ßlvzelprels 70 Heller, «einschließlich 6 Heller Porto Srschekat mit Ausnahme des Montag täglich früh.■ 3t Jaffioa»trtooltuafl: Brog n,OtcfAsanla 16♦: 2679S. 31469. Oto<&tre&ort(ab 21 Ujr): 33658 ♦ VoMSnkamI:57544 ir. Jahrgang. Dienstag. 28 Feber 1933 Nr so. Der»elSiUaL ein Daub der Hammen. Brandstiftung an mehreren Stellen.— Ein holländischer Kommunist als Täter? Berlin, 27. Feber.(Eigenbericht.) Heute abends kurz nach S Uhr brach in» ReichStagSgebänve au mehrere« Stellen zugleich Feuer aus das trotz der sofort aufgenommene«.Löschungsversuche einen großen Teil des Gebäudes erfasste. Gegen 10 Uhr abends bildete die gesamte Kuppel des ReichSgebäudeS zwischen de» vier Türmen ein. einziges wogendes Flammenmeer. Auch die gesamte Ostseile des Gebäudes stand in Flammen. ES brannte« sämtliche Flure, die Wandelhalle, der Plenarsaal, die Garderobe« und di« Pressetribüne«. Erst gegen halb 11 Uhr gelang eS, das Feuer einzudSmme«. Der Schaden wird auf mehrere Millionen Mark geschätzt. DaS Feuer wird auf Brandstiftung znrütkgeführt. Am Reichstagsgebäude wurde als angeblicher Brandstifter ei» Man» verhaftet, der sofort zugegeben haben soll, de» Brand gelegt z» haben. Er will der holländisch« Kommunist Ian der Lübbe«nd Angehöriger der holländischen kommunistischen Partei sei«. Ob dies alles wahr ist, wird sich ja bald Heraus stellen müssen. Gegen 9 Uhr 15 wurde die Feuerwehr«ach de« Reichstagsgrbäude gerufen, wo i« großen Kuppelbau Feuer ausgebrochen war. Di« Feuerwehr rückte auf zehnte Alarmstufe hin mit den Fahrzeugen von zehn Wehre« an. Auch di« Polini traf an der Brandstelle mit einem größeren Aufgebot von Schupo-Beamte« ei««nd sperrte sofort den Reichstag in großem Umkrei- ab. Belm Eintreffen der Wehren staud der groß« golden« Kuppelbau des Reichstages i n heil«« Flammen. Ueber di« Umgebung ergoß sich ein Sprühregen von Funke«. .. Feuerwehr und Polizei drangen sofort iu den Reichstag«in und hier gelang es. einen Mann feftzuuehmen, der unumwunden di« Brandstiftung zugab und erklärt«, der Niederländischen kommunistischen Partei anzuaehöre«. Er wnrde sofort unter stärker Bedeckung in da- Wachlokal am Brandenburger Tor gebracht. Die AbsverrunaSmasnahmen wurde« rings um den Reichstag außerordentlich streng gehandhabt, da man in dem Gebäude «ech mehrer« Person«« vermutete, di« mit der Brandstiftung in Berb'ndunq stehen. DaS Gebäude darf außer Polizei und Feuerwehr niemand betreten. Es handelt sich nm den holländische« Kommunisten van der Lübbe. Das grandiose Schauspiel der weithin am Himmel leuchtenden brennenden Kuppel hatte zur Folg«, daß sich im Tiergarten«nd ri«g- um d«u Reichstag Tausende von Menschen ausammeltea. Der Verkehr wurde umgeleitet, da die Straßen um den Reichstag mit Schlauchlinie« übersät sind. Um halb 11 Uhr nachts war bereits der gesamt« Plenarsaal«st der Bestuhlung und der Täfelung, der Präsidentcntribüne und den Zn- schauertribüneu restlos ausgebrannt. Ebenso stehe« von de« Wandelhallen nur noch die Umfassungsmauer«. Man rechnet damit, daß nur »och ei« kleiner Teil d«S Westflügel- erhalten werde« kann, während da- sonstige ReichStagWge» bände veunichtet ist und wohl erst nach mehrmonatige« Arbeite« wieder aufgebaut fei« wird. Den verriuigten Anstrengung«« der gesamten Feuerwehr gelang es nach etwa eineinhalbftündi» ger Arbeit, den Brand um halb 11 Uhr abends auf seine« Herd zu beschränken;«in« Weiterverbreitung des FeuerS auf die bisher unversehrten Teil« deS Gebäudes erscheint ausgeschloflen. Der Plenarsitzungssaal bietet«in Bild schlimmster Zerstörung. Die Eisenkonstruktio« der große« Mittelkuppel hat sich verbogeu und ist teilweise ring«stürzt. In einzelnen Gängen steht daS Wasser bis an die Knöchel. Infolge der Kälte gefror das gegen die Außenfront gespritzte Wasser sofort und hängt nun in langen Eiszapfen herunter. Es stellte sich heraus, daß noch an weiteren Stellen Brandherde—im ganzen etwa zwanzig bis dreißig— i:i Gestalt von Benzinflaschen vorhanden sind. Die Täter müssen ausreichend Zeit gehabt haben, ihr« Brandstiftung vorzubereiten. Ahnen kam der Umstand zugute, daß sich abend kaum noch Personen im ReichstagSgebaude befanden, denn nur in wenige^ Fraktionsgeschäftszimmern wurde gearbeitet, während die Beamtenschaft des Reichstags mit Ausnahme der Wächter bereits nach Haufe gegangen war. Die Polizei hat außerordentlich streng« Maßnahmen ergrifft«, nm der Schuldigen habhaft z« werden. Tas ganze Haus wird systematisch durchsucht; daS kann unter Umstanden Stunde« und Tage dauern, da es in alle« Stockwerke« vom Keller bis zur Kuppel zahlreiche Luftwinkel gibt. Di« Tat ist offenbar dadurch begünstigt worden, daß e- für Personen, die sich auf Reichstagsabgeordnete berufe«, leicht ist, in das ReichstaoSgebäud« hinein z« gelangen. Es ist daher mögl'ch, daß sich noch mehrere Personen, die an der Tat beteiligt sind, noch im Hans« versteckt halte«. Ein« Stund« vor Mitternacht hatte es den Anschein, daß die Gefahr, daß das ganze Reichs- tagSgebäud« von dem gewaltigen Feuer zerstört werde, gebannt sei. Während noch eine halbe Stunda vorher die Fuukeu bis weit in de« Tiergarten heranssprühten, lag gegen 11 Ubr di« Kuppel des Reichstages nur«och in einem dnnkelroten Schimmer dar. Die Brandherd« waren größtenteils An- Hanfungen von Lumpen und Holz- w 0 llc, di« aber nur zum Teil in Brand geraten waren. Ei» Teil-des Kuppelgerüsts ist gegen drriviertel 11 Uhr«ingestürzt. Der Sitzungssaal des Reichstags bietet das Bild, eines wüsten Durcheinander. Riesige Wassermengen sind in den Saal hineingepumpt worden. Allenthalben liegen verkohlt« Holzstücke und sonstige Gegenstände herum. I« einzelnen Gängen steht das Wasser bis an di« Knöchel. Infolge der Kälte gefror das gegen die Außenfront gespritzte Wasser sofort und hängt nun in langen Eiszapfen herunter. «t I Not Dom man sehr diel wissen; ein Antimarxist z« sein, braucht man gar nichts z« wissen." Es dauerte ein« gute Viertelstunde, bis der Saal geräumt war. Die Besucher waren in höchster Erregung. Es wurde di« Internationale" gesungen und tausendstimmige Freiheit!-Ruft ausgebracht. Im Sprechchor von Tausenden Stimmen wiederholt: Berlin bleibt rot! Nach der Kundgebung kam es in den benachbart«« Straßen an einigen Stellen zu brutaben Ueberfällen von SA-Leuten auf sozialdemokratische Versammlungsteilnehmer, die alle unbewaffnet waren; die Schupo hatte sie bereits erfolglos nach Waffen durchsucht. Wie es Im Dritten Reich aussieht. Oie Not wachst, die Preise steigen, die Arbeitslosigkeit nimmt zu, Was ist von den Versprechungen, welche die Nationalsozialisten für di« breiten Massen der arbeitenden Bevölkerung vor ihrem Regierungs antritt übrig hatten, erfüllt worden? Die Zeichen zunehmender in Deutschland Haufen sich. 8. bis 15. Feber ist zum erstenmal seit langer Zeit in Deutschland der Großhandels index wieder gestiegen, und zwar, von 90.5 auf 91.2 Prozent. Der Andez für Schlacht vieh war um 7.9, der für Bieherzeuanisse(be sonders Schmalz) um 3.3 Prozent gefnegen. Die Verteuerung war also bei den Lebensmitteln besonders stark.... —. An der Woche vom 15.' zum 22. Feber ist tätigen Minister Großhandelsindex.weiter g e st i eg e n, " j intb zwar von 91.2 aus 91.7 Prozent.- Di« Die tagitdicn Pressevcrhote. Di«„Münchner Post", das Blatt der Münchener Sozialdemokraten, sst bis einschließlich 2. März verboten worden. „Der Jungdentsche", daS Organ des Aüng- deutschen Ordens, ist von heute ab auf.die Dauer von drei Wochen verboten worden. Außer dem gemeldeten neuen Verbot der „Roten Fahne" wurde heute ein« Reihe wei- lerer Verböte erlassen. U. a. wurde daS polm- sche Blatt„Dziennik Berlinfki", ferner das Organ des Prälaten Leicht, das„Bamberger Volksblatt", die sozialdemokratische Königsberger Volkszeitung", die sozialdemokratische „Freie Presse" in Elbing, di« kommunistische„Süddeutsche Arbeiterzeitung" in Stuttgart und eine Reihe weiterer Blätter verboten. Ein charakteristisches Beispiel für die jetzige Berbotspraxis in Deutschland verzeichnet Per „Vorwärts"; das Verbot des sozialdemokratischen Blattes in Luckenwalde, das wegen Abdruckes eines früheren nationalsozialistischen Flugblattes siegen Papen erfolgt«, hat die zuständigen Stellen zu folgender Erklärung veranlaßt: „Wenn Aeußerungen der Nationalsozialisten an- früherer Zeii geeignet sind, Mitglieder der jetzigen Regierung verächtlich zu machen, so können Zeitungen, dir sie jetzt abdrucken, verboten werde«. Di« Redaktionen müssen das von Fall zu Fall selbst prüft«.", nitters ieieriidhes Ehrenwort. Der Siahlhelmführer. Oberstleutnant D ü- sterbe rgerllärte bei einer Stahlhelmkundgr- bung in Oldenburg u. a.: Hitler hat in meinem Beisein sein feierliches Ehrenwort gegeben, daß ungeachtet des kommenden Wahunis gam^es alle im jetzigen Kabinett i", auch nach dem 5. März bleiben-würde». „Ein Anfimarxist hraudil gar nichts za wissen weshalb die Berliner Plan-Feier aufgelöst wurde. Berlin, 27. Feber.(Eigenbericht.) Heute abends fand im Berliner Stadtpalast eine große Karl Marr-Feier der Berliner Sozialdemokratie statt. Die Feier war von ungefähr 20.000 Men schen besucht, die sich in begeisterter Stinrmung befänden. Zunächst gab es eine Reihe von künst lerischen Darbietungen, Chöre und Rezitationen, die bei der Menge stürmische Begeisterung hervor riefen. Statt des ursprünglich angeLindigten Cri- spien kam Genosse Stampfer als Festredner zu Wort. Er hatte kaum fünf Minuten gesprochen, als der Regierungsvertreter, ein Schupooffizier, die Versammlung auflöste, und zwar bei den Worten Stampfers: „... um sich eine« Marxisten zu nenne«, nmtz Lebensmittel sind von neuem stark verteuert worden. Der Schlachtviehindex, stieg um neue 5.2 Prozent; ebenso stiegen die Preise für Butter,, Speck und Talg. Die Preissteigerung ist di« Folge der neuen Zollerhöhung. Steigende Preise bedeuten neue Aushöhlung der Kaufkraft. Die Not muß infolgedessen lvachfen. Gleichzeitig mit den Preisen steigt die Arbeitslosigkeit; die erste Feberhälfte j brachte dem Reich 33.000, davon in Berlin allein 7000 neue Arbeitslos«. Es sinkt also auch das Arbeitseinkommen. Die Not steigt. Das ist das Paradies welches den arbei- lrndsn Massen im dritten Reich bereitet wor-1 den ist! Bel Göbbels und Auwi Im Sportpalast. Von unserem Sonderberichterstatter. „Ist es auch Wahnsinn, hot es dach Methode." Dhakcfpeare, Hamlet. Im Vergleich zu den Luxuspreisen bei einer echten Hitlerkundgebung, wo für Anblick und Anhören des Führer-Kanzlers Lieblingspreise von 8 und 10 Mark bezahlt werden, ist das Auftreten des Berliner Gausaf und des hoffnungsvollen Hohenzollernsprossen ein wohlfeiles und volkstümliches Vergnügen: Eintritt 80 Pfg.(6.40 Ko), für Erwerbslos« die Hälfte. Immerhin beweisen auch diese Preise noch, an wen sich die Nationalsozig- kistische deutsche Arbeiter- Partei vor allem wendet. Um 8.15 Uhr beginnt die Kundgebung, um 5 Uhr werden die Besucher eingelassen. Die Potsdamer Straße ist durch Massenaufgebote von Schupo gedeckt, hinter denen sich dann als zweit« Kette die Befreier Deutschlands, die SA. und SS. befinden. Durchschnittsalter dieser Krieger, die im Deutschland der Kontrerevolntion das Geschlecht der„Frontsoldaten" repräsentieren: 18 Jahre. Es sind zum größeren Teil Kriegskinder, die nun nach neuen Kriegen schreien, und man merkt ihnen die traurigen Umstände ihrer Geburt in„großer Zeit" an den rachitischen Schädeln, den Hühnerbrüsten und an den ost kretinhaften Phyfiognomien^kM. Ach ja, dies Geschlecht wuchs ohne Milcb heran und seine Windeln, Zeitungsvapier des Scherlverlages, waren mit den Lügen'des Großen Generalstabes und der Tirpitzschen Vaterlands- Partei bedruckt. Daher vielleicht der Ungeist, der in den Hohlköpfen dieser Soldateska nistet. Neben diesen reichlich grünen Aungen gibt es noch die Iungfront, eine Art Balilla, Kinder von 13 Jahren, und den Bund deutscher Mädels. Sie alle sammeln, kolportieren, agitieren. Der Betrieb beginnt auf der Straße vor dem Sportpalast, er setzt sich vor den Kassen, den Sperren, im Hof, an den^aus- und Saaltüren, im Stiegenhaus, in den Siw reihen fort. Der Ablaßkrämer Tetzel muß, verglichen mit. diesen Sammlern, das Muster eines unaufdringlichen Geschäftsmannes gewesen sein. Wohl fünfzigmal an diesem Abend wurde mir eine Sammelbüchse unter die Nase gehalten, hörte ich das aufdringliche Klappern der Groschen in den Blechbüchsen an meinem Ohr: Wahlfonds, Kampffonds, Bausteine, für die erwerblosen SA.(als ob sie jetzt nicht genug zu tun und Erwerb in Fülle hätten^, für verwundete und verkrüppelte SA., für die Hinterbliebenen der ermordeten SA.-Männer, für den Bund der Mädels, für die Jungfront, Führerbilder, Hitler in Goldrahmen, Abzeichen, Fähnchen, das neueste Sturmlied, Liederbuch der SA.; zwischendurch verteilt ein SA. Mann Reklamezettel für ein« Faschingsunterhaltung. Aber die Verkäufer von Gurken, Bier und Zuckerln können sich bei der Konkurrenz kaum durchsetzen. Sie weiden überschrien, überklappert, sozusagen überrittcn von den Schnorrer Schwadronen im Braunhemd, die vier Stunden lang das Feld nach Beute absuchcn. Der Saal bietet das übliche Bild. Riesen aufschriften, die dem Marxismus den Tod verkünden oder für die Zeitungen der NSDAP, werben, etwa 15.000 bis 18.000 Mann in Zivil, dem Anschein nach in der Masse Klein- bürger, freilich auch unverkennbare Proletariergestalten, unter ihnen und auf den besseren Plätzen wohlhabende Bourgeoisie, dazwischen überall SA., die sich ganz nach Landsknechts- art unterhalten, würdig der zahlreichen Wand, inschriften im Sportpalast, die erkennen lassen, daß vom Politischen zum Schweinischen in diesem Reich nur ein ganz kleiner Schritt ist. Auch während der Reden hören die SA. Burschen kaum hin, unterhalten sich, poussieren mit den Mädchen, sitzen mit den Hinterteilen gegen Saal und Podium gekehrt auf den hohen Lehnen der Galerie. Seite 2 Dienstag. 