SrsHrlnt mit Ausnahme des Montag tgg'ich früh."— 9t»offiM«. VtHMltuag: Dra# n, ÄeMjanra ta ♦ XrleoO.: 36795. 37469.StafttfttaR.«ld 21 Uv»): 35658* vozlchkaaml:57544 Rr 4S. 15. Jahrgang. Samstag, 25 Feber 1933 «vzelhrels 70 Heller, stkinschließlich 5 Heller Ports' Seefehlner OherfQint Wien, 24. Feber.(AR.) In der heutige« Sitzung des Nationalrales brachte im Lauf« der Budgetdebatte der sozialdemokratisch« Abgeordnete Dr. Deutsch die Affäre Seefehlner zur«-rache. Redner erklärte, daß Seefehlner den Gewerkschaften ein Bestechungsangebot von 150.080 Schilling gemacht hab«. Diese Tatsache sei nicht abzuleug- nen, da durch ein von dem Gewerkschaftsführer König vom Parlament« aus geführtes Telephongespräch, dem«in Beamter des Hauses als Zeug« beiwohnte, die Tatsache der Unterhandlung See- srhlnerö mit.König festgehalten sei. Dr. Deutsch verlangt nachdrücklich, daß di« strafgerichtliche Untersuchung wegen Mißbrauches der Amtsgewalt oder wegen Betruges gegen Seesehlner geführt werd« und daß diese Untersuchung auch auf diejenigen Personen ausgedehnt werde, di« «in Interesse an d«m Hirlcnbcrgcr Wafsengeschäst hatten, in erster Linie aus d«u Generaloirektor Mandl und den Heimwehrführer Starhrmberg. Nährend der Red« des Slbgeordneten Dr. Deutsch kam es wiederholt zu heftigen Lärmszenen, da di« Hrimatblockler in lärmenden Zwischenrufe« gegen die Ausführungen des Redners Stellung nahmen, was von den Sozialdemokrale« mit stürmischen Gegenruseu beantwortet wurde. Sämtliche Parteien der Parlamentsmehrheit — mit Ausnahme der Parlamentsvertretung des Heimatblocks— desgleichen auch die oppositionellen Parteien drängen auf ein« strenge Untersuchung der Angelegenheit. Sie verlangen vor allem, daß Klarheit darüber geschaffen werde, ob Seefehlner selbst der Urheber des Planes war chrr ob auch andere politische Persönlichkeiten dabei eine Rolle spielten. Ferner verlangen die Parteien eine Feststellung darüber, oh nicht auch Nach d»m_2?. d, W. von Hirtenberg Waffenendungen nach Ungarn expediert wurden. DeS weiteren sollen durch eine Untersuchung die Teilnahme der Hcimwehrführer am den Planen See» sehlners, insbesondere die Rollt, die S t a r h e m- i e r g und Generaldirektor Mandl sowie die Heimwehrminister gespielt haben, klargestellt werden. Schließlich wird ein« Untersuchung in der Richtung gefordert, ob nicht vielleicht die Heimwehren von den Hirtenberger Beständen Waffen erhalten haben. Selbstverständlich bestehen, die Parteien auch darauf, daß sichergestellt werde, woher Seefehlner di« Bestechungsgelder erhalten hat. Im Parlamente wird davon gesprochen, daß Seefehlner eine runde Million Schilling zur Durchführung seines Planes erhalten hab«. Wien, 24. Feber. Bundeskanzler Dr. Dollfuß berief gleich nach der Suspendierung des Generaldirektors der österreichischen Bundes- bahne« Dr. Seefehlner den französischen und de» englischen Gesandte« zu sich und informierte sie über den vereitelten Transport der Hirtenberger Nassen«ach Ungarn. Gleichzeitig ordnet« er di« Aufstellung eines sehr genauen Inventars der in Hfrt«berg hinterlegten Nassen und strenger Maßnahmen gegen eventuelle neue weitere Urber» raschungen an. Dauerns naltong. Gegen einen Reichskommissar.— Für di« Wittelsbacher-Monarchie. Nürnberg, 23. Feber.(Dsch, P.-B.) Der Borsitzend« der Bayrischen Bölkspartei Staatsrat Schäffer hielt in Forchheim eine Wahlrede, in der er sehr heftig gegen di« Reichsregieruna polemisierte. Di« Beteiligung der Bayrischen Polks» Partei und des Zentrums an der Reichsregierüng sei durch die Weigerung Hugenbergs, mit dem Zentrum zu'awmenzuarbeiten, entstanden, ferner durch die persönliche Ablehnung Papens. Die Nationalsozialisten sagen heute ganz offen, daß Nach den Wahlen ein Reichskommissar in Bayern eingesetzt werd«. Er, Schäffer, habe in Berlin erklärt, daß Bayern sich das nicht gefallen lassen werde und daß die bayrischen Wehrverbände einschließlich des Stahlhelm den Reich s kam- Miskaran der Grenze verhaften würden. Mit dem freien Willen des Reichspräsidenten werd« sicher kein Reichskommissar nach Boyern kommen,, aber an den Reichspräsidenten komme Man heute nicht mehr heran.:.Schäffer droht« dann, daß Bayern die Vergangenheit- zur Hilfe rufen und die Monarchie erklären werde. Er schloß wörtlich:„Run der Staatsgerichtshof zertrümmert ist und mit ihm das Deutsche Reich und die Verfassung, dann sind auch- wir in Bayern. nicht mehr gebunden." Bei die''«N gegen die Einheit des Reiches gerichteten Ätzen wurde« Pro- testruf« laut. v Reich Außenpolitik und treibt Deutschland ins Der Futsch offiziell angekündigt! Mr. ihm Franyois Poneet lehnte nicht nur das lächerlich« Ansinnen ab, sondern teilte es auch brühwarm den Russen mit. Es war für die französische Außenpolitik vielleicht der größte Glücksfall seit der Lösung des Bis- marckschen Rückversicherungsvertrages Deutschlands mit Rußland, und seit dem Hereinfall Benedettis auf Bismarcks Geschicklichkeit in der Behandlung der belgischen Frage(Frankreich bot Preußen damals«in Bündnis an, wofür es die Unterstützung zur Eroberung Belgiens verlangte), di« größte diplo- matische Dummheit der Geschichte. Der ganze Plan soll aus dem Kopfe Alfred Rosenbergs, des antirussischen Balten stammen, der als Razikandidat für den Posten des Außenministers gilt. Das Husarenstück ist asio ein Teil des„Mythos des 20. Jahrhunderts". Mit derartigen m y t h i fch e n Berlin^ 24. Feber. Daß die Reichsregierung zu einem Maatsstreich entschlossen ist, falls die Wahlen am 5. März für sie nicht günstig ausfallen, geht aus der gestrigen Wahlrede des Innenministers Frick in Hamburg hervor. Frick hgt dort erllärt: Wenn wider Erwarten di« Wahlen am ü. März der heutigen Reichsregirrung nicht mit mindestens 51 Prozent das Vertraue« aussprechen werden, werde sie trotzdem auf ihrem Platz ausharren und das eingeleitet« Rettungswerk unbeirrt bis zum Ziel« durchführe«, denn das steh« fest: Wenn schon die Nationalsozialisten, und ihre Verbündeten nicht diese Mehrheit erzielen, dann werde«S noch unmöglicher sein, daß sich auf der anderen Seite«in« Mehrheit zusammenfind«. Damit sei aber der„Staatsnotstand" gegeben, der der ReichSregiernng di« Vollmacht geb«, am Platz« z». bleiben«zum Wohl« des.deutschen Volkes". richten bei dem französischen Botschafter FranyoiS Poneet erschienen, um folgenden Vorschlag zu machen: Bolen möge den Korridor Deutschland zurückgebe«,....... für die Deutschen den Polen Hel-.deutsch« Fascismus ist eben in allen seinen Tei f«v wollten, im Krieg iir.it Rutz-- land die Ukraine zu eröbern. Nutzen dienender Gebäude, Einrichtungen und Anlagen. Zu Hilsspolizeibeamten dürfen nur„ehrenhafte, wahlberechtigte aufnattonalem Boden st e h e n d e" Deutsche verpflichtet werden. Sie führen einen Pol-i^ilichen Ausweis und tragen an ihrer eigenen Kleidung di« auch die Uniform von Verbänden(!!) sein kann, als Abzeichen eine weihe, amtlich gestempelte Armbinde mit dem Andruck„Hilfspolizei". Sie sieben unter Führung von Polizetcffizieren und Haven während der Dauer ihres Dienstes die Befugnisse und Pflichten von planmäßigen Polizei, und Landjägereibeamten. Die Bestellung von Hilfspolizeibeamten bedarf— mit Ausnahme von Berkin, wo der Minister des Innern entscheidet— der Bestätigung des Regierungspräsidenten. vorläufig ist eS nicht bekannt, ob diese Hilfspolizei nur in bestimmten Fäll« verwendet werden oder ob sie dauernd im Dienst« Reiben wird. Jedenfalls wird damit der erste Schritt zur Verwirklichung der nationalsozialistischen Forderung gemacht werden, datz nämlich die nationalsozialistischen SA in den Staatsapparat «l u g« r« i h t werden. * An«. d. Red.: Auch Herr Krebs, der sutz.'tendeuLsche Goring, hat ja feinerKsist-srklärt, .*' Hitler werde den Italiener« Dalmatien erobern "_ helfen rmd dafür Südtirol bekommen) Der len der fleischgewordene'Irrsinn und seine Phrasen sind leider ernste Gefahren. Außenpolitische Tollheiten des deutschen Fascismus. Göring bietet den Polen den Krieg gegen Rußland an! Bestürzung in der diplomatischen Welt. Berlin, 24. Feber.(Sonderbe-i richt.) Die Auffassungen, di« in der Macht übernahme des Nationalsozialismus«ine schwere Gefahr für Deutschlands Sicherheit und den europäischen Frieden erblickten, haben überraschend schnell ihre Bestätigung durch eine sensationelle Nachricht gesunden, die aus verläßlichen, den Nazis nicht fernstehen den Qnellen kommt. Obwohl man vorsichtigerweise das Außen ministerium nicht den Nazis ausgeliefert, sondern es dem immerbin erfahrenen und ruhi ge« Freiherr« von Neurath beließ, haben die Hitlerian« es verstanden, schon jetzt durch eine gigantische Dummheit, die nur von der verbrecherischen Frivoli tät der Handln«« überboten wird, Deutsch land in eine höchst peinlich« Situation zu bringen.> Herr G ö r i n g, der sich in Verhängnis- Albernheit e"n" macht man' im''Dritten voller Weise mehr ftrnd mehr in den Vorder-- gründ spielt, ist nach den erwähnten Nach- Verderben" ILa« ff*»»« rtutmau m M m Vizekanzler von Papin dagegen erllärt« in einer Wahlversammlung in Iserlohn, di« nationale Bewegung spreche den links«eben ihr stehenden Parteien das national« Bewußtsein nicht ab. Tie nationale Bewegung habe die Macht ergriffen und sie wisse, daß Macht erhalte« schwerer s« i als Macht erobern. Karl Llebknedithans geschlossen. Berlin, 24. Feber.(Dsch. P.-B.) Auf Grund des§ 23 der Verordnung oes Reichspräsidenten vom 4. Feber 1933 ist heut« das„Karl Liebknecht- Haus" i« Berlin von, sofort bis auf weiteres polizeilich geschlossen worden.'Gestern, waren, wie gemeldet, bei einer Durchsuchung der„City"- Druckevei im„Karl. Liebknecht-Haus" Flugblätter der KPD in großer Menge beschlagnahmt worden, in denen zu hochverräterischer Betätigung oder zu Gewalttätigkeiten aufgefordert wurde., Das große Spiel um Deutschland Von unserem nach Berlin entsandten Sonderberichterstatter. Die Roulette auf dem großen Spieltisch Deutschland läuft.' Längst hat der Spielleiter sein entscheidendes„Messieurs, faites votr« jeu— Meine Herren, spielen Sie!" gesprochen. Nun läuft das Rad und wie die Sekunden am Spieltisch so werden hier in der Weltgeschichte die Wochen zur Ewigkeit. Wan« steht das Rad still? W o wird es stehen bleiben? Und zu diesen beiden Fragen, nach diesen beiden, nochmals zwei Fragen: Gibt es nach diesem Spiel noch eines, gibt es noch Mächte,'die nach ihm einen Einsatz riskieren können? Und dann: Wer hält eigentlich die Bank, wer steht unsichtbar und geheimnisvoll im Hintergrund? Sicher erscheint im Augenblick nur das: jetzt spielen Hitler und Hugenberg um die Macht und keiner von ihnen hat bisher auch nur eines Gedankens Länge ernstlich erwogen, daß sie auf die Dauer den Gewinn zu gleichen Teilen genießen könnten. Heut«, zehn Tage vor der Wahl, ist die Spannung Zwischen ihnen so. stark, daß man auch ihren Verbrüderungen, ihren offiziellen Kundgebungen, anhört und anmerkt, daß hinter ihnen Haß, Eifersucht und Gier nach der Alleinherrschaft stehen. Der Stahlhelm biedert sich in unverkennbarer Weise der Linken an, um für den Fall des offenen Kampfes wenigstens ihre wohlwollende Nentrafität zu gewinnen. Herr van. P a p e n, der. Marxistentoter von anno 32, hält eiste große Rede, die ganz deutlich eine Antwort auf. den Gewalterlaß Gorings isst Hat dieser das Poll in die schwarzen und die weißen Schafe geteilt, die Volksfeinde, auf die man schießen darf und soll, und die Patrioten, die morden und plündern dürfen, so proklamiert Popen wieder di? einheitliche Nation, das Staatsvolk, in dem jeder ausbauwillige Bürger Raum finden müsse. Bor allem sind eS aber die kleinen Svmptome, die dutzendweise im Taaeskampf sichtbar werdend, die wachsenden Gegensätze -wischen den Machthabern erkennen lassen. Hugenberg versteht es, den Gegner mit Nadelstichen zu reizen. Seine Telegrapben-Union hatte eS eillg, di« Sprengung der Zentrumsversammlungen a tempo aller Welt zu- melden, seine Wahlplakate enthalten mehr als eine Spitze gegen Hitler, seine Aeußerungen lassen keinen Zweifel darüber bestehen, daß er jede Art von„Sozialismus", jede Abschlagszahlung an die Massen der NSDAP en: schieden und ein für allemal ablebnt. WaS wirtschaftlich geschieht, kommt den Großbauern zugute, wobei freilich die Frage offen bleibt, ob die zum Dank Hugenberg oder Hitler wählen. Einig ist man sich in der Personalpol i- t i k, aber auch hier sind die Deutscbnationalen um einige Pferdelängen voraus. Die neuen Männer sind im umgekehrten Verhältnis der Parteistärke von NSDAP und DNVP Männer Hugenberas und Papens, Funker, Offiziere und altpreußische Bürokraten. Auch Maßnahmen wie der Kulturkampf, den der Psvchopath R u st fiihrt, haben ein doppeltes Gesicht. Hugenberg will mit dieser Klerrka- lisierung der Schule katholische Wähler gewinnen, Hitler will die Bundesgenossenschaft des Zentrums erobern. Die Terrorakte gegen Brüning und Stegerwald. gegen katholische Geistliche und Leute der Pfalzwacht waren vor allem für Hitler peinlich. Sein Auftuf zur Disziplin und zur Schonuna de8 Zentrums verrät nervöse Gereiztheit. Wenn er von Lockspitzeln spricht, die der Bewegung zum Schaden diesen Skandal angerichtet haben statt den Kampf auf den Marxismus zu kom zentrieren, so llest man zwischen den Zeilen daß er seinen Freund Hugenberg nicht vor dem Verdacht ausnimmt, die Lockspitzel zu bc zahlen. Denn gerade an dieser Stell« wird Berlin, 24. Feber. Heut« ist ein Erlaß des«ationalsozialifttschen Ministers Göring erschienen, durch welchen eine sogenannte Hilfs- »olizei«ingeführt wird. Zu diesem Dienste ollen„geeignete Personen" aus den national- ozialistischen SA und aus dem Stahlhelm ausgesucht werde«. Sie werden Armbinden mit einer offiziellen Bezeichnung und Waffen erhalte«, die st« aber nach der Dienstleistung wieder wetde« zurückstellen muffen. Aufgabe-er nur unter Führung der ordentlichen Polizei einzusrtzenden Hilfspolizei soll ins- 6i’|onhcte sein: 1. Die„Entlastung" der ordentlichen Polizei a) durch Unterstützung bei dem Schutz politischer Versammlungen und Auszüge sowie b) bei der Sicherung von Lokalen und anderen Einrichtungen politischer Organisationen, e) bei Absperrungen und Unterstützung der Landjägerstreifen. 2. Im Falle von Unruhen oder eines aderen polizeilichen Notstandes: a) dir allgemeine Unterstützung der ordentlichen Polizei, b) die Uebernahme des Schutzes lebenswichtiger Betriebe sowie wichtiger im öffentlichen Eigentum stehender oder dem öffentlichen eettt 2 SamStag, 28. Feber 1-88 Nr. 48 nicht von„marxistischen" Elementen, sondern von Gbgnern im allaemeinen gesprochen.' Die Stichtage für die Entscheidung im Kampfe zwischen Hitler und Hugenberg sind: der 5. März, der 12. März(Tag der Gemeindewahlen, bis zu dem man vielleicht die radikal volksfeindlichen Mahnahmen hinausschieben wird) und allenfalls noch der 4. April, der letzte Termin, zu dem verfassungsgemäß die Reichstaqseinberufung erfolgen müßte. Wahrscheinlich ist, daß die Entscheidung eher früher als später fällt. Beide Parteien sehen sich für den 8. März vor. Die Nazi bereiten einen Alarm der SA, und SS vor. Noch weiß man nicht, ob dies ein„Marsch auf Berlin" sein wird, ein feierlicher Einzug durch daS Brandenburger Tor mit anschließender Parade vor dem Generalfeldmarschall, dessen militärischem Herzen man mit dem Aufmarsch von 100.000 Braunhemden auf dem Tempelhofer Feld imponieren möchte, oder ob die Bataillone zu regelrechtem Putsch um all« wichtigen Plätze, des Reiches, mindestens aber Preußens konzentriert werden sollen. Jedenfalls hat der Stahlhelm sich vorgesehen und seinerseits di« Mobilisierung seiner Kräfte für den 5. März vorbereitet. Selbstverständlich ist der Stahlhelm besser bewaffnet und kann auf verläßliche Menschen zählen. Dagegen sind die SA ohne Zweifel skrupelloser und rascher im Zugreifen. Unterbleibt dieser Putsch(auS Furcht vor der Reichswehr und weil das Projekt, durch Auslandspublikationen vorzeitig bekannt geworden, offiziell dementiert werden mußte), so muß sich doch in den Tagen nach der Wahl «ine neue Situation herauSbilden. Hitler wird auf Grund seiner zahlenmäßigen Stärke neu« Ministerien fordern und mit der schwarzbraunen Koalition drohen. Hugenberg wird eS eilig haben, den Reichstag nach Hause zu schicken. Es ist ja ein« der ganz großen Grotesken der Weltgeschichte, daß Hitler und die NSDAP, die mit dem wütendsten Kampf gegen den Parlamentarismus begonnen haben, heut« ihre beste Waffe im Parlamentarismus sehen und um den Reichstag bangen müssen, dessen Parkett ihnen die herrlichsten Eiertänze und daS dauernde Changieren zwischen Zentrum, Hugenberg und, unter Umständen, wenn eS sich um Obstruktion handelt, auch KPD, erlaubt. Hugenberg aber, im Reichstag auf jeden Fall der bei weitem schwächere, ersehnt di« Besiegelung deS Staatsstreichs durch die endgültige Ausschaltung des Reichstages, Heil er dann Hitler im Sack hat. .Und nun die weiteren Fragen: wer kann nach dem 6. März in diesem Spiel noch setzen? Ueber die Schwierigkeiten, die sich einer Aktion der Arbeiter entgegenstellen, haben wir an dieser Stelle kürzlich gesprochen. Sie sind nicht kleiner geworden. Sie sind dauernd mit dem Risiko bÄastet, dann erst die Reichswehr mit Hitler zu einer geschlossenen Front zusammenzuschließen. Allerdings: Putschen die Nazi, dann wäre«ine ad hoc und für einige Tage bestehende Einheitsfront von der KPD knS zu König Rupprecht von Bayern und vom Reichsbanner bis »um Stahlhelm nichts völlig unmögliches. Auf leden Fall hat die deutsche Arbeiterklasse, zum Unterschied von der italienischen nach dem Marsch auf Rom, noch eine gewaltige Kraft einzusetzen, es fragt sich nur, ob es klug wäre, sie einzusetzen, solange die Reaktion uneinig ist und die Möglichkeit einer Ueberwindung des reinen Fascismus durch die konservative Reaktion besteht. Der letzte Faktor, der entscheidende, derdie Bankhalt und heute noch immer als die große Sphinx im Hintergrund steht, ist die R e i ch s wehr. Bon ihr weiß man, daß sie gegen eine Parteidiktatur, gegen Hitlers Alleinherrschaft fft, weil sie von daher die Ausschaltung der Armee nach italienischem Muster, befürchtet. Für wen sie ist: ob nur für H i n d e n b u r g. ob für die Hohen- zollern, ob für Hugenberg: unter wem sie kämpfen wird, ob unter Blomberg und H a m m e r st e i n oder unter Schleicher oder unter Se eckt— all das weiß man nicht, und eben das erschwert allen Beteiligten das Spiel. Die Arbeiterschaft empfindet die Ungewißheit, das Huwarten unter dauerndem Druck der provozierenden Gegner beinahe als untragbar. Dennoch kann die Hoffnung aller nüchtern Rechnenden nur sein, daß die Arbeiter, da sie die Voraussetzung des Sieges, die Einheit der Bewegung, nicht rechtzeitig geschaffen haben, nunmehr keinen Schritt ins Ungewisse tun. Gegen die Proklamierung der reinen Hitler- diktatur gäbe es freilich, nur«i n e S: Kampf bis aufs Messer. In jedem anderen Fall wäre es llüger, zu warten. Denn dann gälte um so sicherer: Noch sind nicht all« Märzen vorbei:.. nal der Klub der deutschen Nationalsozialisten gegen sich selbst beschlossen? Der»Ta«“ wir« nm Anlhlärung ersodit! Wie wir bereits wiederholt festgestellt und entsprechend charakterisiert haben, versuchte die nationalsozialistische Presse die erbärmliche Flucht der hakenkreuzlerischen„Führer" vor der Verantwortung für ihre großmäulige Bersamm- lungsdemagogi« in die knieweiche Loyalität einer alleruntertanlgsten tschechoslowakischen Oppositionspartei durch die reichlich mißglückte Ausrede zu maskieren, daß alle Erklärungen drS Generalsekretärs und Abgeordneten der Partei, Hans Krebs, die„Führer" seien bereit, vor Gericht. ihre Politik zu verteidigen und würden gegebenenfalls für ihre Auslieferung stimmen, gegen de« Willen des nationalsozialistischen Partei Vorst ander und der parlamentarischen KlubS erfolgt und als»persönlich« Auffassung" demnach für die Partei nicht bindend seien. Am 19. Feber schrieb der„Tag" dazu wörtlich: „ES handelt sich bei dieser Stellungnahme des Wg. KrebS um«ine persönliche Auffassung. Der Parteworftand und der parlamentarisch« Klub der DNSAP. hat diese Auffassung abgelehnt, KrebS hat sich diesem Beschluß unterworfen." Abgesehen von der jämmerlichen Blamage, einen maßgebenden Funktionär der Partei au- purer Angst vor dem Staatsanwalt derart desavouieren zu müssen, sind'wir heute aber auch in der Lage nachzuweisen, daß selbst daS Substrat dieser Blamage vom„Tag" erlogen ist und daß der parlamentarisch« Klub der DNSAP die Stellungnahme des Abg. Krebs nicht nur durchaus gebilligt, soudern durch Klub- Beschluß sogar zu seiner eigenen offiziellen Mei. nung erhoben hat, die seinerzeit, als noch keine Gefahr im Anzuge war, von allen national, sozialistischen Parlamentariern verfochten wurde: Am 19. Juni 1932 hielt der Minister Dr. Spina in Mayr.-Neustadt eine Rede, in welcher er scharfe Angriff« gegen die unverantwortliche Politik der sudetendeutschen Nationalsozialisten und ihr feiges Zurückweichen richtete. Daraufhin trat der parlamentarisch« Klub der DNSAP in Prag zu einer Sitzung zusammen, die in der Angelegenheit eine Resolution beschloß und veröffentlichte. Dies« Resolution aber endete mit folgenden markigen Worten: „Der parlamentarische Klub der! deutschen Nationalsozialisten weist dies« Ausfüh- rungen der Ministers auf- schärfst« zurück, weil sie«ine Beeinstusiung t«4 richierlichen Urteils bavstellen, obzwar Minister Dr. Spina sicherlich nur di« Deutsch« Nationalsozialistische Arbeiter» Partei treffen wollt«. Daß«m deutscher Minister vor einem politischen Prozeß, der auf das politische Leben der ganzen SudeiendeutschtumS abzielt,- so spricht, ist bezeichnend für di« politisch« Führung eines Teil«- unserer Boltes. Di« nationalsozialistischen Parlamentarier haben in de« gemeinsamen Beratungen mit deutsche» Parteien keine» Zweifel darüber gelasicn, daß sie für di« Anf» Hebung der Immunität eintret«» werde», wenn im Zusammenhang mit dieser Affäre gegen«ine« oder den anderen von ihnen die gerichtlich« Verfolgung eingeleitet werden sollt«! Also nicht nur d«r Herr KrebS, auch alle anderen nationalsozialistischen Parlamen. tarier haben nach eigener Bestätigung erklärt, sie würden für ihre Auslieferung stimmen! Nicht nur der Herr KrebS ist bei der Abstimmung über den Auslieferungsantrag im Jmmu» uitätSauSschuß umgefallen, sondern auch der ganze nationalsozialistische Klub ist bei der Abstimmung im Plenum des Abgeordnetenhauses dem kläglichen Beispiel deS Nussiger Bize-Osaf» gefolgt. Oder will der„Taz" vielleicht auch jetzt noch jemandem einreden, der nationalsozialistisch« Klub hätte dre„persönliche Auffassung" de» Abg. KrebS ,^bg-lehnt"? Da würde er ja nicht mehr und nicht weniger zu- geben, als daß der ganze nationalsozialistische Klub und wahrscheinlich äuch der'ganze nationalsozialistische Parteivorstand äü-s"F«lohels g e gen ihre eigene politische Ueber,eu- gung und gegen die persönlichen Versicherungen der Parlaments- rier beschlossen haben, daß in den entscheidenden Sitzungen die„Führer" einander regelrecht belogen und beschwindelt hoben, so daß der letzte polnische Roßmarkt neben diesen Gremien der»Kämpfer für Wahrheit und Recht" die reinste moralische Anstalt wäre. Wenn sich der„Tag" überhaupt noch zu dieser Resolution seines parlamentarischen KlubS bekennt, so wird er sicherlich nun da»„Argument ins Treffen führen, sie stamme au» der Zeit vor dem Volkssport-Prozeß, sei also in einer noch ungeklärten Situation entstanden. Doch vr Die Kellnerin Molly. Roman von Han» Otto Hanoi, Cmrtabt I* Kacketretwr-Berlaa. Berlin. Nachdruck»erboten. ^Jn diesem Falle wäre mir'» lieber, ich wär» verrückt, oder wenigsten» läge ein Irrtum ror Aber leider ist da» nicht d«r Fall. ES tut mir bitter Kid, daß diese außergewöhnliche Seltenheit eine so brave Mutter wie Sie trifft, und noch bedauernswerter ist Ihr unglückliche» Kind." D«r Schulleiter brachte Klärchen an der Hand herein. „Nun lag« un» einmal, mein Kind, mit wem du— wer ist der Vater von deinem Kinde?" Frau Prager stürzt« mit erhobenen Fäusten auf ihr Kind. Die beiden Herren sprangen da. zwischen. Der Arzt mußte die,Kleine auS den Händen der Mutter reißen. Klärchen schrie aus. „Aber ich habe doch nicht» getan!" Die Mutter war außer sich, „Mach mir das nicht weiß! Aus der Luft kommt so etwas nicht!" ,„Aber was meinst du denn, Mutti?" . D>e Mutter ließ die Fäuste sinken. Die Män- ner sahen sich an. In ihren Blicken stand die Ueberzeuguna, daß di« Kleine dem furchtbaren Ernste unwissend gegenüberstand. Der Arzt bot den Schulleiter und de Mutter, ibn mit dem Kind« allein zu lassen. Al» er nach zehn Minuten zu ihnen in» Nebenzimmer trat, wußte er alle». Ei» Schlafbursche von Prager» der früher Male» Zimmer bewohnt batte,'eit einigen Wochen irgendwohin verschwunden hatte in Abwesenheit der Mutter sich an dem Kinde vergriffen. Er hatte es mit Süß'gkeiten einer festlichen Selten» heit für die Kleine, gefügig gemacht und e» obendrein mit Drohungen verhindert, der Mutter etwa» zu erzählen Mutter und Kind gingen mit tränenverquol lenen Gesichtern nach Haus«. Der Arzt hatte Frau Prager» Bitten, zu helfen, abwei'en müssen. Die Mutter erzählt« es Male, und Male war ebenso erschüttert wie Frau Prager. Schlimm wirkte«» sich au», daß die Nachbarschaft über da» Unglück durch«in unvorsichngeS Wort der Frau Prager unterrichtet wurde. Die Leute tuschelten und machten hämische Bemerkungen. Frau Prager lief mit dem Kinde in den ku> zen Stunden, di« ihr zwischen dem AuStragen dcr Margenzeitungen und der Abendzeitungen und ihrer Hau-arbeit blieben aufden Aemtern herum, um das Unglück von dem Mädchen obzuwenden. Der Schularzt konnte nur den Wunsch ausipre- chen, daß bei der Kindlichkeit der jungen Mutter ein« Fehlgeburt eintreten möchte. Er hatte sich sogar biS zum Mmister dafür verwertet, daß hier einer jener Fälle vorlieoe, wo das Gesetz eine Ausnahme machen müsse und einen operativen Einorifs gestatten solle. Alle Bemühungen blie- b'" vergehens. Nachbarn gaben der Mutter gute Ratschläge, wie es zu machen sei, di« Zehnjährige vor der Austragung eines Kinder zu bewahren. Aber daS lief natürlich alles auf Ungesetzlichkeit hinaus und war außerdem mit Geldkosten verknüpft. Ursi) Geld hatte Frau Prager nicht, zumal ihr jetziger Mann schon wieder arbeitslos war. Zwischen dem Geflüster der Nachbarschaft, zwischen Schande und BerAveiflung, auf den endlosen Wegen zu Fürsorgepflegerinnen. Polizeiarzt und R.'chtsauskunftsstellen ging Klärchen an der Hand der Mutter mit geiemtem Kopfe und unnatürlich großen Augen mit. Da» Wissen hatte ihre junge Seel« verwüstet, und die Erkenntnis, daß so viele erwachsene Menschen ihr helf«n könnten. aber nicht dursten, zermalmte ihre Schulweisheit von der liebevollen Gemeinschaft aller Menschen. In ihrem kleinen Kopfe ahnte sie dumpf und unklar, daß eben diese Gemeinschaft an ihrem Unglücke schuld sei, und nicht etwa di« Mutter, di« immer wieder verzwelfolt au» einem Zimmer in da» ander« rannt« und sich selbst die Schuld an dem Unglück ihre» Kindes gab. Male lag im schweren Schlummer der ersten Vormittagsstunden, als sie durch wildes Geschrei auf der Straße geweckt wurde. Sie stürzte im Hemd ans Fenster und sah, wie di« Passanten auf die Tür ihres Hauses zuliefen. Sie beugte sich hinaus. Unten standen die Leute vor dem zerschmetterten Körper einer kleinen Menschen. ES war Klärchen. Sie hatte sich zum Fenster hinunt«r- gestürzt. Der Wunsch des Schularztes hatte sich erfüllt. Klärchen brauchte das Kind nicht auszutragen. Ein herzzerreißender Schrei im Nebenzimmer lahmte Male an allen Gliedern. Sonst hätte sie sich vielleicht auch zum Fenster hinuntergestürzt. Frau Prager hatte das Unglück entdeckt. Wie der Mensch darum geprellt wird, al» die Krone der Schöpfung zur Welt zu kommen. Bon den Kolleginnen hielt Male sich fern, soweit es möglich war. DaS Verhältnis zu ihnen beruhte auf qeaenieitiger wohlwollender Duldung. Man begegnete sich auf der Straße oder traf sich !m Abstmgequaiitier, gab sick> einen Gruß oder einen Scherz hinüber und herüber. In der letzten Zeit bezogen sich diese Scherze zunehmend auf Male» immer deutlicher werdende Schwangerschaft. Die Warzenlotte«in dickes, gutmütige- und erfahrenes Mädchen, fragt« direkt, ob Mal« einen neuen Rekruten zur Berliner Stempelgarde aufziehen wolle. Male antwortete gedrückt, daß sie das natürlich nicht möchte, was aber sie denn anfangen solle. „Mensch— laß dir'S doch nehmen. Hättest längst tun sollen." „Wo? Wer?" „Bist du doof!" Und Lott«, prahlend, daß sie für jeden Finger zehn Adressen wüßte, nannte Male wenigsten» zwei. Zusammenstöße in Leipzig. Leipzig, 24. Feber.