13. Jahrgang. Samstag, 11. Feber 1933 Nr. 36. Deutsche Antwort an Ranl-Bonconr. Genf, 10. Feber. Das Wolff-Büro meldet: Botschafter NadolnY erteilte heute im Büro der Abrüstungskonferenz Paul- Boncour eine kurze und entschiedene Antwort auf sein« gestrigen Erklärungen über die Gleichberechtigungsfrage. Botschafter Nadolnh erklärte u.«.:„Die am 11. Dezember unter^ichnet« Vereinbarung gibt die Basis und die Voraussetzung für die Teilnahme Deutschlands an den Arbeiten der Ab- Mtm^skonferenz. Es ist deshalb augenscheinlich, daß für Deutschland, solange wir hier, auf der Konferenz arbeiten, der Inhalt dieser Derein- darung di« Plattform ist, von der es sich nicht ^entfernen wird." Der deutsche Vertreter stellt« sodann den französischen Ausführungen über die Sicherheitsfrage den deutschen Standpunkt gegenüber, und betonte:„Unsere Auffassung ist eine ganz andere. Die wirkliche Aufgabe dieser Kon- !ser«nz best.cht nicht in der Frage neuer Sicher- llMt-garantien, sondern darin, daß ein entschei- dender Schritt in der Abrüstung geschieht. Das ist gleichzeitig das beste Mittel, um die allge- weine Sicherheit zu erhöhen." Dies? Auffassung werde übrigens von einer großen Anzahl ande- rer Delegationen geteilt. nie Vereinheitlichung der ncereslormatlonen. ? Panl- B 0 nc 0 ur verlangt in Genf in den Vordergrund der kommenden Beratungen die französischen Vorschläge über die Vereinheitlichung der europäischen HerreSformationen l» xücken. Er erklärte ausdrücklich, daß Fxgnk- 'rtich in der Frag« des KrieosMaterials keinerlei Entscheidung treffen könne, so lange diese Frage chichr geklärt fei. In der Disküssion wurde der Ifranzösischen Auffassung.von dep Vertretern Italiens und Deutschlands widersprochen. Schließlich wurde beschlossen, den gesamten abrüstungs- Wilitärtechnischen Teil des englischen Arbcits- programms dem Hauptausschuß und die Sicher- ipeitsfragcn der politischen Kommission zu Überreifen. Beide Ausschüsse werden Anfang der nächsten Mock)? ihre Arbeiten aufnehmen. Japan trotzt dem Völkerbund. Tokio, 10. Feber.(Reuter.) Di« Regierung wird zusammentreteu, um über di« Antwort Ja- tzons auf das gestrig« Ersuchen des Genfer Neun» tehnerausschusses zu antworte«, wonach Japan Ei«« klare Antwort auf di« Frage erteilen soll, ob es vorbehaltlos die Erklärung annimmt, daß das gegenwärtige Regime im Staat« Mandschuko dicht die Lösung des mandschurischen Problems bedeute. Di« Regierung beabsichtigt durchaus nicht, de« Standpunkt gegenüber dem Mandschukuo-Slaate zu ändern. Da sie aber wünscht, daß vorsichtig vorgegangen wird, hat das Außenministerium di« japanisch« Delegation in Genf verständigt, kein« Erklärung Über den japanisch«« Standpunkt im Völkerbunde abzuqeben und weiter« Instruktionen ab. inwarten. Das Ersuchen des Genfer Neunzehner. ousschusses fand einen bemerkenswerte« Wider, «all im Außenministerium, desieu offizieller Sprecher erklärte, der Völkerbund würde sich Eigentlich einer Beleidigung schuldig machen, w««««r behaupte« würde, daß er den japanischen Standpunkt gegenüber dem Staat« Mav- bschukuo nicht begreife, wiewohl dies«» Standpunkt bereits einigemal der Oefftntlichkeit be- wnntgegeben wurde. Nach der Erllärung des Sprechers des Außenministeriums ist kein Kompromiß über die grundsätzlich« Frag« möglich, da dach der Ueberzeuguug Japans die Existenz des Staates Mandschnkuo dic Grundbedingung sür den Frieden im Fernen Oste« bedeute. Oer schwarz-weiß-rote Popen. Berlin, 10. Feber. Nach dem Scheitern des Planes zur Bildung eines großen Wahlblocks der gesamten Rechten, arbeitet nun— der„Börsen- feitung" zufotze>— von Papen an der Schaffung einer gemeinsamen Wahlfront der Deutschnationalen und des Stahlhelms. Der neue Block soll zum Zeichen seiner Sympathie für den monarchistischen Gedanken den Namen„Schwarz-weiß-roter Kampf- hlock" erhalten, An den ersten drei Stellen seiner Kandidatenliste würden Papen, Hu- Seuberg und Seldte stehe». Vor dem Verbot der KPD! Berlin» 10. Feber.(Niger»bericht.) Gerüchte, nach denen die Kommunistische Partei noch vor den Wahlen verboten werden soll, trete», heute wieder in verstärktem Matze auf, so datz man allgemein glaubt, datz ein Verbot unmittelbar bevorsteht. Angeblich sucht man im Reichsjustizministerium nur noch die juristische Formel sür das Verbot. Es soll ausgesprochen werden, nachdem die Frist zur Einbringung von Kandidatenlisten abgelanfew sein wird. Dadurch will man verhindern, datz unter neuem Ramen andere Ersatzorgani- fatioucn für die Kommunistische Partei eintreten. Das Staatsbegräbnis des Arbeiterinorders. Berlin, 10. Feber.(Eigenbericht.) Heute wird bekannt, datz jener Berliner SA- Mann, der am vergangene» Sonntag unter staatlichen Ehre« und auf Staatskosten begraben wurde, seinem eigenen Geständnis nach«inen kommunistischen Arbeiter erschossenhat und durch sein« Sturmabteilung vier andere Arbeiter umbringen ließ. Die Mörder des SA-Führers sind noch unbekannt und es ist seh): zweifelhaft, ob sie in sozialistischen Kreise« zu suchen sind. Hillers Programm. Hitler hielt am Freitag im Berliner Sportpalast«ine Phrase»reich« R»e, die zu 90 Prozent aus ordinären Beschimpfungen der Sozialdemo, kratie bestand. Zum Schluß sagte er: „Wenn die Gegner nach einem detaillierten Programm fragen, dann kann ich nur ,;ur Antwort gehen: Nach Eurer Wirtschaft, nach Eurem Winken, nach Eurer Zersetzung muß man das deutsche Volk von Grund aus neu aufbauen,: genau so wie Ihr es bis in den Grund hinein zerstört habt. Der erste Program-Uipunkt: Wir wollen nicht lügen und wollen nicht schwindeln."' Ich yabe es deshalb abgelehnt,- jemals- vor dieses Boll hinzutreten und billige Versprechungen zu geben"(!) Nene Terrorakte. Berlin, 10. Feber. Auf ein Verkehrslokal der NSDAP wurde in der vergangenen Nacht ein Ueberfall verübt. Kurz nach Mitternacht wurden auf das Lokal mehrere Schüsse'abgegeben und zwei Eierhandgranaten durch das Schaufenster in den Gastraum geworfen. Bon den im Lokal anwesende» 25 Nationalsozialisten wurden drei leicht verletzt. Pie Täter sind mit einem Motorrad unerkannt entkomm«»». Im Norden der Stadt wurde ein Arbeiter durch einen Kopffchuß so schwer verletzt, daß er auf dem Wege ins Krankenhaus starb. In der Nähe des Branderrbuvgcr Tores wurde heut« früh ein Mann mit einer Schußverletzung an der rechten Schläfe tot ausgefunden. Elbing, 10. Feber. Eine Polizeistreife schoß auf Kommunisten. Diese schossen zurück. Ein lleberfalllominando sperrte das ganze Straßenviertel, in dem sich dieser Zusannnenswß ereignete, ab und besetzte die Sporthalle der KPD. 28 Kommunisten- wurden festgenommen. Kundgebung republikanischer Studenten verboten. Berlin, 10. Feber. Der Deutsche Studenterr- verband, die Spitzenorganisation der re publik konischen Studentenschaft, hatte für beute vormittag eine Kundgebung auf dem in der Nähe der Universität gelegenen Hegelplatz angesetzt, die dem Gedenken des bei den Breslauer Zwischenfällen ums Leben gekommenen Studenten Steinfeld gewidmet sein sollte. Diese Veranstaltung war jedoch von der Polizei verboten worden. Als die Studenten sich auf dem Hegelplatz begeben wollten, ttxrt der Platz von der Polizei abgesperrt worden, zwei Schilder gaben das Verbot bekannt. Zwischen republikanischen Studeiiten und naticmal'sozialistischen Studenten kam es mehrfach zu Schläqeveiön, die sich bis zum Bahnhch, Friedrichstraßc..foUsetztzm.Die Polizei nahm Mehrere Studenten fest. Nosite geht— Prinz August Wilhelm kommt. Hannover, 10. Feber.(Wolff.) Der Oberpräsident der Provinz Hannover Noske hat um Urlaub vom Beginn nächster Woche bis zum 1. Oktober, wo er die Altersgrenze erreicht, eingereicht. Er hat die Geschäfte an den Vizepräsidenten Dr. Lehmann abgegeben. Noske, der bereits seit mehreren Jahren Oberpräsident der Provinz Hannöver ist, sollte von der kommissarischen preußischen Regierung auf Zwangsurlaub geschickt werden. Noske tvar der einzige sozialdemokratische Oberpräsident, den dic kommissarische Regierung noch nicht beseitigt hat. Der„Deutschen Allg. Zeitung" zufolge soll zum Nachfolger Noskes der Sohn des ehemaligen Kaisers, Prinz August Wilhelm, ernannt werden, der Mitglied der nationalsozialistischen Partei ist. Schleichers Freunde gehen. Berlin, 10. Feber/ Der bisherige Chef des Ministeramtes im Reichswehrministerium Oberst Bredow ist mit dem Charakter eines Generalmajors verabschiedet worden. eine Abinhr für die Regierung DoUiufi. Wien». 10. Feber. In der letzten Sitzung des Finanzausschusses des Nationalrats hatte Finanzminister Dr. Weidenhoff er an die Sozialdemokraten appelliert, ihre Stimme" für das sogenannte währungspolitische Ermächtigungsgesetz zu geben. Heute antwortete der sozialdemokratische Abgeordnete Dr. Bauer auf Grund eines Beschlusies der sozial- demokratischsn Fraktion, diese sei nicht in der Lage, für das Ermächtigungsgesetz zu stiinmen, da sie der gegenwärtigen Regierung fei« Ermächtigungsgesetz erteilen könne, einerseits aus politischen Gründen, da sic als ein« antimarxi- stische Regierung eine Kanrpfftellüng gegen die Arbeiterschaft einnehm«, andererseits aus moralischen Gründen, da die Person des Ministers Dr. Riutelen nicht die Garantie 1 biete, daß die Zustimmung zu einer Ermächtigung nicht gegen die Sozialdemokratie in un- aufrichtiger Weise ausaenutzt werde. Schließlich hätten die Sozialdemokraten auch wirtschaftliche Bedenken, da anscheinend die Erniächtigung zur Valorisierung der Zölle ausgenützt werden soll» was eine neue Teuerungswelle uird eine Ver- größcrung der Arbeitslosigkeit im Gefolge hätte. .Die erwähnte Gesetzesvorlage wurde daim von der Tagesordnung des Ausschusses abgesetzt. Ein ffascistischer Dreibund? Paris, 10. Feber. Die Frage, ob geheim« Freundschafts-, Offensiv- und Defensivkonventio- nen zwischen Italien, Ungarn und Deutschland bestehen, beschäftigt sehr lebhast die französische j politische Oessentlichkeit von der Rechten bis zur! Linken sowie die Presie. Auf em« diesbezügliche! Anfrage im Außenausschuß der Kammer antwortete deren neuer Vorsitzender H e r r i o t, er habe zur Zett, als er Ministerpräsident und zugleich Außenminister war, die Existenz einer solchen Konvention vermutet, doch habe er nicht mit Sicherhett in Erfahrung bringe» könne«, ob wirklich am 7. August 1932 ein Austausch der Unterschriften stattgesunden habe, wie behauptet wird und wie der Deputierte der Rechten Jbarne- garay ausdrücklich erklärte. Trotzdem derartig« Nachrichten von Berlin und von Budapest demen-! tiert wurden, wird in französischen politische» Kreisen auf den Umstand verwiesen, datz in Rom, Budapest und Berlin drei national« Regierungen am Ruder siud, die durch das gleich« Ideal und di« gleiche» Interessen verbunden find, nämlich das Herbeiführen einer Revision der Friedensvertrage von Versailles und Trianon und di« Arnderung des in diesen Friedensverträge« festgesetzte« territoriale« ftatus qno. Regelung des Zinsfußes. Regierungsvorlage elngebradit Die Regierung hat gestern im Abgeord- netenhause eine Vorlage eingebracht, durch welche eine Regelung des Zinsfußes