13. Lehrgang. Mittwoch, 22 Feber W3Z ~. j.i-, Rr 45. zu zu die den Das Bureau der Sozialstischcu Arbeiter-Internationale hat in Zürich am 18. und IS. Feber getagt und folgenden Ausruf beschloss«»: Kampfruf der Internationale Einigt Euch zum Entscheidungskampf gegen Fascismus und Kriegsgefahr! Wahlkampf Im Zeldien fasdsflsdicn Terrors. Bon unserem nach Berlin entsandten Sonderberichterstatter. Wie auf ein Startsignal hat der Plakat- i kampf in den Straßen Berlins genau 14 Tage vor der Wahl eingesetzt. Ueberwogen bis' zum> Sonntag noch die Faschings-, Kino- und Theaterplakate, so setzt sich seither das Wabl- Plakat beherrschend durch. Aber die Plakate' zeigen schon an, daß es sich nicht um einen Kampf zwischen gleichberechtigten Partnern, überhaupt nicht um einen Kampf handelt, bei dem die Chancen des Erfolges oder Mißerfolges gleich verteilt wären, sondern daß im Deutschland der Hitler-Papen-Hugenberg-Re gierung bereits zweierlei Recht herrscht. Sind die Wahlplakate der Regierungsparteien, insbesondere natürlich der NSDAP, herausfordernd frech, wüste Beschimpfungen der Gegner, von Geschichtslügen über den„Marxismus" strotzend, so muß sich di« Opposition, innerhalb derer bis jetzt die Sozialdemokratie führt, eine durch den Polizeiterror erzwungen« Vorsicht auferlegen. Nur so wird es ihr überhaupt ermöglicht, zu den Wählern durch das Plakat zu sprechen. Wie bei den Juli- und Novemberwahlen so überwiegt auch diesmal das polemische Text-Plakat, sehr im Gegensatz etwa zu Wiener Wahlkämpfen oder auch zu tschechoslowakischen, in denen das Bildplakat vorherrscht. In Deutschland werden dem Wähler auch heute noch auf den Litfaßsäulen oft langatmige Artikel, umständliche Erklärungen geboten. Die Argumentation der Regierungsparteien bewegt sich im allaemeinen auf der gleichen Linie wie ihre Wahlreden. Hitler läßt seine Lüge von den 14 Jahren, in denen der Marxismus die Herrschaft hatte, mit Riesenlettern zu den Paffanten sprechen, oder er verkündet, daß die Internationale Deutschland verraten und geknechtet habe, er eS aber freimachen werde.(Während die Schwarz« Front Otto Strassers, die mit anerkennenswerter Bravour gegen den Schwindel eines „Nationalsozialismus" mit Hugenberg losgeht, unermüdlich verkündet: Auch Hitler- Hugenberg-Kabinett bedeutet weiterzahlen! und den Nazis besonders den Irrsinn ihrer Rußlandhetze vor Augen hält, der eine neu« Einkreisung Deutschlands in den Fronten von 1914 vorbereitet). Hugenberg begnügt sich damit, seine alten Wähler bei der Stange zu halten, auf der er die schwarz-weiß-rote Kaiserflagge aufziehen will— wogegen sich übrigens auf dem linken Naziflügel, den nach Strassers Sturz Graf Reventlow führt, lauter Widerspruch erhebt. Daß zweierlei Recht herrscht, beweist neben der amtlichen Deutung, die Göring seinem Erlaß über die Preffekneblung gegeben hat: man müsse auf die Motive mehr als auf den Sachverhalt achten, jene entscheiden über Zulässigkeit oder Strafbarkeit(unseren Nazi-Demokraten zur besonderen Beachtung empfohlen)— vor allem auch die amtliche Plakatierung eines Wahlaufrufes, den die Reichsregierung als solche in den öffentlichen Aemtern aushangen läßt und worin sie für ihren Bierjahresplan Stimmung macht, ohne freilich von dieser sagenhaften Prophezeiung mehr aussagen zu können als ihre Mitglieder bisher verraten haben, also nichts Konkretes, nichts als Phrasen. Während Hitler auf seinem bisher größten Wahlplakat von dem seinerzeit den Sozialdemokraten und dem Zentrum gemachten Borwurf ausgeht, sie hätten Staatsgelder für die Wahlpropaganda vergeudet(faktisch haben sic zum Kampf gegen die Uebergriffe der SA ge wiffe Beträge aus einem regulären Fonds flüssig gemacht), wird der ganze Staatsapparat in der schamlosesten Weise in den Diens der Parteien gestellt, die sich um die Regierung geschart haben. Das beweist ja auch da« In einem Augenblick höchster Gefahr für die Arbeiterklasse, für Freiheit und Frieden, für die menschliche.Kultur wenden wir uns an Euch! Mit der großkapitalistischen und feudalen Reaktion verbündet hat Hitler die Regierung in Deutschland übernommen. Der Entscheivuugskampf zwischen Fascismus unv Arbeiterklasse ist in Deutschland im Gang. Ungeheures sicht auf dem Spick. Gelingt es dem Fascismus in Deutschland, sein« Macht zu behaupten und zu befestigen, dann geben mit der deutschen Demokratie, mit der deutschen Republik die Ergebnisse eine- halben Jahrhunderts proletarischen Klassenkampfes verloren. Wirft der Ansturm des Fascismus die Arbeiterklasse in Deutschland nieder, dann ist das Proletariat in ganz Mitteleuropa in schwerster Gefahr, dann wird die Reaktion in der ganze« Wckt ermutigt, die sozialen Errungenschaften der Arbeiterklasse anzugreifen. Darum vertrauen wir darauf, daß die ArbeiterDeutsch- kands, mit deren schweren opferreichen Kampf'di« Sozialisten aller Länder sich solidarisch verbunden fühlen; den FaseiSmuS und di« Konterrevolution schlagen werden.„ .Darum rufe»^»ir.di« Arbiter aller Länder auf, das P r o l e t a r i a t D e u t s ch l g» d s, eingedenk der weltgeschichtliche« Bedeutung seines Kampfes, nach Kräften zu unterstütz««.' Die Sozialistische Arbeiter-Internationale hat stets erkannt: daß der Bruderkrieg-rS Proletariats di« tieffte Ursache seiner Schwächung und damit der.stärkste Bundesgenosse des Fascismus ist. Die Sozialistische Arbeiter-Internationale hat daher stets die lleberwindung der Spaltung, die, Einigung vcs Proletariats als di« cntscheivende Voraussetzung der vollen Entfaltung proletarischer Kraft angesehen. Angesichts der furchtbaren Bedrohung der Arbeiterklasse Deutschlands und damit der ganze« Welt, werden Vie tragischen Folgen der Spaltung sichtbarer als jemals früher. Die Verheerungen, di« die Spaltung durch anderthalb Jahrzehnte erzeugt hat, können leider nicht plötzlich aus der Welt gescktafft werden. Aber die geschichtliche Erfahrung des gegenwärtigen Moments muß nicht nur in der Zukunft wirksam werden in dem Willen zum Neuaufbau einer einheitlichen geschlossenen Kampf- organjiation der Arbeiterklasse, sondern sie muß schon in der Gegenwart zum Versuch führen, die Kampffähigkeit des Proletariats soweit" steigern als nur irgend möglich. Die Gefahren sind zu groß, als daß der einmütige Wuusch der Arbeiter nach dem einheitlichen Kampfe des ganzen Proletariatparteipolitischen Manövern benützt werden dürfte. Die Sozialistisch« Arbeiter-Internationale erstrebt die einheitlich« Aktion der gesamten Arbeiterklasse auf Grund offener und ehrlicher Verständigung. Wir rufen di« deutschen Arbeiter, di« Arbeiter aller Länder auf, angesichts der tragischen Gefahren, vor denen sie stehen, hü gegenseitigen Angriffe«in- iustellen und zusammen gegen den Fascismus zu kämpfen. Die Sozialistische Arbeiter-Internationale ivar immer bereit, über solch« Kampfgemeinschaft mit der kommunistischen Internationale zu verhandeln, sobald diese sich dazu bereit erklärt. An die Arbeiter der ganzen Welt! erobern. Der bisher ängstlich gehütete Schein, es gebe keinen Krieg zwischen Japan und China, fällt. Die ungeheuerlichen Pläne der japanischen Imperialisten werden immer deutlicher und der Völkerbund hat sich ohnmächtig erwiese«, ihnen Einhalt zu gebiete«. Während im Fernen Osten der Krieg tobt und unabsehbare Weiterungen drohen, während in Südamerika fortwährend kriegerische Zusammenstöße stattfinden, bereiten sich in Europa selbst Ereignisse vor, die über kurz oder lang auch den europäischen Frieden gefährden müssen. Vie Abrüstungskonferenz schleppt sich seit einem Jahre ergebnislos hi«. In riesige Heerlager verwandelt, in gewaltig«« Allianzen zusammengefaßt. stehen sich di« europäischen Staaten, bis auf die Zähne bewaffnet gegenüber. Immer ernster wirddie Gefahr, daß dre Konferenz nicht zur Abrüstung führt, sondern zu. neue« Rüstungen den Borwand liefert. Das Vordringen des Fascismus bringt nationalistisch-militaristische Kräfte an die Spitze der Nationen. Hitler in Deutschland. Musso- lini in Italien, Pilsudski in Polen, Horthy in Ungarn, die Uöni8?atkil^tu.x in Jugössatoie«,' offene icker verhüllte fascistische ' Diktaturen' in'alle«'anderen Balkanländern sie all« fiM> bereit, di« Gewakt, auf die sie sich im Inner« des Landes stützen, nach außen zu kehren und Europa neuerdings in ein Schlachtfeld zu verwandeln. Das fascistische Italien, das konterrevolutionäre Unaaxn, und die entthronte Dhnastse der Habsburger versuchen es,''die Bewegupg der jugoslawischen Stamme, deren'Gegensätze' durch die Militärdiktaturen verschärft wurden, für ihre Zwecke zu mißbrauchen; sie erzeugen damit in Mitteleuropa eine Zone schwerster Gefahren für de« Frieden. Die Pläne, einen Block Ver fascistische« Staaten zu bilden Und ihn Frankreich und seinen östlichen Bundesgenossen entgegenzusetzen, drohen. Europa neuerlich in zwei gegen einander rüstende Lager zu teilen. Europa weiß aus blutiger Erfahrung, wohin die Politik der Allianzen führt. Machen di« Gegensätze der Großmächte den Völkerbund aktions unfähig, gerat die Führung der Bourgeoisie immer mehr in die Hände fascistischer Gruppen, so wird es unwiderleglich llar, daß nur die Kraft des Proletariats die Weltkatastrophe abzzrwendeu vermag, die sonst zwangsläufig über die Menschheit hereinbrechen und wiederum Millionen junger Menschen vernichten muß. Die Sozialistische Arbeiter-Internationale hat niemals ihre Pflicht verabsäumt, vor dem drohenden Unheil zu warnen und gegen Krieg und Kriegsvorbereitung den entschlossensten Kampf zu führen. Sie hat daher auch das Recht, in dieser entscheidenden Stunde noch einmal chre Stimme zu erheben, um vor dem Furchtbaren zu warnen, das sich Vorbereitet! Die Sozialistisch« Arbeiter-Internationale ruft alle Arbeiter auf, fick» zusammeuzuschlietze«, um in einheitlichem Kampf die drohende Gefahr eines neuen Weltkrieges abzuwehren! Die Sozialistische Arbeiter-Internationale appelliert an all« Menschen, die ein neues Blutbad verhindern, den Frieden und damit die Errungenschaften der menschlichen Kultur bewahren wollen, sich einzureihen in die Armee des Proletariats. Arbeiter der ganzen Weltl Verantwortlich für die furchtbaren Gefahren, die der Freiheit und dem Frieden drohen, sind die herrschenden Klaffen aller Länder. Auf der einen Seite hat die kapitalistische Bourgeoisie der Siegerländer durch' ihre imperialistische Politik die junge aufstrebende Demokratie und d«n' Aufstieg der Arbeiterklasse in den besiegten Ländern gehindert und■ gelähmt. Auf det andern Seite hat die kapitalistische Bourgeoisie der< besiegten Länder die Folgen der Niederlage dazu benützt, um die nationa-. listischen Leidenschaften aufzupeitschen und in der Form des mörderischen und kriegerischen Fascismus ihre Machtpositionen zurückzuerobern. Darum güt es den Abwehrkampf gegen den FaseisuruS und die Kriegsgefahr zu verknüpfen mit dem Kampf gegen den Kapitalismus, für Eroberung der politischen Macht für di« Arbeiterllasse, für Sozicckismus. Der Sieg ist unser, wenn wir geeint sind, ihn zn erkämpfe«! Es lebe die Freiheit! ES lebe der Friche«! Es lebe d«r Sozialismus! Arbeiter aller LSnderl Während der Kapitalismus Euch in Massennot und Maffenckend stürzt, während er die fascistische» Banden gegen Euch organisiert, bereitet er das unermeßliche Unheil eines neuen Krieges vor. Schon stehen wir vor der blutigen Tatsache des Krieges im Fer- Uen Osten, aber auch vor der Gefahr, daß sich i« Europa mit wachsender Beschleunigung eine Entwicklung vollzieht, die in Neuem Weltkrieg zu Enden droht. Der japanische Imperialismus triumphiert. Die von ihm feierlich eingegangenen Verträge nicht achtend, hat Japan chinesischen Boden mit hewaffneter Hand besetzt, den Marionettenstaat Manchukuo errichtet und schickt sich an, weiter chinesische Provinzen zu Z Ü r i ch, den 19. Feber 1933. Das Bureau der Sozialistischen Arbeiter-Internationale. Sette 2 Mittwoch, 22. F«Ver 1233. Ar. 45. Vorgehen der Polizei gegen die beiden Kundgebungen vom Sonntag" Vormittag. Wurde die eine von ihnen, die Feierinder V o l k s bühne am Bülowplatz, in provozierender Weise von der Polizei im Bunde mit den Nazis verhindert, ohne daß man sich die Mühe nahm, sie erst zu verbieten, so löste man die andere, den Kongreß Freies W o r t, bei einem ersten und nichtigen Anlaß auf. Den gewaltigen Aufmarsch des Reichs- Hanners im Lustgarten wagte man freilich nicht zu verbieten, aber man duldete, daß SA-Banditen ihn beschossen und man schika- nierte die heimwärtsmarschierenden Züge des Reichsbanners, indem man sie immer wieder von den gemeldeten Marschrouten abdrängte, sie in brutaler Weise in Seitengassen schob, um sie zu verwirren und einzuschüchtern. Am folgenschwersten wirkt sich der Terror gegen die Presse aus. Ein großer Teil der kommunistischen Presse, von der SPD-Presse nicht nur der„Vorwärts" mit seinen Kopfblättern, sondern auch süddeutsche Zeitungen, zwei große Gewerkschaftsblätter, an demokratischen Zeitungen das„Acht-Uhr- Blatt" und das„Tempo" sind verboten, weitere Verbote drohen täglich. Das zeitigt im Lager jener Opposition, die auch anders kann, selbstverständlich aus Geschäftsrücksichten und Gesinnungsfreiheit bedauerliche, aber zu erwartende Umfälle. Das Zentrum hat auf das Verbot seiner Preffe mit einem Bittgang zu Göring geantwortet, hat sich entschuldigt und für demütiges Verhalten vor dem Großherrn die gnädige Aufhebung des Verbotes erlangt. Der größere Teil der demokratischen Geschäftspresse hat vorgebeugt und in der Erkenntnis, daß der Tapferkeit besserer Teil die Vorsicht ist, seine Haltung gegenüber dem Kabinett der Kontrerevolution auf sehr loyale Opposition gestellt, beinahe auf die Tonart„allergetreueste Opposition". M o s s e, dessen Zeitungen ja nur eine repräsentative Draufgabe zum Jnseratengeschäft sind, dürfte auS der antifascistischen Kampffront ausscheiden, die„Frankfurter Zeitung" rückt ja seit Jahr und Tag langsam aber stetig nach rechts, wenn sie es auch versteht, die Wendung des Steuers mit einer gewissen Würde zu Völleziehen, die anderen Herren der ehemaligen liberalen Linken abgeht. Wie sich all das bei den Wahlen auswirken wird, läßt sich heute noch nicht abschätzen. Es ist ebensowohl möglich, daß her sichtbare und täglich frecher auftrumpfende Druck der neuen Herren, gerade weil.er ärlle Ventile des