13. Jahrgang. Donnerstag, 23 Feber 1933 Rr. 46. La die Jodend der Eisernen Front timtet sich em mutiger Aufruf, in dessen, Schlußsätzen es u. a. heißt: -Fugend der Eisernen Front? Die politische «nd soziale Reaktion hat ihre letzten Reserven Mobilisiert zum Kampf gegen die Freiheits- Detvegung dcS deutschen Bolles. Wir nehmen den Kampf auf. Das Recht und der Geist der Verfassung sind unser« Bundesgenossen. Setzt alle Eure Kräfte ein. Werbt neue Kämpfer gegen die drohende Gewaltherrschaft der vereinigten sasci- nisch-kapitalistischen Reaktion. Für habt Euch in dem Kampfjahr 1932 tapfer geschlagen, wir rechnen auch jetzt auf Euch! L Die„neuen Herren" haben uns die Vernichtung angedroht. Sie können uns nicht schrecken. Die arbeitende und freiheitsliebend« Jugend wird nicht eher ruhen, bis das System des 30. Jänn«r in Deutschland wieder beseitigt ist. Je mehr sie Ans beschimpfen, j« wütender si« gegen unser« ^Organisationen anrennen, desto fester und entschlossener wird di« Jugend der Eisernen Front zwainmenstehen, um auf dem Boden der Ber- fassung unseren Ideen jum Siege zu verhelfen. Dj« Reaktion hat pch in ihrem Haß gegen Dollsherrschaft üüd Arbeiterbewegung geeinigt. Unsere Einheitsfront ist die Eiserne Front! Ihre Parolen und Ziele sind die Kampfeslosungen det jungen Arbeiterschaft. Freiheit! Mr di« Jugend der freien Gewerkschaften: Walter Maschk«. Für die Jugend der Ardeitersporwerbänd«: Fritz Wildung. ■ Für die Sozialistische Arbeiterjugend:-'•. Erich Ollenhauer. Für di« Jugend des Reichsbanners: Franz Osterroch."- ämettnung eines Hugenberg-Sdiwindeis. Die Sozialdemokratie geht nicht in den Osthilfe-Ausschufp ,< Die Reichsregierung kündigt an, daß sie eine Kommission zur Prüfung der Mißbräuche in der Ost Hilfe einsetzen will, dem acht Abgeordnete verschiedener Reichstvgsfraklioncn Unter Ausschluß her Kommunisten angchören sollen. AlS, Vorsitzender dieser Regiernngskom- ,Mission ist der frühere deutschnationale Rrichs- jWirtschaftsminister Neuhaus in Aussicht genommen. I Dazu erklärt der Sozialdemokratische Pressedienst: Dies« Ansicht des Herrn Hugenberg ist nicht geeignet, das Mißtrauen der Qeffentlichkeit gegen «ine Untersuchung zu beseitigen, die nicht in den Händen einer völlig unabhängigen und objektiven Stelle liegt. Sie ist in der Reichsverfassung und durch das Haushallsrecht des deutschen Reiches dorgeschrieben. Bis zum Zusammentritt deS neuen Reichstages ist das verfassungsmäßige Organ für solche Untersuchungen der UeberwachungS- a u s s ch u ß. Dir-Reichsregierung hat daher dafür zu sorgen, daß die Arbeit des Ueberwachungsaus. schusses nicht weiter verhindert wird. Sollt« jedoch auch hie Reichsregierung den Ueberwachungsaus- schuß auszuschalten beabsichtigen, so kann«ine Beteiligung au der Regierungskommiffion zur Untersuchung der Oschilfe schon insofern nicht in Frage kommen, als die Aufforderung Hugenbergs an die Abgeordneten zur Mitwirkung an dem von ihm eingesetzten Ausschuß bisher kein« Sicherungen für eine völlig objektive Untersuchung enthält. Auch ist nichts darüber bckanns, ob die Ergebnisse der Untersuchung der Oeffentlichkeit unterbreitet werden sollen. Ter Ausschluß der Kommuni st en von der Weiterführung. der Untersuchung der Oschilfe ist einseitig und unbegründet. Die Kom-1 Munisten haben im HauShaltSauSschuß des Reichstages bei der Beratung über di« Oschilfe absolut sachlick mitgearbeitet. Di« Arbeit einer Regierungskommission kann überdies das Recht und bie Pflicht deS Reichstags, die Untersuchung der für die Oschilfe verausgabten Millionen selbständig und unabhängig von der RrichS- regierung zu prüfen, in keiner Weise ersetzen. 7 Millionen Arbeitslose in Deutschland. Berlin. 22. Feber. Am 15. Feber waren wich den amtlichen statistischen Daten bei den Arbeitsämtern rund 33.000 Arbeitslose mehr geweidet als Ende Jänner. Di« Reichszahl der Arbeitslose« an diesem Stichtag beträgt 7,047.000. Drain end Severino sind Ehreonänier sagt selbst Papcn. Braun und Severlng lassen ein YcricnmderplaKot entlernen. - Otto Braun, und Severing haben gegen di« Verfasser und Verbreiter des nationalsozialistischen Plakates /,Zw«i Mi le lionen werden gestohlen" in Königsberg eine einstweilige Verfügung erwirkt, wonach bei. Vermeidung einer Geldstrafe in unbeschränkter Höhe oder Haftstrafe bis zu sechs Monaten untersagt wird, die Behauptung zu verbreiten, 1. Daß die Antragsteller zwei Millionen aus dem Staatssäckel gestohlen haben, 2. daß di« Antragsteller mit zwei Millionen, di« sie dem notleidenden Volk der Arbeiter,, Bauern und Bürger abgepreßt haben, die Frei- heltAbewegung Adolf Hitlers bekämpfen, 3. daß die Antragsteller rot« Landesver^ rate» seien, 4. daß die Antragsteller Gelder des Pol- k«s veruntreut hätten, 5. daß sie amtliche Protokolle beseitig t h ä t t« n, 6. daß sie rot« Parasiten seien. Das Plakat ist unverzüglich von den Plakatsäulen zu entfernen. In dxr Begründung wird u. a, ausgeführt, daß auch der politisch« Kampf di« per fön- liche^Ehr« des Gegner s achtem müsse, und daß«S auch dem BilligkeitSempsinden widerspreche, dem politischen Gegner im Wahlkampf nicht einwandfrei«rwiesen« Verfehlungen nachzusagen. Di« Verbreiter der Behauptungen hätten Gelegenheit, durch Lrhebung von Widerspruch den Beweis für ihr Vorbringen zu erbringen. Hobe« wurden und bi« bis zum Vorwurf« des Diebstahls und der persönlich«« Bereicherung gingen. Er macht« dem Reichskommissär Mitteilungen über die näheren Zusammenhänge und über di« staatspolitischen Gründ«, die bisher di« Staatsminister veranlaßt hätte«, Einzelheiten über di« Verwendung der Mittel nicht öffentlich bekanntzugeben. Pap«» wiederholt« seine frühere Erklärung, daß die Reichsregierung di« persönlich« Integrität des preußischen Ministerpräsidenten und seiner Minlsterkottegen nie angezweifelt hab« und daß er den in der Oeffentlichkeit beschrittenen Weg persönlicher Ehrenkränkung bedauere. o Im Abschluß an diese Besprechung hat nun Staatssekretär Dr. NobiS folgendes Schreiben an Ministerialdirektor Dr. Brecht gerichtet: „Ihrem Wunsche entsprechend, bestätige ich, daß«ach meiner Ueberzeugung irgend eia Vorwurf gegen die persönlich« Integrität der an dem Beschluß vom 8. April 1932 beteiligten Minister völlig ausscheidet. Etwas derartiges kan« auch nicht aus d«r Aufzeichnung vom 30. Juli entnommen werde«. Ich bestätige Ihnen ferner, daß di« Niederschrift über dir fraglich« Sitzung Anfang September zu den Akten des StaatSministerinms gelangt ist. Ich stelle Ihne« anheim, vo« diesen Briefe« den Gebrauch zu mache«, den Di« für richtig halt««." r~* Wird der lad seine Lügen berichtigen? ,.„Der Tag", der die in dem.Plakat enthaltenen Lügen täglich wiederholt, hat eS natürlich nicht notwendig, auf die persönliche_ Ehre der Gegner Rücksicht zu nehmen. Di« Kämpfer für Wahrheit und Recht", di« für ihn verantwortlich sind, wähnen sich eines ähnlichen Zugriffs, wie ihn das Naziplakat erreichte, völlig sicher. Sie mögen sich keinen Trugschlüssen hingeben!— Daß sie di« Lügen freiwillig widerrufen, ist von Dampfern für Wahrheit und Recht", wenn si« sich Nazis nennen, wohl zuviel verlangt. Teutsche Treue. Wer nicht über die Tugend verfügt, die Hitler in seinem Buche„Mein Kampf" als wichtigste Voraussetzung, Nationalsozialist zu werden, bezeichnet, das ist ein kurzes Gedächtnis, der kann jetzt anläßlich des Rummels, den die Nazis und mit ihnen einige der deutschbürgerlichen.Parteien wegen der Auslieferung der vier Nazi-Abgeordneten inszenieren, interessante Studien machen über daS, was die deutschen Nationalisten Treue, Mannhaftigkeit und Charakter nennen. Augenblicklich ziehen sie alle, Hakenkreuz- ler, Nationalparteiler, Chrrstlichsoziale, an einem Strange. In der Hoffnung, daß sich aus der Haltung der deutschen Regierungsparteien, vor allem der deutschen Sozialdemokraten, Kapital werde schlagen lassen. Die Auffrischung einiger Erinnerungen erscheint da sehr angebracht. Man braucht nicht erst viel alte Archiv«: zu durchstöbern, um die Feststellung zu machen, daß die Nazis, so wie sie dies seit jeher taten, auch jetzt eine erbärmliche Komödie aufführen. Nach dem Umsturz gebärdeten sie sich„demo- I kratisch". Und doch waren es dieselben Akteure, über derem Tun in der Vorkriegszeit die deutschnationalen Fabrikanten segnend die Hände gehalten hatten. Nach dem Aufstieg Mussolinis und Horkhhs, sowie gewissen Erfolgen Hitlers in Bayern, legten sie den demokratischen Schlapphut ab und entpuppten sich als Verehrer der Diktatur. Der Münchener Bierkellerputsch Hitlers mißglückte, flugs war es mit her Hitleranbetung aus. Nun war er für unsere Nazis nicht mehr als. eine„eitle Primadonna", wie ihn der„Tag" nannte, nicht mehr als ein abgetakelter Schznieren- komödiant. Später hoben sie ihn wieder auf den Piedestal, immerhin hielten sie es für. an-, gezeigt, das Hakenkreuz mit„aktivistischen" Girlanden zu behängen. Zur Zeit des Bürger? blocks bewiesen sie reichlich Verständnis für die Noiwendigkeit der Teilnahme deutscher Parteien an der Regierung und die deutschen Regierungsparteien erfreuten sich ihrer wohlwollendsten Duldsamkeit. Eben weil es b ü r- gerliche waren. Getreulich teilten sie damals ihr Hen zwffchen Hitler und K r e« p e k. Ob sie für den Parlamentarismus oder für die Diktatur sind, das war ihnen lang« Zeit ganz unklar. Lodgman, vordem für sie ein Nationalheiliger, wurde von ihnen, da auch Kkepek gegen ihn war, in Acht und Bann getan. Urplötzlich fanden sie, daß er doch nur ein„Don Quixote" sei, der es verdient, nach allen Regeln der Kunst verhöhnt und befpuckf zu werden. Herr Jung verkündete gegen Lodgman, es sei„noch lange nicht ein Kennzeichen besonders radikaler Politik, mildem Munde Wälder anzuzünden und Sensen und Dreschflegel losgehen zu lassen". Einige Zeit später— der Stern Hitlers war wieder im Steigen— vollzogen die Nazi- irüder einen neuen Frontwechsel. Aus gewissen Gründen— die Herren spekulieren da bei ihren gemeinen Schimpfereien nicht vergeblich auf unsere Anständigkeit— wollen wir uns beim Zitieren der nationalsozialistischen Großmäuligkeiten Reserve auferlegen. Nur soviel, daß sie schon im Oktober des Jahres 1924 so weit waren, daß Herr Jung auf dem in Fulnek stattgefundenen Landestag der mährisch-schlesischen Nationalsozialisten verkünden konnte, seine Partei benütze den Namen ihres Freundes Hitler nicht„als bloßen Aufputz", sondern sie wolle^,d i e g r o ß e A u f g a b e, die er sich in Reichsdeutschland stellte, auf unserem Heimatboden durchführen". Seither haben sie nicht aufgehört, den erwarteten Sieg Hitlers in Deuffchland als den Beginn der Erlösung der Sudetendeutschen auszuposaunen und in den von ihnen ge- und verführten Jungdeutscheu die Hoffnung aüf Hitler zu nähren. Doch da kam der Stimmenrückgang Hitlers bei den letzten Reichstagswahlen und was eine noch B« r l i n, 21. Feber. Am Samstag hatte im Auftrag der preußischen Staatsmknister Mini- sterialmrektor Dr. Brecht den Staatskommissär von Pape« auf di« maßlosen Angriffe aufmerksam gemacht, die in der Wahlpropaganda vo» nationalsozialistischer Seit« wegen angeblich mißbräuchlicher Verwendung von Staatsmitteln«r- Vsrkttbnuns rmd Vergewa’tigun? der Justiz, Ein NazkStaatsanwalt in Berlin soll Broun und Severing den Berlin, 22. Feber. In Königsberg sprach gestern der preußische Fraktionsführer der natio- «atsozialistische« Partei K u b«. Wie die deutsch« nationale^Telegrafen-Union" berichtet, kündigt« er an, daß schon in den nächsten Wochen die preußische Staatsanwaltschaft eine»„Naziches" in Berlin erhalte« würde. Dann würde» di« verantwortlichen Männer vor den Staatsgerichtshof des deutschen Volkes geladen werden. Braun l?0tS bredien» 5 und Severing würden von nationalsozialistischen Staatsanwalte« zur Verantwortung gezogen werden. Die Untersuchungen würde« sich aber weiter auch auf alle unteren Behörden und besonders auch gegen di« Polizeipräsidien richten, bei denen man Untersuchungen nach den Spitzelgelder« für die in die nationalsozialistische Partei entsandte« Polizeispitzel anstellen wurde. Den Mordbuben wird abgcpiificn. Schämt man sich oder begeht man Manöver? Berlin, 22. Feber. sEigenbeticht.) Die Mordtaten der SA. häufe« sich. Dem llebersall auf Mitglieder der„Pfalzwacht", der vorgestern nach einer Brüning- Versammlung unternommen wurde, folgte gestern der Ueber- fall auf«in« Versammlung des Zentrumführers Stegerwald in Kreefeld, wobei Stegerwald niedergeschlagen»nd ernstlich verletzt wurde. Solange sich das braune Mordgesindel damit „begnügte", Arbeiter«nd ihre Vertrauensmänner abzuschießen und zu-stechen, ließen die bürgerlichen Mitglieder des Kabinetts das noch augrhe«. Nu« aber, dq sich der Terror auch gegen das Zentrum, ja sogar gegen früher« Kabinettsmitglieder des Zentrums richtet, griff Herr von Pape»«in. Er veranlaßte seine« Unter-Chef Hitler, einen Aufruf an die braune» Mordgesellen zn richte«, in dem si« aufgefordert werden, gegnerisch« Versammlungen nicht mehr zu besuchen. Allerdings werden die Mordgarde« zu gleicher Zeit angewiesen, ihre Ausmerffamkeit vor allem auf den Marxismus, also auch aus Arbeiter- Versammlungen zu richte«. Wettere niutopier Berlin, 22. Feber. Dor einem KPD.-Lokal in Spandau entstand kurz vor 1 Uhr nachts eine Schlägerei. Ein 20jähriger Nationalsozialist «nd ein Kommunist wurden getötet. Hannover, 22. Feber. Gestern abends kam eS aus Anlaß einer Versammlung der SPD. vor., dem Versammlungslokal zu einer Schießerei.! Gewähr"dafür, däßder klci»deutschen'Einigung Ein Versamnklungsteilnehmer wurde getötet,s demnächst die großdeutsche Einigung fotzen fünf wurde« schwer verletzt. f werde. I Wofür Hitler die Gewähr Ist. Kiel, 22. Feber. Der braunschweigische Staatsminister Klagges erklärte gestern abends in einer nationalsozialistischen Wahlversammlung u. a., für Hitler sei däS Ziel, das er letzt erreicht habe, keineswegs das Endziel. Die Tatsache, daß heute ein O e st e r r e ich« r an der Spitze des Deutschen Reiches stehe, gebe die Seite 2 Donnerstag, 23. F»« ins» -N.