(Tsch. P.-B.) Bei poetischen Zusammeirstößen wurden zwei Nationalsozialisten und ein Reichsbannermann schwer verletzt. Ein weiterer RoichSbannermann wurde getötet. selbst diese Ausrede gilt nicht! Den» di« Publikation des zitierten Beschlusses erfolgt« nicht bloß im Juni 1932, sondern auch viele Wochen nach Abschluß des Volkssport-Prozesses, und zwar in dem von der DNSAP verlegten und von Herrn KrebS herauSgegebenen Buche„Volkssport-Prozeß", wo sie auf Seite 181 vollinhaltlich und wörtlich zitiert ist, ohne daß auch nur ein Wort der Einschränkung oder gar deS Widerrufs dazugefügt i st. Die Nationalsozialisten haben sich also auch nach dem Prozeß noch zu der Juni- Resolution bekannt und so die Karikatur ihres Umfalls vollkommen gemacht. Und nun ersuchen wir den„Tag", uns auch diesen Beschluß des parlamentarischen Klubs der DNSAP zu erklären und mit den letzten Rede« der Mitglieder ebendesselben KlubS, mit der politischen Linie seiner ganzen Partei und mit der Abstimmung seiner Fraktion in der Aus- lieferungSsache m Einklang zu bringen. Wir beneiden ihn um dieses Geschäft wahrlich nicht: denn daß die nationalsozialistischen Parlamentarier zum mindesten einmal— entweder tnt Juni 1932 oder im Feber 1933— ihre Ueberzeugung verraten haben, steht unerschütterlich fest und die Schande, mit denen sich die feigsten Demagogen beladen haben, als sie vor ihren eigenen großmäuligen Phrase« Reißaus nahmen, ist zu groß, al» daß sie sich selbst mit den dicksten Katastrophenlettern des Duxer Moniteur» verdecken ließe. Die Auslieferung der nationalsozialistischen Abgeordneten. Die„Nova Doba" gegen di« Nationaldemokraten. In einem Leitartikel beschäftigt sich das Pilsener Organ der tschechischen Sozialdemokratie„N'ovä Doba" mit dem Kampf gegen de« Fascismu» und der Auslieferung der nationalsozialistischen Abgeordneten, wobei es scharf mit der Haltung sowohl der Nationaldemokraten, als auch den Kommunisten abrechnet. Ueber di« Haltung der Nationaldemokraten schreibt das Blatt: „Die Nationaldemokraten gebärden sich wütend, sofern eS sich um die deutschen Hakenkreuzlet handelt, aber soweit. eS. sich., um hi« tschechische«, Faseisten h-noelt, würden st« sich am liebste«, blind mch. taub stellen. Einen deutschen Haken- kreuzler würben sie auf den Galgen jagen, sobald aber eine unschuldige Untersuchung bei irgendeinem tschechischen Fascisten vorgenommen wird, sind sie ganz hin und rufen:„Nur keine Ueber- griffe!" Die Nationaldemokratie läuft Sturm gegen die deutschen Koalitionsparteien und vor allem die deutsche Sozialdemokratie und erklärt, sie ertrage e» nicht, daß sich irgendeine Koalitionspartei der Pflicht entziehe, für die Auslieferung zu stimmen, aber sie glaubt, daß der Brünner Putsch ein Zufall ist, den man nicht vergrößern darf... Wir sahen daher nicht gern auf der Parlamentstribüne als Referenten den Herr« Abgeordneten JeLek und wir müssen un» auch entschiedenst dagegen verwahren, daß diese Partei in der Hakenkreuzler-Angelegenheit die Koalition und die deutsche Sozialdemokratie kommandiert!" Mal« halt« fast kein Geld in Händen, da sis alles Frau Prager zur Bestreitung der Beevdi- gungskosten für Klärchen gegeben hatte. Sie fragte Lotte, waS die Geschichte wohl kosten könnt«. Zehn Mark? Zehn Mark sind viel Geld. D» würde sie»och fleißig einige Tage und Nächt«„anschaffen" müssen, um das Geld zusammenzukriegen. Sie verzichtete für die nächsten Tag« auf das warme Mittagessen, trank einige Taffen Kaffte weniger, die sie sich sonst beim Ausruhen gönnte, und— was ihr am schwersten siel— sie mußte wenigstens einstweilen die Unterstützung der gänzlich zusammengebrochenen Frau Prager ein- stellen. Dann stieg sie in der Keautstraße fünfzehn ausgetretene Stufen hinunter in den Keller. Die Warzenlotte hatte ihr gesagt, die in Frage koin- mende Frau sei sehr vorsichtig. Man könne zu ihr nur über einen Mittelsmann gelangen. Um> des wohnte in dem Keller. Au» dem ersten mußte Male in einen zweiten Keller gehen. Einige kleine, verschmutzte Scheiben gaben so wenig Licht, daß man schwerlich hätte lesen können. Auf den Fliesen des ersten Raumes stand blankes Wasser, der zweit« war voller Löcher und feucht. Bon den schwarten Wänden bröckelte nasser Kalk. Schimmel überzog alles. Da- Mobilmr dieser schmutzig«" Löcher stammte wahrscheinlich von Abfallplatzcn- Ein Schrank, ein Tisch, em paar Kisten, alles nur halb oder zerfallen. Verrostete Messer und Gabeln, ein eiserne» Oefchen, eine Grammophonruine erhöhten den Eindruck der Verkommenheit- Jmmerhin war nicht gänzlich auf Zimmerschmuck verzichtet. Ern mehrfarbiges Plakat, ausgefüllt von der wuchtigen Silhouette de» Berliner Dome-, überdruckt von der freundlichen Einladung^Jeder einmal in Berlin", prunkte unt den Linien klassischer Architektur inmitten des Dreck». (Fortfetzuug folgt^ Nr. 48 SamStag, 26. Fever ISS» Seite 3 Japan vom vsNterbnna verurteilt 42 von 44 Staaten Mr Annahme des Lgttonberidites. Die politisdien Verhandlungen auf Montag vertagt. Prag, 24. Feb:r. Die für heute««gefetzte, Sitzung der politischen Minister, in der die Rationaldemokraten die gestrige Abstimmung über die Auslieferung der Hakenkreuzler in Form einer Anklage gegen die deutschen Regie» rungsparteien anhängig machen wollten, fand Vicht statt, da Minister Dr. 8ramek vom Be» gräbnis seiner Mutter nicht rechtzeitig nach Prag zurückkehren konnte. Die Sitzung wurde deshalb auf Montag verschoben. Zu dieser Zeit dürfte auch Minister Doktor Lene» bereits wieder in Prag sein. Er hat für Mittwoch ein Expose« in den Ausschüssen der beiden. Häuser über die neue Organisation der Kleinen Entente angekündigt. Der normale Ministerrat am Nachmittag fand statt. Es wurde u. a. der schriftliche Bericht des Außenministers über den Organisationspakt der Kleinen Entente mit Dank zur Kenntnis genommen. Ferner wurde die Gütigkeit der Grundsätze über die Ersparungsmaßnahmen bei. der Budgetkreditwirtschaft vorläufig für den Monai März verlängert, bzw. ergänzt. * Die Nationaldemokraten hielten heut« nachmittag im Senat eine gemeinsame Sitzung ihrer beiden Klubs ab, die sich mit der gestrigen Abstimmung üb:r die Auslieferung befaßte. In dem darüber ausgegebenen Kommu- uiquce heißt es: Es wurde daS Bedauern ausgesprochen, daß beide deutschen KoalitionSparteien sich nicht an der Abstimmung über die Auslieferung der nationalsozialistischen Abgeordneten beteiligt haben. Insbesondere wurde die Haltung der deutschen Sozialdemokraten verurteilt, die chre A»>i°vz in der Kundgebung des Senators Dr. Heller als ablehnendes Verhalten gegen den Standpunkt der Koalition und den Justizminister bezeichneten. Der Bericht der zum Ministerpräsidenten entsendeten Abordnung über dessen Erklärung, daß Handlungsfrecheit niemandem zugestanden wurde und daß das abweichende Vorgehen nicht ohne Folgen bleiben wird, wurde zur Kenntnis genommen. Die Vertreter des KlubS werden den Ministerpräsidenten erneut ersuchen, dir Haltung der Parteien bei der Abstimmung unverzüglich zum Gegenstand von Koalitionsverhandlungeu zu machen. DaS„Leste Slovo" behauptet, Dr. Kra. mar hätte in der Beratung der Rationaldemo» traten erklärt, im Hinblick auf sein« Vergangenheit im Wiener Parlament, in der er nie für die Auslieferung eines tschechischen Abgeordneten gestimmt hätte, eracht« er die Entscheidung der »rutschen Regierungsparteien, nicht für di« Auslieferung der deutschen Nationalsozialisten z« stimmen, für selbstverständlich und sei daher mit dem AuSgang der Ab st im. Mung zufrieden. ZlnsfnOsenknng ahermats vertagt. Der§ 19 nodi in Sdiwebe. Prag, 24. Feber. Das Parlament zog heute di« Vorlage über die Zinsfußsenkung in Verhandlung, di« gestern abends von den zuständigen Ausschüssen mit den von uns bereits gemeldeten Aenderungen genehmigt worden war. Es bestand ursprünglich die Absicht, heut§ die Debatte zu beenden und auch die Abstimmung durchzuführen. Davon kam man jedoch wieder ab, weil noch über den 8 19 Verhandlungen in Gang kamen, die heute noch nicht abgeschlossen werd:« konnten. Der tz IS sieht ein Verbot der Errichtung neuer Geldanstalten, bezw. von Filialen, Neben- und Zahlstellen bereits bestehender Institute bis Ende 1934 dor. Die Tschechischflerikalen verlangen jedoch eine Ausnahme von diesem Verbot für gewisse kleine Kassen auf dem Lande. Im Siebe- nr-rausschuß soll ein« entsprechende Neuformulierung bereits gefunden sein, doch hat die Regierung bisher noch nicht ihre Zustimmung gegeben. Die heutige Debatte wurde ausschließlich von der Opposition bestritten. Während Dr. Keibl lD.-Nat.) den Gesetzentwurf ablehnte, weil er un- Seeignet sei, der Wirtschaft zu helfen, erklärte der Christlichsoziale Z a j i e e k, daß. seine Partei für die Vorlage stimmen werde, trotzdem sie der Regierung leider nicht zutrauen könne, daß sie das Zinsfußproblem meistern werde. Nach einer hochgelehrten Rede des Herrn Geyer(Nat.-Soz), der für die Einführung des„F r e i g e I d e s" und dessen Zulasiung wenigstens im Bereiche der Gemeinden und Notstandsbezirke eintrat, sprach och Dr. Rosche (AWG.), der zunächst gegen die Konfiskation einer Reihe v.on Blättern wegen der Wiedergabe einiger besonders kräftiger(erst sehr spät zensurierter) Stellen aus den gestrigen Reden der Hakenkreuzler protestierte. Die Zinsfußsrage laste sich nach seiner Auffassung überhaupt nicht auf normativem Wege regeln; das Gesetz sei in dieser Form ein Schlag ins Wasser; sein Schaden werde wahrscheilich größer sein als der Nutzen. Nach der Red« des Ungarisch-Nationalen Dr. T ö r k ö l y, der u a. gegen die Auflösung der Stadt- dertretung von KeSmark protestierte und erklärte, baß diese nur deshalb erfolgt sei, um die llnabhän- Sizkeit der dortigen Deutschen zu brechen, wurde die weitere Debatte auf Dienstag, den 28. Feber, » Uhr nachmittags, vertagt. Genf, 24. Feber.(Tsch. P-B.) Di« außer- ordentlich« Völkcrbundversammlung trat heut« vormittag zusammen, um ihre letzten Entscheidungen im chinesisch-japanische« Konflikt zu treffe«. Der Präsident erteilte zuerst dem Vertreter Chinas, Botschafter Dr. Jen, das Wort. Botschafter Dr. Den fühlte auS, er ergreife mit einem Gefühl der Erleichterung das Wort, weil der Völkerbund jetzt endlich dazu gekommen sei, die Verletzung des Völkerbundpaktes, die durch ein hervorragendes Mitglied des Völkerbundes begangen worden sei, zu verurteilen. Er wies darauf hin, daß in dem Bericht des Neunzehnerausschustes die Mandschurei als ein i n t e g r i e r e n d e r B e st a n d- t e i l Chinas anerkannt werde. Die chinesische Delegation stelle mit besonderer Genugtuung fest, daß der Völkerbund in der Frage der Nichtanerkennung des neuen Mandschureistaates fest bleibe. Der Vertreter Japans Matsuoka hoch in einer einstündigen Rede neuerlich alle Prinzipien der japanischen Politik in China und in der Mandschurei hervor und behauptete insbesondere» daß das japanische Streben nach Beilegung des Konfliktes gescheitert sei. Die mandschurische Frage sei für das japanische Volk eine Lebensfrage. Der Bericht der Lhttonkom- mission ist oberflächlich. Japan war immer in der Mandschurei ein wichtiger Fqktor d?r Zivilisation und Stabilisation. China muß nach japanischer Ansicht eine wirksame internationale Kontrolle bekommen. Japan stellt sich gegen jeden Versuch, in der Mandschurei eine internationale Autorität zu schaffen. Matsuoka lehnte den Bericht des Neunzehnerausschusses entschieden ab. In die Debatte griffen bloß drei Delegierte ein, u. zw. die Vertreter Litauens, Kana- oas und Venezuelas. Di« Wirtschaftskrise in ihren bisher noch nicht dagewesenen Ausmaßen und di« damit verbundene Massenarbeitslosigkeit erfüllt dr« ganze Bevölkerung, vor allem aber di« arbeitenden Schichten, mit schwerster Sorg«. Es gilt vor allem, Arbeit zu schalsten. Der bereits«iugebracht« Antrag auf Einführung der 40-Stundenwoche, das einzig« Mittel zur wenigstens teilweisen Behebung der Ar- beirSlosigkeit, wird aber von den bürgerlichen Parteien bekämpft, und wenn man di« Gegner darnach fragt, wie st« sich di« Lösung dieses Problems darstellen, jo bleiben sie di« A n tw o rt schuldig. Beim„Mißbrauch" der Arbeitslosenunterstützung macht man aus Einzerfällen groß« Sensationen und vergißt, daß er sich auch hier um notleidend« und verzweifelt« Menschen handelt, di« di« 10- oder 29-Kronen-Karten vielleicht manchmal irrtümlicherweise bekommen, di« ja tatsächlich notleidend sind! Nicht unerwähnt bleiben können ferner die agrarischen Zukünstswünsch« der Herren ä la Win- dirsch und Genossen. M« gehen dahin, sogar den Abbau der derzeitigen sozialen Fürsorge, die Einschränkung der so kärglichen Arbeitslosenunterstützung und di« Verschlechterung des Gemeindewahlgesetzes zu sordcrn. Da kommt im Abgeordnetenhaus Herr Dubieky und plädiert für die Nobel- Kurz vorher hatte sich auch genösse Inst mit den Auswirkungen der Krise auf die Arbeiterklasse befaßt und darauf verwiesen, daß di« Entlassungen und Betriebseinschrankungen immer noch weitergehen. Leider ist es so, daß für daS Geld der Arbeitslosen bei den bürgerliche» Parteien sehr weng Ber- ständn s vorhanden ist und der sozialpolitischen Gesetzgebung von dieser Seite die größten Schwierigkeiten bereitet werden. Bor allem den Saisonarbeitern ist man nicht gut gesinnt. Als Beweis, wie es dieser Kategorie von Arbeitern tatsächlich geht, führt Redner«in« Statistik von 463 gelernten Bauarbeitern in Roavost-Böhmen im Jahr« 1932 an. Bon ihnen arbeitete« 192 weniger als 16 Wochen, 171 weniger als 24, 177 weniger als 32 Wochen und nur 13 Arbeiter hatten das ganze Jahr über Arbeit. Natürlich find auch die Löhne so gering, daß eine Familie keinesfalls das gan« Jahr davon leben kann. Die(auf das ganz« Jahr aufgete.ltru) Durchschuittslohu« pro Bei der Abstimmung waren 44 Staate« vertreten. 42 Staaten sprachen sich für den Bericht und die darin enthaltenen Empfehlungen aus. Ein Staat— Siam— enthielt sich bet Stimme und Japan lehnt« den Bericht und di« Empfehlungen ab. Präsident HvmanS erklärte nach der Abstimmung, daß der B«richt einmütig angenommen wurde. Der Dertret:r der japanischen Regierung Matsuoka erklärte dann unter Grabesstille und größter Spannung der ganzen Versammlung; daß Japan trotz der Ungerechtigkeit, die ihm als altem und verdienten Völketbundsmit- glled zuteil wurde, die Festigung des Friedens im Fernen Osten und der Zusammenarbeit mit den übrigen Staaten fortsetzen wird. Die allaemein erwartet« Ankündigung der japanischen Delegation, daß Japan aus d«m Völkerbund« austreten werde, ist somit nicht erfolgt. Japans Vormarsdi beginnt Peking, 24. Feber. Mandschurische Streit- kraft« des Generals Tschangheipeng marschierte« heute mittag in di« Stadt Kail««in. Kail« ist einer der wichtigsten strategischen Punkt« im Nordosten der Provinz Dschehol. Der Ei«» nahm« ging ei« starke- Flugzeugbombardement voran-. Die angreifende Infanterie wurde von Tanks und Flugzeugen unterstützt. Gleichzeitig wurde« T s ch n s ch ä n und T s ch j a m a n von den japanischen Truppen angegriffen. Alle dies« Ort« sind militärisch befestigt. Rach chinesischen Angaben sind den japanische« Fliegerangriffe« zahlreiche Zivilpersonen de« Bomben z« m Opfer gefallen. Wie au- Tnngliau in der Mandschurei gemeldet wird, ist der General Tschangheipeng, der Flügeladjutant des Kaisers Puyi und Leiter de» ExekutivratS von Mandschukno, zum obersten Befehlshaber der Streitkräfte ernannt worden. Budgetannahme im Senat. Prag, 24. Feber. Rach viertägiger Debatte, Vorlage soll bereit» mit 1. März in Geltung in der außer dem Referenten noch weiter« 73 trete«. Die nächst« Sitzung ward« für Mitt- Senatoren und ein Minister gesprochen hatte«, w o ch, den 28. Feber, nachmsttagS anberaumt, wurde heut« abend» gegen 9 Uhr der StaatSvor.| b(t Debatte sprachen gestern von unserer -«schlag in der Fasiung d«S«bgttrdnetenhaus-S^onMtBlSSÄ Justu^veut.t Glühlampen st euer in Verhandlung gezo- geben,«ud heut« Geuosir Rehl, desien Rede gen und spät«acht» verabschiedet. Luch dies« wir«och Nachträgen werden. Gen0886 Beutel:.*•>>*.•••<-■•.■-•:-? a Arbeltsbeschaffung die erste Aufgabe! Die„hohen“ Löhne der Bauarbeiter. lierung, das heißt, bei ihm„grundsätzliche Verschlechterung" der Krankenversicherung di« Leistungen der Krankenversicherung müßten„um- gebaut", d. h. verschlechtert werden, während man dafür di« Altersversicherung verbessern „tönntA Auch bei uns müßte sich nach Tubicky der Grundsatz durchsetzen, daß wir in der Sozialpolitik nur so vrel haben können, als sich daS Volk durch „gemeinsame" Arbeit verdien«. Und so etwas sagt man in einer Zeit, wo niemand Arbeit schassen kann! Richt Lesser benehmen sich in anderer Hinsicht die Christlichsozialen, di« bezüglich der Schul- autonomie in ihrem Hasse gegen jeden derartigen Fortschritt schon nicht mehr wißen, was di« dem Schulminister antun sollen. Schon di« Untevbrer- tung der Bovlagen zur öffentlichen Diskussion regt di« bürgerlichen Parteien aus. Aber mit dem Ausgraben der Streitaxt und der Herbeiführung eines förmlichen Kulturkampfes ist nichts getan! Das Wichtigste, daS wir brauchen, ist Arbeit. Ohne di« 40-Stundenwoche gibt eS derzeit keinen Weg zur Linderung der Rot. Wenn ernster Wille vorhanden ist und neben der Ziusfußherabsehung durch Ausschreibung einer Invest i- tionsanleih« Arbeit geschaffen wird, daun werde« wir den langen Leidensweg zu einer etwas besseren Zukunft abkürz«« und unser« Pflicht nach Kräfte« erfüllt haben!(Beifall.) Woche betrugen bei den 102 Angehörigen der erste« Grupp« 65 K, bei den Arbeitern mit einer Beschäftigung zwischen 16 und 24 Wochen 97 K, bei den 177 Arbeitern der dritten Grupp« 129 K und stieg nur bei den 13 ganzjährig beschLftigten Arbeitern auf 192 X pro Woche. Davon find jedoch noch die Sozi^lversicherungslasten in Abzug zu bringen! Früher hat d«r Bauarbeiter für den Winter eher noch«in« Arbeit finde« können, heut« ist das Völl g ansgeschlofirn! Wo find also hier die „hohen Löhne" der Bauarbeiter, di« der staatlich,» Bürokratie immer wieder Anlaß zu der Behauptung gebe», daß der Bauarbeiter i« der Wintersaison kein« Unterstützung, weder nach dem Genter System, noch in Form einer Ernährnngskart« erhalte« soll? Auch der Hinweis, daß di« Bauarbeiter zumeist Häusler und Kleinbauern seien, ist nicht gerechtfertigt. Bon den erwähnten 463 Bauarbeitern haben nur 151 einen kleinen eigenen Besitz, 312 dagegen sind Mieter. Es hat also keineswegs jeder Bauarbeier seine Kuh, sein Stück Feld und im Winter sein Schwein zum Schlachten. Wie Millionen waschbereiter Hände Millionen Sauerstoffbläs- chen— sacke» einzelne Ihr Helfer—treiben die Rodion- Lösung durch das Gewebe, So wird die Wösche— ohne Ihrer Hönde Arbeit— gründ* lieh und schonend In 15 Minuten gewaschen, wenn Sie ständig Rodion verwenden. «.tws» Redner fordert weiters, daß sich die staatlichen Organe in der heutgen Notzeit mehr denn je um die Einhaltung der gesetzlichen Arbeitszeit kümmern. Ein schreiendes Unrecht ist es auch, daß die Land- und Forstarbeiter aus der Unfallversicherung ausgeschlossen sind. Mit d esem Privileg der Agrarier, di« keine Unfallsprämien zu bezahlen brauchen, muß auch einmal aufgeräumt werden! Bei der Einführung der Heilfürsorg« für di« Arbeitslosen unternahm unsere Partei in Braunau den Versuch, auch di« Ueberalterten, die die Rente vom Staat bez ehen, und die S 0 z i a l v e r- sicherungSrenlner in die Heilfürsorge einzubeziehen. Di« Aerzt« verhielten sich dagegen jedoch ablehnend mit der Begründung, daß dieS Iache des Staates s«:. Tatsächlich müßte die Frag« der Heilfürsorge für di«se beiden Kategorien von Staats wegen ähnlich gelöst werden wie bei den Rentnern der Pensionsanstalt. Zum Schluß schildert Redner die traurigen Ber- hältnisse der Bevölkerung im Adlergebirge, daS seit jeher ein Notstandsgebiet, war, und bemän- gelt, daß man bei den Behörden bei Interventionen meist nur taub« Ohren findet. Di« in der Debatte von agrarischer Seite geäußert« Meinung, es wären in terLandwivtschafl''noch vieleÄrbeiisst eilen zu besehen,'trifft leider nicht zu. Ein großer Teil der lantwirischoktlichen Arbeiter wird ja während des Wintens nach entlasten! Einigermaßen Abhilfe der furchtbaren Arbeitslosigkeit kann nur die endlich« Verwirklichung der Arbeitszeitverkürzung bringen!(Beifall.) Ndhrlsdbsdilcslsdicr Landesaussdieß Landesvertretung am 21. März 1933. Brün», 24. Feber. In der heut« abgehaltenen Sitzung des mährisch-schlesischen Landesaus- schusses wurde bekanntgegeben, daß zu Beginn nächster Woche die schlesische Kommission, die Finanz- und soziale Gesundheitskommiffion einberufen wird. In den Sitzungen dieser Kommissionen sollen die für die Frühjahrsession der Landesvertretung, die für d«n 21. März einberufen wird, bestimmten Vorlagen durchberaten werden. In der Sitzung wurden mehrere Jahresabschlüsse und Anleihen der einzelnen Gemeinden und Bezirke beraten. Weiter» wurden 81 Gemeindevoranschläge beraten und di« Richtlinien für die Verteilung des Landesbeitrages für finanziell schwache Gemeinden für das Jahr 1933 be- 'chlossen. Bisher wurden dem Landesausschuß 1545 Gemeindevoranschläge vorgelegt. Bon diesen sind 677 Voranschläge, die keinen Abgang aufweisen und auf eine Zuweisung aus dem Landesfonds nicht angewiesen sind, 868 Gemeinden haben um den Landesbeitrag in der Höhe von 97 Millionen K<5 angesucht. Bei der Beratung der Gemeindevoranschlage wurde 163 Gemeinden der Landesbeitrag nicht zuerkannt. Bisher wurden 668 Voranschläge mit einem Abgang von 36.8 Millionen Kö genehmigt. Weiters wurden in der Sitzung eine Reihe von laufenden Angelegenheiten erledigt. Politischer Zusammenstoß In Bulgarien. Sofia, 24. Feber.