angebahnt wird. Es handelt sich hier um eine Frage von grundsätzlicher Bedeutung, um einen mehr öder weniger schwerwiegenden— das hängt von der Durchführung des Gesetzes ab— Eingr hältnifse auf dem Geldmarkt, die man früher stets dem Spiel von Angebot und Nachfrage überlaffen hat, einzugreifen, was in größerem Ausmaße zuerst im Dezember 1931 in Deutschland, später auch in anderen Staaten geschehen fft. In die Reihe dieser Staaten tritt nun mit dem vorliegenden Gesetzentwurf auch di« Tschechoslowakei. Der ffchechoslowakische Gesetzentwurf besteht aus drei Teilen: in dem ersten Teil sind Bestimmungen enthalten, die zum Zweck haben den unlauteren Wettbewerb unter den.Kreditinstituten zu unterbinden. Das wird dem durch ein früheres Gesetz schon geschaffenen Geldheirat anvertraut, vor den alle Stritte in Angelegenheit des unlauteren Wettbewerbes auf dem Gebiete des Kredits zu gelangen haben. Das enffcheidende ist nun, daß die Urteile des Geldbeirats dadurch, daß die Regierung sie genehmigt, Zwangs- charakter bekommen und unter Straffank- tionen gestellt werden. Auf Grund dieser norm- bildenden Funktion kann der Geldbeirat auch die Regelung des Zinsfußes und insbesondere die Spannung zwischen dem Zinsfuß, der den Einlegern gezahlt wird und jenem, der den Schuldnern der Geldinstitute berechnet wird, vornehmen. Gerade hier haben die Banken durch eine ungewöhnlich hohe Spannung zwischen lxm aktiven und passiven Zinsfuß— Beispiele dafür haben wir vor einigen Tagen gebracht— enorme Gewinne erzielt und die Wirtschaft dadurch schwer geschädigt. Der zweite Teil des Gesetzes befaßt sich mit der Möglichkeit der F e st s e tz u n g eines bestimmten Zinsfußes selb st. Schon im sogenannten Bankengesetz waren Maßnahmen vorgesehen, durch welche die Regierung(nach Anhörung des Geld'bei- rats) eine Regelung des Zinsfußes treffen konnte. Auf Grund dieser Bestimmung hat die Regierung bereits am 28. Juli 1932 dem Geldbeirat mitgeteilt, sie erwarte mit Beschleunigung eine Herabsetzung des Zinsfußes. Am 26. September hat nun der Geldbeirat eine Herabsetzung des Einlagezinsfußes als Boraussetzung der Herabsetzung des Kreditzinsfußes beschlossen. Eine solch« Herabsetzung des Kreditzinssußes kann aber der Geldbeirat nur Seite S SamStag, 11. Feber 1938 At. 36 Ile Frauen u. Mädchen nehmen am internationalen Frauentag nm 12. Marx 1933 teil. vornehmen, wenn die Regierung seinen Beschlüssen Zwangscharakter verleiht, was in den Paragraphen 16 und 18 der in Rede stehenden Vorlage tatsächlich geschieht. Paragraph 16 bestimmt nämlich, daß der Gläubiger keinen höheren Zinsfuß zu bezahlen hat als in den Beschlüssen des Geldbeirats festgesetzt wird und der Paragraph 18 sieht die Strafen vor, die den Kreditinstituten auferlegt werden, wenn sie die Beschlüsse des Geldbeirats übertreten. Im dritten Abschnitt des Gesetzes wird schließlich vorgesehen, daß.Neuerrichtungen von Kreditinstituten oder von Filialen bestehender Institute bis zum 31. Dezember 1934 verboten werden. Diese Bestimmung ist deswegen getroffen worden, weil durch die übermäßige Anzahl von Geldinstituten und Zweigstellen von Geldinstituten der Kredit verteuert wurde. Die tschechoslowakischen Banken haben sich gegen einen Eingriff in die Verhältnisse auf dem Geldmarkt, tpie er in dem vorliegenden Gesetz versucht wird, mit allen Kräften gesträubt und haben nichts unversucht gelassen, um die Vorlage des Gesetzes zu verhindern. Insbesondere die Ävnostettffä Bankt?", deren Leiter glauben, daß ohne ihre Zustimmung in der Tschechoslowakei kein Ziegel vom Dache fallen darf, haben alle Minen springen lassen, damit die Freiheit der Ausbeutung der Schuldner durch die Banken nicht geschmälert wird. Die Banken' haben sogar versucht— und im Finanzministerium haben sie dafür Verständnis gefunden— die Herabsetzung des Zinsfußes an die gesetzliche Aufhebung der Kollektivverträge mit den Beamten zu knüpfen. Die Pläne der Banken wurden aber von den sozialistischen Ministern in der Koalition bekämpft und, wie die Vorlage zeigt, mit Erfolg. Die Bankbeamten können wieder einmal erkennen, wer wirklich ihre Interessen schützt. Gewiß hat das Gesetz eine nicht zu unterschätzende grundsätzliche,Bedeutung, indem zmn erstenmal der Regierung die Möglichkeit gegeben wird, regelnd auf dem Geldmarkt einzugreifen, was einen neuerlichen Einbruch des Staatskapitalismus in di« Sphäre des Privatkapitalismus"^h^deükE Praktisch allerdings darf man sich von dem Gesetz nicht allzuviel versprechen, denn eine geringe Herabsetzung des Kreditzinsfußes wird keine wirtschaftlichen Wunder wirken. Im Mittelpunkt der Tätigkeit der Regierung muß daher die Arbeitsbeschaffung stehen. Falls die Herabsetzung des Zinsfußes bald zur Aufnahme einer größeren Fnvestitionsan- leihe führen wird, dann erst kann eine gewisse Entspannung auf dem Arbeitsmarkt und die Einreihung von Zehntausenden von Menschen in den Produktionsprozeß erfolgen. Diesem Problem wird sich nun die Aufmerffamkeit der sozialdemokratischen Parteien zuzuwenden haben. 43 Die Kellnerin Molly. Roman von Hans Otto Henel. CoöDriaht kv itadclrettentDertan. Berlin. tJlarfibrurf verboten Kellnerin also? Immer, wenn sie in ihrem Leben davon gehört hatte, war das m:t deut Zeichen einer mehr oder weniger starken Abneigung und Verachtung geschehen..Aber hier, wo man der Kellnerin sachlich ein Handwerk zuschrieb, mit der gar nicht verfänglichen Bezeichnung„Bedienen", war der Beruf doch eigentlich jeder Verächtlichkeit entkleidet. Wenigstens konnte Male es beim besten Willen nicht anders ansehen. Und schlimmer als die Arbeit mit Liffi auf dem Rummelplätze konnte es doch kaum sein. War das Bedienen ein Beruf, also würde man Arbeit und damit Verdienst haben, so konnte ja kein Mensch die Kellnerin zwingen, schlechter als ander« Arbeiterinnen zu sein. Die Mädchen lobten besonders eine Vermittlerin für Bedienungspersonal, die in der Friedrichstraße wohnen sollte. Male notierte stch die Adresse und ging hin. Die Gegend kam ihr im Tageslicht schlimmer vor als die in Berlin am Stettiner Bahnhof. Hier waren es kleine, meist ältere Häuser, und fast in jedem Hause befand stch eine Kneipe. Ueber einer der düstersten stand, daß der Besitzer ein Herr von Kordon sei, und das Mädchen mußte daran denken, wie nach dem„Garten Gethsemane" öfters eine Freifrau von Kordon gekommen war. Die würde aber bestimmt nicht die Gattin des kleinen adligen Kneipenbesitzers in der Äipziger Seeburgstraß« sein. Es gab unglaublich viel Kinder auf der Straße, die sich balgten oder still spielten, wie Kinder anderwärts auch, nur daß sie in schmale Gänge hineinrannten, die schmutzig und selbst im Hellen Morgenlicht dunkel und düster gähnte». Die wichtigsten Bestimmungen der Vorlage. Ole Funktion des Geldbetrates. Der• erste Teil der Vorlage handelt-von der „Konkurrenz im Geldwesen". Dem Beirat für Geldwesen(der auf Gründ des Bankengesetzes bereits besteht) obliegt es, für die Konkurrenz im Geldwesen Prinzipien der guten Sitten festzulegen, vor.allem soweit es' sich um Zinsenvereinbarungen aller Art handelt, und diese Grundsätze zu ändern oder aufzuheben. Diese Prinzipien werden rechtsverbindlich(d. h. zu sogenannten „Geldkonkurrenznormen"), wenn sie von der Regierung genehmigt und in der Gesetzsammlung verkündet sind. Zinsluoteslsetznng durdi die Regierung., Die Regierung hat das Recht, den Geldbeirat aufzüfordern, derartige Richtlinien bezüglich einzelner Fragen zu ertasten und namentlich z« verlange«, daß der Geldbeirat in bestimmter Frist dir Zinssätze auf ein den wirtschaftlichen erhältnissen entsprechendes Matz hcrabsetze. Außerdem kann die Regierung von dem Beirat ein Gutachten über die Angemestenheit der Spannung zwischen den Debet- und Kreditzinsen bei den einzelnen Gruppen von Geldinstituten eirzholen. Im zweiten Teil, der ausdrücklich von dieser ZiuSfutzregelnng handelt, wird die Regierung Westers ermächtigt, für den Fall, datz der Geldbeirat ein HSchstckilSmatz für den ZinSfutz nicht festsetzt oder die Rrgiernng diese Sätze nicht genehmigt, selbst diese Zinssätze durch Verordnung festzusetzen, sowei dies die autzerordent- l i ch e n wirtschaftlichen Verhältnisse erfordern,«nd zwar nach Anhörung des Beirates und des Bankrates der Rationalbank und auf Antrag des FinanzministrrS. Weiters wird die Regierung ermächtigt, falls es zur Zinsfußregelung durch den Beirat oder durch Regierungsverordnung kommt, im. Verordnungswege analog auch die zwischen anderen Gläubigern und Schuldnern vereinbarten Zinssätze nach Anhörung des Beirates und des BankrateS zu regeln. Unter Zinssätzen sind nicht nur der reine Zins, sondern auch Provisionen, Regiebeiträge und andere Nebenverpflichtungen zu verstehen, die tatsächlich nur das Kapitalserträgnis steigern. Verpflichtungen, mehr an Zinsen zu bezahlen als nach den festgesetzten Zinssätzen zulässig ist. sind ungültig. Die ZinSfutzrrgeluug bezieht sich nicht auf die Sätze der Rationalbank und der Postsparkasse, . ebenso nicht auf Emissionskredit«. Wer Höhere als die zulässigen Zinsen fordert, sich versprechen läßt oder nimmt, bezw. derartige Zinsen anbietet, wird.vom zuständigen Bezirksamt mit 100 bis 100 000 Kronen Geldstrafe, bezw. drei Monaten Arrest-bestraft' Die Ermächtigung an di« Regierung, den Zinsfuß selbst festzusrtzen, wird auf die Dauer von zwei Jahren nach Inkrafttreten des Gesetzes befristet. Bis Ende 1934 dürfen neue Geldanstalten nach§ 2, Abs 1 des Bankengesetzes nicht errichtet werden, ebenso nicht Filialen, Nebenstellen usw. von Geldanstalten. Auch dieses Verbot ist unter Strafsanktionen von 100 bis 100.000 Kionen Geldstrafe oder Gefängnis. von drei Monaten gestellt. * Das Sdiledsgcriditsverialircn. Die Einhaltung der vom Geldbeirat sestgelegten Geldkonkurrenznormen wird von dem durch Regie- Das ganze Viertel wies fast nur Häuser dieser Art auf, und Bewohner, denen der Stempel eines Lebens in Arbeit und Armut aufgedrückt war. Male sah in einer der Kneipen im Fenster zwei Kellnerinnen herausschauen, frech und mit verwüsteten Gesichtern. Sie überlegte, ob eS nicht bester sei, das Leben lieber doch aufzugeben, als in einer solchen Gesellschaft„bedienen" zu sollen. Flüchtig tauchte sogar der Gedanke in ihr auf, zur Polizei zu gehen und um Rücksendung nach dem„Garten Gethesemane" zu bitten. Aber nein, sie war dem entwachsen und schlimmer als dort konnte es kaum werden. Aber die Sauberkeit, die im-„©arten Gethsemane" geherrscht hatte, blieb doch ein Gegenstand ständiger Sehnsucht des Mädchens: - In der Friedrichstraße machte die Frau, die „Fräuleins für Bedienung" vermittelte, keinen ungünstigen Eindruck auf Male. Schüchtern fragte sie, in Erinnerung an die Königin Luise" in Stettin, ob sie Vermittlungsgebühren bezahlen müsse. Die Frau lachte und meinte, das sei Sache derer, die sie anstellten. Male nannte ihren Namen: Habenicht. Die Frau amüsierte sich darüber und betonte» sie habe auch nischt. Sie beruhigte Male, die ängstlich erwartete, in eine der Kneipen vermietet zu werden, die fte eben gesehen hatte. -»Nein, für Sie