Erscheint mit Ausnahme des Montag täglich früh.' ».»Oftlmm. Bnwoltunfl: Braon,3trtÄ»onra 18 ♦Xelfpl).: 36795, 51469,«ochtndokl.(-» 31 Usch r 33858 ♦ pt>»l*ttforat: 57544 WWWM Sonntag, 12 Feber 1933 13. Jahrgang. Nr. 37. «szekpreks 70 Heller. ^Einschließlich S Heller Por-- Man! Verwüstungen in Nennüirdien. Heber 60 Tete und viele Hunderte von Verletzten. Neunkirchen(Saargebiet), 11. Feber. Erst heute laste« sich die furchtbare« Folge« der gestrige« GafonketereMofion einigermaßen übersehe«. Die erste« Meldungen, di« von Hu«. Lerte« von Tot«« sprachen, haben sich glücklicherweise als übertriebe« herausgestellt. Bis beut« nachmittags 5 Uhr wurden 68 Tote geborgen und man kann damit rechne«, daß ihre Zahl nicht mehr sehr steigen wird. Di« Zahl der Schwerverletzte« betrügt etwa 250, die Zahl der Leichtverletzte« über 300. Glücklicherweise hat es sich herausgestellt, daß sich di« Nachricht von der Notwendig, keit einer Stillegung des Werkes auf eiu volles Jahr nicht bewahrheitet. Zwar mußt« die Kokerei stillgelegt werden; der Hochofenbetrieb jedoch geht i« beschränktem Umfang« weiter und man hofft auch, schon i« etwa acht Tag«» die Betrieb« d«s Stahl, und Walzwerkes wieder aufnehmen zu können. Augenzeugen berichteten, es hab« erst eine! kleine Explosion in der benachbarten Benzolsabril ! gegeben, mit unbedeutendem Knall, der kein beson» dere- Aufsehen erregt hab«. Die Neugierde hab« di« Menschen ans die Straße getrieben, sie seien Geradezu auf de» neuen Gaskessel zugelaufen, um hören, was sich ereignet«. Wenige Minuten !später ertönt« ein gewaltiger Knall, der di« ganze Umgebung in ihren Grundfesten erschütterte. Der Gaskeffel war in di« Luft geflogen. Die Menschen wurde» buchstäblich in die Lust gewirbelt. Einigen wurden die Kleider vom Leib gerissen. Sin vorbestahrendes Auto wurde in die Luft geschleudert und völlig zerdrückt. Die Jnsaflen wurden getötet. All« Anwohner der Saarbrückerstraß«» die don dem Unglück verschont geblieben sind, ergriffen die nächstliegende« Gegenstand« und flüchteten m de« naheliegende« Wald. Die Luft ist verpestet do« Gas- und Brandgeruch. Di« Stadt selbst bietet eiu furchtbares Bild> der Zerstörung. Auf Schritt und Tritt stößt man| auf Glasscherben, zerbrochen« Mauerteil, und fdrigeschlenderte Eisenstück«. Licht- und Straßenbahnmasten ragen verbogen und zerknickt in di« Luft. Zertrümmerte Fenster und Türe« liegen auf der Straß«. Das Fahrgestell eines Straßenbahnwaggons steht an einer Stelle der Stadt ge» speusterhaft da, der Oberteil ist durch di« Explosion bollkommen abgerissen und fortgeschleudert worben, die Jnsasien wurden zerrissen und gelötet; wieviel« es waren, läßt sich nicht feststellen. Entzündung von außen erfolgt Di« Explosion scheint sich so eutwickelt zu haben, daß sich zunächst aus bisher noch nicht geklärter Ursache vor dem Gasometer Gaslust entzündet«. Die so entstandene Flamme bewirkt« eine teilweise Erwärmung des Gasometermantels und dadurch eiu« Verwerfung, die ihrerseits «inen Gasaustritt zwischen Mantel und dem Deckel des Gasometers ermöglichte. Dieses ausströmende Gas mischte sich mit der über dem Deckel befindlich«« Luft und bildete das Knall- gaSgemisch, das einige Zeit später explodierte. Ein zweiter analoger Fall mit glimpflichem AuSgang. Reichenhall, 11. Feber. Jtir Zotlerschen Eisenwerk Hammerau explodierte heute abends kurz nach s«hs Uhr mit donnerähnlichem Knall die Gasanlag«. Zwei Generatoren von 10 Meter Höhe wurden in Stücke gerissen, durch die das ganz« Gebäude demoliert wurde. Es entstand ein Brand, der aber durch das rasche Eingreifen der Feuerwehr soweit eingedämmt werden konnte, daß die übrigen Fadriksanlagen geschützt wurden. Da die Belegschaft um 6 Uhr das Werk verlassen hatte, ist glücklicherweise niemand z« Schaden gekommen. Nur durch die Eisenstücke ist größerer Schaden in der näheren Umgebung des Werkes angerichtet. Die Ursache der Explosion ist noch nicht geklärt. Staatsstrcldigeiiiste Mer dummes Geschwatze? Berlin, 11. Feber. In einem Kommentar Nir gestrigen Rundfunkansprache des Reichskanz- !ers Hitler schreibt das„Berliner Tageblatt^: noch beunruhigender klang der Satz,, der auffallender Weis« zwar vom„Völkischen Beobachter^, nicht aber im WTB.-Bericht wieder- tzegeben wird und der lautet:„Wenn dieses Deutschland uns in dieser Stunde verläßt, s o Aöge«ns der Himmel verzeihen, «ir werden den Weg gehen, der notwendig ist, »aß Deutschland nicht verkommt." Das WTB. bat nur den letzten harmlos Uingenden Satzteil, ^icht aber den vorhergehenden, der eiu« b»nkle Drohung enthält, wiedergegebeu." Bedenklicher erscheint noch eine Rwe, die g e n b e r g heute im Sportpalast gehalten Er kam dabei auf di« Vorbesprechungen zur ?MierUngSbildung zu sprechen und erklärte, er habe sie nicht an dem einen Punkt scheitern Wen können, über den man sich nicht einigen "»tute, nämlich an der Frage, ob noch einmal Vtbahlt werden sollt«. Hugrnberg erklärte dann wörtlich:„Wir tvählen also am 5. März„noch einmal" und Deutschland wird bezeuge«, daß es das Wählen gründlich satt hat,«»dem es die Farbe« Schwarz-weiß-rot wählt." Vie zu Wilhelms Zelten! Strengste Absperrungsmaßnahmeu bei öfsrnt- lichrm Auftreten HmerS. , Berlin, 11. Feber. Die offizielle Eröffnung pt internationalen Autoschau heute vormittags der Messehalle bot, wie der„Vorwärts" sichtet, ein wesentlich anderes Bild, als man sonst von den Eröffnungsfeiern im Funk- Urm gewohnt ist. Die Anwesenheit HitlerS hatte Au geführt, daß Absperrungs- und Sicherheitsmaßnahmen durchgeführt wurden, wie in den Seiten, da Wilhelm II. irgend eine Ausstel- N»ng eröffnete. Nur einem ganz kleinen Kreis von Ehrengästen war«S gestattet worden, in der Nähe d«S Reichskanzlers der Eröffnung beiwrchnen zu dürfen, und selbst diese hatten sich einer dreifachen Kontrolle zu unterziehe«. Selbst daS Personal wurde von Adolf Hitler ferngehalten!, Die draußen anfangs sehr stark ausgebotene Schutzpolizei wurde später unter den Augen deS Polizeipräsidenten zurückgezogen und die Ml. nahm die WsperrungSmaßnahmen selbst vor. So wurde, wie der ortvärtS" schreibt, der neu« Reichskanzler vor der Lieb« deS Volkes geschützt! «le Bezöge der Nazibonzen. Was verdient Herr Göring? Adolf- Hitler ist in acht Jahren seiner Tätigkeit als nationalsozialistischer Parteiführer s o reich geworden, daß er auf das Gehalt eines Reichskanzlers verzichten kann. Anläßlrch dieses Erfolges„privatwirtschaftlicher Klugheit fragt die„Rheinische Zeitung"„Was verdient Mini st er Görin g?" Tas Blatt begründet die Frage wie folgt: „Nicht ganz so genial wie Adolf Hitler, aber doch immerhin ein Genie ist auch ein politischer Berater, Hauptmann a. D. Göring. Er ver- ein gl zur Zeit folgende Aemter auf sich: Reichs- tagSabgeordn jenen, die noch nie eines zu hören und zu sehen bekamen? Diese Verbindung und Beziehung besteht tatsächlich in den Wegspüren der sudetendeutschen arbeitenden Klasse.fast nirgend. Nur weniges wissen unsere Arbeiter um Wagner und sein Werk und das eben ist das wiederum Revolutionierende auch an unseren Halbjahr hundert-Erinnerungsgedanken, daß sie Uns Dichtung, in der wir unseren sozialen und Das Antlitz unserer Zeit, weit schreck licher noch verzerrt als in dem Jahrhundert Marxens und. Wagners,. immer nur, oberfläch licher das Vermögen des Anteils an solcher letzten Zielsetzung tragend, und dennoch auch in blutigem Schrecken erstarrt ob der Fern« der Befreiung, nach der die Herzen und Hirne lechzen, ist, vom Proleten her bestimmt, natur- gemäß den elhsischen Freuden, die allein eben erst recht und durchaus in" derselben Kunst schaffen urw Kunst genießen können,' r?„ verdammter Weise abgewandt; wenn Millio- t politischen Kampf führen, Ansporn"sein müs- Sette 2 5lx. 37 sen, auch in jenes Lantz schon beute einzudringen, dessen paradiesischeste Gaue freilich sich uns erst in den Tagen nach der gesellschaftlichen Revolution erschließen werden. Auf anderem Pfad als wir hat Richard Wagner dahin mit Riesenfäusten Gestrüpp und Hindernisse niederaelegl, aber er hat um uns, in aller Klarheit und Reinheit der Ideen, wie sie in einem Künstler des Vorjahrhunderts sich entwickeln konnten, gewußt. Nicht so sehr daran soll das immer wieder erkannt, immer wieder gelehrt, immer wieder freudig ausgenommen werden, daß Richard Magner schon als siebzehnjähriger Student vom Flügelschlag der 1880er Revolution sich berührt fühl/e, auch nicht so sehr von seinem revolutionären Anteil an den Dresdener Mai-Aufstand 1849 und der Tatsache, daß er seinen„Baknninismus" mit zwölfjähriger Verbannung büßte; gewiß, der kämpfende Republikaner, der Antimonarchist Wagner, ist uns teure Ueberlieferunq; aber das Teuerste, uns Nächste, ist seine Erkenntnis und sein lebenlanges Kämpfertum für «ine freiere, bessere, aller Erniedrigungen enthobene menschliche Gesellschaft.„Unsere erst« wichtigste Aufgabe", so schrieb Wagner, ist es, das Wesen und Wirken unserer bestehenden Gesellschaft nach allen Seiten hin zu prüfen und immer klarer zu erfassen: ist sie einmal erkannt, dann ist sie auch gerichtet". Diese und viele ähnliche Worte aus dem Munde des großen"„bürgerlichen" Genies verbinden uns mit ihm. Und mag auch diese Wagnersche Weltanschauung immer hauptsächlich von seiner Sehnsucht nach Verwirklichung künstle- rischer Ideale bestimmt gewesen sein, so ist sie doch nicht weniger Ausdruck einer Ueber- zeugung, die sich mit dem handfesteren Befreiungswillens des arbeitenden Bolles deckt, j für dessen Note übrigens Wagner tieferes und reicheres Verständnis zeigte, als es sonst, namentlich vor einem Jahrhundert, auch die größten Geister offenbarten. DaS Volk als bildende Kraft auch dtzS Kunstwerks, das Volk, aus den Fesseln des Privateigen-, tums befreit, das Doll zur Fähigkeit gebracht, seine besonderen nationalen Werte rum Höchsten und Besten zu entwickeln, die Kräfte fördern zu können, als deren eine nur und massenbestimmtes Wagner auch den großen Künstler ansah— das ist das revolutionäre Programm des Meisters gewesen, den wir darum sehr wohl den unser«, den künstle, rischen Bannerträger besserer Jahrhunderte nennen können. Daran ändert auch nichts di« Tatsache, daß andere, der sozialen Revolution abgewandte Weltanschauungen Wagner- für sich beanspruchen; das, waS etwa an WagnerS Werk national übersteigert wirkt, ist ebenso wenig ein Beweis gegen sein übernationales Streben und Wirken, wie uns die Tatsache, baß auch Wagner, wie viele große Revolutionäre vor ihm, am Ende seine- Lebens das Kreuz schlug, an der