Unmuts verstopfte am Wahltag; eine unerwartete Quittung von denen erhält, denen er das freie Wort nahm, aber noch einmal den Stimmzettel ließ, es ist aber auch denkbar, daß die Einschüchterung bis an die Urne wirkt und daß, vor allem auf dem Land, der brachiale Terror, das öffentlich beschönigte und gebilligte Abknallen der Gegner, verbunden mit der Knebelung der freien Meinungsäußerung Leute zu Hitlerwahlern macht, die in ihrem Herzen einem Regime fluchen, das so offenbar im Dienste der Großagrarier steht, daß die Augenauswischerei mit der„Milderung der sozialen Härten"'der Papenschen Notverordnungen(ganze 15 Millionen von geraubten 500 werden refundiert) auch bei den ganz Dummen nicht mehr wirken kann. Nun muß man aber auch mit einer Steigerung des Terrors rechnen. Vierzehn Tage vor der Wahl bietet sich bereits das Bild, das Italien in den zwei Jahren nach dem Marsch auf Röm"und bis zur Ermordung Matteottis Prag, 21. Feber. Die auf vier Tage berechnete Budgetdebatte im Plenum des Senates wurde heute früh mit einem längeren Referat des Generalreferenten Stodola eröffnet, der sich nicht enchalten konnte, wieder einmal die alle „Forderung" nach„gerechter" Verteilung der Arbeitslosenunterstützung und nach„strenger Kontrolle" zu unterstreichen. Man dürfe es im Interesse der Arbeiterschaft selbst nicht dulden, daß die Unterstützung auch jene erhalten,„die nicht arbeiten wollen". Ohne ernste Kontrolle des Anspruchs auf Unterstützung, bzw. auf ihre Verteilung würden wir frei nach Stodola»»schnell zum Verfall des sittlichen Wertes der Arbeit und zu einer ständig wachsenden Demoralisierung" gelangen. Diesen Herumredereien des Referenten trat später Genosse Dr. Heiler mit aller Schärfe entgegen. Er wies dabei unter dem Beifall unserer Genossen an.Hand der Verhandlungen über die Zinsfußsenkung, aus der Sabotage des N o t f o n d s durch dir bürgerlichen Parteien und aus ihrem Verhalten gegenüber der Wohnbaufrage eindeutig»ach, daß die bürgerlichen Parteien, veren Vertreter so von den Arbeitslosen sprechen, ihrerseits bewußt und konsequent alle Maßnahmen sabotieren, die den Arbeitslosen statt der so geschmähten Unterstützungen wirklich Arbeit und Verdienst bringen könnten, alles, nur deshalb, well sie daru aus der eigenen Tasche Mittel beisteuern müßten.(Wir werden diesen Teil der Rede des Genosien Dr. Heller, der sich auch mit der Krise der verschiedenen Industriezweige eingehend besaßt«, noch ausführlich nach tragen.) Zorn Anslieiernnosbegebron gegen die vier deutsdien Nationalsozialisten erklärt« Genosse Dr. Heller, ganz offen reden zu wollen, da wir hier gar nichts zu verschweigen haben. Unsere deutschen Nationalsozialisten find Herrschaften, bei denen man nie recht weiß, was sie wollen. Als der Bolkssportprozeß bereits zu Ende war hat Herr Krebs bekanntlich in seiner Presse ein Interview veröffentlichen lassen, in dem ex. ausdrücklich erklärt, kein Mensch habe jemals daran gedacht sich der Verantwortung zu entziehe«; sollt« das AuslieserungSbegehren gegen ihn und Jung gestellt werden, dann werd« er als Mitglied deS JmmunitätSauSschnsseS für sein« Auslieferung stimmen! Als ihnen dar unsere Press« vor einigen Tagen vorhielt, fand die nationalsozialistische Presse zwei Ausreden: Einmal, erklärte man, derartiges sei vor dem Volkssportprozeß gesagt worden, aber auf Grund der Erfahrungen dieses Prozesses seien sie zu einer anderen Auffassung gelangt. Das ist di« Unwahrheit, weil dieses Interview des Krebs erst nach dem Prozeß stattgefunden hat! Zum zweiten erklären sie wieder, diese Stellungnahme des Krebs sei nur seine persönlich« Auffassung gewesen, nicht aber di« der Partei, geboten hat. Man kann sicher sein, daß die Göring, Frick und Hugenbcrg alles tun werden, um in den folgenden zwei Wochen zu beweisen, daß allen todesmutigen Bekenntnissen der Opposition zum Trotz Deutschland doch Mit Italien zu dergleichen ist. denn die Parteileitung habe sich gegen diesen Standpunkt des Krebs ausgesprochen. Das ist die zweit« Unwahrheit, denn niemals hat dir nationalsozialistisch« Partei, bzw. ihre Preffe den AaSführuugr« deS Krebs irgendwie widersprochen. Noch am 9.. November des Vorjahres hat ja„Der Tag" unter dem Titel:"„Wir werden uns der Verantwortung nicht entziehen. Parteigenosse Abgeordneter Krebs zu seinem AuSIieferinrgs- degehren" u. a. geschrieben: „Wir sind durch das Auslieferungsbegehren nicht überrascht.. Jetzt, wo man uns zur Verantwortung zieht, hoben wir grundsätzlich nicht di« Absicht, unS der Verantwortung zu entzieh e n." Erst als daS AuslieserungSbegehren tatsächlich vorlag, sind die Herren umaefallen. Solange sie nur glaubte«, rede« zu können, ohne zur Verantwortung gezogen zu werden, hatten sie den großen Mund. Als ihnen aber die Gefahr der strafrechtliche« Untersuchung drohte, da find fi« zusammeugeklappt wie ein Taschenfettel, da ist ihnen da» treudeutsche Herz in die treudentscheu Hosen gefalle«! Dann haben wir im Ausschuß'das Schauspiel der LohalitätSerklärungen erleben müssen. In diesem Zusammenhang fragt Redner die deutschbürgerlichen Partei««, deren Sprecher heut« schon zur Verteidigung der Hakenkreuz!« ausgezogen sind, ob si« sich damals nicht geschämt habe», als«in Hakenkreuzler nach dem andern schweifwedelnd vor de« tschechische» Parteien herumkroch? Bo» irgendeiner„Volksgemeinschaft" mit einer solchen Partei zu sprechen, lehnen wir entschieden ob. Wir haben keine Ursache dazu angesichts ihres Verhaltens im Jnlaich und des Verhaltens ihrer politischen Glaubensgenossen im Ausland. Genosse Dr. Heller zitiert in diesem Zusammenhang auch den JL a g", der ununter, brachen die schlimmsten Beschimpfungen gegen unsere Partei erhebt. Wen« Hilgenreiner sich vorhin wunderte, daß wir nicht gegen die Auslieferung stimmen, so wird er diel angesichts der enge« Verbundenheit zwischen den Nationalsozialisten bei uns und im Reich und angesichts dessen, was in Deutschland geschehe« ist und was in unsere« Staat« seitens der Nationalsozialist« gegen uns verübt würde, schon begreiflich finde« müssen!. Nun will ich, erklärte Genosse Dr. Heller, wiederum in aller Offenheit und Freiheit die Frage erörtern, warum wir nicht für die Auslieferung sind. ES wär« ganz überflüssig, nicht zugeb«» zu, wollen, daß deshalb gewisse Verstimmungen innerhalb der Koalition entstanden sind. DaS»nS behindert, das sind in der Hauptsache folgende zwei Umstände: 1. Stehe« wir auf, dem Standpunkt, daß die Demokratie nicht nur stark, sondern auch gerecht sei« muß. Dw Verfolgung aus politischen Gründen sehen wir gegenüber Feinde» der Demokratie und gegenüber Feinden deS Staates als gerechtfertigt an, wenn diese Leute Handlungen begangen haben, welch« die Demokratie oder den Staat zu bedrohen imstande sind. Das Urteil im Bolkssportprozeß stutzt sich aber fast ausschließlich auf ein Gutachten von militärischen Sachverständigen. Wir haben sofort «ach Beendigung des Prozesses in unserer Presst mit aller Deutlichkeit erklärt, daß wir dieses Verfahren und dieses Urteil nicht billigen können und mit Bestimmtheit erwarten, daß der Oberst«' Gerichtshof eine Reinedur wird eintretenlassen. Tie Ablehnung aller von der Verteidigung geführten Zeugen und, die Tatsache, daß sich das Urteil saß ausschließlich auf das Gutachten der Sachverständigen stützt,/können uns noch nicht überzeugen, daß eS sich tatsächlich um Handlungen der beklagten Abgeordneten gehandelt hat, bte strafgerichtlich zu verfolgen,' waren. Wir haben zu eine« Gutachten militärischer' Sachverständiger, eben kein Vertrauen. So sehr wir jede Verfolgung von Haiw- lungen stützen, die sich gegen die demokratische Staatsform oder gegen den Staat selbst richten, so wenig sind wir imstande, bloße Gesinnungen zu verfolgen, die man diesen Leuten höchstens zum Vorwurf machen kann. 2. Wir haben in der Frage der Immunität eine gute alt« Tradition von Oesterreich her un» wir haben dies« Tradition gemeinsam mit den tschechische« Parteien. Im alte« Oesterreich haben weder wir noch szu den tschechischen Parteien) Sie der Auslieferung von Abgeordneten aus politischen Gründeu zugcstimmt. Ich eriuuer« Sie an di« Zeit im Krieg, da da» Verfahre« gegen Dr. Kramak und Dr. Razm im Gange war. Damals hat sich di« ganz« deutsche Sozialdemokratie gegen di« Verfolgung der beiden Politiker gewandt, damals ist in der „Arbeiter-Zeitung" ein teufe noch lesenswerter Artikel erschienen, der dies« ablehnend« Haltung begründete. Wir waren auch im Krieg nicht für die Auslieferung von Menschen zu haben, die uns doch politisch und weltanschaulich vollkommen feindlich gegenüberstanden. Wir haben keinen Unterschied gekannt, ob die Auszuliefernden politische Freunde ödet politische Gegner sind. Dies» gut« alte Tradition der deutsche« sozialdemokratischen Partei im alte» Oesterreich will die deutsche sozialdemokratisch« Partei in der Tichc- chostowakei fort setzen! Wir glauben, daß es sowohl gegenüber dem nationalen Unfrieden al» auch gegenüber fascistische«' Gefahren viel vernünftiger wäre, Mittel des Geistes anzuw enden, als Mitte» der Gewalt. Ein Anfang dazu ist in diesem Staate gemacht Worden durch di« Dsrersche Schulreform. Die Schulreform wär« ein Schritt dazu, ki« Kind« in einem Geist« zu erziehen, der den Fascismus unmöglich machen würde. So können wir den FasciSmus bekämpfen, so seiner Herr werde«' Wege der Gewalt können nicht dazu führen. Ick möchte Sie daher bitten, unseren Standpunkt in dieser Frage zu verstehen. Nochmals beton« icht Wenn es. der FaftismuS auf einen Kampf wird airkommeu lassen wolle«, da»» fit«« Sie überzeugt: Nicht dfi letzten ii» Kampf gegen den FasciSmuS werden di« deutsche« Sozialdemokraten sein! lLebhofter Beifall.) * Die Debatte zerfällt in drei Teile:' Politik, Kultur und Soziales sowie Wirtschaft, Verkehr und Finanzen. Eine besondere Generaldebatte wird nicht abgeführt. Die Redezeit beträgt pro Klubmitglied 15 Minuten; wird diese Redezeit Poll ausgenützt, so ergibt das über 37 Stunden- Die Haussitzungen finden ganztägig von 9 Uhr früh dis 7 Uhr abends statt; Freitag soll die Al>- stimmung sein. Rnwr Abgeordneter. Im Senat leistet« gestern der Mandatsnachfolger des verstorbene« Senators Böhm(Ungarisch-christkichsoziale Partei)», Karl Kreibich aus Preßburg, die vorgeschriebene Angelobung. iuiiiiiHiitiiiiiiniiiiuiiiiiiiiiuiiiiiiiiiiiiniiiiiiinuiniiiiiiiinn)inuiiiin]iiiiiiiiiiiimiiiiiiiimiuniiimitinnuiin)iiiMiiiHHHmii:iiimiiiiiiiiiiiiiiiiniiiiiiiiiniitiuiniiiiniiiiiiiiiniiiHmiiuuiuim ch mit 1824 taucht auf, man zieht Parallelen mit dem Ultimatum Berchtolds an Serbien, der BehaMung Belgiens durch Deutschlarw und kommt selbstverständlich zu dem Schluß, daß die perfide Diplomatie der Entente damals wie heute mit zweierlei Maß messe, daß ste selbst die Rechte der Kleinen Staaten mißachte, aber dort, wo es ihr in den Kram paßt, sich zum Beschützer der kleinen Nationen aufwirft. Daß die Tschechoslowakei den Jugoslawen via Oesterreich Waffen aller Kaliber und in gewaltigen Qualitäten liefert, daß aber andere Waffentransporte durch Oesterreich unzulässig seien, will vierzehn Jahre nach dem Krieg in Mitteleuropa eben niemandem mehr eingehen. Tie ultimative und demütigende Forderung an Oesterreich scheint in den Augen der deutschnational empfindenden Bevölkerung ein Beweis dafür, daß man in Paris heute so denkt wie 1818, daß man keine Verständigung, keine Gleichberechtigung, keine europäische Politik, sondern die Hegemonie Frankreichs will. Gerade dem stets gehorsamen und zu jeder Selbstverleugnung bereiten Oesterreich gegenüber wirft sich die Ent.-nt? als der Herr auf— das ist doch der beste B'weis für die Nutzlosigkeit einer Verständigungspolitik, für die Notwendigkeit stärksten Widerstand:-. Dies der Tenor der deutschen Summe zu Hirtenberg! Tatsächlich hat die Entente-Politik, n:cht zum ersten- und leider wahrscheinlich mchl zum letztenmal, in der Behandlung des Falles Hirrewerg eine Eselei begangen, die sich würdig in das System einer kurzsichtigen, grobschlächtigen und katastrophalen Diplomatie einordn i, das mit wenigen Ausnahmen seit 1918 in den Siegerstaaken vorherrscht. Daß O e st e- r e i ch, ein Land, das mit Ungarn und Jtali r: unmittelbare Reibungsflächen— Südtirol und Burgenland— mit Frankreich, Südslawien und Rumänien, aber auch mit der Tschechoslowakei so gut wie keim realen Gegensätze hat. in die pa'i'uche Kombination Rom— Budapest getrieben wurde, ist eine Meisterleistuno des politischen Dilektankismus, die sich den Böcken der Ballhausplatz Politik und der nachö'smarckschen Außenpolitik Deutschlands würdig anschließt. Die Fortsetzung dieser albernen Politik für die einige Herren in Paris und Umgebung verantwortlich zeichnen, im jetzigen Augenblük, war ein doppelt schwerer Fehler. Für Hstlcr und Hugcnberg ist Hirtenberg eine gewonnene Schlacht wert! Cermak außer Lebensgefahr. Miami, 21, Feber.(Reuter.) Dem letzten ärzlichen Bulletin zufolge bat der schwerverletzte Bürgermeister Ocrmäk die kritische Periode be-I reits überwunden. London, im-Feber 1933. Di« britisch« Arbeiterpartei hat sich entschlossen, ihren parlamentarischen Kampf gegen die„nationale" Regierung, unter der die Arbeitslosigkeit ständig wächst und die durch einen scharf gehandhabte» meons test, die Bedürftia- kcitsprufung, Tausende von Arbeitern um die Arbeitslosenunterstützung gebracht hat, durch Massendemonstrationen zu unterstützen. In London hatte die L a b o u r Party, die Gewerkschaften und die Genossenschaften zu einer Riesenkundgebung im Hhde Park aufgerufen. Die Arbeiter Londons waren diesem Ruf in ungeheuren Massen gefolgt. G«en Mittag zogen die Arbeiter aus allen Vierteln mit Bannern und Musikkapellen auf die Kais, die ein ungewohntes Bild boten. Meilenweit standen die roten Lieferwagen der Genossenschaften, mit Transparenten und Wimpeln geschmückt, meilenweit reichte der Zug der Arbiter, in den sich immer wieder neue Scharen einreihten. Es war ein für den kontinentalen Sozialisten etwas ungewohntes Bild. Die Gewerkschaften hatten ihre ehrwürdigen alten Banner mitgebracht, die schon im Winde flatterten als es auf dem Kontinent nur Ansätze einer Gewerkschaftsbewegung gab, riesige Seidenbanner, von 4 bis 6 Männern getragen, die in Allegorischer Darstellung den Kampf und di« Einheit der Arbeiter zeigten. Die Transparente riefen zum Kampf für eine sozialistische Regierung und für eine vollständige Abrüstung in allen Landern. Gegen ein Uhr begann eine Demonstration, wie sie London in dieser Größe und Wucht seit 1891, den Tagen der Pioniere nicht gesehen hat. Die Spitze des Zuges bildeten dl« Hufschmiede zu Roß rn ihren traditionellen Trachten, dann kam der Führer der Labour Party, George LanSbury, der mit seinem Kontigent aus dem East End marschiert war, überall stürmisch begrüßt. Und dann in ungeheurem Zuge 206.000 Arbeiter, sozialistische Jugend, Gewerkschaften, Arbeitslos«, Ortsgruppen her Labour Party, Genossenschafter— selten hat sich in einer Demonstration di« Jnteressenverbundenhsit und Einheit der britischen Arbeiter so stark gezeigt. Unzählige Musillapellen schritte« im Zug, schottische Pfeifer und Blechkapellen und immer wieder ertönte in den Straßen die Internationale, die Rote Fahne. Diese Kundgebung zeigte, daß es nicht nur«in England der Toryregierung und des Imperialismus gibt, sondern auch em ar- beitendes und friedliches England.