n'•••■.im*1...’ ii.'.».I',-«-"■» ,I•»- ni;:;- Mil* 13. Jahrgang. Freitag, 17. Feber 1933 Nr 41. der die in ßen geschaffene Lage anerkennen und die preußische Kommissariatsregierung als rechtmäßig eingesetzt ansehen. Der Vertreter SachsenS erklärte, daß die Frage der Rechtsbeständigkeit der Ernennung nicht vor daS Forum des Reichsrates gehöre^ Sachsen sei weder in der Lage, für die von Bayern und Baden ausgesprochene Rechtsverwahrung noch für die von Thüringen abgegebene Erklärung Stellung zu nehmen. Die Vertreter von Schleswig-Holstein und anderen Provinzen bezeichneten es als dringend notwendig, daß der Reichsrat, unbeschadet der Rechtslage, aktionSfähigbleibe. Reichsinnenminister Dr. Frick geben wurden, nachdem der Sturm der Nationalsozialisten begonnen hatte. Der amtliche Bericht läßt dies« Frage offen. Ich bi» auf Grund gewissenhafter Nachfor- 'schungen, die ich an Ort und Stelle vorgenommen habe, zu der Ueberzeuanng gekommen, daß nicht die Kominunisten, sonder» die Nationalsozialisten di« Angreifer waren. Mir ist auch bis heute nichts bekannt geworden,»ras «eignet wäre, diese Ueberzeugung zu erschütterst. Schon allein di« feststehende Tatsache, daß die Kommunisten zur Stünde deS.Zusammenstoßes einen Kindernachmittag veranstalteten, spricht gegen ihre Angriffsabsichten. Denn di« Behauptung der nationalsozialistischen Press«, die Kommunisten hätten ihr« Kinder eigens mitgebracht, um sie bei dem geplanten Feuergeiecht als Brustwehr zu gebrauchen, hat Wohl doch keine inner« Wahrscheinlichkeit." Polizeipräsident von Berlin- ein Kapp-Pnlsdilst Berlin, 16. Feber. Konteradmiral Von Levetzow ist zum Polizeipräsidenten von Berlin ernannt worden. In der Zeit des Kapp- PutschcS war von Levetzow Ebef der Marinestation der Ostsee in Kiel und wurde in daS damit im Zusammenhang stehende Verfahren vor dem Reichsgericht verwickelt. Goebbels Diktator des Rundfunks. Berlin, 16. Feber. Die„Deutsche Allgemeine Zeitung" berichtet, daß der Rundfunk in Zukunft unmittelbar dem Reichskanzler unterstellt werden soll. Als„Reichskommissär für Rundfunk und Propaganda" soll Dr. Goebbels auSersehen jein. Proteste im Reichsrat. ««Beschränkte“ Verhandlungee bis zur Entscheidung des Staatsgerichtshofes. Berlin, 16. Feber. Der Reichsrat hielt heute unter Vorsitz von Reichsinnenminister Dr. F r i ck eine Vollsitzung ab, in der zum ersten Male das Land Preußen durch die von den Reichskommis? sären ernannten Reichsratsbevollmächtigten ver treten war. Die von der Regierung Braun bevollmächtigten preußischen Vertreter waren nicht e r s ch i e n e n. Sofort nach Eröffnung der Sitzung verlas der bayrisch« Vertreter Ministerialdirektor Sperr folgende Erklärung: 1. Der ReichSrat ist ein« ausgesprochen bun desmäßige Einrichtung zur Wahrung des An teiles der Länder an der Gesetzgebung und Verwaltung des Reiches. 2. Di« Stimmführung der Länder im Reichsrat müsse von der Reichsgewalt unabhängig sein. 3. Die Beteiligung von Reichskommissären an der Abstimmung im Reichsrat widerspricht also dem Grundaufban d«S Reiches. 4. Jedes deutsch« Land ist berechtigt, die Einhaltung der ver fass u n g s maß igen Zusammensetzung des Reichsrates zu verlange«, ohne daß ihm hier aus der Vorwurf der Einmischung in Angelegen heiten eines anderen Landes gemacht werden kann. Die bayrisch« Regierung lehnt«in« Einmen* guug in innerpreußische Angelegenheiten ausdrück lich ab. Sie hält aber im Einklang mit drr Stel lungnahme des Reiche staatsgcrichtShoses an den dargelegten verfassungsmäßige« Grundlagen d«S Reichsrates fest und legt deshalb gegen die Betei ligung des RrichskommissärS in Preuße« oder sonstiger Reichsbeauftragter a« der Beratung«nd Abstimmung im Reichsrat Rrchtsverwah- r u n g ein, weil dies« Beteiligung eine dem Wesen des Reichsrates widersprechende Veränderung der Zusammensetzung deS Reichsrates bedeuten würde. Räch diesen Grundsätzen muß die bayrisch« Regie rung ihre künftig« Stellungnahme bemessen. ' Der badische Gesandte Dr. Fecht bekannte sich gleichfalls zu dem Urteil des Staatsgerichtshofes, nach dem Reichsorgane nicht ein Land vertreten könnten. Er hielt es für notwendig, die Beratungen anszusetzen, bis der StaatS- gerichtshos entschieden habe. Der Vertreter der Rheinprovinz Hammacher stimmte namens der p r e u ß r s ch e n Provin zen, Grenzmark Posen, Westpreußen, Nieder schlesien, Oberschlesien, Sachsen, Westfalen, Hes sen-Nassau und Rheinland der bayrischen Erklä rung zu. Er p r o t e st i e r t e dagegen, daß Ver treter der Reichskommissäre im Reichsrat er schienen seien und, warf die Frage auf, ob man Mit dieser Reichsratssitzung em Präjudiz für die Entscheidung des Staatsgerichtshofes schaffen wolle, wogegen er schärfste RechtÄVer wahrung einlegen müsse. Er spreche nicht nur für di« sieben preußischen Provinzen, sondern auch für die preußischen S t a a t s m i n i st e r. Eine Sitzung, bei der die Reichskommissäre preußischen Stimmen abgeben würden, sei jedem Falle ungültig. Der hessische Gesandte schloß sich Rechtsverwahrung Badens an. Reichsminister Dr. Frick erklärte, daß für die Reichsregierung einzig und allein die Verord nung des Reichspräsidenten maßgebend sei. Der Reichsrat trat dann in die Tagesord nung ein. Er nahm von der Mitteilung über die Ernennung des neuen Kabinetts Kenntnis. Als dann von der Ernennung der neuen preußischen Bevollmächtigten Kenntnis ge geben wurde, beantragte der badische Gesandt« im Auftrage Bayerns, Sachsens, Württembergs^ Ba dens, Hessens, Hamburgs, Bremens und Lübecks, sestzustellen. daß der Reichsrat von der Bestellung des Bevollmächtigten Kenntnis nehme, ohne zu der Rechtsfrage Stellung zu nehme». Da die Rechtsbcständigkeit der Ernennung von drr Entscheidung des StaatsgerlchtS- hoses abhängig sei, wird beantragt, bis zu dieser Entscheidung die Beratungen und Beschlußfassungen des Reichs rates auf besonders dringende Ge genstände zubeschränken. Die Hertreier Thüringens, Mecklen burg-Schwerins, Anhalts, LipPeS und N-eustrelitzs gaben Erklärungen ab,.daß sic die von der Reichsregierung gegenüber Preu- Ein Attentat auf Roosevelt Cermak, der Bürgermeister Chicagos, schwer verletzt. Der Attentäter geisteskrank? Miami(Florida), 15. Feber. Heut« abends fand hier in«ine« Park«in Empfang für den künftig«« amerikanischen Präsidenten Roosevelt statt. 8« diesem Empfang nahm neben viele» anderen Personen auch der Bürgermeister von Chicago, Lermak, teil. Rach einer Ansprache Roosevelts schoß«in in der Menge befindlicher Mann gegen de« Präsidenten, der aber unverletzt blieb. Die Kugeln trafen den in der Räbe befindliche« Bürgermeister Lermak und, verletzten ihn schwer. Nutzer Lerma! Warden Fran Josephine Gill, die Gattin eines Industrielle», schwer, ei« Junge, eine Fra«,«in Man« und ei« Polizist leicht verletzt. Roosevelt schafft« Lermak in seinem Auto in«in Krankenhau«. Dort wurde festgestellt, daß«ine Kugel durch daS Zwerchfell drang, die Leber streift« und in einem Rückenwirbel. knochen stecken blieb. Die Verletzung ist sehr ernst, aber nicht lebensgefährlich. Ueber den Attentäter wurde bekannt, daß er ein italienischer Maurer namens Zin« aara ist. Sr hat nach seiner sofort erfolgten Verhaftung erklärt, daß er auf Roosevelt geschossen habe, weil soviele Menschen dem Hungertod nahe seien und er rin Magenleiden habe. Man nimmt trotz der Behauptung d«S Attentäters, er fei rin Bolschewik, an, daß man es mit einem Geisteskranken zu tun hat. Rach einer andere« Version ist der verdacht naheliegend, daß es sich um einen Racheakt der Chieagoer Gangsters gegen Sermak handelt, dermal hat gegen sie«inen scharfe« Feldzug eingeleitet. Da in dem Augenblick des Attentats termak von Roosevelt sieben Meter entfernt war, ist nicht mit hundertprozentiger Sicherheit anzunehmen, daß die Schüsse dem Präsidenten galten. In Miami und anderen amerikanischen Städten wurden ein« Reihe von Personen verhaftet, die entweder zu den Gangsters gehören oder zu ihnen gut« Beziehungen unterhalte«. Das Attentat hat in Amerika groß« Erregung hrrvorgerufen. Auch in der Tschechoslowakei wurde daS Ereignis eifrig besprochen, da dermal ei» gebürtiger Kladnoer ist und zur Tschechoslowakei gute Beziehungen unterhält. In de« Straß«« Prags war daS Attentat das Tagesgespräch; di« amtliche Berichterstattung überschüttet« die Presse mit Einzelschilderungen. Din zertrampelte Preßfreiheit. Berliner„Tempo" und viele P rovin;- Tagblätter Verbote«. Berlin, 16. Feber. Die Verbot« gegen di« Linksblätter nehmen kein Ende. Rach dem gestrigen Verbot der zwei großen Berliner Blätter, des„Vorwärts" und des„8-Uhr-AbendblatteS", wurde« nun der„Tempo" in Berlin, weiter zwei Berliner Wochenblätter und ein« ganze Reih« von Blättern, in de« verschiedensten Teilen Deutschlands, so«. a. die„Rheinisch« Warte" in Koblenz, die„VolkSwacht" in Trier, di«„Freie Presse" in Aachen, das kommunistische Blatt der ,^klaff«nkampf" in Halle, das sozialdemokratische Blatt die„Schleswig-Holsteinische Volkszeitung" in Kiel, der sozialdemokratische„Bolkswille" in Hannover, das kommunistisch« Blatt„Volkswacht" in Stettin und auch das Lausitzer Blatt „BolkSecho" verboten. Zu dem neuen Verhol des„Vorwärts“ und seiner Begründung übergibt der Chefredakteur des„Vorwärts", Abg. Genofft Stampfer, der Oesfenllichkeit folgende Erklärung: „®i< Behauptung, meine Darstellung der Eislebener Ereignisse stehe im Widerspruch zu amtlichen Berichten, würde an sich ein Zeitungsverbot noch nicht rechtfertigen. Sie ist aber auch irrig. Der amtliche Bericht vom 13. Feber'aus Halle a. Saal« behauptet keineswegs, daß die Schüsse, die von Kommunisten abgegeben wurden, dem Sturm auf das ,Massenkampff'-Haus vorausgegangen seien. Daß. von Kommunisten geschossen wurde, Hape ich nicht. bestritten., Ich habe nur behauptet, daß diese Schüsse erst abge- ' gegenüber dem Vertreter der Rheinprovinz, daß selbstverständlich allein die Vertretung der derzeitigen preußischen Regierung zur Stimmabgabe berechtigt sei. Die sieben preußischen Provinzen gaben gegen diese Erklärung Protest zu' Prowkoll, während der bayrische Vertreter erklärte, daß unbeschadet der Frage der Rechtsbeständigkeit in der Zwischenzeit eine Vertretung der Regierung Braun im Reichsrat unmöglich geworden sei. Darauf wurde der badisch« Antrag mit 39 gegen 26 Stimme« bei einer Enthaltung angenommen. Für den Antrag stimmten Bayern, Sachsen, Württemberg, Baden, Hesse«, Hamburg, Bremen, Lübeck, Schaumburg-Lippe und die Provinzvertreter von Berlin, Grenzmark Posen-Westpreußen, Niederschlefien» Sachsen, Westphalen, Hessen- Nassau und Rheinprovinz. Oberschlesien enthielt sich der Stimme. Der Reichsrat erledigte dann den Rest der betont« s Tagesordnung, der nur aus Formalien bestand. Drittes Reich: den Brotkorb höher! Die Hitlersche Rettungsaktion vom volksvernichtenden Marxismus hat bereits mächtig eingesetzt. Sie beginnt damit, daß dem Volke der Brotkorb höher gehängt wird. Zugunsten jener Junker und großen Viehzüchter, das ist jener Sorte, die sich durch die Ostchilfe-Diebe- reien saniert haben. Tas Kabinett des„Dritten Reichs" hat vor einigen Tagen beschlossen, ein« Erhöhung der Zölle durchzuführen. Zölle auf Rindvieh, Schafe, Schweine, Fleisch und Schmalz. Der Naziführer Gregor Strasser hat recht gehabt, als er in einer Stuttgarter Rede ankündigte, die Nationalsozialisten würden, wenn sie erst einmal zur Macht gelangen,„dem deutschen Volke etwas vorexe^r zieren". Das„Borexerzieren" hat begonnen. Hitler ist Reichskanzler, seine erste wirtschaftliche Tat wird eine katastrophal« Rückwirkung auf die Lebensweise der Arbeiterschaft und der kleinen Leute ausüben. Die Folge der Zollerhöhung wird eine unter den heutigen Verhältnissen enorme Preissteigerung sein. Bei Auslandsschmalz wird diese Erhöhung 20 Pfennig, das sind X 1.60 für das halbe Kilo betragen. Im,Dritten Reich" beginnt das Hit- kersche Rettungswerk damit, daß den Armen dasFettvomBrotgenommen wird, Trockenes Brot und Kartoffeln tun es auch. Fleisch und Fett sind Delikatessen, die haben auf dem Tisch der Arbeiterfrau nichts zu suchen. Der Kampf gegen den Marxismus, der bekanntlich„Deutschland ruiniert" hat, muß eben schonungslos geführt werden. Den Arbeitslosen, den kleinen Rentnern und den Kriegsbeschädigten hat er Hilfe zugesagt. Bevor er Reichskanzler wurde. B e- v o r ir an die Spitze einer Regierung trat, welche die kapitalistischeste ist, die es jemals in Deutschland gegeben hat. Er hat auch die Verstaatlichung der Banken, die Brechung der Zinsknechtschaft angekündigt. Damals versprach er auch, den Kampf zu führen gegen „das herrschende unsittliche kapitalistische Wirtschaftssystem" zu führen. Und heute? Die Schäden, di« Herr von Päpen den Arbeitern und Angestellten durch seine Notverordnung zugefügt, sie fanden an Hitler einen erbarmungslosen Kritiker. Seither ist dieser selbe Paven seine rechte Hand geworden und dessen Notverordnungen werden von ihm aufs furchtbarste verschärft. Drittes Reich: der alte kapitalistische, vokksausbeuterische Kurs wird unter Hitler weitergesteuert. Arbeitslose, Rentner,'Kriegsbeschädigte