrischendem Südwestwind herbeigefnhrt. In den Sudetenländern fiel gestern vielfach Regen, und in den höheren Gebirgslagen, wo heftiger Sturm herrschte, Schnee. Bom Nordwesten her ist nunmehr bis zu den britischen Inseln kalt« Luft vorgedrungen. Der allgemeine Charakter des Wetters wird nunmehr bei vorwiegend westlichen Winden stark veränderlich bleiben. Die Tempera- turen in Prag betrugen gestern: Um 8 Uhr „Seit 15 Jahren stehe ich im Kampfe gegen das parlamentarische Sy st em. Ich sehe in ihm einen unbrauchbaren Vorgang der politischen Willensbildung sowohl als des politischen Willensausdrucks der Nation." (Brief an Hindenburg.„Völk. Beob." 26. November 1932.) Der Handel blüht im Ludenkreife Auch Zitier übt ihn stellenweise. Sie haben sich gefunden: Hitler, der Händler, und Papen, der Hcld. Und was wirb aus dem unabänderlichen Vrogramm? Alfred Hu g e n b e r g ist in Hitlers Regierung zuständig, für die Verstaatlichung der Trusts und Großbetriebe. Studienhalber hat er selbst zwei Konzerne im Privatbesitz. Die unentgeltlich« Enteignung von Boden ist Ausgabe einer Regierung von fünf Großgrundbesitzern.(Gemeinnutz geht vor Eigennutz?) Di« Brechung der Zinsknechtschaft soll der Finanzminister Freiher Schwerin». Krosigk, der dazu schon unter der Regierung Papen und Schleicher Gelegenheit gehabt hätte, besorgen. Herr G o« r i n g aber, der Stolz der NSDAP., ist— Minister ohne Portefeuille! Bon der Wichtigkeit einer derartigen Funktion sagte Adolf Hitler im Berliner Sportpalast:„Alles nur Titel ohne Macht! Für derartig« dekorative Zwecke eigne ich mich nicht! Und dazu eignet sich am wenigstens unsere Partei. (November 1932.) Da- unabänverliche Programm ist verraten und verkauft! Die NSDAP wurde an den Meistbietende» verschachert! Hitler, der seine Firma so gerne als Weltanschauung anpreist, sagt selbst in seinem Werke „Mein Kampf", von einer Partei, die Kompromiffe schließt: Damit geben sie aber den Kampf für eine Weltanschauung auf und versuchen statt dessen durch sogenannt«„positive Mitarbeit" möglichst eilig«in Plätzchen am Futtertro^g bestehender Einrichtungen zu erobern und möglichst lange daran zu bleiben. Das ist ihr Streben." Hitler mast eS wiffen. Während die Millionen auf das Hakenkreuz schaute«, habe» die Millionäre das Geschäft gemacht. Der unbekannte SA- Mann ist gefallen für Adolfs Kapital und Grundbesitz. Der Nationalsozialismus hat feine Blutspender an seine Geldspender verrate», hat seine Gläubigen, an seine Gläubiger verkauft. Kommilitonen! Seht eueren nationalen Führern auf die Finger! Äugend erwache! V Di« sozialistischen Studenten, welche dieses Flugblatt vor der Studenten-Küche verteilten, wurden von Hakenkveuzlern— der Polizei, allerdings erfolglos, angezeigt! plus 5.6, das Minimum der letzten Nacht plus 4.6 Grad. Wahrscheinliches Wetter heute, den 3. Feber: Veränderlich, Schauer, allmähliche Abkühlung, West- bis Nordwestwind. Der Faseist Dr. V»Ln^ verhaftet. Donnerstag abends wurde nach einer am Nachmittage hurchgeführten Hausdurchsuchung in Pardubitz der Fascistenführer Rechtsanwalt(und ftühere Richter) Adalbert V» L n f verhaftet. Um 8 Uhr abends fuhr er in Begleitung von Gendarmen mit dem Schnellzuge nach Brunn. Mit dem gleichen Zuge reisten nach Brünn auch einige fasci- stische Funktionäre aus Pardubitz ab. Grippe auch in Wien, aber keine Epidemie. Aus Wien wird berichtet: Da im Jänner in Wie» rund 1400 Grippeerkrankungen gemeldet wurden, gegenüber 7000 im Jänner 1929 und rund 10.000 im Jänner 1931 und rund 5000 im Jänner 1982 ist ersichtlich, daß in Wien von einer Grippeepidemie nicht gesprochen werden kann. Orkane über Frankreich. In der Nacht auf gestern und auch in den Morgenstunden wütete über Paris und Umgebung«in starker Orkan, der viel« Schäden minderen Charakters anrichtete. Auch von der atlantischen Küste und vom Kanal La Manche werden Orkane gemeldet. De« Sohn und sich selbst erschossen. Der in Oberellen(Landkreis Meiningen) im Ruhestände lebende Chemiker Dr. Ellenberger erschoß in seinem Amtszimmer seinen 20-jähri- gen Sohn und verletzt« sich durch eiiken Schuß in die Schläfe sehr schwer. Dr. Ellenberger verstarb kurz nach seiner Einlieferung in das Eisenacher Krankenhaus. Der Stiefvater als gewalttätiger Liebhaber. Der Strafsenat des Kreisgerichtes in Ung.- Hradisch hat den 35jährigen Taglöhner Binzenz Aron aus Na Pa je dl zu fünfzehn Monaten schweren Kerkers verurteilt. Aron hatte seine Stieftochter Stefanie mit Liebesanträgen belästigt und sie dann, als sie auf seine Lockungen nicht reagieren wollte, schwer mißhandelt. Im Mai- vorigen Jahres verließen sein« Frau und ihre Tochter, die die Mißhandlungen nicht mehr ertragen konnten, seine Wohnung. Andern Tags wollt« die Tochter ihre Sachen abholen, doch Vorn Rundfunk Empfehlenswertes aus ven Programme» Samstag: Prag: 6.15: Gymnastik. 11: Schallplatten. 1530: Jugendliteratur. 18.25: Deutsche Sendung' Jugendstunde mir Musik. 20: Das Prager Ghett» — Brünn: 12.30: Orchesterkonzert. 18.25: Deut- sche Sendung: Tanzmusik aus vier Jahrhunderten. 19.20: Paria.— Mähr.-Ostrau: 1930: Tanzmusik. 22.15: Populäres Orchesterkonzert.— Berlin: 20: Schumann-Lieder.— Breslau: 20: Bon SWN bis Millöcker.— Mühlacker: 17: Chorgesang.- Hamburg: 20: Dheaterblut.— Königsberg: 20: G« Fahrt ins Blau«.— München: 16.10: Zicherkonzrrt. 