— Tausende von Zusehern säumten die Straßen, durch bie der Zug schritt», ein, es war kein verschlafen,«? puritanischer englischer Sonntag mehr, in allen Straßen der Riesenstadt klang der. Schritt einer kämpfenden und aufwärtsstrebenden Klass«. Es war interessant zu sehen, welch ungeheure Vorbereitungen die Polizei getroffen hatte. Schon in der vorhergehenden Nacht war die Polizei durch eine Spezialpolizei ersetzt worden: Diese Spezialpolizei ist sehr bemerkenswert. Kurz nach dem Kriege hatte die Londoner Polizei einen Lohnstreik geführt. Da diese wichtige Wache der Bourgeoisie stumpf geworden war, mußte man sich nach einer neuen umsehen. Freiwillige wurden au-aebildet und erhielten ähnliche Uniformen wie die Polizei. Sie ühen ihren bürgerlichen Beruf aus, treten aber an unruhigen Ta- gen in Tätigkeit.— Durch dieses Einsetzen der Spezialpolizer war die ganze Polizeimacht, Tsdieihlsili-kMalß Sffiülzenliilfe für Herrn Dolifnß. In der gestrigen Sitzung d«S außenpolitischen Ausschusses kam eL anläßlich der Behandlung eines Zusatzprotokolls zum österreichischen Handelsvertrag zu einer außenpolitischen Auseinandersetzung. Der tschechische Volksparteiler Sv S t- l i k macht« dabei als Referent im Schlußwort, also in ein«m Zeitpunkt, in dem eine sofortig« Antwort nicht mehr möglich war, einige Bemerkungen, die nicht unwidersprochen bleiben können. Herr SvStlik vertrat nämlich di« Auffassung, daß d«e Hirtenberger Affäre von der österreichischen Sozialdemokratie hervorgerufen worden fei. Es ist sehr begrüßenswert, daß der Referent betont, di« Tschechoslowakei wolle nicht gegen Oesterreich hetzen oder sich mit Oesterreich verfeinden; daß er aber diese Gelegenheit dazu benützt, um gegen die österreichisch« Sozialdemokratie zu hetzen, ist gerade in der gegenwärtigen Lage, in der die österreichische Sozialdemokratie zu den besten Stützen der Demokratie und d«S Friedengehört, eine höchst bedenkliche Haltung, di« auch durch das Bedürfnis der tschechischen Klerikalen, d«m österreichischen Klerikalen Dollfuß einen Dienst zu erweisen, keineswegs gerechtfertigt wird! Die Logik d«S Herrn SvLtlik ist also folgende: Richt dir W a f f e n s ch m n ggl er s i a d s ch u l d, nicht Herr Mussolini, der seine« ungarischen Kumpanen Waffen zuschiebt, ist schuld, sonder« schuld ist die österrei, chische Sozialdemokratie, weil ste de« Schmuggel enthüllt hat! Richt die Waf- fenschrebunge« gefährden den Frieden, sonder« die Verhinderung der Wafse»schiebu«g rüst Affäre« hervor! 15.000 Mann, für die DemonsiSation frei geworden. Man glaubte sich im Deutschland Hitler-, aber nicht im Lande der Versammlungsfreiheit. In den Zug warm Abteilungen berittener Polizei cingeschoben, auf beiden Seiten war er von dichten Reihen von Wachleuten eingesäumt, man sah sogar Bereitschaftswagen mit drahtlosen Sendeanlagen, die Scotland Aard über alle„Zwischenfälle" berichten sollten. In unendlichem Zug strömte diese Riesenmenge in den Hyde Park, den traditionellen Ort aller Versammlungen. Bon acht Tribünen sprachen di« Vertreter der Arbeiterschaft, Lansbury, Citrin«, Walkden, Eramp, Cripps und viele andere. Von brausender Zustimmung unterbrochen verlangten sie Abbau der BedürstigkeitSPrü- fung, wirksame Bekämpfung der Arbeitslosigkeit, Verhinderung Japans an seinem Raubzug und Abrüstung, geistige und militärische. Es war sel- ten eindrucksvoll, als eine Fanfare zur Annahme der Resolution rief und 200.000 Arme sich hoben, 200.000 Arm« arbeitender Männer und Frauen, di« friedlich demonstrieren aber auch kämpfen werden um die Beseitigung eines Wirtschafts- und Gesellschaftssystems, das sie im lleberfluß einer reichen Welt darben läßt. Als die Kundgebung längst geschlossen war, zogen durch den feuchten Abend noch immer die Züge der Arbeiter zum Hyde Park. Es war«ine Kundgebung, di« London so bald nicht vergessm wird. Bemerkenswert ist di« Haltung der Kommunisten. Di« Veranstalter hatten eine offizielle Beteiligung der Kommunistischen Partei abgelehnt. Trotzdem hatten sich einige Gruppen vpn Kommunisten mit ihren Standarten in den Zug eingereiht und blieben auch unbehelligt. Aber kaum waren sie im Hyde Park angekommen, vergaßen sie an die„Einheitsfront", scharten flöh um ihre eigenen Redner und beschimpften die„Verräter". Sie wußten wohl kein« bessere Gelegenheit, um dem Gegner das traurige Schauspiel der Zerrissenheit des Proletariats zu gehen. Mer was bedeutet« jenes Seine Häuflern gegen di« ungeheure Mehrheit der Arbeiterschaft! Diese Kundgebung hat nicht nur ihren Zweck erfüllt, dem Gegner di« organisierte Kraft der Arbeiter vorzuführen. Sie hat die Arbeiter Englands ermutigt, ihren Kampf für Berbesse- rung der gegenwärtigen Arbeitsbedingungen und für das Endziel, die Schaffung einer sozialistischen Gemeinschaft, öfter als es bisher geschah auf die Straß« zu tragen. In den nächste» Wochen werden in allen Städten lleinere, aber nicht minder eindrucksvoll« Kunügebunam stattfinden. Nach der schwere« Wahlniederlage und dem Verrat MaeDonalds, Snowden- und Thoma-' war die Labour Party entmutigt, da- Versagen der Politik der letzten Arbeiterregierung batte e- notwendig gemacht,«inen neuen Weg zu suchen. Dieser scheint jetzt gefunden zu sein. Das englische Proletariat wird sich langsam dessen bewußt, daß nicht in Westminster seine Kraft liegt, daß sie dort nur ihren Ausdruck finden kann. All« demokratischen Möglichkeiten werden auszunützen sein, aber sie müssen unterstützt werden durch die organisierte Aktion der Massen, durch mehr kämpferischen Gei st in d«n Organisationen und stärkere- Hinausstellen des Endziele-. Diese Ansicht ringt sich immer stärker durch. Nur so wird es auch möglich sein, weitere Kreise der Jugend, hie noch immer beiseite sieht, zu gewinnen. « O. F. Wenn wir also selbst qnnehmen, daß di« diversen Militäratjachees in Wien von dem Schmuggel nichts gewußt haben, oder wenn sie davon wußten, chren Regierungen nicht berichtet haben, ist diese Logik einigermaßen sonderbar. Herr Svötlik hätte also wahrscheinlich garnichtS dabei gefunden, wenn die Wafsenschiebungen ungehindert vor sich gegangen wären; daß solche Dinge gemacht werden, ist nicht weiter beunruhigend, aber daß darüber gesprochen wird, ist peinlich! Herr Svötlik ist als guter Patriot natürlich sehr besorgt, daß nicht etwa die Friedens Verträge verletzt worden sind. Eine Gefährdung des Friedens scheint ihm weit weniger am Herzen zu liegen. Das ist eben eine Mentalität, der es nicht darauf ankommt, eventuell wieder die Waffen zu segnen. Das rst di« klerikale Mentalität! Wesentliche Annäherung im Slebeneraussdiuo. Prag, 21. Feber, lieber die heutige Sitzung deS Siebenerausschusses wird folgendes Kom- munihuee au-gegeben: ,,$« Siebenerau-schuß der Koalition-Parteien befaßt« sich heut« mit der Formulierung der Ergänzungen zu 8 15 des Gesetzentwürfe- über di« Zintsußregelung. Man kann annehmen, daß sich di« Standpunkt« der Parteien sehr wesentlich genähert hoben. Auf der bisher vereinbarten Grundlage wird der Siebencrausschuß di« Beratungen Mittwoch, den 22. ds. um 10 Uhr vormittags fortsetzen, wo wahrscheinlich auch di« Formulierung der übrigen im ganzen allerdings bereits unter- geordneten Ergänzungen zu einigen anderen Paragraphen erfolgen wird. Las wahre Bild der hArgerliche« Preffe. Der„Sozialdemokrat" hat sich vor einigen Tagen mit den Ausfällen de» Herr« Dr. Bill im„Prager Tagblatt" beschäftigt, der in einem Leitartikel bittere Klage darüber geführt hat, daß man den Bergarbeitern im Rossitz-Oslawancr Revier die ohnehin kärgliche» Löhne herabsetzen wolle und um der Sache die notwendige Würze zu geben, den sozialdemokratischen Vertreter>m BerwaltungSrat angriff, daß er für die Herabsetzung eingetrete» sei. DaS„Prager Tagblatt" mußte dann tags darauf feststelle», daß diese Verleumdung unrichtig sei. Dieses Vorgehe« ist gebührend angeprangert worden. Wenige Tage«ach dem Artikel Dr. BillS erschien nun im„Prager Tagblatt" ein„Wiener Finanzbrief" de- Herrn Natscheradetz, der so ziemlich daS Wüsteste an Hetze gegen die Arbeiterlöhne enthält, was man in der letzten Zeit gelesen hat. Der Wiener Finanzsachverständige deS„liberalen" und„fortschrittlichen" Blatte? reitet hier eine wüste Attacke gegen die gewerkschaftlichen Errungenschaften und schreibt u. a-: '„Das Gesetz von Angebot und Nachf age ist das einzige wirtschaftliche Grundgesetz, das im Wandel der Zeit immer seine Gültigkeit behalte« hat. Wa.rum soll nicht auch der Arbeitslohn zurückgehen, wenn 400.000 Arbeitslose unbeschäftigt sind? Die Arbeitslöhne sind e S, die eine Verbilligung des Lebensunterhaltes verhindern, Betriebseinschränkungen und Stillegungen heroufbcschwören und den Staat nötigen, die Steuersätze zu erhöhen, weil die Steuereingänge immer geringer werde». Der freie ArbeitSmarkt würde mit einem Schlage die Gestehungskosten der Landwirtschaft und Industrie herabdrücken, die Warenpreise senken, den Bundesbahnen neue Transporte zuführen und den Staat instandsetzen, einen Steuerabbau in die Wege zu leiten... Die Kollektivverträge haben neben-inem Heer darbender Arbeiter eine Arbeiteraristokratie geschaffen, die besser lebt als vor dem Kriege. Von den Gewerkschaften ist es kurzsichtig, diese» Zustand hartnäckig zu verteidigen, denn wenn die Arbeitslosen einmal in die Majorität kommen, werden sie sich selbst gegen di« beschäftigten Arbeiter wenden und den freien Arbeitsmarkt unter viel schwierigeren Opfern Herstellen." In diesem Tone geht eS dann weiter: die Gemeinde Wien wird beschimpft, weil sie ihren Angestellten viel zu üppige Löhne und Gehälter bezahle und sie, man staune, schon nach ZOjäbri- ger Dienstzeit in Pension gehen läßt, die Banken werden angegriffen, weil sie„allzu bereitwillig die Forderungen ihrer Angestellten bewilligen". Jede- Wort der Polemik gegen diese gehässigen Und'vrm keinerlei Sachkenntnis getrübteü Auslassungen ist überflüssig und man müßte bloß den Leitartikel des Herr« Dr. Bill neben da? Gewäsch deS Herrn Natscheradetz stellen, um sich ein Urteil über die Charakterfestigkeit deS bürgerlichen Blattes zu bilden. Er scheint, als ob die Redaktion des wirtschaftlichen Teiles ttts„Tag- blatteS" der politischen Redaktion zuweilen gestatte, sich mit sozialem Oel zu salben, um die Massen der Angestelltenleser nicht zu verlieren. Die Dusche auf solche soziale Aufwallungen folgt aber dann gewöhnlich auf dem Fuße, damit auch die reaktionären Unternehmerkreise auf ihre Rechnung kommen. Borne Beschimpfungen der Sozialdemokraten, weil sie einen Lohnabbau gegen hie bürgerliche Mehrheit nicht verhindern können, in der Mitte Beschimpfungen der Sozialdemokraten, weil sie sich gegen einen Abbau der Löhne wehren und ganz hinten Massageinserate: daS'st wahrlich mehr, als ein normaler Zeitungsleser verlangen kann. Wohl denen, die einen so guten Mage» haben, daß ihnen dabei nicht speiübel wird. verjagte Sendarmen. Pretznitz im Erzgebirge. 21. Feber. Zu einem bemerkenswerten Zwischenfall kam es dieser Tage im benachbarten Christofhammer, einer unter den Auswirkungen der Wirtschaftskrise besonders i» Mitleidenschaft gezogenen kleinen Gemeinde hart an der sächsischen Grenze. Einige Leute aus dem Orte hatten im Walde ohne Erlaubnis Hol; gesammelt und sollten deswegen wegen HolrfrevclS zur Verantwortung gezogen rxrden. Als zwei Gendarmen im Orte erschienen und die Verhaftung der Beschuldigten vornehmen wollten, nahmen zahlreiche Einwohner des Ortes Stellung gegen die Beamten und gingen schließlich gegen sie vor, so daß die Genoarmcn angesichts der drohenden Haltung der Leute zur Flucht gezwungen waren. Sie forderten Verstärkung an, und am folgenden Tag erschienetl mehr als ein Dutzend schwer bewaffneter Gendarmen in Chri- «stofhammer, woselbst sie die Verhastung der des Holzfrevcls Beschuldigten und ihre Einlieferung ins Bezirksgericht in Preßnist durchführtcn Auf di« Nachricht hievon versammelten stch etwa dreißig Personen in der Gemeinde und marschierten gemeinsam ebenfalls nach Preßnitz, woselbst ssi vor dem Bezirksgerichte für dre sofortige Frei- ?abe der Verhafteten demonstrierten; sie gaben iebci an, daß dre Festgenommenen nur aus Rot gehandelt hätten, weshalb ihre Verhaftung als überflüssige Herausforderung der darbender' Est- völkerung angesehen werden müßte. Da die Forderung auf Enthaftung abgelehnt wurde, kam c? zu erregten Szenen vor dem Gerichtsgcbäud d e zur Feststellung einzelner Teilnehmer an der Manifestation führten. 3k* 45- Mittwoch, 22. Fever 1983. Seit» 5 demonstrieren wir am W Internationalen Frauentag.