können bis zum Sankt Nimnrer- leinstage warten. Sollten sie einen Bettel erhalten, so nur als Wahlköder, der ihnen nach den Wahlen wieder genommen werden wird. Der schon genannte Gregor Straffer hat schon Ende 1931 in Leipzig erklärt:„Im Dritten Reich wird man der Frau beibringen, mit dem Geld«, das der Mann nach Hause bringt, auszukommen. Wurst und Weißbrot werden verschwinden. Dafür werden die Na tionalsctzialisten die güte alte Erbsensuppe wieder zu Ehren bringen". Er hat vergessen hinzuzufügen: ohne Fett! Der Marxismus, der nach Hitlers erster Kanzlerrede Deutschland-„an den Rand des Abgrunds" gebracht hat, ließ den Arnien immerhin noch Fett aufs Brot und Fett für die„Erbsensuppe". Diesem bodenlosen Lürns macht nun der große Adolf ein Ende. Die Reichsregierung tröstet die betroffene Bevölkerung damit, daß doch die sich aus der Zollerhöhung ergebende Preiserhöhung werde„unschwer" getragen werden können. Wenn H i t ler, der Stammgast im ersten Luxushotel Berlins war und der in seiner Garage mehr als em halbes Dutzend der WWW Seite 2 Freitag, 17. Fed« 1988. xr. 4i. Der OrganisatiOESpakt Der Kleinen Enien.e unferze^net. Genf, 16. Feber. Ti« Minister der Ttaaten der Kleinen Entente Jevtic, Titulesr««nd Dr. BeneS unterzeichneten heut« um 12 Uhr 3V Minuten im Hotel„des Bereue-" in Genf den Organisation-Pakt der Kleinen Entente. Eine Erklärung des Herrn Beoel Genf, 16. Feber. Minister Dr. Benes gab an den Vertreter des tschechoslowakischen Preßbüros in Genf ein« Erklärung ab, in der es u. a. heißt: Der Pakt der Kleinen Entente ist ein politischer Akt von großer Wichtigkeit. Es ist dies ein« weitere Sicherung der Fcs^gkeit und Dauerhaftigkeit unseres Blocks. Unser Polstischer Pakt will allen sagen, wir wünschen, daß sie uns in Ruhe und Frieden arbeiten lassen mögen und daß wir eine Friedensund Konsolidierungsarbeit in gutem Willen ohne Unterschied zu allen haben wollen, insbesondere in der wirtschaftlichen Zusammenarbeit mit allen unseren Nachbarn. Falls aber jemand unsere Interessen und Rechte antasten würde, werden wir uns fest, entschieden, treu«nd solidarisch zur Wehr fetzen. Audi in Grlcdienland wird geschossen. Saloniki, 16. Feber. Bei der Auflösung einer kommunistischen Versammlung kam e- zu Zusammenstößen mit der Polizei. Sieben Arbet- ter wurden getötet und 20 verletzt. prächtigsten Automobil« stehen hat, die- für seine eigene Person erklären würde, könnte man es unschwer glauben. Die groß« Masse, die unter der Wirkung der Krise ohnehin auf- schrecklichste verelendet ist, wird darüber ander- denken. Sie wiü> Hitlers Beruhigungspill« als schnöden Hohn empfinden. Wie hieß e- doch, da Deutschlands Messias bloß ein schlichter„Trommler" war? Er besitze«in Wunderrezept für alle und alles. Anstatt da- mystische Rezept jetzt, da er doch regiert, auS der Schreibtischlade hervorzuholen und eS der erstaunten Mitwelt zu präsentieren» begeht er einen Gedankendiebstahl an den Bolschewiken, die er Vernich en will, und erklärt: in vier Jahren! In zweimal vier Jahren! Nur eben, daß die Bolschewiken den Inhalt ihres FünfjabreS» planeS in allen Einzelheiten veröffentlichten, während Hitler nicht mit einem Worte seine Mittel, di« er anzuwenden gedenkt, andeutet. Er müßte sonst zugeben, daß er wie ein abgefeimter Lügner geflunkert hat! Und doch: e i n Wort davon hat er ver» raten. ES heißt Arbeitsdienstpflicht. Das heißt: Kasernierung und Zwangsarbeit ohne Lohn und ohne sozialen Schutz. Kampf gegen da-„raffende Kapital"? Damit hat es seine guten Wege. Was daS nationalsozialistische Parteiprogramm in Wirklichkeit erstrebt, ist Knech ung, Helotentum, maßloseste Ausbeutung der deutschen Arbeiter zur Steigerung der kapitalistischen Profite! Kampf gegen di«„feinen Herren"? Der erste Akt hat bereits begonnen, er geht dahin, den„feinen Herren", den Junkern und Baronen durch Erhöhung der Bieh-, Fleisch- und Fettzölle ein „standesgemäßes" Leben zu ermöalichen. Die Arbeiter, die Angestellten, die Rentenbene- her, die Kriegsbeschädigten, die kleinen Existenzen, sie sollen vier Jahre warten, das Rettungswerk für die Besitzenden, die Sattqefres» senen dagegen wird ohne Zögern sofort in Angriff genommen! Indessen soll die Welt nicht behaupten, daß für die Kleinen nichts geschehe.s'Der deutsche Rundfunk, der bis nun in Wahlzeiten allen Parteien zur Verfügung stand, wurde von Hitler und den anderen „feinen Leuten", die mir ihm in der Regierung sitzen, inausschließliche Benüt- z u n g genommen. Den anderen politischen Parteien wurde die Propagandamöalicbkeit durch den Rundfunk genommen. Und so kann Hitler einigemale in jeder Woche das deutsche Volk retten— mitdem Maul! Indem er stundenlang sein« Tiraden gegen den Marxis- mus losläßt und auf seine politischen Gegner schimpft, was das Zeng hält. Zur selben Zeit wird noch ein anderes Hilfswerk vollbracht. In den Straßen der deutschen Stad e werden alltäglich von den braunen Banditen Hitlers Arbeiter niedergeschossen, niederge- stochen und nieder geknüppelt... .... während der Chef- dieser sauberen „Arbeiter"-Partei mit den Vertretern der Besitzer der großen Geldschränke und Latifundien in der Regierung beisammensitzt, ihnen, fette Gewinne zuschanzt und dafür sorgt, daß das Volk den Hungrrriemen enger schnalle. Di« gutgläubigen und naiven Nachläufer Hitlers haben sich daö alles ganz anders ^orgestellt. Ohne Kommiiisns gäbe es keinen Mer! Genosse Pohl über die brudermörderische Taktik der Kommunisten. Prag, 15. Feber. Aus der gestrigen Red« des Genossen Pohl im Budgetausschuß, die wir nur in der knappen Fassung der Parlamentskorrespondenz bringen konnten, tragen wir nachstehend vor allem jene markanten Stellen nach, in denen Pohl— durch vorau-geaangene Angriffe deS kommunistischen Sprechers Kopecky yerauSgesordert,— einmal grundsätzlich und gründlich mit dem unerhörten Verhalten der Kommunisten abrechnete, di« auch jetzt noch ihr« ganze Agitation ausschließlich gegen die Sozialdemokraten richten, die Faseisten aber weiterhin so gut wie ungeschoren lassen! Genoss« Pohl wies zunächst di« Aeußerungen Kopeckys zurück, in denen er den Führer der ungarischen Sozialdemokra.en, Peyer, als Verräter hinzustellen sich erfrecht«. Ti« Sozialdemo- ftaten hab. n nirgends„Verrat" an der Ar- oeiterschaft verüb!, auch n'cht an der ungarischen! Indirekt har Kopecky auch den deutschen Sozialdemokraten vorgcworfen. daß sie di« Hitler- Regierung tolerieren oder gar herbtigeführt haben. Zumindest behaup et Kopecky, daß seine Partei allein g:gen S tier kämpfe. DaS ist historisch und sachlich falsch. Dir Kommunisten kämpfen ja gegen Hitler gar nicht mit der Einheitsfront, sondern mit dem Einhe tSfroutmanSver! Sie wollen gar kein« Ei«h:itsfront, außer der, di« nicht so sehr gegen HI Irr, als gegen di« sozialdemokratisch« Partei und ihre Führung gerichtet se n sollte Und daß«'ne solche Einheitsfront in Teutkchland ausgeschlossen ist, davon dürfen sie überzeug! sein! Mm« kann aber«rch ander« argumentieren: Ohne die Spaltung der dänischen Arbett-r. klaff«, ohne den Komnumismu- wär« kein Hitler möglich gewesen, ohne Kommu- «iSm«« wären auch die Verhältnisse in Unaar» «nd Italien ganz ander-! Ueberall hat es kom- mnn'stische Vorboten für den faserstischen Aufstieg gegeben, und ich bin der Auffassung, daß dir momentan« Gefahr, die nicht nur Deutschland, sondern ganz Europa durch den FaseiSmus droht, von de» Kommunisten verschuldet ist! Ich bin überzeugt, daß jetzt Ruhe, Ernst und Besonnenheit und inner« Geschlossenheit die einzigen Aufgaben der deutschen Arbeiterklasse gegen den deutschen FascismuS sind. Ich weiß nicht, ob daS noch in 14 Tagen gilt,-aber vor dem 5. März hat keine Arbeiterpartei in Deutschland das Recht, vi« Ding« auf die Spitze zu treiben, d. h. den anderen so in di« Hände zu arbeit««, daß«s zu einem 5. März gar nicht kommt! Wenn«S auch richtig ist, daß Deutschland kein Italien ist, so dürfen wir doch nicht vergessen, daß wir es mit einer skrupellosen und rücksichtslosen Regierung— nicht mit der Reg erung Hitler, sondern mit der Regierung Papen und Hugenberg, zu tun haben, die dem Kabinett den Stempel deS FascismuS und des Monarchismus aufdrückdn. Und sie mache« auch kein Hehl daraus! In dieser allerschwersten Stund«, di« feit Menschengedenken über di« deutsch« Arbeiterklasse hereiugrbrochr« ist, geht der Kamps der komm», nistischcn Partei gegen di« sozialdemokratische Arbeitsrpartei weiter. Als vor wenige« Tage« im Lustgarten in Berlin di« groß« sozialdemokratisch« Demonstration stattsand, hat die kommunistisch« Partei Tausende und Aber, taoifend» von Flugzetteln vertelt, nicht gegen di« Faseisten, nicht gegen Hitler, Poche« und Hu gen, berg, sondern gegen di« sozialdemokratisch« Arbeiterpartei! So bekämpft man den Favismus nicht! Daist«in« kurzsichtig«, engstirnig« Palitkk, di««s l-ch«r unwahrscheinlich macht, drß sich di« beiden großen Arbeiterparteien wenigstens in einer g-m«infamen Front der Abwehr finden! Vor dem Zusammenbruch der Textilindustrie in Nordmähren! Vor der Betriebsstillegung der Firma s. Trebitsch& Sohn, Seldönfabrlk In M.>Schönberg. Im Bezirke Mähr.-Schönberg herrscht bereits ungeheuer« Arbeitslosigkeit. Seit dem Jahre 1929 wurde di« Spinnerei in Wiesenberg mit 280 Arbeitern im Jahre 1930 die Seidenfabrik„S i l v e t" A.-G. in Mähr.-Schönberg mit 500 Arbeitern bei vollem Betrieb: stillgelegt. Im Jahr« 1930 hat auch die Fa. Eisen- b e rg e r in Mähr.-Schönberg,(Seidenfabrik) den Betrieb mit rund 150 Arbeitern eingestellt. Im Jahre 1932 im Frühjahr wurde der Betrieb vorm. Franz B u j a t t i A.-G., ebenfalls eine Seidenfabrik, die bei vollem Betrieb gegen 600 Arbeiter beschäftigt«, stillgelegt. Im Jänner 1933 hat die Firma W. L u b i s ch& Sohn. Leinenfabrik, mit IM Beschäftigten d:n Betrieb auf unbestimmte Zeit eingestellt. In allen Betrieben der Textilindustrie wird nur eingeschränkt gearbeitet. So hat die Hann»dorfer Spinne r e i den D:tricb in Halbseit im September 1929 einaestellt und nur ein Teil hat in der Oberen Spinnerei Beschäftigung gefunden. Soweit die Textilbetriebe noch im Gang sind, wird mit stark verminderter Arbeiterzahl und nur abwechselnd aearbeitet. Nun wurde allen Angestellten der Fa. S. Treb i tsch & Sohn mit 15. Feber bis 31. März l. I. aekündigt, die Arbeiter werdm. wenn sie die übertragene Arbeit fertiggestellt haben, entlassen. Diele Maßnahme hat unter der gesamten Belegschaft ungehruere Bestürzung hervorgerufen. dies um so mehr, als die Firma ohne jede vorherige Verständigung, Plötzlich einfach die geplanten Maßnahmen der Arbeiterschaft übermittelte. Die Arbeiterschaft dieses Betriebes, welche mm Großteil langjährige Arbeiter sind und der Firma z» einem Weltruf verhalfen haben, ist über diesem Vorgang berechtigter Weise empört. In diesem Betriebe waren früher bei voller Beschäftigung rund 900 Arbeiter beschäftigt, jetzt allerdings waren nur noch 336 Arbeiter und 38 Angestellte beschäftigte die Arbeiterschaft arbeitete abwechselnd seit anderthalb Jahren nur 32 Stunden die Woche. Die Notlage der Arbeiterschaft hat infolge der beschränkten Arbeitszeit ständig zugenommen, nun wird auch der letzte Rückhalt— der Arbeitsplatz— genommen. Im Bezirk« Mähr.-Schönberg find bisher 9775 Arbeitslose gemeldet, von denen ungefähr 4000 gänzlich arbeitslos sind. Nun wird sich diese Ziffer noch um rund 400 gänzlich Arbeitslose mit einem Schlag« erhöhen. Der gemeinsame Betriebsausschuß hat sich sofort nach Bekanntwerden der Stillegung im Einvernehmen mit den Gewerkschaften an di« Stadtgemeinde und die Bezirksbehörde, sowie an das Gewerbe-Jnipektorat gewendet und gegen die Stillegung Einspruch erhoben. Alle Körperschaften haben sich auch sofort bereit erklärt alle Maßnahmen der Belegschaft zu unterstützen. Da die Firma bereits die Kündigung auch der Angestellten ausgesprochen hat, hat der Be- triebsaus'chuß in einer neuerlich:« Besprechung beschlossen, Verhandlungen direkt mit dem Thef der Firma zu verlangen, damit vielleicht doch die Einstellung des Betriebes verhindert werden kann. Die Situation im Bezirke wird immer kritischer. Die Grenzen des Tragbar«» sind bald erreicht. Was gedenken di« Behörden zu tun, um die Willkürherrschaft der Unternehmer zu brechen? Sollen die Arbeiter erst zur Verzweiflung getrieben werden? Bas Rcldisgeridit ohrfeigt Göring. Verbot veS„Vorwärts" ungültig. Berlin, 16. Feber. Das Reichsgericht hat heute vormittag, wie das„Berliner Tageblatt" berichtet, auf die Beschwerde deS„Vorwärts" hin entschieden, daß daS vor etwa 14 Tagen erfolgte dreitägige Verbot deS sozialdemokratischen Zen- trakoraanS, das wegen der Veröffentlichung des sozialdemokratischen Wahlaufrufe- erlasse« worden war. z« Unrecht ergangen sei«nd dr-halb aufgehoben werde. ZeltungsverDot anlgchoben. Düsseldorf, 16. Feber. Durch Verfügung deS Regierungspräsidenten in Düsseldorf ist das Verbot der kommunistischen Tagrszeitufig„Freiheit"' in Düsseldorf, und„Ruhrecho" in Essen, mit ihren Kopfblattern, das vom 1. bis 28. Feber befristet war. um die Hälft« verkürzt worden, so daß die genannten Zeitungen am 15. d. M. wie- s der erscheinen konnten. Plan riditet sich nnl den Krieg ein. Amerikaner verlassen Ehina. Peiping, 16. Feber. Oberst Frank Lockhart, der Generalkonsul der Beretnigten Staaten von Nordamerika in Peiving, überbrachte den amerikanischen Handelskrersen in Tientsin, dem Hafen von Peiping, die Weisung der amerikanischen Behörden, die amerikanischen Kaufleute mögen darauf vorbereitet sein, China in dem Falle zu verlassen, als zwischen Japan und China der Krieg auSbrechen würde. Verschieden!