Skzelprels 70 Heller. ^Einschließlich 5 Heller Portal 13. Jahrgang. Freitag, 24 Feber 1933 Rr 47. —' Erscheint mit Ausnahme des Montag tüg'ich früh.— 9t ftomon u.»ertooltung: Braa II. OTtJAjanra!»♦ 26795. 31569. IkachtredoN.(aS 21 Ujt) i 33656* Vo3s und ihrer Zusammensetzung nach großkapika- Mrllwnen vwi Volksgenossen mif^rhalb^des ge-»jachen und junkerlichen Regierung getreten meinfamen vaterländischen Rechts gestellt wor-;f l 17-,• den seien. In der Selbstzerfleischung des deut-- geht m T^uischland der Geist Metterniw-.. scheu Volkes drohen Einheit, Recht und Freiheit"m, Spltzelzuchterei und Demoralisierung wer- zugrundezugehen. Dieser Entwicklung habe sichren»m Großen betrieben. An die Stelle des das Reichsbanner Schwarz-rot-gold mit ganzer Rechts und der Verfassung ist die nackte, krasse Seite z Freitag, 24. Feber 1983 JU. 47 jchlissener. Und politische Geschäfte mit ihm zu| leit heute einbilden! ermuntert ganz öffentlich die braunen Banden zu ihrem Tun, indem er an die preußische Polizei einen Erlaß herausgab, der in der Aufforderung gipfelt, die Bestrebungen und die Propaganda der nationalen Bewegung und ihrer Organisationen, der SA, SS und des Stahlhelm tatkräftig zu unterstützen, dagegen rücksichlslos gegen die Gegner von der Schußwaffe Gebrauch zu machen. Die Früchte des neuen Regimes zeigen sich täglich, Totschlag, Mord, Brandstiftung stehen gegenüber politischen Gegnern der neuen Machthaber an der Tagesordnung. Die Verlogenheit der Nazis angesichts dieser Ereignisse ist ganz unausschöpfbar, sich auf die Demokratie und Freiheit zu berufen und die deutschen Sozialdemokraten des„Verrats" zu bezichügen, weil diese nicht imstande waren, die tschechischen Regierungsparteien von ihrem Vorhaben, die vier Naziabgeordneten vor Gericht zu stellen, abzubringen. Volksgemeinschaft sagt ihr? Auf die beruft ihr Schwindler euch? Wo ist denn jemals das geringste Gefühl für sie in eurem Verhalten geblieben? Schien euch nicht jedes Mittel, auch das schuftigste und erbärmlichste, gut genug, es gegen die Sozialdemokraten in Anwendung zu bringen? Und wie wärs, wenn ihr, die ihr jetzt über die verletzte Demokratie so jämmerlich winselt, zur Herrschaft kämet! Jahraus, jahrein haben die Nazrgesellen ganz im Sinne ihres Meisters Hitler die Demokratie, den Parlamentarismus geschmäht, beschmutzt, herabgewürdigt, bespuckt, jede Gewalttat, jede Berfassungsverlehung, jede Nichtswürdigkeit und Lumperei, die draußen im Reiche unter ihrem Hitler verübt wird, findet ihren Jubel, ihre begeisterte Zustimmung. Und würden sie anders handeln, wenn sie könnten? Da bliebe es nicht bei der Auslieferung einiger Abgeordneter, die sich im Netze ihrer eigenen Demagogie verstrickten, da würden sie den Parlamentarismus, die Demokratie und die Bolksrechle überhaupt in'Trümmer schlagen. Da würden die Arbeiter erkennen, wie sie, die Herren vom Hakenkreuz, eS selber mit der Freiheit halten. Man braucht nur zu sehen, wie ihnen ietzt, da die braunen Mördergarden in Deutschland wüten, da Recht und Gesetz mit Füßen getreten wich, im geistigen Mitgenreßen dieser Schandtaten das Dasier im Munde zusammenläuft, um den Grad der Legitimation zu ersehen, die ihnen zusteht, von Verrat an der Demokratie zu geifern. In Deutschland wächst von Tag zu Tag die Zahl der Todesopfer der wirklichen Freiheit. Dort stehen die Gesinnungsgenossen derer, die ein großes Geschrei darüber erheben, weil ihrem vor und nach dem Volkssportprozeß dringend geäußerten Verlangen, vor Gericht ihre Solidarität mit den in Brünn verurteilten jungen Leuten zu beweisen, von den tschechischen Parteien Rechnung getragen wurde, dort also stehen sie bereit, mit dem Schlächtermesser, mit Knüppel und Revolver jeder Freiheit ein Ende zu machen. Junge Männer, Greise, Familienväter, Proletarier werden biHgemetzelt, weil sie eine andere Gesinnung als die von den Braunen Häusern gewünschte haben. Der Märtyrerglanz, den sich die Nazi gen geplündert und in Brand gesetzt und der' osafs, noch ehe sie verurteilt sind, umzuhän- l machen, das soll und wird ihnen weniger nationalsozialistische Innenminister Göring gen suchen, ist demgegenüber ein recht zer- gelingen, als sie es sich in ihrer Großmäuug- Auslieferung nicht betroffenen Klubmitglieder eine Erklärung ab, daß sie auf Grund genauer Kenntnis der Bewegung feststellen, daß das Brünner Urteil auf Irrtümern beruhe. Niemals hätten Bestrebungen festgestellt werden können, wie sie das Urteil als erwiesen annebme. Sie erklärten sich mit der Parteileitung solidarisch und legten Protest ein gegen die Unterschiebung illegaler Ziele. Die Verfolgung werde sie nicht zermürben, sondern„stählen. Mit den Ausführungen der erstgenannten drei Hakenkreuzler, die zum Teil auch unsere Partei und unsere Preffe in dreister Weile anflegelten und verdächtigten, werden wir uns schon noch eingehender befassen. Die Herren sollen ja nicht etwa glauben, daß ihre erbärmlich feige Haltung im Laufe der ganzen Geschichte nicht noch gründlich angeprangert werden wird!. Außer drei Kommunisten sprachen von deutscher Seite noch Dr. Luschka(Christk.-Soz.), Dr. Hasso ld(D.-Nat.s, Stenzl(Gew.-Part.) und Dr. PeterS(AWG). Wer Gelegenheit hatte, in den Wochen vorher in gelegentlichen Privatgesprächen mit An- Die Auslieferung beschlossen. Mit 120 r 44 Stimmen bei Absenz der deutschen Regierungsparteien. Prag, 23. Feber. Rach fast Ivstündig. De batte, i« der noch 12 Redner zumeist auS dem Lager der deutschen Opposition zu Worte kamen, be schloß heute um 8 Uhr«wends das Abgeordneten haus bei Absenz der beiden deutschen Regierungs parteien mit 12V Stimme« der tschechischen Koalitionsparteien und der tschechischen Gewerbe- parteiler gegen 44 Stimmen der deutsche« Oppo sition nnd der Kommunisten, dem Auslieferungs begehren gegen die vier nationalsozialistische« Abgeordneten Krebs, Schubert, Jung und Kasper stattzugeben. Das Schlußwort des Referenten JeSek wurde von den deutschen Oppositionsparteien des öfteren durch Krawalle gestört. Diese steigerten sich während der Stimmenzählung zu einem sanften Pultdeckelkonzert, das aber sehr bald abebbte. Die Kommunisten, die noch vorgestern den Abgeordneten Krebs während seiner Rede wieder holt empfindlich durch Zwischenrufe gestört hatten, schloffen heute mit den Hakenkreuzler« anschei nend einen Burgfrieden. Herr Dr. Stern veraus gabte seinen ganzen Vorrat an„Witz" anscheinend auf Jahre hinaus durch ein paar ironische Be merkungen gegen die abwesenden Sozialdemo kraten. Die„Hauvtattraktion" der Kommunisten bildete eine einen Polizisten darstellende Pupve, die plötzlich von ihnen im Sitzungssaal aufgestellt, sehr bald aber wieder von einem Parlaments angestellten entfernt wurde. Auch sonst waren die Fronten heute vielfach auSgewechsÄt. Deutschnationale, deutsche Christ- lich'oziale unter Führung K r u m p e S und ein j paar Ungarn' bildeten mit, den Hakenkreuzler« eine scheinbar felsenfest gefügte„Einheitsfront", die sich zwar gelegentlich zu. wogender Empörung der diverse« Heldenbrüste steigerte, andererseits aber nicht einmal so weit reichte, daß die geplante einheitliche Erklärung der gesamten deutschen Opposition zustande gekommen wäre. Herr Dr. H a s s o l d. der die Hakenkreuzler nach ihren LoyalitätSexzesfen im BuSgetauSschuß äufS gröbste wegen ihrer Feigheit angefetzt hatte,«>ar heute mit ihnen ein Herz und eine Seele und be- 0 dafür Dr. P e t e r S von der ArbeitS- und jaftsgemein'chaft, als dieser als der einzige Redner des Tages, der dem ausgerollten Problem von einer ernsteren und sachlichen Seite beizu kommen bemüht war, die Schreibweise der nano» nalfoziststchen Preffe in der letzten Zeit scharf verurteilte. Ein Kabinettstück für sich war der tschechische Gewerbeparteiler Pech man, der wie ein Ber serker geaen alles Deutsche wütete und selbst noch die gehäffigsten Aeußerungen der Stkibrny-Prefl« auf diesem Gebiet mit etlichen Pferdelängen schlug. Bei seiner Rede gab es auch wieher ziem liche Krawalle. Dabei hatte er sich keineswegs ettva auf die Hakenkreuzler beschränkt, sondern«r bedachte auch die deutschen Regierungspartei«« und namentlich unsere Partei ausgiebigst mit seinem Geifer. Die Hakenkreuzler schickten außer den Haupt beteiligten Jung, Kasper und Schubert (Krebs hatte schon vorgestern ausführlich genug gesprochen) noch den Abg. K n r r s ch in die Debatte vor. Dieser gab im Namen der von der Einigung ober Zinssenhungsvorlagc. Deute Beratung im Plenum. Prag, 23. Feber. Im Laufe des heutigen TageS kam es innerhalb des Siebenerausschusses der Koalition zu einer endgültigen Einigung über die strittigen Paragraphen der Zinsensenkungsvorlage. Die wichtigste Aenderung betrifft den 8 15, Absatz 3, in den Herr N o s e k und seine Hintermänner durchaus ein Kuckucksei hineinlegen wollten, daS di« Banken berechtigt hatte, zur Senkung der Personalregie die durch Kollek- tivverträge verbürgten Gehälter sämtlicher Bankangestellten ohne ledwede untere Grenze bis zu 25 Prozent abzubauen. Dieser Anschlag auf die Kollektivverlräg« wurde von den sozialistischen Parteien nach endlosen Verhandlungen abgewehrt. Die Mög. lichkeit eines Gehaltsabbaues wird nur bei bisher unkündbaren Einzewerträgen zugelassen, die dauernd unangemeffe« hohe Dienstbezüge verbürgen. Kommt«S binnen einem Monat nach der Aufkündigung zu keiner Vereinbarung, so entscheidet«in Schiedsgericht analog dem 8 17 b des Bankengesetzes. Der diesbezügliche PaffuS lautet wörtlich: 8 iS,«Ratz 3: Solange die nach 8 1 oder nach den voraus- gegangenen Bestimmungen dieses Paragraphen ge, regelten Zinssätze in Geltung sind, können die ver- au wörtlichen Organe der Geldinstitute und Geld- uniernehmungen sowie auch der anderen Institut« und Unternehmungen, welche Einlagen entgegen- nehmen oder Darlehen gewähren, jene Bestimmungen der bisher unkündbaren. Einzel^Dienstverträge, die dauernd unangemeffe« hohe T-ienskbepige garantieren, mit eimnonatlicher Frist kündigen und gehörigen der deutschen Opposition daS Thema „Nationalsozialistischer Mannesmut" zu erörtern, und dann die heutigen Reden derseloen Parteivertreter anzuhören verurteilt war, de« mußte heut« ost das Grausen angehen ob der Unaufrichtigkeit, mit der jetzt plötzlich die Feigling« von gestern zu Heroen von heute gestempelt wurden. U«b«r die wahre Stimmung in weitesten Kreisen jener Parteien, die sich häut« mit wahrer Todesverachtung für die Hakenkreuzler schlugen, dürften Wohl auch die Herren Krebs und Konsorten auf Grund eigener Beobachtungen nicht sehr im Zweifel sein! ES war ein sehr unappetitliches Kapitel, zu dem mit der heutigen Abstimmung vorläufig der Schlußstein gesetzt wurde! Di« Nationaldemokraten waren auch heut« den ganzen Tag über auf daS eifrigste bestrebt, wegen der Stimment haltuna der bei^n deutsche» Regierungsparteien Himmel und Hölle in Bewegung zu setzen. Man war fast versucht, sich zu Wundern, daß der Referent in seinem Schlußwort doch»och jeder Erwähnung dieser Seite der Angelegenheit, di« ihm doch ganz besonders am Herzen liegt, aus dem SSege ging. Momenta» versprechen sich di« Herren RatronaLemokraten, wie man in den Couloirs ohne weiteres vernehmen konnte, allerhand von einer Sitzung der post- tischen Minister, die für morgen vormittag einberufen ist und in der ohne Avrifel noch einmal daS eDrhalten der deutschen Reg,erungsparteien „nach der Koalitionsseite hin" besprochen toerdeu soll. * durch Vereinbarung adändern. Di« übrigen Bestimmungen der Dienstverträge bleiben dabei unberühr«. Absatz 4: Kommt es innerhalb der Kündigungsfrist nicht zu einer Vereinbarung(Ads. 3), so ist die Angelegenheit vor eia Schiedsgericht zu bringen, über das analog die Bestimmungen des 8 17 d, Absatz 4 bis 1s des Gesetzes Rr. 238/1924(in der Fassung des Artikels XXVH des WsetzeS Nr. 54/1932) gelte«. Weitere Aenderungen, soweit sie nicht reia stilistischer Natur sind, betreffen den 8 15, Ablatz 1, in dem di« Regierung ermächtigt wird, selbst die Zinssätze durch Verordnung fastzusetzen; hier wird neu eingefügt, daß sie dies„mit entsprechender Unterscheidung zwischen den verschiedenen Arten der Einlagen und Kredite" tun soll. Werden nach§ 2 analog auch die Zinssätze zwischen anderen Gläubigern und Schuldnern aerogelt, so ist dabei auch der W i r t« schaftSberrat zu fragen. Präziser gefaßt werden ferner di«§8 14 und 16, Absatz 2, die Verabredungen über Vorteile auS der Verletzung der Geld normen, bzw. über höhere Zinöen als ungültig erklären. Eine neue Straffanktipn wird ferner eingeführt durch einen neue« Absatz 2 im tz 18 für diesen igen Personen, die ohne Konzession zur privaten Vermittlung von Krediten(Gesetz 203/1935) sich für die Vermittlung von Krediten ernen Bermögensvortcil fordern, sich versprechen loffe« oder annehmen. Tie?