Mrrzelvre's 70 Heller. 13. Jahrgang. Dienstag, 7. Feber 1933 Rr. 32. Neuer Staatsstreich in Preußen. Die Hoheitsregierung abgesetzt, das Urteil des Staatsgerichtshoffes mit Füßen getreten.- Die Auflösung des Landtages wird erzwungen. Die ReichSregieruug hat de« Rcichspräfidew ten ein« Verordnung unterzeichne« lassen, di« dou der größten Tragweite für die weitere Ent» Wicklung in Deutschland ist. Die Gewalten, teilnnq, die der von der Preutzenregierung angerufene Staatsgerichtshof in seinem Urteil vorgesehen hatte, war zwar tatsächlich«nr ein« Teilung zwischen Macht und Recht, aber das llrteil hat immerhin dem Ministerpräsidenten Brau», die Entscheidung über das Auflöse« des Landtabes belasten. Di« Reaktion will jedoch auch im PÄtzten deutschen Land Kakhiwahlen durch» führen lasten und so entschloß sie sich denn nach der Ablehnung des AuflösungsautragS durch den Dem Schritt der Reichsregierung fehlt jede Rechtsgrundlage. Seine Begründung ist ungeheuerlich, ist engstirnig, höhnend und frech. Sie schreibt der preußtschen Staatsregie, rung die Schuld zu, daß es nicht zu einem Zusammenarbeiten zwischen ihr und der kommistari- schen Regierung gekommen sei. In Wirklichkeit war es die kommissarisch« Regierung, dir nicht nur eine solche Zusammenarbeit verhinderte, sondern sich sogar weigerte, das Urteil des StaatSgerichtshoscS auszuführen. Di« RechtS- vusicherhrit in Preußen und die in der Rotver- ardnung als beklagenswert hingestrllte Gewaltentriluna ist ja von der RrichSregierung geschaffen worden. Die Herstellung rechtlicher ?>u!tände hätte nur in der Wiedereinsetzung der Regierung Braun in ihr« versaflnngsmäßigen Rechte bestehen können. Der faktische Bersostungsbrnch, den di« Borsalle vom 2V. Juli 1832 bedeutete», wurde nun Auf Grund dieser Verordnung hat der preußische Landtag-Präsident Kerrl das Drei- Männerkolleginm erneut«inberufen, jedoch nicht «ehr den Ministerpräsidenten Braun, sondern den Rrichskommiffär von Pape» eingeladen, woraus dann von de« beiden gegen den Protest Di« rechtmäßige preußische Staatsregierung wird wegen der Staatsstreichverordnung beim Reichsgericht Klage erheben. Sie verwahrt sich aus das schärfst« gegen die Beschuldigung, daß das Land Preußen seine Pflichten gegenüber dem Reich verletzt habe. Die Bildung einer Mehrheitsregierung durch di« NSDAP, und das Zentrum scheiterte daran, daß di« Reichs- «gierung ihrerseits kein« verpflichtend« Zu- Sdiarie Kampfansage des Zentrums. Berlin, 5. Feber. Dor dem Reichsparteiausschuß der ZerUrumSpartci hielt am Sonntag der Parteivorsitzrndc Prälat Tr. Kaas eine programmatische Rode über die Politik des Zentrums, in der er zunächst auf seinen Brief-' wechsel mit dem Reichskanzler verwies, aus dem hcrvörgehc, daß das Zentrum de reit gewesen sei, eine sachliche Regierungsarbeit zu ermöglichen. Wir haben, so fuhr Prälat Kaas fort, allerdings misten lvollen, was die Regierung wollte, wohin der Kurs ging.„Gerade weil wir wußten, wer die Regierung übernom- Landtag zu dem neuen Schritt, der der Bersaflung ins Gesicht schlägt und lediglich der Ausdruck brutalsten Machtwillens ist. Die Rechtsunsicher- heit, die jetzt in Deutschland herrscht, ist durch den neuen Versaffuugsbruch ungemein verschärft worden; er kann di« schwersten Folgen sür das Verhältnis zwischen de« Ländern und der Reichsregierung haben. Di« Aeußerungen der bayerischen Regierung, di« von einer„Sicherung der Freiheit Bayerns" sprechen, lasten, wenn die ReichSregieruug aus dem nun beschrittenen Wege weiterwandelu sollt«, für die ReichS«inhe»t schlimmst« Gefahre« befürchten. sichccung abgab, daß sie nach Bildung dieser Regierung den für Preußen eingefetzten Reichs- komiffar zurückziehen werd«. Zur vorzeitigen Auflösug» eines Landtages besteht im übrigen keinerlei rechtlich« Pflicht, geschweige denn eme Pflicht gegenüber dem Reich. Die Reichsregie- runa hatte nicht einmal eine Aufforderung zur Auflösung an di« preußisch« Regierung gerichtet! men hatte, aber nicht einwandfrei wissen konnten, wer regiert, hatten wir ein Recht zu fragen, was diese Regierung wollte— und nur nach dem WaS konnten wir unsere Entscheidung treffen. Wer als Regierung einen Bierjahresplan hatte, mußte sich der Bolksvertetung stellen. Di« Regierung hat die Gelegenheit nicht ausgenutzt." In der sodann angenommenen Entschließung wird festgestellt, daß man das Zentrum von der Mitarbeit ausschließcn will; das Zentrum habe, indem cs Klarheit verlangte, nicht „für links optiert". Der Kamps gehe um das Letzte. „Die Begründung“. Berlin, 6. Feber.(Wolff.) In der Begründung zur Verordnung über di« Uebertragung der Befugnisse des preußischen Staatsministeriums auf den Reichskommissär wird auf die Entscheidung des Staatsgerichtshofes hingcwiescn, in der cS«. a. heißt: „Soweit die Landesregierung in dem ihr verbleibenden Bereiche die Geschäfte in ein« Art führen sollt«, in der eine Pflichtverletzung gegen-' über dem Reich zu erblicken ist, würde der Reichspräsident auf Grund von Artikel 48, Absatz 1, weitergehende Eingriffe in die Rechte des Landes vornehmen könne«. Im übrigen stehe es bei dem preußischen Landtag, zu versuchen, ob durch Bildung einet neuen preußischen Landesregierung dem jetzigen Zustande ein Ende bereit werden könne. Im Anschluß hieran wird in der Begründung z« der Verordnung ausgeführt, daß der gegenwärtige provisorische Zustand unerträglich und mit dem Wohl des Staates unvereinbar sei. In den Handlungen des Landtages und des Ministerpräsidenten, die tatsächlich bewirkten, daß dieser Zustand aufrechterhalten bleib«, liege di« Pflichtverletzung des Landes, auf der die gegen- beuche., Die Entwicklung der RegierungSverhältniste in Preußen hat den Reichspräsidenten noch einmal veranlaßt, einzugverfen. Eine Möglichkeit, auf der Grundlage des Urteils des Staatsgerichts- hc-fes für das Deutsche Reich vom 25. Oktober 1932 zu geordneten Verhältnissen zu gelangen, hat sich nicht ergeben. Vielmehr sind aus dem Ne- beneinander zweier Regierungen in Preußen so unerträgliche Verhältnisse entstanden, daß ihrr Beseitigung zur Wiederherstellung der StaatS- autorität unbedingt geboten ist. HUIers Gcsdüdit sltigcn werden plakatiert. Auf Kosten des deutschen Balkes. Berlin, 5. Feber. Der Ausruf der Reichsregierung an das deutsche Volk, den der Reichskanzler im Rundfunk bekanntzgegeben hat, ist heut« in Berlin an allen Anschlagsäulen affichiert worden. Wie der völkische Beobachter" mitteilt, wird der Aufruf Anfang nächster Woche im ganzen Reich plakatiert werden. Kitter wollte Hindenburg die nand küssen. Wie man setzt erfährt, ist es vor der Betrauung Hitlers mit der Regierungsbildung wieder einmal— um den Ausdruck Otto Strassers zu gebrauchen— zu einer ,^Hündchensßene" gekommen. Es war Hitler mitgeteÄt worden, Hindenburg erwarte, daß er sich wogen gewisser Aeußerungen, die er gegen den Reichspräsidenten getan hatte, entschuldige. Hitler tat denn auch de- und wehmütig Abbitte, wobei er wieder einmal in Träne» ausbrach. Zum Schluß wollte der„Führer" Hindenburg die Hand küsse». Angewidert von dieser Lakaienhaftigkeit, wehrte Hindenburg ab und sagte nur:„Schon gut!" nie Totenpropaganda vom Sonntag. Kronprinz und Hitler Arm in Arm. Berlin, 5. Feber. Am Sonntag nachmittags fand die Beisetzung der im Anschluß an den Fackelzug zu Ehren des Reichspräsidenten und des Reichskanzlers in Charlottenburg durch einen Feuerüberfall Getöteten, eines Hauptwacht- meisters der Schupo, und des SA.-Führers Mai- kowski statt. An der Feier im Dom, Wo zu Fußen des Altars die beiden silbernen Särge standen, nahmen u. Reichskanzler Hitler und Minister Göring in SA.-Uniform, der Kronprinz in der Uniform der Totenkopfhusaren,. P r i n z A u g u st W i l h e l m in der SA.-Uni- ! form teil. Am Grabe des getöteten SA.-Führers I sprach Tr. Goebbels. Für Reichskanzler Hitler legte Graf Hclldorf einen Kranz nieder. Tann > feierte Minister Göring die„Aufopferung" und„Treue" des getöteten Sturmführers. Das Zinsenproblem und die Banken. Die trotz aller Sklberstreffen sich ständig noch verschärfende Wirtschaftskrise ließ in der Oeffentlichkeit den Ruf nach einer ins Gewicht fallenden Senkung des Zinsfüße- immer stärker werden. Di« Automatik der kapitalistischen Wirtschaft, die bisher stets in Krisenzeiten nach einiger Zeit den Zinssatz so herabgedrückt hat, daß ein« Betätigung der Kapitalien direkt in der Wirtschaft größeren Profit verhieß als die Anlage in Banken und Sparkassen, hat diesmal total versagt und wir sehen die Zinssätze noch immer auf einer Hohe, die würgend auf die ganze Volkswirtschaft wirken muß. Um dieser hinkenden Automatik nachzu- helfen, ferner um dem allgemeinen Ruse nach einer Zinsenhevadsetzung entgegenzukommen u. schließlich um den Boden für die geplante und unbedingt notwendige Jnvestitionsanleihe vor- zubereiten, hat die Nationalbank abermals den Diskontsatz u. zw. diesmal gleich um ein volles Prozent reduziert. Die Oeffentlichkeit er wartet und verlangt nunmehr von den Geld irtstitttten, daß sie nicht nur die Zinssätze absolut herabsetzen, sondern auch die Spannung Mischen dem Kredit- und Debetsatz ver-' mindern.*) Doch da werden di« Banken widerspenstig, können sich auf eine Herabsetzung der Zinssätze nicht einigen und gerade die satfft so patriotische kiivnobank marschiert— nicht zum ersten Mal«— an der Spitze der Fronde des Finanzkapitals. Und plötzlich stechen die Banken wiederum im Mittelpunkt der öffentlichen Diskussion Das Zinsen- problem scheint sich wieder zu einen: Problem unseres gesamten Geldwesens^ auszuwachsen. Es scheint, daß trotz aller Sanierungen mir Hunderten von Millionen Steuergeldern, trotz Bankengesetz und aller Vorkehrungen von einer normalen Funktion der Banken in der Volkswirtschaft noch nicht gesprochen werden kann. Es ist notwendig, den Tatsachen nachzuspüren, die den Mut der noch vor wenigen Monaten so kleinlauten Bankgewaltigen jo anfchwellen ließ, daß sie es für möglich erachten, der ganzen Oeffentlichkeit und dem Druck der Regierung die Stirne zu bieten, jenen Tatsachen, di« es zugelassen haben, daß sich hie Bankgewaltigen so rasch von dem Schreck, in den sie infolge des Bankengesetzes verfallen sind, erholen konnten. Es such zwei Dinge, die einem in diesem Zusammenhänge ins Auge fallen, u. M. die mangelhafte Durchführung des Bankengesetzes und das Vertrauen des Finanzkapitals auf das schlechte Gedächtnis und die Uninformiertheit der Oeffentlichkeit. Gar bald haben die Bankgewaltigen merken, können, daß die Staatsgewalt, repräsentiert in diesem Falle durch das Finanzministerium, keinesfalls gewillt ist, dem Bankengesetz Leben in dem Sinne einzuflößcn, wie es den Urhebern des Gesetzes vorgeschwebt haben mag. Nur wenige leitende Direktoren mußten infolge der Auswirkungen des Ban- kengesetzes ihren Direktorenplatz räumen, und kamen alsbald— ein moderner Phönix— in Gestalt von Verwaltungsräten oder Experten oder Beiräten wieder. Ähren alten Wirkungskreis, ja sortzlr ihre Zimmer haben sie behalten, nur der Titel hat gewechselt. Daß das Finanzministerium dieser Borgangsweise— tmr wollen uns höflich ausdrücken— zumindest wohlwollend gegenüberstand, hat die Bankgewaltigen dazu veranlaßt, jede Möglichkeit zu benützen, Nm auf Kosten der kleinen Angestellten die Regie abzubauen und jo die Möglichkeit zu behalten, gerade die hohen Funktionäre nach Tunlichkeit vollzählig an der Krippe zu lassen. Daher der Angriff auf das Lohnniveau zunächst in den sanierten Ban '*) Tebetlsatz ist der Zinssatz, den tue. Banlen den Einlegern zahlen, Krcdivsatz der ZinSsub ru dem sie Geld an ihre Schuldner borge«. Die Staatsstreichverordnung. Berlin, 6. März.(Wolff.) Es wird folgend«„Verordnung zur Herstellung geordneter Rcgicrungsverhältnisse in Preußen" veröffentlicht: Auf Grund des Artikel 48, Absatz 1 der Reichsverfaflung verordne ich folgendes: 8 1. Durch das Verhalte« des Landes Preußen gegenüber dem Urteil des Staatsgerichtshofes für das Deutsche Reich vom 25. Oktober 1932 ist eine Verwirrung im StaatSlebe« eingetreten, die das Staatslebe« gefährdet. Ich übertrgge deshalb bis auf weiteres dem Retchskommissär für das Land Preußen und seiner Vkauftragten die Befugnisse, die nach den» /xfvähn- ten Urteil dem preuhischen Gtaatsminifterium und seinen Mitgliedern zustehe«. £ 2. Mit der Durchführung Vieser Verordnung beauftrage ich den ReichS- kommissär für das Land Preußen. 