«v. IöM»e M der ArMMaM Aus der nodgetrede des Genossen Dr. Heller. Christliche Wähler werden geangelt. Berlin, 22. Feber. Der amtliche preußische Pressedienst meldet: Die Kommissare des Reiches für dos Land Preußen stimmten in der heutigen Staatsministerialsitzung einem Vor- schlage des Reichskommifsars für den Geschäftsbereich des Ministeriums für Wissenschaft, Kunst und Volksbildung zu, einen Abbau der sogenannten weltlichen Schulen(Sammelschulens ab Ostern 1933 in die Wege zu leiten. Sie haben außerdem grundsätzlich ihr Einverständnis dazu erklärt, daß der Religionsunterricht als ordentliches Lehrfach in den Beruf- und Fortbildungsschulen eingeführt wird. stärkere Wirkung auSübte— nach dem Volkssportprozeß die drohende Auslieferung der vier Naziabgeordneten. Es erfolgte ein deutliches Abrücken von Hitler, das als Verrat an ihm nicht zu scharf bezeichnet ist. Jung, Krebs und Knirsch überboten sich in Beteuerungen ihrer lopalen Staatsgesinnung, welche durchaus nicht die Absicht habe, den Tschechen irgendwie lästig oder gar gefährlich zu werden. Solange die geringste Aussicht bestand, um die Auslie^ ferung herum-ukommen, erließen die angstschlotternden Helden vom Hakenkreuz an die Tschechen einen Appell nach dem anderen, um des Himmels willen doch nicht zu verkennen, daß ihnen nichts ferner lieg«, als solche schwarze Pläne zu spinnen, wie man ihnen mit großem Unrecht zumute. Sie ließen sich sogar in einem offiziellen Dokument des preußischen Pressedienstes der reichsdeutschen nationalsozialistischen Partei höchstpersönlich von ihrem Hitler feierlich bestätigen, daß diesem jeder Gedanke einer Einmischung in die" inneren Angelegenheiten der Tschechosiowakei vollständig fehle. Und um auch all« anderen Spuren zu verwischen, versendete die Parteileitung, wie die kommunistische Presie fest» steUte, an aUe Ortsparteileitungen ein Rundschreiben, in dem sie aufgefordert wurden, nicht nur alle Hakenkreuze in den Mitgliedsbüchern unkenntlich zu machen, sondern auch auS den Parteigrundsätzen„das Blatt über die staatsrechtlichen Forderungen herauszuschneiden". Die teuere Haut der Herren Jung, Krebs, Schubert und Kasper war in Gefahr, da lohnte es sich schon, di« Parteigrundsätze auszumerzen und»u verleugnen. Der Nazihelden sich würdig fühlend, haben sich ihnen jetzt die Nationalvar- t e i l e r jn dem wüsten Schimpf- und. Per- leumdungsfeldzug geaen die deutschen Regie- rungsvarteien angeschlossen. Das beißt, einer von ihnen, Dr. H a s s o l d, hat die Charakterfestigkeit aufgebracht, die Kriecherei und Schweistvedelei der Jung und Krebs vor den tschechischen Parteien als würdelos und charakterlos zu bezeichnen. Er mußte sich dakür von seinem eigenen Parteigenossen Dr. S ch o l- lich in einer öffentlichen nationalsozialistischen Versammlung blamieren und desavouieren lassen, der mit Knirsch vor versammeltem. Publikum Handschlag und Bruderkuß tauschte. Es ist dies derselbe Herr Schollich, der in der von ihm in Neutitschein herausgegebenen.Zeitung„Bolksruf" vor gar nicht so langer Zeit "vor den„Gaukler» und Roßtäuscher k ü n st e n" warnte, mit denen di« deutsche Bevölkerung von den Nationalsozialisten„betrogen, und r r r e a e s ü b r 1" werde. Damals hielt es Dr. Schollich für seine Pflicht,„das merkwürdige und aus die Dauer unerträgliche Gehaben einer Partei aufzuzeigen, deren parlamentarische Vertreter oft genau das Gegenteil von dem reden, was ihre Schriftleiter schreiben und umgekehrt". Andererseits waren die Herren um Fung und Krebs nicht faul, das politische Charakterbild derer um Schollich und Kallina in kühnen Strichen zu entwerfen und entrüstet stell'cn sie fest, daß ihre Partei„kaum von den Kommunisten und Sozialdemokraten so gehässig bekämpft" wurde, wie von der Nationalpartei. Nun drücken sie sich die Hände und fallen einander in die Arme. Die„Volksgemeinschaft" im Zeichen der tollwütigsten Hetze gegen die Sozialdemokraten ist geschlossen. So nebenher marschieren auch die deutschen Christlichsozialen mit. Obwohl ihnen der„Tag" anläßlich des VolkssvortprozesseS wegen der Haltung ihrer„Deutschen Presse" den Vorwurf des„klerikalen Dolch- st o ß e s" ins Gesicht»schleuderte! Die Moral, welche die Christlichsozialen hiebei bewiesen hätten, sei Wohl„eine katholische Moral, me viefleicht mit klerikaler Politik, aber niemals mit der wahren Lehre' Christi vereinbar ist".* Diese wenigen Selbstcharakteristiken lasten sich, wenn es den Herrschaften danach gelüstet, noch um das hundertfache vermehren. Wenn sie meinen, mit dem höchst widerwifligen Heldentum der Naziabgeordneten politische Geschäfte machen zu können, so werden sie sich täuschen. Die Eigenschaft der Vergeßlichkeit ßehlt unS gänzlich! Prag, 22. Feber. Jn dem wirtschaftlichen Teil seiner gestrigen Budgetredc wies Genoss« Dr. Heller einleitend darauf hin, daß die Wirtschaftskrise unseren Staat tit ihrer ganzen Schwere etwas später getroffen hat, als die anderen Staaten, dafür um so schwerer. Di« jüngsten Ereignisse zeigen ganz deutlich, daß die Krise ihren Abschluß nicht gefunden, sondern ich in letzter Zeit wesentlich verschärft hat. In diesen Zeiten schwerster Kris« leiden sicher di« meisten Klassen der Bevölkerung unter ihr. Er ist keine Frage, daß auch die Gewerbetreibenden und ein Teil der Unternehmer unter der Kris« leiden, und es wär« niemand so hirnverbrannt, nicht zuzugeben, daß auch unsere Landwirtschaft, die von ihrer separaten Pveiskvis« betroffen ist, uMer ihren Auswirkungen schwer leidet. DaS alles mag richtig sein, aber an di« Folgen der Krise für die Arbeiterschaft reicht«S bei weitem nicht heran. Der Bauer, der unter der Krise leidet, hat immer noch sein Dach über dem Kopf, er ist immer»och vor Hunger geschützt. Aber mit ihrer ganze» Schwere trifft dir Krise die Arbeiterschaft. GÄhen S« hinaus in uniftre Jndustriegegenden, offenen AugeS und unvoreingenommen, und sehen Sie sich an, wie d'«ft Arbeiter heute chren letzten .Hausrat versetzen oder verkauft», wie Massendelogierungen an ter Tagesordnung sind, wie wir vor einer Situation stehen, wie wir sie in der ganzen zurückliegenden Geschichte vor und nach dem Krieg niemals erlebt haben! Da berührt es nut im höchsten Raß« auf» reizeud und empörend, wem» wir sehe«, daß trotz aller Not und allem Elend ein großer Teil der bürgerlichen Parteien ständig gegen di« karg« Unterstützung der Arbeitslose» wühlt uud hetzt und dabei— wie es heute hier geschah— sogar ins Treffen geschickt wird, daß«in Arbeitsloser sich irgendwo e i n Radio angeschafst habe. Es ist sicher, daß es unter den 850.000 Arbeitslosen irgendwelche geben wird, ti« die Arbeitslosenunterstützung auf unrechtmäßigem Weg« erwerben, aber gemessen an der großen Zahl t«r Arbeitslosen sind das doch nur verschwindend« Fälle. Aber dir Agitatio» der bürgerliche» Partei«» richtet sich ja»icht gegen di« Unterstützung selbst! Demgegenüber könne» wir ihn«» erkläre», daß wir an der Arbeitslosenunterstützung»icht rühre» laste»»nd daß wir alle» Versuche«, hier— wie Sie es nenne«,„Ordnung" zu schaffe»— den schärfste» Widerstand entgegensetze« werde». Der neugebildeten parlamentarischen Spar kenn Mission wär« es sehr zu empfehlen, di« Geschäfts führung unserer K a r t«I l« zu überprüfen, etwa des Spirrtuskartells oder des Zuckerkarrells. Wir Prag, 21. Feber. Im Lauft der heutigen Senatssitzung kamen nicht weniger als 18 Redner zu Wort, so daß sich die Sitzung wieder bis spät abends hinauszog. Auch morgen wird die Debatte den ganzen Tag über weitergehen. Bon unserer Senatsfraktron beschäftigte sich heute Genosse I o k l ausführlich mit den notwendigen Reformen auf allen Gebieten der öffentlichen Verwaltung und des Finanzwesens, wobei er die zahlreichen Mißstand«, die sich überall zeigen, scharf verurteilte. Genoste Jokl ging, nachdem er einleitend zunächst den Herrn Halen gebührend abgefertigt hatte, der das Anwachsen des FasciSmus in Deutschland in völliger Berkehrung der Tatsachen den Sozialdemokraten in die Schuhe schieben wollt«, sofort auf die Notwendigkeit der Reform d«r öfffent- lichen Verwaltung ein. Wir begrüßen den Standpunkt des Herrn Ministerpräsidenten, daß die Behörden der Bevölkerung zu dienen haben. Heute wird dieses Prinzip leider noch nicht angewendet. Neben der Aktenwanderung und Aktenschiebung, die heut« direkt zu. einem System in unserer Verwaltung geworden ist, macht sich in letzter Zeit bei einige» Bezirksämtern direkt dir Tendenz bemerkbar, das alte Prinzip des Vormärz, di« Bevormundung der Bevölkerung, wieder zur Geltung zu bringe». So läßt sich u. a. die Bezirksbehörde in Neu« t i t s ch e i n von dem Grundsatz leiten, alles, was nicht ausdrücklich erlaubt sei, sei verboten! Ueber die Notwendigkeit der Reform des Gr- meindefinanzgesetzes hat gestern bereits Genosse Dr Heller gesprochen. Ich will nur noch darauf verweisen, daß eS auch heute schon— ehe eine gründliche Reform durchgeführt wird— möglich wäre, die Festeln diese- Gesetzes ein wenig zu lockern Auch daS Gesetz über die Wahlen in die Bezirks- und Landesvertretungen müßte in die Reform einbezogen werden, denn wir empfinden eS als eine Schande, daß die Ernennungen in diese Bertretungskörper nicht schon beseitigt sind; auch das Wahlaltrr müßte herabgesetzt und alle Bestimmungen beseitigt werde«, durch die die Entschluß, fähigkeit dieser Bertretungskörper eingeschränkt wird. Genoste Jokl wendet sich jedoch dagegen, daß auf dem Gebiete der Finanzverwaktung die so wichtigen Reformen mit der Austastung von Steuerämtern und mit der Zusammenlegung der Troppauer mit der Brünner Finanz» landeSdirektion begonnen werde! Es ist unS anscheinend doch gelungen, die Ansicht durchzusetzen, wünschten nur, daß di« Kommission dabei zu Bor> schlagen kommt, welche d«m Treiben gewisser politischer Partei«« in diesen Kar teilen ein Ende machen und die die Gewinn«, welche diese Kartelle aufweiftn, der privaten Hand entziehen und dem allgemeinen Wohl zugänglich machen. Hundert« von Millionen könnten auf dies« Weift dem Staate zukommen, während sie heute in unbekannte Kasten fließen. Wenn wir allerdings sehen, toi« in letzter Zeit die Verhandlungen erschwert werden, welche der Wirtschaft dienen sollen, so müsftn wir unsere Hoffnungen wesentlich herabfetzen? So wird die Schaffung d«S Notfonds, zu dem auch die Arbeitgeber hrrangezogen werden sollen, vo« de» politische» Vertretern der Arbeitgeber sabotiert. Dieser Rotfonds soll de^produktiven Aribeits- loftnunderstützuntz dienen, also dem, wat di« Herren immer zu wünschen vorgeben, daß nämlich di« Arbeitslosen nicht ein Almosen, sondern Arbeit bekommen sollen. Wenn aber di« Wittel hiefür beschafft werden sollen, dann leisten dies« Herrschaften, die immer von der„Unfruchtbarkeit" ter Arbe>tS- losenunterstützung sprechen, den größten Widerstand! Dasselbe Bild scheu wir bei de» Bemühungen um die ZiuSfußseukuug. Endlich ist die Regierung so wert, dem Abgeord- netenhauS einen diesbezüglichen Entwurf vorzulege». Nun kommen wieder dieselben Kreis« und versuchen, in dieft von ihrer eigenen Regierung eingeb rächt« Vorlage ein KuckuckSei„ hineinzulegen, um sie wieder unmöglich zu machen Auf einmal haben sie an der ganzen Zinssenkung kein Interesse, wenn chren Wünschen bezüglich der Kollektivverträge der Bankbeamten nicht Rechnung getragen wird. Muß denn gerade di« Senkung der Reg!« bei jenem Teil der Bankbeamten erfolgen, di« niedrige Gehälter beziehen? Di« Gehalte der wenigen leitenden Beamten machen in den Banken rund die Hälft« aller lpersonalauKlogen aus. Man könnt« also bereits fthr viel ersparen, wenn man di« Herab- fttzung der Gehalt« auf dies« überhoch bezahlten Angestellten beschränken würde! Auch in der Wohnbaufrag« sind«4 wieder dieselben Parteien, di« einer zweckmäßigen und richtigen Wohnbauförderung di« Mitt«! versagen und ft wieder verhindern, daß Arbeit beschafft, daß d«r Wohnungsnot«Mich«in End« gemacht werde. Das find wieder dieselbe» Parteien, die ummter- , brachen gegen die Arbeitslosenunterstützung- los- ziehen, andererseits aber alle Mittel auwende», um di« Schaffung vo» Arbeit für die ArbeitSloseu zu vrrhiudrru! daß jetzt in der Kriftnzeit nicht der Moincnt für derart einschneidende Operationen gegeben ist.. Redner verlangt weiters Aufklärung über die Steuerabschreibungen größten Stils, wegen deren Herr Dr. Larisch-Mönnich in Verhandlungen mit dem Finanzministerium steht. 16.3 Millionen sind ihm bereits abgeschrieben worden, jetzt soll eine neue Abschreibung von weiteren drei Millionen bewilligt worden sein. Bei kleinen Leuten wird jede Steuerabschreibung einfach verboten, auf der an- dere» Seite aber werden Riesenbeträge im gleichen Atemzug adgeschrieben! Zum Kapitel Verteidigungs ministerium konstatiert Genoste I o kl, daß di« Sachausgaben seit 1927 zwar von 778 auf 676 Millionen zurückgegangen sind, daß aber in derselben Zeit der Index für Jndustrieprodukte wie auch für Nahrungsmittel weit mehr gesunken ist. Wir hoffen, daß man auf di« Frage der Soldkürzung schon nicht mehr zUrückkonrmen wird. ES gibt schon noch andere Möglichkeiten, diese elf Millionen einzusparen! Wir begrüße» dir vorzeitige Entlastung des Jahrganges 1931 und glauben, daß damit auch für die Entlastung des Jahrganges 1932 ein Präjudiz geschaffen wurde. Darin haben wir ja überdies im Finanzminister einen sicher«« Bundesgenossen! Redner wendet sich weiter dagegen, daß man Militärdienswerweigerer mit schweren Kerkerstrafen kirre machen will, statt sie einfach in die Sanität einzureihen, und wendet sich dann der Handhabung des Gesetze- über den Unterhaltsbei.trag zu Wir fordern mit allem Nachdruck, daß die unhaltbare Praxis beseitigt wird, wonach die Ange- . hörigen Eingerückter keinen Unterhaltsbeitrag erhalten, wenn der Familienerhaltrr am Tage des Einrückens nicht effektiv in Arbeit gestanden ist, sondern— wenn auch erst nur kurze Zeit'— arbeitslos war. Zum Schluß bespricht Genoste Jost die schwere Wirtschaftskrise des Mährisch-Ostrauer Gebietes und verweist darauf u. a. auf die Hutindustrie in Neutitschein, die in der letzten Zeit unter den Exportschwierigkriten ganz besonders zu leiden hat. Redner unterstreicht daher nochmals die dringende Notwendigkeit einer Jnvestitionsan- leihe, um auf diese Weise die Mittel zur Durchführung großer Jnvestitionsarbeiten aufbringen und so neue Arbeitsgelegenheiten schaffen zu können.