-WL 12. März 1933. »üran«ne ZüMilMltell. Var»err uodina den land willen erzählt Der von der Brünner deutschen Universität Zum Doktor gemachte Landbündler H o d i n a gilt im allgemeinen als em ernst zu nehmender Politiker. Laut Bericht der„Deutschen Landpost" vom 9. Feber d. I. sprach er nun jüngst in Sternberg vor einer Versammlung offenbar fahr unzufriedener Landwirte über das Themar„Tie erschlagene Wirtschaft als Folge des Verrates an der Landwirtschaft." Wie schon dieses Schlagwort ahnen läßt, Hat Herr Dr. Hoöina die Schuld an der LandwirtschastÄrise respektive der mangelnden Hilfe den— s o zi a l i st i s ch« n Parteien zugeschoben! Es stünden im Parlament lediglich 56 landwirtschaftlich« Stimmen gegen 92 und mehr streng geschloffene sozialistisch« Stimmen. Alle Mahnungen seien ungehört verhallt. Seit 1925 habe man aus Kosten der Landwirtschaft gelebt. Ihr Kampf um ihr« Existenz- notwendigkeiten sei bisher erfolglos gehlieben. In diesem lieblichen Sinne geht eS weiter- AuS dem umfangreichen Bericht der„D. L." ist nicht zu ersehen, ob Herr Dr. Hodina die wirklichen Ursachen der Landwirtfchaftskrise lllebcrprodukticn. Mmd««verbrauch, gedroffeltr Kaufkraft, planlo>'« Wirtschaft) hervorgehoben hat oder nicht. Er hat augenscheinlich auch nicht die Aeußerur^ des SektronSchefs Meisner von der deutschen Sektion deS Landeskulturrates in Böhwen erwähnt, daß die vom Parlament be- schloffenen Agrargesetze(gleitender Zoll usw.) sich Zugunsten der Landwirtschaft au?» w i r k t e n. Und diel« Gesetze sind von den S o- Zialisten mitbeschlossen worden! Herr Dr. Hodina hat in feinem Eifer, alle» grau in mau zu malen und die anderen Parteien als Sündenböcke hinzustellen, auch kaum erwähnt daß ohne diele bewußt« Mitarbeit der 2 o z i a I i st« n die Preffe der landwirtschaftlichen Artikel viel tiefer stehen würden. Ist«ine solche Kampfesweise seriös? Und ist es seriös, wenn er zur L ander be i t« rf rage sagt, sie wache gelöst nach Errichtung-von Kinos und Ta wzd i e l« n bei kurzer Arbeitszeit und hoher Bezahlung? Das ist doch der blankste Hohn gegenüber den landwirtschaftlichen Arbeitern, di« der„Bund der Landwirte" stets gern Mr agrarischen„Dors- yemeiyschaft" gerechnet haben möchte. Di« antisoziale. Einstellung dir Landbündler bestätigte Herr Tr. Hodina auch damit, daß er als Weg Zum Aufstieg die Einführung der Arbeitspflicht vorschlägt und verlangt, es sei Schluß zu machen mit den Millio» Nenbeitrqgen für Arbeitslosen- u n t« r st ü tz u n g! Ist«in solches Verlangen angesichts der 850.000 Arbeitslosen in der Republik seriös? Bon der Arbeitspflicht der Subventionen schluckenden Agrarier spricht Herr Dr. Ho- dina natürlich kein Wort. Der agrarische Herr Doktor sprach u. a. auch von den druckenden Hypothekarlasten, wobei«r offenbar di« Tatsache übersah, daßes der sozialdemokratisch« Justizminister Dr. Meiß- n e r war, der den E x e k u t i o n s s ch u tz der Landwirtschaft durchsetzt« und ein einjährige« Moratorium für dieselbe verlangte. Vom Aächterschutzgesetz, das Dr. Meißner vorbereitete, gar nicht zu reden. Gegenüber den Staatsbeamten sagte Herr Dr. Hodina geschmackvoll. es dürfe nicht mehr der Ruf gelten: -Hier sind wir, futter« uns."_Wenn Herr Dr. Hodina im Eifer des Gefechtes sich den Ausspruch leistete, die Großvermögcnden müßten, wtveit ihr Besitz nicht auf ehrliche Weil« erworben ist, einem Enteignungsgesetz unterliegen. so ist das wohl nur eine— Entgleisung. Wie seriös auch sonst Herr Dr. Hodina ist, Zeigt auch die im Vorjahre von ihm gehalten« Parlamentsrede, in der er die tatsächlich vorhan- b«ne„Preisschere" zwischen den Berkaufs- vreiscn industrieller und landwirtschaftlicher Pro- bukic in übertriebener Art schilderte. Während die Einnahmen de» Landwirtes nur um das Drei- bis Sechsfach« gestiegen ieien, wunden angeblich di« Ausgaben um das Neun- bis äwanzigfachc erhöht. Der Herr agrarisch« Doktor führt« dabei an. daß der Loh» des Mau- ^«rs um das Fünfzehnfach« von 3 aus 45 K gestiegen s«r. Dabei gibt» nirgends am Lande 'inen derartigen Lohn, nur in Prag! Ein Hemd so doziert« Herr Dr. Hodina, früher 5 K gekostet, zctzt 60 K, also das Zwölsfache. Wie biele Landwirte tragen heute Henrden, die 60 K kosten? Ein guter Stoff habe nach Dr. Ho- bina früher 10 K gekostet, jetzt 200 K. Sapper- wtt. sind aber die notleidenden Agrarier noch im- Wer nobel! Um 200 K bekommt man hrutigen- ^g» schon einen ganzen Anzug. Immer wieder ist angesicht» einer derartigen "agik di« Frage dm Platz«: ist eine der« Hrtigx Kampsmcthode seriös? Der tUwesene Offizier Dr. Hodina mag sich dreie tzrage im stillen Kämmerlein selbst beantworten. Die Waffen gehen zurück! Italien notifiziert in London sein Einverständnis— London mit Beibringung der Ansfuhrzertifikate zufrieden. Loudon, 21. Feber. Im Unterhaus richtet« Laudsbury an di« Regierung die Anfrage, ob di« Hirtenberger Waffrnangelegenheit geregelt sei. Der Staatssekretär des Auswärtigen beantwortet« di« Frage selbst. Er erklärte: Der italienisch« Botschafter hat mich gestern in dieser Sach« ausgesucht. Er teilt« mit, daß di« italienisch« Regierung bereit sei, die zur Wiederinstandsetzung nach Oesterreich geschickten Waffen wieder zurückzunehmen, sobald die Waffen auftragsgemäß instanogesetzt seien. Der Botschafter teilte mir weuerhin mit, daß ein Teil der Waffen sogar schon wieder nach Italien geschickt wurde. Wie verlautet» wird zu gegebener Zeit über die Zurücksendung des noch in Hrrtenberg verbliebenen Teiles ein Beleg in Gestalt von Ausfuhrbescheinigungen der österreichischen Zollbehörde vorgelegt werden. Angesichts dieser Tatsachen glaubt di« englische Regierung, sich der Hoffnung hingeben zu können, daß der Fall durch die allgemein« Annahme dieses Vorschlages als geregelt gelten könne: zusammrngetreten, um den Stand der Hirten-! berger Angelegenheit zu überprüfen. Gegen-' wist. Die dürfte aber auch die letzte Tat seiner Regierung sein. ilanenfsme nuitariiiigzeiige t nadi Ungarn Bor einem neuen französischen Protest. „„...„ Paris, 21. Feber. Wie„Echo de Paris" er- wärtig sind in Oesterreich Bemühungen im! fährt, sammelt das französische Ministerium des Gang«, die von der deutschen Regierung offen-i Aenßern soeben die letzten Informationen über bar unterstützt werden und darauf hinaus-/den Fall der Lieferung italienischer Militärlaufen,«ine starke Regierung der na tio-flug zeuge nach Ungarn und beabsichtigt, mit nalrn Konzentration durchzusetzen. Der den Kabinetten der Kleinen Entente in Rom und bekannte Putschist P a b st ist gegenwärtig in Budapest eine gemeinsame Aktion zu unterneh- Wien. Er ist der Bertrauensmanü des Stahl-\ men. Einehochstehende Persönlichkeit des frau- helmS und hat eben erst mit Hugenberg" verhandelt und ofenbar von ihm Direktiven be kommen, nach welche««in« Konzentrations regierung in Oesterreich unterstützt werden soll. Di« heut« verbreiteten Meldnuge«, daß Dollfuß das Ultimatum der Ententestaaten abgelehnt habe, find unrichtig. Es scheint viel mehr, daß Dollfuß klein beigeben und die Waffen nach Italien zurücksenden j zösrschen Ministerium» des Äeußern bestätigt« di« Richtigkeit der Information betreffend di« Lieferung dieser Flugzeuge. Das Blatt fügt hinzu, daß die österreichische Regierung diesmal keine Sch u ld treffe. Oesterreich hat im Gegenteil in Rom dagegen protestiert, daß über sein Gebiet fremde Flugzeuge geflogen sind: e» wurde ihm aber die Antwort erteilt, daß sich die!« Flug- ‘ zeuge verirrt hätten.„Sie haben aber," schließt das Blatt,„niemals den Rückweg gefunden." „ftlaironale Konzentration“, audi in Oesterrcidf? Wien, 21. Feber.(Eigenbericht.) Heut« abends ist im Parlament der Hauptausschuß Baden wehrt sich gegen~ Zeltnngsverhofc. Karlsruhe, 21. Feber. Wi« da» Eonti- Burean erfährt, hat der R e i ch s m i n i ft e r des Innern an das badisch« Ministerium des Innern daS Ersuchen gerichtet, die in Karlsruhe erscheinende Zeitung„Badischer B«ob»I achtes wegen eines in der Nummer 17 dieses Blatte» vom 16. Feber erschienene» Artikels über di« Stuttgarter Rundfunkrede d«S Reichskanzlers Hitler auf di« Dauer von acht Tage« zu verbiete». Da» badische Juneumini- sterium hat dem Ersuch«» nicht entsprochen und di« Entscheidung des Reichsgerichtes an- gerusen. Die Ansllcfcroiigsdebattc eröffnet Abstimmung erst Donnerstag. Prag, 21. Feber. Heute nachmittags wurde im Parlament, nachdem zuvor eine Reihe anderer Immunitätsfälle erledigt worden war, daS AuS- lieferungsbegehrrn gegen di« vier nationalsozialistischen Abgeordneten Krebs, Schubert, Inna und Kasper in Verhandlung gezogen. Heute sprachen nach dem Referenten Je-.ek nur «och Krebs, der sich entgegen den Ankündigungen in der Press« mit einer nur zweistündigen Verteidigungsrede begnügte, ferne, der Deutschnationale Dr. Schollich und der ungarische Christlichsoziale Dr. S z 8 l l ö. Di« Debatte, zu der noch zahlreiche Redner vorgemerkt sind, wird Donnerstag um 10 Uhr vormittags weitrrgchen und voraussichtlich noch am selben Tag abgcsHlossen werden. Als JeLek zu Wort kam,. wi«S das Haus einen starken Besuch auf; auch die Galerien charen gut besetzt. JeLek wurde von den Nationalsozialisten und einigen Deutschnationalen, darunter auch Tr. Hassold, der offenbar schon wieder seinen Frieden mit den Nazis geschloffen hat, mit großem Lärm empfangen, der sich einige male wiederholte. JeLek hielt sich an den bereits von uns veröffentlichten Bericht des JmmunitätsausschuffeS und erklärte, aus dem Material des Volkssportprozesses sowie aus weiteren Zeugenverhören und Untersuchungen gehe der ernste Verdacht hervor, daß hie genannten Abgeordneten sich gegen daS Dchutzgesetz vergangen hätten. Es handle sich um ein so ernstes Delikt, daß jeder Abgeordnete, der dessen ernstlich verdächtig sei, zur gerichtlichen Verfolgung auSgeliefcrl werden müsse, damit vor Gericht sichcrgestellt werde, ob die Beschuldigung unwahr oder wahr sei. Krebs war LandeS- führer von Böhmen, der verurteilte Illing sein Stellvertreter. Schubert sei Landesführer von Mähren gewesen u»rd- sogar Reichsleiter des Volkssport. Jung war Vorsitzender deS Aeltc- stenrares für den Iugendvcrband, dessen Landesvorsitzender Donnhäuser verurteilr wurde. Wenn untergeordnete Funktionärs verurteilt wurden, so entstehe der ernste Verdacht, daß sich die' beschuldigten Abgeordneten, die die höchsten Funktionen bekleideten, mindestens in gleicher Weise gegen das Schutzgesetz vergangen hätten. Man könne bei so ernsten Delikten keinen Unterschied zwischen Parlamentariern und Nichtparlamentariern machen. Gegen Kasper richte sich wieder der von einem gewissen Rebitzer bestätigte Verdacht, eine militärische Uebung am Milleichauer geleitet zu haben. Es sei nicht Sache des Ausschusses, diese Zeugenaussage kritisch zu werten, tws sei Sache des ordentlichen Gerichtes. Der AltSschuß empfiehlt deshalb die Auslieferung. Bevor dann Krebs zu Worte kam, gab es vor der Ministcrbank einen Zusammenstoß zwischen Knirsch und dem tschechischen Genossen P i k. Dann wurden die Kommunisten laut und verhinderten Krebs durch allerhand Zurufe wie „Mörder des deutschen Proletariats" und ähnliches eine Zeitlang am Sprechen. Als Krebs sich dann endlich verständlich machen konnte, wiederholte er im wesentlichen seine Ausführungen aus dem Ausschuß. So bemängelte er vor allem, daß das Auslieferungsbegehren nicht konkretisiert worden sei, und erklärt«, daß im Volkssport-Prozeß bei niemandem die Ansicht gewaltsamer Anschläge gegen die Republik nachgewiesen worden sei. Eint Stelle des Urteils laut« direkt für ihn günstig, die anderen Abgeordneten seien kaum einmal in der Urteilsbegründung erwähnt. Er kritisierte ferner die Ablehnung aller von der Verteidigung geführten Zeugen und stellte das Gutachten der militärischen Sachverständigen als Kernpunkt des Prozesses hin. Einen großen Teil seiner Ausführungen widmete er dann einer Polemik gegen den Justizminister und einer Darstellung der Kampagne eines Teils der tschechischen Presse, die sich als Resultat der Furcht vor St?i- brny ergebe. Zum Schluß bequemte er sich doch zu der Feststellung, sie würden die Verantwortung tragen und den Prozeß führen,„um die chauvinistische Hetze zu entlarven". Nach den Reden Schollichs und Szüllös wurde die Debatte auf Donnerstag 10 Uhr vertagt. gntmtiMlt MleOMMMe am 25.»»d 25 Feber in Grotzhammer. Bisher gemeldete aktive Teilnehmer: 162 Wettkämpfer, 35 Springer, 21 Mannschaften aus den Verbänden: Oesterreich, Deutschland, DTJ., Atus und Arbeiter- Touristen. Neue Meldungen find umgehend an den AtuS in Aussig, Quartirrauforderungen an Gen. Kynöl, Arbeiterkonsum- vercin, Grotzhammrr, zu richten. Zum Brest-LHowsker Prozeß. DaS Bureau der Sozialistisch«» Arbeiter-Internationale hat in seiner Züricher Tagung am 18. und IS. Feber folgend« Entschließung gefaßt: Herr Pil^udski hat nun den zweiten Akt der Prozcßkomodie gegen die Opfer der Mißhandlungen, die er in der Festung Brest-Litowsk gegen Wehrlose verüben ließ, durchführen lassen. Der Prozeß vor der zweiten Instanz war kürzer als der vor der ersten, aber mindestens ebenso aufschlußreich. Man hat ihn vorbereitet, indem man alle Richter, bei denen die Gefahr bestand, daß sie sich durch ihr Gewiffen leiten laffen könnten, davonaejagt hat, indem man den Gerichtshof vollständig mit Kreaturen PilsuÜski^ besetzt hat. Dieser Gerichtshof hat getagt, aber vor leeren Bänken, denn di« Angeklagten und die Verteidiger haben es unter ihrer Würd« gehalten, die Komödie mitzumachen, sie sind den Verhandlungen ferngcblieben. DaS Gericht bat di« jahrelangen Kerkerstrafen selbstverständlich bestätigt und«in Uebriges getan, indem«S über die Angeklagten„Ehrverlust" von drei bis zu fünf Jahren verhängte.. Die Sozialistisch« Arbeiter-International« grüßt Genossen Hermann Liebermann und die anderen Opfer des Brest-Litowsker Prozesses.. Mögen Psssudiki-und dw ehrlosen Richter,'die sich' i'ch.scinW Dsenft..stelkest, welche .Strafen immer verkünden, für die Arbeiter der ganzen Welt bleiben di« Verurteilten die wahren Träger und Verfechter der Ehre des polnischen Volkes, di« [ Kämpfer für die Wiederherstellung von Recht und Gesetz in ihrem Lande. Gefesselte rrefher. Reu« Zeitungsderbote. Koblenz 21. Feber. Der Oberpräsident der Rheinprovinz hat di« rheinische KPD-Press«, und zwar das„Uuhrtcho" in Essen, die„Freiheit" in Düsseldorf und die„Sozialistische Republik" in Köln bis zum 28. Feber verboten. Ein Toter nadi einer Brttntng-Versaminlung. Kaiserslautern(Bayern), 21. Feber. Nach den Wahlversammlungen des Zentrums und d«r Bayrischen Volkspartei, in, denen Reichskanzler a. D. Dr. Brüning fle'""-*en hatt«, kam«S gestern abends in Kaiserslautern zu blutigen Zusammenstößen«vreben Nationalsozialisten und den als Saalschutz tätigen Mitgliedern des Pfalzivacht. Bei diesen Zusammew'toßen wurden nach den bisherigen amtlichen Feststellungen ein Mitglied der Pfalzwacht durch einen Kopfschuß getötet, ein anderes durchcinen Bauchschuß schwer verletzt. 