20: Bunter Abend.— Wien: 16.45: Mandoline»- konzert. 18: Blasmusik. 20:„Die Sirene", Operette von Fall. Bedeutender Anstieg der Rundfunkhörerzah! im Dezember. Am 1. Jänner 1933 wurden i» der Tschechoslowakei 469.097 zahlende Rundfunk Hörer gezählt. Bon der Rundfunkgebühr befreist sind 3090 Teilnehmer, so daß die Tschechosliow» fische Republik im ganzen 472.187 Rundfunkhörer hat. wurde sie von Aron mit zwei Revolverschüssen empfangew. DemverletztenMäd- chcn eilte der Großvater zu Hilfe,.der ebei» falls angeschossen wurde. Dann wurde Aron verhaftet. T-Strahlen-Opfer. 18 englisch« Forscher haben sich bisher auf das Studium des Radiunck spezialisiert— Alfred Smith, einer der proun- nentesten unter ihnen, wurde jetzt das 14. Opfer dieser heldischen Arbeit! Schon im Jahre 1918 machten sich bei Smith die ersten Anzeichen der bei fast allen T-Strahlenforschern auftreterM Dermatitis bemerkbar. 17 mal wurde er operiert. Als er nicht mehr arbeitsfähig war, sprvach iho> die Carnegie-Stiftung eine wöchentliche PensiB von 35 Schillingen zu... „Austria H" zerstört. Das Segelflumeug des deutschen Segelfliegers Kronfeld„Austria fl wurde nach Beendigung von Kronselds zweites Postsegelflug von Wien noch dem SemmeriH von einer Sturmbö erfaßt, mehrmals hochgeh^ ben, wieder zu Boden geschleudert und fast vollkommen zerstört. Eine kostbare Geige. Eine aus dem JaW 1725 stammende Stvadivarius-Geige erzielt einen Preis von fast 2300 Pfund Sterling, nxj? rend eine neun Jahre älteve Stradivari für W Pfund Wegging. Raubtier«, Rundfunk und Gericht. Dieser N- gab es in Wien einen gelungenen Prozeß. geklagt war ein braver Spießer, der seinem ehr^ werten Nachbar in einer plötzlichen Aufwallung da Gemütes bte Fenster ei«geschlagen hatte. Gns' war die etwas aufdringliche Reproduktion ei’ 1* 1 Wiener Sendung mittels Lautsprecher. Manä^l Funkhörer wird dies ganz in Ordnung finden, W 1’ wenn sich der Mensch nicht oft von plötzlichen mungen leiten ließe, so hätte sicher schm jeder«j* mal einen übertriebene» Lawtsprechevfreund, M seine armen Mitmenschen und besonders des- Gchör arg in Mitleidenschaft zieht, umgäbrachl. W diesem Falle aber war noch ein ganz besonecs- Grund gegeben, denn es wurde nicht e!wa^?s bekannter Gassenhauer zum Hunde nfünfzigstenvs" horuntergeleiert, sondern— noch ein Schritt — die Fütternirg der Raubtiere in Schönbrunn k'l Gchör gebracht. Da diese Pensionäre sich Regel entsprechend kraftvoller Gemütsäutzerun-^ nicht enthalten können, so gab es ein Kon^rt, noch dazu mit einem schlechten Lautsprecher I einem engen Hof reproduziert wurde. Der RiwW verurteilt« den«inen Teil zu einer kleinen GeldstE ermahnte aber sehr dringend den anderen in E kunst etwas taktvoller zu sein. ^laffengefana. Wir geben Signal für die Arbeiterwelt. Wir stehe« zum Augriff bereit. Ein jeder von uns weiß, wo er marschiert und ist iu die Front eingereiht als Erster nicht, als Letzter nicht wenn wir Kolonnen formieren, als Erster nicht, als Letzter nicht, wenn wir für die Klaffe,»»arfchiere«. Wir schließe« uns an, wir reihen«ns«in, wir tun als Genoffen die Pflicht. Wir gehen als erste zum Angriff vor «nd komme« als Zögernde nicht. Wir haben als Arbeiterklaff« die Kraft, die Wunden der Armut z« heile». Wir haben als Arbeiterklaffe das Recht, die Ernte der Welt z« verteile». Wir schaffen für alle Hungernden Brot, für alle Nackte» das Kleid. Wir wollen gerechte Verteilung der Welt und stehen zum Angriff bereit! Komm mit, Genoffe, komm mit, Kamerad, und reih« dich«in in di« Klaffe! Wir kämpfe» für den Einzelnen nicht. Wir siegen für die Maffr. Kollege, komm mit, komm mit, Kamerad, du, Bruder, im Arbeiterkleid! Ein jeder von uns weiß, wo er marschiert, und ist in die Front eingereiht als Erster nicht, als Letzter nicht, wir stürme« all« geschloffen für Recht und Freiheit, Arbeit und Brot, als Brüder und als Genoffeu! Alfred Thie-k- Nr. 29 Frettag, 8. tytet IMS Seite 5 Soeben erschienen! EMIL STEAUSS Preis 2 KI(Organisationen 1 LV KI). Vertag der Zentralstelle f. d. Bildungswasen« Rlmstatilttt im Fahre 1832. Pom Jnnemninrsterium liegt, wie alljährlich, die Bilanz der Filmzensur vor: der Filmumsatz isk von ItzöO des vergangenen Jahres auf 1031 gesunken, obwohl die Zahl der Ainos keinerlei nennenswert« Einschränkung erlitten hat. Das bedeutet, daß uns nn vergangenen Jahr um ein Drittel weniger Filme gezeigt wurden als im Jahre 1931; noch empfindlicher ist die Filmdrosselung in Metern ausgedrückt: gegenüber 1,517.211 Filunneiern des Jahres 1981 liefen im folgenden Jahre nur 829.785 Dieter über die Leimvaird, was«in« Restrinktiou auf fast die Hälfte des Umsatzes gleichkommt. Dieser gang außer- vrdentliche Verfall der Kinoprogramme ist vor allem darauf zurückzuführen, daß nach Einführung des Filmkontingentcs die langen abendfüllenden aue- ländischeu Tpielsilm« um mehr als di« Hälfte gefallen sind Gegen 445 Filme des Jahres 1931 stehen bloß 281 im folgenden Jahr, wo^ei sich der Pro- -rammangel«tst in Zukunft wird empfindlich gellend machen, wenn nicht eine Erleichterung der Ein- suhvbestimmur-gen durchgeführt wird, weil jetzt noch die, nicht abgespielte Filme zur Verfügung stehen. Tie Filmdrosselung, deren direk:« Folge das ge- Minderte Interesse der Bevölkerung am Kino gc- Morden ist, kann natürlich durch die sogenannte erhöhte