kampftüchtigen aniikleri- kalen Gesinnung Wagners nicht irremachen kann; und wenn sich heute und alle Zeit die Antisemiten auf ihn berufen können, so wird doch Wagner gar nie zum Kronzeugen für Richtungen taugen, die die rückwärtsgerichtete Die Kellnerin Molly. Roman von Han» Otto HencL bu AackrlrOter-Vrriaa Berlin fiacbbtutf verboten. DaS Fräulein Molly«rwieS sich schneller zugkräftig, als Frau Zecker vermutet hatte. Sie hielt darum nicht mit ihrer Anerkennung zurück, obwohl sie auch täglich dutzendmal dem Mädchen vorwarf, daß es eine lächerlich dumme Pute sei. Male lernte schnell mit der Kundschaft umgehen und begriff sofort alle Hantierungen und auch das schwierigere Rechnen. Wirklich verwundert war sie nur darüber, daß in einer Großstadt die Menschen nicht anders als in der Kleinstadt sind. Wenn sie daS Benehmen der Ladenbesiher und Handwerksmeister der Umgebung, aus denen die beste Kundschaft der„Walhalla" bestand, beobachtete, glaubte sie sich nach Schne-dewald versetzt. Man mochte sie gern leiden, nahm>hr nicht einmal sehr übel, wenn sie di« angebotenen Liköre zurückwies. Ten Stammgästen der„Walhalla"' war sie eben ein dort noch nie gesehener Typ. Das Ablehnen spendierter Liköre verbot Frau Zecker ihr allerd ngs baldigst. Die dürre Perwn, die daS Mädchen fortgesetzt belauerte, gerier'N tüchtige Wut. Kein Mensch habe von der Molly verlangt, daß sie von früh biS abends>aufe. Das würde sie, die Wirt'n. ohnehin nicht dulden. Aber eine Bestellung, an der am meisten verd-enr würde, ausschlagen— daS gäbe eS in ke-nem Falle. Und die Frau kargte wirllich dafür, daß Male die spendierten Liköre annahm und doch nicht trinken brauchte. Frau Zecker hatte gefärbte Limonaden auf Lager, die Fraulein Molly trank, und die sich-n der Farbe nicht unterschieden von den Likören, die von den gebefreudigen Bäcker- und Schlächtermeistern hinuntergeschluckt wurden. Natürlich bezahlten diese für das gefärbte Wasser, Sonntag, 12. Gewalt, Rassen- und bürgerlichen Klassenhaß auf ihre Fahnen geschrieben haben. Mag auch viel Kleines, Kleinliches und Peinliches aus Wagners Leben zu berichten sein— das Große seines Wollens und seiner Tat ist dadurch nicht zu überdunkeln. Wo viel Licht, da ist auch viel Schatten— das gilt nicht nur für Goethe selbst, das gilt auch für Wagner, so wie es etwa für Gerhart Hauptmann und Ferdinand Lassalle gilt. Und viel L i ch:, unfaßbar viel Licht strömte von Wagner aus. Aus der ganz ungewöhnlichen Vielseitigkeit eines Wesens, das die Spanne vom Politiker bis zum Kapellmeister, vom Dichtergenie bis zum Polemiker des Tages umfaßt, ragt berghoch der Musiker, das schöpferische musikalische Genie empor, als solches aber wiederum, als Musikdramatiker, zugleich den Kunstphilosophen, den lebendigen Schriftsteller, den Theaterführer, den Regisseur, den Bühnenbildner erschließend. In dem ganzen Kreis der Schöpfung und Nachschöpfung des Dramatisch-Musikalischen ist Wagner ein Meister, wie ihn di« Welt weder vor noch nach ihm besaß. Aber alles, was er neben dem Tondichter noch ist, ist er nur, um sein eben auS der Sprache der Worie und der Töne geborenes Werk zum größtmöglichsten Triumphe zu führen. Und Triumph, Erfolg hat sich ihm in einem Maße eingestellt, wie selten einem Schaffenden. Bayreuth— das ist die Krone seines Kunstgedankens sowohl wie seines Geltungsstrebens. Bayreuth, das ist die Verwirklichung(oder war eS wenigstens zu Lebzeiten Wagners)— die Verwirklichung des Gedankens an eine befreite, nur der Kunst und nichts als der Kunst geweihte dienende Tempelstätte; Bayreuth als das dem ganzen Volke.gehörende Amphitheater, als der Musenhain, in dem das Voll mit der Kunst, die ihm entsprang, sich auch wieder völlig vermähle— das blieb freilich ein Traum WagnerS, der nicht erfüllt wurde und nicht Erfüllung werden kann, so lange, die kapitalistische Ordnung nicht fällt und nicht tausende Bayreuth-für die Millionen erstehen läßt statt tzeS einen Bayreuth, das sich unter Mark- und Dollarmillionen immer mehr von dem Gedanken des Wagnerschen Kunstasyls entfernen mutz. Es wurde wiederholt der Versuch gemalt — und manch einer ist geglückt— am Werke WagnerS, am Inhalt seiner Musiktzramen, vor allem aber an seinem„Ring", die restlose Verbundenheit Wagners mit den antikapitalistischen Kräften nachzuweisen, seine unerreicht vollkommene Gestaltung deS menschlichen Ringens gegen den Fluch des Mammon-, für allumfassende Liebe, für Freiheit und fortschreitende Entwicklung. Tatsächlich wurzelt Wagner im Leben wie im Werk in den zwei Reichen selbstbestimmender Unabhängigkeit und freier, edelster, sozial gefühlter, menschenwürdiger Liebe. Wilhelm Ellenbogen hat einmal das prachtvoll« Wort gesprochen, daß die Erkenntnis des Wagnerschen Wotan „Selbst mutz der Freie sich schafdas Male trank, den gleichen Preis wie für die Schnäpse, die sie selbst hinunterkippten. Male verlor bald di« Gewissensbisse, damit einen Betrug zu begehen. Einfach weil sie diese Männer nicht achten konnte. Sie fingerten und knutschten an ihr herum, übersabberten sie mit einem widerlichen Gemisch von Liebkosung und Gemeinheit. Sie ertrug das nur, weil jedes Gewährenlassen eine neue Bestellung und damit neue Verdienstprozente einbrachte. Und auch, weil im Falle der Weiterung Frau Zecker sie unbarmherzig entlassen hatte. Sie freute sich, wie viel verdientes Geld ihr iede Nacht nach der Abrechnung verblieb. Wenn sie dann aber die Miet« für das Zimmer, daS sie täglich bezahlen mußte, abzog, und den Aufwand für Wäsche und Kleidung und für das Essen, das Frau Zecker ihr nicht billig berechnete, dann stellte> sie betrübt fest, daß ihr doch so gut wie nichts verbsieb. Sie hatte gehofft, sich bald etwas ersparen zur können, wenn sie schon einen widerwärtigen Beruf auSübte. Aber sie konnte nur wenigs zurücklegen. Bis sie mit Ach und Krach hinausflog. DaS kam so: Auf dem schmierigen Sofa im Weinz'mmer- chen zerriß der Eisenwarenhandler Herr Rübeganz dem Fräulein Molly die Unterwäsche. Nach den Geschäftsgrundsätzen der„Walhalla" konnte er sich das erlauben, denn er hatte schon zwec Flaschen Wem jede zu neun Mark,' bestellt und qetrunken. Male war zwar nicht mehr ganz nüchtern, aber be- voller Besinnung. Schämen— nein, das hielt sie:n diesem Falle nicht für angebracht. Sie hatte genügend erlebt, um aufdie .v-rkungslose Scham verzichten zu können. Aber d-«ser mit Schmierigkeit und dem Pochen auf -me große Zeche gemischte Angriff des Eisen- warenhändlers erregte ihren Ekel bis zur Empörung. Sie gab Herrn Rübedanz eine Ohrfeige und wollte nach der Küche zu Frau Zecker, um gegen den allzu unmanierlichen Gast zu protestieren. Da in der„Walhalla" Küche und Abort Feber 1933 fen!" im Grunde nichts andere ist als die s o z i a l i st i s ch e Lehre: Nur auf uns selbst, nur auf. uns können und dürfen wir uns verlassen! Lernen wir auch das von Wagner, von seiner unbeirrbaren, folgerichtigen, immer wieder nur auf sich selbst bauenden Energie, lernen wir es pon seinem Willen, der einer Welt von Feinden trotzte, lernen wir es aus seinem Werke, das nichts anderem als der Liebe und der Freiheit Verherrlichung singt, lernen wir auch von ihni, daß wir un'er allen Umständen auf unS selbst gestellt bleiben müssen, und um so mehr, je wütender und zahlreicher die Gegner über uns herfassen. War /es früher, als das unvergleichlich Neue an Wagner, noch das Für und Wider auS tausenden und abertausenden Gehirnen produzierte, allgemeine Uebung, an strittigen oder mißratenen Einzelheiten in Wagners Werken ihn selber als ein fürchterliches Monstrum, als ein Untier nachzuweisen, oder aber aus' besonderen Köstlichkeiten seiner dichterischen und musikalischen Muse einen Ueber- menschen, einen Gott und Zauberer aus ihm ru machen, so haben jetzt längst sowohl der Haß wie der Götzendienst einer nicht mehr blinden und einer nicht mehr überhellhörigen Verehrung und Dankbarkeit Platz gemacht. Den Exzessen flärenden Streits entrückt, steht nun Richard Wagner da als einer der ganz Großen, dem die Menschheit höchste Offenbarungen durch ein« läuternde, befreiende, zu besserer Moral führende Kunst verdankt, jene Forderungen der Gewerkschaften. Der Ministerpräsident über di« Ausgaben der Regierung. Freitag, den 10. Feber, wurden— wie wir bereits kurz berichtet haben— die Vertreter der gemeinsamen Landeszentrale„Odborovü sdruLenl Lesko slovensks" vom Ministerpräsidenten Malypetr empfangen. Erschienen waren die Genossen Tayerle, Macoun, Klein, Roscher, Kadlee, Biktora, Roll und Rambousek. Die Redner der Delegation bewnten neuerlich die Forderungen und Anträge der Gewerkschaftsorgamfationen bezüglich der Arbeitslosigkeit, welche in den letzten Monaten ein erschreckendes Ausmaß angenommen hat. Die Delegation verlangte hauptsächlich die Regierung möge die Verhandlung des Entwurfes auf Verkürzung der ArbeitS- zeil unterstützen, damit die Arbeitsgelegenheit erhöht werde. Insbesondere wurde gefordert, daß die Ueberzeitarbeit noch mehr eingeschränkt sowie gegen Doppelbeschäftigung eingeschritten werde. Weiters wurde gefordert, die Regierung möge die rasche Behandlung deS Gesetzes über die A r- beitsvermittlung sowie die Neuregelung der Kündigungsfristen, insbesondere daS zeitweise Verbot der Kündigung von Arbeitnehmern in Betrieben, in denen die Arbeitszeit nicht auf 40 Stunden wöchenllich herabgesetzt werde, unterstützen. Weiters forderte die Delegation eine genügende Unterstützung der produktiven Arbeitslosenfürsorge, insbesondere der Jnvestitionsanleihe und rasche Verhandlung der Handelsverträge, ganz besonders oeS Vertrages mit Ungarn. Die Delegation machte auf die notwendige Revision des DevisenversahrenS aufmerksam, welches friedlich nebeneinander lagen, verwechselte sie erst in der Aufregung die Türen. Schließlich lief sie Frau Zecker doch in den Weg, warf ihr in der Wut die gefüllte Geldtasche vor die Füße und stürmte hinauf in ihr Zimmer. Wie alle anderen Älge hing auch am nächsten im Fenster der„Walhalla" daS Schild mit den aufgeklebten schwarzen Patentbuchstaben: ,Heute neue Bedienung!!!" Aber nach vier Wochen einer betrügerischen Vorspiegelung sagte diese Ankündigung zum ersten Male wieder die Wahrheit. Denn eS bediente wirflich eine neue Kellnerin. Frau Zecker hatte Male das Wiederbetteten ihres Lokales verboten. Und die Zimmervermieterin hatte Male ersucht, daS Zimmer sofort zu räumen, da am Nachmittag schon die neue Kellnerin in der„Walhalla" einziehen würde. DaS war nicht vor sich gegangen, ohne daß beide Damen erst