(Beifall.) «eine rersaueMkernoS der Staateangcstellen- Lage Die Gewerkschaftsvertreter der koalierten Parteien beim Borsitzende« der Regierung. DienStag, den 21. Feber, fanden sich bei» Vorsitzende« der Regierung Malyp«tr die Gewerkschaftsvertreter aller koalierten Parteien ein— unserseits waren die Genoste« Grunz» «er«nd Ceeh anwesend—,«m eine Erklärung des Borsitzenden der Regierung eiuzuholrn, was an de« in den staatlichen Remtern tradierten Gerüchten über weiter« beabsichtigt« Abzüge an den Genüssen der StaatSanaestenten, über dir Entpragmatisierung der Angestellten, die Rrstril» twn«sw. Wahre- sei. Der Vorsitzende d-r Regierung gab den anwesenden Vertreter« folgend« klare Erklärung: „Die Regierung denkt und wird an keinerlei Maßnahmen denken, welch« die Gehalts- oder Rechtsverhältnisse von Einzelpersonen oder einzelner Kategorien verschlechtern werden. Sie wird andere Wege zur Aufrechterhaltung des Gleichgewichtes des Staatsbudget- suchen. Die schmerzlichen Maßnahme«, welch« di« Regierung treffen mußte, haben- UeberganaScharakter und sind durch Gesetz zeitlich begrenzt. Die Herabsetzung des Aufwandes für di« staatlich« Administrative gedenkt die Regierung durch Reorganisatio« der Staatsverwaltung zu erzielen; die Kommission wird in einigen Tagen ernannt werden und eS werden ihr auch ArvritSdirektiven gegeben werden. Außerdem wird in kurzer Zeit die Sparund Kontrollkommission konstituiert werden. Di« Regierung beabsichtigt nicht, irgend- eiue gewaltsam« Restriktion nach einem besonderen Gesetz durchzusühren, sondern durch Verschiebungen dre Stände der einzelnen Zweig« der Staatsverwaltung auSzu gleichen und durch ausgiebigere Peusiouiernng di« weitere regelmäßige Beförderung auf systemisiert« Stelle» zu ermögliche«. Dir Richtlinien für di« jetzt durchgrfiihrte Ernennung nach zweijähriger Unterbrechung sind kein« dauernde Maßnahme für die Zukunft. Di« Beförderung wird nach und nach fortgesetzt, eine weiter« Etappe wird vorbereitet." Aalt 83 Millionen 1231 Was die Frainer Talsperre wirklich kostet. Ueber die Kostenüberschreitungen bei der Frainer Talsperre, die die Oeffentlichkeit und Vie parlamentarischen Faktoren, bereits wiederholt beschäftigt Haven, gab Minister Dr. Do-, st a l e k gestern im VerkehxsauSschuß des Abge-‘ ordnetenyauftS ein: genaues Bild. DaS ursprüngliche Projekt von 83 Millionen wurde durch Aenderungen, die das Ministerium selbst forderte, auf 87 Millionen erhöht. Man hatte es aber unterlassen, in das Projekt das sogenannte Jnventarpauschal(für die sehr kostspielige« Investitionen zu Beginn des Baues) einzurechnen, dqs schließlich mit 16.3 Millionen in Rechnung gestellt werden mußt«! Richtig hätte der Kostenvoranschlag am Tage der Vergebung auf 199.3 Millionen lauten sollen, d. i. bereits um 22.3 Millionen höher. Di« wahrscheinliche Ueberschreitung gegenüber dieser Zister dürft« weitere 14 Millionen betragen, so daß der Gesamtaufwand etwa 123,319.066 Kronen betragen wird. Di« Ueberschreitung bei den eigentlichen Bauarbeiten, die rund 13.8 Millionen beträgt, ist durch Vertiefung der Grundlagen infolge des schlechten Fel-untergrundes und dem damit verbundene» höheren Aufwand an Beton und sonstigen Baumaterialien gerechtfertigt. Durch Ersparnisse bei der Pflasterung wurde dieser Fehlbetrag um 3.25 Millionen herabgesetzt, so daß di« Kostenüberschreitung heim Bau der Sperrmauer selbst 10,549.006 Kronen beträgt. Die sonstigen Bauarbeiten, für di« 1,980.000 Kronen präliminiert waren, wurden um 5.1 Millionen überschritten! Angeblich war in dem Projekt auf die kostspieligen Kommunikationen nicht genügend Rücksicht genommen; auch hätten einige Jnterestenten ihre Forderungen siir abzutretenden Grund gesteigert. Ob es noch zu weiteren Ueber- schreitungen kommen wird, kann der Minister nicht bestimmt angeben; jedenfalls fehlt in der Endsumme von 123.3 Millionen noch der Aufwand für ein« Brücke, der 425 Millionen betragen wird! Gegen die Beamten, die für die Nichteinrechnung des JnventarPauschalS in den ursprünglichen Kostenvoranschlag verantwortlich sind, läuft seit 18. Jänner d. I.«ine Disziplinaruntersuchung. Es wurden auch neue Richtlinien für die Berücksichtigung deS JnventarPauschalS bei der Zusammenstellung von Kostenvoranschlägen herauSgegeben. Zusammenfastend erklärte der Minister, daß sämtliche Kostenüberschreitungen bei dieser Talsperre durch Rücksichtnahme auf Qualität, bzw. Sicherheit des Baues begründet seien und von einer Verschwendung öffentlicher Mittel daher nicht dir Rede sein könne. Auch sei nichts festgestellt Worten, was von irgendeiner Korruption zeugen würde. Nach längerer Debatte, in die der Minister nochmals eingriff, wurde der Bericht vom Ausschuß zur Kenntnis genommen. Der LandeSauSschuß für Böhmen behandelte in seiner Sitzung am 22. Feber neben einer Reihe laufender Angelegenheiten 336 Gemeinde- und zehn Bezirksbudgets und bewilligte 81 Gemeinden die Einhebung verschiedener Abgaben und Gebühren. Er stimmte dem Beschluß der Zentralvcrtretung der Hauptstadt Prag betreffend den Abschluß einer Hypothekaranleihe von 8,490.000 X zum Bau von Miethäufern und betreffend den Abschluß einer Kommunalanleihe von 800.000 X zur Entwässerung der Kolonie„Tempo" zu. Wann Romml eine gründlidie Verwallunosrelorm? Genosse Jokl über die Mißstände in der Verwaltung. Jft. 48. Donnerstag, 23. Feber 1933 Seite 3 leit zu geben, ihrerseits Stellung und begann bereits den Kampf gegen den Nanking-General Tschangsuclian. Sein Verrat rief unter seinen ehemaligen Freunden Bestürzung hervor. „Anleihe des nationalen Heils“ Schanghai, 22. Feber.(Reuter.) Minister Sun erklärt«, die chinesische Regierung habe zugestimmt, daß in der nächsten Zeit ein« sogenannte „Anleihe des nationalen Heils" in der Hohe von 20 Millionen Dollar ausgeschrieben werde, deren Ertrag zur Finanzierung der militärischen Operationen gegen die Japaner in der Provinz Dschehol verwendet werden wird. Peking, 22. Feber. Nach Berichten des chinesischen Kommandanten in Jehol hatten die Japaner bei dem Zusammenstoß bei Tschaojan 800 Tote und Verletzte, während die chinesischen Verluste rund 4000 Mann betragen. Die Japaner griffen heute früh Nanlin an, wurden aber durch heftiges Maschinengetvehrfeuer zurückgeschlagen. und hauptsächlichst japanische militärische Persönlichkeiten offene Erklärungen über die Möglichkeit und sogar über die Notwendigkeit eines Krieges mit Sowjelrußland gesprochen haben. Die Sowjetunion fuhrt in allen übrigen Staaten, auch im Fernen Osten, eine unweigerliche Friedenspolitik und mischt sich absolut nicht in die Angelegenheit fremder Staaten. Die japanische Regierung hat den sowjetrussischen Vorschlag, einen Nichtangriffspakt zu schließen, abgelehnt, und die Sowjetunion kann diesen alarmierenden Am st and nicht unberücksichtigt lassen, besonders bezüglich der Verteidigung der sowjetistischen Grenzen im Fernen Osten. Wenn sich der ausgezeichnet ausgerüsteten Armee die Kräfte der Arbeiter und der Bauernschaft. anschließen, die dem bolschewistischen Gedanken treu bleiben, so erhält Sowjetrußland eine solche Kraft, die jeder Intervention standhalte. von einer merklichen Besserung der Lage an den Westgrenzen der Sowjetunion sprechen könne, verbleibt der Ferne Osten weiterhin ein Abschnitt der Aufmerksamkeit des ganzen Sowjetlatches. Di« diplomatischen Beziehungen zu China sind zwar vor nicht langer Zeit wieder äufgenomme« worden, auch sind die Beziehungen zu Japan scheinbar normal, doch kann die Tatsache nicht beruhigen, daß einzelne politische, gesellschaftliche Vie Arbeitslosigkeit In Polen. Warschau, 22. Feber.(PAT.) Die Regierung billigte den ersten Abschnitt des Planes zirr Ausführung öffentlicher Arbeiten. Hiedurch werden im laufenden Jahre etwa 30.000 beschäftigungslose Arbeiter, die jetzt vom Ministerium für soziale Fürsorge rund 31 Millionen Zloty an Unterstützungen empfangen, Arbeit erhalten. Außerdem wird gerade im Sejm der Antrag des Regierungsblockes auf Schaffung eines Arbeitslosenfonds beraten, der es ermöglichen würde, rund 100.000 Arbeitslose zu beschäftigen. Diktator Roosevelt. Washington, 22. gestern in einem 17.,.,.. Präsidenten Roosevelt eine fast diktatorische Gewalt zur Reorganisation der Ausgaben der Föderalregierung zugesprochen. Nach der Roosevelt übertragenen weitgehenden Vollmacht wird dieser das Recht haben, staatliche Behörden— Ausnahme von Ministerien— aufzulöscn. Ein gültiges Beto gegen seine Anträge werden beide Kammern nach 60 Tagen nur mit Zweidrittelmehrheit annehmen können. aufrichtig bedauern, daß ein Koalitionsblatt vom Range der„Nürodni Listy" so tief unter das und daß eine Koalitionspartei vom Range der eine unglaubliche Nazi Bestialität. Hamburg, 21. Feber.(Eig. Drahtb.) In Altona-Osdorf wurde der zwanzigjährige Arbeitersportler Walter Meyer das Opfer eines mit unglaublicher Bestialität ausgeführten Nazimordes. Der Vorfall ereignete sich während eines Tanzvergnügens, an dem u. a. auch Mitglieder der freien Turnerschoft teilnahmen. Bei ihrem Eintreffen sammelten sich di« schon anwesenden Nationalsozialisten vor. der Tur des Lokals, scheinbar um einen Angriff vorzubereiten. Aus dem Hof trafen sie dann den Arbeitersportler Walter Meyer allein an. Etwa zehn Nazis stürmten sofort auf Meyer los und mißhandelten den Sportler, der der Uebermacht gegenüber wehrlos war, mit Knüppeln und Eisenstangen in fürchterlicher Weise. Ein Schsag auf den Kops spaltete di« Schädeldecke, ein zweiter zertrümmert« das Schienbein. Mit den Worten:„Dem Schwein wollen wirs gründlich besorgen" schoß einer der Mörder dem furchtbar Zugerichteten dann eine Kugel in den Rücken, di« in einer Niere stecken blieb. Während der Tat hatten die Nazis die Tür des Saales zugeriegelt, so daß Meyer niemand zu Hilfe kommen konnte. Jetzt ist dos unglückliche Opfer dieser feigen und viehischen Tat im Krankenhaus Blankenese gestorben. Ein Teil der Täter ist bekannt. Die polizeilichen Nachforschungen sind noch nicht abgeschlossen. Durch Putsch zur Allmacht Berlin, 22. Feber.(Eigenbericht.) Die Meldungen ausländischer Blatter über die Borberei-- tungen eines Hitler-Putsches für die Nacht des Wahltages bestätigen sich. Die SPD ist von un- terrichteter Seite über Hitlers Putschvorbereitungen informiert worden. Goering hat den Putschplan den SA-Führern bereits in allen Einzelheiten vorgelegt und mit ihnen durchbesprochen. Wie heute aus München berichtet wird, ist man dort fest entschlossen, zwei Stunden nach dem Ausbruch des Hitlerputschcs den Exkron- prinezn Rupprecht zum König auszurufen. Kongreß hat ntzugewahlten Vor einer Kriegserklärung in Südamerika. Paris, 22. Feber. Wie HavaS aus Asuncion berichtet, wird di« paraguayische Regierung dringlich den Kongreß einberufen, um von ihm di« Genehmigung zu erhalten, Bolivien den Krieg zu erklären, um auf diese Weise die Lage zu klären und den anderen Ländern die Möglichkeit zu geben, chverseits Stellung zu nehmen. Rußland und Japan. Eine Erklärung Woroschilows. In einer Rede, die der Kommissär für das Militär- und Marinewesen, Woroschilow, auf einer Tagung der Kollektivwirtschaften hielt, erklärte er zu den Konflikten im Fernen Osten: Moskau, 22. Feber.(Taß.) Während man einer merllichen Besserung der Lag« au den T o k i o, 21. Feber.(Reuter.) Die japanischen Truppen haben Peipiao in der Provinz Dschehol genommen. Ultimatum in den Papierkorb. Nanking, 22. Feber.(Reuter.) Der offiziell« Sprecher des Außenministeriums erklärte, daß der in der japanischen Note enthaltene Vorschlag auf Schaffung einer neutralen Zone um die chinesische Mauer unsinnig sei. Gleichzeitig betonte er, daß das Ultimatum, das vom Swate Mandschukuo einlangen wird, sofort zurückgesandt werden wird. Nach den chinesischen offiziellen Berichten halten die Chinesen noch di« Stadt Nanlin. Lin gekaufter Chinesengeneral Tschantschun, 22. Feber.