Einzelpreis 70 Heller. Samstag, 4. Feber 1933 13. Jahrgang neS dürfte der ungarnfreundlich gesinnte österreichische Staatssekretär für Sicherheit, der Heimwehrführer und Monarchist Fey sein. Sozialdemokraten fordern Neuwahlen. Nach Julius Deutsch sprach Otto Bauer, der erklärt«, eine Regierung, di« sich so verhalt« wie die jetzig«, habe schleunigst abzutreten. Er forderte, daß di« längst beschlossene Auflösung des Nationalrates endlich durchgeführt werd« und daß in allernächster Zeit Neuwahlen ausgeschrieben werden. Der amllidie Derldit Wie», 3. Feber. Auf Anordnung der Bun- despolizei wurden in den heutigen'Morgenstunden das Arbeitercheim und verschiedene andere sozialdemokratische Parteibetriebe in Wiener-Neustadt vpn der Gendarmerie besetzt, dio Durchsuchungen nach Waffe« vornahm. I» Wt sozialdemokratischen Drucker« i Gutenberg' wurden f i e Ben schwere Ma sch i neng e w e h r«, 31 Karabiner, 30.000 Schutz Munition, 26 Kasten mit gegürteter Maschinengewehrmunition, weitere Kasten mit loser Vtaschinengewehrmunition, 74 Seitengewehre und anderes Material gefunden. Das gesamte Material ist gebrauchsfähig. Allgemeine Wahlen in Preußen. Provinziallandtage und Gemeindevertretungen sollen Nazimehrheiten bekommen.— Papen als Prenßcndlktator. Das Dritte Reich hebt ah! ‘ Solange ein Schimmer von Hoffnung bestand, daß das staatsanwaltschastliche Aus- s lieferungsbegehren gegen die nationalsoziali- ’ stischen Abgeordneten abschlägig beschieden wer- : den könnte, überboten sich unsere Nazis in er- ; bärmlichster Feigheit und sie wetteiferten nicht : nur in KundgÄungen ergebenster rot-weiß- ' blauer Loyalität, sie waren auch ängstlich bemüht, zwischen sich und Hitler eine möglichst , weite Distanz zu legen. Seither ist diese Hoffnung geschwunden, da die tschechischen Parteien auf der Auslieferung bestehen und Hitler ist Kanzler des Deutschen Reiches geworden. Nun werfen sich die knieweichen Helden wieder in Positur, möchten glauben machen, ihr Lohalitätsgewinsel sei der Ausdruck höchster Mannhaftigkeit und Unbeugsamkeit gewesen, sie stehen vor Hitler auch wieder Habtacht, mit den Fingern an der Hosennaht, identifizieren sich nicht nur freudigst mit ihm und heißen alle seine gegenwärtigen und künftigen Taten gift, sie jubeln auch begeistert der aus Nazis, Junkern, Großkapitalisten und Großgrundbesitzern gebildeten neuen Reichsregie» rung zu, die schon in den wenigen Tagen ihrer Machtausübung bewiesen hat, wie sie sich den Anbruch der von den Nationalsozialisten versprochenen„neuen Zeit" vorstellen. Das» Dritte Reich, das allen„Brot und Freiheit" bringen sollte, wie die nationalistische Parole lautete, beginnt mit der Vorbereitung von Terrorwahletr, mit Verboten und llnkerdrük küngen, mit blutiger Gewalt, mit d«r niiß- bräuchlichen Jn-den-Dienst-Stellung der Organe der staatlichen Macht zugunsten der braunen Mordbanditen und der Hinauszagung aller höheren Beamten, die im Gerüche republikanischer oder auch nur unparteiischer und sozialer Gesinnung stehen. Der„Tag" schlägt im Glücksgefühl über die Hitler-Papen-Hngen- berg-Regierung wahre Purzelbäume und verkündet:„Es wird d a s Reich des Auf- tieges und der Freiheit sein.. Es ist gut so, daß unsere Nazis ihre, eine Zeitlang vorgehaltene Maske fallen lasten und wenn wir auch glauben, daß im Bedarfsfall« nicht einmal ihre jetzige dick aufgetragene Hitler-Begeisterung sie abhalten wird, abermals eine Schwenkung nm hundertachtzig Grade vorzunehmen, so wird doch insofern« eine klare Lage geschaffen, als es ihnen nicht gelingen wird, jemals wieder abzuleugnen, daß sie dem in Deutschland beginnenden Regime ans dem Gnrndc ihres Herzens Beifall gezollt haben. „Brot und Freiheit", mit diesem Schlagwort haben die Nazis die Masten geködert— das„B r o t", das ihnen nun verabreicht wird, ist der Abbau der Sozialversicherung, der mit der Ausgliederung großer Teile >er Agenden des Reichsarbeitsministeriums rnd ihrer Angliederung an das Reichswirt- chastsministerium begonnen hat, das ist jenem Ministerium, dem Hugenberg, der Erzreaktionär, der Führer der brutalsten Scharfmacher DeutschlarÄs vorsteht! Und die„F r e i he i t"? Die Herren des neuen Kurses haben sich beeilt, kundzutun, was sie darunter verstanden haben wollen: Freiheit für die Naznnörder, Entlassung aller Polizeibeamten, die, sei es auch in Notwehr, gegen Nazipülcher zu schießen sich getrauen, Tolerierung aller Ueberfälle ans sozialdemokratische Gewerkschastshäuser, Roichs- bannerheime und Verbote kommunistischer Zeitungen ebenso wie sozialdemokratischer Kundgebungen., „B r ot und Frei h e i t"— ja warum haben die„feinen Leute", die Hitler früher voll Hohn so genannt und an deren SpiÄ er sich jetzt gestellt hat, ihr Rettungswerk nicht sofort begonnen, warum haben sie, anstatt Taten sehen zu lasten, den Reichstag in Neuwahlen gejagt? Eben weil denen, die sich von den Schlagwortkadavern der Nazis betören ließen, bald die Augen übergegangen wären. (Sozialdemokrat), für Dienstag 11 Uhr einberufen. Zur Beratung steht zunächst ein Antrag der Sozialdemokraten auf Sicherung der Wahl freiheit. Als zweiten Punkt enthält di« Tages ordnung Anträge der Sozialdemokraten und Kom- munisten über die Untersuchung der Osthilf«. Es wird beantragt, den Ueberwachungsausschuß in einen Untersuchungsausschuß umzuwandeln, um di« Nachprüfung der Osthilfc-Akten, die in einem Unterausschuß des.Haushaltsausschufles begonnen worden war, fortzusetzen. Neuwahl des Hessischen Landtags Darmstadt, 2. Feber.(Eig. DraHtb.) Nazis und Kommunisten haben die Auflösung des hessischen Landtages und Neu Wahlen zum 5. März beantragt. Beide Parteien besitzen im gegenwärtigen Parlament ein« Mehrheit. Sie hatten vor weni gen Wochen seine Vertagung bis zum April durch- gesetzt. Stahlhelm wollte Einheitsliste Berlin, 3. Feber.(Eigenbericht.) Die „Kreuzzeitung", das Blatt des Stahlhelms, verlangt heute einheitliche Listen der.Harzburger > Front. Die Nazis, erklären aber", daß sie ein« ; Listenkoppelung mit Hugenberg vermeiden wollen und lieber selbständig m den Wahl kampf gehen werden. iiniiiiiiiifiiifiittiitiiiiiinimiiiniifii'ifiiiniitiiDiiiHiniiiiiifiiifiiiiiiifiiifiniiiiiiiHiiiiniifiiniiiHiiHiHiiniiiiiiiHiniifiiiiinHiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiliiiHiiiiiiiniiniiiiiiiniininn'iniininHimfliHHiinniiinnKinHn „Vorwärts* 1 für drei Tage verboten. Das Verbot der„Roten. Fahne“— zurückgezogenI Berlin, 3. Feber.(Eiae nb e r i cht.) Die Regieyimg hat heut« plötzlich und unvermittelt das Berbotder„Roten Fahne", deren Erscheinen für acht Tage verboten war, zurückgezogen.. Vom Standpunkt Hitlers ist im Augenblick die„Rot« Fahne" eher nützlich,»veil das Kommunistcnblatt fern« Angriffe fast ausschließlich gegen di« Sozialdemo-. kvatie richtet. Dafür"würde der„Vorwärt s" für drei Tage verboten, da sich die Regierung durch den letzten Absatz des sozialderuoknatischeu Wahlaufrufes beleidigt fühlt. Zusammenstöße in deutschen Städten. Berlin, 3. Feber. Die vom kommissarischen , Innenminister Göring für ganz Preußen eingeleitete Polizeiaktion gegen die KPD wird fortgesetzt. - Die Kölner Polizei teilt mit, sie habe Schriftenmaterial.hochverräterischen Inhalts" gefunden.— In Frankfurt a. M. wmÄen an 25 Mellen gleichzeitig Hausdurchsuchungen durchgeführt.— In Berli n wurde das Haus der Roten Gewerkschaften durchsucht.— Auch in Kiel und Erfurt fanden Hausdurchsuchungen statt. . Aehnliche Polizeiaktionen wurden in Thüringen und Braunschweig durchgeführt. Neue Blutopfer. Berlin, 3. Feber. Die„innere Befriedung, die die Berufung der Regierung Hitler dem deutschen Volke gebracht hat, äußerte sich auch gestern und heute wieder in schweren Zusammenstößen, di« schwere Opfer forderten. In Altona kam es am Donnerstag z« einer von den Nazis provozierten Schießerei; auch in der Nacht wurde in der Hafengegend ge- schosten. Drei Personen wurden schwer verletzt. — Schwer« Zusammenstöße zwischen Nationalsozialisten und Kommunisten gab es es auch in Hamburg; vier Personen wurden schwer verletzt.— Eine Schießerei gab es in E h a r- lottenburg.— I« Duisburg schossen Nazis«ach einer Fra«, die der Aufforderung, di« Fenster zu schließen, nicht rasch genug nachgekommen war; sie erlitt eine schwere Kopfverletzung.— Zu Zusammenstößen zwischen Kom- munisten und Polizei kam- es außerdem in B e r- lin, in Senftenberg, in Neumünster. Verl«, 3. Feber..(Eigenbericht.) In Glogau überfielen Nazi-Horden ein Reichsbännerlokal. Bei dem Angriff wurde ein Reichsbannermann tödlich verletzt. Nazimörder werden nicht hestrait. Breslau, 2. Feber.(Eig. Drahtb.) Der anfangs Jänner von Nazi-Anhängern verübte Mord an dem sozialdemokratischen Jungarbeiter Hanisch wird voraussichtlich ungesühnt bleiben. Die schwerverdächtrg- ten Täter wurden nach wenigen Tagen aus der Hast entlasten und außer Verfolgung gesetzt. Auf die Beschwerde des Staatsanwaltes hat das Oberlandesgericht in Breslau diese Maßnahme jetzt gebilligt! Generalstreik In LUbedf. Die Nazis Kneifen. Lübeck, 3. Feber.(Eigenbericht.) Die Arbeiterschaft hat heute unter Führung- der sozialdemokratischen Partei einen mehrstimdigen Proteststreik gegen den Naziterro durchgeführt. Der Streik ist vollkommen gelungen, olle Betriebe, die Straßenbahn und die Ersenbahnwerkstätten lagen still. Die Nazis wogten sich nicht hervor, nicht ein einziger Streikbrecher zeigte sich n der ganzen Stadt. LustgartenKundgebnng der SPD am Dienstag. Das Berbot der sozialdemokratischen Kundgebung für Verfassung und Freiheit wird mit der Gefahr von politischen Zusammenstößen begründet. Am vergangenen Sonntag sind zweihunderttausend Sozialdemokra-! ten und Republikaner stundenlang durch Berlin' zum Lustgarten marschiert. Nicht der geringste| Zwischenfall hat diesen gewaltigen Mafsenauf- z marsch gestört. Aber trotz dieses Beweises für j Disziplin, Ruhe und Ordnung, darf am Sonntag< nur di« SA marschieren. Die Berliner Sozialdemokratie wird auf diese Sorte Staats-; führung, dieses zweierlei Recht am Dienstag ■im Lustgarten antworten. Srftdeint mit Ausnahme des Montag täglich früh. MedoM«, ne VtrtMHne: Brog a, MefAjanra 18. ♦ Ztlertn: 26793, 31469. ♦(MachuevaMni: 26797 ♦ voMchttkanu: 57544 Walfensudie im Arbeiterheim Wiener-Neustadt. One freche Komödie des iJeimwehrFeu. Wien, 3. Feber.(E i g e u b« r i ch t.) Die österreichische Regierung hat heute aus Rache sür die Aufdeckung des Hirtenberger Wa f se n s ch m«gg«ls durch die„Arbeiter- Zeitung" österreichische Arbeiterheime«ach Waffe« durchsuchen lasten. In Wiener-Reustadt drangen schon am Morgen Gendarmen in das Arbeiterheim-ein und wühlten dort bis zum späten Nachmittag. Di« Ausbeute ihrer Suche bestand aus sieben Maschinengewehren, einiger Munition und mehreren alten Waffenbestandteilen. Alle diese Waffen lagen seit langem, der Regierung bekannt, dort. Sie waren nämlich seinerzeit den Wiener-Neuftädter Arbeitern zur Verteidigung des Burgenlandes gegen Angarn übergeben worden und wurden im Heim bis zum heutigen Tage aufbewahrt. . Als Antwort auf diesen heimtückischen lieberfall kam es. heute im Finanzausschuß des Ätatio- lalrates zu einem heftigen Zusammenstoß. Dollfuß hat gelogen! Wallen In lllrienberg. Julius Deutsch machte Aufsehen erregende Enthüllungen über den Hirten berger Waffenschmuggel und erklärt«, »ach dem Vorgehen der Regierung geb« es nun keinen Anlaß mehr zur Rücksichtnahme. Deutsch -ab bekannt, daß Bundeskanzler Dollfuß den Vertretern des Auslandes, die wegen der Hirten berger Waffenassaire bei ihm vorgesprochen Wien, unwahre Auskünfte erteilt hat. Dollfuß hat gesagt, daß alle Waffen aus Hir- kntberg längst weggeschafft seien. In Wahrheit siegen dort aber noch zehntausend« G e- ivehr«, die von H« i m w« h r l« u t«» b«- ivacht werden und die im Laufe der Zeit mit Lastautos und Flugzeugen nach Ungarn geschmug- 8«st werden spllen. - Tie Waffenrazzia in Wiener-Neustadt hotte zweifellos nur den Ztveck, die Arbeiter jener Stadt an der Straße nach Ungarn, auf der die Waffe« geschmuggelt ivcrven sollten, zu entwafs- Nen. So will man den Arbeitern die Möglichkeit Nehmen, den WaffenschmuMel nach Ungarn nüti- genfalls zu verhindern. Der Urheber dieses Pla- ' Berlin, 3. Feber.