- lich werden auch Befürchtungen laut, daß Japan im Falle eines Kriege- die chinesischen Häfen blockieren würde. Vie Mordpest wütet weiter. Stuttgart, 16. Feber. Bei einem gestern erfolgten Zusammenstoß zwischen Kommunisten und Nationalsozialisten erhielten zwei Kommunisten schwere Schußverletzungen. ZlnsinOregelnng nodi In Sdiwcbe. Agrarier stützen Nosefts Antrag.- Prag, 16. Feber. Der Vorstoß des tschechifch- llerikalen Abgeordneten Dr. Rosek, der Diens- tag als Referent über die Zinsfußsenkung plötzlich wieder die Kündigungsmöglichkeit für Kollektivverträge in den Geldinstitut«« zum Zwecke der Regiesenkung in di« Vorlage einbezogen haben wollte, wiä> hinsichtlich s«in«r Beweggründe immer undurchsichtiger. Im Siebenerausschuß, der sich gestern und auch heute mit diesem Antrag befassen mußte, stellte sich nämlich heraus, daß es außer dem Finanzministerium nur d i e Agrarier beider nationalen Schattierungen sind, die diesen Antrag nunmehr zu ihrem eigenen machen möchten, während neben den Sozialdemokraten und Nation nalsozialisten auch di« Ätationaldemokraten, ja selbst die eigen« Partei(!) des Herrn Rosek sich durchaus abl«hnend verhalten. Ja noch mehr: im offiziellen Zentralorgan der sschechischklerikalen Partes wurde heut« Herr Dr. Rosek in einer Form desavouiert, die einer offenen Ohrfeig« zum Verwechseln auSsieht! Dort findet sich folgende Notiz: Zur Herabsetzung der Bezüge der Beamten der Geldinftttute. Im Budgetausschuß des Abgeordnetenhauses beantragt« Abg. Dr. F. Rosek zur Vorlage über die Regelung deS Zinsfuß^ zum ß 15 neue Absätze 3 bis 5 über die Möglichkeit der Herabsetzung der Bezüge der Angestelltenschaft der Geldinstitut«. Wir find bevollmächtigt zu erkläre», daß dieser Antrag ohne Wissen der kompetente» Organe der Partei gestellt würde«nd er mutz daher als persönlich« Ansicht und Antrag des Abg. Dr. F. Rosek angesehen werde«, mit dem di« Partei in der Form, wir er überreicht wurde, nicht übereinstimmt. Daraus müßte Herr Dr. Rosek eigentlich allerhand Konsequenzen ziehen. Er scheint aber den vielfachen Derivaltungsrat Dr. D o l a n s k y hinter sich zu haben; zumindest soll ein Teil des Abgeordnetenklubs mit dieser— vom StaSek- flügel inszenierten— Desavouierung nicht einverstanden sein. Diese Differenzen sollen heute in einer Klubsitzung ausgetragen werben. Fest steht j^enfalls das eine, daß in den Beratungen des SiebenerausschuffeS hinter dem Rosek-Antraa nur di« Agrarier stehen, die jedoch in Abrede stellen, daran irgendwie persönlich interessiert zu sein(«S hieß, day gewisse landwirtschaftlich« Kassen durch di« hohen Gehalt« der leitenden Funktionäre stark belastet sind), sondern lediglich erklären, nur um der Zinsfußlenkung »killen für den Antrag Rosek zu sein. ES ist wieder einmal glücklich so weit, daß die tschechische« Agrarier(und mit ihn«« die deutsche») in einer Sach«, in der die Regierung nach langen Verhandlungen bereits«nlschiedea hat, neuerlich Schwierigkeiten zu machen beginnen und diktieren wolle». Wir hätten geglaubt, daß solch« Rücksäll« i» die Zeiten der Aera Udr-.al doch nicht schon so bald nach dem Amtsantritt MalypetrS in Erscheinung treten würden! Da auch die heutige Sitzung des Siebener- ausschusseS refultatloS blieb, mußt« der Budget- auSschutz neuerdings abgesagt werdet:. Morgen früh trttt der Siebenerausschuß abermals zusammen. Kurz vor Beginn der heutigen Plenarsitzung, die nach dem ursprünglichen Plan bereits di« Zinsfußsenkung hätte behandeln sollen, war di« Stimmung ziemlich pessimistisch. Man sprach bereits davon, daß di« nächste Sitzung erst für Anfang März, und zwar aus schriftlichem Weg«, einberufen werden sollt«, um bis dahin genügend Zeit zur lleberbrückung der bestehenden Gegensätze zu gewinnen. Der Vorsitzende d«r Regierung soll jedoch ganz entschieden darauf gedrängt haben, die Sache nicht auf die lange Bank zu schieben, so daß das Hauspräsidium oeschloß. di« nächst« Sitzung bereits für Dieüstag, den 21 Feber. um 3 Uhr nachmittags festzusetzen. Auf der Tagesordnung steht neben der Z i n s f u ß v o r- läge auch bereits das Ausliefrrungs- begehren gegen die vier nationalsozialistischen Abgeordneten. Die heutig« Haussitzung dauerte infolgedessen nur ein« halbe Stund«. Es. wurde lediglich die Abstimmung über di« Glühlampensteuer in leiden Lesungen durchgeführt und ein« gfefeitc Lesung vorgenommen. Vorher hatte der Referem in einer Polemik gegen die gewerbeparteilichen Befürchtungen u. a. auf eine Denkschrift der nicht kartellierten Glühlampenfabriken hingrwiesen, die sich bereit erklärten, einen Teil der Steuer selbst zu tragen. Selbstverwaltung in Polen abgesdiattt. Gemeinden werden kommissarisch geleitet. Warschau, 16. Feber. Die gestrige stürmische Sejmsitzung, welche um 15 Uhr begann, endete heute in den frühen Morgenstunden um 3 Uhr früh mit der Annahme de- Regierungsprojektes über die Reform des territorialen Verwaltungsgesetzes(Abschaffung der Selbstverwaltung) in zweiter Lesung. Als die von der Opposition beantragten Aenderungcn zu diesem Gesetz von der Regierungsmehrheit abgelehnt wurden, verließ die gesamte Opposition den BcratungSsaal, worauf das Gesetzcsprojekt mit den Stimmen deS Regierungslagers angenommen wurde. Freitag, 17. Feber 1938. Leite 3 i Sk. 41. Ans der Arbcltcr-Turn- and Sportbewegung. Europameisterschaften der Arbeiterfutzballer. Die nächsten Spiele mn die Enropameistevschaft zwischen Oesterreich und Atus-Tschechoslowakei finden am 30. April in Karlsbad und am 1. Mai in Bodenbach statt. Das Spiel in Bodenbach gilt als Retourspiel, so daß damit ein Spiel in Oesterreich nicht in Frage kommt. Polen und Deutschland werden am 18. Juni in Kattowitz (Polen) ihr Retourspiel in der Europameisterschaft austragen. Beide Länder hoben sich wiederum aus «inen Schiedsrichter des Atus geeinigt. Turnspiel-Bundesmeisterschaften 1933. Anläßlich des Arbeitevsporltages der Tschechoslowakei am ö. und 6. August in Aussig werden auch di« Bundesmeisterschasten der Männer in Handball, Raffball und Faustball ausgetragen. In den anderen Spielarten wie Tennis, Tischtennis, Hazena, Wolleyball usw. werden, falls entsprechende Anmeldungen vorliegen, die FestmeistersHaften oder Freundschaftsspiele durchgeführt. Neues Kreissekretariat. Nach längerer Unterbrechung hat der 5. Kreis wiederum ein Kreissekretariat eingerichtet und mit dessen Leitung Genossen Franz Kunig aus Neustadt!'bei B.-Leipa betraut Das Sekretariat befindet sich in Aussig, Bahnhofsplatz 1, 2. Stock. Schulung der Futzballfunktionäre. In allen Bezirken des ATUS. haben beschluß- geinäß vor Beginn der Frühjahrsserienspiel« Schulen für die Fußballfunktionäre(Spielleiter, Schieds- rickter und Berichterstatter) stattzusinden. Fotzende Rebedispositionen können die Reserenten vom Bund in Aussig kostenlos zur Verfügung gestellt bekommen: „Unsere Organisation",„Die Fußballsatzungen", „Pflichten des Spielleiters",„Der Schiedsrichter" „Unfallversicherung'der Fußballer". Bei Anforderung der Rededispositionen durch die Bezirksleitung ist Name und Adresse jedes Referenten anzugeben. Das Kardinalproblem des Staates: Erweiterung der Sozialpolitik. 1000 Waggon Roggen für die Arbeitslosen. FUrsorseminister Genosse Dr. Czech vor dem Budgetausschuß des Senats. auf der * die der Die Arbeitszeitverkürzung- eine Schicksalsfrage der Wirtschaft, lediglich dazu bestimmt sind, die Verhältnisse dem Arbeitsmarkte aufzuzeigen. Die so ermittelten Ziffern decken sich mit dem viel kleineren Kreise jener Personen, welche der staatlichen Arbeitslosenfürsorge teilhaftig sind, absolut nicht. Zur vollen Klarstellung sei überdies noch hinzugefügt, daß das Fürsorgcministerium die Daten, deren Ergebnisfe von den Arbeitsvermittlungsämtern ermittelt, von den Landcs-Zentral-Jnspektoraten Böhmens und den Landesarbeitsämtern der anderen Länder fertig verarbeitet geliefert werden, lediglich zusammenstellt. Die Arbeitslosigkeit hat seit der Berichterstattung im Budgetausschusse des Abgeordnetenhauses leider einen weiteren und sehr wesentliche» A u st i e g erfahren. Noch End« des Monates Dezember betrug dir ArbeitSlosrnziffrr 749.876 und End« Jänner d. I. 868.477. DaS zeigt also gegenüber dem Vormonate einen Anstieg Per 16 Prozent. Gegenüber dem gleichen Monate deS Jahres 1S2S, der eine Arbeitslosenziffer per 53.247 ausweist, ergibt dies daS Siebzeh«fache dieser Ziffer und sohin eine Verschlechterung, wie st« in keinem anderen Industrie st aatr des Kontinentes— auch Deutschland eingeschlos- sen— zu verzeichne» ist. Keine Lohnsenkung. Die Forderung des FUrsorgemlnlsterlums: Hebung des Lohnniveaus. Eine Erklärung des Finanzmlnislers. Im Laufe der Debatte nahm am Donnerstag auch der Finanzminister das Wort, der u. a. zugab, daß viele der Finanzverwaltung gemachten Vorwürfe gewiß nicht unberechtigt sind, wenn dies auch durch den Personenmangel und die vielen neuen Arbeiten zu entschuldigen sei. Den Uebergriffcn bei der Steuereintreibung suche er durch einen neuen Erlaß zu steuern, der dem exekutiven Berkaus von Mobilien zu unangemessen niedrtzen Preisen steuern soll. Wir werden nicht zulasten, erklärte der Minister, daß die Steuerträger überflüssig durch Exekutionen arm gemacht werden und daß ihre Situation durch gewissenlose Aufkäufer noch mißbraucht wird. Die aber, die zahlen können, aber nicht zahlen wollen, verdienen freilich keine Rücksicht. Zu den Borwürfen, daß er gegen die Jnve- stitionsanleihe sei, erklärt Trapl, daß diese Sache eine gewiste Vorbereitung erfordere. Er versichert, daß er nichts verabsäume und daß sich die Oeffentlichkeit vielleicht schon in kurzer Zeit überzeugen werde, daß er der Frage der Beschaffung von Arbeit für unsere Arbeitslosen die größte Aufmerksamkeit gewidmet habe. Der Minister drückt sein Erstaunen aus, wie die Gerüchte von einem weiteren Abbau der Staatsange st elltengehälter entstehen konnten, und konstatiert, daß die Regierung alles veranlaßt, um bei dem heutigen Stand der Gehälter verharren zu können. die Verelendung der Masten immer mehr um sich greift und die Arbeiter, vor allem aber die I u- g e n d einer A u s g e st a l t u n g der Schutzeinrichtungen mehr denn je bedürfen. Das. FLrsorgeminifteri»m hält es für sei»« Pflicht zu erklären, daß es fest eutschlossen ist, nicht nur die bestehenden sozialpolitischen Einrichtungen mit aller Entschiedenheit zn verteidigen, sondern sich im Hinblicke auf die gegebene» Notwendigkeiten für deren Ausbau mit aller Kraft einzusehen. Aus dem gleichen Grunde ist das Fürsorgeministerium bemüht, die A r b e i t s- losenfürsorg«, di« infolge der ansteigenden finanziellen Lasten trotz ihrer Unzulänglichkeit hart umstritten ist, wenigstens einigermaßen auszugestalten. Droizusdiuß zu den Ernährundskarten. Darum ist das Fürsorgeministerium froh, daß es im Rahme« der von der Regierung beschlossenen Roggenaktion möglich geworden ist, den Arbeitslose» der von der Krise besonders schwer heimgesnchten Gebiete als Ergänzung der Ernäh- rungskartcn einen kleinen Zuschuß zu sicher», der in einem Laib Brot besteht. Die Aktion ist vorläufig nur für einige Monate gedacht. Ihre Fundierung bilden 1606 Waggon Roggen, die vou der Regierung angekauft und von den mit der Durchführung der Aktion betrauten Konsum- und landwirtschaftlichen Genossenschaften in Form von Brot an die Distributionsstellen hcrangebracht werden, bei denen dann der organisatorische Vertei- lungsdienst des Fürsorgeministeriums einsctzt. Als Beginn der Aktion ist spätestens der Anfang der nächsten Periode der staatlichen Ernährungsaktion, also der 12. März d. I. gedacht. Außer der von der Arbeitslosigkeit besonders hart betroffenen Gebieten sollen auch die von sonstigem Notstände be troffenen Gebiete in diese Aktion einbezogen werden Die näheren Verlautbarungen wegen Durchführung dieser Aktion werden rechtzeitig an die Oeffentlichkeit ergehen. Zusammenfassung. Vorliegende Darlegungen sind als Er g ä n- zung des Exposes gedacht, das ich vor drei Wochen im Budgetausschuste des Abgeordnetenhauses erstattet hab« und das einen erschöpfeichen Üeberblick über die gesamte Arbeit des Fursorge- ministeriums in der zurückliegenden Berichts-z Periode bildet. Um Wiederholungen zu vermeiden, darf ich wohl auf dieses Expose verweisen/ Das Fürsorgeministerium hat im Rahmen der ihm zu Gebote stehenden Möglichkeiten seine Pflicht voll und ganz erfüllt. ES ersucht, seine Leistung, die ja, wie jedes Menschenwerk, nicht vollkommen sein konnte, gerecht zu würdigen. ** Unterlagen und vor allem die obligatorische Meldung aller freien Plätze unmöglich gemacht wird, wenn dem Fürsorgeministerium nicht di« notwendigen Mittel zum Ausbau des Netzes Arbeitsvermittlungsämter zur Verfügung stehen! Was nützt überhaupt aller Kampf gegen Arbeitslosigkeit, wenn bei der Distribution vorhandenen Arbeitsplätze der willkürlichen Auswahl des Unternehmers der weitest« Spielraum gelassen wird! Das Fürsorgeministerium wird nicht müde, immer und immer Wickler von der Nationalversammlung die baldige Verabschiedung seiner Vorlagen zu verlangen, die eine nicht mehr abweisbare Notwendigkeit sind. Arbeltslosenzählung. In diesem Zusammenhänge soll auch gegenüber den immer wieder zutage tretenden Behauptungen, daß sich unter den vom Fürsorgeministerium verlautbarten Arbeitslosenziffern auch die sogenannten „Saisonarbeiter",„Häusler",„wohlsituierte Personen" etc. befinden, festgestellt werden, daß die verlautbarten Arbeitslosenziffern, deren Zusammenstellung auf Grund gesetzlicher Normen erfolgt, Minister Bechynö und die deutsche Sozialdemokratie. Die„Deutsche Presse" brachte dieser Tage die Nachricht, daß der Stellvertreter des Ministerpräsidenten,, Genoss« Bechynö, erklärt hätte, daß er mit den deutschen Sozialdemokraten nicht Zusammenarbeiten könne, wenn diese nicht für die Auslieferung der hakenkreuzlcrischen Abgeordneten stimmen werden. Dazu teilt das „Pravo Lidu" mit: Wir sind ermächtigt zu er- llärcn, daß Minister Genosse Bechynö so etwas nicht gesagt hat und daß die Behauptung der „Deutsche» Presse" erfunden ist. Das Referat d«S Genossen Dr. Otto Bauer, das dieser auf dem letzten Parteitag der österreichischen Sozialdemokratie gehalten hat, ist nun unter dem Xitel„Faschismus, Demokratie und Sozialismus" in tschechischer Sprache erschienen. Die Uebersetzer sind die Redakteure des Mähr.