(Reuter.) General Liukyueitan, Kommandant der 4. Division der chinesischen Freiwilligen stellte sich mit 15.000 Mann dem Staate Mandschukuo zur Verffigung 9 Widerstand Deutschlands bei der Abrostungskontercnz. Genf, 22. Feber. Die Debatte im Hauptausschuß der Abrüstungskonferenz über di« Vorschläge der französischen Delegation betreffend die Vereinheitlichung der europäischen Heerestypen, die Einführung des kurzfristigen Militärdienstes sowie die Herabsetzung des zahlenmäßigen Standes der Armeen, haben bisher angesichts des grundsätzlichen Widerstandes der deutschen Delegation zu dem Gesamtkomplex des französischen Planes zu keinen positiven Resultaten geführt. In der Aussprache kam der Wunsch zahlreicher Staaten zum Ausdruck, unter gewissen Voraussetzungen dem französischen Plan beizutreten. Nur die italienische und die deutsche Delegation schieben die endgültige Entscheidung immer weiter hinaus in der Hoffnung, daß die Konferenz schließlich doch zu den Beratungen über das Kriegsmaterial übergehen und die Vereim heitlichung der europäischen Heerestypen nicht angenommen werden wird. 22. Feber. Der Beschluß dem rnde der FDlltarliugzeuger Genf, 22. Feber. Die Kommission für die Abrüstung der Flugstreitkräfte befaßte sich heute mit der Frage der vollständigen Abschaffung der Militäraviatik und den Bedingungen einer solchen Abschaffung. Die Ansichten der Delegierten gehen bisher sehr auseinander. Einige' Großmächte haben die Absicht, das Militärflugwesen vollständig abzuschaffen und wollen dccher die Bedingungen nicht annehmen, welche andere Staaten für di« Abschaffung der Militäraviatik stellen. Reldisbannerrnann erschossen Berlin» 22. Feber. In Mi-Moabit verteilte heute vormittag ein Reichsbannermann di« Wahlzeitung„Freiheitskampf" der sozialdemokratischen Partei. Plötzlich versuchte, wie das „Berliner Tageblgtt" berichtet,«in Passant dem Reichsbannermann die Zeitungen zu entreißen. Bei dem Handgemenge zog der Angreifer eine Pistole und streckte den Zeitungsverteiler durch einen Bauchschuß nieder. Der Täter flüchtete und_gab auf seine Verfolger noch mehrere Schüsse ab. Endlich gelang es, ihn zu überwältigen. kralle(und auch aller tschechischen Parteien!) im österreichischen Reichsrot' verweist, niemanden aus politischen'Gründen auszuliefern, gleichgültig, ob Freund oder Feind, als „Vergleich des Vorgehens der Gerichte der Republik mit der politischen Justiz des alten Oesterreich" zu bezeichnen, zeigt die ganze Verworfenheit dieser journalistischen Giftmischerei von einer neuen unappetitlichen Seite. Wer die Verhältnisse einigermaßen kennt, wird-unschwer ersehen, aus wessen Köcher die- Oesterreich bleibt streng neutral. Sozialdemokratische Anträge im ilauptaussdiuß angenommen. Wien, 21. Feber.(AN.) Der Hauptausschuß des Nationalrates hielt heute abends eine Sitzung ab, die bis nach 23 Uhr dauerte. Bundeskanzler Dr. Dollfuß gab einen Bericht über den französisch-englischen Schritt und die Stellung rahme der Regierung dazu. Im Verlaufe einer längeren Debatte, an der sich sämtliche Härteren beteiligten, stellt« der Großdeutsche Dr. S1 r y ß- ner den Antrag, die Antwort des Bundeskanz lers nicht zur Kenntnis zu nehmen, da sie der Würde eines souveränen Staates nicht entspreche. Dieser Antrag wurde mit allen gegen eine Stimme abgelehnt. Ein Antrag der Regierungs- .rattei, der Hauptausschuß nehme die Mitteilun gen des Bundeskanzlers über di« Erledigung der Hirtenberger Angelegenheit zur Kenntnis, wurde mit Mehrheit angenommen. Von einem aus fünf Punkten bestehenden ozialdemokratischen Antrag, wurde Punkt 4, vornach der HauptauSschutz mit Genugtuung eststellt, daß nunmehr Aussicht bestehe, die An gelegenheit ohne jede Verletzung der Würde der Republik zu liquidieren, einstimmig angenom men. Zum Punkt 5, der strengste Rentralitüt Oesterreichs verlangt, stellte Abgeordneter Bu re s ch eine« Wänderungsantrag, wornach sich der Hauptausschutz nach wie vor zur Einhaltung trengster und gewissenhafter Neutralität gegen- iber alle« Bündnissen, Rüstungen und Kon- likten der Nachbarstaaten bekennt, die die Re- mblik Oesterreich vor ernsten Gefahre» bewahren Vormarsch der Japaner müsse. Dieser Antrag wurde einstimmig ange- nommen. Die Noten werden nicht beantwortet. Wien, 21. Feber.(AN.) Im HauPtauSschuß gab Bundeskanzler Dr. Dollfuß eine eingehende Darstellung über die Hirtenberger Waffenaffäre und teilte Wer Ersuchen des Hauptausschusses den Wortlaut der französischen und der englischen Not« vom 11. Feber mit. Der Inhalt der Note entspricht der durch Zeitungsmeloungen bekannten Fassung. Der Bundeskanzler verhehlte in Besprechung dieser Noten den beiden Diplomaten nicht den peinlichen Eindruck, den ihr Vorbringen auf ihn machte, und hielt den Rechtsstandpunkt fest, daß es sich in der Sache um keine Verletzung des Friedensvertrages handle. Nach der Entwicklung, die der heutige Tag brachte, schloß Bundeskanzler Dr. Dollfuß, stehe nun fest, daß der österreichisch« Rechtsstandpunkt tatsächlich anerkannt wird und eidliche Erklärungen nicht mehr in Frage kommen sowie von einer vierzehntagigen Frist nicht mehr gesprochen werde. Was die Vorlage der Zolldokumente anlangt, müssen, wie im internationalen Verkehr üblich, den offiziellen Mitteilungen der Bundesregierung, auch wenn sie durch Dokumente Nicht belegt sind, voller Glauben beigemessen werden. Bei dieser Sachlage werde der Bundeskanzler die Noten überhaupt nicht beantworten. klne Zensur Mr Goering. Held über die Pflichten der Polizei. München, 21. Feber. In seiner Rede auf einer Kundgebung der Bayrischen Volkspa rte: teilte der bayrische Ministerpräsident Dr. Held est, daß jede Regierung, die vom Reichspräsiden- «n verfassungsmäßig gebildet werde, zu unter- tützen set, wenn sie verfassungsmäßig hr Amt ausübe. Di« Polizei müsse unter allen Umständen ihre Pflicht erfüllen, sie habe aber diese Pflicht allen gegenüber in voller Gleichheit zu erfüllen. sammenhangzu reißen und dann' ins Gegenteil umzudeuten, versagte, ja versagen mußte, well Dr. Heller eben auch in ganz and«, rem Zusammenhang etwas derartiges nicht ausgesprochen hat, zu einer offensichtlichen Fälschung gegriffen, di« dem Blatt wenig,' Ehr« eintragen wird! Daß das Blatt auch sonst von dem unsau beren Mittel, die wichtigsten Teile der Rede, die sich mit aller Entschiedenheit gegen di« Hakenk.reuzler wendeten, vollständig zu unterschlagen, ausgiebig Gebrauch ge- ser vergiftete Pfeil stammt! Wir können es nur macht hat, daß es ferner den Schluß unter-< s.'“ schlägt, wo Dr. Heller ausdrücklich sagte, daß f Ränge der„Nürodni Listy" so tief unter das nicht die letzten im Kampf gegen den Fascismus Niveau selbst der Stkibrnh-Presse gesunken ist, die deutschen Sozialdemokraten sein und daß eine Koalitionspartei vom Range der werden, wenn cs der Fascismus auf einen Kampf Nationaldemokraten im politischen Kampf kein wird ankommen lassen, und daß es schließlich die besseres Mittel finden kann als grobe Kühnheit hat, jene Stelle der Rede, in der Dok- Fälschungen von Reden politischer Gegner, tor Heller an die alte Tradition der Sozialdemo- Weit, sehr weit haben es diese Herren gebracht! Eine prode lonrnalWche Auanftöudigkeit, M so recht die Kampfesmethoden beleuchtet, die di« Vertreter des tschechischen Industriekapitals Wn die deutsche Sozialdemokratie derzeit anzu- Ivenden belieben, haben sich gestern di«„NL- rodni Listy", das sonst so vornehm tuende Blatt "«r tschechischen Bourgeoisie, geleistet. i Wir haben erst vor wenigen Tagen einer Darstellung der Brünner„Lwove Noviny" -kaum gegeben, wie in dieser Partei ein Flügel -egen den andern arbeitet und wie die Herrschaf- tat bestrebt sind, aus den innerhalb der Koau- äon bestehenden Differenzen wegen der Auslieferung der Hakenkrcuzler Kapital für sich zu Ichlagen, eine kleine Regierungskrise her- ikizuführcu und dann— im Besitz Hes unpolitischen Finanzministeriums— innerhalb der Koalition die Radikalen und Oppositionellen zu fielen und den übrigen tschechischen Parteien unter den künstlich in Aufregung gebrachten Döhlern eine scharfe„nationale" Konkurrenz 1 la Stribrn- zu machen. s In blindwütiger Verfolgung dieses einzigen Zieles haben sich nun gestern die„Nüroonl «isch" ein Stückchen geleistet, dar eben nur als grobe journalistische Unanständigkeit bezeichnet luerden kann. Während das Blatt in seiner ersten Aus- rbe über die Senatsrede des Genossen Dr. , ellei, in der er sich mit der Frage der Aus- luferung der Hakenkreuzler in ganz sachlicher «ejse befaßte, ohne weiteren Kommen- lar nur kurz referiert und dabei selbst die Fest- Mung nicht unterläßt, daß er die Feigheit der WMkreuzlerischen Abgeordneten verurteilt ' M, bietet der Senatsbericht in der dritten und Aten Ausgabe des Blattes ein ganz anderes oild. In den paar Stunden, die zwischen den beiweit Ausgaben liegen, waren schon ein paar «iftmlscher am Werk, um aus der Rede Dr. Hellers einen„H a u p t s ch l a g e r" gegen "!«deutschen Sozialdemokraten zu machen. Mit Einem fetten Titel über zwei Spalten: .Pronokatto« der deutsche« Sozialdemokraten im Senat" beginnt di« Giftmischerei und mit der a u f- -elegt ev Lug«: »In der Budgetdebatte des Senats erklärte der deutsche Sozialdemokrat Dr. Heller: Die Verfolgung der Hakenkreuzler ist eine politische Persekution der Deutschen" bitb die Hetzkampagne im Untertitel erfolgreich ^gesetzt. Daran schließt sich ein aufgeregtes stresste, das allem Anschein nach sogar mit e>»em falschen Signum versehen wurde, nur ja den Verdacht von dem tatsächlichen ^reiher dieser Zeilen abzulenlen! Dann heißt u. a.:; „vs.— Gestern haben die deutsche» Sozial« Autokraten im Senat voll ihr nationales deutsches Besicht gezeigt. Ihr Redner Sen. Dr. Heller trat mit einer Rede auf, die eine Provokation der Demokratie, des Sinnes für Recht und£)«&• nung ist. Für sein« Partei erklärte er, daß die deutsche Sozialdemokratie nicht für die Auslief«- ruwg der hakenkveuzlerischen Abgeordneten stimmen kann, und die gesetzliche Verfolgung ihrer verdächtigen antistaatlichen Tätigkeit nannte er ,Apolitische Persekution". Er erkühnte sich sogar, das Vorgehen der Gerichte der Republik mit der politischen Justiz des alten Oesterreich zu der« gleichen" >. Daran schließt das Blatt weiter«in« Reihe W Angriffen gegen uns und erklärt zum Schluß, Ni solch« Ansichten des Sprechers einer Koali- »»iijpartei durchaus unannehmbar sind und daß Eä Notwendig sein werde, daraus di« Konsequen- N zu ziehen.— Auch in der Rede selbst wird ? Wendung von der„Persekution der deutschen" wiederholt. . Heber unseren Standpunkt zur Auslieferung Men wir mit den„Nur. Listy" nicht rechten, ^egenheit zur Aussprach« darüber ergibt sich ja dieser Stunde zur Genüg« vor einem andern Forum. Aber wir müssen die„Rür. Listy" frage«, woher sie de« Mut nehme«, di« Rede Doktor Hellers in ihrem Hauptpunkt grob zu fälschen »nd ihm zu unterschiebe«, daß er die Verfolgung der Hakenkreuzler als„politische Persekution der Deutschen" bezeichnet hat. . Di« Herren haben und hatten Geleqen- hnt, in das— unkorrigierte— stenographisch« «wtokoll Einsicht z« nehme«. An welcher Stelle hat das Dr. Heller gesagt? i Wir haben gestern die Rede Dr. Hellers sEkeits fast wörtlich veröffentlicht. Dort ist über- ^upt nur an einer Stelle die Wendung Verfolgung aus politischen Gründen" gebraucht, lder Ausdruck„Persekution", M einen üblen Beigeschmack hat, kommt überhupt in der ganzen Rede nicht einmal vor!) M im umgekehrten Sinn, daß wir Mnlich eine derartige Verfolgung gegenüber suchen der Demokratie als gcrechtfer- , 61 ansehen, wenn diese Leute H a n d l u n- »kn begangen haben, welche die Demokratie wer den Staat zu bedrohen imstaitde such. Wo steht es in der Rede Dr. Hellers, daß kr von einer Persekution„der Deutschen" wrach? Hat nicht Dr. Heller gerade de« Ge» oaukrn jedweder„Bolksgemeinlchaft" mit de» siige» Hakenkreuzler» mit größter Schärfe ubgelehnt? - Hier haben die„Nur. Listy", da selbst da« ’W übliche Mittel, eine Stelle aus dem Zu- Seite 4 Donnerstag, 23. Acker 1933 Nr. 46. Gegen die Faieifteu im Staatsdienst. Entschiedene Stellungnahme des Genossen Dundr. Der tschechische Genosse Dundr wandte sich— ähnlich wie seinerzeit Genosse Hampl im Abgeordnetenhaus— in der gestrigen Budgetdebatte im Senat in schärsster Weise gegen die Fascisten. Wir wissen, erklärte Dundr mit allem Nachdruck, daß di« Beseitigung der Demokratie und die Einführung der Diktatur nur auf Ko st en der arbeitenden Klasse geschehen könnte und die Vernichtung ihrer politischen und bürgerlichen Freiheit bedeuten würde. Zu diesen Konsequenzen führt jede Diktatur und deshalb sind wir für die Demokratie, die wir schützen und unter Mithilfe aller fortschrittlich denkenden Menschen auch erhalten weiden. Gewisse Erscheinungen in den letzten Wochen haben gezeigt, daß es n o t w e n d i g ist, in unserem Staate Ordnung zu machen. Es gibt viele ordentliche Leute, die dankbar wären, wenn sie dem Staate ehrlich und gewissenhaft dienen könnten. Gibt es aber im.Staatsdienst Leute— und gut gezahlt«—, die Mi ßtrauen verbreiten und auf einen Zerfall hinarbeiten und die in ihrer amtlichen und außeramtlichen Tätigkeit die Feinde der Demokratie unterstützen, so haben sie im Staatsdienste nichts zu suchen! Als heftiger Gegner jeder Frauenarbeit in den Büros und Betrieben erwies sich gestern im Senat der tschechische Agrarier Sechtr. Er machte auf. die übermäßige Beschäftigung von Frauen in öffentlichen und privaten Diensten aufmerksam. Das sei ein Ueberbleibsel aus der Kriegszeit, wo die Männer an der Front standen und die Frauen ihre Stelle ausfüllen mußten. Er forderte nachdrücklich, daß die Frauen wieder ihren Familien zurückgegeben würden und die Männer ihrer Arbeit, damit die Frauen nicht die Männer erhalten müßten. Darin erblicke er eines der Rezepte(Sechtr sagte:„Rezepisse") zur Beseitigung der Arbeitslosigkeit. Aenderungen an der Gebührenvorlag«? Der verfassungsrechtliche Ausschuß des Senats hat gestern beschlossen, zur Beratung der neuen Gebührenvorlage ein dreigliedriges Subkomitee aus den Senatoren Dr. Milota,'Dr. Heller und Dr. Vesely einzusetzen. Das Sukomitee hat die Aufgabe, zu einigen Paragraphen Aenderungen vorzubereiten. Im Budgetausschuß wurde über Antrag des tschechischen Genossen Modraoek die Verhandlung der Glühlampensteuer zum Zwecke neuer Beratungen in den Klubs vertagt. Zur nächsten Sitzung soll der Finanzminister eingeladen werden. Ti XuMurorganisationen nehmen geschlossen am Frauentag, 12. jWärx teil. Das Reldi der Militärattaches Berlin, 22. Feber. Die deutsche Regierung beabsichtigt der„Vossischen Zeitung" zufolge außer Militärattaches bei den ehemals alliierten Regierungen auch einen Militärattache für Wien zu ernennen. Für diesen Posten soll der Generalleutnant a. D. M u f f ausersehen sein. Nene Zeitungsverbote. Berlin, 22. Feber. Die in Berlin erscheinende Druckschrift„Die Tribüne" wurde bis 20. August verboten.