19 weitere Mitglieder der Pfalzwacht haben leichtere Verletzungen davongetragen. „Mördersturm 24." Sechzehn- bis Neunzehnjährige in der Mördergard«. Nürnberg, 20. Feber.(Eig. Drahtb.) In Weißenburg hat der Führer der Hitlerjugerck sei» Notizbuch mit den Dienstaufzeichnungen verloren. Neben dem Namensverzeichnis der Mitglieder dieses Jugendsturmes befindet sich in dem Buch ein« besondere Rubrik mit dem Titel:„Mörder sturm 21". Darunter folgen die Namen von acht diesem Sturm angehörenden s e ch z e h n- biS neunzehnjährigen Burschen. Vielleicht erklärt sich aus dieser Tatsache, daß der Bürgermeister uns Landtagsabgeordncte Kasten-Staßfurt von einem siebzehnjährigen Gymnasiasten erschossen wurde. In Mittelfranken sind in der ketztcir Zeit feige Ueberfälle auf Arbeiter und Republikaner sowie viel« B r a n d st i s t u n g e n an der Tagesordnung. Abends werden Einzelgänger provoziert und dann mit Ketten und Schlagringen mißhandel: und verletzt. Me^st sind die Ttäcr Angehörige der Hitlerjugend, t'e sich bei jeder Gelegenheit brüstet:„Uniform und Browning sind in Ordnung!" Seit«« Mittwoch, SS. g«« 1883. Nr. 48. 200 T-drsopfer einer Explosion. Girre Shanghaier Summlfabrtt mit de« Arbeiter« t« die L«ft geflogen. Shanghai, 21. Feber. Ein« Gummifabrik ist hier in di« Luft geflogen. Bisher wurde« 80 Leichen geborgen,-70 schwer Verletzt« wurde« in Krankenhäuser gebracht. Mau befürchtet, daß di« Gesamtzahl der Tote« sich ans 200 erhöhe« wird. Rach der ersten Explosion, di« beim vulkanisieren entstand, war ein furchtbarer Brand entstanden, i« de« 160 Arbeiter hineiugeschleudert wurden, di« in einem Raum« arbeitete«, dessen Decke und Wände infolge einer zweiten Explosion in di« Lust flogen. Der Anblick der Unglücksstätte ist schrecklich. Verkohlt« Leiche« liege«««ter den Trümmer« der Gebäude. oiiiinuliluiiiiiniiniiiiiiiiiiiuniiiiiiiiiiiniiiinfiiinniiiiiiiiiiiniiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiuniiiiiiiiiiiiniiiiiiinriiiiniiiniinitiiiiiiiiniiiuiiniiiiiiiiniiinnjniiiinniiniiniiimnnninininiinininniniiuiiiniiniinn) Ta&esneuigkeiten Seserruord der B.-Kaumltz. Der TSter verhaftet und geständig. Tetschen, 21. Feber. Wie bereits früher gemeldet, wurde in der Näh« von B^Kamnitz der Heger Fiedler ermordet aufgesunden. Di« Gendarmerie verhaftet« insgesamt vier Personen und lieferte sie in di« Haft des KreiSgerrchteS B^-Leipa ein. Nunmehr hat dort der Arbeiter Emil Austen gestanden, den Mord mit einem Gewehr verübt zu haben. Di« Untersuchung wird fortgesetzt. Totschlag unter Arbeitern. In der Nacht auf Montag fand in Kurzweil bei Zd« schau(Mahren) em Maskenkränzchen patt. Bereits während der Tanzunterhaltung kam es zwischen streitenden und arbeitenden Bergleuten zu Auseinandersetzungen, die auf dem Heimweg fortgesetzt wurden. Eine Gruppe von sechs arbeitenden Bergleuten, in der sich auch «er zweiunddreitzigjahrige Bergmann Josef 8 e f 8 i k befand, wurde von ungefähr 11 Streikenden mit Holzlatten verfolgt. Währen- die andern fünf entkamen, wurde 8eföik von den Verfolgern eingeholt, niedergestoßen und mit Stöcken und Holzlatten geschlagen und dann schwer verletzt liegen gelassen, gefeit schleppte sich noch ein Stückchen weiter, brach dann aber bewußtlos zusammen und wurde erst in der früh von einem Arbeiter halb erfroren aufge- funden. Er wurde ins Eibenschitzer Spital gebracht, wo er bald nach seiner Einlieferung starb. Di« Nachforschungen nach den Tätern waren sehr schwierig, weil die Ueberfallenen keinen Angreifer erkannt hatten. Die Gendarmerie verhaftet« ungefähr 40 Personen. Schließlich gelang es, 11 Personen der Tat zu überführen. Sechs davon haben sich unmittelbar an dem lleberfall beteiligt und Keföik geschlagen. Die elf Personen wurden dem Brünner Kreisstrafgericht «ingeliefert. Ter Varagrasth 144. Weipert, 21. Feber. Mitte der vergangenen Woche wurde ins Weiperter Krankenhaus ein etwa 20 Jahre altes Mädchen, die Tochter eines Stickereierzeugers in Weipert, eingeliefert, weil sich bei ihr schwere Folgen eines verbotenen Eingriffes eingestellt hatten. Es gelang nicht, das Leben des Mädchens zu retten: am Sonnabend um 8 Uhr morgens starb die Unglückliche. Der Tod des Mädchens ist durch die Hintergründe des Dramas besonders tragisch; es hatte einen jungen Mann zum Freunde, der es zu ehelichen gedachte. Da sich der baldigen Verbindung der zwei jungen Leute Schwierigkeiten in den Weg stellten, wandten sie sich durch Vermittlung einer dritten Person an eine Hebamme, die dann den Eingriff unternahm. Die Gendarmerie nahm.wegen erwiesener Mitschuld den Bräutigam des Mädchens, seinen Freund, der die Rolle des Vermittlers gespielt hatte, und die Hebamme fest und lieferte sie dem Gerichte ein. Füns?odesop'er e nes Flugzeugabsturzes Loudon, 21. Feber. Wie aus Northbah(Ontario) gemeldet wird, kamen dort bei einem Flugzeugabsturz fünf Personen ums Leben. Seemannslov im Sturm. Paris, 21. Feber. Nach einer Meldung des Journal" auS Madrid sind an der spanischen Westküste währeiid der letzten Stürme ein in Bilbao beheimateter 400-Tonnen-Dampser mit der gesamten 11 Mann starken Besatzung und eine Motorbarkasfe mit zwei Ma n n Besatzung gesunken. Das Blatt meldet weiter heftige Schneestürme in ganz Spanien, durch di« verschiedene Züge eingeschneit worden sind. Belgrad, 21. Feber.(AR.) Einer Meldung des Blattes ,^Futarni list" zufolge ist der 750- Tonnen-Segler»Heil i g e r Nikolaus" in der Näh« der Insel Malta gestrandet. Die Marinebehörden hatten seit 40 Tagen kein« Nachricht von dem Segler erhalten. Die„Naffeu" drSrrgeu! Washington, 21, Feber(Reuter). Um den Versuch der„Trockenen", für lange Jahr« di« Aufhebung der Prohibition durch Vertagung der Einberufung der Konvente auf unbestimmte Zeit Und die dadurch unmöglich gewordene Ratifizierung des Gesetzes über die Beseitigung der Prohibition in den Bereinigten Staaten zu verhindern, haben die„nassen" Mitglieder des Repräsentantenhauses diesem einen Gesetzentwur unterbreitet, der besagt, daß di« Konvente aller 48 Staaten der Bereinigten Staaten sofort einzuberufen seien. „HSude hoch. Seid heraus!" Berlin, 21. Feber. Als heute vormittags Beamte einer Sparkassenfiliale in Steglitz mit dem Auspacken von Geld beschäftigt waren, das kurz zrwor von einem Geldtransportwagen gebracht worden war, drang ein 19- jähriger Friseur in den Raum, zog eine Pistole und rief den Beamten zu:„Hände hoch, Geld heraus!" Die Beamten verhielten sich zunächst ruhig. Als der Eindringling dann an den Kassentisch trat, sprang ihn der Kafleninspektor von hinten an, schlug ihm die Pistole aus der Hand und überwältigte ihn mit Hilf« der anderen Beamten. Der Räuber wurde- er Polizei übergeben. Schreckliche Erzieher. Die Breslauer „Schlesische Zeitung" berichtet, daß bei Groß- Wartenberg Wintermanöver der Reichswehr stattgefunden haben, aus welchem Anlaß die Schüler frei bekamen und ein in der Nähe befindliches Obergymnasium seinen Schülern gleichfalls in„dankenswerter Weise" den Tag frei gab, damit diese sich im Manövergelände einfinden können. Mit Befriedigung wird also festgestellt, daß man wieder in derselben Weise, wie vor dem Krieg und mit den gleichen Mitteln, vermehrt um daS der Heuchelei, in Deutschland heute Jugenderziehung treibt. Aber es wäre verfehlt, nur Deutschland diese Art von Erziehung zum Borwurf zu machen. Die Beziehungen des Haffes sind international wie das Geschäft der Rüstungsindustrie. So locken und laden in Prag Plakate ein zum Besuch des Bortrags„Co soudi nSmci o naSi armädg? Jsme k obrane pfipraveni?(Wie urteile« die Deutschen über unsere Armee? Sind wir zur Abwehr vorbereitet?), welcher Vortrag kommenden Sonntag im„Bio Kotva" abgebal'en wird und als deffen Veranstalter die tschechoslowakische Schützengemeinde zeichnet. Auch in diesem Fall arbeiten zwei einander ebenbürtig« Partner in dankenswerter Weis« zusammen. Ueberall in der Welt gibt es wieder die Figuren jenes Lehrers Kantorek, der zur Begeisterung anfacht, aber sich selbst von den Auswirkungen des Enthusiasmus fernzuhalten verseht. Jetzt freilich in Friedenszeiten, da sich die ganze Sache romantisch anläßt, da dem Kraftwort die Tat nicht auf dem Fuß folgt/ !änn man leicht Schüler ins Manoveraelände und Menscben zu einem militärischen Bortraa bringen. Ueber die Verantwortung, welche man d« auf sich nimmt, braucht man niemandem Rechenschaft geben und vor seinem eige-. nen Gewissen, sofern tnan überhaupt eines bat, zwingt man sich nicht, Rede zu stehen. Es genügt, daß man der Behörde, die solchem Treiben Tür und Tor öffnet und liebevolle Fürsorge angedeihen läßt, imponiert und sich für allfällige Auszeichnungen in Vorschlag bringt. Daß dabei Jugend und Erwachsene menschlich und seelisch zu Grunde gehen, kümmert nur Schwärmer. Die Idealisten vom nationalen Lager beeindruckt das nicht im mindesten, denn sie wissen, daß ihre Erziehungsmethoden, im Frieden bereits geübt, sie im Krieg für die gleiche Aufgabe geeignet erscheinen lassen, so daß sie kaum in die Lage kommen werden, den Gefahren auf dem Felde der Ehre mit dem Einsatz ihres eigenen Lebens trotzen ru muffen. Sie zahlen schon heute zum Stand der Unentbehrlichen, der Drückeberger, aber nicht jener aus Schlauheit, sondern zum Kadre der Drückeberger aus Feigheit. Denn zur Schlauheit gehört immerhin der Mut eines nicht ganz risikolofen Wiffens um die Dinge, während im Falle der vormilitärischen Jugenderziehung nur die Fähigkeit gefordert wird, geschickt mit dem Strom schwimmen zu können und sich von den Wogen tragen zu lassen, die man selber durch das kräftige Treten des nationalen Blasebalgs erzeugt. Heute wird diese Tätigkeit wieder mit dem Ausdruck des Dankes quittiert. Aber es soll niemand glauben, daß die Gefühle der Dankbarkeit dieser Art von Tätigkeit gegenüber beständig sein werden. Im Augenblick, da die heute in dankenswerter Weise geübte Propaganda ihre Er gebnffse zeitigen wird, werden die Eltern und Erwachsenen, die ihre Kinder und sich selbst derartigen Erziehern ausgeliefert haben, zu einer furchtbaren, aber leider zu späten Erkenntnis der Sachlage kommen, in der ihnen als einziger Trost die Hoffnung verbleiben dürfte, daß durch die fortschreitende Entwicklung der KrieaStechnik auch jene„Unentbehrlichen" des Hinterlandes erfaßt werden, in deren Köpfen vielleicht heute sogar ein Krieg als Lösung des Arbeitslosenproblems erscheint. LS bleibt vorläufig kalt. Während des Montag hat sich vorübergehend der Einfluß einer tiefen Druckstörung über dem Mittelmeer geltend gemacht. In den Sudetenländern ist wieder Schnee gefallen. In Südböhmen und Südmähren hat sich di« Schneedecke um 5 bis 20 Ztm. erhöht. Der Einfluß deS südlichen Tiefdruckgebietes wird nunmehr wahrscheinlich der Einwirkung einer neuen Depression Platz machen, welche sich von der Nordsee her nähert. Zwischen beiden Strömun- Sen wird sich das Wetter nur vorübergehend essern, wobei sich die Fröste verstärken dürfte». Die Temperaturen in Prag betrugen gestern: Um 8 Uhr minus 4.9, das Minimum der letzten Nacht minus 5.3 Grad. Wahrscheinliches Wetter heute: Westhälft« der Republik: Nach vorübergehender Besserung mit starkem Frost erneute Bewölkungszunahme, später etwa- wärmer und strichweise Schauer. Ostteil der Republik: Vorübergehende Besserung, Frostzunahme, abflauender Wind. StaatSgefährlicher Steckbrief. Vieles, was di« Sicherheitsbehörden unternehmen, wird ewig unerklärlich bleiben. In Prag wurde aus Rcklamegründen der Titel deS Filmes„Gehetzte Menschen" in„Steckbrief Z 48" umgeändert, wohl hauptsächlich deshalb, damit die tschechische Version schon äußerlich den Anschein der Selb- ftändigkeit taxfrei verliehen erhalte. Was nun den Argusaugen der guten Alterchen in unserem Zensurbeirat entgangen ist, das hat die Prager Polizeidirektion gleich nach der Pressevorführünq im Handumdrehen herausbekommen: der Steckbrief als Grund für Menschenhetze darf nicht geduldet werden. Wen» schon an ein Verbot des von der Zensur bewilligten Films nicht gedacht werden konnte, so konnte dem intervenierenden Polizeioffizier nicht entgehen, daß die metergroße Reklame in den belebten Prager Zen- trumsstraßen geeignet sein mußte, di- öffentliche Sicherheit und Ruhe empfindlich zu stören. Ein Steckbrief hebt den Mörder und sein Kind bis zur Verzweiflung: darf darauf schon in den Lichtreklamen hingewielen werden? Da kann kein Polizeiherz ruhig bleib:»: der Steckbrief ist und bleibt ein humanes Mittel der Sicherheit, die Polizei ebenso und da man bekanntlich in den heutigen ruhigen Zeiten der allgemeinen Zufriedenheit Arbeitsloser und solcher die es werden müffen, keine anderen Sorgen hat. wurde augenblicklich der Bürokratenrappe in Trab verseht. das Verfahren eingeleitet und mit weisem Bescheid den Herrn Kinobefitzern und Verleihern die öffentliche Benützung des Titel„Steckbrief Z 48" untersagt. Die Kautschukbestimmun- gen; der bürgerlichen Verwaltungsresorm und des Prügelvatents sind sehr anpassungsfähig. Und so wurde die Hauptstadt des d'mokratiichen Staats wieder einmal in Ruhe verhetzt und der Polizeidirektion Gelegenheit geboten, ihre Bereitschaft zum Schutz helliger Güter schlagend zu beweisen. Bei einem Straßenbahnunfall in London wurden 18 Personen verletzt,, darunter vier schwer. Arbeitslosigkeit und Siedlung. Die Deutsche Hauptstelle für Wohnunas- und Siedlunasfürsorge in der Tschechoslowakisch«» Republik. Prag IV, Na Valech 288. hat bereits im Dezember letzten Jahres dem Fürsorgeministerium einen Entwurf für Richtlinien zur Errichtung von Erwerbslosen-(Kurzarbeiter-)Siedlungen vorgelegt und insbesondere in der Ftzage der Geldbeschaffung Vorschläge unterbreitet, die zur Zeit noch behandelt werden. Da in diesem Zusammenhang« die Kenntnis der gegenwärtig in Ausführung begriffenen oder geplanten SiedlungSbaü- ten für die Träger der betreffenden Aktion von Nutzen sein kann, ersucht die Hauptstelle die in Frage kommenden Gemeinden und Baugenossenschaften um Bekanntgabe ihrer laufenden oder' geplanten Siedlungsbauten und stellt sich zugleich durch ihre Beratungsstelle(Rechtsabteilung in Prag IV. Na Valech 288 technische Abteilung in Prag II, Rieqrovo nübr. 18/3). für die Behandlung aller einschlägigen Fragen, einschließlich Verfassung subventionsfähiger Pläne, Geluchsb^irbeitungen