8 3. Die Verordnung tritt mit dem Tage ihrer Verkündung in Kraft. landtagsauflösung verfügt! Msss beim Staatsgerichtshof. and) formal bestätigt. Dem deutschen Volk wird der Rechtsboden entzogen, auf dem«S um feine Freiheit kämpft. Das hat nicht nur zu bedeute», daß der reaktionären Willkür Tür und Tor geöffnet wird, sondern auch, daß di« Arbeiterklasse sich nicht mehr an das geschrieben« Recht gebunden sehen mutz. Berfaflungsfragen sind Machtfraoen; daS hat der 20. Juli bewiese«, das beweist der neue Schritt der Faseistenregierung, ein Schritt, der nur diktiert ist von dem Willen, die Faseisten- herrschast in dem größten deutschen Lande z« verankern. Di« Rrichsregierung, di« mit der Notverordnung„stabile" Verhältnisse schaffe» zu wolle« vorgibt, wird bald merken, datz sie die Entwicklung erst richtig in Fluß gebracht und Kräfte entfesselt hat, dt« nunmehr, durch keine Rücksicht aus geschriebene- Recht gÄnnden, wirke» könne». Dr. Adenauer-, de- Präsidenten des Staatsrates, di« Auflösung des preutzischen Landtageszum 4. M ä r z beschlossen wurde. Die Neuwahl soll gleichfalls am 5. März erfolgen. Seite 2 Dienstag, 7. Feber 1933 Nr. 32 strie noch immer horrende Gehalte an die Leitungen bezahlt, die zwar indirekt, aber sehr fühlbar den Hanken zur Last fallen. Viele Einzel- und Gesellschaftsfinnen sind bis über die Ohren an die Banken verschuldet— dennoch entnehmen die„Inhaber" derselben Millionenbeträge„ihren" Unternehmungen, die dann in Form von Abschreibungen sei es von angelasteten Zinsen, sei es von der Kapi- talsschuld wieder die Banken belasten. Aber die führenden Kapitalisten haben ein Herz für Leute ihres Standes: Erscheint ihnen bei einem Beamten mit Familie ein Gehalt von 24 bis 30 Tausend jährlich untragbar hoch, so finden sie, daß ein noch so verschuldeter Industrieller bedauernswert ist, wenn er nicht mehr wie früher mehrere Millionen, sondern kaum eine halbe bis eine Million im Jahr für sich ausgeben darf. Denn sie messen diese Herren nach ihren eigenen Bedürfnissen. Und immer wieder muß man der Oeffentlichkeir wiederholen, daß nach AnMben der Banklei-' tungen selbst, die in den letzten Generalver sammlungen erfolgt sind, 8 leitende Direktoren der 2ivno kaum 4.5 Mill., 6 leitende Direktoren der Bebca kaum 3.6 Mill., 5 leitende Direktoren der B. U. B. jedoch„nur" 2.25 Mill, im Jahre netto beziehen, wobei sämtliche Steuern und soziale Abgaben von den Banken getragen werden. Die oben erläuterte ullsichtbare Regie bildet dennoch ein größeres Problem der Banken als selbst noch so überhöhte Gehalte der eigenen Direktoren, denn sie geht in die Zehntinillionen. Das Bankenproblem läßt sich heute nicht mehr bei den Banken selbst lösen. Die Banken sind auf Gedeih und Verderb mit der Industrie verbunden. Wenn das Finanzministerium daher das Bankenprobfem bei den Banken anfaßt, so handelt es, wie etwa ein Landarzt handeln würde, wenn er bei einer schweren Blutkrankheit nur den sichtbaren Hautausschlag des Patienten mit Zinksalbe kurieren wollte. Aber bei Landärzten dürfte heute eine solche Fehlbehandlung kaum anzutreffen sein.... R. Wie kann der Landwirtsdian geholfen werden? Ans der Dudgetrede des Genossen SdiweldiliarL Prag, 6. Feber. In der Budgetdebatte hatte Genosse Schweichhart am SamStag in sachkundi- der Weise die schwierigen Probleme der Landwirtschaft in der heutigen Krisenzeit und di« Möglichkeit ihrer Lösung auf Gruud sozialistischer Erkenntnisse eingehend erörtert und dabei«. a. ausgeführt: Wir erkennen durchaus an,' daß die heimische Landwirtschaft mit großen Sorgen zu kämpfen hat. Ob di« Verschuldung der Landwirtschaft tatsächlich bereits 30 Milliarden beträgt, wie behauptet wird, soll nicht näher untersucht werden; drückend ist sie auf jeden Fall, namentlich-für jene, die in den verschollenen Zeiten guter Konjunktur die Wirtschaft zu den damaligen hohen Preisen übernahmen. Die angestrebte Zinsfußherabsetzung ist deshalb zu begrüßen. Da Preissteigerungen der Agrarprodukte auf dem Weltmarkt so bald nicht zu erwarten find, wird der Kostrasenkuag der landwirtschaftliche« Produktion große Aufmerksamkeit gewidmet werdru müssen. Ohne Zweifel find Kunstdünger, landwirtschaftliche Maschinen usw. viel zu teuer. Die Schuld daran liegt meist in den hohen Kartellpreisen! Der auch vom Ministerpräfideate« ange- kündigte Kampf gegen de» Preiswucher der Kartelle muß nicht zuletzt im Interesse der Landwirtschaft geführt werden. Minister H o d L a- hat mit Recht darauf verwiesen, daß die Lösung der Agrarkrise nicht regional, sondern nur im Verband mit möglichst vielen Staaten also international, erfolgen müsse. Das hindert nicht, daß auch im Wege der Selbsthilfe und durch staatliche Maßnahmen ein« Erleichterung gesucht wird. Genosse Schweichhart bespricht diesbezügliche Vorschläge von agrarischer Seite(Sektionschef Dr. Meißner) und erklärt dann, daß wir Sozialdemokraten schon an die tausend Mal« betont haben, daß das ewige Auf und Ab der Preise infolge der kapitalistischen Produktionsanarchie und d«r Spekulation für die Landwirtschaft Höch st verderblich ist und daß daher möglichst stabile Preis«, di« ei««« gerechten Lohn für die mühevolle Arbeit des Landma««s bedeute«, rin Hauptziel erfolgreicher Agrarpolitik sein müssen. Wenn Sektionschef Meißner feststellt, daß die 'gleitenden Zölle und di« sonstigen vom Parlamente beschlossenen Agrargesetze sich günstig auswirkten, so anerkennt er damit indirekt auch di« Mitarbeit der Sozialdemokratie zugunsten der Landwirtschaft. Es ist bemerkenswert, daß Landwirtschaftsmini- ster Dr. HodLa unter Hinweis auf den gemischt idustriell-agrarischen Charakter des Staates die geboten« Berücksichtigung der industriellen Interessen betonte. Damit ist von dieser Seite dem unsinnigen Gedanken der Autarkie der Laufpaß gegeben worden! Zu den wichtigsten Agrarproblemen gehört aber di«'Frage des erhöhten Absatzes besonders hochwertiger landwirtschaftlicher Produkte, wie Butter und Fleisch. Mit vollem Recht weisen namhafte Agrarpolitiker auf die unbedingte Notwendigkeit eine- erhöhten Konsums hin. Wenn eS gelänge, die Kauflrast der Einwoy- ner der Tschechoslowakei guch nur soweit zu hebe«, daß flch jeder so viel Lebensmittel kaufen kann, als wir für einen Arrestanten aufwenden, so wäre damit bereits unendlich viel für die Landwirtschaft getan! In klarer Erkenntnis dessen hat der frühere reichsdeütsche Ernährungsminister vbn Schlange- Schöningen auf die innige Verbindung der Agrarfrage mit dem Industrie- und Arbeitslosenproblem hingewiesen. Bei uns dagegen gibt es nicht wenige Agrarier, die eine Herabsetzung der angeblich zu hohen Löhn« bewußt fordern und damit di« Kaufkraft der Massen noch weiter schwächen wollen. Das heißt doch schon den Ast absägen aus dem man sitzt! Wie sehr di« Kaufkraft der Konsumenten mit dem Wohlergehen der Landwirtschaft zusammenhängt, zeigt eine interessant« reichsdeutsche Statistik. In der Zeit von 1924 bis 1929 stieg der Reallohn der Arbeiter und Angestellten DeutschlnadS um 30 Prozent, feit— MoravflL, Anglobank, Jndustrialbank n. a. Und als den Bankherren««gekündigt wurde, daß eine Zinsenherabsetzung eventuell auf gesetzlichem Wege erzwungen werden würde, da wußten sie, daß sie bei dieser Gelegenheit ein Gegengewicht in Form einer im Gesetze verankerten Möglichkeit der Gehaltesenkung unter Außerachtlassung von kollektivvertraglichen oder sonstigen Verpflichtungen werden verlangen können. Und sie täuschten sich nicht in ihrer Erwartung, denn das Finanzministerium bot ihnen willig seine Hilfe und brachte tatsächlich einen solchen Antrag im§ 17 des geplanten Gesetzes ein. Ausdrücklich vermerkt niuß werden, äiß dieser§ 17 sich nunmehr auf alle Angestellten erstreckt hätte, nur nicht auf jene, auf welche das Bankengesetz sich bezieht. Die Banken hofften daher, die oben gezeigte Schwäche des Bankengesetzes weiter ausbauen und eine Bresche in die vertraglichen Rechte ihrer Subalternangestellten ünd darüber hinaus in die Einrichtung der Kollektivverträge überhaupt legen zu können unter ganz evidenter Schonung der Bankleitungen. Die Junkti- mierung der Senkung der Spannung zwischen Kredit- und Debetsatz mit einem gesetzlich sanktionierten Gehalteabbau bei Subalternangestellten sollte ihnen dazu verhelfen. Allen, die einigermaßen mit dem Bankbetriebe vertraut sind, ist es ganz klar, daß die offensichtliche Regie der Banken in diesem Zusammenhang gar keine Rolle spielt. Dies beleuchtet die Tatsache, daß es z. B. in der Anglobank notwendig wäre, die gesamte Personalregie zu streichen, um die Spannung um sage und schreibe 1.5% zu reduzieren, d. h. umso viel, als, wie wir noch sehen werden, die Spannungin den letzte»etwa 2HH Jahren seitens der Banken erhöht wurde. Das PrMem der Banken besteht vor allem in der„unsichtbaren Regie", über die wir noch sprechen werden. Auch die Ziffern, die die Angestelltenvertreter sowohl den Regierungskreisen als auch der Oeffentlichkeit zur Kenntnis gebracht haben und die die Wechselwirkung der Zinsensenkung und Senkung dec Bezüge der Subalternangestellten beleuchten, beweisen die oben erwähnte Tatsache, denn selbst ein 10%iger linearer Abbau sämtlicher Bezüge(also auch der Funktionäre) in den Banken würde bei weitem nicht genügen, um eine Reduktion der Spannung auch nur'um* *4% herbeizuführen. Und nun erleben wir das erhebende Schauspiel, daß die absolute Zinsenreduktion und die Senkung der Zinsenspanne plötzlich zusammengeworfen werden, um auf diese Weise doch noch das Zweckmäßige einer Gehaltesenkung bei den Subal ernange» stellten nachzuweisen, die ja doch im Durchschnitt nur dazu reichen würde, die Sähe um etwa ein Achtel Prozent abzubauen.(Ersparnis bei einem Kredit von 8 1,000.000.— etwa K 1250.— jährlich, bei zehn Millionen von etwa 8 12.500.— jährlich für den Kreditnehmer!) Haben die Banken einerseits, u. zw. leider nicht mit Unrecht auf die Hilfe der hohen Bürokratie im Finanzministerium gerechnet, 39 Die Kellnerin Molly. Roman oon Han« Otto HoneL Eovvriaht t*> gackrlretter-Derla«. Berlin. Naibdruck verboten Der dicke Agent lächelte vergnüglich, als Male darauf aufmerksam machte, daß sie durchaus keine berühmt« Tänzerin sei. Ja, wenn dieses Engagement zustande käme, so würde es erst ihr zweites sein. Der Dicke beruhigt« sie. Di« Kaffer« in Hof seien nicht so wählerisch. Cher als auf eine Primaballerina käme es ihnen auf ein hübsches Mädel an. Und da wäre das Fräulein di« Richtige, wie jeder s«hen könne, der nicht blind fei. Ungeniert entkleidet« er sie dabei mit den Blicken. Als Male dann di« Bedingungen vernahm, kam sie sich wie umworbener Tanzstern erster Ordnung vor. Für Ab'olvierung des an Ort und Stell««rst sestzusetzcnden Tanzprogrammes sollte sie monatlich sechzig Mark bekommen, dazu erstklassige Verpflegung und Unterkunft frei, ebenso auch die Hin- und Rückfahrt frei. Die Fahrt sollt« standesgemäß sein. Die vier Tanzmädchen lernten sich erst kennen, als sie eine Viertelstunde vor Abgang des Zuges von dem auf dem Bahnhofe wartenden Aqenten di« Fahrkarten in Empfang nahmen. E: geleitete sie durch di« Sperre nach dem Zuge Als sie aus dem Bahnhose rollten, der Agent also außer Hörweite war, fingen di« drei neuen Kolleginnen Males zu schimpfen an. Sie bemängel- ten, daß sie im gewöhnlichen Personenzug auf Holzbänken nach. Bayern fahren müßten. Standesgemäß laut Vertragsbedingnng würde D-Zug sein und Polsterklasse. Da wurde die Fahrt keine zehn Stunden dauern. Male verhielt sich dazu still, denn sie fand ihr« Lage durchaus nicht bedauernswert. Da war so verlassen sie sich andererseits, wie schon gesagt, auf das schlechte Gedächtnis und die Uninformiertheit der Oeffentlichkeit. Doch wir wollen hier eben jenem schlechten Gedächtnis nachhelfen und auch zu einer richtigen Informierung der Oeffentlichkeit beitragen. Bei der folgenden Betrachtung wollen wir vollkommen von den verschiedenen Provisionen absehen, die Banken in Anrechnung bringen, und nur die den Schuldnern in Anrechnung gebrachten Zinsen einerseits und die den Einlegern in Kontokorrent vergüteten Zinsen anderseits und damit auch die jeweilige Zinsenspannung betrachten, die angeblich, nach Mitteilungen der bürgerlichen Blätter, „seit Jahren stabil geblieben ist". Vom 1. Juli 1930 bis etwa End« Jänner 1931 berechneten die Banken im Debet mindestens 7 1/£% an Zinsen, im Kredit 4%, so daß die Spannunq 3^Eibetrug. Anfang Feber 1931 wurde der minimale Debetsatz auf 7%, der Kreditsatz auf 3V 2% gesenkt, die Spannung stieg auf 3V£%. Im August 1931 wurde der Debetsatz auf 7%% hinausgesetzt, der Kreditsatz blieb unverändert, die Spannung st i e g auf 414%. End« September 1931 wird der Debetsatz auf 9%, der Kreditsatz auf 414% erhöht, die Spannung steigt auf 4%%. Erst im Oktober 1932 wird der Debetsatz auf 8*4%,' der Kreditsatz auf 3%% ermäßigt, wodurch sich die' Spannung auf„nur" 