habe ick was Feineres. Hierher auf den Kietz kommen die Mädchen nur, wenn sie abgearbeitet sind. Sie müsten sich eben gut erhalten. Nicht an jeden Wegwersen. Wissen Sie, als ich mein Geschäft anfing, so vor dreißig Jahren, da habe ich ein Mädchen in die„Palmengrotte" vermittelt, und die hat dann ioaar einen Schauspieler und Romanschreiber geheiratet. Der Mann hat viel Geld verdient und sie ist dann immer wie eine Dame gegangen. War auch was ganz feineS." Nach einem kurzen Telephongespräch drückte die Frau dem Mädchen einen Zettel in die Hand, auf dem eine Adreste im Vororte Neustadt verzeichnet stand. Male wußte nicht, was„Wal- rungsverordnung 80-1928 eingesetzten Zentral- schiedsorgamen überwacht, an das Beschwerden wegen Verletzung dieser Normen durch einzelne Geldinstitute zu leiten sind. Beschwerdeberechtigt stich nicht nur. Geldinstitute und ihre Zentralen, sonv dern auch„wer immer"; die Verjährungsfrist beträgt ein Jahr. Dieses Zentralschiedsorgan überprüft die Beschwerde; falls sie offenbar unberechtigt ist,, kann es sie von vorn herein unter Angabe von Gründen ablehnen. Es findet zunächst eine Schiedstagsatzung statt; kommt es dabei zu einer Einigung zwischen den beiden Parteien, so ist diese schriftlich so festzulegen, daß sie exequierbar ist. Sobald die bellagte Partei nachgewiesen hat, daß sie die Lber- ncmmenen Bedingungen erfüllt hat, jo wird das Verfahren eingestellt. Findet sich eine Partei wiederholt nicht zur Ausgleichsverhandlung ein, lehnt sie es ab, von der inkriminierten Handlung abzulassen oder scheitert das Schiedsverfahren aus irgendwelchen Gründen, so schreitet das Zentralschiedsorgan an die Ermittlung des Tatbestandes, wobei es zur Bucheinsicht, zur Einvernahme der beiden Parteien, von Angestellt und Organen von Geldinstituten berechtigt ist und jedwede Erläuterungen fordern kann hinsichtlich aller Tatsachen, die zur Beurteilung der Falles wichtig sind. Diese Ermittlungen werden entweder durch die Nationalbank oder durch einen Bevollmächtigten durchgeführt. Auch die ordentlichen Gerichte können um die Durchführung von Zeugenverhören(auch unter Eid) ersucht werden. Erkennt das Zentralschiedsorgan, daß die beklagte Partei die Geldkonkurrenznormen verletzt hat, so hat sie dies in einem schriftlichen Entscheid unter entsprechender Begründung als Verletzung dieser Normen zu kennzeichnen. Ist der Entscheid rechtskräftig, so wird der Akt der zuständigen Bezirksbehörde mit einem Antrag auf Be> strafung des Schuldigen übersendet. Von dem Strafantrag ist abzusehen, sobald die schuldige Partei anerkennt, daß sie die Norme» verletzt hat, und. die erforderlichen Maßnahmen durchführt. Das Bezirksamt führt das Strafverfahren durch, wobei es Strafen von 50 bis;» 10.000 Kronen verhängen kann(oder Arrest bis zu einem Monat). Die Strafe trifft den Täter, den Mitschuldigen, den Anstifter und den Helfer. Verwaltung-- und Aufsichtsräte sowie die leitenden Beamten von Geldinstituten sind straffällig, wenn sie es durch Vernachlässigung der pflichtgemäßen Obsorge verschuldet haben, daß eS in ihrem Institut zur Verübung der inkriminierten Tat kam. Ist die straffällige Person nicht zu eruieren, so trägt die Strafe des Geldinstitut. Die Vorlage wurde dem Budget- und dem Gewerbeausschutz mit Frist bis Donnerstag, den 16. ds., 12 Uhr, zugewiesen. Das Denhmalsgesetz angenommen. In btt gestrigen Parlamentssitzang refe- rierte Dr. Danäk über den Regierungsantrag auf Erirchtung von Denkmälern für di« verstorbenen Minister«Dr. Ra8in und Dr. 8 t e f a n i k. Dadurch soll, wie der Referent ausführte, den beiden der Dank für die Verdienste ausgesprochen werden, die sie sich um den Staat erworben und schließlich mit ihrem Leben bezahlt haben. Zunächst soll nur«in Kuratorium für di« vorbereitenden Arbeiten eingesetzt werden. Gegen di« Vorlage sprach«in Kommunist mit der Begründung, daß beide nur Exponenten der Bourgeoisie waren, er verlangt« weiters di« Entlastung des RaS nmörders 8oupal aus dem Kerker, wenn er auch erklärte, besten Tat zu mißbilligen. halla" bedeutet, stellte sich aber etwas vornehmes darunter vor, und fand auch schließlich nach mancherlei Fragen die Olgastraße, in der die" „Walhalla" auf Helden wartet. Die„Walhalla" stellte sich als ein alkoholfreies Cafe heraus, also ein Cafe, dem behördlich der Alkoholausschank verboten ist. Wie das Fräulein heiße? Male? Das höre sich komisch an, und dieser ländliche Name sei in einem so anständigen und vornehmen Lokal unmöglich. Male fand zwar, daß die Wirtin von ihrem Lokal etwas sehr eingenommen sein müsse, wenn sie den kleinen Gastraum vornehm nenne, aber sie sträubte sich nicht, als die Wirtin bestimmt erklärte, von heut« an müsse sie Molly heißen. Heute neue Bedienung— mit drei Ansrufezeichen. Im Fenster der„Walhalla" hing eine Papptafel, die schriftlich das Versprechen abgav: „.Heut« neue Bedienung!!!" Mit drei Ausrufezeichen. Mal« wußte nun schon seit acht Tag«n, daß sie mit jedem neuen Heute die„neue" Bedienung darstellte. Sie hatte sich auch schon daran gewöhnt, auf den Namen Molly zu hören. Frau Zecker, die Besitzerin der„Walhalla", hatte mißbilligend festgestellt, daß Male nicht fesch genug gekleidet und auch nicht im Besitze des Handwerkszeuges für eine Kellnerin war. Sie besaß weder«in schwarzes Kleid noch eine weiß« Schürze. Sie half ihr aus eigenem Bestände aus und legte im übr'gen Fräulein Molly nahe, sich baldigst eigene Wäsch« zu verdienen. Mal« hatte bei dieser Gelegenheit nach dem Lohn«. gefragt. Dazu hatte Frau Zecker mit deutlichem Erstaunen gelächelt. „Was Sie verdienen? Das hängt doch ganz von Ihnen ab." DaS verstand Male nicht. Frau Zecker erläuterte: „Sie müsten die Gäste heranziehen. Mr haben ja eine gute Kundschaft, di« wir uns na- ver AnssdiuObcrlät über das AusliefsrungSbezehren gegen Krebs und Genossen, der gestern im Parlament bereits aufgelegt wurde, lautet auf Verbrechen der Vorbereitung von Anschlägen gegen die Republik(8 2 des Schutzgefetzes) und auf Vergehen nach 8 17 dieses Gesetzes(staatsfeindliche Vereinigung)^ Der' Bericht lautet: „Vor dem Kreisstraszericht in Brünn fand vom 8. August bis zum 24. September 1932 der Prozeß g gen Dr. A. Peiermichl und Konsorten statt, wobei durch das Zeugenverhör, durch das Aktenmaterial und das Gulachten der militärisches Sachverständigen der militärische Charakter der Organisationen„Volkssport",„Studentenbund" und„Jugendverband" sowie die Tatsache fest- gostellt wurde, daß das Ziel dieser Organisationen di« Vorbereitung von Anschlägen gegen die Republik und gegen ihre Einheit war. Aus dem Material dieses Prozesses sowie auch aus den weiteren Verhören und aus der Untersuchung er- - fließt, der sehr ernst« Verdacht,-aß di« Abgeordneten Krebs, Schubert, Jng. Jung und Kasper stch gegen di« 88 2 und 17 des Schutzgesetzes vergangen haben. Der Jmmunitätsausschuß verhandelt« über das Ansuchen des KreiSstrasgerichtes in Prag um Auslieferung dieser Abgeordneten und beschloß, dem Abgeordnetenhaus mit Rücksicht auf den Charakter des verfolgten Deliktes und auf de» Ernst der Beschuldigung zu empsehlen, dem Ansuchen des KreisstrafgerichteS in Prag vom 4. N8o- vember 1932, Nr. Rt XXV 42/32, um Aus- lieferung der Abgeordneten Krebs, Schubert, Jng. Jung und Kasper zu entsprechen uyd die erwähnten Abgeordneten zur strafrechtlichen Verfolgung auszuliefern." » . Di« deutschen und ungarischen oppositionelle« Parteien hielten gestern eine Sitzung ab, die sich mit dem, Vorgehen in der kommenden Plenardebatt« über oas Auslieferungsbegehren gegen Krebs und Genossen befaßt«. In dem Kom- muniquee heißt es, daß für daS gemeinsame" Vorgehen bei der Auslieferungsdebatte entsprechende Vereinbarungen getroffen wurden. Nach unseren Informationen soll dieses gemeinsame Vorgehen lediglich darin bestehen, daß die Vertreter der einzelnen Parteien getrennte Erklärungen abgeben wollen.— Wozu dann dies« ganze Aktion überhaupt notwendig war, ist eigentlich nicht klar ersichtlich. Aus der Tagesordnung der nächsten Sitzung vom Donnerstag befindet sich das Auslieferungsbegehren noch nicht. , Di« Glühlampen steuer, über deren endgültige Fassung' wir bereits gestern eingehend berich- tet haben, stcknd-gestern im Pärlatnentsplenutzt zur Verhandlung. In'der Debatte sprachen wieder Mer Gewerbeparteiler; darunter der abge-' setzte Ausschußvorsitzende P e ch m a n n, der sei» Vorgehen mit viel Austvand von Temperament zu verteidigen suchte. Di« Debatte wurde zu Ende geführt, di« Abstimmung jedoch auf die nächste Sitzung verschoben. Waggonbestellungen der Staatsbahnen. Donnerstag hielt der BerwaltungSrat der Staatsbahnen eine Sitzung ab, in der größere Bestellungen auf Waggons, Schienenautobuffe ud einschlägiges Material vergeben wurden. Die Bestellungen wurden folgendermaßen aufgeteilt:. Kkodawerke 22 Millionen, Böhmischmährische Kolben-Danök 19, Ringhoffcr 8.5, Tatrawerke 13. Waggonfabriken Stauding 16, Königsfeld 6.5, Kalin 3.5, Böchm-Leipa 3 Millionen. >MBaiaäaaBaaaa=s>aaaaa^aa>aa!l tstrlich warm halten wollen. Darauf müsten un-' iere Fräuleins immer sehen. Aber e8 kommt eben auch darauf an, ob Sie verstehen, di« Herrschaften zu halten. Machen Sie nicht viel Kram mit den jungen Schnösels, die für eine Taste Kaffee zwei Stunden hier pouffieren wollen. Lieber an die gesetzten Männer halten. Wir haben da eine bestimmte Stammkundschaft. Natürlich hoffen wir, daß Sie noch mehr heranziehen. Dies« älteren Herren sind auch eher zu einer Flasche Wein herumzukriegen. Am Wein haben Sie natürlich auch mehr." Mckle sah die Wirtin erstaunt an. „3fa, führen Sie denn auch Wein?" „Sie sind ja ein Schäfchen! Der Wein ist selbstverständlich das Hauptgeschäft." Frau Zecker öffnete die Tür» zu einem neben der Gaststube gelegenen Zimmer. Ein dürftiger kleiner Raum, nüchtern und kühl, dem das rot« Seidenpapier nm die Lampe und ein blank« geststeneS Plüschsofa den Anstrich von gemütlichem Laster gaben. „Sehen Sie— hier! Aber lasten Sie niemand wegen einem kleinen Steinhäger herein. Wenn schon, dann muß eine ordentliche Zeche herauSsPrinacn. Das Risiko ist ja groß, Venn die, Polizei guckt uns scharf auf di« Finger. Und wenn. Kontrolle kommt— dann ist das unser Wohnzimmer, von dem Sie überhaupt nichts wissen.". Male wohnte auch im selben Hause, bei Leuten, die seit Jahren immer an ,chie Fräuleins auS der Walhalla" vermietet hatten. Frau Zecker hatte darauf bestanden, weil sonst beim Verlassen dieser Tradition die Zimmervermieterin imstande gewesen wäre, die„Walhalla" wegen des nicht erlaubten Alkoholausschankes zu denunzieren. Male war das ganz recht, da sie damit der Sorge um das Suchen einer anderweitigen Wohnung enthoben war. Der Preis für daS Zimmer dünkte ihr allerdings gewaltig hoch. (Fortsetzung folgt.) Nr. 36 SamStag, 11. Feber 1933 Seite 8 franz Sdiuhmdcr Zum zwanzigsten Jahrestag seiner Ermordung. Ermordung politischer Führer, das ist, leider, m der Zeit des Hakenkreuzterrors zu einem fast täglich sich wiederholenden Ereignis geworden. Wer als vor zwanzig Jahren die Schreckenskunde durch Oesterreich