Borsprachen bei den Behörden u. dgl. zur Verhütung unliebsamer Erfahrungen in gemeinnütziger Weise zur Verfügung. Sechs Frauen verbrannt. In der_ Nahe von Kairo wurde ein Araberdorf eingeäschert. Sechs Frauen kameU in den Flammen um. Der falsche Franz. In Kassel- Bettenhausen erschien in einem Kolonialwarengeschäft ein etwa 30iähriqer Polizeibeamter und gab an, daß er im Anschluß an eine in Bettenhausen erfolgte Festnahme eines Falschmünzers mit der Nachprüfung des Kaffenbestandes des Kolonialwarenhändlers beauftragt sei. Arglos zeigt« der Kaufmann dem uniformierten Gesetzeshüter die etwa 200 Mark Silbergeld enthaltende Kasse. Der Beamte erllärte, daß er das Geld mitnehmen und der Reichsbank zur Prüfung vorlegen müsse. Der Kaufmann war dam-t einverstanden— erhielt er doch eine„amtliche" Quittung zum Ausgleich unterschrieben mit dem Namenszug„Polizeiwachtmeister Franz". Aber er sah zu seinem Bedauern weder sein Geld wieder, noch den tüchtigen Franz, der trotz seiner schmucken Uniform alles andere als ein Polizeiwachtmeister ist. Pariser Fremdeustatistik. I« Paris gibt eS nach der neuesten Statistik 23.000 Hotels mit etwa 700.000 Zimmern. Frellich stehen die meisten der Zimmer leer. Die Zeiten, in denen amerikanische Filmstars ganze Stockwerke mieteten, sind vorbei, und die vielen tausend'ausländischen Arbeiter, die vor Beginn der Krise in den Keinen dunllen Hotels der Vorstädte hausten, sind seit langem nicht mehr im Land. Fast 100.000 Fremde sind innerhalb der letzten zehn Jahre polizeilich ausgewiesen worden. Auch da-»och! In Luckenwalde (Brandenburg) wurde der Dachstuhl der Metallwarenfabrik Julius und Albert Hirsch in der Nacht züm Dienstag durch Feuer zum größten Teil zerstört.' Etwa 100 Arbeiter und Arbeiterinnen sind durch den Brand erwerbslos geworden. Einkommensteuer von Ruhe- und Versorgung-- genügen. Auf Grund der dem A l l.g«meine« Angestellten-Berband Reichen berg zu- gehenden zahlreichen Anfragen wacht- der, genannt« Verband darauf aufmerksam, daß Rühe-.'und Ber- sorgungsgenüsse aus den öffentlich-rechtlichen Per- kicherungen(Pensionsversicherung. Sozialversicherung, Arbeiter-Unfallversicherung), obwohl für. sie die Bezeichnung„Renten"(Unsalltente, Invalidenrente, Altersrente, Witwenrente. Waisenrente usw.) üblich ist, nicht der Ren ten st euer nach 8 172 der Sieu«rges«tzeS, sondern dernyrmqlen Einkommensteuer wie Dienst- und Lohnbezüge. unterliegen. Ruhe- und BersorgungSgenüffr, d, s. Renten der genannten Art, unter 837 ll monatlich(bei Steuerpflichtigen mit drei Familieniüitgliedern unter 959 K, mit vier unter 106? X, mit fünf unter 1259 Kronen, mit sechs unter 1681 K monatlich), die das einzige Einkommen des Empfänger- bilden, bleiben wnach steuerfrei; darüber hinaus his zu 1068 K monatlich unterliegen sie der Abzugsteuer laut§ 30 deS Steuergesetzes. Di« Ahzugsteuer wird vom Renten-Zahler(Pensionsanstalt usw.) abgesührt. Dadurch ist der Steuerpflicht Genüge geleistet und cs braucht auch kein Einbokcnntnis eingebracht M werden, wenn der Empfänger nicht ausdrücklich dazu ausgesordert wird. Ist aber die Rente(der Ruh«, oder DersorgungSgeuuß) nicht das einzige Einkommen des Empfängers, dann richt« sich di« Versteuerung deS Gesamteinkommens nach der Art und Höhe des anderen Einkommens. Hat der Empfänger z. B. außer der Rente(gleichzeitig oder.!« gleichen Jahr« nacheinander) noch«in DiensteinkotM men beprgen, so wird beides zusämmengezählt und dir Steuer von der Summe so berechnet, wie wenn da- ganze Einkommen aus einer einzigen Ouelle geflossen wär« Im AbzugSvege abgeführte Steuern werden von der so berechneten GÄamtsteuer abgezogen und der Restbetrag dem Empfänger zur unmittelbaren Einzahlung vorgeschrieben. Ruh«, und Versorgungsgeuüffe über 1968 kl monatlich unter« liegen der allgemeinen Einkommensteuer laut§ 18 der Steuerge^etzes und damit auch dem„vorübergehenden Zuschlag" laut Gesetz vom 15. Juli 1932. Ag. 120. Hiskür besteht auch di« Pflicht zur Ein? bringung des Einbckcnntniffes Di« Paüschalabzügt bei Dienstbezügen(§ 15 des Steuergesetzes) können bei Ruhe- und VersorgungSgenüssen n'ch« vorgenommen werden.-■\ Rodelunglück. In Mayen(Rheinprovinz! fuhr ein mit sechs jungen Leuten besetzter, selbstgebaui«/ Bob mit hoher Gcschepindigkeit in einer Doppelkurv« gegen das Geländer einer Eisenbahnbrücke.. Der Lenker des Bobs blieb mit zerschmettertem Schades tot liegen Ein Mitfahrer wurde schwer verletzt. Di« anderen vier. kamen mit leichteren Verletzungen davon. Vom Rundfunk Empfehlenswerte« aus vcn Programme». M.ttwoch Prag: 6.15 Gymnastik, 1100 Schallplatte», 16.00 Orchesterkonzerr, 18.25 Deutsch« Sendung- Arbeitersunk: Ä. Lederer: Die Statistik der Einkommen st euer als Ausdruck der sozial«« Struktur. Bericht vom Arbeitsmark!, 20.00 Konzert.— Brünn: 17.10 Marionettentheater, 18 25 Deutsche Sendung: Prof Epstein: Ander Pädagog k der Neuzeit.— Berlin: 18 00 Tello- konzert.— Breslaur 20.80 Hugo Wolf-K«ier t Hamburg: 19.55„Der fliegende Holländer", Opel von Wagner— Königsberg: 18.55 Musik der Bölter- — Leipzig: 19.30 Alte und neue Tänze.— München: 21.20„Die lustigen Musikanten" Oper nach Brentano.— Wien: 20.15 Karneval Donnerstag: Prag: 8.15 Gymnastik 1! 00 Schallplatten. 18.25 Deutsche Sendung: Landwirtschaft. IS40 Orchesterkonzerr 21.00 Weltmeisterschaft im E«Hockey S1L0 Konzert.— Brünn: 1610 Bolksblasmusik 18.25 Deutsch« Sendung- Prof Zeckendorf: Aktuelles aus dem Sportleben.— Berlin: 15.50 Brahms—Strauß. 17 00 Chöre Berliner Komponisten — Mühlacker: 17.00 Serenadenmusik Hamburg- 20 00 Himmlische Reis« zu Mark Twain Königsberg: 21.00 Chöre aus Wagners Opern_ Lange»' berg: 20.35„Des Knaben Wunderhorn"* Leipzig' 20.00 Semele, Orator um von Händel Münch«»: 21.00 Tanzmusik.— Wien: 15.30 Liederstunde. Nr. 45. Mittwoch. 22. F»er 1938. 4eiit pa lo- Wi« die Volkswirtschaft und Sozialpolitili one einen Umfang von mindestens 30 Quadratkilometern hat. Der Schall der Explosion beim flut« stürz war auf einer Fläche zu hören, di" größer ist als Deutschland und Frankreich zusammen. Aus der Ablenkung der Magnetnadel, di« man seinerzeit in stex Näh« der EinschlagSkrater feststellt«, glaubt man Wit Sicherheit schließen zu dürfen, daß es sich um kitten Sisestmeteoriten handelt. Di« weiteren Forschungen werden sicherlich noch mehr Interessantes Von diesem Ereignis bekannt werden lassen.. Di«. Vorbereitung dieser Expedition geht von der russischen Akademie der Wissenschaften aus, di« auch di« Führung wieder in di« bewährt«» Hande des Pro- fessorS Kulik gelegt hat, der bereits di« ersten Expeditionen in das abgelegene Gebiet geleitet hatte. wuxc. In einer Sänfte trugen sie Eine ans re Sänfte zeigt« nur«in ~— des Ohr und Rase... In Guten-Germendorf (Schlesien) überfiel ein eifersüchtiger Liebhaber seinen erfolgreicheren Nebenbuhler und biß ihm Ohr und Nase ab. Der Fall Strecker. Im Alter von 71 Jahren tarb. in Garmisch oer Schriftsteller' Ka"l Strecker. Nachdem er trotz einer umfangreichen Produktion in Unterhaltungsromanen m den letzten Jahren der Not dem äffenlichen Gedächtnis entschwunden war, gelangte er dnrch einen pannenden Kriminalprozeß vor etwa einem Jahr« in den Mittelpunkt des Interesse?: Karl Strecker hatte in der Absicht deS Versicherung? betrugeS sein""' bei Berlin in Brand gesteckt, wofür«r Schwurgericht Potsdam zu einer längeren G«^ änanisftrafe verurteilt wurde. Auch«in« zweite Instanz bestätigte die sträfliche Schuld. Strecker «lbst bestritt die Absicht des Versicherungsbetruges, er erklärte, daß da- Erlebnis des Brandes und der Hast ihm Kraft und Stoff zu einem neuen Werk verschaffen sollte. Strecker hat vor wenigen Monaten sein so gefährlich vorbereitetes Buch„Der Brandstifter" der Oeffenllichkeit vorgelegt;«r ist ein guter Roman geworden. Die Gefängnisstrafe hat er niemals anzutreten brauchen; das Gericht selbst hatte sich, bewegt vctn der Tragik des Falles, für di« Strecke»-Begnadigung eingesetzt.» 23 Wölfe erlegt. Zwischen den rumänischen Ortschaften Runtu und, Piatra Epei wurden drei patrouillierende Gendarmen von mehreren Wolfsrudeln angefallen. Die gefährdeten Beamten flüchteten auf«inen Baum und schossen auf ihre Angreifer. Im Vrrlauf einer Viertelstunde wurden nicht weniger al- 23 Wölfe getötet, Der Rest flüchtet«. Eifersuchtsmord. Ein Polizeibeamter aus Karlsruh« hat seinen Freund in einem Anfafl von Eifersucht erschosien und seine Braut durch einen Schuß verletzt. Der Täter wurde verhaftet. Betrunkener Lokomotivführer. In Kutnow (Polen) stießen ein Personenzug und ein Güterzug zusammen. Durch di« Explosion«in«s Gasbehälters würden mehrere Personen verletzt. Di« Katastrophe wird damit erklärt, daß der eine der Lokomotivführer betrunken gewesen: sein soll. Amerikanisch« Ttipendtew für einen tschecha- flowakifchen Hörer der Handelrwisiruschaflen. Die Direktion des Instituts Amherst College in Amherst, Massachusetts, wird im Jahre 1933/34 di« Stipen- dienstell« für«inen tschechoslowakischen Studenten besetzen. der sich dem theoretischen Studium der Handels- und WirtschaftSwisi«nschaft«n widmen will Das Stipendium beträgt 1200 Dollars jährlich Näher« Nufonnationeu erteilen das Dekanat der Handelshochschule in Prag lk.. Horkkä 8, das Amerikanische Institut in Prag ll., Na PokiSi 12 ein Zimmer, in das der Chinese mit Bifl verschwand. Tie Japanerin führte mich in-en Nebenraum, der nur mit Lackii'ch, Kohlenbecken, einem kleinen buddhistischen Haustempel,«in paar Kakemonos, langen schmalen Wandbildern voll Szenen aus dem Leben der Samurais, ausgestattet war. Tee wurde mir serviert, und„Ka- mako", meine Dienerin, verneigte sich lächelnd, wenn sie kam und wenn sie ging. Niedlich! Nur mit dem Sitzen wollt« es nicht gehen. Ich' schob -en kleinen Tisch beiseite und streckte meine langen Beine auS. Der Chinese kam und kassierte einen Dollar. Ta.nn erschien die Klein« mit der Opiumpfeife. Erst wollt« ich die Pfeif« zurückgeben und lieber mit dem Mädel plaudern, aber Sie Kleine machte ein entsetztes Gesicht und zeigte nach der Tür. Neugierig war ich auch. Ob so viel an dem Zeug dran war, wi« die Leute immer schrieben? Dann pflückt« ich eine„Camel" auseinander und stopft« di« Pfeife. Ein Fingerhut voll Tabak, der von einer kleinen Kugel Opium gekrönt wurde. Erst iprang ich noch einmal auf, um nach Bill zu sehen. Der lag auf seinem Tivan, die Teetoss«»eben sich, und rauchte. Nun ein paar Züge. DaS Neu«. Unbekannte Ich focht einen furchtbaren Kampf mit den Samurais um den Besitz Kamakos. in dessen Verlauf ich leider die Tee taste und den kleinen Tisch zerschlipg. Ich muß furchtbar getobt haben. Bei Tagesanbruch fand ich mich in der Mitte deS Zimmers wieder, Kamako lächelnd an meiner Seite. Einen Dollar Buße für im Traum zerschlagenes Geschirr! „Wo ist der Gentleman?" „Tut mir leid— er sein weg mit Rikschah", 'agt der alte Chinese. Eine halbe Stunde dauerte die Fahrt bis an Bord. Mir war unheimlich zu Mut«., Bill würde doch nicht allein gegangen sein! Als ich an Bord kam, war Bill nicht da. Zwei Stunden später kam ein völlig zerlumpter Chinos« an di« Gangway. Der Bootsmann sagt« mir, der wolle mich sprech«». Es war Bill. Man hatte rhn im Opiumrausch in eine Rikschah gepackt, in«inen Vorort gefahren, auSgeplündert und ihm-i« alten Lumpen angezogen.— Seine 40 China-Dollar waren futsch. Mich zu berauben, hatte sich nicht gelohnt. Aber den Wert eine? Anzugs vom besten Schneider au- London City und wundervoller Wäsch« erkannte sogar der China-Gauner. Darum steckte er Bill in die Schmutzfetzen. Nachher» al- Bill in der Badewanne vor Hssrirdncheij und Sauberkeit Hawvfte, grinste if. immer noch)„Mensch" niemand chatte mich gefunden. wenn die mich auch geschmort und gefressen hätten. Aber ich sage ja immer: mein Leben ist keinen Schilling wert...." Streik» und Aussperrungen im Anhr» 1932 (Vorläufige Angaben.) das Statistische Staatsamt mittelst zab im Jahr« 1932 insgesamt 305"(im Jahre 1931 247) Streiks in 1419(516), Betrieben Di« betroffenen Betriebe beschäftigten 141.457(74.646) Arbeitnehmer, von denen 94.874(43.868)' streikten und 3846(3093) infolge Streiks feierten Die Streikenden versäumten 1,062LA)(382.631) Arbeitstage und verloren an Lohn 38,037.923(10,814.864) K. Di« infolge Streiks Feiernden versäumten 28.440(28.891) Arbeitstag« und verloren an Lohn 813.399 1613.606) Kronen. Nm ganzen betrug der Verlust äst Arbeitszeit bei Streiks 1,090.660(421.528) Arbeitstage und an Lohn 38,851.322(11,428.470) K- In bezug aus die Gewerbeklasten entsallen 189 Streiks aus das Baugewerbe st252.479 von den Streikenden versäumt« Arbeitstage) 31 Streiks auf die S t en n- umd Erdindustrir(188.389). 26 Streiks aus die Textilindustrie(81.948). 22 Streiks auf die Bekleidungsindustrie(41.158). je st 16 Streiks aus di« Metallverarbeitung(22267) und auf die Holzindustrie(11.506), 12 Streiks 4105), die Pa'pier- industri«(480). auf di« Nahrungsmittelindustrie(480) und aus die graphisch« Industrie(2). Forderungen der Streikenden waren iolgrnd«: Bei 68 Streiks Nichtkürzung der Löhne(497.264), bei 125 Streiks eine Lohnerhöhung(79.852). bei 32 Streiks waren sonstige Lohnforderungen(28.350), bei 35 Streiks wurde ein« Nichlentlafiung von Arbeitnehmern(412.916), bei 4 Streiks eine Entlassung(174) gefordert 3 Streiks waren Solidaritätsstreiks(1764). bei 21 Streiks beirast die Forderung den Kollektivvertrag(40.856), bei§ Streiks di« Arbeitszeit(552), bei 12 Streiks waren sonstige Forderungen(5012) und bei 3 Streiks find die Forderungen noch unbekannt(480):- DaS Ergebnis der Streiks für di« Arbeitnehmer war in 49 Fällen ein voller Erfolg (89.470), in 178 ein Teilerfolg(764.290), in 69 ein Mißerfolg(185.180) und in 9 Fällen ist der Erfolg noch unbekannt(74.280). Aussperrungen gab«r im Jahre 1932 6(im Jahre 1931 7) in 36(7) Betrieben mit 2566 (3197) Arbeitnehmern, von denen 955(3582) auS- gesperrt wurden und 48(15) infolge Aussperrung feierten Tie AuSgesperrte» versäumten 47.444 (77.082), die infolge Aussperrung Feiertiden 3489 (287) Arbeitstage und an Lohn verloren die ersteren 1,809.634(2,207 996), di« letzt«ren 67.896(13.521) K. Der Gesamtverlust bei Aussperrungen betrug an Arbeitszeit 50.933(77.369) Arbeitstag« und an Lohn (.877.030(2221.517) L Durch je ein« Aussperrung wurde Sie St«in- uild Erdinhiistri«, die Bekleidungsindustrie lind das Baugewerbe, durch drei Aussperrungen die Metallindustrie betroffen. Di« AuSgestperrteii wehrten sich in drei Fällen gegen«ine Lohnkürzung und in drei Fällen forderten sie eine Lohnerhöhung Das Ergebnis für di« Arbeitnehmer war in. allen sechs Fällen«in Teilerfolg. Alle sechs Au-sperrün- aen entfallen auf Böhmen. Jm'ganzen wurden daher im Jahre 1932 durch 311(im Jahr« 1931 durch 354) Streiks und Aus- 'perrungen 1445(523) Betrieb« 99.723(46.400) Arbeitn-H'ner betroffen. 