4.5% reduziert. Hiebei muß noch beachtet werden, daß die Banken, die vielen Schuldnern noch höhere Sätze, als die oben angegebenen, anrechnen, jede Erhöhung des Tebetsatzes generell durchführen, während die Senkung der Debetsätze in vollem Ausmaße nur wenigen bevorzugten Großkundschasten zugute kommt, sodaß die tatsächlich erfolgte Erhöhung der Spannung noch wesentlich höher als oben errechnet zu veranschlagen ist. Vernachlässigt man diese Tatsache und geht man nur von der oben errechneten Svan- nung aus, so kommt man dazu, daß die Banken nur aus dem Titel der allmählichen Erhöhung der Spannung sehr beträchtliche Summen verdient haben müssen. Im Durchschnitt kann man bei den Großbanken mit einer Summe von je 10 bis 15 Millionen im Jahre 1931 und von je 25 bis 30 Millionen im Jahre 1932 rechnen, die sich als zusätzlicher Gewinn' der Handelsbanken präsentieren. Und auf einmal soll eine Reduktion dieser Plusgewinne für die Banken vollkommen untragbar sein? Den Danken, heißt es, geht es schlecht. Und doch kann die offensichtliche, unter dem Titel Personal- und Sachaufwand figurierende Regie, wie mehrfach erwähnt, nicht der Stein des Anstoßes sein. Hier muß noch eine unsichtbare Regie mitwirken, die allem Anscheine nach viel schwerer ins Gewicht fällt als die offensichtliche. Und dem ist auch so. Bei der Struktur unseres Geldwesens sind unsere Geldinstitute Eigentümer einer großen Anzahl von Konzernunternehmungen. Und vielen dieser Konzernunternehmungen geht es schlecht. Dennoch werden in der Jndu-' ein Herr, der einem auf Anhieb und freundlich eine Stellung vermittelte, ohne daß man— si« erinnerte sich an die„Königin Luis«"— Geld zu zahlen braucht«. Er steckte rhr die Fahrkarte m die Hand, letzte sie in die Gesellschaft dreier Mädchen und Kolleginnen, und wenn man am Zjel ankam, würde man Arbeit. Verdienst, Nahrung und Unterkunft vorfinden. Mehr konnte man nach Males Meinung wirklich nicht verlangen. Die Ankunft in Hof gestaltete sich allerdings weniger freundlich, als Male erwartete. Die Mädchen mußten sich mühsam nach dem Gasthofe durchfragen, wo man sie nicht sehr liebevoll emp, fing. Je zwei der Mädchen bekamen ein Zimmer mit zwei Betten. Das^ Essen fand sogar die doch bescheidene Mal« gewöhnlich und unzureichend. Morgens gab es schlechten Kaffe« mit einem Bröt- chen, nachmittags das gleich«. Das Mittagsmahl und das ihm gleichende Abendessen bestand sicherlich aus Küchenabfällen, denn wenn es dieselben Speisen gewesen wären, die das Hotel sonst seinen Gästen vorsetzte, hätte eS sich keine Woche halten können. Die Mädchen tüftelten oft, was sie eigentlich schluckten. Am andern Tag begann das Auftreten. Die Mädchen tanzten vor den vornehmsten Gesellschaftskreisen der Stadt. Aber Male fand, daß das Publikum auf dem Lichterfelder Rummel auch nickit gemeiner geguckt, gelächelt und gezotet hatte. Nur daß hier alle- etwas leiser und weniger auf- iällig vor sich ging. Nach der Arbeit wollten die Mädchen sich ermüdet auf ihr Zimmer zurückziehen, um schlafen zu gehen. Da aber trat der Geschäftsführer, ein dicker Bayer mit preußischem Schnurrbart und direktorialem Cutaway auf sie zu und verstellt« ihnen auf der Treppe den Weg. Wohin die Damen denn wollten? „Schlafen wollt ihr schon gehen? Das ist ja «ine ganz neue Mode! Ihr wollt wohl zu fein für die Unterhaltung der Gäste sein? Marsch, meine Damen, begeben Si« sich nach den Gasträumen. Die Gäste brennen darauf, Sie-kennen -u lernen." Die Mädchen waren so eingeschüchtert, daß sie nicht zu widersprechen wagten. Gehorsam und wortlos folgten sie der ausgestreckten Hand-es Geschäftsführers in das festsaalähnliche Gastzimmer, wo schon für jede eine Taffe Kaffee und ein Glas Likör beveitstanden. Es waren hier keine Frauen zugegen. Im Nu hatten sich um jedes der Mädchen zwei oder drei Herren gesammelt. Junge, die den großstädtischen Lebemann, und alte, die den lebenserfahrenen Genießer markierten. Male ekelt« sich vor den Komplimenten über ihren Tanz und ihren Körper ebenso wie vor den geilen Anspielungen und eindeutigen Zoten, die um>0 widerlicher wirkten, weil man doch in den Tänzerinnen scheinbar die Dame respektierte. Bebend vor Erregung stand Male nach einer Viertelstunde aus und verließ ohne Gruß daS Zimmer. Vor der Tür fing der Geschäftsführer sie ab. Was nun wieder loS sei? Male sagte, sie wolle schlafen gehen, weil sie den Ton der Herren unanständig fände. Der Geschäftsführer betonte, es handle sich um di« feinsten Herren der Stadt, denen eine aus Berlin hereingeschneite Tänzerin unmöglich den Ton vorschreiben könne. ES i«i ihre Pflicht, sich zur Verfügung der Herren zu halten. Male entgegnete, daß von dieser Verpflichtung nichts in'den Abmachungen stünde, die sie in Berlin unterschrieben habe. Sie würde sonst 'chwerlich hergekommen fein. Der Geschäftsführer wollte auffahren, mäßigte sich aber und versuchte, Males Brüste zu betasten. Das geschah auf offener Treppe. Male ließ ihn stehen und ging auf ihr Zimmer. Am liebsten hätt« sie ihm die Faust ins Gesicht geschlagen, aber sie fürchtete dadurch das Engagement zu verlieren. Am nächsten Tage bekam Male noch schlechteres Essen als ihre drei Kolleginnen und auch viel weniger als ioust. Sie hungerte. Am Abend nach der Vorstellung weigerte sie sich von vorn herein, mit den Kolleginnen in das Gastzimmer zu gehen. Sie versuchte, die Mädchen zu beeinflussen, gleich ihr zu bandeln, da dock solch« Ber« hältnisse gegen den Vertrag und auch gegen die guten Sitten s«ren. Di« Mädchen getrauten sich nicht, ihr zu folgen.* Am anderen Tage hielt eS Male vor Hunger nicht mehr auS. Sie sprach bei dem Geschäftsführer vor und bat um-en bis zu dem Tage fälligen Lohn, damit si« sich etwas zu essen kaufen könne. Der Geschäftsführer lehnt« ab und murmelte undeutlich: Wer nicht hören will, muß fühlen. Male ersucht« ihn, sich näher zu erklären. Klipp und klar sagte er ihr daraus, daß sie sich abends ohne Ziererei ,^ur Verj'igung der Herren" zu halten habe, wenn sie iatt werden wolle. Male sing an zu weinen und schrie ihm ihre Empörung ins Gesicht. Tas sei ja nichts anderes als Mädchenhandel! Er feixte höhnisch. Als sie in ihrer Erreguitg laut wurde und immer.wieder von Mädchenhandel sprach, überhäufte er sie mit wüsten Schimpfworten, die Male aber zum größten Teil nicht verstand, da sie sich fast ausschließlich auf bayerische Urlaute beschränkten. Aber io- viel begriff Male doch, daß sie hier nur bleibe« könne, wenn sie sich dazu verstand, den Wünsche« der Herren gefügig zu lein. Sie verlangte darauf, unverzüglich aus de«' Vertrage entlassen zu werden, da er nicht ungehalten würde. Sie ersuch« um sofortige Auszahlung des chr bis letzt zustehcnden Lohnes und des vertraglich festgesetzten Geldes für di« Rückfahrt. Der Geschäftsführer weigerte sich, zu zahlen r«d nannte sie eine schief« Sau. Bis zu dieser Minute hätte Male sich nicht getraut, die Polizei aufzusuchen. Aber sie fühlte ftch im Augenblick io schwer verletzt io lehr i« ihrem Rechte, so iehr einer mächtigeren Hilfe bedürftig, daß sie vom Flecke weg zur Polizei eilte, ohne.zu überlegen. (Fortsetzung sotqi.j Nr. 32 Dienstag, 7. Feber 1933 Seite 3 Kandhcsen m Posen. Warschau, 5. Fcber.(Tsch. P.-B.) Ter polnische Ministerrat hüt den Entwius eines Äartell- setze? verobfch'e'det. Der EiMvuts sicht die Begründung e neg Kancllgekichtes vor, das auf Antrag des Handcisininisters alle Kartellverträge ganz oder teilweise ausl-eben kann. Dies soll geschehen, wenn Kartellr ertrüge vollswixtschaft- lich schädlich wirke», und insbesondere, wenn sie die Preise ungerechtfertigt erhöhen oder auf einer volkswirtschaftlich schädlichen Höhe erhalten. 99 Französische Sozialisten gegen eine Koalition. Eine klare Entscheidung des Parteirates. Paris, 6. Feber. Der Nationalrat der sozialistischen Partei, also der sogenannte„Kleine Parteitag", hat gestern abend seine Tagung mit der Annahme einer von Severac-Blum ekngebrachten Entschließung abgeschlossen, in der es u. a, heißt: Rach Prüfung der politischen Lage erinnert der Nationalrat die sozialistisch« Kammersraktion an die streng« Verpflichtung, sich an die Kongreßbeschlüsse und di« Statutengrundsätze zu halten. Selbst im Falle besonderer Umstände, rönnen die sozialistischen Parlamentarier ohne Zustimmung des Rationalrate« sich nicht binden, und nur «in großer Parteitag dars über di, Be- wobci die Verkaufserlöse bei Landwirtschaft um 88 Prozent Zunahmen. Mil der steigenden Krise und den fallenden Löhnen jedoch sank der Berkausserlös vvn 1929 bi« 1981 automatisch um 27 Prozent! Da durch ein« Verkürzung der Arbeitszeit, vor allem in der Industrie, aus M Stunden in der Woche : die Zahl der Beschäftigten und damit der Vollver- brauchcr steigen würde, sollt« man auch in dieser Beziehung von agrarischer Seite vernünftiger dvrgeheu als bisher. Auch im Kamps gegen den verleuernden Zwischenhandel gehen die Interessen der landwirt- schastlichcn Produzenten und der Konsumenten kon- ! form. Welch groß« volkswirtschaftlich« Bedeutung der direkte Warenverkehr zwischen de» landwirtschaftlichen Erzeugern«ad Konsumenten hätte, geht daraus hervor, daß in Deutschland bei einem Verkaufspreis von 29 Milliarden für Agrarprodukt« di« Landwirtschaft davon nur 9 Milliarden erhält! So sehr wir einer aufrichtigen Zusammenarbeit ■ Mit den agrarischen Vertretern der Landwirtschaft da» Wort reden, so sehr müssen wir daraus verweisen, daß diese Zusammenarbeit nur auf dem Boden der Demokratie J Möglich ist. Wenn die Agrarier mit dem F a s e i§- Mus liebäugeln, wenn reaktionäre„l a n d st 8 n d i- sche" Gedanken propagiert werden und der Herr Dindirsch an die Wiedereinführung des Kurienwahl- rechtes für dir Gemeinden denkt, so trägt dies zu s einer Verständigung zwischen uns und den Agrariern i ebenso wenig bei wie die Verweigerung einer demo- ' statischen Wahlreform für die Landeskulturrät«. Die Umgestaltung der Landeskulturräte im demokratischen Sinn« muß ebenso erfolgen wie die endliche Erneuerung der Pächterschutzgesetzes! Genosse Schweichhart besprach dann eingehend ! Nufere Forderungen hinsichtlich einer Reform des Jagdgesetzes, des Exekutionsschutze« und auf dem s Gebiete des Steuerwesens. Dir Pflege des landwirtschaftlichen Bolksbildungswesens genügt noch lange nicht den gesteigerten Ansprüchen der Gegenwart; auch das ländliche Gesundheit»- und Fürsorgewesen läßt sehr viel zu wünschen übrig. Abschließend stellt« Genosse Schweichhart fest, daß nur«in« im sozialen Sinn geführte planvolle Bedarssdeckungswirtschaft, di« unter öffentlicher Kontrolle steht, auch der Landwirtschaft da» bringe» wird, was sie braucht: Absatz und stabil« Preise. Richt die Verschärfung kapitalistischer Methoden, wie sie die Agrarier wollen, bedeuten dir Sicherung der Existenz der Landwirt«, sondern di« organisch« Entwicklung zur sozialistischen Planwirtschaft.