28. Feber 1933 ytt. so Außerordentlicher vcrbandstag der Eisenbahner. Ab und zu wird die Wartezeit durch ein wenig Musik unterbrochen. Neben preußischen Märschen und Schlagern ertönt plötzlich der Radetzky-Marsch. Die flotte Straußsche Me» lodie, zur Verherrlichung des böhmischen Generals in die Welt der Töne gesetzt, nimmt sich fremd unter dem öden Geplärre preußischer Märsche aus— beinahe so fremd wie di« Erscheinung des weibisch-hysterischen Oester- reichers, der durch«ine fast hegelianisch paradoxe Laune des Schicksals zum Führer des alten Preußen geworden ist. Bismarck und Moltke samt dem alten Wilhelm, die bei Sadowa den Radetzky-Marsch aus den Schanzen von Chlum erklingen hörten, der alte Fritz, der so oft gegen Oesterreich geritten ist, alles, worauf sich diese äffische Kontrerevolution beruft und was sie in ihrem Raritätenkabinett ausstellt, müßte im Grabe rotieren, wenn es Adolf Hitler aus Braunau in Oberösterreich als Führer-Kanzler des Dritten Reichs erblickte oder gar Zeuge des hündischen Kotaus würde, den nun Pg. Prinz August Wilhelm von Preußen vor dem„Führer" macht. Bevor Wilhelms braunster Nachkomme vor das Mikrophon tritt, gibt es eine Trauer-, feier für zwei gefallene SA.-Leute. Es ist offensichtlich ein neuer, aber ein geschickter Trick, der Versammlung ausdrücklich zu verbieten, daß die Pg. Göbbels und Prinz Auwi mit Beifall begrüßt werden. Da die rauschende Begrüßung der„Führer" an Wirkung verloren hat, versucht man es mit dem Gegenteil: Trauermarsch, Fahnensenken, Weihestunde... Auwi spricht eine Stunde. Er steht während der Rede in Habtachtstellung unverrückt auf einem Platz, nur mit den Armen macht er«ingelernte Freiübungs-Bewegungen. Diese Rede ist wie gesagt das klägliche Schweifwedeln eines Köters vor dem Herrn und man fühlt sich an Otto Straßers Witz über die Hitler- sendungen des deutschen Rundfunks: His masters voice—„Die Stitttme seines Herrn" ertöne dem deutschen Volk, erinnert. Widerlich auch, wie dieser Erbe eines fluchbeladenen Geschlechts, zu dessen Standardleistungen an Geschmacklosigkeit wohl auch der dümmste Habsburger nicht zu haben wäre, gelegentlich leuffelig und volksfreundlich tut, wie er seine Zugehöriakeit zum Volke damit begründet, daß seine Vorfahren ja seit 500 Jahren mit diesem Volk« durch dick und dünn gingen! Man ergänzt sich: auf di« gleiche Art will auch er es halten— er wird führen, das Volk wird hungern. Besonders geschmackvoll wirkt seine Bemerkung über das Reichskanzlervalais, in dem— welch großartiges Svmbol der Geschichte!— sein„Urgroßvater, Kaiser Wilhelm I., sein Liebesidyll mit der schönen Prinzesiin Radziwill erleb: hat".(Was sagt denn da di« Urgroßmama dazu?) Der Inhalt der Rede ist gl e i ch Null. Kein Programm, keine Andeutung, was geschehen soll, einzige Zielsetzung: Vertrauen zum Führer, der es schon schaffen wird. Es ist wie im Weltkrieg, es ist ewig die gleich« Tragödie dieser Nation, daß sie sich blindlings irgendeinem großmäuligen Kommandeur anvertraut, der es schon machen wird. Nach einem musikalischen Zwischenspiel tritt Göbbels auf, der kleine hinkende, ganz„östlich" aussehende Germanenführer von Berlin. Auch seine Rede zeigt kein Ziel, enthält einen einzigen Gedanken: w i r .sind an der Macht und wir geben sie nicht wieder her. Alles andere ist ! unklar, oft läppisch öder in der frechsten Weise ' erlogen. Bei ihm hat man das Gefühl des ! ganz geriffenen, nüchtern rechnenden Dema- \ gogen. Er muß dieses Publikum wie seine Westentasche kennen. Er weiß genau, mit welchem Grad von Dummheit er rechnen darf. Unmöglich, daß dieser Bursche, der als Ge- sch^stsmann sicher den berühmten orientalischen Rekord schlägt und nicht nur 49 Juden und sieben G-üech-n. sondern auch den Armenier, der jene hineinlegt, in die Tasche stecken würde, seinen„Führer" nicht als die sprechende Attrappe ohne Idee durchschauen würde, die er ist! Unmöglich, daß er den ganzen Rummel auch nur einen Augenblick ernst nimmt? Aber der Irrsinn der Na-i hat in jeder seiner Formen Methode. Dieser Göbbels kann heute noch immer aus.dem Instrument einer dumvfen und doofen Volksseele spielen. Er darf lnaen, aufschneiden, ihnen mit aller Frivolität sagen, daß er nie etwas versprochen, immer nur gefordert habe, daß er auch jetzt nicht« verspreche. Er erntet Beifall, wenn er die Gegner mit weiteren Revreffalien bedroht, wenn er die Demokratie verhöhnt, sich der Brutalitäten und Unaerech- tigkeiten des neuen Svltems rühmt. Gegen ihn nimmt sich unser Jung wie ein sachlicher Redner aus. er redet so, daß noch heute, nach allerhand Erfahrungen mit dem Nationalsozialismus, jeder dabei denken kann, was er will, und wenn er ein« Drohung ausgestoßen hat, di« allgemein beklatsch! wird, dann kann man sicher sein, daß sie jeder auf den bezogen hat, den er am meisten haßt. Ohne daß man auch nur ein Wort über das Wirtschaftsproqramm der NSDAP, gehört hätte, verläßt man die Kundgebung. Zwei Symptome dürfen wohl als Zeichen einer inneren, s e e l i s cb e n Krise der sascistlschen Beweaung gel'en: Der Beifall ist nicbt mehr rauschend, fasziniert, kaum spontan. Nur bei blutrünstigen Bemerkungen und blöden Wißen wirkt er echt.. Sonst ist es Anerkennunasbeikall, der erst nach Zündung durch gestellte Clagueure losbricht und auch am Ende keine vier Sekunden vorhält. Er scheint mit anderen kleinen, oft physioqno- mischen Svmvtomen ebenso wie der überhandnehmende halbe Fascfftengrnß(statt des freudig ausgestreckten Armes grüßt eine lässig in Schulterhöhe gehobene Hand ein leichtes . ServaS!") Ausdruck deS moralischen KatzeniammerS zu sein, der ja doch einsebt. lind das andere Zeichen der Krise scheint mir die Tatsache zu fein, daß d i e Reden zu 95 Prozent der Vergangenheit und der Darstellung der eigenen Heldentaten in versunkener Zeit gewidmet sind. Das Drifte Reich ist nun eben doch schon da. Man kann nicht mehr Wechsel auf die Zukunft ausstellen, und da man in der Gegenwart nichts zu bieten hat als Teuerung und ,»h^ man vom R"bm. daß man es soweit gebracht hat, und sucht dem Volk mit dem Wunder zu imponieren, daß es dumm genug war, den Sieg zu«Kämpfen... Am 25. und 26. Feber tagte im große» Volkshaussaale in Aussig der außerordentliche Verbandstag der freigewerkschaftlichen Eisenbahner. Der Berbandstag war stark besucht. 111 Ortsgruppen von 130 Ortsgruppen, die der Verband der Eisenbahner besitzt, hatten 140 Delegierte entsendet. Weiters waren auf den Ber- oandstag 33 Mitglieder des Berbandsvorstandes und der Verbandskontrolle sowie 13 Vertreter der Organisation anwesend. Die vom Verbandstage angenommene Tagesordnung lautete: 1. Die katastrophalen Auswirkung eirder Wirtschaftskrise auf den Eisenbahnen. 2. Die außerordentliche Arbeitslosigkeit und die Sicherung der Arbeitslosen durch einen Krisenzuschlag.•- Zum 1. Punkt der Tagesordnung sprach m einem großaufgebauten Referate Genosse Abgeordneter Grünzner, der die wirtschaftlichen unpolitischen Verhältnisse in internationalem Maßstabe daÄegte und di« Folgerung zog, die sich daraus für die Ereignisse in den letzten Monaten in unserem Lande ergaben. In ausführlicher Weise besprach er den parlamentarischen Kampf in der Frage des Gehaltsabbaues. Zum 2. Punkt der Tagesordnung sprach Genosie Eduard Paul. Die Beratungen auf dem Berbandstage ergaben volle Einstimmigkeit. Zum 1. Punkt der Tagesordnung wurde fol- g:nde Entschließung einstimmig angenommen: Der am 25. und 26. Feber 1933 in Aussig tagende außerordentliche Berbandstag des t..Ber- bandes der Eisenbahnen, welcher sich m der Haup:- fache mit der Sicherung der Arbeitslosenunterstützung für die Opfer der Weltwirtschaftskrise, von der auch die Existeuzverhältnisse der Eisenbahner auf das schwerste mit betroffen und bedroht sind, befaßte, Hut auch zu den Sparmaßnahmen der staatlichen Fi- nanzverwaltung im allgemeinen und im besonderen zu der katastrophale« Finanzlage des Lisenbahunnter- nehmens sowie z« den für die Arbeiter, Bediensteten und Pensionisten unerträglichen Auswirkungen derselben Stellung genommen. Der Berbandstag stellt einmütig fest, daß es trotz Wirtschaftskrise und den nicht rechtzeitig getroffenen Vorkehrungen gegen die vielfach unlautere private Kraftwaaenkonkurrenz i» der tschechoslowakischen Eisenbahnwirtschaft nicht zu einem derartigen, di« Existenz der Bediensteten, Arbeiter und Pensionisten beängstigenden Tiefstände hätte kommen müßen, wenn von allem Anfang an die Personalpolitik nicht vorwiegend von nationalistischen nnd protektionistischen Gesichtspunkten geleitet, sonder» das Unternehme«»ach objektive»«nd wirklich ka«f- männischen Grundsätzen verwaltet«ad geführt Worden wäre, Der Berbandstag kann nicht umhin, in diesem Zusammenhänge auch neuerlich darauf hinzuweisen, daß ei» erheblicher Teilbetrag des großen Defizits der Eisenbahnen auch in Einnahmeverlusten für öffentliche und private Dienstleistungen, die in die Hunderte von Millionen Kronen gehen, zu erblicken ist, die, wenn sie der Eisenbahnverwaltung schon nicht rückvergütet werden, bei einer ordentlichen kaufmännischen Gebarung wenigstens zu Lasten jener Staatsverwaltungsressorts gebucht werden müßten, für die die Eisenbahnen diese Dienste leisten uno Begünstigungen gewähren. Er ist überzeugt, daß bei Handhabung einer solchen ordnungsgemäßen kaufmännischen Gebarung ein wesentlich vermindertes Defizit resultieren wurde und gibt der Erwartung Ausdruck, daß dieser kaufmännische Grundsatz endlich Beachtung finden wird Im Hinblick auf die große Ueberlastung des Penstonsetats der Eisenbahnen hält es der Ber- bandStag für notwendig, immer wieder i» Erinnerung zu rufen und festzustellen, daß dies« große« Pensionslasien zum nicht geringe» Teile durch die vo« der Eiseubahuverwaliung selbst gleich«ach dem staatliche« Umstürze inauguriert« und in de« folgenden Jahre» i» ver- jchärftem Maß« fortgesetzte obenbezeichnet« Personalpolitik mit Hilfe vo« Maflenpenfiouiernnge» von verhältnismäßig jungen. Physisch und geistig kräftige« und verläßlichen Bediensteten. die noch viele Jahre dem Unternehme» hätten diene» können, verschuldet worden ist. Der Berbandstag warnt deshalb die Eisenbahnverwaltung vor. weiteren Pensionierungen noch nicht ausgedienter Bediensteten, soweit sie nicht körperlich oder geistig dauernd dienstunfähig oder invalid sind. Die Bediensteten der niederen und mittleren Kategorien können und werden cs auch niemals begreifen, daß jeglich« Sparmaßnahme« zur Sanierung t« Eisenbahnunternehmens fast durchwegs durch Herabsetzung ihrer Existenzbedingungen nnd Verschlechterung ihrer Rechtsverhältnisse erfolge», während bei schon bedeutend reduziertem Personalstande der Verwaltungsapparat nicht nur nicht vep mindert, joudern im Gegenteil noch vermehrt und komplr,r wird Gegen eine derartige Wirtschaftsführung und Personalpolitik, die im krassen Gegensätze zu dem Begriffe„kaufmännisch" sicht, protestiert der Bcr- bandstag ganz entschieden und fordert von der Eijen- bahnverwaltung, daß die vom Ministerrat bereits beschlosienen und in Zukunft etwa noch zu treffenden Maßnahmen hinsichtlich der Pensionierung mit Berücksichtigung der. Kriegshalb-, beziehungswe'st Kriegsjahre lleberdicnenden und Ausgedienten, nicht nur bei den Angestellten der niederen und mittleren, sondern vornehmlich auch bei den höhere« und höchsten Kategorien gleichermaßen angewendet N erd-n Der Berbandstag ist der einmütigen Auffassung, daß es in der Tschechoslowakischeu Republik nicht zu Kürzungen der Aktiv bezögt, Ruhe- nnd BersorgungSgrnüsse hält« komme« müflen, wenn seitens der Staatsverwaltung von allem Anfänge an eine Wirtschaftsführung und Hande's- vertragßpolitik beobachtet worden wäre, die den Er- fordernissen des Staates»nd feiner 14-Millionen- Bevölkerung entsprochen hätte, worauf die freie» GewerkschastSsrganisationen und die sozialdemokratischen Parteien im Laufe der Jahr« bei jeder sich bietenden Gelegenheit immer und immer wieder mit besonderem Nachdruck hingewiesen haben. Der Berbandstag anerkennt und stellt fest, vuß di« freigewerkschaftlichen Organisationen im«aasten Einvernehmen mit den sozialdemokratische» Parteien während der ganzen Abwehraktio» gegen die vom FinanzministertuM.beabsichtigten und.wiederholr br-- anträgten Personat-SpaMaßnähmen,-. soweit e- nach ihren Kräften und ihres.polnischen Einflusses möglich war, aufopferungsvoll und restlos ihre Pflicht getan Haden Der Berbandstag verurteilt, auf das scharst" die schädliche Politik und Taktik der Hakenkreuz!