und unterstützte heimische Produktion nicht Mtttgemacht werden: gegenüber 22 Filmen im Jahr« 1931 wurden vergangenes Jahr 20 Films erzeugt. Mas natürlich überhaupt keinen Fortschritt bcörutet. Erwägt man weiter, daß die wichtigsten Träger/ des Films, die Kinos, durch die Lede der Programmbildung finanziell ungewöhnlich geschädigt wurden, io Mird man einsch-n, daß die vier ganzen tschechischen Tonfilme, di« 1832 mehr erzeugt wurden als 1931. ttchl teuer bezahl: worden sind. Ganz katastrophal ist Amerika betroffen worben: start 727 wurden nur 286 Film« importiert, größtenteils kurze Grotesken, Sport- und Reporiage- Mrrkc: dadurch ist Deutschland mit 353 Filmen an di« Spitze gekommen, hat aber auch fast ein Viertel des Imports(an Läng« gar ein Drittel) ein-^ gebüßt. Die Zensur hat dazu noch«in klebriges getan: jeder zehnt« Amerikaner und jeder zehnte Diutsä)« wurden durchschnittlich verboten, ein« Zahl, bie wahrscheinlich erschreckend ist. Tenn man muß dabei in Betracht ziehen, daß di« Verleiher im Einens»ou Filmen sehr vorsichtig sind und sich schon hier nach Möglichkeit die Wohlmeinung der Zensur dorh-r sichern, um nicht überflüssiges Geld zu ris- kisren Von e'ner Nachzensur kann bei uns unter den gegebenen Verhältnissen überhaupt nicht die 'liebe sein: wird«in Film bei uns erzeugt, ko legt Wan dem Vorsitzenden der Zensurableilung jede £>u: vor Beginn der Aufnahmen zur Genehmigung iwr, im Einkauf hält man sich streng an die bis- brrigen EntscheiSiingen, die gesammelt di« Unterläge mr den Filmeinkauf bilden Dazu kommt noch■«- kos oben auch katastrophalen Einfluß auf den Stand des gan'en Filmgewerbes Hai—. daß außer den E'errn Zenkoren die Herrn Tevi'enzutestcr über das Echickial aller Filme entscheiden: nur dem„wertvollen' heimischen Film wird Umerstiitzung in Form von Konti ugentscheiuen gavährt und nur der„wertvolle" fremd? Film darf ins Land: daß bei diesem System Referenten zur Arbeit herangezogen werden, ^e sachlich nicht ausgebildet sind und vor allem deinen kulturellen Weitblick Haden, ist im System de> Bürokratisierung des staatlichen Knwstbetriebes be- ßründfi: eine weitere Folge davon ist aber, daß bei vnr nfchl gegen den hakenkreuzelnden Monarchisten- lchimel der Ufa wohl aber gegen di« Dtandardaverke vniez Pabst ui» der Russen Srurm gelaufen wird. Daß die ganze heimische Produktion nur einen kiuzigen besseren Film herausgebrachl hat, ist eineer traurigsten Zeichen unterer Filnipolirik, die von Geld- und nicht Kulturmenschen geleitet wird. W. L- Tod durch Giftgas. Zwei Arbeiter als Todesopfer einer fahrlässigen Desinfektion. Prag, 2. Feber. Bekanntlich bedien: man sich zur Vertilgung von Ungeziefer in Wohnräumen heutzutage in erster Linie der Giftgasmethode. Dieses Verfahren hat zwar den Vorzug radikaler Wirkung, anderseits erfordert es aber allergrößt« Vorsicht, denn die verwendeten Gas«(es handelt sich fast ausschließlich um Blausäurepräparat«) sind, selbst in geringsten Dosen eingeatmet, im höchsten Grade lebensgefährlich. Dementsprechend sind die Sicherheitsvorschriften für derartige Säuberungsakttonen sehr rigoros. Trotzdem ereignen sich hie u-nd da tragische Vorfälle wie dieser, der heute vor dem Senat des BGR. M r ä z e k sein gerichtliches Nachspiel fand. Am 29. Juli v. I. hatte di« Firma„Chan* in einer Wohnung auf dem Georgsplatz ein« solche Nngeziesewertilgung vorgenommen. Am Abend des gleichen Tages fand man die Tapezierergehilfen Ladislav Znameniikek und Josef Tichy, di« in der im Erdgeschoß dieses Hatjes gelegene« Werkstätte ihres Dienstgebers gearbeitet hatten, tot auf. Die Polizei stellte fest, daß die bedauernswerten Arbeiter Opfer des Giftgases geworden waren, mit welchem die über ihnen befindliche Wohnung desinfiziert worden war. Die Desinfektion war mit Cyanwasserstoff durchgeführt worden, einem Giftstoff, der, nach Aussage der sachverständigen Chemiker, bereits in einer Dosis von 0.02 bis 0.08 Milligramm pro Liter Lust tödlich wirkt. Eine Menge von 0.12 bis 0.13 Milligramm in der Luft eines Wohnraumes-genügt, um einen Menschen, der diese vergiftete Luft ein« halbe bis eine Stunde einatmet, zu töten. Dieser Fall liegt hier offenbar vor. Die Werkstatt hatte ein Keines Fenster, das in den L u f t s ch a ch t führt« und das wegen der sommerlichen Hitze offen stand. Zweifellos sind die Giftgase bei Lüftung der im zweiten Stockwerk gelegenen Wohnung in den Luftschacht gedrungen, sind dann, da sie schwerer find als die Luft, niedevgesunken, durch das Fenster in die Werkstatt gedrungen und haben solcherart den Tod der beiden Opfer hevdeigesührt. Diese konnten den für einen Laien wenig auffälligen Geruch des Gases um so wenige: melken, als ihre Arbeitsstätte von dem Gestank des alten Strohs erfüllt war, dessen sich di« Tapezierer zu bedienen pflegen. Bei der heuttgen Verhandlung war der Inhaber der Firma„Cyan", Apotheker Boleslav Pansky und feine Gchllfen Kopta und SVits k, die diese Desinfizierung durchgeführt hatten, wegen fahrlässiger Tötung angeklagt. Wie erwähnt,. bestehen für dieses Gewerbe strenge Vorschriften. Es darf nur qualifiziertes Personal verwendet werben, der Unternehm««! muß selbst anwesend sein, di« Umwohner müssen verständigt und zur Vorsicht gemahnt werden. Diese Voraussetzungen waren in vorliegendem Fall nicht gegeben. Der Gerichtshof verurteilte den Apotheker zu vier Monaten strengen Arrestes, seinen Gehilfen Karl Kopta zu drei Monaten. Der dritte Angeklagte, Jaroslav Svitäk, der nur untergeordnete Handreichungen geleistet hatte, wurde freigesprochen. Di« Strafen wurden bedingt ausgesprochen. rh. Wie Httiee wurde... Von s Adolf Hitler wurde am 20. April 1889 in Braunau in Oesterreich geboren. Dein Vater war ein Häuslerssohn mit„Aufstiegwillen": er wanderte als Halbwüchsiger aus seinem Heimatsdorf noch Wien, um ein Handwerk zu erlernen. Es gelang ihm nicht. Da suchte er sich seinen Weg in die untere Beamtenlaufbahn.