- bezügliche Verabredungen sind ungültig. • Nach der Haussitzung wurde die Zinssenkungk- vorlage in dieser geschilderte« Form noch vom Budget- und vom Gewerbeausschuß fertiggestelll. Die Vorlage kommt bereits morgen um 10 Uhr vormittags im Plenum des Parlaments zur Verhandlung. 51 Die Kellnerin Molly. Roman von Han» Otto Henel. Tovvrtadt bt> Kackelretter-Berlaa. Berlin. Nachdruck verboten. Außer dem jkeller in der Mulackstraße lernte sie schnell mehrere Dutzend andere Absteige- lluartiere kennen. Ob in der Mulackstraße, der Dragonerstraße, im Büschingplatz, sie waren sich immer ungefähr gleich. In kalkweißen Kellern, in Küchen zwischen Kochtöpfen und Bratpfannen, zwischen Schüsseln und Taffen, auf Feldbettstellen mit Strohsack, auf Sofas, denen das Seegras entquoll, zwischen rohen Bretterverschlägen, die eine getünchte Kammer in drei Liebesnester einteilten, erwarb Male sich das, was auch lebenslustige Dirnen„zum Leben" brauchen. Nie fand sie, der ein starkes Sauberkeitsbedürfnis eigen war, für die Reinlichkeit mehr als Wasser, das andere schon gebraucht und Handtücher, die schon Dutzende in Händen oder am Körper gehabt hatten. In einer Absteige am Büschingplatz kam Male in der Reihe einmal hinter einem Weibe zu stehen, das sich mit Stolz brüstete, die älteste Dirne des ganzen Nordens zu sein. Sie zählte neünundsechzia Jahre. Trotzdem sie, wie sie hervorhob. feit Jahrzehnten fleißig aus den Strich ging, habe si« eS noch nicht so weit gebracht, wie die Kuppelmutter, die das Liebeslager zur Verfügung stellte, und die auch eine frühere Dirne wax. Aber die Alte hoffte mit unverwüstlichem Optimismus, daß sie eS in ihrer Laufbahn auch noch einmal zur Kuppelmutter bringen werde. Dabei wies dieser Liebestempel nicht einmal eine Chaiselongue auf. In dem fensterlosen Raume gab es nur«inen Berg von stinkenden Lumpen zur gefälligen Benutzung für di« Liebespaare. Tie Alte,''ehr geschwätzig, machte kein Hehl daraus, daß sie dieies für sie immer noch komfortable Haus nur besuche, wen« sich d«r„freier" vorher für die Gebühr von fünfzig Pfennigen verbürg«. Sonst ziehe sie den Schatten der nächsten Haustür« vor. Leider sei auch zu diesen letzten Stätten, der Lust der Andrang fetzt ziemlich groß,„wer! wenig Geld unter den Leuten ist." Wenn Male gegen Morgen nach Haus« kam, erschien ihr das Haus in der Pallisadenstraße wie ein Palast und ihr Kämmerchen wie eine Putzstube. Einem aber, der etwa aus einem durchschnittlichen Hause deS Westens gekommen wäre, hätte daS Haus wie die Hölle anmuten müssen. Wie andere Häuser in der Nachbarschaft gehört« es einem ungarischen Amtsrichter außer Dienst, der in der Inflationszeit längst abbruchreife Berliner Häuier dieser Art für ein paar Mark dutzendweise erworben hatte. Bon den Wänden fiel der.Putz. Seit Jahren eine Lebensgefahr für die Vorübergehenden. DaS Wohnungsamt und' di« Baupolizei hatten di« Häuser wohl besichtigt und als lebensgefährlich bezeichnet, aber kein« Besserung veranlaßt. Die Mieter hatten darauf zur Selbsthilfe gegriffen und den Putz abgestoßen, soweit er noch nicht von selbst abgefallen war, um wenigstens di« Lebensgefahr zu beseitigen. Scharen von Mäusen und Ratten hausten in den alten Buden, von dem ganz selbstverständlichen kleineren Ungeziefer gar nicht zu reden. ES gab Zimmer in diesem Hause, di« nachts sogar von soviel „Schwaben" bedeckt waren, daß man Gefahr lief, auf ihnen auszurutschen. Einmal waren am hellen Tage zwei Säuglinge der Gefahr, durch drei Ratten angefreffen zu werden, nur dadurch entgangen, daß eine wachsam« und unerschrockene Kotze in der Nähe war. Di« Mutt«r fand di« gefährlichen Nager in der Margarinekiste, die dem Kinde als Bett dient«, totgebissen von der Katze. Das Haus stand in direkter Verbindung mit dem Nachbarhaus«. daS o>ich dem Ungarn gehörte. In beiden Häusern wohnten zusemimen mehr als siebzig Familien, für di« eS nur d-ei baufällige Holzaborte aus dem Hofe gab. Immer war di« Wasserleitung in irgeiweinem Teil« der Häuser defekt. Die Wände wackelten, wenn«in Lastwagen vorüberfuhr, ja selbst schon, wenn jemand starken Schrittes di« Trepp« hinunter» ging. Di« Wohnungen im vierten Stock waren durchstäßt, weil das Dach jeden Regen durchließ. Immer wieder wandten sich die Bewohner an die Behörden, darauf hinweisend, daß derartige Verhältnisse ein«r Reichshauptstadt unwürdig seien. Aber ohne Erfolg. Als schwacher Trost blieb ihnen der Hinweis, daß es in der Gegend, wie überhaupt im ganzen Osten und Norden der Stadt,, Häuser gäbe, di« noch schlimmer daran seien. Ein Kapitel, das nicht im geringsten jene zahlreichen deutschen Polizeiverordnungen erwähnt, die das Abreißen junger Weidentriebe unter Strafe' stellen. Mit Frau Prager, ihrer Wirtin, kam Mal« gut aus. Die Frau war fleißig und ordentlich und aüch mitfühlend genug, am Vormittag Ruhe zu halten, damit ihre Mieterin von den Anstrengungen der Nacht ousschlasen konnte. Sie hatte ein zehnjähriges Kind aus erster Ehe, das zur Schul« ging. Herrn Prager sah Mal« selten, weil er erst nach Haus« fam, wenn Male an ihre Arbeit ging. Sie mochte den Mann nicht leiden. Frau Prager klagte ihr, allerdings nur selten und in ckUgen'cheinlicher.Ängst vor dem Manne, daß er ein Trinker sei und jebet Roheit fähig. Dabei hatte di« arm« Frau noch an den Schulden zu tragen, die ihr Mann aus erster Ebe ihr hinterlassen hatte. Eines Tages zeigt« Frau Prager Male einen Zettel, gesandt von der Genreindeschul«, in ' die das zehnjährige Mädchen ging. Die Mutter ' sollte um die und die vorgeschriebene Zeit zur Schule komnren. Frau Prager erwartet«, daß man vielleicht über eine Nachlässigkeit ihres Märchens oder«in« Dummheit im Betragen klagen würde, obwohl Klärchen ja sonst ein braves Kind sei. Sie ging zur Schule, als si« von ihrer erste« Tagesarbeit, dem Austragen der„Morgenpost", sich ein wenig verschnauft hatte. Der Schulleiter bat sie, ein wenig zu warten, da er erst den Schularzt herbeirufen müsse, der auch bald zur Stelle war. Beide Herren blickten sehr ernst di« Mutter an. Dem Schulleiter fiel das Reden sichtlich schwer. „Frau Prager, im Einverständnis und auf Anochnung des Herrn Schularztes müssen wir Ihre Tcchter von der Schule fernhalten. Vorläufig. Wie sich das später regeln wird, bleibt der Entwicklung der Angelegerkheit Vorbehalten." Frau Prager begriff nicht und schaute die Herren verständnislos an. Der Schularzt räu- sperH sich. „Tja, Ihr« Tochter wurde gestern beim Turnunterricht ohnmächtig. Ich untersucht« das Kind und mußte zu meinem nicht geringen Schrecken feststellen, daß es— daß es— in anderen—'N anderen Umständen ist. DaS Kind>st einwandfrei schwanger." Frau Prager fiel wie ein Sack um, ohnmächtig den beiden Herren vor die Füße. Man ieF* sie wieder auf den Stuhl und brachte sie durch einige Tropfen Wasser wieder zu sich. Wieder«ti Besinnung, brüllt« di« Frau, fassungslos., „Herr Doktor, Sie sind verrückt! Das Km" ist doch erst zehn Jahre alt! Wie kann man lagev- daß ein zehnjähriges Kind schwanger ist? Ne entschuldigen Sie meine Aufregung. Sie haben üch nur geirrt. Das ist ja unmöglich!" Der Schulleiter ging, um Klärchen rufen zu lassen. Der Arzt sah mit ernstem Mitgefühl auf Frau Prager nieder. Gortfetzung ioigt.j Nr. 47 Freitag, 24. Feber 1938 Lette 8 Prämien für Mörder Der Schießerlaß des Ministers Göring Vom 20. Feber stellt Wohl selbst in der Geschichte des Politischen Terrors einen einzigartigen Akt schamloser Parteilichkeit dar. Es hat, den Nationalkonvent von 1793/94, die Reaktion nach der Commune von 1871 und alles, Watz seit 1917 geschehen ist eingeschlossen, noch nie«ine Regierung gegeben, di« nicht wenigstens versucht hätte, den Schein der Objektivität su wahren, wenn sie ihr« Gegner abschlachtete. Ein Gerichtsverfahren, sei es auch noch so lächerlich gewesen, ging allen Morden des Terrorismus voraus, eine vorgetäuschtc überparteiliche Staotsautorität mußte selbst im fascistischen Italien jedesmal herhalten, wenn ein Gegner dem Dolch oder der Kugel eines Fascisten erlegen war. Man hat Freibriefe für Mörder ausgestellt, aber den öffentlichen Gewalten geradezu den Auftrag zum Mord, unter Androhung schwerster Strafen bei Unterlassung der Bluttat zu erteilen, das hat außer und vor Herrn Göring noch niemand gewagt. Di« Polizeiliche Unterstützung für Mörder befohlen hat noch niemand außer dem Mann, der als ehemaliger Offizier doch so etwas wie ein ritterliches Ehrgefühl besitzen sollte, der den höchsten Orden des hohenzollern- schen Deutschland, den Pour le ms rite trägt. Unauslöschliche Schmach für Deutschland, daß sich unter denen, die Herr Göring seine Kameraden nennt, unter den Ordensrittern des Pour le Mvrite keiner findet, der gegen die Gemeinschaft mit einem Räuberhauptmann protestiere« würde! * Man muß nur gesehen haben, w e m da ein Freibrief für den Mord, man muß wsssen, wem der Befehl zum Abschlachten der Arbeiter erteilt wird. Beides verschärft den an sich schon grauenhaften Tatbestand. Denn wer sind die SA. die das Privileg des Mordens und die Zusicherung polizeilicher Unterstützung bei ihren Untaten erhalten? Man kann sie jetzt fast jeden Abend sehen: halbwüchsige Burschen, die in den Windeln lagen, als ihre Väter in Flandern und Polen verbluteten, stellungslos« Commis und kleine Angestellte, um einen Schandlohn gemietet, unmilitärisch schlappe und hohlbrüstig« Gestalten, die sich von starken Schupo-Abteilungen eskortieren lassen, wenn sie durch Berlin ziehen. Grotesker Anblick, solch ein Zug trauriger Söldner, die von deutscher Freiheit und vom mutigen Sterben für Deutschlands Ehre fingen, aber rechts und links von Schupo gedeckt, vorn und hinten von Autos begleitet sind, die Schupoleute mit Karabiner bei Fuß führen! Allnächtlich schießen, aber diese Burschen aus dem Hinterhalt auf Arbeiter, verprügeln sie jeden Gegner, der ihnen isoliert begegnet. Fast kein Parteilokal an der Peripherie von Berlin, das nicht schon einmal überfallen worden wäre. 8» gibt welche, di« ihre sechs bis acht Ueberfälle hinter sich haben. In einem erzählt man tum dem letzten Ueberfall. Ein Arbeiter will zu spater Stünde da» Lokal betreten. Wie er in den «leuchteten Türrahmen tritt, bricht er zusammen. Aus einem gegenüberliegenden Toremgang hat ihn die Kugel erreicht. Dort muß einer dieser Burschen gelauert haben, bis sich ihm ein zufälliges Ziel, einerlei wer eS sei, für sein Heldenstück bot. In der Nähe dieses Lokal» hat sich folgen- des ereignet: Ein alter jüdischer.Händler bietet seit Jahren in einer offenen Bude Obst, Zuckerwerk, Zigaretten feil. ES ist«in jämmerlich schlechtes Geschäft in dieser Zeit, in einem Viertel, wo keiner Geld hat. Eines Tage» treten einige SA-Leute an den Alten heran, verlangen «ne Hundert«rpackung Zigaretten. Das führt der 'Händler nicht. Er ist froh, wen» er jeden Tag ei» paar Fünferpackungen verkauft. Er habe keine solchen Packungen, erllärt er. So, die hast Du nicht! Di« Nazi stürzen sich auf den alten Mann, zerren ihn hinter seinem Pult vor, ver- drügeln ihn, daß er liegen bleibt. Passanten melden auf dem nächsten Polizeirevier, der alt« Mann an der Ecke sei mißhandelt worden. Bon wem? Die Täter sind Nationalsozialisten. Der Polizeibeamte bedauert: Dann können wir nichts wachen. Das war vor dem Erlaß. Wie wird c 8 erst nach ihm sein! * Und die Schupo le u t e, denen befohlen wird, auf die Linken zu schießen, di« Rechten aber morden zu lassen, wer sind sie? Zum großen Teil ihrer Gesinnung nach Republik a- v e r, ihrer Herkunft nach Proleten. Die Wahl des Obersten Heimanusberg zum Ber- stauensmann der Schupo zeigt, wie dl« Männer w der Polizei-Uniform deicken. Aber die meisten den ihnen haben Weib und Kind zu Haus. Sie haben ein« Stellung und inehr zu verlieren, wenn sie sich sträuben. Sie werden nicht gern wlf ihre Brüder im Arbeiterkittcl schießen, aber wenn eS darauf ankommt, werden sie schießen, zu Mördern und Verrätern ihrer besseren Gesinnung gemacht von einem blutigen Schläch- s«, dessen Ehrgeiz eS zu sein scheint. Mussolini w den Schatten zu stellen und den Bielred- e r Hitler durch Taten an di« Wand zu spielen. Deutschland aber, dem heute wieder wie 1914/18 die Welt ratlos, verständnislos, in wachsendem Grauen geaenübersteht(ohne das eS diesmal nötig wäre, Greuel erst zu erfinden), Deutschland wird schwer ringen und bluten müssen, um vor der Geschichte die Schande zu tilgen, daß es einmal von diesem Blutgöring regiert wurde! Berliner Polizeipräsident für die Nazis SA, SS und Stahlhelm„Bundesgenossen“ der Polizei. Berlin, 23. Feber.