(Lebhafter Beifall.) *** s Montag nachmittags wurde die Aussprache über die letzte Gruppe fortgesetzt. Genossin Blatny dtsaßtt sich mit dem Kapitel Gesundheitsministe- stüm» wobei sic auf die Forderung nach Ausge- k^l'ung der Krankenhäuser sowie auf die cnd- ^che Beseitigung der Kulturschande von Joa- chikllsthal, die durch das Verhalten des Staates ßtgenüber den dortigen Bergarbeitern gegeben m, das Hauptgewicht legte. Wir werden die Rede doch im Auszug Nachträgen, Dienstag soll in den Abeitdstunden pro- I Bismnigemäß die Abstimmung über das Budget erfolgen. k' Die nächste Plenarsitzung soll dann erst am Mtiiag stattsinden. Tie geplante Mittwoch- lltzung entfällt, weil über das Tenkmalgcsetz für G o 8 i» und 8 t« f a n i k noch Differenzen bezüg- «ch des Grades der Ehrung, bzw. darüber bc- Wen, ob nicht auch noch andere verdient« Aänner, so der verstorbenr Ministerpräsident Tusar, einbezogen werden sollen. . Am Freitag soll dagegen bereits der AuS- lchußbericht über das AuSIieferungsbe- gehren gegen die fünf.Hakenkreuzler im Plenum aufgelegt werden; die Aussprache darüber M dann am Samstag erfolgen, vorausgesetzt, der Ausschuß am Donnerstag bereits zu k>N«m bestimmten Beschluß kommt. . Die endgültige Stellungnahme der einzelnen «oalitionsparteien zu dem Äusliefcrungibegchren ^rfte erst in verschiedenen Besprechungen im «Wfe des Dienstag und Mittwoch geklart werden. wenn in ihnen„offensichtlich unrichtige" Nachrichten enthalten find, deren Verbreitung geeignet ist, lebenswichtige Interessen des Staates zu gefährden. Di« Dauer des Verbotes kann bei Tageszeitungen vier Wochen, in andere« Fällen sechs Monate betragen. Beim dritten Verbot innerhalb dreier Monate können Tageszeitungen auf sechs Monate, andere auf ein Jahr verboten werden. Ist in einer periodischen Druckschrift, die nicht im Inland« erscheint, ein« Berössent- lichung der im 8 9 bezeichneten Art enthalten, so kann oer Reichsinnenminister ihr« Verbreitung im Jnlande bis zur Dauer von sechs Monaten verbieten. Gegen dieses Verbot ist k e i n R e ch t s» mittel zulässig. Oefsentliche Sammlungen zu politischen Zwecke« könne» von den obersten Landesbehörden Verbote« werden; das Verbot kann auf einzelne Sammlungen oder d i e Sammlung«n bestimmter Vereinigungen(!) beschränkt werden. Für die Herstellung, Verbreitung oder Aufbewahrung von Druckschriften politischen Inhalts, auf denen die vorgeschriebenen Angaben über Drucker, Druckort usw. fehlen, wird Gefängnis bis zu einem Jahr angedroht und Anzeigepflicht statuiert. Räumlichkeiten, die als Stützpunkte für politische Straftaten benützt werden, könne« poli- zeilich geschloffen werden. Protest des Reichsverbandes der deutschen Presse. Berlin, 5. Feber. Der HauptaüSschuß des Reichsverbandes der deutschen Press« hat am Sonntag in seiner Tagung in Berlin eine Entschließung gefaßt, dte dem Reichspräsidenten übermittelt wurde. Es heißt darin u. a.: „Mit starkem Befremden hat der ReichSaus- schuß davon Kenntnis genommen, daß die Reichsregierung Ihnen, Hetv Reichspräsident, eine neue Verordnung vorschlägt, die die frühere Knebelung der Preffefreiheit wieder Herstellen und anscheinend noch verschärfen will. Der Reichsverband der deutschen Preffe, in dem Journalisten aus allen deutschen Gauen ohne Unterschied der politischen Parteirichtung zusammengxschlossen sind, erhebt jeine ivarnnwe Stimme gegen einen solchen Versuch, der der Preffe die Erfüllung ihrer im Staatsinteresse liegenden Angabe«der Mitwirkung an der Bildung der öfftntlich'en Meinung unmöglich machen und nach allen Erfahrungen der letzten Jahre fein Ziel völlig verfehlen würde." * sch wer ste Gefahr bringt, wenn die Arbeiterklasse den Zeitpunkt für ihn als gekommen erachtet. Durch die Vcrordimng werden übrigens auch ausländische Zeitungen betroffen. Das Verbot der Sammlungen für politische Parteien hat den Zweck, den der Fascistenretzie- rung feindlichen Parteien zu schaden; die SA- Männer, die in den letzten Wochen mit den Sammelbüchsen durch die Straßen Berlins liefen, haben das mit Rücksicht auf die der AS nun zur Verfügung stehenden Staatskaffe nicht mehr nötig. Es ist selbstverständlich nicht zu erwarten, daß die fascistische Preffe, die noch immer maßlos gegen politisch Andersdenkende hetzt, die zum Morde auffordert, von der neuen Verordnung berührt wird.. Der Wahlkampf soll sich so abspielcn, daß die Arbeiterpresse mundtot gemacht und daß die Rechtspresse, noch unterstützt durch staatliche Mittel, ungehemmt ihre Verleumdungen ins Volk bringen kann. Das fascistische Italien hat nach der Machtübernahme durch Muffolini immerhin einige Jahre gebraucht, bis die Knebelung der anti- fascistischen Presse vollzogen war. Die Herren Papen und Hitler wollen Mussolini übertreffen. Sie vergessen, daß sie nicht Muffolini sind und daß die deutsche Arbeiterklaffe eben nicht die italienische ist. teiliguna an der Regierung beschließen. Der Nationalrat stellt fest, daß eS u« möalich ist, sich mit den demokratischen bürgerlichen Parteien über einen Regierungsplau zu verständigen, was erst kürzlich wieder zutage getreten ist. Die Kam- merfraktio» darf auf Grund der Beschlüsse der Parteitage nicht an irgendwelchen Delegationen organischen und ständigen Charakters teilnehmen, durch die die Partei festgelegt wird und die dem fundamentalen Charakter der sozialistischen Partei als einer gegen das Kapital gerichteten Klaff« zuwiderlaufe. Diese Entschließung wurde mit 2636 gegen 1070 Mandate angenommen. Schutz dem deutschen Volke“- Zurück zu Metternich! Ungeheuerliche Pressclcnehelung.— Vernichtung der Wahl- ireineii.— Aufforderung zum streik unter schweren Strafen Berlin, 6. Feber. Die bereits angekündigte Notverordnung zur verschärften Knebelung der Preffe trägt frecher Weise auch noch den Titel „Verordnung des Reichspräsidenten zum Schutz des deutschen Volkes". Sie regelt in den Abschnitten 1 bis 3 die Voraussetzungen, unter denen öffentliche politische Versammlungen und Aufzüge verboten oder aufgelöst, periodi sche Druckschriften beschlagnahmt oder ver boten und Sammlungen mit politischen Zwecken untersagt werden können. Oefsentliche politische Versammlungen sowie alle Versammlungen und Aufzüge unter freiem Himmel könne« im Einzelfall verböten werden, wenn eine„unmittelbare Gefahr" für die öffent- ltche Sicherheit zu befürchten ist. Sie können auf gelöst werde», wen« in ihnen zum„Ungehorsam" gegen Gesetz oder rechtsgültige Verordnung oder die innerhalb ihrer Zuständigkeit getroffenen An ordnungen der versaflunasmätzigen Regierung oder der Behörden aufgewrdert oder angereizt wird, oder wen» in ihnen Organe^ Einrichtungen oder leitende Beamt« des Staats oder eine Reli gionsgemeinschaft beschimpft oder böswillig verächtlich gemacht werde« usw. Der Reichsminister des Innern kann allge mein oder mit Einschränkungen für das ganz« Reichsgebiet oder einzelne Teile Versammlungen unter freiem Himmel und Aufzüge sowie das Tragen einheitlicher Kleidung, die di« Zugehörig keit zu einer politische« Vereinigung kennzeichnet, verbieten und für Zuwiderhandelnde Gefängnis strafe oder Geldstrafe allein oder nebeneinander androhe«. Die Landesbehörden dagegen dürfen derar tige Bersammlungsverbote allgemein nur für be stimmt abgegrenzte OrtSteile, sonst nur im Ein- zelsall verbiete«. Weitergehende allgemeine Verbote trete« außer Kraft. Der Reichsinnenminister kann außerdem derartige Verbote wieder auf heben. Rach§ S können periodische Druck schriften verboten werde»,' aus den gleichen Gründen, aus denen Versammlungen aufgelöst werden können, wenn durch ihren In halt die Strafbarkeit nach den Bestimmungen des Strafgesetzes oder des Gesetzes gegen den Verrat militärischer Geheimnisse begründet wird, wenn in ihnen z« Gewaltttäigkeiten aufgefordert oder angereizt wird oder wenn in ihnen Gewalttätig keiten, nachdem sie begangen worden sind, gutge heißen oder verherrlicht werden, wenn in ihnen zu einem General streik oder zu einem Streik in einem lebenswichtigen Betriebe anfgesordert oder angereizt wird, »st Noch ungeheuerlicher als die neue Notver ordnung gegen die preußische Hoheitsregierung ist die soeben veröffentlichte Verordnung„Zum Schutze des deutschen Volkes", die in Wahrheit eine Verordnung zum Schutze der Regierung vor dem deutschen Bolle ist. Sie besteht aus lauter K a u t s ch u k b e st i m mun g e n, die der Regierung nicht nur die Möglichkeit geben, nicht genehm« Versammlungen zu verbieten, Pvessemeinungen zu unterdrücken, son dern auch die Macht, unangenehme Zeitungen zu vernichten. Es können Zeitungsverbote bis zur Dauer eines Jahres verhängt werden.- Wenn Versammlungen„nach den Umstän den" eine unmittelbare Gefahr für die öffentliche Sicherheit sind, können sie untersagt werden; o b sie eine solche Gefahr sind, bestimmt die Polizei der fast ist! scheu Regierung. Sie hat auch die Möglichkeit, Versammlungen für das ganze Reich zu verbieten und das Auftreten der proletarischen Wehrverbände zu untersagen. Dem Verbot kom munistischer Kundgebungen wird, daran ist kaum zu zweifeln, nun ein allgemeines Verbot jener Versammlungen folgen, die deut Fascismus nicht paffen. Wie sehr die Regierung Angst vor einem General st reik hat, zeigt das Verbot, zu ihm in einer Druckschrift aufzufordern.„Sie wird allerdings nicht verhindeirn können, daß sie ein Generalstreik in die Kur Frage der SelbWudigea- Versicherung ^ahm Genoffe S ch w e i ch h ä r t in der Bndget- ^batte namenS unserer Partei einen durchaus essitiv e n Standpunkt ein. Es ist wohl über- Mffig zu sagen, erklärte er, daß wirSozialdemo- ftfiten ganz unschuldig daran sind, daß die Selb- iMiaenverficherung noch immer nicht Gesetz ist. Mir haben auf deren Notwendigkeit um so mehr Angewiesen, als 71 Prozent aller Landwirte ^leinlandwirte sind, die sich ein selbstän- ?'sses, auskömmliches Ausgedinge meist nicht ülsten können, abgesehen davon, daß das Aus- Winge recht häufig zu Streitigkeiten zwischen Men und Jungen, ja zu Totschlag und Mord mhrt. Wir würben es also nur begrüßen, für die selbständigen Landwirte und Gewerbetreibenden eine angemessene gesetzliche Mer-versicherung bald Platz greifen würde! kobzinck und Gajdl werden ausgeliefert. Wie die„Lidov« Noviny" aus Belgrad melden, haben die jugoslawischen Beböüen den Wunsch-es tschechoslowakischen Außenmmt- steriums nach Auslieferung der Anführer des Brünner Putsche?, Kobzinek und Gajdl, geprüft und sind nach gründlicher Untersuchung zur Auffassung gelangt, daß die Verfolgten als lästige Ausländer zu betrachten und der Tschechoslowakei auszuliefern sind. Die beiden Genannten werden in den nächsten Tagen in die Tschechoslowakei geschafft und den tschechoslowakischen Behörden übergeben werden. rin sozialdemokratischer Bürgermeister ermordet. Der Mörder ein siebzehnjähriger Nazi. Staßfurt, 5. Feber. Der erste Bürgermeister der Stadt, Kasten, der als sozialdemo- kratischer Abgeordneter den Wahlkreis Magdeburg im preußischen Landtag vertritt, wurde am Samstag abend von einem 17jährigen Gymnasiasten erschossen. Nach einem Umzuge der NSDAP und des Stahlhelms war es am Samstag zu politischen Reibereien gekommen, bei denen«n Arbeitersamariter verletzt wurde. Bürgermeister K a st e n ließ darauf eine Person verhaften und vernahm dies« im Rathaus«. Als er sich dann in seine Wohnung begeben wollte, trat ihm ein 17jähriger Gymnasiast entgegen und schoß ihn mit den Worten:„Mann, jetzt heißt es abrechnen!" nieder. Kasten wurde sofort operiert, erlag aber nach einigen Stunden seiner schweren Verletzung. Der Schüler wurde festgenommen. Di« Polizei und die Magdeburger Mordkommission stellen gegenwärtig Untersuchungen an, ob an der Tat noch weitere Personen beteiligt sind. Blntopfcr ohne Ende. In Chemnitz ereigneten sich anläßlich einer Kundgebung der Eisernen Front am Sonntag Nachmittag Zusammenstöße zwischen Mitgliedern des R e l ch s b a n n e r s und Nationalsozialisten. Ein Reichsbannermann wurde getötet, zwei weitere wurden schwer verletzt. Mehrere Retchsbanuerleute und Nationalsozialisten erlitten leichtere Verletzungen. In Gladbach- Rheydt überfielen mehrere Nationalsozialisten Montag früh ein überwiegend von Kommunisten bewohntes Barackenlager. Di« Bewohner sollen mit Schußwaffen bedroht worden sein. Um dieselbe Zeit drangen bisher unbekannt« Tater in das Antifa- HauS ein, wo sie di« gesamte Einrichtung zerstörten. Nach einer Demonstratio« der„Eisernen Front" kam es in Breslau am Sonntag in verschiedenen Teilen der Stadt zu schweren Zwischenfällen, di« ein Todesopfer und mehrere verletzt« forderten. Nachmittags gegen drei Uhr wurde ein Student, der das Abzeichen iw „Eisernen Front" trug, durch Stiche so schwer verletzt, daß er bald nach seiner Einlieferung ins KrankenhmlS starb. Unter dem Verdacht der Tat sind zwei Personen festgenommen worde«. In der Kölner Altstadt kam es in der Nacht auf Montag zu einer Schießerei, angeblich zwischen Kommunisten und Rationalsoztalisten, bei der vier Personen verletzt wurden, darunter zwei Männer durch Bauch- und Brustschüffe und eine Frau durch einen Rückensteckschutz so schwer, daß sie im Krankenhaus sofort operiert wurden. Die Wirtin des kommunistischen Verkehrs- lokalS„Pappschachtel" in der Rubensstraße in Berlin-Schoneberg, Anna Röde, die am Sonntag bei einem nationalsozialistischen Ueberfall auf das Lokal durch einen Bauchschuß schwer verletzt wurde, ist noch im Laufe der Rächt im Krankenhaus ihren Verletzungen erlegen Duisburg- Hamborn, 6. Feber. Bei der Beerdigung des bei den Homberger Unruhen erschossene» SA-Mannes Pfaffenrath wurde der Zug der Nationalsozialisten anscheinend vom Eisenbahngelände aus, salvenartig beschossen. Die Meng«, di« auf der Straße Spalier bildet«, stob panikartig aus einander. Hiebei kamen viele Personen zu Fall. Bei dem Feuerii verfall sind, wie bis jetzt feststeht, ein« Zivilperson getötet und acht Personen verletzt worden. Sonntag nachts wurde in Bochum-Gerthe der SA-Führer P a ß m a nn durch fünf Pistolen- schüssc getötet. Vierzehn Dartelen! Die Rummernsolge der Reichswahllfften. Berit», 6. Feber. Der Reichsiunenminister hat die Rummernsolge der einzelnen Parteien zur bevorstrhendeu Reichstagswahl aus der Reichswahllist« wie folgt festgesetzt: 1. Nationalsozialistische deutsche Arbeiterpartei, 8. Sozialdemokratische Partei Deutschlands, 8. Kommunistisch« Partei Deutschlands, 4. Deutsch« Zentrums- partei, 5. Deutschnational« BolkSPartei, 6. Bayrische Volkspartei, 7. Deutsch« BolkSPartei, 8. Christlichsozialer Bolksdienst, S. Deutsche Staatspartei, 1«. Deutsche Bauernpartei, 11. Landbund sWürttember- gischer Weingärtnerbund), 18. Deutschhannoverani- sche Partei, 13. Thüringischer Landbund, 14. Reichs. Partei des deutschen Mittelstandes sWirtschasts- partri). Cs sind entschiedene Bestrebungen auf Listenverbindung kleinerer Parteien im Gange, die das Ziel verfolgen, all« für diese Parteien abgegebenen Stimme« zu verwerten. Seit« 4 Dienstag, 7.