- Ostrauer„Duch öasu" K. Votava und Fr. Richter. uick> vor allem durch die Technisierung des Erzeugungsapparates längst überholt sind, das ist eine Erkenntnis, die— wenn man von einzelnen Jnteressentengruppen absieht— heute bereits Gemeingut der ganzen zivilisierten Welt ist. Vie Genier ArbeMshonferenz. Diese Erkenntnis spiegelt sich auch in dem ganzen Verlaufe der im Jänn'er dieses Jahres im Rahmen des Internationalen Arbeitsamtes in"Genf abgehaltenen Internationalen technischen Konferenz wider, die sich mit einer Mehrheit von 41 gegen 22 Stimmen für die internationale Regelung der Verkürzung der Arbeitszeit ausgesprochen urÄ gleichzeitig zum Ausdrucke gebracht hat, daß die Verkürzung der Arbeitszeit an die Aufrechterhaltung des Lebensstandards der Arbeiterschaft geknüpft sei. Außer dem Vertreter unseres Staates, der hiezu durch einen Beschluß der Regierung ermächtigt. wurde, haben auch noch 20 andere Staaten für die Verkürzung der Arbeitszeit gestimmt, ebenso alle Arbeitervertreter. Die definitive Entschei-' düng über das Schicksal der Konvention wird in der j bereits für den 8. Juni d. I. einberufenen Internationalen Arbeitskonferenz fallen. Nicht unerwähnt soll bleiben, daß die Arbeitgebergruppe, welche bisher immer die Einführung der Verkürzung der Arbeitszeit von der internationale« Regelung des Problems abhängig mache, sie gerade in dem Augenblicke, in dem ihre Verwirklichung möglich war, nicht nur ablehnte, sondern mit alle» Mittel» zu verhindern suchte. Die Frage, vor der wir nun stehen^ ist die, wie es möglich sein wird, eine Arbeitslosenarmee von diesen Ausmaßen wieder in den Arbeitsprozeß einzugliedern. Wir haben an früherer Stelle versucht, an die Lösung dieses Schicksalsproblemes heranzukommen, soweit dies eben im Rahmen dieser Wirtschaftsordnung überhaupt möglich erscheint. Soweit es sich um die konjunkturelle Arbeitslosigkeit handelt, kann die vorgeschlagene Lösung eine Linderung des Massennotstandes herbeiführen. Außerordentlich schwierig ist aber die Lösung für die Hurwerttausende von Arbeitern, die die Opfer der Rationalisierung sind. Für sie gibt es nur dann eineu rettenden Ausweg, wenn in de» Umbau der gesamten Wirtschaft und in die Neuordnung des gesamten Produktionsprozesses auch noch die Verkürznng der A r b e i t S z ei t. eingegliedert und dadurch auch für die Rationalisierungsopfer ein Stück der vorhandenen ArbeitSmeng« gesichert wird. Eine» anderen Ausweg sehen wir nicht. Immer und immer wieder haben wir jene Kreise, die sich gegen eine Verkürzung der Arbeitszeit wenden, darnach gefragt, wie sie sich die Lösung dieses Problemes denken und welche Vorschläge sie den unsrigen entgegenstellen können. Man ist uns aber immer di« Antwort auf unser« Frage schuldig geblieben. Wir aber können nicht warten und müßig zusehe», wie auch in der Zeit des schwersten Krisennotstau- deS die Rationalisierung des Arbeitsprozesses weiter fortschreitet. Denn, daß die geltenden gesetzlichen Normen durch die gesamte Entwicklung des Arbeitsprozesses P r a g, 16. Feber. Im BudgewuSschuß des «nates, der morgen bereits das Schlußwort des s«neralberichterstatters enigegennehmen und öan» die Abstimmung durchführen soll, erstattete ! Vute Genosse Dr. Czech ein Expose«, dos zunächst j dar als Ergänzung seiner letzten Ausführungen >>n Budgetausschutz des Abgeordnetenhauses gedacht war, aber doch wieder als ein geschlossenes ll gtiue sich darbietet, in dem der verantwortliche «inister neuerdings das Kardinalsproblem des |! Heute, die Beschaffung von Arbeit für die Hunderttausend« von Arbeitslosen, in aller k Mrfc herausarbeitet. Sehr viel ist von bürgerlicher Seite im Laufe der Budgetdebatten zusam- Angeredet worden, aber eine klar« Antwort auf die Frage, wie das Arbeitslosenproblem anders durch Arbeitszeitverkürzung gelöst werden könnte, vermochte keiner dieser Herren zu pben! Den in der Debatte erhobenen Forderungen "ach neuerlicher Lohnsenkung zur Ankurbe- 'ung der Wirtschaft trat Genosse Czech mit eher- Festigkeit entgegen, und auch die Rufer nach hm Abbau der„sozialen Lasten" mutzten sich ki«e herbe Abfuhr gefallen lassen. s Mit grosser Freud« wird von unzähligen Arbeitslosen vor allem die Ankündigung begrüßt lvcrden, daß die Regierung an einen Ausbau kder CrnährungSfürsorge in der Rich- l«»g schreiten wird, daß in den besonders arge» k Notstandsgebieten ab 12. März ein Brotzuschutz IJ den Ernährungskarten gewährt werde« soll. k«vcch Ankauf vou 1000 Waggons Roggen ist We Aktion vorläufig für einige Monate gesichert; dassentlich wird sie zu einer dauernden Einrich- ilXlg ausgebaut werde» können! In seinem Exposee führte Genosse Dr. Czech a. aus: ES ist sicherlich keine Uebertreibnng, wenn gesagt ! loiitz, daß die tragische Entwicklung der Verhältnisse |’M dem ArbeitSmqÄkte, die in der sich mit jedem '^ a flc* steigernden Ausschaltung vieler Tausender Minilienerhalter aus Arbeit und Verdienst ihren Ausdruck findet, das Kardinalproblem der stunde ist. Und so stehen denn die entscheidenden »nd verantwortlichen Faktoren des Staates vor i(' Ret gigantischen Aufgabe, die mit der größ- I len Beschleunigung gemeistert werden muß. Dies ist ’ber nur möglich,' lven» dem liebel au di« Wurzel gegriffen und ein« grundsätzliche Lösung gesucht wird, da jiede bloß »n der Oberfläche liegend« Lösung daS Ziel ver- sthleu muß. Darum stellt das Fürsorgeministerium trotz d«S i lkradezu erschütternden Notstandes der Massen nicht ^ku charitativen Teil seiner Aufgaben an die I Spitze, sondern jene Lösungen, di« geeignet sind, di« »o» der Krise betroffenen Arbeitsmenschen wieder I»l den Nährzustand zurückzuführen. Arbeitsbcsdianung. Der Weg hiezu führt vor allem über den raschesten Wiederaufbau der interna- kionale» Wirtschaft und über di« schlen- vigste Wegräumuug aller zoll- und handelspolitischen sowie der währungspolitischen Schranken. . Er geht aber auch über die Stärkung des n«r« n Marktes, dessen Gesundung nur durch °'k planmäßige Hebung der Kaufkraft der ’rbeitenden Schichten erreicht werden kann, führt aber schließlich auch über eine Wirtschafts- ^litik, welche die Arbeitsbeschaffung zum Angelpunkte ihrer nächsten Aufgaben macht, alle irgendwie erreichbaren Kreditmöglichkeiten ausnützt, ?'* den Selb st verwalt ungskörpern bei Beschaffung von Jnvestitionskrediten auferlegten Asseln und> Hemmungen lockert und dadurch die sk>lle Nutzbarmachung aller Möglichkeiten gewähr- klstet, die ♦ vch aus den vielen Tausenden, bisher onrealisirr- te» Bauvorhaben der Selbstverwaltuugskör- der ergeben. .. Augenblicklich erliegen 3622 solcher Ansuchen im "Ursorgeministerium und harren der Bewilligung der °°m Fürsorgeministerium angesprochenen Kredite, die Bauführer die finanziellen Mittel bereits Mirgestellt haben, könnte die Inangriffnahme dieser Arbeiten sofort vor sich gehen und damit etwa 80.000 Arbeitslosen"sofort Arbeit beschafft werden. ?’bnlich liegen die Verhältnisse auf dem Gebiete der vdrdernng des Baues von Kleinstwohnun- 1e». Regelung des Arbeifsmarhtes. , Hand in Hand damit muß auch die Neuregelung Jte Verhältnisse auf dem Arbeit«markte gehen, sie in dem bereits vor zwei Jahren zur Ver- wndlung gestellten Arbeitsvermittlungs- ’ s e tz e in Aussicht genommen ist. WaS nützen alle "US gewissen Kreisen über die ungeordneten Verhält« ™ffe des Arbeitsmarktes vorgebrachten Klagen, wenn Viade s i e es nicht begreifen wollen, daß nur eine Sksetzliche, den bestehenden Notwendigkeiten an- t’paßte Vorsorge Wandel zu schassen vermag. Was 'Wen alle, vielfach mit großem Aufwande erhobenen »Zweifel" über die Richtigkeit der ArbeitSlosenzäh- wng, wenn die Sicherung der hiefür erforderlichen Und nun möchte ich mich der Generaldebatte zuwenden, in der das Wort von der„notwendigen Senkung der Löhne in der Industrie" fiel. Mit diesen Mitteln hofft nämlich der betreffende Redner, der allgemeinen„Vernichtung" Einhalt'zu tun und die Arbeitslosigkeit zu bekämpfen. Das Fürsorgeministerium erklärt, daß es den Gedankengängen dieses Redners nicht zu folgen vermag der anscheinend übersehen hat, daß der Arbeiterschaft aus Gründen der sogenannten„Konkurrenzfähigkeit der Industrie" bereits mehrfache Lohnkürzungen auferlegt wurden und daß sie bereits an ein Lohnniveau gelangt ist, welches die Lebensfähigkeit geradezu in Frag« stellt! Wir alle wissen, daß die Erzeugnisse unseres Landes im Augenblicke im Ausland nahezu völlig unanbringbar sind. Wer bleibt denn noch als Abnehmer unserer industriellen Erzeugnisse, wer als Käufer der landwirtschaftlichen Produkte übrig, wenn dann auch noch außer dem Export der innere Markt vollständig lahmgelegt ist? Di« ohnedies bereits am Tiefpunkte liegende Konsumfähigkeit der arbeitenden Schichten noch werter senken zu wollen, das hieße den letzten Ast a b s ä g e n, auf dem wir fitze«. Gegen eine solche Wirtschaftspolitik mutz sich das Fürsorgeministerium auf das Entschiedenste wenden und der Parole der Lohnsenkung jene der Hebung des Lohnniveaus mit aller Entschiedenheit entgegensetzen! Ausbau der Sozialpolitik. Das Fürsorgeministerium muß sich auch gegen ene Ausführungen wenden, die gegen die Sozialver- ichcrungSeinrichtungen gerichtet sind und auf eine Verschlechterung der Sozialpolitik hinzielen, dies alles in einem Augenblicke, in dem Seite 4 Freitag, 17. Feber 1988. Jh. 41 Das Treiben eines Bourgeois^ommuniften. Wird das„Prager Tagblatt" di« Oeffentlichkeit weiter falsch informieren? Es ist geradezu ein öffentlicher Skandal, daß das Blatt des Prager deutschen Bürgertums. Los„Prager Tagblatt", das sich stets auf den bei ihm üblichen vornehmen Ton beruft, den unwahren Behauptungen des Dr. Bill konsequent Raum schenkt. Wir haben schon gelegentlich des kommunistischen Antikriegskongresses in Amsterdam den Dr. Bill auf frischer Tat ertappt und nachgewiesen, daß er die Oeffentlichkeit falsch informiert. Wir haben danials dem„Prager Tagblatt" die ganze Lächerlichkeit vorgehalten, die darin besteht, daß Dr. Bill vom Stammtisch seines Kaffeehauses aus dem Sekretär der Sozialistischen Internationale, Dr. Friedrich Adler, gute Ratschläge erteilt und daß er ihm Vorlesungen Über den Sozialismus hält. Diesmal wollen wir abermals die Oeffentlichkeit aufmerksam machen daß das„Prager Tagblatt" dem Herrn Dr. Bill die Möglichkeit gibt, handgreifliche Unwahrheiten zu verbreiten. Dr. Bill veröffentlicht nämlich am 14. Feber im„Prager Togblatt"— das Blatt unterstreicht diese Ausführungen, indem es sie an leitender Stelle bringt— einen Artikel über den Streik der Bergarbeiter im Rossitzer Revier, in welchem er darauf hinweist, daß im Vertvaltungsrat der Westmährischen Bergbau- A.-G., der die Bergwerke oehören,„Sozialdemokraten und Nationalsozialisten" sitzen. Dieser Feststellung, die in dieser Form schon an sich unwahr ist, wie wir gleich nachweisen werden, setzt Dr. Bill hinzu:„Sie sind für die Herabsetzung der Arbeiterlöhne". Während also die Kommunisten, wje das Bourgeöisieblatt rühmend hevor- hebt, gegen die Herabsetzung der Löhne sind, sind natürlich die Sozialdemokraten für die Herabsetzung der Löhne. So weit Herr Dr. Bill im „Prager Tagblatt".- Wie verhält sich nun die Sache in Wirklich kett? Der Streik im Rosiitzer Revier ist ausgebrochen, weil die Westmährische Bergbau-A.