(Wolfsbureau.) Polizeipräsident von Levetzow hat bei der heutigen Vorstellung der Vertreter des Offizierskorps und d«r Beamtenschaft der Berliner Schutzpolizei «ine Ansprache gehalten, in der er u. a. ausführte: Ich habe mein Amt übernommen vor Gott und meinem Gewissen mit der heiligen Pflicht, einzutreten für Ruhe und Ordnung, für Sauberkeit, für Zucht und Sitte, hier in Berlin, an dieser Stätte geheiligter altpreußischer Tradition. Auf diesem Boden duld« ich keinerlei Giftpflanzen asiatischer Provenienz. Ich dulde sie nicht, weil sie Unruhe unter eine besonnene Bevölkerung bringen. Ich nehme die Gelegenheit wahr, diese politische Mordbuhen erneut zu warnen. Ich wende mich an Sie, an jeden einzelnen Offizier und Beamten, mir rückhaltlos und gegebenenfalls unter Einsatz des Lebens, dafür ein- zustchen, daß jede leiseste Unruhe sofort im Keim erstiat wird. Ich weiche keinen einzigen unter Ihnen dulden, der mir seine Mitwirkung hierbei versagt. Und noch eins: Jeder von Ihnen sei Manns genug, mir offen und frei zu sagen, w i e e s u m seine Gesinnung steht. Ich werde diese Offenheit auch anerkennen, aber ich warne vor allem diejenigen, die etwa versuchen sollten, andere Kameraden von dem Wege der nationalen Pflicht abzubriugen. Unter dem verehrungswürdigen greisen Generalfeldmarschaff ist jetzt der Weg der nationalen Erhebung beschritten. In Berlin diesem nationalen Wachen den Weg freizumachen, das ist jetzt unsere Aufgabe. Und noch ei« Wort» vergesse« wir nicht in tiefer Dankbarkeit, was in all diese« Jahre« der Unruhe und Schmach jene Männer i« selbstlosester Weis« unter Einsatz von Gut und Blut für uns und unser heißgeliebtes Vaterland geleistet haben. Vergessen wir nicht di« großen Berdienst« der Ratwnalsozialisten, ihrer tapfere« SA und SS, vergessen wir nicht der wackere« Stahlhelme» und, das bitte ich tnsbe- sonder« jedem von Ihne», sehe« Sie in Ihnen Ihre gegebenen Bundesgenosse«, Ihr« getreue« Helfer zur Beseitigung von Unruhe« und Auswüchse«. di« llßbertritt der Handlovaer kommunistisdißn Bßrg arbßitßr zur freien Gewerksdialt Partei ans dieser unkorrekten Per- Parte, Arbeitern des Gesuches deS Strafgerichtes um Auslieferung der Abgeordneten Krebs und Genossen gilt. Vollkommen stimm« ich mit dem Gedanken überein, daß es eine gut« Tradition ist, politische Gegner lediglich wegen ihrer abweichenden politischen Ueber- zeugung zur Strafverfolgung nicht auszuliesern. Ich beruf« mich jedoch auch auf seinen Gedanke», daß auch die Auslieferung eines politische» Gegners möglich ist, wenn der Verdacht besteht, daß durch seine Handlungen die Demokratie oder der Staat bedroht wurde. Nm gegebenen Fall handelt es sich darum, daß das Gericht feftstellt und entscheidet, ob und inwieweit auch Führer und führende Funktionäre dieser Organisation in der Richtung strafrechtlich verantwortlich sind, ob sie durch Verurittlung einer uner- laubten Organisation so gehandelt haben, daß dadurch nach den gesetzlichen Bestimmungen der Staat und die Demokratie bedroht wurde. Die Justizverwaltung macht in der Ausübung ihrer Kompetenz keinen Unterschied und kann auch keinen Unterschied hin sich dl ich der Nationalität machen, wenn«S um di« Verfolgung strafbarer Handlungen geht. Bombardement von Stadien. Peking. 23. Feber.(Reuter.) Japanische Flugzeuge haben'die Städte Nanlin, Perpiao und Tschaojang bombardiert. Ihre Truppensendungen und das Kriegsmaterial beförderten die Japaner auf einer Seitenlinie der Eisenbahn, die nach Nanlin führt. Japaner verlassen Gern. Genf, 23. Feber.(Tsch. P-B.) Der Chef der japanischen. Delegation in Genf Mdtsuoka er- klärte, er werde mit der ganzen Delegation am Samstag Genf verlassen, wenn der Bericht des Neunzehnerausschusses, der die japanische Aktion im Fernen Osten verurteilt, in der Freitagssitzung angenommen werden sollte. Born ein Breihund? Budapest, 23. Feber. Wie die Blätter berichten wellt« der gewesene Ministerpräsident Graf Bethlen in den letzten Tagen in Berlin, wo er mit Hitler und Hugenberg verhandelte, worauf er nach Rom abreiste. fascisiernng des Beamten apparates. Berlin, 23. Feber.(Tsch. P.-B.) Wie der Amtliche preußische Pressedienst mittellt, haben di« Komrmssare des Reiches in einer gestern abgehaltenen Sitzung wiederum größer« Personalveränderungen t« Preuße« beschlossen. E» wurden insgesamt 15 höhere preu- ßischc Beamt« mit sofortiger Gültigkeit in den einstweiligen Ruhestano gesetzt; darunter befinden sich Oberpräsidenten, Regierungspräsidenten und Regierungsvizepräsidenten. Zwei Ernennungen von Regierungspräsidenten, di« am 15. Feber beschlossen wurden, sind widerrufen worden. Außerdem wurde«ine größere Anzahl von Bersetzun- gen und Neuernennungen beschlossen, die sich— abgesehen von dem Ersatz der in den sofortigen Ruhestand getretenen Personen— zum große» Teil auf Beamte im preußischen Ministerium des Innern beziehen. Unter den neuernannten Polizeipräsidenten befinden sich zwei Majore a. D. und ein Mitglied des Preußischen Landtages. Ein Köder för die ganz Dummen. Hitler verspricht eine Anleihe, wenn... Wien, 23. FÄber. Di« beiden Führer der österreichischen Nationalsozialisten Proksch und Habicht sind aus Berlin zurückgekehrt und teile« in ihren Presseorganen mit, daß Hitler bereit wäre, Oesterreich mit einer Anleihe von 150 Millionen Schilling, welch« i« Deutschland und Italien beschafft würde», zu helfen. Oesterreich müßte aber politffche Garantien gewähren. Dies« könne jedoch weder die Regierung Dollfuß noch ein anderes Kabinett, das die Nationalsozialist«« ausschließen würde, geben. Die Hauptforderung find Parlamentsneuwahlen. Senat. Mn« neue Erklärung de» Justizressorts. Prag, 23. Feber. Der Senat hatte für heut« ein Pensum von 27 zum Budget angemeldcten Rednern zu bewältigen. Für den morgigen letzten Tag sind weitere zwanzig Redner angekündigt, deren Schicksal allerdings zum Teil davon abhängig fern wird, ob das Präsidium di« anwach» senden Ueberschreitungen der Gesamtredezeit der «inMnen Klubs pardoniert oder nicht. Auf jeden Fall dürfte sich auch die morgige Debatte, die mit der Abstimmung beendet werden wird, bis in die späten Abendstunden ausdehnen. Im Laufe der Debatte, kam eS am Nachmittag zu der dritten Erllärung des Justizressorts über den Bolkssportprozeß, bzw. daS Auslieferungsbegehren vor einem parlamentarischen Forum. Es meldete sich Schulminister Derer zu Wort, der in Vertretung des verhinderten Justlz- ministers Dr. Meißner folgende Erllärung abgab: Äm Verlauf der Budgetdebatte berührten einige Herren Senatoren auch de» Brünner Volkssportprozeß. In Vertretung des nicht anwesenden Justizministers Dr. Meißner halt« ich es für meine Pflicht, den Standpunkt zu zitieren, welchen der Herr Justizminister im BudgetauSschuß des Senats am 14. Feber eingenommen hat. Minister Dr. Meißner erklärte dort: „Es geht um keine Inszenierung Politischer Prozesse durch di« Justizverwaltung. Man kann nicht davon sprechen, daß es um einen Prozeß gegen da» ganze deutsch« Boll geht. Der Antrag auf Verfolgung wurde nur bezüglich jener Mitglieder der Nationalversammlung gestellt, über welche in den Akten ein bestimmtes Faktum enthalte» war. Di« Justizverwaltung und auch der öffenlliche Ankläger unterscheiden genau und werden auch genau zwischen den einzelnen Beschuldigten darnach unterscheiden, wa» sichergestellt wurde oder sichergestellt werden wird. Di« Justizverwaltung und der öffentliche Ankläger werden sehr objektiv vorgehen. Die Justizverwaltung ist korrekt vorgegangen und wivd korrekt Vorgehen." Ich muß, erllärt« Dsrer weiter, in diesem Zu- sammenhang auch jene Teile der Rede berühren, welche vorgestern im Plenum des Senates Herr Senator Dr. Heller gehalten hat. Ich kann allerdings auf seine Kritik des Brünner Urteils nicht reagiere», und zwar aus dem Grunde, well es sich um ein Urrell handelt, welches noch nicht rechtskräftig geworden llt. H'ngegen kann ich erklären, daß das. was der Her-, llustizminister Dr Meißner über den Prozeß gegen di« Angehörigen des BolkS- sport gesagt hat, ebenso auch für die Beurteilung Austritt aus der Kommunisttschen Partei. Wir erhielten folgende Zuschrift aus Postel- berg: „Mr Unterzeichnete» erklären, daß wir in der am 1». Feber 1933 im Gasthaus„Zur goldenen Krone" in Postelberg stattgcfundenen Plenarversammlung der Kommunistischen Wege» arbeiterfeindlichen und hallens der Funktionäre dieser gegenüber, ausgetreten sind. Wenzel Nowak, Ludwig Keller, Franz Bidmon." Bei den drei unterfertigten Arbeitern, uns ihren Austritt aus der KP6. anzeigen, handelt es sich um langjährige Mitglieder der Kommunistischen Partei, einer von ihnen war sogar i« der verflossenen Periode Stadtrat der Kommunistischen Partei in Postelberg.- Die Erfahrung, welche die drei Arbeiter in der Kommunisttschen Partei gemacht haben, haben schon viel« andere Arbeiter auch gemacht. Manche sind denselben Weg gegangen wie die drei Postelberger Arbeiter, viele schrecken noch In Handlovü(Slowakei)■ hatten die Kommunisten ein« starke gewerkschaftliche Organisation und eine dominierende Stellung im Betriebsrat der Handlovüer Gruben. Sie unter- hieltetr dort auch ein eigenes Sekretariat. Diesen Einfluß versuchten nun die kommunistischen Parteiführer zu mißbrauchen, um di« Bergarbeiter so wie in Rossitz in«inen sinnlosen AgttatiovS- streik hineinzutreiben. Die Handloväer Berg- arbeiter taten aber nicht mst. In der am Montag, den 21. Feber stattgefundcnen Mitgliederver- sammlung deS kommunistischen Bergarbeiterver- bandes kam nun die große Unzufriedenheit der Mitglieder mit der kommunistischen BerbandS- führung zum Ausdruck, di« nach einer scharfen Krstik zu dem Beschluß führte, zur freien Gewerk- schäft uberzutvcten. Der Großteil der Mitglieder des kommunistischen Jndustrieverbandes hat seinen Uebertrit zum freigewerkschastlichen Svaz hornsku sofort vollzogen. Nebst dem Großteil der kommunistischen Gewerkschaftsmitglieder find sämtlich« fünf Betriebsräte der große« Handloväer Kohlenschächte, ferner der Obmann der kommunistische« Bergarbeiterortsgrupp« in Sand- lovä, Josef Daubner, der Kassier dieser Ortsgruppe M. W o b l a u d, das Mitglied deS Zentral, und KreiSauSschusseS der KPH, N« u s ch e l, der Vorsitzende der Metallarbeiter- Zahlstelle, K o L i S, und viel« audere Haupt, funkt ionäre der kommunistisch«« Organisation, sowie der kommunistische Bergarbeltersekretär Ludwig Rovük zur freie» Bergarbeiterorganisation übertreten. Ihre« Beispiel find auch viele bisher indifferente Bergarbeiter gefolgt. Die übertretenen kommunistischen Funktionär« und Mitglieder wenden