di« wenigen Habseligkeiten des Mädchens durchsucht hatten. Male, der unter den Folgen des Rausches erbärmlich zumute war, hatte weder Kraft noch Mut, dagegen aufzubegehren. Auf TeutschlandS hohen Schulen... Mit schmerzendem Kopf und zitternden Knien bediente Male am Abend schon im„Taubenschlag". Sie hatte sich schnell entscheiden müssen, da sie nach dem Verlassen der„Walhalla" weder eine Wohnung noch genügend Geld besaß, um eine andere Beschäftigung abwarten zu können. Di« Vermittlerin in der Friedrichstraße batte eine„perfekte und propere Bierkellnerin" verlangt, wozu augenscheinlich augenfällige Strammheit der Person und ein hübsches Aeußere auS- re'chten, denn sie hatte Male eingehend von oben bis unten gemustert. Male, vor die Wahl gestellt, obdach- uns geldloS zu sein oder einen ihr vorläufig noch unbekannten Beruf auüben zu müssen, hätte notfalls vielleicht vor keinem Schwur zurückgeschreckt daß sie in der Bierkellnerei besonders erfahren sei. Moralerhöhung, die allein.Kriterium für wirkliche Kunstwirkung sein kann. Wir Sozialisten sehen in Wagner,'trotz allem Wenn und Aber, das ihm wie allem Menschlichen anhaftet, den Hunderte Male irrenden, taufende Mal« siegenden Kämpfer; wir sehen in ihm als dem Bringer edelsten geistig-seelischen Genießens, als dem Berklärer alles irdischen Strebens durch die Macht der Töne, als dem Sucher nach dem rechten Wort, dem rechten Gedanken und der rechten Tat, einen Verbündeten in unserem Ringen nach der Befreiung von dem Fluch der Materie, nach der Revolutionierung der Geister, den Künder eines Reiches des Schönen und Guten, der Harmonie, der Liebe, des Friedens. Daß wir fünfzig Jahre nach seinem Tode so wie fünfzig Jahre nach dem Hingang Marxens die Schauer eines Dritten Reiches statt die Wonnen des ewigen Reiches erleben, daß alle Wege zur Befreiung der Menschheit wüst verrammelt erscheinen, läßt uns nicht bangen und zagen; daß die Schätze, die materiellen wie die geistigen, unendlich reich aufgestavelt vor uns liegen, ohne daß wir ihrer teilhaftig werden können, das läßt uns sie nicht geringer, sondern um so wertvoller, um so begehrenswerter erscheinen. Unbeirrbar schreiten wir auf unserem Revolutionswege, der uns auch die Kunst frei geben wird, weiter; und unbeirrbar suchen wir heute schon unser Aufgehen auch in der wahren Kunst, die, wie die Waaners, dem Wege zur Revolution voranleuchtet! unseren Export untergräbt und die Arbeitslosigkeit steigert. Ebenso wird durch das Vorgehen einiger Kartelle die Arbeitslosigkeit noch vergrößert. In der Frage der Arbeitslosenunterstützung hat die Delegation neuerlich betont, daß sie der produktiven Arbeitslosenunterstützung den Vorzug gebe, daß eS aber notwendig sei, die Unterstützung jenen zu sichern, denen keine Arbeit verschafft wurde und die ohne jeden Lebensunterhalt dastehen. In seiner Antwort und in der Debatte machte der Ministerpräsident auf die Schwierigkeiten aufmerksam, welche sich bei der Lösung einiger wichtiger Probleme, insbesondere mit Rücksicht auf die internationale Lage in den Weg stellen und versicherte, daß die Regierung sich der Aufgaben bewußt sei, vor welche sie die steigende Arbeitslosigkeit stelle. Die Regierung erkenne die Notwendigkeit der Lösung der Frage der Arbeitsvermittlung ünd lege das Haupt», gewicht aufdie produktive Arbeitslosenfürsorge, welcher auch die vorbereitete Jnvestitionsanleihe und andere Maßnahmen dienen sollen, durch die zur Belebung der Beschäftigung beigetragen werden soll. Der Ministerpräsident anerkannte auch die schwierige Stellung der Gewerkschaften insbesondere der Verbände jener Wirtschaftszweige, die von der Krise besonders betroffen sind, und erklärte» daß sich die Regierung mit Anträgen beschäftigen werde, welche in der Frage der weiteren Unter- stützungsaktronen der Minister für soziale Fürsorge vorlegen werde. Auch in der Frage der Arbeitszeitverkürzung werde man sich befassen müssen, auch wenn diese nur einen Teil deS Problems bildet. Die' Regierung wende chr Hauptaugenmerk der Arbeitsbeschaffung zu. Der„Taubenschlag" im Leipziger Goldhahn- gäßchen, welches seit Jahrhunderten der„frawen gäßlin", also ein Frauengäßlein ist, verkörpert einige Jahrzehnte deutscher Studentengeschichte. Hier haben viele Aerzte, Richter, Pastoren, Oberlehrer, höhere Beamten und andere Stützen der Gesellschaft, die dem deutschen Kaiserreiche und der ihr nachfolgenden Republik bis heute das Gepräge gaben, sich Mut und Kraft und die Legitimation angetrunken, Führer des deutschen Volkes zu werden. Der„Taubenschlag" besteht auS zwei Zimmern und einem Pissoir, das fast ebenso groß wie di« beiden Zimmer ist. In jedem der Zimmer stehen nur drei Tische, weil mehr nicht Platz haben. Wände und Tische der-«Trinkstuben wie auch das Pissoir sind beschniht und bemalt, und zwar sei Studentengenerationen mit immer den gleichen Denkmälern, mit Namen und Korporationszirkeln. Nur auf dem Pissoir, wo sich di« künstlerische Tätigkeit der Studenten dem öffentlichen Auge entzieht, haben die Ornamente gewechselt mit dem Wechsel der deutschen Regte- rungsform. Sah man während des Kaiserreiches hauptsächlich altdeutsche Kernsprüche, wie „Gfuffa", oder„Prosit!", so bevorzugen die heutigen vaterländisch gesinnten Studenten, die unter dem republikanischen Joche seufzen, mehr das antisemitische Hakenkreuz, zur Befriedigung ihrer OrnamentierungSlust. Biele Studentensemester lang ist der„Tau benlchlag" Abend für Abend vollbesetzt gewesen Diese Beliebtheit der Kneipe hatte wobl ihren Gruiw in der animalischen Wärme, die auskommt, wenn in einem Raume statt normalerweise zehn etwa dreißig bi- vierzig Menschen sitzen, und die von fröhlichen Biertrinkern geschätzt wird. Vielleicht auch in der engen Nachbarschaft von Bier und gefälligen Mädchen. Oder auch in der Tradition, nur hübsche und anständige Kellnerinnen zu beschäftigen. (Fortietzung solgt.) Nr. 37 Seife Sonntag, 12. FeLer 1933 Ein kvraAkmechMer Erkolg m erer Partei. Das Oberst« Verwastungsgericht erklärt Art. 7 der Sprachenverordnung über die sprach« brr Berlage» auch für den Bereich des Strafverfahrens für gesetzwidrig. Die Sprachenverordnung aus dem Jahre 1926 bestimmt im Artikel 7, daß Urkunden und Schriftstücke, die in einer Minderheitssprache abgefaßt sind, bei einsprachigen tschechischen Ge- richten und Behörden stets nebst einer b cd l a u-» bigt« n Uebersetzung in die Staatssprache vorgelegt werden müssen. Bereits im Jahre 1928 hat das Oberste Verwaltüngsgericht entschieden, daß diese Bestimmung der Sprachenverordnung im Gesetze nicht gedeckt ist. Die Untergerichte und Behörden haben sich an dieses Jndikat des Obersten Verwaltungsgerichtes jedoch nicht gekehrt. Insbesondere auch das Strafkreisgericht in Prag, bei welchem u. a. alle Preßprozesse gegen die in Prag gedruckt« Presse unserer Partei»hängig sind, hat erklärt, und erklärt auch jetzt noch, daß die Entscheidung des Obersten Vertvaltungsgerichtes für das Prager Strafgericht nicht maßgebend sein kann und daß die Entscheidung des Obersten Verwaltungsgerichtes zumindest für das Strafverfahren nicht anwendbar sei. Dieses Borgehen bedeutet nicht nur eine gesetzwidrige Schmälerung der Rechte der deut- schcn Sprache, sondern auch ein« überflüssige finanzielle Belastung aller in Prag ged ru ck t en d« u t s ch e n Z ei t u n g e n, da di« Kosten aller Preßprozesic durch die überflüssigerweise verlangten Dolmetschengebühren erhöht Leiden. Aus diesem Grunde ließ unsere Partei die Sache im Jnstanzenzuge ausfachtcn und durch Genossen Dr. S ch w« l b das Oberste Berival- tungsgericht anrufen. Nunmehr ist die Entscheidung des Obersten Verwaltungsgerichtes oom 7. Feber 1933, Nr. 8798/32, erflosfen, mit welcher der Beschwerde im entscheidenden Punkte der Gültigkeit des Art. 7 der Spracheiwerordn.ung st altgegeben wird. Die entgegenstehendc Entscheidung, die das Justizministerium unter her Ministerschaft Mahr-Hartings getroffen hafte, wird alsgesctzwidrigäufgc- öoben und es wird ausgesprochen, daß die Vorschrift des Art. 7 der Sprachenverorduung, Lonach in Minderheitsfprachcn verfaßte Urkunden und Akten in beglaubigten Uebersetzungen kn Gerichten und Behörden vorgelcgt werden Lüsten, dem Gesetze widerspricht und daher un° Mia ist. * Es wäre nun an der Zeit, daß Art. 7 der Tprachenverordnung, der durch zwei Entschei- ^nnaen der Obersten VerwaltunaSgerichtes so- MI für das Ziv'lverfabren als auch für daS Strafverfahren Vir geschwidria und unarltiq tcklart worden ist. auch formell außer Kraft ueletzt werde, damit die Besastuna der Bevök- ikruna aller Nationen mit überflüssigen Dol- Ulktschergebühren endlich aufhört. Arbeitslosenunruhen In der Slowakei. Gendarm ersticht«inen Zigeuner. Pretzburg, 11. Feber. Heute vormittag sam- Utellrn sich vor der Zellulose-Fabrik bei P e l s ö i un Bezirk Rosenau etwa 600 Erwerbslose an L« in die Fabrik, die mit dem 13. d. vorübcr- Ahend stillgelegt werden soll, eindringen wollten. Die Gendarmerie versuchte, die Menge zu zer- ^eüen. Neun Gendarmen wurde» durch St ei» würfe leicht verletzt. Einer der Gendarmen wurde vom Zigeuner Johann auso-Barga angefallen, der versuchte, dem Gendarmen den Karabiner zu entreißen; der Gendarm stach den Zigeuner in die Hand, doch ,w»g das Bajonett durch die Hand in die Brust E'u. Ruso-Barga wurde sogleich ins Krankenhaus "<>4 Rosenau gebracht, wo er seinen Verletzungen ^lag. Die Gendarmerie zerstreute die Menge Ät Rädelsführer wurden verhaftet und in * Haft des Gerichts eingelicfert. Das.«dreifache Nein!“ des Innenministers. et Prag, 11. Feber. Im Senat befaßte sich am 'üritag Innenminister L e r n y nach einem ?^ßrn Lob auf die„kulturelle" und„volksbil- Mde« Arbeit der Gendarmerie in den kulturell /^ständigen Gebieten u. a. auch mit der Ber- Mtungsrcform, wobei er den geäußerten Wün- nach Wiederherstellung der Autonomie der ?ohi»ischen) Bezirksausschüsse ein„drci- e« 4l«in!" entgegensetzte. Der Verfall ^autonomen Finanzen hänge nicht mit der der politischen Verwaltung zusammen; wenn die Reform nicht gekommen wäre, sNkcn die Genicindefinanzen in genau demselben Achten Zustand wie jetzt. • Lernh gab die schlechte Finanzlage der Be- und Gemeinden zu. Die Grundlage für die -,«ng der Finanzkrise der Selbstverwaltung ^ssc musterhafte Ordnung in den Staatsfinan- M fein. Eine gewisie Erleichterung werde schon i^Zinsfußherabsetzung bringen, eine gewisie °?