1,141.598(498.891) Arbeitstage versäumt und an Lohn 40.728 352(13.649.987) Kronen verloren. In das Gesamtbild her Streikbewegung hu Jahre 1932 wurden nicht' di« kurzfristigen(einige Minuten bis zwei Stunden dauernden) Arbeitseinstellungen infolge DcmonstrationS- und Protestkundgebungen der Arbeiter inbegriffen Solche Proteft- und DcmonstrationSstreikz gab es 223; von denen hatten 30 diverse Lohnforderungen vorgebracht, 88 richteten sich gegen Entlastungen von Arbeitnehmern, 111 hatten einen politischen Charakter und 49 hatten sonstige Gründe und Forderungen vorzubringen. Wir ankerten am Pier in Keev-lün, Hongkong. Zwischen tausend Sampans, kleinen Wohnbooten, die Haus, Hof, Garte» und Spielplatz der ganM Familie waren: Auf den weit geräumigeren Dschunken wohnte wohl änch die Verwandtschaft mit. Der Kochmaat rief mich in die Küche. Er hatte eine Menge Knochen, Fleischäbsäll« und Brot aufgestapelt.„Nimm du das Brot mit!" Im Abwaschraum warf er alle- auf das Äblauf- brett und ein Stück Brot mit Schwung,au? dem Fenster.„Siehst du, da kommen sie an." In den zwanzig Sampans, di« im Nu unter dem Bullauge landeten, standen ausgemergelte Frauen mit Gesichtern wie Mumien uiw hielten uns ein kleines Netz an einer langen Stange entgegen. Wir verteilten alles ultd hätten das ganz? Schiff auspacken können. Alle hatten wir Nicht satt gekriegt. Ich fing an, neugierig zu werden. Dor uns baute sich Victoria, das europäisch« Viertel, auf. Weiße, schöne Bauten kletterten den Berg hinauf. Da ich hier abmustern wollt«, ging ich fort mit Bill an Land. Was sind di« Straßen der Chinatown New Jork gegen dieses Straßengewirr und Buntheit in Hongkong!„Hai-Hai" schrien jStu»den-Woche eingesetzt werden können. Das Ziel dieser Aktion soll sein, in der streiten Oeffenllichkeit stärksten Einfluß für den Abschluß einer Internationalen Bicrzig-Stundcn-Kvnv.n- tion auszuüben. Dies« Aktion soll zugleich mit einer K a m- gne für die wirtschaftliche Ab« r ü st u n g verbunden werden und in der Oefsent- lichkeit das Gewissen tpachrusen, daß vernünftige und praktisch durchführbare Lösungen der Finanz-, Kredit-, Währungs- und Zollfragen gefunden werden müssen. Der Vorstand faßt« sodann d°n B'ichlutz, in Verbindung mit der Avyaltunq deS JGB-Kon- aresses in Brüstel eine Internat onäle Arbeiterinnenkonferenz abzuhalten. Als vorläufiger Termin dafür ist der 29. Juli vorgesehen. Di« Arbeiterinnenkonfercnz soll das Problem der Frauenarbelt in der Krise und im Zeichen der Rationalisierung und die Lohnfrage der Frauenarbeit behandeln. Zur Vorbereitung dieser Konferenz wird daS internationale Frauenkomitee deS JGB wahrscheinlich im Anschluß' Np die. Ausschußsttzung zusammentreten. Die Situation in der Welt und in.den verschiedenen Ländern wurde eingehend besprochen und«in« Reihe von Beschlüssen gefaßt, die di« Solidarität der internationalen Gew«rk- schaftsbewegung insbesondere mitdemKamps der deutschen Arbeiterklasse betonen goldenen Lettern, di« weißen Schriftzeichen auf den schwarzen, di« schwären auf den Weißen Fahnen, die alle im Winde eigenartige Bewegungen machen. Pie Straßen der Bäcker, in denen es nach Oel Riecht, und die fliegenden Bäcker, die ihre Ware gleich an di« Kundschaft verkaufen. Di« Schuhmacher, di« Holzschneider,- die Buchdrucker, Juwelier« und Schlächter; all« Straßen durchfuhren wir. ließen halten, wo e? etwas ru sehen gab, und das war für den Neuling über- ?wug. Dann begegnete unS ein Trauerzug. raurig sahen die Leute nicht auS. Mit Gong und Nöte machten sie Musik und schwenkten lange, weiße Fahnen mit den für uns so rätsel- ^tfwn Schriftzeichen. Weißgekleidet alle— die Farbe der Trauer, oen Toten. handgemalt«s Porträt, wahrscheinlich das Toten. Bill reichte dem Kuli ein Kärtchen— Rikschah sauste mit unS ad. ES war schon dunkel geworden, und in dem Straßengewirr, das jetzt noch unheimlicher ouS- lah als am Tage, fuhren di« beiden uns so lange kreuz und quer, bis ich alle Orientierung verlor. Dann stoppten si« neben einem Keller. Aus ein Klopfzeichen öffnete sich eine Ritze oben in der Tür.. Dse Karte wechselt« zu einenz..Cüines^ ter ünS durch ein klein«? Guckloch mit lauern? dem Blicke mustert«. Ein« ziorliche Japanerin nahm wich in Empfang. Der schmal«, lang« Gang mündete in Preisausschreiben der Deutschnationalen Volkspartei. KarbHelfferlch-Preis.* Die Deutsch national« Volkspartei setzt für die wissenschaftlich« Bearbeitung des ThemaS „Der Militarismus" den Preis von Eintausend Mark aus. An dem Wettbewerb können all« nationalen Studenten und Studentinnen deutscher Ab- stammung teilnehmen. Es kommt darauf an, die mit dem Begriff Militarismus verbundenen Notwendigkeiten > des BöEerlebenS auf ihre Grundlagen.und Auswirkungen zu untersuchen. Di« Wehrhaf- . tigkeit eines Dolles--- Wehrrecht, Wehrfähigkeit, Wehrsreudigkeit— in ihrer Bedeutung für di« Böller, wie für das einzölne Boll,, ihr« Be- . drngthcit im Wesen deS Staates, ihre sittlich« Ltküchtiguug, ihre, völkisch« Notwendigkeit so- .. wi« ihre Grenzen sollen wissenschaftlich über- ' prüft werden. DaS Thema soll Veranlassung geben, sich mit einem der wichtigsten Probleme . der Gegenwart auSeinanderzusetzen und dabei ' den Begriff des Militarismus feines schlagwortartigen Charakters zu entkleiden; eS soll E Akademiker anregen, in der unbestech- ..., stet? der Wahrheit dienenden Weise Karl Hclfferichs den Kampf gegen Phrase und Massenpsychose aufzunehmen. Die Arbeit ist dir zum 1. November 1933 • abzüliefern.. Das PreiSrichtcramt üb« auS:_ j. Major a. D. v., Bonin, GüzowShof; 2. G« n e r a l d. Art. k Gallwitz, Freiburg • t. Br.; 3. Prof. Lik. Meyer, Magdeburg; 4. Studienrat Dr. Weifemann, Remscheid, M. d. L. Die Bedingungen sind durch dir Hauptgeschäftsstelle der Deutschnationalen BollSpar- tei, Berlin NW. 7, Friedrich Ebertstraße 29 , kostenlos zu beziehen. Vorstehendes Preisausschreiben veröffentlicht die Deutschnationale BollSPartei, di« Partei des Herrn Reichswirtschaftsministers Dr. Hugenberg, W dem Februarheft der„Jahrbücher für Na- lionalökonomie und Statistik^. Seit dem Ende des bestialischen Böllermor- ittns 1914^-1918 sind noch keine fünfzehn Jahr« Zerflossen, Krieg wird zwischen Japan und China, Bolivien und Paraguay geführt, die Kriegserklärung Perus an Bolivien ist stündlich zu erwarten, das Ende der furchtbaren Weltkrise und der Verelendung aller Böller ist noch nicht abzusehen, aber die!Deutschnatioual« Vollspartei hat kein« anderen Sorgen, als ein Preisausschreiben über das Thema Militarismus zu erlassen. Man be- K sich nicht mehr mit Schlagworten— di« iur für feie breiten Masi««—, man wünscht «Ne„wissenschaftlich«"' Bearbeitung uyd: läßt dies« sich tausend- Mark kosten.' Die nationalen Htüdenttn und Studentinnen wie aufmerksam, Laß man nicht an dar weiblich« Geschlecht bei diesem Thewa vergißt— sollen eine„wissenschaftlich«" Apol«!« des Kriege» liefern. Studenten und Stuoentinnen, die nie einen Kri«g iw Schützengraben duvchgemacht haben, sollen Krieg und Kri«gShandwerk mit einer„wissenschaftliches Gloriole umgeben. Kann man ärger Wit dem Begriff der Wissenschaft Schindkuder treiben? Gibt es ein beschämenderes Zeugnis für da» Inhalt und das Niveau der deutschen Wissenschaft, als die Tatsache, daß man solch ein Atrsinnen in einer wissenschaftlichen Zeitschrift an sie stellen kann? Wehrfreudigkeit, sittliche Berechtigung und vpllische Notwendigkeit deS Militarismus und damit des Krieges, das sind di« unseligen neuen Ideale des neuen Deutschlands. Auf diaseS Preisausschreiben kann cS wirklich nur ritte Antwort geben: Deutschland erwache!" Borftandssttzung des 3GB Vom 16. bis 18. Feber hat die Vorstandssitzung des Internationalen Gewerkschaftsbundes in Berlin stattgefunden. Es wurde der dem Kongreß in Brüssel vor- zulegcnde Entwurf der s o z i a l p o l i t i s ch e n Richtlinien endgültig festgestellt und auch di« endgültige Fassung deS Internationalen Schul- u nd Erziehungsprogramms angenommen. Die„Planwirtschastlichen Forderungen des IGB," wurden in der vorliegenden Fassung mit geringfügigen Ergänzungen gutgeheißen und es wurde beschlossen, dieses Planwirtschaftsprogramm, das dem Kongreß in Brüssel als Richtschnur für di« weitere Wirtschaftspolitik der tntcrnationalen Gewerkschaftsbewegung vorgelegt werden soll, der Sozialistischen Arbclter-Jnternatlonale zu übermitteln. Es wurde weiter beschlossen, eine gemeinsame Sitzung der Exekutiven der gewerkschaftlichen und politischen Arbetterinternationale abzuhalten, auf der die Frage einer gemeinsamen Stellungnahme zur Weltwirlschaftswnferenz behandelt werden soll. Es ist beabsichtigt, der Weltwirtschaftskon- fexenz in einem gemeinsamen Memorandum der beiden Internationalen die Forderungen der Arbeiterklasse vorzulegen. Weiter wurde beschlossen, in kürzeste«'-Zett—; möglichst für die 1. Apr:lwoche den Aus schuß des Internationalen Gewerk- schaftsbundeS und die Vertreter der Internationalen Berufssekre t a r l a t e zu einer Tagung zusammenzurufen, di« sich- mit oer Lage der Arbeiterschaft in den verschiedenen Ländern und mit der Frage beschäftigen soll, welche Mittel und Möglichkeiten'ür eine großzügige Aktion im internationalen Ausmaße zugunsten der Durchführung der Vierzig- Kamako retGt dte Dpmmpfeife... Bon Otto Larsen. Seite 8. Mittwoch, 22. Fever 1933. Nr- 45. PIMOtW ItlTIMO. ii■wiiimi miiiiim irr ii i...m»«» Tos Komitee der Arbeitslosenhilfe der Hauptstadt Prag gab die Kohlenauweisungen zu 50 Kilogramm aus, über deren Behandlung durch das magistratische Bezirksamt Prag wir schon neulich berichteten. Damals wurde der Frau eines Beteilten, am äußersten Ende von Prag XkX wohnhaft, gesagt, in einem Weilchen würden die Kohlen in der Bachmäöska ulice(Prag XlX) sein. ^Je^t haben wir keine." Das Weilchen dauerte in die Kälte hinein, die Kohlen wurden benötigt, und nun erklärt das„gemütliche" MagistratSamt Prag XlX, die Kohle sei vom Karlov abzuholen, ein Stückchen hinter der Endstation der „8er" Straßenbahn. Wirklich gemütlich? Beteilte von Prag XIX sollen also eineinhalb Stunden zu Fuß um 50 Kilogramm Kohle gehen und mit dem Sack(vorausgesetzt, daß Unterernährte einen halben Zentner tragen können!) und wohl 2 Stunden zurück. Oder-- mit Gepäck— 5.40 K für die überteure Straßenbahn auSgeben und noch zu Fuß gehen! Humanität! Dazu wurde man von dem ,Zerrn Beamten" noch mit Grobheiten bedacht! .Die Wohnungen für Arbeiter(Versicherte der Zentralsozialversicherungsanstalt), in den durch die bei der Zentralsozialverstcherungsan- statt errichteten gemeinnützigen Aktiengesellschaft für den Bau von Kleinwohnungen in Prag XVl, Lp. 1292 erbauten Häusern in Prag Xlv, na PankrLci(U zelenS liöky), werden ab 1. Juli 1933 vermietet. Die Wohnungen bestehen aus Zimmer und Küche mit Badezimmer und sonstigem Zugehör. Der Mietzins mit allen Zuschlägen sowie mit der Gebühr für die Benützung der maschinell betriebenen gemeinsamen Wäscherei und Bügelei beträgt ungefähr LS 270.— monatlich. Jene Familienerhalter, die sich um diese Wohnungen bewerben wollen, haben bei ihrer zuständigen Versicherungsanstalt eine Drucksorte für das Ansuchen um Zuteilung einer Wohnung zu beheben, dieses Ansuchen wahrheitsgetreu und detailliert auszufüllen und sofort an die Adresse der obgenannten Gesellschaft einzusenden. Persönliche Borsprachen sind zwecklos; die Bewerber erhalten rechtzeitig eine schriftliche Erledigung. i Geriditssaal Der TodesWuS aus der MalagajlMe. Prag, 21. Feber. Der Mälhrige Fährmann Alois Tur«k war heute Hpr de« Senat des OGR Toman wegen fahrlässige» Lötung angc- klagt. Es ist ein tragischer Fall, denn das Todesopfer ist der eigene Sohn des Angeklagten. Am 23. September v. I. schickte der Angeklagte seinen Sohn in die Drogerie, um eine Flasche Lauge zu holen. Die Flasche in welche die Lauge eingesüllt wurde, trug die Etikette„M a l a g a". Der Junge vollzog de« Auftrag und stellte dann di« Flasche mit der Lauge auf das Fensterbrett. Das war um 8 Uhr nachmittags Die Flasche mit der Malage-Etrkette blieb einige Stunden unbeachtet im Fenster stehen. Gegen Abend kam der Familienvater mit seinem ältesten Sohn, dem 20jährigen Wenzel heim. Der junge Bum'che sollte in den nächsten Tagen seinen Militärdienst antreten Er sah di« Malagaflasch« hinter den Fen- pevschrrbcn und glaubte, sein Vater habe ihm einen Abschiedstrurck vorbereitet. Als der Baker einmal den Rücken kehrt«, öffnete«r schnell und leis« das Fenster und nahm einen ordentlichen Schluck von dem vermeintlichen Malaga. Di« Lauge verätzt« ihm Schlund und Eingeweide derart, daß der arme Junge nach einig«« Tagen fürchterlichen Leidens starb. Der Vater wurde der fahrlässigen Tötung angr- Aagt, weil er die Flasche mit der Weinetikette habe offen dastehen laste«. Der alternde Mann, der durch den schrecklichen Tod feines Aeltesten vollkommen gebeugt ist. weinte bitterlich, als er vor Gericht über di« Einzelheiten dieser traurigen Begebenheit Auskunft geben sollte. Der Gerichtshof sprach ihn "r e i. rd. Schreäeussahrt im Autobus. 42 Verletzt«. Prag, 21 Feber. Im Sommer des Vorjahres «veigneten sich in der Prager Umgebung kurz hintereinander drei schwer« A u t o b u s u n f ä l l e. die seinerzeit großes Aufsehen erregten. Der letzt« in der Reihe war der Unfall, den der städtische AutobuS der Streck« Prag— Suchdol am 7. Juni v. I. erlitt. In dem Straßenabschnitt bei Selz geriet am genannten Tag« ein Wagen dieser Autobuslinie auf der abschüssigen Straß« in raiende Fahrt. Der Lenker verlor die Herrschaft über den Wagen Der Insassen des Wagens bemächtigte sich eine Panik Der tsshauffeur versucht« vergebens Hand- und Fußbremse«inzufetzrn. Schließlich versuchte er, di« Schreckensfahrt de» vollbesetzten Autobus dadurch abzustoppen daß er über«inen Schotter. Haufen fuhr Aber auch dieser Versuch schlug fehl und zum Schluß lattdet« der, Wagen an einem Apfelbaum. Der Rückprall warf den Autobus gegen ein Fuhrwerk, das ihm entgegenkam. Die Dc ichsel dieses Wagens durchbohrte den Kühler vollständig. 