-G. tatsächlich die Löhne herabgesetzt hat. Dieser Herabsetzung haben die Sozialdemokraten den . stärksten Widerstand entgegengesetzt. Erst nachdem die sozialdemokratischen Arbeiter sich das Vorgehen der Unternehmung nicht haben gefallen lassen, proklamierten die Kommunisten, die vordem geneigt waren, sich die Lohnherabsetzung gefallen zu lassen, den Streik. Im Verwaltungsrat der Westmährischen Bergbau-A.-G. sitzt tatsächlich e i n Sozialdemokrat, der dadurch hinein- , gekommen ist, daß d i e m ä hrischen Selb st- Verwaltungskörper die Aktien der Berg- bau-A.--G. übernommen haben.. Wäre dies nicht geschehen, dann hätten die Gruben stillgelegt werden müssen, weil sie passiv waren. Dieser einzige Sozialdemokrat nun, der im Verwaltungsrat sitzt, bemüht sich seit Wochen, den Streik bei- mlcgen und tritt mitallen Kräften für die Rechte der Arbeiter ein. Daß er irgendwie für die Herabsetzung der Arbetterlöhnc eingetreten ist, dafür wird der Herr Dr. Bill, der hier die Ehre eines Menschen in der verantwortungslosesten Weise in den Kot schleift, nicht den geringsten Beweis erbringen können. Der tschechische Sozialdemokrat, der im Verwaltungsrat des genannten Unternehnrens ist, und neben dem noch ein tschechischer Nationalsozialist sitzt, ist ober nicht in der Lage, gegen den Willen der bürgerlichen Mehrhett des Derwaltungsrats einen Beschluß herbeizuführen, der die rasche Liquidation des Streiks möglich machen würde. Die Arbeiter des Rosiitzer Revieves denken über die Sozialdemokratie allerdings anders als Herr Dr. Bill. Eine Deputation der Arbeiter dieses Reviers war nämlich beim tschechischen sozialdemokratischen Abgeordneten B r o L i k und Hal diesen ersucht zu intervenieren, damit der Streit durch Verhandlungen bei gelegt wird. Diese Verhandlungen finden auch statt. Mit der Feststellung dieser Tatsache wird das Urteil der Oeffentlichkeit über den Dr. Bill fest, stehen, wozu nur zu bemerken ist, daß die Liga für Menschenrechte, deren führende Funktionär Dr. Bill ist. durch das publizistische Auftreten des genannten Herrn nicht an Sympathie gewinnen wird. * In seiner Nummer vom 16. Feber stellt übrigens das„Prager Tagblatt", wie wir gern feststcllen, den Sachverhalt einigermaßen richtig. Die Arbelterrcbclllon m Rumänien. 2000 Arbeiter verhaftet. Bukarest. 16. Feber.(OR.) Ucber den Kampf der Eisenbahnarbeiter mit dem Militär und mit der Polizei wird gemeldet: Die Streikenden, die die Werkstätten der Eisenbahnen in Bukarest besetzt hatten, forderten die Aufhebung des Ausnahmszustandes, die Anerkennung der kommunistischen Organisationen und der aufgestellten Arbeiterritt«. Als sich dir Streikenden nach einer dreimaligen Aufforderung nicht ergaben«ich sich' verbarrikadierten, feuerte das Militär. Nach einem kurzen Feuerwechsel verstummten die Schüfle aus den Barrikaden und man nimmt an, daß den Streikenden die Munition ausging. Gegen 2068 Arbeiter wurden aus den Werkstätten gedrängt und zum Zweck« eines Verhörs festgehalten. Deutschland versinkt in Barbarei. Die Akademie der Künste unter dem Drucke des Ungeists. Die bedeutendsten Künstler verzichten auf die Mitgliedschaft. Berlin. Heinrich Mann, der Vorsitzende der Abteilung für Dichtkunst an der Akademie der Künste hatte einen Aufruf mitunterzeichnct, der mehrere Tage lang an den Berliner An- schlagsäulen angebracht war. In ihm wurde zur Bildung einer einheitlichen Front der SPD und der KPD aufgerufen, damit man nicht in der Barbarei versinke. Der Aufruf schloß mit dem Appell:„Setzt die Verantwortlichen unter Druck!" Der kommisiarische preußisch« Kultusminister Rust führt« gegenüber dem Akademiepräsidenten aus, daß er für di« Haltung des Vorsitzelchen der Abteilung für Dichtkunst die Körperschaft als solche verantwortlich machen müsse und zunächst an di« Aufhebung der Dichterabteilüng gedacht habe. Reichskommissär und Akademiepräsident kennen dann darüber überein, daß zunächst die Gesamtakademie selbst Gelegenheit haben müsse, zu dem Verhalten Heinrich Manns Stellung zu nehmen. Deingemäh berief der Präsident beschleunigt eine Vollsitzung der Akademie für den gleichen Tag ein. Diese Sitzung wurde nach 8 23 der Akademresatzung durch einstimmigen Beschluß für vertraulich erklärt. Außerhalb der Sitzung jedoch fand eine Aussprachezwrschen dem Präsidenten und Heinrich Mann statt. Hiebei erklärte Heinrich Mann sich bereit, sein Amt als Vorsitzender der Abteilung für Dichtkunst niederzulegen und aus der Akademie auszuscheiden. Im Verlaufe der Sitzung erklärte auch Stadtbaurat Martin Wagner seinen Austritt aus der Mademie. Bereits am gestrigen Nachmittag hatte sich Frau Professor Käte Kollwitz entschlossen, auf ihre Mitgliedschaft in der Akademie zu verzichten. T agesneuigkeiten Entsetzliches Unglück in Leuch. Zwei Männer stürze« in«inen Lustschacht. Aus Bruch wird uns geschrieben: Gestern nachmittags ereignete sich auf dem bereits vor längerer Zeit ausgelassenen Moritz-Schacht in Bruch(Kohlrnwerke A.-G. in Bruch) ein schweres Unglück, dem zwei Menschenleben zum Opfer fielen. Der alt« Förderschacht sollte verschüttet werden, weshalb vor etwa zwei Wochen eine 88 Zentimeter starke Eisenbetonplatt« oberhalb der Füllortsstrecke in den Schacht eingesetzt wurde, auf welche das Berfchüttungsmaterial gelagert wurde. Heut« nachmittags stürzte die Platte infolge Druckwirkung während der B«r- fchüttnngsarbeiten plötzlich in den etwa' 15 Meter tiefer gelegenen Schachtsumpf. Dadurch entstand im Schacht ein derartig starker Luftzug, dass die beiden Arbeiter Alois Minarik und Emil Martinovskh aus Bruch, di« in ein«r etwa vier Meter unter dem Tagkranz gelegenen kurzen Zufahrtstrecke zum Schacht mit dem Legen von Schienen beschäftigt waren, in den über 486 Meter tiefen Schacht gezogen und getötet wurden. Während di« Leiche Minariks geborgen werden konnte, ist di« seines Kameraden Martinovskh noch nicht gefunden worden. Die Bergungsarbeiten werden fortgesetzt. Krise und Ratten gilt. Lehrlings-Selbstmord weg«« Arbeitslosigkeit. In Olmütz fand man in der Nah« des Bahnhofs einen bewußüosen jungen Burschen liegen, der stark aus dem Munde blutet«. Die Erst« Hilf« schaffte ihn in das Krankenhaus, wo ein« stark« Vergiftung festgeftellt wurde. Als de> Junge zum Bewußtsein kam, teilte er mit, daß er 16 I a h r e a l t sei, Josef 8 e v c i l heiße und aus Schumrow bei Könitz stamme. Kevekk, von Berus Schneiderlehrling, war vor einigen Tagen nach Olmütz Arbeit suchen gekommen, und war tagelang herumgeirrt, ohne eine Beschäftigung find«« zu können. In seiner Verzweiflung hatte er sich für sein letztes Geld Rattengifts«kauft und sich damit vergiftet. Der unglücklich« Jung« erlag seinen furchtbaren inneren Verletzungen. Selbstmord im Gefängnis Die Tragödie einer Karlsbaderin. Karlsbad, 15. Feber. Dienstag wurde die 22jährige Gerttud Jakob aus Pirkenham- m e r bei Karlsbad, die wegen eines kleinen Deliktes im Bezirksgericht in Karlsbad in Haft war, von einem Tobsuchtsanfall befallen. Sie stürzte sich auf eine Zellengenoffin und versucht« sie zu würgen. Dann fiel sie um und blieb bewußtlos liegen. Sie wurde ins Krankenhaus gebracht und st a r b, ohne das Bewußtsein wiedererlangt zu haben, an einer Vergiftung. Gertrud Jakob spielte in den letzten Wochen als Hauptzeugin in dem ChrenbeleidigungSProzeß, den ein städtischer Beamter gegen einen Arbeitslosen angestrengt hatte, eine gewisse Rolle. Durch Obduktion wird festgestellt werden, welches Gift das Mädchen genommen hatte. Mn Gattenmord in Losdorf. Mittwoch, den 15. d. M. in den frühen Morgenstunden ereignete sich in Losdorf eine furchtbare Bluttat. Ein Wege« Krankheit beurlaubter Eisenbahner, namens F a l t e j f a k, 28 Jahre alt, feit 1936 mit seiner Frau Marie, geb. Blumeutritt verheiratet, tötete ohne jede Ursache sein« 25jährige Frau durch drei Schüsse aus einem Browning. Dann legte er die Leiche auf eine Ottomane, bedeckt« sie mit einem Leintuch und entfernt« sich. Kurze Zeit später wurde von der Mutter der Ermordete» die furchtbare Tat entdeckt. Als sich eine Gerichtskommission und Gendarmerie nach LoSdorf begab, begegnete sie dem Mörder, der sich aus dem Wege gegen Tetschen befand. Ohne Widerstand ließ er sich festnehme«. Soviel bekannt ist, dürfte Faltejsek die schreckliche Tat in einem Anfälle geistiger Umnachtung verübt haben. Das schlesische Bergwerksunglück. Wieder drei Leichen geborgen. Breslau, 16. Feber. Don den auf der Königin Luise-Grube Verunglückten sind bis Donnerstag 11 Uhr 30 Minuten drei weitere Bergleute tot geborgen worden. Bon den gestern lebend geborgenen vier Bergleuten ist einer inzwischen seinen Verletzungen erlegen, so daß die Zahl der Ueberlebenden drei betragt. Drei Leute liegen noch unter den Brüchen. Zwei von ihnen, di« tot sind, werden voraussichtlich im Lause des Tages freigelegt werden. Die Lage des letzten Verschütteten ist noch unbekannt. „In zehn Jahren wird es in Deutschland keinen Marxismus mehr geben...", also sprach Hitler und auf dies« Aeußerung, so schreibt Paul Faure im„Populaire", werden sich sämtliche Reaktionäre und Konservativen nicht nur Deutschlands, sondern ebenso Frankreichs und der ganzen Welt stürzen; sie weichen sich schon von dem Albdruck befreit sehen, als den sie Sozialismus und Sozialisten auf sich lasten fühlen; um dieses Ziel, von dem sie sich eine gute Verdauung und einen sanften Schlaf versprechen, zu erreichen, sind sie bereit, allem und jedem Beifall zu klatschen. Es ist ganz seltsam, meint Faure, daß die kapitalistischen Kreise sich noch niemals darüber Rechnung gelegt haben, daß doch die reale Kraft des Sozialismus nicht in den parlämentarifchen Formationen wurzelt, deren Zahl und Macht je nach den Wahlumständen verschieden sind und daß diese Umstände doch wieder von Ebbe und Flut einer beweglichen und wechselnden öffentlichen Meinung abhängen. Der, Klassenkampf ist eine Tatsache, nnd nicht ein von Träumern und Theoreti- :rn an Bierbänken oder in Redaktionsstuben ^erdachtes System. Der Klassenkampf ergibt sich aus den materiellen Lebensbedingungen jedes einzelnen und drängt sich den Unternehmern ebenso auf wie den Arbeitern. Dagegen vermag Hitler ebenso wenig etwas wie etwa Mussolini oder Herr Daladier. Selbst wenn ein Erdbeben den größten Teil aller Sozialisten verschlänge oder wenn sie von Hitler und seinen Legionen massakriert würden, würde das die soziale Frage nicht regeln; auch nicht, wenn Herr Daladier, was er aber durchaus nicht will, große Reformen verwirklichte. Auf der einen Seite steht ein Kapitalismus, längst unfähig, seine Produkte abzusetzen, immer nur aus einer Krise sich befreiend, um in die nächste noch schwerere und tiefere zu stürzen, nicht wissend, was zu tun und wohin die Schritte zu lenken, ohne Kompaß und Richtschnur— auf der anderen Seite ein zahlloses Proletariat, dessen Leben auf dem überfüllten Arbeitsmarkt immer unsicherer wird und das, wohin es immer seine Blicke wendet, keinen anderen Ausweg fand und finden wird als in den sozialistsschen Lösungen. Man schätzt oder diskutiert ins Leere, wenn man diesen Aspekt des modernen sozialen Problems verliert. Man kann Sozialisten morden, wie man es mit I a u r ö s und Kurt Eisner getan hat, man kann aus ihnen anderswo fascistische Diktatoren machen wie aus Mussolini oder Regierungschefs mit demokratischer Etikette wie Macdonald— die ökonomische Wirklichkeit ruft doch unwiderstehlich den Sozialismus herbei, ganz so wie die Sonne bald aus der heute noch in Eis gehüllten Erde ulw aus den scheinbar leblosen Bäumen Ernte, Blüten und Früchte wird sprießen lassen. Origineller Vorschlag Mr»Bekämpfung" des Atkoholismus. In den Hungergebieten Karpatho- rußlands blüht der Alkoholschmuggel, besonders an der runiänischen Grenze, weil der Spiritus in Rumänien nur 17 Kß der Liter kostet, bei uns aber 37 Kß. Auch denaturierter Spiritus tvivd viel getrunken und Mondscheinbrennereien scheiden durch Beimischung, einer Salzlösung aus der Benzinmischung den reinen Allohol aus, der trotz des leichten Benzingeruches ein sehr begehrtes Getränk ist. Das Landesamt Vorn Rundfunk Empfehlenswertes aus Den Programm» Samstag: Prag: 6.15: Gymnastik. 11: Schallplatlen. 15$ Jugendliteratur. 18.25: Deutsche Senduns Faschingsbräuche in Böhmen.■ 19.20: Blasm^ 20.30: Singspiel.— Brünn: 12.30: Orchesterkonznt 18.25: Deutsche Sendung: Operetlenlieder.- Mähr.-Ostrau: 10.10: Militärkong ert. 1&® Schrannnclkongert. 22.15: Leicht« Orchestermusit.' Berlin: 19.30: Bollsliedsingen.— Breslau: 11$ Ehorgesänge.— Mühlacker: 16.40: Gesangs- n» 1 Klavierkonzert.— Langenberg: 22.50: Nachwtrss — Leipzig: 19.30: Schumann: Spanisches Lied«' ipisl.— München: 20:„Der Mikado", Operette. — Men: 16.45: Zithevkonzert. 19.30: Lieder Balladen. 