^üe Reserve könne man darin erblicken, daß ^Millionen Struerrückstände haben; eine j J'ttc Reserve endlich könne man sich bei even- i|j Verwendung einer Jnvestitionsanleihe ! X autonomen Finanzen durch Erhöhung L’’ Zuschlags ii mikeS um 50 Pro- •‘ttf verschaffen. Restgutbesitzer als Scharfmacher. Wir haben bereits darüber berichtet, daß cs für 1933 tveder in Böhnien noch in Mähren ge- luztgen ist, Kollektivverträge für die Landwirtschaft abzuschließen. Schuld daran find die un- vevschämten Folgerungen der agrarischen Unternehmer. Am ärgsten treiben es, wie der„Land- und Forstarbeiter" schreibt,, die Restgutbesitzer, denen vom Staate fette Gründe um einen Spottpreis gegeben wurden, di« sich aber nicht erkalten können, weil sie nicht zu wirtschaften verstehe». Sie kennen nur zwei Möglichkeiten der Rettung, die Arbeiter sollen für sie fast umsonst arbeiten und der Staat soll ihnen mit ibventionen, Zöllen, und Steuerna^läsien aus der Patsche helfen. Die Landarbeiter können sich auf eine weitere Kürzung ihrer bescheidenen Löhne nicht ein» lassen. Ein Taglöhner, der sich mit einem Stun- derrlohn von 70 Heuern durchs Leben schlägt, kann nicht mehr schlechter bezahlt werden. Ein Depu- tatist kann von seinem Monatslohn, der knapp 100 X beträgt, nichts mehr ablassen. Wenn die agrarischen Unternehmer Weiter so rücksichts- und erbarmungslos bleiben, dann wird es ohne Känrpfe in der Landlvirtischaft nicht abgehen.. Die nächste Plenarsitzung d«S Senats ivurde für Dienstag, den 14. Feber, um 4 Uhr nachmittags einberufen. Auf der Tagesordnung steht ein belangloses Zusatzprotokoll zum'Schweizer Handelsvertrag. Die Sitzung erfolgt offenbar nur zum Zwecke der Auflegung des vom Parlament bereits genehmigten Denkmalsgesetzcs, das noch vor dem zehnjährigen Todestag RaöinS iiz der Gesetzessammlung verlautbart werden soll. Kommunistische Arbeiter, entscheidet euch I Schließt mit uns einen Nichtangriffspakt!— Ihr seid fUr die Zukunft der Arbeiterklasse verantwortlich! Im Berliner„Vorwärts" ruft Genosse Fritz Stampfer die kaumlunistischen Arbeiter zum Abschluß eines Nichtangriffspaktes auf. Seinen Ausführungen, denen wir uns vollständig anfchließen, entnehmen wir folgendes: Wenn in den kommunistischen Aufrufen von der Einheitsfront die Rede ist, so ist damit eine Front gemeint, die von der KPD. befehligt wird, in der die kommunistischen und die sozialdemokratischen Arbeiter gemeinsam marschieren, die Führungen der Sozialdemokratie und der Gewerkschaften aber nichts zu sagen haben. Hand aufs Herz! Die„Einheitsfrontparole" eurer Führer war ja immer etwas ganz anderes, als was ihr Name sagt. Sie war eine Parole nicht der Einheit, sondern der Entzweiung, eine getarnte Kampfparole gegen die Sozialdemokratie und die Gewerkschaften. Unter dauernder Beschimpfung ihrer Führer wurden die sozialdemokratischen Arbeiter aufgefordert, ihre bisherige Ueberzeugung anfzugcben, das alte Vertrauensverhältnis zu lösen und sich der kommunistischen Führung anzuvertrauen. Bis zum heutigen Tage ist die„Rote Fahne" von oben bis unten angefüllt mit unsinnigen Angriffen auf führende Sozialdemokraten und Gewerkschaftler. Das ist kein« echt« Einheitsfront! Das ist nur ein Einheitsfrontmanöver. Man spricht vom gemeinsamen Kampf. Gut, schaffen wir die Voraussetzungen für ihn! Truppen, die gemeinsam gegen«inen gemeinsamen Feind kämpfe» sollen, dürfe» nicht aufeinander schieße«. Solchen Erwägungen entsprang der Gedanke des Nichtangriffspakts. Sowjetrußland hat mit zahlreichen kapitalistischen Staaten Nichtangriffspakte geschlossen. Wir machen ihm daraus nicht den geringsten Borwurf— im Gegenteil! Wir meinen nur, dann müßte ebensogut auch ein Nichtangriffspakt zwischen Arbeiter Parteien möglich sein. teres alle gehässigen, zersetzenden und organi- sationsschädrgenden Kämpfe beiderseits einstellt. Dabei kann jeder bleiben, wo er ist, keiner braucht auf seine Meinung zu verzichten, ja, es schadet auch nichts, wenn die Meinungen ausgetauscht werden— es muß nur in anständige« kameradschaftlichen Formen geschehen. -Ihr sagt, der Nichtangriffspakt genügt uns nicht. Er ist nur etwas Negatives, wir brauchen aber etwas Positives: das gemeinsame Handeln. Da habt ihr vollkommen recht. Aber wenn es zu einem genieinsamen Handeln kommen soll, dann ist der Verzicht auf alle gehässi- gen, zersetzenden, organisationsschädigcnden Kämpfe zwischen Arbeiterorganisationen die erste Voraussetzung dafür.'Wer sich weigert, sie zu erfüllen, trägt die Verantwortung für die Fortdauer des Zustandes/ dem der Klassenfeind alle seine Erfolge verdankt. Die„Rote Fahne" bringt lange Artikelreihen, in denen sie zu beweisen versucht, daß die Soziallwmokratje an den Erfolgen des Fascis- mus schuld trage. Der„Vorwärts" könnte unter Hinweis auf den gemeinsamen Volksentscheid der KPD. mit Stahlhelm und Nazis, auf die unzähligen gemeinsamen Abstimmungen in den Parlamenten umgekehrt dartun, daß die Schuld an per KPD. liegt. Aber wir halten einen Streit über Gewesenes heute für überstüssig und schädlich. Notwendig ist die Erkenntnis, daß der Feind nur deshalb so stark werden konnte, weil die Arbeiterparteien, statt eine Linie des gemeinsamen Kampfes gegen ihn zu finden, einen großen Teil Ihrer Kräfte im Kamps gegeneinander verbrauchten. Diesen Zustand haben wir Sozialdemokraten stets als höchst unheilvoll empfunden, und wir hegen den lebhaften Wunsch, daß er schleunigst beendet wird. Daher der Gedanke des Nichtangriffspakts. Kommunistische Arbeiter, warum stellen sich eure Führer zu dem Gedanken des Nichtangriffspakts so unbedingt ablehnend? Wir . sozlaldemokratischen Führer sind Träger des Willens der sozialdemokratischen Arbeiter. Die Haltung des„Vorwärts" in d«r Frage der Einheitsfront entspricht der Meinung unserer Genossen in den Betrieben und den Stempelstellen. Ein Nichtangriffspakt zwischen Arbeiterparteien, das braucht kein Vertrag zu sei« mit Artikeln und Paragraphen und Unterschriften und Siegeln. Es genügt eine Verständigung darüber— es kann sogar eine stillschweigende Verständigung, sein— daß man bis ans wei. Unsere Massen sind gewohnt, mit ihren Führern sehr deutlich, zu reden. Kommunistische Arbeiter, wie steht es bei euch? Ist es eure Stimme, die in eurer Partei entscheidet? Wollt ihr nicht euren Führern sagen, daß der gehässig, zersetzende, organisationsschädigendc Kampf gegen die Sozialdemokratie und die Gewerkschaften jetzt aufhören muß, damit die ganze ArbeiterNasse geeint ihre Lebensinterefsen gegen ihre Feinde verteidige» kann? Jede Stunde ist Verlust. Aber es gibt keine Möglichkeit, auf dem Wege zu einer ehrlichen Einheitsfront auch nur einen Schritt weiterzukommen, solange ihr, kommunistische Arbeiter, nicht mit euren Führern gesprochen habt! Die Schwere einer große« Entscheidung über die Zukunft der ArbeiterNasse und des Sozialismus in Deutschland und in ganz Europa ruht bei euch, kommunistische Arbeiter! Jeder Tag des Bruderkrieges zwischen Proletariern bedeutet eine Meile für den Vormarsch eurer und unsere Todfeinde. Kommunistische Arbeiter, entscheidet euch! RUIUIIIIIIIIIIItllllllUUlllllUUlIHtHIIIIMHilllUIIUliUlllllllUlllllllHIIIUIUIIIIIIIIUlHINIHUUltUIUIUnilllllllHIUlUIIIIIHIIliUUllHIIIHilllillllllUIIIIIIIHIHIIIIIIIIillHIininilllUIHIHIIIIIIIIIHIIIUIlIHlUUllllUlU Sozialdemokratischer Nassenauhnarsch in Wien. Wien, 11. Feber.(Eigenbericht.) Die sozialdemokratische Partei hat als Antwort auf die Ernennung Hitlers zum Reichskanzler zu einer großen Demonstration aufgerufen. Heute nachmittag fand der Massenaufmarsch in Wien statt. Er war eine der größten Kundgebungen, die Wien je gesehen hat. Mehr als 200.00Q Arbeiter zogen vier Stunden lang in Zehnerreihen über den Ring. Immer, wieder wurden stürmische Abzugsrufe gegen die österreichisch« Regierung laut. Die Kundgebung verlief im allgemeinen ruhig und ungestört. Nur beim Vorbeimarsch an der Universität kam es zu Zusammenstößen mit provozierenden Hakenkreuz-Studenten, die dabei verprügelt wurden. Am Frauentag A protestieren klassenbewusste Frauen, M Mädchen und Männer gegen die M unhaltbare ttzesellschaftsorvnnng.:-r Schwere Nazi-Niederlage bei den deutschen Studentenwahlen. Berlin, 11. Feber.(Eigenbericht.) Die Wahlen in die Studentenkammer habe« ein sehr typisches Resultat ergeben. Die Nazis haben an allen deutschen Hochschulen eine große Niederlage erlitten und bis zu 30 Prozent ihrer Mandate eingebützt. Nene vemarche wegen Mrtenderg. Paris, 11. Feber.(HavaS.) Die französische und die britische Regierung haben ihre diplomatischen Vertreter in Wien aufgesordert, bei der österreichische« Regierung in Angelegenheit der Hirtenberger Assar« gleichzeitig mit den Gesandten der Kleinen Entente eine neue Demarche zu unternehmen. Auslieferung Kobzlnehs noch nicht bewilligt. Belgrad, 11. Feber. Wie an maßgebender Stell« erklärt wird, sst in der Frage der eventuellen Auslieferung Kobsineks und Geidls noch keine Entscheidung getroffen worden. Die diesbezüglich im Auslande verbreitet"! Nachrichten beruhen auf willkürlichen Kombin'- tionen. Kobsinek und Geidl wurden von Makarska, wo sie sich im Polizei-Arrest befanden, in den Polizei-Arrest nach Spalato überführt. Bekanntlich wurden die beiden wegen Ueberschreitens der Grenze ohne ordnungsmäßigen Paß zu je 14 Tagen Arrest verurteilt. Die„Notwendigkeit einer stärket Armee“ angesichts der unruhigen Zeiten wurde nun auch im Budgetausschuß des Senats zum so und so- vieltenmal vom Berteidigungsminsster Bradaö betont. Er gab ehrlich zu, daß di« Armee sicher nicht billig sei, aber sie sei heute ein„unentbehrlicher Schutz" für die ruhige Arbeit der Bürger. Nach allerhand Klagen über die Verkürzung des Militärbudgets befaßt« sich Bradaö auch mit der Frage der Lieferungerv: Es sei möglich, daß ,/da und dort" Unzukömnrlich- keiten Vorkommen, aber die Armeeverwaltung sei hinter allem mit voller drakonischer Strenge dahinter. Mit jeder Krone werde gespart. Er regt die Errichtung eines Rates der nationalen Verteidigung an, damit nicht die ganze Verantwortung auf dem Minister ruhe. Bradaö gab ferner die Monopolstellung gewisser heimischer Lieferfirmen für Kriegsmaterial— darunter der Skoda- werke— zu, entschuldigt« dies aber mit deni Fehlen eines staatlichen Arsenals und mit deni Hinweis darauf, daß wir schließlich unseren Be- darf in diesen Dingen nicht bei Krupp dek- ken können. Gibt es rascisten in der tschechoslowakischen Armee i Auf die in dieser Hinsicht in der Budgetdebatte im Senatsausschuß von verschiedenen Seiten geäußerten Befürchtungen antwortet« Verteidigungsminister Bradaö, daß die Militärverwaltung in dieser Hinsicht sehr energisch v o r g e h e; sollte das Vorhandensein von Fa- scisten irgendwo sichergestellt werden— bloße> Bernultungen, deren es allerdings viele gäbe, genügten freilich nicht— könne er die Versicherung abgeben, daß die Armee allen Gefahren vorbeugen werde. Die(von sozialdemokratischer Seite erhobene) Forderung, allen Schützenvereincn etc. die Waffen abzunehmen, müßte vorher genau geprüft werden. Bei dem Ueberfall auf die Brünner Kaserne sei kein einziges Mititärgewchr,son-' der» nur Revolver"und Pistolen verwendet worden. die nicht aus militärischen Beständen stammen!. Die Verteidiger der Kaserne hätten— obwohl es nur Rekruten waren— sich tapfer geholten, und zwar ohne Rücksicht auf die Nationalität. Sind die Frledensvertrftge ewig? Zum Abschluß der Außendebatte im Senatsbudgetausschuß erklärte der bevollmächtigte Minister Dr. K r o s t a u. a. in der Debatte sei unserer Außenpolitik Vorgelvorfen worden, daß sie die Friedensverträgc für„u n o n t a st b a r" und „unabänderlich" anfehe; diese Auffassung sei doch etwas einseitig. Sicher sei allerdings» daß nicht ein« Partei die Verträge ändern könne, wie es ihr einfalle. Leider vergesse man oft, was die Gruüdlage jeder internationalen Politik sei, und erkläre, der oder jener Vertrag könne den betreffenden Vertragsteil nicht binden, weil er für ihn„unerträglich" sei. Diese Auffassung müsse man mit allen Mitteln niederhalten.