(Ts.ch. P.-B.) Gestern abends wurden bei einem Zusammenstoß zwischen Michailow- und Protogcrow-Auhängern in einem der größten Stadtviertel von Sofia zwei Micha!« low-Anhänger erschossen und zwei Protogerowi- sten verletzt., Verbotene Sdieldemonn- Versammlung. Essen, 23. Feber.(Tsch. P.-B.) Di« für Heu» abends im Zirkus Hagenbeck vorgesehene Wahlversammlung der SPD, in der Scheidemann sprechen sollte, ist eine Stunde vor Beginn wegen unmittelbarer Gefahr der Störung der öffent- I lichen Sicherheit polizeilich verboten worden. Seite 4 Samstag, 28. Fever 1988 Jtt. 48 kMsässöabc Tagesneuigkeiten das Ge- KIDerloV beim kislaufeu. Kirchlinde(Westfalen), 23. Fetzer. Auf einem Teich in der Nähe der Emscher-Lippe-Bahn brachen drei Kinder beim Eisläufen ein und versanken. Ein zwölfjähriger Knabe wurde gerettet. Die beide» ander« Kinder sirch ertrunken. naKenKreuzkrawallc In Oesterreldi. Wie«, 24. Feber.(Tsch. P.-B.) Gestern ereigneten sich in Wien und Umgebung neuerlich schwer« Zusammenstöße zwischen Nationalsozialisten und deren politischen Gegnern. So drang im zehnten Wiener Bezirke eine nationalsozialistische^ Propagandaabteilung in ein GemeindezinshauS ein, wo sie mit„Heil Hitcr"- Nufen einen Zusammenstoß mit sozialdemokra- tischen Mietern heraufbeschwor. Hiebei wurden etwa 20 bis 25 Nationalsozialisten arg verprügelt; acht von ihnen erlitten Verletzungen. In Liesing kam es ebenfalls zu einem argen Zusammenstoß zwischen sozialdemokratischen Arbeitslosen und Nationalsozialisten. In AtzgerSdors ereignet« sich eine schwere Prügelei zwischen Nationalsozialisten und Kommunisten. In Wiener Neustadt versucht««in nationalsozialistischer Sturmtrupp in eine christlichsoziale Gewerbetreibenden-Bersammlung einzudringen. Di« Eindringling« wurden aus di« Straße hinansgeprügclt. Dabei wurden mehrer« der Eindringlinge verletzt, andere wiederum in Haft genommen- Travnikek und Hrdlikka als Entlastungszeugen für die ausgelieferten Naziteutonen! Die Vorstellung von dem, was an Unlogik, Dummheit und frivoler Skrupellosigkeit, gepaart mit heroischem Mut, in einem Hakenkreuzhirn sich absvielen mag, wiriü immer wieder von der Wirklichkeit übertroffen. Da sprach am Donnerstag im Prager Parlament unter anderen auch der deutsche Ratio- nalsozialist Schubert, den'S auch erwischt hat, über seine eiaene engelhafte Unschuld und die abgrirndliefe Verlogenheit der Anklageschrift. Und damit man nur erkenne, daß er über dem braunen Hemd eine fleckenlose Weib« Weste trage, gab er— oh rührende teutsche Einfalt!— den lauschenden Dopvel- Teutschen und Doppel-Tschechen folgende Tatsachen zum Besten, die, obwohl sie von einem Hakenkreuzler vorgebracht wurden(und in diesem Falle gerade deswegen) von keinem Menschen bezweifelt werden dürsten: Durch den B olk Ssp o rtve rb a nd, so sagte Herr Schubert, „ist nicht ein einziaer Gamaschen- knopfvonDeutschland bezogen worden; die Bezugsquellen sind vielmehr die Firmen Korwaczek in Leitmeritz, Hube t s ch e k in Joqsdork. S ch e st a k in Brünn. Hrdllöka in Mistel und Trav- «i L e k in Troppau". Da legst dich nieder und stehst erst wieder auf, bis Jung und Gajda das Dritte Reich auch in der Tschechoslowakei endgültig aufgerichtet haben! So sehr ist dem Schubert das treudeutsche Herz in die Hosen gefallen und hat dann die eben nicht aus Deutschland stammenden Gamaschenknöpfe gesprengt, daß er sich und die Seinen offenherzigst blamierte, nur um den Nationalisten von der anderen Couleur ein wenig Dankbarkeit, Wohlw llen und Mitleid abzüringen. Was aber sogt die Dergarbeiter-od. Essen, 23. Feber. Am Untertagsbau der Zeche„Graf Beust" ging, eine Streck« zu Bruch. Drei Arbeiter wurden verschüttet. Zwei sind tot, der dritte hat leichte Verletzungen erlitten. Der Rückgang des Exporte- von Glas betrug im Iah« 1932 gegenüber dem Jahre 1921 70.52 flmimiinnmHminiiiunniiiiiBiiniiiiiiiHniiiffiiinninniBmaiiiinnnnnninniHiunimniiniinuiiiinnninnnmniHiiniiiiniinniinimiiiiinininHnuiinniiniiinmiiniuiitoniiuiiiniiimiimmnnnn mit den Ergebnissen der Rcldistagswahl geben wir am Montag, den 0. Man mit dem Kopf „Sozialdemokrat“ zum Preise von JO Heller heraus. Das b att wird in den- ersten Morgenstunden in den Orten sein. Bestellungen sind rechtzeitig an die Verwaltung unseres Blattes zn richten Die Glasindustrie ist von den Export» induftrien ein« derjenigen, di« durch di« Wirt- schaft-kvise in den letzten drei Jahren am härtesten betroffen wurde. In nachstehenden Zahlen, di« dem„GlaS- und Keramarbeiter" entnommen find, soll di« geradezu erschreckende Situation in der Glasindustrie dargelegt werden: Dir gesamle Glasindustrie der Tschechoflo- wakei hat in normalen Zeiten rund 100.000 Menschen Brot und Arbeit verschafft. Bis End« dieses Jahre- hat die LrbeitS- losigkeil einen solchen Umfang angenommeu, daß kaum 20 Prozent dar Fabriken noch ar. denen. Di« Arbeitslosigkeit in der«samten Glasindustrie betrug End« JLun«r 1933 756 von je 1000 Beschäftigten, das find 75.6 Prozent. Bon de» 30.000 HüttenglaSartzeitern in NoH- und Nordwestböhmen sind allein 26.600 arbeitslos. In den übrigen Gebieten der Glasindustrie Mittel-, Süd«, Ost« und WestböhmenS, Mährens und der Slowakei ist die Arbeitslosigkeit in demselben Umfang« vorhanden. In der Heimglasindustrie ist jedoch di« Arbeitslosigkeit beinah« vollständig, was geradezu erschreckend wirkt. Jene Glasarbeiter, di« noch überhaupt«in« Beschäftigung haben, arbeiten im besten Fall« 24 Stunden di« Woche, in Ausnahmefällen 32 bis 40 Stunden die Woche. Der Niedergang der Glasindustrie zeigt sich am deutlichsten in dem Wert der Ausfuhr. Dieser Am Führerstarrd durch Herzschlag gelötet. Allenstein, 24. Feber. Auf der Lokomotive deS von Berlin kommenden v- Z u g e s brach kurz nach der Abfahrt von Deuti'ch-Eylau der Lokomotivführer auf dem Führerstand infolge eines Herzschlages tot zusammen. Der di«n st habende Heizer sprang sofort hinzu und führtedenZngin lanrnamer Fahrt nach Osterode. kermak im Sterben? Miami, 24. Feber.(Reuter.) Heute früh versammelte sich di« ganze Familie der Chicagoer Bürgermeister» Ceimaf im Krankenhaus, doch wurden die einzelnen Familienmitglieder nur einer nach dem anderen zu dem Schwerkranken vorgelassen. Später erschien auch«in Priester im Krankenhaus, der sich lange leise mit dem Arzt unterhielt. Zu dem Kranken wurde er aber offenbar nicht zugelaflen. Nm 10 Uhr 30 veröffentlichten di« A«r;t« fol- gendes Kommunique: Die Herztätigkeit ist gerade»ur noch hinreichend und es gab Augenblicke, wo ernste Befürchtungen vor einem plötzlichen Kollaps gehegt wurden. Demgegenüber ist der Blutkreislauf ständig gut und Lungenödem ist fast verschwunden. Der Leibemweg einer Schule- In der Budgetdebatte bracht« Senator nosfe Beutel einen besonders krassen Fall der bewußten Verschleppung dringendster Schul- bedürfnisse der deutschen Minderheit zur Sprache. Nach Liskowitz(KarkShütte) wurden von Rothau deutsche Arbeiter versetzt, die rund IM schulpflichtige Kinder haben. Seit drei Jahren verlangen diese Familien mit vollem Recht für ihre Kinder«ine staatliche deutsche Minderheitsschule. Zunächst galt«S, den Widerstand der Brünner chauvinistischen Landesbürokratie zu überwinden. Nun bat das Schulministerium den Antrag auf Bewilligung dieser Schule gestellt, doch macht aber wieder da» Finanzmini st«rium Schwierigkeiten und will di« Mittel, die überdies ganz gerngsügig sind, nicht bewilligen. So wrd, erklärte Genosse Beutel, direkt nur Wasser auf die Mühle der deutschen Chauvinisten getrieben! Bericht der Nationalbanh. Im JL»n«r weitere Verschlechterung der Lage. Der Bankrat der Tschechoflowakifchrn Natio- ualbank hielt am 24. l. M. seine ordentliche Monatrsttzung ab. Dem vorgebrachten Geschäftsbericht« für den verflossenen Zeitabschnitt entnehmen wir folgendes: Die Weltgekdmärkte behaupten bisher bis aus unbedeutende Satzerhöhungen ihre Flüssigkeit. Di« Weltbors«» schwankten auf dem wenig veränderten Niveau, di« Anlaaemärkte neigten mehr zur Befestigung. Auf den Rohstoff. Märkte« weist di« Preisentwicklung wenig Bewegung auf, die Textilpreif« bröckelten eher ab, di« Metalle behaupteten ihre Teichenz. Die Schwierigkeiten de» internationalen Warenaustausches befinden sich anhaltend im Wachsen, der Umsatz des Welthandels nimmt ab. Auch die Tschechoslowakei wurde von den immer drückenderen Exportschwierigkeiten und dem schleppenden Inkasso für auSgeführte Ware» betroffen. Der Geldmarkt ist ziemlich flüssig, hauptsächlich infolge deS ZuflumS von tn der Erzeugung nicht beschäftigten Mitteln, welche im Hinblick auf ihren Charakter aber bloß kurzfristige Anlagen suchen,«nb zwar hauptsächlich in staatlichen Kassabon». Auf dem Markte der langfristigen Kredite hält die Stagnation an. ES fehlt hier ständig an dem erforderlichen Kreditangebot zu annehmbaren Sätzen. Das Einlagengefchäft weist«her eine mäßige Besseruna aus. Die Prager Börse war bei geringem Geschäft bis tn die erste Feber- Woche ausgeglichen, der Eingriff der Kontremine verursachte eine Senkung de» KurSniveauS. Der Anlagemarkt stabilisiert« sich und ist bei den einzelnen Typen nicht einheitlich. DaS Niveau der Großhandelspreise ist praktisch stabil, die Ber- schiebungen rn den Teilindexen sind bloßgerin- geren Umfanges. Auch im vergangenen Monate machte die Anpassung de» tschechoslowakischen Preisniveaus dem Niveau anderer Staaten keinen Fortschritt. Der Stand der Wintersaat ist im ganzen gut. Di« Beschäftigung der Industrieerzeugung verschlechterte sich im Jänner weiter, die Arbeit-- losenzahlstiegaufdrnbiSherhöchst- verzeichneten Stand. Die Saisoneinstüsse der ersten JahreSmonat« wurden durch di« großen Exportschwierigkeiten ungewöhnlich vermehrt. Die Beschäftigung der auf die Ausfuhr angewiesenen Fabriken litt unter den Absatz», und Jnkassoschwiertakeiten, di« von der Konkurrenz auf dem JnlandSmarkte bei herabgedrückten Preisen noch verstärkt wurden. Der Außenhandel endete im Jänner zwar mit einem lleinen Aktivum, bei jedoch bisher niedrigstem Monatsumsatz. Diese Entwicklung zwingt zur Ueber« Prüfung der Grundlagen der Äusfuhrmöalich- keiten, und zwar sowohl was die Handelspolitik, als auch waS die Konkurrenzfähigkeit unserer Erzeugung anbelangt. Die KrHitgeschäfte der Nationalbank gingen zurück. In dem Devisenvorrat haben sich die Zunahmen mit den Abnahmen regelmäßig ausgeglichen, der Kurs der tschechoflowakifchrn Krone blieb unverändert ruhig. deutsche Oeffentlichkeit zu den Helden auS der Front der erwachenden Sudetendeutschen, die — ,,Deutsche kauft nur bei Deutschen!"— ihre braunen Hemden grundsätzlich nur bei tschechischen Firmen nähen lassen? Und was wiederum sagen di« neunmal geeichten Patenttschechen zu der Hetz, daß ihre TravniLekS und Hrdliökas, ihre Schestaks und Korwaczeks ihr beschauliches Dasein als Jndustrieritier erster Staatsklasse durch Lieferungen an den Volkssport noch beschaulicher machen können? Gibt es einen besseren Anschauungsunterricht über die innere Hohlheit des Chau« nismuS und über die Jnternationalität des Nationalismus als diese friedliche Zusammenarbeit zwischen dem sudetendeutschen FasciS- muS und den Tschechenbourgeois, die jenem die Hemden liefern? Charakterlos bis zum Gamaschenknopf die einen wie die anderen. Ist solch ein Knopf oder Zwickel beim„Erb- Unze bequemer erhältlich, so"sch sie auf alles Nationalqefiihl. Und kann solch ein dop- pelffchechischer Fabrikant ein paar Kronen verdienen, so arbeitete er nicht nur für Tod und Teufel, sondern auch für die hakenkraiclen. Deswegen tönt's dann aus den Braunhemden dennoch restlos überzeugend:„Deutschland erwache!" und di« Hrdliökas und TravniöekS schimpfen dann bei etlichen Glas Pilsner auf die gottverfluchten Deutschen. DaS Ganze nennt man dann— nicht wahr, Herr Abgeordneter Schubert?— unbeirrbare Gesinnung, nie wankenden Mut, unentwegte Komvromiß- losigkeit und nationalsozialistischen Geschmack. Kavalier« mit urdeutschen Strupfen und kerntschechischen Gamaschen! Todesurteil in Mähr.-Oftrau. Der Mörder de- Gendarmen Dyra namens Dzierzawa wurde Freitag nachmittags auf Grund de» Berd.ktes der Mähr.-Oftrauer Geschworenen zum Tode verurteilt. Der Verteidiger meldete di« Nichtigkeitsbeschwerde an. Arbeiterunfall i» den 8kodaw«rk«n. Freitag früh um 6 Uhr 45 wurde in den§ kodawerten der 851ährige Arbeiter Josef Dobry, wohnhaft in Ledce, beim Transport eine» mit Formsand gefüllten Blrchbehälter» im Gewichte von 26 4 von diesem an di« Wand gepreßt und schwer verletzt. Im Krankenhau» wurde festgestellt, daß Dobry schwere Rippenbrüche erlitten hat. Alle« Auwverkehrsgewerbleru zur Beachtung. Der Zentralverdand der AutoverkehrS- aewerbe der Tschechoslowakischen Republik in Prag macht sämliche Autotransportgewerbetreibenden ohne Ausnahme, also sowohl konzessioniert« Gewerbe als auch solch«, welche den Auto- tranSPort bisher nur auf Grund eine» Gewerbescheines ausüben, darauf' aufmerksam, daß st« nach dem geltenden Gesetz über den Verkehr vo« Kraftfahrzeugen verpflichtet sind, di« schriftliche Anmeldung der Fahrzeuge dorzuneh- men, welche sie in ihrem Gewerbe zum Personen- oder Lasttransport verwenden. Die Anmeldungen werden auf eigenen Formularen Vovgenommen, die bei allen Gefällskontrollämtern erhältlich sind. Die nach§ 29 der Reg.-Bdg., Äbs. 2 zur Einbringung- der Anmeldung festgesetzte Frist läuft am 28. Feber l. I. ab. Die zugehörigen Formular« werden jedoch erst in den nächsten Tagen ausgegeben werden. Wir machen auf dies« Vorschrift deshalb aufmerksam, damit di« Auto- transportgewerbetreibenden nicht wegen Fristversäumung durch die Finanzämter verfolgt werden. Falsche Zehnkronenmünzen. In Tkinec uni Umgebung sind in der letzten Zeit gelungen« Fälschungen silberner Jehnkronen-Münzen aufgetaucht, die in Gastwirtschaften und Geschäfte» zur Zahlung verwendet worden waren. Die Gendarmerie hat die Fälscher ermittelt. ES sind dies die drei jungen Metallarbeiter Paul Mirdarz, Karl Raszka und Peter Mrasek, die bei dem Schlosser Boschenek in Ttinec beschäftig« sind. Sie wurden verhaftet und dem Bezirksgericht Teschen eingeliefert. Bei den Hausdurchsuchungen wurden die Metallformen und die Metallegierung aufgefunden, di« zur Herstellung der Fälschungen benützt worden waren. Donandampfer gesunken. Aus Linz wird gemeldet: Der rumänisch« Schleppdampfer „Vintila Bratianu" ist bei der Talfahrt im sogenannten Aschacher Kachlet auf ei'»«» Fels- kogelaufgefahren und leck geworden. Trotz den Bemühungen der Aschacher Feuerwehr und der Besatzung zu Hilfe geeilter Schiffe sowie der Arbeiter der Schiffswerft Linz ist der Dampfer soweit gesunken, daß das Wasser durch die Fenster ins Schiffsinnere dringt. 300 Menschen in einer Berliner Wärmestub« festgenommen. In den gestrigen Morgenstunden wurde von der Kriminalpolizei in Berlin eine Razzia in der Wärmehalle in der Ackerstraßk angesetzt. Die Anwesenden wurden auf ihre Auk- werSpapiete hin geprüft. Etwa 300 Personen mußten zum Polizeipräsidium gebracht werden. Falsch« 100-Tollar-Roten.„New Port TimeS" berichtet: Es wurde feftgestellt, daß 1000 Stück sehr gelungener Falsifikate von 100 Dollar-Noten, die aus Rußland stammen, im Jänner in Chicago in Umlauf gesetzt wurden. Einiap dieser Falsifikate wurden auch in China entdeckt. Die ausländischen Regierungen wurde auf diese Falsifikate aufmerksam gemacht. Wetterbericht. Naturfremrdchauö-lotlendors, 24. Fcber, mittags: 13 Ztm. Schnee(8 Ztm. Neuschnee). minus 6 Kdad, Nordwind mit Schnee« . treten. Ski- und Rodelbahn gut. Die lataftrophale Lage der Masmduftrie. 758 von 1808 arbeitslos. Prozent, gegenüber dem Jahre 1920 55.66 Prozent. Die langandauernde Wirtschafts- und Ab- fatzkris« in der Glasindustrie hat der Gewerk schaftsorganisation ungeheuere Aufgaben auf- erlegt. Die aus dem Gesetze über di« Arbeitslosen unterstützung Hervorgeyende Verpflichtung zur Arbeitslosenunterstützung mit dem Staatsbei- trag«, belastet den Verband der Glas- und Keramarbeiter in einer fast erdrückenden Weise, was au» folgenden Zahlen hervorgeht: Der Verband hatte, vom Jahre 1930 angefrmgen bi» 31. Dezember 1932, 48.172 otnge>w«sene Unterstützungsfälle und zahlte insgesamt an Arbeitslosenunterstützung den Betrag von 29,831.553 Kronen au»., zahlte dar Verband au» eigenen Mitteln feind" um einen Heller billiger und um eim 6,755.928 Kwneu. Der tschechische Verband halt« 40.974 an gewiesen« Fall« und zahlt« 25,842.853 Kronen, hievon aus eigenen Mitteln 5,582.307 Kronen. Im Jänner 1933 zahlte der Verband der GlaS- und Keramarbeiter 3,088.768 Kronen, davon von eigenen Mitteln 784.547 Kronen aus. Di« obgenannten Summen beweisen di« Leistungen d«r„Vereinigten Verbände der Glas arbeiter"«nd sind einer Denkschrift an die Regierung entnommen, die von Vertretern der „Bereinigten Verbände der Glasarbeiter" in Prag überreicht wurde. In dieser Denkschrift wurden auch bestimmte Forderungen zur allge meinen Belebung der Produktion in d«r Glas industrie aufgestellt. Ferner wurden dringende Maßnahmen zur Linderung der Not in den Glasindustriegebieten verlangt sowie die Be dürfnisse der Glasindustrie dargelegt. Mir wollen hoffen, dah die Denkschrift der Verbände die notwendia« Beachtung findet unb iene Maßnabrnen aetroffen werden, die aeeianet sind, einer Industrie, welche 100.000 Menschen beschäftigt« und für den Staat von größter Bedeutung ist, zu helfen. Zapan'sch?« Attentat auf eine sowtet- russische Lusislatteuanlage. Moskau, 24. Feber.(Daß.) Nach Chaba- rowsker MeLungen brach am 19. Jänner l. I. auf Kamtschatka im Gebäude der Ustbo!- scheretzker Basis der Zivilluftflotte«in Brano aus. Durch di« Untersuchung wurd« fest- gestellt, daß der Brand von dem Milizionär Trofimow, der dieses Gebäude zu bewachen hatte, gemeinsam mit einem andern Milizionär namens Prygunow gelegt worden sei. Di« Brandlegung durch die beiden erfolgt« über Wei sung, des Lagerverwalters des lokalen SowjetguteS Seliwanow, der früher Pop« gewesen war. Alle drei bekannten sich im Verlaufe des Verhörs als schuldig und erklärten, sie hätten das Derbr«chen im Auftrage eines ge winn Japaners, namens Kaisawa, der in Ustbolscheretzk lebt, auSgeführt. Der verhaftet« Japaner Kaffawa bestätigte tatsächlich di« Aussagen Seliwanows und der verhafteten Mili zionäre und gestand dabei, daß er von einigen Japanern beauftragt wurd«, soivohl di« Flug zeugbasis Ustbolscheretzk al» auch eine Reib« von anderen Anlagen zu vernichten, di« alle für den Staat große Bedeutung besitzen. Ill betrug in den Jahren Jahr Kron«n 1921 8.072,702.000 1925 1.298,815.000 1929 1.878,500.000 1930 1.154,134.000 1931 974,223.000 1932 611,266.000 Nr. 48 SamStag, 28. Fel« 1938 Seite 5 ihr verzichte auf Ihre weiteren Dienste!" und den eine und zu 20 K. Lob« verschiedene Leiden Auskunft erteilt. Anna, Karlsbad, Haus Britania. Tgbl. vom 29. Dezember 1932„die Im„Gesundheitsdienst"(Erscheinung-. ,-r> B.-L e i P a), Zeitschrift gegen MWände und für Fortschritt im Gesundheitswesen, werden einige Kurpfuscher u. dgl. angeprangert. Es werden u. a. folgende Angaben gemacht: Echel Rudolf, Reichenberg, Lange Gaffe, Eigener Herd", behandelt« zahlreiche.Leute, auch geschlechiSkrank« Frauen. Franz Ernst, Waltersdorf 82, wohnt in Dachsen, ordiniert in Böhm.-Kamnitz und Haida/ übergibt Rezepte auf Mittel der Iso-Werke, Fabrik elektro-koinplex-homöopathischer Mittel, I. Sonntag, Regensburg. Friedmann- Tuherkulofemi ttel. Kurpfusch«rische Propaganda, Annonce:„Lungentuberkulose heilbar, Aufklärung erteilt M. L- Prag- Dmichov.' Vom Antwortenden wird Einsendung von 20 Li verlangt, worauf ihm Injektionen mit dem Friodmannmittel empfohlen werden. Kezn- AloiS, Aussig-Kleische, Louisenweg 23, versendet Broschüren über Kezn^s Naturheil- mechoden. Teillichtbäder, Doppelwechselstrommaffage, Bibrationsmaffage. ,^Kr«bS und Tuberkulose haben vor der KeznF-Methode kapitulieren muffen." Kezn^ betrieb früher in Augsburg«in Naturheilinsütnt, später in Aussig, Lange Gaffe 37, ein Massage- Institut. Di« Bezirksbehövd« Aussig hat ihm mit Zahl 38201/31 di« Verwendung von Apparaten zum Elektrisieren, Kombinationen von' Galvanischen- und Farradischen-Elementen und Behandeln mit elektrischen Lichtbädern verboten. Hoschek Johann, Milenovice, Post Likenice. Groß« KurpfuscheHraxiS. Einreibungen mit einer nach Terpentin riechenden Flüssigkeit, auch bei Schlaganfällen und inneren Krankheiten. Verhindert di« Erkrankten, sich in ärztlich« Behandlung zu begeben. Jllner I. R., Weipert-Bärenstein, hat seinen Wohnsitz über di« Grenze verlegt. Preist in Annoncen Heilung von Tripper, Weißfluß, Gicht und Blasenleiden in kürzester Zeit an. Auch verkauft er Periodenmittel zum Preis« von 80 Li. Neumann Wilhelmine, Trautenau, Gabelsbergevstraße 5, bot in Zeitungsannoncen(Prg. Tgbl. vom 8. Jänner 1933) Geschlechtskranken Ausklärung über Hausmittel an. Verlangt dafür 26 K Nachnahme. Schröter Gotthardt, Warmbrunn. Divi- gebracht, weist alle- entschiede« zurück. Wie Herr Kubasser nun steht, daß alle seine Mühe umsonst ist, schreit er wütend:„Wenn Sie sich nicht nach meinen Wünschen richten wollen, können Sie gehen! Ueherlogen Sie sichs!" Elli erwidert, daß sie gerne jede verlangte Arbeit verrichte, aber daß sie ihm diese Wünsche nicht erfüllen könne.„Wie Sie wollen," sagt der Chef grollend:„Ich bezahle Ihnen den Monat aus. und verzichte auf Ihre weiteren Dienste!" Nun war man aljp mal wieder ohne Arbeit und den Grund ihrer Entlassung wird Elli Weigend, Retchenberg Gutenbergstraß« 9, durch welchen dip Medikament« und Flugschriften gehen. Di« Polizeidirektion Reichenberg hat unter Lj. 52306- 1932»W«13«16 vom 4. Jänner 1883«ine Untersuchung eingeleitet. Skudl Wenzel, Turn-Toplitz,Andreas Hoferstraß« 1083, versendet FluMettel: Kostenlos« Auskunft über Blasen-, Nieren-, Frauenleiden, Weiß- .fluß, Bandwurm ufw." Verlangt für Blutreini- gungstec Pro Paket 40 K. Tomandl Josef, Rudelsdorf, Post Brüx. Annoncen.„Sind Sie krank, schreiben Sie mir, an was Sie leiden, ich sende Ihnen Prospekte." Darin werde« Teasorten der Firma Hiller empfohlen.. Weiter gegen Ausbleiben der Regel P. M., gegen Weißfluß das Präparat Fluoracid zu 41 K und Weißflußpillen wird schriftlich Sak f« r Inserat« Prg., Schirmkreiskette, das Ergebnis streng wissenschaftlicher Forschungen, ist die Heilkett« für jedermann, schützt vor Weltraum- Erd- und Wasserstrahlen. SchirmkreiAette heilt Rheuma. Gicht, Ischias, Darmleiden, Stuhlträgheit nfw. von 38 bis 78 K. Die Dummen werden nicht all«. BaSdien E. Jng., Dombrau 476, Schlesien. Inserate:„Rheuma, Gicht, JSchiaS durch HauSkuren heilbar. Schicksal« und LebenSberatung gegen 20 kl." Sendet auf Anfrage«inen Fragebogen, welcher genaue Fragen nach den Krankheitszeichen und der ärztlichen Diagnose enthält.„Meine Methode besteht auS ungiftigen Naturheilmitteln und eine Diätvorschrift, in zweiter Linie Originalheilmitteln der Homöopathie, welche Sie direkt beziehen werden." Preis der Mittel 40 K.