— In Krefeld wurde die „Niederrheinische Volkszeitung" beschlagnahmt, weil sie ein von der Zentrumspartei Krefeld an Goerivg gerichtetes Telegramm veröffentlichte. — Aus dem gleichen Grunde wurde auch der Dortmunder„Generalanzeiger" beschlagnahmt. Zur Vernichtung des deutschen Volkes. SS-Leute als Hilfspolizisten. Dortmund, 21. Feber.(Eig. Drahtb.) In einzelnen Polizeipräsidien des Westens wie in Kölns Recklinghausen, Essen usw. sind eine größere Anzahl SS-Leut« als Hilfs- p o l i z e i beamte eingestellt worden. «eine Nazi-Koalition In Hamburg. Die Deutsche S taa t§ Parte: teilt zu den auch vom„Prager Tagblatt" in knalliger Aufmachung mitgeteilten Nachrichten über eine Koalition in Hamburg folgendes mit: Die Mitteilungen aus Hamburg, wonach di« dortige Staatspartei«ine bürgerliche Koalition einschließlich der National, sozialisiert mitmachen wolle, um«ine Neubildung des Senats unter Ausschluß der Sozialdemokratie zustandezubringen und gleichzeitig di« Auflösung der Bürgerschaft zn verhindern, haben sich als falsch erwiesen. Daß solche Ansinnen von rechts gestellt worden sind, ist ebenso richtig wie ihr« Ablehnung durch di« Hamburger Staats- parter. Der derzeitige regierende Hamburger Bürgermeister Dr. Petersen würde übrigens, wie er uns zu ersiären ermächtigt, auf einer solchen Grundlage weder eine« Sitz im Senat übernehmen, noch fein Mandat in der Bürgerschaft behalten. Jkl öAWkl WI« WMWWkl! AW. Schmuggel mtt Photoapparalen. Bor einiger Zeit beschlagnahmten Organe der tschechoslowakischen Finanzwache in einem Nachtlokal in Weipert zwei Radioapparate und etliche dazugehörige Geräte, die von Paschern im Auftrage eines Prager Kaufmannes bei Bärenstein aus Sachsen über die Grenze nach Böhmen gebracht worden waren. Einzelne Blätter brachten über diese Affäre übertriebene Berichte und behaupteten, daß ein ganzes Lager von Rundfunkapparaten beschlagnahmt und etliche Verhaftungen vorgenommen worden wären, daß im Zusammenhänge mit der Angelegenheit Hausdurchsuchungen in Prag, Komo- tau und Teplitz vorgenommen worden seien u. a. m. In Wirklichkeit handelt es sich bei der von Weipert nach Komotau und Teplitz und weiterhin nach Nordböhmen reichenden Pascheraffäre nicht um den an sich geringfügigen Schmuggel der beiden Rundfunkapparate, sondern um größere Posten von Photoapparaten, die ^schwarz" aus Sachsen nach Böhmen gebracht und von Weipert aus ins Landesinnere geschickt worden find. In die Anaelegenheit sind etwa zwölf Personen verwickelt,. gegen die. von Seit« der zuständigen Finanzbehörde das Verfahren eingeleitet worden ist und bei denen z. T. auch Haussuchungen vorgenommen wurden. Die Erhebungen find bisher noch nicht völlig abgeschlossen, aber sicher ist jedenfalls, daß es sich hier um einen Schmuggelfall größeren Stils handelt, bei welchem beträchtliche Werte auf dem Spiele standen und bei welchem die Zollstrafen ganz beträchtliche Ausmaße erreichen. Ausgebrochener Pascher. Dieser Tage würde ein junger Mann aus Weipert von der deutschen Zollstelle in Bären- tein bei dem Versuche, Ware aus Böhmen nach Sachsen zu schmuggeln, festgehalten und dem Ge meindearreste zugeführt. In der Sonntagnacht ist es ihm gelungen, aus der Haft zu entweichen, indem er sich durch die eisernen Gitterstäbe seiner Zelle durchzwängte und sich schleunigt wieder über die Grenze nach Böhmen zurückbegab. Böhmischer Pfeifentabak in Sachsen sehr gefragt. Unter der Pascherware, die aus Böhmen nach Sachsen gebracht wird, spielt seit langem der böhmische Pfeifentabak eine hervorragende Rolle, denn die Pfeifenraucher Sachsens bevorzugen die böhmische„Mischung" in besonderer Weise, so daß die meisten Schmuggler diesem Zweig ihres Geschäftes besondere Aufmerksamkeit zuwenden, um so mehr, als sich nur wenige böhmische Erzeugnisse für den Schmuggel nach Deutschland eignen. Der Zoll- und Strafsatz für gepaschten böhmischen Tabak ist außerordentlich hoch, aber trotzdem befassen sich ganze Organisationen in Sachsen mit dem heimlichen Import" dieses Produktes, für das sie ein weites, unerschöpfliches Absatzgebiet haben. Dieser Tage wurden mehrfach im Grenzabschnitt Weipert- Annaberg Pascher mit böhmischem Pfeifentabak von Organen der Zollbehörde stellig gemacht und beträchtliche Mengen der Pascherware beschlagnahmt. Es wurden auch Hausdurchsuchungen voegenommen, wobei ganz ansehnliche Vorräte dieses von den deutschen Pfeisenrauchern so begehrten Rauchmaterials vorgefunden wurden. Dem sächsischen Staatssäckel sallen in jedem Einzelsall namhafte Strafbeträgc zu. Daß der Schmuggel mit diesem Produkt immer mehr in Schwung kommt, erklärt sich aus der Tatsache der immer mehr zunehmenden Erwerbslosigkeit im sächsisch-böhmischen Grenzgebiet. niiiiiiniiiiiiiiiiiiiiiiNnHiiuiHiiiiiiiiiiiiiiiiiiiuiiiiiiiHiiiiiiiiiniinniiiiuiiniiiiiiininHiiuiiiiiiimniiiiiniiiiiinniiiiiiiiiiiUNiiiiiiiiinmnnniiiiiiiniiiiHniiniiiiiiiiniiinniiiiiiiiiniiiniiiiiiiniiHiHiiiiiiiiin) T agesneuigkeiten Neu-Mrollung des Falles Salus-Klalter? Aerzterat prüft das Urteil der Sachverständigen. Wie die„Lidove Novinh" meldet, ist der Fall der Frau Dr. Salus-Klafter, die vor wenigen Monaten im Einvernehmen mit ihrer Schwester ihren schwerverletzten Neffen Peter Pochobradsky aus Mitleid tötete, Gegenstand weiterer Untersuchung. Frau Dr. Salus-Klafter und ihre Schwester, die Mutter des verunglückten Schülers, Ida Pochobradsky, wurden im Kreisatzricht in Chrudim auf chren Geisteszustand im Augenblick der Tat untersucht und das Strafver- s.a h r e n wurde bekanntlich auf Grund eines Sachverständigengutachtens der Chrudimer Aerzte PodrouLek und Musil, die die beiden Frauen im Augenblick der Tat für unzurechnungsfähig erkannten, e i n g e st«l l t. Di« Staatsanwaltschaft beantragte bei der Ratskammer, das Sachverständigengutachten durch den Aerzterat prüfen zu lassen. Diesem Antrag wurde nicht stattgegeben. Erst das P r a g e r Obergericht gab dem Antrag der Staatsanwaltschaft statt, so daß das Urteil der Chrudimer Sachverständigen einer neuerlichen Untersuchung unterzogen wird. Sollte sich der Aerzterat mit dem Gutachten der Sachverständigen nicht iden- tifizieren, wäre ein Strafverfahren gegen die beiden Frauen zu gewärtigen. Ein zweiter Attentatsversuch au! Roosevelt. Washington, 22. Feber.(Reuter.) Rach Meldungen d«r„Washington Post" wurde ein zweiter Attentatsversuch auf den Präsidenten Roosevelt entdeckt. Auf dem Washingtoner Postamt« wurde ein an de« Präsidenten Roosevelt adressiertes Paket gefunden, in dem sich ein« Bombe befand, di« aus einem mit Pulver gefüllten Stück Rohr angefertigt war, das mit einem verrosteten Draht umwickelt war. Die Explosivkraft dieser Bombe erwies sich als nicht besonders groß, doch hätte di« Explosion immerhin größere« Schaden anrichten können. Tragische Folgen e'nes Selbstmords. Paris, 22. Feber. In der Nacht auf heute beging ein j u n g e r M a n n in einem Pariser Hotel durch Einatmen von Leuchtgas S e l b st- mord. Durch das auSströmende Leuchtgas kam auch ein über dem Zimmer des Selbstmörders wohnender H o t e l g a st ums Leben. Außerdem erlitten zwei Frauen Gasvergiftung e n* so schwerer Art, daß sie in hoffnungslosem Z u st a n d ins Krankenhaus geschafft werden mußten. Austösnng einer illegalen Srganisation . dl MShr.'Sstrav. Mahr.-Ostrau, 22. Feber. Di« Polizeidirektion in Mähr.-Ostrau hat die Organisation „I. Sektion der proletarischen Körpererziehung" in Mähr.-Ostrau aufgelöst, da sie sich bildete und tättg war, ohne nach dem Bereinsgesetz angemeldet gewesen zu sein. Gleichzeitig wurde die Tätigkeit dieser illegalen Organisation verboten und chr Eigentum sowie umfangreiches Schriftenmaterial, das geprüft wird, sichergestellt. Gegen die führenden Faktoren dieser Organisation deren Tätigkeit sich auf etwa 50 Ortsverbände- der proletarischen Körpererziehung im Ostrauer Gau erstreckte (die Ortsverbände sind auf Vereinsgrundlage legal gebildet), wird nach Ueberprüfuna des sichergestellten Materials das entsprechende Strasverfahren eingeleitet werden. Der kopflose AmtsWmmel. Wann wird die Vernichtung von Lebensmitteln im Zollverfahren einmal aufhören? In seiner Budgetrede brachte Genosse I o kl gestern auch die—, von uns wiederholt schon qpgepraygerte.—■ unglaubliche Glanzleistung unseres Amtsschimmels zur Sprache, der selbst in der heutigen Zeit der größten Not und Entbehrung es noch immer zustandebringt. auf Grund direkt mittelalterlicher Anordnungen und Gesetze beschlagnahmte Nahrungsmittel bei ein- zxlnen Zollämtern einfach zu vernichten, statt, sie an Bedürftige, ja Hungernde zu verteilen. So wurden kürzlich von der Zollbehörde in Oderberg 47 Zentner Orangen einfach in die Oder geworfen. Als Arbeitslose diese Orangen für ihre Kinder herausfischen wollten, wurde Gendarmerie aufgeboten, um dieses große Verbrechen hintanzuhalten. Bereits im Vorjahre wurden im Schlachthof von Neu-Oderberg zwei Waggons Hühner vernichtet und eines Tages vier Waggons Aepfel vergraben und noch mit Jauche übergossen, um sie ja für jeden menschlichen Genuß ungeeignet zu machen. Gewiß werden die Finanzorgane diese Handlungsweise mit Gesetzen und Verodnungen belegen und rechtfertigen können, aber in der heutigen Zeit des Notstandes der Mafien sollte man Mit derartigen Verordnungen doch einmal aufräumen und beschlagnahmte Lebensmittel unter entsprechender Kontrolle lieber zur Verteilung an Arbeitslose freigeben! 14 Soldaten dnrcki Wofion verletzt. Lemberg. 22. Feber. Bei einer militärischen Hebung in Sanok ließ ein Soldat durch einen unglücklichen Zufall eine in Brand gesteckte Petarde auf ein Faß mit Pulver fallen. Es erfolgte eine Explosion, bei der 14 Soldaten ver letzt wurden, von denen sieben Zustand in das Krankenhaus gebrächt wurden. in bedenklichem nach Premhsl Akademie der Feigling«. Unter diesem Titel berichtet die„Arbeiter-Zeitung" über die Stellungnahme der deutschen Dich- terakädemie(die Abteilung Dichtkunst der Akademischen Künste) zu dem Austritt ihres bisherigen Präsidenten Heinrich Mann. In der Aussprache sei man übereingekommen, den Streitfall ganz unpolitisch behandeln zu wollen. Es werde kein weiteres Mitglied der Dichterakadenrie seinen Austritt erklären. Einstimmig sei eine Erklärung angenommen worden, die Heinrich Mann den herzlichen Dank für seine Verdienste um die Akademie ausspricht. Diese Erklärung sei dem Präsidenten der Akademie der Künste, Professor v. Schillings, zugeleitet worden. Und dazu schreibt nun die„Arbeiter-Zeitung": Wenn diese Meldung richtig ist— und man kann an ihrer Richtigkeit nicht zweifeln, denn außer Thomas M a n n hat kein einziger deutscher Dichter ein Wort des Protestes gegen die Knechtung des deutschen Geistes durch dal fascistische Banausentum gefunden—-, so hat sich die lebende deutsche Tichtergeneration fit alle Zeiten mit Schimpf und Schande bedükt. Der Präsident der Dichterakademie wird von einem hergelaufenen Reichskommissär aus der Akadeprie hinausgeworfen, weil er eine Kundgebung für die Einheit des Proletariats unterzeichnet hat. Und die Mitglieder der Akademie erklären, diesen frechen Üebergriff als ganz unpolitischen„Streitfall" behandeln zu wollen. Man könnte diese Feigheit nicht einma' dann verzeihen, wenn in der Dichterakademi' lauter arme Teufel säßen, die um ihren Er werb zittern. Aber unter ihnen sind angesehen Schriftsteller, die aus ihrer literarischen TAiß keil reiche Einkünfte beziehen. Nicht aus No! kuschen sie, sondern um sich mit den Herrschen den zu verhalten. In der ganzen deutschen Geistesgcschichte— selbst nicht im Weltkrieg, als sich deutsche Wissenschaft und deutsch? Dichtkunst patriotisch prostituierten— finde! sich kein Beispiel solcher Schmach. Es ist fast genau ein Jahrhundert her, daß der.König von Hannover die Berfasfung seines Landes gebrochen hat. Damals fanden sich an der steinen Göttinger Universität sieben Professorenunter ihnen die Brüder Grimm, die Amt und Würden hinwarfen und gegen den Berfas- sungsbruch protestierten. Die Verfassung^ brüche, die heute in Deutschland an der Tagesordnung sind, nehnien die bürgerlichen Vertreter der deutschen Geistigkeit stumm hin Und wenn ihnen ein hakenkreuzlerischer Pjy chopath ins Gesicht spuckt, so sagen sie, es. wat unpolitisch. Damit werden sie vielleicht ihre Pfründen retten. Ihre Ehre haben sie M loren. DaS Befinden des verletzten Bürgermeister» von Chicago Lermak hat sich verfchlechtcrs da der-Patient an einem D a r m k o t a r r h leidet.