^eber 1938 Nr. 32 Schwärzeste Reaktion. Genosse Harns»! Ober den isdiediistiien Fascismus. In scharfer Weise wandte sich Genosse Aba. Hampel, der Vorsitzende der tschechischen sozial demokratischen Partei, in seiner letzten Parlamentsrede gegen G a j d a und sein« Leute: Unser Fascismus, welcher durch den Brünner Putsch in intensiverer Weise die Aufmerksamkeit auf sich gelenkt hat, ist daS Produkt einiger F a k t o r e n; es wäre falsch, über sie zur Tagesordnung überzugehen. Einerseits ist es das Suchen nach neuen Göttern in einer Zeit scharfer wirtschaftlicher Not und starker Unzusrie- deicheit, andererseits ist es der Fall Gajdas, der mit freundlicher Hilf« einiger politischer Parteien außergewöhullche Schwierigkeiten hervorries, obwohl«r ganz kurz und rücksichtslos hätte liquidiert werden sollen. Es sind die Reste eines verwundeten Nationalismus aus der Zeit, wo wir von Oesterreich beherrscht wurden. Politisch rpräsentiert diese Richtung bei uns die schwärzeste politisch« und faiale Reaktion. Der Brünner Vorfall ist ein Memento, über welches wir nicht zur Tagesordnung übergehen können. Es ist ein Angriff auf die demokratische Einrichtung des Staates und den Staat selbst und bei wohlwollendster Beurteilung ein Inzident, welches in einer schwierigeren Situation das Signal zum allgemeinen Chaos hätte werden können. Nach unserer Ansicht verlangt es das Staatsinteress«, daß die Schuldige« strmg bestraft, vornehmlich aber, daß di« intellektuellen Urheber bestraft werden. Die verantwortlichen Funktionäre im Staate müssen vollkommen deutlich erklären, daß die fascistische Bewegung mit dem staatlichen Gedanken unvereinbar und daß es notwendig ist, an allen Stellen, sei es in den Aemtern oder in der Armee, die notwendigen Konsequenzen daraus zu ziehen. Gehässige Angriffe aut Ute Konsumvereine. Genaffe Schweichhart kam am Samstag in seiner Budgetrev« u. a. auch auf die gäiHlich ungerechtfertigten, ja gehässigen Angriffe zu sprechen, ine der Deuffchnationale Dr. K eibl im Ausschuß gegen die Konsumvereine unternommen hat. Schweichhart hielt ihm vor, daß die Konsumvereine gemeinnützige Institut« sind, die gerade den ärmsten Schichten die wertvollsten Dienste leisten. HuNderttaNsende Arbeiterfamilien erhalten in den Konsumvereinen nicht nur gute Ware bei vollem Gewicht und billigsten Preisen, sondern auch Rückvergütungen, die jährlich oft Hunderte Kronen betragen. DaS alles bedeutet in der jetzigen Elendszeit eine wahrhaft soziale Tat. Die Konsumvereine durch Stenern leisMngsunsähig machen zu wollen, wie es auch die Hakenkveugker in Deutschland versuchen, wäre ein direkter Raub an den Aerm- st e n d« r A r m e n. Dazu kommt, daß den Konsumvereinen auch viele Mitglieder aus den Kreisen der Angestellten, Gewerbetreibenden und kleinen Landwirte anyehöven,-daß man also auch disfe Schichten schwer schädigen würde. Wie stellen sich überdies die Herren K«i b l und Geyer eine Planwirtschaft, deren Vorbereitung. sie beantragt haben, ohne di« breite Grunblagc der Konsumvereine und der landwirtschaftlichen Genosienschaften vor? Ku unerquickliches Kapitel! Di« staatliche Subventionswirtschast. Di«' am Samstag von Genoffen Müller Angeführten Beispiele für die Mißwirtschaft, die mit den staatlichen Subventionen vielfach getrieben wird, wurde später in der Budgetdebatt« durch Genossen Schweichhart durch eine Reihe von Beispielen aus dem Wirkungskreis des LandwirtschaftSminffteriums zu einem Ge- sambtbild ergänzt, das auf die staatliche Subventionierungspolitik ein mehr als schiefes Licht wirft.. Wir sind keine Feinde der staatlichen Uuter- stühunq der Landwirtschaft, erklärte Genoffe Schweichhart, aber es darf niemals so weit kommen, wie bei der Osthilfe in Deutschland, wo die Großagrarier sich vom Staate geradezu äushalten laffen. Ich könnte eine lange Liste vorgekommener notorischer Ungerechtigkeiten feststellen. Bei den Auszahlungen von Unterstützungen für Elementarschäden kam es z. B. im K a p l i tz e r Bezirk vor, daß Christlichsoziale und Laichbündler bevorzugt wurden. Dieser Skandal, daß das Par- tekbuch enffcheDend fft, muß endlich einmal aushören. Wir werden das uns vorliegende Material an den Landwirtschastsminffter weiterleiten und Abstellung dieser ProtektionSwirffchaft verlangen. Dadurch, daß man i« den Landeskulturräten absichtlich di« landwirtschaftlichen Be- zirksverbändc bevorzugt, an deren Spitze regelmäßig politisch« Sekretär« stehen, schädigt man bewußt di« selbständige« Kleinbauern, organisationen. Dies« Sekretäre sind Werkzeug« der Agrarier, di« sich nicht scheuen, offen zu sagen: Sozialdemokrat«« bekommen keine Subventionen. Ebenso scharf werden wir gegen die Methode auftreten, daß bei Vergebung von Subventionen r. B. an Molkereien die Bedingung geknüpft wird, daß die Maschinen bei einer bestimmten Prager Firma bestellt werden mußten. Durch dies« Verquickung von Subventionen mit ungehöriger einseitiger Protektion wird der Wert von Subventionen sehr illusorisch! Vom Randhmk Empfehlenswertes«rS verr Programm«» Mittwoch: Prag: 8.18: Gymnastik. 11: Schallplatten. 16.10: Orchesterkonzert. 17: Marionettentheater. 18$: Deutsche Sendung: Bericht vom Arbeitt' markt. Arbeiterfunk: Lichtwitz: Reu« wertvck» Bücher.— Brünn: 18.25: Deutsche Sendung: Dr. Strecker: Die Entwicklung der Aquaristik. 19.20: „Salome", Oper von Strauß.— Berlin: 15.35: VolkÄied-Drett«. 18: Biolimnusik.— Mühlacker 22: Marionettentheater.— Königsberg: 18.30: Liede«stunde. 20:„Die Hochzeit des Figaro", Opa von Mozart.— Leipzig:„Die Glucksreiieri»', Operette.— München: 19.25: Chorgesang. 21- Ovchesterkonzert.— Wie«: 19.25: Uebertvagung aut der Staatsoper. 22.15: Barmusik. Billancourt ereignete sich heute vormittags«in« schwere Explosion. Bis jetzt zählt man acht Tot« und etwa hundert Verletzte, darunter 30 Schwerverletzte. Tagesneuigkeiten Prag- Vräovice-Zahradky, ein unbekannter Mann an klein« Jnoustriestädtchen Barchseid im WerraÄÄ J“"~*■'*“ Festzug, Rummel und Tanz di« Personen beschränkt Werder^ Es wurde ein Telegraphist der Heeresverwaltung in Wien verhaftet. Gleichzeitig mit ihm wurden noch einige Personen in Gewahrsam genommen. Die Gerichte haben di« Boverhebungen eingeleitet. Im Interesse der Untersuchung fft die Angelegenheit bisher streng geheim gehalten worden. Wie das zitierte Blatt weiter meldet, haben sich die Spione des Chiffren- schlüfsels bemächtiat, der bei der telegraphischen Verständigung der einzelnen militärischen Stellen in Oesterreich in Verwendung stand. über die Ursache des Unglückes em. Es scheint, daß der Keffel überheizt war. Der Grund der Kesselexplosion scheint die z« große Spannung gewesen zu sein, welche durch die hohe elektrische Energie deshalb verursacht wurde, weil in einem Teil der Fabrik ein« Stö- und der werden Maskierte Räuber. Prag, 6. Febsr. Ein frecher Raubüberfall, stark an amerikanische Vorbilder erinnert, sich heut« nachmittag in der Revolutions- W Tote und hundert Verletzte in einer Variier«ntafavriE. Paris, 8. Feber. In der Elektrizitätszentral« einer Autofabrik auf dem Kai rung in der elektrische« Leitung«intrat ganze Betrieb mit Rotstrom versorgt mnßte. * Ku Tank explodiert. Th« Dalles(im Staate Or«gon), 6. Feber. Gestern explodierte hier ein Tank mit Kreosot, wodurch in der Eisenbahnschwellen-Fabrik der Pacificbahn ein Brand verursacht wurde. Der Schoden wird auf eine halbe Million Dollar geschätzt. Ku RaubSberfall tu Prag. Am Abend des 4. Feder klopfte an einem Fenster des Häuschens der Frau Karla B r t h e t, Prag- VrSovice-Zahradky, Block E, Kat.»Nr. 72, ein unbekannter Mann an und verlangte Einlaß. Zuerst führte er als Grund seines Besuches an, er bringe für den Gatten eine Harmonika und bat dann, als ihm die Frau nicht öffnete, um eine Schal« Kaffee und em Stück Brot. Daraufhin wurde ihm Einlaß gewährt. Als der Mann beim Men saß und chm die Frau einen Augenblick den Rücken kehrte, stürzte er sich auf die Frau, warf sie auf das Bett und würgte sie. Frau Brthel gelang es ccher, sich aus den Händen des Mannes zu befreien und um Hilfe zu rufen, worauf der Angreifer die Flucht ergriff. Die polizeiliche Untersuchung stellt« fest, daß eS sich um einen gewissen Anton P o n« r, 1910 in Brochin, Bezirk Brandys, geboren, der auch als Deserteur gesucht wird, handelt. Der Täter trägt einen blauen Anzug ohne Ueberrock und Hut. Die Nachforschungen werden fortgesetzt. Sie Forschungen in der Mazocha bei Brünn. Der unterirdisch« Lauf der Punkwa zur Gänze gefunden. Am vergangenen Sonntag gelang es Prof. Absolon und seinen Mitarbeitern, in den Hohlen der Mazocha bei Brünn die letzte Verbindung der unterirdisch fließenden Punkwa mit der Mazocha zu finden. Die in den letzten Tagen einsetzenden lleberschwemmungen haben die Forschungsarbeiten sehr erschwert. Durch Erweiterung der Pum- penanlage gelang welche unbemittelt« Hochfchülcr mit fr«i«n MitragcW beteilt werden. Gesuch« um Beteiligung sind biSgK testens Dienstag, den 28. Feber 1933 auf den votgs' schrirbenen und mit Mittellosigkeits- sowie fungszeugniffen belegten Gesuchsformularen in dst Vereinskanzlei Prag ll., Krakovskä 18 einzubrin-rp Die näheren Auskunft« sind ans den Anschlägen jff- schwarzen Brett in den verschiedenen Hochschnlgebas' den zu ersehen. Die notwendigen Gesuchs- und tellosigkeitSformnlare sind in der Bereinskanzlei bei den Studentenheim-Portiers erhältlich. UnvpA ständig belegt« oder verspätet Eingebrachte GesE können nicht berücksichtigt werden. der hat straße ereignet. Drei maskierte Männer drangen kurz nach vier Uhr in die Prager Ber- kaufHentral« der Firma„Deli", in im Zwi- schenoeschoß des Hauses Nr. 4 in der Revolu- tionsstrahe untergebracht ist, ein und raubten 2000 Kronen. I».den Büroräunüichckeiten arbeiteten drei Beamte. Einer von ihnen öffnete einem maskierten Mann auf sein Läuten die Tür; dieser zwang ihn mit vorgehaltenem Revolver, noch »Wei Maskierte eintreten zu lassen. Di« Räuber stießen die Tür zu dem Arbeitsraum auf, trieben die Beamten in ein« Ecke und zwangen sie, di« Kassenschlüssel herauSzugeben. Bevor sie jedoch di« Kassa öffneten, durchschnitten sie die Telephonleitung. Während einer der Räuber die Beamten, die mit erhobene» Händen stehen bleiben mußten, bewachte, öffneten die übrigen zwei die Kasse und entnahmen ihr etwa 2000 K. Nachdem sie noch di« Schreibtische und Schubladen nach Geld durchsucht hatten, verließen sie das Büro. Sie sperrten die Türe ab; vor die Wohnungstür, zu der sie keinen Schlüssel fanden, legten sie ein Borhängschloß, das sie zu diesem Zweck mitgebracht hatten. Di« Räuber, die sich nur etwa zehn Miuu- ten in dem Büro aufgehallen hatten, hatten das zwett« Büro, wo die Hauptkaffe steht, und in der ein viel größerer Betrag als in der ausgeraubten Kaffe lag, nicht beachtet. Doch Brandstiftung ans der »Alanttgne*'? Paris, 6. Feber.„Matin" beschäftigt sich heute wiederum mit der Frage, was die Ursache des Brandes aus der„Atlantique" gewesen sei. Obwohl die vom Ministerium für die Handels marine eingesetzt« Untersuchungskommission sei nerzeit zu der Schlußfolgerung gekommen war, daß allem Anscheine nach der Brand des Ueber- seedampfers„Atlantique" durch Kurzschluß ver ursacht worden sei, ist, wie das Blatt erklärt, die unter Leitung des Direktors des Seehafenamtes von Bordeaux stehende Kommission zu dem Schluffe gekommen, daß der Brand der„Atlanti- que" unbedingt ans«inen Sabotage- Akt zurückgehen müsse. Die Angelegenheit sei nunmehr der Staatsanwalffchaft in Bordeaux zur wetteren Untersuchung übertragen worden. Uebernormale Temperatur. Die Nachmittags temperaturen erreichten Sonntag in der ganzen Westhälfte des Staates und in den Niederungen plus 10 bis plus 13 Grad Celsius. Auch aus den Bergen herrschte Tauwetter und die Schneedecke hat auch in den höheren Lagen bedeutend abgenommen. Im äußersten Osten der Republik ist die Erwärmung nicht eingedrungen. In der Osfflowakei und in Karpathorußland be trugen die Temperaturen Montag früh noch ruiw Null Grad. Der Zufluß warmer Luft an der Südseite der ozeanischen Druckdepression wiü> bei uns voraussichtlich den Fortbestand übernor maler Temperaturen veranlassen. Die Tempera turen in Prag betrugen gestern: Um 8 Uhr plus 8.6, oas Minimum der letzten Nacht plus 7.9 Grad. Wahrscheinliches Wetter heute: Unbeständig, ohne größere Niederschläge, relativ warm, Wind aus westlichen Richtungen. Eisgang auf der Moldau. Die obechalb Prags 'angesammelten Eismassen sind rm Laufe des Mon tag-Bormittags abgegangen und das Wassernideau fft ausgeglichen. Der Wasserstand auf der Moldau und ihren Nebenflüssen erfuhr keine bedeutenderen Aenderungen, er befand sich größtenteils in mäßi gem Sticken oder fft gleichgeblieben.