eilte, daß der sozialdemokratische Abgeordnete Franz Sch uh me ie r von dem Christlichsozialen Paul Kunschak, einem Bruder des bekanntlich christlichsozialen Führers, erschos- fen worden sei, schrien nicht nur die Arbeiter in Schmerz und Entsetzen auf, da ging auch eine Woge der Entrüstung durch daS Bürgertum, da war die Empörung auch der Gegner der Sozialdemokratie aufrichtig, denn politischer Mord war in Europa nur noch die Waffe anarchistischer Wirrköpfe und das Bürgertum bekämpfte die aufstrebende und aufsteigende Arbeiterklasse zwar auch mit Hilfe der Staatsmacht, glaubte aber doch noch an Siege mit geistigen Waffen. Erinnerung an eine Kit, da die politischen Kämpfe, gemessen am Heut«, auch von unseren Gegnern noch verhältnismäßig anständig geführt wurden und das Wort mehr galt als der Schlagring, der Gedanke mehr als die Brutalität,— Erinnerung an das Werden der österreichischen Arbeiterbewegung tauchen auf, wenn der Name Schuhmeier genannt wird,— vor allem aber di« Erinnerung an eine einzigartige proletarische Führerpersonlichkeit. Franz Schuhmeier war der volkstüuüichste Arbeiterführer Oesterreichs. Unser Seliger, unvergessen allen Alten, war in Deutschböhmen allüberall bekannt und von den sudetendeutschen Arbeitern geliebt. Schuhmeier aber war der populärste Führer der Gesamtpartei, dem die Arbeiter Wiens, die ihn geradezu vergötterten, zujauchzten, dem aber ebenso freudig die Arbeiter in den Alpenländern und die in Mähren und Böhmen zujubelten. Er war es nicht etwa nur seiner kernigen, witzigen, volkstümlichen Art des Redens wegen! Er war es, weil er trotziger Rebell und zugleich ein Mensch von einfacher, gewinnender Liebenswürdigkeit war, weil er prachtvoll klar und verständlich zu schreiben verstand, in der wöchentlich erscheinenden„Bolkstribüne", die in der Sprache des Arbeiters zu den Arbeitern sprach,— weil er ein kluger, sachkundiger Politiker,«in Von den Gegnern gefürchteter Parlamentsredner war,— ja, weil er in sich all« Eigenschaften des Bolksfuhrers im besten Sinne des Wortes verkörperte! Franz Schuhmeier war ein Wiener Proletarierkind. Im Ottakringer Arbeiterbildungsverein„Apollo" wurde der junge Arbeiter, der in einer Buntpapierfabrik beschäftigt war, mit den Zielen der Arbeiterbewegung bekannt. Den Wiener Arbeitern und besonders den Ottakringer« ist er, so sehr er auch hinausgewachsen war über die Tätigkeit in seinem Wohnbezirke und in feiner Stadt, immer besonders zugetan gewesen. Er war der im schönsten Sinne^wienerischeste" aller Führer der Partei, sein wienerischer Witz war ungezwungen, natürlich, chm flössen während des Redens die Scherze und Witze, die bald leicht ironisch, bald scharf, immer aber treffend waren, in reichster Fülle zu,— und so wienerisch, so dem Wiener Milieu entsprossen diese Witze waren, so mundartlich seine Reden auch gefärbt waren,— er gefiel überall, er zündet« überall, und es gibt kaum eine deutsche Gegend des ehemaligen Oesterreich, in der er nicht werbend, revolutionierend zu den Arbeitern sprach. Aber dieser wörtlichere, wortgelvandte Redner war keineswegs«in Leichtredner,— was er sagte, war wohlfundiert, in vielen durchwachten Nächten, in dielen heißen Diskussionen, als unermüdlicher Leser und aufmerksamer Hörer hatte sich Schuh- mcier ein sehr gründliches Wissen erarbeitet. Wie so viele Führer der Arbeiterklasse, die ihr aus eigenen Reihen erstanden, war Schuhmeier seinen Genossen auch vorbildlich als unermüdlich Lesender, immer Lernender. Der Ottakringer Proletarier wär zu einem der ersten, zu einem der angesehensten, auch von den Gegnern hochgeachteten Führer der Partei geworden. Im Wiener Gemeinderat stand er, zurrst ganz allein mit seinem Freunde Jakob Reuwann, als Anwalt der Arbeiter dem christlichsozialen Führer Dr. Lueger gegenüber. Im Parlamente war er einer der sachkundigsten Abgeordneten, einer der am liebsten gehörten Redner. Biel galt sein Wort im Parteivorstande. Denn Schnhmcier. der nie die engste Verbindung mit seinen Klassengenossen verloren hatte, war begabt mit einem wunderbar feinen Empfinden für die im Proletariat sich regenden Stimmungen, er hatte aber auch außerordentlich großen Einfluß auf die Arbeiter, die in brüderlichem Vertrauen zu ihm standen. So war nichts selbstverständlicher, als daß Schuhmeier geholt wurde, wo immer die Arbeiter in schwerem Kampfe standen,— daß er auch als Redner verlangt wurde, als im Wahlkreise Stockerau(Niederösterreich) unser Genoss? Hackenberg, der damals in der Krankenkasse in Gmünd tätig war, in einer Nachwahl für die Partei um ein Reichsratsmandat kämpfte. Am 11. Feber sprach Schuhmeier in einer großen Wählerversammlung in Stockerau. Als er, nach Wien zurückgekehrt, um dreiviertel elf Uhr abends den Zug verlassen hatte, schoß ihn in der Ankunftshalle Paul Kunschak, der ihm aufgelauert hatte, nieder. Ein wirrer, durch die klerikale Hetze>n blinden Fanatismus hineingejagter Mensch hatte die österreichischen Arbeiter eines ihrer herrlichsten Führers beraubt... Was er geleistet, lebt fort in der deutschöster- reichischen, lebt fort auch in unserer Arbeiterbewegung. Lebendig geblieben ist auch sein Name, leberchig geblieben auch bei uns! Nicht nur in Oesterreich, auch in Nordböhmen und im Erzgebirge, in Mähren und in schlesischen Orten hängt in den Bereinszimmern der Arbeiterorganisationen Schuhmeiers Bild— und die Arbeiter wissen, wer Schuhmeier war, ivas er getan für ihre Bewegung... Franz Schuhmeier! Der teure Name weckt Erinnermrgen an die Zeit, da er auch unser Führer war,— Erinnerungen an unvergeßliche große gemeinschaftliche Geschichte der deutschoster- reichischen und der sudetendeutschen Arbeiterbewegung— und es kann nicht anders sein, als daß diese Erinnerungen zugleich schmerzlich sind und erhebend. In schmerzlichem Gedenken beschwören auch wir dre Manen Franz Schuhmeiers, wie unser« österreichischen Bruder und Schwestern— aber so wie sie wollen auch wir zugleich der Zukunft uns entgegenwenden, die er mit bereiten half— und heute wie vor zwanzig Jahren gellen die Worte, die Alfons Petz ojl o dem Gemordeten weiht«: Sein Herz, das liebeüberströmte, schlägt Nicht mehr den Brand der Worte in das Land Der Riesenschlote, doch ein jeder trägt Davon ein Fünkchen sorgsam eingehegt; Und hütet diesen heißen, stillen Brand, Bis daß ein Sturm, ein neues Kämpfen, naht. Dann sprühen hunderttausend dieser Flammen Zu einem breiten Feuerbaum zusammen. Das war sein Werk und seine große Tat! Lest Investitionsprogramm— dann Investitionsanleihe. Malypetr über die nächsten Aufgaben der Regierung. Prag, 10. Feber. Die lange Reihe der Mini- stererflärungen im Budgetausschuß des Senates wurde vom Ministerpräsidenten Malypetr Mit einem größeren Expose über Wirtschastsfra- gen eingeleitet. Nach einer längeren sehr interessanten volkswirtschaftlichen Vorlesung über Ursachen und AuS- ivirkungen der Krise kommt er auf die Pläne der Regierung zu sprechen. Er erwähnt die in Vorbereitung befindliche Oekonomisierung der Verwaltung— ein diesbezüglicher Entwurf befindet sich bereits im interministeriellen Verfahren; eine durchgreifende Reform stoße aber auf große Schwierigkeiten. Dann befaßte er sich mit der Preispolitik, di« bereits in der Regierungserklärung angekündigt wurde, und verwies darauf, daß sich der Goldindex gegenüber der Vorkriegszeit bei den verschiedenen Produkten zwischen 60 und 205 Prozent bewege. Solange derartige Mißverhältnisse nicht abgeschafft weäen, solange werde auch ein Ausgleich des wirtschaftlichen Niveaus für all« Bevölkerungsschichten unmöglich sein. Auch die Frage der Kriegsschulden, die von dieser Generation unmöglich getragen werden können, muß erst bereinigt^ weiven,^bevor das Wirtschaftsleben gesunden kann? Di« Zinsfußsenkung ist bei uns bereits eingeleitet. Die Boickereitung dieser Vorlage hat begreiflicherweise viel Zeit gekostet. Ebenso vorsichtig muß auch eine weitere Notwendigkeit unseres Wirtschaftslebens, die Beschaffung hinreichender Mittel für die Milderung der Arbeitslosigkeit, behandelt werden. Diese Mittel sollen zu vernünftigen, zweckmäßigen Investitionen diene«, um so wenigstens einem erheblichen Teil der Arbeitslosen statt Almosen Arbeitsgelegenheit geben zu können. Im Minifterrat wurde vor vierzehn Tagen beschloffen, daß dir zuständigen Ministerien ein Programm für rentable, unbedingt notwendige uud dabei gemeinnützige Investitionen unter Beteiligung der Sclbstverwaltungskörper ausznarbei- ten haben. Man will dadurch der Oeffentlichkeit zeigen, daß das sür die Jnvestitionsanlrihe geborgte Geld zu diesen und jenen bestimmte« Zwek- ken, keineswegs aber«inseitig und planlos verwendet werden soll. Andererseits wäre der Ministerpräsident froh, wenn es auch der Selbstverwaltung auf diesem Wege ermöglicht würde, sich an der. Errichtung, bzw. Beendigung von Investitionen zu beteiligen, die sie sonst in diesem großen Maßstab nicht vollführen könnte. Er ist überzeugt, daß noch vor End« Feber di« Regierung mit dem entsprechenden Gesetzentwurf vor die Nationalversammlung treten wird. vaS Kartellgesetz. In nächster Zeit wird sich die Regierung auch mit dem zweiten Teil ihrer Preispolitik, den Kar- t eilen mrd dem Mißverhältnis in den Preisen beim Produzenten und im Detailhandel befassen. Diese Differenzen, mögen sie nun aus einer Kartellbindung oder aus mehr oder weniger versteckten Abmachungen herrühren, sollen beseitigt werden. A priori sei die Organisation der Produktion mit Hilfe von Kartellen oder sonstigen Vereinbarungen nicht zu verwerfen; zu beseitigen wärru nur die Auswüchse des Kartellwrsrns, ebenso wie die Auswüchse der Brrmittluugstätigkeit(des Zwischenhandels) jeder Art. Zum Schluß setzte sich Malypetr wieder für seine Idee der Schaffung einer volkswirtschaftlichen Abteilung beim MinisterraKpräsidium ein, von der er sich eine Korrektur und ein gegenseitiges Abstimmen der widerstrebenden Ansichten der einzelnen RessortS erhofft. * Di« heutige Ausschuß-Sitzung war den Budgetkapiteln.^Inneres" und„Nationale Verteidigung" gewidmet. Genoss« Reyzl wandte sich in der Debatte zuerst gegen den christlichsozialen Senator Dr. Hilgenreiner, welcher di« Verwaltungsreform verteidigt und behauptet hatte, sie versage nur dort, wo Beamte mit der Bevölkerung nicht auszukommen wissen. E i n G e s etz, erklärte Genosse Reyzl, welches nur auf die Gutmütigkeit der Bevölkerung rechnet, ist unhaltbar. Die Perwaltugsreform hat den Beamten so viel Macht gegeben, daß sie sie nach Willkür ausnützen können. Das Gesetz muß geändert werden, zumidest in der Form, daß die^Vo-r sitzenden der Bezirksvertrctungen gewählt und nicht ernanüt werden. Wenn Dr. Hilgenreiner das Gesetz für gut hält, so ist das erklärlich, weil sein« Partei«s gemacht hat. Genosse Reyzl weist schließlich darauf hin, daß die Leiter der Bezirksbehörden sich manchmal von jenen Schichten beeinflussen lassen, mit welchen sie gesellschaftlich verbunden sind. So kommt es dann vor, daß klar begründete Rekurse von den Bezirksämtern abgewiesen werden und erst der Landesausschuß das Recht wiedecherstellt. Beim Kapitel„Nationale Verteidigung" ist auzu- erkcnnen, daß der Minister erhobenen Beschwerden nachgeht und bemüht ist,' Uebelstände abzustellen. Es steht aber fest, daß die Wünsche des Ministers vielfach nicht befolgt werden. Nach Schluß der Debatte sprachen die Minister Krafta, Bradäö und Lernh, deren Reden morgen ausgegeben werden. Richtigstellung:' In der gestrigen Rede des Genossen Reyzl bergen.sich di« Angaben über di« Finanzlage der Gemeinden auf den Schluckenauer, und nicht, wie irrtümlich angeführt, auf den Warnsdorf«^ Bezirk. Konflikt In der französischen Sozialdemokratie. Paris, 9. Feber.