22.15: Tangmusik. von Karpathorußland war genötigt, ein allg» meines Spirituosen-Ausschankverbot von Sami' tag bis Montag früh M erlasse» A strenge Strafen für den illegalen Berkaus i** Privatwohnungen sind vorgesehen. Die slo»^ kischen Spiritusinteressenten wiij e* ein besseres Mittel. Sie haben an zusM diger Stelle ein Memorandum eingereicht den Antrag gestellt, den Preis längs der Gttuzk auf 25 Kö herabzusetzen. Wenn schon gctrunst" wird, dann wollen doch wenigstens unsere 2p^' tusbrenner den Nutzen davon haben. Ausbau der Zahnpflege für Schulkitcka Minister Dr. Spina kündigte im Budgets schuß des Senates an, daß beim Gesundheitsmü"' sterium eine Gesellschaft gebttdet wurde, die pr"- tisch die Schulzahnpflege organisieren soll. D» Ziel geht dahin, daß alle Kinder, sowohl in bf 1 Stadt wie auch auf dem Lande, beim Austv" aus der Schul« ein vollkommen in Ordnung findliches Gebiß aufweisen können. Für den Ausbau des Allgemeinen Kranke» Hause- in Prag sollen, wie GesundheitsminW Dr. Spina im Senat mitteilte, die vorbereite» den Arbeiten bereits soweit fortgeschritten se^ daß man voraussichtlich schon im Sommer an,d» Ausschreibung der Konkurrenz für die Pl""' schreiten können wird. Selbstmord. Am 16. Feber wurde im meindewalde in Lösch bei Brünn an einer ent' legenen Stelle die Leiche eines unbekannten Mn» nes aufgefunden, der auf eigenartige WE Selbstmord verübt hat. Er hat sich die Seele w>" einem Fußball über den Kops gezogen, dir M den Hals zuschnürte, so daß er esstickte. Dss unbekannte Selbstmörder, dessen Identität in die Abendstunden noch nicht festgestellt werde" konnte, ist etwa 36 Jahre alt. So geschah'- im Jahre 1933. In einer böhmischen Stadt verkaufte der Radiohändler y einem Bastler Bestandteile zum Baue eines Del"? torempfängers. Der Ertrag für den heute nur M wenig beliebten Kristallapparat war recht gering Von dem Verkaufe erfuhr die Behörde und schr^ dem Händler die nicht geringe Strafe von 400 d vor. 206 K für Unterlassung der Namensvorinfs' kung und 200 X dafür, daß er vom Käufer k’"* Kon^ssionsliste abverlangte. Die Strafverhäng""^ war wohl durchaus gesetzmäßig und solange d"' längst überholte Gesetz über Rundfunkanla^ nicht novellisiert wird, könnte dieses Schicksal tif lich Radiohändlern der ganzen Republik ercil^ Ein lieberaleres Vorgehen der Behörden wahres der Ueberganqszeit wäre jedoch für die Enti<-' tung der Radiophonie unerläßlich. Eine schön« Drt. Im französischen Minisst"' rat hat der Minister für öffentlich« Arbeit Paganon über sein« Reise in das Saargebirt läßlich der Beisetzung der Opfer von Neunkirch^ Bericht erstattet. Es wurde beschlossen, in W Kammer die Bewilligung von 500.000 Frank"" für die Opfer der Katastrophe von Neunkirch"" zu beantragen. Für 10.060 Ke Kleider gestohlen.©* Ungarisch-Hradisch wird uns geschried""' In di« Verkaufsräume der Kleidererzeugung"! genoffenschast in Bilovice sind in der Nacht Mittwoch unbekannte Täter eingebrochen haben Kleider im Werte von 10.000 XL entwe^ det, die sie auf ein Lastautomobil verluden u"" spurlos verschwanden. Höferberichte aus Südamerika. Di« TrupA Kolumbiens haben, wie die Kolumbier r richten, das befestigte Dors Tara Paca in Kolu^ bien erobert. Die peruanischen Truppen floh^ in daS Dschungel. Das Kabinett Kolumbiens zu einer außerordentlichen Sitzung zusamm«"^ getteten, um über di« eventuell« Proklamierum deS Belagerungszustandes im ganzen Staate* Hinblick auf die ernste Lage im AmazopaA Gebiete zu beraten.— Bon peruanischer Sei" Witt» mitgeteilt, daß peruanische Mrlitärabteilu"' gen den kolumbianischen Angriff in den Sümpf"" bei Tara Paca abgeschlagen haben und daß öl den Kolumbianern schwer« Verluste beigebraV haben. RettuugSlohu nach 127 Jahren. Ein Rh"'!^ länder aus Koblenz, Franz Spohn, diente«inst der Leibgarde Napoleons 1. In der Schlacht Austerlitz rertete er durch sein« GeisteSgegenwar: französischen Kaiser das Leben. Zum Dank w* ihm der Gerettete ein« für die damaligen 3 e j sehr hohe LabenSrente von jährlich 500 Franken«"1 mit der Bestimmung, daß diese Rente für Zeiten den männlichen Enden von Franz Spl^ ausbezahlt wird. Ein solcher Erb« lebt heut« in Koblenz. Er hat j«tzt seinen 75jährigen Gebn"^ tag gefeiert und heißt Louis Gervin. Jedes 3™" kassiert tt 500 Franken, die ihm der französis^ Staat ausbezahlt. Nr. 41. Freitag, 17. Feber ISSN. / Seite S Sine W«WZ SiiJjnn Bsziikkz durch den Paul Eisner der-„Prager Presse". Während mit dem ganzen deutschen Kulturbereich auch di« gesamte nicht deutsche Kulrur- tvelt am vergangenen Sonntag würdig den Auf- iakt zu den Erinnerungsfeierlichkeiten anläßlich des fünfzigsten Todestages Richard Wagners zu geben versuchte, enthielt an diesem Tag« di« »Prager Presse"«in Feuilleton über Wagner, dessen Inhalt keinen anderen Zweck verriet, als Wagner und sein Werk auf eine geradezu unqualifizierbare Weise herabzusetzen. Der Autor dieses Schmähartikels heißt Paul Zirner; seine notwendige moralische Stäu- hung glauben wir nicht besser und gründlicher vornehmen zu können, als indem wir wenigstens «iirige seiner Worte und Sätze zitieren. i. Die Magner-Kritik deS Herrn EiSner, der selber vermutlich über einen erhabenen Charakterkopf verfügt, beginnt also beim Aeußeren des Meisters: „Verdacht, Unbehagen, Widerstand setzen gleich bei den Bildern ein. ein dunkler Verdacht, h er stimme etwas nicht. Rast, Kinn Profil- halrung, Weltwendekrawat:« und Walhalljoppe — so oft man es sieht, Hal man das Gefühl, hier posier« jemand sich selbst." „Man" könnte aber auch das Gefühl haben, hier blamiere und prostituiere jemand sich selbst! Doch weiter: „Uebertreibend, übertrieben, Treibhaus, Tr« b- festspielhauS dar Werk, Eintreiber Einbläuer, Einpeitscher der Mann, der dahinter steht, diktatorischer Urberhistrio. der mit Weltliche und Montserrat als Versatzstücken ag'ert WeiheiibnngSitunden abhält, vier und fünf auf e'nmal, und auf dem Weg über ein« von den Opfern verleugnete Langeweile ein ehrliches Drittel der europäilchen Kulturlüge in die Welt gesetzt hat. Weltuntergangs-Dompteur; er führt«men von An den sind mit war WWWWWWWWWWWWs- düng der Punkwa mit dem Macochagrund be- Ein„HlnimklSpolizift" am Scheinwerfer. Mit ihm wird den Nachtstugzeuaen di« Lande rich- tuna„ezcigt und die Lande stelle fast taghell erleuchtet. ver kNLrtziMW SN Luit. Hoch oben auf dem Funkturm d«S Flug Hafens, auf de—°*- t“'•- s— maschinenschn s') melSverkehrS seine Wacht. Ein Polizist wi«, herab— der 8«j, fliegerische Ausbillmng T..... unter den fliegenden Menschen den Polizeidienst auszuübcn. Ja die ZusammendräMUNg ungeheurer Menschennrasscn in den Großstädten, die moderne politische Massendemonstration, groß« Versammlungen und Meetings bei sportlichen Veranstaltungen und deren"Regelung von An- und Abmarsch, das alles läßt sich auch bei weitem besser ans der Luft regeln. So wird der Himmclspolizist zum unmittelbaren Gehilfen seines Kameraden, der da unten auf der Erde seinen schweren Dienst leistet. uniiifiiiniiiniiiiiininiiini!iiiiiiniiiiiiii{Hiiiiiiniiiiiiiiiuimiiiiniiiiiniiiiiii!iiiiiiuiniiuiiiiiiniiniiiiiiiniiiii!iiniiii!initiiiiiiiiiiiiniiiuiiiiiiiuiiniiiiiiiniiiiiiiiiiiiyiNiiiniiiiiiiiniiiiiiniinitiiiniiiiinniiD Das Geheimnis der Macocha. ' langem. Neben der politischen Polizei, die erst seine eigentümliche Schöpfung des vorigen Jahr- Hunderts mit der großen Ausweitung des staat- em"L«uchttur^"^s'aro^ü& 2-b-nS.ist, st-ht die Kriminalpölizei, deren pen« hält der Polizist deS Him-^satze-twaS weiter zuruckliegen, die aber-och —-—" durchaus in ihren» gesonderten Aufgabengebiet, i ebenfalls zu den jüngeren Zweigen-es Polizeidienstes gehört. Für die Marktpolizei sind An- sätze in den ältesten Stadtordnungen vorhanden. Zu ihnen allen, die ihren Dienst auf ebener Erde, hoch zu Roß, auf Polizeimotor- boot«n, zuweilen im Wasser schwimmend, leisten müssen, tritt— nein schwebt vom Himmel jeder arrder« unten auf dem Erdboden! Er unterscheidet sich äußerlich kaum von seinen Kameraden in der Tief«: gleiche Ausrüstung, blauer Uniformrock, schwarze Hosen, Tschako oder Helm(in Bayern); nur daS Abzeichen des gefieberten Pfeils auf den Spiegeln des Uniform- Dr. Ab so Ion, ließ ober die Sache nicht ruhen und in zäher, opfer- und gefahrvoller Arbeit drang er immer tiefer in die Geheimnisse der Karsthöhlen ein. 1909 bis 1913 gelang es ihm, die großartigen Punkwahöhlen zu erforschen, in die man beim Ausfluß der Punkwa eindringt und I durch welche man auf unterirdischem Wege bis zum Gruno der Macocha gelangt. 1921 führten die Bemühungen um die Erforschung des unter- i irdischen Dauses der Punkwa zu einem bestimm- i ten Ergebnis, indem durch Sprengungen eine Erweiterung des Flußbettes herbeigeführt wurde, so daß man mittels Booten den unterirdischen Fluß und die von ihm gebildete Seenkctte befah ren konnte, wobei man bis zu einer 400 Meter langen mächtigen Halle vordrang. Bei dieser Ge legenheit wurde auch ein neues Höhlenshstem, di« Masarykhöhlen, entdeckt, die in nordöstlicher Rich tung verlaufen, während die Punkwa südöstlich abfueßt. Diese Höhlen gehören Wohl zu schönsten Tropfsteinhöhlen überhaupt und auch geologisch äußerst interessant. Dr. Absolons Forscherdrang war aber diesen Ergebnissen keineswegs gestillt..... Er der Ueberzeugung, daß eim unterirdische Verbin dung der Punkwa mit.dem Macochagrund be stehen müsse und scheute keine Opfer, um diesen Weg zu finden. Im Dezember des vergangenen Jahres wurde in aller Stille der entscheidende Vorstoß unternommen. Absolon war sich darüber klar, daß er nur dann sein Ziel erreichen könne, wenn es ihm gelänge, einen Teil der ungeheuren unterirdischen Wassermassen, wenn auch nur vor- ühergehend, zu beseitigen. Er rechnete damit, daß mindestens 100 Millionen Liter Wasser abge pumpt werden müssen, damit es möglich fei, den unterirdischen Wasserlauf zu befahren, schon im Jahre 1929 hatte man(noch vom unterirdischen Flußlauf) einen Entwässerungstunnel gebaut, der,, übrigens technisch sehr interessant ist. In einer der erste stieg hinab, dann ließ man das Boot Etwa 20 Kilometer von der mährischen Landeshauptstadt Brünn breitet sich ein etwa 40 | Quadratkilometer großes Karstgebiet aus, das ! bisher nur zum geringsten Teile erforscht ist. i Schon vor vielen Jahrzehnten wurde man au: den phantastischen Abgrund der„Macocha" aufmerksam, der in Form einer Ellipse von'281 Meter Länge und 126 Meter Breite 137 Meter tief abfällt. Es handelt sich um einen Einsturzkcssel, in dem die Decke einer ungeheuren Karsthöhle durchbrach, wodurch sich der Abgrund öffnete. Am Grunde befinden sich zwei klein« Seen, dre zweifellos vorr unterirdischen Wasserläufen gespeist werden. ! Etwas südlicher tritt denn auch auS dem Höhlen- ! gewirr der Flußlauf der Punkwa aus, welche die ! Maeochahöhlen durchfließt. Ein Teil der Hohlen ist bereits seit den l Entfernung von etwa 200 Metern vom Abfluß > befindet sich nämlich ein Felsriegel, bis zu wel- 1 chem der Tunnel steigt, so daß hier das Wasser bergauf fließt und nur durch das Ueberfluten : zum eigentlichen Ablauf kommt. Mit Hilfe dieses Tunnels gelang es, den Wasserspiegel um fünfeinhalb Meter zu senken, und zwar von Kot« 350 aus 344.5 Meter. Es wurde dann eine Pumpstation mit einer Gesamtleistung von 500 Sekundenlitern angekauft, 29 Meter Saug- und Abzugrohre mit einem lichten Durchmesser von 300 Millimetern gelegt und am 17. und 18. Dezember gelang es bereits, ungefähr 50 Millionen Liter Wasser abzupumpen, wodurch der Wasserspiegel um weitere 6 Meter, zusammen also um elfeinhalb Meter, auf Kote 338.5 Meter gesenkt werden konnte. Dadurch öffnete sich inmitten der Karstfelsen ein großer Dom von etwa 80 Meter Länge, der sogleich mit Hilfe von pneumatischen Booten provisorisch befahren und erkundet wurde. Aber auch diese Entwässerung genügte nicht, so daß Spezialtauchpumpen, System„Nautila", von der Firma Sigmund eingebaut wurden, die an schweren Ketten angehängt wurden. Die Installation dauerte bis zum 4. Feber d. I. und während dieser ganzen Zeit erhielten die beiden Pumpen ständig den Wasserspiegel auf 838.5 Meter. Die Tauchpumpen leisteten dann wahre Wunder und senkren in kürzester Zeit den Wasserspiegel um weitere 5 Meter, so daß insgesamt 17 Meter unter dem normalen Wasserstand erreicht wurden. Dr. Absolon beschreibt in geradezu dramatischer Weise die Wirkungen, die dieses Abpumpen in den unterirdischen Höhlen hervorruft. DaS abgepumpre Wasser sauge die Luft auS all«n möglichen unsichtbaren Oeffnungen, wodurch ein unglaublicher Lärm, Gestöhne, Sausen, Gurgeln und Brausen entstehe, das man überhaupt nicht beschreiben könne und von dem keiner der Forscher angenonimen habe, daß eS so etwas überhaupt geb«. Bei dem zweiten Angriff am 4. Feber seien diese Geräusche noch ausgeprägter gewesen und..yus dem bereits erreichten 80 Meter langen unterirdischen See habe man gesehen, wie die Punkwa sich in einem etwa 4 Meter hohen Wasserfall in einen scheußlichen, etwa 20 Meter breiten Kessel stürzte, aus dem eS fürchterlich herauSbrüllte. Gegen Norden über öffnete sich ein herrlicher Dom mit einer stillen und ruhigen Wasserfläche, dessen Ende■ nicht abzusehen war und sich in der Finsternis verlor. Die Forscher hatten drei pneumatische Boote zur Verfügung und ihrer fünf, in einem größeren Boot drei, in zwei kleineren je einer, unternahmen sie' nun die erste Reise ins Unbekannte. Zunächst mußte der furchtbare Kessel überwunden werden, den Dr. Absolon als«ine