„Der Revisionismus", erklärte Krofta, „den wir bekämpfen, ist der, der unser Staatsgebiet zerreißen oder überhaupt die auf den Fricdensverträgcn aufgebaute europäische Ordnung ändern will, die, wie schon oft behauptet wurde, besser und g e r e ch t c r ist als die vor dem Krieg. Wir müssen auf ihrer Erhaltung beharren und jedenBersuch, sie zu untergraben, abweifen. Darin liegt unser Widerstand gegen den Revisionismus." Die Beratungskommission zur Sanierung der Gemeindefinanzen wird nun endlich Mittwoch, den 15. Feber, zu einer Sitzung zusammentreten, Es wäre aber verfehlt, wollte, man sich der Hoffnung hingeben, daß mit dieser Sitzung irgendwelche Hilfsmaßnahmen für die notleidenden^Gemeinden verbunden sein werden. Die Einladung für die Sitzung der Beratungskommission enthält den Vermerk, daß nur über die endgültige Regelung der Gemeindefinanzen verhanpelt werden soll, daß also in dieser Beratungskörperschaft über die unm Ittelbare Hilf« für die bedrängten Sclbstverwaltungskörper nicht gesprochen wird. Es ist mit dieser Sitzung nur ein Schritt auf dem Wege zur Sicherstellung der Gemeindewirtschaft zu verzeichnen, dessen Ziel wohl noch lange nicht sichtbar werden wird. Was der Finanzminister indessen tun will, um hunderte Gemeinden, die nicht mehr wissen wo aus und ein, vor dem Zusammenbruch zu bcivcchren, ist unbekannt, es wäre aber hoch an der Zeit, daß Herr Dr. T r a p l endlich einmal sagt, welche Pläne er zur Rettung der Gemeinden vorbereitet hat und ivann er sie verwirklichen will. Die Sitzung der Bcratuugskommissüm wird wohl auch über die unmittelbare Hilfe für die Gemeinden Aufschluß verlangen und vielleicht werden die auf Seite 4 Sonntag, 12. Fever 1933 Nr. 37 Krieg China-Japan unvermeidlich? New syork, 11. Feber.(Reuter.) Der „New Dort Times" zufolge nehmen in Washingtoner amtliche« Kreisen di« Befürchtungen wegen de, Lage im Fernen Osten zu. Nach Ansicht von Sachverständigen ist jetzt nach dem Konflikt von Jehol ein chinesisch-japanischer Krieg unvermeidbar. Andere hohe Würdenträger— sagt das Blatt weiter— seien sich darüber klar, daß sich die Situation immer mehr verschlechtere. Staatssekretär Stimson verfolge bis ins Einzelne di« Ereignisse im Fernen Osten, aus denen er seine Schlußfolgerungen ziehen könne, bis der Völkerbund«ingreifen werde. Der japanische Hauptdelegierte in Genf Matsuoka werd«, wie es heißt, nach Washington zu einer Beratung mit dem neuen Präsidenten Roosevelt kommen. Hitleriana. Wie ein„Unpolitischer** Hitler sieht. Em girier Organisator nick Auslagenarrangeur — ohne alle Frag«. Ganz aus der Höhe, wie Baka, der tschechische Schuhfavrikant, wie die deutschen Wareichänsler Wertheim, Tietz und Jandorf, wie der amerikanische Woolworth, und der Kaugummikönig Wrighly. Der Unterschied liegt nur im Ziel: jene nmchen Geld, dieser macht in Politik— das Geld kommt dann schon von selber nach. Wenn 150 Millionen Amerikaner Gum kauen, bloß, weil Wrighly ihnen vovschwirckekt, daß Gumrkauen gesund ist, warum sollen nicht 14 Millionen Deutsche sich von Hitler was vorkauen lassen, wenn er ihnen vor- schwiickell, daß seine Politik sie gesuick machen wird? Die amerikanischen Kinder, di« durch das Gumkauen die Kopsnerven so überanstrengen, daß sie die Haare verlieren, haben vor den deutsch:» Kindern nichis Voraus: die werden auch bald Haare lassen! Alles bloß Geschäft. Wrighly annonciert, Hitler> t r o m m e l t— gehauen wie gestochen. Stets hat jede Schassherde.einen Leithammel: springt der in den Abgrund, plumpst die ganze Herde mit hinein. Don den Schafen spricht dann allerdings kein Mensch mehr— der Leithammel aber kommt in den großen Brockhaus. Hitler kommt auch hinein, in die nächste Auflage. O Einstein sagt: durch die Not des deutschen Volkes. Das Volk ist herunter gerutscht, Hitler ist am anderen Ende vom Seil hoch gerutscht— wie bei den alten Förderkörben. Ganz einfach, mechanisches Gesetz. M o n t g o l f i e r ist mit einem großen Ballon hochgeflogen, Hitler mit hundert Aeinen Kinderdallons, jeder mit einer Phrase gefüllt Wenn den Ballons die Lust ausgeht— das geht «st Wer Nacht— dann schrumpeln sie zusammen, und Hitler sitzt wieder aus dem Podex. Aber dl« Kinder freuen sich doch nun mal Wer die höblchen blutig-roten, gift-grünen, neid-gMcn, wutblauen, mord s-schwarzen prallen Dinger— laßt den Kindern, diesen deutschen Kindern ihr Vergnügen! * Ms ein„Unpolitischer", wie ich es bin. kann ich die Antwort daraus, ob Hitler ein Deutscher ist, nicht so aus dem Aermel schütteln, wie die Begründung einer Reichstagsauflösung! Ich bin Chemiker und Physiker, und beschäftige mich mit der Atomzertrümmerung. Also: ich zertrümmere ein Atom Blei, und— haste nicht gesehen— hinten fallen schon di« Goldklumpen in den Waschkorlb! Erst schrei ich natürlich als gütet Deutscher„Hurrah", dann steck ich paar Goldklumpen in die Tasche— nicht gerade Klumpen, bloß so, was Karl May„Nuggets" nennt, und laß' mich bei Hindenburg melden. „Exzellenz", sag ich,„ich hab' ein« Erfindung gemacht, aus Blei Gold zu machen— ich„schenke die Erfindung dem deutschen Volke, damit es errettet werde!"— Hindenburg will danken, aber ich winke ad:„Aber Exzellenz, das ist doch nur meiste Pflicht als Deutscher, das Mittel auch zu zeigen, mit dem sich Deutschland retten kann? Wenn ich das nicht täte, wär' ich doch ein Lum p?"— Was aber tut Hitler? Hitler klappert bloß mit seinen„Nuggets" in der Hosentasche— das Rezept hat er in der Schublade verschlossen—, und sagt:„E t sch!"(man muß immer bedenken, daß er mir Kindern spricht), „ich hab' ein Mittal, Deutschland zu erretten, aber — ich sag's nicht! Erst, wenn ich Reichspräsident bin, oder Reichskanzler!"— Hindenburg will also seine Kinder nicht so lange zappeln kaffen, und macht Hitler zum Reichskanzler. Das deutsche Volk arrangiert eine« Fackelzug, so lang wie ein abgewickelter Bandwurm, und schreit:„Hurrah!" Am nächsten Morgen sitzen die Vertreter des deutschen Volke- im Wallot'schen Prunkbau mit langen Hälsen und gespannten Ohren, und tvarten daraus, daß Hitler sein Rezspt aus der Schulblade zieht? Hitler aber klappert bloß mit seinen Nuggets in der Hosentasche und^agt ganz gemütlich:„Ja, Kinder, ich hab' da so meinen eigenen Plan— da müßt ihr noch vier Jahre warten!" Dann besinnt er sich plötzlich, daß er doch so ein halber Bayer ist, und somit die Verpflichtung hat, saugrob zu werden, und schreit: „Aber jetzt schaut's, daß's außi kimmts, Pakasch ölendige!". gibt dem Letzten, weils gerade der Abgeordnete Rosenfeld ist, einen Fußtritt in den Hintern, schmeißt die Tür zu, steckt den Schlüssel in die Tasche:„So, jetzt kommen mir bloß die hinein, die's Maul halten können!" * Und so glaub ich, daß Hitler doch kein ganzer Deutscher ist, oder doch nur zur Hälllfte. Zur änderen Hälfte hakt ich ihn für«inen Franzosen, für einen Gascogner, einen Aufschneider, das, was der Bokksmurck ein Großmaul nennt, und der Berliner speziell: Eine große Schnauz«! Uhus. T agesneuigkeiten 22 Zote an Bord der„Zeven Provineien". London, 11. Feber. Der Reuter-Korrespondent, der sich an Bord des Torpedobootszerstörers „Piethein" befand und mit diesem an der Verfolgung des Meutererkreuzers„Zeven Provineien" teilnahm, meldet jetzt, daß an Bord des Meutererschiffes durch die Fliegerbombe insgesamt 22 Mann getötet wurden. Die Explosion der ersten Bombe tvar so gewaltig, daß die Schlote des Kreuzers in Stücke barsten. Die Brücke, auf der der befehligende Matrose und mehrere andere eingeborene Mitglieder der Besatzung standen, wurde vollständie abgeriffcn. Der Kommandant der„Zeven Provineien" Kapitän Eikenboom ist von seinem Posten abberufen worden. Er hat sich an Bord des Kreuzers „Java" begeben, wo er den Spruch der zur Untersuchung der Meuterei eingesetzten Kommission abwarten wird. Kleine Schmuggler erschießt man. Mähr^Ostrau, 10. Feber. In Bukovec bei Tschcchisch-Teschen erschoß ein Fmanzwachmann den 19jährigen Paul C m i e l, der über die Grenze Fleisch schmuggeln wollte. Der Grenzbeamte hatte in einem Walde Cmiel mit einem großen Paket erblickt und ihm zum Stehenbleiben aufgeforoert. Cmiel warf jedoch die Last von sich und ergriff die Flucht.. Als er auch auf den zweiten Anruf nicht stehen blieb, gab der Grei^- beamte einen Schuß ab. Di« Kugel durchbohrte Cmiel das Herz, er war auf der Stell« tot. Große Schmuggler läßt mau in Freiheit Wien, 10. Feber. Auf der Rückreise von der Riviera und aus Paris wurden der Witwe nach dem Kommerzienrat.Heinrich Grünbaum auf dem Bahnhofe in Salzburg von den österveichi- schen Zollorganen bei der Durchsuchung des Ge- oäcks Schmuck im Werte von fast einer Million Schilling sowie zwanzig wertvolle Pelze und 46 Toiletten beschlagnahmt. Die Zollbehörden sind der Ansicht, daß Schmuck und Toiletten im Auslande gekauft wurden und daß sie Frau Grünbaum betrügerischertveis« nach Oesterreich einführen wollte, während Hilde Grünbaum, die aus Brünn stammt und tschechoslowakische Staatsbürgerin ist, erklärt, es handle sich um ihr größtenteils in Wien gekauftes Eigentum. Frau Grünbaum wurde von zwei Detektiven von Salzburg nach Wien