sich in einem längeren Flugblatt an alle Bergarbeiter, ihrem Beispiel zu folgen und die Einheit in der freien Gewerkschaft herzustellen. In dem Flugblatt wird scharfe Kritik an der verwerflichen Taktik der kommunistischen Führung geübt, die im Kampf« um die Erhaltung der Löhne und der sozialen Errungenschaften der Bergarbeiter vollständig versagt und die jetzt, durch ihren sinnlosen politffchen Agitationsstreik in Rossitz, 700 Bergarbeiter um Brot und Arbeit gebracht hat. „Arbeiter und Arbeiterinnen! Ihr kennt uns," so heißt eS in dem Flugblatt, .persönlich durch die langjährige Tätigkeit in der Arbeiterbewegung. Unsere Bemühungen gehen dahin, di« Arbeiterschaft zu vereini- gen, um den Klassenkampf zugunsten der ganzen Arbeiterklasse zu führen. Folget unserem Beispiel!" Die Arbeitslosigkeit in der Metallindustrie. Mehr als di« Hälfte d«r Mitglieder des Inter, nationalen Mualmrbeiterverbandes arbenslos. Wie schrecklich di« Arbeitslosigkeit in der Tschechoslowakei gerade in der Metallindustrie wütet, ergibt sich daraus, daß Ende Jänner Mm Internationalen Metallarbeiterverbande 15.088 Mitglieder im Bezug« der Arbeitslosenunterstützung standen. Das«st mehr als die Hälfte der Mitglieder überhaupt. Bon den Unterstützungsbeziehern standen 1325 im Bezug der Krisenunterstützung, d. h. sie sind bereits über«in halbes Jahr aÄeitslos und haben schon 26 Wochen Arbeitslosenunterstützung bezogen. HitlerS Sozialpolitik. Di« Nazipresse hat mit einer Notverordnung der Hitler-Hugenbera- Regierung über Verbesserungen in der Sozialversicherung viel Parade gemacht. Wie sieht es in Wirklichkeit aus? Mit der Notverordnung der Regierung Papen vom Juli 1932, wurde di« Sozialversicherung und die Reichsversorgung um 1500 Millionen Mark herabgesetzt.. Die Verordnung des Herrn Hitler gibt den Rentner« der Sozialversicherung und der Reichsversorgung 30 Millionen zurück. So sieht di« Sozialpolitik der Nazi aus. DaS deutsche Volk wird ball» erkennen, was es an dieser Regierung hat, deren ganze Staatskunst in der Anwendung von brutalen Polizeimethoden besteht. Deshalb wollen sie ja die Diktatur, um sich hinter Bajonetten vor dem Zorn des Volkes schützen zu können. verhängnisvoll« Auswirkungen. Deutschland hat den iEnfuhrzoll auf Schnittholz von 1 auf 2.50 Mark erhöht, wodurch nunmehr der Kubikmeter Nadelschnittholz bei einem durchschnittlichen Gewicht von 500 Kg. je Kubikmeter mit 100 Kronen(vordem 40 Kronen) belastet wird. Dadurch wird die Ausfuhr tschechoslowakischer Nadelhölzer nach Deutschland praktisch unterbunden und eS schwindet di« Aussicht auf den Absatz der Heuer durch Schneebruchanfall usw. wiederum zwangsläufig verursachten Ueberschüss«,— Die Erhöhung des Hopfenzolles durch Hitlers Regierung hat den tschechoslowakischen Hop- fenexport schwer betroffen. Die Auswirkungen ..,, des kommenden„Dritten Reichs' sind für die davor zurück Aber di« Zeit kommt noch, wo die deutschen Forstleute und Landwirte schon beute Bielen denselben Mut und dieselbe Entschlossen- verhängnisvoll. Was sagen die heimischen Nazis heit zeigen werden wi« die drei Postelberger. s dazu? Seite 4 Freitag, 24. Feber 1933 Kr. 47 Extra-Ausgabe Ein Todesopfer der..normalen** Akrobatie: Wieder Militärflieger-Katastrophe Todessturz bei Königgrätz. mit den Ergebnissen. der Rcldistagswahl geben wir am Hontag, den v März mit dem Kopf „Sozialdemokrat“ zum Preise von 50 Heller herans. Das B.att wird in den ersten Morgenstunden in den Orten sein. Bestellungen sind rechtzeitig an die Verwaltung unseres Blattes zu richten. Offenheit tut not! Stu Wort an die Organisation der Kriegsbeschädigten. Im Organ des Bundes der Kriegsverktzten, -Witwen und Waisen lesen wir folgendes: Kriegsbcschäd gie hört und merkt es Euch! Nur wenig« Worte widmet« der Fürsorge-■ Minister in seinen Ausführungen der Kriegs-! ■ bcschädigtenfürsorge. Doch sind dieselben von so schwerwiegender Natur und haben so viel in sich, daß man Bände darüber schreiben könnte. „Die Kürzung der Invalidenrenten und die! Beseitigung aller unter 30 Prozent fallenden j Rentenbezügc durchzusetzen, blieb den Kriegsbeschädigten glücklich erspart." Die Kriegsbeschädigtenrenten sollten für alle ad 1. Jänner 1933 um 15 Prozent gekürzt und die Kriegsbeschädigten bis zu 30 Prozent Erwerbsunfähigkeit aus einem Renienbezuge überhaupt ausgeschicden werden. Wäre dies« Absicht der den Kriegsbeschädigten feindlich gesinnten Regierungskreis« zur. Wirklichkeit geworden, dann wäre ein unnennbares' Elend tausender Kriegsbeschädigter die Folge gewesen. Biel« nehmen die Tatsache, daß die Rente ab 1. Jänner weiter bezahlt wird, mit stoischer Ruhe als selbstverständlich entgegen. Ja, «s gibt sogar noch Kriegsbeschädigte, die in ihrer Dummheit noch Herumreden, sie brauchten keine Organisation, denn die Rente bekämen sie ja immer angewiesen. Sie bedenken nicht, daß es auch einmal anders sein kann. Dann wären aber gerade diese die größten Schreier, die am meisten die Organisation verantwortlich machen würden, trotzdem sie sich nie um di« Erhaltung und den Ausbau unseres Bundes kümmerten. Ti« überlasten die Arbeit den anderen und wissen nur auf die Organisation zu schimpfen. Um dieser Drohnen willen braucht wahrlich kein Finger krumm gemacht werden. Tie sind ein««hrliche Arbeit und eine Bertertung ihrer Interessen nicht wert. Gott sei dank, daß di« Zahl der anderen, di« wiffen. was di« Organisation leistet und wie dringend notwendig sie ist, größer ist als die Zahl der Indifferenten und Nörgler. Es hätte nichts geschadet, wenn die Organisation der Kriegsbeschädigten, die dies« Feststellungen in das Blatt gab, auch die Arbeit jener Männer in der Regierung anerkannt hätte, die die Absicht der den Kriegsbeschädigten feindlich gesinnten Regierungskreise verhinderten, ohne ihr- energisches Eingreifen wären die eifrigsten Bemühungen der Kriegsbeschädigtenorganisation erfolglos gewesen. Ihre Führer werden Wohl selbst nicht glauben, daß ihre Bestrebungen von Erfolg begleitet gewesen Wär«, wenn das Für- forgeministerium nicht in der Hand eines Sozialdemokraten wäre! Oder ist di« Anerkennung dieser Tatsache ans gewissen Gründen im„Kriegsverletzten" verpönt? Rüdfkelir zur Handarbeit? Die großen Industrien waren di« Pioniere her Maschinenarbeit. Sie sind für den größten Teil der technologischen Arbeitslosigkeit verantwortlich. Wird auch in diesen Industrien das Pendel zuerst zurückschwingen? Diese Frage stellt sich der Vizevorsitzende einer der größten amerikanischen Automobilfirmen(General Motors), indem er darauf hinweist, daß verschiedene Großindustrielle, die noch vor einigen Jahren bestrebt waren, die Gestehungskosten mit Hilfe äußerst kostspieliger Maschinen auf ein Mindestmaß herabzudrücken, neuerdings der Frag« der Rückkehr zur Handarbeit größte Aufmerksamkeit schenken. „Wir bei General Motors**, sagt ihr Vtze- vorsttzender,„verwenden schon jetzt viel mehr Handarbeiter, als wir noch vor ein bis zwei Jahren beschäftigt haben. In einigen Abteilungen ist die.Handarbeit um 20 Prozent gestiegen. Diese Entwicklung ist gerechtfertigt, nicht wegen der Gestaltung der Gestehungskosten per Produktionseinheit, sondern wegen des nach unserer Ansicht wohltuenden Einflusses auf die allge- meine Wirtschaftslage." Weiter wird erklärt, daß auch andere Industrien gezwungen sein roerö«n, die wirtschaftlichen Probleme von dieser Seite zu betrachten und zum Schluß zu kommen, daß die h öch ste Wirtschaftlichkeit in einem individuellen Unternehmen vielleicht letzten Endes doch nicht der Weisheit Höch st er Schluß für die ganze Wirtschaft sei! Tagt es im„Paradies" des Individualismus? Prag, 23. Feber.(TRO.) Donnerstag, den 28. d. M. havarierte um 9 Uhr 35 Minuten in der Nähe des Flugplatzes in Königgrätz der Zugsführer Feldpilot Franz Bayer vom vierten Fliegerregiment mit dem Flugzeug BA- 33.70. Der Pilot kam hiebei ums Leben. Zu dem Unglück kam es, als das Flugzeug bei der Ausführung normaler Akrobatik in ein flaches Trudeln geriet, aus dem sich der Pilot nicht T agesneuigkeiten Der weitze Tod Zwei Todesopfer einer Lawine in Kärnten. Heiligenblut(Kärnten), 23. Feber. Bon einer Lawine wurden in der Nähe von Guttal zwei Wintergäste aus Hamburg, der Versicherungsbc- amte Runge und die Kontoristin Hildebrand, verschüttet. Dem Mann gelang es, sich selbst herauszuarbeiten; er stürzte aber dann über einen Steilhang tödlich ab. Die Leiche wurde geborgen. Die Suche nach der Begleiterin wird fortgesetzt. Mchod als Fod- und Radium-Heilbad? Dieser Tage wurde im Garten des Sanatoriums des ehemaligen Primarius MUDr. Heinrich Stranik in Nachod, Rokhanskeho ulice CNr. 436, in einer Tiefe von 176 Metern eine Heilquelle aufgedeckt, deren Wasser bedeutende Mengen von Jod und Radium enthält. Die zuständigen Stellen in Prag wußten um die Vornahme der chemischen Analyse der eingesandten Wasserprobe ersucht. Wenn das Prüfungsinstitut die in Nachod vovgenommene Analyse bestätigt, wird man in Nachod an die Errichtung Von Heilbädern schreiten. Nazis breuueu eiu Gemeindewohnhaus nieder. Reu» Familie« obdachlos. Großbeeren, 23. Feber. In der Nacht zum Donnerstag ist das- Gemeindewohnhaus in Großbeeren niedergebrannt. Neun Familien sind obdachlos geworden. Der Regierungspräsident in Potsdam hat mit Rücksicht auf verschieden« umlaufende Gerüchte sofort höhere Polizei- und Landjägeroffiziere nach Großheeren entsandt, die eine strenge Untersuchung eingeleitet haben. Bisher sind die Berichte über den Zwischenfall ehr widersprechend. Es wird behauptet, SA sei nach einem Fackelzug in das von neun Familien bewohnte Gemeindehaus eingedrungen, um den dort wohnenden Reichsbannerführer Schlombach wegen verschiedener„U«ber- 'alle auf Nationalsozialisten" zur Rede zu stellen, die sich in den letzten Tagen ereignet haben sollen. Daraufhin seien Schlombach und seine Frau aus dem Fen st er geslüch- t e t. Dann hätten die Eindringlinge in der Wohnung Schlombach Feuer angelegt. Da es sich um ein leicht gebautes Haus handelt, brannte das Haus in kurzer Zeit lichterloh. Es ist völlig abgebrannt, die in den wenigen Räumen wohnenden neun Familien sind sofort anderweitig untergebracht worden. Sie haben ihre geringe Habe durch den Brand verloren. Bürgermeister vermal noch in Lebensgefahr? Miami, 23. Feber. Im Befinden des Bürgermeisters von Chicago L e r m a k war im Verlaufe des gestrigen Tages zwar eine vorübergehende Besserung eingetreten, doch hat sich sein Zustand in der Nacht sehr verschlimmert und wird als äußer st kritisch bezeichnet, so daß die Katastrophe jederzeit eintreten kann. Die amerikanischen Blätter, die sich im Einzelnen mit dem Verlaufe der schweren Erkrankung OermakS befassen, bringen dagegen die Nachricht, daß der Schwiegersohn des Verletzten, Dr. Iirka, gestern, als die Temperatur des Kranken eine beträchtliche Höhe erreichte, ein Konsilium von Ärzten einbertef, dessen Ergebnis im ganze» als günstig bezeichnet iverden kann, obwohl di« alte Krankheit Lermaks, welche die ! gestrige Krise verursacht hat, nicht nachgelassen hat. Die schwerverletzte Frau Gill ist nach diesen Meldungen vollkommen außer Gefahr. Lermak fühlt sich wohl. Miami, 23. Feber.