(Eig. Drahtb.) In der sozialistischen Fraktion ist es am Donerstag zu e r- regten Debatten über eine am Sonntag vom Landesausschpß der Party! angenommene Entschließung gekommen.. In dieser Entschließung wurde die Fraktion daran erinnert, daß der Beschluß über die Beteiligung an einer Regierung nicht vost- ihr allein gefaßt werden könne(wie es bei der Bildung der Regierung Daladier geschehen warf, sondern daß der Landesausschuß die Genehmigung dazu erteilen müsse. Di^ Entschließung war von den Anhängern der Regixrungsbeteiligrmg, deren Zahl innerhalb der Fraktion in der letzten Zeit stark gewachsen ist, als Mißbilligung der Haltung.der Fiktion betrachtet worden. Der Abgeordnete Marquei hatte daher einen Antrag eingebrgcht, in dem verlangt wird, daß die Entschließung des Ausschusses dem nächsten Kongreß der Sozialistischen Partei unterbreitet tverde. Der Kongreß sollte der Fraktion das Vertrauen aussprechen, das die Fraktion für ihre Arbeit im Interesse der Partei brauche. Löon Blum, gegen den dieser Antrag gerichtet war, wohnte der Sitzung nicht bei, um die Haltung der Fraktion in keiner Weif« zu be- einflnssen. Dem Antrag Marquet wurden drei andere Anträge gegenübergestellt, die sich teils gegen den Standpunkt Marquets aussprachen, teils zu vermitteln suchten.■ In diesem lebten Sinne beantragte ein Antrag M o n n e t s. die Entschließung des Landesausschusses nicht als Tadel zu betrachten und keinen Beschluß des Kongresses hcrbcizuführcn, den Kongreß aber um eine neue Stellungnahme zu der Frage der Re- gierunqsbeteiligung zu bitten. Nach einer scharfen Aussprache wurden schließlich Marquet und Monet aufgefordert, der Fraktion einen gemeinsamen Entschließungstext zu unterbreiten. Zwischen beiden Abgeordneten kam es zu einer Einigung dahin, daß zunächst der Antrag MonnetS mit geringen Aenderrrngen der Fraktion zur Annahme empfohlen werden soll. Die treibende Kraft im Waschkessel Millionen Sauerstoffbläschen schaffen Bewegung. Sie treiben— unablässig für Sie arbeitend— die Radion-Lösung durch das Gewebe. So wird Ihre Wäsche gründlich und schonend gewa- Sie stän-‘ sehen, wenn dig Radion verwenden. 8.x2/51 Exportkredite verlängert. Staatsgarantie bis znrOesamthOhe von 600 Millionen. Prag, 10. Feber. Im Parlament wurde heute die Verlängerung des Exportkredites verabschiedet. Die Vorlage besteht aus zwei Paragraphen, in denen di« Gesamtsumme der Staatsgarantie für Exportkredite für das zweite Jahr wrer Wirksamkeit mit dem Höchstberrag von 600 Millionen K<5 bemessen wird; der unverbrauchte Rest aus dem Vorjahr ist cinzurechnen. Im drrt- ten und in den folgenden Jahren sind nur di« noch nicht erschöpften Garantierest« zu verwenden. Der BudgetauHschuß nahm die Vorlage erst Ende Jänner an. Er hält das übernommen« Risiko sür nicht besonders groß, weil eine genügende Sicherheit Voraüssetzung für die Garantieüber- nahme ist und die Garantie nur bis zu höchstens 85 Prozent übernommen wird. Andererseits müsse jede Maßnahm«, die geeignet ist, den Export zu erhöhen, heute als förderlich für di« Belebung unserer Industrie wie auch für die Staatsfinanzen angesehen werden.,, Bis Juni 1932 waren Exportkredite tatsächlich für 149.8 Millionen bewilligt und sür weiter« 180 Millionen in Aussicht gestellt. Die Kredite wurden fast ausschließlich von der Landesbank in Prag gewährt, und zwar im ersten Jahr in 74 Fällen, wovon 54 de» r u ss i s ch e n Markt betrafen. Den Hauptanteil tragt di« Eisen- und Maschinenindustrie. Die Erfüllung der Garantie wurde bisher, wie Genosse Ne Las als Referent ausführt«, nur in einem Falle, der Ruuiänien betrifft, verlangt, und der ist noch strittig. Seit Juli v. I. liegen bereit- 36- neue Gesuche mit einer Gesamtsumme von 98 Millionen vor. In der Debatte sprach Dr. Bacher(AMG.), ein tschechischer Nationalsozialist und Ltdtka, der ver- langt, daß die ganze Garantiesumme ausschließlich für das Rußlandgeschäft verwendet werd«, fpvei tschechische Gewerbeparteiler versuchten sich in langen Reden, die fast schon O b st u k t i o n s ch a r a k« ter hatten. Als Genosse Taub dem ersten wegen Ueberschreitung der Redezeit schließlich das Wort entzog, trat dieser fein Manuskript an seinen Nachfolger zur weiteren Verlesung ab. Die Vorlage wurde schließlich in beiden Lesungen angenommen. Die Gewerkschaftsvertreter beim Ministerpräsidenten. Prag, 10. Feber. Heute sprach eine Deputa-> tion, bestehend aus Vertretern der gemeinsamen Gcwerkschaftszentral«, beim Ministerpräsidenten Malypetr vor, um ihm bestimmte dringliche Anträge in Sachen der Bekämpfung dcr Arbeitslosigkeit zu unterbreiten. Ueber diese Borsprache wird morgen«in ausführlicheres Kommunique« veröffentlicht werden. Sitzung des Ministerrats. In der Freitag, den 10. Feber, nachmittags stattgefundenen Sitzung des Ministerrats wurde die Beratung der Tagesordnung der am Vortage abgehaltenen Sitzung fortgesetzt. Erstattet und durchberaten wurden die Berichte von der Sitzung des Komitees der Wirtschaftsministcr über eine Reihe wirtschaftlicher Fragen, insbesondere hinsichtlich dcr Aenderrrngen im Verzeichnis dcr dem Devisenverfahren nicht unterworfenen Waren., Genehmigt wurde der Antrag, 1000 Waggons Korn zur Brotverteilung zwecks Milderung der Folgen der Arbeitslosigkeit, besonders in den schwer betroffenen Gebieten, zu vertuenden. Außerdem wurde mitgeteilt, daß das Ministerium für Bölksernährung im Rahmen seiner frei verfügbaren Mittel die Zuteilung von Kartoffeln zu dem gleichen Zwecke fortsetzcn werde. Erledigt wurde ein weiterer Teil der Ernennungs- und Bcförderungsanträge in allen Zweigen des staat- licheu Dienstes. Seite 4 Samstag, 11. Feber 1933 Nr. 38 zu ir di« bc- ge« saß d-e 'M Die über T agesneuigkeiten Mißglückter Raub in Labor. Tabor, 10. Feber. Donnerstag, den 9. d. vernahm gegen 11 Uhr nachts ein Bediensteter der Tabsrer Bürgerlichen Vorschußkassa ein verdächtiges durch Herabfallen von Glas verursachtes Geräusch. Er schlug Alarm und die städtische Polizeiwache umzingelte sowohl das Gebäude der Vorschußkaffe als auch den gesamten anliegenden Häuserblock. Ta bemerkten sie, daß zwei Männer über die Dächer der Nachbarhäuser entfliehen wollten. Die Wache gab einen Alarmschuß ob, worauf die Flüchtenden sich ergaben. Sie wurden als' der bekannte Kaffcnknackcr Josef Koudela und der Selchergehilf« Karl Hora identifiziert. Bei K o u d e l a wurde erstklassiges Einbruchsgerät, bei Hora eine geladene Repetierpistole gefunden. das zur Neunkirchener Hütt« gehörende Benzollager, bei dessen' Explosion eine unübersehbare Katastrophe eintreten würde. Die ganz« neue Anlage der Hütt« steht in hellen Flammen. Sie ist die modernste des ganzen Saargebietes. Die Aufregung unter der Neunkirchener Bevölkerung ist außerordentlich groß, zumal ganz« Straßenzüg« geräumt worden sind, wobei es zu entsetzlichen Szenen kam, da Kranke und Greise nur unter viele» Schwierigkeiten transportiert werden konnten. Wie di« Krankenhäuser, so sind auch die Aerztezimmer überfüllt. Auf die große Explosion des Gaskeflels folgten noch drei bis vier kleinere von geringerer Bedeutung. Die Gefahr der Explosion der Benzolanlag« scheint behoben, doch steht auch dies« Anlage in Flammen, da di« Rohre geplatzt sind«nd das ausflietzende Benzol in Brand geraten ist. Bisher find 15 Tote und 1000 Verletzte geborgen. Man rechnet mit über 100 Toten. Durch di« Räumung verschiedener Straßen ist die Verwirrung ungeheuer. Kinder irren umher und suchen ihre Eltern, Frauen ihre Männer«nd darüber steht der Feuerschein vom Hüttengelände.■ Mord aus Religlonsunhn. Inez(Staat Kentucky), 10. Feber, amerikanische Presse bringt eine Meldung einen unter besonderen Umständen begangenen Mord, der die ganze'Bevölkerung der Stadt Inez in Aufregung versetzte. Tic 73 Jahre alte Lucinda Mills wurde bei einer religiösen Zeremonie einer Sekte, die sich„Die geheimnisvolle Zunge" nennt, geopfert. Elf Gläubige dieser Sekte wurden in Haft genommen. Die Bevölkc- rnng der Stadt bedrohte die fanatischen Anhänger der Sekte in ihren Zellen, die unverständliche Die Rettung der deutschen Familie. Nazimutter tötet ihr Kind. Frankfurt a. M., 9. Feber.(Eig. Trahtber.) Tie Frau eines Frankfurter SA-Mannes wurde vom Schwurgericht zu zwei. Jahren Gefängnis wegen Totschlags verurteilt. Sie hatte ihrem neugeborenen Kind, unmittelbar nach der Geburt, einen Finger in den Hals gesteckt und es durch Zerreißen der Luftröhre zum Ersticken gebracht.' Das Gericht sah einen mildernden Umstand darin, daß di« Frau immer in Ang st vor ihrem Mann gelebt habe, der sich als SA-Mann seiner Frau als„rauher Käinpser" gezeigt, d. h. sie oft mißhandelt habe. Die Frau habe daS Kino aus Furcht vor ihrem Manne getötet, der keine Kinder mehr haben wollte^ und Unterseeboote wurden in Bereitschaft gehalten, um nötigenfalls aus größerer Entfernung mit Schifssartillerie und Torpedos in Aktion zu treten., Die Flugzeuge gingen sofort mit Bomben zum Angriff Über und überflogen das Mentererschiff.*Die auf dem Schiff explodierte Bombe die dreiviertel Stunden nach der Sichtung der„Seven Provincien" ab- geworsen wurde, wog fünfzig Kilogramm. Zwölf Angehörige der Besatzung des Meutererschiffes„Seven Provincien^ find durch die aus e inem Flugzeug abgeworfen« Bombe getötet worden; 25 Mann wurden verwundet.> Nach dem Einschlag des Volltreffers auf ' ttcif_ dort der funkender Bekämpfung des Berbrecherunwesens. Unsere Nazizeitungen und die mit ihnen seit dem Händedruck Schollich-Knirsch noch Zeuger koalierten Blätter der Deutschnationalen berichten unter dicken Ueberschriften über die „Severing-Korruption". Die soll darin bestehen, daß die Preußenregierung Gelder aus dem Fonds„Bekämpfung des Berbrecherunwesens" einzelnen Regierungsparteien zugewendet habe. Diese Behauptung ist von der Niederlage der Meuterer Seven Provincien“ wieder unter holländischer Flagge- Batavia, 10. Feber.