begleitet und vom Bahnhof zur Polizei, geführt. Sie wurde erst nach einem längeren Verhör m'Freiheit gesetzt/ doch g«hi die Untersuchung gegen sie weiter. Reue Glanbensschlager. Der Diözesan- chulrat der Erzdiözese Olmütz(also eine Kor- wration, die, wie schon der Name sagt, auf längere und gewichtigere Beachtung Wert legt) hat sich den gegen die Därersche Schulreform anreitenden Glaubensrittern in einer Kundgebung angeschloffen und eine eigene Kundgebung erlassen. Man laffe sich also belehren, welche Argumente und Schlagworte jetzt gegen !)en Beginn eines Gesetzeswerkes gebraucht werden, das dem Geist jener Demokratie unb Selbstbestimmung entspricht, die in der Staatsnicht aber Kirchenverfassung verankert sind. Man wettert gegen Derer vor allem im Namen der Demokratie: das ist kein Irrtum; diejenigen Würdenträger, deren beschworene hierarchische Fassung das Schulbeispiel für Nichtdemokratie darstellt, dieselben Würdenträger, die bedingungslos den Worten ihres Obern nicht nur folgen, nein, sie auch noch berufsmäßig glauben müssen, diese Männer entdecken plötzlich ihr Herz fürs Volk(mit dem sie bis jetzt praktisch hauptsächlich durch Abgaben verbunden waren), diese Männer wissen, daß die Mehrheit des Volks gar kein anderes Interesse kennt, als die Kinder in die religiöse Schule zu schicken, diese Männer schaffen sich selbst diese Mehrheit in Kundgebungen und berufen sich auf jene Demokratie, die jedem braven Christen bei praktischer Durchführung innerhalb seiner Christenheit den Bannfluch und ewige Exkommunikation eintragen müßte. Im Namen der Freiheit wird für die religiöse Schule gestritten und dabei„einer der Sieger des Weltkriegs Marschall Maria Emil Fayoss" zitiert, der für die Christenschule ist,„weil an diesen nicht bloß weltliche Kenntnisse, soitdern auch viel wichtigere Kenntnisse" beigebracht werden, die man nicht überall verwerten kann und die wahren Grundlagen der Bildung sind"; das glauben wir dem Streiter für König, Gott und Vaterland aufs Wort: diese Schulen, in denen im Nanren der Gottheit, der mißbrauchten Gottheit, zum männermordenden Kampf aufgefordert wird, diese Schulen liegen einem alten Haudegen in gesicherter Etappenposition, wahrend sich Gottes Schäfchen vorn die Leiber zerreißen lassen, recht sehr am weiten Herzen. Der die Waffen segnende Erzbischof fft ein Idealbild nicht nur der Herrn Seelenhirten, .sondern auch ihrer am Blut verdienenden Schützlinge.— Im Namen des F o r t- ch r i t t s(in völlischem Sinne, wie die weise Einschränkung meint) sollen die Schulen erhalten bleiben, dainit geistliche und weltliche in edlem Wettstreit einander zu überflügeln trachten— was einer von beiden bis jetzt noch niemals schwer geworden war.— Im Namen der Humanität sollen nicht kirch- iche Lehrer uni ihr Brot gebracht werden, was ja niemand beabsichtigt.— Demokratie, Freiheit, Gleichberechtigung, Humanität und Fortschritt find Schlagworte, die bis jetzt den offiziellen Glaubenssätzen fremd waren. Noch ist die Kirche nicht offiziell gegen die Unmenschlichkeit des Kriegs«ingeschritten, noch hat sie bis heute ihren hierarchischen Aufbau nicht demokratisch dem Willen des Volks untertan gemacht, noch hat sie im Namen der Freiheit keinen Abtrünnigen pardoniert oder gar Selbstmörder bestatten lassen, noch hat sie sich im Namen der Menschlichkeit nicht gegen die Unmenschlichkeit des Kapitalismus, den Wirtschaftswahn energisch gewehrt, sie hat hierzulande vielmehr den einzigen fortschrittlichen und wirklich menschlichen Geist Doktor Kords« jesuitisch abgesägt: aber gegen den Geist des wahren Fortschritts rennt sie mit den ihr fremden Argumenten an. Sie fft weiter für den religiösen Zwang, sie muß zwangsgeschützt bleiben, denn sie weiß ganz gut, daß es um ihre Macht geschehen ist, wenn sie wirklich freiwillig von ihren Schäfchen materiell erhalten werden sollte. Entfallender Ministerempfang. Der Minister ür soziale Fürsorge Genosse Dr. Czech empfängt Dienstag, den 14. Feber keine Besuche. Ein Hegermord bei Böhm.-Kamnitz. Freitag, den 10. d. M. in den Morgenstunden ging der Waldheger Wendelin Fiedler aus Ober- Preschkau zur Wildfütterung ins Revier. Als er auch nachmittags nicht zurückkehrt«, fiel dies auf und man begab sich auf die Suche. Das Ergebnis war furchtbar. Unweit einer Futterstell« wurde die Leiche des Hegers mit tödlichen Schußverletzungen am Kopf« gefunden. Nach den bisherigen Ergebnissen liegt zweifellos Mord vor und es scheint, daß die Schußwunden Fiedlers von zwei Schrotschüssen herrühren. Man vermutet, daß Holzdiebe, die seit einiger Zeit festgestellt worden waren, von Fiedler überrascht wurden und ihn niederschossen. Es besteht aber auch die Möglichkeit, daß er auf Wilderer stieß und von diesen getötet wurde. Vorläufig fehlt von den Mördern jede Spur. Deutsche Staatsgewerbeschule für Textilindustrie in Asch. Es bestehen nachfolgende Schulen und Abteilungen: Je eine zweiklassig« Fachschule sitt Weberei^unb für Wirkerei, f^cin« zweijährige höhere Textilschule für Weberei und für Wirkerei und Sttickerei(die einzige Schule dieser Richtung im Staat),, ein einjähriger Han- delskurs für Mädchen und verschiedene fachliche Abend- und Sonntagskurse. Anmeldungen können jetzt schon erfolgen. Auskünfte und Jahresberichte durch die Direktion. Mitgliederzuuahmc trotz Wirtschaftskrise. Trotz der schtveren WirtschaftÄrije hatte der Verband der Glas- und Keramarbeiter im Jahre 1932 eine Zunahme von 1989 Mitgliedern-zu verzeichnen. Der Mitgliedergelvinn verteilt sich beinahe gleichmäßig auf Glas- und Keramarbeiter: es traten 1007 Glasarbeiter und 982 Keramarbeiter neu dem Berband bei. Aus den Neubeitritten ist zu ersehen, daß der Verband das Vertrauen der Glas- und Keramarbeiter besitzt. Aufgabe des Verbandes muß es nun sein; die neuen Mitglieder zu Mitkämpfern zu machen. Auf einer Eisscholle abgetrieben wurden, wi« uns aus Deutsch-Kralupp berichtet wird, drei Jungen, die sich auf dem Brucheis äris dem unteren Mühlteich« vergnügt hatten. Durch die Wasserfälle der letzten Tage hatte sich der Teich in einen kleinen See mit beträchtlicher Tief« verwandelt, so daß die drei auf der Eisscholle plötzlich vom Wind aus die offen« Wasserfläche hin- ausgetriebenen Kinder in erirster Lebensgefahr schwebten. Als die Situation kritisch zu werden drohte, ruderte ein Mann mit einem Waschtrog den jammernden Kindern nach und bracht« die unfreiwilligen Schiffer wieder in den„rettenden Hafen" zurück. Ein Fürsorgezögling als Brandstifter. Aus WciPert wird uns berichtet: Im benachbarten sächsischen Neundorf brach im Gerlach- schen Gute ein Feuer aus, das in kurzer Zeit von der Scheune aus auf das Wohnhaus übergrif' sind dieses völlig einäscherte. Die Vorräte sowie die landwirtschaftlichen Maschinen und Geräte verbrannten restlos, während ein Teil des Mobi- lars und des Viehbestandes dank dem tatkräftigen Eingreifen der Feuerwehren gerettet werden konnte. Die Wehren mußten sich im übrigen darauf beschränken, benachbarte Gebäude, die durch den Brand gefährdet waren, vor einem Ueberareifen der Flammen zu schützen. Di« von der Gendarmerie eingeleiteten Erhebungen ergaben bestimmte Verdachtsmomente gegen einen 14jährigen Fürsorgezögling, der in einem am Freitag vornlittags mit ihm angestellten Kreuzverhör schließlich zugab, den Brand gelegt zu haben. Der durch das Feuer verursacht Schade ist sehr beträchtlich. Sowjet-Konkurrenz für Piceard, Wie das Sowjet-Preßbüro meldet, wird im Mai in der Sowjetunion ein Stratosplsiirenflug veranstaltet. Der Bau eines Ballons ist bereits im Gange; er ist für eine weit erheblicher« Flughöhe als das Vom Rundfunk Empfehlenswertes aus den Programmes- Sonntag: Prag: 6.45 Gymnastik. 7.30 Konzert. 9.40 Lieder. 11.00 Matinee. 18.00 Deutsch« Sendung: Richard Wagner heute gesehen. 19.00 Blaswust. 20.00 Wagner-Konzert.— Brünn: 10.00 Schallplatte«. 17.30 Duette aus tschechischen Opern. 18.00 Deutsche Sendung: Gckensstunde für Warner.— Prctzburg: 16.00 Orchesterkonzert. 17.46 Unterhaltungsmusik.— Berlin: 15.30 Sänger und Virtuosen.— Breslau: 21.35 Volkstümliches Konzert — Hamburg: 17.30 Versailles von 1648.— Königsberg: 21.15„Don Juan"— Leipzig: 18.00 Must aus vier Jahrhunderten.— München: 20.00 Wagner-Abend.— Wien: 9.55 Chorvorträge. 20.45„Der Tanzdämon", Hörspiel. Montag: Prag: 6.15 Gymnastik. 11.00 Schallplatten. 17-30 Kiickevstunde. 1825 Deutsche Sendung: Wagrur in Marienbad. 19.00 Englisch. 21.00 Orchesterkonzert.— Brünn: 17.40 Der Mensch und sein« Arbeit. 18.25 Deutsche Sendung: Französisch- 19.40 Wi« sich Brünn vor 40 Jahren untcchielt.- Mähr.-Ostrau: 10.00 Blasmusik. 18.30 Deutschs Sendung. 19.40 Blasmusik.— Berlin: 20-00 „Der fliegende Holländer", Oper von Wagner. Breslau: 19.45„Tristan und Isolde",- Oper»o« Wagner.— München: 16.20 Aus Opern.— Wi«: 17.25 Richard Wagner. Dienstag: Prag: 6.18 Gymnastik. 11.00 Schallplatte». 18-S Deutsche Sendung: Sudetenbeutsche Kompr- nisten. 18.25 Oper aus dem Nationaltheater.- Brünn: 1280 Orchcsterkonzert. 18.25 Deutsch: Sendung: Leiter: Moholfreie Jugenderziehung- — Berlin: 18.00 Robert Schumann.— Breslau: 21.00 Bunter Abend.— Mühlacker: 19.00 Balalaika- Konzert. 22.15 Brahms.— Königsberg: 19.20 Kammermusik.— Langenberg: 20.30 Deutsche Barockmusik.— München: 19.00 Tänze aller VMei." Wien: 21.00 Mein liebes Nürnberg. Piccardschc Strassosphärenflugzeug berechnet. Dit Kabine, die für die Flugteilnehmer bestimmt iss- wird aus besonderem(nur wenige Zchntelmilli- met«r dickem) Nichtmagnesstahl gebaut. Währet des Stratosphärenfluges werden Sowjetgelehrii wissenschaftliche Untersuchungen zur Erforschung der Elektrizitäts- und Magneterscheinungen, dc« kosmischen Strahlen, der Sonnenenergie, verschiß den« aerologische Beobachtungen usw. vornehmes Die Opfer der Wirtschaftskrise. Aus K a a d«n wird uns gemeldet: Der Pächter der Bahnhofs restauration Kaaden-Brunnersdorf, Heinrich T»- b o l a r, hat sich in seiner Wohnung durch Erhängen das Leben genommen. Die wirtschaftlich* Lage des Lebensmüden hatte sich in der letzte Zeit außerordentlich verschlechtert, und er durch die schwache Frequenz der Bahnrestauration in finanzielle Bedrängnis gekommen, weshalb ss das Leben von sich warf. Die Gründung der österreichischen Finanz^ rungsgenossenschaft für das RußlandgesW „Oefog" wird in der allernächsten Zeit durchs' führt werden. Die Verhandlungen mit der W dustrie und mit den Banken stehen bereits vo> dem Abschluß. Die Genossenschaft soll als Är- beitsprogramm die Finanzierung in der Höhe voo zwei Millionen Dollar vornehmen. Das Stammkapital und die Haftung, welche bei jedem Bu trage übernommen werden müssen, sollen Millionen Schilling betragen. Die„Oefog" W ttD in Oesterreich annähernd dieselben Zwecke zu erfüllen haben, wie die Isago" in Deutschland welche schon seit längerer Zeit die Finanzierung des deutschen Rußlandgeschäftes besorgt. Fünf von 440. Di« Kommunisten habe« Metallarbeiterverband Hamburg eine schweb Niederlage erlitten. Bei den Wahlen zur Wl- treterversammlung konnten sie von 440 Mandat nur fünf erringen. 