— Di« Technik ist nicht di« greignete Anstalt für Ueibermittlung von Heil- kenntniffen. DaS ist nur«in kurzer Auszug aus einer langen List«. Diele Dutzende Leut« leben durch Ausnützung der leidenden Menschen offenbar recht gut. Die oft unbegreifliche Scheu, zum Arzt zu gehen oder der Glaube, billiger durch„Wunderdoktoren' wieder her« gestellt zu werden, verschafft derartigen Spekulanten oft einen unglaublich großen Zulauf. ES liegt natürlich auch an den Aerzten selbst, durch Entgegenkommen und Aufbietung aller Kunst dar Kurpfuschertum zu bekämpfen. Der Chef. Eine wahre Begebenheit, erzählt do« C. Sch. Elli studiert eifrig den Stellenanzeiger der Morgenzeitung. Das tut sie nun schon lange jeden Tag: immer mit der Hoffnung, beute bestimmt Glück zu haben. Plötzlich bleibt Blick an einem kleinen Inserat hängen: In Teppich-Ausstellung, junges Frau- Ei lein, franz, sprechend, gesucht. Sich vor. zu stellen zw. 8—9 Uhr. Hotel Metropole, Zimmer 24. Elli schaut auf die Uhr; cS ist bereits acht Heiterer. Anzüglich. Hitler und sein Parteigenoffe Goebbels 'iatketen dieser Tage dein„Deutschen Schauspielhaus' einen Besuch ab. „Programm angenehm?" fragte der Billetteur „Du", flüsterte Hitler seinem Begleiter zu,„mir scheint, der will uns f r o z z e l n." („Götz von Berlichingen.') piche zu sehen. Es wäre ihm nun lehr lieb, wenn' das Fräulein Elli zu besagter Kundin fahren würde, um das Geld zu beheben oder die Ware znrückzubringen. Es wäre nun allerdings nicht möglich, das alles in einem Tage zu besorgen und es werde wohl nötig sein, daß Fräulein EUi eine Nacht in Bern zubringt. Es war« ihm damit ein großer Dienst erwiesen, da. er jetzt während der Ausstellung unmöglich. persönlich abkommen könne. Nach einigem Hin. und Her gibt die Mutter ihre Zustimmung:- höchlichst befriedigt, daß der Herr Chef soviel Vertrauen in chre Tochter setze. Kaum-ist aber hie gute Frau zur Ture hinaus, setzt., der ehrenwerte Herr Chef Elli auseinander, daß. die^Refse nach Bern nur ein Vorwand sei, um sie eine ganze Nacht für sich zu haben. Nun ist Elli in die Enge getrieben, nun heißt es, sich entscheiden^ Es ist nicht einmal Zorn in ihr: sie ist. noch immer so durchdrungen von der Herzensgute aller sogenannten besseren Leute, daß sie die große Gemeinheit, den Mißbrauch der Macht, die ihr Vorgesetzter nun einmal über sie hat, nicht einmal erkennt. Sie hofft noch immer, ihn von seinen Gelüsten abzubringen, indem sie ihm ruhig und bestimmt anseknanderfetzt, daß sie ihre Eltern nicht so hintergehen könne/ Ihrs Widerstand scheint ihn aber nur noch zu reizen und er versucht es nun mit lockenden Berspre-- chungen. Er werde ihr eine Filiale einrichten, wo sie schön verdienen könne und werde sie nur einmal im Monat besuchen. Elli, nun doch auf- iiii!iiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiniiii!iiiiifiiniiiiHiiitiiiiiiiu)iiiÄiiiiiiiitiiiiiiii[iii(iiiiiiii{iiiiiiiininiiiiiiiiiniiniiiiHiifnniiiinniniinniniiiiiniiiHniiiii]iiiiiiiiniiiiiiiuiiiiiniiiiiiiiiuiii]iiiniiiniiiniiniiiHi.iin Kurpfuscher und anderes Volk Man spekuliert in Sand. Von Erna Büsing. Plötzlich und unerwartet lernte ich ihn treulichst kennen, ihn, den Mann, der di« Sahara kennt. Er ist kein Forscher, der, von den Tuaregs, den schwarz verschleierten Herren der Wüste, gejagt wurde und der um sein Leben hetzte wie ein angeschossenes Wild- Er ist auch nicht ein, zureihcn in di« Gilde der Reisenden, die sich Mühselig durch den ewigen Durst der Wüste schleppten und in einer Oasenniederlassung gierig Kamelfleisch samt Fliegen verschlangen, nur um durch den Magen ihrem Körper neue Säfte zuzuführen. Er hat weder Durst noch Hunger, weder Sonnenbrand noch empfindliche Nachtkühle ver- fpürt, er hat nicht aus einem langsam und qualvoll verendenden Kamel das Merletzte heraus- gepreßt, um ein Ziel zu erreichen. Er verzichtete «uf keine Bequemlichkeit und er ist doch einer der Herren der Wüste. Er hat keine Augen, die Jtt ihren Blicken denen der Adler gleichen, sein Gesicht ist nicht von Sorgenfalten zermürbt und stin« Gestalt ist nicht hager und wird von keiner Haut umschlossen, die wst schlecht gegerbtes Leder dveinschaur. Er hat_ einen wohlgepflegten Bauch, stin« Haut ist glänzend schmierig und seine «lugen sind klein und listig. Sein Körper ist kaum ^ner Anstrengung fähig und doch kennt er die Sahara, als ob er an Hand von Generalstabskarten sie ein paarmal auf- und abmarschiert sei. Sein schäbiger Spekulantencharakter entdeckte di« Wüste, als Haardt-Dubruil sich mit den Raupenautomobilen durch die Sahara quälten. Hinter diesen beiden Pionieren stand da Mais die französische Regierung samt ihrer Militärmacht und ihrer Organisationsfähigkeit. Ueberall waren Posten aufgestellt, allerorts nahm man die Pioniere in Empfang und leitete ste weiter und sicher durch die Wüste. Sie erreichten ihr Ziel. Der eine der Raupenwagen, Sonnenkäfer mit Namen, gilt als französisches Heiligtum, und Haardt und Dubruil galten als die Vorläufer der Trans-Sahara-Bahn. Der Spekulant ließ ohne Neid der Nation hen Rausch der Begeisterung, blieb aber hellhörig und sann für sich auf ein solides Geschäft. Und seine Erfolgsaussichten stiegen. Man baust an der Trans-Sahara-Bahn, man schuftete; es verkamen Menschen tn Sonne und Sand. Ein menschliches Wesen kann viel, aber ohne Feuchtigkeit kann es nicht leben. Es regnete nicht in der Sahara. Es regnete seit acht Jahren nicht mehr in der Sahara. Sie muß vergessen worden sein von den Trögern des Systems, das Sonne, Fixsterne und Planeten zusammenhält. Die Sahara war einst ein Meer. Sein Salzgehalt liegt jetzt auf der Erde, ist die scheinbar schwitzende Kruste des Wüstensandes. Man grub und grub im Sand und man stieß auf Salz. Es steigerte den Durst der Menschen. Es kommt kein bindendes, kein besänftigendes Naß. der Sand nimmt zu, die Stürme sausen. Aus sich heraus zerfällt der Sand, türmt sich zu allmächtigen Wänden auf, sinkt wieder in sich zusammen und durchrieselt den ganzen Dunstkreis der Sahara'in feinen Winden. In der Sahara ist das Leben einer Palme wichtiger als das Leben eines Menschen. In der zu Hause gar nicht erzählen. Sie würde sich schämen vor den Eltern. Sie wird schon wieder etwas anderes finden: sie ist noch jung und voller Zuversicht. Und der Herr Kubasser wird bestimmt genug andere bekommen, die sich Luxus, wegen einer solchen Kleinigkeit Dstlle zu verlaffen, nicht leisten können auShalten müssen um jeden Preis. sicher sind schon viele dort, die früher aufge» standen sind. Schnell nimmt sie Hut und Jacke «nd macht sich erlig auf den Weg. Hotel Metro pole, Zimmer 24. Ein älterer Herr öffnet, er sttricht kein Wort deutsch. Höflich lädt er Elli em, Platz zu nehmen; sieht chre Zeugnisse durch «nd schaut ihr dann prüfend ins Gesicht.„Sie sind die Zwetunddreißigste, die sich meldet. Aber Sie gefallen mir. Setzen Sie sich zu mir aufs Sofa: wir wollen den Vertrag aufletzen." Er setzt sich, nach Ellis Empfinden, ein bißchen zu nahe an sie heran, schiebt ihr Papier und Feder zu und legt seine Hand wie unabsichtlich aus ihren Arm. Er diktiert ihr nun den im ganze» günstige« Vertrag; die einzige unangenehme Bedingung ist die, daß Elli das Mittagessen jeweils mit ihrem Chef im Hotel einnehmen muß. Einesteils freut sie sich zwar, daß die Mutter einen Effer weniger haben wird; andern- teils fürchtet sie, dadurch mit dem Chef zuviel in persönliche Berührung zu kommen. Einige Tage geht alles gut; dann wird Elli gewahr, daß dieser Herr Kubasser versucht, sich ihr auch anders als nur geschäftlich zu nähern. Nach dem Esten im Speisesaal des Hotels muß sie ihn auf sein Zimmer begleiten. Er macht eS sich aus dem Bett bequem und fragt Elli, ob sie nicht auch müde sei und sich nicht auch ein bißchen hinlegen wolle? Sie rettet sich damit aus der peinlichen Situation, daß sie vorgibt im Raume nebenan, wo die Teppiche ausgestellt sind, noch zu tun zu haben. Elli wsrd nun auf der Hut sein, sie weiß nun, wohinaus der Herr Chef will. Sie vermeidet aeflissentlich ein Alleinsein mit ihm und gibt auf seine verfänglichen Fragen arglose Antworte«. Eines Tages kommt«in Geschäftsfreund Kubasser-. Elli steht am Fenster und achtet nicht auf die Leiden Herren, die sich i« einer Sprache des Ballans unterhalten. Als sich der Besuch verabschiedet hat, fragt Herr Kubasser:„Wissen Sie, war mein Freund gesagt hat?" Elli ver neint und Herr Kubasser sagt schmunzelnd: „Mein Freund hat mich gefragt, wo ich so bübsche Sachen, wie Sie sind, herhabe!" Herr Kubasser glaubt einen sehr guten Witz gemacht zu haben und lacht selbstgefällig. Und Elli erkennt mit jedem Tag mehr, daß ihr Chef von ihr erwartet; daß sie sich allen leinen Wünschen gefügig zeige; es wird ihr immer schwerer, sich seiner nun offenen Zu dringlichkeiten zu erwehren, ohne ihn vor den Kopf zu stoßen. Sie weiß ja zur Genüge, wie schwer es ist, eine Stelle zu bekommen und will sich Pie Gunst des Chefs nicht ohne zwingenden Grund verscherzen. An einem Nachmittag kommt Ellis Mut str, um sich die wunderbaren, orientalischen Teppiche anzusehen und Wohl auch um sich zu Überzeugen, daß ihre Tochter in guten Händen ist. Herr Kubasser, die Liebenswürdigkeit in Person, führt sie herum und erllärt ihr jedes einzelne Stück. Wie sie sich verabschieden will, sagt Herr Kubasser. daß' er eine Bitte an sie habe. Er, Herr Kubasser, habe nämlich einer Kundin in Bern Teppiche in Provision gege- ben, und bekomme nun weder Geld noch Tep- nuÄuren gegen Syphilis. Geschäftsverbindung: Adolf Wüste tötet man einen Menschen, der einer Palme etwas zuleide tut. Doch was nützen diese strengen Bestimmungen! Der Sand deckt sie zu, die Palmen, er erstickt ste glatt. Und er frißt die Schienen der TranS-Sahara-Dahn. Die angewandte Technik hat in allen Kulturländern menschenzermahlendes Schicksal gespielt, jedoch kann sie bislang noch nicht mit dem Kamel konkurrieren. Er versandet, der Plan der TranS- Sahara-Bahn. Man gibt ihn auf. Im selben Augenblick entdeckte der Spekulant seine europäische Verantwortung für den dunklen Erdteil.. Di« Verbindung muß geschaffen werde«. Darum plant man jetzt die Errichtung einer Fluglinie. Die gebraucht Stützpunkte. Aber nicht das Helfenwollen, sondern die Ramschsucht macht den Spekulanten erfinderisch. Er trieb sich Leute für feine Interesten zusammen; er jagte sie in die Wüste; er versteht es, den Sand auszubeuten. Er. hat jetzt Verbindungen, die bis tief ins Sandmeer reichen; er kennt die.Sahara; denn er ist Nunmehr einer ihrer erfolgreichsten Grundstückspekulanten. i Sein Kapital könnte man in Europa gebrauchen. Doch Europa ist für ihn ein abgegrastes Feld, es hat eine aufgeklarte Arbeiterschaft, die womöglich in nicht allzu langer Zeit die Gesetzgeber zwingt, sie am Profit zu beteiligen. Doch in der Wüste kann man. heute noch spekulieren und sich aller Wahrscheinlichkeit nach unversteuerbaren Wertzuwachses erfreuen.' Er reibt sich die Hände dieser kleine, schweinsaugige Mann. Er ist wichtig, obwohl man ihn seiner Niedrigkeit wegen verdammt; denn er stt der Typ— des smarten Kapitalisten. Genossen k auSgetetzr f ft* »«« Verbreitung unserer Zeitung agitieren» Letzt euch überall sftr unsere Parteipreste ein. In das Heim de» Arbeiter» gehört die «rbeiterpresie. Darum. Genossenn.lSeaoffinnen UUlMw»! Die Freundin. Von Roger Rvgis. Di« elektrischen Glühlampen rvarfen ihren trüben Schein in den dämmernden Abend. Man drängt« aireinander vorbei nach der Untergrundbahn. Paul lehnte unbeweglich unter vielen andern Wartenden am Gitter. Seine Augen spähten durch di« andrängerrde Menge.. Sein Herraste,.— Vor acht Tagen hatte er die Bekanntschaft einer jungen Verkäuferin gemacht und sich sterblich in sie verliebt. Snzanne war reizend mit ihrem blonden Wuschelkopf und dem ewig lachenden Gesichtern, aus dem die großen Augen staunend in die Welt blickten und das Näschen so amüsant hervorsprang. Paul glaubt« auch annehmen zu dürfen, daß«r einen gewissen Eindruck hinterlassen halt«. Die jungen Leute hatten sich für den nächsten Tag verabredet. Leider kam Suzanne nicht allein. Eine Freundin begleitete sie, eine zierliche Schwarze, namens Mariann«, di« das enstiÜ- kendste Geschöpf gewesen wäre, wenn man Su- zanne nicht vorher kennen gelernt hätte.- Susanne erklärte:„Wir arbeiten zusammen und wohnen in derselben Straße. Wir sind stets beisammen.■ Sie ist meine beste Freundin. Sie brauchen sich nicht vor ihr zu genieren, Herr Paul." Paul schluckte seine Enttäuschung hinunter und bemühte sich, liebenswürdig zu bleiben. Aber kann man vor einer Dritten sprechen? Er bewahrte seine sorgsam bedachte Rede auf den nächsten Tag. Am nächsten Tage begleitete Mariann« ihre Freundin wieder. Ebenso alle andern Tage. Gestern nun hatte Paul seiner Angebeteten in einem unbewachten Augenblick ins Ohr geflüstert: ,,Aber morgen kommen Sie allein! Ich muß Sie sprechen. Suzanne hatte gelacht. Und jetzt wartete Paul klopfeitden Herzens än der Untergrundbahn. Plötzlich flammten seine Augen auf. Suzanne überschritt den Platz, sprang an fahrenden Elektrischen vorbei,, wand sich um rasende Autos, mit der gelenken Anmut einer jungen Katze. Doch zum Teufel! Hinter ihr bahnte sich mit gleicher Grazie Marianne ihren Weg! Seine Freude brach zusammen. Wieder begann das öde Spiel. Die beiden Mädchen faßten sich unter, lachten über ein Wort, das sie im Vorübergehen auflchnappten, über di« merkwürdig« Bewegung eines Fußgängers— über ein Nichts, — und Paul wankte an ihrer Seite, einmal rechts, einmal links, auf schmalen Wegen hinterher, wie ein gut erzogenes Hündchen. E.r tobte innerlich und ichwor sich:„DaS ist das letzt« Mal!" Bei der Ueberqueruna eines PlatzeS wurden sie getrennt. Paul mußte laufen, um leine Gefährtinnen einzuholen. Einmal bemerkt« Suzanne:„Was haben Sie, Herr Paul?" ,Hch? Nichts." Da lachte sie unsinnig lange. Paul verzog keine Miene. Er schwör' Rache. Vor der Haustür der Blonden umarmten sich die Freundinnen. Paul drückte ihnen die Hand und sagte wie immer:„Auf morgen!" Dann schritt er eilig aus, blieb an der Ecke vor einem Buchladen /stehen und späht« aus den Augenwinkeln die Straße entlang. Suzanne verschwand in ihrem Hause, und Marianne ging di« wenigen Schritte weiter nach ihrer Haustür. Als sie den Schlüssel umdrehte, stand Paul neben ihr.„Verzeihung!" keuchte er,„aber so geht das nicht weiter! Jeden Abend hoffe ich, Ihre Freundin allein zu sprechen, um» immer sind Sie dabei, so daß ich kein Wort herausbringen kann." i. Marianne schien nicht erstaunt zu sein. Sie antwortete ianft:„Ich kann nichts dafür, Herr Paul. Suzanne wünscht, daß ich st« begleit«. Wir jungen Mädchen sind unsicher und geben immer nach, wenn wir zum ersten Male mit einem jungen Manne zusammen sind. Wer wenn wir Zwei gegen einen sind, dann sind wir stark! Dann können wir lachen und kokettieren!- Wir haben unsre Freude— und uns' kann nichts passieren!'' „Ich aber," brüllte Paul, ,-halte das Nicht aus! Ihre Freundin macht sich lustig über micht Morgen komme ich nicht zur Verabredung." „Ach," seufzte Marianne. Er sah rhr tief in die Augen und fetzt« voll -'scher Hoffnung hinzu:„Wenn nicht..." „Wenn?" „Ja. wenn Sie kommen wollen,-Sie allein..." ' Er konnte kaum'-sprechen.-. Die Schwarze antwortet«: ,^Jch komme. Wir wollen uns nicht an der Untergrundbahn treffen. An der Oper!" Er preßte ihre Hand. Das Vergangene ichwaich. D>« Zukunft winkte verheißungsvoll. Mit den Blonden ist nichts anzufangen! Tja! Die Schwanen!! Am nächsten Abend stand Paul zur bestimmten Stünde an der Oper: unbeweglich; nur sein« Augen svähten in die andrängende Menge. Sei« Herz raste. Marianne erschien pünktlich. Doch hinter ihr schritt eine kleine Rothaarige.... eine Freundin, die sie begleitete. (Berechtigte Uebersetzung von U. E. I.) Seit« 6 Samstag, 25. Fever 1833 -tt. 48 PBAfitB lEITIIiG. gahresv ersamm'ung der deutschen sozial» demottattschea Äezir.sorgautsaUoa Prag. Donnerstag, den 23. Feber, sand im großen Saale deS Gewerksthaftsyauses die Jahresversammlung der deutschen sozialdemokratischen Bezirksorganrsation Prag start, die zahlreich besucht war. Eröffnet wurde di« Versammlung durch das von der neugegründeten Singgemeinde vorgetragene Lied der Arbeit, woraus der Vezirksver- trauensmann, Genosse S ch ö n f e l d e r, die Versammlung eröffnete. Zunächst wurden di« Berichte der Hauptfunktionär« erstattet. Für di« Bezirksvertretung gab Genosse Schön selber einen Ueberblick über die Arbeit der Organisation im abgelaufenen Jahre und tonnte feststellen, daß der seit einigen Jahren eingesetzte Aufstieg der Organisation auch in diesem Jahre angeyalten hat. Den Kassaberichi erstattete Genosse Mittenhuber, den Bericht des Frauenbe^irks- komiteeS Genossin Paul» über seine Tätigkeit in der Gemeindevertretung berichtete Stadtverordneter Genosse Dr. Schwelb und für die Jugend sprach Genosse Hübner, worauf namens der Kontrolle Genosse Theurer den Antrag auf Entlastung des Kassiers stellte. In der anschließenden Debatte sprachen Genosse Schrader für den Turnverein, Genossin Deutsch für die Arbeiterfürsorge und den Abstinentenbund und Genosse Dr. l-o a t t e r- mann für die Singgemeinde. Der Antrag der Kontrolle wurde sodann einstimmig angenommen. Den zweiten Punkt der Tagesordnung bil- beten die Wahlen, zum Bezirksvertrauensmann wurde abermals Genosse Schönfelder gewählt, ferner wurde die neue Bezirksvertretung die Kontrolle, das Frauenbezirkskomite«, der Br- zirksbildungsausschuß und das Schiedsgericht gewählt. Sodann erstattete Genosse Dr. Strauß «in.kurzes Referat über die nächsten Ausgaben der Partei, worauf nach einigen anfeuernden Worten des Genossen Schönfelder die glän^nd verlaufene Jahrespersammlung geschlossen wurde. Kaflno-Neubau beschloßen. Die Generalversammlung des Vereins «Deutsches HauS" m Prag hat Donnerstag mit überwältigender Mehrheit gegen neun Stimmen den Neubau des Kasinos beschlossen..— Was Unsererseits dazu zu sagen ist, haben wir bereits gesagt. Gerichtssaal Die FaMenMrer über deren neuerlich verhandelte Strassach« wir gestern berichtet haben, wurden in der heut« fortgesetzten Verhandlung wieder schuldig erkannt und Heinrich LitnF abermals zu drei Monaten Kerker verurteilt. Jaroslav Tetiva erhielt statt der früheren drei Monat« deren fünf. Der Staatsanwalt meldet« Berufung wegen zu geringen Stras- ausmaßes an. Die Strafen sind unbedingt. rl>. 1 vrhe'ter'chllksal. Son Erbmassen zerquetscht. Prag. 24. Feber. Im Juni v I. waren bei den Regulierungsarbeiten des KoSatckbacher zwischen den Gemeinden Bysic« und öiäelic« Vier Erdarbeiter in dem neu gegrabenen Betr des Baches mit Ausheben der Bachsohl: beschäftigt Das neu« Bert ist 2.50 Meter tief und soll die Krümmungen des alten Laufes in gerader Li nie abkürzen. Die Arbeiter wußten, daß ihr« Tätigkeit äußerst gefährlich war, do die Wände des neuen Bettes aus leicht beweglichen Torf- u nü Sand schichten bestanden. Trotzdem wurde nicht dafür gekargt, daß dies« aus lockerem Material bestehenden Wände durch Balken gestützt und ein- geschalt würden. Die Arbiter errichteten aus eigenem Antrieb ein« notdürftige Schutzwehr, allerdings nur in der Höhe von 80 Zentimetern. Weiter reicht« das zur Verfügung gestellt« Holz picht auS. Am 22. Juni kam es zur Katastrophe Es löste sich eine Sandmass« im Gnvichl von 4 Zentnern zerbrach die unzureichenden Holzstützen und begrub den Arbeiter Wenzel S t r a ch a l unter sich. Der Arme wurd« mit der Brust gegen ein Kantholz ge preßt und ihm d«r B r u st k o r b im wahren Sinne des Wortes zermalmt. Di« anderen Arbeiter retteten sich nur durch eiliges Zurteirespringen. sonst wären wohl alle unter den Erdmassen begraben worden. Die Staatsanwaltschaft erhob geoen die Aus- scher Franz K o 8 a n«e und Karl T o i l i t die Anklage wegen Vergehens gegen die Sicherheit des Lebens. Di« AngÄlagtcn beriefen sich u. a. auch aus ein Gutachten, in welchem erklärt wird daß«ine Verschalung bei solchen Arbeit«« nicht üblich ist. Der Staatsanwalt gab sich jedoch damit nicht zufrieden und verlangt« ein neuerliches Gutachten durch einen anderen Sachverständigen da die Aeuüerung des ersten Gutachtens ostenbar nur solche Erdarbeiten betriff» wo es üch um test es Material handelt wäh ren- die leicht beweglichen Torf« und Saud* schichten besondere Vorkehrungen erfordert hätten, zumal der Boden durch starke Regengüsse aufgelockert war, wodurch die Gefährlichkeit der Arbeit noch erhöht wurde. Der Senat des OGR. Kvapil vertagte zur Einholung dieses Gutachtens die Ver- horchlung. rb. Religion Mrung? Prag, 24. Feber. Di« Klassenunterschied« mache« bekannttich auch vor dem Tode nicht halt. Der ein« fährt im vierspännigen Prunkwagen, mit Musik. Bergen von Kränzen und unter Assistenz eines halben Dutzend Geistlicher seiner letzten Ruhe entgegen— und seien seine Sünden und Untaten zahl- reich wie. der Sand im Meer; der ander« verfault im Armengvab und sein eiiqiger Grabschmuck ist di« Träne im Auge eines Menschen, der ihn lieb gehabt hat. Die Herrschaft des Geldes reicht bis zum Grabe. Man kann es also begreifen, wenn dieser in die Augen springende Gegensatz zu Kritiken führt, die sich schlecht mit dem Begriff der Pietät gegen den toten Mitmenschen vertragen. Im Oktober v. I. ging ein solcher prunkvoller Leichenzug mit vier Geistlichen, uniformierten Leichenträgern und was sonst dazu gehört, durch die Straßen einer Borstadt, wo bittere Rot zu Haus« ist. Eine Frau fragte mit leiser Stimm« eine Bekannt«, was das wohl für ein Begräbnis s«i, daß so viel«„auf- geputzt« Komödianten" hinter dem Sarge gingen. Vielleicht hat diese Frau auch einmal einen lieben Menschen sang- und klanglos dem Armengrab übergeben. Die andere aber war ein« ftomme Ehristtn,' darum bezog sie den Ausdruck auf die Priester und machte die Anzeige wegen Religions- st ö r u n g. Di« Angeklagte erklärt« heut« dem Einzelrichter OGR. Formünek, sie habe die von Iilbertmssen funkelnden Uniformen der Leiche n- b e st alter gemeint. Da sich nicht feststellen ließ, wer gemeint war, und di« Aeußerung erwiesenermaßen leise gemacht worden war, sprach der Richter die Angeklagt« frei. rb. Kunst and Wissen Beethovens„Missa solemniS"(festliche Messe), eines der gewaltigsten und unvergänglichsten Werk« der gesamten gemischten Thorgesangsliteratur, erlebt« vorgestern im großen und ausverkauften Luzernasaale im Rahmen der von der Konzerldirek- tion„Bel ranto" veranstalteten Abonnementkonzert««in« ebenso glanzvoll« wie künstlerisch beglückende Ausführung. Musikalischer Leiter der Werkes war als Gastdirigent Alexander Zemlinsky, der namentlich den geistig tiefen und ausdrucksreichen zweiten TeU der Mess« mit intensivster Verinnerlichung gestaltete und Cohr, Orchester und Solisten zu stileinheitlichster Gesamtwirkung ver- einigt«. Künstlerische Mittler und Helfer waren ihm das ausgezeichnet« Orchester der Tschechischen Philharmonie, dessen klangeinheitliche Streicher besonders hevrortraten di« vorzüglich disziplinierten Chöre der tschechischen Gesangvereine der„Prager Lehrerinnen", des Männerchores„K k i i t o» f f y" und des Weinberger„H la hol" und daS erlesene S oloqu artet t der Damen Mia Peltenburg und Maria K r ä s o v& sowie der Herren Jo-'ef R i a v e r und Rudolf Bockelmann. Im Soloquartett bewähr- tcn sich als Künstler von hervorragendem Stilgefühl insbesondere dl« Sopranistin und der Bassist, während die Altistin und der Tenor mehr im rein lolistischen Sinne als bewußt« Stimmgrößen wirkten An dem äußeren Arrangcmenl dieses Konzertes war die Einschaltung einer Paus« auszusctzen: denn ein stilistisch und inhaltlich so geschlossenes Werk wie die „Missa solemnis" von Beethoven vetträgt nicht di« Unterbrechung durch ein gesellschaftliches und ablenkendes Zwischenspiel. E. J. Donnerstag: Uraufführung:„Verwirrung d«r Gefühle" von Roger Marttn du Gard. Regie: Dr. Rudolf Beer. Hauptrollen: Behrens Bertram. Meller, Frey. Hölzlin, Janirschek, Ball.(C 1.) In der Kleinen Bühne Samstag: Erstausführung:„Eva saniert das Paradies". Wochrnspirlpla« des Reuen Deutschen Theaters. Samstag, 248 Uhr:„Muiik um Susi".— Sonntag, 243 Uhr:„Mädchenjahr« einer Königin"; 248 Uhr:„Der Patriot" Ensemblegastspiel Fritz Kortner(A. A.).— Montag>48 Uhr:„Leinen aus Irland". Gastspiel Curt Bois(A. A.).— Dienstag. 247 Uhr:„Die Meistersinger von Nürnberg"(A 1).— Mittwoch, 8 Uhr:„Die geliebte Stimme"—„Oedipus"(B 1).— Donnerstag, 248 Uhr:„Verwirrung der Gefühl«". Uraufführung(C 1).— Freitag, 248 Uhr:„Orpheus" kD IV— Samstag, 247 Uhr:„Götterdämmerung"(A 2). Wochenspielpla» der Kleinen Bühne. Samstag, 9 Uhr:„Fatm«". Erstauffühurng.— Sonntag, 8 Uhr:„Der Mustergatte"; 8 Uhr: „Fatm e".— Montag. 249 Uhr:„Essig und Oe l"(Bankbeamtem I).— Dienstag. 8 Uhr: „Bargeld lacht"(Bolkstüml. Vorstellung).—- Mittwoch. 8 Uhr:„Der Mustergatte"(Bankbeamten ll).— Donnerstag, 8 Uhr:„F a t m e". — Freitag. 8 Uhr:„Salon Pitzelberger" —„Tie schöne Galathäe".— Samstag, .248 Uhr:„Eva saniert das Paradies" 2^rstaukkührüng Ann- Spiel• Körpemllene Bewertung des deutschen Arbeitersports im Ausland. Ueber«in hervorragendes Beispiel für die Be- achtung des deutschen Arbeitersportes im öffenttichen Loben Amerikas berichtet das amtliche Blatt von „Workers Gymnastik and Sport Alliance of America" von folgender Erfahrung eines Berbandsmitgliedcs aus New Jork:„Interessiert am Ausbau des gc- planten Freibades der New Dörfer Turngenossen, beschloß ich, in der Public Library(öfsenttiche Bibliothek) an der 42. Str. etwaige Fachliteratur nachzuschlagen. Englische, amerikanische, deutsche Bücher hierüber waren in stattlicher Zahl vorhanden. Etwa zehn Bücher ließ ich mir geben, di« teils lehrreich und interessant, teils voll waren von belanglosen Nichtigkeiten. Aber das interessanteste Buch von allen, das be st aufgemacht« und bestgedruckte und vor allem das neue st e von allen war «in Buch mit Plänen von Freibädern, herausgegoben vom Arbeiter- Turn- und Sportbund Deutschlands." Es wäre vielleicht schon ein« Geschichte für sich, zu erfahren, wie dies Buch nach Amerika kam. Cs zeigt treffend, welche Bedeutung die Avbeii des deutschen Bundes im Auslande genießt. 