^ und Kommunisten, die offenkundig auf eine Schwächung der wirklichen und seit Jahrzehnten bewährten Vertretung der Arbeiter- und Angestcllren- Jnteressen, d. h. der freigewerkschaftlichcu Organisationen und sozialdemokratischen Parteien abziell. Er stellt fest, daß die Politik und Taktik der Hakenkreuzier und Kommunisten einzig»nd allein dahin führt, die Kampfkraft der Arbeiterklasie zn schwäche« und, wie die Vorgänge in anderen Staaten lehren und besonders jetzt in Deutschlana so augenfällig zu beobachten ist, dem FasrismuS die Wege zu ebnen und die Arbeiterklasie vollständig rechtlos zu macken und niederzuwerfen. Sorge und Not keine Zeit gehabt, Dinge dieser Welt nochzudenken, un chens Tod«, von dem„göttlichen Meister" I Weißenberg zur Strafe in die unrerste Hölle Male ging aus, obwohl sie sich eigentlich sich nicht. Sie bezichtigt« sich der Sünde, vor allem des Mordes an ihrem unglücklichen Kinde. Zwischen Tränen sang sie alberne Bußlieder oder plärrte Gebete. Male, selbst vo» nie ruhenden Schmerzen gequält, kam immer schwerer mit der Verrückten auS. Vergebens suchte sie der aufgeregten Frau zu erklären, daß nicht ihre anc.etlichen Sünden, sondern die von Menschen geschaffenen und deshalb auch der Aenderung zugänglichen Umstände das Unglück KlärchenS verschuldet hatten. Wenn Gott oder sein Sohn Jesus oder die Mutter Maria wirklich jeden Schritt der Geschöpfe bestimmten und wenn es ihre Liebe sei, von der die Welt regiert wurde, dann sei eS doch erst recht unverständlich, wenn ein unglückliches Kind dem Tc^e verfallen muffe, nur weil em Schweinekerl sein geiles Gelüst nicht bezähnren konnte. Sie fragte die Frau, wo denn hier hie Liebe Gottes zu sehen sei? Und wenn Gott Sen Menschen nicht nur liebend, sondern auch strafend entgeaenträte, wie die Pastoren behaupteten. Sann müsse das schon ein sehr böser Gott sein. 84 Die Kellnerin Molly. Roman von Han» Otto Hanoi. Är-vvriadi dv Kackelrater-Verlaa. Verl»«. Aackdruck verboten Als sie durch den Hos humpelt«, kam ihr erst zum Bewußtsein, daß sie das Gesicht der Frau Schümichen eigentlich gar nicht reckt erkannt hatte. Es war wohl grau und dunkel gewesen wr« diese Höfe und Wohnungen auch. Trotz der qualvollen Schmerzen im Kreuz machte sie den kleinen Umweg über die Wiener straß«, neugierig, das Asyl einmal bei Tage»nd von außen zu sehen. Ob sie noch einmal dahin müßte? Vielleicht nicht, denn nun, da sie die Sorge um das Kind los war, würde sie ein neues Leben beginnen können. Tierquälerei ist eines Knlturstaates unwürdig «nd wird darum mit aller Schärfe des Gesetzes i dessen Rache oder Strafe em zehnjähriges Kind Durch die Zeitungen, die mit großen lleber- treffe. Ein gutes Kind, wie Fran Prager ja schriften die Umstände von KlärchenS Selbstmord selbst wiffe! verbreitet halten, war die religiöse Sette der s Bor solchen Erklärungen zerfloß Frau Pra» „Weißenberger" auf Frau Prager aufmerksam aer m Tränen, aber mitten darin überschüttete geworden. Sie mochten sich an die Fran heran j sie Male mit Finten von Beschimpfungen, weil nnü ihr« Einflüsternngen hatten die ohnehin 1 solche Reden Gotteslästerungen seien. Bor chrem gänzlich Zerrüttete dem Wahnsinn näher ge- Unglücke hatte die Fran vor lanrcr Arbeit und bracht. Sorge nnd Not keine Zeit gehabt, über die Sie faselte von Geistern, denen Klärchen Trng-> dieser Welt nochzudenken, nnd jetzt hatte zum Opfer gefallen sei, die aber jetzt, nach Klär- das Unglück ihr das letzte bißchen Kraft znm chens Tode, von dem„göttlichen Meister" Joseph Denken Zerschlagen. Weißenberg zur Strafe in die unterste Hölle ver-- bannt seien. Die Geister Bismarcks und deS hätte schonen müffen und trotzdem die Schmer- Kaisers Nero sollten an der Bestrafung der s zen seit dem Eingriffe noch keinen Augenblick dösen Geister tätige Hilfe geleistet haben. Ob- s nachgclaffen hatten. Weilte sie nicht zu Hanfe, wohl die Fran jeden Abend seelsorgerischen Trost| dann war sie auch nicht den Wahnsinusausbrü- von dem göttlichen Meister, einem Scharlatan J chen der Frau Prager ausgesetzt. Und überdies mit üppigem Bierbauch, empfing, beruhigte sie j mußte sie Geld verdienen. Das Gehen fiel ihr sehr schwer. Sie schleppte sich nur so dahin, aller paar Augenblicke stehenbleibend, sich an den Hauserwänden anhaltend. In der Landsberger Straße brach sie schließlich bei vollem Bewußtsein zusammen. Im Nu strömten Menschen auf sie zu. Aber ehe der Knäuel sich schloß, sah Male noch, daß sie gerade vor dem Eingang zu den BerwaltungSraumen eines TierschutzveremeS lag. Ihr Blick siel auf ein großes Emailleschild, auf dem in graphisch bemerkenswert schöner Form weithin die echlsch hohe Forderung zu lesen stand: Quält keine Tiere! Schützet unsre Freunde auS Tier- und Bogelwelt! Zeiget unnachsichtlich alle Brutalitäten an, die gegen Tiere begangen werden! Fünf oder sechs Menschen bemühten sich freundlich um das zusammcngesunkene Mädchen. Aber Male wurde vom Schmerze schnell in eine wohltätige Ohnmacht getrieben, ooppelt wohltätig, weil sie ihr den Anblick des Menschenfreundes ersparte, der beim Hilfewerk das Hanvtäsch- cheu der Ohnmächtigen verschwinden ließ. Er wird über den Inhalt gewiß enttäuscht gewesen sein. In der Charite kanr Male wieder zu sich. Sie lag im sauberen Bett in einem hellen Saale, Aerzte und Schwestern in weißen Kitteln standen um sie herum. Es roch nach Reinlichkeit. Male erschrak, denn sie lag vollkommen nackt da nnd die Herren untersuchten Leib und Schoß, die das Mädchen so gern verborgen hätte. Dre Herren fragten sehr freundlich. Es müsse doch ein Eingriff an ihr vorgenommen worden sein. Male log. Nein, sie habe sich nichts angetan und niemand habe sich an ihr vergriffen. Heiße Angst zitterte in ihr. Sie fühlte Wohl, daß die Herren Bescheid wußten, aber sie war um keinen Preis bereit, etwas zuzugeben. Lieber wollte sie sterben, als in das Zuchthaus gehen. Aber die Herren verloren ihre Freundlichkeit nicht angesichts der offenbaren Lüge. Der Aelteste, zu dem die andern respektvoll aufblickten, zuckte bedauernd die Achseln und sagte: „Die alte Geschichte! Schreiben Sie, Schwester: Peritonitis, weit vorgeschritten." Als größtes Wunder erschien Male,"daß man solche Herrlichkeiten, daS saubere, Weiße vager, die Untersuchung, die freundliche Behandlung an sie wendete, mure vorher gefragt zu haben, ob sie bezahlen könne. Die Schwester änderte ihr Benehmen nicht im geringsten, als Male auf Befragen erklärte, daß sie keiner Krankenkasse angchore und augenblicklich auch selbst kein Geld besitze, so daß also niemand für die Kosten aufkommen würde. Freilich kam Male auch der Gedanke, daß es vielleicht besser wär«, trenn man dre Kosten, die jetzt an den kranken Wen» scheu gewandt wurden, schon dem gesunden hätte zugute kommen lassen. Dann gäbe es sicherlich weniger Kranke, di« gepflegt und geheilt werden müffen. Di« Schwester lächelte, als Male auf die beruhigcnde Zusicherung, daß eine Bauchsellent- zündung dieser Art heilbar sei, versicherte, sie werde sich nach ihrer Gesundung Mühe geben, die Kosten ab zu zahlen. Hier, in der Ruhe des Krankenhauses- spazierten Males Gedanken in den■ schmalen Jrrgängen, auf denen man eine Erklärung deS Schicksals sucht. Besonders das eine„Wenn" lag wie ein schwerer Block da und ließ sich nicht übersteigen.„Wenn ich nicht so Hals über Kops von Leipzig geflüchtet wäre, hätte sich dann all das Schreck!ich« vermeiden kaffen?" Sie machte sich Borwürfe, weil sic damals so überstürzt Leipzig verlassen hatte, ohne ihren Liebsten um Rat zu fragen. Sie wollte jetzt überzeugt>davon sein, daß er sie in Schutz genommen hätte. War er denn nicht ein gebildeter Mensch, der die Dina-->v überblicken vermochte? (Forijetzuttg io-gi.) I Nr. 50 Dienstag, 28. Feber 1933 Seite 3 v«8 Dritte fiel® der Hordbcsticn. Täglich Opfer ans Reichsbanner und Eiserner Front Der Berbandsiag anerkennt voll und ganz do« Bestreben des Ministeriums für soziale Fürsorge nach unverzüglicher Einführung der gesetzlichen„40- Ttunden-Arteitewoche", weil nur dadurch eine teilweise Verminderung ser Arbeitslosigkeit unter dem heute bestehenden Wxt- schafltsystem möglich ist und erklärt, das; der„Verband der Eisenbahner" als Glied der gesamten sre:- gewerkschaftlichen Arbeiter- und Angestelltenbewc- gung restlos für diese wichtige Forderung einsteht. Di« Diskussion nach den Referaten war eine sehr rege. An ihr beteiligten sich 31 Redner. Hauptsächlich wurde zu dem Punkte der Sicherung der Arbeitslosenunterstützung durch Einfirh- rung eines Krisenzuschlages gesprochen. Der dies- , bezügliche Antrag des Verbandsvorstandes, der dahin lautete, von den Mitgliedern im aktiven Dienste einen Krisenzuschlag zu den Beiträgen von monatlich L 2 und von den Pensionisten mit Ruhe- und Versorgungsbezügen von über X 500 einen Zuschlag in der Höhe von K 1 einzuheben, mit überwältigender Mehrheit angenommen. Am Schlüge der Tagung richtete der Vorsitzende Genosse Schober die Aufforderung an die Delegierten, hinauSzugehen in di« Ortsgruppen und im Sinne der gefaßte» Beschlüsse zu arbeiten. Mit dem„Lied der Arbeit" wurde die eindrucksvolle Tagung der freigelverkschaftlichen Eisenbahner geschlossen. Nationaldemohraten Setten deutsche Regierungparteien. Xie Hintergründe der Aktion. I^Lidvv« Listh", das Blatt der Klerikalen, dringen ein« Notiz über die Hintergründe der nationaldemokratischen Aktion gegen die deutschen Regierungsparteien. Die Nationaldemokraten stnd bekanntlich beim Ministerpräsidenten ge- toefett und haben über die deutschen Regierungsparteien Beschlverde über deren Haltung bei der Auslieferung der nationalsozialistischen Abgeordneten geführt. Zweifellos ist es die Absicht der Rationaldemokraten, di« beiden deutschen Parteien, insbesondere die deutschen Sozialdemokraten, aus der Regierung zu verdrängen, obzwar der nationaldemokratische Führer Tw. Kramar selbst gesagt hat, er habe an dem Verhalten der deutscher Regierungsparteien nichts auszusetzen, und er hätte im alten Oesterreich niemals für die Auslieferung eines tschechischen Abgeordneten gestimmt. Das Borgehen der Nationaldemo- kraten ist nach den„Lidovs Lisch" mehr ein Reflex der inneren Vorgänge und Spannungen in der nationaldemokratischen Partei, vor allem des Gegensatzes zwischen dem gegenwärtigen Handelsminister DlatouZek und dem Abgeordneten JeLek, dem Referenten in der Auslieferung sf rage. Schon bei der Bildung der Regierung Malhpetr kam eS zu einem Kampf zwischen den beiden Genannten um die Vertretung der nationaldemokratischen Partei in der Regierung, Damals gewann MatouSek das Rennen und das kann ihm JeLek nicht vergessen. Abgeordneter JeLek spielt nun den Radikalen und sucht dem Minister MatouSek ständig Schwierigkeiten iu bereiten. IeScks Streben ist eS, zu einer Rekonstruktion der Regierung zu gelangen, wobei er hofft, Minister zu werden. Ernster wuß schon di« Tatsache betrachtet werden, daß sich in letzter Zeit auch der Sekretär des Industriellenverbandes Abgeordneter Dr. Hodaö zum vadikalen Flügel der Partei geschlagen hat. DieAbsicht HodaS' ist eS, zu einer Kris« in der Koalition zu treiben und schließlich und endlich Neuwahlen zu erzielen. Auch andere Blätter registrieren Gerüchte von einer Regierungskrise, insbesondere von einem Wechsel rm Eifenbahnministerium sowie im Ministerium für soziale Fürsorge. Dies« Gerüchte entbehren jeder tatsächlichen Grundlage. Das nächste ArDeHsprogramm. Nach dem„Pravo Lidu" soll di« Regierung in dieser Woche permanent lagen, um das weitere Arbeitsprogramm vorzubereiten. Es soll u. a. dst technische Seite der Ausschreibung einer Jnvestitionsanleihe verhandelt werden. Dem Ministerrat wurde bereits ein Verzeichnis der wünschenswerten Investitionsarbeiten vorgelegt. Es sind dies eigentlich drei Entwürfe, nämlich ein Minimalprogramm«in mittleres und ein großes Programm, dessen Durchführung mindestens fünf Milliarden erfordern würde. Einen weiteren Beratungspunkt bilden die staatlichen Lieferungen; nach dem„Pravo Lidu" wurden Anordnungen kür rücksichtslose Verfolgung der Korruption getroffen und bereits einige höhere Beamte unter dem Verdacht verhaftet, Bestechungen angenommen und mit Lieferfirmen Verbindung Unterhalten zu haben. Arbeitsausschuß der HandetSreisendeu-Orga- »isationen. Im Handelsministerium fand am 27. Feber d. I. unter dem Vorsitz des Sektionschefs Dr. OttiS ein? Beratung der Vertreter aller Organisationen der Handelsreisenden uird Agenten über dringliche Jtandesfragen und di« Organisationsarbeiten der genannten Interessentengruppen statt. Die Debatte klang in die einmütige Forderung aus. daß im Interesse einer erfolgreicheren Arbeit und der leichteren Fühlungnahme mit den Behörden, insbesondere mit dem Handelsministerium, aus den bisherigen zahlreichen Organisationen der.Handelsreisenden und Agenten ein eng e r e r Arbeitsausschuß gebildet werde, in welchem die führenden Korporationen durch je «inen Vertreter vertreten sind. Das Ergebnis dieser Enquete war die Konstitutierung dieses engeren Arbeitsausschusses. B r c S l a u, 26. Feber.(Eig. Drahtb.) In Neiße überfielen S A.- L« u t e am Ring den Reichsbannermann Georg Arbeiter und töteten ihn durch einen Schuß in die Schläfe. Als Kameraden des Reichsbannermannes die nationalsozialistischen Mörder festhalten wollten, erhielt einer von ihnen einen tiefen Messer st ich in die Brust. Später hielte« die gleichen Nationalsozialisten noch mehrere Bürger auf dem Ring an und durchsuchten sie nach Waffen. In Breslau wurde am Sonuabeud nachmittag«in 17jähriger Iungbanuer- m a n n von mehreren nationalsozialistischen Burschen verfolgt, niedergeschlagen und durch Messerstiche schwer verletzt. Der verhaftete Messerheld ist der Polizei als einer der übelsten Nazirowdys bekannt. * Schwerin, 26. Feber.