(Reuter.) Die Mannschaft des niederländischen Schlachtschiffes „Seven Provincien" hat kapituliert. Heut« früh forderte der Befehlshaber des verfolgenden Geschwaders die Meuterer durch Funkspruch auf, bedingungslos zu kapituliere«, falls sie nicht wollte«, daß Gewalt gebraucht werde. Er verlangte, das Schiff solle stoppen, die niederländische Flagg«.hissen und auf dem Heck eine Weiße Fahne zeigen. Rach 10 Minuten kam die drahtlose Antwort:^ hindert uns nicht." Der Kreuzer„Java", di« Torpcdobootjäger j Wie verlautet, wird der Kommandant der “*■■*““—,„Zehen Provincien", Kapitänlcutnant Eiken- boom, seines Postens enthoben werden^ Ihm wird zum Borwurf gemacht, daß er den ihm wiederholt übermittelten Warnungen wegen einer aufrührerischen Stimmung unter der Besatzung seines Schiffes keine Beachtung geschenkt habe. Ein« dieser Warnungen ging dem Kapitän sogar von dem kommandierenden Admiral der niederländisch-indischen Flotte zu.. eine neue Heulcra Einer Meldung aus Medan(Sumatra) zufolge hat sich in Atjrh eine Meuterei bei dem Teil der europäische« Besatzung des Panzerkreuzers„Seven Provincien" ereignet, der dort seinerzeit an Land gegangen ist. Nachdem sich die größere Hälfte der enropaischcn Offiziere, Unteroffiziere«nd Matrosen mit dem Kapitän a« Bord eines Regierungsdampsers begeben hatte, um das Mentererschiff zu verfolgen» blieben neben hundert Eingeborenen, Maaten und Matrose« etwa 25 europäische Mannschaften mit mehreren Offiziere« zurück. Dies« Europäer haben sich jetzt geweigert, den Anweisungen des Militärkommandanten von Atsch zu Patrouillengängen z« folgen. Sie wurden von der Gendarmerie wegen Dienstverweigerung in Haft genommen. Die eingeborenen Mannschaften haben dem Befehl des Militärkommandanten Folg« geleistet. ßtrtse im Hang- Neuwahlen? Haag, 10. Feber. Wie aus politischen Kreisen verlautet, hat Königin Wilhelmina beschlossen, sofort nach Holland zurückzukehren. Durch diese unerwartet eilige Rückkehr der Königin nach dem Haag gewinnt die reits gestern in parlamentarischen Kreisen äußerte Auffassung an Wahrscheinlichkeit, di« Regierung entschlossen sej, der Königin Auflösung der Zweiten Kammer und di« sofortige Anberaumung»on Neuwahlen vorzuschlagen. den, die immer wieder feststellte, daß nicht nur bloß ein Bruchteil der in den Blättern der Rechten genannten Summe verausgabt wurde, sondern daß die Gelder auch ausschließlich e t a t s m ä ß i g zur Berbrecherbekämpfung Verwendung fanden. Zu diesen Verbrechen zählte die Preußenregierung allerdings auch Hochverräterische Unternehmungen, Spreng stoffattentate, Gewalttätigkeiten und Staats verleumdung,. also die ausschließlichen Arbeits gebiete der Hitlerpartei und der Hugenber- gianer.— Nun wärmt die Rechtspresse den alten Schwindel als Wahlschlager auf, die Reichsregierung hilft durch ihre Preußenkommissär« die Verleumdung„beweiskräftiger" zu machen und unsere heimischen Rechtsjour naillen geben sie feixend weiter.— Es ist doch merkwürdig, wie moralisch die Herrschaften sind, wenn sie glauben, sozialdemokratischen Führern Verfehlungen nachfagen zu können. Der O st h i l f e s k a n d a l, der einen hundertmal größeren Umfang hat als der angebliche Skandal im Preußenfonds, wurde vom„Tag" und von der„Sudetendeutschen Tageszeitung" totgeschwiegen. Millio- nenbeträge aus dem Osthilfefonds wurden für private Zwecke ausgegeben, Hunderttausende bekamen einzelne den jetzigen Machthabern Nahestehende als persönliches Geschenk. Und während die Preußenregierung die Unter suchung der gegen sie erhobenen Anschuldi gungen fordert, weil sie reine Hände hat, v e r- hinderten die Nazis und die Deutschnatio nalen die Untersuchung des Osthilfeskandals, indem sie die Sitzung des parlamentarischen Ueberwachungsausschusses sprengten.— An gesichts dieser Tatsachen darf man wohl sagen, daß die Preußenregierung auch dann den Fonds zur Bekämpfung des Verbrecherunwesens richtig verwendet hätte, wenn mit ihm ausschließlich die Parteien und ihre Helfer bekämpft worden wären, die heute die Geschicke des Reiches bestimmen. Das Gesindel innerhalb unserer Landesgrenzen, das erfundene Affären ausschlachtet, weil ihm andere Kampfmittel gegen die Sozialdemokratie nicht zur Verfügung stehen, hat in den feinen Herren Deutschlands und ihren erbärmlichen gelben Mörder-Lakaien würdige Partner. Der Fonds, der zur Bekämpfung dieses politischen Verbrecherunwesens gebraucht würde,, müßte um das Hundertfache größer sein als die von den deutschnationalen Junkern und den Nazis gestohlenen Osthilfemillionen. iiiiniiiuiiiiini!!U!unniiii!iiiiuiiiniiiiiiminiwHiiiuiiiitiiiiiiHiiui!iiiinniiiiiuuuuiiiniiuiuininiimiiiiininniiiiiiiiiiiiiiHiniituiuiiiiiiiiiiiiiiiuiiiiiiiiniiiiiitiiiiiiiiiuuiitiiiHiii!iiiiiiiiiiiiHiitiiiimiiia Worte ausstießen. Die Gerichtskommission, welche di« Leichenschau vornahm, hat den Sohn der Ermordeten, John Mills, der Tat verdächtigt und mit ihm sieben Mitschuldige verhaftet.' 325.000 Dollar geraubt. ein Postamt überfallen. Sacramcnt o, 10. Feber. In der Nacht auf beut« wurde«in verwegener Raubüberfall auf di« hiesig« Postamtszentrale unternommen. Die Räuber blieben mit ihrem Automobil in der Straße hinter dem Postamt stehen «nd warteten, bis ein Postangestellter mit dem Geldbeutel herauskam. Sie entrissen ihm denselben«nd flüchtete« mit 325.000 Dollar in Bargeld und Anweisungen. Das Postamt hat bis jetzt noch nicht festaestellt, ob der geraubte Betrag nicht noch größer ist. Arbeltsloseukrawalle in Ttockholm. Stockholm, 10. Feber. Ernste Ausschreitungen der Arbeitslosen ereigneten sich gestern in den Amtsräumen der Armenfiirsorge und später im Sozialfürsorgeministerium. Der Direktor des Armenamtes erklärte zu einer Arbeitslosendeputation, daß er ihre Forderungen nicht bewilligen könne, worauf sich die Deputation weigerte, dir Amtsräume zu verlassen. Die herbeigerufene Polizei schaffte dann die Deputation aus die Polizeidirektion. Die demonstrierenden Arbeitslosen, die hievon erfuhren, zogen hierauf zum Ministerium kür sozial« Fürsorge und"verlangten vom Minister Möller, für di« Freilassung ihrer Kameraden zu sorgen. Die Demonstranten, die den Minister auf der Stiege antrafen, drängten chn in eine Ecke und überschütteten ihn mit Schimpfworten. Einem der Arbeitslosen gelang es dann, di« übrigen zu beruhigen, so daß es nicht weiteren Ausschreitungen kam. Nehung der Kiaffenlotterie 70.000 K: 98.806 20.000 K: 11.636, 33.200 10.000 K: 3351, 12.316, 64.860, 95.817 5000 K: 934, 33.276, 46.783, 54.418, 81.699, 83.525, 95.603, 97.487 2000 K:'10.653, 11.582, 12.868, 25.356, 37.908, 44.707, 46.175, 46.287, 53.318, 55.288, 56.208, 67.815, 72.657, 80.572, 91.490, 92.836, 101.362, 101.983, 104.851 860 K: 4702, 16.405, 17.779, 21.258, 29.789, 35.414, 38.633, 54.770, 57.036, 58.358, 58.893, 62.227, 65.445, 70.857, 71.821, 87.054, 89.859, 92.511, 102.355, 104.557. Ern Gasometer explodiert. SaeGtvare Katastrophe in» Gaargevret. E.rre Stadt liegt in Xrttmmern. FrS-te und Stürme in Amerika. Biele Todesopfer. Chicago, 10. Feber. Die Kältewelle, die sich in den letzten Tagen über, das gesamte Gebiet der Union ausgebreitet hat, ist die st ä r k st e seit 1889. Di« Zahl der erfrownen Personen beträgt bisher insgesamt 65 und osirfte sich noch weiter erhöhen. An der atlantischen Küste wütete ein Sturm, der auf den Inseln an der neufundländischen Küste Ueberschwemmungen hervorrief. Der Sachschaden dürfte sicherlich mehrere Millionen Dollar übersteigen. Auf den verschiedenen Weiden ist viel Vi«h umgekommen. Eine gewaltige S t u r z f l u t zwang di« 450 Bewohner des Dorfes Sanoypoint, auf den Dächern ihrer Häuser Zuflucht zu suchen. DaS gesamt« Bich ist ertrunken. Menschenopfer sind nicht zu beklagen. Ein furchtbarer Raubmord. Ungarisch-Hradisch, 10. Feber. In die Wohnung der älMrigen Häuslerin I u st k o v a in Ostrata bei Zlin drang gestern em unbekannter Tater ein, der die schlafende Häuslerin erdrosselt«. Di« Leiche schleppte er sodann in eine Kammer und hängte sie auf. Nach Durchsuchung der ganzen Wohnung und Entwendung von 3000 Kronen Bargeld ergriff er di« Flucht. Der Mord wurde erst abends entdeckt, als der Sohn der Justkova aus der Arbeit von Zlin zurülNehrte. Er klopfte vergebens an der Tür und als ihm nicht Einlaß gewährt wuxde. sprengte er die Tür aus und fand seine Mutier erhängt in der Kammer. Am Tatort bat sich eine Gendarmeriefahndungsstelle eingefunden. Neunkirchen(Saargebict), 10. Feber. Auf der Neunkirchener Hütt« ereignete sich heute eine schwere Gasexplosion. Di« Er schütterung war so stark, daß sie auch in der weiteren Umgebung verspürt wurde. Auf dem Bahnhof Neunkirchen sind sämtlich« Fensterscheiben zersprungen«nd mehrere Personen durch Glassplitter verletzt worden. Der explodierte Gasometer war der größt« des Saar gebietes. Die Zahl der Toten steht noch nicht fest. Man mutz annehmen, datz viele unter den Trümmern begraben liegen. Anscheinend hat das Unglück Opfer nicht so sehr unter den Hüttenarbeitern, wie unter den Bewohnern der an grenzenden Straßen gefordert. Im übrigen sind in der ganzen Stadt Personen verletzt worden. Alle Krankenhäuser sind Lbersüllt. Die Häuser der in der Umgebung der Hütte liegenden Straßen sind zerstört worden. Der Deckel des 85 Meter hohen Gasometers, der ein Fassungsvermögen von 120.000 Kubikmeter besaß, flog in einer Höhe von etwa 800 Meter über das Bahnhofsgelände, das mit Trümmern übersät ist» so datz kein Zug einfahren oder ausfahren kann. Genauer« erfahrt niemand, da wegen der großen Gefahr einer weiteren Explo sion di« ganz« Umgebung im weiten Umkreise abgesperrt ist. In großer Gefahr befindet sich ■iniiiiiiiuiniiiiiiiinnnHiiiinuiiniuuMiuuiiuniiuuiiiHiiiiiiiiiiiiiiniiuiinniiiiiniinniiiiiiiiiiuiiiiiiiiiiiiDiiiuiiniiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiitiuiiuinniiiiniiiiiuniiiiiiiiiHiiiniiiuiiiiiiiiiiiiiHiiiiinniiiniiiuiiiiiii Hochwasser im Obererzgebirg«. Aus Böh- misch-Hammer im Erzgebirge wird uns J gemeldet: Der andauernde strömciche Rogen d«r s letzten Tage hat im Zusammenhang mit der ein-;• getretenen Schneeschmelze im Obererzgebirge be- nächtliche Uoberschwemmungsschäden verursacht, so daß in zahlreichen Fällen die Feuerwehren eingreifen und besonders gefährdete Orte und Ob- jekte vor den gewaltigen Wassermassen schützen 1 mußt«. In Bohmffch-Hammer trat der Weiß- wafferbach so stark aus seinen Ufern, daß die umliegenden Felder alsbald einem See glichen und die Straße sich in einen Bach verwandelt«, in welchem die starke Strömung Steine, Balken. usw. mit sich fortriß, so daß di« an der Fahrbahn gelegenen Hauser erheblich bedroht erschienen. In j der Weberei Bittner füllten die Wafsermassen die Kellerräumlichkeiten bis obenan, in einem gegen-- überliegenden Gebäude drangen die Fluten in die Wohnb«standteile ein, so daß die Bewohner sie verlassen mußten. In der bekannten Ausflugs-> restauration»Lauxmühle" verlöschten die in die Kellerräumlichkeiten eindringenden Wassermaffen< die Dampfheizung, so daß die Gäste— es fand gerade«ine Maskenredoute statt— bei einiger-- maßen kühler Temperatur den Abend verbringen mußten. Di« alarmierte Feuerwehr griff überall hÄsend ein und versucht« auch, die gewaltigen Wassermassen dadurch obzusacken, daß sie am Austrittspunkt« des Weißwasserbaches Bäum« fällte und provisorische Dämme errichtete. Der durch die Ueberflutung des Bach«S in tiefem Teile des oberen Erzgebirges«ntstanden« Schade»st! sehr beträchtlich. Neuer Abgeordneter. In der gestrigen Parlamentssitzung leistete der Redakteur Andreas B r 5 d y aus Ungvar als Nachfolger des vcr-. storbenen karpathorussischen