-In Prag ist vorläufig ein Steigen der Moldau nicht zu erwarten. Di« Mittel- und Untevellbe werden noch steigen. Der Waffevfpiegol der Eger fft bereits in dauerndem Sinken. Das Hochwasser erreicht voÄäusig keine katastrophale Höhe. Verhaftung der Pardubitz« Einbrecher. Samstag abends verhaftete die Polizei in Parou- bitz di« Täter des Einbruches in die Lagerräume der Firma Bratri Zikmundove-Prag, Pardubitz, Prager Gass«, wo iu der Nacht zum 2. Feber große Mengen Triebstoffe entwendet wurden. Es handelt sich um Josef 8 t«k l aus Jesanöanh, «WIWMIIMIlIlIlIIIWIIWNMMII>W>UI»WMIIIIIIWIII»IMIWI«IIIIM!IIIWMMI«tIlWIWIIIIWIINIIIII»»»IIUWWWIIIIlIlIIIWI»>IN>IIIIIIIlIIIIIIlI>Il>E Meuterer entsühreu ein Kriegsschiff. Reue Rebellion iu RiederlSudisch-Iudien. Borsprung von etwa drei Stunden. Der daran" hat Anweisung erhalten, dem Panz^^' kreuzer stets in eitter Entfernung von 5^ eC> meilen zu folgen. Nach einem Funffpruch sind die Meutert bereit, 24 Stunden vor der Ankunft im Flotten' stützpunkt Sörabaja den Kommandanten und b*? restlichen Teil der Besatzung mit den üblichen Ehrenbezeugungen wieder an Bord zu nehmen- Gleichzeitm ist von der„Zeven Provincien" clIt Funkspruch a^egangen, der an die Wt presse gerichtet ist. Darin heißt es, daß Borgehen der Besatzung als Protest gegen ungerechtfertigte Besoldungskürzung und als W* geltungsmaßnahme für die Verhaftung 5 Verwundeten gegeben. Nr. 32 NenStag, 7. Feber 1983 Seite 8 Sine Woche Hiller! Auch bei uns ist die Zahl jener, die sich nach der Herrschaft des NattonalsorialiSmus sehnen, nicht gering. Die Mehrheit dieser Befürworter der hakenkreuzlerischcn Diktatur wird von dem Irrwahn beherrscht, daß der Nationalsozialismus Brot und Frieden bringen werde. Sie haben Gelegenheit, an den Ereignissen in Deutschland zu lernen. Eine Woche nur besteht das Regime Hitlers und schon kennt man seine Tendenz. UnveMümt sagen die führenden Nationalsozialisten, was Hitler und sein Generalstab will: Niederringung der kommunistischen Bewegung, Vernichtung der Gewerkschaften, Ausschaltung der Arbeitermassen im politischen Leben durch Ver- stümmelung des Wahlrechtes mit Hilfe einer Notverordnung! Das ist für Hitler das nächstliegende Programm. Bleibt den Nationalsozialisten die Macht, dann werden sie ihre Pläne gegen die Arbeiterschaft vollbringen. Daneben ist wohl das bemerkenswerteste Ergebnis der Hitlerregierung ein Haufen Toter und Schwerverwundeter, die von den Äugeln und andern Mordwaffen der nunmehr in voller Freiheit mordenden Hitlersoldaten erreicht wurden. Der bisherige Erfolg der nationalsozialistischen Macht im Deutschen Reiche besteht in der gewalttätigen Beseitigung politischer Recht« und dem Angriff« auf Parteien und Gewerkschaften, ohne die di« Weiterklasse schutzlos bst. Daneben aber wütet der Bürgerkrieg und fordert seine Opfer. Ströme von Blut, politische Unfreiheit, das ist vorläufig das sichtbare Ergebnis d«r Hitl«rmacht. Brot und Arbeit für alle zu schaffen, wird auf eine spätere Zeit verschoben, das ist auch gar nicht so wichtig für«ine Regierung des Großkapitals. Dem Bierjahresplan soll dies überlasten bleiben, noch mehr aber der A r b e j t s- d i e n st p f l i ch t, die für die deutsche Arbciter- llass« vorbereitet wird. Arbeitsdirnstpflicht, bei der die Soldateska Hitlers, die nunmehr auf ihren Lohn wartet, das Amt des Tklavenauf- fchers innehaben wird. So sehen wir die Tragödie, die zum Teil von schaffenden Menschen mit verschuldet wurde, «brollcn. Wenn wir unserer Aufgabe als Partei des Klaffenkampfcs gerecht werden wollen, dann wüsten wir unsere Langmut gegenüber den Fascistrn in unserem Lande abstreifen, dann Mästen wir darangchen, den Notionalsozialismns al! ein« Bewegung des Kapitals, zur Rettung seines Systems, anSzurotten. Schütz«» wir uns und die Zukunst vor dem Nanonalsozialismus, dann schützen wir die Arbeiterklasse vor schweren Gefahren, dann erfülle»» wir untere Pflicht als Verteidiger der Demokratie als Streiter des Sozialismus! „..Beim schmuggeln-rsihostry. In der Umgebung Von Lutzmainutdorf,im Burgentand wo schon«knigc Schmuggler ums Leben kamen, überraschieu österreichische Zollbeamte ein« mehrgliedrig« Schmuggler« buche, die sich auf dem Woge aus Ungarn in der Richtung gegen Frankenau befand. Da die Schmuggler die Flucht ergriffen, machte die Zollwache von der Scht'ßwaste Gebrauch. Ein Schmuggler, der Hilfsarbeiter Kovai aus der Gemeinde Sie- ltttsdorf, wurde tödlich verletzt und stqvb wenige Augenblicke später. • Nach dem Glanze das Grauen. Der 84jährigc Varon Gustav Mertens, der im Kriege durch Erbschaft nach der Familie Wenckheim In den Besitz eines Vermögens von 300 Millionen Frie- dcnskroncn gelangt war. wohnte seit einigen Dohren infolge gänzlicher Verarmung mit seiner »rau im Lainzer Brrsorqungshaus. Da seinem Ansuchen, ihm ein separiertes Zimmer zu überästen, nicht stattqcgebcn worden war, entschloß sich der Greis, seinem Leben ein Ende zu bcrci- bin Millionär als Aussehenerregende Schmuggelassare Aus Weipert wird uns berichtet: Durch die starke Zunahme des unerlaubten Rauschgifthandels in Prag.und in einigen größeren Städten Nordböhmens sahen sich die Behörden genötigt, besonders scharf« Ucbxrwachungs- nwßnahmen zu ergreifen und iusbesondere den Grenzgebieten, die für die Einfuhr von solchen Giften in Frage kommen, erhöhte Aufmerksamkei: zuMvenden. Durch wochenlange, unauffällige Beobachtungen und Ueberwachung Polizeibekannter Kokainisten gelang es, ein« Spur festzustellen, di« noch Weipert führte. Der Verdacht, zu der Pascherorganisation zu gehören, verdichtete sich nach und nach unter anderen gegen einen sehr vermögenden Industriellen, der mit seinem Personenauto regelmäßige Fahrten nach Prag unternahm und nun scharf beobachtet wurde. Es gelang einem d«r Detektiv«, sich das Vertrauen des Beobachteten zu erwerben und sich mit ihm anzufreunden— und eines Tages, der Verdächtige äußerte sich, geschäftlich wieder Nach Prag fahren zu mästen, bat der Detektiv den Monn, ihn doch mitzunehmen, da er gerne etwas in Prag erledigen' wollte. Ahnungslos sagt« der Beobachtete zu... bevor aber der Kraftwagen Weipert verließ, wurde eine an der Strecke gelegene Behörde von feiten des Detektivs in Kenntnis der Situation gesetzt, und an einer vorher bestimmten Stelle lüftete der Beamte seine Maske, d. h. er legitimiert« sich dem verblüfften Industriellen als Detektiv und nahm mit den auf Posten stehenden Finanzwachleuten ein« Durchsuchung des Autos vor. Das Ergebnis ten. Er begab sich in den Heinrichshof auf der Ringstraße, wo er früher gewohnt hatte, und jagt« sich im Hausflur eine Revolvcrkugel durch den Kopf. Er wurde nur mehr als Leiche aufgefunden. Mordversuch an der Schwester und Selbstmordversuch. In F r e i st a o t erschien in der Wohnung seiner verheirateten Schwester Marie Kremer deren Bruder, der Straßenbahnange- stcllte Josef Martine!, und.stellte sie wegen geringfügiger Familienzwistigkeiten zur Rede. Gleichzeitig zog er aus seiner Tasche einen Trommelrevölver. Als dies die Schwester sah, flüchtete sie zu einer im selben Hause befindlichen Nachbarin. Der Bruder lief ihr nach und feuerte aus sie drei Schüsse ab, deren einer di« Kremer in die Stirne traf und in der Schädeldcckc stecken blieb,-die anderen zwei Projektile gingen in die Mauer. Nach dieser Tat wandte Martine! die Waffe gegen sich und schoß sich eine Kugel in den Kopf. Blutüberströmt stürzte. Martinek zu Böden. Am Tatort erschien sofort der Stadtarzt und eine gerichtliche Kommission. In bewußtlosem Zustande wurde Martinek in das. Oderberger Krankenhaus gebracht. Seine Schwester, di« trotz der schweren Verwundung sich noch bei vollem Bewußtsein befand, konnte sofort einver- nommen werden. Sie wurde dann zur Operation in das Werksspital nach Karwin gebracht. Beide schweben in Lebensgefahr. Di« Großmutter ermordet. Der 20jährige Ernst Ruß aus Wiesbaden, ein ehemaliger Fürsorgezögling, hat, um in den Besitz von Mitteln zum Besuche eines Maskenballes zu kommen, seine 80jährige Großmutter in ihrer Wohnung überfallen. Als die alte Frau, sich zur Wehr setzte, brachte chr der Bursche schwer« Verletzungen bei, an deren Folgen sie am Sonntag früh gestorben ist. Ruß, der zwölf Reichsmark entweichet hatte, wurde einige Stunden spät«r in einer Wirtschaft verhaftet. Rauschgifthandler au der bShmlsch-Mfifchen Grenze. einsprach den Erivartungen: schon nach kurzer Durchsuchung wurden größere Mengen von Kokain vorgefunden. Es erfolgten rasch noch einige Verhaftungen und nach kurzem Verhör hatte man auch die Mitbeteiligten festgestcllt, ebenso wie eruiert werden konnte, daß Rauschgift aus Sachsen bezogen worden und von Weipert aus nach Prag, Teplitz- Schönau und anderswohin schon seit langem befördert worden war. Gegen Erlag einer größeren Summe wurde der Industrielle zwar auf freien Just gesetzt, aber es erwartet ihn eine hohe Geldstrafe. Die Nachricht, die sich„unter dem Siegel der Verschwiegenheit" wie ein Lauffeuer verbreitete, erregte ungeheures Auffehen, denn in der Stadt Weipert hatte kein Mensch den leisesten Verdacht, daß der als Millionär angesehen« Industrielle sein Vermögen nicht durch sein« Fabrik, sondern durch unerlaubten Rauschgifthandel erworben hatte. Gerade in diesen Tagen wird übrigens das international« Abkommen über Rauschgifthandel in Genf ratifiziert werden, wonach bei nachgewiesenem unerlaubten Handel mit diesen Giften unbedingt auf Zuchthaus und Geldstrafe zu erkennen ist, so daß endlich der unmögliche Zustand sein Ende findet, daß ein Rauschgifthändler durch Bezahlung einer(allerdings in jedem Fall enormen) Summe der Gefängnisstrafe entgeht und gleichsam den ihm verbliebenen„Rest" seines Vermögens dann als legalen Besitz betrachten kann. Eberhard Maikowski Der Mann, dem die Reichsregierung das Staatsbegräbnis bereitet«. Dem bei einer unglückseligen Schießerei in Berlin-Charlottenburg ums Leben gekommenen SA-Führer Eberhard Maikowski hat die Reichs- regiemng ein Staatsbegräbnis bereitet. Es ist immerhin selten in Deutschland, daß die letzte Ehre zu einer so öffentlichen gemacht wird. Es muß einer schon sehr viel für sein Volk geleistet haben, um so vor allen anderen ausgezeichnet zu iverden... Maikowski war lange Führer des berüchtigten Mordsturms 33, dessen bunt« Chronik im Sturm dieser Zeit nicht verloren gehen sollte: Am 22. November 1930 drangen zwanzig „Drerunddreißiger" in den Charlottenburger Eden-Palast ein, in dem gerade Mitglieder eines Ärbeitersportvekems«in Tanzvergnügen abhielten. Drei Arbeiter tvurden zum Teil schwer ver- letzt...— Bier Wochen später überfielen mehrere Mitglieder des Sturms 33 in Berlin-Charlottenburg die Brüder Riemenschneider und stochen sie nieder.— In der Nacht zum 29. Jänner 1931 wurde der Arbeiter Max Schirmet, der in einem SA-Berkehrslokal ein Glas Bier trinken wollte, hinterlistig ermordet; als der Staatsanwalt die Mörder mit je zwei Jahren Gefängnis bestraft wisten wollt«, meinte einer der Angeklagten:'„Für zwei Jahre Gefängnis lohnt es sich schon, ein Kommunistenschwein abzustechen."— Zwei Nächte später wurde der Arbeiter Otto Grüne berg von Mitgliedern des Sturms 33 erschaffen, einem anderen Arbeiter wurden lebensgefährliche Stiche in den Unterleib beigebracht. Am 9. Dezember 1931 wurde der Arbeiter Walter Lange erschaffen; zwei Arbeiter erlitten schwer« Verletzungen. Täter: fünf SA-LeUte. sämtlich Mitglieder vom Sturm 33. Aus Zeugenaussagen war ersichtlich, daß zumindest drei der Wieder Hodiverratsprozefi In Polen. Warschau, 5. Feber.