8Orgerllcli«r Sport, klshokky-Wsltmeisterlcha 1 in Prag. Zu den am Donnerstag abends absolvierten Spielen wäre noch nachzutragen, daß es bei der Begegnung Tschechoslowakei—Amerika zu Demonstrationen der enttäuschten Zuschauer kam, weil daS Team der Tschechoslowakei ohn« den ersten Angriff antrat. Ob das Borgehen der Verantwortlichen in dieser Beziehung sportlich einwandfrei ist, bleibe jedem selbst überlassen zu ergründen; waS aber ver- urteilenswert ist. ist die bis zum allerletz'.en Augenblick verheimlichte Nichtausstellung der kompletten heimischen Mannschaft und di« damit erfolgte Täuschung der horrende Eintrittsgelder zahlenden Zuschauer, die auch ihr«„Meinung" in lamer und sehr scharfer Werse kundgaben. Für di« Endrunde— die über den Europa- wie den Weltmeister.entscheidet— haben sich folgende Länderteams qualifiziert: Kanada, Amerika. Tschc- choflowakei und Oesterreich. Heute Samstag stehen sich di« Tschechoslowakei und Kanada(3 Uhr) gegenüber; abends 8 Uhr spielt Amerika mit Oester- reich und um halb 1V Uhr findet das Finale d«s Trostturnieres statt. Sonntag finden di« beiden Entscheidungsspiele statt. Um 3 Uhr beginnt der Kampf um den Europamerstertitel zwischen der Tschechoslowakei und Oesterre'ch, während um 8 Uhr abends der Weltmeisterkampf Kanada—Amerika vor sich geht. Di« Ergebuiss« der Freitag-Spiel«. Italien—Lettland 2:0 für Lettland Belgien—Rumänien 3:2 für Rumänien. Deutschland—Schweiz Irl. Polen—Ungarn 1:1.. Bei den lehren Spielen mußte ein Teil der Spieler selbst den angesammelten Schnee wrgkehren, was ihm Publikum ziemlich« Unzufriedenheit mir der rechnischen Leitung der Wettkämpfe hervorrief. Der Film Ufa Ardett in Prag. Mit dem tschechischen Film„DaS Fensterchen". nach dem gleichnamigen sehr beachtlichen Lustspiel von Olga Icheinpflug, hat di« Ufa ihre Erzeugungs- melhoden entscheidend und erfolgreich in Prag eingeführt und ihre bewährten Reklamemethodcn werden für den entsprechenden Kassen erfolg wohl zu werben verstehen Die heilige Dreieinigkeit des allgewaltigen Beherrschers dieser nunmehr weltumspannenden Produktion: Kanonen, Zeitungen und Film« bedingen die geistige Unterlage aller Werke, derer» nunmehr wohl beginnend« Folg« mir einigen prinzipiellen Bemerkungen«ingaleir«t werden soll: Der Held des Theaterstücks ist ein profund denkender, gesellschaftlich sozusagen„kleiner Professor' der aus l«in«.n soliden Lebenswandel herausgerissen wird, um«in ebenso„kleines und armes" Mädchen zu heiraten. Seine Freunde verstehen ihn zu betrinken und in diesem Zustand vergißt er alles, rein Fenslerchen des Gedächtnisses versagt: den Rest deS glückhaften Endes besorgt«ine von der Autorin geschickt und witzig erdachte Verwicklung, die dem typisch tschechischen Milieu durchaus entspricht und viel Lokalkolorit zu geben versteht. Was macht di« Ufa daraus? Vor allem ist di« glückliche Heldin gleich am Anfang ohne Arbeit, wird abgebaut(allerdings freiwillig) wie das ja nun einmal heule zu sein pflogt. Wie in Ufa-Kreisen allgemein bekannt, pflegen dies« Geschöpf« entsetzlich glücklich zu sein: sie werden von reichen Wohltätern geheiratet und da in Prag nicht so vi«l« postenlos« Direktoren herumtaufen wie in Berlin, wird oben der Herr Professor ausgewählt. Seine Wohnung ist über«l«gant; und wenn di« Liebe schon gar nicht mehr weiter will, dann kommen eben zwei unsympathische, schmutzig« Proleren und helfen mit Hilf««ines kleinen Betru- qes weiter. So und nicht anders zeigt Hugenberg systematisch die Welt, der nur geholfen werden soll, wenn er selbst an Kanonen, Zeitungen und Films viel verdient. So und nicht anders sieht f«in< Propaganda aus und sie bloßzulegen, ihre Verlogenheit anzuprangern, muß unsre Pflicht sein. Mit Geld kauft man sich alles: auch gute Schau spieler. Hugo Haas als zerstreuter Professor und die Nedosinskü als„VolkStyp-Mama" sind auS- qezeichnet, in einer kleinen Episode bewährt sich sek vom Nationaktbeater. Was sonst geboten Centralbank der deutschen Sparkassen In der Cecheslovaktschen Republik Hauptanstall: Prag IL. Bredauergasse 14 Zweigniederlassungen: Aaasig, Brünn, Eger. JIgemdorf Reichenberg. 6 Taschen. Trautenau. Tro, pau. 01« Bank der deutschen Sparanstalten und iss? Gemeinden. wird, ist bis aus di« gut«, in ihrer Sinnlosigkeit bestellt« Ausstattung,, recht einfallslos. Slavinsld photoqra^'biert einfn* Theater, läßt" enen ausfpic- len''was geoen den Geist des Fstms ist, der inneres Tempo braucht) und duldet eine Musik von K u m o k, dem man wirklich Finderlohu für seine aufreiben»« Forschung in Altem und Neuem zusprechen sollte. Di« Photographie ist halbwegs erträglich, das Ganze Ufa-Milieu in Prag. Wie schade um so viel Geld; aber darüber entscheiden eben di«, di« welches haben. W. L. Vereinsnachrichten Bert Brecht-Arb« tsgrmeinschast. Di« für Sonntag, den 26. Feber, angesitzte Probe zur„Heiligen Johanna der Schlachthöfe" mußt«, technischer Schwi«r'gk«iten wegen, auf Dienstag, den 28. Feber, 10 Uhr abends verlegt werden. Proberaum: Cast Continental, Hintergebäude. Ortsgruppe Prag. Programmänderung wegen günstiger Skifähr«: Treffpunkt Sonntag 248 Uhr, Wilcon- bahnhof; Retourkart« Strandic. Führer Plotz. fraucnorganisatlon Prag. Montag, 27. ds., nm 8 Uhr abends i« „Monopol"(gegenüber Masarykbahnhos) fraacnabend Thema: Was di« Fran von Hent« interessiert.— Neue Ausgaben der kämpfende» Fran.— Vortragende Genossin Hackenberg. Literatur Michel d« Montaigne:„Dre Essais nud bas Reisetagebnch". Herausgegeben und verdeutscht von Prof. Paul Sackmann.(Kröncrs Taschenausgabe, Band 101.) Alfred Kröner Verlag, Preis Ml 3.30. Im heurigen Jahre werden vier Jahrhunderte seit der Geburt Michel de Montaigne verflossen lein, der als tiefschürfender Moralphilosoph den Menschen in den Mittelpunkt seiner Forschungen und Ideen gestellt hat, und dessen 107 Essays über dre verschiedensten Gegenstände und Fragen des Lebens auch heute noch Bedeutung zukommr. Richt nur viele seiner Gedanken sind aus spätere Denker üverge- gangen, auch die Kunstform seiner Essays har anzählbare Nachahmer gefunden Inmitten einer schweren und aufgewühlten, Zeit har er seine Ideen von Wahrheit und Güt« mir hohem Geistesmur»er- künücr und hat die Triebfedern menschlichen Handelns aurgedccki. Den hier von Prof Dackmann ne» übertragenen Essays ist auch Monialgnes„Reisetagebuch" angefügt, das von seiner Reise durch Frankreich, die Schweiz. Süddeurschland nach Rov> und Toskana berichtet, em Bericht, der ein tarbrg bunter Bild der damaligen Zeit vermittelt. Der Herausgeber hat recht, wenn er von Montaigne»aß 1' es ser nie zur Unzeit, wenn man Bekanntschaft m>i einem grundgescheirrn, ebrl-chen liebenswerten, mit einem herrlichen Manne macht.— r. Erich Welter: End« und Lehren der Krise. 1933 Societätsverlag Frankfurt am Main. Das ungefähr 80 Seiten umfassende Büchlein ist'«ine gute uni auch kritische Darstellung der wirtschaftlichen Ereignisse des Jahres 1932. Allerdings scheint-er Verfasser, der glaubt, daß der S?urm überstanden und wir wieder festen Boden unter den Füßen V* 'ühlen beginnen zu optimistisch zu sein. Auch seins Auffassung, daß der Kapitalismus imstande fei. di« Krise zu überwinden, wird in sosialistischen Krei'en entschedener Krittk begegnen. Trotzdem ist das Büchlein als instruktive Darstellung der WirHchast oov 1932 wertvoll.' E. 8t- Die richtige Brille Optiker Deutsch Prag IL, Prfkopy, Palais Koruna Wer nicht ständig Inseriert wird vergessen I mnmiuiiiHiiiiuiiiiarwiiiiiiniiüiimiiiiiiix ilrihoua isue Heilens Monatl. Kurse tu orthop- Maflage, sty Prag tu. Hooverova ll- 188» Her»„»ged er«teglrtr» 1«,»- t tzetreka Ii«» t: Alcktz, Xu^ri'unoamarh'itftontaint wurde Mm der Pok, r •■UjMii« M, jaiMiatyug U üä»-,— Stlkelai H i«» a«i-«tianinenUOet SeMReni»r«all Bit«»tz«ras- Druck:.Stp«* A.« fih Nerrung. uni Buchdruck. Prag- Für Mn Druck»eraniwnrNich Ltiu»uia tetegrapkenotreinnu m erlaß Si IStMXWVJI 1980 bewilligt- Beiugidrdingungrn Sei Zustellung tn» Hau» Uder bet Bezug durch Me«oft monatlich Ke IS— otertellüftrlich tu Lt ani'MU»erden In« Doris sultgb kerrchua. Her«ttnes Siai*aiMasM preieaachiutz,— JtädjuÄuig wi Mnuftetyca erjolgt aat kti Utqeukuug tn Btwnimniha, Sonderbel’atfe Von Dr. Viiiorio Flan^ioll. Der Verfasser, der seit stuf Jahre« im Exil lebt und der der Neff« ei««» berühmte« deutsche« Professors«ad NobelpreirtrSger» ist, war bi» Ende 1926 in Italien als Landgerichtsrat tätig«ud wurde am 16. Dez. 1926 durch ei« da« Mussolini und de« Justizminister Roe« mitunter» zeichnetes königliches Dekret sei««- Amtes enthoben, weil er sich mit de« allgemei«»« politische» Nichtli«ie» der Regiernng in Konflikt gesetzt hab«. Dr. Mungioli hat«ns di« nachstehende« Enthüllungen zur verösseutlichung zur Verfügung«stellt,«m de« deutsche« Volk« da» wahre Gesicht des FasciSmns zu zeige« und übernimmt di« volle Verantwortung für di« Richtigkeit seiner Angabe«. Der Dank des Vaterlandes.... In immer stärkerem Maße wird von alten nationalen Kreisen Deutschlands das fascistische Italien dem deutschen Botte als„Paradies" hingestellt und die Innen» und Außenpolitik Mussolinis als unübertrefflich gepriesen; seine Gesetze auf dem Gebiete der Sozial» und Finanzpolitik werden als das A und O einer klugen Staatsführung gelobt. Der„Marxis:nus" ist in meinem Heimatlande mit Stumpf und Stiel aus- Ert.et und Mussolini gilt ats Hüter nationaler rde und irdischer Gerechtigkeit. Mein« Sympathie für das deutsche Voll und mein Wunsch» es vor gefährlichen Illusionen zu bewahren, ver- an lassen mich, dieser Gloriole des Fascismus dawahre Gesicht des heutigen Italien gegenüberzustellen. Bon einem Richter verlangt man überall Unparteilichkeit und eine Rechtsprechurig, die, un- beeinstußt von politischen Machtverhältnissen, den Gesetzen des Landes und dem Rechtsgesthl aller Staatsbürger entspricht. Nicht, so im Italien Mussolinis. In F o r l i, einer Provinzstadt an der Strecke Bologna—Rimini, war ich bei Beginn der fascistischen Aera Amtsrichter und hall« in dieser Eigenschaft wichtige Befugnisse als Zivil-, Straf- Und Untersuchungsrichter, als Schlichter in Miet- und landwirtschaftlichen Streitfragen, als Borsit- znider der Wahlkvmmiffio«, als Kontrollorgan Uber die Gendarmerie, die Gefängnisse uftv. Zu Meinem Amtsbereich gehörte auch Predappio, die Heimatsgemeinde Mussolini-.' Trotz vielfachen Anfeindungen seitens der Fasciften konnte ich mich in Forli, dessen Bevölkerung heute noch vorwiegend republikanisch gesinnt ist und wo die politischen Gegensätze mit besonderer. Heftigkeit auf- «inanderprallten, dank meiner Unparteilichkeit bis zum Mai 1925 halten. Ich erhielt sogar von der fascistischen Regierung für meine„besonderen Dienstleisttmgen" den Orden der Kron« Italiens, wurde aber gleich danach an das Landgericht S u l m o n a nach den Abruzzen Politisch straf- derfrtzt. Ich Hane nämlich das große Verbrechen begangen, mich als Amtsrichter bei der Aburteilung eines fascistischen Ueberfalls auf einige Bäckergesellen, die auf dem Wege zu einer in Italien verbotenen Maifeier waren und von denen einer durch Dolchstiche so verletzt wurde, daß man an seinen! Auflommen zweifelt«, für unzuständig zu erklären, da dieser Fall als versuchter Moü» m. E. vor das Schwurgericht gehörte. Der Staatsanwalt, Dr. Guido Stanzani, bestand aber auf Aburteilung durch das Amts- gericht und verlangt«, ebenso wie der Präfekt der Provinz und di« fascistischen Rechtsanwälte, die Freisprechung der stnf Angeklagten, und drohten mir mit Versetzung und einem nächtlichen Ueber- sall der Fasoisten auf Forli. Da ich abermals in Wahrung der rechtlichen Auffassung mich für unzuständig erklärte und in einem zwellen Fall das rechtswidrige Verhalten desselben Staatsanwalts aufdeckte, wurde ich von chm dem Justizministerium al- Gegner der„nationalen Regierung" denunziert und zum erstenmal strafversetzt. Dieser zweite All war noch bezeichnender für di« fascistisch« Rechtsauffassung, denn hier wurde mir zugemutet, meine Amtspflicht als Un- tersüchungSrichter. auf die Vernehmung der— Polizei zu beschränken, anstatt di« bei ver Zerstörung einer Freimaurerloge von Fasciften«acht- überfallenen und schwer verletzten Privatleute und Zeuge» zu vernehmen. In Sulmona, meinem neuen Amtsbereich, hatte ich vor dem Landgericht mehrere Fasciften, die ei« Privathaus gestürmt«nv dabei ein 15,fahriges Mädchen vergewaltigt«nv sie so schwer verletzt hatte«, daß st« bald darauf starb, zu schweren Strafen verurteilt. Das Justizmini- sterium gab Anweisung, den Fall zu amuesti e- r e n, da ein« politisch« Amnestie für Delikte," denen der„national« Zweck" nachzuweisen fei, ergangen war. Die Angeklagten wurden vom Berufungsgericht in Aquua freigesprochen. Ich wurde wegen meines Urteils wieder strafversetzt, diesmal nach Alessandria(Piemont). Auf meine Eirwabe, daß ich di« treue und unparteiliche Erfüllung meiner Amtspflichten beweisen wolle, wurde mir amtlich eröffnet,„man halte es nicht für angebracht, einen solchen Beweis zuprlaflen"! Als ich nun in Alessandria im Lcktober 1926 ein Schwarzhemd, haS wegen gemeinen Diebstahls vor dem Landgericht stand, auf Grund der Zeugenaussagen verurteilt«, obwohl der Staatsanwalt von uns Richtern unter Hinweis auf die Parteizugehörigkeit des Angeklagten Freispruch verlangte, wurde ich wegen„antinationaler Gesinnung" zwei Monate spater meines Amtes enthoben und der fascistische Dieb von der Berufungsinstanz in Turin freigesprochen! Ich bin nicht der einzige Richter, der sein Amt verlor, well er„keine Garantie einer treuen Erfüllung seiner Amtspflichten" bietet. Richter, di« in Italien fascistische Diebe und Mörder nicht freisprechen, gelten eben nichts in ihrem Vaterland«! Die iascistisdien Stützen von Thron und Altar, „Seht Euch Eure Führer an!" Es ist immer gut für di« Beurteilung eines politischen Machtsystems, wenn man sich die Machthaber etwas Naher ansieht, da man nur so erkennen kann, ob es überhaupt möglich ist, daß aus der Tätigkeit dieser Leute eine Zeit entstehen kann, in der das Wohl und Gedeihen des gesamte« Volkes gesichert ist Ich will deshalb dem deutschen Volle, das itN Gegensatz zu den Völkern aller andern Kulturländer noch herzlich wenig Tatsachen aus hem Leben der heutigen Führer Italiens kennt, eiyige der bekanntesten Persönlichkeiten des fascistischen Kulturkreises vor Augen führen: Benito Mussolini war einst Chefredakteur des Zentralorgans der italirnischen Sozialdemokratie, des„A v a n tr", und im Jahre 1911, als Italien gegen di« Türkei in Tripolis Krieg führl«, war er eifrigster Verfechter des Kampfes gegen den Krieg mit allen Mitteln. Wenige Monate vor Ausbruch des Weltkrieges schrieb er: „Ich stelle fest, daß dieses alte Mische« des Noch im September 1914 schrieb er km ,Avanti" Artikel gegen den Krieg. Als ihm dann wegen eines Leitartikels von seinem früheren Freunde Serrati gesagt wird, daß er, nachdem ep sich siir die„bewaffnete Neutralität" erklärt hat, nicht länger mehr Chefredakteur bleiben könne, versichert er demütig, daß er nie wieder zur Feder greifen und nie etwas gegen den Sozialismus schreiben werde. Als Maurer wolle er sich seine fünf Lire täglich verdienen, aber er hatte sich schon längst rückversichert für den Fall, daß er in der Partei nicht durchdringen würde, und Ende 1914 laßt er sich von Frankreich, das er vorher lächerlich gemacht hatte, 950.000 Francs zahlen und gründet damit in Mailand die Zeitung ,Hl Popolo d'Jtalia", in der er nun eine wütende Kriegshetze gegen Deutschland betreibt. So verbreitet er auch die Kriegslüge, die deutschen Soldaten hätten in Belgien den Kinder« die Augen ausgestochen und die Hände abgehackt, und der Krieg gegen das deutsche Volk sei gleich- zustellen mit dem Kampf der Kultur gegen die gefährdeten Vaterlandes das ideologisch« Klischee' Barbarei und das„Untermenschentum"! aller bürgerlichen Demokratien ist,«in«lisch««,' Er selbst ging nicht in den Krieg, mit dem man seit 30 Jahren dem Elend des, hptzern übte sich drei Monate lang mehrere Kilo- Proletariats das Blut adzapft." s meter hinter der Front als sogenannter„Kriegs- freiwUiger" im Handaranatenwersen. Dabei zog er sich eine kleine Verletzung am rechte« Fuß zu und konnte nun über Triest nach Mailand zurückkehren und dort in der Redattionsstube seiner Zeitung„weitertämpfen". Er sprach das große Wort gelassen a«S: „Ich bin stolz darauf, in Erfüllung meiner gefährlichsten Pflicht mit meinem Blute di« Straß«»ach Trieft gefärbt zu haben!" MlS der italienische Dichter Gabriele d'Annnn- zio di« Freistodt Fiume im September 1919 besetzte, veranstaltete Mussolini ein« Geldsammlung zu Gunsten dieser notleidenden Stadt. Bo« dem im In-«nv Auslande grsam- melten Geld unterschlug er für sein« eigene« Parteizweck« über 100.000 Mark. Professor Gaetrmo Salvemini, der heut« im Exil in Frankreich lebt, klagte im IM 1920 Mussolini öffentlich an; der Skandal wurde aber dadurch unterdrückt, daß diAnnunzio im Namen der besetzten Stadt auf das Geld verzichtete. Am 8. Jänner 1925 erklärte Mussolini in der italienischen Kammer, daß die Morde an Giacomo M a t t e o t t i und an Tausenden anderer seiner Gegner, die„im Interesse des Faseism«», als» im Interesse der Ration" begangen worden seien, auf feinen Befehl znrückzuführen seien und er„die moralische, politisthe und historische Verantwortung dafür auf sich nehme"! In zwei Jahren Bürgerkrieg(September 1920 bis Oktober 1922) und in den darauffolgenden Jahren fascistischer Herrschaft sind in Italien über 30.000 polttische Morde begangen worden. Außerdem wurden unzählige grausame Zuchthausstrafen, Deportationen usw. über politische Gegner verhängt. M a t t« o t t i wurde aus Befehl Mussolinis am 10. Juni 1924 von vier Schwarzyemden ermordet, weil er auf Grund der bei den Wahlen im Frühjahr 1924 verübten 400 Morde an Autifascisten die Regierung Mussolini parlamentarisch stürzen wollte. Die vier Mörder überfielen Matteotti in der Nähe seiner Wohnung in Rom, Packten ihn in ein zu diesem Zweck vom Innenministerium geliefertes Auto, schnitten ihm mit einem Dolch die Kehle durch, zerstückelten dann di« Leiche und begruben die einzelnen Stücke in der Gegend der ,Quartal«lla"(Mso so ähnlich wie der Mord an Rosa Luxemburg). Mehrere Monate lang konnten die Mörder, ftei Herumlaufen, von den Fasciften wurden sie öffentlich als Mitionalhelden gefeiert, bis man sie unter dem Druck der Dolksempörung doch verhaften mußte. Im Winter 1925 sprach sie das Schwurgericht in Chiett ftei, weil sich ein Arzt fand, der erklärte. Matteotti sei an— Lungenkrankheit gestorben! Arnaldo Mussolini, der Bruder des„Duce", starb im Feber 1982. Er war nicht nur Chef der Zentralpressestell« in Rom, sondern er mußte auch di« Privatkaffe der Familie Mussolini• mit dem Geld« anderer füllen. Wie von verschiedenen Seiten behauptet wird, hat er diese Aufgabe so gut zu lösen vermocht, daß er rund eine Viertelmilliarde Lire binnen sechs Jahren zusammenbrachte. Nach der fascistischen Presse zahlt der Duce selbst, deic das Motto pries„nackt am Ziele anlangen!", 200.000 Lire Steuern. Vorausgesetzt, daß er sein Vermögen richtig versteuert, besäße er demnach 10 Millionen Lire. 1920 war er noch ein armer Teufel und Erbschaften hat er nicht gemacht. Der verstorbene Bruder des Duce war in der Lombardei Auffichtsrat und Präsident mehrerer Industrieunternehmen und Banken, u. a. auch der Banca di Milano. Diese Bank geriet 24 Stunden nach dem Tode Mussolinis 71. in Konkurs mit einer Schuldenlast von 50 Millionen Lire gegenüber einem Kassabestand von 3.75 Lire(75 Pftn- nig)! In Mussolinis„Palazzo Braschi", früher Sitz des Innenministeriums, ist eine Inschrift eingemeißelt:„Dieses edle Haus, wo durch lange Jahre Stellenhandel und Schiebungen der Nation Mißrcg'erung bescherten, weiht wieder Italien und der Zukunft di« fascistische Vereinigung der Urbs, im römischen Zeichen de» Liktorenbündels, Jahr 5 der fascistischen Aera, 30. Oktober 1927." Giovanni Manzoni war der Direktor der pleite gegangenen Banca di Milano. Wegen gemeinen Betrüge- hatte er in der vorfascistischen Zeit siebe« Jahr« im Zuchthaus gesesfm! Er wurde Bankdirektor wegen seiner großen Verdienste in bi^ug auf fascistische Gewalttätigkeiten. General De Bono. Ms Präsident der italienischen Polizei hat er, ton in der Voruntersuchung de» Matteotti-Prozesses bewiesen wurde, die blutige Wäsch« und Kleider Matteotti- verbrannt und die vier M ö r- der unter seinen Schutz genommen. Da er Mitglied des Senat» war, mußte er dort unter der Anklage der Mittäterschaft an Matte- otti» Ermordung erscheinen, wurde aber wegen „ungenügender Beweise" freigesproche». Mussolini ernannt« ihn zum Gouverneur von Tripolis. Heute ist er Handelsminister... Albin» Volpi war einer der Mörder Matteotti» und schon vor der fascistischen Periode dreimal wegsn schweren Einbruchdieb stahl», wegen Totschlags und Desertion verurteilt worden. Heute ist er Direktor der Genevalmagazine Mailand», in denen di« Lebensmittel fiir die Bevölkerung lagern. Eefare Maria de veechi war Leutnant und Fascrstenführer in Turin und wurde Unterstoatösekretär. Al» solcher hctt er am 18. Dezember 1922 dreinndzwanzig Arbeiter, di« zum große« Teil polittsch indifferent waren, anf die grausamst« Art«mbringe» lasse», um der Turiner Bevölkerung ein abschreckendes Beispiel zu geben. Sie wurden auf offener Straße überfallen und dann wurden einige im Fluß cr- tränkt, die anderen auf fteiem Felde erschossen. Der Sekretär der Metallarbeiter-Gewerkschaft Berruti wurde mit den Füßen an ein L a st- auto gebunden und so lange in rasendem Tempo mitgeschleift, bis nur ein unförmiger Klumpen blutigen Fleisches und Knochen übrigblieb. Die Leich« wurde dann drei Tag« auf der Straße ausgestellt unter ständiger Bewachung der Schworzhemden. Am folgenden Tage wurde der Bahnbeamte Angelo Quintaglis, der, obwohl fascistisch gesinnt, den grauenhaften Mord an■ Berruti einer Kritik unterzog, in seinem Büro von sechs Schwarzhemden überfallen und durch Fußtritte, Stockhiebe und Pistolenschüsse so schwer ver- letzt, daß er vier Tage später ««ter furchtbaren Qualen starb. De Becchi übernahm in der Kammer die volle Derantworttlng für diese unmenschlichen Taten. Zur Belohnung dafür wurde er gleich vom Leutnant zum General der Miliz befördert und später zum Grafen von Bal Cismon und zum Gouverneur der Kolonie Somaliland ernannt. Heute ist er Botschafter beim Heiligen Stuhl, beim Papst! ' Im September 1932 hat ihm der Papst sein Bild geschenkt mit eigenhändiger Unterschrift und folgender Widmung:„Unserem g e l i r b- t e n Sohn Cesare Marja de Bccchi unsere« besondere« apostolischen Segen"! Jtalo Balbo ist sehr bekannt für seine Gewalttaten. Unter anderem ließ er 1924 den katholischen Geistlichen Don Minzoni, Pfarrer an der Kirche von Argenta bei Rovenna, auf der Schwelle seiner Kirche durch Stockhiebe totschlagen, well dieser Pfarrer katholische Gewerkschaften organisierte. Auch er war Leutnant im Heer gewesen. Zur Belohnung für diesen Mord wurde er zum Generalissimus der fascistischen Miliz ernannt, dann wurde er Lukl- fahr t m i n iste r. Ms er seinen offiziellen Besuch in New Dork machte, begrüßte ihn«in Flug, zeug indem es über dem Hafen in Rauchschrift das Wort„Mörder" malte. Heule ist Balbo IL 8onberB«f lege. 1933. lizei verhaftet und eingekerkert. So wur- Bologna 1926 und in Turin im Oktober Minister des Auswärtigen und V«r-> zug, der innen mit Stahlplatteu und durch treter Italiens in G e n f, nachdcin Grandi zum' Maschinengewehre geschützt ist. Botschafter in London ernannt wurde.!-,.. t,...,-- Auf jeder Reise begleiten chn viele Zuge mit 2 c o r z e unzähligen Schwarzhemden. In allen Städten, ist einer der berüchugsten Strafexprd'.rionsführer die er besucht, werden schon mehrere Tage vor gegen Antifa seiften.'einer Ankunft alle unliebsame» Elemente von ! sei Polizei verhaftet und eingekerkert. So wur- ! oe» in Bologna 1926 und in Turin im Oktober Der berühmte„Marsch aut Rom!“ 1925 erschlug er den Monarchisten und Exminister Giovanni Amendola, den er in einen Hinterhalt lockt«. Vor wenigen Jahren noch Analphabet, wurde er Unterstaatssekretär beim Unterrichtsministerium uftd führt heute die Oberaufslcht über die Erziehung der italienischen Jugend. Dino Perron« Compagni war vor dem Kriege Offizier und wurde wegen großer Schulden zum gemeinen Soldaten degradiert. Im Kriege brachte er es wieder bis zum Korporal, wegen unsauberer Handlungen wurde er nochtnal degradiert. Im Interesse des Fascis- mus tötete er den in seinem Bett schlafenden Arbeiter Gigli in Amvesenheit dessen Mutter. In Roccastrada und Livorno überfiel er mehrere Leute mit dem Dolch und tötet« sie. Dann wurde «r zum Regierungspräsidenten einer größeren Stadt ernannt, aber bald darauf wegen Unfähigkeit abgesetzt. Im September 1932 ernannte chn Mussolini zum StaatSmini st er! Man darf nicht glauben, daß damit di« Liste solcher ehrenwerten Repräsentanten des Fascis- muS erschöpft wäre; sie ließe sich noch lange fortsetzen. Doch werden diese Angaben Wohl Aenügen, um zu beweisen, daß die innere Starke deS Fascismus eben auf der gegenseitige» Verbundenheit vo» Verbrechern aller Art beruht. Die höchsten Stellen in der Partei und im Staate befinden sich stets in den Händen derselben Führer und Unterführer, die sich gegenseitig i« verschiedenen Posten ablösen. Sobald aber einer von diesen Leuten etwa- gegen Mussolini unternimmt, wird er beseitigt und unschädlich gemacht. Auch dafür möchte ich einige Beispiele anführen: 1923 gab America Dumini einem Mädchen, das an der Bluse eine rot« Nelke trug, auf der Straße deshalb Ohrfeige». Die Mutter und der Bruder dieses Mädchenwaren darüber empört und wurden von Dumini einfach über de» Hausen geschossen. Für diesen Doppelmord wurde er nicht bestraft. Ei» Jahr darauf war er«uter de« Mörder» MatteottiS. Kurz« Zeit»ach seinem Freispruch forderte er öffentlich vo» Mussolini eine Belohnung von 60.000 Lire, di« ihm, wie er behauptet«, für die Ermordung MatteottiS vom italie- Nischen Regierungschef versprochen worden waren. Darum wurde er beseitigt. Ein anderer Fascist, Cesare Rossi, war wegen Beihilfe an dem Mord MatteottiS verhaftet. Im Gefängnis erwachte sei» Gewissen, und er macht« wichtige Angaben über MusioliniS Verantwortlichkeit. Aus der Haft entlaste», mußte er nach Frankreich flüchten. 