(Eig. Drahtb.) Bon dem Blutterror der SA. i« Mecklenburg zeugt nachfolgendes Telegramm, das der Bezirksvorstand der SPD. und das Reichsbanner Schwerin an den Reichsprästdeuten gesandt haben: „Sonntag maßt« sich SA. in Doberan, Amt Rostock Polizeigewalt an und forderte vom Bürgermeister Auflösung des polizeilich genehmigte« Umzuges der Eisernen Front. Als d«r Bürgermeister die Auflösung aRlehnt«. erklärt« nach dem Bericht der nationalsozialistischen Zeitung di« SA., daß fle selbst den Zug auflösen würde. Die SA. unternahm dann zwei Feuerüberfälle mit Pistole« auf den polizeilich erlaubten Zug. Eine« Toten und elf durch Schüsse Verletzte hatte das Sozlaidcmokraflsdics Volkshaus von den SA. okkupiert Berlin, 27. Feber. Der„Vorwärts" meldet aus Beuthen, daß gestern abends zwei nationalsozialistische Sturmzüg« das dortige sozialdemokratische Volkshaus besetzten«nd erklärte«, daß sie es lebend nicht herausgeben. Am Abend« wurde vor dem Volkshause zum Schutze der nationalsozialistischen SA-Männer Polizei aufge. stellt. Mit der Behauptung, daß sie in dem Hause neun Granaten und Hetzbroschüre« gefunden hätten, wollen di« Nationalsozialisten ihr Vorgehen rechtfertigen. »er Lahusen-Skandal dort vor der Wohl nicht verhandelt werden! Bremen, 27. Feber. Auf Antrag des Verteidigers Rechtsanwalt Dr. Lütkebrune, der durch feine Berufung als Sonberkommiflär für das preußische Innenministerium an der Aus, Übung der Verteidigung für die Gebrüder L a h u- sen einstweilen verhindert ist, ist der Hauptver- handlungstermin im Prozeß gegen die Lahusens aus den 14. März vertagt worden. Die Staatsanwaltschaft hat sich diesem Vertagungsantrag angeschlossen. Der Fabrikant Nutschmonn fordert eine Dartho:omäus- nattit Die„Bartholomäusnacht", welche die nationalsozialistischen Führer versprachen, bevor sie zur Macht gelangten, ist bisher nicht erfolgt, womit einige nationalsozialistische Kreise scheinbar nicht zufrieden sind. Kennzeichnend in dieser Richtung ist ein« Red« des nationalsozialistische« Abgeordneten Mutschmann>n einer Wählerversammlung in Glauchau, in der er u. a. sagte: „Ohne eine kleine Bartholomäusnacht wird es nicht gehe«. Die Nationalsozialisten müsse« offene» Blick bewahren und Sentimentalität darf unter ihnen nicht Platzgreifen." Reichsbanner. Donnerstag abend wurde in Rostock das Gewerkschafthaus„Philharmonie" von SA. überfallen, die dort schlimmeralsinFeindesland hausten. Freitag abend wurden in Rostock ein« Anzahl von sozialdemokratischen Funktionären von SA. überfallen. Unter andren wurde der örtlich« Vorsitzende des Fabrikarbeiterverbandes durch eine« Schuß schwer verletzt. Polizei offenbar machtlos. Wir ersuchen dringend um ausreichenden Schutz der republikanischen Bevölkerung." Flensburg, 26. Feber.(Eig. Drahtber.) Am Samstag nachmittag erschoß ein Nationalsozialist de« Jungbannermann Fehr aus Kiel, der zu einem Arbeitslager gehörte, das in der Volkshochschule Herris- leefeld untergebracht ist. Der junge Reichsbannermann lvar auf dem Weg« nach Flensburg. Unterwegs begegnete er mehreren Reichsbannerkameraden, die er mit dem Rufe„Freiheit!" begrüßte. Im gleichen Augenblick fuhr ein von den Reichsbannerleuten nicht beobachteter Nationalsozialist auf einem Fahmad heran, sprang ab und rief:„Was wollt Ihr von mir?" Tann schoß er a«f Fehr, der durch ein« Kugel in den Hals tödlich getroffen zu Bode« sank. Der Mörder ist verhaftet. In Anbetracht der Erregung über dies« feige Mordtat hat der Polizeipräsident eine für Samstag-Abend von der Eisernen Front einberufene öffentliche Versammlung, in der Reichstagsabgeordneter Tarnow sprechen sollte, verboten. Die Sozialdemokratische Partei hat daraufhin zu einer Mitgliederversammlung eingeladen. Nächtliche* iteheriall aui einen sozialdemokratischen Abgeordneten. Dem„Vorwärts" zufolge drangen heut« nachtS zwei uniformierte Nationalsozialisten in Mordabstcht in die Wohnung des sozialdemokratischen Abgeordneten Dr. Löwenstein in Neukölln ein. Der Abgeorduet« und seine Frau verbarrikadierte« sich im Schlafzimmer. Die beiden Nationalsozialisten versuchten, die i« das Schlafzimmer führende Tür herauSzureißeu. Als ihnen dies nicht gelang, g<üben sie Revolverschüsse nach der Tür ab und zertrümmerten di« Einrichtung deS anliegenden Zimmers. Unter dem Ruf: ,^JHr Hallunken werdet noch all« dran kommet verließe« sie die Wohnung. Dir alarmierte Polizei verhaftete«inen der Täter, während sie den zweite« nach der Meldung des Blattes entkomme« ließ. Ei« Polizeibericht über diesen Fall wurde bisher nicht veröffentlicht! Nene Fallstricke für angebliche«„Landesverrat".■ Berlin, 27. Feber. Die heutige Kabinettssitzung verabschiedete den Entwurf einer Verordnung gegen„Verrat am deutschen Volke" und „hochverräterische Umtriebe". In diesem Entwurf ist eine wesentliche Verschärfung der bisherigen Strafbestimmungen für Landesverrat sowie eine Erleichterung der Verfolgung und des Strafverfahrens vorgesehen. Die Strafbestimmungen beziehen sich auch auf Nachrichten, die im Ausland verbreitet iverden. Schupo hinter der Hakenkreuz-Faune. Sonntag nachmittags fand der erste Massenaufmarsch der nationalsozialfftischen Betriebszellenorganisationen des Gaues Berlin im Lustgarten statt. Etwa 1200 Schutzpolizisten marschierten in Uniform mit der Hakenkreuzbinde am Arm hinter ihrer Gruppenfahne, die als Gösch einen Polizeistern trägt, geführt von einer großen Anzahl von Offizieren, im Lustgarten auf. Weiter sah man mehrere tausend Angestellte der Berliner Berkehrsgesellschaft in Dienstkleidung und eine starke Fachgruppe der Post. Rußland beschwert sidi, daß Japan gegen Dahnrüuber nicht elnsdirelieL Moskau, 27. Feber.(Daß.) Das Preßbüro der USER berichtet aus Charbarowsk: In den letzten Wochen ist die Lage an der Ostlinie der Ostchinesischen Eisenbahn bedrohlich gewor den. Gutausgerüstete Ehunchuseubande» führen Ueberfall« auf die Stationen der Ostchinefisch«« Eisenbahn und die Eisenbahnerstedlungen aus. Trotz der Anwesenheit von japanischen Truppe« plündern die Chunchusen ungestraft di« Stationen der Ostchinesischen Eisenbahn sowie di« Eisenbahnarbeiter selbst und auch die Angestellten der Bahn aus. ES sind wiederholt Fäll« von Zerstörungen des Bahnkörpers zwecks Anhaltung und Ausraubung der verkehrende« Züge zu verzeichnen gewesen. Trotz der Anrufung der Behörde des Man- dfchnkuo-Staates und auch des japanischen Oberkommandos werden keinerlei Maßnahmen zwecks Verhütung derartiger Vorkommnisse und zwecks Verfolgung und Bestrafung der Chunchusen getroffen. Es liegen bereits überprüfte Angaben vor, daß diese Ungestraftheit der Chunchu- srnbanden in einige« Bezirken sich auf die enge« Beziehungen zwischen den Anführern der Banden und einzelne« Beamten des Staats M a n d f ch u- kuo sowie Japanern stützt, die mit den örtlichen Behörden in Beziehung stehen. Ausdehnung des Kellogg* Paktes auf jede Anwendung von Gewalt. Genf, 27. Feber. Die politische Kommission wird in den nächsten Tagen wieder zu lammen- treten, um den sicherheitspolitischen Vorschlag Englands über die Nichtanwendung von Gewalt weiter zu beraten. Deutschland, England, Frankreich, Italien und Belgien haben sich heute nachmittags auf eine Formel geeinigt, die morgen der politischen Kommission von dem eingesetzten Redaktionskomitee zur endgültigen Rwidierung vorgelegt wird. Die Erklärung wird ihrem wesentlichen Inhalt nach darauf hinauslaufen, daß das im Kellogg-Pakt enthaltene Verbot des Krieges als Instrument der nationalen Politik auf jede Anwendung der Gewalt erweitert wird. • Luitahrthtung kommt nicht vom Fleck. Der Luftfahrtausschuß der Abrüstungskonferenz befaßte sich heute vorinittags durch drei Stunden mit der Frage der Internationalisierung der Zivilluftfahrt, die einen Bestandteil des französischen Konstruktivplans bildet. Der deutsche Delegierte lehnte es überhaupt ab, sich an der Aussprache libet die Internationalisierung der Zivilluftfahrt zu beteiligen» wenn nicht vorher das Problem der Aufhebung der Militärluftfahrt gelöst werde. Ter deutschen Ansicht schloß sich, wieder wie im Hauptausschusse, bloß Italien an. Arn I Ntörz von 9 bis ll Uhr Demonstrationsstreik der österreichischen Eisenbahner. Wien, 27. Feber. Ueber den Demonstrations- 'treik der Eisenbahner vom 1. März I. I. melden die heutigen Montagsblätter aus Gewerkschaftskreise» u. a.: Sämtliche. Züge, die sich unterwegs befinden, werden am Mittwoch um 9 Uhr in deu Stationen, die sie um diese Zeil gerade erreichen, estgehalten werden. In den Hauptstationen, also >or allem in Wien, werden jeire Züge, die fahr- rlanmäßig nach 9 Uhr ausfabren sollen, nicht mehr ausfahren, sondern in deu-Hallen stehen bleiben. In sämtlichen österreichischen Eilenbahnstationen werden Punkt 9 Uhr alle Fahrkartenschalter, Gepäckkassen und sonstige für den Par- teieirverkehr bestimmte Büros geschlossen werden. Auch in den Grenzstationen werden die Züge in der Zeit von 9 bis 11 Uhr nicht abgefertigt werden. Sämtliche Angestellten werden zwar während dieses Streiks auf ihren Posten bleiben, aber es wird natürlich viele Stunden dauern, bevor wieder normale BerkehrSverhältnisse hergestellt werden. Der neue Generaldirektor der Bundesbahnen hat heute nachmittags eine Prefsekon- ferenz einberufen, in der er mittei.lt«. daß die Bundesbahnen nicht in der Lage seien, ihren Pensionisten am 1. März die Gehälter auszubezahlen. Auch die Regierung könne den Bundesbahnen nicht beispringen. Schöpfer ging soweit, zu erklären- daß die Zeit gar nicht niehr ferne sei, wo auch der Staat seinen Beamten die Gehälter nicht mehr werde ordnungsgemäß auszahlen können. Unter diesen Umständen ist der Ausbruch dem Demonstrationsstreiks fast unvermeidlich geivorden. Vie große Sanken Meile in USA. Washington, 27. Feber. 18 Banken im Staate Ohio und die meisten Banken in C l e v e l a n d, A k r o n und Da y t o n haben alle Auszahlungen von Einlagen eingestellt. Diese Maßnahme betrifft ein Kapital von etwa 815 Millionen Dollar. Die Zahl der amerikanischen Banken, die seit 1. Jänner l. I. ihre Zahlungen eingestellt haben, beläuft sich auf 348. Der wöchentliche Durchschnitt von 43 ist in den letzten 14 Tagen um die Hälfte gesunken, was auf den häufigeren Gebrauch von Moratorien zurückaeführt wird. Heftige Kampfe an der Jchol-Front. Tokio, 27. Feber. Die vom japanischchinesischen Krigesfchauplatz eingegangenen Telegramme besagen, daß an der I e h o l-Front bei ungewöhnlichem Frostwetter erbitterte Kämpfe im tzstmge sind. Aus der Stadt Kail« wird berichtet, daß die Kavalleriebrigade des japanischen Generäls M o g i in ihrem Offensivansturm in Richtung gegen den Süden fortfahrt. Die von der Stadt Kailu als Basis. operierende japanisch« Armee hat offensichtlich als strategisches Ziel die Stadt Tschifen. Einer einge- langten Nachricht zufolge kämpfen di« Japaner heftig um eine« kleineren Paß unwest der Stadt Sujtschun, wo sie bei einem versuchten Flankenangriff auf den erbitterten Widerstand befestigter chinesischer Nester stieße». Es kam zu einem heftigen Kampfe, der mit wachsender Stärke bis jetzt fortgesetzt wird. Aus Verlangen des Generals Hattori wurde eine Eskader Bombenflugzeuge entsandt, die jetzt die chinesischen Schützengräben mit Ekrasitbomben belegen. Die chiuesisck>en Kommandanten schätzen ihre eigenen Verluste feil dem Beginn der Schlacht bei der Stadl Veschi^'umen bis zum heutigen Morgen auf 1000 Mann und die der angreiken- den japanischen Truppen auf 600 Mann. Chine-1 fischen Meldungen von der Frönt zufolge sind heftige japanische Angriffe auf den Paishitsu-Paß an der Grenze von Jehol abgeschlagen worden. Nach ausgiebigem Geschützfeuer hatte japanische Reiterei mehrere Angriffe unternommen, war aber unter Zurücklassung zahlreicher Toter zum Rückzug gezwungen worden. Die Chinesen senden in Eile ihren Truppen, welche mit Anspannung aller Kräfte' die Städte Tschifen und Lingiuan verteidigen, frische Verstärkungen zu Hilfe. Den letzten Meldungen zufolge haben sich di« chinesischen Truppen aus der strategisch wichtigen Stadt Lingiuan bereits gegen Süden zurückgezogen. Ein vehCTlSnlCT? Der Kommandant der chinesischen Truppenabteilungen im Engpaß von Tschifen, General Tchiwenha soll das Angebot gestellt haben, sich der Regierung des Staates Mandschukuo zu unterwerfen. Weiterhin wird berichtet, daß der chinesi'che Kommandant in Jehol. General Tanjulin, Vorbereitungen zum Rückzug und zur Räumung der Stadt treffe. Leite 4 Dienstag. 