(BDZ.) In unterrichteten Lreisen wird dem Nachrichtenbüro des VDZ erklärt, di« maßgebenden Stellen der Reichs- und ber tomNiissarischen preußischen Regierung hätten bi« Absicht, bei den am 5. März durchzuführen, ben Neuwahlen zum Reichstag nicht nur Äeichzeitig die Neuwahl für den preußischen Landtag auf jeden Fall mit anzusetzen, fon. bern darüber hinaus auch diejenigen provinziellen und kommunalen' Körperschaften neu Wahlen zu lasten, die von sich aus di« Zusam- »«nsctzvitg des preußischen' Staatsrates bestim- >ven. Es habe sich in der Vergangenheit sehr oft unzweckmäßig und die politische Arbeit hemmend erwiesen, daß der preußisch« Staatsrat, der bereits seit mehreren Jähren in der gegenwär- Ügen Zusammensetzung unverändert besteht, noch Wcht dem Ausdruck des Bolkswillens aus der jüngsten Zeit Rechnung träge. Aus diesem Gründe und zugleich aus Ersparnisgründen benke man daran, auch bie. Provinziaklandtaqe die in Frage kommenden kommunalen Körperschaften am 5. März mit zur Neuwahl zu stellen. In diesem Zusammenhang verlautet noch, baß stit Neubildung der Reichsregierung«ine »gewisse Vereinfachung" in der Beschilußpraris ber preußischen kommiffarischen Regierung eingetreten ist. Es ist nämlich festgestellt worden, baß nicht mehr dos sogenaUnte kommissarische "abinett als Be schlu ß körpe r sch af t fungiert, sondern daß die einzelnen Restortvertreter ^s Reichskommissariätes lediglich beratende «timme Haden» w ä h r e n d d k e E n t s ch e i- büng von Rci chsk0mm i ssär-von Pa- be« in den einzelnen Fällen ohne weiteres erlassen werden kann. Ladung des Deldistaes- anssehusses Berlin, 3. Feber. Der Rcichstagsausschuß zur Wahrung der Recht« der Ddlksdertretung ist von seinem Vorsitzenden, dem Abgeordneten Loeb« Leu, L SamStag, 4. Feber 1938. Nr. 30. wenn fie die Reaiererei der neuen Herren eine Zeitlang am Leibe zu spuren bekommen hätten! Es wird trotzdem einmal der Tag kommen, da die nüchterne Wirklichkeit den Sieg über die Phrasen, mit denen heute die Hitlcr- anbeter gen-ttert werden, davon'ra"en wird Vorläufig bis auf weiteres, da die Regierung durch die Anll-imng des Reichstages der Verpflichtung enthoben ist. nnrweideutkp Farbe zn bekennen, kann der Oberosaf und kann ancb die Näri-Presie-um Entrücken derer, die nicht alle werden wollen, vom„a'ssaerosften^aken- kreurbanner", von„historisibem Umschwung der deutschen Entwicklung" n,ch von dem nun bevorstehenden nen-n alncklichen Zeitalter dichten und kaseln. Unmittelbar bevorstehend? Der grobe Adolf hat da übrigen? schon be- trächtlich viel Wasser in den ehemals wild schäumenden Wein genossen Richt, wie es sich früher in den Ra-iköpfen malte, in achtundvierzig Stunden wird noch der neuesten Version, der Hitler in seiner ersten Kanrlerbot- schaft Ausdruck geaeben bat, das Wunderwerk der Beseitigung aller Rot und alle« auf Deutschland lastenden Unrechtes vollbracht sein, sondern— in vier Jahren! Solanoe soll man in Geduld warten, ein« so lanae Frist«rflebt Hitler, um die Rettuna zu vollbringen? Mit wichtigtuerischer Miene hat er früher wiederholt angedeutet, daß er in seiner Schublade den Plan der Rettuna des deutschen Volles vorbereitet habe und ibn nur deshalb nicht veröffentliche, damit sich die Feinde deS„nationalen Staates" nicht am Ende seiner bedienen. Jetzt sitzt dieser selbe Hitler an der Macht, nun könnte er daran gehen, von dem„groben Geheimnis" ausgiebigst Gebrauck» zu machen, statt dessen vertröstet er die zu Rettenden, sie mögen noch die Kleinigkeit von vier Jahren sich gedulden. Der ehemalige Stammgast des vornehmen Luxushotels.^kaiserbof" hat Zeit, reichlich Zeit, die verheibene Wunderkur in Angriff zu nehmen, weit weniger Zeit werden die hungernden und die sonstigen leidenden Wähler haben, die den Agitationsschlagern der Naziführer in den Versammlungen andachtsvoll uftd gläubig gelauscht haben. Sie wecken sich fragen: warum sagt der braune Wundermann nicht wenigstens, wie er No: und Arbeitslosigkeit zu beseitigen gedenkt? Wenn wir vier Jahre warten sollen, ehe wir im Dritten Reich wieder unsere Mägen füllen können, warum erfahren wir dann wenigstens nicht, welche Wege unser Osaf uns zu führen gedenkt, ehe sich uns das gelobte Land, des Dritten Reichs erschließt! Die Antwort ist sehr einfach: der national«„Sozialismus" hat geblufft, als er im Ausstieg war und er sucht auch jetzt die gut- gläubigen Nazi-Hammeln zum Narren zu halten, um vielleicht doch die Mehrheit der deutschen Wähler hinter sich zu bringen. Würde dies geschehen, dann würde es überflüssig geworden sein, über das Rettungsgeheimnis Rechenschaft zu geben, dann wüßte der Osaf allen neugierigen Fragern und Un- zufriedenen durch seine braunen Mördeckan« den schon die richtige Antwort zu geben. „Vierzehn Jahre Marxismus haben Deutschland ruiniert", hat Hitler, der historischen Wahrheit ins Gesicht schlagend, in seiner Rundfunk-Boischaft gelogen. Ist in dieser Zeit nicht viele Jahre Hindenburg an der Spitze de» deutschen StaatAvesenS gestanden und haben wir nicht wiederholt bürgerliche Regierungen am Ruder gesehen, die alles andere eher als„marxistisch" waren? Ist das Elend Deutschlands nicht eine Teilerscheinung der allgemeinen chaotischen Weltwirsschaft, eine Erscheinung, die ebensowenig das demo- krarische England wie das fascistische Italien verschont hat? Und jetzt will Hitler alles, wenigstens so weit es das deutsche Volk betrifft. wieder«inrenken? Ja, mit welcher Jungs Groß ins Gestern besprachen wir den Hymnus, den Herr Karg auf Hitler gedichtet hat. Heute können wir über den„Gruß" berichten, den der Führer der sudetendeusschen Nazis über die Grenzen schickte und über neue Freudenergüsse der „Tag"-Redaktion. Die phrasenreiche Rede Hitlers, deren einzig greifbarer Inhalt die Ankündigung der Arbeitsdienst pflicht ist, bringt„Der Tag" in ausführlicher Weise. Der Bericht über die UnterbrückunaSmaßnahmen gegen die KPD, den die„Tag"-Reoaktion mit dem schönen Titel„Das Reinemachen im Reiche beginnt" versah, ist wohl als Kommentar zur Hitlerrede zu verstehen. Und alles übrige, was im„Tag" über Deutschland steht, ist Zustimmung zu den Maßnahmen der neuen Regierung, ist schrankenlose, unbeherrschte Freude ob der Kanzlerschaft Hitlers. Diese Freude ist nicht geheuchelt, sie kommt auS dem Herzen.„Bruderbewegung" nennt der Jung den HitlerfasciSmuS. Sehen wir zu, welche Aufgaben dieses Bekenntnis für die sudetendeutschen Arbeiter in sich schließt. Herr Jung und die Seinen sind in den heiligen Krieg gern die Sozialdemokratie gezogen und verkünden, sie habe ihr Programm, sie habe die Nation„verraten". Diese Fanfaren vernimmt man in den nationalsozialistischen Versammlungen, diese Töne klingen au- nationalsozialistischen Blattern.(Manchmal findet man auch den Weg zu gewissen Türklingen, aber darüber spricht man nicht.) Alles, was sich in der Tschechossowakei begibt: Krise und Krisenfolgen, GehaltSabbau, Steuererhöhungen u. a. m. ist nach den Behauptungen der hakenkreuzlerifchen Pwpagandaredner durch die Regierungsteilnahme der Sozialdemokratie bedingt. Diese Lüge wurde von un- immer wieder widerlegl und wurde immer wiederholt. Und dock bleibt es dabei: in der Tschechoslowakei regiert die Sozialdemokratie nicht; sie ist nur ein« Mircherhett in der RegieimngSkoasiijov und, verglichen mit ihrer Stärke, kann sich ihre Arbeit in der Koalisson wohl sehe» lassem" In Deutschland abbr gibt eSfetzt»in Kabinett Hitler; die Taten dieses Kabinetts tragen den Namen des vom„Tag" und von Jung vergötterten ChefS der SA-Morder. Hitler an der Macht! Gut, prüfen wir, was er tun wird. Da„Der Tag" und Jung für ihn sind und der deutsche Nationalsozialismus nach den Auslassungen des„Tag" die Bruderbewegung des sudetendeusschen ist, wecken die Toten Hitlers auch Ausdruck für die wirsschastlichen und siHial- politischen Ziele deS Jung-Sozialismus sein. Di« Arbeitsdienstpflicht ist schon angekündigt, daS„Reinemachen", nämlich das Vorgehen gegen die KPD begann schon. Also darf man wohl annehmen, da„Der Tag" nicht nur Hilfe? Mit Hilfe der Junker und Barone, Arm in Ann mit Schwcrindustriellen und Nutznießern der Osthilfe, in engster Gemeinschaft mit.- skrupellosen Beutemachern und Großverdienern! Unsere Nazis jubeln, da die Junkerpeitsche auf den Rücken deS arbeitenden Volkes niedersaust! Wohlan denn! Lassen wir sie ruhig- sich mit Hitler und seinen neuen Verbündeten identifizieren, der Tag wird kommen, wo ihnen der Jubel über die erhoffte Knechtung des densschen Volkes in der Kehle stecken bleiben Wick! Dritte Reith. nichts gegen die Hitlerrede oinzuwende» hat, sondern sie auSdrücnich lobt, daß auch die sudetendeutschen Nationalsozialisten für die Arbeitsdienstpflicht und für die Abschaffung der Demokratie sind. Und all das, was in Deutschland in den nächsten Monaten geschehen wird, geht nun, nach dem Bekenntnis des„Tag" und den Grüßen des Herr« Jung, auch auf di« Kappen des sudeteudeutscheu Nationalsozialis mus. Wir werden sehen, welcher Art der„Sozialismus" ist, der sich nun in Deusschlaüd an der Macht befindet und wecken dir Krebs und Jung auffordern, sich mit uns über diesen Sozialisnms zu unterhalten. Und nichts, gar nichts wecken wir ihnen schenken! Die Entlarvung Hitlers als Bannerträger der Reaktion ist auch hie Entlarvung der„Arbeiterfreund e" Jung» ndKrebS. Die Freunde und Brüder dessen, der daS deutsche Arbeitsvolk mit der Arbeitsdienstpflicht beglücken will, sollen noch einmal den Versuch unternehmen, von der ,Z!rbeiterfeindschaft" der Sozialdemokratie zu orakeln. Die Herrschaften, di« vor Freude Purzelbäume schlagen, wenn die Tätigkeit der KPD durch Polizeimaßnahmen unterbunden Wick, sollen noch einmal als die Freunde und Verteidiger der Demokratie auftreten! Hitler unternimmt, an die Macht gestnnmen, nichts anderes, als die Funktion eine- Bedrücker- der Arbeiterschaft. WaS bedeutet also den fudeien- deusschen Arbeitern der Nationalsozialismus des Herrn Jung? Zum Glück nicht im entferntesten di« Aussicht, daß Jung den Hiller kopieren wird, aber die sichere Gewähr, daß er auf tschechischer Sc sie Nachahmung findet. So ist denn der sudetendeutsche Nationalsozialismus nicht nur überflüssig.» son-ern, weil er den- tschechischen Fasci-muS stärkt, ungemein gefährlich.-.wsir“-r rr«rx yi Die Waffen, die uns der Bandenchef Hitler durch seine Taten liefern wird, gegen di« Herren Jung und Krebs anzuwenden, ist die Aufgabe, die das Bekenntnis des„Tag" und des Herrn Jung zu Hitler und seine« bisherigen„Erfolgen" für di« sudetendeusschen Arbeiter in sich schließt. Der Chel als Zngochs. Berlin, 8. Feber. Di« Reichspreffestelle der NSDAV teilt mit, daß am Donnerstag in Berlin in Aewesenheit Hitlers eine Gauleiter- und Amtswaltertagung der IiSDAP stattgefunden hab«, auf der Hitler erklärte, er selbst werde in diesem Wahlkampf an der Spitze sämtlicher lftsten der NSDAP kandidieren. 87 Oie Kellnerin Molly. Roman von Han» Otto Heuet Tovrmabt bt> flackrlreit«r-verla«. Berlin. Nachdruck verboten. Er trat elegant und selbstbewußt auf, war sonst sicherlich im Westen zu Hause und nur auS einem perversen?lmüsierbet>ürfnis heraus aufden plebejischen Rummelplatz geraten. Er wollt« Male und Lsssi ohne weiteres mitschleppen, doch protestierte Herr Wendigkeit dagegen. Es war noch die letzte Parade und Vorstellung zu absolvieren. Fred, wie sich der Kavalier leicht angeheitert vorstellte, wollte Herrn Wendigkeit einfach die letzt« Vorstellung als Privatvorstellung abkaufen, aber seltsamerweise, ging der Schaubudenbesitzer nicht daraus ein. Er mochte fürchten, die Ar- beiterkundschaft, auf die er sonst angewiesen war, zu verstimmen, wenn er sie an d-e^em einen Abend wegen eines Lassen ausschlösse.' Um elf holte Fred die beiden Mädchen mit einem Auto ab und fuhr mit ihnen in eine Stadtgegend, die Male gänzlich unbekannt war. In dem vornehmen Weinlokal in dem sie zu dritt speisten und tranken, fühlt« sie sich unbehaglich. Die Kellner nannten sie„gnädiges Fräulein", aber sie war gescheit genug, zu wissen, daß diese Höflichkeit dem Herrn Frck und nicht ihr galt. Robuster war- Lissi, die den eleganten Leuten ringsum beraus^ock'-rndc Blicke zuwarf, weil man über die ärmlichen Fähnchen der beiden Mädchen sichtlich spöttelte. Herr Fred merkt« von allem nichts oder er kannte es sich erlauben, darüber hinwrgzusehen. Mal«, die mit Esstaunen hörte, wie er Speisen und Weine bestellt«, ohne sich vorher nach dem Preise zu erkundigen fragte ihn, ob er ein Fürst sei. In fröhlicher Betrunkenheit antwortete er, nein, er sei nur der Fred und nebenbei Besitzer einer kleinen Schusterei mit fürsszig Arbeitern und vierhundert Arbeiterinnen. Herr Fred war reichlich betrunken, als das Lokal geschlossen wucke und die Kellner di« drei als letzte Gäste hinauskomplimentierten. Der Bezechte behauptet«, seine neuen Freundinnen seien überaus nette Mädchen, di« er noch mit nach einem Lokal nehmen müßte, das nur den einge- wekhten Kennern der nächtlichen Fröhlichkeit bekannt sei. Ein Frübkaffee, das esst jetzt öffn«, wo andere„Saftläden^ geschloffen würden. Lissi halt« nickt viel Lust,» weiter mitzugehen. Sie fühlte sich Male gegenüber Wicker einmal zurück- gesetzt, denn Frck hatte zwar an jedem Arm eines der Mädchen, bevorzugte aber sichtlich Male. WaS ihm vom Standpunkt einer vernünftigen Eugenik aus wirklich nicht zu verdenken war. Die Loge des erstrebten Lokals ließ sich schon auf einige Entfernung hin bestimmen, denn eine Anzahl nächtlicher Passanten strömte unverkennbar diesem einen Punkte zu. Augenscheinlich verkehrten hier fast nur Stammgäst«, denn die Kellner wurden bei den Namen genannt. Auch Herr Frck erklärte, sein« Stammloge hier zu haben und ließ sich von einem Kellner mit den beiden Mädchen nach einer der Nischen schieben, die an der Seite«-gegrenzt waren. Male wunderte sich, daß sie nicht betrunken war, obwohl fie doch heute abend soviel Wein ge- rrunken hatte, wie in ihrem ganzen übrigen Leben zusammen noch nicht. Dagegen war Herr Fred vollständig bezecht. Er wollte Mokka