1928 hielt er sich in der SHveiz auf und wurde von einem angeb- lichen Freunde in einen Hinterhalt gelockt, von Schwarzhemden verhaftet und per Auto nach Italien gebracht. Dort verurteilte man ihn zu 30 Jahren Zuchthaus wegen Hochverrats! 1929 wurde vor dem Ausstellungsgebäude in Mailand auf Mussolini und den König ein Bomben-Atteutat verübt und dabei etwa 20 unschuldige Menschen getötet. ES stellte sich nachträglich heraus, daß sie Täter alle in der fascistischen Partei Mailands zu suchen waren. Doch sie waren hohe Parteifunktionäre und lausen deshalb»och heute frei herum. Der mutige Mussolini, Wenn Mussolini in seinen Ansprachen an «sein Volk" den Mund gewaltig aufsperrt, erweckt er bei vielen den Eindruck einer mutigen Manner. Die Wirklichkeit sieht etwas anders aus! Angelika Balabanoff, di« russische Revolutionärin, war viele Jahre mit Mussolini zusammen in der Redaktion des«Avanti". Sie schreibt über ihn:«Dieser Mensch, dessen Stärke so allgemein bewundert wird, ist der erbärmlichste Schwächling", und sie schildert wiederholt, wie er sich bei>«der Versammlung, bei>eder Demonstration und jedem Streik von ihr hat beschützen *assen. Er fürchtete sich, i« Mailand«achtS allein nach Hause zu gehen, die Frau mußt« ihn bis vor seine Wohnung begleiten! Ueber sein Heldentum im Kriege habe ich schon berichtet. Am 24. Oktober 1922 hatte Mussolini seine Schwarzhemden, 30.000 bewaffnet«, Menschen, in Neapel zusammengezogen, um der damaligen Negierung Facta nut einem„Marsch auf Rom" zu^rohen. Da er glaubte, daß man ihm die Re- aierungSgewalt nicht auSuefern würde, reiste er selbst gleich nach Mailand zurück und hielt sich in der.Redaktion seines Blattes auf, während auf der Straße ein Auio stand, bereit, ihn schnellstens über die Grenze zu bringen, falls die Regierung sein Ultimaium nicht annebmen würde. Der Held Mussolini hätte in diescm Fall« seine.Leut« ihrem Schicksal überlassen. Ali 1926 eine Irländerin, Miß G i b f o n, in Rom auf Mussolini einen Pistolenschuß abgab und ihn leicht an der Nase verletzte, blieb der Duce eine Stunde lang ohnmächtig vor Schreck liegen. Die nationalistische Zeitung „Jdea Nazionale", die, obgleich mit dem FasciS- mus eng befreundet, diese Nachricht brachte, wurde sofort beschlagnahmt. Mussolini trägt ständig unter der Weste ein Hemd aus Itahlmaschrn und reist nur in gepanzerten Autos und im eigenen Extra- Im September 1920 besetzte der linke Flügel der sozialistischen Partei Italiens ohne jede taktische Vorbereitung di« Fabriken in Oberitalien. Daran betelligt« sich auch die ein Jahr vorher gegründete fascistische Partei unter Führung Mussolinis. Eine Woche später müßten di« Fabriken wieder geräumt und freigegebcn werden. Bei per allgemeinen Feigheit und Apathie des Bürgertums hätten die Arbeiter leicht die Macht ergreifen können, aber, wie das leider meisten- bei Revolutionen war— man war sich über di« nächsten Schritt« nicht einig und nach langen Diskussionen siegten di« Reformisten mit etwa. 600.000 Stimmen gegen di« Extremisten, die nur etwa 400.000 Stimmen aufbrachten. Die „Sozialistische Partei" spaltete sich in Kommunisten und Sozialisten. Die letzteren spalteten sich wieder in drei Richtungen: die lmke, di« mittler« und di« rechte.*Auf diese Spaltungen wartete» schon lange die Schwerindustrie, die Groß- agrarier und die Großbanken, die durch den Nachkriegsausschwung der demokratischen Parteien in jeder Beziehung ziemlich kleinlaut geworden waren. Die Sozialisten allein hatten 1919 156 Abgeordnete im Parlament, verfügten über 8000 Konsumvereine mit einem Kapital von 600 Millionen Lire; von den 8000 bestehenden Gemeinden hatten sie in 2136 die Mehrheit; in den freien Gewerkschaften waren über vier Millionen Arbeiter, Angestellt« und Beamte organisiert. Der damalige Ministerpräsident Giovanni Giolitti verhandelte mit Mussolini und es gelang ihm, letzteren von seinem link-radikalen Programm abzubringen und ihn für di« drei besitzenden Stände einzufangen. Diese versorgten den Fasci-mu- nun mrt Mannschaften, Geld und Massen, und Giolittt nahm diese ganze reaktionär« Bewegung in seinen Schutz, weil er hofft«, damit in Italien wieder den alten Obrigkeits- staat einzuführen, wie er zur Zeit der Smia- listengesetze 1892/90 bestanden hatte. Giolitti glaubte, sich de- Fasci-mu- nach Erreichung seine- Ziele- leicht wieder entledigen zu können, aber seine Regierung blieb parlamentarisch in der Minderheit, mußte zurücktreten und seine Nachfolger B o n o n i und Fakta verloren jede Kontrolle über den FascismuS, der chnen über den Kopf wuchs. So bekam Italien an Stelle de- ObrigkeitSstaate- den fascistischen Staat! Und Giolitti, der erst« staatliche Beschützer de- Fascis- mus, trat dann der parlamentarischen Opposition gegen den Fasci-mu- bei. Vom September 1920 an konnten di« Fasci- sten, uniformiert und gut bewaffnet, ihren Gegner ungestraft überfallen und hinmorden, Konsumvereine, Volks- und Gewersschaftshäuser, Zeitungsredaktionen, Privatwohnungen, proletarische Sportvereine zerschlagen und niederbrennen, deren Verteidiger niederstechen. Niemand hinderte sie: die Linksparteien waren uneinig, di« Bürgerlichen sträubten sich gegen«ine gemeinsame Front mit dem Proletariat; die Staatsbürger wurden durch zwei Gesetze in den Jahren 1921 und 1922 entwaffnet und wurden so leichter Opfer der fascistischen Horden. Als di« Mord- und Gewalttaten der Fastisten zu Tausenden angewachien waren, wurden Amnestien erlassen, dir alle dies« Taten als für einen „nationalen Zweck" begangen erklärten. Wie schon erwähnt, befanden sich am 24. Oktober 1922 m Neapel 30.000 Schwarzhemden, und Mussolini hielt«ine seiner feurige» Ansprachen, Dann sauste er nach Mailand zurück und stellt« vo« dort der Regierung da- Ultimatum zur Auslieferung der Staatsmacht innerhalb 24 Stunden. Zwei Tage darauf wurde in ganz Italien der Belagerungszustand verhängt und der damalige Chef des Heeres, General B a d o g l i o, war so wüteiw, daß er sich bereit erklärte, binnen einer Stunde mit der ganzen staatsfeindlichen Bewegung fertig zu werden. Aber man hatte di« Rechnung ohne de» König Bittorio E m a n u e le Hl. gemacht, der aus Angst, den Thron z» verlieren, insgeheim mit Mussolini verhandelt« und ihn am 28. Oktober durch einen BerfassungSbruch mit der Bildung der neuen Regierung betraute. Verfassungen sind ja ebenso wie Verträge gerade dann, wenn der tolerierende Teil sich aizf sie beruftn will, für den intoleranten Teil oft bloß„ein Fetzen Papier".. Mussolini verdankt also sein« Machtübernahme nicht dem berühmten„Marsch auf Rom", der sich erst drei Tag« später per Bahn vollzog, sondern dem königlichen BerfaflungS- bruch. Am 31. Oktober 1922, als die erste Empörung über den Verrat deS Königs sich im Volke etwas gelegt hatte— Völker beruhigen sich immer schnell—, traute sich Mussolini erst nach Rom, wo er mit Sonderzug und Schlafwagen in Mailand eintraf, feierlich empfangen von seinen 50.000 Schwarzhemden, die inzwischen mit GratiSzügen aus Neapel und anderen Orten angelangt und in Rom unter dem Schutz der Carabinieri, der Gendarmen, einmarschiert waren. 1932 jedesmal über 2000 Mensche» zehn Tage vor Mussolinis Ankunft eingesperrt! So ist es um den persönlichen Mut des Diktators bestellt, der Anfang Oktober 1930 auSrief: .Liebet die Flint«, verehrt das Maschinengewehr und in dieser Folge von Gefühlen(!) ver- geht auch nicht den Dolch!" An der Spitze seiner kampferprobten Truppen marschierte Er, der Duc«, nach dem Quiri- nal und eilte zum König: „Majestät, ich bitte um Entschuldigung, wenn ich mich, au- der glücklicherweise unblutigen Schlacht kommend, noch im schwarzen Hemd vorstÄ«. Ich bring« Eurer Majestät da- Italien von Bittorio Beneto, das sich neue» Siege« weiht und bi« Eurer Majestät getreuer Diener!" So sah der heldenhafte„Marsch auf Rom" in Wirklichkeit auS! Mussolini bildete gleich mit dem Zentrum, den Popo la r i, das die Zerstörung seiner katholischen Gewerkschaften und die Ermordung vieler seiner Anhänger durch die Fascisten gänzlich vergessen hatte, eine Koalitionsregierung, in der di« Zentrunzsleute aber absolut nichts zu sagen hatten. Als später alle italienischen Parteien aufgelöst wurden, geschah das gleiche auch mit den Popolari. Ihr Leiter, Professor Ferrari, mußte nach Brüssel, ihr Generalsekretär, der einst allmächtige Don Sturzo nach London flüchten, wo sie sich heute noch befinden, trotz der dicken Freundschaft, di« Mussolini mit dem Papst geschlossen hat. Daß 1922 die Fascisten ohne den Verrat de- Königs am eigenen Land auf gesetzlichem Wege nie die Macht in Italien hätten ergreifen und halten können, zeigt das Stimmenverhältnis der den Wahlen. 1919 erhielt Mussolini im Wahlkreis Mailand mit großer Mühe 19.000 Stimmen, die anti- fascistischen Parteien 180.000! 1921, als Giolitti den Fascisten die Leitung der Wahlkampagne überlreß, konnten diese trotz blutigem Terror nur 32 Abgeordnete entsenden gegen 195 Demokraten, 126 Sozialisten und 91 Popolari(Zentrum). Noch 1924, nachdem Mussolini schon zwei Jahre in der Regierung saß und sogar ein Gesetz eingeführt hatte, wonach di« sogenannte„nationale Konzentration" ganz abgesehen vom Wahlaussall die Mehrheit der Parlamentssitze zugewilt erhielt, entfielen auf die antifafcistischen Parteien im politisch aufgeklärtesten Teile des Landes, in Norvilalien, 200.000 Stimmen mehr als auf di« Fascisten. Die Kundenwerbung des Fascismus. Wenn eine Partei noch nicht am Ruder ist, wenn sie noch klein und unbedeutend ist und gerne groß und mächtig werden möchte, dann sucht sie Kunden zu werben oder Anhänger oder Gläubig«. Den meisten Erfolg verspricht dan» ein umfassendes sozialistisches Programm, von dem nicht abgewichen wird, solange die Partei noch nicht an der Macht ist. Nachher ist solch ein Programm nur von untergeordneter Bedeutung; e- wird lästig, und e- ist am besten, man denkt nicht mehr daran. Da- Programm de- Fascismus vom Jahre 1919/20 lautet« kurz folgendermaßen: 1. Einführung de- allgemeinen Wahlrecht-. 2. Aufhebung des SenarS. 3. Einberufung der Nationalversammlung. 4. Sozialisierung der Industrieunternehmen. 5. Verteilung deS Großgrundbesitze- unter die Frontkämpfer. 6. Einführung einer hohen Kapitals- und Erbschaftssteuer. 7. Beschlagnahme aller kirchlichen Güter und Abschaffung des Einflusses der katholischen Kirche in weltlichen Dingen. 8. Ausrufung der Republik und Ernennung des Dichters Gabriele d'Annunzio zum Präsidenten. 9. Ernennung Mussolinis zum Regierungschef. Von diesem reichhaltigen Programm wurde nur der letzte und wohl auch wichtigste Punkt erfüllt. Von den übrigen acht Punkten wurde nicht nur n i ch r S e r f ü l l t, sondern das gerade Gegenteil gesetzlich verankert. Dafür nur zwei Beispiele: Die schon bestehende Steuer auf Erb- und Hinterlassenschaften wurde gänzlich abgeschafft. Durch das Konkordat vom 11. Feber 1929(Patti del Laterano) wurde die Hilfe des Papstes zur Unterdrückung des Volkes mit drei Milliarden Lire erkauft, von denen die erste Milliarde gleich in bar ausaezahlt wurde. Der katholischen Kirche wurden nicht nur Paläste, Nat'onaldenkmäler und ein Teil der Hauptstadt als souveränes Eigentum überlassen, sondern ganz außergewöhnliche Rechte auf dem Gebiete des Familienrechts, der Eye und des Glaubens eingeräumt. Bei Regierungsantritt November 1922 stellte Mussolini genau dieselben„programmatischen Kampfziele auf, wie heute der deutsche Reichskanzler, verlangte aber zur Durchführung eine Zeitspanne von füni Jahren. Inzwischen sind schon zehn vergangen und ivas hat er | erreicht? Die Konkurse steigen. > Gewöhnlich spricht»an immer davon, daß die Kurse steigen. DaS ist in Italien auch nur bei den Rüstungswerten der Fall, dafür steigt aber die A»hl der Konkurse. Trotz der Anordnung deS Justizministers, Konkurse zu vermeiden, schlägt deren Zahl alle Rekorde. Die Zahl der jHrlichen Konkurse in Italien betrug nach den Veröffentlichungen des römischen statistischen ZentraNnstitutS: 1920 als di« fascistische Partei kaum ge- gründet worden war und kaum 10.000 Mitglieder hatte.... 798 1922 nach zwei Jahren blutigen Bürgerkriegs, den die Fascisten. entfacht hatten 3.858 1925 nach drei Jahren fascistischer Regierung 7.934 1927 nach fünf Jahren fascistischer Regierung und zwei Jayre nach AuS- bruch der Weltkrise 11.418 1931............ 17.796 1932 nach zehnjähriger fascistischer Herrschaft 20.202! Die Weltkrise griff im September 1929 von Nordamerika nach Europa über. In d e m Monat hatte Deutschlarw 637 und Italien 1023 Konkurse, obwohl Italien vorwiegend Agrarland ist und daher viel weniger Handel und Industrie hat als Deutschland, daS außerdem noch eine um 22 Millionen stärkere Bevölkerung besitzt und große Soziallasten und Kriegsreparationen z« tragen hatte. Staatsdeüzit und Staats- sdiulden. Am 16. November 1922 stellt« sich Mussolini mit einer schneidigen Rede der Kammer vor. Sein Programm wär; nach außen Innehaltung d«r Verträge, nach innen Sparsamkeit, Arbeit, Disziplin. Ueber die Lage im Innern sagr« er, daß sich diese wohl gebessert hab«, aber noch nicht so sei, wie er sie wünsche. Es war seinem Vorgänger Nitti nämlich gelungen, das ökonomische Gleichgewicht im Lande wieder herzustellen und das StaatSdefizit, daS bei Kriegsende 23.1 Mld. Lire betrug, innerhalb vier Jahren durch strenge Sparmaßnahmen apf zwei Mld. Live zu reduzieren. Mussolini fand also nicht, wie in einer ihm huldigenden deutschen Zeitung behauptet wurde, 15 Milliarden Defizit bei ftinem Regierungsantritt vor. Da- wurde auch mit Mussolinis oben erwähnter Aeitßerung, daß di« Lage sich gebessert habe, nicht in Einklang zu bringen sei». Es war also vor Beginn der sasclstischen Herrschaft gelungen, das Budget saft auszubalancieren und dabei dem Staate die Mittel zur gründlichsten Sanierung zu liefern, die je im Nachkriea-europa unternommen worden ist. Mussolini wollte diese Lage nun weiter per- bessern und rief aus:„So möge mir Gott seine Hilfe leihen, wenn ich meine harten Bemübun- grn zu einem siegreichen Ende, führe!" Hier ist das Ergebnis seiner harten Bemühungen: Während m Deutschland das Defizit im Staatsbudget seit der Inflation bis zum September 1932, also innerhalb neun Jahien, auf 1.69 Milliarden Mark anwuchs, belief es sich in Italien in den setzten dreieinhalb Jahren nach Angaben tzeS Scnators Federico Ricci auf 15 Milliarden Lire= 3 Milliarden Mark. Allein vom 1. Juki bis 31. Oktober 1932, also in vier Monaten, betrug das Defizit nach amtlichen Angaben 1,5 Milliarden Live, und in diesem Winter durfte eS aus mehrere Milliarden steigen. Seit November 1922 werden die Einkünfte deS Staates in der Hauptsache für das Wohlergehen der Partei und ihrer Bonzen, für die Parteimiliz, die Kriegsrüstungen, Zinsentilgung (jetzt 27 Prozent des Hau-hafts), für Subventionen an Privatunternehmer, Banken und Schwerindustrie(man sieht, die„Sozialisierung" marschiert!),' für die häufigen Feierlichkeiten des System- verwandt. Der Triumphzug des Duee 1926 nach dem „befriedeten" Lydie» kostete allein 300 Millionen Lire. Mussolini läßt deshalb seine wezugen. wen» auch Prunkhaften öffentlichen Arbeiten meist aus Kredit au-führen, so daß der Staat im Oktober 1932 nach röm'schen Angaben den Unternehmern und Arbeitern 77.7 Milliarde» Lire schuldet. DaS bedeutet eine durchschnittliche V o r e belastung von jährlich 7.7 Milliarden Lrc für die kommenden Haushaltsjahre! Außerdem besteht noch ein« Inlands- schuld von 106 Milliarden Lire. Hierzu kommt die Morgan-Anleihe von 600 Millionen Dollar=: 12 Milliarden Site, das dem Institut für Sozialversicherung weggenommene Kapital von 6 Milliarden Lire und die K r i■: g s- schu lden, von denen di« an England zu zahlenden seit Jahren nicht mehr beglichen werden und die an U. S. A eine» jährlich relativ kleinen Betrag aus machen. Im November 1932 machte Italien an U. S. A. das Angebot, die im Dezember fäll'ge Kriegsschuldenrate pünktlich zu zahlen. Sein Entschluß, sich dem von England und Frankreich gewünschten Moratorium nicht anzuschließen wird niemand Wundern, der die Sachlage und di« Bluff-Methoden des Fascismus kennt. Die im Dezember 1932 fällige Kriege schuldenrate Englands an U. S A. betrug 28 Millionen Pfund oder 2L Milliarden Lire, die CltlttltHtg«. Frankreichs 13.12 Milliarden Franken oder 10.5 Milliarden Lire, die Italiens nur 0.5 Milliarden 8ir«. Es beste hl also ein großer Unterschied rn der Höhe der Kriegsschuldenrate der drei Siegermächte. Italien hat Sa« größte Interesse daran, sich U. S. A.^gegenüber„großzügig" zu zeigen, um nicht die Stabilität der Lira, die nur einen Lcheinwert hat, weiter zu gefährden. 1826 betrugen die Kriegsschulden Italiens In Deutschland dringen jetzt di« Befüvwor- to» der Autarkie nnwi mehr in R«gierungskreisen ihren Bestrebungen durch und viele glauben iS* Volke, daß dies der Wog zur wirtschaftlichen "esündüng sei. Das Beispiel in Italien sollte di«sen Kreisen aber zu denken geben. Schon in den ersten Jahren seiner Regierung erklärte Mussolini, Italien könne mit feiltet eigenen landwirtschaftlichen Produktion auskommen und dürfe keine Einfuhr landwirtschaftlicher Produkte dulden. Die berühmte Autarkie und die Kontingente wurden eingeführt und diese führten, ver- butsiden mit der unheilvollen, nur. aus Prestigegründen gestützten Ueberwertung der Lira(1927), jetzt zum Zusammenbruch der Handelsbilanz. Italien ist bekanntlich sehr arm an Rohstoffen und muß daher einführen: 99X seines Bedarfs an Baumlvoll«, Kupfer, Mineralölen 95% seines Bedarfs an Kohl« 80% seines Bedarfs an Wofle 53% seines Bedarfs an Metallen. In den Jahren 1927 bis 1930 war di« Ein fuhr dieser Rohmaterialien um zehn Milliarden Lire zurückgegangen, während die Ausfuhr au fertigen und hlübfertigen Fabrikaten und an landwirtschaftlichen Produkten in derselben Zeit um 7.5 Milliarden Lire abgenommen hatte. 1932 betrug di« Gesamtausfuhr an landwirtschaftlichen und industriellen Produkten 1.3 Milliarden Li«. Sie war tn den letzten zwei Jahren«m über 15 Milliarden zurü^e gangen! Einige Angaben auS„Jl Sole" vom 21. August 1932 zeigen deutlich den katastrophalen Rückgang des Export« nach Deutschland innerhalb eines J«H«S: Gegenüber 1930 ging der Export nach Deutschland im Jahre 1931 um folgende Mengen zurück: Reis 60.314 Zentner Tomaten40.108 Zentner Mandeln. 30.492 Zentner Apfelsinen u. Mandarinen. 565.624 Zentner Eier. 55.25 Mill. St. Die Ausfuhr an frischen Blumen betrug 1913/14 94.346 Zentner im Jahresdurchschnitt 1927/30 56.000 Zentner 1932 war die Ausfuhr an Blumen gleich Rull. Di« verminderte Ausfuhr nach Deutschland entspricht nicht etwa einer kleineren deutschen Einfuhr an, diesen Produkten, sondern Deutschland hat diese Waren von anderen Ländern bezogen. Die öffentlichen Arbeiten Heber dieses Gebiet hört man in Deutschland und auch in andern Ländern die meisten Lobpreisungen Mussolinis, obgleich man sich dabei nur auf Angaben berufen kann, di« in Italien amtlich publiziert werden. Man muß deshalb auch hier die durch den FasciSmuS geschaffene Lage genauer betrachten. In zehn Jah«n hat der fascistische Staat mehrer« Regierungsgebäude und Denkmäler, darunter zwei für die Verherrlichung Mussolinis, errichtet, m den von Ausländern am meisten besuchten Provipzen einige Autostraßen anlegen und den N e m i- S e e trockenlegen lasten, um zwei Schiffe des römischen Kaisers Ealigula, aus denen alles Wertvoll« längst yerausgefischt war, anS Tageslicht z« fördern. Hier sei mir eine kleine Einschaltung gestattet: Wer war Ealigula? Professor Qurdde berichtet von ihm nach römischen Autoren: „Die Haupttriebfeder seiner Handlungen war nicht der Wunsch, Gutes zu schaffen, sondern der Ehrgeiz, als Förderer populärer Bestrebungen be- wundert zu werden und alS großer Mann auf die Nachwelt zu kommen. Der durchgehend« Charakterzug seiner Maßregel» war eine nervöse-Hast, die unaufhörlich von einer Ausgabe, zur andern eilt«, sprunghaft und ost widerspruchsvoll und dazu eine gefährlich« Sucht, aller selbst auszuführen."— Typisch für Ealigula sind: Prunk- und Verschwendungssucht, riesenhafte Bauten und Bauprojekte, Heißhunger nach militärischen Triumphen, ins Krankhafte verzerrte Borliebe für die See, komödiantischer Zug, Beredsamkeit, Neigung, alles herabzudrücken, was neben ihm selbständige Geltung beanspruchen kann und jedermann seine Macht fühlen zu lasten, Berb«itung von Furcht und Schrecken, typische Einzelerscheinung: er will den Stand der Juristen völlig ausrotten, Verwendung des Homer-BerseS:„Einer sei Herrscher, einer nur König!" Grund genug für Mustolini, die alten verfaulten Wracks mit ungeheuren Kosten der wohlverdienten Versunkenheit zu entreißen! Außerdem wurden noch einige Ausgrabungen vorgenommen und die Trockenlegung der Sümpfe, die unter den frühe«n demokratischen Regierungen schon sehr weit vorgeschritten war, fortgeführt. Bezüglich der Urbarmachung der Sumpfe muß darauf hingewiesen werden, daß vor etwa 70 Jahren der dreizehnte Teil des Königreichs, 2 Millionen von 26 Millionen Heftar, aus Sumpfland bestand, von denen ü Million Hektar keine Aussicht auf Urbarmachung bot. Von den übrigen 1'/« Millionen Hektar waren bei Kriegsbegmn*/» Millionen kultiviert. Nach dem Kriege blieben noch IX Millionen zu bearbeiten. Schon vor Mussolini waren 1922 auf einem Gebiet von 1.2 Millionen Hektar die Arbeiten im Gang« und die Hälfte davon bereits fertiggestellt. Dem FasciSmuS blieb nur noch ein Gelände von 280.516 Hektar nach den Maßnahmen der frühe«« Regierungen zu sanieren. Bon 1922—1928 wurden aber nur 116.000 Hektar trockengelegt, dann wurde für dir weiteren Arbeiten das nötige Geld nicht mehr bewilligt. Statt der'/* Milliarde Lire, die noch 1930/81 dafür aufgewendct wu den, wurden im vorigen Jahr nur noch 3'.'.