2®>^«ber 1933 I Empörende Häufung der Militärflieger-Katastrophen: T agesneuigkeiten i heute er Die Kehrseite der i einem Kameraden identifiziert, und von ihm nach der-Heimat begleitet. Die Eltern erkannten sofort ihren verlorenen Sohn, der jedoch an ihnen fremd vorbciging und sich an gar nichts mehr zu erinnern vermocht«. Man trachtet nun. dem Manne die Erinnerung wiederzugehen. Oberbür- Lermak, einem Ge- Gene- ver» uner- Eine kleine Bartholomäus-Nacht... In der Berliner K u n st ge w e rbe schu le hat man ein K o st ü rn f e st ausgehoben, bei dem es angeblich zu nackt zuging. Wenn es wahr ist, daß dort, wie die Hitler-Polizisten feststellten, ein„geradezu hohnsprechendes Treiben" herrschte, so haben wir nicht die geringste Ursache, diese Kostumfestler zu verteidigen, bei denen es sich ja vermutlich auch keineswegs um Proleten handelt«; denn die haben andere Sorgen, Schon bedenklicher ist es, wenn das Preußische Innenministerium nun ganz allgemein gegen die„Großstadt-Unkultur" vorzugehen androht; denn daß da Sittlichkeits- mit Gesinnungs-Schnüffelei Hand in Hand gehen wird, ist kaum zu bezweifeln. Und schon ganz toll fft es, wenn die Hitleristen, wie weiter angekündigt wird, gegen die homosexuellen Lokale vorgehen wollen; denn sie haben doch selber in Röhm einen Burschen in der Führung, der als typffch für den Homonationalsozialismus zu gelten Pflegt. Alles das zusammen aber, diese ganze Aktion der„sittlichen Ertüchtigung, Reinigung und Erziehung" wird erst als abgrundtiefe Tartüfferie klar, wenn man bedenkt, daß dieselben Kerl«, die da dem deutschen Boll«>vas von den im Hitlerlager waltenden Keuschheitsprinzipien einreden wollen,.doch selber in einem umfänglicheren Sinne das Unsittlichste darstellen, das die Welt se i t I a h r h u n d e rt e n trägt! Die Predigen Sittlichkeit, die täglich morden? Die nemhen das Feigenblatt zum Arbeiter im Lastauto verimglM Plauen im Vogtland, 27. Feber. Ein mit Mitgliedern des Arbeiterturnvcreines ^Eiche" besetzter Lastkraftwagen geriet am Sonntag in einer Kurve ins Schleudern, rast« in Voller Fahrt auf den Bürgersteig und stürzte einen Abhang hinunter. F ün f der Jnsasien wurden schwer und neun leicht verletzt. Im Krankenhaus ist ein Schwerverletzter gestorben. im Jahre 1910 geboren. Das zweite Mitglied der Besatzung, Oberleutnant-Beobachter Äug. 2 ä- Lek verdankt seine Lebensrettung dem Soldaten des Jnstruktionsbataillons Kekla, der 50 Meter von der Unglücksstelle entfernt im Schilderhaus Wachdienst versah und den Oberleutnant Täöek aus dem brennenden Flugzeuge befreit«. Oberleutnant Läi-ek erlitt nur geringer« Brandwunden zweiten Grades über dem rechten Kni« und am linken Oberarm und einige Der Mann, der sein Gedächtnis verlor. In der ungarischen Stadt Bekesrsaba hat sich ein auffchenerrcgcndcr Vorfall ereignet, der ein« gewisse Aehnlichkeii mit der weltberühmt gewordenen Kriegsgefangenrw-Affäre Bruneri-Ga- vella hat. Der ungarisclw Landwrbrmann Nikolaus Dudo geriet noch im Jahre 1916 mit schweren Kopfschuß in russische fangen schast und hatte nach seiner fung das Erinnerungsvermögen l o r e n. Er lebt« lange Jahre hindurch kannt in einem Kriegsgefangenenlager. Später, in ein anderes Lager übergeführt, wurde er von * Schneenacht! Das ist das furchtbarste Schrecknis jener Tausende, die nicht wissen, wo sie ihr Haupt betten sollen. Mit der trockenen Kälte haben sie. sich abgefunden. Wer leinen Mantel besitzt, stopft sich zwischen Weste und Hemd aufgelasene Papiere. Di« zerfetzten Schuhe werden mit Lumpen umwickelt. Wer aber kann sich gegen den nassen Schnee schützen, der unbarmherzig durch die dünnen Kleider, die klaffenden Sohlen dringt?! So beginnt denn schon in den Nachmittagsstunden die verzweffeli« Kampagne der 20 Heller- Bettler, di« auf dies« Weis« ihre drei Kronen Asylgeld zmammen'charren wollen Aber die Konkurrenz ist groß, di« Spender sind abgestumpft. Auf Schritt und Tritt flehende Blicke, bittende Worte, auSgestreckt« Hände Wer die Ncrv«n hat, durchzuholten, kriegt wohl nach langer Arbeit daS Schlafgekd zusammen. Und solche Begabung haben meist nur diejenigen, di« di« Technik des Bettl«r- gcwerbeS schon trefflich beherrschen, die längst ihr« 20 bis 30 Kronen(auch heute noch!) verdienen— mit, einem Wort die P r of« ssi o ni ste n. Mer di« unfreiwilligen Bettler, di« ungeschickten, nur von der äußersten Not zum Bertel gedrängten— die klappe» bald zusammen und geben cs auf. Resigniert sitzen sie in den Wärmvstuben, lungern auf den Bahnhöfen herum, bis der letzt« Zug abgeht, oft verlacht von den professionellen Kollegen, von denen mancher im Autobus oder mit der Bahn morgens nach Prag kommt und abendS mit einem hübschen Erlös heinrkehri. Wenn sich dann die Tore der'Bahnhöfe schließen und Portier und Polizist die schlaftrunkenen, durchnäßten, verdreckten Gestalten an di« Luft setzen, dann beginnt das nächtliche Martyrnnn. Und der Schnee fällt und fällt. * Kanäle, Haustor«, Strohschober, Erdhöhlen, Telephonzellen, Sand- und Unratkisten, kurz jeder Ort, der irgendwie ein Dach, ein Geiborgensein, einen Schutz vor der alles durchdringenden Näss« und Kälte verspricht— oder, Drama des guten Herrens. Mähr.-Ostrau, 26. Feber. Gestern abends gab der 21jährige technische Zeichner Emanuel Motloch zw«i Revolverschüsse auf seinen Chef Ing. Paseka ab, der ihm ein Darlehen von 1500 X verweigerte, welche' ,Motloch einer Frau als Schmer zens- * g e l d anläßlich cistes Autounfalls zu geben gedachte. Paseka wurde nur leicht verletzt. Motloch fuhr dann im Auto nach Radvanioe und brachte sich in der Nähe der Wohnung seiner Mutter einen Kopfschuß bei. Er wurde in das Ostrauer Krankenhaus überführt, wo früh seiner Verwundung erlag. Aul der Suche nach Arbeit die Fützk erkoren In einer Höh« von ungefähr 1200 Meter« wurde unterhalb des Altvaters in ganz erschöpftem Zustand« ein jnnger Burscht mit erfrorenen, blasenbedeckten nackte« Füßen aufgesunden. Er gab an, der 19jährig« Kutscher Joses Opals ch i l aus Troppau und auf der Suche nach Arbeit zu sein. Er wollte z» Fuß von Troppau «ach Freiwalda« gelangen» hab« sich im Altvatergebirge verirrt und habe die Schub« ausgezoge», da er«s infolge der Blasen in ihnen nicht mehr ausgehalten hab«. Nun sei er erschöpft zusammengebrochen. Unter große« Schwierigkeiten wurde Opatschil nach Winkelsdors geschleppt, gelabt und per Bahn «ach Schönberg gebracht, wo ihn di« freiwillige Rettungsgesellschaft in Empfang nahm und»u das Spital bracht«. Opatschil hat schwer« Erfrierungen erlitten. Einen Tag und em« Nacht halben Tag«st Schnee gefallen. .Herzen den Avbeirsmeiffck>«n ihre Schneegelänbe, di« verdient« kurze Erholung und Ausspannung von der Mühe des Alltags. Allein cs ist wohl angebracht, auch die Kehrseite der Winterpoesi« zu betrachten und unser soziales Gewissen nicht durch pevsönlich«S Behagen«inschläfcvn zu lassen. * In gefühlvollen Tönen wird in den Blättern des Kleinbürgertums der Schnee als„Brot, das vom Himmel fiel" gepriesen Di« Arbeitslosen bekommen Anbei:! Der Spießer nimmts zur Kenntnis und beschließ:, jeden Bcttl«r künftig als„arbeitsscheues Subjekt" anzufchnauzen und seine Taschen tzernretisch zu vcvichließen. Und tatsächlich! Artbeit winkt. 20 Kronen Tagesverdienst--- ein schönes Geld für einen, dessen Tagesaufwand auf die drei Kronen Schlafgeld eingestellt ist und der im übrigen von Abfällen lebt Dichte Franken wartender Arbeitsloser stehen schon um vier Uhr morgens vor den städtischen Ackbeitsdepots. Rur ist zweierlei zu beachten Erstens hat auch hier Technisierung durchgegriffen und die Motorschneepflüge mit Kehrwagen viele hundert« Hände entbehrlich gemacht, so daß ein großer Tess der Arbeiffucher umkehren muß. Und zweitens ge- hört zu der schweren Schneearbeit ein Paar tüchtiger Schuhe und ein wenigstens noch Halbwegs wider- staisdsfähiger Körper. Es gibt genug Fäll«, wo einem armen T«ufel nach zwei, drei Stunden Arbeit die Schaufel aus der Hand fiel oder di« halb- rrfrorenen Füße ihn nicht mehr tragen wollten und er den schönen Traum von den zwanzig Kronen in Nichts zerfließen iah. Und ich sah alte Leut« beim Zerrinnen diestr Hoffnung weinen wir die Kinder, Bg. wenigstens vortäufcht—, ist als Unterschlupf willkommen. Die Polizei kapituliert heute vor d«m Wettergott. Wollte man heute alle„Vagabunden" feistnehmen, di« keinen„ständigen Wohnsitz" nachweisen können—«S wäre für die Massen der Eingelieferten einfach kein Platz. So bleibt denn nichts übrig, als beide Augen zuzudrücken. So hat es das Elend heut« auch nicht nötig, auf der Hut zu sein, wie sonst. Auf einem kleinen Borstadtplatz find Wagen einer Speditionsfirma zusammengeschoben. Streifwagen und Möbelwagen. Unter jedem von ihnen schlafende Leute. Einer dicht'an den andern gepreßt. Zeitungspapier vertritt die Decken. Glücklich aber der, der rcchtzeittg kam und in den schublad«nartigen Behälter für Bilder und Spiegel, der unter dem Boden des Wagens angebracht ist, einschlnpfen konnte. Der Staub liegt zwar fingerdick und so niedrig ist das „Quartier", daß di« Nc.se an die„Decke" anstößr — aber der Schnee, d'e Nässe, der Wind hat keinen Zittritt.— Sehr beneidet werden diese glücklichen Schläfer Nr. Zo Vom Rundlanh V Ipfchlenswerr> aus vcn Programmen. M.ttwoch. Prag: 6.15: Gymnastik. 11.-chullplatten. 16.1V: ..chesterkcirzert. 18.25: Deutsche Sendung: ir-eilerfunk: L Goldschmidt: Bor den Wahlen in Deutschland Bericht vonr Arbeitsmark: 1910: Bacchus wird begraben. 20: Philharmonischem Konzert.— Brünn: 18.25: Deutsch« Sendung: Prof. Festa: Das Filmschaffen der Gegenwatt.- Berlin: 18.10: Löns-Lieder.— Mühlacker: 20: Orchostettonzert.— Hamburg: 19.30: Gitarrenlieder — Königsberg: 16.30: Orchestettonzerr.— Leipzig: 20:„Die CsardaSfüvstin". Operette von Kalman.- München: 21.25: Kammermusik.— Wien: 19.45: Orchesterkonzert. 21: Die Rückkehr des verlorenen Sohnes I Symbol, denen doch das Faschiermesser an den Leib gewachsen ist? Die gehen nächfficher- weile teutsche Sitte in Kostümfesten retten, i die das Dritte Reich über eine ganz andere Nacht wollen aufgehen lassen? Zur selben Zeit, da die Nazikriminalisten deutsche Kultur i in der Berliner Kunstgewerbeschule zu retten i Vorgaben, hat in einer Wählerversammlung in Glauchau der nationalsozialistische Abgeordnete Mutschmann das denkwürdige Wort gesprochen:„Ohne eine kleine Bartholomäus-Nacht wird es nicht gehen..." Also so stellen sich die Kerle den Anbruch des Dritten Reiches vor; in der Nacht vorher sollen möglichst viele von denen, die nicht ihren sozialistischen oder demokratischen Glauben abgeworfen haben, umgebracht werden. Eine Bartholomäus-Nacht im Zeichen des Hakenkreuzes! Das ist so der Orgelpunkt der Sittensymphonie, die mit scheinheiligen Razzien gegen Nacktheiten eingeleitet wird. Na, es würde sich ja zeigen, wie die deutsche Arbeiterschaft eine solche Bartholomäus-Nacht ihrcseits verbringen würde... Leichtes Tauwetter. Bei östlicher Luftbewegung dauer: in unseren Gegenden das lvinterliche Wetter an. Schneefälle meßbarer Ergiebigkeit wurden in den letzten 24 Stunden nur in der Ostslowakei verzeichnet(1 bis 4 Millimeter Niederschlag). In B ö h m e n klärt sich das Wetter zeitweise auf. Im Nordostteil des Landes war di« Aufheiterung in der Sonntag-Nacht von ziemlich st a r k e m F r o st begleitet; die Minima sanken dott auf minus 10 bis minus 14 Grad Celsius. In der Slowakei erreicht der Frost nur vereinzelt Werte von minus 5 Grad Celsius. Gestern morgen betrug die Temperatur in Pro g: Minus 4 Grad Celsius, das nächtliche Minimum betrug minus 7 Grad Celsius. Wahrscheinliches Wetter heute: Wechselnd bewAkt, ohne erheblicher« Niederschläge, Nachtfrost, während des Tages vielfach leichtes Tauwetter. Haussuchungen bei Faseisten. In diesen Tagen führt Oberpolizeirat Preiniger Haussuchungen bei Mitgliedern der fascistischen Organisationen im Gebiet von Pardubitz, Chrudim, Hlinsk o und Königgrätz durch. Die Nach- forschungen werden unter Assistenz der Sichrr- heitsorgane durchgeführt. Das gewonnen« Material wird im Bezirksamte in Pardubitz hinterlegt, wo es gesichtet und überprüft wird. Die Tierärzte fordern Fleischbeschau-Gesetz. Sonntag vormittags fand in Prag die Generalversammlung der Tierärztekammer für di« Tschechoslowakische Republik statt.' In der Debatte wurde vor allem der zu Beginn des Vorjahres dem interministeriellen Verfahren übergeben« Gesetzentwurf betreffend di« Untersuchung der Schlachttiere und die Fleischbeschau besprochen. Es wuff)e betont, daß differ Entwurf bisher nicht beraten wurde und es besteht keine Bürgermeister formal immer noch in Krifis. Miami, 27. Feber.(Reuter.) Der gevmeisttzr der Stadt Chicago, Anton fühlt sich im ganzen gut. Bloß die zuletzt ausgetretene Komplikation, eine stasische Pneumonie, erveqt ernst« Befürchtungen. Die Aerztc erklären, daß sich der Lungenentzündung eine Brust- fell«ntzündung hinzugesellt habe. Während des ganzen gestrigen Tages wurde dem Patienten Sauerstoff zugeführt. Di« Aerzte_ erklären, daß das Befinden Lermaks andauernd ä u ß e r st kritisch ist. Sein« Tochter wendet sich an einen— Wunderrabbi... Miami, 26. Feber.(Reuter.) In der Nacht auf heute wurde das Postamt in Riga in Lettland durch das transatlantische Kabel von Chicago telephonisch angerufen. Es zeigt« sich, daß die Tochter des Chicagoer Bürgermeisters Lermak den Wunderrabbi S ch n e e r s o n, der durch seine zahlreichen wunderbaren Gesundbeiungen bekannt ist, anrief und ihn ersucht«, fürdieGenesung ihres Vaters zu beten. Oermak sei zwar ein„Ungläubiger", doch fff von ihm bekannt, daß er stets, wo er konnte, den Juden half. Lermaks Tochter wurde verständigt, daß Rabbi Schneerson in Berlin weilt. Dreißig Stunden Schneetreiben. Winterpoesie.