„Ziel so mancher tüchtiger Arbeiterkinder, di« auf der sozialen Stufenleiter auch äußerlich aufsteigen wollen", schreibt der Hitlerbio- graph Johann von Leers. Die große Sehnsucht des Kleinbürgers pflegt man das sonst zu nennen: der Schnauzbart und ein Zipfelchen Macht Das„innere Erlebnis". lieber seine ersten politischen Interessen lassen wir Hitler selbst sprechen: er findet eine alte illustrierte Zeitschrift über den Krieg 1870/71, und sie wird ihm zum„großen Erlebnis":„Nicht lange dauerte es, und-der große-Heldenkampf war mir zum größten inneren Erlebnis geworden. Von nun an schwärmte ich mehr und mehr für alles, wc.s irgendwie mit Krieg oder Soldatentum zusammenhing". Eine Frage aber stellt sich ihm dabei:„Warum hat denn nicht auch Oesterreich mitgekämpft in diesem Kriege, warum nicht der Vater und nicht all die anderen auch? Gehören wir denn nicht alle zusammen?— Mit innerem Neide mußte ich auf vorsichtige Fragen die Antwort vernehmen, drß nicht jeder Deutsche das Glück besitze, dem Reiche Bismarcks anzugehören". Einem Manne, der schon 1870/71 bereit gewesen wäre, für Deutschland zu bluten, konnte man ja dann später nicht g>tt die Erfüllung seiner großen Sehnsucht, die deutsche Staatsangehörigkeit, vorenthaltrn! Der Weg zur Kunst. „Daneben läuft eine andere Linie"— schreibt der Biograph. Die Neigung zum Zeichnen. Hitler will Kunstmaler werden! Der Vater will ihn auf die Realschule schicken, damit er auf der „sozialen Stufenleiter" weiteraufsteige. Der kleine Adolf aber ist ein Trotzköpfchen. Er will nicht„als unfreier Mann in einent Büro sitzen", er will„Herr seiner Zeit" sein. Er erzählt selbst:„Was mich freute, lernte ich, vor allem auch alles, was ich meiner Meinung nach später als Maler brauchen würde. Was mir in dieser Hinsicht bedeutungslos erschien oder mich auch sonst nicht sehr anzog, sabötierte ich vollkommen". Was allerdings weit mehr nach Oesterreicher als nach Preuße und Bismarckdeutscher aussieht. Als Adolf 13 Jahre alt ist, stirbt der Vater an einem Herzschlag. Er selbst bekommt eine Lungenentzündung, und nun entscheidet der Arzt die künftige Laufbahn: er rät aus Gesundheitsgründen von der Bürotätigkeit ab! Hitler jubelt: der Weg zurKunstistfrei! „Vieles, was er später selber an Emblemen und Abzeichen in der Bewegung, die er schuf, durchgesetzt hat", schreibt Johann von Leers,„der oft hinreißende künstlerische Aufbau der Kundgebungen... alles das geht zurück auf die künstlerische Anlage und Vorliebe, die der junge Adolf Hitler ausbilden wollte, um ganz als Künstler zu leben... Beim Ausbau des auch von unparteiisch urteilenden Be- suckern als formschön enrpsundenen Braunen Hauses in München hat Hitler großenteils selber nicht nur die Anregung gegeben, fanden tatsächlich die Ausführung im einzelnen geleitet..." Zunächst aber kamen Hindernifie. Die Akademie nahm Adolf Hitler nicht, sie fand seine Malbefähigung nicht ausreichend. Zudem starb die Mutter, die Ersparnisie waren aufgezehrt und di« Witwenpension fiel weg. Adolf Hitler steht mit einem Köfferchen Plötzlich auf dem Wiener Bahnhof,„für die nächsten Tage bereits auf Broterwerb angewiesen, im.Eishauch des modernen Kapitalismus". Zum Arbeiter Deklassiert". Fünf Jahre lebt er in Wien als Gelegenheits-, als Hilfsarbeiter auf dem Bau,„Die traurigste Zeit 3- meines Lebens..." schreibt er dazu.„Fünf Jahre Elend und Jammer sind im Namen dieser Phäaken- stadt für mich enthalten." Er erfuhr auch, daß es eine Abwehrorganisation gegen dieses Elend gab: die Sozialdemokratie, die Gewerkschaften. Aber er machte da nicht mit! Er war kein Mensch, das haben wir vorher gesehen, der sich einordnete! Er fühlte sich terrorisiert von den Kollegen. Später schreibt er über seine damaligen Erfahrungen:„Der Terror auf der Arbeitsstätte, in der Fabrik, im Versammlungslokal und anläßlich der Massenkundgebung wird immer von Erfolg begleitet sein, solange nicht ein gleich großer Terror entgegentritt." Darum schlagen sie sich heute auf der Straße: die Hitler-Arbeiter, Trotzköpfchen, Feinde der Disziplin, weil deklassiert« Beamtensöhne, gegen die orga- irisierte Arbeiterschaft-' Hitler verstand aus dieser Klassenlage heraus natürlich auch die Internationale nicht. „Warum sollte der für seine Rechte kämpfende Arbeiter international sein?" fragte er sich.