Erscheinung aus Dantes Hölle bezeichnet. Man ließ eine eiserne Leiter herunter, leit auf dem Erdboden ab. der Flugzeug« überwachen, die Flugpapiere der Maschinen und ihrer Piloten visitieren, Belastung uich Ausrüstung der Apparate und der Flieger prüfen und dann natürlich den Polizeidienst für die Sicherheit der Flugpassagi«re und die gesamte polizeilich geregelt« Ordnung auf dem Nugplah versehen— da- ist die Aufgabe der Lustpolizei zu Land«. Biele Staaten haben sich Umfangreiche Flugzeugparks für ihr« Luftpolizei geschaffen, um die notwendig werdende Ueber- svachung und Verfolgung von Flugzeugen auch m der Luft ausführen zu können. Des Abends und d«S Nachts versieht der Lustpolizist eine Art Lcuchtturmwächterdienst, ähnlich, aber doch noch mehr dem Leuchtturm- dicnst vergleichbar, wie der Verkehrspolizist auf den BerkehrStürmen der Großstädte. Freilich ist ei nicht daS kleine bescheidene rote, grüne, gelbe Lichtlein; wie eS von dem BerkehrSturm und den Verkehrsampeln aufblitzt, das von d«n Leuchttürmen der Flughäfen gezeigt wird. Mäch- iige Scheinwerfer, hie mit ihrem Strahlenbündel riesigen Armen gleich bis an die. höchste Wolkendecke heraufgreifen und dort oben ihre meilen- iveiten Kreise zeichnen:— das ist der große kignolapparat, das Leuchtfeuer des Flughafen», das der Himmelspolizist bedient und überwacht. Zu den zahlreichen Aufgaben der Polizei ist damit ein großes, wichtiges Aufgabengebiet für die Aufrechterhaltung der Sicherheit und Ordnung hinzugekommen.. Polizei zu Land«, zu Wasser und in der Luft, Straßen- und Wegepolizei, Verkehrspolizei, Baupolizei. Sittenpolizei Und die besonderen Aufträge, die an einzeln« Polizeireviere gegeben werden müssen zur Uober- tvachung öffentlicher Gaststätten, Theater, Strand- Und Sonnenbäder— das alle» gibt«S schon seit I MM| W|| Ul' I kragens kennzeichnet ihn als Luftpolizeibeamten,\„, al»„HimnkelSpolizisten", wie man ihn auch achtziger Jahren bekannt und bildete seit jeher scherzhaft nennt. ein beliebte» Ausflugsziel. Ein Brünner Forscher, Eigentlich svielt sich auch seine. Haupttätig- auf dem Erdboden ab. Start und Landung! ftpolizist, der seine gründliche I an einem Seil herab, der Mann stieg ins Boot, dung^erhalten haL um auch kam zwar in den Strudel, erreichte aber doch glüu- t lich das ruhige Wasser. Dir anderen folgten dann - nach: der unterirdische Wasserweg der Punkwa war ! damit entdeckt, ein jahrtausende altes Gchcimn s ' gelöst. Stundenlang zeichneten. Photographierten t und kartographierten die mutigen Forscher und ' erst um 8 Uhr abends verließen sie am 5. Feber i die Unterwelt. Inzwischen hatte oben das Wetter umge- : schlagen, es begann zu tauen und die nnckcheuren Schneemaffen ließen das Schlimmste befürchten. Die Mannschaft wurde aufgefordert, die Höhlen zu verlassen. In der Nacht ergossen sich riesige Wassermassen sieben Kilometer nördlich von der Macocha in den Bach„Weißwasser" und am anderen Tag mittag flieg bereits der Wasserstand des Oberen SeeS im Macochagrund in beängstigender Weise, ein zehn Meter breiter Strom wälzte sich durch den Grund und im Nu standen die Pumpstationen mehr als einen Meter unter Wasser. Der Wasserspiegel stieg bis um 17 Meter, dabei zerrissen die Kabel der Tauchpumpen, so daß diese außer Betrieb gesetzt wurden. Mit Hilft des Rundfunks wurden dann Taucher gesucht; es meldeten sich auch beherzte Männer, denen jedoch Dr. Absolon nicht gestattete, zu tauchen, da sie keine entsprechenden Tauchanzüge hatten. Er rechnet nun damit, daß die Wassermassen wieder abfließen(was inzwischen auch schon zum Teile geschehen ist) und daß man dann eben wieder von vorne anfängt. Mit Recht betrachtet er es als Hauptsache, daß es nun nach 35jährigrr, aufregender Arbeit gelungen ist, das Problem zu lösen und er verläßt sich-auf di« moderne Technik, daß sie ihm schon helfen wird, seine geologischen Erkenntnisse in die Wirklichkeit umzusetzm. Damit will sich aber Dr. Absolon immer noch nicht begnügen und er verweist daraus, daß die Höhlenwelt des mährischen Karst noch viele Geheimnisse berge, die es zu erforschen gibt. Alle bisherigen Forschungen erfaßten bloß ein Höhlengebiet von etwa emem halben Quadratkilometer, also nur den achtzigsten Teil des 25 Kilometer langen und 2 bis 5 Kilometer breiten Devonkal- streifens, der die Höhlenwelt birgt. So erwartet Dr. Absolon besonders werwolle Entdeckungen in nordöstlicher Richtung, da'N der Nähe der schon 1903 entdeckten Pasovsky-Höhle Hohlräum« festgestellt wurden, die, wie es scheint parallel mit der Masarykhöhle verlaufen, aber Mel weiter nach Norden Vordringen. In nordwestliches Richtung müsse sich in unmittelbarer Nahe des Ma- cochagrundcs ein großes unterirdisches Wasserreservoir befinden, da» die Haupuäufe der Punkwa, die Bäche Sloup und Weihwasser verbinde, ohne aber mit den Waffersyphon» um den Oberen See im Macochagrund direkt verbunden zu sein. Mit Recht fordert Dr. Absolon dir drelteste Okffentlichkeit auf, der Sach« mehr Aufmerksamkeit zu widmen und besonder» für die weitere Forschung Mittel bereit zu stellen, nachdein er tatsächlich viel Geld und Mühe aufgewendet hat, um wenigsten» einen Teil des Problem» zu lösen. Die neu entdeckten Wasserläufe werden in absehbarer Zeit der breiteren Oeffentlichkeii zugänglich gemacht werden und man denkt sich die Sache so, daß mit Hilfe der Puinpanlagen der Wasserspiegel dauernd tref gehalten wird, so daß es möglich wäre, die Wasserstrecke mit elektrisch betriebenen Booten zu befahren. Jedenfalls ist die Märchenwelt des mährischen Karstes einzigartig und verdient desto größere Beachtung, ft mehr cs gelingt, der Natur ibre Geheimnisse zu entreißen.. I. B. Lindbandwurm von Wort und Klang vor, verbannt ein holdes Geschnatter,, da» man nicht zu verstehen braucht«, zugunsten von Perorätionen, unter denen man znsammenzuckt, fre'slich zul- pend zwiderer Zwerg, weihewuchtend schaudriger Schnabelwuchs." Hier mit dem letzten Satz(und dann noch wiederholt an anderen Stellen seines Aufsatzes) tummelt der EiSner sein mit elendem Deutsch aufgeschirrteS, nach einem warmen tschechischen Stal! wieherndes Streitroß gegen d«n Stabreim als eines der Ausdrucksmittel Wagner'scher Dichtkunst; nun, wir erinnern uns, daß wir vor Jahrzehnten, als Rotzbuben in der Schule, mit' ähnlichen„Witzen" unserem Unverständnis gegen manches Fremdwirkende, damals für viele von un» noch ganz Neue in Wagner» Werk Luft zu machen suchten. Dem Paul Eisner blieb eS Vorbehalten,'1933 von einer publizistischen Wart« aus Dreck gegen jenen Wagner zu spritzen, gegen den heute nicht einmal mehr aus den tiefsten Niederungen des geschriebenen uyd gesprochenen Worts solcher Unflat sich zu erheben wagt, wie ihn da die deutschoeschrieben« Regierungspresse auf Staatskosten verbreiten läßt! Dieser Eisner schreibt dann weiter über den „T a l m u d" der Musik bei^Wagner und karikiert di«„mosaisch« Syntax" der Wagner- schen Sprache also:- „Sagt er, Mime!— Mir wird Alberich wa» ' erzählen!—» Siegftieden hab ich gekannt, wie er noch so klein war!— Ich hab mir von der Wala sagen lassen!— Was Si« nicht sagen, das müßt« man an Wotan weiterg«b«n!— Mom«nt, Fricka, wird, scheint mir, dagegen sein— Ich steh Ihnen gut dafür, Hunding ist von Hagen instru ert!— Klar, daß alle Nibeljungen dickö Zusammenhalten!— Fluch weiß, wirkt, wendet, alles weisester Wisser!— Ach was, Waberlohe drauf und Wigelaweia drüber!" Da kann man nur sagen: da» ist eben das Berhältni». das ein ausgewachsener, tschecho- philer, schlecht deutsch-schreibender, gut jubelnder Journalist zu Wagner gewonnen hat. E r empfindet die Wagnerische Liebes- und Erlösungspoesie, das Wunder der-Rheintöchter, den Zauber des Siegsriedwaldes, die erschütternde Größe von Siegfrieds Tod, den hinreißenden Abschied zwischen Wotan und Walküre, die hauchzarte Lyrik Elsas, die dramatischen Spannungen-es „Tannhäusers", die Volksnahe der„Meister, singer", die Romantik des„Holländer", den Schwanengesang im„Parsifal", also: „Statt Wärm« Schwül«, für Grlöscheit Krampf, für Anmut Stabreim mit Stelzengang, stati Atmosphäre stilisierte Stickluft, statt Natur d:e Weltesch«, an Stell« d«r Herzensgezeiten d«r L'ebestod, starr Getändel G«t o r k e l, statt Gegirr« Gegurgel, statt Kehl« Kropf, statt Zauber Feuerzauber. Di« Welt deS unerhörten Anspruchs und der unbescheidensten Zu- mutung. In die Metaphysik verfrachtetes Weih«theater, das mit Rausch unterkriegt, weil die herzcnSgemäßeren Mittel der Wirkung ihm versagt sind. Und darum di« Rauschfolgen, darum der Katzenjammer. Bon allen anderen Musikgenien scheidet man erhoben, beglückt und mit gutem Gewissen. Bon Wagner schleicht man sich gebückt, niedrrgedrückt, mit schlechtem Gewissen, mit einer Art Ren«, als habe man etwas Schimpfliches über sich ergehen lasse« und nicht genug Widerstand geleistet,.. da«r doch abstößt und Widerwillen einflößt wie kein Genin« außer ihm." Mag sein, daß Herr Paul EiSner so, wie er es schildert, von Wagner sich fortschleicht; mag sein, daß verkrüppelt« Gemüter sich gede- mütigt fühlen durch die grandiose, unvergleichlich« Kraft dieser Kunst; mag sein, daß d i« Widerwillen empfinden, die dieses Geistes keinen -Hauch verspürten. Aber mit welchem Recht-wagt Derr Eisner, solche erbärmliche Gefühles denen Millionen erhabene entgegenstehen, zu verallgemeinern? Zum Schluß läßt sich Herr Eisner herbei, doch ein paar unverweMche Schönheiten in Wagners Werk zu entdecken—„ein paar von den Blumenmädchen sind echt" — und drum gibt«r zu, daß a n"„immer wieder verurteilt" sei, di«„lästige Haft" einer ,cherzversengenden Seligkeit" über sich ergehen zu lassen; aber: „ist der Rausch verflogen, gewahrt man a n g e- widert di« Aauller-Utensilikn des Magiers". Der arme Paul EiSner! Er koinmi nicht loS von Wagner! Er ist zwar angewidert, wenn er an daS WinternachtS- und Fruhlingswunder, an Kampf- und Liebesstimmung des ersten Wal- küren-Aktes oder an die Sonn« in der Schusterstube zurückdenkt— aber er muß immer wieder ins Wagnertheater— um dann nachher keinen Schmutzkübel zu Jubiläumsiweck-" a"saießen zu können! Man kann niemanden oaran giudern, sicy selber zu brandmarken; man kann niemandem Takt und Geschmack beibringen; man kann auch niemanden zwingen, sich wenigstens gesittet zu verhalten, wenn er schon nicht imstande ist, trotz allem möglichen Wenn und Aber den Hut zu ziehen vor einem der größten Genien un. vor einer der gewaltigsten künstlerischen Leistungen aller Zeiten und Nationen. Aber fragen muh man, wie solches in einem Blatte möglich ist, aas sich(ziemlich gewaltsam) an deutsch« Les er im In- und Ausland wendet, das sich der deutschen Kriltur aufoktroiert!? Fragen muß man weiter, was denn der staatspr«'?- tragende Blattkollege des Herrn Eisner, der deutsche Dichter und„Prager Preffe"-Opernkritiker, Herr Oskar Baum, zu diesen! Unfug sagt? Und Herr Otto Pick, der Schauspielkritiker? M ü s s e n di« das über sich ergehen und in ihrem Blatte unwidersprochen geschehen lassen? Liegt hier unentrinnbarer Zwang aus Liebedienerei für die..hundertprozentigen" Tschechen vor? Ist das der'ns Deutsche übersetzte Geist S m e t a n a.s der. wenn wir nicht irren, etwas kreundlicherc"vtz zu Dank verpflichtende Beiiebungen zu Wagner hat als der Herr Paul Eisner? Seit« 6 „Sozialdemokrat" Freitag, 17. Feber 1933. Nr. 41. Herren-Halbschuh aus weichem Box. Wollstr. KL 4. Gummj- Galoschen. Kinderstrumpfe: Baumwollstr. Kc 2. 9.-,Damen-Baumwollstrumpfe ab KL 2.-, Seidenstrümpfe Kc 7. Spangen- L Halbschuhe in schwarz Box. 39^ Bei Regenwetter>n- sere Galoschen, die Ihre Schuhe vor Durchnässung Atz-. schützen. Gr. 27-34 KZ 9-, 35 38 KZ 15.- für Herren KZ 19.- Elegante Schnürschuhe aus weichem schwarzem Box. Doppel-Ledersohle. 59*~ jdS , x! Pflegen Sie Ihr Schuhwerk m*‘ * vi unserer Schuhcreme. Gut ge- äf\ pflegte Schuhe behalten länger ihre ursprüngliche Dauerhaftig- keit und bleiben wie neu. Tuben- Kj creme KZ 1-, Schuhcreme in ■k-m( Schacht. KZ 1.- und 2.-. 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Soll das etwa eine Vorbereitung sein für die Darbietungen, die uns leider das Kino von heute gibt?