- Flucht vor der Schneenacht. „Brot fiel vom Himmel. und wieder einen Man gönnt vom Winterfreiwen im Hoffnung, daß er bald Gesetz wird, so daß di« Tschechoslowakei der ein-zige mitteleuropäische Staat bleibt, der kein« gesetzlich« Unterlage für die Arisch- beschau besitzt. Verhaftung eines Defraudanten. Sonntag wurde in T u r m i tz der Defraudant Franz K o l ä k verhaftet, der dem Verlag der Genosse» schaftsarbeit in Prag 19.500 Ke veruntreut«, d« er als Diener des genannten Verlages am 6. d. um 17 Uhr auf di« Post tragen sollte. Die Polizei wurde aus ihn durch sein verschwenderisches Leben_ in den Gasthäusern aufmerksam^ Kolür hatte sich vorher auch im Gebiet von Kladno, in Brüx, Teplitz-Schönou und Eichwald aufgehalten. Das Geld hatte er bis auf einen kleineren Bettag bereits verbraucht. Acht Stichwunden vom Geliebten. Sonnrag früh brachte der 25jährige ledige Tischler M. Winter aus Poffchapl in einem Hotel in P i l« s e n seiner Geliebten Petlan aus Kkvrnöny acht Stichwunden bei und verletzte sie schwer. Winter gab noch seiner Verhaftung an, daß er mit feiner Geliebten in der lehren Zeit Differenzen hatte. Die Panzerkrenzer sind los... Das Panzerschiff Deutschland" har Sonntag früh Kiel verlassen, um zur Jndiensfftellung nach Wilhelmshaven zu fahren. Nach der Durch« schleußung in Holtenau trat die„Deutschland' die Fahrt durch den Nordostkanal nach dem Westen an. Die Jndiensfftellung erfolgt am 1. April, am Tage des Stapellaufes des Panzerschiffes„B". Frau Littke freigesprochen. Tas Budapester Strafgericht hat Frau Littke, in deren Wohnung seinerzeit derHauptmannRuttky erschossen aufgeftlnden worden war und die der Ermordung des Hauptmannes beschuldigt wurde, nach mehrtägiger Verhandlung freigesprochen. Der gerichtsärztliche Sachverständige erklärte, daß es sich um einen S c l b ft m o r d des Hauptmannes Rutffa" gehandelt have. Selbstmord eines korrupten ungarische» Staatsbahndirektors. Franz Szentivanyi, einer der Direktoren der ungarischen Stoatsboh- neu, hat sich Sonntag vormittags im Direkttonsgebäude der Staatsbcchnen in Budapest erschossen. Direktor Szentivanyi wurde vor einigen Tagen nach Einleitung der Untersuchung wegen der Mißbräuche bei der Teeröl-Lieftrung an dir Staatsbahnen beurlaubt. Gas-Drama. In einem Do ff'm der Nähe von Ploesti(Rumänien) ist ein« fünfköpfig« Bauernfamilie während des Schlafes durch Bvandgaf« effttckt. Geständnis eines dreifache» Raubmörders. Der in Dortmund verhaftete Frauenmörder Scheer, der der Teilnahme an der Ermordung der Witwe Schur, der Kontoristtn Emma Schneider und des Holzgroßhändlers Narowsii beschuldigt wird, hat eingestanden, gemeinsam mit seinen Komplizen Schult« und Pieper sechs weitere Raubmorde an Frauen in allen Einzelheiten vorbereitet zu haben. Die Verbreche» seien jedoch an unvorhergesehenen Zwischenfällen gescheitert. Scheers Geständnis wurde durch dir Aussage der nur zufällig am Leben gebliebene» Frauen bestätigt. Der zuletzt verhaftete Schult« hat im übffgen noch kein Geständnis abgelegt- Er behauptet, von Scheer und Pieper aus Räch« belastet worden zu sein. Zustellung von telegraphisch«» Gcldauweisung-» an Sonntage«. Ab 1. März führt di« Postverwaltung nach und nach und je nach Bedarf die Einhändigung von telegraphischen Geldanweisungen auch an Sonntagen«in. Dadurch wi^d di« Einhändigung von telegraphischen Geldüberweisungen, di« am Samstag in den späten Nachmittagsstunden oder an Samstagen nach Schmß der Amtsstunden sowie an Sonntagen(verspätete lelegraphische Uebrrweisunge») aufgegeben wurden, bedeutend beschleunigt. In welchen Orten und in welcher Zeit eint solche Zustelluna eingeführr wird, teilen di« Postämter mit. Der Flugverkehr Prag—Paris(über Nürnberg und Straßburg) wird ebenso wie der Verkehr auf den Strecken Prag—Wen—Budapest—Belgrad—Bu' karrst und Prag—Breslau—Warschau am 1. März d. I. wieder ausgenommen. Die Starts von Prag werden außer Sonntag täglich erfolgen, und zwar von Prag nach Paris um 10.18 Uhr(Ankunft in Paris um 15.50 Uhr französischer Zeit), die Starts in der Richtung nach Wien um 14.45 Uhr Der Verkehr auf der Strecke Prag—Warschau wird dreimal in der Woche statffinden, und zwar werden die Starts von Prag jeden Montag, Mittwoch und Freitag um 10.30 Uhr(Ankunft in Warschau u« 14.15 Uhr), di« Starts von Warschau nach-Prag jeden Dienstag, Donnerstag und Samstag erfolgen- Auf den angeführten Strecken wird ab 1 März d. I. auch wieder der Flug-Briefpostverkehr eingeführt Den Verkehr besorgt Mc International« Fluggesellschaft. Ein nilltar-Pilot im Flugzeug verbrannt Absturz bei Hllovice. Prag, 27. Feber.(TRO.) Zu einer am Samstag erfolgten Havarie des Flugzeuges Sb 16—25 vom Flieger-Regiment 6 in Milo vir e wird amtlich mitgeteilt: Tas erwähnte Flugzeug havarierte auf einem Felde 300 Meter südöstlich vom Flugplatz Milovice. Das Unglück wurde dadurch verursacht, daß der Pilot bei dem Landungsmanöver die Höhe schlecht abschätzte. Der Pilot des Flugzeuges, der Korporal Pilot- Flieger Josef Svarovsk^, der in den,..WWW 8 Trümmern des Flugzeuges verbrannte, klffnere Hautabschürfungen. Das Bewußtsein hat stammte aus Zämosti bei Jungbunzlau und war f er bei dem Unglück überhaupt nicht verloren. SfeSO Dienstag, 99. Jever 1938 Seite 5 Auch äußerlich zurück in di« wilhelminische Zeit. In Braunschweig sind auf Anoro- »ung deS Nazi-Ministers Klagges der Friedrich Ebert-Platz wieder in Friedrich-Wil- yelm-Platz, die Rathcnau-Straße in Friedrich- Wilhclm-Strake, die Friedensbrücke in Kaiser Wilhelm-Brücke, di« Friedensallee in Kaiser Wilhelm-Straße, die Bebel-Straße in Husaren- Straße und der Lessing-Platz in Siearsplatz ««benannt worden. Die neuen Namen sind die Namen der alten Zeit. Schienen-Autobnsse. Die Austro-Daim- ler-Werke in Wiener Neustadt bauen derzeit 25 Schienenautobusse im Werte von zehn Millionen Schilling. Zehn dieser Autobusse wurden von den österreichischen Bundesbahnen bestellt, die übrigen werden ins Ausland geliefert. Ei« Schwager des letzte« Zaren gestorben. Der russische Großfürst Alexander Michajlowitsch ist Sonntag in Cap Martin an der französischen Riviera nach längerer Krankheit im Alter von 67 Jahren gestorben. Großfürst Michajlowitsch war ein Schwager des letzten Zaren, dessen Schwester Tenia er zur Frau batte. Er war Großadmiral der russischen Flotte und Adjutant des Zaren. Der„sittlich«" Kurs. Im Hause der K u n ft» giwerbeschule in Berlin wurde Samstag ein Kostümfest veranstaltet, welches von jeher den Ruf äußerster Pikanterie hatte. Die Lokalitäten der Kunstgewerbeschul« wurden von Beamten der Theaterpolizri überwacht. Diese stellten fest, daß in den halb beleuchteten Atelierräumen ein unerhörtes, jedem Begriff von Anstand und Sittlichkeit, geradezu hohnjprechendes Treiben herrschte. Bo» dem anwesenden Publikum habe sich der weibliche Teil in den gewagtesten Kostümen befunden. Nachdem der eindeutige Charakter des Festes festaestellt worden war, ließ der anwesende Kriminalkommissar gegen 3 Uhr die Lokalitäten zwangsweise räumen.—_ Im Preußischen Innenministerium wird den Blättern zufolge«in Erlaß vorbereitet, der schärfft« Maßnahmen gegen bestimmt« Erscheinungen der Großstadt-Unkultur Vorsicht. Beispielsweise sollen <1Q< homosexuellen Lokal« und Räum« zweideutigen Charakters geschlossen werden.(Was wich der Hauptmann Röhm dazu sagen? Di« Red.) Siu Jahr Gefängnis für Brolat. Nach viertägiger Verhandlung verkündete das Schwurgericht beim Landgericht NI in Berlin in dem Meineidsprozeß gegen den früheren Direktor der Berliner Verkehrs gesellschaft Fritz Brolat folgendes Urteil: Der Angeklagte wird wegen Meineides zu einem Jahr Gefängnis unter Anrechnung von einem Monat Untersuchungshaft verurteilt. Zugleich werden ihm die bürgerlichen E h r e n r e ch t e auf di? Dauer von zwei Jahren aberkannt. Die Kosten des Verfahrens USgr der Angeklagte; die Untersuchungshaft wird aufrechterhalten, da Fluchtverdacht sortbesteht. Sine 4 Km. lauge Brücke. Bei Venedig wurde jetzt nach zweijähriger Dauer der Bau der Zwifchenlagunenbrücke,«inet der größten Brücken der Welt, fertiggestellt. Di« 4 Km. lange Brücke mit ihren 855 Bogen, di« Benedig mit dem H'nterlanoe und der Autostraße Padua-Pened g verbindet, soll am 21. April feierlich dem Verkehr über- heben werden. Im Wartesaal de» BahnhoseS in Saarlouis brach rin« Rabitzdecke ein. Drei Personen erlitten Verletzungen. Dorf I« Flammen. Das Dors K a r p u t i unweit von Port Said wurde ganz vollständig durch «ine» Brand eingeäschert. Elf Personen fan- den den Tod in den Flammen. 150 Personen sind obdachlos geworden. kmeMUMkAVllMll. Okkult« Schwindelet««.— Durch falsche Prophezeiung ium Selbstmord getrieben.—„Liebestränke" für teure» Geld. Wen« ein paar Menischen Zusammenkommen, schein» es heut« unvermeidlich zu sein, daß über Schicksal u»id Charakter auf dem Weg« über Astrologie, Handlesekunst, Handschriftendeutung, Gesichtskunde gesprochen wird. Bisweilen versteht derjenige, ber danon spricht, etwa» davon, s«hr oft aber pfuschen nur Unberufen« in diese« schwierigen Gebieten herum, und deshalb ist von dieser Art von veuem„Gesellschaftsspiel" ernstlich zu warnen. Denn bie modernen Wahrsager— es sind keineswegs immer nur Frauen— begnügen sich nicht damit, Einem andern mehr oder weniger zutreffen'»: Aufschlüsse über den Charakter zu geben, sondern sie prophezeien Geschehnisse aller Art, und der Bel rossen« muß dann sehen, wie er den Glauben an diese Prophezeiung wieder aus sich herausbringt, was of: »ar nicht leicht ist. Auch als Beruf werden diese„okkulten" Künste dmr vielen ausgeboutet. Di« Sprechstunden der Hell- sther, der Astrologen und der Graphologen sind tzberfülli; wobei immer zu bedenken ist, dqß auf Ei«»«», der wirklich etwas kann, hundert kommen, we reine Pfuscher sind. In de» meisten Fällen dürft« ES also weggeworfene; Geld sein, das di« Allzu- Päubigen diesen Leuten zutragen. Es sei hier erlaubt, von einem Erlebnis mi: Einenl Astrologen zu erzählen. Einer Familie wurde E»a Kind geboren, und da di« Eltern eifrige Anhänger der Astrologie waren, ließen si« sogleich ein Horoskop für das Kind stellen. Dieses Horoskop war sthr eingehend, beschäftigt« sich mi« allen Anlagen und Schicksalen d«S Kindes, sprach über seine Eig- uung für bestimmt« Berufe und war durchge'ührr bis zum Tage der Heirat. Auch der Mann, den das kleine Mädchen einmal heiraten würde, war Horoskopisch genau errechnet. Mit sechs Monaten starb daS Kind an einer Mandelentzündung. Der befragte Astrologe erklärt«, an dieser Stell« hätte das Kind einen Gefahrenpunkt gehabt, er sei aber der Meinung gewesen, es werde darüber wegkommen? Biele der modernen„Wahrsagerinnen", di« oft in den primitivsten Behausungen wohnen, wenn sie noch nicht prominent" sind, habe» ganz bestimmt« Rezepte, di« si« auSgoben. So liehen sich zwei mit einander befreundet« Frauen, ganz unabhängig von einander, von einer Astrologin ein Horoskop stellen, und di« Phythia hatte das Pech, beiden, die vollkommen verschieden waren, genau das gleiche vorherzusagen: sie sagt« beiden voraus, daß sie viel Glück im Leden haben würden, nicht mehr als zwei Kinder bekämen und an einem Halsleiden erkrankten, das si« behoben könnten, indem si« Orangenschalen kauten. Beiden Frauen wurde auch gesagt, daß sie eine gute Beobachtungsgabe besäßen und, wenn sie Männer gewesen wären, einen guten Detektiv abgegeben hätten!! Diese Wahrsagung war ziemlich harnrlos, schlimmer ist es schon, wenn einer Ehefrau gesagt wird, wie es kürzlich geschah, daß ihr Mann ihr untreu sei, daß sie aber einen zweiten Mann bekommen würde, der ihr bis an den Tod treu wär«. Kurz darauf fand die eifersüchtig genrachte Frau in der Tasche ihres Ehemänner eirren Brief von einer ihr unbekannten Absenderin, und da dieser Brief wirklich- einige mißzuverstehende Redewendungen enthielt, war sie überzeugt, daß di« Prophezeiung ein« getroffen sei und versuchte, ohne erst ihren Mann zu fragen, ihrem Loben«in Ende zu machen. Sie konnte noch im letzten Augenblick gerettet werden, und es zeigte sich, daß ihr Verdacht völlig unbegründet war. Unglaublich««scheint, daß es heutzutage Frauen gibt, di« sich in einer bedrängten Lage von solchen Phytien„Lisbestränke" verkaufen lassen, für di« sie hohe Summen bezahlen. kl. P. fron und Nationalsozialismus. Vor wenigen Jahrzehnten war di« Frauew- bewegung noch absolute Kampsbewegung, die ihre Ideen a»f der Ueberzeugung von der gleichen Leistungsfähigkeit von Mann und Frau aufbaut«. Völlige Gleichberechtigung der Geschlechter auf allen Gebieten, in der Berufswahl und Berussausübung, auf den Gebieten des Rechtes und der Sitte, in Wirtschaft und Politik war das Ziel. Vieles ist erreicht worden. Heut« gibt es kaum noch einen Beruf, der— zum mindestens in der Theorie— den Frauen verschlossen wäre. Wer, und damit stehen wir schon mitten in den horten Problemen der Praxis, bis zum heutigen Tage ist der Grundsatz gleicher Bezahlung für gleiche Leistung nicht durchgefuhrt. Weder in den Fabriken und Büros, in denen billige Arbcitsware gesucht wird, noch in den städtischen und staatlichen Betrieben sind die Frauen den Männern im allgemeinen gehaltlich gleichgestellt. Außerdem fehlen der Frau fast völlig die Aufstiegsmöglichkeiten, die dem Manne ohne weiteres zugebil- ligt werden. Auch auf dem Gebiete des Rechtes ist noch unendlich viel zu tun. Es sei nur an' das für die Ehefrau immer noch sehr ungünstige Familienrecht erinnert, das weit von jeder Gleichberechtigung entfernt ist. Und wie ist es in der Politik? Ms di« Frauen das Wahlrecht erhielten, da bewarben sich alle Parteien um ihre Gunst. Man beeilte sich, ihnen günstige Platze aus den Wahllisten einzuräumen, und jede Körperschaft rechnete er sich zur Ehr« an, den Frauen die Pforten weit geöffnet zu halten. Heute ober sind davon nur noch Rest« übrig geblieben, und es wäre zwecklos, die Augen vor der Wirklichkeit zu verschließen: Der Fvaueneinfiuß in der Politik. ist zweifellos im Augenblick, im Großen gesehen, so gut wie ausgeschaltet. Mitten in dieser für das Frauenschaffen äußerst ungünstige». Zeit wendet sich nun der Nationalsozialismus an die Frauen und versucht si« für sich zu gewinnen. Und das Unerwartete geschieht: Nicht nur Hausfrauen und Haustöchter, die der Frauenbewegung naturgemäß