> Millionen Lire, also der 75. Teil dafür ausgegeben. Samstag, den Ak. Feber 1938. HI. Von dem Sumpfland ist das Neunfach« besten, was unter Mufsoliuis Aeaide trockengelegt wurde, von. den demokratischen Regierungen kultiviert worden. Es ist also eine ganz bewußte Lüge und der größte Bluff, wen» Mussolini immer von solchen Arbeiten, von denen andere Regierungen gar nicht reden, weil sie selbstverständlich sind, ein solches Geschrei macht und behauptet, daß nur der Fascismus etwas leisten könne. Diese Methoden des Bluffs entsprechen so ganz dem Wesen eines„Mannes von Format", Wie dieser Diktator von servilen Schmocks genannt wird, der in seinem Arbeitszimmer Besuchern gegenüber den intuitiven Denker mimt, indem er ein Schriftstück nnt energischen, blitzschnellen Korrekturen versieht, wahrem) er in Wirklichkeit nur einzelne Worte durchstrichen und durch dieselben Worte ersetzt hat. Ja, gewiß steckt der Fascismus eine Menge weggeworfenes Geld in öffentliche Arbeiten, die nur dazu dienen, den Fremden quasi Potem- krnsche Dörfer vorzuzaubern. So hat der neue Bahnhof in Mailand eine Milliarde Lire gekostet, die beiden Ozeandampfer kor und 6onto di Savoia zusammen 700 Millionen Lire und eine einzige 45 km lange Renommierstraße am Gardasee 200 Millionen Lire. Uebrigens werden di« meisten öffentlichen Arbeiten mit 7prozentiaen Schatzanweisungc'' bezahlt, die erst in 15 Jahren fällig werden. Die Arbeitslosen. Die Zahl der Arbeitslosen wurde im Frühjahr 1932 amtlich mit 1J4 Millionen angegeben. Am 31. November 1932 soll die Zahl auf 956.357 zurückgeaangen sein, wovon nur 280.000, also noch nicht mal em Drittel, vom Staat unterstützt wurden. Am 31. Dezember 1982 gab es nach amtlicher Meldung 1,225.470 Erwerbslose. Die Arbeitslosenunterstützung in der Industrie wird nur drei Monate lang gezahlt, für Landarbeiter und Hausangestellte zibt eS keine Unterstützung. Der Jrdu- triearbeiter erhält, je nach der Klasse seiner Ver- lcheruno, pro Tag 1.3 biS 4 Lire(2.26—6.56 Kö). Nach Ablauf der drei Monate werden alle diejenigen, di« außerhalb ihres Geburtsortes arbeitslos geworden sind,— und das sind in Italien die meisten, weil die Industrie dort noch verhältnismäßig jung ist und fast alle Industriearbeiter erst in den letzten Jahrzehnten vom Land zuwanderten— von der Polizei nach ihrem Geburtsort abgeschoben. Dort haben sie keinerlei Anspruch auf Wohlfahrtsunterstützung und müssen sehen, wie sie aus eigenen Kräften weiterkommen. Diese abgeschobenen Arbeitslose« werden nicht mehr als Arbeitslose gebucht, sie verschwinden amtlich— eS sind moderne „lebende Leichname". Wenn man bedeickt, daß schon 1927 alle Spinnereien und Webereien der Provinz Novara— die größten und wichtigsten Italiens— geschlossen wurden, daß die wichtige Autoindustrie schon mehrere Jahre vor der Weltkrise ihre Belegschaft auf ein Zehntel der Nachkriegszeit herabgesetzt(Fiat, Alfa Romeo usw.) und die Arbeit am lauferchen Band eingeführt hatte, daß die Einfuhr an Rohmaterial schön 1930 um 10 Milliarden Lire zurückgegan- qcn war, dann ist es Wohl vollkommen klar, daß die Erwerbslosigkeit in der Industrie Italiens viel größer ist als amtlich zugegeben wiM. Dazu kommt noch die. Arbeitslosigkeit in der Landwirtschaft. Wenn, wie schon ausgeführt, die Landwirte ihre Produkte nicht loS werden können, dann ist es zweifellos, daß auch auf dem Lande nicht mehr so viel gearbeitet wird wie in normalen Zeiten. In Italien gehören 24 Millionen dem Mittelstand an(Landwirte,»Beamte, Geschäftsleute, selbständige Handwerker' und Angehörige der freien Berufe), während die Zahl der Arbeiter nur. 18 Millionen beträgt, davon sind 9 Millionen Industrie- und 9 Millionen Landarbeiter. Die Zahl der heute in Italien Arbeitslosen kann man auf mindestens 8 Millionen schätzen. Von der amtlich angegebenen Zahl sind die zwei Drittel Nichtunterstützter meist junge Leute, die in den Industriestädten geboren sind und darum nicht abgeschoben werden können. In den häufigsten Fällen sperrt man die abzuschiebenden Arbeitslosen in ein Gefängnis, bis irgendwie daS nötige Reisegeld beschafft ist; diese Maßnahme bezweckt, um all« diese Leute auS der Oefsentlich- keit zu entfernen, da sie ja den Fremden die Zlstgen über die wahren Zustande Italiens öffnen könnten. Im Cellular«, dem Hauptgefänanis Mailands, Warrn im Jänner 1932 3000 Arbeitslose, zusammen mit Verbrechern eingesperrt. Mussolini hat ost erklärt, die Arbeitslosen seien selbst daran schuld, daß sie keine Arbeit haben, sie seien eben zu faul, darum sei er ein grundsätzlicher Gegner der Arbeitslosenunterstützung. Das Elend der Arbeitslosen und ihrer Fa- untren auf dem Lande ist unbeschreiblich, die meisten betteln oder leben von kleinen Diebstählen oder sie nähren-sich nur von Kräutern. 1929 berichtete der fascistische Abgeordnete Serena in der Kammer, daß in vielen Teilen Italiens die Leute aus den Felder« Gras sammel«, um es zu koche» und zu esse«. Sofort kam ein Reporter des Pariser„Matin" nach Rom und fragte Mussolini, ob das wahr sei und wie das mit seinen Ansichten über die Abschaffung des Klassenkampfes und di« Hebung des 'Bolkswohls zu vereinbaren sei. Mussolini erwiderte, und diese Antwort wurde mit großen Lettern in allen Blättern Italiens verkündet:. „Wenn ich«S befehle und das Vaterland cs fordert, ist jeder Italiener bereit, fich nur mit GraS z« ernähren!" „Jeder" scheint mir etwas übertrieben, dem: Mussolini ist ja auch Italiener, im Gegensatz zu Regierungschefs, die ihre Nationalität sukzessive erworben haben.— aber die Mitteilung Serena' stimmte. Die Staatsgewerksdiaiteli Mussolini will den Klasseickampf. abfchafse:. deshalb hat.er auch die Gewerkschaften verstaat licht, die ja sonst in allen Ländern Organe d Klaffenkampfs sein sollten. Nicht nur alle Arbeiter und Beamten, au^, die freien. Berus« müssen in den fascistische» Gewerkschaften.organisiert.sei», wenn. sie. das Rech: auf Arbeit haben.wollen. Andere Gewerkschaften sind verboten. Jedem, der sich gegen den Fascis- muS betätigt hat, ist die Zugehörigkeit zu den Gewerkschaften untersagt, trotzdem muß er aber die Beiträge zahlen. Nach der 6aota clo I-avoro(Gesetz der Arbeit) vom Jahre 1926 werden alle Sekretäre und Funktionäre dieser Gewerkschaften von der Regierung ernannt und bezahlt, alle Tarif- und Einzelverträae und alle Lohnsenkungen(auch in Italien sind Lohnerhöhungen sagenhaft gewor den^ gehen durch ibre Hände; sie fassen ihre Be schlusse nur nach den Befehlen der Regierung' die Arbeiter, werpen überhaupt nicht gefragt. Streiks sind streng Verbote« und werden mi mindestens einem Jahr schweren Kerker bestrast. BiS 1930 wurden Arbeitskonflikte von A- beitsgerichten, bei denen di« Arbeiter aber nicht vertreten waren, entschieden. Heute entscheidet sie das Ministerium der.^Korporationen". Dort tagt ein Gericht. daS auS 12 Vertretern der Arbeitgeber, 12 Vertretern der Regierung, 2 der staat lichen Genossenschaften und 1 der Staatsunternehmen besteht. Die Gewerkschaften haben, wie man sich:, wenig Rechte, aber viel Pflichten: vor allem müssen die Beiträge pünktlich bezahlt werden: dann muß jeder Orga«ifierte an de« vielen faseisti- schen„freiwilligen" Kundgebungen teilnehmen und wenn er nicht große Begeisterung an de:: Tag legt, wird er erbarmungslos aus der Mil- glieverliste gestrichen und verlrert damit jedes An recht auf Arbeit oder Unterstützung. Auf Vorschlag des Professors Fanelli vo: Juni 1932 werden jetzt die Gewerkschaften m i l i t ä r i s ch organisiert, um Kanonenfutter für den Fall bereit zu stellen, daß in Genf eine Herabsetzung der Wehrmacht zustande käme(was man aber Wohl nicht zu„befurchten" braucht). Die Einführung der A r b e i t 8 dienstpflicht steht auch in Italien bevor. Das Arbeitseinkommen. Man wird sich schon selbst sagen, daß in einem Lande, wo die Pflichten der Arbeiter, Angestellten uw) Beamten so lückenlos und straff geregelt sind, auch die Rechte ihre Grenzen haben und vor allem die Löhne» nicht etwa ins Unae- meffene steigen. Nun, dafür ist gesorgt. Seit der Machtübernahme durch den Fascismus haben die Arbeiter, Angestellten und Beamten einen durchschnittlichen Verlust an Löhnen und Gehältern von zehn Milliarden Lire jährlich gegenüber den Löhnen der unmittelbaren Nachkriegszeit. Obwohl Lebensmittel und Wohnungen sehr teuer geblieben sind, wurde 1926 die Teuerungszulage abgeschafft und dann erfolgten nachstehende generelle Abzüge: Avril 1927.... 10 Prozent Oktober 1927.... 10„ Septemb. 1930.... 10 Septemb. 1931.... 12„ Bei diesen 10 Prozent Abzügen blieb es nicht, sondern im vorigen Jahr erfolgte» neue Kürzungen, deren Ausmaß aber von Kalegö». zu Kategorie verschieden war. Heute tragen sich die Industriellen mit der schon in manchen Teilen Italiens verwirklichten Absicht, den Loht: in Naturprodukten und nicht mehr in bar auszuzahlen— Wohl mit trockener Polenta, einem wohlschmeckenden Gemisch von geriebenem Mais, Salz und Wasser! DaS Bureau des Internationalen Arber: amteS in Genf veröffentlichte im"Juli 1930 ein. Tabelle über die Kaufkraft der Löhne in den verschiedenen Kulturländer«: U. S. A 190 Kanada..... 155 England..... 100 Holland 82 Deutschland.... 73 Polen 61 Oesterreich.... 48 Jugoslawien.... 45 Spanren 40 Italien,»,.. 39 IV. 8»«ket*efl«ge. Bett 28. Feber 1933. Heute, wo jedes Land auf seine Rekorde aller Art stolz„ ist, sollen wir Italiener da nicht auch stolz darüber sein, daß wir schon vor drei Jahren den Rekord in Bezug auf die niedrigste Kaufkraft der Löhne erzielen konnten'?! Mussolini aber ruht nie, er hat inzwischen drei weitere Lohn- und Gehaltskürzungen verfügt! Der durchschnittliche Stundcnlohn beträgt in der Industrie 2.24 XL, auf dem Lande 1.52—2.08 Ke für männliche Arbeiter, auf dem Lande 0.80—1.28 Ke für weibliche Arbeiter. Alle Rekorde wurden in der Höhe von Rom geschlagen, wo im Juni 1932 Landarbeiter Kronen 5.20 pro Tag verdienten! Der Mittelstand ist nicht viel besser dran. Es werden da folgende Monatsdurchschnittsgehälter gezahlt: KL eine gute Stenotypistin 616.— ein« Verkäuferin....... 352.— eine Buchhalterin 528.— ein unterer Beamter mit Frau und 2 Kindern........ 896.— ein mittlerer Beamter mit Flau u^> 2 Kindern 1056.— ein Lehrer oder eine Lehrerin, Anfangsgehalt 480.— ein Lehrer oder eine Lehrerin nach 40jähriger Dienstzeit..... 1600.— Die Lebensmittelpreise. Da das Einkommen der meisten Italiener im günstigsten Falle doch nur zum Kauf der not- wendiasten Lebensrnittel ausreicht, beschränke ich mich darauf, auch nur einige Preise anzugeben. Es kostet heute pro Pfund: . KL Weizenmehl(20 Proz., dazu 80 Proz. Reismehl, Sojabohne und Kleie). 2.— Weizenbrot(dieselbe Mischung).. 1.76 Schweinefleisch........ 10.— Wurst......... 14.40 Zucker 5.84 Zucker bis 1923, d. h. vor Einführung der Autarkie, die die einheimischen Produkte begünstigt 2.40 Ziegenkäse 11.68 Butter........... 36.40 Kaffe« 19.20 Ein Paar gewöhnliche Schuhe kosten 160 bis 240 Kronen, ein Herrenanzug 800 Kronen. Die Mietspreise betragen für ein« Arbeiterwohnung in Borkriegshäusern, aus einem Wohnraum mit kleiner Küche bestehend, in Mailand monatlich 210 Kronen in Rom„ 331 Kronen Ein ganz einfach möbliertes Zimmer ohne Heizmöglichkeit kostet in Rom monatlich 560 Ke. Die Folgen der Verelendung• Nicht jeder Staatsbürger ist in Italien so „nackt am Ziel" angelangt, daß er 200.000 Lire Steuern zahlt, wie»er Duce. Das schon erwähnte schmackhafte Gericht, die Polenta, ist inzwischen zu einem Demokratischen" Gericht geworden, denn während es bis 1926 nur den untersten Volksschichten als Nahrung verMnnt war, wird es heute von der Mehrheit des Volkes gegessen, auch von einem großen Teil des Mittelstarwes; di« Minderheit muß sich dieses lukullische Mahl versagen und begnügt sich deshalb mit gekochtem Gras. Die hauchdünne Oberschicht natürlich will dem Volke nicht den letzten Bissen wegnehmen. Sie unterzieht sich täglich der schweren körperlichen Anstrengung, gut zusammengestellte Menüs zu absolvieren. Ich kann für Italien noch einen Rekord buchen, und zwar teilte die große Wirtschastszei- tung„II 8ols" am 13. August 1932 mit, daß 1930 für die Ernährung der Bevölkerung über 73 Millionen Doppelzentner Mais verbraucht wurden. Das ist auf den Kopf der Bevölkerung täglich ein Pfund. Mais ist der Hauptbestandteil der berüchtigten Polenta, zu der man außerdem nur noch Wasser und Salz als verfeinernde Zutaten braucht. Der italienisch« SkmLul ist die Pellagra, ein« Hautkrankheit, die nur diesem NahrunasmittA zu verdanken ist. Sie war in der vorfascistischen Zeit fast vollkommen verschwunden und ist heute wieder zur Maflewkrankheit geworden! Im Frühjahr und Herbst vorigen Jahres fanden m verschiedenen Gegenden Italiens Hungerrevolte« statt, die aber in Blut unterdrückt und erstickt wurden. Im Jahrbuch des Völkerbunds 1931/32 wich berichtet, daß, während die Bevölkerungszahl in Deutschland und Frankreich ziemlich stabil geblieben ist, sie in JtÄien um 406.009 durch starke Zunahme der Totgeburten und Todesfälle infolge Unterernährung gesunken ist. Die Wehrhaitmachung des Volkes. Mussolini hat mehrmals erklärt, es sei gar nicht notwendig, daß die Italiener lesen und schreiben können, cS sei viel nützlicher für sie, wenn sie lernen, Dolch und Gewehr gut zu gebrauchen. ' Man hat in den letzten 10 Jähren 9000 Schulen gesperrt, weil jede von weniger als 20 Kindern besucht war. In manchen Teilen Italiens, besonders im Süden, sind heute noch 50 bis 75 Prozent der Bevölkerung Analphabeten. In den Abbruzzen fehlen Volksschulen überhaupt in 70 Prozent der Gemeinden. Alle Kinder im Alter von 8 Jahren werden obligatorisch in die faseistisch« Kinderarm«« gesteckt: die Knaben kommen in die ö a 1 i 11 a, die Mädchen in di« Plecole Italiane. Mit 14 Jahren kommen die Knaben in die Avan- iruardisti, die Mädchen in die Giovane Italiane; mit 18 Jahren werden alle in di« männliche oder weibliche Miliz eingegliedert. Schon mit 8 Jahren erhalte« die Kinder«ine schwarz« Uniform und werde« mit Pistole, Dolch und Gewehr bewaffnet: 14jahrig unterrichtet man sie im Gebrauch der Maschinengewehr«! Großes Aufsehen machten 1928 etwa 100 Mädchen im Alter von 12 bis 14 Jahren, di«, vollständig bewaffnet und beritten, die Leibgarde Mussolinis, die sogenannten Moschettieri di Mussolini bildeten und öffentlich als solche auftraten. ? n die Kinderarmee steckte man auch die eiden Kinder Matteottls, denen verboten ist, den Namen ihres Vaters zu tragen. Dort werden sie in der Anbetung des Mörders ihres BaterS ausgezogen. Die ganze Erziehung dieser Kircher gipfelt in einer systematischen Fälschung der Lrndesge- schichte und in methodischer Verdummung. Der Jugend gegenüber wird Muffolini als der große Genius hrngestellt, dem allein es zu verdanken ist, daß Italien Brücken und Straßen hat, der das Volk aus der Barbarei des Mittelalters zur wahren Kultur geführt hat. Deshalb sind auch alle aufklärenden B ü- cher über Krieg, Sozialismus und soziale Fragen, Menschenwürde und Menschenrechte usw. in Italien verboten, z. B. Voltaire, Tolstoi, Gogol, Turgenjew, Zola,.Remarque um> ähnliche. Seit- Feber 1929 ist der katholische Unterricht in den Volksschulen wieder obligatorisch. Alle Kinder müssen ein Gebet hersagen, rn dem vor allem vom„lieben Gott" verlangt wird, daß er dem italienischen Volke so lange wie möglich das kostbare Leben von„Mussolini, vom Papst und vom König" erhalte. In der fascistischen Kinderarm«« sind 2,072.029 Jugendliche, darunter 741.302 Mädchen(im September 1932). Sie werden in einer dauernden Psychose gehalten, um ihre brutalen Triebe zu entfalten und um im Kriegsfall ein« gute Reserve an Kanonenfutter zu haben. Die eigentliche Miliz, die 10 Jahre dienstpflichtig ist, besteht ans 1,100.000 Schwarzhemde« mit 30.000 Offiziere«. Drei Monate nach dem Marsch auf Rom wurde die Miliz vom Staate anerkannt und besoldet. Jedes Schwarzhemd wird, ebenso wie di« Mitglieder der Kinderarmee, auf Staatskosten gekleidet und Während der Dienstleistungen beköstigt. Der Tagessold für die Schwarzhemden betragt 15.5 Lire. Die Offiziere der Miliz haben doppelt soviel Gehalt wie die Offiziere des Heeres. Milizleute, die sich im Kampf für die Erhaltung deS Muffolinischen Systems auszeichnen oder ine als Grenzmiliz Menschen«iederschießen, die ohne Erlaubnis der Behörden das italienische Paradies zu verlassen trachten, erhalten»Kriegs"« Medaillen und sobald sie sich irgendeine Verletzung zuziehen,-KriegS"renten. Dafür wird den Frontkämpfern die Rente entzogen, wenn sie irgendwie eine antifascistische Gesinnung bekunden. Als England und Frankreich 1931 in Genf von Mussolini die Abschaffung dieses Parteiheeres, in dem alle Waffengattungen vollständig vertreten find, verlangten, weigert« sich Mussolini und erklärte, diese Miliz diene dem FascismuS und nicht dem Lande. In seiner Weigerung wurde er von Rußland und Japan unterstützt. Als Pflicht jedes guten Italieners uud Fasci- sten wird die Angeberei hingestellt, und daS Denunziantentum steht in meinem Heimatlande in größter Blüte. In der eigenen Familie ist man nicht vor Angebern sicher. Jedes Gefühl für Menschlichkeit, für Familiensinn, für natürliches Empfinden wird durch den verheerenden Einfluß der fafcistrschen Erziehung getötet. So steht z. B. der Bruder des ermocheten Z a m b o n i, dessen Vater und Tante zu je 30 Jahren Zuchthaus verurteilt wurden, und dessen Mutter am Grabe auS Gram den Verstand verlor und ball» darauf starb, als bezahlter Spitzel im Dienste des FafciSmus. Mussolini hat sehr viel für das Christentum übrig, wie erS versteht. Deshalb hat er für di« Miliz folgendes Gebet angeordnet: „O Gott, der Du jede Flamme entfachst und jedes Herz stärkst, erneuere jeden Tag mein« Liebe zu Italien. Mach mich immer mehr unserer Toten wert, so daß sie selber, die die Stärksten waren, den Lebenden mit dem Rufe antworten müssen: An die Gewehre! Erfülle meinen Glauben an den FascismuS mit Deiner Weisheit und mein Gewehr mit Deinem Willen. Schärft meine Erkenntnis und stärke meinen Fuß auf den Wegen, die dem Lande heilig sind, auf den Straßen, an den Küsten, in den Wäldern und an der vierten Küste Nordafrikas, die«inst die Küste Roms war." Als guter Christ hat der Duce seinen Milizsoldaten auch „Zehn Gebote" geschenkt, von denen einige besonders christliche mitgeteilt seien: 1. Wisse, daß der Fascist, namentlich als Milizsoldat, nicht an den ewigen Frieden glauben darf. 6. Gewehr und Munition find Dir nicht als Schmuck anvertraut, sondern damit Du sie für den Krieg aufbewahrst. 7. Die Manneszucht ist die Sonne der Heere. 8. Mussolini hat immer recht. 10. Am teuersten sei Dir das Leben des Duce! Im Oktober 1930 sagte Muffolini: Italien ist heute ein ungeheures Manöverfeld, auf dem Millionen von Männern sich schweigend üben, zu Lande, zu Meere und in der Lust, in den Schulen und auf den Sportplätzen, in den Kirchen, für das große Opfer ihres Lebens, für die Erneuerung der Raffe, für die Ewigkeit der Latini- tät, für di« große Schlacht, di« morgen ftattsinden wird oder me!" Hoffen wir das Letztere! Die Militär- und Polizei macht. Italien hat zur Zeit«in stehendes Heer von 330.000 Mann mit 21.000 Offizieren. Jeder gemeine Soldat erhäft täglich 50 Centesimi(80 h). Die Staatspolizei hat eine Stärke von 200.000 Mann. Sie überwacht sogar di« Privatkorrespondenz, di« Telegramme und durch besondere Adhörapparate die Telephongespräche der ja immerhin noch in der Mehrzahl verbleibenden zivilen Bevölkerung. Die Gendarmerie(Carabinieri) ist 60.060 Mann stark. Jede Gemeinde hat außerdem noch ih« eigene Ortspolizei. Dann besteht noch eine besondere Geheimpolizei, die Opera Volontaria Repression« antikaseista, abgekürzt OVRA, die nach Anschlägen und Komplotten gegen den Bestand bei saftistifchen Systems forscht(es soll auch schon bestellte Attentate gegeben haben) und alle Verdächtigten dem Sondergericht ausliefert. Diese OVRA wurde 1930 nach dem Vorbild der russischen G.P.U. gegründet, well Mussolini dahinter kam, daß in Italien«ine größere und gut organisiert« antifascistische Bewegung unter dem Namen Giustizia« libertä(Gerechtigkeit und Freiheit) die Be- freiung des italienischen Volkes aus feinet furchtbaren Sklaverei vorbereitet. In Italien rechnet man auf jeden elften Menschen heute entweder einen Soldaten oder einen Polizisten oder einen Spitzel! I» Deutschland entfällt auf etwa jeden 250. Einwohner ein Soldat oder Polizist. der Unterschlagung von 30 Millionen Lire bezichtigte. Eine fascfftische Kommission, di« den Fall untersuchte, erklärte, daß zwar die Zeugen die Anklage bestätigt hätten, es liege aber kein schriftlicher Beweis vor, um Belloni den richten übergeben zu können. Belloni wurft als Direktor eines Staatsunternehmens n«b Neapel versetzt und Muffolini tadelt« in der Presse Farinacci, indem er schrieb, es sei„weder anständig noch der fascistischen Art entsprechend, «inen Kameraden anzuzeigen". Ein Kommentar ist da Wohl überflüssig. Die politischen Parteien• lieber di« politischen Parteien in Italien ist nicht viel zu berichten. 1926 wurde alles, was nicht unter dem fascistischen Zeichen standganz gleich, ob eS sich um Parteien, Wirtschaft lichc, kulturelle, sportliche oder sonstig« Bereit handelt, aufgelöst und verboten. Nur di« denffche N.S.D.A.P. hat das in Italien ihr« Uniforme«««d Abzeichr» öffentlich zu trage«. Im Oktober 1932 wurde durch ein Dcktck die fa'cistische Partei dem Staate offiziell gleich', gestellt und erftört, daß Staat und Parte' gleichbedeutende Begriffe seien. 3" Genf las mans kurz vorher anders. Wer nicht seit 1926 Mitglied d«r fascistisch"' Partei ist, kann kein« Staatsstelle erhalten, ft* 1* Jänner 1932 wurde allen Professoren an de» Universitäten befohlen, in ihren lesungen faseistisch« Propaganda V treiben unter Kontrolle der aus Studenten bestehenden Universitätsmiliz. Alle Bk? sefforen mußten einen Eid lefften, nftmals W einen, gleich welcher Art, beizutreten, die bet fascistischen Lehr« nicht entsprechen. Dreißig 1>- der wissenschaftlichen Welt sehr bekannte Ptv- fefforen weigerten sich, diesen Eid zu leisten u"" Propaganda zu machen. Sie wurden all« der Stelle ihres Amtes enthoben. Der 75jährige Professor Negrisoli wurd«*** Studenten überfallen und blutig geschlage»- bis er ohnmächtig zusammenbrach. Weibliche Lehrer dürfen weder an SW schulen noch Gymnasien unterrichten. Für gemeinsame Wanderungen, Tan!' abende, Beerdigungen, kurz für jede Zusammen- kunft mehrerer Personen muß vorher eine W* laubniS von der Polizei eingeholt werden. Erlaubnis wird verweigern,' wenn nur einer Teilnehmer politisch verdächtig ist oder genommen wird, d« Teilnehmer könnten über wirtschaftliche oder politische Fragen a»^ sprechen. Bei Beerdigungen bekannter zialisten wurde den Verwandte«\ Verstorbenen das Betrete« deS Frica. Hofs untersagt. Die Polizei holte die W chen nachts ab und«in Gendarm stand nein dem Grab, damit niemand Blumen nieder!^ konnte. Ich könirte verschiedene solche Fälle»'s schildern, der letzte mir bekannte ist der des' diesem Winter verstorbenen Mitbegründers 5. sozialistisihen Partei Camillo Prampol'."/ Auch dft Gvabinschrfften bedürfen pal'* kicher Genehmigung und dürfen auch in ¥ jetzt Italien einverleibten fremdsprachigen bieten nur in italienischer Sprache abgefaßt ft' Die Presse, Noch den bisher«schilderteren Zustä»^» dürfte«S kaum noch n«ig sein zu betonen."5" «S heute in JtÄien außer der fascistischen kerne andere Meinung gibt, wenigstens ft'" öffentliche. Die politischen Rechte. Bei Mussolini tagt der sogenannte G r o ß e! unftrbringen wollt«, in seiner Zeitung Belloni Rat, der aus 20 vom Duce selbst ernannten— r' ,-r*—-*'—° n C1:— Mitgliedern besteht und dem u. a. di« Ent- scheidung über den Nachfolger Mussolinis und des Königs zusteht. Dieser„Große Rat" hat als Nachfolger Mussolinis Herrn Ciano, den Schwiegervater der Tochter des Duce bestimmt. Sollte sich Kronprinz Humberto nicht genügend als Fascist bewähren, so kann der Große Rat als Nachfolger des jetzigen Viktor Emanuel Hl. einen andern.... König ernennen! Für die Wahl zur Kammer bereitet der Große Rat ein« Liste von tausend erprobten Fascisten vor, aus der Mussolini dann di« er forderlichen 450 Abgeordneten selbst wählt. Welche Verdienste da den höchsten Rang ein nehmen, habe ich ja schon zu Beginn meiner Darstellung gezeigt. Neber diese 450 Mann hat dann die männliche Bevölkerung, soweit sie den wirtschaftlichen Verbänden und Staatsgewerk schaften angehört, abzustimmen. Weder die Frauen«och jene Männer, die nicht faseistisch organisiert find, haben das Recht zur Stimmabgabe. Aber auch jene Staatsbürger, die der hohen Ehre teilhaftig werden, von ihrem„höchsten Recht" Gebrauch machen zu dürftn, werden nicht durchwegs einen so großen Wert darauf legen, denn jedem Wahlberechtigten werden zwei Zettel übergeben: auf dem«inen steht ein Ja und die Landesfarben, auf dem andern nur ein Nein. Einer dieser Zettel wird einfach zusam mengefaltet, so daß von außen leicht ersichtlich ist, ob er dft Landesfarben trägt. Bor dem Wahllokal steht die fascistische Miliz und dieser muß der Wahlzettel übergeben werden, der bei dieser„geheimen Wahl" nicht in die Urne ge worfen wurde. Stellt sich heraus, daß ein Wäh ler gewagt hat, mft Nein zu stimmen, dann hat er seine nationale Pflicht nicht erfüllt und wird, wie das 1929 vielfach geschehen fft, zu Tode geprügelt» oder er wird als„Hoch verräter" vor daS Sondergericht gestellt. So sieht Punkt I des Kundenprospekt8 von 1920 aus: Einführung des allgemeinen Wahlrechts! Uebrigens hat die italienische Kammer weder gesetzgebende Bedeutung, noch das Recht, die Regierung zu kontrollieren. Alle Gesetze werden als königliche Dekret« in Anwendung gebracht und dann zu Tausenden der Kammer zur nachträglichen Bestätigung vorgelegt, die natürlich immer erfolgt. Außer dieser Kammer gibt es noch eine zweite Kammer, den Senat, der dft erste Kammer„kontrolliert". Dieser Senat fttzt sich aus Männern zusammen, die früher vom König, heute ausschließlich von Mus solini ernannt werden. Dft Gemeinden hatten bis zum Jahre 1925 Selbstverwaltung. Dies« wurde dann aufgehoben. Seitdem wird jede Gemeinde durch einen sogenannten Podesta, einen von der Regierung ernannten Bürgermeister verwalftt, dem ein Beirat aus mehreren Mitgliedern zur Seift steht, der nicht den Podesta zu kontrollieren hat, sondern nur manchmal um seine unmaß gebliche Meinung gefragt wird. Dieft Podest« sind nur der Regierung gegenüber verantwort lich und unterstehen der Kontrolle der OrtS- sekvetäre der fascistischen Partei und des Regie rungspräsidenten. Daß die Steuerzahler dem Podesta gegen über keinerlei Rechft haben, ergibt folgender Vorfall: Der Podesta in Molland hftch Bel loni. Dieser sollte viele Millionen Lire Ge- meindegelder in seine Tasche gesteckt haben. Niemand traute sich» ihn anzuklagen, bis ei« anderer Fascist, Roberto Farinacci aus Cremona, der seinen Freundvar. Durch das Strafgesetz vom 1. Juli 1931 Hürde sie wieder eingeführt und in 28 meist politischen Fällen angewandt. Darunter und Fälle, in denen die Anaeklagten von den Schwurgerichten freigesprochen, fl&cr nach Einführung der Sondergesetze nochmals, und zwa r zum Tode durch Erschießen in den Rücken verurteilt wurden, fc. Schon die Absicht eines Anschlages gegen M Leben Mussolinis oder eines Mitgliedes des königlichen Hau'es wird mit dem Tode bestraft. Di« Absicht wird nicht nur im Versuch des Anschlages erblickt, sondern schon im Gedanken an chn. Es genügt, wenn zwei fakcistische Schergen «Äunden, daß jemand den Gedanken gehabt habe. Dem Angeklagten wird praktisch di« Möglichkeit genommen, das Gegenteil zu beweisen, öenn diesen negativen Beweis kann ja niemand erbringen. Im Feber 1931 stieg in Rom ein Anarchist Schirr« in einem Hotel ab Er wurde dieses Gedanken» bezichtigt und ohne jeden Beweis am 28. Mai zum" Tod« verurteilt. Die Vollstreckung fand acht Stunden spater statt. 