— Traurig genug, daß man nicht das Verständnis aufdringt, daß di« technischen Erklärungen über den Fernfunk für Kinder viel zu schwer verständlich sind, aber noch viel trauriger und nnfaßbarer ist es, daß man Kindern dann einige Minuten lang die Beschießung der Schiff« auf Fernfunkkommando zeigt. Interessieren sich Jugendliche für die Technik des Fernfunks, so haben sie wohl genug Gelegenheit durch Lektüre auch in dieses Thema eingesührt zu werden. Und in täglichen Kinovorstellungen kann man ja n davon sehen mit anschließenden Wirkungen riegssalle. Geht man mit Kindern in ein Kino, so muß man sich der Gefahr aussetzen und Kriegsvorführungen in Kauf nehmen, geht man aber zu einer Kinderveranstaltung, so sollt« man wohl annehmen, daß«in wenig Nachdenken unsere Kinder schützen könnte vor dem Anblick von Kriegsgreueln. Oder glauben Sie etwa, Herr Professor, haß unsere junge Generation durch derartige Erklärungen-und Abbildungen abgeschreckt wird vvm Wahnsinn des Krieges?"Ich ftircht'e nejn,— denn die Menschheitsgeschichte lehrt uns das. Sollten wir nicht einmal ander« Wege versuchen, um unsere Kinder hinauf statt hinab zu ziehen? Thea Th ein er. Geriditssaal Der Vergleich in der UnterchchunzsM El» VerlenmduugSprrzrß mit einer sonderbar«« Borgeschicht«. Prag, 16. Feber. Heut« wurde vor dem Senat deS OGR. Kvapil ein« Anklage wegen Verleumdung verhandelt, die den Schlußpunkt setzt unter den jahrelangen verzweifelten Kampf eines Menschen um sein— sei eS auch nur vermeintliches— Recht und darüber hinaus um die Existenz seiner Familie. Herr Friedrich Pietsch mann auS Komo- tau hatte seinerzeit sein Spielwarenlager bei der Versicherungsgesellschaft„Riunione Adria tica da Sieurta' auf den Betrag von 1,750.000 K versichert. Im Jahre 1924 brannte daS Lager ab. Pietschmann wurde, da es in' solchen Fällen an Verdachtsgründen nicht zu fehlen pflegt, der Brandstiftung verdächtigt und kam in Untersuchungshaft des Kreisgerichtes Brüx. Er wurde allerdings bald aus freien Fuß gesetzt, da sich keinerlei begründete Anhaltspunkte für ein« Anklage ergaben. Am Tag« vor seiner Freilassung aber hatte sich ein Vorfall ereignet, auf welchen Pietschmann sechs Jahre später, als er in jahrelangen erfplglo'e» Prozeßen mit der Versicherungsgesellschaft um s«in«n Besitz gekommen war, in einer Eingabe an den Justiz'- Minister zurückkam. Dies« Eingabe, di« vom 21. Jänner 1931 datiert ist, führt folgendes aus: Am vierten Tage feiner Untersuchungshaft fei Pietschmann dem Untersuchungsrichter Dr. Erwin Riedel vorgesührl worden. In Gegenwart dieses Richters habe der Beamte der Versicherungsgesellschaft Jng. Rudolf Stastnh ihm Bergleichsvorschlagk gemacht und ihn bestürmt, den geringfügigen Ausgleichs- betrag von 800.000 K anzunehmen. Der Liquidator der„Riunione" hab« bei dieser Gelegenheit in Anwesenheit des Richters dem Berstcherte« angedroht, er werd««och ein Vahr sitzen, wenn er sich nicht zu dem Bergleich herbeilafst. Diese Drohung habe Pietschmann in solche Angst versetzt, daß er die Bergleichserklärung unter schrieb. Tags darauf warer fr«i. Später erkannte Pietsch mann, daß er einen Fehler gemacht hatte und verfuchte auf dem Prozeßwege zu einer angemessenen Entschädigung zu gelangen. Aber die Versicherungsanstalt berief sich der Klag« gegenüber ganz einfach auf die unterschriebene Vergleichserklärung, durch welche die Sach« definitiv erledigt und eine weitere gerichtliche Auseinandersetzung unzulässig fei. Tatsächlich wurde die Klage abgrwiefen und sowlchl di« zweite Instanz als auch das Oberst', Gericht bestätigten di« Abweisung, so daß Pietschmann außer dem nicht gedeckten Brandschaden noch die gaiqen hohen Prozeßkosten des jahrelangen Prozesses, und zwar sowohl die eigenen, als auch die der Gegenseite zu tragen hatte. Soweit der Inhalt der genannten Eingabe, wobei Pietschmann freilich nicht bedachte, daß der Justizminister auf di« Rechtsprechung nicht den mindesten Einfluß besitzt und daher auch nicht in strittige Fälle eingreifen kann Pietschmann erhob in der Zuschrift auch Anklagen gegen de» Untersuchungsrichter Dr. Riedel, i n dessen Gegenwart der Bersicherungsbeamtr ungehindert die Drohungen ausgesprochen habe durch di« Pietschmann zu der Unterzeichnung der verhängnisvollen AbsindungSerklärung veranlaßt wurde, welche das weitere Schicksal seines Anspruches entschied. In einer weiteren Eingabe vom 4. Feber wiederholt« Pietschmann gleichfalls in' scharfer Form fein Anliegen. Die Stilisierung dieser Eingabe war derart, daß sie Beschuldigungen des Untersuchungsrich.terZ zu enthalten schien, in dessen Gegenwart der erwähnt«„Vergleich" unterzeichnet worden War, Bcschükdigitngeü, welche den Tatbestand des Verbrechens des. AmtSmißbrauches und der Teilnehmung an dern Verbrechen der Erpressung hätten beinhalten können. Die Äaats- anwalkschaft erhob gegen Pietschmann die Anklage wegen deS Verbrechens der Verleumdung. Der Gerichtshof gelaugte z« einem Freispruch. In der Uiteilsbegrüichung wurde ausgesprochen, daß der 8 209 St.-G. die Beschuldigung absolut erdichteter" strafbarer Handlungen voraussetze Objektiv seien aber die in der Eingabe vorge brachten Tatsachen wahr. Der Angoklagte sei auf Grund seiner während seiner Untersuchungs- hast unterfertigten Dergleichserklärung in de» folgenden Prozessen sachfällig geworden und habe daher sein Vermögen verloren. Die Form der Eingabe sei allerdings verfehlt gewesen. Das Gericht hab« jedoch nicht zur. llcberyeugung von de» Schuld des Angeklagten gelangen/ können. Der An- pÄlagte, der körperlich und seelisch furchtbar hergenommen ist, dankte erschüttert dem Gericht für daS Urteil, das ihn nach seinem materiellen Ruin wenigstens vor dem Verlust seiner Unbescholtenheit bewahrt hat. Kunst und Wissen Dusol.ua Giannini gibt ein einziges Konzert Dienstag, den 21. d. M in der Luzerna. Von der Deutschen Mustkakademie. Oeffentliche: Abend, Montag, den 20. Feber. 8 Uhr in der Urania Am Programm Werke von G. F. Händel. Samstag:«Rheingold"(C 1) mit Bockel- m a n n und Jung a. G— Dienstag:„Hoffmanns Erzählungen"(A 2) mit Rudolf Bockelmann als Gast. Wochenspielpla» des Reuen Deutsche« Theaters. Freitag, M8 Uhr:„Carmen"(D 1).— Samstage M8 Uhr:„Das Rheingold"(C 1). Wochenspielpla« der Kleine« Bühn«. Freitag, X8 Uhr:„Candida". Aus der Partei Jugendbewegung. Rote Falken, Prag. Wir kommen diesen Samstag zum erstenmal in der Holleschowitzer Kulturver- bandsschul« zusammen. Treffpunkt: Bio Favorit im Messepalast um X4 Uhr.— Pflichtheim für Hanna-, Stoner-, Harald- und Levellerkameradschaften.. Freie Bereinigung soz. Akademiker. Arbeitsgemeinschaft heilige Johanna". Montag, den 20 Feber, 22 Uhr, CafS Continental. Aon- Spiel- KöroerpfleBe L»mviadr-rorgen. Bekanntlich findet die bürgerliche Olympiade 1838 in Berlin statt. Dies löst neben den Kopfschmerzen der Geldbeschaffung aber auch noch ander« heftige Kämpfe aus. Der 2. Vorsitzende der Deut- ichen Turnerschaft, Dr. Neuenborff, zieht in dem offiziellen Äugendführerblatt„Die Schar"" scharf vom Leder gegen di« Beteiligung der D. T. daran. Es wäre der Deutschen Turnerschast unwürdig, mit Negern und Farbigen aller Schattierungen zu Wettkämpfen; sie müsse es ablehnen, als Volk zweiten Ranges von den anderen Nationen behandelt, aber zu olympischen Ehren anerkannt zu weiden. „Unser National stolz wehrt sich dagegen, friedliche Wettkämpfe mit Mitgliedern von Nationen auszufechten, die uns nicht als gleichberechtigt anerkennen, di« uns als Sklavenvolk für sie arbeiten lasten wollen und uns nicht di« W« h r'f r e i h e i r zugestehen." Di« Forderungen Neuendorffs gipfeln darin: di« olympischen Spiele dürfen, 1986 nicht in Deutschland stattfinden. Diese Haltung wirbelt natürlich gewaltigen Staub auf im eigenen Lager der Deutschen Turner- 'chaft, sowohl wie noch mehr bei den anderen bürgerlichen Verbänden. MMeUullgeo aus dem PublNum. Bafa«höht die Pneumat k-Produktion. Die Baka-Werke in Zlin beendeten nun unter Mit- w rkung hervorragender Spezialisten die auSgebrei- trten Vorbereitungen für die Produktton von«Auto- Pneumatiks auf 1000 S ück täglich. Die bisherige Erzeugung, die nur. 500 Stück täglich hrrvorbrachtr, längt« bei weitem nicht, d«n Bedarf in der Tschechoslowakei zu decken. Zur Produk.Lm von Aütopneü- ma iks in den Baka-Werken wurde nach der Bern- düng von langen und sorgfältigen Versuchen sowie in den Werken selbst, als aüch mit den verschiedenen Fahrarten und Fahrzeugen, geschritten, wobei«ine Qualität erreicht wurde, die den besten Weltmarken glttchkommt.— We l die Pneumatik Baka, gle'ch- falls wi« andere Produkt« Bata, billig direkt an den Verbraucher verkauft werden, ist zu erwar.en, daß di« Tschechoflowakei schon in diesem Jahre nicht nur das Land der billigen Schuhe, sondern auch der guten und billgen Pneumattk werden wird. 100 Der Film Aus der Wett der Waldeinsamkeit- Der Titel dieses neuesten Tschechenfilms zeigt schon, daß di« heimisch« Produktion nach wie vor auf Abwegen ist: neben Bierhumor gibt eS nur unwirkliche Sentimentalitäten, di« kaum Widerhall finden DaS Jahr 1983 und feine Problem« existieren nicht recht für den Film, der sich in Vergangenes vergräbt und Gegenwartsmenschen langweilt. Ein- oder zweimal im Jahr verirrt sich dtt Produktion in das Labyrinth der„Kunst": man engagiert einen jungen Menschen und läßt ihn„Mitarbeiten". Das geschieht hier dadurch, daß der Autor des Drehbuchs e.ner der Modernisten des heimischen Films ist; jeder ABC- Schütz« des Fachs sieht gleich nach der ersten Szene, daß der Registeur hier wieder feine eigenen, dem Film fremden Wege gegangen ist und wahllos di« guten Einfälle seiner künstlerisch denkenden Mitarbeiter verarbeitet. Montagen von Holzfällern. Träume mit seelischem Hintergrund, Wetterkata- strophen werden gezeigt und niemand weiß warum. Eine Liebeshandlung aus einer dem Programm nach wÄden Welt, mit Totschlag und Leidenschaft ende: zum Schluß glückhaft im ewig bereiten Verzechen eines der gütigen Filmgat:«n; hier bleibt der Tor ein ewiger, denn die Untreu« der Gattin wird ihm niemals verraten. Da wir uns im Jägerhaus befinden, gibt es Naturmenschen in Hüll« und Füll« und jeder«inzelne sieht mehr nach Atelier auS als der ander«. Nur zwei Gesichter werden unvergeßlich bleiben: T k e b o v s k y als alter, verbissener Heger, und sein Kind, von der bis jetzt begabtesten tschechi- schen Schauspielerin Waleska dargestellt. Dies« beiden retten den Film vor dem ärgsten: sie haben Gefühl ohne zu posieren, beide können sprechen, zeigen Gesten, di« verständlich sind und Menschen, die nicht nach Kuliste aussehen. Daß der Registeur dieser Schauspielerin kein« Aufmeicksamkeit geschenkt hat, ist wahrhaft blamabel. Was sonst im Film vorgeht, wird immer unklar bleiben: ein edler Weidmann wird in der Waldeinsamkeit vom Weib betrogen ! Sozialistisch Joflßnit, Kreis Prag. Genossin Alice Rühl«, Dresden, spricht Samstag abends um' 6 Uhr zum Thema: »Erziehung zur Gemeinschaft" im Studentenheim(Odborovy dum, Bartofa- mejfla 14). Ende gegen 8 Uhr.— Gäste willkommen.— Pünktlich sein! und ein edler Sturm vernichtet den Urwald, womit die Konflikte gelöst sind. Ter Wilddieb LoiSl scheint seine Katja zu kriegen, der es nicht besonders nah« geht, daß er ihren Vater um die Ecke gebracht hat. V i ch, der Photograph, hat in Karpathorußlaick nichts gefunden, was uns überzeugen könnt«: daran war wohl auch das schlecht« Wetter schuld. Und deshalb wurde dann di« Läng« des Films teils in Prags Umgebung, teils am Hof des Ateliers nach- grfüllt: da kann man nur resigniert schweigen. BÄ« Einstellungen sind sehr gelungen, manch« Montage» nach gutem Rust«nmuster gemeistert, di« Musik B u r i a n S sehr geglückt, das ganze aber«in Flickwerk, für das zu zeichnen dem Registeur Krnan- sky nicht viel Ehr« bringen wird. W. L, Literatur Rudolf Küstermeier:„Die Mittelschichten und ihr politischer Weg", 1933, Alfred Protle-Berl«. Potsdam. Das Buch behandelt di« sehr aktuelle Frage der politischen Stellung der Mittelschichten in Deutschland. ES stellt di« Entwicklung der sozialen Lage der Mittelschichten seit dem Welttriegr dar und zeigt deren Proletarisierung. Diese Et' scheinung ist di« soziologische Grundlage der national* | sozialistischen Partei als Mastendswcgung»ick daraus erwächst für hie Sozialdemokratie die Aufgabe, die Mittelschichten nicht für«inen Schein' sozialiSmus, sondern für einen wirklichen Sozialismus zu gewinnen.'Zu diesem Zweck entwirft des Autor die Grundzüge eines sozialistischen Mittel' standsprogrammes E. St■ „Sehnsucht mit Erfolg." Roman- von Bruns Wellenkamp. Gab. Mk. 5.—. Ullstein-Verlag' Berlin. Der Titel kann leicht zu fauchen Evwartun- gen führen. Die Sehnsucht, es ist di« dreier junget, in der Weliabgefchiedeicheit und Trostlosigkeit eines deutschen Dorfes lobender Menschen, hinauszuko«»' men aus der Enge der sie bedrückenden Vetzhältnijft Daß ihre Sehnsucht schließlich Erfüllung findet, da? ist in der heutigen Zeil der Arbeitslosigkeit kein g? vade alltäglicher Fall. Uebechaupt sieht der Slut# 1 di« Welt ungleich rosiger als sie ist und wenn«r f**’ gar glaubt, der Armut gut« Seiten abgewinnen können, über sie mit einer gcwisten Gemütlichkeit tchreöbt, so ist di« Rechtiirttgung dafür nur darin 'uchen, daß«r di« tiefe Tragik der Lag«, in der sick insbesondere die heutige Jugend befindet, nicht aus- zulosten bÄommen hat. Wellenkamp rr-.ählt gutweiß auch manche Gestalt richtig zu sehen und gestalten, aber das Problem der Arbeitslosigkeit nicht so leicht abzutun. wie«r es zu tun beliebt und einige seiner Romonfiguren haben mit der Wirb lichbeit wenig gemein, eher schon mit dem Theater I KINO-PROGRAMM| > vom 17. Feber bU 21. Feber(933. ne üe t n»'■«’>->- Johann StrauO, k. u. k. I’ofkapallmuslkdiraktor. Ewig Jung und ewig schön bleiben des Walierkön’C* Melodien I Michael Bohnen, glänzend in Maske, GP" sang und Spiel! Ganz ausgezeichnet Pani Hör big«’ al* sein Verleger..— Reizend: Lee P a r r y, Gre» ' Theimer,, M verkeiifenwir? | Caft„ContloeniaT Prag, Graben} a>s UDOTf DilM