„Wer hatte den Vorteil davon?" Und er sah hin und sah— di« Juden! Die Führer— Jüdin! Die Presse— Juden! Originell war das nicht, es war nur typisch für den Zollbeamtensohn mit dem Traum von der sozialen Stufenleiter innerhalb der Nation, der eine ganz andere Wirklichkeit vorfand: internationalen Kapitalismus und internationale Abwehr. Auf wen schimpft der Enttäuschte, wenn er ans seinem Dorf herauskommt? „Antisemitismus besteht in Deutschland, solange ein Judentum besteht und tätig ist," schreibt der Biograph. Jedoch:„Mit Adolf Hitler bekommt der Kampf gegeri die Juden zum erstenmal den Kopf, den er braucht." Im Jahre 1912 kommt Hitler nach München. „Adolf Hitler fühlte sich in Deutschland, in der Heimat, heimgekehrt..." Die Misst»«. Dann kommt der Weltkrieg. Im Frühjahr 1915 zieht Hitler ins Feld. Im Lazarett erlebt er die Revolution. Er steht betrunkene Ma- .t rosen die Nachricht bringen. Die Entente hatte recht gehabt, als ste im Frühjahr 1918 ihren Truppen sagte:„Haltet durch, in Deutschland kommt dir Revolution! Sie konnte das sagen, weil in Deutschland das größte Gaunerstück des ganzen Krieges ausgebrochen war: der Munitionsarbeiterstreik! Und gerade damals war der deutsche Kampfeswille wieder gesttegen gewesen! Rußland war niedergebrochen, Italien geschlagen, die deutschen Truppen aus Rußland rollten schon an... „Am 10. November erfährt Adolf Hitler im Lazarett zu Pasewalk den Untergang eines heldenhaften Deutschland, da wirft stch der noch von der Gasvergiftung halb blinde Gefreite Adolf Hitler über das Bett des Lazaretts und weint fassungslos über die verlorene deutsche Ehre..." schreibt Herr von Leers in seinem Buch„Adolf Hitler" in der Serie„Männer und Mächte".„3u jener Stunde ist in Hitler der Haß gegen die Verräter zur heiligen Flamm« geworden. Als Hitler Pasewalk verließ, war aus dem unbekannten Frontsoldaten ver Rächer der Ehre Deutschlands geworden." Damals schon taucht die Idee vom Köpferollen in ihm aus:„Keiner wird vergessen, jedem wird sein Teil, dem einen wird das Ehrenkreuz dem anderen— wird das Beil!" Hitler geht im Frühjahr 1919 nach München « zurück, tritt in das Freikorps„gegen das Verbrecherregiment in München" ein— sein Leben feitdrm ist bekannter. EUcrsutffl als Neurose. Nicht jede Eifersucht ist ein« Krankheit. Es gibt auch eine durchaus gesunde Eifersucht,— nämlich die Reaktion auf di« tatsächliche Untreue des Liebespartners. Die hiergegen erfolgende Auflehnung ist höchst normal, ist em tief im Biologischen wurzelnder Instinkt, der sich schon im Tierreich, besonders bei den in monogamer Dauerbeziehung lebenden Tieren aufs stärkst« geltend macht. Im Gänseteich wird der in fremdes Gehege«indringende Gänserich mit wütendem Geschrei empfangen und mit Bissen und Flügelschlägen darüber belehrt, daß man cs hier mit der ehelichen Treue sehr genau nimmt. Auch beim Menschen ist die Eifersucht als Antwort aus eine Untreue durchaus normal und gehört nicht vor das Forum des Nervenarztes. Der Gesunde muß mit dieser Schwierigkeit fertig werden, genau so wie mit allen andern Schwierigkeiten de» Lebens auch. Er wird je nach seinem Charakter mit Verzeihung, mit Resignation, mit eigener Untreue oder mit Verzicht auf den LiebeSpariner auf dessen Untreue reagieren: jedenfalls wird er auf seine Art sich irgendwie damit abfinden. Ganz anders verhält sich, so führt der bekannt« Baden-Badener Nervenarzt Dr. Benno Hahn in der berliner Gesellschaft für Psycho. logi« und Charakterologie" aus, der neurotische Mensch, dessen Eifersucht schon dadurch als krankhaft gekennzeichnet rst, daß sie eigentlich immer auf der Lauer liegt, daß sie chronisch vorhanden ist, auch wenn momentan gar kein Anlaß für sie vorliegt, ja, wenn überhaupt niemals Anlaß zur Eifersucht bestanden hat. Gerade diese krankhafte, grundlose Eifersucht, die den Partner zur Verzweiflung treibt, ja, das ganze Familienleben zerstört, ist nach Ansicht des Referenten die verbreitetste Form der Eifersucht, bei der es niemals zur Sebbscheilung kommt. Hier setzt di« Aufgabe, und zwar«ine außerordentlich« bedeutsame Aufgabe des Nervenarztes«in; handelt eS sich doch hier stets um brüchige, in sie ungefestigte Persönlichkeiten, die von dauernden Minderwer- tigkeitsgefühlen geplagt werden, vom Bewußt- sem ihrer Unzulänglichkeit. Sie trauen es sich nie und nimmer zu, den Partner dauernd zu fesseln; andererseits erzeugt gerade das Gefühl chrer eigenen Minderwertigkeit«inen gesteigerten Machthunger,«in erhöhtes Geltungsbedürfnis,— und was sie nicht vermittels ihrer Reize und ihres Charmes zu erhalten hoffen können, das versuchen sie auf dem Umweg über Tyrannei oder — wenn das nicht verfängt— durch eine mr Schau getragene Duldermiene und durch Märtyrerhaltung zu erzwingen. Oder sie behindern den Partner und engen ihn ein durch di« erfundene Versicherung, daß jener krank und schonungsbedürftig sei und deshalb gut verwahrt werden, von allem Möglichen zurückgehalten werden müsse. Diese brüchigen und mit sich selber zerfallenen Naturen sind es, di« sich selber und ihrer Umgebung zur Qual werden. Für sie gibt es nur einen Weg: den der seelenärztlichen Behandlung. Durch Aufdeckung chrer Miiwerwertigkeitsgefühle — oftmals hervorgerufen durch kintuiche Erlebnisse, di« chr Vertrauen in di« eigene Person schon früh erschüttert haben— laßt sich fast stets Heilung von diesem unseligen Hange zur grundlosen Eifersucht erzielen. Häufig war es das Beispiel der eifersüchtigen Mutter, die das Seelenleben des Kindes schon früh vergiftete und den Keim der Eifersucht in ihm erzeugt hat; ost waren es auch die ungesunden Lehren einer älteren Schwester, di« schon dem Heranwachsenden Mädchen predigte; „Alle Männer sind untreu: man darf-ihnen nicht trauen." Durch eure der üblichen tt«fenpjychologijcy>.u Methoden, durch psychoanalytische, individual-.