bestellen, doch als ihm der Kellner, dem der riesige Wirt«inen Wink gegeben hatte, mit der Miene eines wissenden Priesters ins Ohr flüsterte, eS gäbe einen „herrlichen preiswerten Einundzwanzig«!", da bestellte Herr Frck gleich drei Flaschen auf einmal. Kaum standen st« auf dem Tische, da riesen vom Nebentiiche zwei ganz unzweifelhafte Damen herüber, ob der„süße Frck" denn hochnäsig geworden sei, weil er alte Freundinnen einfach übersehe. Herr Frck lallte ihnen zu, daß er heute in Gesellschaft anständiger Damen sei und deshalb verzichten müsse. Die drei Mädchen warfen ein paar unflätige Schimpfworte herüber, di« aus Male und Lissi gemünzt waren und einjach besagten, daß eine Konkurrenz aus anderen Vierteln hier unerwünscht sei. Herr Frck amüsierte sich darüber und behielt sein« gute Laune. „Frck, schenk mir zehn Eier! Frck, mir zwanzig! Ich brauch«in Paar neue Schuh«! Frck, willst du mir nicht wenigstens ein Handgeld verehren?!" Herr Frck schickte ihnen durch den Kellner einen Zwanzigmarkschein hinüber. Lissis Augen schillerten grün als sie sah, wie dieser Zwanziger aus einer dicken Brieftasche kam, die viele höherwertige Brüder dieses Zwanzigers enthielt. Sie mochte sich sagen, daß sie, di« ja arbeitet«, viel «her berechtigt sei, ein Geschenk entgegenzuneh- men, als diese Weiber. Und sie bat: „Willst du mir nicht auch etwas schenken?" Herr Fred sah Mal« an. „Und du. willst du nichts herauSschinden aus mir?" Male wußte nicht, was sie antworten sollte. Natürlich wollte sie Geld haben. Sie brannte darauf. Aber um keinen Preis hätte sie sich getraut, darum zu bitten, zu betteln. Herrn FrckS Freigiebigkeit war hier wohl bekannt. vielleicht auch war sie durch die leise Tele- phonie, die zwischen dem Wirt und seinen Angestellten besteht, weiter berichtet worden. Bor der Nische standen eine Verkäuferin mit Teddybären und flittrigen Puppen,«in Boy mit Luftballons, ein altes Blumenweib. Herr Frck kaufte und belegte den Tssch und die Arme der Mädchen mit Geschenken, und er sah die Geldschein«, die er hingab, kaum an, ,Du willst was geschenkt haben? Hier!" Er schob Löst einen Zwanzigmarkschein in di« Bluse. „Und du willst nichts haben? Du mußt nehmen! Frck will seinen Spatz nicht umsonst haben." Er reichte Male drei Hundertmarkscheine. Mal«, deren ganzes Denken seit Tagen um di« ein« Frag« ging, wie fie zu Geld kommen könnte, HltlCr und die Marxistische Gcsdilchts- auifassung. Im BereinÄlatt der Grube nhunde-Lieb- haber, dem„T a g", hat kürzlich ein Dr. Kr. seine Ansichten über di« Marxistische Geschichts- aüffassüna zum besten gegeben. Da er unbeschwert durch die KenntmS der wichtigsten Quellen nnb des Marx'schen Lebenswerkes vorging, fiel chm die Arbeit nicht schwer. Desgleichen nicht die Erwiderung auf die Antwort, die chm der„Sozialdemokrat" erteilt hat. Weit entfernt davon, Lehre anzunehmen, erklärt Dr. Kr.,. für khn seien nicht die modernen Interpreten der Marxistischen Geschichtsauffassung, sondern diese selbst in chrer Ursassung maßgebend, nicht Kautsky(den er nicht einmal richtig schreiben kann), sondern Marx selbst stehe zur Diskussion. Dieser augenscheinlich mit dem philosophischen Doktorat auSgestattete Wald- und Wiesenphnosoph hat also nicht einmal die leiseste Ahnung von der Problematik der Historischen MateriÄismus, sonst müßte er wenigstens das eine wissen, daß von Marx zu Kautsky höchstens eine Entwicklung vom dialektischen zum materialistischen System behauptet werden könnte, nicht aber umgekehrt Kautsky Marx gegenüber als weniger„materialistisch" gelte» Kinn. Nun stellt unS aber der Prüfling eine Gegenfrage, ein« Aufgabe. Er fragt: „Wie«Märt die materiaksstische Geschichtsauffassung tie Tatsache, daß aus der Idee weniger beherzter Männer in kurzer Zeit«ine Mil- lionendewegung entstehen konnte, welch« allen vereinigten Anstrengungen ihrer zahlreichen Gegner zum Trotz noch ehe Adolf Hitler Reichskanzler wurde, einen solchen Einfluß gewinnen konnte?" Eine Frage, di« zwar wiederum beweist, daß der Dr. Kr. vom Marxismus nicht mehr versteht als Hitler selbst, also nichts, die wir aber gern beantworte», weil sie lohnend genug für eine Darstellung der marxistischen Lehre am sinnfälligsten Beispiel ist. Zunächst wollen wir einen Irrtum aus dem Wege räumen, zu dessen Beseitigung eS freilich gar keiner besonderen marxistischen Schulung sondern lckiqlich einiger Elementarkenntnisse auS der Geschichte deS letzten Halliahrhunb-rts bedarf: w:nn mit den„wenigen beherzten Männern". deren Idee eine Millionenbewegung geschaffen hat. die Kegelbrüder gemeint sind, di« 1913 wit Adolf Hitler in München die NSDAP gründeten, dann erweist ihr Nachbeter ihnen zuviel Ehve. Di«„Ideen" des Nationalsozialismus, wie sie Rosenberg. Fedxr, Jwng und' asS^.Ab^chreiber. der Am>sril"a«ch H, vl« t formuliert hat. sind mcht neu, sie sind alles ack^ der« denn geistiges Eigentum dieser Herren.. Die Rassentheorie z. B. wird Jahr-' zehnte vor Rosenberg. Günther und Hitler vo« dem ftanzösischen Aristokraten Gobineau und von dem germanisierten Franzosen Lagarde propagiert. Um die Jahrhundertwende ersteht ihr in d:m in Frankreich erzogenen in Deutschland naturalisierten Engländer H. St. Chamberlain ein neuer Prophet der vier Fünftel der Rosenbergschen Blut- und Rassetheorien vor- woqnimmt. Der Heldenkult, der in der Geschichte nichts als eine Häufung willlürlicher.Handlungen großer Männer sieht sst von Thomas Ca r* lyle schon vor vielen Jahrzehnten in Mode gebracht worden. Die Lehre von den Herren- und Herdenmenschen, von der„blonden wagte nicht, dies« für ihre Begriffe märchenhaft Summe zu nehmen. Sie schaut« ihn erschrocken an und rührt« keine Hand. Herr Frck schien fast, beleidiat zu sein. „Ja, so nimmt doch! Glaubst du, es ist fass sches Geld? Ehrlich verdient! Steht alles ich Hauptbuch." J aernd griff Mal« zu. Sie fühlte in dieses icke, wie die Augen aller Leute in del Nähe jcke ihrer Bewegungen verfolgten. Sie fühlte noch mehr, wie Lissi sich in Wut förmlich zusammenkrampfte. Du!" Das war das letzte Wort, was Male von Lissi gehört hat. W Herr Frck war Vollkommeck'betrunken.- ft Kellner Präsentiert« ihm die Rechnung. Sie M trug fünfhundert und etliche Mark. Herr bezahlte mit Freuden und essüllt« mit grotzitk Bereitwilli^eit die Bitte des Kellners, seinen Namen unter die Rechnung zu setzen. Wahrschein' lich wollten Wirt und Kellner sich die ichrrftlE Anerkennung der Höhe dieser Rechnung fen, wenn Herr Frck am anderen Tage in»iKr ternem Zustande den offenbaren Betrug beanstaN' den sollt«. Male hatte sich vorgenommen, jetzt Herrn Frck alles zu erfüllen, was er verlangen wür^- Sie betrachtete cs als«ine selbstvesständlichC Pflicht, daS ihr ungeheuerlich« Geschenk von. dr<^ hundert Mark zu vergelten. Sie rechnet« dam»< daß Herr Frck darauf bestehen würde, di« NkW chen nach chrer Wohnung zu bringen. Aber. t<- der am Zusammenklappen war, winkte«in einss^ nes Auto heran, und befahl, zum nächsten Au^ Halteplatz zu fahren. Er bemühte sich nicht die geringste Zärtlichkeit der Märchen war fach ssertig. Am Hali.Platz ließ er offnen, schi^ die Mädchen in em a.ideres Auto hinüber, ,.!F dem Chauffeur einen Geldschein und befahl die Mädchen zu fahren, wohin sie wollten. rollte er davon. (Fortsetzung solgt.) Nr. 30. SamStag, 4. Feber 1983. Lett« 3 Gründlicher als die fleissigste Wäscherin Wozu Sie früher mit Bürsten, Reiben und Rumpeln Stunden brauchten,das schafft jetzt Rodion ganz allein in 15Minu- ten: Blendend weiß gewaschene Wäsche. Millionen Sauer stoff bläschen treiben die reinigende Rad io n-Losung durch das Gewebe und die engsten Maschen, die selbst die gründ lichste Wäscherin mit Rumpel und Bürste nur oberflächlich erreichen kann, überlassen Sie Rodion die Wascharbeit. Verwenden Sie ständig Radion,dann wird Ihre Wäsche„durch und durch"••* wirklich schonend gewaschen!»* • e'.«° t.T.1/33 Bestie" die philosophische Begründung der Hitler- Rosenbergschen Thesen von der Berufung des nordischen Menschen ju.Herrschaft über die Min- dertverligen, stammt von Nietzsche und wird von dielen Psychologen und Historikern für eine Früherscheinung des Leidens erklärt, dem Nietzsche noch mehr als einem Jahrzehnt geistiger Umnachtung erlegen ist, des paralytischen Größenwahns. Der Begriff des„M y t h o s". Wie ihn Rosenberg in den Vordergrund seiner Geschichtsphilosophie stellt, stammt in gerader Linie von dem geistreichen französischen Juden Henry B e r g s o n ab, dem Modephilosophen der monarchistisch-klerikalen Strömung, di« Frankreich in der Zeit des Dreyfus-Rummels ersaßt hatte. Aus Bergson fußt der Syndikalist Georges Corel, von Sorel hat, wie er selbst gesicht, Mussolini sein« politischen Ideen bezogen: der Henker von Rom hat sie an die deutschen Fascisten weitergegebcn. 'Die Theorie von der Brechung der Zinsknechtschaft geht in ihren wesentlichen Elementen auf Proudhon zurück, dessen scheinsozialistische Ideen Marx schon in den vierziger Jahren des vorigen Jahrhunderts kritisch erledigte. Proudhon war auch der erste„Sozialist", der es mit seinem Sozialismus für vereinbar hielt, den Streik als Verbrechen an der Gesellschaft abzulehnen. "Die antisemitische Hetzpropa- gqnda und der ganze„Sozialismus des dummen Kerls" aus dem die Roßtäuscher um Hitler ihr Werk geistig fundiert haben, haben schon vor 30 und 40 Jahren einer Bewegung zu raschem und stürmischem Aufstieg verholferr: der christlichsozialen Strömung des Dr. Lueger furch in gewissem Sinne der deutschradikalen K..H. Wolfs oder vorher der alldeutschen Schönere r s). , Tie Ideen der„beherzten Männer" von München sind also nur die längst bekannten Ideen, einer Reihe von Philosophen, Demagogen und Schriftstellern. Daß sie' auf fruchtbaren Boden sielen, daß ihr« Sainmlung urch Vermengung in einem Programm, wie«s die 25 Punkte der NSDAP sind, welthistorische Bedeutung gewinnen konnte— gerade das läßt sich nur mit der marxistischen Geschichtsauffassung erklären! ' Der Marxismus lehrt,, daß die Art der Menschlichen Vergesellschaftung, die Produktions- dethältnisse, durch die Entwicklung der gesell« fchastlichen Produktivkräfte bestimmt wird. Die Entwicklung der gesellschaftlichen Produktivkräfte seit dem Weltkrieg(der Elektrizität, der Chemie, des Maschinenbaues, der Wärmeverwertung, die Rationalisierung und Normung der Produktion u. a. m.) hat einschneidende Aenderungen der Produktionsverhältnisse mit sich gebracht; von denen als wesentlich nur genannt seien: die Vermehrung des Angestellten- sektors auf Kosten des Arbeiiersekwrs innerhalb des Proletariats, die Vermehrung der Arbeitslosen-(industriellen Reserve-) Armee, die zu- vehmerck« Enteignung des kleinen Unternehmers durch die kapitalistischen Monopole(Trusts, Konzerne), ferner einerseits die ungeheure Der- Mchrung der Zahl der Rentenempfänger durch die Ausgabe der Kriegs- und Rationalisierungsanleihen, andererseits die Entwertung der Renten durch die Inflation. Das Ergebnis all dieser Prozesse war in Mitteleuropa, vor allem in Deutschland die Ausbildung einer Milli o n e n- «rmec deklassierter Mittelständler, deren Bewußtsein bürgerlich blieb, während sie ihrem gesellschaftlichen Sein nach Proletarier wurden. Gerade der Zwiespalt aber Mischen dem Gefühl der Zugehörigkeit zur Bourgeoisie Und dem proletarischen Sein der Kleinbürger ist der Ausgangspunkt siir den„Nationalsozialismus", diese Kreuzung spießbürgerlicher und feudal-äntikapitälistischer Traditionen und Denkformen mit dem Revoluzzertum des nicht klas- stnbewußten Stehkragenproletariers. In der Zeit verschärfter Klassenkämpfe entstand aber auch bei der Bourgeoisie das Bedürfnis, sich eine stärkere Garde Hegen das revolutionäre Proletariat zu schaffen. Darum finanziert es di« Hitler-Bewegung. darum sammelt es die Kleinbür- pet unter der Firma des Dcheinsozialismus zum Kampf gegen die Arbeiter, darum bezahlt es die Söldnerarmeen des Fascismus, di« sich aus arbeitslosen Proleten und Angestellten rekrutieren. Wie anders als durch die marxistische Erklärung will man das Geheimnis des finanziellen„Aufstiegs" der Hitlerbewegung von der Münchner Aera bis zum Aufkauf der NSDAP durch die Schwerindustrie und di« Junker er-! klären? . Endlich liefert die Aera des Finanz- und Monopolkapitalismus(vom Marxismus bereits M H i l f sc r d i n g s„F i n a n z k a p i t a I" vor dem Kriege analysiert) die- Grirndlage für die Agitation gegen die Zinsknechtschaft, für die verlogene Ablenkung des Klasscnkampfes vom Unternehmertum als Klaffe zum Schcinkampf Legen eine Kaste des Unternehmertums. Dem' soziatökonomischen Entwicklungsstadium des Monopolkapitalismus entspricht poli- tssch die Ausübung der Staatsmacht durch die «ärgerliche Klasse. Zugleich wird es der Bour- Aoisi« unmöglich, länger auf dem Boden der Demokratie zu verharren, da chen hier die Alleinherrschaft der Besitzenden bedroht ist. Dir Bourgeoisie propagiert daher die Auslieferung der Staatsmacht an den saseistischen Diktator, die Terrorisiernng des demokratischen Staatsapparates durch die Söldnerbanden des Fascis- wus. Nichts könnt« dieser Propaganda kräftigere Währung zuführen als eben die