fern stehen, sondern auch Studentinnen, denen die Frauenbewegung erst die Plattform ihres Studiums schuf, auf d«r sich ihnen die Universitäten öffneten, junge Mädchen geistiger Berufe neben reifen Frauen begrüßen den Nationalsozialismus mit Begeisterung oder wenigstens mit Sympathie. Ihnen zur Seite stehen fnnge Arbeiterinnen der Fabriken, junge weibliche Airgestellte der Büros. Vielen von ihnen hat, so selflam«8 klingen mag, die jüngst« Entwicklung der Frauenbewegung und nicht zuletzt di« harte Schule der praktischen Berufstätigkeit, unter wirtschaftlich schwierigsten Verhältnissen, erst den Wog zum Nationalsozialismus geebnet. MS die Frauenbewegung noch absolut« Kampfbewegung war. für die di« Gleichberechtigung von Mann und Frau eine Selbstverständlichkeit bedeutete, da hätten sich Frauen und Nationalsozialismus bekriegen müssen wie Feuer und Wasser. Allmählich jedoch bahnte sich im Laufe der Jahre, gerade aus den Erfahrungen der Praxis heraus,«ine neu« Differenziertheit an, die zwar nicht das Geringste mit Nationalsozialismus zu tun hat, aber eine große Anzahl von Frauen unwillkürlich der neuen Bewegung näher brachte. Das verbindende Glied war die Frage, die gerade in letzter Zeit auch von Führerinnen der Frauenbewegung gestellt wird: War die schematich« Gleichsetzung von Mann und Frau nicht eine Oberflächlichkeit?.Hat nicht gerade die Praxis bewiesen, daß die Frauen sich für ganz bestimmte Gebiet« vorzüglich eignen,' aber auf andern nicht die gleichen Leistungen vollbringen können? Damit ist man zweifellos von der alten Linie der Frauenbewegung abgewichen. Aber dieses Verlassen der ursprünglichen Linie bedeutet in Wirklichkeit alles andre als ein Aufgeben des großen Endzieles, daß nämlich die Frauenarbeit fllr unsre gesamte Kultur in weit größerem Maße, als es heute der Fall ist, nutzbar gemacht werden soll. Im Gegenteil: Gerade durch diese neue, feinere Differenzierung sollen erst die eigentlichen Spitzenleistungen der Frau heraus- geholt werden. Man will ihr nicht, wie bisher, rein schematisch Aufgaben zuweisen, sondern für, gewisse Gebiete spezifische Frauenkräfte eiusetzen. Vielleicht wird man auch das bedeutsame Wort Gertrud Bäumers, man müsse jetzt an einer andern Stelle versuchen, tiefer zu-graben, in diesem sehr positiven und zukunftssicheren Sinne deuten dürfen. Dem Nationalsozialismus jedoch ist eine solch« Problematik fremd, wie ihm überhaupt das Durchdenken großer geistiger Zusammenhänge bis zu ihren Wurzeln mangelt. Er sieht nur di« gegenwärtige Situation, die» der Frau zweifellos wenig günstig ist, von rein äußerlichen Machtgesichtspunkten aus und findet ein« sehr banal« Antwort auf die Probleme der Frauenarbeit auf allen Gebieten: Er will nämlich ganz einfach in die Vorkriegszeit, ja, noch weiter zurückgreifen und den Frauen mit einer kurzen, Militarismen Handbewegung alle seitdem«dämpften Rechte wieder nehmen.„Spezifisch weiblich" sst für ihn nur die Frau, die seinem Machtwillen gehorcht und seinen politischen Zwecken dient. Was in der Frauenbewegung, selbst noch völlig im Fluß ist, was auf Grund einer viel zu kurzen Praxis der Frau seit 1918 unter außergewöhnlichen Umständen, unmittelbar nach einem veickorenen Kriege, mit dem Blicke auf ein Trümmerfeld heut« auch noch gar nicht eindeutig beantwortet werden kann, zumal da das Riesenproblem der Arbeitslosigkeit wieder ganz neu« Fragen in die Debatte werfen mußte, das ist für den Nationalsozialismus bereits endgültig abgeschlossen: Di« Frauen kehren ins Haus zurück— wie und auf Grund welcher Maßnahmen-zur Beseitigung der Arbeitslosigkeit der Männer, der Kurzarbeit und der»mgenügen- den Löhne, wird übergangen—, und damit wird mit einer flüchtigen Handbewequng alles ausge- löscht. was Generationen von Frauen schufen. Leider erkennen viele Frauen und Mädchen, die heute den Nationalsozialismus begrüßen, nicht, wie groß der Gegensatz ist, der hier klafft. Der Nationalsozialismus erscheint ihnen fälschlich als Echo, das ihre eigenen Fragen, ihr« Berufssorgen und ihre Zukunftswünsche positiv beantwortet, während er doch nur ein rundweg ablehnendes Nein für di« Frauen bereit hält. Es ist di« große Aufgabe der gesamten Frauenbewegung, soweit sie auf dentokratisch-republilanischem Boden steht diese»» scharfen Schnitt aufzuzeigen und die tiefe Wesensverschiedenheit zwischen ihrer eigenen Problematik, die auf positive Kulturarbeit der Frau gerichtet ist, und dem zerstörenden Michtwillen des Nationalsozialismus klarzulegen. Besonders die sozialistisch« Frauenbewegung hat bis in ihren radikalen Flügel hinein allen Grund, dem Nationalsozialismus auch einmal von dieser Seite Zu Leibe zu gehen, um alle diejenige»» Frauen zurückzngewinnen, für di« der Nationalsozialismus ein vorübergehender Durchgang, niemals aber ein Ziel sein kann.—b. GcsdtäHc der tsdieddsdien Klerikalen als Gegenstand einer Anfediiungshlage. Prag, 27. Faber. Vor dem Zivilkreisgcrich! ist ein iirterrssanter Fall anhängig, über den heute die erste»nünvlich« Mreitverhandlnng stattsand. Der Baumeister Jng. Rudolf hatte seinerzeit im Auftrag der tschechischen„Charita z"(eines klerikalen Verbandes) einig« Gebäude errichtet, darunter auch das bekannte„C h a r i t a S"-PalaiS auf dem Karlsplatz. Seine Forderung betrug dreizehn Millionen Kronen, von den.«» er acht Millionen ausgezahlt erhielt. Ms er den Rast von fünf Millionen«inmahnte, erhielt er nur eine Abschlagszahlung von 150.000 K. Dafür wurde ihm zugesagt, daß di« tschechisch-klerikal« Bglksparte»(Lidovä strana) ihre» politischen Einfluß geltend machen werd«, damit dem Baumeister« ntspreche.nd« StaatS- a u f t r ä g e übertragen würden. Ter Banmeister ging auf den Vorschlag«in, verzichtete ans den Rest seiner Forderung und über diesen Vertrag wurde ein Notariatsakt errichtet. Ms sich später die Konjunktur verschlechterte, war der Baumeister gezwungen, Konkurs anzusagen Bei Durchsicht der Bücher und Papiere des Schuldners fanden die Gläubiger auch diesen Notariatsakt vyr. Sie waren aber nicht gewillt, ein 'olches Kompensationsgeschäft gelten zu lassen und so kam es namen» der Konkursmasse zu einer Klage gegen di«„Charitas', in welcher die Bezahlung dieser fünf Millionen gefordert wird Di« Klage beruft sich darauf, daß ein Vertrag, wie der zwischen der„Charitas" und ihrem Baumeister abgeschlossene, seinem Inhalte noch gegen di« guten Sitten verstoße und daher nach der» Bestimmungen des Allgemeinen bürgerlichen Gesetzbuches als nichtig zu betrachten fei. Di« Verhandlung wurde»erlagt. rb. dis PALABA bleibt aber unverändert! ichar kennen SI« die Voralle eines reinen, ungestörten Empfangs bei Verwendung von Batterien. Dio Jadio-Batterien PALABA laben neben der absolut gleichbleibenden Span« ung eine langanhaltende, hohe Leistungsfähigkeit and selbst nach Monaten st kein Feuchtwerden au bemerken. Bernton Sie sich mit einem Radlohlndler md wühlen Sie eine dor Serien- Anoden• Batterien RADIO PALABA oder SUPER RADIO PALABA Sonntag der Langeweile. Mucker-Knute über England.— Das neu« Kino- Gesetz.— Nur Aktionäre dürfen in den Zoo von London. Es gibt nichts Toteres als eine englische Stadt am Sonntag. Das heißt, zwischen den Stunden deS GottesdierrsteS. Di« Whisky-Läden, diese ungemütlichen Londoner Lokale, sind geschlossen, kaum ein Kino, das eine besondere Lizenz zum Offenhalten ausnutzt, Der Fremde, der Hierzuland nach irgend einer Abwechslung lucht, sieht sich verlassen, von Langeweile verfolgt, m einer verödeten Umgebung. Darum ist der Sonntag in England für den Fremden ein Tag der Langeweile. Auch für viele Engländer! Die Flucht inS Ausland, über den Kanal nach Frankreich, Belgien, Holland ist keine Lösung. Sie ist nur wenigen möglich. Die übrige»» machen ihre Sonn- tagswaiwerungen, ihre Golf-, ihre Tennispartie, oder studiere»» die unergründlich großen Zeitungen. Da hat nun daS Parlament die Gesetzesnovell« dnrchgehrachl,,. wonach di«. Kinos an» Sonntag geöffnet fein.-dürfe»». Et« großer Schritt zur Ausgleichung des englischen Sonntagslebens, an das auf dem Kontinent? So wird man fragen. Aber wir dürfen versichert sei», daß an dem englischen Leben und seiner Regelung durch di« Gewohnheit der Aahrhundert« nichts oder fast nichts dadurch geändert worden ist. Denn die Erlaubnis zum Spielen, die bisher auch wohl für Konzert« gegeben zu werden Pflegte wird nur in seltenen Fällen eingeholt. Nicht bloß, weil ein großer Teil der Einnahmen für kirchliche und caritative Zweite seitens der Kinobesitzer abgeführt werden muß, sockdern vor allem auch des- wegeir. weil die muckerischen, zahlreichen Vereine ihren Mitgliedern Verpflichtungen auserlegen, am Sonntag irgendwo hinzugehen. ES gibt da ein paar bezeichnende„Fälle", wie mai» gegen die Verletzer der englischen Sonntagsruhe vovgeht. Da ist der des„Eismani»S", der von einem Mitglied einer dieser Mucker- Gesellschaften, die mit behördlicher Erlaubnis über die Sonntagsruhe wachen, eines Sonntags überrascht wurde, als er Speiseeis vorbereitet«. Zwar darf man Sonntags Speisen für den un- inittelbaren Verbrauch Herstellen, aber der Anzeiger, und mit ihm die Polizei waren der Meinung, daß Speiseeis keine Speise ist und daher auch gesetzlich nicht am Sonntag hergestellt werden dürfe. Es wurde ein teures Sonntags-Speiseeis. Deshalb bekommt man doch überall Speiseeis auch am Sonntag, aber illegales. Gesetzlich ist außer dem Aufsteher» und Schlafengehen, der Einnahme der Mahlzeiten noch daS Zeitunglcfen erlaubt. Zeitungen verkaufen ist ungesetzlich, wird aber nicht befolgt. Erlaubt ist ferner Eisenbahnfahrten sowie das Reifen„mittels Dampfboot,'- Barke.'Trajekt oder Barkenkahn". So auch das Golf- und Tennisspielen. Vor allem aber auch, was für die Allmacht deS englischen Parlaments und sein hohes Ansehen Bände spricht, Wahlarbeit für einen Kandidaten und öffentliche Wahlversammlungen. Mit besonderer Genehmigung und unter der bereits er- wähnten Auflage, daß der Unternehmer einen erheblichen Teil der Eintrittsgelder abführen muß, werden auch Konzerte und neuerdings Kinovorführungen gesetzlich gestattet. Theater, Billardspielen, Kino ohne Lizenz,... das alles ist verboten. Spötter behaupten, daß die englische Gewohnheit, beim Zeitunglefen die Beine auf den Tisch zu legen, von einem Klubmitglied erfunden wurde, das in. einem bequemen KlubkessÄ ausgestreckt darüber nachdachte', wie man den Sonntag verbringen könne. Leider war der Betreffende wohl auch kein Aktionär oder Abonnent des Zoologischen Gartens. Denn sonst hätte er den Sonntag im Zoologischen Garten verbringen können. Was erlaubt ist, aber eben nur für Aktionäre und Abonnenten. Damit die Tiere der Zoologischen Gärten Englai»ds am Sonntag sozusagen eine halbe oder ,Fleine" Sonntagsriche genießen. I. R, Sette 6 „Sozialdemokrat* Statttaft' SS.-Ser 1933 Nr. 50 FÜR JEDE WITTERUNG! Strümpfe t Saumwoll- str. ab K2 L- Seidenstr. ab MACCO Kc Herrensocken: schon ab K{ 1.50' Galoschen schützen Ihre Schuhe bei Regenwetter vor Durchnässung. In schwarz oder braun 15. Braun oder schwarz ■ auch in Lack er- ? iiältlich. 39 S.-22 für diejenigen, die Bei Kot und Regenwetter tragen Sie unsere Galoschen,*denn diese schützen Ihre Schuhe vor Durchnässung. Kindergaloschen 27-34 KL 9.-, 35-38 KL 15. für Herren KL 19.- Unsere»Normalschuhe« den ganzen Tag auf den Füssen sind. Erstklassiges Material- breite, bequeme Pass form. Ab hoher Schnür-J schuh Kc 79.- Elegante Herren- Halbschuhe aus schwarzem Mattbox. mit lock kombiniert. 9.- Halbschuhe aus schwarz oder braun Box, mit Gummisohle. Mit Ledersohle 49- PHAGE» MITIJUG. D^nst am Kunden bei der Post. Ein Genosse, Obmann eines-großen deutschen proletarischen Pereins in Prag, schreibt uns: Kürzlich ergab sich einmal um IS Uhr m t:ags di« dringende No'.wendigkeit, sofort 2000 gedruckt« Zirkular« zu versenden. Also rasch auf die Post im Messehaus In Prag VII: „Bitte 2000 Stück 20-He Iler-Marken."„Was? 9000 Marlen? Ja, die können Sie ja nur bis 11 Uhr vormittags bekommen, das ist auf allen Postämtern so."— Warum das so ist, ist allerdings schwer zu verstehen. Die Staatsbahndirektion in Prag expediert am 4. und 5. März d. I.