• psychologische oder in der Hypnose vorgenommene kathartische, d. h. reinigende Aussprache kann der Arzt stets hinter die Motive der krankhaften Erfer- sncht kommen und den Eifersüchtigen' von seinen, wenn auch oft eingebildeten, so doch nicht weniger unerträglichen Leiden befreien, dje ihn zu allem übrigen oft auch noch mit dem Fluch der Lächerlichkeit behaften; sind doch die Formen, die die krankhafte Eifersucht einnimmt, oft geradezu grotesk. So erzählt Dr. Hahn von einer jungen, ntaßlos eifersüchtigen Patientin, die während der Berlobungszeit einen Detektiv beauftragte, ihren Verlobten zu beobachten. Dieser berichtete nun, ihr Verlobter treffe sich jeden Abend um 6 Uhr mit einer jungen Dame-— und di« Verblendet« hatte Mühe, sich endlich zu ermnern, daß sie selber es war, die sich regelmäßig um.6 Uhr mit ihrem Verlobten traf.— Durch die aufdeckende ieelen« ärztliche Behandlung stellt die Eifersüchtige den- Frieden mit sich selber her; die früheren falschen Einstellungen werden revidiert, der kranke Machi- trieb wird in seinen Wurzeln bloßgelegt, bessere Erkenntnisse werden nachträglich verarbeitet. Innere Freiheit, Selbstachtung und Selbstver- trauen, Mut zum Leben und Handeln werden geschaffen. Dadurch wird dr« vital« Kraft, die bisher zum Aufbau der Neurose und zu deren Aufrechterhaltung verwendet wurde, nun frei zur Leistungssteigerung der Persönlichkeit aus allen Gebieten des täglichen Lebens. Das"Wesentlichste aber bleibt die Erzie hung. Wo sie rechtzeitig einsetzr, erspart sie späterhin den Arzt. Wo ein Kmd in einer Atmosphäre von Liebe und Selbstvertrauen auswächst, wo nicht Eifersuchtsszenen der Eltern sein Gemüt von früh auf veemdrücken, wo es als ein geachtetes Mitglied der Gemeinschaft, der Familie und Schule aufwächst und sein Selbstvertrauen in keiner Weise vergewaltigt wirb, da kann km Neurose„Eifersucht" nicht gedeihen. Dr.. Lily Herzberg. Sekt« 8 „Sozialdemokrat" Freitag, 3. Feber 1933 Nr. 29 Grone 23-26 UNSEREN KINDERN I Schwarz lackierte Ganzgum- mi-Uberschuhe, warm gefüttert. Gr. 23-26 Kc 9-, 27-34 KE 15.- Meftonsehuhe Besatz und Sohle aus GummL 27-34 KE 19.-, für Damen KE 25 für Herren KE 29- GrSsse 23-26 A Kinder-Baumwollstr, ab KE 2- Wollstr. ab KE 4.-, Strümpfe in„Generalstiefel“ KE 3.-, 4- Bei Schnee und Planschwetter! Schwarz oder braun lackierte Ganzgummi- Überschuhe, H mit warmem Flanellfutter. ahiSffiiwLl MODERN- WARM UND BEQUEM. Melton schuhe in schwarz, mit lack elegant kombiniert. 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In der überfüllten und zeitweise sehr "erregten Versammlung referierten für die Bank- beamtenoraanisationen N a v r ä t i l^tschechisch) und Genosse Waschak(deutsch) über die Intentionen des Finanzministeriums. Die Referenten warfen den verantwortlichen Beamten im Finanzministerium vor, dem Bankkapital Schützenhilfe im Kampf« gegen die Angestellten zu leisten, anstatt di« Bankleitungen zu überwachen, wie es der Zweck des Bankengesetzes : ist. Di« Banken, welche spüren, daß das Bankengesetz gegen sie gerichtet ist, haben in den letzten Monaten ihren Widerstand gesteigert. Die Vorgänge in der Mährischen, in der Anglo- und Jn- dustrialbank zeigen, daß die Bestrebungen der Regierung den Bankenzinsstrß herabzusetzen, die Leitungen dazu benützen wollen, um die Einkommen der subalternen Angestellten zu drücken und die Aufmerksamkeit von sich abzulenken. Welch geringen Einfluß der Gehaltsabbau auf den Zinsfuß hätte, ergibt di« Berechnung, daß eine zehnprozentige K ü r z u n.g..d e r. B e- züge nur eine Zinsfußsenkung von einem fünftel'bis zu einem vierte.! Prozent zur Folge hätte. Das Finanzministerium, welches in Konjunkturzeiten nichts für die Bankbeamten getan hat, kümmert sich nicht darum, welches Vermögen di« Bonkdirektoren haben. Es ist unzulässig, daß die Bestimmungen des Bankengesetzes, die eine Reduzierung der Bezüge von Leitern sanierter Banken bezivecken, angewendet werden sollen auf das Einkommen der niederen Angestelltenschichten. Die Beamtenschaft wird fordern müssen, daß die Banken der öffentlichen Kontrolle unterstellt und die Schuldigen an Bankenzusammenbrüchen auch gerichtlich verfolgt werden. Gegen den Reserentenentwurf des Finanzministeriums, welcher von grundsätzlicher Bedeutung auch für die übrigen Arbeitnehmer ist, werden sich die Organisationen mit Aufgebot ihrer ganzen Kraft wehren. Die Redner forderten die Versammlung auf, geschlossen vorzugehen. Genosie Abg. T a y e r l e, als Vertreter der Gewerkschaftszentrale, schloß sich dem Protest gegen den nicht nur wirtschaftlich, sondern auch moralisch nicht zu rechtfertigenden Entwurf des Finanzministeriums an und erklärte, daß an dem Abwehrkampf alle organisierten Arbeiter und Angestellten das größte Interesse haben. Die Gewerkschaften werden sich einer Bedrohung des Kollektivvertragssystems widersetzen. Sie-bestehen daraus, daß das Bankengesetz die trifft, di« die "Wirtschaft in den Banken verschuldet haben. Die Ge we r ks cha f ts ze n tr a le steht hinter dem Kampf der Bankangestellten, weil sie ihn als gemeinsamen Kampf aller gewerkschaftlich Organisierten betrachtet. Bür die Skontisten schloß sich Sekretär Wimmer den Vorrednern an, worauf drei Vertreter der