— Die Verteidiger des Attentates Zangara haben beschlossen, gegen das Uttt' feine Berufung einzubringen. Ein Minister im Staatsgefangnis. Der ehc malige persische Minister Teymur T a s ch wurde da er an starken Herzkrämpfen leidet,, in W Spital des Staatsgefängnisses gebracht. Die M Hörden ordneten an, daß das gesamte BgrmW des verhafteten Ministers beschlagnahmt und'der Erlös zur Bedeichung der vom Staate gegen ifr' geltend gemachten Forderungen verwendet mordc In der Tatra wurde Dienstag durch eim Schneelawine auf polnischer Seite eine expedition verschüttet. Infolge der energischer Rettungsärbeiten konnten zwei der verschüttet-" Touristen rechtzeitig geborgen werden. Dagegen wurde die 28jährrge Lehrerin einer Krakauer Volksschule, Camilla Kemeus, erst am nächste'' Tage als Leiche geborgen. Die tanzenden Dieb«. Beamte der Berlin^ Kriminalpolizei hoben nach längerer BeobachtuH das an der Weidendamer Brücke gelegene TaNZ institut„Romana" aus. Zwanzig Einbrecher W Hehler wurden festgenommen. Bedeutende Mtf gen Diebesgut— u. a. ein großer Posten Leidig geswhlener Felle, außerdem mehrere S" denballen— konnten beschlagnahmt werden. Dreizehn Seeleute ertrunken. In der Näh der spamschen Westküste sind ein FischdauE und eine Motorbarkasse im Sturm gescheites Dreizehn Seeleute ertranken. Artistentod. In Manila(Philippinen) brat*) der aus Dresden stammende Artist Brad»!" während einer Vorführung seiner Nummer AE menschliche Kanonenkugel" beim Nicderfall M Netz das Rückgrat und verschied nach kurzer Zeit Neun Mann ertrunken. Der d e u t f Fi s chdampfer„Brigitte Sturm" überrann" außerhalb des Hafens von Rejkjavik ein isla» disches Fischerboot, das sofort sank. Ne>'^ Mann ertranken, acht wurden gerettet. Einbruch in ein« Drogerie. In der 9^: auf Mittwoch wurde in der Drogerie der Firw „Union" in P i l s e n ein Einbruch verübt, wobt- verschiedene photographische Apparate und Gegs"' stände im Werte von etwa 10.000 XL entwcubo wurden. Bon den Tätern fehlt jede Spur.,- Ein seiner Bereinspräfident. Großes W sehen erregt in Leipzig die Verhaftung des sidcntcn des Interessenverbandes der KroftfaW und Sachverständigen für das Kraftfahrweseri M Landgericht in Leipzig Et»gen Lauber. Laubü wurde wegen Meineides, Konkursvergehen uNf anderer Verbrechen ins Untersuchungsgefängtz^ eingeliefert., „Künstlerische" Währung. Der amerikanW Finarqfachmann Harrington macht in einer Harker wirtschaftspolitischen Zeitung den 5°’ schlag, die amerikanischen Kunstschätze zur Gram läge einer neuen amerikanischen Wahrung machen. Vom Rundfunk Empfehlenswertes aus den Program-"" Freitag. Prag: 11.00 Schallplatten. 17.00 Konzert. Taxophoickonzerr. 20.15„Siegfried", Oper von Äü ner. 23.00 Weltmeisterschaft im Eishockey.— BrL^ 16.00 Blasmusik.— Berlin: 15.35 HarmoniuuuurN 19.00 Schlager.— Breslau: 21.00 Kammermusik Mühlacker: 19.10 Lieder und Balladen 23.00 Süß' musik.— Hamburg: 19.30 Cellokonzert.-- Königs berg: 18.30 Zicher-Trio.— Langcuberg: 20.00 Diät lche und Walzer.— Leipzig: 20.00 Blasmusik.' München: 20.00 Orchesterkonzert.■ Wie«: Musik der Rationen. 18.55 Berufserlebnisse 19" Duos für Violinen. Sk. 48. Donnerstag, 28. Feber 1833 Seit« 5 Verteidigung eines barbarischen Sportes. Der Senat des Staates New Jork richtete unter dem Eindruck« dcS Todes des Boxers S h a a f, des Gegner- Prime Carneras, heftig« Angriffe gegen di« daS Boxen betreffend« Gesetzgebung. Wahrend der Senat in Albany einen Gesetzentwurf für«ine Reform der für den Boxsport gültigen Regeln vorbereitet, haben sich die Anhänger dieses Sportes mit dem Bor- sitzenden der Athletik-Kommission des Staates, Farley, der Vorsitzender des demokratischen Nationalkomitees ist, an der Spitze, zur Verteidigung des gegenwärtigen Boxspartgesetzes zusammengeschlossen. Farley deutete an, er und seine Genossen würden einen erbitterten Kampf führen, Ulk die Aufhebung der gegenwärtigen diesbezüglichen Gesetzgebung zu verhindern, denn der beim Match Primo Carnera—Shaaf vorgekommen« ^vereinzelte" UnglückSfoll, wie er sagt«, könne sich bei jedem anderen Sporte auch ereignen. „Ter Sport als Gesundheitserhaltung und Erwerb." Sport kann Erwerb werden, in ernster Form als Trainer, Einpauker, Partner von Großmüttern„beflerer Kreise"— und als Sport- Gigolo überhaupt. Solche Erwägungen leiteten das Sportamt in Frankfurt a. M., als es jetzt Sportkurse errichtete— für Erwerbslose. In Beisatz der Bekanntgabe, daß Sportkleidung Mitzubringen sei, ist genau so stilvoll, wie es das Verlangen eines Prager Vereines war, der behauptet, Kunst und Literatur zu dienen, als er kür den Besuch seiner Veranstaltung Frack, mindestens Smoking verlangt«, Im Frankfurter wie Frager Fall mag krisengemaß der Versatzzettel im Knopfloch genügen.(Gibt es Ausleihämter für solche Krisekriegsorden?) Für das Unnötig« haben di« Kapitalbesitzer immer Geld. Leide« der jungen Wertder. AuS dem Russischen von M. Soft schenk». Ich fahre auf meinem Rade durch%ie Straßen. Es ist ein recht gutes Rad. Englisches Fabrikat. Ganz moderne Konstruktion. Die Reisen sind zwar nicht einheitlich— der eine ist englisches, der andre deutsches Fabrikat. Und dl« Lenkstange stammt aus der Ukraine. Trotzdem läßt sich's— bei trockenem Wetter— ganz gut damit fahren. Und so sitze ich auf meinem Rade und lenke eS. Ich fahre den Kamenostrowjki- Prospekt entlang, über den Boulevard und biege in ein« Eeitenollce ein. Ich fahr« mit gemächlicher Seelenruhe. Di« Vögeln zwitschern. Eine Krähe pickt den Straßenkot. Bor einem Tor« bellt ein Hündchen. Ich nehme die herbstliche Landschaft in mich auf, und plötzlich wird mir's weich ums Herz. Ich möchte mich aller trüben Gedanken erwehren. Da» Bild eines schöneren Lebens steigt dor mir auf: Gleichheit und Brüderlichkeit, gegenfertige Achrung, gemilderte Sitten, Nächstenliebe. Ich inöchte meine Arm« weit ausbreiten, um die Menschen zu umfangen, möchte ihnen ein gutes Dort sägen, sie in ein« Volksküche mitneymen und si< samt und sonderS satt machen. Ich hätte Geld unter sie verteilen mögen, als Entschädigung.für alles Mißgeschick, für alles Schwere, das sie bisher zu ertragen hatten. Bon fern her ertönt ein Pfiff. Da hat Wohl jemand eine Ueber- tretung begangen, hat nicht ordnungsgemäß den Straßendann überschritten. In Zukunft wird's auch das nicht mehr geben. Dies« markerschütternden Pfiff«, die heut« ganz Rußland durchschrillen, werden dann ein Ende nehmen. Noch einmal läßt sich nun ganz nahe bei mir der aufregend« Pfiff vernehmen. Dazu Geschrei und rohes Geschimpfe. Solches Geschrei wird es dann auch nicht mehr gehen, zum mindesten nicht dieses entwürdigende Geschimpfe und dies« Roheit. Ich höre jemanden hinter mir herlaufen, mit heiserer Stimm« schreien:„Was nimmst du Reißaus, du Hundesohn.' Daß dich... Sofort machst du Halt!" Wem die wohl nachjogen mögen, frag« ich mich, indem ich langsam, aber wohlgemut meinen Weg fort- ntze. „Ljoschka, du Lump," ruft do ein« Stimme, »laus mal links vor! Laß den da nicht aus dem Auge!" Ich sehe einen Burschen link- neben mir her- wufen. Er schwingt einen Stock und droht mit der Faust. Ich wende mich zurück. Ein halb ergrauter Mann von würdigem Aussehen läuft '»mitten des Weges und brüllt aus voller Kraft: »Packt ihn, Brüderchen, packt ihn! Ljoschka, ver- sirr' ihn nicht aus d«n Augen!" Ljoschka zielt nach wir— sein Knüppel trifft dcks Rad. Nun begreife ich, daß eS mir gilt. Ach spring« ab und siehe wartend da. D«r Wart«r kommt heran. Sein« Brust röchelt. Keuchend entwindet sich ihr der Atem.„Packt ihn, ihr da," schreit er. Bereit- willig stürzen sich an di« zehn Mann auf mich, drehen mir fast die Arm« aus und kreuzen sie hinter meinem Rücken. „Seid Ihr von Sinnen, Brüderchen!" Der Wärter entgegnet mir: ,^Ich schlage dir »och die Zähn« ein. Du sollst spüren, ivas daS heißt, einen Beamten während der Ausübung seiner Amtspflicht zu beleidigen. Laßt ihn nicht ws, den Hund!" Ein ganzer Haufe hat sich um uns versam- 'welt.„Was hat er denn verbrochen," fragt«iner. „Er hat mich fast zu Tode gehetzt, mich mit weinen 53 Jahren. Dieser Weg ist für Radfahrer Untersagt. Es steht ja auch ein Schild da. Und Weser Satan wagt eS, trotzdem hier zu radeln. Dem will ich es eintränben. Gut. daß mein Gehilfe darauf kam, ihm eins mit dem Stock zu versehen." . Ljoschka durchbricht die Menge, krallt sich mir Nl die Hand.„Ich hab' nach seiner Hand gezielt. Ich wollt« si« ihm zerschmettern, damit er nicht weiterfahren könnte." Brüderchen," sage ich,„ich hatte ja keine Ahnung, daß der Weg hier verboten ist. Dachte auch nicht daran, auszukneisien." „Was, du dachtest nicht daran, auszukneifen," brüllt der Wärter außer Atem.„So ein« fr«he Lüge! Zur Polizei mit ihm!" ,Zört doch auf, ihm das Handgelenk auszudrehen," sagt einer. „Brüderchen," sage ich,„ich will gern Straf« zahlen. Hört nur auf, mir das Handgelenk auszudrehen!" „Mag er seine Papiere vorweisen," sagt ein anderer,„und die Strafe bezahlen! Was soll er auf der Polizei?" Unter dem Drucke des übrigen Publikums müssen der Wärter und sein« hilfsbereiten Genossen sich mit der Sttaszohlung zufrieden geben. Schwankend gehe ich neben meinem Rade her. In meinem Kopfe summt und schwirrt es. Punkte und Kreis« tanzen vor meinen Augen. Meine aus der Angel gehobene Seele ergeht sich in wirren Phantasten.„Mein Gott," entringt stch mir ein altgewohnter Ausruf. Ich massiere meine Hand und sende«in entrüstetes„Pfui" in di« Fern«. Am Kai steige ich wieder aufs Rad.„Laß gut sein," sage ich zu mir selbst,„was bist du schließlich für ein großer Herr, daß sie gerade dich mit Handausdrchen verschonen sollten!" Langsam fahre ich den Kai entlang. Ich vergess« allmählich den groben Zwischenfall. Wieder erstehen vor mir di« tröstlich verheißungsvollen Bilder einer nahen Zukunft. Ich stelle mir vor: ich fahr« auf einem Rade mit gleichwertigen Rädern, biege in_ die fatal« Allee ein, höre Lochen und sehe den Wärter des Weges daherhommen, einen weichen Filzhut auf dem Kopfe, in der Hand eine Blume Es ist ein Vergißmeinnicht oder ein« Tulpe. Er dreht das Blümlein in seiner Hand und sagt:„Dtt hast dich wohl verirrt, Freundchen! Mach nur kehrt, mein Lieber-, sonst muß ich dich bestrafen— du bekommst eben kein Blümchen." Leise lächelnd reicht er mir ein Vergißmeinnicht. Und nachdem wir uns aneinander erbaut haben, trennen wir uns. Diese zart« Illusion mildert meinen Kuni- mer. Munter fahre ich weiter. Ich trete das Rad und sage zu nur:„Tut nichts; meine Seele geht nicht daran zugrunde. Ich bin noch jung genug. Ich kann geduldig warten." Amerikas Reklamekönig gestorben« Der Mann mit dem N«w sfsork, Mitte Feber.(Eig. Ber.) In New Pork ist einer der populärsten Männer auf dem Gebiete der Propaganda gestorben: Harry R e i ch e n b e r g. Die enorme Verbreitung der Hollywood-Filme über die ganze Welt ist nicht zuletzt seinen erfinderischen Reklamefeldzügen zu verdanken. Er war ein Selfmademan, hatte von ganz unten angefangen und mit der Zeit es zu einem ansehnlichen Vermögen gebracht. Seine Haupttätigkeit hatte er auf die Filmbranche verlegt, verschmähte es aber nicht, gelegentlich auch anderen Industrien beizuspun- gen. In den letzten Jahren seiner Tätigkeit ließ er stch besser bezahlen als der teuerste Filmstar. Er verdiente mehrere tausend Dollar wöchentlich. Vom Anfang seiner Karriere gibt es eine hübsche Anekdote. Eines Tages empfing Reichenberg den Besuch eines Freundes, des Bc- sttzers eines New Docker Restaurants. Der Freund sprach viel vom schlechten Geschäft. Reichenberg hörte stch die Klage an und dachte eine Weile nach. Dann empfahl er seinem Freund vor dem Eingang in das Restaurant einen kleinen Glaskasten mit Quellwasser und folgender Inschrift darunter aufzustellen:„Das einzig« Exemplar eines unsichtbaren Fisches in den Vereinigten Staaten." Restaurateur schüttelte verständnislos sein sorgenvolles Haupt, führte aber Harrys Rat aus. Kaum stand der Glaskasten draußen, als sich eine Menschenmenge davor ansammelte und darüber diskutierte. ob eS denn üborhaupt einen unsichtbaren Fisch gäbe und wenn es ihn gäbe, wo er wohl lebte. Aber in der Hitze des wissenschaftliches Gefechts betrat man inzwischen das Lokal, bestellte eine Kleinigkeit und setzte den Disput fort. Bon nun an war die Kneipe mit dem unsichtbaren Fisch ein Geschäft. Der Trick hatte sie und— Harry Reichenberg populär gemacht. Seine Filmkarriere b^ann Reichenbera erst während des Krieges. Er hatte damals in Frankreich einen Film, in dem Sarah Bcrnard nie Hauptrolle spielte,. erworben. In Nordamerika hatte der Film nur einen mäßigen Erfolg. Um ihm für Südamerika einen besseren zu verschaffen, ließ er eines Tages in die gesamte südamerikanische Presse folgendes Telegramm einrücken:„Ankomme Dienstag in Begleitung Sarah Bernards an Bord des Red Star in Buenos Aires. Harry Reichenberg". Am Hafenkai fand sich«ine Riesenmenge ein, um die welt- ,unsichtbaren Fisch. berühmte Schauspielerin zu begrüßen. DaS Schiff ging vor Anker, die Leute jubelten. Würdevoll ging Reichenberg an Land und dankte jovial für die begeisterte Aufnahme. Als aber die Menge die verehrte Schauspielerin zu sehen verlangte, erklärt« der Reklamekönig, es handle sich um ein Mißverständnis. In seinem Telegramm wäre mit dem Worte„Sarah Bcrnard" der gleichnamige Film gemeint gewesen... Erst tobte die Meng«, dann lachte alles mit Harry mit. Dieser seltsame Start brachte dem Film einen guten Erfolg. Man erzählt sich in Amerika ferner eine reizende kleine Anekdote, die zu beweisen scheint, daß Reichenberg auch ein Mensch von gutem Herzen gewesen ist. Eines Tages kam ein armer, begabter, aber bisher nur in kleinen Rollen beschäftigter Schauspieler zu ihm. Er klagte dem Reklamekönig sein Los, unter deffen wirtschaftlichem Druck nicht nur er, sondern auch Frau und Kind leide. Reichenberg nahm ein Säckchen mit Kupfermünzen in die Hand und führte den armen Teufel zum Leiter. eines der größten Filmkonzerne. Unterwegs ließ er wiederholt Kupfermünzen zur Erde fallen. Bald folgten einige Buben dem geldspendenden Zug, schueß- lich /rine; ganz« Schar von Männern und Frauen, die an dem S«en teilhoben wollte». Als Harry mit seinem Schützling'das Büro des Filmgewaltigon betrat, staute sich draußen die Menge und jubelte— in Erwartung weiterer Spenden. Reichenberg führte den Generaldirektor ans Fenster, deutet« auf die Monge und sagte:„Der Jubel des Volkes gilt diesem Manne hier. Schließen Sie mit ihm einen langjährigen Vertrag ab und S/e werden auk Ihre Kosten kommen." Es kam denn auch zum Vertrag; heute ist der kleine unbekannte Schauspieler einer der am besten bezahlten in Hollywood. Und wenn diese Anekdote nur ein Märchen sein sollt«, so ist es jedenfalls doch aut erfunden.... Nicht erfunden ist aber die merkwürdige Geschichte vom Aufstieg des Filmstars Clara Bow. Ter Ruhm der Künstlerin ist das Produkt einer