(Reuter.) Der Oberbürgermeister der Stadt Chicago, Anton Lermak, erklärte seine» Pflegerinnen gegenüber heute morgens, er fühle sich besser und er hoffe, daß er alsbald gesund werde. Di« Industriekapitäne wissen Dank. Die Taten der jetzt mächtigen Führer der Nationalsozialistischen„Arbeite r**-Partei Deutschlands weü»en immer deutlicher. Als Leiter der Polizeiabteilung des Staates Preußen wurde von Göring der Staatsanwalt a. D. G r u- n e r t berufen, der nach seinem Ausscheiden aus dem Staatsdienst Syndikus des Schwerindustriellen Arbeitsgeber- Verbandes Nord-West geworden war. Gewiß eine Funk- mehr herausarbeiten konnte. Das Flugzeug bohrte sich in die Erde. Die Einzelheiten des Unglückes untersucht«ine Militärkommission und, unabhängig von ihr, ein Beratungskollegium für die Sicherheit des Flugwesens. Der Zugsführer- Feldpilot Franz Bayer wurde im Jahre 1907 geboren und ist nach Kläden bei Böhm-Krumau zuständig. tion, die unlösbar mit den Interessen des nationalen, arbeitenden Volkes verknüpft sind. Besonders in den letzten Metallarbeiterkonflikten in den dem jetzigen Polizeileiter unterstehenden Distrikten hat sich der berufene Hüter von nationalen Arbeiterinteressen so hervorgetan, daß seine Ernennung spontan von seiner um Bolksinteresfcn besorgten Schwerindustrie beantragt und der„Arbeiter**- Partei sozusagen aufgezwungen wurde. Dafür spricht auch die Tatsache, daß die betreffende Einweihuugsfeier von den dankbaren Herrn Antragstellern auffallend gut beschickt wurde. Am Tage der endlichen Ernennung des neuen Hüters für Nazi-Ordnung und Sicherheit fand im Haus des kommissarischen Preußenbeherrschers und Reichsinnenministers Göring eine„g e s e l l i g c" Z u s a m m e n- k u n f t statt, die, dem wahren Volkscharakter der NSD-Arbeiter-Partei entsprechend, tadellos beschickt wurde. Am Nachtmahl-(Pardon, Souper-) Tisch versammelten sich: Dr. Krupp von Bohlen und Halbach, Bosch, Freiherr von Löwen st ein(dieser als Vertreter unantastbarer Rassenreinheit), Reuter, Dr. Schacht, Stinnes, Flick, Heubel und von Winterfeld!, durchaus verdiente Volksvertreter, die im Namen der teutschen Jndustrickapitänschaft ihre vollste Zufriedenheit mit der Ernennung zum Ausdruck bringen konnten. Wie die diversen Presseberichte zu künden wußten, herrschte eine sogenannte Jdealstimmung, aller Festesteilnehmer rmd die deutsche, wiedererwachende Bevölkerung wird bald das Glück genießen, mit Bewilligung ihrer Befreier diesen Festen von der Straße aus zusehen zu können, um das Glück dieses Erdenparadieses nicht nur am eigenen Leib zu spüren, sondern auch leibhaftig vor den Augen zu haben; denn nach der neuesten Praxis werden diese Zusammenkiinfte als-„gesellschaftliche" Ereignisse im Stil alter Kriegsberichte besungen und vorher propagiert. Und so gelingt es dem volksbefreienden „Arbeiter**-Führer immer wieder, etwas für seines Volkes Glück zu tun.... Genosse Moritz Gottlern gestorben. Unsere Proßnitzer Parteiorganisation hat einen schmerzlichen Verlust erlitten, einer von der ganz alten Garde, Moritz Gottlein, ist Mittwoch, den 22. Februar, nach längerem Leiden von uns gegangen. Vor fast 30 Jahren ist Moritz Gottlein zur Partei gekommen und hat sich sofort betätigt.— Es gab damals in Proßnitz noch keine deutsche Partei. In harter lahrelanger Arbeit hat Gottlein die deutsche sozialdemokratische Partei in Proßnitz, gegen Mitte der neunziger Jahre, gegründet und diese buchstäblich bis zu seinem letzten Atemzug betreut. Länger als ein ! Menschenalter war er gewissenhafter, vorbildlich tätiger Vertrauensmann. Moritz Gottlein war ein feingebildeter, wissender Mensch, der das Leben von einer höheren Warte betrachtete. Das Leben hat ihm nichts erspart, es hat ihn hart mitgenommen und in all den Erlebnissen ist er geblieben als was wir ihn gekannt, geehrt und geliebt haben, der wirkliche Sozialdemokrat von reinster Gesinnungstreue. Profundes Wissen befähigte Moritz Gottlein, mit Erfolg die Erziehungsarbeit der jungen Genossen in der Organisation zu leiten. Alle Tätigkeitsgebiete der Partei, Gewerkschaft und Genossenschaft sanden den Verstorbenen fleißig und gewissenhaft tätig. Gottlein war ein vorbildlicher Parteigenosse, der sich bis zu seinem Lebensende seinen Idealismus, seinen Kämpfermut und seine Parteitreue bewahrte. Gottlein war nach dem Umstürze Mitglied der Stadwer- tretung in Proßnitz. Der saft 74jährige ging noch auf Agitation in die Deutsch-Brodeker Sprachinsel, für die Partei werbend und scheute die Strapazen stundenlangen Marsches nicht. Die groß« Angestelltenbewegung in Proßnitz, die Gottlein mit aufbauen half, verliert einen Vorsitzenden, der zugleich die größte Leistung für die Bewegung vollbrachte. Gottlein war auch in der tschechischen Bruderpartei anerkannt und hoch geachtet. In Moritz Gottlein scheidet ein hervorragender Mensch von uns, dem alle, die mit ihm in Berührung kamen, ein ehrendes Andenken bewahren werden. R. H. Rekord der Achtreklame. In Leverkusen bei Köln wurde das sogenannte Bayerkreuz der I, G. Farbenwerke eingeweiht. Es ist mit einem Durchmesser von 72 Metern und 2200 Lampen die größte freihängende Lichtreflame der Welt. Dir Anlage besteht aus zwei 126 Meter hohen riesigen Netzen, die nach Köln und Düsseldorf gerichtet sind und bei Nacht auf sieben Kilometer Entfernung gesehen werden können. Die beiden Netze sind 55 Meier voneinander entfernt, jeder Buchstabe ist zwölf.Meter hoch, Drei Manner—drei Raubmorde Die in Dortmund erfolgte Verhaftung des Chauffeurs Pieper und des Arbeiters Scheer, die des Raubmordes an dem Holz Händler Narowski-Wttten beschuldigt werden, führte zur Austlärung von zwei weiteren Raubmorden. Scheer konnte auch der Mittäterschaft an der Ermordung der Frau Schur aus Hagen und der Kontoristin Emma Schneider aus Herdors überfuhrt werden. Der Dritte im MörderbüiS- nis, die Arbeiter Schulte, den sein« Komplizen den„H i n r i ch t e r" nennen, weil er in allen Fällen die Tötung der Opfer besorgte, wird noch gesucht. Alle drei Verbrechen sind sogenannte„Ber> lockungsmorde". Scheer mußt« durch Heiräts- und Stellungsinferate Personen nach Dortmund locken und dann auf einsamen Wegen dem Schulte in die Hände liefern. Auf diese Weise wurde die Witwe Schur mit einem Beil erschlagen, die Kontoristin Schneider und der Holzhändler Na- rowfki wurden erdrosselt. Zahlreiche ander« Personen entgingen dem Tode, da sie entweder Scheer am Bahnhof« verfehlten, rechtzeitig argwöhnisch wurden oder— zum Berauben zu arm erschienen. ? Der flüchtige Führer der Mörderbände, August Schulte, hat seinen Komplizen stets Anweisungen über ihr Verhalten nach der Tat gegeben: sie wollten sich in kleineren Orten herumtreiben, bis die Sache vergessen sei.... Mik Scheer hat Schulte übrigens schon früher„zusam- mengearbeitet"; so wurde er im Jahre 1919 wegen eines mit Scheer verübten Lohngeldraubes auf der Zeche Hansemann in Unna zu sechs Jahren Zuchthaus verurteilt. Er brach jedoch ans und konnte erst nach drei Jahren wieder ergriffe'' werden. Schulte konnte am Mittwoch-Nachmittag Gronau in Westfalen festgenommen werden. El war auf Grund der von der Presse veröffentlichten Bilder erkannt worden.....• Das Verschwinden eines 16jährige« Mädchens namens Hona Toth aus Szegedin hak nach einem Monat«in« furchtbare Aufklärung gefunden. Zwei Freundinnen her Verschwundenen entdeckten Mittwoch bei einem Besuch ft der Wohnung des Heizers Balint einige Kleidungsstücke des verschwundenen Mädchens.. Balint, der Heizer in einem Szegediner Lichtspieltheater war, wurde verhaftet. Er. gestand, das Mädchen verbrannt zu haben. Das Mädchen bracht. In der Früh wollte er sie wecken, aber das Mädchen, sei bewußtlos gewesen. Da er gefürchtet habe, daß der unerlaubte Besuch entdem und er seine Stellung verlieren würde, hab« er den leblosen Körper des Mädchens am Heizkörper verbrannt.' Am anderen Tage habe er d>e Ueberrefte mit der Asche hinausgeschüttet,. hab« di« Nacht zum 29. Jänner bei ihm oer- Zuteilung von Käse im Rahme« der Milchwoche an Arbeitslos« und Arbeiter. Die Bereinigung der Prager Molkereien hat aus Anlaß der Milchwoche dem Arbeitslosenfürsorgekomitee 10 Zentner erstklassigen Käse zur Verteilung an die Arbeitslosen übergeben, der in diesen Tagen verteilt wurde. Todessturz von der Kuppel. Im Verlaust von Restaurationsarbeiten-an der Kuppel der Basilika in Rom stürzt« der Arbeiter Ianpietrino Rosati von einer unterhalb der Glockenzelle angebrachten Holzbrück« auf das Straßenpflaster herab, wo er mit zerschmetterten Gliedmaßen tot liegen blieb. Todesopfer eines Unfalles. Dor einigen Tagen ereignet« sich in R i e s« n b e r g«in schwerer Unfall dadurch, daß mehrere zum Abtransport bestimmte Baumstämme auf einem glatten- Abhang ins Gleiten gerieten, mit großer Wucht mehrer« Gartenzäune durchstießen und schließlich die gerade des Weges kommende Hausiererin Web e* aus Kosten bei Teplitz zu Boden rissen, wobei die Unglückliche entsetzlich« Bein- und Unterleibsverletzungen erlitt. Sie wurde ins Krankenhaus i« Dux eingeliefert, ist dort jedoch jetzt an de" furchtbaren Verletzungen gestorben. Die Erhebungen ergaben, daß die beim Abtransport d«r Baumstämme beschäftigt gewesenen Arbeiter zwar die Frau durch Zurufe zu warnen versucht hattet», doch hatte die Hausiererin, die schwerhörig ist, die Zurufe nicht vernommen und wurde ft das Opfer der zu Tal sausephen BaumstämMt Schwerer Betriebsunfall. Der in der Porzellan fabrik Lubau in Podersam beschäftigte 16jährige Arbeiter Alois Groß war dieses Tage nach Arbeitsschluß noch mtt Reinigungsarbeiten im Betriebe beschäftigt. Mit der MechS- nik des Auszuges noch nicht vertraut, gerst! er bei der Benützung dieses Aufzuges zwischen Fahrstuhl und Wand, wobei er so schwer« Verletzungen erlitt, daß er ins Krankenhaus über führt werden mußte. Berkehrsunglück. In London entgleiste ein Straßenbahnwagen und stürzte um. Achtzehn Personen wurden verletzt. Vom Rundhink Empfehlenswertes aus den Programm».- Samstag: Prag: 11.00 Schallplatten. 15.30 Jugendlitcra' tur. 18.25 Deutsche Sendung: Kasperl mack' Hochzeit. 21.30 Weltmeisterschaft im Eishockey." Brünn: 18.25 D«utsch« Sendung: Auf Schneeschuhen.— Berlin: 18.25 Brahms.— Breslau: 20X ..Flucht ins Grüne", Fuickspiel.— Königsberg: 18.40 Lieder."— München: 16.10 Mandölinenkonzert. 20.00 Bunter Abend.— Wien: 20.30„Di« toll«%e«T«? Operette. Jh a Freitag, 24. Fetzer 1938 Seite 5 bet alten Anlässen der Arbeiter für sorge! Mehr als fünfzig Prozent der Arbeitslosen in USA endgültig auS dem Produktionsprozeß ansgeschaltet. In einem in International Labor News Service" veröffentlichten Artikel befaßt sich William Green, der Vorsitzende des Amerikanischen Gewerkschaftsbundes, mit der Frage der technologischen Arbeitslosigkeit. Green sagt in diesem Zusammenhang u. a.:„Der technische Fortschritt hat ein solches Tempo angenommen, daß eine Unmenge von Arbeitsstellen nicht mehr besetzt werden kann. Ein« Gruppe von technischen Experten ist der Ansicht, daß 55 Prozent der Arbeitslosen auch dann nicht an ihre Arbeitsstellen zurückkehren können, wenn eine neue Periode der Prosperität eintritt. Wenn wir nicht erreichen, daß all« Arbeitsfähigen wieder in Arbeit kommen, so werden wir zu einem Punkt gelangen, wo die beschäftigten Arbeiter die Arbeitslosen aushalten müssen. Ein sicherer Weg zu gesellschaftlichem Zerfall!" GEDENKET! Volkswirtschaft und Sozialpolitik Ein kubanischer Journalist als revolutionärer Organisator. Bon-er Polizei in Ha- Ivanna wurde-er kubanische Journalist Carlos Martinez verhaftet, bei welchem Doku- I mente gefunden wurden, denen zufolge er an eine Gruppe von Revolutionären Revolver verteilt hat, wie aus einer Mitteilung-es kubanischen Außenministers Ferrara hervorgeht. Dieser teilt« auch mit,-aß bei Martinez«in Verzeichnis und Lagepläne von militärischer Abteilungen und Radiostationen gefunden wurden. Erst die Nasenspitze, dann der Tod. Am Dienstag erschoß in Gladbach-Rheydt der 28jährige Arbeiter Emil Jenssen seine 22 Jahre alte Braut in der Wohnung ihrer Eltern. Bor zwei Monaten hatte Jenssen dem Mädchen die Nasenspitze abgebissen. Sie wollte deshalb nichts mehr von ihm wissen. Der Mörder konnte bald nach der Tat festgenommen werden. Ein Selbstmordversuch mißglückte. Rentable Kapitalsflucht. Die 86jährige Elsa Gall, Inhaberin des bekannten Kupstgeschäftes Halm ch Goldmann, wurde von der Wiener Polizei zu 15.000 Schilling Strafe verurteilt, weil festgestellt wurde,-aß Frau Gall 100.006 französische Franken nach der Schweiz paschte und in einer dortigen Bank anlogt«. Jcliditff um Hitler. '■?'»Der Tag" vom 22. Feber ist^var hinsichtlich der Auslieferung schon etwas zahmer geworden— die Dressur mitb von uns fortgesetzt—, «Bei er häts mit Rußland. Im Untertitel eines Zweispalters verkündet er:„In Rußland friert das Volk— in Deutschland reißt man das Maul auf".