Beamtenschaft, S t r a k a(Böhmische Industrialbank), Mandl(Unionbank) und IJng. R u m l e r(Anglobank), sprachen. Der Vorsitzende Hinz ließ sodann über einen Antrag des Debattenredners Mandl abstimmen, welcher auf einen Demonstrationsstreik an einem der nächsten Tage abzielte. Der Antrag Iwurde mit überwiegender Mehrheit a b g e- jlehnt. Die vom Präsidium vorgelegte nachfolgende Resolution wurde hingegen mit allen gegen fünf Stimmen angenommen, worauf der zweit« Vorsitzende Meller die Versammlung abschloß. Die Gntschlietzung:* Die Angestellten der Prager Geldinstitute verwahren sich in ihrer am 2. Feber 1933 abgehaltenen Protestkundgebung auf das Energischeste gegen den neuen und unerhörten Angriff, der durch- den, Refcrentenentwurf des vorbereiteten Zinsfußgesetzes beabsichtigt ist. Die Protestversammlung weist mit der größten Entrüstung jedweden Versuch zurück,. der darauf abzielt, daß unter dem Vorwande der Zinssußregelung die Lebenshaltung und Existenzen der subalternen Angestellten bedroht werden. Die Angestelltenschaft betrachtet es al- erforderlich, die gesamt« Oefsentlichkeit daraus aufmerksam zu machen, daß diese Pläne einen weiteren Versuch der leitenden Funktionäre der Banken darstellen, um auch diese Gelegenheit zu einem Abbau der Gehalte und-er Angestellten auszunützen. Die Versammlung fordert die Organisationen und Gewerkschaftszentralen zur Abwehr dieses Angriffes mit allen Mitteln auf. Wird Hitler angegriffen, ruft man die Prager Polizei. Das Flugblatt-er sozialistischen Studenten über-en„kompromißlosen" Regierungsantritt -es deutsch?«„Sozialisten" Hitler", das gestern und vorgestern vor der deusichen Studentenküche verteilt wurde, und das wir im Hauptteil-es Blatte^_ab-rucken, hat die Ehrgefühle-er Haken- kreuzstudenten so erregt,-aß sie— zum Ehrenschütz Hitlers.... die tschechische Polizei herbeirie- en. Unter beträchtlicher Aufregung-er Studenten vom Hakenkreuz waren bereits Mittwdch und gestern gegen 1000 Flugblätter vor der Studentenküche verteilt worden. Kein Wunder also, daß es sich in Studentenkreifen bereits herumgesprochen hatte; der„Sozialist Hitler ist mit seinen„Erzfeinden" eine Kuhhandelsgesellschäft eingegangen. Warum sollten nicht unsere Nazis sich mit -er tschechische« Polizei verbünden, um die Aufklärung deutscher. Studenten zu verhindern? Doch die Prager Polizei hatte mehr Sauberkeitsgefühl, als die deutschen faseistischen Studenten und lehnte, wie man am Kommissariat sagte, jede Einmengung in diese„innerdeutsche" Angelegenheit ab. Unaufgefordert hatten sich der Polizei zu Angeberdiensten zur Verfügung gestellt: Buhl, Hermann Eichler, Wolfgang L i e b a l d, Karl Stäuber, sämtlich Hakenkreuzler. Ihre Heldentat richtet sich von selbst. Vorträge nnfl Veranstaltnnaen Professor«aenger definiert. Der ehemalige deutsch« Gesandte in Prag hat in der Urania" einem zahlreichen,„erlese»««" Publi. knm vörgetragen:„Ueber Historiker, Politiker, Staatsmänner und Diplomaten." Daß-er Herr Vortragende>nit den heutigen Diplomaten nicht übereinst.mmcn mag, wird chm wohl jeder Denkende nachfühlen: allerdings weniger deshalb, weil sie nichts von der Romantik eines Metternich haben und„nur" Fachleute sind, sondern wohl inehr wegen des Fehlens jeder Weltanschauung, jeder Distanz zur Jetztzeit, di« eben mit den übernommenen Begriffen und bedingungsloser Kritiklosigkeit nicht mehr auskommen kann. Was der Vortragende sonst zu sagen wußte, war im besten Sinn« erheitern-. So ist für den Herrn Geheimrat der historisch« Materialismus er- ledigt, denn die Geschichte zeigt jetzt, wie die„großen" Männer ins Ra- der Geschichte«ingreifen(hier fühlt man direkt das Kompliment vor dem neu ernannten Kabinett Deutschlands; Nietzsche ist der Klügste von allen gewesen, denn er hat ein zwanzigstes Jahrhundert der Mannes vorauSgefagt und erkannt; daß wieder di« Geschicke der Menschheit von. Einzelnen gelenkt würden. Ob das wieder Monarchen sein müßten, hat der Vortragende nicht verraten, er dürste aber theoretisch nichts dagegen einzmvenden haben. Bon den Historikern imponiert ihm vor allem Carlyle,-er so ein« Art geistiger Ahnherr des deutschen Nationalsozialismus ist, weil er an die Arbeit Starker in der Geschichte glaubt. Weltumspannend muß, nach Saenger, jeder Historiker sei«, er muß-en bekannten Blick aufs Ganze haben, di« Ereignifs« in ihrem Zusammenhang erfassen. darf überleben niemals vergessen, daß auch die Geschichte der Menschen geleitet wird von eineinen; ob der Herr Geheimrat Verfasser eines kaiserlichen Schulgeschichtsbuches ist entzieht sich der Kenntnis des Referenten: seiner Red« nach müßte dem aber so sein. Daß seiner Mentalität nach jeder Politiker ein eingefleischter Parteipolitiker ist ohne Verstand und Einsicht außerhalb des Parteipro- granrms, ist selbstverständlich; er kennt nur Parteibürokraten oder starke Individualitäten ohne Partei. Programm, er meint,-aß keine der Politischen Parteien, außerhalb den katholischen natürlich, Weltanschauung hat und ist daher für Durchdringung der Weltenlenkung mit starken Händen. Bei seiner Definition des Staatsmannes kommt man überhaupt nicht mehr mit: Saenger hat hier etwas davon gesprochen, daß Bismarck fürs Abwarten war, bis Gott durch di« Ereignisse sichtbar wär«, gleich darauf wurde von der Verantwortlichkeit„der Gesamtheit