Verfälschung der Demokratie durch die bürgerliche Älässetlyäxx- Mft. Zudem der Fascismus die Demokratie-in IkNe« chrer Erscheinungen und Entartungen bekämpft, die durch die bürgerliche Klassenherrschaft bedingt sind, bereitet er in demagogischer Weise die unverhullte Diktatur der Besitzklasse vor. Auch hier zeigt uns allein die materialistische Geschichtsauffassung die wahren Zusammenhänge. Im Stadium des Monopolkapitalismus kann die Bourgeoisie. den Liberalismus, dessen sie als geistiger Waffe im Zeitalter der freien Konkurrenz bedurft bat, liquidieren. So tritt an die- Stelle des liberalen und rationalistischen Denkens der„Mythos", der Raffenabevglaube, die Preisgabe der Gedanken- und Gewissensfreiheit, die der Fascismus zur Tat inacht. Ms eine Massenbewegung deklassierter Kleinbürger, gestützt auf eine Söldnertruppe aus Krisenopfern, finanziert vom Monopolkapitalis- Paris, 3. Feber. Die RegierungserKärung, .die heute nachmittags im Parlamente verlese» wurde, betont eingangs, daß die Regierung den materiellen und moralischen Schwierigkeiten, die die Wirtschasts- und Finanzkrise in Frankreich wie in allen anderen Ländern heranfbeschworen habe, energisch begegnen müsse. Loyale Handhabung des demokratischen Regimes bleit« di« Bedingung der notwendigen Umstellung. Aber unter Kontrolle der. Volksvertretung müsse die Regierung kraftvoll und schnell handeln. Deshalb sei sie entschloffen, unverzüglich ein notwendiges Mindestmaß von Reformen durchzuführen. Ein provisorisches Budgetzwölftel sei verabschiedet worden, das Budget aber nicht. Eine derartige Lage könne nicht andauern, ohne ernste Gofohren zu bringen. Die Regierung schlage deshalb dem Parlament folgende drei Etappen zur„Befreiung des republikanischen Staates" vor: Sofortiger Plan einer Angleichung der Staatsausgabe« an die Einnahmen, reguläres Budget, Plan zur Förderung der nationalen Wirtschaft. Die Budgetdebatte bereits bei«ler kulturellsozialen Gruppe. Prag, 3. Feber. Heute gegen Mittag wurde di« Generaldebatte über das Budget abgeschlossen. Der Generalreferent verzichtete auf das Schlußwort und stellte lediglich den Antrag, zur Spezialdebatte überzugehen, der auch von der Mehrheit angenommen wurde. Letzter Redner in der Generaldebatte war der tschechische Agrarier Dr. öerny, der u. a. die Minister dafür verantwortlich machte, daß i#‘ Keinem Ressort UÜberschreitungen Vorkommen. Ni« wieder dürfe man in den früheren Fehler verfallen, politische Zugeständnisse von einzelnen Parteien durch anderweitige Konzessionen zu erkaufen. Dr. öerny spricht offen die Ansicht aus, daß es bei den Staatspapieren zu einer Zinsfußsen- kung entweder im Wege einer Konvertierung oder auf andere Weise kommen müsscz darin liegt auch eine gewisse Reserve für den Finanz Minister. Sehr vernünftige Wort«, deren Erfolg allerdings erst dann verbürgt wäre, wenn sie sich auch all« Klubkollegcn Dr. 6«rnys zu eigen machen wollten, fand Dr. kerny für die gegenseitige Verbundenheit der verschiedenen Bevölkerungskategorien in'dieser Zeit der Krise: Es wär« ein Fehler, in dieser Situation nur für einen Stand zu sprechen. Wir können,«rkliirtze Dr. kernh, der Landwirtschaft nicht helfe«, solange wir eine Million Arbcsislose haben iverden und solange di« I«. m u s, der diese Waffen gegen die revolutionär« Arbeiterklasse braucht, tritt der Nationalsozialis- nms ins Leben, gelangt er an di« Macht. Sein geistiges und programmatisches Rüstzeug entspricht den kapitalistischen Interessen, denen er dient, dem unklaren und verfälschte« gesellschaftlichen Bewußtsein der Massen, die er betrugt. Er wird die Macht, die er im Auftrag der Besitzklasse übernommen hat, nur im Interesse der Besitzenden ausüben können. Flankiert von Hugenberg und Papen, von Industrie und Junkertum, steht Hitler an der Spitze des Reiches. Aber auch wenn er die beiden beiseiteschiebeu könnte, blieb« er die Puppe der Mächte, die ihn— gesellschaftlich gesehen— hervorgebracht hoben. Das sst die Lehre, die uns der Marxismus zur Ueberzeugung macht. E. Franzyl. Der Finanzsanierungsplan werde der steuerlichen Fähigkeit Rechnung tragen und den von der vorausgegangenen Regierung durchgeführten Einsparungen wesentliche neue hinzufügen. Das Streben nach steuerlicher Gerechtigkeit und nach Ausgabeneinschränkung mache jedoch notwendig, daß die Staatsbürger ihren gerechten Anteil an den Lasten übernehmen. Die Regierung werde bereits am Dienstag einen SanievurtgSplan einbringen. Für die beschleunigte Annahme der darin enthaltenen Maßnahmen werde sie die Vertrauensfrage stellen. Wenn die unmittelbaren Schwierigkeiten behoben seien, glaube die Regierung das Recht zu haben, an eiste Kontrolle der Nation bei den Unternehmungen allgemeinen Interesses zu denken. Auf internationalem Gebiet wolle die Regierung ebenfalls so schnell wie mögWh Vorgehen. Sorge um da? republikanische Vaterland, Sorge um den internationalen Frieden; auf diese Formel lasse sich di« Außenpolitik der Regierung bringen. Di« Sozialisten haben beschlossen, für dasKabinett Daladier zu stimmen. Die parlamentarische Mehrheit des Kabinetts ist damit gesichert. bnstriefrihdhöfe in den verschiedene« Landteiken andauern; solange dieser Zustand währt, können wir keinem Stand helfen, ob das jetzt Gewerbetreibende, Landwirte oder Beamte find.(Beifall.) Er bittet das Parlament um Verständnis für die schwere Lage der Landwirtschaft, sst sich aber dessen bewußt, daß«ine ausreichende Hilfe erst kommen kann aus einer befriedigenden Regelung der wirtschaftlichen Verhältnisse im internationalen Rahmen. Dubiely ruft«ach„Kontrolle. Ein« grundsätzlich von Dr. 6erny abweichende Tonart hatte gestern sein Klubkollege Dubicky«ingeschlagen, als er seine üblichen Angriffe auf die sozialistischen Errungenschaften der Arbeiterklasse wiederholte und erklärt«, daß unsere Oefsentlichkeit nicht mehr als drei Milliarden aus dem Titel der sozialpolitischen Gesetzgebung vertrage. Dann haspelte er wieder seine Litanei von Forderungen nach„ordentlicher" Kontrolle der Arbeitslosenunterstützungen herunter, zu der außer dem Fürsorgeminssterium auch noch das Finanzministerium und da? Innenministerium herangezogen werden sollten. Herr Dubicky könnte nun doch schon einmal wissen, daß fast die gesamte Durchführung der Unterstützungsaktion ohnehin in den Händen der politischen Behörden liegt, die tzem Innenministerium unterstehen. Und in dem Falle des Steinberger Bezirkshauptmannes, der mit Ernährungckkarten Schneeschaufler bezahlen will, wär« eine strenge Untersuchung durch das Innenministerium wirklich sehr nötig, denn da liegt ohne Zweifel ein krasser Fall von Mißbrauch dieser Einrichtung vor! Interessant sst auch, daß Dubicky auch die Derersche Schulreformpläne mit der Begründung ablehnte, daß der Staat dann in den deusschen Bezirksschulräten angeblich.überhaupt jede Bertre- tung verlieren würde. Ein weiterer Agrarier, Dr. Suchy, befaßte, sich ausführlich mit den Eisenbahnen und ihrer Tarifpolitik. Zum Avbeitslosenproblem äußerte er sich wesentlich gemäßigter als Dubicky: Aus der Unterstützung sollten alle diejenigen ausgeschieden werden, für deren Unterhalt auf andere Weise vorgesorgt sei; in erster Linie sollten aber di« Unterstützungen durch Arbeit ersetzt werden. Er schlägt weiters die Bildung einer Beratungskörperschafl beim Fürsorgemirristerium vor, di« das Problem der Arbeitslosigkeit, die jetzt schon bedrohlich auf die Jntelligenzkreise überzugreifen beginnt, aufmerksam verfolgen sollt«. Auch von flowakifcher Sette wiederholten sich die Angriffe auf die Dsrersche Schulreform und wurden namentlich von Tiso zu ungewöhnlicher Heftigkeit gesteigert, wobei natürlich in erster Ltnie die beabsichtigte Reform der kirchlichen Schulen den Zorn des klerikalen Herrn entfachte. Die Spczlaldebane über die politische Gruppe des Voranschlages war wider Erwarten schon um 6 Uhr abends beendet, worauf sofort in die Besprechung der sozial-kulturellen Budgetgruppe übergegangen wurde. In der politischen Aussprache malte ver ssche- chtsche Agrarier Machnik die illegalen Rüstungen Drusschlastds und Ungarns in den schwärzesten Farben aus; weiters behauptet« er u. a., daß. der Rüstungsfouds keineswegs zu den Rüstungsausgaben gerechnet werden dürfe, da er„nur" zum Ausbau von Kasernen, Schießplätzen usw. bestimmt sei. Polnische Schulbeschwerden. Der polnische Genoss« Chobst verwies u. a. aus di« systematische Vernachlässigung des Ostrau-Kar- winer Revieres, insbesondere abex Ostschlesiens bei der Durchführung von Investitionen. Das ehemals blühende Revier ist gänzlich ruiniert worden und weist 75.000 Arbeitslose auf. Er warnt vor einem Vorgehen gegen di« angeblichen„Ausländer" in diesem Gebiet, denn das sind durchwegs Einheimische, aus denen blich die Kommissäre nach dem Umsturz Ausländer gemacht haben. Trotz aller Zusagen ist die Frage der Staatsbürgerschaft dieser- Leut« noch immer nicht geregelt. Die polnisch« Bevölkerung muß Beschwerde darüber führen, daß bei der letzten Volkszählung di« Zahl der Polen künstlich herabgesetzt wurde; es wurden nur 77.000 Polen gezählt, trotzdem ihre wirlliche Stärke 120.000 beträgt. Die Polen muffen auch den größten Teil ihrer Schulen- aus privaten Mitteln des polnischen Schulvereins erhalten; deshalb muß die Forderung nach der Verstaatlichung dieser Schulen,■ namentlich- des polnischen Gymnasiums in Orkan, erhoben werden. Bon deutscher Seit« befaßte sich Oehlingrr (Christlichsoz.) mit Abrüstungssrägen und verwahrt sich u. a. gegen die Zurücksetzung der deutschen Soldaten. Er begründete di« Ablehnung des Budgets durch seine Partei damit, ,^aß di« heutige Regierung ernste Schritt« zu einer ausgiebigen Herabsetzung des Heeresbudtzets n i ch t getan habe".— Tstr Herr Oehlinger scheint wirklich verschlafen zu haben, daß sein« Partei einmal die Einführung des RüstungSfondS von 315 Millionen jährlich beivil- ligt und die Dienstzeitverkürzung auf viele Jahre hinausgeschoben hat! Dr. Rasch«(AWG.) empfiehlt nach einem Spaziergang durch so ziemlich sämtliche europäischen Nachkriegsprobleme u. a. eine freiwillige Konvertierung der Staatspapiere; momentan sei die Zeit für ein« Inlandsanleihe nicht reif Auch Wagner(B. d. L.) beklagt« sich über die Zurücksetzung der Deusschen in der Armee. Wetters befürwortete er eine Entschuldungsaktion für die Landwirtschaft. Hajn(Nat.-Dem.) urgiert die Erledigung der Staatsbürgerschafts» und Mandatssache Pcrglers, die noch nicht beendet sei,„weil ein« gewisse Sache im Innenministerium liegt". Als erster Redner überhaupt(nicht einmal Stkibrny hat gestern in dieser Richtung auch nur eine Andeutung gemacht) nimmt er sich ziemlich offen der Brünner Fascssten an, in- dem er dem Innenminister den Rat erteilt, er möge nicht zulaffen, daß di« gesamt« Energi« seines Ressorts auf die- Untersuchung und Verfolgung des Brünner Vorfalles und der gesamten Bewegung vergeudet werde; man solle bisse Energi« lieber„für ärger« und gefährlicher« Fälle" aufsparen. Aus den weiteren Erläuterungen geht hervor, daß er damit die kommunistssche Propaganda meint.' * Die Aussprache über die kulturellsozial« Budgetgrupp« eröffnete Fritscher (d. Chrsstlichsoz.) mit der Forderung nach-er katholischen Bekenntnisschule mit katholischen Lehrern und katholischen Lehrbüchern. Eine „religionslose Staatszwangsschule" mußte seine Partei als ärgsten Gewissenszwang entschieden ablehnen... In der morgigen Sitzung wird Genosse Müller zu diesem Kapitel das Wort ergreifen/ Die nächste Plenarsitzung des Senates findet Mittwoch, den 8. Feber, um 16 Uhr statt. Das Präsidium des Senates hält ebenfalls Mittwoch um 15 Uhr eine Sitzung ab. Sitzung halten ferner ab: Am Mittwoch der Budgetäns- schuß um 9 Uhr, der Außenausschuß um 10 Uhr, das Subkomitee des verfassungsrechtlichen Ausschusses für den Regierungsentwurf des G.'sctzcs über den Versicherungsvertrag um 14 Uhr, d.