(Wolff.) In Wilna Murde ein politischer Prozeß gegen ein« Anzahl von polnischen Staatsangehörigen tveißrustischer Nationalität durchgeführt, die angeblich Bestrebungen zur Losvcitzung mehrerer Provinzen von Polen und deren Anbiederung an die Sowjetunion verfolgt haben. Drei Hauptangcklagte erhielten Zuchthausstrafen von drei und zwei Jahren. Tät«r Schüsse abgegeben haben müllen. Das Gericht glaubte aber dem Sturmführer Maikowski, der aus weiter Fern«, in di« er geflüchtet war, einen Brief schrieb und mitteilt«, daß er sämtliche Schüsse selbst abgegeben habe. Es ist derselbe Maikowski, dem dir Reichsregierung das Dtaais- begräbnis bereitet hat. Soweit bei den hier verzeichneten Schandtaten des Mordsturms 33 di« Täterschaft der SA ointvandfrei feststand, wurde si« von» Gericht mit mehr oder minder geringe»» Gefängnisstrafen geahndet; nur die Grüneberg-Mörder wurden zu Zuchthaus verurteilt. Begreiflich, daß dir Mit- Äieder des Mordsturms 33 auf Rache sannen. In der Berliner Röntgenftraße, wohin SA 33 im Lauf des Jahves 1932 ihr Verkehrslokal verlegt hatte, beschoffen die Mordstürmer eines Abends mehrer« Arbeiter; unter dm Täter»» soll auch Maikowski erkannt worden sein. Die Polizei ging hier aber ebenso— zurückhaltend an die Verfolgung der Täter, wie an jenem denkwürdigen Abend des 29. August, als es abermals in der Röntgenstraße zu einer schweren Schießerei kam. Erste Folge jener Straßenkatastrophe: Totschlagsanklag« gegen neun Kommunisten, die im Falle ihrer Schuld auf Gvund der damals gültigen Smrdergerichtsbesttmmungen hätten zum Tode verurteilt Werder» müffen. Zweite Folge: Fre>- spruch aller Angeklagten, weil sich im Lauf« der Verhandlung mit ein«r an Sicherheit grenzenden Wahrscheinlichkeit herauSgestellt hat, daß die Nazis das Blutbad in der Röntgenstraße selbst deranlaßt Hatter». Diele Untaten des Sturms 33 sind von den Betroffenen gar nicht angezeigt worden. In dem Röntgenftraßen-Prozeß schütteten harmlose Bürger ihr Herz aus: ,M»e dies« Menschen, di« doch auf den Viehhof gehe» sollen, wenn sie Mut sehen nlüffen", di« ganze Straße terrorisieren; wi« sie, wenn sie sich in der Ueberzahl wissen, junge Arbeiter überfallen und mit dem Absatz bearbeiten — alles das kam zur Sprache, und das Gericht erkannte, daß di« wirklichen Angeklagten auf der Zeugenbank saßen. Aber a»rßer in Charlotten« bürg fft der Sturm 33 mehrmals au anderen Stellen eingesetzt worden: er war am berüchtigten Berliner Kursürftendamm-Pogrom beteiligt; im Juli 1.931 taucht er ,/»ktid" in Oberfchöneweide auf; im Kuner 1932 in Braunschweig»md iin März 1932 in Greifswald. Immer verübte er den organisierten'Straßenterror oder ließ sich Ueberfällc a»»f Eig«»»tum der Arbeiterbewegung zuschulden kommen. Nach alter nationalsozialistischer Sitte sind die beiden letzten Führer der Sturmabteilung,„Der rote Hahn" und Eberhard Maikowski, r»ien»als für ihre Taten vor Gericht eingetreten. Während die Berliner StacnS- anwalffchaft gegen Maikowski einen Steckbrief wegen der von ihm selbst zugegebenen Ermordung des Arbeiters Walter Lange erließ, reiste„Hanne", wie ihn seine Freunde nannte»», im Lande deS Naziministers KlaggeS frei umher und verkaufte eine Broschüre über den Sturm 33. Erst später w»»rde er in Untersuchungshaft genommen, noch einigen Monaten aber wieder freigelaffen. Am Tage von Hitlers Regievungsantritt marschierte der Kamerad des Reichskanzlers an der Spitze seiner Abteilung durch das Brandenburaer Tor ein. Karl Spitzweg. Bor 125 wahren, am 5. Feber 1808, wurde dem Matcriattvarenhändler Simon S p i tz w e g >n München ein zweites Söhnchen geboren, dem den Na»nen- Karl gab. Als dann später noch fin drittes Hinzukain, sagt« sich der Mann: Wenn ver älteste Arzt wird, der zweite Apotheker u»»d M dritte Materialwarenhändl«?, dann könnten sie sich wunderschön in die-Hände arbeite»«. Ge- W, getan: Karl wurde in die königliche Hof- Und Leibapotheke»n di« Lehre gegeben, nachdem Er dos Gymnasium absolviert halt«. Herr Spitz- senior war ein durchaus ehrenwerter und s^ohlgeochteter Bürger, d«r später im Magistrat den Vorschlag machte. den» gute»» König Maz als ^elohnnng für die Konstitution, die Allerhöchst- derselbe seinem getreuen Bayernvolke im Jahre 1819 verliehen, ein Denkmal in seiner Residenzstadt zu errichten. Man sieht an alledem, daß Maler Karl Spitzweg nicht»v»e irgend ein Schlawiner in Schwabing ausgewachsen ist,'on- °«rn in den denkbar geordnetsten und ehrsamste»» umständen. Man hat denn auch nie etwas Nachteiliges von dem Heranwachsenden Apotqcker gehört. Er dreht« seine Pillen, spült« Flaschen, llrbte Etikette, faltete Dülen. wie cs sich für einen brauchbare»» Apothekerlehrling gehört. Er wurde „freigesprochen" und kam als Gehilf« oder, wie Zo» das damals nannte, als„Subjekt"»»ach Straubing. Vermutlich hat das„Subjekt" schon b^walS recht genau auf sein«„Objekte" und auf büi kleinstädtisch« Spießcrdasein ausgepaßt. Etwas der Schrullenhaftigkeit, di« der Bolksmund - Apothekern insgemein nachsagt, wird sich wohl auch ih»i» selber«»»gehängt haben. Er stu- biert« sodann an der Münchener Universität und büchte noch immer nicht daran seinem Beruf un- * tc u zu werden. Da überfiel ihn ein«'chwerc Krankheit und gab seinem Löben eine ganz andr« Richtung. Als Wiedergenesender nämlich weilte er in dem kleinen Bad Sulz, und der Letter dieses„Sanatoriums"— wie wir es heute nennen würden— legte seinen Pfleglingen dringend anS Herz, auf ihren Spaziergängen in d«r schönen Umgebung fleißig zu skizzieren. So kam Spitzweg mit 28 Jahren zum Malen. Und weil es ihm so viel Spaß machte und er ohnehin nicht gerade«inem Broterwerb nachzulaufen genötigt»var, härmte er di« Pillendreherei an den Nagel und wurde Künstler. Ein Gutes jedenfalls hatte der Unrwcg über die Apotheke für ihn: er hat ihn vor der Kunstakademie bewahrt. Spitzweg hatte das vor allen Kollegen in der romantischen Epoch« voraus, daß er Zeit seines Lebens Autodiktat geblieben ist. Was hätten ihm schon die Schulen jener Zeit bieten können! Die LandschaftSmalerei lag vollkommen darnieder. Man Pinselte stumpfsinnig nach dem zweihundert Jahre alten niederländischen Rezept die berüchtigte braune„Galeriesauve", die»nit unmittelbarem Naturstudium nicht das Geringste mehr zu tun hott«. In Norddeutschland gab-s wohl Ansätze zu einem neuer» landschaftlichen Schnei»: bei Philipp Otto Runge in-Hamburg, bei Kafpar David Friedrich in Dresden, be» Karl B l e ch e n in Berlin. Aber in München kümmerte sich niemand um das, was in Nord- »eutschland geschah. Der bayerische Hof, der mit r cirtf»n Mä-enatentum kokettiert«, begünstigte die inhaltlose Pos« eines Karl R o t t m a n n, das Spezialisten in blutigen Son nenuntergängen, und das„Nazarenertum".) Ein Vergleich der deutschen Romantik mit der französischen ist lehrreich. In Paris bricht sich der revolutionäre bürgerliche Geist in der, Delacroir und Gsricault im Figür- lichcn Bahn, in der Landschaft mit der Schul« von Barbizon: mit Camill« Corot, mit Rousseau, Daubignh und D i a z. Das ist Gegentvartskunst, wre der Roman der Balzac und Stendhal. Wohl gerät man auch dort auf den Holzweg der Historieirmolerei, die, aus Belgier» importiert, die bildende Kunst der Güjchlchts- wissenschaft oder der Literatur unterwirft und sich von der Wirklichkeit abkehrt. Aber diese reaktionär«, weil nationalistische und militaristische Kunst gewinnt nie di« Oberhand.. Ganz anders bei uns. Der«irrflußreichste Künstler in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts ist Peter von Cornelius, das Münchener und Düsseldorjer Schulhaupt. Für ihn ist Malerei eine- religiöse Angelegenheit. Wer sich bei Hofe uird beirr' zahlungsfähigen Bürgertum lieb Kind machen will, der malt Kirchenbilder nach altitalicnischern Schema. In Rom lebten diese Frömmler unter Friedrich Overbeck als ,,dr« Klosterbrüder von San Isidora" zusammen und markierten mittelalterlich« Mönche. Ihr« Malerei war auch danach: Muff und Moder, wohin man blickte. Karl Spitzweg kümmerte sich nicht um dieses gottselige Getue. Er zog tvohl gelegentlich mit dem Maler Eduard Schleich ins Dachauer Moos, um Naturstudien zu treiben, oder betrachtete sich di« frischen Fabulierereien seines Freundes Moritz von Schwind, der wenigstens zwischendurch einmal.mit den Füßen auf den Boden kam. Auch mit dem Grafen P o c c i, dem Kaspcrlvater. ließ sich reden. Im übrigen gi»w Spitz»vcg s«ine eigenen Wege. Etwas AengstlicheS. Kleinbürgerliches blieb ja auch an ihm haften, ähirlich wie an»einem Ztitgenoffen Ludwig Richter in Sachsen. Aengstlich blieb er vor allem im Format, das über kleine Maße nie hinausging. Oft hat e» auf den Deckel einer Zigarreickffte al? Grund gemalt. Aber er beobachtete weit schärfer als der zu gut- mül'ar Ricbrirr ur>d der o't'u bebäb'ge Genießer Schwind. Er hatte den forschenden Apothekerblick wie sein ehemaliger Zunstgenoffe Theodor Fon tane in der Literatur. Ihn interessierten dir Außemetter, die Originale. Zu seinen ersten Bildern gehörte der„Po«t in der Dachkam- m e r", der, unter dem aüfgespannr«»» Regen- '-*>irm liegt, um sich gegen den«indriugenden Regen zu schünen u»»d im Bette die starren Glieder wärmt, währcnd er an den Fingern di« Bers- m-'E-' Die'cs Bild••' r cs aus stellte, mit Entrüstung zurückgewieicn. Auch für den alten Hagestolz, der morgens beim Begießen der Blumen aus seinem Dachferrsterchei» tt» die Stub« der armen Näherin blickt, di« mit geröteten Augen die ganze Nacht durchgearbeitet hat, sand er beim Publikum kein Verständnis. Wer ein Bild kaufte, der wollt«„erbaut" oder„crheitcrt" lein. Doch das ließ Spitznxg gleichgültig. Hoch oben hauste er im ältesten Teile von Müiichen, am Heumarkt, ein einsamer Junggeselle. Seine malerische Technik hatte er auf Reisen nach Italien 1850 und nach Paris. Anttverpen und London 1851 vervollkommnet. Seither könnt« er mehr als alle die gefeierten Fabrikanten historischer Rieserrschinken, die Kaulbach und P i- l o t Y, die in die Staatsgaleriei» Einlaß fanden. In der Münchener Schackgaleri«, di« srin« besten Werke enthält, kann man seiner»„Ab> ch- c d" vergleichen mit Schwinds viel populärerer„Hochzeitsreise". Bei Spitztveg wartet die Postkutsche nicht auf ein vergnügtes Paar, ioridern aus einen Jüngling, der sich von seiner Liebsten losreißen nruß. Zart und ahnungsvoll verschwebi alles nach der Tief« zu— währcnd bei Schwind sich 'die Gegenständ« grob und primitiv im Raume stoßen. Als Spitzweg 1885 starb,»vußie man nicht, daß mit ihm einer der ganz»venigen nicht allein inhaltlich, sonder»» auch formal bedeutenden deutschen Maler des 19, Jührhurrderts dahingegangen war. Hcrnrann H i c b e r. Seit« 6 Dienstag, T. Feber 1933 Nr. 32 PIMBER lEITIJMfi. Der Bau der JirLsek-Brücke j» der Zentralvertretung. Der in technischer und finanzieller Beziehung viel umstritten« Bau der JirLsek- Brücke war Gegenstand des Programms der gestrigen Stadtvertretungssitzung. Der Referent, Genosse Kellner, führte die in der Oeffentlich- leit erhobenen und von den Fascisten in demagogischer Weise ausgeschroteten Borwürfe auf das richtige Maß zurück und wies u. a. darauf hin, daß die Brücke um zehn Monate früher, als dies projektiert war, dem Verkehr übergeben welchen konnte. Zu den bereits bewilligten Ausgaben von 33 Millionen Kronen wurde die Aufwendung von weiteren 7 Millionen, zusammen 40 Millionen Kronen, bewilligt. Der landwirtschaftliche Grundbesitz der Stadt Prag. Die gestrige Sitzung der Stadtvertretung von Groß-Prag befaßte sich mit der Verpachtung der städtischen Großgrundbesitze in Böchowitz, öebcrow Und Radlitz. Die Vergabe der beiden erstgenannten Höfe erfolgte im Sinne des Antrages des Stadtrats an die meistbietenden Offerenten. Dw Verpachtung von Radlitz sollte nach dem Anträge des Stadtrates an ein ehemaliges Mitglied des Stadtrates und der Stadtvertre- tung, Prokop 2ent§ek, erfolge». Die tschechischen Genoffen stellten einen abweichenden Antrag mit der Begründung, daß LcEek der Stadt seinerzeit einen langwierigen Prozeß angehängt hat. Sie beantragten die Verpachtung an die Radlitzer Molkerei. Die Abstimmung führte zu keinem Ergebnis, da weder der Antrag des Stadtrates noch derjenige der tschechischen Genoffen die notwendige qualifizierte Mehrheit erhielt. Für den Antrag der tschechl sch e n Genossen, der insbesondere dem Schutz der Angestellten diente, stimmten außerdem die Vertreter unserer Partei, die Kommuni st en, die Deutschbürgerlichen und die Ligisten. Der Neubau der Urania. Nach dem Regulierungsplane soll die Klemensgafle breiter werden. Den Teil der Bauparzelle, welcher auf die Erweiterung der Gasse entfällt, hat die„Urania" der Stadt Prag verkauft. Es handelt sich um gtrfa 34 Quadratklafter, deren Ankauf zu 1200 Kronen für einen QuadraMafter die Stadtvertretung gestern einstimmig genehmigt hat. WIMMWUMWVIMMMIWIMMMV Arbeitsgemeinschaft, 2. Kurs. Heute spricht Genosse Dr. F ranzet über„Kulturprogramm des Sozialism«s".(Linzer und tschechisches Parteiprogramm). 