— So gewaltig sind die Schnauzen der Primadonnen, daß die Zugluft, die ihr Aufreißen hervorruft, bis in di« sibirisch« '■ Stopp« weht. ♦ ■ In Frankfurt a. O. sprach vor kurzem der General Litzmann, den man seinerzeit als Alterspräsidenten gegen di« Wurde des deutschen Reichstags losgelassen hat. Man wisse, so führt« er aus, daß Hitler von Gott auserwählt sei, Deutschland zu retten und daß eS prachtvoll gehen werde. Man habe den Frühlingswind, dessen Wehen zu erkennen ist. in den prachtvollen Reden des Führers..— Dieser Fruhlingswind trägt Leichengeruch übers Land; Generale freuen sich darüber immer, nicht nur wenn sie, wie Litz- Wann, schon alt und kindisch sind.'Es wird pvachwoll gehen? Es geht schon: bergab. * In dem Wälzer„Mein Kampf" schreibt di« Primadonna auf dem Kanzlerstuhl«. a.: »Ueberhaupt kann man dem Unsinn gar nicht scharf genug entgegentreten, daß aus allgemeinen Wahlen Genies geboren wurden. Zum ersten gibt es in einer Nation nur alle heiligen Zeiten einmal einen wirklichen Staatsmann und nicht gleich an di« hundert und mehr auf ein- nrol; und zum zweiten ist die Abneigung der Masse gegen jedes überragend« Genie ein« geradezu instinktive".— Da hat man nun aus dem Munde dessen, der Bismarcks Nachfolger wurde, di« Erllärung für seinen Erfolg bei de« Massen! „Analog der Erziehung d«S Knaben kann der völkische Staat auch di« Erziehung des Mädchens von den gleichen Gesichtspunkten aus leiten. Auch dort ist das Hauptgewicht vor allem «Vf di« körperliche Ausbildung zu legen, erst dann auf die Förderung der seelischen und zuletzt der geistigen Werte." Also schrieb der Mann, der jetzt den Kanjlerstuhl. ziert, an einer. anderen Stelle, seines Walzers. Und map kann sagen, daß«r: feinen. Mordbuben und Ehren- lungfcrn mit gutem Beispiel vorangegangen ist. Di« Defraudation«« tu der Weiperrrr Stadtsparkasse. Anfangs August des vergangenen Jahres war der Angestellte A. Salzer der städtischen Sparkasse in W«i P« r t"mit seiner Geliebten, einer Bardame, plötzlich aus Weipert verschwunden. Eine sofort durchgeführt« Ueberprü- sung der Kassenbücher ergab, daß der Beamte sich seit längerer Zeit hatte Unterschlagungen zuschulden komme« lassen^ die er durch geschickte Buchungen iu raffinierter Weise zu verdecken verstanden hatte. Es kamen insgesamt etwa 80.000 Kronen zum Fehlen, die Salzer in leichtsinniger Gesellschaft verausgabt hatte. Nach Abschluß der Erhebungen wurde gegen ihn ein Steckbrief erfassen, der zur Festnahm« des Defraudanten mit seiner Freundin iu Schlettau in Sachsen führt«, trohi« dir beiden sich ohne Paß begeben hatten. Di« wurden dem Amtsgericht in Nnnaberg eingeliefert und dort wegen Paßvergehens abgestraft, worauf Salzer im AuSliestrungSverfahren bei' IDeip-rt über die Grenze gebracht und von da aüS ins Brüxer Kreisgericht eingeliefert wurde Bei der nach"Abschluß der Vorerhebungen gegen ihn «urchgeführten Verhandlung wurde er des Veraschens der Unterschlagung für schuldig befun- und zu einer Kerkerstrafe in der Dauer von l0 Monaten, bedingt auf 5 Jahre, verurteilt. Hegen die bedingt« Verurteilung legt« der'Stoats- 1 an walt Berufung ein. in deren Stottgebung jetzt ®oä erstrichterliche Urteil aufgehoben und die\ Unbedingte Verurteilung bei gleichzeitiger Erhöhung des Strafausmaßes auf 15 Monat« ausgesprochen wurde. Di« Dauer der Untersuchungshaft wird vom Strafausmaß in Abzug gebracht. Eine kommunistisch« Geheimdruckerei wurde w Duisburg von der Polizei ausgehoben. Der Inhaber-er Druckerei, seine Ehefrau sowie' *iit Angestellter wurden verhaftet. 236.000 SchUling für.^oskontrolle". Der 1 «8jährige ehemalige Bauangestellt« B e r n e tz-‘ *i> e r hatte seit einigen Jahren in Salzburg sine Loskontrollstelle betrieben. Nunmehr stellte sich heraus, daß Bernetzoder das Vertrauen seiner. Klienten mißbraucht und Betrügereien ausge- fährt hat,-i« in-i« Hunderttausende von Schil-, singen gehen. Er hat seinen Kunden, meist säuerlichen Kreisen angehören-en Personen, von 1928 bis 1932 allein an Kontrollgebühren Uber 230.000 Schilling abgenommen. Bern«tze-«r, ist an einem Lungenleiden erkrankt und ist in-- folgedessen nicht haftfähig. Mord tm Schnellzug. In der Nähe des 1 Pohnhofs von Nauen(Mark) fanden Eisenbahn-' beamte den Leichnam eines 20 Jahre alten Uhr-! wachers aus Rydultau(Oberschlesien). Der Tot« sst allem Anschein nach im Berlin—Hamburger Schnellzug überfallen, niedergeschossen und auS 1 bem Zuge geworfen worden. Kisdiineff. Von ungern» Balkankorrespondenten. blik, mit Kisch mess als Hauptstadt. Am 27. März 1918 aber, als bolschewistische Banden einbrachen, sprach sich der sogenannte Bolksrat für den Anschluß an Rumänien aus, dessen Truppen bereits vor den Toren standen. Kifchineff mit seinen 120.000 Einwohnern ist heute diezweitgrößt« Stadt Rumäniens. Seine Bevölkerung setzt sich aus Juden(über 50 Prozent), Russen, Rumänen, Griechen, Armeniern, Deutschen und Bulgaren zusammen. Die russische Sprache und das.^Jiddisch" sind weitaus vorherrschend; rumänisch hört man nur ielten. Die Träger der deutschen Sprach«, die man öfters vernimmt, sind fast durchweg aus der Provinz zugezogene deutsche Kolonisten, deren Vorfahren vor ungefähr 100 Jahren nach Bessarabien ausgewandert waren. Uebrigens tragt"eine der Haupsstraßen Kischineffs, di« nach dem letzten russischen Bürgermeister benannt worden ist, den doch wirklich echt deutschen Namen Schmidt. Noch heut« ist der Name Schmidt in aller Mund«, und als dieser Mann vor vier Jähren starb, drängten sich hinter seinem Sarge Leut« aus allen Bevölkerungsschichten der Stadt. Schmidt, der Gründer des modernen Kifchineff, soll dies« Ehr« wirklich verdient haben. Di« Rumänen, die eS sich nicht haben nehmen lassen, di« messen Straßennamen abzuändern, machten mit der Strada Schmidt esm lobende Ausnahme. Weniger aufmerksam aber benahmen sie. sich gegenüber den Denkmälern verschiedener Zaren, di« gekippt" wurden, und deren zertrümmert« Ueberr«st« sich heut« in den Parkecken herumtreiben... Sic trgnsit gloria mundi!... Damit jedoch die Plätze nicht kahl sieben, pflanzten die Rumänen die Statuen ureigener„Größen auf. Als Ersatz für das gestürzte Alexander-Denkmal an der schön gelegenen Esplanada wurde ein« kolossal« Erzfigur Stefans des Großen— oder, genauer übersetzt, das„Größten"— aufgerichtet. Dieser größte Stefan, der«in gar wildes Gesicht zeigt, schaut dräuend gen Osten, in der Rechten ein mordÄangeS Schwert und in der erhobenen Linken ein Kreuz.„Er bannt den gottlosen Bolschewismus", fagep di« Rumänen...„Aber nein", raunen die Russen,„er segnet unser Mütterchen Rußland, damit eS ihm bald wieder besser gehe" ... Andre Spötter wieder tischen die Anekdote auf, die man sich auch vom KopernikuS-Denkmal in Warschau erzählt:„Dieser brave Mann da oben ist der einzige im Land«, der kein Bestechungsgeld nimmt"... Auf bepflanzten Hügeln gelegen, erstreckt sich Kifchineff Überaus weitläufig. Nicht nur das Zentrum,, sondern auch di« Vorstädte weifen eine geradezu geometrische Gleichförmigkeit auf. Ker- ze»gerade Straßen, wi« mit dem Lineal gezogen, schneiden sich Peinlich genau im rechten Winkel. Die anliegenden Häuser unterscheiden sich in nichts von den zierlichen Stadtbauten, die man während dcS Krieges so oft in Rußland gesehen hat. Meistens steinern, mit s«hr vielen Fenstern, rot oder grün gestrichenem Blechdach und schweren Türen. Sie geben dem Gesamtbild eine besonders sympathische und anheimelnde Note. Sensationen hat Kifchineff nicht. Die läßt es dem großspurigen Bukarest, das ja auch im Gegensätze zu ihm zu den„Neureiches gehört. Als Sehenswürdigkeit wäre noch das Ghetto, das- Judenviertel, zu erwähnen, dieses orientalische Durcheinander von feilschenden Menschen, Läden, Kaufbuden, Stellagen und Tieren. Doch ein«„Riech"- Würdigkeit ist es bestimm! nicht. Die. überall aus den offenen Garküchen strömenden bessarabi- 'chen, lei-er nicht arabischen Gerüche von schmorendem Hammelfett sind nichts für eine westeuropäische Nas«... Es geht den Kischineffern schlecht, sehr schlecht. Die würgend« Agrarkril« die wenig vorbildliche rumänisch« Verwaltung, die Näh« der lowjetrufsischen Grenze, der Ausnahmezustand in der Grenzzone— all« diese Faktoren, unter denen ganz Bessarabien leidet, haben Handel und Wan- ,del di«s«r Stadt gelähmt. Die Bevölkerung ist verzweifelt, da sie keinen Ausweg aus ihrer Not sieht. Hinzu kommt noch der politische Alpdruck der bessarabischen Frage, die im letzten halben Jahre wieder auf die Tagesordnung gesetzt worden rst. Die allgemein bedrückte Atmosphäre teilt sich auch dem fremden Besucher mit, der fast auf- itmet, wenn er diese in Not, in Sorge und Fürcht um di« Zukunft lebende Stadt wieder verläßt. Wie unter den Menschen gibt eS auch unter den Städten„Emporkömmlinge" und„Verarmte". Kifchineff, di« Metropole Bessarabiens, gehört zu den verarmten Städten. Durchwandert man ihr« breiten, endlos langen Straßen, dann trifft man allenthalben die äußeren Wahrzeichen ehemaliger Wohlhabenheit unbesserer Zeiten, denen aber heut« Armseligkeit und vorgeschrittener Verfall anhaften. Die Füll« der meistens in russo-byzantinischem Stil gehaltenen Prachtbauten der öffentlichem Verwaltungen und der Kirchen, die hübschen Geschäfts- und Wohnhäuser, die schönen breit angelegten Alleen und Parks, di« wie freundliche Dörfer amnutend«n Vorstädte: alles trägt den deutlichen Stempel der Not und des Rückganges. ES fehlt di« pflegende Hand, weil die Bevölkerung verarmt und die Stadtkasse leer ist. Kifchineff ist arm wie eine Kirchenmaus. Auf Schritt und Tritt fühlt man den zentnerschweren wirtschaftlichen und politischen Druck, der auf dieser Hauptstadt eines schwergeprüften Grenz, und Durchgangslandes lastet. Das Antlitz Kischin«ffS,. das ich doch zum erstenmale schau«, kommt mir merkwürdig bekannt vor. Wo habe ich eigentlich solch einen eigenartigen Bahnhof, solche breiten und langen Straßen mit ihren hübschen Zieranlagen, solche Architektur, solche grünen und vergoldeten Kir- chentuppeln und diesen Menschentypus schon gesehen?— Richtig! ES war während des Krieges in Riga, in Wilna, i» Baranowitfchi, in PinSk— und am Kriegsende in Odessa. Lauter vertraut« Namen, di« den Daheimgebliebenen durch den„Hcldentenor" der Heer«S- und SiegeS- bericht«, denen da draußen aber durch rollenden .Kanonendonner, knatternden Maschinengewehrfeuer und die Todesschrei« Gefallener eingehämmert worden sind. Doch wir sind nicht in Rußland. Seit 1918 weht die blau-gelb-rote Flagge Rmuäniens über Bessarabien und seiner Hauptstadt. Ein« ander« Erscheinung aber zeigt noch an, daß hier annektiertes Gebiet ist: das unzählige. Militär, das die Straßen Kischineffs bevölkert. O ja, di« Rumänen lieben es Mit aller Deutlichkeit zu demon- trieren, daß sie beute di« Herren und Eroberer dieses Landes sind. Selbstbewußt schreiten di« Offiziere, geschniegelt und gebügelt einher. Scheu und gedrückt machen di« Zivilisten einen großen Bogen um sie. Eine sonderbar« Luft weht in dieser Stadt; man spürt sie immer wieder. Da marschiert ein großer Trupp eingezogener Rekruten, bepackt mit Bündeln und Körben, darin viel Mutterliebe, lärmend durch die Straßen. ES sin- jung« Beßarabier. die irgendwohin nach dem alten Reiche, nach Siebenbürgen oder dem Banat zur Ableistung ihrer Militärpflicht geschickt werden. Hier in Bessarabien, in bedenklicher Näh« der bolschewistischen Grenz«, stehen„zuverlässig?' Truppenteile aus der Moldau, Walachei und Siebenbürgen. Für all« Fäll«! lind nach alter Methode, denn auch das kaiserliche Deutschland packte wohlweislich Elsaß-Lochringen mit Preu- und Thüringern voll....