100 Lchwar,Hemden meldeten sich freiwillig hierzu, um ,chie Ehr« zu haben, auf ihren Landsmann zu schießen!" fe Die Absicht eines Landesverrats ivird auch mit dem Tode bestraft. fange ne befreit würde»,' ausgeschlossen blieben. Selbstt diese 639 Glücklichen wurden nicht etwa er freigelass«n, sondern die meisten in Straflien verschickt. Die meisten politischen Gefangenen erhielten einen Straferlaß, soweit ne nicht wegen politischer Vergehen vorbestraft waren. Hie Strafe selbst durfte durch den Nachlaß nicht weniger als sieben Jahre betragen! Das ist die Großmut Mussolinis! Wie so mancher italienische Richter bestätigen kann, sind alle fascistischen Machthaber Menschen, die entweder früher wegen gemeiner Verbrechen mehrfach gemessen haben oder nachher in ihren Acmtern unzählige Unregelmäßigkeiten und in ihrer Parteitatigkeit alle möglichen Schänd- und Bluttaten begangen haben. Man darf sich deshalb nicht wundern, wenn man in Italien auch noch eimgen Tausend kleineren Verbrechern, von denen viele erst durch die demoralisierenden Folgen des FasciSmus straffällig wurden, durch Wiedergabe der Freiheit die Möglichkeit zur Aufnahme ihrer früheren Tätigkeit verschafft hat. Als Mussolini erfuhr, daß man sich im Ausland darüber wundere, daß die große Amnestie nicht den politischen Gefangenen und Flüchtlingen zugute kam, täuscht« er durch einen neuen Bluff wieder Großherzigkeit vor, indem er nämlich 17 politischen Gegnern, denen 1926 die Staatsangehörigkeit entzogen wurde, diese, zurückgod. Zwei davon sind langst gestorben und einer, Cesare Rosst, sitzt auf 30 Jahre im Zuchthaus. Diese drei können also mit der neugewonnenen Staatsbürgerschaft nichts anfangen. Aber auch die 14 übrigen jo huldvoll Beschenkten haben davon keinen Nutzen, sie leben im Auslande und sobald sie italienischen Boden betreten, sind sie ihres Lebens und ihrer Freiheit so wenig sicher wie vorher. Das herzliche Verhältnis. Wie ich schon bei Beginn meiner Darstellun gen erwähnte, wachsen die Sympathien Deutschlands für Mussolini von Tag zu Tag. Es bahnt sich ein herzliches Verhältnis der Autoritäten beider Staaten an, das für Deutschland sehr verhängnisvoll zu werden verspricht. Es ist deshalb wohl angebracht, auch die Außenpolitik Mussolinis etwas unter die Lupe zu nehmen. Eigentlich sollte es allgemein bekannt sein, wie der Duce die Rechte oer nationalen M'i n d e r h e i t e n im deutschen Sprachgebiet Südtirols wahrt. Er war 1919 wie 1915 der eifrigste Befürworter einer Annektion Südtirols bis Innsbruck. Während bis zu seinem Regierungsantritt die Freiheit der Deutschen und ihre Sprachenrecht« gewahrt blieben, war eS Mussolinis erste Handlung, diese Rechte zu zerschlagen. Selbst die Grabmäler auf oen Fried- oegegnete aber nur Mißtrauen bei der damaligen deutschen Regierung: Am 6. Feber 1926 sprach Mussolini davon, die Trikolor« des faseistischen Italien über den Brenner zu tragen. Als drei Tage später S t r e s e m a n n im Reichstag sagte, daß das Uebertrerben entweder ein Verbrechen oder eine Absurdität sei, sprach der Duce am nächsten Tag nur von der„Verteidigung der italienischen Grenzen" und sagte„kein italienischer Soldat wird die Grenze überschreiten". Zwei Wochen später erklärte er im„Pettt Parifien",„die Deutschen haben sich nicht geändert. Die deutsch« Gefahr muß Italien und Frankreich einigen". Am 29. Dezember 1926 schloß er mit Deutschland einen Freundschaftsvertrag, nur wies Stresemann die vom Duce verlangte, gegen Frankreich gerichtete Mttitärklausel zurück. Ein Jahr später wollte Mussolini Frankreich Expansionsland haben. Er bot den Franzosen Sicherheiten für das Rheinland an. Am 18. April 1928 erklärte er, Italien sei zu einem Block mit Deutschland im Fall d«S deutschen Verzichts auf Südtirol bereit" uttd verteilte selbst feinen eben erst bei Frankreich unternommenen Versuch. Hitler erklärte am 25. Juli 1928:„Die gemeinsamen Interessen Deutschlands und Italiens finden wir in der Feindschaft gegen Frankreich." 1931'wurde der damalige Reichskanzler Dr. Brüning von Muffolini rn Rom mit großen Feierlichkeiten empfangen. Die revoluttonäre Bewegung Giustizia e Libertä konnte zur selben Zeit einen photographierten Brief veröffentlichen, den Mussolini gerade an Coty, den französischen Kriegshetzer und Besitzer zweier Pariser Rechtsblätter gerichtet hatte. In dem Bries an„seinen lieben Francois Coty" kündigte Muffolini di« Entsendung eines Vertrauensmannes für. geheime Besprechungen an. Jahre hindurch hatte das verelendet« Italien mit dem reichen Frankreich um die Wette gerüstet. 1927 erklärte Mussolini, Italien brauche ein Heer von 5 Millionen Soldaten, eine starke Marine und Flugzeuge, die imstande seien, ,ch>c Sonne zu verfinstern", und 1928 sprach er von seiner kriegerischen Miliz, die„den Dolch zwischen den Zähnen,' die Bombe in der Hand und Todesverachtung im Herzen" neben d-ni Heer stehen müsse. Anfänglich war Muffolini gegen uw A v- r ü stungskonferenz. Noch im Mai 1930 erklärte er:„Die Worte sind schön, aber noch schöner sind Gewehre, Maschinengewehre, Panzerschiff«, Flugzeuge und Kanonen." Wenig« Monate spater waren die Kaffen Italiens leer, und nun wurde er Plötzlich Pazifist" und Anhänger einer internationale» Verständigung über die Revision der Verträge, über Rüstunasgleich- heit, Streichung der Kriegsschulden llnd Reparationen. Wieder stand Mussolint nut den schönsten Worten auf feiten Deutschlands. Aber wer ihn kennt, weiß, daß seine Deutschsreündlichkeit nur«in Manövei ist, um Frankreich zu Zugeständnissen zu zwingen. Jedesmal, wenn Mussolini glaubt, irgeub- einen Nutzen für seine imperialistischen Zwecke zu erzielen, spielt er"Deutschland gegen Frankreich aus. Wenn seine Politik bis heute keine Erfolg« hatte, so deshalb, weil er nie an einer bestimmten Richtung festhält und sein Haß gegen alles Deutsche immer wieder zum Vorschein kommt. Er will von Frankreich einen Teil der ehemaligen deutschen Kolonien, von Jugoslawien ganz Dalmatien und denkt nicht daran, Oesterreich Südtirol zurückzugebcn oder Deutschland irgendwie zu Helsen. Erft im November 1932 hat Herriot erklärt, er hoffe mit Italien einen Wen der Verständigung zu finden!.... Es gibt unter den heutigen„Staatslenker-' keinen, der ein größerer Annexionist als Musslini wäre und der systematischer auf einen Krie- hinarbeitet. Ueherall hofft er durch seine Zickzack-Politik Land zu gewinnen, wir er aber kolo- nistert, zeigt die»Befriedung" LybienS, die der Führer der Senoussi Omar-El-Muk n. der kürzlich trotz seinem hohen Alter und seiner den Staat, Todesstrafen wegen der Absicht eines Attentats auf Mussolini und andere Schreckensurteile sind gang und gäbe in dem Lande der sascistischen Kultur. Zwei monarchistisch gesinnte Schriftsteller erhielten je 15 Jahre Zuchthaus, wett sie den König gebeten hatten, für Wiederherstellung verfassungsmäßiger Zustände in Italien zu sorgen. Wenn ich heute nach Italien zurückkehrte, wäre eine Zuchthausstrafe von 22% Jahren wegen antifascistischer Propaganda, Fehlen des Paffes und Beleidigung Mussolinis das Mindeste, was ich zu gewärtigen hätte. Seit Jahren wird in der Voruntersuchung bei politischen Prozessen mit Duldung des Papstes die Folter in Formen wie in den schlimmsten Zeiten des Mittelalters augewarwt. Mir sind unzählig« Fäll« bekannt, in denen sozialistisch gesinnte Arbeiter, Dokwren, Anwälte, Journallsten in unmenschlichster Weise gefoltert und dann noch zu hohen Zuchthausstrafen verurtettt wurden. Von dieser sich immer mehr steigernden Barbarei des Fascismus merkt der Fremde nichts, der Italien aus den schön asphaltierten Auwstraßen besucht und die Kurorte und Luxushotels der Großstädte als Verdienste Mussolinis preist. Auch die ordentlichen Gerichte fällen Schreckensurteile. Schon 1927 richtete der damalige Generalsekretär der fascistischen Partei, A u g u st o T u r a t i, ein Zirkular an alle Richter Italiens, in welchem sie aufgefordert wurden, unter Einsatz ihrer Stellung auch in allen Zivilsachen zwischen Fascisten(„staatsbejahend") und Nichtfascisten(„staatsverneinend") stets zugunsten der ersteren zu entscheiden. Frauen und Kinder politischer Flüchtlinge und im Namen der Staatsräson Ermordeter werden als Geiseln behandelt, um aus die im Ausland lebenden Verwandten einen Druck auSzuüben. Die Witwe und die beiden Kinder Mat- teottis werden seit 8 Jahren Tag«nd Nacht von der Polizei bewacht, dürse« sich nie aus Rom entfernen, kein« Besuch« empfangen, ihre Korrespondenz wird polizellich zensuriert. Im November 1932 wurde in der ganzen Welt eine einzige Lobeshymne auf den Edelmut und die Großherzigkeit des Duce angestimmt, der die weitestgehende aller bisherigen Amnestien m........... erlassen habe. Man hat aber nichts davon ge- - A S-n^richte MbteSnaturlichI schrieben, daß fast alle Widersacher deS Fascis- Gnadengesuche|,„on dieser Amnestie, durch die etwa 35.000 d". M^fsÄ^hbr^e deS Ortes, wo j kriminell Verurteilte und nur 639 politische Ge- Coitbetbeltage. Samstag, den 25. Feder 1S3S. VL hohen Stellung aufgehängt wurde, als das System der Nacht bezeichnete. Dort haben durch die größte saseistische Barbarei von 215.000 Einheimischen in sechs Jahren 85.000 ihr Lebe« eingebüßt! Für Abrüstung tritt Mussolini nur ein, weil er mit dem reichen Frankreich nicht mehr um d:e Wette rüsten kann. An seine kriegsbereite Miliz läßt er nicht rühren. Wie viel Vertrauen die Deutschen zu der „Freundschaft" dieses Diktators haben dürfen, geht aus seiner Geschichte und seinem Verhalten gegenüber Deutschland seit 1914 hervor. Man muß sich nur wundern, daß Muffolini immer noch in Deutschland so viel Leute findet,! di« ihm Glauben schenken und sich der gefährlichen Illusion hingebcn, er wolle diesem Lande aus seiner schwierigen Lage heraushelfen! Dazu müßte er vor allem selbst mal aus seiner Klemme heraus! Vsnn Deutschland aurrüstete. Reichskanzler Hitler hat in seinem der englischen Preu« gegebenen Interview verlangt, daß wenn Frau1ve.ch nicht im gte.chen Maße wie Deutschland abrüste, Deutschland das gleiche Recht zur Aufrüstung bekommen müsse. Was di« letzt« Forderung zu bedeuten hat, verniag nur derienrge zu ermessen, der sich den Stand der modernen Kriegstechnik vor Augen hält, speziell auch die gegenwärtigen Borbereuungen zu Lust- angrifseu. Ein Hauptaugenmerk Frankreichs ist seit den Versailler Verhandlungen daraus gerichtet, Deutschland, di« Lustrüstung unmöglich ju machen. Heute darf Deutschland keinerlei Kampfflugzeuge besitzen» aber auch seine Zivilslugzeuge werden von Frankreich mit großem Mißtraue» beobachtet und spielen eine Rolle in französischen Abrüstung-Vorschlägen. Die Furcht, cs könnten eines Tages Handelsflugzcuge zu Kriegszwecken Verwendung finden, diktiert diese Spezialvorschläge. ES kommt darin auch die Sorge angesichts Deutschlands überlegener chemischer Industrie zum Ausdruck. Denn das ist gewiß: zahlreich« chemische Werk« in.Deutschland, dar ihrer viel mehr besitzt als Frankreich, können in kurzer Zeit auf di« Massenerzeugung von Kampf, gasen stärkster Wirkung umgestellt werden und die Gasbomben würden dl« feindlichen Städte mit dem Untergang bedrohen. Den mit Milliardenaufwand hergestellten französischen Sperrfestungen hohnsprechend, würden die deutschen Flieger Grenzen und Fronten überfliegen, über den Zentren der französischen Kriegsindustrie, der Kriegstransporte und des politischen Lebens erscheinen, sie bombardieren und vergasen und das Land dermaßen ins Herz treffen, daß die Weiterführung des Krieges unmöglich erschiene. Das sagen nicht bloß laienhaft« Phantasten, Romanschreiber und extreme Pazifisten. Speziell für den Fall Frankreich-Deutschland liegt hierüber eine Aeußerung eines Sachverständigen ersten Ranges vor. Der italienisch« General D o n h e t, ein in Militärkveisen hochangesehener, 1930 verstorbener Fachmann, hm die Möglichkeit des Grenzschutzes gegen Kampfflugzeuge entschieden bestritten. Er wies auf die Unzulänglichleit der Jagdflugzeuge" gegenüber den.^lampfflug. zeugen" hin, welch letztere sich durch die Möglichkeit sehr hohen Fluges, rascher Ortsänderung und hoher Feuerkraft der Ausschaltung durch die feindlichen Jagdflieger weitgehend entziehen können. Donhet hat kurz vor seinem Tode, um seinen Anschauungen Nachdruck zu verleihen, eine Studie übsr den Zukunftskrieg veröffentlicht, die auch in deutscher Uebersetzung erschien, betitelt:„Der Krieg im Jahre 19.Er veranschaulicht seinen italienischen Landsleuten den Tatbestand durch ein angenommenes Beispiel: einem deutsch-französischen Krieg zu einer Zeit, wo Deutschland bereits vom Versailler Diktat befreit worden sei und somit di« Freiheit wiedererlyngt hätte, nach Kräften aufturüsten. Er schildert in eingehenden militär-wisienschastl'chen Auskührungen die Vorbereitung Deutschlands zum Kr'ege in moralischer. w'flrnkchaktlicher und technischer Richtung und betont besonders, daß es sich mit einer starken, Wohlorganisierten Luftflotte rüsten würde. Wie man sieht, hat Dm bet den Hitlerkchen Wunschtraum vorwcggenommen und zur Grund- laoe ent-s Gedankenerper'ments gemacht. In besten weiterer^usflibrn-a verrichtet er darauf, die b-kond-r» L-'flunas°cib'akeH der deutVen chemischen Industrie zu berücksichtigen,. ihm Sehr herzlich sind die Beziehungen der deutschen zu den italienischen Fascisten. Schon vor drei Jahren wurde Muffolini«in Ehrensäbel des deutschen„Stahlhelms" überbracht. 1932 wurden in Italien Wahlkomitees gebildet, die für die Wahl Hitlers zum Reichspräsidenten eintraten. Auch Muffolrnis Leiborgan ,Hl Teverc" in Rom nahm offen Stellung für Hitler und gegen Hindenburg. Ich verweise auch auf die Enthüllungen Paul F a u r e s über die Gelder, die Schneider- C reu zot auch Muffolini, der doch bekanntlich gegen Frankreich rüstet, hat zukomincn lassen. In Rom und Perugia gibt es Schulen, i» denen der„Geist" und die„Wissenschaftliche Grundlage" des Fascismus auch Ausländern bet- gebracht wird. Biel« deutsche Führer der NSDAP, haben dort„stiwiert", auch jetzige Staatsminister waren jahrelang dort. kommt eS auf die Verwertung des älteren KriegS- mittels, der Sprengbombe, aus Flugzeugen an. Er schildert die Lage zu Kriegsbeginn und die Operationspläne und dann den Verlauf der Kämpfe an den— zwei ersten Kriegslagen.— Frankreich, noch unter dem starken Eindruck seines Sieges von 1918, baut den KriegSplan in der Hauptsache auf den damaligen Fornien des Kampfes.auf. Es sucht die Entwicklung durch raschen Einsatz seines Heeres zu Land auf breiter Front. Sein Heer ist immerhin zum großen Telle „motorisiert": auf auf Krafträdern, Kampfwägen (Tanks) und Panzerautos dringen die Heeres- massen ins feindliche Gebiet, sie führen die Ge- 'chütze, auf Motorfahrzeugen montiert, mit sich. Mit enormer Feuerkraft ausgerüstet, hofft die französische Heeresleitung den Feind zu überren- nen.— Ganz anders die deutsche. Während sie die Land- und Seestreitkräfte anweist, alle Vorteile der Verteidigung wahrzun-ehmen und den femd- I'chen Ansturm so lange wie möglich aufzuhalten legt sie die Entscheidung der Luftflotte in di« Hände. Am 16. Juni, nimmt Donhet an, um zwei Uhr, erklärt Deutschland radiotelegraphisch den Krieg an Frankreich; und der Verfasser demonstriert einen festen Glauben an die Ueber- legenheit des Luftangriffs noch durch di« Annahme, Deutschland kündige sein« Angriff« mit Flugzeugen für vier Stunden später an. Frankreich trifft sofort seine Gegenmaßnahmen und sperrt das Grenzgebiet durch eine Kette von Jagdflugzeugen. Es erfolgt ein erster und ein zweiter Angriff der deut selben Kampfflieger; sie werden nahezu gänzlich aufgerieben, aber auch die französisch-belgischen Jagdflieger haben große Verluste. Die folgenden deutschen Angriffe stoßen bereits rief in französisches Gebiet vor. Nach zwei Stunden schon sind die Franzosen niedergelämpft, die Bombenangriffe erstrecken sich bis Bordeaux. Di« Franzosen machen heftige Gegenangriffe, sie werden von den Deutschen mit der Forderung beantwortet: Bier ftanzösisch« Städte müssen geräumt werden, um von den Deutschen durch Bombardement vernichtet zu werden. Am 17. Juni morgens zerstören 250 deutsche Flugzeuge, fast unbehindert vom Feinde, 150 Bahnknoten- punkt« im Aufmarschgebiet mit Bomben. Dadurch wird die französische Mobilisierung sowie der Truppenaufmarsch undurchführbar und Frankreich vermag nicht anders als sich der deutschen Vorschrift zu unterwerfen und dadurch sein« Niederlage einzugcstehen. Am 17. Juni nachmittags verwandelt eine deutsche Stvafexpeditivn die vier von der Bevölkerung geräumten Städt« in rauchende Schutthaufen. lieber das weitere meint Douhet bloß:„Bon hier ab bietet die Geschichte des Krieges von 19., kein Interesse mehr."—. In der Tat, dem italienischen General kam es nur darauf an, seinen kriegswissenschaftlichen Ueber- zeugungen wirksamen Ausdruck zu geben. Hält man seine Darstellung mit den Meinungen anderer Fachleute, z. B. des Marschalls Foch, zusammen, so ist vor allem die Sprengbombenwirkung um diejenige der Gas- und der Brandbomben zu vermehren; dann aber erscheint auch di« Aussicht, daß Deutschland verschont bliebe, bloß in den zufälligen Voraussetzungen der Donhetschen Idee begründet und wäre sicherlich von ihm selbst nicht als wahrscheinlich bezeichnet worden. In der Tat wer sollte cs bei dem Stand der Dinge, wie Donhet selbst ihn schildert, den Franzosen verwehren, gleichzeitig mit dem Landangriff ihre Kampfflieger einzusetzen? Und wäre di« deutsch! Grenzsperre verläßlch.r als die französische? Vielmehr scheint es viel wahrscheinlicher, daß mit Beginn des Luftkampfes ein« Orgie der gegenseitigen Repressalien einsetzt, die mit ihrer masfenver- nichtenden Wirkung abrollt, ehe die Völker ihre Regierungen zwingen können, der Stimme der Vernunft, das ist des Friedens, Folge zu leisten. — Wie immer man über den Wert von Zukunftsbildern.denken mag: hier Hai ein anerkannter Heerführer mit aller verfügbarer Kenntnis moderner KriogSsührung vertraut, die Progwosc gestellt: ein Krieg zwischen zwei modern gerüsteten Staaten wirft sofort die Frage auf, ob di« städtisch« und die M"bilisiert« Bevölkerung beider Parteien weiter existieren wird. Man fragt sich: welcher Art muß wohl der Patriotismus lener sei», die dergleichen zu riskieren gewillt sind? Was die Nationalsozialisten und ihren Kanzler betrifft so scheinen di« Dinge so zu stehen, daß sie von dem Stand der Kriegstcchnik nur teilweise Kenntnis nehmen; nur so weit als es Gasschutzübungen zum Vorteil der Gasmasken liefernden Industrie gibt. Die polllifche Orientierung, di« Ideologie ist so beschaffen, als hätten sie von den neuen Tatsachen noch nicht Kenntnis genommen. Sie zu berücksichtigen oder auch nur zu kennen, erscheint unzeitgemäß; wie in wirtschaftlichen Dingen kehrt man auch hier ideologisch in die Vorzeit zurück, will das Rad der Geschichte rückwärts drehen. Auch die Landsknecht« der früheren Neuzeit fragten ja nicht nach den neuen KrieaSmit- t«ln, di« ihnen dann ihre geschichtliche Aufgabe wegnahmen. DaS stt ein« Vogel-Strauß-Bobtik, die im zwanzigsten Jahrhundert schwere Gefahren, die Gefahr des Verderbens großer Vollsteile heranfbeschwören muß: ein politischer Krank- heitS'ustand, der Mitielenrova mfl dem Unt«r- oana seiner Kultur bedroh«. Nur die beiderseitige Abrüstung kann für Deutschland ein bea--dr»ns- werteS Ziel sein. E. B. Die»e^lernn« der Schweiz Im Dienste Mussolinis. Anfang Feber hat der schweizerisch« Bundes- rat einstimni'g den Beschluß gefaßt, die italienischen Staatsangehörigen Randolfo Pacciardi, Silvani, Zoccovitch und Guntser. aus dem Gebiete der schweizerischen Eidgenossenschaft auszuweisen. Ein Rekurs, den der ,n Lugano fest sechs Jahren anfäss'ge Rechtsanwalt Pacciardi gegen den Beschluß des Bundesrates einbracht«, wurde mit der gleichen Eimnütigketi abgewiesen. Die vier Jtal'aner, von denen zwei eigentlich Slawen sind, die nur der Friedensvertrag zu Italienern machte, müssen in diesen'Tagen ihr« bisherige Zufluchtsstätte verlassen. Sie werden keiner schlechten Tat beschuldigt, ja man kann ihnen nicht einmal nachsagen, daß sie gegen Italien tätig sind. Nur einer von den Vieren ist Sozialdemokrat, die andern sind Republikaner und anerkennen das bestehende Regime Italiens nicht. Das ist wohl auch das einzige Verbrechen, dessen sie beschuldigt werden können. Es genügte aber, um sie, von fascistischen Spitzeln denunziert, aus Wunsch Muffolinis aus der Schweiz zu jagen. Sogar die teffinische Regierung bezeugte gegenüber dem schweizerischen Bundesrat, daß sich Pacciardi der Gewährung des Asylrechtes in der Schweiz würdig gezeigt hätte, denn in all deck sechs Jahren die er in der Schweiz verbrachte, kam es zu keinem einzigen Zwischenfall, nur daß er gelegentlich in der„Liberia Srampa" in einer» Aufsatz die Wahrheit über die Verhältnisse i« Italien schrieb. Das genügte, um Mussolini in Bewegung zu setzen und durch seine Forderung beim schweizerischen Bundesrat, die Ausweisung der vier Italiener zu erreichen. Nicht nur die Sozialdemokraten haben gegen dies« tiefe Demütigung der Schweiz protestiert, sondern mit ihnen auch ein Teil der Freisinnigen des Kantons Tessin. Diese Schmach kennzeichnet daS„Dolksrecht" Zürich trefflich, indem es sagt: „Gewiß war auch im Zeitalter der Regeneration und bis in die Gegenwart hinein die Haltung der schweizerischen Behörden in Asylrechtsftagen keineswegs konsequent und durchaus nicht unanfechtbar, aber wir kennen aus jenen Jahrzehnten doch ein« Reihe glanzvoller Beispiele, da di« Schweiallen Drohungen eines übermächtigen Auslandes zum Trotz ihre Flüchtlinge nicht preisgegeben, sondern höchst ehrenvoll verteidigt hat. Die Geschichtsbücher erzählen mit Stolz von dieser Haltung der„freien Schweiz', mit der sie sich die Achtung aller frecheitlich gesinnten Menschen erworben hat. Wir gestehen es mit tiefer Beschämung und großer Sorge für die schweizerische Zukunft, daß unsere Gegenwart jener ruhmreichen Vergangenheit nichts Ebenbürtiges zur Seite zu stellen hat." Hitlers„Niemals“. Unmittelbar nach der letzten Reichstagswahi hat Adolf Hitler als Führer der NSDAP, am 7. November 1932 folgenden Aufruf erlassen: „Nur dieser Hugenbcrg- Papensch«'- Reaktion ist es zuzuschrriben, daß nunmehr in den deutsche» Reichstag zum erstenmal 100 Bolschewisten eiuzieheu. Ich setze damit die Parole für die Haltung der Partei genau so eindeutig fest wie nach dem ersten Reichspräsideuteuwahlgang. Sie heißt: Rücksichtslose Fortsetzung des Kämpfet bis zur Riederringung dieser teils ofsruen teils getarnte« Gegner einer wirklichen Mrderaufrich- tung unseres Bolles. Keinerlei Kompro- misse und kein Gedanke an irgendeine Verständigung mit diesen Elementen!" Kein Gedanke an Verständigung—. abo genau 2% Monate später sitzt man in einen' Kabinett zusammen.' Meine Hoffnung und mein Wunsdt iür das deutsche Volk, Während daS spanische Volk das Joch seine- früheren Diktators Primo de Rivera, das Joch der Kirche und des Königtums«Mich abgeschüttelt hat, während in Italien di« Antisascistische Aktion nnd Taufende im Exil lebender Antifasciste» di« begründet« Hoffnung haben, ebenfalls bald dieses despotisch« System des FascismuS zu stürzen, scheint mir Dentschland draus und dran zu sein, fich diesem fluchbeladenen Fascismus in die Arm« zu werfen. Ich habe versucht, ein Bild der„Erfolge" des fascistischen zehnjährigen Regimes in Italien zn zeichnen, und. hoff«, daß mein« objektive, in allen Teilen der Wahrheit«ntspr«. chcnd« Darstellung dazu beiträgt, im deutsche» Boll«, das doch in seiner Mehrheit freiheitlich gesinnt nnd gerechtdenkrud ist, den Wunsch zu verstärken, im Interesse des Wohlergehen- aller die Dentschland drohend« saseistische Gefahr zn beseitigen, um von den Segnungen solcher Kultur" verschont zu bleiben. WIMMAMMMMMMMMMWMMMMMVMUIMVMMMMMMWWW Druck btt Rota il.-S. fit Zciiung. nnb Buchdruck in Prag.'