gegenüber" gesprochen und von Demagogenpolitikern, deren Schulbeispiel Lloyd George ist(für Herrn Saenger); im klebrigen konnte man den Ausführungen noch«ine Unmenge erheiternder Details entnehm««, die gesammelt eine herrliche Rundfunkrede des Kabinetts Hugenberg-Hitler ergeben würde. Als Sonderveranstaltung war der Abend interessant: ob er auf den Boden unseres einzigen BolksbildungsinstiiutS gehört, mag dahingestellt bleiben. Allerdings kann der Veranstalter nicht den Inhalt eines Vortrages im vorhinein kennen. W. L. Erich Kästner, einer der namhaftesten Berliner Autoren-er Gegenwart, kommt heute, Freitag, den 3. Feber, nach Prag und wird'n der Produktenbörse unter-em Titel„Ein Mann gibt Auskunft" (so lautet eines feiiser bekanntesten Bücher) aus eigenen Werken vovlesen. Samstag lieft Kästner in der Urania(Smekky 22) für die Kinder. Sein Kinderbuch„EnÄ uwd die Detektive"(das. auch verfilmt wurde) gchört zu den verbreitetsten Kinderbüchern. Air!- Spiel- Körperpllene Nazis brennen eine Arbeiter« Turnhalle nieder. Die österreichische„Avbeiter-Turn- und Sportzeitung" bringt eine Meldung, die deutlich auszeigt/ daß der Fascismus sich überall gleicht, und als eine Nachkriegsg«ißel der Menschheit seine blutige und glwtende Fackel schwingt. In Steg bei Linz hat der Avbeiter-Turn und Sportverein im Jahre 1928 mit eigenen Mitteln und eigener Arbeitsleistui^ unter denkbar schwersten Umständen eine eigene VereinS- turrchalle gebaut und diese vollkommen eingerichtet. Am 5. Jänner d. I. haben Nazis um 1 Uhr früh diese Turnhalle, di« noch am Vortag bis 18 Uhr benutzt wurde, angezündet und niedergebrannt. Die auSgerückten Feuerwehren Konnten weder di« Turnhalle noch die Geräte retten, sondern mußten ihre Bemühungen auf die anstoßenden gewerblichen Objekt« richten. Der Brand wurde evioiesener« und eingestanden«oweise von Nationalsozialisten gelegt Drei Nazi spielten di« Aufpasser und zwei Nazi stiegen in die Turnhalle ein und legten den Brand. Diese fünf nationalsozialistischen Brandstifter sind bereits verhaftet. Zwei von ihnen stehen vor der Matura. Diese neue Tat charakterisiert die Nationalsozialisten ebenso deutlich, wie d«r bekannt« Fememord in Dresden. Feige Mörder und Mordbrenner wollen die Arbeiterklasse niederringen und uns „Freiheit" und ein Drittes Reich bringen. •Ärgerlicher Sport. Die Tischteuuis-Weltmeisterschafteu brachten bisher folgende weitere Emebuisse, von denen wohl di« Niederlage Oesterreich gegen Jugoslawien die Ueber- raschung bildet; Ungarn gegen England 5:4, Lettland gegen Wales 5:4, Tschechoslowakei gegen Deutschland 5:4, Oesterreich gegen Indien 5:0, Ungarn gegen Jugoslawien 5:2, Indien gegen Wales 5:2, England gegen Lettland 5:4, Frankreich gegen Wales 5:2, Ungarh gegen Indien 5:1, Lettland gegen Deutschland 5:3, England gegen Frankreich 5:1, Tschechoslowakei gegen Belgien 5:0, Jugostawien gegen Oesterreich 5:2. Kunst und Wissen Karin Branzell als„Carmen". Sonntag, 7.30 Uhr. An Stelle der indisponierten Frau Thorborg singt Sonntag die Carmen die erste Altistin der Lindenoper, Karin Branzell. Abonnement aufgehoben. Gutschein« giltig. Spielplan des Reue« Deutschen Theaters. Frei- tag, halb 8 Uhr:„Leinen aus Irland', Gast- spiol Curt B o i S(D 1).— Samstag, halb 8 Uhr: „Leinen aus Irland", Gastspiel Curt Bois (B 2). (Braoffenl Mraoffhinra! ö” jeher■Oetcieoeueciauuu.u..^ jeher GewerkAchaftSverfammtuin» jeher GenossenschaftSverfammluno jeher Wählerverfammlung, jeher Arauenversammlung. jeher oolitiscben Versammlung, jeher Versammlung oder Sitzung«nm proletarischen Organisation tollt Jbr für die foMMlltW MtiMßk »nlenstvfte Werbearbeit leister Spielplan der Kleinen Bühne. Freitag, 8 Uhr: „Salon Pitz«lberger"—„Die schönt Galathee"(Kulturverbandsfreunde).— Savis' tag, 8 Uhr:'„Salon Pi tzelbe rger"'—„Pit schöne Galath 6 e". Aus der Partei Deutsche sozialdemokratisch« Franenorganisatio«, Prag. Montag, den 6. Feber, abends 8 Uhr, i« „Monopol" Fraurnabend. Um 7 Uhr im gleiches Lokal Sitzung des Bezirksfrauenkomitees. Z ugenvbeweguug. Sozialistische Jugend— Kreis Prag. Freitag, 7 Uhr, Verein deutscher Arbeiter, Kr«irleii«ngs< Sitzung. Rote Falke«— Levrllerkameradschast. Samstag, halb 4 Uhr, Verein deutscher Arbeiter, Pflichtvef anstaltung. Federbeiträge mitbringen! Arbeitsgemeinschaft deutscher prol. Organisationen. Die Teilnehmer des 2. Kurses der Arbeit?' gemeinschaft werden ausdrücklich aufmerksam macht, daß der Vortrag des Genossen Dr. F r a n; tl über.„Kulturprogramm des Sozialismus" Dienstag, den 7. Feber, abgeschlossen wird. Dieser Tag ist also unbedingt freizuhalten! Vereinsnadiriditen anHMBHnnaHBunnaBMBBFwav« Arbeller-Turn- and Sportverein Profi Mittwoch, den 8. Fobet, halb 8 Uhr abends, findet in' Hotel„Monopol"(gegenübtt der Ankunftshalle des Masaryl' Bahnhofes) eine Mitgliederzusammenkunft statt und werden alle Turw genossinuen und genossen ersucht, sich diesen Abtn^ freizuhalten. , Der Ball der Angestellten in Handel, Industrie und Verkehr findet am Samstag, den 4. F e be k im Heinesaal statt. Karten im Vorverkauf in’ Verein deutscher Arbeiter, SmeAy, Besedahaus, linll Sti«ge, nachmittags 4—6 Uhr; Samstag nur an Kassa. Reichhaltige Tombola. 100‘ l KINO-PROGRAMM! vom 3. Feber bis 9. Feber 1933. Wran-Urania-Kino einziges deutsche« Mino Pram t'ei.0.421* „Das Lied einer Na