-r JmnmnitLtSausschuß um 15 Uhr. kranrS8l8lve Regierungserklärung Wirtschaftsplan gefordert. Seite 4 SamStag, 4. Feber 1388. m. av. Stribrnys Anwürfe Lesen ole Justizverwaltung werden vom Justizminister energisch zurück» gewiesen. Am Donnerstag hatte Stktbrn? in seiner Budgetrcde u. a. verschiedene Behörden wegen angeblicher Einmischung in seinem Jglauer Pro« zeß angegriffen und in dieftin Zusammenhang namentlich den Sektionschef im Justizministerium Dr. Länh beschuldigt, daß er unglaubwürdige und, wie sich später herausstellte, falsche Zeugen geliefert habe. Stklbrn- batte daran die Warnung geknüpft, er rate nicht, diese Dinge durch den Justizminister dementieren zu lassen, weil er sonst, mit Details herausrücken würde, die weder für diesen Beamten noch für den Ruf der Justiz günstig wären. S meldete sich in der Spezi aldebatte er* Dr. Meißner zu Wort und erklärte, er müsse ans dies« Ausführungen Sttt- brn>s gerade deshalb antworten, um nachdrücklich zu betonen, daß daS Justizministerium und seine Beamten in der Strafsache Stklbrn-s lediglich ganz korrekt ihre Pflicht erfüllt und keine Ursache haben, irgendwelche„Enthüllungen" zu fürchten. Weder Dr. Läny noch irgendein anderer Beamter habe unzuverlässige oder falsche Zeugen geliefert oder geworben. Im Laufe des Prozesses liefen beim Justizmini« sterirrm eine Menge von Anträgen auf neue Zeugeneinvernahmen ein. Das Ministerium habe erkannt, daß viele dieser Anträge wertlos, ja fingiert feien. Um da» Gericht nicht mit der Einvernahme offenkundig unglaubwürdiger Zeugen zu belasten, habe das Justizministerium die Staatsanwaltschaft beauftragt, vorerst die polizeiliche Einvernahme dieser Zeugen durchführen zu lassen und ihre Glaubwürdigkeit sicherzustellen. Wenn auf diesem Wege die Bedeutungslosigkeit oder Unglaubwürdigkeft solcher beantragter neuer Zeugen festgestellt wurde— und solcher Fälle habe es eine ganze Menge gegeben—, so wurde deren gerichülche Einvernahme überhaupt nicht beantragt. Wenn beim gerichtlichen Verhör dann doch einige Zeugen, die man für glaubwürdig hielt, sich als unglaubwürdig oder bedeutungslos herausgestellt hätten, so könne man dafür weder die Justizverwaltung noch ihre Beamten ver- antworMch machen. Die Vertreter de» Parlament» in der Sparkommission. Gestern wurde im Parlament auch die Wahl von 16 Mitgliedern der parlamentarischen Spar- und Kontrollkommission dorgenommen. Die Wahl hatte sich infolge von Differenzen innerhalb der Nationaldemokraten ziemlich verzögert. Erst als vor wenigen Tagen Dr. K r a- mar, dem man von KoalitionSsene den Borsitz in der Kommission angebote« hatte, sowichl Vorsitz als auch Mitgliedschaft in der Kommission mit Rücksicht auf Jein« Kränklichkeit abgelehnt hatte und somit für die beiden anderen rivalisierenden Anwärter, für Dr. HodaL wie für Je Lek, Platz geschaffen war, konnte die Wahl «Mich durchgefuhrt werden. Sie ergab folgendes Resultat: Tschech. Agrarier: Dr. Cento, Nejez- chleb- Marcha, Dr. Slavik(Ersatz: Dubicky, Beran); tschech. Sozialdem.: RemeL, Dr Winter (NeLas, Chalupa, Srba); tschech. Nationalsoz.: Dr. Patejdl, Bergmann(ZeminovL, Richter); tschech. Bolksparter: Dr. Nosek(Dr. Danäk, Ada- ncek); Nationaldemokraten: Dr. HodaL(JeLek); deutsche Sozialdemokraten: Ha den* berg(Pohl); Bund der Landwirte: Windirsch (Dr. Hodina); Kommunisten: stLtka(Hadek); siowak. Bolkspartei: Dr. Polyak(Sivük): tschech. Gewerbep.: Najman; deutsche Ehristlichsoziale: Dr. Mavr-Hartin(ZajiLek); Deutschnationale: Jng. Kallina; deutsche Gewerbep.:(als Ersatzmann): Stenzl. Die Opposition ist also gemäß ihrer Stärke durch fünf Mitglieder und vier Ersatzmänner vertreten. Dr.BmS für den französisdien Plan. „Die Sicherheit von heute ist vernichtet." Genf, 3. Feber. Minister Dr. Bene» hielt heute nachmittag» in der Sitzung des HauptauS- schufseS der Abrüstungskonferenz«ine Rede, in deren Einleitung er versicherte, die Tschochoslo- wakei verfolge immer die P o l c t i k d e S g,u t e n Willens und der Aufrichtigkeit und sei sich dessen bewußt, daß es für alle Staaten die erste Notwendigkeit sei, eine Einigung über die Rüstungsherabsetzung und über die Schaffung eine» wenig st ens relativen Zustandesder politschen Ruhe m erzielen. Es rst höchste Zeit, eine Atmosphäre des Vertrauen» und der Loyalität zu schaffen. Dr. Benes ist überzeugt, daß der französische Plan zur Bildung einer solchen Atmosphäre beitragen kann. Dieser Plan umfasse drei große Grundsätze: Sicherheit, Gleichberechtigung und den Grad der Abrüstung. Man muß sich offen und mutig gestehen, daß di« Zeit nach 14 Jahren der internationalen Nachkriegspolitik fortgeschritten ist und den Böl» kerbundspakt ein wenig abseits gelassen hat. In der heutigen Zeit der. Maschinen und der Mechanik können wir rascher zu einem Krieg kommen, al» man allgemein glaubt. Dr. Beneö hoffe fest, daß der letzte Teil der Abrüstungsarbeiten wirkliche und vernünftige Ergebnisse zeitigen wird. Die Sicherheit v o n h e u te ist v e r n ich t e t. ES ist notwendig, sich seiner Verantwortlichkeit bewußt zu werden. Die Hoffnung, bessere Tage zu erleben, ist nicht verloren, das V e r t r a u e n der öffentlichen Meinung zu unserem Werke ist noch nicht zerschlagen. Es ist Zeit zum Handeln. Der tschechoslowakisch!: Staat ist vorbereitet und wird alles tun, um diesen Weg zu betteten. Ansicht der Stadt Tattaro in der Bucht Cattaro, zum 18. Jahrestag der Marine-Meuterei. Sie brach am 1. Feber au» und wurde am 4. Feber 1918 beigelegt. Am 11. Feber wurden vier Matrosen, darunter der Sudetendeutsche Franz R a s ch, ein Jugendgenoss«, bingerichtet. Tagesneuigkeiten 425 meuternde Matrosen aus holländischen Kriegsschiffen komme« vor ei« Kriegsgericht. Batavia, 3. Feber.(Reuter.) Amtlichen Meldungen zufolge kam es im Hafen von Surabaja neuerlich zu einer Meuterei der Matrosen. Die eingeborenen Matrosen traten aus den Kriegsschiffe« und bei den anderen Marine-- einheiten heute früh nach Ablassen der Tagwacht ihren Dienst nicht an. Da sie bei ihrer Weigerung verblieben, wurden 425 Matrosen verhaftet; ie werde« vor ein Kriegsgericht gestellt werden. Militär traf hierauf ei«, das jedoch keine Ursache zn« Einschreiten hatte. Mordanschlag einer 17'Jährigen auf eine 14-ZSHrlge. Selbstmord de» Taters. Salzburg, 3. Feber.(AN.) In Saalbach hat >er siebzehn Jahre alte Franz Mallek die vierzehnjährige Mittelschülerin Hildegard Popper auS Wien auf einer S k i w i e s e vermutlich in Mordabsicht durch drei Revolverschüsse chwer verletzt und sich dann selbst durch einen Kopfschuß getötet. Der Beweggrund der Tat ist noch ungeklärt. Mallek dürfte ebenfalls aus Wien stammen. Ku Krankenhaus brennt. Neun Patienten««gekommen. Clevelaad(Ohio), 3. Feber. In einer psychiatrischen Klinik brach heute ein Brand aus, der bald großen Umfang annahm. Einige Pavillons waren bald in ein Flammenmeer gehüllt und ihre sämtlichen Ausgänge vom Feuer zerstört. Trotz heldenmütigster Anstrengung der Krankenwärterinnen fanden neun Patienten in den Flammen den Tod. Die Hilfeschreie der in den Flammen Eingeschlossenen waren weithin hörbar. Die Stadt ElevÄand wurde bereits am 15. Mai 1929 von einem schweren Krankenhausbrand heimgefi^cht. Damals kamen 124 Personen ums Leben, zum Teil durch die Flammen, zum Teil durch giftige Dämpfe, die durch verbrennende Filmstreifen entstanden waren. Schweigen Ware Gold gewesen! Es ist ein« selbstverständliche Pflicht, seinem Nächsten zu helfen, wenn er in Gefahr gerät. Ist mit der Hilfeleistung ein besonderes Opfer verbunden oder erfordert dieselbe außergewöhnlichen Mut. dann rühmt man die Tat und dankt für sie in. aller Öffentlichkeit. Ansonsten aber findet der normaldenkende Zeitgenosse eine Auszeichnung höchst überflüssig. Anders ist der Gedankengang bei den Chauvinisten. Sie teilen auch Werke der Nächstenliebe in zwei Gruppen, die einen, an dem gleichsprachigen Volksbruder vollbracht, sind Pflicht, an jenem verübt, der eine andere Sprache spricht, ein außergewöhnliches Ereignis, das in auffälliger Weise vermerkt wird. So lesen wir in der deutschen Presse der letzten Tage, daß am vergangenen Sonntag im Mokdaugebiet ein erschöpfter tschechischer Sportler von einem deutschen Skifahrer aufgefunden und unterstützt wurde. In großen Lettern verkünden die deutschen Blätter diese Tat und in nicht zu verkennender Absicht wählten sie die Worte „Deutscher Sportler rettet tschechischen Skifahrer", als Titel für die Meldung. Damit offenbaren sie ihre schlechte Erziehung und Denkart. Denn, daß der eine, der erschöpft war, ein Tscheche und sein Retter ein Deutscher ist, kann in diesem Zusammenhänge den gesitteten Menschen kaum interessieren, er nimmt nur gern^gur Kenntnis, daß rin Starker einem Schwachen Hilfe brachte. Zu betonen, daß der Hilfsbedürftige einem fremden Sprachstamm angehört und dennoch von dem Deutschen Hilfe bekam, ist nicht nur geschmacklos, sondern auch ein bedenkliches Zeichen chauvinistischer Denkweise in den Kreisen des deutschen Bürgertums. Des gleichen Bürgertums und der gleichen Presse, die sehr ost und sehr gern darauf hinweist, daß wir von der einst verausgesehenen zweiten Schweiz noch sehr weit entfernt sind. Sie bestätigen durch eine solche Schreibweise, daß es wirklich von der heutigen, bei uns feststellbaren, bis zur nationalen Gesinnung der Schweiz, sehr weit ist. 25V Grad unter Rnll! Dieser Tage wttd der frühere englische Premierminister Baldwin in Cambridge ein Laboratorium eröffnen, das in der Hauptsache den Experimenten des an der Cambridger Universität lehrenden jungen russischen Professor Kapitza dienen soll. Professor Kapitza, ein langjähriger Mitarbeiter des durch seine Atomzersplitterungen berühmten Physikers Lord Rutherford, hat mehrere Apparate zur Erzeugung enormer elektrischer Kräfte und unglaublicher Kültetemperaturen konstruiert. So fft eS ihm gelungen, durch die Verflüssigung von Heliumgas eine Temperatur von 250 Grad Celsius unter Null zu erreichen. Mit dem Kapitzaschen Energieapparat soll es ferner möglich sein, für ein Hundertstel einer Sekunde ein magnetische» Feld von einer Kraft zu erzeugen, die selbst Atome und Eleftronen aus ihrer Bahn zu schleudern vermag. Gleichzeitig gelingt es dem Energieopparat bei diesem Vorgang, die inneren Vorgänge im Atom zu registrieren. Professor Kapitza will in gemeinsamer Verwertung seiner Konstruktionen das Atom zu gleicher Zeit gefrieren, durch magnetische Kräfte herumstoßen und nach der im vorigen Jahr viel erörterten Cockroft-Waltouschen. Methode„bombardieren" lassen. Selbstverständlich werden alle diese stet- regelrechte Erdstöße auS- lösenden Versuche unter Beachtung äußerst umfassender Vorsichtsmaßregeln durchgeführt. Wild-Ost. JnS staatliche Krankenhaus in Munkaö wurde der 21 Jahre alte Gärtnerei- Gehilfe Alexander Toth eingeliefert, der beim Nachhausegehen im Garten seines Wohnhauses von einem unbekannten Täter ernstlich angeschossen wurde. Toth, der in das rechte Bein getroffen wurde, verlor viel Blut, und deshalb ist seine Verletzung lebensge- gefährlich. Eine Woche vorher war Toth um alle Kleider und Wäsche beraubt worden. Nach dem Angreifer wird gefahndet. JnS ULhoro- der Krankenhaus wurde der 28jährige Michal Murin aus Prikopa im Bezirke Sobranoe in der Ostslowakei eingeliefert, der spät abends bei der Rückkehr in die Gemeinde einen unbekannten Mann ansprach. Dieser aber zog den Re- volver und verletzte Murin durch einen Schuß in die linke Ham). Nach dem Täter wird gefahndet. Das Wetter bleibt noch immer veränderlich. Donnerstag erreichten die Maximaltemperaturen in den Niederungen der Sudetenländer b i s pl u s 8 Grad Celsius. Auch in den höheren Lagen fiel vielfach Regen. Nur im äußersten Osten des Staates traten Niederschläge in Schneeform auf. Nunmehr ist von Nordwesten her kalte Luft nach Mitteleuropa vorgedrungen, und bei vorübergehender Aushetterung sind die Temperaturen stellenweise wieder etwas unter Null Grad gefallen. Im Gebiet höheren Druckes dürfte jedoch nur vorübergehende Beruhigung eintreten. Gestern betrugen die Temperaturen in Prag um 8 Uhr plus 1.2, das Minimum der letzten Nacht plus 1.0 Grad. Wahrscheinliches Wetter heute: Vorwiegend bis wechselnd bewölkt, strichweise leichte N-roerschlagsneigung, milde, Wetterlage etwas unsicher. Eine GeaoflenschastSkassa ausgeraubt. In Pkelouö wurde gestern nachts von einem unbekannten Täter dre Kassa der Landwirtschaftlichen Genossenschaftsunternehmungen ausgeraubt. Der Dieb entwendete 11.000 K sowie einen Wechsel, der an die Unternehmungen ausgestellt war. Die Gendarmerie in PkelouL verfolgt bereits eine Spur. Bor dem Ankauf dieses Wechsels wird gewarnt. Ein Komensk^-Deukmal in Amsterdam. Im Jahtto.19l8 beschlossen die in Amsterdam lebenden Tschechoslowaken nach einem anläßlich deS Todestagees Kamenskis bei dessen Grabe'n Naarden erfolgten Besuch, sich an ihre Landsleute mit der Bitte zu wenden, ihnen behilflich zu sein, an den Stätten des letzten Aufenthaltes Komeuflvs ein würdiges Denkmal zu errichten. AuS diesem Gedanken der Errichtung eines Dcnk- males in Naarden entwickelte sich dann der Gedanke eines großen TenkmaleS in Amsterdam, Vom Rundfunk Empfehlenswertes au» den Programmen. Sonntag: Prag: 6.46: Gymnastik, 9.40: Konzert, 11: Or- chesterkonzert, 18: Deutsche Sendung: Heitere Lieder und Chansons, 20.06: Philharmonisches Konzert.— Brünn: 12: Blasmusik, 17.30: Lieder und Gesänge, 19: Winter in den Bergen, Hörspiel.—• Pretzburg: 17.40: Populäres Orchesterkonzert, 19: Blasmusik.— Berl.n: 18: Haydn-Mozart, 20: Heitere Oper.— Breslau: 19.55: Undine. Oper von Lortzing.— Mühlacker: 16: Sinfoniekonzert.—< Hamburg: 14: Mandolinenkonzert, 16.30: Bunte Stunde.— Königsberg: 20: Ein bißchen New Kork. — Langenberg 22.45: Amerikanische Musik.— Leipzig: 11.30: Reichssendung: Bach-Kantate.— München: 18JO Kammermusik.