Abgeordneten Kurtak (Autonomer SoiuS) di« vorgeschriebene Angelobung. Bestätigtes Todesurteil. Das Oberste Geruht in Brünn hat heute die Nichtigkeitsbeschwerde deS beschäftigungslosen Arbeiters Josef Matou 8 ek aus Prag verworfen, der am 19. November v. I. vom Prager Schwurgericht zum Tode durch den Strang verurteilt wurde, weil er am 24. Juni sein« Geliebte Zdenka Topinkova in Roztoky bei Krivoklat ermordet hatte. Gewitter im Feber. Ueber die Stadt Lodz ging am Freitag ein heftiges Gewitter nieder. Durch das Gewitter wurde dte Antenne der großen Radio-Sendestation in Raszhn vernichtet. Abgestürzt« Militärflieger. In der Näh« von Kielce(Polen) stürzte heute mittags em Militärflugzeug ab. Die beiden Fluginsasscn, ein Fliegerleutnant und ein Fliegerunteroffizier, fanden hiebei den Tod. in Malacky. Prag, 10. Feber. Donnerstag, den 9. Feber startet« auf dem Flugplatz in Malacky um 15 Uhr 50 Minuten das Flugzeug A 11.80 zu einem Uebungsflug. Gleich nach dem Start, in einer Höhe von zwanzig Metern setzte der Motor aus. Der Pilot war gezwungen notzulanden, wobei das Flugzeug havarierte. Die Mitglieder der Besatzung, der Pilot-Zugsführer Josef Kubat vom 6. Fliegerregiment und der Zugsführer-Schütze Franz S t o l b a vom 6. Fliegerregiment, erlitten nur leichte Abschürfungen. „de Zeven Provincien" telegraphische Befehl des Kommandanten Regierungsflotte ein, daß die Meuterer sich unverzüglich ohne Mitnahme der Waffe» in die Boote begeben müßten. Die noch dm Leben befindliche Mannschaft, stark unter dem Eindruck des Bombeneinschlags stand, fügte sich sofort diesem Befehl. Nach der Gefangennahme der Meuterer wurden die Führer von den übrigen Mannschaften getrennt. Wie weiters bekannt wird, befanden sich auf dem Meutererschiff 16 Offiziere, neun europäische Unteroffiziere, drei eingeborene Unteroffiziere, 44 europäische Korporale und Mannschaften sowie 184 eingeborene Korporale«nd Mannschaften. Bon ihnen dürften sich nur die Offiziere und die europäischen Unteroffiziere geschlossen der Meuterei widersetzt haben. In der heutigen Sitzung des Bolksrates teilte der Oberbefehlshaber der Marinestreitkräfte mit, es habe sich herausgeftellt, daß r auch«Angehörige der europäischen Bemannung an der Meuterei teilgenommen haben. Außerdem ist festgestellt worden, daß die Meuterer beabsichtigt hätten, für den Fall, daß die •,.,..„, ,Nahrungsmittel aufgebracht sein würden, Han- Regierung Braun wiederholt dementiert wor-jdels schiffe anzugreifen und zu plündern. Jh. 36 SamStag, 11. Feber 1833 Seite 5 Ei« Bahnbrecher des Soziattsmus gestorben. Hamburg, 9. Feber.(Eig. Traktbsr.) Am 9. Feber, fünf Tage nach seinem 83. Geburtstag, verschied in Hamburg KarlEgon Fr'ohme. Fryhnre verkörpert« als einer der Aclresten der Partei ein bsdeuesames Stück Parteigeschichte Ursprünglich Schlosser von Beruf, vermehrte er durch eisernen Ueiß sein Wisien unv wurde bald ein Agitator für den Sozialismus wie kein zweiter Schon 1873 wirkte er im Allgemeinen deutschen A-deiierv-rein für die Lin'auir^ mit der Eiienacher Richtung, die dann auch 1875 aus dem Einigungskongreß in Gotha zustande kam. Sein Witken als Agitator vor und während des Sozialistengesetzes trug Frohm« die schärfsten Verfolgungen ein. Neber ein Dutzend Prozesse bracht« ihm feine Tätigkeit ein. Neun Monate trug ihm allein die Teilnahme am sogenannten Kopenhagener Geheimbundprozeß 1878 ein, in den auch Auer und Bebel verwickelt waren. Die wüstesten Verfolgungen mußte er über sich er« gehen lassen; auch von der Ausweisung blieb er nicht verschont. Eine groß« Anzahl seiner Dichtungen und politischen Schriften wurde verboten. MZ das Schandgesetz fiel, siedelte Fvohm« nach Hamburg in di« Redaktion des„Hamburger Echo" über, der«r bis zum Beginn des Weltkrieges angehörte. Hervorragend war Frohme auch als Reichsiagsobgeord reter tätig. Radioschmuggler ertappt. Aus W c i p e r t tvitzd uns berichtet: Dieser Tage wurde von Organen der Finanzwache überraschend in einem Nachtlokal eine Durchsuchung vorgenommen, wobei Radioapparate und Bestandteile, die über die Grenze aus Sachsen nach Böhmen gepascht worden waren, aüfgcfunden und beschlagnahmt tour* den. Die«ingeleiteten Erhebungen ergaben, daß die Ware im Auftrage eines Prager Kaufmannes geschmuggelt worden war. Das Schmuggelgut devfiel der Beschlagnahme, und gegen den «vager Kaufmann, sowohl, auch gegen den Schmuggler, wurde das Strafverfahren eingeleitet. Raubmord. Zwischen den beiden rumänischen Eisenbahnstationen Roman und BaSca wurde stlrze Zeit nach der Vorbeifahrt des v-ZugeS Berlin—Bukarest der völlig verstümmelt« Leichnam des türkischen Kaufmann- Harry M u st a f a gefunden. Nach den bisherigen kriminalpolizei- mhen Ermittlungen ist Mustafa während der Fahrt im Zuge von Räubern überfallen, ermordet und beraubt worden. Nach der Tat haben die Verbrecher, von denen bisher jede Spur fehlt, den Leichnam aus dem Zug geworfen. Wagner-Ausstellungen. Mehrere deutsche Städte, die sich geschichtlich mit dem Leben uitfc Wirken Richard Wagners verbunden fühlen, verunstalten im Wagnerjahr 1933 interessant« Son- «rauSstellungen. Das stadtgeschichtliche Museum der Wagnerschen Geburtsstadt Leipzig will seine reich auSaestattete Sammlung von Wignsr- Erinnerungen durch wertvolle Stücke aus Privat- Ä die chm leihweise zur Verfügung gestellt n sind, ergänzen. Das Museum der Berliner StaatSthcater, das Münchener Residenzmuseum, das Museum der Tannhäuserstadt Eisenach, in der Wagner die Kreuzschule besuchte, 1848 als Revolutionär kämpfte, und in ber er fast sieben Jahre als Kapellmeister wirkte, Werden das Schaffen des Komponisten illustrativ barstellen. Bayreuth will eine Reihe von erlesenen Stücken des Wahnfried-Archivs der Deffentlichkeit zeigen. Kaust Jugendfürsorgelof«! Ziehung schon am 15. März 1933,— Trefferwert 250.000 K, darunter Treffer im Wert« von 125.000, 20.000, 10.000~K sowie 5820 Gewinste zu 1000, 500, 100, 50, 20 und W K. Durch Ankauf einet Jugendfürsorgeloscs htlfen Si« notleidenden deutschen Kindern und Augendlichen, denn der ganze Reingewinn dieser Lotterie kommt der deutschen Jugendfürsorge zugute! Los« sind erhältlich bei den deutschen Bczirks- lugendfürsorgen, in Tabaktrafiken, Losverschleißstellen, Banken oder direkt zu beziehen von der Deutschen Landeskommisfion für K nixrichutz und Jugendfürsorge in Böhmen, Reichenberg, Waldzeil« Nr. 14. Tragischer Tod. Einem merkwürdigen Unglücksfall fiel der zwölfjährig« Schüler Gerhard Sdel aus Wahrburg bei Stendal zum Opfer. Ebel batte sich an ein Fenster gesetzt und ans Spielerei bie Gardinenschnur um das Kinn geknotet. M.— Dienstag, 8 Uhr:„Di r Water- lo ob ruck«"(Balcköeamten.kk).—( Mittwoch, 8 Uhr:„Palais Roya— Donnerstag, 8 Uhr: „M oral"(Kuiltnivepbandsfreunde).— Freitag, 548 Uhr:„Candida".— Samstag, 8 Uhr: „Palais Royal". Sport* Spiel* WiMiillM 25 Jahre M. L. 8. Budapest. Hauptfesttag« 16. bis 19. Juni. Der Arbeiter-Sportverein MunkaSTested- z ö Eghesület feiert sein 25jährigeS Bestehen, zu dem er alle Arbeitersportler der SASJ. herzlichst einlodet. Den Auftakt gab das am 23. Jänner in Budapest abgohaltene Jubiläumsschwimmfost. Der Zeitplan für die Hauptveranstaltung des Festes ist: Freitag, den 16. Juni:. 20 Uhr: Be- grützungsabend. Samstag, den 17. Juni: Nachmittags: Leichtathletik, Ringen, Spiele(Fußball und Handball), Sondervorführungen im Turnen; abends: Festspiel. Sonntag, den 18. Juni: Morgens: Start der Radfahver über 100 Kilometer; vormittags: Festzug, Konferenz des ungarischen Arbeiter-Sportvereines: nachmittags: Massenfreiübunyen, Sondewor- führnngen. Entscheidung in Leichtathletik und Ringen, Fußball-Länderspiel. Dir Massenübungen sind jene Hebungen, welche für den Weltarbeitersporttag ausgearbeitet wurden. Montag, den 19. Juni: Ausflüge nach dem Plattensee mit der Bahn und per Schiff; Donausahrt nach Bisegrad; halbtägiger Ausflug in die Ofener Berge. Leichtathletisches Programm: Männer: 100-, -00-, 800-, 1800-, 3000- und 10.000-Meter-Lauf; 200 Meter Hürden; 800- und 400-Merer-Stasfel; Hochsprung, Weitsprung, Kugelstoßen, Diskuswerfen. Für Frauen: 100 Meter, 4X100 Meter, Hochsprung, Weitsprung, Kugelstoßen(4 Kilo), Diskuswerfen (1 Kilo). Preis des Festabzeichens Pengo 2.50, wofür Quartier, freier Eintritt auf den Sportplatz und sonstige Begünstigungen zugesichert werden. Allgemeiner MeÄdetermin ist der 1. Mai. Namentliche Meldungen müssen spätestens bis 1. Juni in Budapest eintresfen per Adresse-es M. T. E. Bu pafte VH, Almasfy ter 2. BDrgMlMMr Spork Ziffern aus Generalversammlungen zweier Profi-Vereine. In Prag hielten die Sparta wie di« Slavia, also di«„Prominenten" des tschechischen Profi-FußballsportS, ihre Jahresveusanmrlungen ab. Bei der Sparta betrug der Gesamtumsatz im Jahr« 1932 2,192.975 K; an Mitgsliedsbeiträgen wurden 35.029 K(1082 Mitglieder) eingenommen, an Steuern wurden 382.92880 K bezahlt, die Spiele rregie betrug 553.475 8. Di« größt« Brutto-Einnahme wurde bei dem Mitropa-Cupspiel gegen FC. Bologna mit 300.417 K erzielt.— Slavia hatte nur einen Jahresumsatz von 1,424.000 K, für Spielergagen wurden 333.473 K und für Prämien 214.817 K ausgegeben(Jahresgage eines Spielers durchschnittlich 368008 oder 8000 K monatlich!!), an Steuern wurden 481.282 8 bezahlt und der Reingewinn wird mit 14.468 K aüsgewiesen. Di« Fis-Rennen. Am Donnerstag wurde der Slalomlauf für Männer ausgetragen, der mit dem Siege des Oesterreichers Seelos in 2:29.9 vor feinem Landsmann G Lantscher 2:39.8, Steuri (Schweiz) 2:41.1 und Däuber(Deutschland) 2:44 endete. Bon 78 Gemeldeten starteten 65.— Die alpine Kombination— Abfahrts- und Slalomlauf —i gewann Seelos(Oesterreich) vor Steuri und Furrer(beide Schweis). An dieser Konkurrenz beteiligten sich 49 Läufer. Troppaner SB. gegen Massachusetts RangerS 1:1! In dem am Donnerstag in Troppau ausge- tragenen Eishöckeymätch könnten die Troppauer ein bemerkenswertes Unentschieden erzielen. Nit me«glich! Dieser bekannte Ausspruch des bekannten BarietShumoristen Crock patzt auf folgende Notiz, di« jetzt in der bürgerlichen Presse ihre Runde macht- Das französische Olympische Komitee hat eine Abrechnung über die pon der Regierung bewil ligt« Subvention von drei Million«« Franken zu den Olympischen Spielen aufgestellt und wird nun als nicht verbraucht rund eine halbe Million wieder zurückzustellen... Aus der Partei Jugendbewegung. S. I. I. Am Sonntag um hall» 10 Uhr vormittags im Verein deutscher Arbeiter, Smeöky 27, F u n k t i o n ä r k u r s. An di« Teilnehmer ergeht die Aufforderung, ausnahmslos und pünktlich zu erscheinen. Der Film Der erste Amerikaner.