20 Uhr— Od» borovj düm— Studentenheim. IMMKWIMMMMWViMMMMM Gerichtssaal Gin Briesmarder im Zistotoer Warnt. Amtsvcrnntreuung— Freispruch. Prag, 6. Feber. Di« erste Schwurgerichtsperiod« wurde durch«ine Anklage wegen Mißbrauch- de r'N m t Sge w a l t eröffnet. Den Vorsitz führt« OGR. H«l l r i e g e l. Ängeklagl war d«r 35jährige Postangestellte Wenzel Douda, der auf dem 2iLkover Postamt mit der Sortierung der Briefpost beschäftigt war. Schon seit mehreren Monaten waren Beschwerden und Reklamationen bei diesem Postamt« eingebracht worden, die das Verschwinden von Briefen betrafen, denen Geld bei gelegt war. Der Sicherheitsdienst.der Polizeidirektion fahndete lange Zeit vergeblich nach dem Briefmarder. Schließlich konzentrierte sich der Verdacht aus den Sortierer Douda, dessen Ueberführung durch«ine Art Ueberrumpelung gelang. Man berief ihn eines Tages plötzlich drin, gend in di« VorstandSkanglei und nahm dort ein« Taschenrevision vor. Hiebei wurden m den Taschen Doudas vierzehn Briefe vorgefunden. x,Douda legt« ein G e st ä n d n i s ab, dos dahin lautete, er hab« schon seit Feber 1932 regelmäßig. Per Monat drei bis vier Briefe beiseite gebracht, in denen er Geld vermutete. Diese Briefe öffnet« er dann zuhause in vorsichtiger Weise. Fand er kein Geld darin, so klebte er sie wieder zu und warf sie in den nächsten Briefkasten. Wenn d e Brief« aber Geld enthielten, pflegt« er sie, nachdem er sich dir Geldbeträge angeeignet hatte, zu vernichten. In einzelnen Fällen aber halt« er auch solche Schreiben nach erfolgter Ausplünderung wieder verschlossen und sie den Adressaten zugehcn lassen, wodurch es in«inzelncn Fällen zwischen Absender und Empfän- ger zu ärgerlichen Mißverständen kam. da di« Ersteren natürlich das als beiliegend angezetgte Geld vergeblich suchten Douda gibt an, er hab« monatlich auf diese Ar: etwa 70—80 K erbeutet. Di« wahre Höhe des Gesamtschadens steht allerdings nicht sest. Soweit sich de Geschädigte» gemeldet und über di« Hiche der betgrlcgten Beträge Aussagen abgelegt haben, schwanken die Beträge im Ein^lfall zwischen 30 und 100 K. Da der Angeklagte in früher«» Fahren auf dem Wilsonbahnhof einen Anfall erlitten hat, d«r eine Gehirnerschütterung zur Folge hatte, und in der Folgezeit mehrfach Krämpfe erlitt, wurde vom'Antersuchungsr'chter ein psychiatrisches Gutachten eingrfordert, welches ibn als strafrechtlich verantwortlich erklärt« Die Geschworenen erkannten nach langer Beratung den Angeklagten nur mit sechs Stimmen schuldig, während zur Verurteilung acht verurteilend« Stimmen notwendig sind. Demgemäß fällt« das Gericht«inen Freispruch. ch. Kunst und Wissen Um die Sudtoeut onlenmg des Prager Deutschen Theaters. . Die Direktion des Prager Deutschen Theaters hat im Hinblick auf di« noch nicht geklärte Lag« der Subventiomerung des Theaters durch Staat und LaNd am 31. Jänner di« Erklärung abgegeben, daß sie nicht in der Lage sei, die Verträge mit den Mitgliedern zu erneuern, und hat sämtlichen Mitgliedern (mit ganz wenigen Ausnahrnen) die vorläufige Nichterneucrung ihrer Verträge bekannlgegeben. Wir habe» im Interesse des Theaters und im Sinn« der eingeleiteten Aktion des Prager Lokalverbandes des Bühnenbundes bisher von disse» Dingen und ihrer bisherigen Wirkung kein« Mitteilung gemacht; inzwischen sind sie aber, durch ein anderes Prager Blatt der Ovffeutlichkeit bekannt geworden, so daß also weiteres stilles Abwarten unsererseits sinnlos wäre. Drum teilen wir weiter mit: Mit Rücksicht auf di« durch di« Direktion geschaffene Lage sand in der' Vorwoche«ine Plenarversammlung des Prager LokaWevbandes der Bühnenangehörigen statt, die ihren Ausschuß beauftragten, der Div-ktion di« Sperre anzukündigen, falls nicht sofort die möglichsten Sicherheiten fiir di« Mitglieder geboten würden. Daraufhin mm hat Direktor Dr. Eger erklärt, daß er sekbswerftändlich in der Zeit bis zur Klärung der Subventiönssrage weder Eirgagementsgastsprele veranstalte» noch EnyagementsvechaMungen mit wem immer pflegen werde. Wie wir erfahren, bestehen wohlbegründete Aussicht«» dafür, daß die Frage der SwÄrentionierung in der allernächsten Zeit günstig geklärt und damit auch di« Voraussetzung dafür geschaffen werden wird, daß 400 Menschen mit ihren Familien aus der E^stenzunficherheit befreit und nicht brotlos werden. Garmen. Diese Neueinstudi«rung und Neuinszenierung am Deutschen Theater löst sehr gemischt« Gefühl« und Urteile aus. Rennen wir erst die frohe» und erfreulichen Das gefteigerte Theaterinteresse hat auch an dieser„Carmen" neue Nahrung gefunden; die Füh-. rung am Pult, vor zwei Jahren erst ein« ausgezeichnet« Leistuug, SzöllS, liegt jetzt i» den Händen Kapellmeister Rudolfs, der uikt Erfolg Kraft, Schwung und Wärm« entwickelt; ein eigener Gastregisseur hat dich« Ausführung inszeniert; P i r ch a n hat neue(allerdings nicht einwandfreie) Bühnenbilder gchchaffen; die Carmen sang, in der erften Vorstellung, Frau Karin Branzell aus Berlin, prachtvoll in der Erscheinung, überzeugend in der Darstellung, Besitzerin einer großen, vorbildlich geführten, ausdrucksreich«» Altstimme; ungewöhnlicher Erfolg im ersten Akt; leider begannen bei der Sängerin schon im Metten Akt starke Er- müdungserschchnungen sich bemerkbar zu machen, die den vorzüglichen Gesamteindruck doch wchentlich trübte». Frau Brangells Kollege von der Berliner Staatsoper, Herr Großmann, unser(wie soll man das nennen?) kurzfristiger Dauergast, stell» einen gchanglich und darstellerisch durchaus ebenbürtige« Eseamillo auf die Bühne, Fräulein Rohne, die die Micaela von jeher zu ihren besten Partien zcchlt, hatte einen ganz ausgezeichneten Abend— wir haben ihre Stimm« schon lange nicht so voll und«dol auslströme» gehört. Wenn wir dann iwch di« tonschöne Mercedes Frau S i l t e n s, die vollkommene Schmugglerfigur Hey's und mit besonderer Dankbarkeit(«in Bravo dem Kapellmeister Schmidt!) die Chöre erwähnen, unter denen Wilcher besonders di« Frauen brilliert«», sind wir mit der Aufzählung dessen, was uns an dieser „Carme»"-AufMrung erfreute, zu Ende. Das Betrübliche: der Don ÄosS Herrn M a- l a k s, von-essen im Borjahr gerühmten Vorzügen bei der Behandlung dieser Partie Sonntag fast nichts in Erscheinung trat; Mei oder drei knallige Höhentöne, das ist denn doch zu wenig und schafft keinen Ausgleich für mangelnd« Mittellag«, für ein« deyb naturalistSsche, wenig vornehme Singweist, für eine» schweren Schmiß und für«ine teils unzulängliche, teils übertriebene Darstellung. Fvasquita (Schönau«r), Zuniga(Hölzlin) und Morales(Hotter) fangen durchaus unbefriedigend. • Und nun die Regie! Herr Ehrhardt(der mit Reinhardt nicht nur die zweite NamensiDe gemeinsam zu haben scheint) würde es schwer hab«» nachzuweisen, wo ein inner«r Zusammenhang Milchen seiner R«giekunst mit dem dramatischen Inhalt und dem Geist der Bizet'schcn Musik zu fiitden f«in soll. Eine Menge mehr oder lveniger akzeptabler Einfälle im Acußerlichen machen noch keinen Regis- stur aus, den man dem Publikum als Spezialität vorsühren dürfte; es wäre wichtiger, daß drr Kinderchor natürlich sich bewegte und sicher läng«, als daß di« Kleinen sich g^wungen neben die Soldaten kauern, deren Wirkung wieder kaum dadurch erhöht wird, daß der Regisseur anscheinend in di« Geheimnisse des spanischen Exerzierrrglemcnts cinzndringen bemüht war; und die diversen Realismen im ersten Akt wiegen durchaus nicht die Nüchternheit auf, die sich schon im Szenenbtld bemerkbar machte; weder die Tatsache, daß di« verwundete Zigavettcnacheiterin nun auch vorgeführt wird, noch der Einfall, der Micaela im Merten Akt einen Bergführer beizugeben, noch auch das Pferd, auf dem Escamillo in die Arena reitet, bereichern die Oper; und wir verzichten darauf, daß im wüst«» Gebirge wirklich jeder „falsche Tritt" zum Abgrund zu führen scheint, wenn dir Gefahr besteht, daß die Sänger sich dabei den Hals brechen! Kurzum: das Ergebnis dieses Reglet gastspiels scheint uns in keinein Einklang mit den Kosten zu stehen, die dadurch erwachst« sein dürften und zu denen noch hinzukamen: das Honorar für die Carmen(unsere Gastaltistin, Frau Thorborg, wurde„indisponiert* gemeldet, dürfte aber über die Partie noch nicht disponiert haben); das Honorar für die Tänzerin MilSa Macherova, die «ine doch zu slawische Note, nach Sevilla brachte; das Honorar ferner für den Dancairo— wozu haben wir denn überhaupt einen Tenorbuffo im Haus? Und schließlich besitzen wir ja in Herrn Hggen einen sehr guten Escamillo— aber die Gast- verträg« müssen eben realisiert werden. Das gibt Mar viel Abwechslung und ost(wie auch in dem Falle Großmann) wcrtvolliste künstlerische Leistungen, aber alle Vorzüge und Notwendigkeiten einer festen Ensemblewirtschafi gehen dabei flöten. Auch künst- lerisch! Denn einen geschlossenen, harmonischen Eindruck hat diese„Carmen'-Aufführung nicht hinterlassen! L. G. Clemens Krauß, der Direktor der Wiener S t aatsoper, war Sonntag abends in einem Abonnementskonzert« des Radiojournals als Gastdirigent am Pult« der Tschechischen Philharmonie erschienen; mit einem klug abgewogenen sinfonischen Programm, dessen erste Hälft« Anton D v o k a k s prachtvoller, musikerfüllter Sinfonie in e-moll„Aus der neuen Welt" diente, während im zweiten Teile Debusfys„Rhapsodie" (als Erstaufführung), Ravels„Bolero" und Richard Strauß' sinfonisch« Dichtung„Don Juan" geboten wurde. Debussys evstausgeführte „Rhapsodie" ist für Splo-Saxophon und Orchester komponiert(in der ursprünglichen Fassung für Solo- Klarinett«) und repräsentiert Dckmflys Klanggestal- tungÄunst in schulmäßiger Weise; über der glitzernden und schillernden Orchesterflut erhebt sich die bukolische, bald stntrmentale, bald groteske Weist d«S Sarovhon, das in stiner wimmetnden Klangfarbe mehr modern-originell als edel-musikalisch wirkt, so daß man versucht ist, den Verlust der Klarinetten- stimme zu bedauern. Clemens Krauß als Dirigent des Abends versah sein Amt ehrenvoll und gewissenhaft, mehr a-us das äußere Bill» fftnet Erscheinung bedacht als innerlich von seiner Aufgabe erfüllt. Am meisten spürte man dies in der klanglich Mar schön abgetönten, aber gefühlsmäßig wenig betonten Wiedergabe des wundervollen„Largo' Satzes der amerikanischen Sinfonie TvokakS. De» stärksten Erfolg erzielt« er mit dem„Bolero" Ravels, dieser rafftniei-wirtuosen, aber reichlich gedankenarmen Orchester-Passacaglia. E. I. „Äanuitvcrstau", ein Schauspiel von Rudolf Fuchs,'wurde Samstag in der Städtischen Bücherei durch Walter Taub zum Vortrag gebracht; Veranstalter des Abends war der Literarisch-künstlerisch« Verein. Fuchs will in der Gestatt des Kannitverstan den TypuS des«mpfindstmen und in unserer Zeit verlorenen Intellektuellen zeichnen. Abgesehen von einigen plastischen Szenen bleiben aber di« Gestalten der Dramas, den Helden einyeichloffen, eben daS, was sie nach einer einleitenden Predigt des Herrn Urzidil nicht stin sollen: journalistische Figuren und literarische Figurinen. Das Schicksal des Kannit- verstan ist keineswegs typisch, sondern ein sehr verwirr:«: Einzelfall Man weiß am Ende überhaupt nicht, ob das ganze nicht nur eine Psychiatrisch': Studie und der gespaltene Intellektuelle nicht einfach«in Schizophrener ist. Soweit politrsch« Fragen gestreift werden, geschieht es mir der ganzen Milieu- fremdhett des Literaten.— Taub las das Drama mtt erstaunlicher Gestaltungskraft, er ließ eine Fülle von Personen, soweit der Text sie überhaupt lebensfähig macht, in ihrs» Besonderheüen' vor uns erstehen und erwies sich als eia Mt-stec d-'S Podiums, wie es unter seinen Kollegen wemge geben dürft«. Tie Weinflasche sollt« er— ob sic ihm nun altz „künstlerische Attrappe" dient, oder ob er sich wirklich einbildet, ihr Inhalt belebe seine Schasstnskraft — auf jede» Fall Leuten wie dem Kuh überlassen. Er hat sie sicher weder als stimmuugsmachende- Rcquisir noch als Stimulans nötig! fr. Ein Todesfall im Prager Deutschen Theater, i Am Samstag erlag der Souffleur Bruno Kru- s i u s in seiner Prager Wohnung einem Schlaganfall. Herr Krusius war von Direktor Er. Eger mit Beginn der laufenden Spielzeit noch Prag engagiert worden, nachdem er sich(zuletzt in Wiesbaden) den Ruf eines außerordentlich befähigten Opernsouffleurs erworben hatte, als welcher er auch in seinem Prager Engagement hochgeschätzt wurde. Wochenspielplau des Reue« Deutschen Theaters. Dienstag, 7 Uhr:„Aida"(A 1).— Mittwoch 7.30 Uhr:„Orpheus'(B 2).— Donnerstag 8 Uhr:„Ein Mustergatte"(A. A). Fr«i- tag, 7.30 Uhr:„Mädchenjahre einer Königin", Erstaufführung(B 2).— SamStgg, 6.30 Uhr:„Tic Meistersinger von Nürnberg" unsicher arbeitete. Itktitti, kümmert euch nm mh Jugend: U»t« rstützt dir Kindersreundebewrgung nut dst Jügrndorganisatiou. De« Sozialismus beginnt»