— Wien: 13: Sinfoniekonzert. zu dem im November 1920 im neuen Viertel Amsterdams vor dem neuen Lycealgebäude der Grundstein gelegt wurde. Der aus der Konkurrenz siegreich hervorgegangene ursprüngliche DenkmalS- entwnrf des Meisters I. Stursa mußte aber nuhr den Empfindungen der Holländer angcpaßt werden, mit welcher Arbeit die Schüler des inzwischen verstorbenen Stursa, I. Lauda und B. 2alud, betraut wurden, deren Modell der Vollendung entgegengeht. Das Denkmal wird erst im Jahre 1934 enthüllt werden können. Brandlatastrophe. Durch Großfeuer wurde in Rotterdam ein großes Lagerhaus am Westsee- doich eingeäschert; mehrere Wohnhäuser und eine als Museum eingerichtete ehemalige Schule sind gleichfalls stark in Mitleidenschaft gezogen worden. Fünf Häuser verbrannt! In Waidhaus im Oberpfälzer Wall) fielen fünf Wohnhäuser und sechs Scheunen einer Feuersbrunst zum Opfer. Ein Fuhrwerkbesitzer kam in den Flammen um. Die Furcht des Lehrlings. In Duisburg-^ Hamborn hat sich ein Jnstallateurlehrling erhängt. Er hatte ein neues Waschbecken falle« lassen und fürchtete die Sttafe seines Meisters. Ei« Kapellmeister in Wie« tödlich Vern» glückt. Auf der Floridsdorfer Brücke in Wie« kam gestern vormittag eine Kraftdroschke, als sie einem Radfahrer vorschriftsmäßig vorfuhr, ins Schleudern und wurde gegen den Lichtmast geworfen. Dabei wurde der Wagen vollkommen zertrümmert und_ der darin sitzende Kapellmeister Theodor Köstier getötet. Der Chauffeur, oer in angeheitertem Zustande hinter dem Volant faß, wurde in verletztem Zustande ins Jnqursitenspital transportiert.— Kapellmeister Köstler, der in Pilsen geboren ist, war ein Bruder des Opernsängers Köstler, der vor seiner Entdeckung Stcherheitswachebeam- ter war. Zur Fälschung österreichischer 50• Schilling« noten wird berichtet, daß sich'der Leiter der polizeilichen Falschgeldstelle in Wien, Polizeirat Dr. Klausel, ms Ausland begeben hat, um bei verschiedenen Sicherheitsbehorden persönlich mit seinen Fachkenntnissen zur Verfügung zu stehe« und Aufschlüsse über das bisherige Resultat der Wiener Erhebungen zu geben. Böhmische Bildergalerie vom Staat übernommen. Gestern wurde im Ministerium für Unterricht und Volksaufllärung das Abkommen zwischen dem Staate und der„Spoleönost vla- steneck^ch pttitel umöni v Lechnch"(Bereinigung patriotischer Kunstfreunde in Böhmen) über die Uebernahm« der Bildergalerie der Gesellschaft durch den Staat unterzeichnet. Für den Staat unterzeichnet« das Abkommen der Minister für Unterricht und Volksaufklärung Dr. D 4 r e r, für die Gesellschaft deren Vorsitzender Universitätsprofessor Dr. I. Krömak und der Vorsitzende- Stellvertreter Dr. Karl Wolf-Zdekauer. Gesuche um Arbeit bet de« staatlichen Grab« und Hütte». Amtlich wird gemeldet: Bei allen staatlichen Berg, und Hüttentbetrieben und dein» Ministerium für öffentlich« Arbeiten langen zahil i* Gesuche um Aufnahme in die Arbeit«in. Dieiev Gesuchen kann allerdings nicht entsprochen werden, da die staatlichen Gruben und Hütten infolge der Absatzkrise den Betrieb einzuschränken genötigt sind und neue Kräfte welcher Kategorie immer nicht brauchen. Demnach find alle Gesuche um Dienst und Arbeit hoffnungslos. Wintersponwcncr: Die Wetterverhältnisse haben sich nur wenig geändert. Im Riesengebirge und im Erzgebirge fiel am Donnerstag etwas Schnee und da am Freitag die Temperaturen wieder«twist gesunken sind, werden die Skiläufer, besonders in den höheren Gebirgslagen, wieder auf ihre Kost« kommen. Riesengebirge: Spindlermühle:—3, 50 Ztm., Skisähr« und Rodelbahn sehr gut.— Johannisbad: —3, 25 Ztm. Alt-, 5 Ztm. Neuschnee.— Grenz- Haube«:—4, 70 Ztm.■ Alt-, 20 Ztm. Neuschnee. — Petzer:—2, 20 Ztm. Alt-, 20 Ztm. Neuschnee. — Peterbaude:—5, 80 Ztm. Mt-, 10 Ztm- Neuschnee. Schüsselbauden:—5, 70 Ztw- Alt«, 30 Ztm. Neuschnee.. Erzgebirge: ÄoachimSthal:—3, 20 Ztm.— Gottesgab:—8, 25 Ztm.— Stürmer:—1, 40 Ztw- Böhmerwold: Josefsthal:—2, bis 900 Meter Höhe pütfa;, über 900 Meter Pulverschnee.— Winker» berg:—S, im Tal 12 Ztm., über 900 Meter Ä Ztm. Schnee. Xu LU. Samstag, 4. fteBet 1988. Leite 5 Die Grippegefahr. Man kann häufig wicdertehrcnde Erkäl- tungserkrankungen auf verschiedene Weise zu bekämpfen versuchen. Leider wissen die Acrzre wie auch die davon Betroffenen, daß Gurgeln, Inhalieren und antiseptische Mittel wohl Linderung, aber nur sehr selten wirklich« Heilung bewirken. Die Wissenschaft forscht unermüdlich, um die Faktoren aufzudecken, die bestimmte Meuchen für Erkältungen so Prädisponieren. Durch Versuch« von Professor P. Schmid t, Direktor des Hygienischen Institutes in Halle, wurde festgestellt, daß bei diesen Patienten die Einwirkung von Kälte viel intensiver in den. Gefäßen wirk- sam bleibt, als bei anderen. 10 Prozent der Bevölkerung behalten nach einer Abkühlung die niedrige Temperatur viel länger als der Turch- schnstt, bekommen also die normale Temperatur erst sehr allmählich zurück. Während der Abkühlung der Schleimhäute ist aber ihre Abwehrfähigke-it weit unter das Normale zurückgedrängt, und die stets vorhandene» Baz'llen blühen aus dem Gewebe auf und veranlassen Entzündungen und Katarrhe. Beobachtet man den Typ, der vorwiegend von Erkältungen heimgesucht wird, so kann man feststellen, daß di« sehr schlanken, sogenann- ten Astheniker vorherrschen. Bei ihnen ist die Regulierung' des Wärmezerftrums irgendwie defekt. Es genügt, daß sie ihre Füße in kalte- Wasser eintauchen, um einen Schnupfen zu bekommen. Dill man solchen Menschen wirklich entscheidend helfen, dann ist es nötig, nicht nur oberflächlich jedesmal die Erkältung zu behandeln, sondern vor allem ihnen konstitutionell zu Helsen. Eine lokale Behandlung der Schleimhäute hilft nichts: der ganze Organismus muß behandelt werden. Au solch einer Umstimmung des Körpers ist es immer Zeit, und wenn ein Arzt aufgesucht wird, so wird unter allen Umständen eine große Besse- nrng, wenn nicht völlige Heilung erreicht werden. Es genügt oft, dem Körper Kalkpräparate zuztl- sührcn, und zwar andauenid und nut. stetiger Regelmäßigkeit, unt einen ersten Erfolg zu erreichen. Tann müssen die Lebmsgewcchnyeiten sich ändern: es muß versucht»verden, durch häufigen Aufenthalt in. frischer Luft eine gewisse Abhärtung zu erzielen.«>ie wird erzielt, wenn täglich bei Wind und Wetter anfangs nur ein kurzer, allmählich ein längerer Spaziergang gemacht wird. Man muß uur ztveckmäßig gekäidot sein und bei der Rückkehr, flls mn kalte oder gar nasse Füße bekommen hat, sofort Schuhe und Strümpfe wechseln. Am unzweckmäßigsten ist die im allgemeinen sehr' verbreitete Methode, eine Abhärtung mittels kaltem Wasser zu erzielen. Gerade bei Kindern, aber auch bei Er wächst nen erreichen wir damit das Gegente'l. Neben der mit Sicherheit vorauszu'ogenden Erkältung erreichen wir, daß di« Nerven durch die Kälte einen Schock bekommen, und wir steigern die bei diesen Menschen imnrer vorhandene nervöse Reizbarkeit und schädigen sie. anstatt ihnen gesundheitlich zu nützen. Nur durch eine Hebung der Widcrstands- sähigkeit des ganzen Organismus und unter Be- rücksichtiguttg der Lebensumstände und der seelischen Berfassimg des betreffenden Individuums können wir ein« Gekundheirssteigerung und Umstellung zum Nornialen erzielen. Fede Berwcich- lichimg ist zzt vermeiden, und d ch muß berück- DER SCHÖNE TOPF! er hätte länger h vra/39 die Putzfrau in Natürlich können Töpfe oder Schüsseln aus Emaille nicht lange halten, wenn sie mit Sand oder gar mit einem Messer ausgekratzt werden. Wirklich schonend putzen kann man nur mit VIM, dem seifenhaltigen Putzmittel. VIM reinigt alles leichter... schneller und wird niemals irgendwelche Spuren hinterlassen I MMllMMIIIlllMIMIMMIlWIIIIWMIIIllllWMIMMMWWMMWWMWWWWMWWMWMMIIMDWIWMMINWIMW, sichtigt werden, daß dst eingangs erwähnte Dispo- srtion, Kälte zu stauen, vorhanden ist. Sport, Gymnastik, Schwimmen und vor allem Wandern müssen gepflegt werden. Di« verlangten Leistungen dürfen natürlich anfangs nur sehr gering sein und ganz allmählich gesteigert werden mit der zunehmenden Besserung der Disposition. Es ist dabei sehr interessant sestzustellen, welche Krankheiten sich durch die Disposition zu Erkältungen einstellen. Die Erkältung schafft immer nur den Boden, auf dem di« krankhaften Keime, besonders in den Mandeln, sich entwickeln. So kommt es vor, daß alle paar Wochen sich eine Grippe oder eine mehr oder weniger schwere Halsentzündung(Angina) entwickeln, Jeder weiß, wie unangenehm diese Anginen sind, besonders, weil als Folgverkrankungen sich Rheumatismus, Nierenentzündungen, Herzaffektionen usw. einstellen können; auch die Schädigungen durch Gripve sind leider sehr verbreitet. Di« Wissenschaft hat sich nun hauptsächlich damit beschäftigt, wie man diese Krankheitsherde in den Mandeln beseitigen kann.-Man hält in westen Kreisen die v e r g r ö ß e r t e n ni n d zerklüfteten Mandeln, die man bei all diesen Patienten finden konnte, für die Eingangspforte aller Krankheiten. Man hat die gelben Eiterpfropfe, die man rein äußerlich seststellen konnte, ausgedrückt, ohne jedoch den gewünschten dauernden Erfolg zu erzielen. Die Eiterpfropfen bildeten sich nach geraumer Zeit wieder, und eine neue Halsentzündung stellte sich ein. Nun hat man begonnen, die Mandeln ganz herauszuschälen! Man mußte jedoch seststellen» daß dadurch Störungen hervorgerufen wurden im Gleichgewicht der Funktion der Drüsen mit innerer Sekre- ton, wst z. B. der Schilddrüse, der Keimdrüsen usw. So kam man davon ab. Aber durch ein oberflächliches Kappen der Tonsillen(Mandeln) wurde auch keine wesentliche Besserung erzielt, da die entfernten Teile nach ganz kurzer Zeit nachgewuchert waren. Man ist deshalb dazu übergegangen, einen größeren Teil fortzuschneiden, die Mandeln aber nur dann ganz zu entfernen, wenn sie vollkommen krankhaft entartet waren. Damit erzielt man den relativ besten Erfolg. Allgemein sollte die Erkenntnis, daß Mandeln wie auch schlechte Zähn« Bakte- riennester sind, so bekannt sein, daß Kinder und Erwachsene sich vorbeugend behandeln lassen. Man kann versuchen, durch Umstimmung d«r Bakterienflora im Nasenrachenraum den operativen Eingriff zu verhüten.(Entsprechende Rezept« für diese Umstimmung gibt der Arzt.) Kinder, von denen man befürchtet, daß sie in der geschilderten Weis« empfindlich werden, läßt man mit Kamillentee gurgeln und gibt ihnen desinfizierende Dkundtabletten zum Lutschen. Letzteres hat den gleichen, vielleicht sogar noch größeren Wert wie dos Gurgeln, das so viele Kinder nur mit Geschrei und unter Strafandrohungen vornehmen wollen. Unter den vielen Tabletten und Gummidragses, die im Handel sind, wird leicht die Sorte gefunden werden, di« dem Kinde zusagt. Die Hauptsache ist für Kinder und Erwachsene, daß di« Tabletten oder Bonbons se.hr langsam im Munde zergehen. Denn es ist änzuney- men, daß die reichere Speichelabsonderung besonders desinfizierend wirft. Wohlgemerkt: so kann man nur die Infektion verhüten, nicht die Disposition ändern. Macht man während der akuten Erkältung eine Schwitzkur, so muß beachtet werden, daß sie nicht länger als eine Stunde dauern darf; bei Kindern genügt meist ein Viertel dieser Zeit. Man muß aber sehr vorsichtig sein, um nicht eine Nacherkältung beim Abreiben zu erzeugen. Uni zum Schwitzen zu kommen, empfiehlt eS sich, heißen Fliedertee mit Zitrone zu trinken und gleichzeitig eine Tablette Aspirin oder Pyramiden oder Gelonida antineuralgica aufgelöst zu schlucken. Eine feuchte Packung(lauwarmer Brustwickel und „Feine Leute.“ | Als Hitler und Papen„Feinde 1* waren... 15. August 1932. Dreispaltige Ueberschrift im „A«griff" zur„Herrenfluw-Regierung: „Ein unmöglicher; Versuch. Diktatur gegen das Volk. Adelsclique gegen Volksregierung. '„Nationale" Dolchstößler." 24. August 1932. Goeb bels im„Angriff"; „Wir werden vor das Land hintreten und das deutsch« Volk fragen..„ o es nicht an der Zeit ist, die Männer und Parteien von der Bühne wegzufegen, die sich hier in dreister Neber» heblichkeit anmaßen, für das Volk und sein Wohl die Gesetze in Anspruch zu nehmen... Wir werden es jedem in die Ohren schreien: Seht euch diese Regierung an!" 3. September 1932.„Angriff":. „Stahlhelm marschiert— wohin? Nachtwächter für dir Papen-Rcdakteure. Unter dem Beifall zahlreich erschienener höherer Beamt«« der Papen-Regirrung bekannt« sich Seldte zu dem gegenwärtigen politischen Kurs des Hcrrcnklubs. Der Stahlhelm macht sich also zur Stütze ein« Regierung, unter der es möglich war, daß fünf Oberschlesier zum Tode verurteilt wurden." 6. September 1982. Goebbels im Sportpalast: „Sollen wir hinter dem Hrrrenklub herlaufen? Mit den Herren vom Herrenklub kann man gar nicht regiere». Was wir vorn« aufbauen, stoßen dir hinten wieder um. Wollt ihr, daß wir hinter dem Herrenklub rangieren? Daß die feinen Kavalier« auf«ns herabsehen?" 6. September 1932. Artikel von Goebbels: „Di« feinen Leute": „Sie hatte« sich das so einfach vorgestellt. Wir sollte« die Arbeit tun,«nd sie wollten regieren. Wir sollten den Dreck wegfegen,«nd sie traten dann, geschniegelt nnd gebügelt, als vornehme Kavaliere und etwas breitftelzig und leicht angr- dooft in die gute deutsche Stube, um endlich Schwung in die Politik hineinzubringen." 