435 Mandate fielen den Ä?' hängern der freien Gewersschaften zu. Dieses® t’ gcbnis ist um so höher zu bewerten, als die Kor»' munisten tage- und wochenlang einen durch Flugblätter und durch Preffeartikel geführten Kamst gegen di« freien Gewerkschaften eingeleitet hatt^ und die Führer der freien Gewersschaften auf schändlichste schmähten und verleumdeten. Reste eines historischen Krematoriums,-lus Pardubitz wird uns geschrieben: Dieser Tag' wurde bei Erdarbeiten in der Gemeinde Lukov^ bei Sezemice ein Borratsgefäß aus dem Zeitall^ der Lelchenverbrennungen aufgefunden. Das faß, in welchem sich bloß ein bearbeiteter Si^ befand, ist sechzig Zentimeter hoch und hat ein^ Umfang von drei Meter. Das Gefäß war vorkommen erhalten, wurde jedoch beim AuftaU^ etwas beschädigt. Es wird im historischen M»' seum von Pardubitz ausbewahrt. Di« Arbeiten am Triebitzer Tunnel Eisenibahnstrecke, Olmütz—Böhm.-Trübau— wurden gestern beendet. Der Bau wurde 20. Ilpril 193k begonnen und in insgesamt Arbeitstagen zu Ende geführt. Da der Tun»^ eine Länge von 511.5 Meter hat, entfällt auf laufenden Meter des fertigen Tunnels mit mauerung nicht ganz ein Arbeitstag. Währe^ der Hauptperiode waren etwa 600 ArbeA beschäftigt. Für den Bau wurden 12.700 KubH meter Steine, 16.000 Kubikmeter Sand, 32.0^ Kubikmeter Zement, 5320 Kubikmeter Holz E, 5000 Kubikmeter Betongemisch verwendet. A?' der Geleiselegung im Tunnel wird im Früh iE begonnen werden. Der Eisenbahnverkehr w>" im Herbst eröffnet werden. Nr. 37 Sonntag, 12. F«Lr? Präsidium des Pragers Musik- koniervatoriumS über dringliche Vorstellungen der Theaterleitung und auf Grund einer Intervention deS damaligen Intendanten des ständischen Theaters Ritter von Bergen th al, der selbst Mitglied des daS Konservatorium erhaltenden„Kunswereines" war, di« abermalige Mitwirkung der Schüler des Konservatoriums bei drei weiteren Vorstellungen. Es war selbstverständlich, daß die Schüler des Prager Konservatoriums auch im Jahre 1863 bei den beiden Konzerten am 8. Feber und 1. November mitwirkten, die Wagnerselbst inPragveran st alte te. Wagner hatte sich diese Mittvirkung durch zwei qn den Präsidenten des Konservatorium- Grafen Nostitz gerichtete Bittbriefe gesichert. Da-. öffentliche Dokument der innigen künstlerischen BestehungeA Richard Wagners znm Brauer Musikkonservatorium wurde im Jahre 1875 ausgestellt: Durch die Wahl Ritbard WaanerS zum"Ehrenmit*t d,S daS Konservatorium gründenden und eMHMir „Vereines zur Beförderung^ der Tonkunst in Böhmen". Seite 6 Sonntag, 12. Feber 1933 Nr. 37 PRAGER ZEITUNG Die Santen nerarmt- die Diettloeen reich geworden Aus der Partei Kunst und Wissen mit dem s-' im Zoo", deut sche Kultur- Drä- Auf Grund der erhaltenen Zusagen und aut Grund der von Direktor Eger in Aussicht gestellten verminderten Betriebsausgaben für das kommende Tpieljähr glauben wir nunmehr, an den Abschluß neuer Verträge schreiten zu können. Allerdings muffen wir, um die weitere Zukunft unseres Theatevbetriebes sicherzustellen, uns daraui verlassen können, daß das Deutschtum Prags in seiner. Gesamtheit mit aller Kraft an der Erhaltung des Theaters Anteil nimmt, nicht nur durch eifrigen Besuch der Vorstellungen, der. im Hinblick auf die glänzenden Darbietungen nicht als ein Opfer an gescheit werden kann, sondern auch durch zahlreichen Beitritt zum Deutschen Theaterverein und durch Zuwendungen im Rahmen des Möglichen. Nur ko können wir unser Theater erhalten. Es wurde dementsprechend beschlossen, eine auf breitester Grundlage aufgedaute Aktion in die Wege zu leiten, di« geeignet sein soll, das bezeichnete, jedem Deutschen Prags am Herzen liegende Ziel zu erreichen. über rückkam schon wer- Selchwaren der Pa. HBONER a Oe. PILSEN SIND DIE ALLERBESTEN! Verlangen Sie la leder Verkaufsstelle des Konsumvereines SELCHWAREN der Plrm» HEGNER A Oe. PILSEN daß sich die scheinliberalen Unrversalschmöcke nur solange an der Sozialdemokratie die Füße abwischen können, als ihnen eben diese Sozialdemokratie Preß- und Drehfreiheit sichert. Die tapfere Uebersiedlung des gesinnungsverwandten„Tagebuch" von Berlin nach München sei auch dem „Tagblatt" ein Fingerzeig, daß den antisozialdemokratischen Kreuzzüglern zum Schluß von ihrem— sagen wir— Heldentum ein wenig bange wird. Wagner-Feier der„Urania". Die Prager„Urania" als modernes Bil- dungsinftiMt hat sicher die besten Absichten mit ihrer Wagner-Feier verfolgt; aber• in dem Bestreben, eine möglichst zugkräftige Sache zu inszenieren, verfiel sie der Sensation und dem Bluff. Diesen und jene hätte man von einer Todestag-Feier für den Bayreuther Meister fernhalten müssen, ihn schlicht und stilvoll durch sich selbst und seine Werke feiern sollen. Di« freitägige Wagner-Feier der „Urania' hätte man.ebenso gut Äs.. Walter S e i d l- loobrücke"(Bankbeamten ll). Mittwoch. 8 Uhr:„Palais Royal'.— Donnerstag, 8 Uhr: ..Moral"(Kwlturvevbandsfveunde).-? Freitag K8 Uhr:„Candid a".— Samstag,, 8 Uhr: „Palais Royal". Las Deutsche Theater. Lin Bericht des Theatervereius. Vom Deutschen Theaterverein werden wir um Veröffentlichung des nachstehenden Berichtes ersucht: Am Freitag, den 16. d. M. fand«ine Ausschußsitzung des Deutschen Theatervereins statt, in welcher Präsident. Dr. Wolf-Zdcckauer über die Lage des Prager Deutschen Theaters Bericht erstattete. Er stellt« mit Befriedigung das lebhafte Interesse des Publikums für das Theater unter der neuen Leitung fest, das in einem wesentlich erhöhten Abonnement und in besonderen Anerkennungen der künstlerischen Leistungen Ausdruck findet.'' Obwohl sich der Besuch gegenüber dem Vorjahr erheblich gebessert hat, so daß der. anzilnehmende Fehlbetrag, wie zu hoffen sst, unter die Ziffer-cs vorjährigen Defizits um mindestens 866.000 K sinken dürfte, so ergibt der gegenwärtige Kassenstand trotzdem bedauerlicherweise Keine Möglichkeit, nach Dek- kung dieses zu erwartenden Defizits. das Theater auch weiterhin auf dieser Höhe zu erhalten. Die Defizit« des Theatevbetriebes der letzten drei Spielzeiten bis Ende August 1032 erreichen über dir Subventionen des Staats und Landes hinaus den Betrag von zusammen rund 7,800.000 8, der aus den Mitteln des Vereines unter Hinzuziehung der Spenden, die uns zügeflossen sind, gedeckt werden mußt«. Die Folge davon ist, daß das Berrinsver- mögen heute bis auf einen Betrag vermindert-st der knapp hinreichen wird, um das Defizit der laufenden Spielzeit zu decken. Wir rechnen zwar mit freiwilligen Spenden auch in diesem Jahre, doch diese allem würden absolut nicht hinreichen, um di« neue Spiefsaisou zu eröffnen, wenn wir nicht die Subvention von Staat und Land im vollen bisherigen Ausmaß auch für die weitere Zukunft bestimmt erhalten. Wir haben infolgedessen auf Grund des Kollektivvertrages vorsorglich all« Verträge zum 81. Jänner gekündigt, da wir uns nicht der Gefahr aussetzen können, Verpflichtungen einzugehen, di« wir etwa mangels zur Verfügung stehender Mittel nicht «inhalten könnten. Wrr haben es als unerläßlich angesehen, den maßgebenden Faktoren in Staat und Land di« finanzielle Situation des Theaters ungeschminkt zu schildern und auf die Gefahr, die dem Theater droht,. hinzuweisen. Wir können«vfreulichettoeis« stststellen, daß wir bei allen Herren, die wir-«sucht haben, volles Ber- ständnis für unser« Leistungen und für die Notwendigkeiten des Deutschen Theaters,, gefunden habe«. Die koalierten Bonkbeamrenorgani sationcn haben ein Flugblatt herausgegeben, in dem es u. a. heißt: Warum wurde das Bankengesetz herausgegebe«? Warum sind di« Banke« verarmt? Warum sollen Hunderte von Baukangestellten ihrer Existenz verlustig werden? Warum sollen di« Bezüge der subalternen Angestellten in der unerträglichste« Weise abgebaut werde«? SrRtalraNr 1933: OTärj bis Ma, Karl Marx-Gedenkfeier». »4. März- SU. Toveötag März Frauentag. i. Mat.» iS. Juni Ktnvertag. Rüstet schon jetzt zu diese« proletarischen Feier. Jugendbewegung. Frei« Bereinigung soz. Akademiker— S..3- Montag, 7 Uhr, AuSschußsitzung.— Dienstag besuchen wir den öffentlichen Vortrag der Pautt, Dr. P. Szende:„Wandlungen des Klassenkampski m der Krise". g * Mran-Urania-Kino. „Ich bei Tag und Du bei Rächt." Willy Fritsch— Käthe von Nagy. Zwei Mieter in einem Zimmer, di« voneinander nichts wissen. Tack' lustspiel. Wrau-Urania-Aino., Untier Richard Wagner" war mehr eine R«8ameangelegenheit für den eitlen Gegenwartsautor des Romans als eine Ehrung für-en toten Bayreuther Meister. Walter Taub las das Kapi- rel mit lebendigster Gestaltungskunst. Die äußere Aufmachung dieser ersten Prager Wagner-Feier war würdevoll, chr Besuch verhältnismäßig schwach. L. J. Arb«iter(faschingsworstellung„Der Mustergatte". Diese in das Programm der Avbeitervorstellungen eingeschobene luftige Borstellung findet am Sonntag, den 19. Feber, um halb 3 Uhr nachmittags im Neuen Deutschen Theater statt. Karten ab Montag, den 13. F«ber, bei Optiker Deutsch, Graben, Koruna. Wochenspielplan des Neue« Deutsche« Theaters. Sonntag,%8 Uhr: Arbei terv orstellung: „Orpheus'; X8* Uhr:„Die Mädcheu- j a h r e e i n e r Königin"(A 1).— Montag. %8 Uhr:„Der fliegende Holländer"(AA) — Dienstag, il8 Uhr:„Juwelenraub in der Kärntnerstraße"(AS).— Mittwoch, K8 Uhr: „Mädchenjahre einer Königin"(B 1).— Donnerstag, 148 Uhr:„Orpheus'(C 1).— Freitag, H8 Uhr:„Carmen"(D 1).