(„Das verlorene G«s ch w a d e r".) Nach fast einemhalbsäihriger Pause werden iu unfern Kinos wieder amerikanische Tonfilme laufen; als erster wird in Prag aus der Produktion der PDC. ein Werk gezeigt, das wie kaum«in nveites geeignet ist, die Geisteshaltung der Amerskäner zu beleuchten und so einige prinzipielle Morte zu diesen Filme» zu sogen, di« in den nächsten Monaten dem deutschen Film werden konkurrieren wollen. Was wir bis jetzt als Tonfilm von Deutschland gesehen haben, ist dir auf die Ausnahmen darauf angelegt, die Wunschträum« der proletarfsiertrn Mittelständler oder nicht klassenbewußten Proletarier zu erfüllen; es gehört nun einmal zur deutschen Spießerart, daß sie aus das „Sinken" aus der Bürgersphä« wie«in Kind mit Trotz reagiert und„jetzt erst recht" nach rückwärts guckt, sich in di« schöne Vergangenheit neuerlich verliebt und das alles auch tn seinem Film sehen will. Darum ist alles unwirMch an diesem Metier: Heut« spricht Genosst« Alice Rühle. Dresden im zweite» Kursabend zum Thema: ^Erziehung zur Gemeinschaft". Ort: Studentenheim im Odborovy dum. Beginn 6 Uhr abends; End« gegen 8 Uhr. Gast« willkommen! S. I., Prag. der Baron ist eigentlich keiner, der Hochstapler scheint adlig und ist eS nicht, der Graf ist arm, aber edel, und der hilflos« Spießer eben lächerlich, weil er unserm Wunschträum nicht entsprechen kann. Und da seit jeher die Operette dieser Mentalität am m«isten enlgegengekommen ist, wird sie auch im Film gepflegt. Aus die Proletarisierung reagiert aber dör Amerikaner nicht mit wehmütigen Reminiszenzen: er'hat nichts, worauf er stolz" fein kann, fein« Vergangenheit wird durch keinen feschen Adel repräsentiert, sein Pater und Großvater haben noch schr prosaisch vom Westen den Weg nach Osten oder von der Straße ins Direktionszimmer genommen: das, was ihm imponiert und immer imponieren wird, ist* di« persönliche Tat. Daß der Erfolgreich« kein Edelmensch ist, daß er selbst gar nichts dafür kann, wenn er von den Deutsche sozialdemokratische Dczlrksorganlsation Prag. Dienstag, den 14. Feber, 8 Uhr abends, Großer Uraniasaal, Prag II., Smecky Oeffenllidier Vortrag Paul Szende(Paris) Wandlungen lies KlassenRamples in der Krise. Traoisdie Erkenntnis. Anfangs las ich in meinem Baedeker so vor mich hi«. Mittendrin wurde»ch, von einer Regung des Gemüts beunruhigt, stutzig, hielt inne, las noch einmal, und dann stand plötzlich und mir ajler Wucht ein tragischer Zusammenhang zwischen dem, was ich las, und einem der fürchterlichsten Ereignisse der Weltgeschichte grell und klar vor meinem Bewußtsein. Reisen kann ich mir nicht leist««; also les« ich als Reise-Ersatz zuweilen gern im Baedeker, jenem onkelhaften und gründlichen Reiseführer des braven Bürgers. Tos ist schön und billig. Bor allem billig. Ich blätterte auf und war mitten in Belgien, im Blamenländ, im schönen Gent. Ick; kannte es aus einer schlimmen Zeit, aus dem Kriege, kannte es nicht so wie der Baedeker und suchte mich nun an seiner Hand neu zu orientieren in dem alten, herrlichen Dlamenstadtchen. Bald fand ich mich auch zurecht, entdeckt« auch schnell die holde Gasse, in der ich vor dem Fenster einer noch holderen Blamenmaid so oft auf und ab patroulliert war und schließlich Erhörung gefunden hatte. Bon Gent fuhr ich dann— mit dem Finger auf Baedekers Karte— nach Jsegkem,' nach Courtrai. nach Menin. Auch hier war ich noch gewesen, damals im Kriege; aber hier waren schon keine Erinnerungen an Blamenmädchen mehr, dafür solche an Geschützdonner, zerstörte Häuser. Bernichtung und Barbarei... Aber ich schüttelte die häßlichen Erinnerungen ab und las rm Baedeker weiten.. von Menin aus kann man dann über Ghcluwe und Gheluwelt schon für 50 Pfennig in 25 Minuten nach Ipern fahren..." Hier setzte plötzlich di« Unruhe meines Her- zens und Gewissens ein: Menin... Ghe- luwe... Gheluwelt... Ipern... H:er halte» wir gekämpft, hatte ein Volk gekämpft, gelitten, gebültet; hier waren Hunderttausende gefallen, auf den Feldern vor Ipern, in den Gräben, in den Granattrichter». Bier Fahre lang war hier Tod, Mut, Schmerz, Bernichtung gewesen. Wie war das doch? W a S stand im Baedeker?...„Bon Menin aus kann man dann schon für 50 Pfennige in 25 Minuten nach Ipern fahren"? Ja, so stand da schwarz auf.weiß. In einem sachlichen, ernst zu nehmenden Büche, das es mit der Wahrheit recht genau nahm. Aber das konnte doch gar nicht wahr sein! Das konnte man doch gar nicht, für 50 Pfennig« in 25 Minuten von Menin nach Ipern fahren! Wir wissen es doch, wir haben es doch am eigenen Leibe erfahren. Bei Gheluwelt hat mir doch ein Granatsplitter den Schenkel zerrissen, weil ich »ach Ipern wollte! Und meinem Freunde hat es die Brust zerschmettert, weil er nach Ipern wollte..>. Ein Sechzigmillionenvolk hat doch damals von Menin nach Ipern gewollt, über Gheluw« und Gheluwelt. Hunderttausenden Hai"dieses Wollen das Leben gekostet zwischen Menin und Ipern. Hunderttausend Kreuze stehen auf den Aeckern und Feldern. Und Millionen und Abermillionen wurden dafür bezahlt, das Vermögen eines Volkes. Die Erde wurde durchwühlt, unterminiert; Kanäle und Schleusen wurden gesprengt, Straßen aufgerissen, Häuser dem Erdboden gleichgemach: Kirchen zerstört, Ackerland und Gärten bis zuin Grundwasser abgehoben. Wasserfluten über fruchtbares Feld geschickt, Bauern von Haus und Has vertrieben, Lust und Erde mit Giftgas verseucht, vier lange, entsetzliche Jahre hindurch. Tag und Nacht, alles nur, um von Menin nach Ipern zu gelangen. Und alles umsonst. Das Sechzigmillionenvolk konnte nicht hingelangen Und nun stand hier zu lesen, daß man diesen Weg in 25 Minuten n 50 Pfennige bequem fahren könnte. Welch ein« hölli'ch« Spiegelfechterei! Kann man uns so betrogen haben?! Konnten die Dinge so einfach und leicht sein? Und konnten die Menschen sie sich so kompliziert und sinnlos schwe: machen?! Ein infernalischer Spaß, den sich da k Baedeker, bieder, harmlos und unfreiwillig, geleistet hat! Eine Reiseführer-Schicksalsironie. di« sich Generale und Staatsmänner einmal nachhaltig zu Gemüre führen sollten. Es'ist nur zu befürchten, daß ihnen die tragisch« Erkenntnis daraus nicht recht zum Bewußten kommen wird. Zuverlässiger ist'S schon, die Massen prägen es sich unauslöschlich ein, daß eine Strecke^ die man im Frieden und in Frieden für 50 Pfennig r 25 Minuten zurücklegen kann, im Kriege Millionen, Blut und Bernichtung kostet, ohne daß man sie hinter sich bringt. Heinz Eisgruber. CeiMank der deutschen Sparkassen in der Gechoslovakischen Republik. HMPNMtk: Prag L, tndntquM H Zweigniederlassungen: Awrift Man, Eger. Ageradorf. Kalehenbaa^& Teaehen. Tmtenan. Troppaa. Ma Baak Rr deutschen Sparanstalten und i«a? Gemeinden. Zufälligkeiten üeS kapitalistischen Lottert espieÜ, „Wirtschaft" genannt, nach oben geworfen wiwS, ist dem Amerikaner nm.bekannt: er will Taten>eht» und darum sind fern« Film« voll von Geschehen Jn so einem Film„Das verlor«»« G«' schwader" leben Privathosden, Bürger, die mun-, «del und tadellos sind; sie leben und lieben, wi« ei sich gehört, ohne besondere Aufregung, sie scheine« alle glatt wie di« große Ebene, auf der solch« Art gedeiht. Und da in ihrem Staat der Sbldät Haupt» Held des Alltags ist, wird ihr Film immer den Mann zeigen, der in schlichter Uniform selbst»«» stündlich« Heldentaten vollbringt. So auch'i» unserm Film, der von Richard Dix, Joel Mr C r a«n(dem Partner der Dolores del Rio i» ihrem ersten Südfeefilm), Erich v. Strohhet« und der schönen A st h r r pathetisch gespielt wick und trotz der inhaltlichen Naivität durch gute Ftio gerbilder sehenswert ist, denn er ist nur zu eine« Drittel Divlogstlm. W 8- Filme In enger UffitsplelMnseri bis einschließlich Donnerstag, d«u 16. Feber: Wran-Urania:„Ich bei Tag und Du bei Nachts Adria:„Das verlorene Geschwader."— Alfa: „Der träumende Mund.'— Beränek:„Orlow."" Fenix:„Das Geheimnis des blauen Zimmers."— Flora:„Ich bei Tag und Du bei" Nacht."— Gaumont: ,Ba>by.".— Hollywood:-„Baby."— Hvizda:„Madame Blaubart."— AuliS:„1000 für eine Nacht.'— Kapitol:„Das Kap der Verlorenen? — Kinema, B.-Th.: Journal. Grotesk«, Reportage Ab halb 1 bis halb 8.— Koruna:„Madame Bla«' bart."— Kotva:„F. P. 1 antwortet nicht."— Lueerna:„F. P. 1 antwortet nicht."— Metro: „Wie sag ichs meinem Mann?"—Olympi«:„Der Weg inS Leben."— Passage:„Das Geheimnis des blan«n Zimmers.'— Praha:„Der-Hexer.— Radio:„Orlow.'— Skaut:„Der Hexer."— SvStozor:„1000 für eine Nacht."— Alm« „G i l g i, ein« von u n S."—- Avion:„Oos vabis?"— Baskal:„An allem ist di« Liebe schuld.' — Favorit:„Fürstenliebchen."— Konvikt:„Orlow' — Lido:„Dfr Liedersänger."— Louvre:„Ich bei Tag und Du bei Nacht."— MaceAa:„Der Weins Leben.'— Perstyn:„Di« Prinzessin aus der Sahara."— Roxp:„Orlow."— Baldek:„Ich bei Tag und Du bei Nacht."— Aeademia: ,„Kikl."-* Belvedere:"„Johann Straizß, k. u. k. Hofballmusil- digektor."— Beseda:„Schwester Angelika.'.- Carlton:„Der Weg ins Leben'— Dow* vina:„Gitta hat ihr Herz entdeckt."- Illusion „Ich bei Tag und Du bei Nacht."—. Zport« Smichov:„Der Liedersänger."— Svornost-Bubruck: „Schwester Angelika."— Zvon:„Der Liede» sänget' Literatur Katalanen, Kottern nnd katholische Kirchen Nachdem Italien für di« Deutschen viel von seiner alten Anziehungskraft verloren hat, erscheint jetzt doS republikanische Spanien viel stärker äls Land romantischer Sehnsucht. Deshalb ist es nötig d esei europäisch-afrikanische Grenzland kritisch zu be> trach.en. Zwei junge Marxisten machten ernt Fußwanderung dorthin. In sozialer Betrachtung!' weis« erfahren, sahen sie, wie die bürgerl che Revolution einer starken kapitalistischen Ausbeulung Spaniens dient. Um so mehr erwacht umer den Arbeitern der Industriezweige und den armen Bauern auf dem Lande einstweilen noch ungeforw' und noch unorganisiert di« Solidarität der AuSge- beu'eten, denen di« Zukunft gehört. Im Februarheft der„Urania", Kulturpolitisch« MonatShefÜ über Natur und Gesellschaft, ist davon ausführlich d'e Rede. Soziale Wanderungen zu den Musik' Instrumentenmachern des sächsischen Vogtland«- und di« neuerbaute Glocknerstraß« schließen sich au- ! Weitere natur- und' gesellschaftswissenschaftliche Aufsätze folgen. Auch, die Kurzberichte über wis- senschaftlich« Neuigkeiten sind nrt immer vertrete« Schön« B lder, in Form von Zeichnungen uni Photos, beleben das Heft. Wir verweisen f 4«« jetzt auf di« März-Nummer dieser Zeitschrisl. die der Bedeutung des Marxismus für d« Gegrnwas! gewidmet sein wird Ein Abonnement und dam>k d'« laufende Anteilnahme an der BildungSarbeit der „Urania" kann jedem bestens empfohlen werde« W«r sich näher informieren will, erhält vo» Uran ä-Fr«idenker-B«rlag in Jena Probehefte und Prospekt« kostenlos gesandt. Vie richtige Brille Optiker Deutsch Prag IL, Prikopy, Palais Komm» »MMWMMMMWMM« gsMßWzitzst HeilanStlU Wer niest« ständig JttU Ör. 31.«ich Inserien Monatl. Kursk in orthop OK 1 L, B. tBmuiimiiiiiiuiiinrwnmniiimiiiiimiiA 1885 »ttniiibet«ughui ttik— Cbtltteatteac VUHrl« M 11 k a e t.— 8etaat9ottlttt)et Redaktrar: Dr. Cmil 8 11 a a 4, Pra«.— Druck:-SoW N.-s». lür tzeinuia-und Buchdruck, Pra».— Für»ru Druck»rruulworUlch. vil» öu.,1. „ Die Le, uaarmarteutruutaiur wurde»an der Poft. u. L-learaphendirrktiou mir Erlas Rr. lS.S00/VHNgS0 brwAigt.— BejugSbedmgungen: Bei Zustelluaa>u» Hausloder bei Be,u«durch dir Post monatlich ne n>.—, vlcrreljährlich LS s.—, Prag.- U-- Ju>°ran werd«, lau, kau, fatgft derechurl. Bri ollere, UiaschaUuu,«, PreiSuuchlu,.- Rückstellun, da» Munustripre, erjoi,: x, bei»Mjeuduug»e» R«--°r--<-rte».