9. September 1932. Artikel von Goebbels: „Politische Erbschleicherei": „...WaS sie sagen, ist alles nur Phrase und Beiwerk. Es geht ihnen ewig um die Besetzung der Aemter, Poste«, die Pfründe! Sie haben nicht gelernt und alles vergessen. Mit Zylinder und Gehrock stolzieren sie einher. Sie verwechsel« die Herrenreiterei mit der hohen Politik. Sie fühlen sich nur wohl» wenn sie unter ihresgleichen sind. Und wo sie das Bolk sehen, da nehmen sie bald rrißauS." Halswickel oder auch ganzer Körperumschlag mit wollenem Tuch darüber), wollene Decken oder Federbetten und Wärmkruken tun das klebrige. Ständige Beobachtung, regelmäßige Besuche beim Arzt helfen, die Polkäzesundheit. zu bewahren. Sie ist durch.hie Kris« schon sehr in Gefahr, und Eltern, Lehrer, Heime- und Horte, besonders Schulärzte und Fürsorger sollten ihr Augenmerk darauf richten, die Disposition zur Erkältung zu bekämpfen. Dann werden wir auch vor der angekündigten Grippewelle uns nicht sonderlich zu fürchten haben. Susi Bork. Wenzel Bollar, der Radierer. Von Max Dort«. Ich sing« das Lebenslied cmeS großen Künstlers, eines Kupferstechers und Radierers: der um die Zeit des schrecklichen Drcihigjuhrigen Fürstenkrieges lebte. Wenzel Hollar, den großen Radierer, will ich besingen. Um d' Mitte des. vorigen Jahrhundert» ward Hollar in-England neuenr- dcckl, ein« kunstfrcundliche Gesellschaft bildete sich: di« Arundel-Hollar-Socicty, an die 3000 herrliche Radierungen des Hollar wurden aus der Vergessenheit ausgegraben, und in den Londoner graphischen Museen zu einem Gesamtbild seines schöpferischen Lebens vereint. D"" Graf Arundel Ivar der Gönner des Radierers Hollar, wir kommen noch darauf zurück. Hollar ivar von Gebnrr ein Böhme, im Ghetto Prags ward e: Anno 1807 geboren. Aus seinen Werken ke. en A ihn nicht nur al- Historiker und Bibliographen, sondern auch als Mystiker, er schrieb m äußerst zierlicher Radiernadel seinen Jnnenmenschen auf die kupferne Platt«. Jawohl: er wirft zierlich Und sanft, fast feminin, ein Hauch von Mvstik liegt über seinen Werken— urck> der kürzlich verstorbene Dichter Meyrink scheint in seinem phantastischen Prager Roman, im„Golen»", den Hollar als Dorbild gesehen zu haben— für die Mystische Figur d«s Kameenschneiders Athanasius Pernach— möglich!? Also, unser Freund, der Radierer Wenzel Hollar, ward im Jahre 180/ zu Prag geboren, und nun schreiben wir schon das Jähr 1619. Tin turbulenter Jahr, ein politisch unruhiges Jahr, ebenso turbulent wie das Jähr 1618: in »em der groß« europäische Fürsterckrieg begann, durch den„Prager Fenstersturz"! Die StaatS- deamlen seiner unfehlbaren katholischen Wiener Majestät wurden vom protestantischen Prager Bolk aus den Fenstern der kaiserlichen Burg des Hradschin hinausgestürzi, Prag revoltierte gegen Dien, der Dreißigjährige Krieg begann: Prote- Mnten gegen Jesuiten, dahinter aber standen Wirtschaftsinteressen, die nordischen Protestant!- Ichen Fürsten rebellierten gegen die Bevormundung des Habsburger-Kaisers— ein Krieg um tvirtschaftliche Fürsteninteressen, weniger ein Religionskrieg, dreißig Jahre Verwüstung, in Prag begann's! Anno 1619 in Prag. Prag ist voll bunten Militärs. Landsknechte, Huren, Donnerbüchsen und rädcrkreischend« schwere Proviantwagen. Krieg und Pest. Aber auch'die Kunst ist da. Ein fremder Mal«^ ist in Prag, di« Skizzenmappe unterm Arm, er zeichnet hier und da, der fremde Malersmann— wie heißt er? Er ist der Matbäus Merian aus Basel, der unser Europa im mittelalterlichen Bilde sammelte und radiert« — und der als„Topographiä" der Nachwelt eine herrliche graphische Sammlung hinterließ. Merian Hal fleißig in Prag gezeichnet, die schönen Brücken über die Moldau, LattdsknechtSfahnen und Stadttürme— und heute will der Merian den Hrad- schin in seine Skizzensammlung einfügen, den Hradschin: Burg und Dom von Prag, das Kastell der geistlichen und weltlichen-Herren—-r-, ober siehe da, ein Kollege ist auch schott am Werke» da zeichnet schon ein anderer-en Hradschin ab-— ei Gewitter, Pest und Hagelhieb: welch ein Zeichenkollege, ein Knabe! Merian tzgt: Junge, zeige her deine Strichelei. Schöu, gut, läßt sich loben, zwar Perspektivefehler, aber' och Talent—. Wie heißt du, Junge?— Wenzel Hollar.— Wie alt?— Zwölf. — Dein Vater?— Ist im Krieg.— Deine Mutier?— Wohnt im Ghetto.— Komm, Junge, sichre du mich zu deiner Mutter.— Jawohl, Parte. Ja, es ward alles gut besprochen und günstig oerklauselt und arrangieret— Mutter ist einverstanden, der Zeichner und Radierer MathäuS Plerian aus Basel nimmt den zwölfjährigen Knaben Wenzel Hollar in di« Lehr«, er soll mit ihm reisen, nach Frankfurt an dem Maine, allwo Herr Merian seine Werkstatt hat, Karten: Pläne: Topographien— Kupfer, Kohle und Stichel, Na also, Wenzel, glückab und gute Reis«! Einen besser«» Lehrmeister konntest du nicht finden, den Merian aus Basal, seßhaft zu Frankenfurt an dem Maine. 1619—1629. Wenzel Hollar- lernt. Vom Lerner wird er zum Gesellen. Im Ratskeller des„Römers" zahlt er seinen Gesellentrunk, lind durch die Stadtwälder FrankenfurtS führt er Sonntags sein« Geliebt«. Glückliche Jugendzeit. 1629—3ä. Freund Hollar, du mußt wandern, di« Zunft der Zeichner und Stichler verlangt das. Hollar in Straßburg. Er badet im nahen Rhein. Abends lauscht er-em Nixensang in den weidenüberhängten Stadtgräben des Flüßchens Jll. Und im Mondschein steht er vor -em verzuckerten Steinwunder des Straßburger Münsters. Und in der Zunftherberge schwingt er im Kreis« der Kameraden feinen Zinnpokal mit Vogesenwein, auf das Wohl der freien deutschen Reichsstadt Straßenburgi: lang soll sie stehen! 1633—36. Die üppige Stadt deS fetten Erzbischofs, das lustige Köllen am Rhein, Um den halbfertigen Dom tanzen die violetten Dohlen. Versoffen« Studenten kreuzen die blftrenden Klingen. Im Gürzenich, dem Festsaal Köllens, tanzen oi« Patrizier. Auf den Stadtwällen donnert-er Mörser, gegen feindliche Ritter. Aber fleißig arbeitet zu Köllen am Rheine der Zeichner und Radierer aus Prag, unser Kollege Wenzel Hollar. Er erledigt einen Auftrag des Meister- Merian, für dessen Städtesammlung, für die„Topogra- phia", eine s«chzehnteilige Ansicht der Bischofsstad: Kölle», gezeichnet WH. Das Signum des Hollar. 1637—41. Unser Wenzelus zu Lvndinum an der nebligen Themse. Von einem kunstfreundlichen steinreichen Briten ist der Hollar ver- kontrakter, engagiert als Hausradierer, beim Earl of Arundel, einem mächtigen Land- und Stadtgrafen, ein Lord— der nur eine Leidenschaft hat: die Pflege der Kunst. Große Künstler zog«r zu sich heran. Der Hollar ist sein Kamerad. Und der Hollar arbeitet emsig und still, er schuf in diesen Jahren sein Größtes: das Radierwerk „Ornahxs muliebris anglikanüs 1639“. ein Denkmal der britischen Kulturgeschichte,«in« Radicrfolg«,«ine Bild«rreih« britisch«! Frauentrachten, Volkstracht. Volksleben, Bolksfreund. Ein wunderbar zartes Werk. 1641—44. Wenzel Hollar mit Graf Arundel auf Reisen. Nürnberg, Regensburg, Dresden, Prag, Wien: durch das kriegsentvölkert« halbverblutet« zerrissene Deutsch« Reich— nach Italien, nach Madrid und Paris und den Niederlanden. Der Hollar reproduziert im Auftrage seines reichen Freundes Arundel all« erreichbaren großen Kunstwerke, für die gräflichen Sammlungen. Holbein. Tizian, Correggio—.im Original längst verloren gegangene Hauptwerke, durch di« Radierungen d«s Hollar hat di« Nachwelt erst Kunde von diesen verlorenen Meisterwerken bekommen, von vielen. 1645. London, Revolten. Vvr der Guildhaü fließt Blut, vorm Rathaus..Das Volk rebelliert g«gen König und Steuern.' Der Volksmann Cromwell stutzt sich auf sein breites.pveihändiges BolkSschw«rt. Aristokraten werd«« gemordet, Grafenblut fließt im Rinnstein. Die Lords fliehen aus London. Wenzel Hollar fühlt mit dem Volk — aber dennoch bewahrt er seinem gräflichen Herrn die Treue, er geht mit ihm ins lchxil nach Antwerpen. 1646—52.- Der Radierer' Hollar an■ der Schelde. Fleißig sticht fein Griffel, immer rastlos— di«- großen Vorbilder- deS Rubens, m Antwerpens Kathedralen. Es ist bös« Zeit für spanischen Antwerpen, die Börse-ist tot, der Hafen le«r, di« freien Holländer haben"den spaniplischen Feldherren di« Scheldemundungen gesperrt— kein Schiff kommt und geht— und.»och dazu der Schwarze Tod in Antwerpen— die Pest, von spaniolifchen Landsknechten- eingeschleppt. Der Tod greift auch dem Hollar ans.-Herz— i'ein Freund Graf Arundel stirbt. Hollar, was. nun? Hin zu. Freiheit und Polk. 1653—60. Wenzel in London. England ist Republik. Protektor Oliver Cromwell waltet im Namen deS Volkes. Hollar steht da, wo er hin» gehört, der Gestalter des Volkes beim Volk/ Nach 1660. Die Reaktion triumphiert. Cromwell tot— die Könige sind wieder da. Und Hollar? Bei den Adeligen war er fertig— bei ihnen hatte er sich wegen Cromwells kompromittiert, er war bei den Mächtigen geächtet. Heimlich gaben ihm Buch, und Kunsthändler hier und da noch einen Auftrag■—immer iveuiger — Armut— Hunger— Vergessen. Im Jahre 1677 ist Wenzel Hollar einsam und verlass«« gestorben— in den SlumS des Londoner Whitechapel. Wo er geboren war— da versank er: vom Ghetto zum Slum. Dazwischen aber lag das Werk, die Tat, die' Gestaltung— neu ausgegraben nud unvergeßlich strahlen für die Nachwelt die 3000 Radierungen des großen Künstlers Wenzel Hollar, er war ein« Sonne. Aus Nebel stieg er auf, in Nebel versank er. Wir aber wollen ihn ehren: indem wir ihm nächeifern, laßt uns sein— frei und schön! Seit« 6 SamStag, 4. Feber 1933. Ar. 30. ¥ PRAGER ZEITUNG Di« Nazi vor der Studer tenküchc hallen sich nach erfolgter Tenunziakion tapfer geweigert, den angezeigien Kollegen ihre Namen bekanntzugeöen. Folglich wurde der Name eines der vier Nazistuden- len, ,bie die Polizei zmn Einschreiten gegen die sozialistischen Studenten aufforberten■ und sich sehr beflissen als Zeugen aufdrängten, falsch wiedergegeben. Ter.nordische Edclmensch heiß: nicht Wolfgang Li ebald, sondern Ltbal(tschechisch: «r hat geküßt. Aus welchen Körperteil der tschechischen Polizei sich das bezieht, kann nur erraten werden.). Wir bitten«inen vielleicht vorhandenen Kollegen Liebald wegen einer möglichen Berwechse- lung m'i diesem Angeber in aller Form um Ent- schuldigung.' Geriditssaal Das Lparbuch des Selbstmörders. Prag, 3. Feder. Bor dem Senat des OGR. Kvapil standen heute die 36jährige verheiraiele Franziska Stumpf aus Melnik.und der 28- jährige Rudolf ö a f ä k, ebenfalls in: Melnik wohnhaft. Di« Anklage beschuldigt Vie beiden des ver- abredeten Diebstahls an dem Eigentum ei n« s Tot en. Bei der. Franziska Stumpf lebte der Arbei'.er Eduard L a u s«l e r in Untermiete. Er war in einem Melniker Unternehmen angcstellt. Eine! Tages verließ er die Arbeit und war von diesem Augenblick an verschwunden. Erst viel später wurde in der Leiche"einer vorerst unbekannten Selbstmörders, di« bei B r a n d e i s an der Adler aufgefunden wurde, der abgängige Lauieker identifiziert Er hatte freiwillig den Tod gesucht. Die gange Hab« des Toten war in der Wohnung seiner Quartierfrau, eben jener Franziska Stumpf, zurückgeblieben. Unter den Habseligkeiten befand sich auch«in Sparbuch, lautend aus eine Einlage von 5500 K bei einem lokalen Geldinstitut. Aus Vorsicht hatte der Tot« verfügt, daß Geldabhebungen nur gegen Stichwort erfolgen konnten. Das Stichwort lautete^Saun* und war der Quavtierfrau Stumps, die das ganze Vertrauen des Verstorbenen genossen hatte, bekannt. Anfangs November 1931 war Lauseker verschwunden und gegen Ende des gleichen Monats hob die Stumpf den ganzen Betrag der Einlage ab. Bei der BerlassenschaftsverhaMung kam diese Tatsache zum Vorschein. Die Stumpf erzählt« nun zu ihrer Rechtfertigung eine recht abenteuerliche Geschichte. Nach ihrer Darstellung habe der vevschwun- dene Lauseker ihr von Prag aus brieflich den Auftrag erteilt,-inen» von ihm geschickten Boten, der sich mit seiner Bisittart« ausweisen werd«, das be- hobene Geld auszufolgen. Tatsächlich fei daun anfangs Dezember jen«r Mann bei ihr erschienen und sie habe im Sinne der Weisung LausekerS das Geld behoben und dem Boten die gesamt« Summ« übergeben. Zum Beweis ihrer Behauptungen legt« die Stumpf den angeblich von dem Verstorbenen geschriebenen Brief sowie die angeblich vom Boten überreichte Bisitkarte-mit dem Namen Lau- sekerz vor, auf welcher tatsächlich di« Summ« von 5500 K quittiert war, di« Lauseker„richtig erhalten" habe. Diese Quittung ist datiert vom 2. Dezember 1931. Dieser Darstellung schenkt« nun das Berlassen- schaftsgerich« wenig Glauben und fordert« die Schriftsachverständigen zur Aeußerung auf: Nach sorgfältiger Prüfung erklärten die beiden Sachverständigen, Red Flau de rka und Dir. Tärantik, mit Bestimmtheit, daß sowohl der Brief, als auch der Quittungsvermerk auf der Bistt- karte nicht von der Hand des verstorbenen LausekerS stammen, sondern daß si« von einem guten Freuno der Franziska Stumpf herrühren, nämlich dem Tischlergcsellen Rudolf Zafsk, der offenbar im Einverständnis mit d«r Frau die fingierten Schriftstücke herg.stellt hat. Di« Verhandlung wurde jedoch nicht zu Ende geführt, sondern mußte zwecks Erweiterung des Beweisverfahrens vertagt werden rb. Kunst und Wissen Volksvorstellung diesmal Donnerstag. Da wegen des philharmonischen Konzertes am Montag kein« Bolksvorstellung bei ganz kleinen Preisen stattfinden kann, wurde sie von Montag, den 6. auf Donnerstag, den 9. verlegt. Der abonnementfreie Tag gibt Gelegenheit, dem Chor- und Orchester-Ball, der zugunsten der Pcnsionskass« stattfindet, beizuwohnen. Als Bolksvorstellung wurde für den 9. Feber im Neuen Theater der Schwank„Der Mustergatte" gewählt. Preise der Plätze 1—18 K. „Mädchenjahre einer Königin" von Sil-Dara, Freitag, Erstaufführung. Regie: Liebl.