■> Mit diesem Vergleich soll beileibe nicht behauptet werden, daß Bessarabien ein Elsaß- Lothringen für Rumänien sei. Hier sei nur festgestellt: Bessarabien ist seit Jahrtausenden ein heftig ümstritteneS Grenzland, das immer wieder den Herrn wechseln mußte und nie zur Ruh« gekommen ist. Ströme von Älut haben diesen Boden getränkt. Hier hausten die Tataren, die Oströmer, wälachische und Moldauer Fürsten, die Türken, die Russen. Di« russische Herrschaft dauerte von 1812 bis 1918, und die Objektivität verlangt eS, anzuerkennen, daß di« russisch« Ber, waltung alles auiaeboten hat, in diese von den Türken bis zum Weißbluten ausgepowert« Provinz Handel und Wand«! zu bringen. Dabei war natürlich eine große Portion Eigennutz ausichlag- acbend. denn die Petersburger Gebieter wußten ehr wohl, daß Bessarabien ein« wichtige Brück« lut Balkanhalbinsel für sie darstellte, wo man Ich ein« wohlgesinnte Bevölkerung schaffen mußte. Kischineff. in der Türkenzeit ei« trostloses Nest, verwandelt« sich während deS russischen Regimes in eine blühe,ch« Stadt, in der auch di« werktätige Bevölkerung«in guteS AuS- kommen hatte. Mit dem Verfall des Zarenreiches wurde Bessarabien eine demokratische R«pu- „Krisenpudding.“ Von Hans Honheiser. S«it längerer Zeit hat mein« Frau den Speisezettel für di« Mittagsküch« folgendermaßen gedeichselt: Montag: Geröstete Erdäpfel. Dienstag: Eingebrannte Erdäpfelsuppe mit Brot. Mttwoch: Erdäpfel mit Margarine und Topfen. Donnerstag: Erdäpfclplätze.(Wenn ihr das — übrigens mein Leibgericht— nicht kennen solltet: Das sst auSgewalkter und auf der Herdplatte gebackener Erdäpfelteig.) Freitag: Knobkauchsuppe und Erdäpfel. SamStag: Erdäpfelschmorren. Sonntag: Pellkartofsekn mit Hering. Mein Junge ist von der mütterlichen Kochkunst nicht sehr erbaut, waS meiner Emil,« manche Träne kostet. Insbesondere will ihm der Freitag, der mit der Knoblauchsuppe, und der lamstägige Erdäpfelschmarren nicht recht kriechen. Aber was will man machen? Di« Zeiten sind eben einmal so, daß di« Erdäpfelkist« zum beliebtesten Möbel im Proletärierhaushalt« wird. Jetzt sind wir schon glücklich durch dreiviertek der Woche gerutscht. Nur der Freitag und der Samstag warten noch unser. Unter mancherlei schönen Reden macht auch di«. KnoblauchsuPPe ihren Weg in unseren Derdauungsschlauch— eS droht nur noch der Erdäpfelschmarren. „Sieben Tage in der Woche Erdäpfel— Erdäpfel und immer Erdäpfel! Ich bi» schon satt, wenn ich dich nur frag, was wir.wieder zu Mittag haben", tagt der Junge zur Mutter. Am Vorabend zum Samstag hat di« Frau aber das sonnige Lächeln aufgesteckt, das ich nur noch auS guten Zeiten her an ihr kenne: „Freu dich, Alter; morgen gibts was anderes zu Mittag. Ich werde einmal einen Pudding machen.'^ Pudding, Pudding? Das Ding kenn« ich nur aus den Rezeptzetteln, mit deiien Emilie immer die Krodenzschublade verunreinigt.„Wieso das neumodische Zeug?" frage ich.„Und dann: Woher?" Ich mutz auf die Mehldose, die Zuckerdose und ringsum im Speisefchrank zeige». „Wpher? Leer—>? Emilie lacht wieder ihr herzerfrischendes Lochen: „Närrchen. Ich mach doch meinen Pudding aus der Erdäpfelkiste. Aber es wird diesmal doch eine Neuigkeit geben. Laß dich nur überraschen." Ich wollte mir immer schon das Rauchen abgewöhnen. Zum Ersten, weil es mir und meinem Kehlkopf nicht und dann zum Zweiten, weil es auch meiner Geldbörse nicht gut bekommt. Aber ich Habs bis jetzt noch mcht fertig gebracht. Ich rauche jetzt aber— jetzt wirds mit dem Abgewöhnen aber ernst—„Krisenmemphis mit Stern". Wenn ihr diese Sorte von Sargnägeln, die man im gewöhnlichen Leben auch als „Schmalspurige" bezeichnet, noch nicht kennen solltet, fragt doch unter euren Freunden einmal nach. Also:„Kriienmemphis" rauche ich jetzt— um mir das Rauchen abzugewöhnen. Aber abgewohnt hab ich mirs leider noch nicht. Nicht, „weil ich d«m Rauchteufel nicht meinen Mann stellen könnte", wi« meine Frau immer sagt, sondern, weil mir die verflucht« Arbeitslosigkeit so viel freie Zeit läßt, die ich so nicht los werden kann, wenn ich sie nicht tüchtig ausräuchere. Mit dem Duft«iner„Krjsemnemphis" hab« ich mich auch gegen di« frei« Zeit vor dem Mittagessen getvappnet und gewehrt. Jetzt trägt mein« Emilie den„Puddings auf. Mein Junge springt jubelnd um di« Mutter: „Heut kommt der Pudding, hoh, hob! Ich freu' mich, schon so!" Dann gruppieren wir unS, wie wir daS gewohnt sind, um den Tisch. Alle, alle hoben wir unsere Augen an dem Pudding hängen. Emilie nicht mehr ganz so zuversichtlich, wie gestern, nrem Junge mit gierigen Augen, di« so auSsehen, gestielt und groß, wie die Wagenräder, als sollten wir nie mehr Lössel oder Gabeln zum Essen brauchen. Und ich zweiflerisch, wie ich von Natur aus bin, sche erst genauer hin. Gelb geröstete Zwirbel alS Aufputz und APPetttMacher obenauf- Pudding das? Ich nehm« den Löffel und schiebe die Zwie- belschnitzel ein wenig zur Seite; stochere dann ^ighaft in der„Puddingmasse" und nehme dann ein« Kostprobe aus den tieferen Lagen. Illein großer, verstehender Blick taucht in dir Augen der Hausmutter: Erdäpfclschniarren mit gerösteter Zwiebel. Dann setze ich mich wortloS zurecht und fange an zu essen, lind auch ms>n Stammhalter versucht es. Aber nur einmal ver- >enkt er den Löffel in die Schüssel. Dann sagt er resigniert: „Krssenpudding! Vater, ganz gewöhn' ich mir ihn ab." Dann legt er.den Löffel hin. „Mutter, das nächstemal mußt du nicht vergessen, den Krisenstern hineinzumachen. Dann wirst du 'ehen, Vater, daß ich zum Abgewöhnen nicht so vial Zeit brauch, wie du." Seite 8 F-ett-y, U. g4ee IMS At. 47 Ä PRAGER ZEIHING ♦ O ♦ Sport* Spiel* KornerBllepe Aus der Partei Der Film Vereinsnadiriditen Kunst und Wissen Geriditssaal für zwei «< auch der des'„Pol der Obst- Nachahmenswert« Solidarität. Der SpielanS- schuß des 17. Kreises der Arbeilerturner in Lester- reich hat beschlossen, ab Heuer einftt jährlichen Beitrag von zehn Groschen von jedem Spieler einzu- heben, um einen Reffesonbs für di« Kreismester- schäften zu schaffen. Dadurch wird es nun auch jenen Mannschaften, di« bisher die Mittel für die Eisenbahnfahrt zu den Meistenichaftskämpsen ncht ümbringen konnten, möglich sein, an diesen teilzunehmen. tärpropaganda, zeigt das Programm ein« unglam» lich gute Reportage der Fox-Operateure, die em Taucherpaar bei einer Schwimmtour auf den Grund eines klaren amerikanischen Sees verfolgen. Hi« sieht man wahrhaft« Wunder der Photographie. Gat wie immer, ist unser Fabeltier Flip auf einem Autoausflug; der Trickfilm hat immer mehr Zuspruch. W. L » Wir haben natürlich der Antwort der „Urania" Raum gegeben, fügen aber im nahstehenden die Erwiderung bei, die die Schreiberin deS offenen Briefes den Argumenten der„Ura- nia" entgegenzusetzen hat(d. Red.). Die„Urania" hat, wie jeden Mittwoch, zu einer„Ä i n b e r"vorstellung e:»geladen! Ich habt in meinem offenen Schreiben vom 17. ds. ausdrücklich Einspruch gegen eine Darbietung wie „Das geheimnisvolle Schiff" vor K i n d e r n und nicht vor Jugendlichen erhoben. Zwischen dem Auffassungsvermögen von Kindern zwischen 6 unt 14 Jahren einerseits(der Mehrzahl der Besucher der Borstellung) und Jugendlichen andererseits ist wohl ein wesentlicher Unterschied. Es wäre interessant zu erfahren, könnt« man Stichproben wachen, was und wieviel di« Kinder von jenem Lehrfilm gelernt haben. Di« Wirkung eines derartigen Lehrfilmes, soweit er kür Jugendliche(uni «lcht für Kinder) in Frage kommt, kann nicht anders denn als Kriegspropaganda bezeichnet werden, sofern nicht aufklärende Worte chn begleiten(„Nieder mit dem Krieg!"), die sagen: „Schaut, so und noch schlimmer könnte es im nächsten Krieg aussehen! Aehnliches ließe sich sagen, wenn man es für notwendig hält, Lehrfilm«, wie diesen laufen zu lassen, damit di« Jugendlichen abgeschreckt werden.— Es kann für di«„Urania" nicht maßgebend sein, daß der Film di« staatliche Zensur als„Lehrfilm" passiert hat, da dies« doch leider sich nicht di« Aufgabe s«ht, gegen den Krieg Propaganda zu machen! Ich habe nicht den Wert des Films als Anschauunqs- Ichrmittel bestritten, wie ich auch nicht den ersten Teil des Lehrfilm- für Jugendliche(wie_ schon oben gesagt: nicht für Kinder) beanständet«; ich bekämpfe jedoch di« Notwendigkeit der Vorführung von Beschießungen darin. Daß es der„Urania" fern liegt, absichtlich Kriegsprova-- gonda zu macken, nehme ich als selbswerständlich an; nur sollte si« sich klar seit», daß die Wirkung eines so krieaer-schen Schluffes auch des noch so besten Lehrfilmes keine andere sein kann. Thea Thein e r. Jugendbewegung. Frei« Bereinigung soz. Akademiker. Arbeit»- gemein schäft„Johanna". Sonntag, den 26. Feber, 10 Uhr vormittags, Cafä„Continental", Hintergebäude, 2. Stock. Jnngfalke». Matteotti- Kameradschaft. Freitag, um 4 Uhr nachmittags im Verein deutscher Arbeiter Zusammenkunft. Wandzeitungsmaterial mitbringen! Vergeßt nicht di« Spargktion! Eishockeh'„8ehrfpiele". Am Mittwoch trüge» >wei Länderteams in der Provinz Spiele aus. 3» B.-Budwcis wurde Lettland von AC. Stadion 1■ 3 geschlagen, während Rumänien in Pilsen gegen de« t'LTC. ein 2:2 erzielen konnte. Der Mitropaeup-Boxländerkampf Tschechoslowakei-Oesterreich, welcher am MitAvoch in Prag ausgetragen wurde, endete mit dem hohen 14:2-Siege der Tschechoslowakei. stelkirng der historischen Vorgänge, das vollkommen« Unvermögen, auch nur ein« annähernd richtige Darstellung der NachkriagSverhältnisse zu geben. Für Zweig sind di« Massenbewegungen der Völker„unklare Gebilde, di« sich nach unbekamtten Gesetzen bewegen'; hier könnte ihm jeder ABC-Schütze des Marxismus wertvoll« Winke geben. Todes- und Zer« stöningstrieb sind für Zweig die Urfachen des Weltkrieges gewesen: da kann man nur resigniert schweigen. Denn hier wären bei kritischer Beleuchtung einige Gründ« des Antisemitismus zu finden gewesen, ebenso der Beweis, daß die jüdischen Machthaber niemals aus Seite der Leidenden, der Arbeitenden gewesen sind. Soweit sich ihre großen Geister zum Sl^ialiSmus bekannten, waren sie auSgestoßen, abgswiesen. Jede gefühlsmäßige Sympathie muß, gerade wenn si« aus dem Mund« eines Mannes von Zweigs Qualitäten kommt, mit Reserve- hingenommen werden: denn nur durch richtige Erkenntnis der wahren Situation, der klassenmäßigen Gegebenheiten kann die Kraft zmu entscheidenden Gefecht gefunden werden. Und dieses wird wohl— mit oder ohne die bürgerlichen Freund«— vo r der arbeitenden Menschheit geschlagen werden. IV. Lg- Vom Aussiger Stadttheater. Eine groß« Gefahr, die das Aufflger Stadttheater in den letzten Wochen unmittelbar bedroht«, ist abgewendet. Nach Verhandlungen am Bürgermeisteramt« wurde ein durch die Direktion und di« Angestellten erarbeiteter Vorschlag über die Art der Weiterführung des Theaterbetriebes und di« geschäftlichen Grundlagen hiezu, in einer gemeinsamen Sitzung des Stadtrates mit dem Theateraussichtsrat einstimmig angenommen. Durch diesen Beschluß ist der ordnungsmäßige Be- trieb des Theaters sich« rg«stellt. Wochenspielplan des Reuen Deutsche« Theaters. Freitag. K7 Uhr:„Siegfried"(D2).— Samstag,>-8 Uhr:„Musik um Susi"(Erstauffüh- rung). Wochensvielplan der Kleinen Bühn«. Freitag, 8 Uhr:„Palais Royal"(Kulturverbands- kreunde).