42 Personen wurden bei diesem Unfall verletzt. Unter den Verletzten find nne Reihe durch Knochenbrüche schwer Verletzter. Immerhin ist der Unfall insofern glimpflich«bgÄaufen, als«r kein Todesopfer forderte. Vor dem Senat des OGR. Sykora hatte sich der Chauffeur Anton Smrkovsky heute wegen des Vergehens gegen di« körperliche Sicherheit zu verantworten. Di« Anklage legt ihm insbesondere zur Last, daß er auf der abschüssigen Streck« den Motor abgestellt und hie« mit auch die Möglichkeit ausgeschlossen habe, den Motor zu Bremszwecken«inzuschalten. Nach langer Verhandlung und heftigen Wortgefechten zwischen Verteidigung und Sachverständigen wurde der angeklagte Chauffeur schuldig erkannt und zu fünf Monaten strengen A r r e st« s, bedingt auf drei Jahr«, verurteilt, rd. Kunst und Wissen MatlnLe sozialer Poesie- Der Rezitationschor der Prager tschechischen Arbeiterakadmnie konnte bei seinem ersten Auftreten im Smichower Schwandatheater großen Erfolg verzeichne». Das stimmlich gut abgeftimmte Ensemble wird von Genossen Josef T r o j a n in wirklich vorbildlicher Weis« zu einheitlicher Darbietung geführt, die Kimmen klingen gut zusammen, der Sin» der Dichtungen wird durch dynamische Schattierung des Vortrags, durch Wiederholungen und oft direkt kontvapunktbsche Unterstreichungen vevständlicher, di« Wirkung der Gruppendarbietung belebt di« Rezitation und wirbt der Proletarischen Dichtkunst neu« Freunde. Der erst« Teil der Matinse ließ noch zu viel akademische Luft erkennen: weder B. Dyk, noch HavliSe! Borovsky oder Karl Tomon können heute befriedigen. Dagegen überraschte di« hinreißende Wiedergabe von Heinrich Heines„Die Wanderratten" und Josef Horas„Arbeitermadonna", deren Inhalt schon genügend den Klastencharatter des Dargestellten aufzeigt. Den stärksten Eindruck hinterlassen die szenischen Wiedergaben; sowohl der Regeosong„M u t- ters kleine schwarze Rose' als auch di« BevgavbeiteAieder von BezruS„Ostrau" oder „Pkibrom" und Jaroslav HaSÄs„Frühling in der Grube" sind inhaltlich hinreißend, rütteln' mit überzeugender Kraft an den Festeln der bestehende» Goellfchaft, wollen di« Prolet«« zur Einbeit. zur Klasse formen, und wurden mst bescheidenen Beleuchtungseffekten als einzgem szenischen Mittel zu überzeugender Dokumentierung proletarischer überzeugender Dichtkunst, deren Zeitgebuudenheik gerade hier erfolgreich unterstrichen wurde. Die Veranstaltung wurde durch die kurze Szene des Genossen Franz Töfcher„Dem unbekannten Vertrauensmann" würdig abgefchlosten; hier will der Dichter di« Schwer« der sozialen Bewegung die Verantwortung der Vertrauensarbeit, den Ernst der Vorkämpfer neuer Gesellschaft veranschaulichen, was ihm auch vollendet mit einfachsten Mitteln gelungen ist. Die Typen der Arbeiter und Arbeitslosen erzählen ihr Leben, das in seiner nackten Wahrheit die stärkste Anklage gegen das herrschende Snftem darstellt. Sie auf die Bühne zu stellen, ihr Sein zu schildern, di« Augen zu öffnen, die Zukunft m durchleuchten und Weg« zu zeigen, die Massen .um Kampf aufzufordern für das sozialistssche Ideal, i die Gleichheit der Menschen ist di««dl« Aufgabe ! der sozialen Dichtkunst; ihr überzeugenden Ausdruck »u verleihen, ist den Genossen unter Trojans Leitung überzeugend gelungen. W. L. Von der Deutschen Mufikakademie. Man kann «S der Prager Deutschen Mufikakademie nicht hoch genug anrechnen, daß sie trotz schweren Kämpfen um ihren materiellen Fortbestand ihren künstlerischen Verpflichtungen der Oeffentlichkeit gegenüber eingedenk bleibt und mit unermüdlicher Beharrlichkeit ihre öffentlichen Musikabende ins Werk setzt, denen als künstlerischen Taten höchster Werbewert zukommt. Um dem Publikum wieder besonderes zu bieten, war daS montägige Schülerkonzert als Händel-Abend veranstaltet worden, bei dem Werk« des großen BorKassikers für Klavier, kür Violine, Cello und Gesang sowie ein« der hochbcdeutenden Triosonaten fiir Flöt«, Geige Cello und Klavier zur Aufführung gelangten. Im allgemeinen hört« man buch ausgezeichnete, reproduktive künstlerische Leistungen, unter ihnen di« ausgeglichenste und reifste jene der jungen ebenso musikalischen wie technisch tüchtigen Pianistin Gerts R e s e k. Aber auch di« übrigen konzertierenden Zöglinge— die Pianistinnen Grauer und Ella Pollak, der Cellist Merz, der Geiger Wünsch, di« Geigerin Hertha Müller, der Flötist B r ö m s e und der Pianist Komma— zeigten beachtliches technisches Können und die erforderliche Musikalität. Aber eine technisch so unfertige Sängerin wie Frl. Schweizer müßte von ihrer Lehrmeisterin der Oefsentlichkeit noch vorenthalten werden, damit daS Awehen der Akademie nicht Schaben leidet und der Schülerin selbst Enttäuschungen erspart bleiben. E. I. Sonntag, X8 Uhr: Ensemblegastspiel Fritz Kortner:„Der Patriot" von Alfred Neumann. Wochruspielplan des Reue» Deutsche« Theaters. Mittwoch, M8 Uhr:„Carmen"(B 2).— Donnerstag, 148 Uhr:„Mädchenjahr« einer Königin"(C 2).— Freitag, K7 Uhr:„Siegfried"(D 2).— Samstag, M8 Uhr:„M usik um Susi"(Erstaufführung). Wochenspielplan der Kleinen Bühne. Mittwoch, 8'Uhr:„Palais Royal"(Bankbeamten II).— Donnerstag, 8 Uhr:„Salon Pitzelberger", „Die schöne Galathäe".— Freitag, 8 Uhr: „Palais Royal"(Kulturverbandsfreunde).— Samstag, 8 Uhr:„F a t m«"(Erstaufführung). Sport ♦ Spiel ♦ Körperpnene Skilausmeisterschasten der Arbetterturuer Oesterreichs. In Schwarzach wurden Samstag und Sonntag di« Skilaufmeistevschaften des 18. Kreises des Arberter-Turn- und Sportbundes ausgetragen, di« trotz der schlechten Schnecverhältnisse von Erfolg begleitet waren. Den 8-Kilometer-Langlauf(Männer) gewann Rufp(Naturfreunde Linz) in 21:29 vor Ziegler(Turner, Gastein) in 21:47; bei der Jugend siegte Heitzmann in 15:36 und bei den Sportlüin« neu Fichtl in 19:01. 94 Läufer starteten.— Im Abfahrtslauf über 6 Kilometer siegt« Scherz(Turner, Salzburg) in 14:49 vor Gasser(Turner, Innsbruck) in 14:51 nrtb Schwarz«ndorser(Naturfreunde Wien) 15:03;.Jugend: Hunger(Turner, Itzling) 14:32; Sportlerinnen: Mürrdl(Turner, Gastein) 21:36.— Äalomlauf: Sieger Koferl(Linz) in 1:03.2 vor Reiter(Bischofshofen 1:55.5. Im Mannschaftslauf fiegte Bisch ofshosen vor Schwarzach.— Den Sprunglauf gewann Zeißberger(Gnigl) mit 43 und 47 Meter vor Puch'inger(Gnigl), 43 und 51 Meter, und Ziegler(Gastein), 43 und 49 Meter. Außer Wettbewerb sprang Gruber(Linz) 54 Meter. Sieger des kombinierten Laufes wurde der Gasteiuer Ziegler vor dem Askömeister Schwarzendor'er(Naturfreunde Wien). Di« Beteiligung war sehr stark, es gingen mehr als 300 Sportler und Sportlerinnen an den Start. Wiener Arbriterfußball. Die sonntägige erst« Runde der FrühjahrSmeifterschaft bracht« als di« größt« Ucberrafchung di« Niederlage des Herbstmeisters Rndolfshügel. Liga: Postunion gegen Ru- dolfShügcl 1:0(0:0), Gaswerk gegen Feuerwehr 1 r 0(0:0), Zentralverein gegen Ostbahn Simmering 1:0(1:0), Phönix Schwechat gegen Red Star 2:2(2:1), Hel>°ort gegen Nord-Wien 2:2(1:1), Floridsdorf gegen Meidling 3:2(2:1).— Erste Klass«: Grupp« Süd: 33er FC. gegen Rekord- Kicker 4:1, Phönizia gegen Hauptwerktstätte 3:2 Ostbahn Favoriten gegen WAF. 3:2, Neutra! gegen Ankevbrotsabrik 1:1; Gruppe Nord: Neukettenhof gegen Jnduftrieangestellt« 2:0, Columbia gegen Olympia 3:2. Bürgerlicher Spork kishock'Y-Wettmeistmcha t in Prag. Die Auslosung der Zwischenrunde bracht« folgende Einteilung: In der ersten Gruppe spielen Amerika, Dschechoflowakei, Schweiz und Polen; die zweite Gruppe bilden Kanada, Oesterreich, Deutschland und Ungarn. Heut« Mittwoch finden folgende Spiele statt: 3 Uhr: Deutschland—Ungarn; halb 5 Uhr: Ame^ka—Polen; 8 lV>r: Tschechoslowakei—Schweiz; halb 10 Uhr: Kanada—Oesterreich. Donn« rstag: 3 Uhr: Kanada—Ungarn; halb 5 Uhr: Polen-Schweiz; 8 Ubr: Amerika—Tschechoslowakei; halb 10 Uhr: Oesterreich—Deutschland. Die Ergebnisse der ersten Zwischenrunde. Im ersten Spiel vom Dienstag siegte Kanada über Deutschland mit 5:0. Di« zahlenmäßige Niederlage der Deutschen war angesichts des Spielverlaufes zu hoch; sie machten einen guten Eindruck und es «gelang ihnen auch von Anfang an, das Spiel offen zu halten. Im zweiten Spiel gab es einen erbitterten Kampf zwischen Oesterreich und Ungarn, den die Oesterreicher erst nach dreimaliger Verlängerung de- Spieles um je 10 Minuten mit 1:0 für sich entscheiden konnten. Die Tschechoflotpakei gewann gegen Polen 1:0. Amerika siegte gegen die Schweiz mit 7:0 nach einem sehr harten Kampf, der von den Amerikanern teilweise sehr unfair geführt wurde, so daß zahlreiche Ausschlüsse erfolgten. Die Zweierbob-Weltmeisterschaft wurde in Schreiberhau ausgetragen und endet« mit dem Siege des Bob Rumänien l vor HDW. I(Tschecho- flowakri), Deutschland l, HDW. H und Oesterreich I Ktnderfreunde ISrao. Heute Mittwoch, halb 4 Uhr nach«., in HoleSovic« Kindernachmittag. Lei» terin Genossin Mitzi Schwab. Aus der Partei Sozialdemokratische Frauenorganisatron. Am Montag, den 27. Feber, nm 8 Uhr abends im „Monopol"(gegenüber dem Masarykbahnhof) Frauenabend/ Thema: Was di« Frau von heute interessiert.— Vortragende: Genossin Hackenberg. Anschließend Diskussion. Jugendbewegung. S. I. l. Heut« Gruppenabend. Liederbücher und Instrumente mitbringen. Bezlrksorganisaflni Prag der Deutschen sozialdem. Arbeiterpartei , Donnerstag, de» 23. Feber, abends 8 Uhr, i« großen Saale des Odborov^ düm, Prag L, Bergstein, Jahresversammlung. Tagesordnung: L Berichte: a) des vertrauensmanues, b) des Kassiers, r) der Kontrolle, d) der Frauen, Jugend und der Kultnrorga- nisationen. 2. Wahle«: des Vertrauensmannes, der BezirkSvertrettrng und aller andere« Korporationen. 3. Unsere nächste« Anfgabe«. 4. Anträge und Allgemeines. Der Film „Bomben über Shanghai". So arg wie der AlberS-Film„Bomben" über Morr 1k Carlo" ist dieser nicht; nein, noch viel ärger; empörend, blamabel. Die Filmindustrie(an Schamlosigkeit nur der Rüstungsindustrie vergleichbar, mU der sie in Deutschland durch Hugenberg enge verbunden ist) greift hier eine der grauenhaftesten Kulturschanden des zwanzigsten JährhundertS heraus, um am Blut ZehntaWender Schandgelder zu vervienenr Shanghai,, bombardiert und. teilweise zerstört durch Japans Soldateska, ist der Hintergrund' für einen hadlungsgemäß irren Kolportagefilm, die Bilder des Kriegs im Fernen Osten,.der zerstört«» Arbeiterstadl, di« wie das Vieh gehetzten Weiber"und Kinder der Chinesen, ihr Jammer und Elend, sind die Staffage, die wütttig genug erscheint, einen„Sen- sationsfilm" herauszubrjngen. Daß man dies« Gruppe vom Menschen, Filmmacher genannt, nicht vollkommen boykottieren kann, ist rin« leider traurige Tat, fach«; und so bleibt nur die Möglichkeit, dies« neueste Kulturschmach des teutschen Films gebührend anzu- grangern. Auch Wochenschauen wurden Shangharbil- der gekauft und in die Handluig eingeschnitten; wo die Herren Stars auftteten, hat man'Berlin etwas chinesisch ausstaffiert oder mittels des Dunmng-Ber- sahrenS den Helden in Shanghais Straßen ernkopieri. Theodor Loos spielt einen„Bösen".' der aus Filmpassion Gouverneure entführt und blödsinnigerweis« auf einer Insel einsperrt, der nur ganz Filmnaive die Ostsee nicht ansehen können. Dies« liebenswürdige Leidenschaft gibt Gelegenheit, di« Manöver von KriegSschfffen und Torpedobooten zu zergen, di« Segnungen des Bombardements im Kampf gegen die „Verbrecher" zu propagiere», puh mittels, eines Flugzeuge»«in happy-eUd' herzustellen das an Tummhpt keiner Kaiscropcreue. Nachsicht. R a n d o l f, der Regisseur, zeigt TheodorLooS und P et« r B o H die sich brav halten, Gerda Maurus, wie immer ohne Mienenspiel und die junge Else Elster^ dir einmal gut sein wird. Der Film ist sehenswert wegen der authentischen Schanghcsibildcr, die Japans Schande für immer feschalten; daraus Kapital zu schlagen, ist dem teutschen Filin Vorbehalten geblieben- W. L.: mmwvmmvwwwimmvwwmM Heute Punkt 8 Uhr im kleinen Urania-Saal Miltelschülerverfammlunq „Tie Fragen der junge» Genera tion." Referent: Erich Helle r. „Was tun?" Referent: K. W. Deutsch- Anschließend Diskussion. Filme Ib Prager LKDlspieihautero bi» einschließlich Donnerstag, den 23. Feber: Wron-Urania:„Johann Strauß, k. k. Hosballmusil- direktor."— Adria:„Gehetz:« Menschen."— Also! „Der träumend« Mund."— BerUnek;„Tas Schiff der Selbstmörder."— FSuix:„Grün ist&i f Heid«."— Flora:„Anton Lpeler— der Schalst ichütz«.'— Gaumont:„Aus. Waldwildnissen" t Hvdzda:„Gehetzte Menschen."— Jnlfs:„Muß mau sich gleich'scheiden lassen?"— Kapitol:„Johann Strauß, k k. Hofballmusikdirektor"— KiueoM, B-Th.: Journ., Groteske. Report. Ab halb 1 d>s halb 8.— Koruna:„Bomben über Shan-' Hai."— Kotva:„F. P. 1 antworter nicht." --- Lacerna:„F. P. 1 antwortet nicht.' Metro:„Wie sag ichs meinem Mann?"— Olympia „Grün ist di« Heide."— Passage:„Muß man sich gleich scheiden lassen?"— Praha:„Bomb«'' über Shanghai."— Sladio:„Das Schiff X 1 Selbstmörder."— Skaut:„Jngagt— Gorilla'— Svötozor:„Aus Waldwildnissen."- Alm«' „Orlow."— Avion:„Quo vadir?" Baikal: „Hochzeitsreise zu dritt."— Favorit:„Ich bei Tr» und Du bei Nacht."— Konvikt:„Anion Spelrc" der Scharfschütze."— Lido:„Der Licderiänger."■- Louvre:„Es war einmal«in Walzer."— Maceska- „Ouo vadis?"— PerStyu:„Das Schiff der Selbstmörder."— Roxy:„Der Weg ins Leben'~ Baldek:„Anton Äpelec— der Scharfschütze"• Belvedere:„Hochzeitsreise zu dritt."— B«f«d^ Orlow."— Carlton:„Anton kpelec— der Scharfschütze."— Illusion:„Anton kpelec— der Schari' schütze."— Sport-Schimov:„Der Lieder-änger."' Svornost-Bubene«: Jütttm.“— U Bejvodu:-3" allem ist die Liebe schuld."— Zvou:„Der Liedersänger."- t> 111■■ 11 k< t: Steofrtc* tut- tSbettetiltot: WiUnlm Hiekitt.— Herannvorrllcher ptedatle« Dr EmU 8 t r««s. Pia,— Druck: Jltta" n.-s. fix Mettu««.»»t«uch»ruck. Pra»— Für de« Druck»rr««tw««Uch Orr» 0»>it. - Dl» U.,:u»-»»»rr,ii,.d»k»»i-»rde»»» tu«oft-«. r«l«,r°dhk,»urtn<»«>I grl-tz«r toilui.- eej«»*beä>»g»ua«:«ei 3«?«^««—»>»*_<»«??»ur» H«.P»ir,«U>«>u>ch tu ltz-,»teriellitzrUch u»«,-» " Ut A4 Ws-> J»,«rau»erde» Uiu dUtlpr derechrrer, Der Sire«, Moltatt»»«« Preieoächtdb,— ttocklrrütrog»»» warurflripr««leist«m bet Lrojeodi», tq UrinnMrtifc