(B 2.) Samstag:„Die Meistersinger von Nürnberg." Vorfeier von Richard Wagners 50. Todestag.(Mon- iiement aufgehoben. Gutschein« gültig.) Erstaufführung:„Palais Royal" von Sherwood, dem Autor der Waterloo-Brücke, am Samstag in der Kleinen Bühn«. Regie: Havprecht. Einmaliges Gastspiel der Tanzgruppe Bodeu- wieser am Sonntag, 11 Uhr(gemeinsam mit der Urania) in der Kleinen Bühne. Wocheuspielplau des Reuen Deutschen Theaters. Samstag, 7L0 Uhr:„Leinen aus Irland". — Sonntag, 2.30 Uhr:„Bor Sonnenuntergang"(A. A.); 7.30 Uhr:„Carmen"(A. A.). — Montag, 8 Uhr: IH. Philharm. Konzert. — Dienstag, 7 Uhr:„Aida"(A. 1).— Mittwoch, 7.30 Uhr:„O.r Pheus"-(B 2).— Donnerstag 8 Uhr:„Ein Mustergatte"(A. A.).— Freitag, 730 Uhr:„Mädchenjahre einer Königin", Elftaufführung(B 2).— Samstag, 6.30 Uhr:„Die Meistersinger von Nürnberg" («. A.). Wochenspielplan der Kleine« Bühn«. Samstag 8 Uhr:„Salon Pitzelberger"—„Die schöne Galathee".— Sonntag, 3 Uhr: „Essig und Oel"; 8 Uhr:„Ein Muster- gatte".— Montag, 8 Uhr:„Ein Held gesucht"(Bankbeamten I).— Dienstag, 8 Uhr: „Ein Mustergatte".— Mittwoch, 8 Uhr: „Salon Pitzelberger"—„Die schöne Galathee"(Bankbeamten II).— Donnerstag, 8 Uhr: ,^8 o r Sonnenuntergang"(Kultur- vevbandSfreunde)..—. Freitag, 8 Uhr:„Salon Pitzelberger"—-^Die schön« Galathee" -»-.Samstag, 730 Uhr:„Pakots Royal", Erstaufführung. Aus der Partei Deutsch« sozialdemokratisch« Frauenorganisation, Prag. Montag, den 6. Feber, abends 8 Uhr, im „Monopol" Frauenabend. Um 7 Uhr im gleichen Lokal Sitzung des Bezirksfraueukomitees. Mitteilungen aus dem Publikum. Maskenball der Union der Geschäftsreisende« und Bertrater findet unter der Devise„Genfer Redoute" am 11. März d. I. im großen Lucerna- aale statt. Reklamationen, Logen- und Tischvormerkungen sind an das Sekretariat, Prag H., Jung- mannova 29, zu richten. 100 Sport«Spiel«itöinerpnene! Rotes visfest— Nuheitsfrout? Ein Aufruf erging dazu von„Rot-Sport"(Berlin) an die bürgerlichen Sportverbände aller Länder. Schweden hat als erstes z u g e s a g t. Es sendet feinen Rctord-Eisläufer im 3000-Mete» Schmölaus.„Rot-Sport" hofft, daß auch di« bürgerlichen Verbände Norwegens und Oester- r«i ch s im heißen„Einheitssehnen" das Fast beschicken.— Wester aber rühmt sich„Rok-Sport", daß die Wiener Genosse» Schiemer(Arbeiter- bilbungsverein) und Gödel(Arbeiter-Eiskunstlaufverein) erst an den Meisterschaften des Askö, dann am roten internationalen Wintevsporttveffen in H a i n d o r f(Tschechoslowakei) und auch am roten Eisfost im Berliner Sportpalast teilnehmen würden. Ferner meldet man, daß der Sieger der Arbeiter- Wintersportolympiade im Sprunglauf sowie sein Bereinsgenosse Steinmüller und über zwölf hervorragende Mitglieder der SASJ. in Haindorf beteiligt sein würden. Wir machen daher große Frage- zeichen, da die Genannten sich damit natürlich außerhalb ihrer Organisationen stellen würden. Di« Turnspielbewtgung in Oesterreich hat im vergangenen Jahre im 17. Kreis des Arbeiter-Turn- und Sportbundes bemerkenswerte Fortschritte gemacht. Insgesamt konnten um 86 Mannschaften mehr gezählt werden als ein Jahr vorher. Bon diesen neuen Mannschaften Pflegen nicht weniger als 59 das Haiwballspiel. Die Zahl aller Spielmann- schaften dieses Kreises beträgt jetzt insgesamt 588. Mose Mannschaften verteilen sich auf die Bundesländer, die der 17. Kreis umfaßt, wie folgt: Wien 222, Riede rösterreich 214, Steiermark 123 und Kärnten 29. Hallenschwimmbad— Kino. In Frankfurt a. M. gibt es 45 Lichtspielhäuser und 20 öffentliche Bäder. Im September 1932 wurden 414.430 Kinobesucher und nur 75.753'Badbesucher festgestellt. Auf das ganze Jahr bezogen— also auch di« Sommermonate einbegriffen— geht jeder Frankfurter im Durchschnitt nur etwa viermal in«ine öffentliche Badeanstalt, dafür aber zwölfmal ins Kino. Ein Besuch im Schwimmbad kostet zwischen 30 und 60 Pfennig, ein billiger Platz im Kino zwischen 60 Pfennig und 1 Mark. Trotz behördlichen Förderungen der Leibesübungen und nicht unwesentlich teueren Eintrittspreisen wird also das Lichtspiel- cheater um das Dreifach« häufiger besucht als daS Schwimmbad. In anderen Großstädten wird es kaum anders sein. Mrserncher Sport. Tischtennis-Weltmeisterschaften. Weitere Ergebnisse: Tschechoslowaken gegen Oesterreich 5:2, gegen Indien und gegen Lettland je 5:0, gegen Frankreich und England je 5: 3; England—Lettland 5:4, Lettland—Deutschland 5:3, Oesterreich—Wales 5:1, Wales—Belgien 5:0, England—Deutschland 5: 3, Oesterreich—Frankreich 5:1, Ungarn—Wales 5:0, Indien—Deutschland 5:2, Lettland—Frankreich 5:3, Oesterreich—Deutschland 5:0, Jugoslawien gegen Belgien 5:0, Ungarn—Belgien 5: 0. Ungarn gegen Lettland 5:1.— Di« Länderkämpf« um den Swaythling-Cup wurden am Donnerstag nachts beendet. Ungarn besiegte im letzten Spiel Oesterreich mit. 5:1 und wurde damit wieder Gewinner des Cup. Di« letzten Ergebnisse: Tschechoslowakei—England 5:2, Jugoslawien—Indien 5:4, Lettland—Belgien 5:1.— Endstand: 1. Ungarn 10 Sieg«, 2. Tschechoslowakei 9, 3. und 4. Oesterreich und England je 7, 5. Lettland 6, 6. und 7. Deutschland und Jugoslawien je 5 Siege.— Freitag begannen di« Qetttämpfe im Einzel, Doppel und gemischten Doppel Literatur Centralbank der deutschen Sparkassen in der Cechoslovakischen Republik. Hauptans'alt: Prag II.. SredauergasM 14. Z t e i g g i e d e t 1 a t a t i{ 11: Aasig. Brünn, Eger. Jägern dort. Reichen berg. 6. Taschen, Trautenan. Troppaa. Ole Bank der deutschen Sparanstalten and 1437 Gemeinden. seine Arbeit zahlreiche Anregungen. Bestellungen ia der Verwaltung der„Neuen Erziehung", Aussig, Dr. B i l l r o t h st r a ß e 20. Filme in Prager Llditspielli&usern bi« einschließlich Donnerstag, den 9. Feber: Wran-Urania:„Das Lied einer Nacht."— Adria:„Das verlorene Geichwader."— Alfa:„Der träumende Mund."— Beränek:„G i l g i, ein« von uns."— Fvnix:„Das Geheimnis des blaue» Zimmers."— Flora:„An allem ist die Liebe schuld." — Gaumont:„Baby."— Hollywood:„Baby."— Hvözda:„Tiere in Gefangenschaft."— Julis:„1000 für eine Nacht."— Kapitol:„Ein süßes Geheimnis."— Kinema, B^-Th.: Jour»., Groteske, Report. Ab halst 1 bis halb 8.— Koruna: „DaS Parfüm der Dam« in Schwarz."— Kotva: „Ekstase."— Lueerua:„Ekstase.—- Metro:„Wie' sag' ichs meinem Mann."— Olympic:„Der Weins Leben."— Passage:„Das Geheimnis des blaue» Zimmers."— Praha:„Der Hexer."— Radio: „Gilgi, eine von uns."— Skaut:„Der Hexer."— Svdtozor:„1000 für eine Nacht."— Alma:„An allem ist die Liebe schuld."— Avion: „Ouo vadis?" Bajkal:„Die singende Stadt."— Favorit:„An allem ist die Liebe schuld."— Konvikt: „Der Liedersänger."— Lido:„Der Liedersänger."— Louvre:„Die oder keine."— MaeeSka:„Die oder keine."— Perstyn:„Fünf von der JaUhand."— Roxy:„Die oder keine."— Baldek:„An allem ist di« Liebe schuld."— Belvedere:„Mein Herz sehnt sich nach Liebe."— Beseda:„Sehnsucht 202."— Carlton:„Timarron."— Illusion:„Fürstenliebchen."— Sport-Smichov:„Engel der Hölle."— Svornost-Bubrnee:„Ein blonder Traum."— U Boj- vodu:„Drei von der Tankstelle."— Zvou:„Vergessene Patrioten. Zl. 24.459/32—1. 'Ausschreibung. Di« Stadtgemeinde Aussig lchrerbr auf Grund des Stadtrcktsbeschlusses vom 23. Jänner 1933 die Verpachtung des Ausslgec Stadttheaters mir Begin» der Spielzeit 1938/34 öffentlich aus. Gegenstand dcp Verpachtung bildet das spielfertige Haus(Fassungsraum rund 900 Person«») mit Beheizung und Beleuchtung und Feuerversicherung, der Kleiderablage und dem Orchester vo» 36 Musikern. Kostüm- und Tekorationssundu» wird leihweis« zur Verfügung gestellt. Barsnbveniion wird nicht gewährt. Im Siadttheater Aussig sind alle 3 Spielgattungen zu pflegen; dcrmalige Spielzeit 8 Monate. Der Unternehmer har die Konzession persönlich zu erwerben und eine entsprechende Kaution zu stellen. Schriftliche Bewerbungen sind geschlossen unter ,/Theater-Pacht" bis 20. Feber 1933 beim Bürgermeisteramt«inzubringen, das auch etwa erforderlich« weitere Auskünfte erteilt. Der Stadtrat behält sich das Recht der freie» Wahl und Ablehnung aller Gesuche ohne Angabe von Gründen vor. Bürgermeisteramt, Aussig, am 30 Jänner 1933 1884 Der Bürgermeister: Leop. Pölzt. »er alle gute Bekannte. Bon Erich Kästner. 1. Er mißfiel mir auf Anhieb. Das junge Mädchen neben ihm war hübsch. Vielleicht mißfiel er mir deshalb. Ich saß auf meinem Stammplatz. Die zwei faßen am Nebentisch, tranken Kaffee, saften noch Sie zueinander und redeten demzufolge von Literatur. Plötzlich nannte sie eins meiner Bücher und fragte: Kennen Si« Erich Kästner?" „Und ob," sagte er.„Sehr gut kenn ich den Erich! Wir sind ost zusammen." Ich betrachtete meinen alten guten Bekannten, den ich vorher nie gesehen hatte, und überlegte, ob ich ibn ein bißchen blamieren solle. Ich hatte einen besonder- edlen Tag. Ich schwieg. 2. Da aber ging sie mal hinaus! Sie tat_ eS, obwohl si« noch Sie zueinander sagten.(Früher wäre das nicht möglich gewesen.) Sie sagte: „Augenblick, ich bin gleich wieder da," und ging hinaus, ein wandelndes Beispiel zunehmender Sittenverrohung. Jetzt wandte ich msth dem fremden Herrn fit und fragte:„Wielange kennen wir uns eigent- ich schon?" „Fallen Sie mir, bitt«, nicht auf die Nerven!" sagte er unfreundlich. „Aber. m«in Lieber!" rief ich.„Ich diu doch dein alter, guter Erich! Und mein Familienname ist Kastner." „Scheußlich," sagte er erschrocken.„Da hätten Sie mich schön.reinlegen können. Sind Sie mir hüse?" Ich schüttelte den Kopf. „Es gibt junge Mädchen, bei denen sowas wirkt," erklärte er achselzuckend. „Sie, Don Juan," sagte ich höflich und holt- mir eine Zeitung. 3. Dann kam das junge Mädchen zurückgewandelt. Und das Gespräch der beiden nahm seine« Fortgang. Sie äußerte ihre Ansichten über Alfred Döblin. Den kannte mein Bekannter nich/ persönlich. um mich nicht zu reizen. Da aber eilte der Kellner an meinen Tisch und äußert« laut und deuttich: ,^oerr Kästner. Sie werden am Telephon verlangt." Das junge Mädchen drehte sich um, sah mich an, wurde rot, blickte zu ihrem Begleiter, wurde blaß und sagte: ,,Herr Ober, ich zahle!" Ich mußte ans Telephon. Ich ging gern. 4. Als ich wiederkam, saß mein alter, guter Bekannter allein in seiner Ecke und haderte beträchtlich mit seinem Schicksal. „Pech," murmelte ich teilnahmsvoll. Er musterte mich böse, stand auf, nahm seinen Hut und Mantel und verließ das Lokal. Der Kellner bemerkte es zu spät.„Der Kerl hat nicht bezahlt!" rief er. „Schreiben Sie's auf meine Rechnung," sagte ich.„Der Kerl war ein alter guter Bekannter von mir." Schule und Nationalsozialismus.„Eine deutlich erkennbar« Theorie einer nationalsozialistischen Erziehungslehre gibt es nicht. Di« Aeußerungen nationalsoz alistischer Führer auf schulischem Gebiet« sind höchstens widersprechend sind ein Abbild der Geistesverfasiung der Hitlerbttvegung. Sie präseruiert sich als Hexengebräu aus überst«iger:«n Wertgefühlen triebhafter Machtstreber und auS Angst vor der Gewalt des hochentwickelten Kapitalismus, der die Grundlagen des Bürgertums: Privarbesitz, Familie, Religion, zerstört und den der Nationalsozialismus nicht überwinden kann. Dazu fehlt ihm die Kraft unbeeinflußten Denkens, fehlt ihm die Systematik einer Gesellschaftslehre, welche den Weg zur Ueberwindung des heutigen Chaos aufzeigt. Diese innere geistiger Hohlheit sucht man zu verbergen, indem man si« mit dem Mantel religiöser Mystik des Bluter und politischer Romanlik zudeckt." — So schrieb A. Hauert im Dezembrrhest der „Neuen Erziehung". Di« begonnene inter«sianl« Erläuterung der Stellung der Nationalsozialisten zu Schul- und Lehrersragen wird kn dem eben«rschi«- neüen Jännerheft der„Neuen Erziehung" fort- gesetzt. An zahlreichen Beispielen wird der Nationalsozialismus als daS festgestellt, was er ist: Der größte Bolksbetrug der Gegenwart. Außerdem wird in einer eingehenden Darstellung die Haltung der Sozialdemokratie im Gehaltskampf« der Lehrerschaft aufgezeigt und die Schlüffe für di« zukünftige Haltung der Lehrerschaft gezogen. Di« Rubrik„Rundschau" enthält ein« Menge WiffenS- wertes über Schul« und Lehrerschaft auS aller Welt. Die„Neue Erziehung" ist ein aufrechter Streiter gegen alle offenen und. versteckten Feinde der Ar- beiterklaffe. Jeder politffch Interessierte findet für Vie richtige Brille Optiker Deutsch Prag 11., Pfikopy, Palais Korona. Anglo-EMar ;! Versicherungs-Aktien- I; !! gesellschaft in Wien]! ]' Direktion für die 6. 8. R. In Prag. j\ i> General-Agentschaft Reichen bei g I' < 1 empfiehlt sich zum Abschluß von Feuer*, 1* ]\ Unfall-, Haftpflicht-, Einbruch-, Auto-, Trans'> < i port-, Pferde- und Vieh Versicherungen zu i> kulanten Preisen.»748<* i, Bargarantiemittel In der C. S. R. 66 Millionen., i i i Büros: Prag, Narodni tf. 17. Reichen berg, Schützeng. Nr. 21.][ Brünn, Theatergasse Nr. 6. ' issaaHsaeaaaeaMMaaaaaaaaaaae*■ hiMUhiuuiife^nMniiiiii' orthopadisme Heilanstalt Wer nicht ständig 9RU Dr. 9t. Kutz Inseriert Mouatt. 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