— Samstag, M8 Uhr:„Dar Rheingold"(C 1). Wochrnspielplan d«r Kleine« Bühn«. Sonntag, 11 Uhr: Tanzmat. inö Boden Wieser; 3 Uhr: „Weekend"; 8 Uhr:„Salon Pitz«lb«r'ger'. :„Der Geisterzug"(Bank- :„Die Water- Feier bezeichnen können, so stark stand, bei ihr di« Person dieses Prager Literaten im Vordergrund«: i als Redner, als Romanschriftsteller, als Musikkriti-! ker und Conferencier. Wagner selbst wurde nur in' einer Festrede und durch den Vortrag dreier Lieder gestiert. Die F e st r e d e hielt Walter Seidl unter dem vielversprechenden Titel„Wagner, heute gesehen". Er sprach viel Treffendes und i Rühmendes über den Bayreuther Meister, ihn am besten charakterisierend in der Thest, daß stine Kunst weder hiswrisch nnch aktuell, sondern ein nicht ein- zuordnender besonderer Komplex sei, der die ewige Unerledrtztheit des„Falles Wagner" erklärlich mache; auf den Kern des Themas aber ging er gerade nicht näher em, sonder» beschränkte sich auf die Feststel lung der Notwendigkeit einer zeitgemäßen szenischen und regiemäßigeu Erneuerung seiner Werke und ihrer musikalischen und textlichen Kürzung hinsicht lich der Leerlauf und Konstruktivismus verratenden Stellen, wie sie im„Parsifal" und„Ring" zu finden sind, Dinge also, dl« ebenso bekannt wie stlbstver- ständlich sind. Die drei Lieder, die wundervollen „Tristan"-Studien des Meisters, sang schön und ausdrucksvoll Fr. Kerstin Thorborg, von Walter Kaufmann am Flügel begleitet. Mehr herausfordernd als überzeugend wirkte die unter dem Titel„Spinnräder oder Web st uh I' von Renato Mordo(Regisseur), Walter Seidl(Kri tiker) und Walter Taub(Theaterbesucher) vorge führte Diskussion über Äernfrägen einer zeitgemäßen Wagnerinszenie- r u n g, bei der nur der Regisseur diktatorisch das Wort führte, der Kritiker sich auffallend passiv und urteilslos benahm, der„reaktionäre" Theaterbesu cher aber als lächerlicher und beschränkter Trottel ge- kennzeichnet wurde. Hier wäre nur eine freie Dis kussion am Platz« und zweckdienlich gewesen, nicht die terroristische Auffassung eines einseitigen Ver fassers, der dem Theaterbesucher stine Ansichten und Worte vovschrerbt. So war denn auch di« inter essanteste Pointe dieser DiSkusiton eine wirkliche Stimme aus dem Publikum:„Nächstens lassen Sie den Holländer im Unterseeboot ankom- men!" Die Vorlesung eines großen Kapitels auS 11 Montag,' 8 Uhr: Walter Seidls Raman„A nastaseund dasj beamten I).'— Dienstag,' 8 Uhr: Weil einige Banke« verarmt sind. Weil ihre Direktoren reich geworden find. Damit sich die leitenden Funktionär« ihr« herrlichen Stellungen erhalte«. Damit sie auch weiterhin in ihre« Institute« ««gestört„wirtschaften" können. Damit sie sich nicht«nr enorme Einkünfte, sondern auch fette Pensionen oder in Hunderttausende, ja Millionen gehende -Abfertigungen sichern. Durch das Bankengesetz sollte nicht nur Ordnung in den Banken geschaffen, sondern auch in Form des Regresses die Rückerstattung dessen erzielt werden, worum die Bank durch Verschulden der verantwortlichen Funktionäre gebracht wurde. Art. 36 des Bankengesetzes bestimmt, daß in den sanierten Banken das Regreßrecht anzuwenden ist. Warum ist dies bisher nicht geschehen? Allein aus der Geschichte der Anglo-Pragobank ließe sich eine umfangreiche Anklageschrift zusammenstellen. Das Material über die sanierten Banken und die Adressen der Schuldigen befinden sich in der Revisni Jednota. Wir haben schon einige Male verlangt und verlangen neu erlich die rücksichtslose Durchführung des Regreßrechtes. Wir protestieren gegen stdwede Ber-ögcrunq in dieser Sache. Jede weitere Vernach- kässigung des Regreßrechtes würde unsere Organisationen zur Publizierung des entsprechenden Materials zwingen. Deutsche sozialdemokratische Dezlrksorganlsatlon Prag. Dienstag, den 14. Feber, 8 Uhr abends, Großer Uraniasaal, Prag IL, Smecky Oef f endlicher Vortrag Paul Szende< Potts) Wandlungen des KlassenRampIes in der Krise. P geraatgebet: gtegfrteb taub.— Oeltebatiear. Wildel» Rtetzm«r.— Verantwortlicher Aebaltenr Dr CtmU Straub, Prag— Druck:»Slota* A»S für Bettung» and Buchdruck. Prag— Für den Druck veraulworUlch£no' bolit fitag.— Dur ÄerungtrnarfenftaRlatnt.mrrde vor der Poft- u. relegrapdeudrrekrton mit Erlak Ar 18.80U/VII 1980 bewillig:— BezugSbeSrngungen Bet Zustellung in» Hans oder bei Bezug durch die Post monatlich Kd 16.—. vierreliädrlich KL LZ—' tzchttzzoyriß O VS.—, gau^jafcug Ki,— 3n|tMU locsben laut Xauf brllrgst berechnet. Bei After« UurfchLUung« PreiALachlatz.— Atückstelluug oon Manujlrchten erfolgt nur bet tAutjendung der Aetourmurlen. Mitteilungen der„Urania” Wochenprogramm: Sonntag, 10 Uhr: Handelskurs;>111 Uhr? Rhetorik; J£ll Uhr:„Die Hohe Tatra und die Zips."— 11 Uhr: Tanzmatine« Bodenw ieser. Gemeinsam mit dem Deutsch«» Theater. Ort: Kleine Bühne. Montag, 8 Uhr: ,Zch fließe allein nach Tokio" mit Lichtbildern, Magda von Etzdörst' M9 Uhr abends:„Di« Hohe Tatra und dl« Z i P s", Kulturfilm...#3 Dienstag, 7 Uhr:„Die Gtzgeuwart iw Spiegel djr/. 1 ur", Doktor Mönch«.— 8 Uhr: Einzige.! Lieder, un^ Ar he nab end, Kerstin Thorborg. Ort: Pro« duktenbörse.— 8 Uhr: Urania-Radickbund. Mittwoch, 3 Uhr:„Emil und die Detektive'; X7 Uhr:„Wien" mit Lichtbildern, Doktor Messer; 8 Uhr:„Bericht von einer Studienreise", Hans Reimann; 8 Uhr: Phot»' kurz. Donnerstag, 8 Uhr: Vorlesung„Aus eigenen heiteren Werken", Hans Reimann.. Freitag, 8 Uhr:„Die Sprache der Plastik" mit Lichtbildern, Dr. Koeier.— 8 Uhr: „Richard Wagner." Lichtbildeswortrag. Gedenkstunde, gemeinsam veranstaltet Deutschen Sängergau. Samstag, 3 Uhr:„Tiere film.—- 8 Uhr: jüngste matik," Matta Audergast— Fritz Volk vo» Deutschen Theater. Dazu all« praktischen und Sprachkurse der Urania-Volkshochschul«. Karten z» allen Veranstaltungen, MitHliedsamneldungen- Urania-Kass«. halb 10 bis halb 1 und 3 bis 7 Ubr, Telephon 26321.; ^ruyeftSrung in Oer Können Sie sich einen hustenden Lohengrin oder eine heisere Carmen dorstellen? Wohl kaum. Den» der Bühnenkünstler, Sänger und Vortragende sst sich des Wertes seiner Stimme bewußt, er muß sie!» voller Leistungsfähigkeit erhalten, um den Beifall des Publikums zu erringen, und bei jeder, auch bei geringsten Indisposition greift er zu seinem belieb:« Heilmittel, um wieder btt Stimme zu kein. Desto unangenehmer wird es Sie aber berühren, wem während der Theatervorstellung von allen Seim Husten und Räuspern ertönt und'dem Kunstgenuß Abbruch getan wird. Sie haben sich sicher oft Nachbarn geärgert und deren Verhalten als sichtslos angesehen. Aber' auch Ihnen selbst Gleiches b«schieden stin und vielleicht morgen können Sie von Husten und Heiserkeit gequält den. Darum greifen Sie rechtzeitig zu dem ideale« Mittel, das allen Sängern und Bühnenkünstlern, allen, deren Beruf engstenS wiit der Stimmwirkung verbunden ist, unenlbehttich wurde, zu Lakerol- Tabletten. Me sind einzig in der Wirkung, wirke« rasch und zuverlässig, sind bester Schutz gegen Husten, Heiserkeit und Halsentzündungen, schützen gegen Infektionen und werden Ihnen und Ihrer Umgebung zur Wohltat werden. In allen Apotheke« und Drogerien. Prtts LS 5.—. und Kg 10.— pro Schachtel. Generaldepot: Brauners Apothttc„Zum weißen Löwen", Prag II„ Pkikopy Nr. 12. 1881 Immer mit der Konjunktur. Dieser schöne Grundsatz, der in der Redak- non des„Prager Tagblatt" als Universalersatz für politrsthe Grundsätze dient, wird dort auch in diesen bewegten Zeiten wacker eingehalten. Als vor gut zwölf Jahren die rote Armee in Polen einmarschierte und anfänglich Siegeschancen zu haben schien, schrieb das brave Bürgerblatt so bolfchcwistenfreundlich, daß es bei einer eventuellen Okkupation der Tschechoflowakei anstandslos als offizielles Publikationsorgan der Komintern hätte übernommen werden können. Nun, da Europa neuerdings von antisozialdemokratischem Feldgeschrei iwiüerhallt— wenn auch dpr Appell diesmal von antisemitisthen Fascisten- Horden ausgeht— glaubt das„Tagblatt" diest neue Konjunktur in alter Vielseitigkeit nützen zu müssen. In die Toga des strengen Mahners gehüllt, beellt sich der Doppelkreuzritter unter seinen Leitartiklern, in die antimarxistische Front — Salonkommunismus vorgehalten— einzuschwenken. Bewegte Klage sicher den deuffchböh- mischen Jndustrieverfall dient chm als Borwand, di« Mitschukd der Opportunistischen" Sozialisten an dem Zolllrieg,mit Ungarn herauszustreichen. Daß z. B, der deutsche Bund der Landwirt« mkt den tschechischen'Agrariern in der Front der Zollkricgsapostel'stand, findet der I streng obsÄtiv« Betrachter aus Grunde» der Klassensolidarität nicht erwähnenswert. Er darf auch den WirffchaftSteil seines Blattes ruhig ' ignorieren, der ihm vielleicht verraten hätte, daß dl« Handelsstockung etwas später durch die. Zahlungsunfähigkeit Ungarns gekommen wäre, nur mit dem Unterschiede, daß die eingefrorenen Außenstände unserer Exportindustrie etwas -höher stin dürften.— Besagter Leitartikler kann ein vollswirtschaftlicheS Thema, dessen Titel übrigens von der Arbeitslosigkeit handelt, nicht ! voriwergehen lassen, ohne ironisch anzumerken, idaß der sozialdemokratische Justizminister mit -der Auslststrung der fünf Hakenkreuzler einen Sieg erfochten habe. Schon die guten Be- \ Ziehungen zum tschechischen Finanz- und Jndu- i strickapital sollten das„Tagblatt" davor behüten, | die Verdienste der Nationaldemokraten und ihres I Berichterstatters JeLek derart zu verdunkeln. | Doch wenn schon diest Hemmung kühn über- ! sprungen wird, sollte zumindestens der kreuz- | gescheite Leitartikler di« eigenen Leser nicht für 'Dummköpfe halten, denn diese habey in ihrem i Lerbblatt selbst davon gelesen, wi« der Justizminister von den Nationaldcmokraten mehrfach angeschossen wurde, weil die AuSliestrungsakten Nicht rasch genug geliefert wurden. Das Bedürfnis nach Stimmungsmache gegen die Sozialdemokraten ist jedenfalls so heftig, daß sich das„Tag- Statt" garnicht scheut, wider'bessere» Wissen den sozialdemokratischen Justizminister als treibenden Faktor, ja als den Sieger in der Auslieferungssache hinzustellen. Konsequenz ist allerdings die schwächste Seite solcher Schreibweise. So Wenig da»„Tagblatt" verrät, um wieviel sich die tschechoslowakische Handelspolitik günstiger Sestaltet hatte, wenn die Sozialdemokmten wegen es ungarischen Handelsvertrages aus der Regierung auSgcsprungen wären, so sehr hütet es sich zu sagen, der sozialdemokratische Justizminister sollte wegen der Auslieferung der hiesigen Nazis, die das Hinauswerfen sozialdemokratischer Beamter, das Hinschlachten von Arbeitern und Abgeordneten, kurzum das ganze Mordbrenner- Ium der reichsdeutschen Hackinger mit„heißen Wünschen" begleiten, demissionieren. Das„Tagblatt" will wetten, daß die von ihm so herb kritisierte Politik den deutschen und tschechischen Fascisten Hunderttausende von Stimmen zu- trttbt. Wir wetten wiederum jeden Betrag, daß sich das„Tagblatt" auch einem deutsch-tschechischen Fastistenregime zur Bekämpfung der Sozialdemokratie zur Verfügung hielt, unter der Bedingung natürlich, daß der kostbare Inseratenteil nicht angetastet wird. Ob von dieser Dienst- willigkeit Gebrauch gemacht würde, ist eine andere Sache. Das Bttspiel Deutschlands beweist,