Wette. Als eines Tages ein Amerikaner Rcichenbergs unbegrenztes Erfolgsvermögen«rnzweifelte,/ erklärt« der Geschmähte: er sei bereit, eine sehr hohe Summe zu zahlen, wenn es ihm nicht gelänge, aus einem ittzbe- kannten jungen Mädchen, das er allerdings für begabt halte, binnen kuiHer Frist einen Filmstar zu machen. Harry Reichenberg gewann. A. Nh. Der Diditer aer„SklavenHeder H. Zum 25. Todestage Svatopluk tedis. Als am 23. Feber 1908 der zweiundsechzig- jährige Dichter Svatopluköech starb, wurde er als nationaler Dichter gefeiert und Liebling der Nation genannt. Svatopluk 6ech ist aber nicht nur ein nationaler Dichter der Tschechen, sondern auch ei» sozialer Poet, dessen vor Jahren in deutscher Uebersetzung im I. H. W. Dietz- Verlag erschienene„Lieder eines Sklaven" zum Gemeingut des internationalen Proletariats geworden sind. Am Abend nach der Tagesarbeit sitzen Sklaven unter Palmen und lasten sich von ihrem sangesfreudigen Kameraden Lieder vorsingen. Er singt von ihrer Fron, von ihren Ketten r<»d von all den Qualen, di« ihnen die Sklavenhalter zufügen. Die Sklaven sind daS modern« Proletariat. Man hört in diesen Sklavenliedern den Groll des Dichters gegen das Kapital. Der Sänger ruft zum Kampfe, zur Revolution auf. Durch die ganze Welt ertönt das Geklirr der Sklavenfesteln. Bis der Zorn von Millionen entbrennen wird, werden aus den Ketten schreckliche Waffen werden. Zum Schluffe hat der Sklavensänger eine Vision: Sturm auf der See, die soziale Revolution. Nach dem Sturme leuchtet die Sonne der Freiheit, die ganze Menschheit verbrüdert sich und es gibt weder Sklaven noch Bettler. Dies«„Lieder eines Sklaven" haben neben vorwiegend sozialen auch national« Motive, da zur Zett, als sie erschienen(1895); das Industrie- unv Finanzkapital in Böhmen und Mähren fast gänzlich von Deutschen repräsentiert war. Von der Beliebtheit der„Lieder eines Sklaven" zeugt schon der Umstand, daß das Buch bisher in 35 Auflagen gedruckt worden ist. Die österreichischen Behörden hätten gern dies« sozialistischen Gedichte, die für die Revolutionierung der Masten bester als Agitationsbroschüren gewirkt hatten, beschlagnahmt, doch sie haben stch zu spät besonnen, als das Buch bereits in Tausenden von Exemplaren unter der Bevölkerung verbreitet war. Die k. k. Zensur hatte schon früher(1883)«in poetisches Werk von Svatopluk 6«ch,„DerSchmied von Leschetin", verboten, doch diese halb soziale, halb national« Idylle wurde sodann geheim in zahlreichen handschriftlich angelegten Kopien herumgeborgt und gierig gelesen. Es ist ein Epos vom Schmied^m Dorfe Leschetin, der sich weder im Guten noch im Bösen vom deutschen Fabrikanten von seiner Schmiede vertreiben läßt und von Soldaten, die zum Schutze des Kapitalisten kommen, erschaffen wird. Das Werk wurde von der Zensur erst 1899 freigegeben. Svatopluk'6ech, von Beruf Advokaturskonzipient, später Journalist und dann freier Schriftsteller, war ein ruhig«r Bürger, der aber mit der Arbeiterschaft sympathisiert« und Verständnis für ihre sozialen Bestrebungen bekundete. Schon in seinen Erstlingswerken„D i e A d a m r 1 e n", „Europa",„Slavia" befaßt« er sich mit der sozialen Frage. Im Jahr« 1886 schrieb er für einen Arbeiteralmanach ein längeres Gedicht „A r b e i t", das aber zu zwei Dritteln der Konfiskation zum Opfer fiel. Sodann erschienen von ihm einige prologartige soziale Dichtungen, wie „Die Freiheit",„Die unterirdische Stimme"(d. i. die Stimme der sozialen Revolte, die unter der Erde ertönt) n. a. m. Den Arbeiter nennt er„Held der Zukunft", Der Bankier der Ganoven- Allerlei Verbrecher-Kuriosa.— Das Kriminalmuseum eines Einbrechers.— Braut« werden nach Wunsch besorgt. Unter dramatischen Umständen wurde unlängst in Berlin ein Einbrecher verhaftet, der sich standhaft weigerte, seinen Namen und seine Adresse anzugeben. Mit Hstfe des Erkennungsdienstes gelang es dann schließlich doch, die Personalien dcS Einbrechers festzustellen, der außerdem schon einige Male vorbestraft war. Die große Ueberraschung kam aber erst, als man der Privatwohnung des Einbrechers einen Besuch abstattete. Die Kriminalbeamten sahen sich zu ihrem maßlosen Staunen in ein'richtiges, mit fachmännischem Raffinement eingerichtetes Kri- ininalmusemn versetzt. Aus seinen zahllosen Einbrüchen hatte der Mann zahlreiche Erinnerungen aufgehoben, die ihm nunmehr wahrscheinlich zum Verhängnis geraten werden. Meist hatte er Stück« bevorzugt, die ihm beim Einbruch zu ichaffen gemacht hatten, also zum Beispiel besonders knifflige Türschlösser,„Probemuster" von modernen Kastaschränken, die er bezwungen, invalide Einbrecherwerkzeuge aller Art, defekte Gummihandschuhe, Gesichtsmasken, kurz alles, was ein„olles biederes Einbrecherhcrz" erfreuen und erquicken kann. Jedes Stück hatte sein sauberes Etikett und die Polizei sucht nur noch den „Generalkatalog", der dann in der Hand deS Staatsanwalts bei diesem Pechvogel von Einbracher recht unmuseale Empfindungen hervor- rufen wird. Durch einen jener Zufälle, wie sie der Polizei immer wieder zu Hilfe kommen, konnte unlängst ein Hehler, und zwar ein Großunternehmer von einem Hehler, gefaßt werden. Dieser Hehler hatte aber einen noch interessanteren Nebenberuf. Er war nämlich Bankier von vielen hundert Dieben, di« bei ihm ihr Bargeld deponierten, wenn sie durch einen„Betriebsunfall" vorzeitig, d. h. bevor sie das Gestohlene in Ruhe hatten verzehren können, ins Kittchen wandern mußten. Der Ganovenbankier zahlte zwar kein« Zinsen, sondern forderte sogar ei.e Provision für die„Depotaufbewahrung", aber sonst handelte er wie ein„Ehrenmann". Wenn der Einleger von 'einer„Reise" znrückkehrt«, konnte«r gewiß sein, fee- Guthaben ungeschmälert vorzufinden. Wenig bekannt ist auch, daß eS in d«r Berliner Unterwelt regelrechte ,Kassiberberatungs- stellen" gibt. Kassiber nennt nran bekanntlich Be» uachrichtigungen. Briefe, Warnungen uiw.. d:e einem Gefangenen unter Umgehung der Kontrollstelle ins Gefängnis geschmuggelt werden. Auf diesen Beratungsstellen erfährt man gegen ein gewisses Entgelts auf welche Wei sch auf welchen Unrwogen nfw, sylche Kassiber einge'wmug- gelt werden. Es gehören sehr groß« Lokalkennt- niste für solch« Beratungen, denn die Manipulationen sind an den verschiedenen Gefängnissen sehr verschieden, ebenso^ verschieden die Kontrollmaßnahmen, auch individuelle Eigenheiten der Uebevwachungsbeamten wollen berücksichtigt sein. Die Art und Weise, wie Kassiber eingeschmuggelt werden können, ist sehr verschieden, die Möglichkeiten sind tausendfach. Wichtig ist schließlich auch, durch wen ein Kassiber ins Gefängnis gebracht und dem Gefangenen zugesteckt wird. Am besten geschieht dadurch di«„Braut". Wenn ein Häftling in der 'chlimmen Lage ist, kein« solche vertrauenswürdige„Braut" zu besitzen dann sorgen die„Beratungsstellen" der Unterwelt arich für eine Abhilfe auS dieser Verlegenheit. Im Nu ist ein« „Braut" zur Stelle, die den Gefangenen zwar noch nie gesehen zu haben braucht, di« aber auf» Genaueste über alles informiert wird, um den Uebevwachungsbeamten glaubhaft Zu machen, daß sie tatsächlich die„Braut" ist. Sie steckt ihm dann aus geschickt« Art den Kassiber zu. E. W. der bester ist als all« die gepriesenen Recken und Ritter der Mittelalters. Für einen Arbeiterverein schrieb er ein Gedicht„Die Arbeit hoch!", da- im Prager tschechischen Nationaltheater als Prolog bei der sozialdemokratischen Maivorstel- lnng vorgetragen wurde. In einem lyrisch-epischen Gedichte befaßt« er stch mit der Lage deAland- wirtschaftlichen Arbeiter. Kurz vor seinem Tode bekannte sich Svatopluck 6«ch in einem längeren Gedichte„In die weite Welt" als Internationalist und Sozialist. Er entbietet Brüdern in 'Deutschland, jenseits des Böhmerwaldes und der Schneekoppe und in den österreichischen Alpenländern sowie in der ganzen weiten Welt seine Grüße, denn er weiß, daß überall seine Gestn- nungsgenosten wohnen. Er wünscht, daß alle, die ähnliche MenschheitSträum« wie er hegen, sich zusammenschließen. und ein unbekanntes Friedensheer bilden. Der Führer soll aber der Arbeiter sein, denn ihm gehört die Zukunft. 6ech ruft den Arbeitern zu:„Ihr allein seid das Vaterland; in euch allein hat das Nationalvermögen seinen Ursprung und gehört euch von Rechts wegen!" Di« Poesie Svatopluk Lechs gehört einer vergangenen Epoche an. Die heutige tschechische Dichtung(anch die neue soziale Poesie) wandelt schon andere Wege. Svatopluk Lech gebührt aber daS Verdienst, für die Sache deS Arbeiters in feinen zahlreichen sozialen Gedichten in einer Zeit gewirkt zu habep, alS der Sozialismus noch ver» achtet war. Manche seiner Gedichte, vor allem seine herrlichen„Lieder eines Sklaven", sind heut«, in einer Zeit der neu erwachten Weltreaktion, wieder frisch, lebendig und hochaktuell geworden. Rudolf Jllovy. Seit, 0 Donnerstag, 28. Feb« 1988 fit. 48. | »RAOER ZEITUNG kann AUS VOLLSTER des Theaters verwendet Geriditssaal Aus der Partei Kunst und Wissen Literatur Sport* Sniel* MmvllM Gerichtshof gelangte aber lung zu keinem Urteil, Arm «mtrfaMsr Alle Rheumatiker! müssen diese Anzeige unbedingt Im eigenen Interesse lesen i schwer machien, waren im letzten Drittel mit Kräften vollkommen fertig. Das zweite Treffen bracht« den erwarteten Sieg Amerikas über Polen ebenfalls mit 4: ü. Di« Amerikaner gingen nicht ganz aus sich heraus; sie ließen im—'-n Drittel di« Polen etwa- aufkommen. ansonsten waren sie die Herren der Situation. Die Spiele wurden Mittwoch nachmittag vor mehr als 4000 Zuschauern fortgesetzt. Deutschland siegt gegen Polen 4:0(2:0, 0:0, 2:0). U. S- A. gegen Polen 4:0(3:0, 0:0,1"))- Abends siegte di« Tschechoslowakei über die Schweiz mit 1:0, das Maledek tm zweiten Drittel erzielte. Es war wohl reich an Spannung, doch zeigte» beide Mannschaften«in typisches Per« teidigungsspiel. Mn zweiten Spiel«-schlug in schnell wechselnd«» und fairem Kampfe Kanada verdient Oesterreich 4$ Die Kanadier sind technisch ausgezeichnet. Donnerstag 2 Uhr: Kanada—Ungarn, Polen—Schweiz. 8 Uhr: Amerikas- Tschechoslowakei. Deutsch la n d—O e ster- reich. Für die DonnerStag-Spiele sind bereits all« Plätze ausverkauft. in der heutigen Berhand- sond«rn vertagte die Sache zwecks Ergänzung des Beweisvevfahrens. rb Duselina-Giannini, di« gefeierte italienische Sängerin, sang vorgestern im groß«» Luzerna« Saale vor einer zahlreichen und begeisterten Zuhörerschaft. Das Publikum ließ sich in seiner Begei- sterung auch nicht durch den gehässigen Zwischenruf eines- tschechischen Chauvin„Dvokick! Dmeiana!" stören, der einigen deutsch gesungenen Liedern der Künstlerin galt. Das Bortragsprogramm der Künstlerin, das außer den deutsch gesungenen Liedern von Richard Strauß auch zwei effekwoll« moderne italienisch« Lieder von C i rr a r a und S i b e I l a, einige italienische V o l k s l ir de r und selbstverständlich auch di« unvermeidlichen Opernarien (aus SpontiniS^Vestalin" und Berdis Oper „Die Macht des Schicksals") enthielt, war übrigens weder geschmackvoll noch besonders sorgfältig zusammengestellt. Es regt« einzig den Wunsch an, die Sängerin dort zu Höven, wo ihr«igentlicher Wirkungskreis ist: auf der Opernbühne. Das außerordentlich große Volumen ihrer Stimme, bu in den Tönen der obersten Ouart« unerhörte Leuchtkraft besitzt, und die dramatisch lebendige Vortragsart der 'Künstlerin deklarieren st« als Bühnen-ängerin, und zwar ganz groß«« Format«-. Daß eine so intelligente und stimmtechnisch so kultiviert« Künstlerin wi« die Giannini auch intz, Liede zu überzeugen vermag, ist klar; nur ist ihr Geiangsvoktrag natürlich betont dramatisch, auch dann, wenn zartere und intimer« Wirkungen in Frage kommen. An den herben Charakter und den mitunter gedrückten Tonansatz des dramatischen Soprans der Sängerin mußte man sich auch diesmal evst gewöhnen. An Arpäd Sandor hatte di« Künstlerin einen technisch brillant«», aber hi« und da allzu temperamenwollen Klavierbegleiter. E. J. „Hossmanns Erzählungen", bei ihrer Neuauflage zu Weihnachten so stark zum Ausdruck gebracht, w'rken jetzt, nach kaum zwei Monat««, schon kehr bläßlich; wi« weit dieser Abbruch auf di« aus der alten Aera bekannte Reprisen-Derschlampung, wi« weit er auf die plötzlich« Uebernahme durch«inen anderen Dirigenten zurückzuführen sein mag, läßt sich schwer entscheiden; jedenfalls aber war in der dienstägigen Vorstellung, vor allem schon im Bezirksorganisatio« Prag. Achtung! Deutsche Reichsan gehörige! Zur Wahl am 5. März können auch Reichsdeutsche Staatsangehörige ihre Stimme abgeben. Wir ersuchen alle in Betracht kommenden. Genossen. und Freunde, sich wegen näheren Auskünften sofort an den Bezirksvertrauensmann Genossen Rrcha^ Schönfelder, Prag II., Fügnerovo näm.