«inen Sondersportzug zu den Skiwettkämpfen in Harrachsdorf-Neuwelt zum Preise von 98 K pro Person, in welchem beide Fahrten. Lutobusfahrten von und nach Harrachsdorf, Nachtlager, Frühstück, Mittagessen, kalte Jause, Unfallversicherung und Begleitung inbegriffen sind. Abfahrt von Prag-Wilkonbhf. am 4. März etwa um 17.40 Uhr, Rückkehr am 5. März um 22.20 Uhr. TagSvorher wird bei einer Mindestzahl von 50 Personen ein Sondermotorzug ohne Verpflegung nach Polaun zum Preise von 58 K expediert werden. Abfahrt dieses Zuges um 14 Uhr vom Willonbahn- hof, die Teilnehmer desselben werden am 5. März mit dem Sportzug zurückfahren. Anmeldungen für beide Züge nimmt gegen Angabe von 20 K bis zum 1. März di« Kasse Nr. 13 des Mafarhkbahn- hofes entgegen. Geriditssaat Delrlebsunsall oder Selbslmordver'mh? Ein« Anklage wegen betrügerischer Erschleichung der Unfallsreute. Prag, 27. Feber. Im Herbst des Jahres 1928 stürze«in damals siebzehnjähriger Arbeiter «ineS nebligen Morgens aus dem Wege zur Straßenbahn In«inen Steinbruch der Prager Umgebung. Durch den Sturz aus der Höhe von 35 Meter wurde er schwer verletzt. Die Ar«i- ter-Unfallversicherung erkannte den Unfall, da er sich auf dem Wege zurArbeils- stätt« ereignet hatte, als Betriebsunfall an. Der vielbegangene Fußweg, von welchem der Verunglückte abgestürzt war, führ: knapp am Rande des Sieinbruches entlang und ist heute durch Drahtseile gesichert. Später tauch:e das Gerücht auf, daß der junge Mann nicht einem Unfall zum Opfer gefallen sei, sondern sich aus unglücklicher Liebe in selbstmörderischer Absicht in den Abgrund gestürzt habe. Wer dieses Gerücht aufbrachte, ist nicht bekannt. Di« Folge war jedenfalls, daß di« Unfallsrente eingestellt und darüber h n- aus gegen den Rentenbezieher Anklage wegen Betruges erhoben wurde, da er sich durch l i st i g e Vorspiegelung eines entschädigungspflichtigen Betriebsunfalles ein« Rente erschlichen habe, die ihm im Falle eines Selbstmordversuches nicht gebührt hätte. Insgesamt hat er 1923 Kronen bezogen Kompliziert wird d°e Sache dadurch, daß der Beschuldigt« zu jener Zeit erst 17 Jahr« alt war: also nach dem neuen Gesetz vor das Jugendgericht gehört hätte, wie ja auch das Enunziat der Anklage nicht d e Ausdrücke„Verbrechen" oder „Uebertretung" gebraucht, sondern das Won„B e r. schulden", wie er bei Jugendl'chenanklagen verwendet wird. Ter Fall wurde aber dem ordentlichen S rafsenat des OGR. K a i s l r r verhandelt Gleichwohl müssen wir im Sinne des genannten Gesetzes von der Anführung der Namen und Details absehen. Der Angeklagte bestreitet jede Schuld. Er wie auch de angeblich unglückliche Gelieb.e bezeichnen ihre damaligen Bez«Hungen als harmlose Ktn. d e r e i. die schon Monate vorher«in friedliches Elche gefunden hab« Eine Reihe von Zeugen erklärte den in Frage stehenden Weg als gefährlich und'schlecht gesichert. Schon m Jahre 1924 ist das Söhnchen e'ner Zeugin dort abgestürzt, glücklicherweise ohne ernste Folgen. Der Gerichtshof beschloß die Vorladung des mir den Erhebungen beirau: gewesenen Inspektors der Unfallversicherung und v« r t a g.:« die Verhandlung, rb Kunst und Wissen Der Patriot Drama von Alfred Neumann.— Erstausführung im Deutsch,« Theater.— Gastspiel Fritz Kortner mit Ensemble. Obwohl dies« Erstaufführung, weil eben von einem Gafdspiel-Enfemble veranstaltet, vermutlich zumindest aus lange Frist, auch di« letzte hier rn Prag gewesen sein mag, und also die Kritik jenen Teil ihrer sonst ohnehin problematischen Aufgabe, der in der Werbung des Publikums oder im Gegenteil besteht, hier nicht erfüllen kann, scheint in diesem Falle dennoch eine ausführlicher« Würdigung am Platz«. Tenn es handelt sich um ein ungewöhnlich gutes Stück und um eine noch besiere Darstellung. Alfred Reumann, als Autor kunstvoller, psychologisch tief schürfender historisierender Romane, („Der Teufel",„Gnerra") bekannt, stellt mit seinem „Patriot"(her merkwürdigerweise erst jetzt zu upS kam) den Grafen von Pahlen und den Zaren Paul in den Mittelpunkt der nach der Geschichte dramatisierten HaMung von der Verschwörung gegen diesen russischen Despoten und seiner Ermordung(1796). Ten Zaren lernt man von dem Augenblick an, da er zum erftenmale di« S-ene betritt, als kranken und krankhaften Bluthund hasten und verachten, seinen Gegenspieler als hochintellek tuellen Willensmenschen, dem kein Mittel zu verwerflich wäre, als daß«r es nicht bei seinem Plan, Rußlaich von.dieser regierenden Bestie zu befreien u'cht verwenden wollt«. Mit Kabale ünb Liebelei wird der Zar zur Strecke gebracht. Einer von des Zaren kujonierten, mißhandelten geschlagenen Leib- gardisten ist das Werkzeug Pahlens. Beide, der intellektuell« und der faktische Mörder, enden nach der Tat, während unter den Klängen der Bests- Hymne der neue, erhofft bester« Zar geferert wird, durch Selbstmord. Das Drama Mfred Neumanns versucht mit viel Können und Geschick Anschluß an den Stil der deutschen Klassik, moderner wirkend vor allem nur durch eine Sprache, wie sie eben dem 20. Jahrhundert verständlicher ist. Aber selbst im Sprachlicher. ganz zu schweigen rom Aufbau der Szenen und den Aktschlüssen— führen direkte Linien vor all:m -u Schiller. Beispielsweise hört man einmal den Zaren ungefähr wie Wallenstein sprechen:. Ich will's und kann's nicht glauben, daß mich der Pahlen(lies Max) verlassen kann. Mtt kluger Dramatikerhand wird erst dieser Pahlen eingeführt zwar so, daß man gleich den ganzen, überlegenen, zu allem- Fähigen und E>tt- schlostenen, seiner Idee einer notwendigen Tat alle Begriffe von Moral und Treue und Anständigkeit opfernden, raffinierten Gewaltmen'chen kennen lernt, während das Menschliche am Zaren, der von ihm '«übst erkannte Fluch seines Geschlechts, seine Einsamkeit, ferne kindliche Hingabe an den einzigen großen und gefährlichen Gegner, eben an Pahlen, erst allmählich hervottrrtt. Ganz groß und großartig gesehen die Szene, in der der Herzkranke, geile, lierüsche Zar im Raue'ch zu voller Klarheit darüber kommt, daß der Haßgeliebte Pahlen daran ist, ihn um Krone und Leben ju bringen; da der Zar und die Frau, die zwischen den beiden Männern lebt, den Rcvplver gegen den Widerspieler anlegen, zu 'chwach aber ihn svtken lasten und damit das Schicksal' des Tyrannen selber besiegeln. Ungemein stark auch di«„Gamaschen"-Szene. voll äußerer und innerer Spannung alle sieben Bilder strst durchgängig. Abträglich der Wirkung allerdings Mehreres, bei dem das echt Dramatische allzu konstruiert und laut ins Theatralische abgebogen wich. Am bösesten ist in dieser Hinsicht der dunkle Schluß, das Traumreden des Zaren vor dem Eintritt seiner Mörder ms Schlafgemach, die lang ausgcsponnene Erbros- ielungsszene selber und schließlich der fast kitschige doppelte Knalleffekt mit der ruffischen Hymne. Doch trotz Wenn und Aber ein prachtvolles Stück, blutvolles Theater, in dem etwas von dem Erschütternden und Erhebenden des klassischen Dramas mit starker Wirkung gefangen nimmt. Nicht zuletzt freilich durch zwei Darsteller von außerordentlichem Format. Kortner spielt den gekrönten Pathologen, diesen rasenden Schweinehund, nrit Virtuosität im Spiel auf der eigenen wie auf fremden Seelen, mtt Meisterschaft in hunderten Einzelheiten, mit rasant wirkender Maske. Haltung und Sprache schon beim ersten' Auftritt. Wir aus diesem Rar:engesicht und diesem enimen'chten Herzen plötzlich doch auch das Menschliche sich loseist, das ist so wie di« ganze Leistung ganz groß« Schauspielkunst. Leichter darzustellen(weil geradlinig) und der Wirkung noch sicherer als der Zar(weil eben das befreiende urb gesunde Prinzip gegen das verderbliche und krank« vertretend) der Graf Pahlen. der darum auch stellenweise rein schauspielerisch(urd übrigens auch als Träger der größeren, der Hauptrolle) weit stärker noch als Kortner selbst hervortritt. Mer di« Wahrheit dürst« in der Mitte liegen, daß nämlich Ernst Lcudesdorff ein ebenbürtiger Partner Kortners ist, ein bomensicherer Charakterdarsteller, der es auf solche Höhe seiner Kunst gebracht hat, daß man beim kleinsten Zug der Gestalt noch denkt: io und nicht anders muß das sein. ttebripens üb'"."—•<*> sonst K-"itn->7- En- s'/ i!e die AnhängseÄschast anderer gastierender großer Schauspieler, wenngle'ch neben Norbert Schiller(Zarewitsch) alles andere sich nirgerds über mehr oder weniger g'tnn Durchschnitt erhebt. Kortner und Leudesdorff wurden überaus gefeiert.. L. G „Konflikt" von Max Alsberg, dem Autor von„Dorunpev'uchung", Sonntag in der Berliner Besetzung und Inszenierung(Karl Heinz Marlin) noch vor der Berliner Premiere. Ter Autor— Max Alsberg— wird der Premiere beiwohnen Beisetzung: Bass« rmann, Turienx. Tiedtke, Alberti,- Morgan. Abonnement au'gehoten. Gutscheine ungültig. Preise nur sehr mäß'g erhöht Sitzplätze schon ron 11 X. Allgemeiner Vorverkauf ab Domterstog. Woch'nspielplan des Reue« Deutsche« Theaters. Di NStäg, Uhr:„Die Meistersinger v-ö n Nürnberg"(A I).- Mit.woch. 8 Uhr:„Die geliebte Stimme"~ ,F)«dipuS"(B. 1). — Donnerstag, X8 Uhr:„Verwirrung der Gefühle", Uraufführung(C 1.)— Freitag K8 Uhr:„Orpheus"(D 1).— Samstag K.7 Uhr:„Götterdämmerung" PA 2). Woch nspickplan der Kleinen Bühn«. DienS'ag, 8 Uhr:„Bargeld lacht"(Volkstüml. Borftel- 'ung).— M ttwoch, 8 Uhr:„Ter Mustergatte"! (Vankb amten ll.)— Donnerstag, 8 Uhr:„Fa!- rat'— Frei'ag, 8 Uhr:„Salon Pitzelber- ger."—„Die schöne Galathöe."— Sams- tag. 148 Uhr:„Eva saniert das Paradies", Erstaufführung. Spart ♦ Spiel• Körnerpneoe Bürgerlicher Spork Sishock.y'WettmeifteMa t in Prag. Europameister: Tschechoslowakei.— Weltmeister: Amerika. Sonntag nachmittags fand vor ausverkauften Haufe das Ent'cheidurgN'piel um den Europameistertitel Mischen der Tschechoslowakei und Oest«rrei ch statt. Das Spiel selbst wurde von beiden Seiten in einem vorsichtigen und langsamen Tempo abgewickelt. Jede Partei war bestrebt, kein Tor zu erhalten uns die reguläre Spielzeit endete demnach auch torlos. Di« ersten zehn Minuten der Verlängerung brachten ebenfalls keine Entscheidung und erst in den zweiten zehn Minuten gelang es der Tschechoslowakei durch Maleöek zwei Tore zu erzielen und damit den Meistertitel an sich zu bringen. Der Sieg der Tschechoslowakei ist verdient, denn sie hatte in ihrem ersten Sturm(der fast das ganze Spiel über auf dem Eis« war!) die beste Waffe. Die Oesterreicher spielen wohl gefälliger, aber vor dem Tore zeigen sie sich als Laien: sie haben keinen einzigen schußkrästigen und geistesgegenwärtigen Angriffsspieler. Abends brachte der Weltmeisterfchaftskampf in- sofern ein Uoberraschung, daß Amerika über den Favoriten Kanada einen 2:1-Sieg errang, der ebenfalls erst nach Verlängerung(zehn Minuten) erzielt wurde. Bei Schluß der regulären Spielzeit stand der Kampf unentschieden 1:1. Im Gegensatz zum Nachmittagsspiel und zu allen anderen bot dieser Kampf wirkliches Eishockey, gepaart von blivarttger Schnei''■-"Übung und Schuß- wie Abwehrkunft, ohne daß dabei das Fair play verletzt worden wäre. ES war ein offenes urK ein ehrliches Spiel und der Eindruck, den«S hinterließ, wirkt nachhaltig. Wer der Eishockey- lport in Europa hat noch viel, viel zu lernen— daS Ktnderfreunde»ras. Treffpunkt Mittwoch, um halb 4 Uhr, bei der Holleschowiher Schule. Rodler und Skier mitbringen. Der Kindernachmittag entfällt. bewies der Kamps der Ueberfee-Spieler mit gewaltiger Deutlichkeit. Fußballergebnisse am SamStag. Bodenbach: Nuselsky SK., Prag gcgen Sp.-Lg. 3:2(3:2).— Komotau: THK. gegen DFK., Neftom tz 6:1 (3:0).— Brüx: D2K. gegen TSK„ Seestadt! 18:5(3:1).— Karlsbad: Spar.a gegen 6esktz lev, Pilsen 8:1(4:1).— Budapest: Hungaria gegen FE., Szeged 4:0(1:0). Fernevaros gegen Nemze i 5:0(2:0), Ujpest gegen Soroksar 7:2(2:1), — Wien: Admira gegen Fav-SK. 7:0(1:0), Rapid g gen Sportklub 4:1(1:0)— München:'186V gegen Sp.-Bg. Fürth 3:1.— Nürnberg: 1. FE. gegen FK.' Pirmasens 5:0— Kaiserslautern: Bayern München gegen FE. 4:1.— Plaue«: BSE. gegen Tennis-Borusf a Berlin 5:4(2:2).— Leipzig: VFB. gegen D S K S a a; 5:2(3:0). Köln: Westdeutschland gegen Diables rouge(Beb g en) 7:0(1:0). Spruuglaufmeistrr des HDW. wurde bei den in Römerstadt ausgetragenen Konkurrenzen 9t Burkert(Polaun), welcher 47, 49.5 und 485 Meter sprang: außer Bewerb stürz'« er be' 51 Meter und mußte leicht verletzt ins Krankenhaus geschafft werde«.' M Aus der Partei Jugendbewegung. Freie Vereinigung sozial stischer Akademiker. Tiens ag, den 28. Feber um 8 Uhr im Heim: Erster Fachschastsabend der Juristen. Mittwoch, de« 1. März, um 8 Uhr, im Heim: Gen. D: 9t Wiener:„Unsere Koalttionsarbet." Vereinsnadiridtfeit Singgemeinde! Freitag ausnahmslos zur Prob«! Hauptprobe vor Aufführung! Bert Brecht-Arbeitsgemeiuschaft. Heute, Xicn» 1 tag, den 28. Felber, 10 Uhr a b e nds im Eaft Continental(Hintergebäude), Probe zur„Heil l' gen Johanna der Sch lach:höf«". Literatur Dir beste Handkarte der Tschechoslowakei ist d" un er diesem Tttel im Maßstab 1:1 Mill, und* n der Größe von 63 mal 95 Ztm. bei Freytag& Berndl Wien VII., zu dem Preis« von Kc.15* soeben er sch«nette. In sechs Farben sehr''aubrr gedruckt, gibt sie trotz der großen Zahl von «amen eine gute Uebersichr. Dem Benützer** Kar e wird«S sehr nützlich sein, nicht nur die Bah««" zu finde», sondern sie auch«> Haupt- und Neben- bahnen. In«in- und zweigeleisige untersch eden i a sehen Die oft gebrauchten Lander- und Bezirks' Verwaltungsgrenzen sind deutlich ersichtlich, die La»' deshauptstädte, die Sitze der Bezirksverwal'ung«»' der Bezirksger chte und der Städte mit Magistkat sind entsprechend gekennzeichnet, di« S raßen si»° ebenso eingetragen wie die Bergwerke und Dad^ orte Ein besonderer Vorzug ist durch die BeH^ von fünf Nebenkarten in größerem Maßstab(!*' boten: Nordwestböhmen 1:200.000 das Ostrau-K»^ feiner Steinkohlengebiet 1:150.000, d e Umgebung von Prag, Brünn, Preßburg, jede 1:150.000 D»' mit gibt die Karte für diese wichtigen dicht bcsik' delten Gebiete, ein« gute Orientierung. rtnopäöisdiR He a* 9RU2Pr.9t.fttf'’ Monatl. Kurse i« orthop Massage, jem, Prag Ii„ Hooverovo' 1885 HeruuSueder S'esttrik» r»»d- tihelredatieur Wüd-Im ji I« tz» e r- Beiauiwortticher Bedukteur De. UmU Str« utz. Prag„- Druck:-Rota" N.-S sür Zeitung, und Buchdruck, Brau.— Für den Druck»erautwdrNtch Olt» 0»IU, Praß.— Dir 3«"ny«n>jr!"u;ti>atatai wurde von txt Potz->. Teiegiopdrodirelttou an ckrluj, Ht 139OÜ/V11 1980 dewilllgt— Bejugrdediuguigeu. Bet Zutzelluug itt» Haus»der bei Legug durch die Poft mottuNtch«t 16.—,»terieliädrltch Sch M—» tzutdsutzHO SUI sS.—. juujiahtch Kt W2.—.— Iunrarr werde» tau Laut ditzigtz derrchaer. Bet»ttere» ut»Ich«Utt»s«t Pretsuachlutz.— tiücksteltutre von MaruMste» erlol«! nur hui Hai Rsru«W«ts» 9 Mmimi• Erfolg brioieu vMtrkiM AudiM