— Samstqg, 8 Uhr:„Fatme'(Erstaufführung). Fahrt nach Sazava ausgezahlt und die Revolver verschafft haben, deren sich die Eindringlinge bedienten. Beide waren im Jahr« 1928 zu je drei Monaten Kerker unbedingt verurteilt worden. Das Oberste Gericht gab der Nichtigkeitsbeschwerde des Verteidigers statt und verwies di« Sache zu neuerlicher Verhandlung an das hiesige Kreisgericht zurück. DpS Gericht 'oll nun die Frage prüfen, 06 die Mitschuld Lieser beiden Angeklagten als formell erwiesen zu betrachten ist. Sie haben sich an dem Ueberfalt persönlich nicht beteiligt, sondern waren zur kritischen Zeit in Prag. Ein Zusammenhang ihrer Tätigkeit mit der Gewalttat ist allerdings nicht zweifelhaft, doch stehe nicht fest, ob die Ausführung der Tat tatsächlich auf ihre Initiative zurückzuführen ist. Angeblich sind die D e t a i l S des UeberfalleS erst an Ort und Stelle in Sazava von den Verschworenen besprochen und festgelegt worden, allo in Abwesenheit der beiden Angeklagten. Der Senat des OGR. Sudoma verhandelte heute den ganzen Tag über diese Sache. Es wurden Zeugen einvernommen, deren Aussagen freilich wenig Bestimmtes zutage brachten. Ferner wurde eine Unmenge Protokollmaterial verlesen, allerlei„Befehle" der.Brüder Kommandant en" und dergleichen Unfug. In de« Nachmittagsstunden wurde di« Verhandlung auf morgen vertagt, wo das Urteil gefällt werden soll. rb. Nochmals der Fa'cMenübersall von Sazawa. Neuerliche Verhandln«- gegen zwei intellektuell« Urheber. Prag, 23. Feber. Vor nahezu sechs Jahren hatten die tschechischen Fascisten der Gajda-Richtung slgufagen ihr erstes öffentliches Auftreten terroristischer Art. Eine Horde der Schwarzhemden überfiel am 24. August 1927 mit Revolvern in der Hand die Villa des Ministerialrates Dr. Vorel in S a z a v a, in dessen Besitz sie wichtige Dokument« über das damals schtvebciede Disziplinarverfahren gegen den„Bruder Führer" vermuteten. Zwölf Fascisten wurden in weiterer Folge wegen des Verbrechens der öffentlichen Gewalttätigkeit, begangen durch Hausfriedensbruch, zu unbedingten Kerkerstrafen bis zu vier Monaten verurteilt. Auch Gajda selbst mußte Monate nach Pankratz wandern. Unter den Verurteilten befand sich ehemalige Student und jetzige Redakteur list" Heinrich 2 i t n y, 26 Jahre alt. und Händler Jaroslav T e t i v a. Der letztere war ^andeskommandant' der fascistiichen„Om- ladina". de« erste Leiter der Organisation. Sie sollen nicht nur den Plan ausgearbeitet, sondern guch den eigentlichen Akteuren das Reisegeld iür die An unsere Postbezieher f Der heutigen Kammer liegt ein Erlagschein zur Bezahlung der BezngSgebvhr bei. Wir machen besonders darauf aufmerksam, daß die Einzahlung unter demselben Namen geleistet werde» muß. unter welchem der Versand der Zeitung« erfolgt. Di« Bezugsgebühr ist am Kops de» Blattes ersichtlich und ist stet» i« vorhinein zu entrichten. Der Abonnementbeitrag muß spätestens bi» znm 1& eine» jeden Monates in unsere« Besitze fein. Wir ersuchen Sie, die» z« berücksichtigen. damit kein« Unterbrechung in der Zustellung de» Blatte» eintritt. Di« Verwaltung, Nrg«rn(b«r Spork Mhock y-ÄettmeMrikha 1 in Prag. Der dritte Tag der Zwischenrunde. Donnerstag nachmittags siegteKanada gegen Ungarn 3:1, Schweiz gegen Po'.eu cbeufalli 3'1. Am Abend siegte Amerika gegen Tscheche- slowakei, di« mit der zweiten Garnitur angein- ten war(der Aufstieg»ns Finil« ist bereits gesichert!), mit 6.e. Der Weltkampf Oesterreich gegen Deur/chla»:, der über das Borrücken ins Finale enlschred, erdet« mit einem Sieg Oesterreichs 2: ll TaS eine Goil war ein Eigcngoal des Tormannes. Ver Bock als Gartner. Ein Polizeiinspektor, der die Kameradschaftskasse bestahl. Prag, 23. Feber. Am 16. Dezember v. I. erschien auf der Polizeidirektion der Polizeiinfpaktor 1, Klasse Franz Strnad vom Pankratzer Kommissariat mit der Selbstbezichtigung, aus der K a m e r a d s ch a f t s k a s s e, deren Verwaltung er führte, 14.900 si veruntreut z« hoben. Die Kasse war gegründet worden, um den Polizisten die Möglichkeit zu geben, im Wege kleiner monatlicher Beiträge gewisse Summen für die Weihnachtszeit aufzusparen. Eine Kontrolle bestand nicht und diese Kameradschaftskaffe war lediglich auf das Vertrauen zu der Ehrlichkeit ihres Verwalter» gegründet. Äm Jahre 1831 wurden auch alle gesammelten Guchaben richtig ausgezahlt. Im folgenden Jahre aber begann Inspektor Strnad die anvertrauten Gelder für sich selbst zu verbrauchen. Nachdem sich schon im Sommer Schwierigkeiten gezeigt hatten, denen man aber keine Beachtung schenkte, platzte die Bombe in der Bor Weihnachtszeit, als die Auszahlungen stattfinden sollten. Man stellte dem ungetreuen Verwalter der Kasse Frist bis zum 15. Dezember. Er zog«» vor, sich sMst-ser Polizei zu stellen. Der Angeklagte, der schwerer Alkoholiker ist, ist noch anderer Dinge angeklagt. Eine Trafikantin soll er zu einer Einlage in die Kasse bewogen haben, die natürlich nur für die Belegschaft des Kommissariates bestimmt und frem- den Personen gar nicht zugänglich war. In einem anderen Fall soll er gelegentlich eine» Hausver- taufe», bei welchem er irgendwie mitwirkte, unter Drohungen«ine Provision von 1500 si erpreßt haben. Diese Fälle sind jedoch nicht geklärt und die Zeugewchaft nicht so bestimmt, daß sie zur Verurteilung ausgereicht hätten. Aber die Unterschlagungen stehen fest und die Betröge, um welche die Kameraden des An- geklagten geschädigt wurden, sind sehr beträchtlich In einzelnen Fällen erreichen si« den Betrag von 2000 si. Der Gerichtshof des OGR. Ne dvöd verurteilte den Angeklagten zu vier Monaten schweren Kerkers. Di« Straf« ist unbedingt. rd. e Ortsgruppe Prag. Sonntag, de« 26. Feber, 8 Uhr, Endstation der 23er. Bokovice. Führt Kapuschenski.— Di«»4s rag, den 28. Feber: Photoamateure bei Hertel, 7 Uhr.— DbnnerStag. 2 März: Vereinsamend. Besprechung einer Skitour auf die Königshöhe am 4. und 5. März. Gehetzte Menschen. Neben seinem Titelerlebnis hat dieser Film für uns doch einige Beachtlichkeil; Regisseur Fehör (der sich vor drei Jahren mit einem unmöglichen Geigenfilm fast unmöglich gemacht hat) zeigt hier einen bewundernswerten(Instinkt für erträgliche Koiportagehandlung und deren filmische Auswer- mng; und eine groß« Gewandtheit in der Herstellung der tschechischen Version. Zwei Moment« sind es, die dem Film zum Erfolg verhelfen: der dramatische Inhalt und di« beiden Hauptdarsteller. Wir sehen hier einen solchen Familienvater; er heiratet zum 'weitenmal und ist am besten Wege, einer der Angesehensten deS Ortes zu werden. Bor Zwanzig Jahre« har er einen Mord begangen, zwei Tage vor der Verjährung findet di« Hochzeit statt und das Zeitungsbich verrät ihn an die Polizei. Wie er nun vom Steckbrief gejagt wird, begleitet von seinem Söhnchen, wie die große Stadt für ihn zum kleinen Kerker wird, jede Straße, jeder Laden das Unglück verkörpern zu scheint, wie ihn der Arm der Gerechtigkeit doch noch erreicht, um dann(wir sind ja beim „Geschäftsftlm") doch zurück zu müssen, weil sich dir wahre Mörderin selbst anzeigt, das muß man in diesem Film gesehen haben, um zu erkennen, wie diese vom Kommerz so verunstaltet« Kunst trotz inhaltlich saft unerträglicher Fehler doch spannend wird, wenn sich nur ein Mensch findet, der den Bildern Emotion, der Handlung Tempo, der, Photographie Einstellungen und dem ganzen den Charakter des Neuen zu geben vermag. Der Vater hetzt mit seinem Kind nach Marseille (warum er das tut. wird nicht gesagt); und hier verfolgt ihn die Kamera mit neugierigen Augen, fast wie der Detektiv selbst. Sie malt seine Verzweiflung, die Müdigkeit der Verfolgten, sie zeigt Hunger und Durst,«s scheint fast, als ob der Film diesmal für die Verfolgten sei; aber da kommt eben da» happy-end, das bei dieser wirklich guten Arbeit doppelt schmerzt. R o v e n s k y, der Vater, und der klein« Feh 6 r-Junge sind di« Helden nicht nur am Programm Noch niemals(außer im„Redl" durch Longen) hat«in tschechischer Schauspieler so viel Menschlichkeit, Sprechkunst und Mimik gezeigt; und der kleine Bursch ist begeisternd. Die Holographie zeigt gute Arbeit, /di« Kamera wagt Bewegung, Magda Sonja ist noch immer beachtlich. Auch S v i t a k, der Regisstur der tschechischen Version, zeigt sorgfältige Arbeit. Und so geschieht cs wirk- lich, daß man einem großen Kitsch positiv gegenübersteht: denn hier ist Film! W. 2. Aktualitäten bei Burla«. In den letzten Journalen zeigt sich H i t l e r wieder im Kreise der Seinen; und wirkt wie immer vor allem auf die Lachnerven. ! Außer den gewohnten ReunnenaufdemEis(wir haben 1 KINO-PROGRAMM l <£ vom 21. Feber bla 2. MBrz 1033. Wran-Urania-Kino i'nüe ern‘■ „Der filöter von Nolre Dame Neue Tonaufnahme. Der große L o n Chauny-”iln> aus der klassischen Zeit der berühmten Ausstattungsfilme- an l'ftt Al*' «1 ((tsilgiltt»uotrice la,»— Ckrtsskaftcat: Stl»siat«itkstt- 8euntmsttltu Art..nusmarftuiianfatut wurde oon oct Poft- U. ie(egtapt>en»>tentea mit ittlatz Nr i3.8W.VH 1380 auntUtdt— 8eing»btti:ngnngta.«et Zustellung in» Hau» ober»et v»»ue durch dir Lost monatlich Ke 18. aietteitähtluh Ü U—, (aUfa»“» M 38.—, ,anj,u»tt» K» Utt,—,— Zu,-litt« wtaxn laut iatif brütest berechn«, M MMM SustchaUun»» Vkcienachlotz.— ItädstcünnG»ea ManaflsijUM ctfclgt tat Hi Um,ui»uui Mt fUtauiawUfe Judentum heute. Die jüdische Rede-, und Lese halle hatte sich zwei Redner zu obigem Thema versorgt, die beide rein vhethorisch außerordentliches* leisteten: Prof. Otokar/Fischer, der berühmt«! Goethe-llebersetzer, sprach über die Stellung der Juden in der Weltliteratur, Arnold Zweig über de« Antisemitismus von heute. Beide Redner habe« inhaltlich nicht imponiert— so sehr man auch ihre Sprachgewandtheit anerkennen muß, ihr Geist konnte die heutige Zeit nicht durchleuchten, deine Lösungen und Weg« aufzeigcn. Fischer betonte das Inter nationale der Schöpfungen der Juden: er versuchte Speyrers Theorie von ihrer Differenzierung au» der Kultur der sie umwohnenden Menschen nachzuwersen und dann zu begründen, wie sie ihre Eigenheiten unberührt erhalten haben(das nennt Spencer die Jntegranz), woraus sich eben der besondere Charak ter des jüdischen Geistes auch in seiner europäischen Schöpfung ergebe. Romantisches Sehnen, Vorliebe für Rhythmus, Wortkunst, Paradoxie ustv. sind nach Fffcher die Merkmale dieser Schöpfungen, die sich aus einem Volk heraus an alle andern weno-n und so zur Kundgebung des Geistes der llebernationakität werden. Daß Fischer in Marxens Gedenffahr dieser ganzen neuen Welt nicht mit einem Wort gedachte, hat seinem Vortrag jeden Anspruch auf totale Er kenntnis und vollständige Forschung genommen.— Arnold Zweig bekannte sich.in einem einzigen Sah zum Sozialismus(wobei der Saal spontan applaudierte). Dieses sein gefühlsmäßiges Auf bäumen gegen die deutschen Verhältnisse— denn sie gaben seinem Vortrag den aktuellen Hintergrund;_ — verlor an Wert durch die ganz unklare Dar- ja Winter), Ski- und Bobrennen, Fliegerei undMili- tzme Antwort der a ria". Die Direktion der„Prager Urania" sendet «nS auf den am 17. Ftwer luüü Lei uns ersch.ene- nen„Lianen Brief an Professor Franst" folgende Miue.lung: Wir und unsere Fachreferenten können di« Ansicht der Einsenderin nicht teilen, daß die Vorführung des technischen Films über den Fern- funk:„Tas gehe.mnisvolle Schiff", der als eines von drei Beiprogrammen(nicht als da s Vorspiel) bei der Jugend-Veranstaltung„Emil und di« Detektive" am Mittwoch, den 8. ds., gezeigt wurde, für Jugendliche nicht verständlich fei, ebensowenig di« Ansicht, daß Jugendliche, die hiefür Interesse haben, genug Gelegenheit besitzen,„durch Lektüre in dieses Thema eingeführt zu werden". Damit würde die moderne Bewegung der Heranziehung de» Lehrfilms als e'nes der besten Anschauungsmittel verurteilt werden. Weiter lehnen wir auch— wieder im Einvernehmen mit unseren Fachreferenten— die entrüstete Bemerkung, als ob dieser Film auch nur in irgendeiner Form Kriegspropaganda" vorsetze, entschieden ab. Uebrigens wurde gerade ,Z)as geheimnisvolle Sch ss" von der gewiß strengen t s checho sl owak i schen Zensurbehörde als „Lehrfilm"(d. h. für Jugendlich« geeignet und in diesem Sinne empfohlen) bezeichnet, bezlv. freigegeben. Ebenso wurde er z. B. auch in einer Reihe Wiener Schulen und Kulmrinstttutionen vorgeführt, da ihn dex Magistrat der Stadt Wien als Kulturfilm klassifiziert hat, mit der Ergäu- zung, daß ausnahmSwese Personen, die das 16. Lebensjahr noch nicht vollendet Haden, zugelassen werden. (tele8en9tii»arb(i( auch Tagesarbeit, sucht ein junger'Man«(verch^ bene schwere Hausarbeiten oder Arbeiten am Bau. Garten) n«b eine ältere Frau(iür Hauswirlschab oder zu Kindern). Adresse an die Verwaltust^ In verzweifelter Lage". Gelesentzetesarvett auch Tagesarbeit, sucht ein junger'Manu(ver'ch^ dene schwer« Hausarbeiten oder Arbeiten am Va». Garten) und«ine älter« Frau(iür Hauswinsch-U oder zu Kindern). Adresse an die Verwaltust^ „In verzweifelter Lage".