* (Telephon 51351) zu wenden. Eine Generalversammlung des Deutsche n H a u s e s in Prag soll heute über die geplant« Aufführung eines neuen Gebäudes hinter der Grabenfront entscheiden; das Geld für diesen Neubau steht zur Verfügung— es handelt sich um die Kleinigkeit von dreizehn Millionen Kronen... Wir sind im allgemeinen nicht sehr interessiert daran, was die Herren und Damen vom Kasino mit„ihrem" Gelde machen; und wir hegen auch sicht sehr viel Hoffnung, daß das Bürgertum, und besonders das von Prag, sich von uns überzeugen ließe, welche Verwendung des Deutschen Haus-Kapitals die richtigste wäre. Aber im Zusammenhang mit den ganz anderen Nöten unserer Zeit wirkt der Plan, just jetzt dreizehn Millionen Kronen für einen Kasino- Neubau auszugebrn, doch aufreizend. Man wird, auch wenn man an der national-gesellschaftlichen Bedeutung dieses Kasinos nicht vorübergeht, doch nicht leugnen können, daß es sich hier vor allem , um eine Stätte der Geselligkeit, der R e- Präsentation und des Vergnügens handelt, um einen Hort der bürgergesellschaftlichen Zerstreuung, so daß man tzme Klnoesweglegung. Unüberlegte Tat eines ratlosen Vaters. Prag, 22. Feber. Anklagen wegen Krndesweg- legung gehören nicht zu den alltäglichen Prozessen. Sn der Regel handelt es sich in solchen Fällen um di« Verzweiflungstat einer ratlosen Mutter, die keine Möglichkeit sieht, ihr Kind zu nähren auf- zuziehen. In diesem Fall aber stand ein Man n, ein Familienvater unter Anklage vor dem Senat des OGR. S i t t a s Der Angeklagte ist Schneidergehilfe und sein« Famili« wohnt in B r a n d e i s. Er selbst ist in Prag ar^estellt, wo er auch die Woche über in Untermiete wohnt. Im Juni 1031 kam er einer SamStags nicht nach Hause»ach Brandeis, sotrdern machte sich in Prag mit einigen Bekannten einen fidelen Abend, wobei sein Wochenverdienst zum Teufel ging. Sein« Frau, die kein Geld bekam und nichts zu leben hatte, fuhr nach Prag und höre den pflichtvergessenen Gatten abends von seiner Arbeiis- störte ab. ES kam zu heftigen Auseinandersetzungen, di« damit endeten, daß di« erregt« Frau ihr zweieinhalb Monate altes Kind, das sie milgebracht halte, ihrem Mann in die Arm« legte und da- vonlirf. Dabei rief si« ihm zu. er soll« sich, wenn er Geld für leichte Frauenzimmer habe, auch um'«in Kind kümmern. Der Mann wußte keinen Rat. Er stand da mit dem Säugling auf dem Arm und hatte keine Ahnung, was er mit dem Kind anfangen solle. Er versuchte auf den Rat eines Bekannten, das Kind in der 2 iLkov« r Krippe unterzubringen, aber diese Anstalt war schon geschlossen. Nach längerem Umherirrrn legte der ratlose Vater das ein- gewickelt« Kind schließlich auf der H e tz i n' e l vor der Filiale der Gobäranstalt ab und ging davon Dem Kind geschah kein Leid. Die Frau bei Portiers dieser Anstalt nahm sich seiner an und am nächsten Tag bereits erschien dir Mutter des Kindes und holt« es ab. Die Ehegatten hatten sich in der Zwischenzeit versöhnt und der Familienvater seine leichtsinnige Tat gebeichtet. Die Staatsanwaltschaft erhob Anklage. Seinerzeit wurde der AngeNagt« freigesprochen. Auf Grund der Nichtigkeitsbeschwerde verwies das Oberste Gericht den Fall zurnenerlichrnBer- Handlung an die erste Instanz zurück. Der Der Arbeiter-Tischtennissp-rt in Oesterreich hat sich innerhalb von zwei Jahren so gut entwickelt, daß er dir bürgerliche Bewegung bereits übertroffen hat. Dem Arbeiter-Tüchtennisvevband gehören mehr als vierhundert gemeldet« Spieler an. Die Einzel- meistevschaften, die vor einigen Tagen in Wien ausgetragen wurden, waren mit ihren dveihundertfüni- zig Teilnehmern ein MaffewPortfest. Einzelmeister für 1033 wurden Frauen-Einzel: Löbl(Hietzing): Männer-Einzel: Jaristim(Orient); Frauen-Doppel: Mbers—Löbl; Männer-Doppel: KarpeleS—Jungleib; Gemischtes Doppel: Albers—Herzog. BOrgtrflclMr Sport, ßlshockey'Wettmelfterschaft in Prag. D«r zweite Tag der Zwischenrunde. Das erst« Spiel am Mittwoch brachte die Begegnung Dentschlan d—U ngarn. Es war eine ziemlich einseitige und sichere Sache für die Deutschen, die mit 4:0 siegreich blieben. Die Ungarn, di« am Bortag den Oesterreichern den Sieg recht HERVEA(DIStetlkum) eine wunderbare tropisch: Pf taue, von der nun einen wohlschmeckenden Tee auf einfache Art zubereitet, bringt Ihnen Erleichterung. Lebensfrieche und Ge sundheit. sie scheidet die Harnsäuregifte aus und ver hütet deren neuerliche Ansammlung Im Körper. Tausende begeisterte Dankschreiben ans allen Gegenden haben vir in kurzer Zelt bekommen and viele bekannte Ärzte haben sich bereits lobend Aber die Wirkung des HERVEA(Diätetikum) ausgesprochen Einige notariell bestätigte Urteile ass dem Publikum: Frau M. RAäidka in Chocerady schreibt: Leide schon einige Jahre an Rheumat’smttS und war einigemal ohne Erfolg In Bädern. Vor kurzem Isa Ich Ihre Anzeige Aber HERVEA kaufte mir den Tee und nach Gebrauch konnte ich fest»teilen da8 die Schmerzen oacblleBea und nach kurzem Gebrauch vollkommen verschwanden. Jetzt trinke tcb den Tee regelmäßig zwelma. täglich, tflhlo keine Schmerzes und bin Ihnen wirklich dankbar daß Sie mich von meinen furchtbaren Schmerzen befreiten. Frau L. S. io Prag, Bachmaöskä 12. schreibt: Der Tee ist angenehm an trinken und leb mich täglich wohler nnd Irischer. Herr F. Ordelt in WelBk'rcbeo schreibt: Deo Tee habe Ich erhalten und fühle bereits grobe Besserung nach dem ersten Paket Herr U. K. In Prag XL. Havlfökova 6. schreibt: Näch dreitägigem Gebrauch va HERVEA kam Ich den Erfolg nicht genug loben es Ist einfach eine Überraschung Massieren. Pflaster usw hatten keinen Erfolg, leb. ÜBERZEUGUNG SAGEN. DASS ICH BEREITS NACH EINEM PAKET HERVEA DURCHDRINGENDEN ERFOLG verspüre. Meine Frau hatte Verstopfung, sie trinkt den Tee ebenfalls mit bestem Erfolg. HERVEA Ist einfach eia Unikum. So lauten die Urteile, die uns Io den letzten Tagen voo begeisterten HERVEa- Trinkern zugekommen sind Wollen Sie letzt nicht auch einen Versuch machen, um sieb voo dea quälenden Leiden zu befreien? Wir geben Ihnen die Möglichkeit eines Versuches ohne daß Ihnen irgendwelche Kosten entstehen Schreiben Sie uns noch heute, kleben Sie den Gratiskuonn an und wir schicken Ihnen vollkommen umsonst eine kleine Menge Tee damit Sh. sieb von dessen vorzüglichen Wirkungen selbst Überzeugen können Es kostet Sb nichts und Sie werden es nie bereuen. Wr H. J. Lao» VogotabllieogroBhandluag. London. In der Tschechoslowakisches Republik Orstismuster nur beit BRAUNERS APOTHEKE ZUM WEISSEN LÖWEN. PRAG N. PHkopy 12.. Entr'act«in« Zerfahrenheit, Unsicherheit und musikalische Unsauberkeit festzustellen, für die Rudolf Bockelmann, auch wenn er restlos überzeugt hätte, nicht hätte entschädigen können. Bockelmann, mit dem prachtvollen Organ und dessen vornehmer Behandlung immer für sich einnehmend, hatte als Dapertutto und Mirakle«in paar sehr starke Moment«, ließ aber das Grandios« und Dämonische sowohl im Stimmausdruck als auch im Darstelleri- ichen vermisse«. Selbst Eindruck und Wirkung der Spiegtzlarie(übrigens der einzige Szenen-Applaus!) waren nicht«ben bedeutend. Der Giulietta-Akt ging, vor allem durch di« Ungulänglichkeit der Frau Helm in dieser Partie, ganz daneben. Sonst: der- schlappte Tempi, dynamisch« Reizlosigkeit. I. g. Freitag:„Siegfried". Beginn 3S7 Uhr. Dirigent Kienzl. Theo Strack. Rudolf Bockelmann, Ros« Merker, Keltin'Thonbora, Käthe Walter^ Adolf Fuchs, Magnus Archevsen, Max Roller(D 2 und Extra-Wbonnement). Sonntag, 548 Uhr: Fritz Kortner als Zar Paulin in„Patriot' von Alfred' Neumann. Dienstag: Abschied Rudolf Bockelmann:„Dix M e i st e r s i n g«r von Nürnberg"(A 1).. Gut- schein« ungültig. Diskussion über Oedipns. Im Anschluß an den Abend moderner Franzosen soll erstmalig der Versuch gemacht werden, Publikum und Schauspieler zu einer Diskussion über den Inhalt des Stückes und über die darin aufgeworfenen Fragen zu»«reinigen. Die Diskussion findet am Sonn- tag, den 5. März, vormittags 11 Uhr in der Kleinen Bühne statt, und zwar als gemeiwame Veranstaltung des Deutschen Theaters und der Urania. Bor allem sind di« Besucher der Mittwochvorstellung hierzu geladen. Heute, 8 Uhr: Alkoholbilanz. Lichtbildervortrag. Lesehalle. Eintritt frei. Gnttemplerlog«„Prag". Wochenspielplan des Reue« Deutsch« Theaters. Donnerstag. 348 Uhr:„Mädchenjahr« einer Königin"(C 2).—Frektag, 347 Uhr:„Siegfried"(D 21— Samstag, 348 Uhr:„Musik um Susi"(Erstaufführung). Wochrnspirlplan der Meinen Bühne. Donnerstag, 8 Uhr:..Salon Pitzelberger"— „Die schön« Galath6e".— Freitag, 8 Uhr: „Palais Royal"(Kulturverbandsfreunde).— Samsiag, 8 Uhr:„Farme"(Erstaufführung). Eine Ubma» mtctlamf janoa Ist heute»cm moder» ÄelckläftSmann>» dar Anzeige ® bi«■Mnö gegeben®te wirft am meisten tn Blot- Mm her ergan Arbeiter unb arbeitet Wt Itz»«#iu tat«t jtogt Buttagn bat und— tat Vicht-,ft»—(Molo bat•• immer I 0elenen9eiMarM auch Tagesarbeit, sucht ei» junger Manu(oti:( fc ,e‘ dene schwere Hausarbeiten oder Arbeiten am Garten) und eine ältere Frau(für HauSwirncha'' oder zu Kindern). Adresse an die BerwaltuE ,Ln verzweifelter Lage". ‘~ sSildel» ft i(litt.—««» tz. Pro,— Druck:„ftota*«-S für Leitung. anO Buchdruck, Pro,.— Mi Ma Druck»eraniworiltch Ctia polU ***•’•** wur»e»ou»»' Poft.«. keiegrarchear-eerrtmi«>I«klotz ftr WZUU-VIl lftSa demilliol— d«iu,,be»!»ou«g«a: Bei Zutzellun, IN, Hau« Sn bei Be»u, durch kit Poft«ouottrch ne IS-,»ieinllitzkua tick at.—» M sao^otzn« tick MH“ Btcdu t«u 4au| tzlttistz derechirer, Ol« ckt«m EiNlckoltftW»« Prückckächtatz,— tztückpeltuu, vou Maäästrip«» tiitin am tu» M» Das Gesetz über di« Entschädigung au» Antti von Berufskrankheiten ist mit 1. Jul, 1932 in Kt«si ,wtreton. Es ist ein« sehr notwendige Ergänzung de' UnfallversicheruugSg-setze. daß bestimmte Berufs kzanSheiten. di« in«irrer Beilag« zum Gesetz bei»* der? angeführt sind, in der Entschädigung den Pt' triebSuFällen gleichgestellt werden. Di« Zentral' qewertschaftskommissio« des Denrschen Geweu' ichaftSbundes in der T'chechoflowakei Reichenber^ hat in ihrem Verlag« das Gesetz mit einer Ertönst' rung herauSgegeben. Di« Broschüre ewchält außcrdn» die von der Prager, Unsallversiwerungsansrall an Krankenversicheruugsanstalten erlassenen Richtlinie über di« Anmeldung der Berufskrankheit«« und 5!< Hauptgrundsätze für d«e Entschädigung von ds' rufskrankheiten. D'-« Broschüre ist in erster Li«st kür Arbeiter und Angrsiellte gedacht. Sie wird abet auch für Krankenkassenbeamtc und Kraickenkasiem ärzw ein guter Behelf kein da sie di« von der Arbeiter-UnfallvrrsicherungSanstalt;usamn«n«f'-^ ten Erläuterungen über die«ntfchädegungspftichii^ Berufskrankheiten und eine Aufzählung jener P<' trieb« enchält, in denen sie hervcvgerufrn Die Broschüre ist gegen Vorausbe;ohl>.ug von 570 d zuzüglich Porto 46 Heller beim Sekretariat Zentralqewerkschastskommission, Reichenberg, Färbr^ gaffe 1, zu echalten. schaftlichen Zerstreuung, so daff man meinen sollte, daß sich selbst unter der Prager deutschen Bourgeoisie etliche finden muß. ten, di« in unserer Zeit grenzenlosen Elends ein« prunkvolle und kostspielige Erweiterung des Baues als nicht sehr dringend betrachten. Aber noch ein anderer Zusammenhang s drängt LNs, das Kasino-Neubau-Projekt in aller , Schärfe zu betrachten. Zur selben Zeit nämlich, I da Kasinoten sich die Köpfe darüber zerbrechen, wie sie die schweren Millionen am besten placieren könnten, sucht das Präger deutsche jTheater durch Hundertkronen- Pa- :tronatSscheine die Gefährdung seiner Exi- istenz zu mildernl Man hat nichts davon gehört, \ was denn das Deutsche HauS, das in Goethe-, Hauptmann- und Wagnerjahren sich schließlich auch an kulturelle Dinge erinnern j könnte, außer dem Bestreben, seinen Tarockisten 'und Bridgespielerinnen neue und schönere Räume zur Derfugunb zu stellen, für das in Reden so großartig gefeierte deutsche Volk geplant oder ,gar getan hatte! Das besonders Groteske aber und für Prag jThpifch« ist der Umstand, daß es ja großtcils-»«selb«« Lent« sind, di« sowohl im Deutschen Theaterverein als auch im Deutschen Hans entscheide«. 'Wir kaffen uns natürlich, falls wir uns mit dieser Behauptung irren sollten,, von, den Herten Dr. Zdekauer und Dr. Fuch^gern eines anderen belehren! Oder auch Herr Dr. B a ch e r, der am Sonntag so beweglich als Sprecher den „Wallüre"-Besuchern die‘ Not des Deutschen ^Theaters schilderte und sie zur Zeichnung von IM» SM hl NM! Hundertkronenscheinen aufforderte, könnte uns darüber Aufschluß geben, was er denn im Deutschen Haus, wo er gleichfalls ein« Rolle spielt, gegen die Not des Deutsche« Theaters getan hat! Meint er nicht, daß es ein unlöslicher Widerspruch ist, für das Deutsche Theater mit Hundertkronen- Aktionen einzutreten, während das Deutsche Haus der eigenen gesellschaftlich- repräsentativ- unterhaltlichen Bestimmung dreizehn Millionen zuführen will? Glauben die Herren nicht, daß dem Deutschtum Prags wenig geholfen sein wird, wenn es in ein paar Jahren zwar ein noch schöneres Kasino, dafür aber vielleicht ein im Niveau schwer abgeglittenes Theater haben wird? Und nebenbei gesagt: der Neubau der„Urania" kostet etwa 3.5 Millionen Kronen— für einen neuen Tanzsaal, für neue Klubräume im Kasinö sind dreizehn Millionen da? . Die Herren werden verstehen, daß angesichts solcher ziffernmäßiger Tatsachen unser« alte Ueberzeugung von dem Unterschied zwischen nationaler Phrase und nationaler Tat des deutschen Bürgertums ihren erhöhten Glanz erhält. Es ist dieselbe Gesellschaft, die Parkett und Logen des Deutschen Theaters füllt (oder nicht füllt), dieselbe Gesellschaft, die im Kasino chre Burg hat. Dieselben Repräsentanten dieser Gesellschaft geben den Ton sowohl im Theaterverein wie im Deutschen Haus an. Nur daß si« eben von der Kultur mehr rede«, im Kasino aber sich mehr„betätiget"; daß ihnen das Tarock doch näher liegt als die deutsche Kunst! Natürlich gibt es, wie überall, so auch hier Ausnahmen. Und im Hinblick auf diese wollen wir doch annehmen, daß man in letzter Stunde von de» dreizehn Millionen doch wenigstens etliche kulturellen Zwecken zuführt statt si« für ein neues Kasino-Cafs und für eine Kasinoten- Kegelbahn verbauen zu laffen. Man komme unS nur ja nicht mit der kolossal„sozialen" Erkenntnis, daß der Neubau vielen Arbeitern und Handwerkern Beschäftigung geben werde! Vielleicht einem Hundert für ein halbe.Jahr. Schüfe man aber etwa(einen Fonds für das Deutsche Theater, so könnte man zur Sicherung von hunderten Existenzen auf Jahre hinaus sorge«—- und dabei eben den kulturelle« Hauptzweck auf Prager Bode», erfüllen: wirklich nationale Stätten zu sicher«! Natruuch müßte im Hinblick auf alle Erfahrungen vorweg dafür vörgesörgt werbest, däß ein solcher Theäterfonds richtig und kontrollierbar nur für eine gesunde, sparsame und den Verhältnissen angemessene Wirtschaft werde« dürfte.